Einleitung:
Nun ist es schon über zwei Jahre her, dass am 1. Januar 2009, die Abgeltungsteuer in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt wurde. Dies geschah, nachdem sie der Bundestag am 25. Mai 2007 mit dem Unternehmensteuerreformgesetz 2008 verabschiedete und die Zustimmung des Bundesrats am 6. Juli 2007 erfolgte.
Anfangs stark umstritten und belächelt, bahnt sich die Abgeltungsteuer mittlerweile ihren Weg durch den deutschen Finanz- und Steuerdschungel. Dabei bleibt die Frage, ob die verfolgten Ziele des Gesetzgebers durch die Abgeltungsteuer auch tatsächlich eingehalten werden können. Immer häufiger sind deutliche Kapitalabflüsse ins Ausland festzustellen, denen nur mit einer attraktiveren und wettbewerbsfähigeren Besteuerung von Kapitalanlagen entgegengewirkt werden kann.
Grundsätzlich sind alle Anleger von der Abgeltungsteuer betroffen, egal ob Arbeitnehmer, Selbstständige, Freiberufler oder Rentner. Die Besteuerung erfolgt bei allen Bürgern mit einem einheitlichen Abgeltungsteuersatz von 25 % Kapitalertragsteuer + 5,5 % Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer auf alle Einkünfte aus Kapitalvermögen. Durch diese Gleichberechtigung und einer attraktiveren Besteuerungsform sollen vermögende Privatkunden profitieren und eine wachsende Steuerflucht ins Ausland eingedämmt werden.
Allerdings wurde bei der Einführung der Abgeltungsteuer übersehen, dass die Verwaltungsaufgaben für die Finanzinstitute, unter anderem bei der Kirchensteuerabwicklung, enorm angestiegen sind.
Bei meiner beruflichen Tätigkeit in einer ländlichen Volksbank, werde ich in der Privatkundenbetreuung regelmäßig mit der Thematik 'Abgeltungsteuer' konfrontiert. Dies begründet einerseits die Entscheidung für meine Themenwahl, andererseits hat mich privates Interesse dazu bewegt.
Ziel der Arbeit ist es, zu verdeutlichen, welchen Nutzen die Abgeltungsteuer für jeden einzelnen Bürger und den Staat haben. Es ist fraglich, ob die ersehnte Gleichberechtigung zwischen den privaten Anlegern erfüllt wird oder ob weiterhin die Gefahr besteht, dass die vermögende Bevölkerungsschicht mit ihrem Geld ins Ausland abwandert. Um dies herauszufinden, werden einzelne wichtige Anlageformen daraufhin beleuchtet, ob sie trotz Abgeltungsteuer für den vermögenden Privatkunden als attraktiv gelten.
Die Kapitalflucht ins Ausland lässt sich nur eindämmen, wenn auf dem deutschen Finanzmarkt ertragsstarke Anlageformen vorhanden sind und eine akzeptable Besteuerung von Erträgen möglich ist.
Die Arbeit ist in elf Kapitel untergliedert. Nach der Einleitung, die die Probleme ausführlich darstellt, werden im zweiten Kapitel bei den theoretischen Grundlagen, die verschiedenen Begriffe zum Thema erläutert, und die Gründe der Abgeltungsteuereinführung aufgeführt. Das dritte Kapitel befasst sich mit den unterschiedlichen Auswirkungen der Abgeltungsteuer auf einzelne Kapitalanlagen. Im vierten Kapitel wird geklärt, wer zur Abgeltungsteuer herangezogen wird und wessen Kapitalerträge weiterhin mit dem individuellen Steuersatz veranschlagt werden. In Kapitel fünf wird dann auf die wesentlichen Änderungen durch die Abgeltungsteuer eingegangen. Die Belastung der Abgeltungsteuer auf Zins- und Dividendenerträge wird im sechsten Kapitel dargestellt, sowie an Vergleichsrechnungen verstärkt. Kapitel sieben befasst sich ausschließlich mit privaten Veräußerungengeschäften und der Ausstattung der verschiedenen Kapitalanlagen. Im achten Kapitel wird die neue Verlustverrechnung vorgestellt. Die Wirkung der Abgeltungsteuereinführung auf verschiedene Vorsorgeverträge wird in Kapitel neun veranschaulicht. Schließlich wird in Kapitel zehn auf die Gefahren durch die Abgeltungsteuer eingegangen. Somit schließt die Arbeit mit einer Zusammenfassung in Kapitel elf ab.