Diplomarbeiten


(Fachbereiche): Betriebswirtschaft - Funktional Recht der Wirtschaft Arbeitsrecht

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Titel Mobbing - Schicksal oder Schuld der Opfer?
Untertitel Erklärungsansätze und Konsequenzen für die soziale Arbeit
AutorIn Katrin Heimann
Seiten 92 Seiten
Hochschule Evangelische Fachhochschule Hannover Deutschland
Art der Arbeit Diplomarbeit
Abgabe 1997
Note 1
Preis 38,00 EUR (inkl. MwSt.)
Bestellnummer 90000533
Sprache Deutsch
Medien Papier / CD
Inhaltsangabe
Einleitung:

Dieses Thema habe ich aus persönlichem Interesse gewählt. "Mobbing" ist in erster Linie ein psychosoziales Problem. Diese Bezeichnung für eine Form von Psychoterror am Arbeitsplatz gibt es erst seit wenigen Jahren. Das Phänomen gibt es sicherlich schon lange - wenn nicht sogar schon immer. Durch Heinz Leymann ist diese sehr ernst zu nehmende Problematik zum erstenmal benannt und damit einer immer breiter werdenden Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Anfänglich wurde die Bezeichnung Mobbing für bestimmte Verhaltensweisen bei Tieren verwendet, dann nämlich, wenn Tiergruppen Angriffe auf ein einzelnes Tier richteten, um dieses zu verscheuchen. Auch im Zusammenhang mit Gruppengewalt bei Kindern fand dieser Begriff Anwendung. Heinz Leymann gebrauchte diesen Ausdruck erstmals für ähnliche Begebenheiten im Arbeitsleben. Er begann mit seinen Forschungen über direkte und indirekte Angriffe in der Arbeitswelt gegen Ende der 70er Jahre in Schweden. 1984 publizierte er einen ersten kurzen Bericht über dieses Thema, welches er dann "Mobbing" nannte. Im Jahre 1993 erschien sein erstes deutschsprachiges Buch, in dem sämtliche Erfahrungen, die man bis dahin in ganz Skandinavien auf diesem Gebiet gemacht hatte, zusammengefasst wurden. "Die Rückmeldungen vieler Leser auf das Mobbingbuch ließen erkennen, dass es auf sie auch - wie beabsichtigt - eine therapeutische Wirkung ausübte. Sie konnten erkennen, dass die 'Schuld' für ihr Schicksal nicht bei ihnen allein oder gar nicht bei ihnen liegt." Der Aussage dieser Leser/innen konnte ich mich während eines Praktikums anschließen. Zu Beginn meines Studiums im ersten Semester im Rahmen eines sechswöchigen Blockpraktikums in einem Sprachheilkindergarten erlebte ich Mobbing an mir selbst. Dadurch bin ich - dank der Gespräche mit einer früheren Arbeitskollegin - auf das Thema überhaupt erst aufmerksam geworden. Aufgrund gezielter fachspezifischer Hilfe, die ich mir zu dem Zeitpunkt von außen holte, war ich in der Lage, in einem Gespräch mit dem Leiter des Kindergartens die ganze Problematik - allerdings erst gegen Ende des Praktikums - anzusprechen. Es stellte sich heraus, dass in der Gruppe, der ich zugeteilt worden war, schon längere Zeit ungelöste Konflikte herrschten.

Mobbing ist für außenstehende Personen ein sehr schwer nachzuvollziehender Prozess, der in seiner tiefgreifenden Wirkung oft unterschätzt oder gar nicht verstanden wird. Durch die Erörterung von Mobbing in den deutschen Medien hat es viele Missverständnisse gegeben. Es wird vielfach weniger das Phänomen eines sozialen Prozesses darunter verstanden, welches bislang noch nicht in dieser Weise wahrgenommen wurde, sondern häufig werden Konflikte, Streitereien, Gehässigkeiten, Beleidigungen, Unverschämtheiten oder auch psychische Nötigung im Arbeitsleben fälschlicherweise als Mobbing bezeichnet, ohne jedoch die wissenschaftlich erforschten Zusammenhänge dabei zu berücksichtigen.

Die Literaturrecherche im Rahmen dieser Arbeit ergab, daß das Thema vor allem in Form von Ratgeberliteratur bearbeitet wurde. Mobbing wurde größtenteils kommerziell ausgeschlachtet. Leymann wird zwar als Begründer des Begriffes durchgängig erwähnt, Fakten werden übernommen, das Mobbing-Geschehen aber wird von seiner ganzheitlichen Bedeutung losgelöst und in vereinfachter oder entstellter - oft verharmlosender Weise dargestellt. Es ist dann von 'Streithähnen' die Rede, von denen dann einer in die 'Opferrolle schlüpft'. Hier ein konkretes Beispiel: "Wo Scherz oder noch zumutbare Stichelei aufhören und der Psychoterror beginnt, haben Arbeitspsychologen ungefähr so definiert: Wird die Mitarbeiterin von ihrem Chef einmal als "dusselige Kuh" tituliert, hat sie noch keine Chance, in die Statistik der Mobbing-Opfer einzugehen. Sie muss schon regelmäßig und über einen längeren Zeitraum geschmäht werden, um als Gemobbte "anerkannt" zu werden." Viele Autoren stellen die Sichtweisen der Opfer - vor allem über den Beginn des Geschehens - in Frage, während Mobbern ohne weiteres geglaubt wird, dass sie sich über das Ausmaß ihrer Taten nicht im klaren waren. Oswald Neuberger geht soweit, die authentischen Fallgeschichten von Leymann umzuformulieren und sie so zu entstellen, dass den Opfern letztendlich doch der 'schwarze Peter' zugeschoben werden kann. Es scheint auch eine allgemeine Volksmeinung über Mobbingopfer zu geben. Aussagen wie: Das sind doch Menschen mit masochistischen Tendenzen! Die haben doch selber Schuld! Die sind zu schwach, sich zu wehren! Das sind doch komische Typen! etc . ...sind mir in Gesprächen im Alltag immer wieder begegnet.

