Einleitung:
Billy, Dave, Janne und Melina zu verkaufen! Super gepflegt und in einem tadellosen Zustand. Bei Interesse bitte telefonisch melden.
Was sich im ersten Moment liest wie eine - nicht ganz legale - Verkaufsanzeige für einen Menschenhandel, ist in Wahrheit nur ein Beispiel für die schon fast alltäglichen Verkaufsanzeigen in Wochenblättern, Marktanzeigern, Studentenzeitungen oder sonstigen Internetverkaufsportalen für die Vielzahl von inserierten Möbelstücken und Wohnungsgegenständen eines gewissen schwedischen Einrichtungsunternehmens. Was sich hinter diesen genannten Namen versteckt, ist für einen IKEA-Laien nicht sofort ersichtlich. Der Name Billy steht beispielsweise für ein - relativ bekanntes - Regalsystem, Dave dagegen ist ein Laptop-Tisch, Janne ist ein Drehstuhl und unter dem Pseudonym Melina verkauft sich ein Faltrollo. Konsumenten begegnen pro Tag einer Flut von Waren und Produkten, welche mit den kuriosesten und oftmals unaussprechlichsten Namen geprägt sind. Hinter diesen Namengebungen stecken oftmals komplexe Marketingstrategien, welche auf der einen Seite für die unternehmerischen Tätigkeiten unabdingbar sind und auf der anderen Seite dabei helfen sollen, den Waren und Produkten einen einzigartigen und gleichzeitig sowohl aufmerksamkeitserregenden als auch einprägsamen Charakter zu verleihen. Damit ein Verbraucher folglich die Unmenge an Möbelstücken und sonstigen - auf dem Konsumgütermarkt erhältlichen - Haushaltsgegenständen nicht verwechselt, erfordert es eine unverkennbare Waren- und Produktbezeichnung. Eine eindeutige Produkt- und Warenbezeichnung kann durch unterschiedliche Verfahren erreicht werden. Einige dieser Methoden können beispielsweise Seriennummern, Produktcodes und seit einigen Jahren auch vermehrt Waren- und Produktnamen sein. Die Verwendung von Produkt- und Warennamen ist zum einen dazu dienlich, dass Produzenten und Händler - beim Direktvertrieb auch die Unternehmer - diese als 'innerbetriebliche Informationssysteme, etwa für die Lagerhaltung' verwenden können, zum anderen aber soll diese Bezeichnungsart dazu führen, dass dem Käuferkreis bestimmte Informationen vermittelt werden, welche das einzelne Konsumgut als Besonderheit erscheinen lassen sollen und sich demnach von den Konkurrenzgütern anderer Anbieter unterscheiden lässt. Aufgrund der vermehrten Verwendung von Produkt- und Warennamen finden diese auch in der onomastischen Forschung ein gesteigertes Interesse.
Gegenstand der vorliegenden Bachelorarbeit ist die Untersuchung von Produkt- und Warennamen als besondere Namenkategorie, exemplifiziert an den Namen der IKEA-Produkte.
