Leistungsbereitschaft, Fremdsprachen, EDV-Wissen, Medienkompetenz, Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen – die Liste der Anforderungen an Bewerber in den einschlägigen Stellenanzeigen ist lang. Die Erwartungen an die Kompetenzen neuer und bestehender Mitarbeiter haben sich gehörig verändert. Oft tritt das notwendige Fachwissen in den Hintergrund, wenn es um Anforderungsprofile oder Weiterbildungsmaßnahmen geht.
Ein Grund dafür dürfte sein, dass es vielen Bewerbern und Mitarbeitern gerade an diesen sogenannten Schlüsselqualifikationen fehlt. Während Sie bei der Ausbildung oder im Studium das relevante Fachwissen vermittelt bekommen, spielen dort strukturiertes Arbeiten, Fremdsprachen, Kommunikationskompetenzen oder Teamfähigkeit keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Aber mit der Einführung von Teamarbeit, mit mehr Kundenorientierung, immer neuen Arbeitsmitteln und zunehmender Internationalisierung haben die Unternehmen erkannt, dass das Fachwissen allein nicht mehr ausreicht.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände wünscht sich, dass Berufsanfänger zu gleichen Teilen Schlüsselqualifikationen und fachliche Qualifikationen mitbringen. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Die Betriebe klagen, viele Bewerber hätten nur eine mangelhafte Allgemeinbildung und es fehle an methodischem Wissen. Sie kommen mit neuen Aufgaben nicht zurecht, sie haben Probleme beim Zeitmanagement, können keine Besprechungen leiten oder gehen allgemein unstrukturiert an ihre Arbeit.
Stichwort
Eine Schlüsselqualifikation oder Soft Skill ist eine Kompetenz (Fähigkeit, Fertigkeit, Denkmethode und Wissensbestand), die über die fachliche Kompetenz hinausgeht. Sie sollen zum Handeln befähigen. Die Schlüsselqualifikationen werden unterteilt in
- Methodenkompetenz,
- Sozialkompetenz,
- Selbstkompetenz und
- Handlungskompetenz.
Sie helfen bei der Lösung von Problemen und beim Erwerb von Kompetenzen in möglichst vielen Aufgabenbereichen.
Meist werden Schlüsselqualifikationen und Schlüsselkompetenzen synonym verwendet. Einige Autoren unterscheiden aber explizit Wissen, Qualifikationen, Fertigkeiten als operative Kompetenzen von strategischen Kompetenzen.
Wer solche Kompetenzen mitbringt, ist ein begehrter und geschätzter Mitarbeiter. Er weiß im Beruf, worauf es ankommt, kann klare Ziele setzen und diese stringent verfolgen und erreichen. Er nutzt dabei sein methodisches Wissen, um sich die Arbeit zu erleichtern und effektiv und effizient zu sein. Zudem kommt er mit Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern gut aus, weil er sich in deren Situation hineinversetzen kann und so in der Lage ist, unterschiedliche Ziele und Interessen zu berücksichtigen.
Im Zusammenhang mit diesen Schlüsselqualifikationen wird auch oft der Begriff der emotionalen Intelligenz verwendet. Damit werden alle Fähigkeiten zusammengefasst, die helfen, mit eigenen und mit fremden Gefühlen umzugehen; das betrifft die Wahrnehmung, die Verwendung, das Verstehen und den Umgang mit Emotionen. Das Modell der emotionalen Intelligenz ist vor allem durch Daniel Goleman bekannt geworden. Er fasst damit die folgenden Kompetenzen zusammen:
- Selbstbewusstheit: Fähigkeit eines Menschen, seine Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse zu akzeptieren und zu verstehen, und die Fähigkeit, deren Wirkung auf andere einzuschätzen;
- Selbstmotivation: Begeisterungsfähigkeit für die Arbeit, sich selbst unabhängig von finanziellen Anreizen oder Status motivieren zu können;
- Selbststeuerung: planvolles und zielgerichtetes Handeln in Bezug auf Zeit und Ressourcen;
- Empathie: Fähigkeit, emotionale Befindlichkeiten anderer Menschen zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren;
- soziale Kompetenz: Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen und tragfähige Beziehungen aufzubauen, gutes Beziehungsmanagement und Netzwerkpflege.
Welche Anforderungen in Bezug auf Schlüsselqualifikationen sind in Ihrem Unternehmen oder an Ihrem Arbeitsplatz formuliert? Beispielsweise in Stellenbeschreibungen oder als Ergebnis von Mitarbeitergesprächen mit Vorgesetzten.
Welche genauen Anforderungen in Ihrer persönlichen Arbeitssituation wichtig sind und was von Ihnen gefragt ist, ergibt sich oft nicht unmittelbar. Gerade bei einem Jobwechsel müssen Sie erst Erfahrungen sammeln: Was erwartet der Vorgesetzte? Wie verhalten sich die Kollegen? Was sind übliche Gepflogenheiten? Welche Leistungen werden erwartet? Wie werden Mitarbeiter unterstützt?
Versuchen Sie herauszubekommen, welche Schlüsselqualifikationen von Ihnen persönlich erwartet und auch abverlangt werden. Die Karriere-Expertin Hedwig Kellner schreibt in ihrem Buch „Soziale Kompetenz“:
„Ob Sie über soziale Kompetenzen verfügen, macht Ihr Chef an Ihren Erfolgen in den Bereichen fest, in denen es besonders auf soziale Kontakte ankommt.“
Sie macht damit auch deutlich, dass Schlüsselqualifikationen nicht so leicht gemessen werden können, sondern sich im Arbeitsalltag zeigen – oder eben nicht. Und sie weist darauf hin, dass es auf den jeweiligen Arbeitsbereich, das jeweilige Umfeld sowie auf die Organisationskultur ankommt, um zu sagen, welche Qualifikationen notwendig sind.
Die falschen Schlüsselkompetenzen
Wenn Sie besondere Schlüsselkompetenzen mitbringen, die Sie dann in Ihrem Beruf und an Ihrem Arbeitsplatz nicht einsetzen können, kann das sehr schnell demotivierend sein. Beispiele sind: Sie können hervorragende Präsentationen erstellen, werden aber nie aufgefordert, eine zu halten. Sie können kommunikationsfähig sein, arbeiten dann aber allein in Ihrem Büro. Sie können teamfähig sein, aber Ihr Chef bestimmt alles allein.
Hier müssen Sie immer wieder abwägen und einen Profilvergleich anstellen. Passen die Anforderungen an Ihrem Arbeitsplatz zu Ihren Stärken und Ihren Interessen? Können Sie Ihre Schlüsselqualifikationen richtig einsetzen?
- Teil 1: Schlüsselqualifikation: Was Sie als Mitarbeiter können müssen
- Teil 2: Was sind Schlüsselqualifikationen?
- Teil 3: Kompetenzmodelle und ein Kompetenz-Atlas
- Teil 4: Seine eigene Ausbildung und Weiterbildung organisieren
- Teil 5: Technikkompetenz
- Teil 6: Lernen und Medienkompetenz
- Teil 7: Beziehungsgeflechte im Unternehmen kennen und nutzen
- Teil 8: Sich in andere hineinversetzen
- Teil 9: Emotionen beherrschen
- Teil 10: Anpassung an Gepflogenheiten
- Teil 11: Quellen und weiterführende Informationen
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Schlüsselqualifikation: Was Sie als Mitarbeiter können müssen
Umfang: 30 Seiten + 8 Arbeitsvorlagen und Checklisten
Frei für Premium-MitgliederIm Einzelkauf erhältlich für € 9,80
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