Wer als Führungskraft nicht scheitern will, sollte ein modernes Verständnis von Führung entwickeln. Dazu bedarf es der Bereitschaft, sich mit den eigenen Erwartungen und den Erwartungen der anderen auseinander zu setzen. Wichtig ist auch der Mut, neue Handlungsmodelle auszuprobieren. Denn Mitarbeiter erwarten heute, dass sie so weit wie möglich in die Verantwortung einbezieht und sie so die Möglichkeit bekommen, ihre Kompetenzen zu erweitern. Moderne Führung sollte klare Rahmenbedingungen vorgeben, so dass der einzelne seine Stärken entwickeln kann, ohne sich überfordert zu fühlen. So kann das Innovationspotenzial ausgeschöpft werden, ohne sie ständig kontrollieren oder antreiben zu müssen.

In Zeiten des Wandels, der auch viele Führungskräfte stark verunsichert, ist ein offener, respektvoller und interaktiver Informations- wie Kommunikationsstil wichtig. Mitarbeiter fühlen sich dann am ehesten ernst genommen. Führungskräfte sollten sich auch bewusst machen, dass vor allem gemeinsam geteilte Ziele den Erfolg des Unternehmens bestimmen und dass die eigene persönliche Eitelkeit wo weit wie möglich in den Hintergrund treten sollte.

Trotz des hohen Stellenwerts von Teamarbeit und bei aller kollegialer Einstellung sollte aber auch die Entschiedenheit, mit der der Vorgesetzte auf die Einhaltung von Zielvorgaben besteht, nicht auf der Strecke bleiben. Kooperative Führung darf nicht mit Inkonsequenz verwechselt werden. Was einmal beschlossen ist, muss gelten. Das Nichteinhalten von Vereinbarungen oder Misserfolge darf und soll Sanktionen nach sich ziehen. Die Kunst des Führens besteht darin, Menschlichkeit mit der nötigen Prise Autorität zu würzen.

Es ist sehr sinnvoll, mit Lob und Ermutigung zu arbeiten. Aber für das Lob muss es auch begründeten Anlass gegeben. Kritische Punkte sollen auf keinen Fall übergangen werden. Es ist im Gegenteil so, dass ein Lob doppeltes Gewicht hat, wenn klar ist, dass vom Vorgesetzten notwendige Kritik genau so offen angesprochen wird. Dort, wo dies sachlich möglich ist, sollten Mitarbeiter in Entscheidungen einbezogen werden. Dies ist allerdings nur dann sinnvoll und Motivation fördernd, wenn die Meinung des Mitarbeiters auch für diesen erkennbar beim Vorgesetzten Gewicht hat. Deshalb muss der Vorgesetzte auch bereit sein, seine abweichenden Entscheidungen zu erläutern und zu begründen. Auf diese Weise können die Mitarbeiter zunehmend mehr in die gemeinsamen Zielsetzungen eingebunden werden.

Für junge Führungskräfte ist es sinnvoll, sich einen guten Coach zu suchen, der sie darin unterstützt, zu einer Führungspersönlichkeit heranzureifen. Im Dialog mit dem Mentor lässt sich am ehesten klären, wie der Betroffene sein Potenzial stärker zum Tragen bringen kann und was ihn gegebenenfalls daran hindert, seine Aufgaben zu bewältigen. Durch die sachkundige Begleitung eines erfahrenen Coachs können Klippen rechtzeitig erkannt und zum richtigen Zeitpunkt neue Weichenstellungen vorgenommen werden. Aber gerade für junge Führungskräfte ist daneben auch der Erfahrungsaustausch mit anderen jungen Kollegen in firmenübergreifenden Netzwerken besonders wertvoll. Gemeinsam kann herausgefunden werden, was Projekte, Teams, Netzwerke und Organisationen noch effizienter macht und worin die Kunst des Führens in spezifischen Situationen besteht.

Es ist eine alte Weisheit: Chefs müssen als Erstes lernen, sich selbst zu führen, und sind erst dann in der Lage, auch andere zu leiten. Daher muss der Vorgesetzte lernen, Strategien für das Umgehen mit eigenen Unsicherheiten und Krisen zu finden. Er muss erkennen, worin seine persönlichen Ressourcen bestehen und wie er diese optimal einsetzen kann. In vielen Situationen muss eine Führungskraft auch einmal ein Risiko eingehen und dann selbstkritisch prüfen, wie erfolgreich die jeweilige Entscheidung war. Letztlich gilt somit, dass die in der praktischen Arbeit gewonnene persönliche Erfahrung mehr hilft als jede noch so plausible Theorie.

Leserservice: Wer ermitteln will, wie es um die eigene Führungskunst bestellt ist, kann dies kostenfrei im Internet unter: www.ineko-cologne.com/befragung

Autor: Prof. Dr. Egon Stephan

Der Autor ist Inhaber des Lehrstuhls für Diagnostik und Intervention sowie für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität zu Köln.

Bookmarken bei...
del.icio.usFurlgoogle.comMister WongTausendreporterYiggItWebnews
?Meine Lesezeichen
?Meine Mitgliedschaft
?Meine Dokumente
Alle Vorteile nutzen

Mitglied werden»

Newsletter abonnieren»

Gastautor werden»

Anwenden + Umsetzen

Lösungshilfen mit Schritt-für-Schritt Anleitungen, Arbeitsvorlagen und Checklisten

» Anwenden + Umsetzen

Download

Dokumente zum Download von Fachautoren und Beratern

» Shop

Job, Jobs, Stellenangebote, Stellenmarkt, Jobsuche

Stellenmarkt für Fach- und Führungskräfte

» zur Detailsuche

Kostenloser Download

Arbeitstechniken: Werkzeuge für den beruflichen Erfolg In dieser Lösungshilfe finden Sie viele wichtige Methoden und Werkzeuge für Ihren persönlichen Erfolg.

Online-Kurs

Überzeugende Konzepte entwickeln
In diesem Kurs lernen Sie: Auftrag klären - Informationen sammeln und strukturieren - Konzept erfolgreich präsentieren. Sie profitieren von diesem Kurs, wenn Sie für Ihren Vorgesetzten ein Konzept entwickeln sollen.