Diplomarbeiten


(Fachbereiche): Betriebswirtschaft - Branche Industrie / Produktion Automobilindustrie

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Titel Neue Formen der Arbeitsorganisation und ihre Auswirkungen auf Formen der Partizipation
Untertitel Ein Vergleich zwischen den USA und der Bundesrepublik Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Automobilindustrie
AutorIn Thomas Wagner
Seiten 213 Seiten
Hochschule Universität Konstanz Deutschland
Art der Arbeit Diplomarbeit
Abgabe 1997
Note 1,3
Preis 38,00 EUR (inkl. MwSt.)
Bestellnummer 91000952
Sprache Deutsch
Medien Papier / CD
Inhaltsangabe
Zusammenfassung:

Diese Diplomarbeit wird die Fragen der Arbeitsorganisation in der Automobilindustrie als komparative Studie zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Deutschland untersuchen. Damit wird der Fokus auf die zwei nationalen Hauptvertreter der Produktionszentren in Nordamerika und Europa gelenkt, welche durch die MIT-Studie besonders kritisiert wurden. Folglich erscheint ein Vergleich beider Untersuchungsländer sinnvoll, zumal es sich um zwei besonders unterschiedliche Systeme der Arbeitsbeziehungen handelt, an welchen sich die manifestierten Reaktionen innerhalb der Systeme gut kontrastieren lassen. Im Rahmen einer idealtypischen Klassifizierung lassen sich die USA als pluralistisches System der Arbeitsbeziehungen einordnen während die BRD eher für die korporatistische Variante steht. Daraus ergeben sich unterschiedliche Problemlösungsstrategien, die von verschiedenen Akteurskonstellationen generiert werden und daher abweichende Resultate bei Arbeitsorganisation und Partizipationsmustern ermöglichen.

Die Automobilindustrie bietet sich aufgrund zwei hervorstehender Merkmale als geeignete Untersuchungsbranche an: Zum einen manifestieren sich die durch Lean Production induzierten Restrukturierungsmaßnahmen besonders einschneidend im Produktionsbereich der Automobilunternehmen, wo das Potential zur Eliminierung nicht wertschöpfender Arbeit besonders groß ist und die Produktivitätsüberlegenheit der japanischen Hersteller noch einen weitreichenden Rationalisierungsspielraum für die westlichen Hersteller offenbaren. Zum anderen ist die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Automobilindustrie trotz der zunehmenden Tertiarisierung der Wirtschaft in beiden Ländern besonders groß und wird durch ihre Pilotfunktion für andere Branchen sogar noch vergrößert (siehe Tabelle.1.1). So bestreitet die deutsche Automobilindustrie ein Sechstel des Gesamtexports, und jeder siebte Beschäftigte (ca. 5 Mill.) hängt direkt oder indirekt von dieser Branche ab.

Meine Untersuchungen sollen sich primär auf die Produktionsarbeit der Automobilindustrie konzentrieren, da in diesem Bereich bisher die größte Restrukturierungsdynamik zu beobachten war. Zur Untermauerung der Argumentation bzw. im Falle mangelnder empirischer Forschung werden auch Erkenntnisse aus anderen Wirtschaftssektoren in Ansätzen Eingang in die Arbeit finden.

Der innovative Charakter dieser Diplomarbeit liegt besonders in der komparativen Betrachtung der Wechselwirkungen zwischen neuen Formen der Arbeitsorganisation und den verschiedenen Schichten der Arbeitnehmerpartizipation. Dieser Aspekt ist bisher nur unzureichend untersucht worden. So ist die MIT-Studie mittlerweile wegen ihrer Ignoranz gegenüber den arbeitspolitischen Konsequenzen und der undifferenzierten Sichtweise von Gruppenarbeit einer starken Kritik ausgesetzt. Die dagegen weniger missionarische Automobilstudie des WZB verglich primär die neuen Produktions- und Arbeitsstrukturen von multinationalen Automobilkonzernen und behandelte partizipationspolitische Konsequenzen nur rudimentär. Genau in diese Forschungslücke soll die vorliegende Arbeit stoßen.

Als zentrales Problemfeld der Untersuchung werden die partizipationsrelevanten Auswirkungen der neuen Produktions- und Arbeitsstrukturen komparativ untersucht. Zwei zentrale Fragestellungen stehen dabei im Vordergrund:

Welche quantitativen und qualitativen Unterschiede zeigen die neuen Formen der Arbeitsorganisation zwischen den beiden Untersuchungsländern?

Welche Auswirkungen haben die Umstrukturierungen hin zu gruppenorientierten Formen der Arbeitsorganisation auf die Partizipationsmuster am Arbeitsplatz? Welche Veränderungen ergeben sich für Autonomiegrad, Arbeitsinhalte, Qualifikation und Humanisierung? Damit erfaßt die Fragestellung neben dem machtpolitischen auch einen arbeitsinhaltlichen und humanisierungspolitischen Aspekt.

Welche Wechselwirkungen bestehen einerseits zwischen den Veränderungen in der Arbeitsorganisation und andererseits den etablierten Institutionen der Partizipation und deren Akteure?

In der Analyse wird ein Zusammenhang der Ebenen hergestellt, wobei folgende Hypothesen die Untersuchung begleiten:

Wegen der fehlenden Institutionalisierung betrieblicher Mitbestimmung in den USA ist anzunehmen, daß die Formen der Arbeitsorganisation und Partizipation in der amerikanischen Automobilindustrie stärker variieren als zwischen deutschen Betrieben.

