Einleitung:
Seit der Veröffentlichung der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung (kurz: Basel II) hat das Thema eine öffentliche Debatte entfacht, an der sowohl Banken, als auch Unternehmen beteiligt sind. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die ca. 99,7 % aller deutschen Unternehmen ausmachen und damit das Rückgrat der inländischen Wirtschaft bilden, äußern starke Befürchtungen bzgl. Ihrer zukünftigen Finanzierung.
Werden sich Kreditinstitute zunehmend aus den Kreditengagements mit der kleinen und mittelständischen Wirtschaft zurückziehen? Welche Neubelastung infolge steigender Fremdkapitalzinsen haben Unternehmen mit schlechtem bzw. keinem Rating zu erwarten? Ist ein Rating meiner Bank (internes Rating) oder einer unabhängigen Ratingagentur (externes Rating) vorteilhafter für mein Unternehmen? Welche Kosten aufgrund immer wieder durchzuführender Ratings kommen in Zukunft auf mein Unternehmen zu? Werde ich aufgrund gestiegener Kosten noch wettbewerbsfähig gegenüber größeren Unternehmen bleiben können? Und vor allem, wie bereite ich mich und mein Unternehmen auf die zukünftigen Ratings richtig vor?
Viele dieser Fragen treten immer wieder im Zusammenhang mit dem Thema Basel II auf. Ob die neue Eigenkapitalvereinbarung neue Chancen oder Probleme mit sich bringt und wie sie sich letztendlich auf die Unternehmen auswirkt, ist momentan noch schwer einzuschätzen. Die tatsächlichen Effekte von Basel II auf die Finanzierung mittelständischer Unternehmen lassen sich wahrscheinlich erst nach der Umsetzung aller Vorschriften des Baseler Akkords und deren alltäglichen Anwendung erkennen. Diese Arbeit befasst sich allerdings schon einmal im Vorgriff, auf die Ende 2006 stattfindende Umsetzung der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung in nationales Recht, mit Chancen und Problemen für die mittelständische Wirtschaft.
Gang der Untersuchung:
Nach einer Grundlagendefinition von Unternehmensgrößen, der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung und dem Rating geht die Arbeit auf die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Finanzierung von Mittelstandsunternehmen ein, um sich dann im anschließenden Kapitel mit möglichen Lösungsansätzen zu befassen. Eine Zusammenfassung schließt die Arbeit ab.
Problemstellung:
Unternehmen lassen sich grob in drei verschiedene Größen einsortieren. Klein-, Mittel- und Großunternehmen. Zur Bestimmung verwendet man meistens quantitative Faktoren wie z.B. Umsatzhöhe oder Mitarbeiterzahlen. Es fließen aber auch qualitative Gegebenheiten wie der mehrheitliche Familienbesitz oder die Personengesellschaft, wie sie typischerweise bei kleinen und mittleren Unternehmen der Fall ist, mit in die Definition eines KMU ein. Derzeit gibt es mehrere Auslegungen zur Zuordnung der Unternehmen in verschieden Größen. Zwei sehr häufig für die Statistik verwendete Definitionen stammen vom IfM/Bonn und der EU-Kommission.
Als KMU werden, laut quantitativer Mittelstandsdefinition des Instituts für Mittelstandsforschung / Bonn, alle Freiberufler, Handwerksbetriebe und gewerblichen Unternehmen mit einem maximalen Jahresumsatz von unter 50 Mio. Euro sowie weniger als 500 Beschäftigten bezeichnet.
Auf europäischer Ebene zählt man Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von unter 250, sowie einem Jahresumsatz von weniger als 50 Mio. Euro und einer Jahresbilanz bis maximal 43 Mio. Euro zu den KMUs.
Neben oben genannten quantitativen Merkmalen sind kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland auch dadurch leicht zu Erkennen, dass es sich mehrheitlich um klassische Familienbetriebe handelt, die sich hauptsächlich im Eigentum von einzelnen Personen, Familien oder einem sehr begrenzten Personenkreis befinden. Nur ein geringer Teil der KMUs gehört zu den Kapitalgesellschaften wie z.B. einer GmbH oder AG.
Ausgegangen von der Definition des IfM/Bonn zählten in Deutschland im Jahr 2003 von insgesamt ca. 3.310.000 Unternehmen, 3.300.000 zum Mittelstand. Schon allein hieraus wird ersichtlich, welch hohen Stellenwert KMUs in Deutschland haben.