Diplomarbeiten


(Fachbereiche): Betriebswirtschaft - Branche Medien / Neue Medien Medien / Neue Medien allgemein

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Titel Die Rolle eines Intermediärs unter den Bedingungen vernetzten Arbeitens
Untertitel Entwicklung eines Bezugsrahmens für ein Geschäftsmodell
AutorIn Benjamin Holtz
Seiten 124 Seiten
Hochschule Universität der Künste Berlin Deutschland
Art der Arbeit Diplomarbeit
Abgabe 2010
Note 1,2
Preis 48,00 EUR (inkl. MwSt.)
Bestellnummer 91015517
Sprache Deutsch
Medien
Inhaltsangabe
Einleitung:

1, Einleitung - Erkenntnisinteresse und Zielstellungen:

Wissen ist im anbrechenden 21. Jhd. zur neuen Produktivkraft einer sich abzeichnenden postindustriellen Ökonomie geworden. Die Bedeutung der Ressourcen einer industriellen Ära verringert sich:

'Mit der Höherstufung von Produkten und Dienstleistungen zu wissensbasierten, professionellen Gütern verlieren die herkömmlichen Produktionsfaktoren (Land, Kapital, Arbeit) gegenüber der implizierten oder eingebauten Expertise dramatisch an Bedeutung und damit mutiert die moderne kapitalistische Ökonomie schrittweise zu einer post-kapitalistischen, wissensbasierten Produktionsform.' Im Zuge dieser Produktionsform rückt der Mensch, seines Zeichens Träger der immateriellen Wissens-Ressource, ins Zentrum der ökonomischen Betrachtung. So besteht die Herausforderung für das Management von Unternehmen aktuell darin, die Mobilisierung des menschlichen Wissens zu ermöglichen:

'the work that needs to be done in the 21st. century [...] is different from which was required in the 20th century [...] The organizing model was designed to mobilize labor and capital, but today you need to mobilize mind power as well.' Doch damit Wissenspotentiale verstärkt in Unternehmen einbezogen werden können, gilt es, das Internet als maßgebendes Strukturelement für die Wertschöpfung zu berücksichtigen. Denn die hohe Produktivkraft, die das Wissen heute entwickelt, ist zu einem wesentlichen Teil auf das Internet zurückzuführen. Hier wird das Wissen, verstanden als die 'in Erfahrung eingebettete Information' zu einem großen Teil produziert und distribuiert. Die besondere Kraft, die das Wissen dabei über das Internet erhält, ist in der Eigenschaft des 'Netzes' als Kommunikationsmedium zu sehen. Dadurch, dass die Kommunikation eine Verbindung unzähliger informations- und datenverarbeitender Systeme über jede Grenze hinweg ermöglicht, hat Wissen heute neben einer nie da gewesenen Verbreitungs- auch eine bisher unbekannte Diversifikationsdimension in der Gesellschaft erreicht. Das Internet wird so zum Wissensmotor einer für die heute im gesellschaftlichen Diskurs immer wieder auftauchenden Chiffre von 'Netzwerkgesellschaft' (Castells)' Wissensgesellschaft' (Stichweh), 'Mediengesellschaft' (Giesecke) oder 'Informationsgesellschaft' (Bangemann).

'Auf der Seite der Ökonomie setzt [die Wissensgesellschaft] voraus, dass drei Prozesse eine kritische Masse gewinnen und sich gegenseitig verstärken: zum einen die Ausbildung der lernenden, intelligenten Organisationen, dann ein Strukturwandel der Arbeit von der tayloristisch geprägten Industriearbeit zur Wissensarbeit, und schließlich die Ubiquität intelligenter Produkte, die dadurch gekennzeichnet sind, dass ihr wesentlicher Wert in der eingebauten Intelligenz liegt.' Für das Unternehmen bedeutet das, sich in die Richtung einer solchen Organisation hin zu entwickeln. Für die Verarbeitung von Wissen in einer solchen Organisation heißt das, dass sich hier Strukturen dezentral vernetzter Arbeit entwickeln, die unterschiedlichste Systeme und ihre Wissenspotentiale zu einer neuen Form der Kooperation verbinden. Doch eine gezielte Steuerung dieser polyzentrischen Ressourcenpotentiale für die Wertschöpfung fehlt bisher weitgehend, um die Art von Produkten zu entwickeln, von denen oben die Rede ist.

