Ende der 1980er Jahre schlug ein Buch ein wie eine Bombe: Die zweite Revolution in der Autoindustrie (The Machine That Changed the World) von James P. Womack, Daniel T. Jones und Daniel Roos [1992]. Die Autoren waren in den 1980er Jahren für eine weltweite Studie verantwortlich, die herausfinden sollte, warum die japanischen Autobauer ihren Konkurrenten in Amerika und Europa so haushoch überlegen waren. Damals wurde der Begriff der „Schlanken Produktion“ bzw. „Lean Production“ geboren, der seither ein wesentliches Management-Paradigma nicht nur in Industrie-, sondern auch in Dienstleistungsunternehmen wurde.
In ihrer Studie erkannten die Experten der Studie, dass das so genannte Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung ein wichtiges Element der schlanken Produktion ist. Da auch hier die japanischen Unternehmen Vorreiter waren, ging das japanische Kaizen als Begriff dafür rund um die Welt.
Das Prinzip spielt bis heute eine wichtige Rolle – insbesondere im Produktions- und Qualitätsmanagement. Wenn es darum geht, Kosten zu sparen, kann Kaizen einen wichtigen Beitrag leisten. Dabei geht es nicht darum, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen, Leistung zu verdichten und Mitarbeiter zu entlassen. Mit Kaizen soll vor allem Verschwendung vermieden werden.
Stichwort
Der Begriff Kaizen kommt aus dem Japanischen. Er setzt sich zusammen aus Kai = Veränderung, Wandel; Zen = zum Besseren. Damit ist die schrittweise und stetige Verbesserung von Abläufen, Produktionsverfahren oder Produkten durch alle Mitarbeiter eines Unternehmens gemeint. Es kommt dabei nicht auf große Innovationen an, sondern auf die Einbeziehung aller Mitarbeiter, die Vielzahl an Verbesserungsvorschlägen, die schnelle Umsetzung und die Sichtbarkeit der Erfolge.
In westlichen Unternehmen wurde Kaizen unter dem Begriff kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) eingeführt. Oft wurde es in einen gegensätzlichen Bezug zum bekannten betrieblichen Vorschlagswesen gestellt.
Kaizen ist dabei weniger eine konkrete Methode, als viel mehr eine allgemeines Denkweise, die alle Mitarbeiter verinnerlichen und bei ihren Aktivitäten verwirklichen sollen. Masaaki Imai, der in seinem Buch Kaizen [1991] [1] diese Denkweise in Deutschland besonders bekannt machte, beschreibt es so:
Die Botschaft von Kaizen heißt, es soll kein Tag ohne irgendeine Verbesserung im Unternehmen vergehen.
Es ist deshalb vor allem die Aufgabe des Managements, dieses Prinzip im Unternehmen durchzusetzen und zu einem wesentlichen Element des Unternehmens zu machen. Aber auch alle anderen Mitarbeiter müssen über Verbesserungen nachdenken und diese in ihrem Umfeld umsetzen. Die folgende Abbildung soll den Unterschied im Denken veranschaulichen.

Denkweisen und Aufgaben im Management
Die Veränderungen und Verbesserungen, die aus Kaizen resultieren, sind nicht mit den Veränderungen und Verbesserungen vergleichbar, die Ergebnis des Innovationsmanagements sind. Innovationen zielen auf grundsätzlich neue Produkte und Prozesse ab, sie spielen sich vor allem im Rahmen der Forschung und Entwicklung von Produkten ab. Kaizen strebt nach Detail-Verbesserungen und Standardisierung und zielt vor allem auf die Produktion und die Vermarktung ab.
Aus diesem Grund hat Kaizen vor allem im Rahmen des Qualitätsmanagements eine besondere Bedeutung gewonnen. Es wird als ein Element des Total Quality Managements gesehen und in Zusammenhang gestellt beispielsweise mit Qualitätszirkel oder statistischer Prozesskontrolle. Eine enge Beziehung besteht zu dem so genannten Deming-Kreis (benannt nach einem der Väter des Qualitätsmanagements William Edwards Deming).
In welcher Form funktioniert in Ihrem Unternehmen das betriebliche Vorschlagswesen? Welche Erfolge hat es in den letzten Jahren gebracht? In welcher Form sind die Mitarbeiter in den Unternehmensbereichen und Hierarchie-Ebenen in die Verbesserung von Produkten und Prozessen eingebunden?
Im folgenden stellen wir die Elemente des Kaizen bzw. des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP) vor. Sie lernen vor allem wichtige Methoden und Werkzeuge aus dem Kaizen kennen und erfahren, wie Sie diese in Ihrem Unternehmen umsetzen können.
- Teil 1: Kaizen: Kontinuierliche Verbesserungen einführen und anwenden
- Teil 2: Kaizen als andere Denkweise
- Teil 3: Elemente des Kaizen und kontinuierlichen Verbesserungsprozesses
- Teil 4: Methoden und Werkzeuge
- Teil 5: Umsetzung im Unternehmen
- Teil 6: Quellen und weiterführende Links zum Thema Kaizen und kontinuierlicher Verbesserungsprozess