Einleitung:
"Remember that TIME is Money", als Benjamin Franklin diesen Hinweis einem jungen Händler im Jahre 1748 mit auf den Weg gab, war dies ein weiser Ratschlag eines älteren erfolgreichen Händlers. Die Weisheit von damals verfügt nach wie vor über Gültigkeit. Sie hat aufgrund eines stark veränderten Wechselkurses zwischen Zeit und Geld in den gut 260 Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. In einer Epoche, in der es so viel Geld und Wohlstand wie nie zuvor gibt, scheint die vorhandene Zeit immer mehr abzunehmen. Sie ist ein knappes Gut geworden, das so effizient wie möglich genutzt werden muss. In zunehmend kürzeren Abständen wird immer mehr konsumiert, produziert und gelebt. Die damit einhergehende, fortwährende Beschleunigung des Lebens ist ein fester Bestandteil der Menschheit und ihrer Fortentwicklung. In der Moderne angetrieben durch den Kapitalismus ist ein Ende nicht abzusehen und im System auch nicht eingeplant. Es muss mehr Wohlstand erzeugt werden in immer kürzeren Perioden. Doch ist dieser sich stets weiter beschleunigende Kapitalismus ein erstrebenswertes Optimum? Oder befindet sich die Entwicklung in einem Ungleichgewicht mit den umgebenden Systemen? Weiß nicht schon der Volksmund das "Gut Ding will Weile haben"? Kann sich die beschleunigte Menschheit auf Dauer ungestraft erlauben, die Eigenzeiten der Systeme zu missachten, ohne langfristig selbst Schaden zu nehmen? Welche Alternativen bieten sich an?
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Gründe und Folgen der beschleunigten Unternehmensberichterstattung sowie der kurzsichtigen Unternehmensausrichtung darzustellen, um die Frage zu beantworten, ob eine Entschleunigung in diesen Bereichen als sinnvoll zu erachten ist. Erzeugt ein Verzicht auf Quartalsberichte am Ende sogar einen Mehrwert für Beschäftigte und Anteilseigner?
Im nachfolgenden zweiten Kapitel der Arbeit erfolgt zuerst die Charakterisierung der Beschleunigung, um eine Definition von Entschleunigung zu ermöglichen. Aufgrund des Umfanges dieses Gebietes erfolgt die Begriffserklärung nur im Allgemeinen und wird anschließend für das Gebiet der Unternehmensberichterstattung konkretisiert. Nach dieser Vorarbeit ist es möglich, den Begriff Entschleunigung zu definieren. Auch hier erfolgt der Weg vom allgemeinen Ansatz zu einer konkreten Bestimmung im Bereich der Unternehmensberichterstattung. Nach der Charakterisierung der beiden Phänomene, welche die Basis dieser Arbeit darstellen, widmet sich Kapital drei den Ursachen einer Beschleunigung in der Unternehmensberichterstattung und der damit verbunden Kurzsichtigkeit in der unternehmerischen Handlung. Um die darin vorkommenden Phänomene und entstandenen Handlungsweisen zu verstehen sowie ihre Grundlage aufzuzeigen, erfolgt eine Betrachtung der Prinzipal-Agenten-Theorie, des Shareholder-Value Ansatzes und der Präferenzen des Kapitalmarktes. Im sich anschließenden vierten Kapitel, dem Hauptteil der vorliegenden Arbeit, werden dann die Folgen der Beschleunigung in der Unternehmensberichterstattung und der damit verbundenen Kurzsichtigkeit für das Unternehmen, die Anteilseigner als auch die Mitarbeiter aufgezeigt. Da mithilfe der Arbeit untersucht wird, ob eine Entschleunigung positive Auswirkungen auf die Beteiligten des Unternehmensumfeldes hat, befasst sich dieser Teil vor allem mit den negativen Konsequenzen und Folgen der Beschleunigung. Die Entschleunigung der Unternehmensberichterstattung sowie die Abkehr von der Unternehmensmyopie werden im fünften Kapitel am Beispiel der Familienunternehmen vorgestellt und untersucht. Schließlich fasst das sechste Kapitel die gefunden Ergebnisse zusammen und unterzieht sie einer kritischen Würdigung.