Mein Interesse in dieser Arbeit besteht deshalb darin, eine Organisationsform zu entwickeln, die im Zeichen einer Wissensgesellschaft eine strategische Wissenswertschöpfung ermöglicht. Dabei steht im Zentrum der Betrachtung, welche Rolle Kommunikation hier bei der Vernetzung von Wissensarbeit spielt.

1.1, Hypothesen und Forschungsziele:

Hypothese 1: Aufgrund der herausragenden Stellung des Wissens in Verbindung mit einer gesellschaftsübergreifenden Vernetzung kann man heute von einer 'Netz-Kultur' sprechen. Dadurch, dass sich die Qualität dieses Wissens über das 'Netz' fundamental von dem des Buchdrucks unterscheidet, kann heute von einer kulturellen Transformation gesprochen werden. Im Zusammenhang mit diesem Kulturwechsel entwickelt sich parallel eine informationelle Ökonomie, die sich von einer rein materiellen differenziert. Eine grundlegende Differenzierung von beiden ergibt sich durch die Form der ökonomischen Produktion:

'Materielle Produktion - wie die Produktion von Autos, Fernsehern, Kleidung und Nahrung - schafft die Mittel des gesellschaftlichen Lebens. [...] Im Gegensatz dazu schafft immaterielle Produktion, zu der die Produktion von Ideen, Vorstellungen, Kommunikation, Kooperation und affektiven Beziehungen gehört, tendenziell nicht die Mittel des gesellschaftlichen Lebens, sondern gesellschaftliches Leben als solches.' Ein zentraler Produktionsfaktor für die informationelle Ökonomie ist die Vernetzung dezentral verteilter Wissenspotentiale. Durch den Neuheitscharakter, den der Umgang mit vernetzten Wissen für Unternehmen mit sich bringt, kommt es zu einer 'radikalen Neuorientierung und Neuordnung' im Sinne einer 'Next practice,' die anstatt einer 'Funktionsoptimierung' im Umgang mit Wissen als Ressource einen 'Prozessmusterwechsel' verfolgt. Dieser Wechsel, so die hier gestellte Hypothese, erfordert ein Umdenken in Bezug auf den Einsatz und die Abstimmung von Ressourcenpotentialen zum Zweck der Wertschöpfung mit Netz-Wissen. Statt dass ein Unternehmens den Wettbewerbsvorteil in seiner Fähigkeit sucht, 'to consolidate corporatewide technologies and production skills into competencies', muss es hinsichtlich der Wissensproduktion seine Kern Kompetenzen heute dergestalt neu organisiseren, dass dieses Wissen zur Steuerung von Teilen der Wertschöpfung vermehrt außerhalb der Grenzen des Unternehmens selbst zu suchen und zu finden ist.

Das Ziel, das im Zusammenhang mit dieser Hypothese verfolgt wird, ist es eine Vorstellung über die neuen Anforderungen für die Wertschöpfung im 'offenen' Arbeitsraum der informationellen Ökonomie zu entwickeln, durch deren Darstellung ein Prozessmusterwechsel sinnvoll erscheint. Im Fokus der Anforderungen steht der Umgang mit dem Wissen als neue Produktivkraft. Anhand dieser Vorstellung müssen Fähigkeiten im Umgang und der Integration der Vernetzung entwickelt werden. Diese Neuabstimmung soll auf der Grundlage des 'Resource-based View' erfolgen.

