Einleitung:
Tropenholz wird als Sammelbegriff für ca. 2000-3000 Holzarten in tropisch beheimateten Gebieten (Äquatorzone zwischen dem 23. Grad nördlicher und südlicher Breite) verwendet, von denen etwa 300 international als Rund-, Sperr-, Schnitt-, oder Furnierholz gehandelt werden. Es ist nicht unersetzbar, aber es hat in vielerlei Hinsicht spezifische Eigenschaften, die es für bestimmte Zwecke prädestinieren.
Tropenholz ist in den vergangenen 30 Jahren zu einem der wichtigsten Exportprodukte der Entwicklungsländer geworden.
Der internationale Handel mit tropischem Hartholz hat seit den 60er Jahren in den Industrieländern einen spektakulären Aufschwung erfahren.
Die Ausfuhren von Rund- und Halbwaren stiegen von 3,8 Mio. m3 im Jahre 1950 auf 48,5 Mio. m3 im Jahre 1974. Das ist eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 11%.
Der Verbrauch in den tropischen Ländern selbst hat sich seit 1950 nur wenig mehr als verdoppelt, während sich die Importe der Industrieländer vervierzehnfacht haben, so daß die Gesamtmenge den Verbrauch aller tropischen Länder übertraf.
Ob Tropenholz auch bis zum Ende des Jahrhunderts noch in bedeutenden Mengen zur Verfügung stehen wird, ist aufgrund der zunehmenden Erschöpfung der Wälder, die bisher ohne jegliche Wahrung der Nachhaltigkeit genutzt wurden, fraglich.
Seit Beginn der 80er Jahre wurden in den Medien und Fachveröffentlichungen zunehmend alarmierende Zahlen zur Vernichtung von Tropenwäldern veröffentlicht. Im Zusammenhang damit geriet der Welthandel mit Tropenholz zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik. Umweltschützer forderten sogar ein völliges Einfuhrverbot tropischer Hölzer und propagierten es als wirksame Maßnahme gegen die Waldvernichtung.
Vertreter der Holzwirtschaft tendieren dagegen dazu, die ökologischen Folgen der kommerziellen Holznutzung herunterzuspielen und sehen im Tropenholzwelthandel sogar einen Ansporn zur Erhaltung und nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder, da sie auf diese Weise einen gleichbleibenden Wert erhalten.
Häufig wurden in diesem Zusammenhang jedoch pauschale Aussagen veröffentlicht, die weder die spezifischen regionalen Unterschiede der Tropenholzerzeugung noch die globalen weltwirtschaftlichen Verflechtungen berücksichtigen.
Der Zusammenhang zwischen Holzexport und Entwaldung ist gegenwärtig noch wenig erforscht, daher ist der Literaturstand dürftig.
Gang der Untersuchung:
Diese Arbeit soll dazu beitragen, Lücken zu schließen. Ziel der Arbeit ist es, die Trends und Muster des internationalen Tropenholzhandels und die Faktoren, die seiner Entwicklung unterliegen, aufzuzeichnen.
Folgenden Fragen wird in den nächsten Kapiteln nachgegangen:
- Wie läßt sich Tropenholz vermarkten?
- Wie hat sich der Tropenholzwelthandel entwickelt? Wer ist daran beteiligt?
- Hat sich das Handelsmuster bis heute wesentlich verändert? Welche Faktoren haben seine Entwicklung beeinflußt?
- Wie stark ist der Einfluß von politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen?
- Wie stark ist der Zusammenhang zwischen Handel und Waldvernichtung?
- Leistet der Handel einen Beitrag zur Entwicklung der Tropenwaldländer?
- Wie sieht die Zukunft des Handels aus?
Kapitel 2 und 3 untersuchen zunächst die ökologischen und ökonomischen Voraussetzungen der Produktion in den Erzeugerländern.
Kapitel 4 beschreibt die spezifischen Produkteigenschaften, die die Nachfrage bestimmen.
Kapitel 5 erörtert die Absatzmärkte und das Nachfrageverhalten als Determinanten der Produktion.
Die vergleichende Analyse der Beispiele Japan und Europa soll die regionalen Unterschiede und Besonderheiten verdeutlichen.
Kapitel 6 analysiert den Handel im Spannungsfeld zwischen Angebot und Nachfrage in seiner historisch und geographischen Dimension sowie weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen und entwicklungspolitische Vorgaben. Außerdem wird die zukünftige Entwicklung des Handels (Prognosen) diskutiert.
Ein fundiertes Verständnis der Produktions- und Handelsabläufe setzt die Kenntnis der einzelnen Akteure und Interessensgruppen und auch der Organisationsstruktur voraus. Diesem Aspekt wird in Kapitel 6 besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Kapitel 7 erläutert und bewertet die ökologischen und sozialen Auswirkungen des Holzeinschlags. Die entwicklungspolitische Wirksamkeit der Tropenholzwirtschaft ist zu hinterfragen.
In einer abschließenden Bewertung wird die Rolle der kommerziellen Holznutzung bei der Waldzerstörung kritisch betrachtet; die Wirksamkeit von Boykottmaßnahmen und ihre Alternativen sind zu diskutieren. Abschließend werden die anhand der Literaturbefunde diskutierten Zusammenhänge zwischen Holznutzung, Waldvernichtung und sozioökonomischen Kenngrößen mit einer korrelations-statistischen Analyse überprüft.
Inhaltsverzeichnis: