Einleitung:
Problemstellung der Arbeit:
Dysfunktionales Verhalten ist ein in Unternehmen bekanntes, aber schwer zu fassendes und zu untersuchendes Phänomen. Es durchzieht alle Organisations- und Hierarchieebenen und ist Ausdruck irrationalen Verhaltens, welches wenig mit dem rationalen Verhalten des homo oeconomicus gemein hat, der sich aus dem entscheidungsorientierten Controllingansatz heraus als allwissend und zugleich willfährig gegenüber den Unternehmenszielen zeigt.
Der Controllingprozess kann durch dysfunktionales Verhalten erheblich gestört und sogar boykottiert werden. Die Controllinginstrumente werden wirkungslos, wenn dysfunktionales Verhalten dazu führt, dass Informationen gefälscht oder falsch interpretiert werden. Sind die Controlling-Instrumente selbst Ursache dysfunktionalen Verhaltens, wird der originäre Zweck der Controlling-Instrumente, u. a. zielabweichendes Verhalten aufzudecken, sogar ad absurdum geführt.
Um dysfunktionales Verhalten untersuchen zu können, muss sich die Betriebswirtschaftlehre den Verhaltenswissenschaften öffnen, um ihre eigene Forschung mit verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnissen verknüpfen zu können. Wielpütz führt sogar aus, dass das Controlling grundsätzlich als sozialwissenschaftliches Phänomen interpretiert werden müsse. Dabei geht es nicht um die bloße Übernahme verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern um eine kritische und sachkundige Anwendung von verhaltenswissenschaftlichen Instrumenten für Problemfelder, bei denen mit den eigenen betriebswirtschaftlichen Instrumenten keine Fortschritte zu erzielen sind.
Im Gegensatz zu dysfunktionalem Verhalten aufgrund von Wollensproblemen ist dysfunktionales Verhalten aufgrund von kognitiven Könnensproblemen bisher weitaus weniger bei den Verhaltenswirkungen von Controlling-Instrumenten berücksichtigt worden. Daher sind durch kognitive Könnensprobleme verursachte dysfunktionale Verhaltensweisen Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit.
Zielsetzung der Arbeit:
Die Untersuchung von dysfunktionalen Verhaltensweisen durch kognitive Könnensprobleme im Controlling-Prozess hat das Ziel, folgende Forschungsfragen zu beantworten:
(1) Welches sind die Ursachen für dysfunktionales Verhalten durch kognitive Könnensprobleme?
(2) Entwicklung einer Systematik für die Ursachen kognitiver Könnensprobleme.
(3) Inwieweit und welche Controlling-Instrumente können kognitive Könnensprobleme auslösen?
(4) Welche Auswirkungen von kognitiven Könnensproblemen sind durch psychologische Studien belegt und wo gibt es Forschungslücken?
Nachfolgend wird erläutert, in welchen Schritten das Thema dieser Arbeit untersucht und wie die Beantwortung der Forschungsfragen geschehen soll.
Aufbau der Arbeit:
Aufgrund des interdisziplinären Charakters dieser Arbeit sind in Kapitel 2 drei Grundlagengebiete zu behandeln. Begonnen wird in Kapitel 2.1 mit den Grundlagen dysfunktionalen Verhaltens, dessen Definition dargestellt und dessen Ursachen in Wollens- und Könnensprobleme systematisiert werden.
Darauf folgt in Kapitel 2.2 eine Untersuchung der psychologischen Grundlagen von Kognition und Wissen. Hier findet eine Verknüpfung der Definition von Kognition und den in Abschnitt 2.2.5 zu untersuchenden kognitiven Könnensproblemen statt, deren Ursachen systematisiert und anhand von Beispielen aus dem Controlling erklärt werden.
In Kapitel 2.3 wird das für diese Arbeit zugrunde liegende Controllingverständnis erläutert. Die Stufen der Informationsbeschaffung, Planung und Kontrolle werden auf Potentiale für kognitive Könnensprobleme und daraus folgendes dysfunktionales Verhalten der beteiligten Akteure überprüft.
Kapitel 3 befasst sich mit dem Controllinginstrument Investitionsrechung und untersucht die Phasen und die Rechnungselemente auf kognitive Könnensprobleme und daraus folgendes dysfunktionales Verhalten der beteiligten Akteure und fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen.
Kapitel 4 widmet sich der Zusammenarbeit und Interaktion von Controller und Manager in Zusammenhang mit den aus der Untersuchung hervorgegangenen relevanten kognitiven Könnensproblemen dieser beiden Akteure.
Abschließend werden in Kapitel 5 die Ergebnisse dieser Arbeit hinsichtlich der Beantwortung der Fragestellungen in einem Fazit zusammengefasst und es wird ein Ausblick für künftigen Forschungsbedarf vorgenommen.