Praxis-Tipp: Was heißt eigentlich Rating?

Von RA Ernst August Bach

Die Ratingnote sagt im Grunde genommen nur aus, wie wahrscheinlich eine Rückzahlung des eingesetzten Kapitals ist (also der gewährte Kredit) und wie sicher alle Zinsen fließen werden. Rating drückt die Wahrscheinlichkeit des Kreditausfalls aus. Es wird die angenommene Leistungsunfähigkeit des jeweiligen Unternehmens bei aufgenommenen Krediten prognostiziert, oder anders: Wie vorhersehbar könnte der Kreditausfall sein, also die Leistungsunfähigkeit des Unternehmers, oder welcher „unvorhergesehene Leistungsausfall“ könnte zum Tragen kommen? Vergeben werden die Einschätzungen von Ratingagenturen durch den Unternehmer selbst, welcher auch die Kosten zu tragen hat („externes Rating“) oder die Bank/Sparkasse nimmt ein solches Rating in ihren Spezialabteilungen vor („internes Rating“), welches kostenmäßig letztlich auf den Kunden umgelegt wird. Ausgedrückt werden sie in Codes von AAA bis CCC, wobei AAA die Bestnote ist. Grundlage der Einschätzung sind die betriebswirtschaftlichen Daten, die das Unternehmen vorzulegen verpflichtet ist. Dieser Code beeinflusst also ganz direkt die Kosten, die ein Unternehmen für einen Kredit aufzubringen hat. Wie das?

Schon die „Basel I“ genannte Vereinbarung regelte (seit 1988), wie viel Eigenkapital Geldinstitute für die Kreditvergabe vorweisen müssen. Galt noch bei Basel I der Grundsatz, dass die Banken pauschal 8 Prozent der herausgelegten Kreditsumme als Eigenkapital zurückzulegen hatten, gilt jetzt, dass sich die Höhe der Rücklagen für einen Kredit sich nach der Ausfallwahrscheinlichkeit, also dem Rating des Kredit nehmenden Unternehmens, zu richten hat. Die Quoten liegen nun, pauschal gesagt, zwischen 1,1 und 12 Prozent.

Das ist Geld, das den Banken zwar gehört, aber als Eigenkapital festgelegt bleibt. Es darf für keinerlei Geschäfte mehr verwendet werden – totes Kapital also, das den Kostensatz der Banken erhöht. Diese geben die Kosten selbstverständlich an ihre Kunden weiter, indem sie die Zinsen entsprechend gestalten. Und zwar so, dass der Kreditnehmer um so höhere Zinsen aufwenden muss, je schlechter sein Rating ausfällt.

Bestimmungsfaktoren für das Rating

Basel II unterscheidet nach externem und internem Rating. Beim externen Rating übernimmt ein fremdes Prüfunternehmen die Einschätzung, beim internen erledigt das eine Abteilung der Bank. Externes Rating kommt bei hiesigen mittelständischen Unternehmen so gut wie überhaupt nicht vor. Dies liegt zum einen an den exorbitant hohen Kosten hierfür. Zum anderen aber auch daran, dass mit dem internen Rating die Banken ein Herrschaftsinstrument für das Preisdiktat an die Hand bekommen. Denn die Ergebnisse bleiben geheim, sie werden dem Unternehmen nicht mitgeteilt. Dieses hat damit keine Chance, sich gegen eine ungünstige Einstufung zur Wehr zu setzen. Eine sehr bequeme Position für die Banken. Die unterschiedlichen Berechnungsmethoden für das Rating brauchen, weil der Unternehmer die Ergebnisse nicht sehen wird, hier nicht vorgestellt zu werden. Nur so viel: Nach Basel II bestimmt sich das Rating des Mittelständlers maßgeblich anhand der so genannten „Hard Facts“. Der Mittelständler hat mit den „Hard Facts“ dem Banker überzeugende Informationen vorzulegen, die bekanntlich aus den Bilanzen und den laufenden aktuellen Zahlen der BWA, aber auch aus den persönlichen Vermögensverhältnissen des Unternehmers hervorgehen – umfassender kann sich niemand entblößen. Diese Zahlen werden entsprechend einem speziellen Schlüssel zunächst einzeln bewertet und danach mit Hilfe mathematisch-statistischer Methoden zu einem Gesamtergebnis verdichtet.