In Deutschland ist die Gesetzgebung noch nicht soweit gediehen, psychische Schäden als mögliche Arbeitsschäden ernst zu nehmen. Dies mag ein Grund dafür sein, dass Mobbing in der Literatur oft in fragwürdig scherzhafter Weise bearbeitet wird - als handele es sich lediglich um ein Kavaliersdelikt. In meiner Arbeit beziehe ich mich hauptsächlich auf die Aussagen von Heinz Leymann, weil es sich hierum wissenschaftlich fundierte Forschungsergebnisse handelt. Leymann hat das 'Expertentum des Betroffenseins' (Begriff von Michael-Lukas Möller) ausgeschöpft. Seine Forschungen beruhen u. a. darauf, dass er den Opfern zugehört und ihnen ihre Sichtweise geglaubt hat. Inzwischen bereitet sich Mobbing auch an Hochschulen unter Kommilitonen aus. Meines Erachtens gibt es diese Art der Ausgrenzung auch in vielen anderen menschlichen Gemeinschaften, wahrscheinlich nicht mit den schwerwiegenden Folgen, weil diese Gemeinschaften eher verlassen werden können, wenn der Druck zu stark wird. Am Arbeitsplatz ist der Betroffene viele Stunden der Situation ausgesetzt und die Existenzgrundlage steht auf dem Spiel. In dieser Arbeit beschränke ich mich auf Mobbing in der Arbeitswelt. Ich beginne mit der Definition von Mobbing. Nach einer Darstellung darüber, wie sich das Geschehen äußert und wie es verläuft, veranschauliche ich die Auswirkungen des Prozesses auf den Betroffenen, auf die Betriebe, in denen es stattfindet und auf die Gesellschaft. Danach zeige ich Erklärungsmodelle für die Ursachen von Mobbing auf. An die rechtlichen Aspekte schließt sich der empirische Teil der Arbeit an. Ich führe dann Bewältigungsmaßnahmen auf, lege das Konzept der Mobbing-Beratungsstelle Hannover dar und ende mit den Schlussbemerkungen. Es können nicht alle Aspekte dieser Problematik erschöpfend ausgeführt werden. Manches wird nur kurz beschrieben, das für mich Wesentliche stelle ich vertiefender dar.

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung 3
1. Definition 5
2. Erscheinungsformen von Mobbing 7
2.1 Wer mobbt wen? 7
2.1.1 Frauen mobben anders als Männer 7
2.2 Die Aktivitäten der Mobber 8
2.3 Das Verlaufsmodell 14
3. Auswirkungen von Mobbing 20
3.1 Auswirkungen auf das Opfer 20
3.1.1 Die Besonderheit der Auswirkung von Mobbingstressoren 23
3.1.2 Physische und psychische Krankheitsfolgen durch Mobbing 24
3.1.3 Der charakteristische Krankheitsverlauf 26
3.2 Auswirkungen auf die Betriebe 28
3.3 Mobbing als gesellschaftlicher Kostenfaktor 30
4. Erklärungsmodelle für die Ursachen von Mobbing 31
4.1 Die Suche nach der Ursache in der Persönlichkeit des Mobbingopfers 31
4.2 Allgemeine Situation der Arbeitnehmer als mögliche verstärkende Ursache für Mobbingprozesse 42
4.3 Gesellschaftliche Entwicklungen 42
4.4 Ursachen durch betriebliche Strukturen 44
4.4.1 Die Organisation der Arbeit 44
4.4.2 Aufgabengestaltung der Arbeit 45
4.4.3 Leitung der Arbeit 46
4.4.4 Die soziale Arbeitsgruppe 47
5. Rechtliche Aspekte 47
5.1 Grundrechtliche Auszüge 48
5.2 Arbeitsrechtliche Perspektiven 49
5.3 Strafrechtliche Ausschnitte und Hinweise auf das BGB 56
6. Empirischer Teil 57
6.1 Gesprächsprotokoll I 59
6.2 Gesprächsprotokoll II 64
7. Bewältigungsmaßnahmen 70
7.1 Betriebliche Präventation 70
7.2 Hilfsmöglichkeiten für Mobbingopfer 70
7.3 Das Beratungskonzept der Mobbing-Beratungsstelle Hannover 71
8. Schlussbemerkungen 81
Literaturverzeichnis 83
Anhang 85

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