Problemstellung:
'Schon seit einigen Jahren ist man sich bewusst, dass in Zeiten eines globalen und intensiven Wettbewerbs eine kundenorientierte Unternehmenspolitik zu den zentralen unternehmerischen Erfolgsfaktoren gehört.' Heutzutage wird das Beschwerdemanagement in der Literatur als 'wichtigste Serviceleistung' und der richtige Umgang mit Beschwerden als 'hochrangige Managementaufgabe' bezeichnet.
Beschwerdemanagement ist bereits seit Anfang der 80er Jahre Thema in aller Munde. Große Zeitschriften wie 'Stern' oder 'Spiegel' schrieben in den 90er Jahren zahlreiche Artikel, über die Bedeutung eines funktionierenden Beschwerdemanagements. Dabei ist die Bedeutung in vielen Unternehmen immer noch nicht durchgedrungen.
Viele Mitarbeiter überspielen Beschwerden oder versuchen diese möglichst gering zu halten, sie gehen solchen unangenehmen Situationen lieber aus dem Weg. Jedoch sollte man solche Beanstandungen keineswegs als störendes Übel auffassen und versuchen diese zu minimieren. Häufiges Problem ist, dass zum einen die Mitarbeiter zu wenig geschult sind, um angemessen auf Beschwerden reagieren zu können und zum anderen bringt jede Beschwerde das Zeitmanagement innerhalb des Betriebes durcheinander. Es mangelt bis heute an dem Verständnis, dass Beschwerden die größte Chance zur Erreichung von Kundenloyalität, zur Verringerung der Fehler und der Optimierung der Qualität in Produkten und Dienstleistungen sind.
Durch die Schaffung eines funktionierenden Beschwerdemanagements erfährt der Kunde, dass er in seinem Anliegen ernst genommen wird und das Unternehmen ihn als Kunden zu halten versucht. Darüber hinaus kann das Unternehmen mit Hilfe von Beschwerden wichtige Informationen in Form von Anregungen, Weiterentwicklungen und Optimierungen der Kundenwünsche erhalten. Nur wer dies erkannt hat und Kundenorientierung ernst nimmt, hat strategisch gesehen in der heutigen Zeit eine Überlebenschance und Erfolg in seinem Unternehmen.
Ziel dieser Ausarbeitung ist es, die Relevanz eines professionell eingesetzten Beschwerdemanagement in einem deutschen mittelständischen Unternehmen als Instrument der Kundenbindung auszuarbeiten und die Aufgaben des Beschwerdemanagements darzustellen, die für einen effektiven Gebrauch zur Kundenbindung unerlässlich sind. Weiterhin sollen die Ergebnisse aus Theorie und Praxis miteinander verglichen werden um dadurch weitere Erkenntnisse für ein optimales Beschwerdemanagement abzuleiten.
Gang der Untersuchung:
Diese Arbeit gliedert sich in 7 Hauptkapitel (Kapitel 2 bis 8), deren Inhalte nachfolgend im Kurzen dargestellt werden.
Kapitel 2 beschäftigt sich mit den Grundlagen des Beschwerdemanagements. Hierbei wird zunächst der Begriff Beschwerdemanagement definiert und dessen Aufgaben erläutert. Anschließend wird die Unterscheidung zwischen Reklamation und Beschwerde gezeigt. Im weiteren Teil dieses Kapitels wird auf die Rolle des Qualitätsmanagements im Beschwerdemanagement eingegangen und DIN ISO 10002 von DIN EN ISO 9001 abgegrenzt. Letztes Fragment des ersten Kapitels bilden die Ziele des Beschwerdemanagements, wobei zuerst auf das Globalziel eingegangen wird um anschließend die Teilziele zu erörtern.
Im 3. Kapitel wird der Beschwerdemanagementprozess beschrieben. Es wird dabei der direkte Beschwerdeprozess mit seinen Bestandteilen wie Beschwerdestimulierung, Beschwerdeannahme, Beschwerdebearbeitung und Beschwerdereaktion erläutert und dabei vom indirekten Beschwerdeprozess mit seinen Bausteinen der Beschwerdeauswertung, Beschwerdemanagement-Controlling sowie Beschwerdereporting und Beschwerdeinformationsnutzung abgegrenzt.
Nachdem in Kapitel 3 der Prozess des Beschwerdemanagements näher verdeutlicht wurde, stellt das 4. Kapitel die personalpolitischen Aspekte des Beschwerdemanagements dar. Wobei bei Beginn der Stellenwert des Mitarbeiters im Beschwerdemanagement dargestellt und dies anhand eines Fallbeispiels innerhalb einer Rehabilitationsklinik erläutert wird. Um ein Beschwerdemanagementprozess umsetzen zu können, sind Kompetenzen erforderlich, welche durch Anreizsysteme gefestigt und gestärkt werden können. Dies ist ein weiterer Baustein im vierten Abschnitt dieser Arbeit. Abgeschlossen wird das Kapitel mit der Beschreibung der Aufgabenverteilung im Beschwerdemanagement. Dabei wird des Complaint-, Task-, Process- und Management/ System Ownership differenziert voneinander beleuchtet.
Im Weiteren werden im 5. Kapitel die organisatorischen Aspekte des Beschwerdemanagements aufgezeigt. Hierbei sind die zentrale und dezentrale Organisationsform von großer Bedeutung. Die Entscheidung wie ein Unternehmen organisiert wird, ist von den unterschiedlichsten Faktoren abhängig, welche an dieser Stelle näher vorgestellt werden. Ein wichtiges Element in der Organisation des Beschwerdemanagements ist zudem das so genannte Empowerment. Beim Empowerment werden dem Mitarbeiter Handlungsspielräume übertragen, wobei in diesem Zusammenhang die Ziele und Probleme geschildert werden.
Das 6. Kapitel beschäftigt sich mit der Psychologie im Beschwerdemanagement. Dieser Abschnitt analysiert die Zusammenhänge zwischen Sprache, Stimme und Körpersprache, was bei gezielter Anwendung bei einer Beschwerde Vorteile verschaffen kann. Anschließend fokussiert sich der Abschnitt auf die Emotionalkompetenz und deren Bedeutung im Beschwerdemanagement.
Im 7. Kapitel wird das Beschwerdemanagement in der Praxis am Beispiel einer Rehabilitationsklinik erörtert. Um dem Leser von Anfang an ein besseres Verständnis zum Unternehmen zu geben, werden vorab Daten und Fakten des Betriebes vorgestellt. Anschließend wird der Beschwerdemanagementprozess innerhalb des Unternehmens anhand einer eigens durchgeführten Untersuchung, mit dem in der Literatur beschriebenen 'Soll' Beschwerdeprozess verglichen, um letztendlich Lösungen für das Unternehmen abzuleiten.
Letztes und 8. Kapitel bildet das Fazit, indem kurz die zentralen Punkte der Arbeit zusammengefasst werden. Es gibt dabei Ausblick, was ein aktives Beschwerdemanagement vom Unternehmen verlangt um es aufrecht erhalten zu können.