Zu Beginn dieser Untersuchung stellt sich die Aufgabe, die Thematik im Forschungsfeld der Onomastik einzuordnen. Hierbei werden zum einen die vielfach verwendeten Termini auf ihre generelle Eignung in Bezug auf das zu untersuchende Thema geprüft und in ihrer nachfolgenden Verwendung determiniert. Ein besonderes Interesse wird dabei auf ausgewählte namenkategorische Begriffe liegen, welche charakterisiert und in Bezugnahme zueinander bewertet werden. Zum anderen wird zur Klärung der namenstheoretischen Frage 'Was ein Name ist?' eine knappe Einführung in die theoretischen Grundlagen vorgenommen. Die maßgebliche Beachtung wird dabei zum einen auf die charakteristischen Problematiken bei der Abgrenzung von Namen und Appellativen und zum anderen auf die Besonderheit von Produkt- und Warennamen als eigenständige Namenkategorie liegen. Darauf aufbauend beschäftigt sich das 3. Kapitel mit den wesentlichen Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Produkt- und Warennamenbildung. Hierbei werden auf der einen Seite die verschiedenen sprachlichen Anforderungen sowie die juristisch zugrundeliegenden Vorschriften, welche bei der Entstehung von Produkt- und Warennamen berücksichtigt werden sollten, kurz dargestellt und erläutert. Auf der anderen Seite wird ein knapper Überblick über die gängigsten Benennungsmethoden und -möglichkeiten im Hinblick auf die Produkt- und Warennamenbildung dargelegt. Im 4. Kapitel werden die IKEA-Warennamen auf ihre kennzeichnenden Charakteristiken untersucht. Dabei wird zum einen knapp auf die graphische Darstellung und zum anderen auf die grundsätzliche IKEA-Warennamenbildung eingegangen. Darüber hinaus wird bei der IKEA-Warennamenbildung die Richtigkeit des IKEA-Produkt- und Warennamen-Systems überprüft. Abschließend bildet das 5. Kapitel eine resümierende Betrachtung der vorangegangenen Darstellungen und Erläuterungen.
Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit wird es sein, das Forschungsfeld der Onomastik im Hinblick auf die spezielle Namenkategorie von Produkt- und Warennamen zu sondieren und am Beispiel der IKEA-Warenbezeichnungen festzumachen.
Gang der Untersuchung:
Als Arbeitsgrundlage der nachfolgenden Untersuchung dient das schwedische Unternehmen IKEA und dessen Warensortiment aus dem Jahr 2009 (Stand 20.05.2009). Das IKEA-Warensortiment wurde anhand des Online-Katalog-Registers erfasst und um doppelte Möbelnennungen bei einer Warenbezeichnung bereinigt, weshalb beispielweise nur ein Tisch pro Warenname angezeigt wird, obwohl laut Register mehrere Tische unter dieser Warenangabe angeboten werden. Anschließend wurden die Warennamen des bereinigten Warensortiments mithilfe diverser Recherchemittel übersetzt, zugeordnet und systematisch in einem Namen-Korpus zusammengetragen. Das Namen-Korpus findet sich als Anhang an dieser Bachelorarbeit. Als Recherchemittel dienten für die Übersetzung aus dem Schwedischen ins Deutsche drei Online-Wörterbücher und das Langenscheidt Taschenwörterbuch Schwedisch. Für die Zuordnung der einzelnen skandinavischen Ortsangaben dienten drei Online-Ortsnamen-Suchmaschinen.
Die männlichen und weiblichen Vornamen wurden mithilfe zweier Online-Namenlexika sowie dem großen Duden-Vornamenlexikon recherchiert.
Die wissenschaftlichen Pflanzenbezeichnungen wurden anhand des 4-bändigen Wörterbuchs der Deutschen Pflanzennamen ermittelt und übersetzt.
Die Warennamen wurden insofern gruppiert, wie sie eine bestimmte Zugehörigkeitssystematik aufwiesen. So sind die männlichen und weiblichen Vornamen getrennt aufgeführt, die Ortsnamen sind nach Länderherkunft sortiert, sämtliche Pflanzennamen sind gruppiert dargestellt und unter dem Abschnitt Standardsprachliche Wörter und umgangssprachliche Ausdrücke sind sämtliche Wörter, welche aus dem schwedischen Wortschatz stammen. Hierbei wurde keine gesonderte Gruppierung vorgenommen, sodass Subjektive, Verben, Adjektive und sonstige Fachwörter und -ausdrücke nebeneinander abgebildet werden.
Zum Schluss sind alle Wörter aufgeführt, welche mit den vorhandenen Hilfsmitteln nicht übersetzt und zugeordnet werden konnten. Hierbei wurde berücksichtigt, dass diese Wörter zwar in ähnlicher Schreibweise gefunden, jedoch nicht buchstäblich übernommen und als zusammengehörend eingestuft werden konnten.