Einleitung:
Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist die Entwicklung eines Modells zur Beurteilung und Bewertung von CSR-Maßnahmen bei Kapitalgesellschaften. Das Modell soll dabei eine möglichst große Anzahl von Adressaten ansprechen. Deshalb wurde die Entscheidung getroffen, einen branchenübergreifenden Kriterienkatalog zur Bewertung der CSR-Maßnahmen zu erstellen. Um dem Anspruch einer hohen Praxistauglichkeit zu genügen, wurde das Bewertungsmodell mit Hilfe des Tabellenkalkulationsprogramms Microsoft Excel umgesetzt.
Gang der Untersuchung:
Als Annäherung an das Thema CSR wird der angloamerikanische Ursprung sowie das Verständnis von CSR vorgestellt. Dabei wird herausgestellt, dass sich die soziale Verantwortung der Unternehmen an den gesellschaftlichen Erwartungen und Werten orientieren muss und die Unternehmen die Pflicht haben, über die eigene ökonomische Performance hinaus Verantwortung für gesellschaftliche Aktivitäten zu übernehmen. Im Anschluss an den angloamerikanischen Ursprung werden die CSR-Bemühungen innerhalb der EU vorgestellt, die ihren bisherigen Höhepunkt in der Veröffentlichung des EU-Grünbuchs finden. Nachdem die darin behandelten Themen von CSR und die Unterscheidung nach einer internen und externen Dimension vorgestellt wurden, wird das bis dato wenig ausgeprägte Verständnis von CSR in Deutschland erörtert.
Im Anschluss an die Erläuterung der verschiedenen Entwicklungslinien werden in Abschnitt 2.2 verschiedene CSR-Definitionen vorgestellt und eine für den Verlauf der Arbeit gültige Definition formuliert. Hiernach umfasst CSR die Gesamtheit aller sozialen, ökologischen und ökonomischen Beiträge eines Unternehmens zur freiwilligen Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung, die über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen hinausgehen.
Im Anschluss an die Begriffsabgrenzung werden drei weitere Konzepte vorgestellt, die in der öffentlichen Diskussion häufig synonym zum CSR-Begriff verwendet werden. Außerdem wird und eine Abgrenzung zum CSR-Konzept vorgenommen. Als erste der drei Abgrenzungen wird der Begriff `Nachhaltige Entwicklung` definiert. Hier wird die populärste Definition vorgestellt, die sich im Laufe der letzten Jahre durchgesetzt hat. Nach der sogenannten Brundtland Kommission ist eine Entwicklung nachhaltig, wenn sie den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.
Ebenfalls wird festgestellt, dass sich das Corporate Citizenship Konzept mit der Rolle des Unternehmens als guten Bürger beschäftigt und im deutschen Sprachraum nur einen kleinen Ausschnitt von CSR repräsentiert. Der Begriff Corporate Governance hingegen betrifft das Thema gute Leitung und Überwachung von Unternehmen. Zur Abrundung der theoretischen Grundlagen erfolgte eine Auseinandersetzung mit dem Begriff Modell und die Formulierung der wichtigsten Erkenntnisse.
Im dritten Abschnitt wird eine Analyse der unterschiedlichen CSR-Dimensionen in den verschiedenen CSR-Publikationen vorgenommen, um daraus die verschiedenen Themenbereiche und Einzelkriterien für das zu erstellende Bewertungsmodell zu generieren. Zu den analysierten Quellen gehören internationale Rahmenwerke und Empfehlungen, Standardisierungs- und Bewertungskonzepte, Ratingagenturen und Verbraucherschutzorganisationen, Modelle zur Bewertung von CSR sowie Rankings und Untersuchungen zum Thema CSR. Aus den analysierten Quellen werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und in graphischer Form abgebildet.
Im vierten Abschnitt erfolgt dann auf Basis der Erkenntnisse des zweiten und dritten Abschnitts die Konzeption des CSR-Bewertungsmodells. Dabei werden der Aufbau des Modells und die einzelnen Komponenten vorgestellt. Hauptbestandteile des Modells sind der Kriterienkatalog sowie die Berechnungen und Präsentation der Ergebnisse des Modells in Form von Berichten. Der entwickelte Kriterienkatalog besteht aus 91 Einzelkriterien, mit denen die CSR-Performance in den drei Oberkategorien Ökonomisch, Ökologisch und Soziales gemessen wird. Die Oberkategorien teilen sich in Hauptkategorien und Nebenkategorien auf. Die Ergebnisse der einzelnen Kategorien werden in Form von fünf Berichten transparent dargestellt.
Nachdem das CSR-Bewertungsmodell mit Hilfe des Tabellenkalkulationsprogramms Excel entwickelt wurde, erfolgt in Abschnitt fünf die Anwendung des Modells. Zu diesem Zweck werden drei Kapitalgesellschaften ausgewählt, die aufgrund ihrer diversen Veröffentlichungen zum Thema CSR bewertet werden sollten. Bei den zu bewertenden Unternehmen handelt es sich um BASF, die Henkel AG sowie Anglo American. Zu den berücksichtigten Informationsquellen gehören Geschäfts-, CSR- und Nachhaltigkeitsberichte. Darüber hinaus wurden die Informationen auf der Unternehmenshomepage berücksichtigt. Nachdem das Vorgehen für die Bewertung vorgestellt wurde, erfolgt die Bewertung anhand der 91 Einzelkriterien. Die Ergebnisse der Bewertungen werden ausführlich mit Hilfe der definierten Berichte dargestellt. Als Kernaussage kann festgehalten werden, dass die drei Unternehmen hinreichend Potential zur Verbesserung ihrer CSR-Performance besitzen. Speziell der Bereich Soziales wird bei allen drei Unternehmen als nicht ausreichend bewertet.
Im Anschluss an die Bewertung der drei Gesellschaften erfolgt eine Stärken- und Schwächen-Analyse des entwickelten Bewertungsmodells. Zu den identifizierten Stärken gehören der kompakte Kriterienkatalog, die Möglichkeit der branchen-unabhängigen Bewertung, die Tatsache, dass das Bewertungsmodell mit einer Standard Office Software umgesetzt wurde, die geringe Komplexität des Modells sowie die Möglichkeit der Parametrisierung. Zu den Schwächen zählen die Nichtbewertung quantitativer Daten, der Einfluss der Subjektivität des Bewertenden, die Verfügbarkeit und die Validität der Informationen sowie die Datenbeschaffung. Aus den identifizierten Schwächen werden Optimierungsvorschläge erstellt und erläutert.
In der Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse des Modells kritisch beleuchtet und Erfolgsfaktoren näher untersucht. Außerdem wird ein Ausblick auf mögliche Entwicklungen zur CSR-Thematik gegeben. Dazu gehören mögliche Veränderungen in den Wertvorstellungen der Gesellschaft sowie der politischen Rahmenbedingungen.