Hypothese 2: Die Organisation von Wissensarbeit in der informationellen Ökonomie wird in Zeiten der Vernetzung von einem 'Kontroll- zu einem Kooperationsproblem' im Verhältnis von sozialen und personellen Systemen: 'Der wesentliche Aspekt unter dem Paradigma der immateriellen Produktion [ist], in welch engem Verhältnis sie zur Kooperation und Kommunikation steht - kurz: ihre Begründung im Gemeinsamen.' Diese Gemeinsamkeit spielt sich im Zusammenhang einer räumlichen Erweiterung des Arbeitsraumes ab, der sich vom einzelnen Unternehmen in die Vernetzung vieler unterschiedlicher Systeme erstreckt. Durch die räumliche Ausweitung werden direkte, einseitige Kontrollen für das Unternehmen erschwert und im Zusammenhang der Wissensproduktion kontraproduktiv. Statt des Problems der direkten Kontrolle stellt sich im Zusammenhang der Kooperation immer mehr die Frage, wie die räumliche Distanz zwischen den Systemen strategisch abgestimmt werden kann.

Andererseits entziehen sich Personen in der informationellen Ökonomie durch ihre veränderten Attitüden einer direkten Kontrolle im Unternehmen. Statt sich in hierarchisch organisierte Formen der Arbeitskoordination begeben zu wollen, steigen ihre Bedürfnisse zur Selbststeuerung. Auch hier schwinden durch das wachsende Bedürfnis zur Autonomie die Kontrollmöglichkeit für Unternehmen. Statt der Hierarchien benötigt man auf Grund dieser Autonomietendenzen eine andere Organisationsform, welche die Kontrollprobleme aus der hierarchischen Arbeitsorganisation hinter sich lässt und die Kooperationsprobleme der Systeme löst.

Das Ziel im Zusammenhang mit dieser Hypothese ist es, den Wechsel von der Kontroll- zur Kooperationsproblematik nachzuweisen. Dazu müssen zunächst die kommunikativen Bedingungen in einem unternehmenszentrierten, hierarchisch organisierten Arbeitsmodell geprüft werden. Dabei muss der Fokus auf die Rollenverteilung zwischen sozialen und personellen Systeme im Zusammenhang mit der hierarchischen Arbeitsorganisation gelegt werden. Eine besondere Bedeutung spielen dabei die Medien. Ihre Qualitäten charakterisieren das Wesen der hierarchischen Organisation dadurch, dass sie Bedürfnisse und Erwartungen zwischen sozialen und personellen Systemen 'steuern'.

Nachdem ein hinreichendes Rollen- und Medienverständnis im Zusammenhang von Hierarchien erarbeitet wurde, muss eine Einschätzung darüber erfolgen, wie sich die Kooperationsproblematik in der informationellen Ökonomie darstellt. In diesem Zusammenhang gilt es zu klären, inwieweit sich das Rollenverständnis ändert und welche Medien nun die Bedürfnisse und Erwartungen für eine Kooperation 'steuern' können.

Hypothese 3: Um dezentrale Wissensressourcen durch die Vernetzung sozialer und personeller Systeme in einem Organisationsmodell 'steuern' zu können, wird eine Organisation in der Mitte der Systeme, ein 'Intermediär' benötigt. Seine Funktion ist die Beratung der Systeme in Bezug auf ein verändertes Rollen- und Ressourcenverständnis in der Netz-Kultur. 'Das Schlüsselwort für den Zusammenhang von Wissen und Steuerung ist Beratung.' Aus der Sicht des Intermediärs wird über die Beratung seiner Stakeholder neben der (Weiter-)Entwicklung ihres eigenen Rollen- und Ressourcenverständnisses auch das Vertrauen in den eigenen intermediären Service zur Abstimmung ihrer Ressourcenpotentiale untereinander erzeugt. Denn ohne diesen Service, so die These, verfehlen sich ihre verteilten Wissensressourcen gegenseitig und es kommt so nicht zu einer effektiven Wissens-Kooperation zwischen den Systemen. Durch das Erkennen dieser Problematik findet der Intermediär und sein Service die Akzeptanz der Stakeholder. Ist dies erreicht, schließt sich der Kreis einer neuen Arbeits-Organisation zur Wissenswertschöpfung, der aus sozialen, personellen Systemen und dem Intermediär besteht.

Das Ziel im Zusammenhang mit dieser Hypothese sieht vor, den Beratungsbedarf herauszuarbeiten, den soziale und personelle Systeme in einer Netz-Kultur haben. Zudem muss der Service zur Abstimmung ihrer jeweiligen Ressourcenpotentiale bestimmt werden.

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