Was bewirkt die Ratingnote?

Die Ratingnote bewirkt eine drastische Unterbewertung der Unternehmen und eine Differenzierung der Zinsen, wie sie bis heute unbekannt war. Damit geraten besonders die deutschen mittelständischen Unternehmen, zumindest die, die über zu wenig Eigenkapital verfügen, zusätzlich unter Kostendruck.

Wie stark sich das auswirken kann, hat die Fachzeitschrift Immobilien Zeitung Anfang 2005 anhand dreier unterschiedlicher, aber durchaus typisch ausgestatteter Unternehmen dokumentiert:

Unternehmen Musterhaus GmbH Bauprofi KG Immojob Ltd.
Rating AAA BB schleter als BB-
Darlehenssummeg 1.5 Mio€ >1.5 Mio€ 1.5 Mio€
Risikogewicht 20% >100% 150%
Richtgröße Eigenkapitalunterlegung 1,6% >8% 12%
Eigenkapitalunterlegung der Bank 24.000 € 120.000 € 180.000 €
Zinsmarge der Bank 0,24 % 1,2 % 1,8%
Refinanzierung der Bank am Kaptialmarkt 4,75 % 4,75 % 4,75 %
Risikoadäquate Marge der Bank 0,01 % 1,10 % 4,5 %
Zinssatz des Kreditnehmers 5,75 % 7,8 % 11,8 %
Nomineller Zinsaufwand 86.250 € 117.00 € 177.000 €
Lesebeispiel: Das Rating „schlechter als BB-“ der Firma Immojob Ltd. beeinflusst das Risikogewicht und die Höhe der notwendigen Eigenkapital-Hinterlegung der Bank für einen Kredit in Höhe von zum Beispiel 1,5 Mio. €. So zahlt die Firma Immojob Ltd. mehr als das Doppelte an Zinsen im Vergleich mit der mit AAA gerateten Firma Musterhaus GmbH.

Das Beispiel macht deutlich, wie sich die Bonität eines Unternehmers bei dem von der Bank vorgenommenen Rating und der Preisgestaltung des Zinses auswirkt. Es liegt auf der Hand, dass es damit für bonitätsstarke Unternehmen zukünftig enorme Wettbewerbsvorteile gegenüber Mitbewerbern gibt, die ein schlechtes Rating haben. Die Zinslast eines schlechter als BB- gerateten Unternehmens, was einen großen Teil des Mittelstands betrifft, ist demnach doppelt so hoch wie bei einem bestgerateten Unternehmen.

Wege, sein Rating positiv zu beeinflussen

Bei der Ermittlung dieser Ratings entsteht zunächst einmal die Gefahr, dass bei den üblichen Schwankenden der Ergebniszahlen des typischen mittelständischen Unternehmers die Ratings von Jahr zu Jahr erheblich schwanken. Das könnte negativ als Instabilität interpretiert werden. Diese Gefahr wird allerdings ausgeglichen durch die hohe Bedeutung, die bei den Ratingmethoden dem Eigenkapital zugemessen wird. Es gleicht die oszillierenden Teilwerte aus, was ja auch in sich schlüssig ist. Denn wenn ein Unternehmen finanziell ausreichend unterfüttert ist, kann es auch schon einmal eine längere Durststrecke überstehen. So kann nur jedem Unternehmer geraten werden, schnellstens sein Eigenkapital aufzustocken – ab 15 Prozent erst beginnt die beruhigende Zone.

Die Erhöhung der Eigenkapitalquote ist also die beste Methode, das Rating zu verbessern. Wenn das aber auf die Schnelle nicht machbar ist – gibt es andere Mittel, das Rating zu beeinflussen? Ja, aber nur indirekt:

  • nehemen Sie das Kontokorrent nicht übermäßig in Anspruch
  • zahlen Sie pünktlich
  • vermeiden Sie Mahn- und Vollstreckungskosten
  • Bauen Sie übergroße Lagerbestände ab.

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