Gruppenarbeit in deutschen Betrieben entspricht aufgrund des größeren Einflusses von Gewerkschaften und betrieblichen Interessenvertretungen eher dem Ideal 'strukturinnovativer' Gruppenarbeit.

Die neuen dezentralen Formen der Arbeitsorganisation führen in den USA in einem stärkeren Ausmaß zur Erosion traditioneller Formen der Partizipation und der Rolle ihrer Akteure. Diese Annahme könnte sich aus dem höheren Veränderungsdruck infolge der größeren Rigidität innerbetrieblicher Arbeitsregulierung und der institutionellen Schwäche von Arbeitnehmervertretungen erklären.

Trotz ähnlicher Veränderungen der Produktionsmodelle entwickelt sich kein konvergierendes Modell der Arbeitsorganisation und Partizipation. Daraus ableitend ist anzunehmen, daß sowohl Formen als auch Grad der Partizipation in beiden Ländern weiterhin differieren.

Inhaltsverzeichnis:

Gliederung II
Inhalt III
Abkürzungsverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis von Literaturangaben VIII
Verzeichnis der Tabellen und Abbildungen X
1. Einführung und Problemstellung 1
1.1. Vorbemerkungen 1
1.2. Zielsetzung und Fragestellungen der Arbeit 2
1.3. Komparative Forschung und Methodik der Arbeit 5
2. Theoretischer Rahmen 7
2.1. Mikrotheorien der Arbeitsstrukturierung 7
2.1.1. Theorien der Massenproduktion 7
2.1.2. Humanisierungstheorien 9
2.1.3. Ohnismus und Lean Production 11
2.1.4. Zusammenführung und konzeptioneller Rahmen 14
2.2. Makrotheorien der industriellen Beziehungen 15
3. Rahmenbedingungen in der wirtschaftlichen Entwicklung und den industriellen Beziehungen 18
3.1. Ökonomische Rahmenbedingungen in der Automobilindustrie 18
3.1.1. Marktentwicklungen 18
3.1.2. Beschäftigungsentwicklungen 19
3.2. Grundzüge der Arbeitsbeziehungen und Partizipation 21
3.2.1. Akteure der Arbeitsbeziehungen 21
3.2.2. Regulierung und gesetzlicher Rahmen 24
3.2.3. Systeme der Tarifverhandlungen 25
3.2.4. Betriebliche Partizipation 28
3.3. Problemfelder und Entwicklungstendenzen 30
3.3.1. Dezentralisierung von Tarif- und Mitbestimmungspolitik 30
3.3.2. "Union Decline" und Arbeitsbeziehungen im gewerkschaftsfreien Sektor 33
3.3.3. Transforination von "lndustrial Relations" und Partizipation 35
4. Veränderungen in der Arbeitsorganisation und deren Auswirkungen auf verschiedene Dimensionen der Partizipation 38
4.1. Konzepte und Strategien zur Arbeitsorganisation 38
4.1.1. Nationale Entwicklungslinien 38
4.1.2. Konzernstrategien 40
4.2. Verbreitung gruppengestützter Arbeitsorganisationen 43
4.3. Einfluß von japanischen Produktionskonzepten 46
4.3.1. Rahmenbedingungen der Transplantation japanischer Produktionskonzepte 47
4.3.2. Ausgestaltung der Arbeitsorganisation 49
4.4. Zwischenfazit I 52
4.5. Partizipationsrelevante Konsequenzen für die Arbeitsplatzebene 54
4.5.1. Produktionstechnologie und Arbeitsorganisation 54
4.5.2. Autonomiespielraum und Selbstorganisation 56
4.5.3. Arbeitsaufgaben: Rotation und Integration 62
4.5.4. Qualifikation und Qualifizierung 67
4.5.5. Humanisierungsaspekte 71
4.5.6. Bewertung der neuen Arbeitsstrukturen aus Sicht der Arbeitnehmer 75
4.6. Zwischenfazit II 77
5. Wechselwirkungen zwischen den neuen Formen der Arbeitsorganisation und den höheren Ebenen der Partizipation 79
5.1. Wandlungsdruck auf die Institutionen und Regelungen der Mitbestimmung 79
5.1.1. Mitbestimmungsrechtliche Bewertung der neuen Arbeitsstrukturen 79
5.1.2. Auswirkungen auf die traditionellen Regelungsformen im Betrieb 82
5.2. Gestaltung der neuen Arbeitsformen 85
5.2.1. Gewerkschaftliche Gestaltungskonzepte 85
5.2.2. Gestaltungskonzepte und Einflußmöglichkeiten auf der Betriebsebene 89
5.3. Implikationen für Institutionen und Akteure der kollektiven Partizipation 93
5.3.1. Auswirkungen auf die betriebliche Mitbestimmung 93
5.3.2. Konfliktlinien auf der Betriebsebene 99
5.3.3. Konfliktlinien zwischen der betrieblichen und überbetrieblichen Repräsentationsebene 103
5.3.4. Konsequenzen für die Gewerkschaftspolitik 106
5.4. Zwischenfazit III 108
6. Betriebliche Vergleichsuntersuchung: Mercedes-Benz Rastatt und GM Saturn 110
6.1. Rahmenbedingungen 110
6.2. Produktions- und Arbeitsorganisation 112
6.3. Betriebliche Mitbestimmung und Co-Management 117
6.4. Zwischenfazit IV 120
7. Schlußfolgerungen 121
7.1. Zusammenfassung und Diskussion der Untersuchungsergebnisse 121
7.2. Divergenz oder Konvergenz? 124
Literaturverzeichnis 127
Verzeichnis der Zeitschriften 162

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