Wirtschaftskriminalität Gehen Sie beim Sicherheitsmanagement auf Nummer sicher

Teil 2: Technik: Digitale Videoüberwachung kann helfen

Unternehmen, die loyale Mitarbeiter beschäftigen, die sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren, sind gegen Wirtschaftsspionage zweifelsohne besser gerüstet. Trotzdem drohen auch diesen Unternehmen Gefahren von außen. Wanzen oder versteckt eingebaute Kameras sollten erst gar nicht durch unliebsame Personen ins Firmengebäude gelangen. Eine mögliche Option: digitale Videoüberwachung. Automatisierte Abläufe sollen hier ein Mehr an Sicherheit bringen. Albert Unterberger, Leiter der Abteilung Videoanalyse beim Acherner Sicherheitstechnikhersteller Securiton, sagt:

„Der Trend geht dazu, die Übertragungswege zu digitalisieren.“

In der Praxis geschieht dies mithilfe einer Netzwerkverkabelung und sogenannten IP-Kameras, die anstelle eines analogen einen digitalen Anschluss besitzen. Die Signale werden dann wie im Internet mit dem IP-Protokoll übertragen. Der Vorteil dabei: Geräte für den Aufzeichnungsprozess etwa müssen nicht mehr digitalisieren. Heute liefern moderne Systeme eine konstant gute Bildqualität, sorgen für eine Trennung von Aufnahme- und Speicherort und erleichtern die Bildsuche. Ein weiteres Plus: Bei der digitalen Überwachung übernimmt der Computer die Wahrnehmung und zieht die notwendigen Schlüsse. Eine Hilfe fürs Wachpersonal. Den Grund nennt Erik-Karl Tupy, Leiter der Abteilung Digital Video Surveillance beim Computerriesen IBM:

„Nach 22 Minuten fällt die Konzentration beim menschlichen Überwacher auf fünf Prozent ab.“

Zukunft: Ein computergesteuerter „Wachmann“ vom Fraunhofer IITB

Mit digitaler Überwachung beschäftigt sich auch Markus Müller. Der Abteilungsleiter für Autonome Systeme und Maschinensehen am Fraunhofer Institut für Informations- und Datenverarbeitung in Karlsruhe forscht gerade an der Zukunft der Firmenüberwachung. Läuft alles wie geplant, sollen einmal sogenannte multisensoriell operierende Inspektionsroboter auf größeren Unternehmensbereichen selbstständig patrouillieren und verdächtige Situationen automatisch registrieren können. Hintergrund des AMROS-Projekts ist unter anderem die Sicherung von gefährdeten industriellen Immobilien. Markus Müller erläutert:

„Die Roboter sollen Gefahrensituationen autonom erfassen, entsprechend reagieren und die Daten an die Sicherheitszentrale weiterleiten.“

Der Prototyp des maschinellen Wachmanns fährt auf zwei Rädern und ist mit mehreren Kameras bestückt: Eine 360-Grad-Panoramakamera scannt die Umgebung, eine Farbkamera, die bei Dunkelheit auf Infrarotlicht umschaltet, und zu guter Letzt eine Wärmekamera, die auch bei völliger Dunkelheit Personen oder gerade benutzte Pkw anhand ihrer Wärmeabstrahlung ausfindig macht. So könnte theoretisch auch ein Wagen von möglichen Einbrechern aufgespürt werden. Ein aufmontierter Laser scannt die Umgebung, die ihm vorher ins Computerhirn einprogrammiert wurde, zusätzlich in 3D. Aufgrund von vorab eingespielten Geo-Koordinaten weiß der Roboter genau, welche Strecke er abfahren und welche Bereiche im Unternehmen er überwachen muss.

Doch nicht nur Personen oder Gegenstände könnten so in Zukunft ausfindig gemacht werden, auch veränderte Situationen wie beispielsweise offene Fenster oder Türen von Firmengebäuden soll der Roboter erkennen können und dies in Form von digitalen Bilddaten an die Sicherheitszentrale melden. Müller ergänzt:

„Ein klarer Vorteil gegenüber einem gewöhnlichen Wachmann, der viele einzelne Überwachungsmonitore im Auge behalten muss.“

Der Roboter hingegen scannt gleich die gesamte Umgebung ein. Momentan befindet sich das Projekt noch in einer frühen Testphase. Noch in diesem Jahr erwartet Markus Müller konkrete Ergebnisse. 

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