Einleitung:
Vorbei sind die Zeiten, in denen man zur Bank geht, sein Geld auf ein Sparbuch legt und einfach nur warten muss, dass es sich vermehrt. 6% - 10% p.a. Rendite bei Sparzinsen war vor einigen Jahren keine Seltenheit. Dies hielt die Nachfrage nach Alternativen sehr gering.
Doch im Laufe der Zeit veränderte sich die Marktlage und damit auch Angebot und Nachfrage. Somit rücken heute professionell gemanagte Investmentfonds immer mehr in den Fokus der Privatanleger. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in den letzten 10 Jahren die Nachfrage nach professioneller Vermögensverwaltung stark angestiegen ist. Während im Jahr 1997 ein Vermögen von rund 533 Mrd. EUR in 4.655 Investmentfonds investiert waren, so sind es 2007 schon rund 1.700 Mrd. EUR in 9.470 Investmentfonds.
Die große Anzahl an Investmentfonds hat aber nicht nur Vorteile. Die verschiedenen Fondsgesellschaften unterliegen einem stetig steigenden Druck ihre Bestandskunden zu halten und Neukunden zu gewinnen. Dieser Kampf führt dazu, dass Fondsmanager die ihnen gegebenen Anreize optimal ausnutzen müssen. Dies war ein Grund für die Entstehung verschiedener Investmentstile, die Fondsmanager und Fondsgesellschaften bei ihrer Produktentwicklung anwenden. In meiner Arbeit befasse ich mich unter anderem mit den verschiedenen Verfahren, welche die Fondsgesellschaften nutzen um ihre Produkte optimal auf die Kundenbedürfnisse abzustimmen. Denn nicht nur das Verhalten der Fondsmanager hat sich in den vergangenen Jahren verändert, auch Privatanleger müssen sich immer wieder aufs Neue mit den sich stetig entwickelnden Märkten auseinandersetzen. So konnte man zum Beispiel früher ein Depot optimal mit einer Allokation über verschiedene Länder aufstellen. Heute allerdings rücken immer mehr Möglichkeiten in das Blickfeld der Anleger und Fondsgesellschaften, die berücksichtigt werden müssen. Deshalb werde ich in meiner Arbeit auch auf das Verhalten und Denken der Anleger eingehen, die bei der Fülle an Informationen und Neuerungen nicht immer rational handeln. Ein Beispiel hierfür ist die Jahrzehnte alte Börsenregel:
'Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen'.
Viele Untersuchungen in der Vergangenheit haben gezeigt, dass sich die meisten Investoren genau gegenteilig verhalten. Dies ist nur ein Beispiel des irrationalen Verhaltens von Investoren am Aktienmarkt. Wie oben bereits angesprochen, soll in der vorliegenden Bachelorarbeit einerseits gezeigt werden, wie bestimmte Investmentfondskategorien auf bestimmte Verhaltensanomalien von Investoren abzielen und versuchen, diese auszunutzen. Andererseits soll die Performance-Zufluss-Beziehung in verschiedenen Segmenten und innerhalb einer Investmentfondsfamilie genauer untersucht werden, da diese die wichtigsten Erkenntnisse zur Neukundengewinnung bzw. zu den Mittelzuflüssen erbringen. Als letzter Schritt sollen Ergebnisse aus der Literatur über den deutschen Aktienmarkt anhand einer eigenen Studie untersucht werden.
Gang der Untersuchung:
Die Arbeit gliedert sich in zwei Basis schaffende Theorieteile (Kapitel 2 und 3) und einen empirischen Teil (Kapitel 4).
Das auf die Einleitung folgende zweite Kapitel befasst sich mit den Hintergründen von Investmentfondskategorien. Es wird gezeigt, warum es in der heutigen Zeit so wichtig ist, dass durch Style Investing verschiedene Investmentfondskategorien entstehen und wie diese zur Portfoliodiversifikation beitragen. Die bekanntesten Investmentstile Value, Growth, Large-Cap und Small-Cap werden genauer beschrieben.
Im dritten Kapitel wird auf die Performance-Zufluss-Beziehung in der Investmentfondsindustrie eingegangen. Zuerst werden die Haupteigenschaften der Performance-Zufluss-Beziehung beschrieben und ihre Entstehung durch verhaltenspsychologische Aspekte erklärt. Im Weiteren wird beschrieben, welche Anreize den Managern durch die Eigenschaften der Performance-Zufluss-Beziehung gegeben werden und inwieweit sie diese ausnutzen. Außerdem wird dargestellt, wie und aus welchen Gründen sich die Performance-Zufluss-Beziehung in unterschiedlichen Segmenten des Aktienfondsmarktes und innerhalb einer Fondsfamilie unterscheiden.
Das vierte Kapitel beschreibt die selbst durchgeführte empirische Analyse der Performance-Zufluss-Beziehung am deutschen Investmentfondsmarkt. Zuerst wird die Performance-Zufluss-Beziehung am gesamten deutschen Markt untersucht, bevor die Performance-Zufluss-Beziehung von Länder- und Branchenfonds genauer betrachtet wird.
Im fünften Kapitel schließt die Arbeit mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse ab.