Wirtschaftskriminalität Gehen Sie beim Sicherheitsmanagement auf Nummer sicher

20.01.2009 – Gerade kleine und innovative Unternehmen sind begehrte Opfer von Wirtschaftskriminalität. Ein umfassendes Sicherheitsmanagement bietet deshalb nicht nur Schutz vor Ideenklau oder unliebsamen Eindringlingen, sondern trägt auch zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens bei.

Schon vor rund vier Jahren berichtete ein chinesischer Überläufer in Belgien detailliert über hunderte chinesischer Spione, die auf verschiedenen Ebenen der deutschen Industrie tätig sind. Auf der Webseite des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg ist dieser Spionagefall unter vielen anderen in einer kurzen Notiz aufgeführt – es sind die spektakulärsten, die es in Deutschland jemals gab. Dahinter steckt ein ernst zu nehmendes Phänomen. Von Spionage oder insbesondere Wirtschaftsspionage werden nämlich nicht mehr nur große Konzerne geplagt, auch mittelständische, technologieorientierte Unternehmen geraten zunehmend ins Visier von Nachrichtendiensten oder Konkurrenzausspähung.

Eine Studie des Sicherheitsforums Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Lüneburg deckt das Gefährdungspotenzial auf: In Geldbeträgen gemessen laufen rund sieben Milliarden Euro an Produktideen und Produktions-Know-how im Ländle Gefahr, ausspioniert zu werden. Zirka eine Milliarde Euro an Schäden sind bereits entstanden. Trotzdem, und das ist das Erstaunliche, kümmern sich viele Firmen gar nicht, und wenn überhaupt dann nur lapidar um eine professionelle Sicherheitsstrategie. Harald Woll, Leiter der Abteilung Spionageabwehr am Landesamt für Verfassungsschutz, meint:

„Gerade junge Unternehmen sollten sich mit dem Thema Sicherheit vertraut machen und es als Kernkompetenz betrachten.“

Denn nicht selten hinge die Existenz kleinerer Unternehmen an einem einzigen Produkt.

Wirtschaftsspionage: Unternehmen scheuen oft Schutzmaßnahmen

Kein Bundesland setzt Innovationen so gut um wie Baden-Württemberg, und das im internationalen Vergleich. Beim sogenannten Innovationsindikator 2006, einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur Innovationsfähigkeit der Bundesrepublik, belegte das Bundesland vor der Schweiz und den USA die Spitzenposition. Erfreulich auf der einen, gefährlich auf der anderen Seite. Der Grund: Kleine und innovative Unternehmen, die gerade im baden-württembergischen Südwesten zahlreich vertreten sind, gehören zu den bevorzugten Zielen von Wirtschaftsspionage. Trotzdem ist das Interesse dieser Unternehmen an geeigneten Schutzmaßnahmen nicht übermäßig hoch. Gerade mal rund 0,1 Prozent ihres Umsatzes geben sie dafür aus. „Blauäugig“, sagt Spionageexperte Woll dazu. Die Unternehmen seien nicht selten überzeugt, bei ihnen gäbe es nichts auszuspionieren. Hinzu käme eine gehörige Portion Selbstüberschätzung. Woll weiter:

„Einfach zu behaupten, bis die Konkurrenz mit einem bestimmten Produkt nachgezogen ist, habe man schon die nächste Innovation entwickelt, ist sehr riskant.“

Auch die Anmeldung einer Erfindung als Patent ist nach Ansicht von Harald Woll nicht immer die optimale Lösung, manches Mal sogar sei das genau das falsche Mittel. Mit dem rechtlichen Schutz der Innovation müsse auch gleichzeitig die Geschäftsidee offen gelegt werden. Konkurrenzunternehmen könnten so die eigentliche Produktidee aufgreifen, entsprechend weiterentwickeln und am Ende davon profitieren. Rechtlich ist das dann ein völlig neues Produkt.

Aber was können Unternehmen gegen den sogenannten „unfreundlichen Informationsabfluss“ tun? Auf den ersten Blick erscheint das ein schwieriges Unterfangen, kommen doch 54 Prozent der Täter bei wirtschaftskriminellen Delikten aus den eigenen Reihen, so das Ergebnis einer Studie der Result Group GmbH, einem internationalen Business Risk Consulting Unternehmen aus München. Über 3.500 Unternehmen in Deutschland wurden dabei nach ihren Erfahrungen mit Wirtschaftskriminalität befragt. Mittelständler seien besonders betroffen, so der Tenor, doch aus Angst vor Imageverlust würden die Vorfälle oft totgeschwiegen. Die Berater empfehlen deshalb die Installierung eines strategischen Frühwarnsystems, zu dem beispielsweise Geheimhaltungsverpflichtungen in Arbeitsverträgen oder auch moderne Personaldiagnostiken bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern gehören.

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