„Wer kein Ziel hat, kommt nirgendwo an!“
Jedes Unternehmen kann langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn sich die Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren. Sie wollen wissen, wofür Ihr Unternehmen steht und welchen Sinn ihre Arbeit hat; sie wollen zu positiven Zielen beitragen, eigenständig Entscheidungen treffen und selbstständig handeln. Darauf basiert die emotionale Bindung zum Unternehmen, aus der sich wiederum das Engagement der Mitarbeiter ableitet.
Eine gute Unternehmensvision kann diese Identifikationsfläche und den notwendigen Orientierungsrahmen schaffen. Sie drückt aus: Warum tun wir das, was wir heute tun? Und: Wo wollen wir in fünf bis zehn Jahren stehen?
Eng damit verbunden ist die Unternehmensmission. Sie richtet sich aber nicht an die Mitarbeiter, sondern an die Kunden. Diese sollen ebenfalls wissen, wofür das Unternehmen – nach seinem eigenen Anspruch – steht und was es für die Kunden sein will. Die Mission drückt aus: Wie wollen wir von unseren Kunden gesehen werden? Im idealen Fall entsteht damit auch eine Identifikation des Kunden mit dem Unternehmen.
Aber: Es gibt kaum etwas Schwierigeres, als eine wirklich gute Vision oder Mission zu formulieren. Denn Sie müssen damit Ihre Mitarbeiter, Ihre Kunden und andere Interessengruppen überzeugen, besser noch: begeistern und mitreißen! Eine Vision funktioniert nur dann, wenn sich ihr die Mehrzahl der Mitarbeiter verschrieben hat, weil sie sich mit den Zielen dahinter verbunden fühlen.
Woraus sich Vision und Mission im Unternehmen entwickeln
Vision und Mission sind deshalb auch mehr, als nur die Zusammenfassung der wichtigsten Unternehmensziele. Sie haben aber viel miteinander zu tun. Sie sollten im Einklang sein und zueinander passen. Oft leiten sich die Ziele aus Vision und Mission erst ab. Wenn sie stimmig sind, dann sind Vision, Mission und Ziele glaubwürdig.
Glaubwürdigkeit ist der wichtigste Grundsatz für eine Mission und Vision. Sie entsteht dadurch, dass
- Ihre Mitarbeiter bei der Formulierung beteiligt sind,
- die Mission und Vision permanent kommuniziert und
- von den Führungskräften vorgelebt werden,
- Ziele und Alltagshandeln zu Ihnen passen.
Um eine stimmige Vision oder Mission entwickeln zu können, sollte das Unternehmen offen sein. Es bedarf Freiräume für Kreativität und Spontanität. Gleichzeitig spielt die Erfahrung des Managements mit dem Geschäft und der Organisationskultur [1] eine wichtige Rolle. Schließlich ist eine Vision nichts Abstraktes, sondern hat direkten Realitätsbezug.
Durch Mikropolitik im Unternehmen und durch falsches Verhalten der Führungskräfte können Vision und Mission unterlaufen werden. Es kann soweit kommen, dass es nicht beachtet oder sogar lächerlich gemacht wird.
Für einzelne Programme, Aktionen oder Maßnahmen in einem Unternehmen können Sie eine „Teilvision“ entwickeln. Sie wird oft auch Leitbild genannt. Solche Maßnahmen können sein:
- Entwicklung eines neuen Produkts,
- Einführung einer neuen Technologie,
- Reorganisation der Strukturen und Abläufe in Ihrem Unternehmen.
Das Leitbild verdeutlicht den Sinn und das Zusammenspiel der damit verbundenen, einzelnen Maßnahmen. Es soll die Handlungen aller Mitarbeiter „orchestrieren“. Wie ein Dirigent macht es aus den Handlungen der Musiker (Ihrer Mitarbeiter) ein stimmiges Bild. Leitbilder schaffen meist die Verbindung zwischen Vision und Tagesgeschäft. Sie geben konkrete Handlungsanweisungen, zeigen Nutzen für die Arbeit auf und schaffen ein einheitliches Selbstverständnis.
Stichwort
Die Vision ist im Bereich der Unternehmensführung die Beschreibung eines idealen Zustands in der Zukunft bzw. die zentralen Elemente auf dem Weg zu diesem Idealzustand. In einem Bezug zu ihr stehen Strategien und Unternehmensziele.
Eine Mission beschreibt den wesentlichen Zweck oder den Auftrag des Unternehmens; sie legt dar, warum das Unternehmen oder eine Organisationseinheit existiert.
Typische Beispiele für eine Vision oder eine Mission
- Wir verkaufen Qualität zu günstigen Preisen.
- Wir wachsen bei gleich bleibender Rendite doppelt so schnell wie der Markt.
- Unsere Kunden wachsen schneller als der Wettbewerb.
- Wir machen mobil.
- Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause.
- Wir sind eine Bank, die zum Kunden kommt.
- Wir bauen Autos ohne Abgase.
- Medikamente ohne Nebenwirkungen.
Überlegen Sie und schreiben Sie auf: Haben Sie von anderen Unternehmen eine gute Mission oder Vision gehört? Wie lauten diese? Warum hat Sie diese Formulierung überzeugt?
Die Gefahren von Vision und Mission
Problematisch ist, dass die Begriffe der Vision und Mission oft inflationär verwendet werden und nur Modebegriffe in den Unternehmen sind. Das Management formuliert nebulöse, hochtrabende Sätze, von denen jeder im Unternehmen weiß, wie wenig ernst gemeint sie sein können. Bei der kleinsten Krise brechen diese „Träume“ zusammen. Sie haben keine Praxisrelevanz. Manche halten dieses Instrument deshalb gänzlich für ungeeignet, weil sich kaum gute und schlechte Visionen oder Missionen voneinander unterscheiden lassen.
Gerade deshalb können Sie eine Vision oder Mission nur in enger Zusammenarbeit mit Ihren Mitarbeitern entwickeln. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Realitätsbezug geschaffen wird und klar wird, was beide im Alltagshandeln bedeuten. Dabei gilt meist: Die ersten Vorschläge kommen von der Geschäftsleitung; ein Kernteam kann den Prozess vorantreiben; die Mitarbeiter können sich einbringen und diskutieren offen über die Inhalte. Der Management-Vordenker Knut Bleicher sagt:
„Bei der Visionsfindung geht es darum, eine die Unternehmensgeschichte tragende Idee im Spannungsfeld von Wollen und Realität im Zeitablauf evolutionär durch lernende Anpassung zu entwickeln. Visionen lassen sich nicht machen, man muss sie sich entwickeln lassen. Dieser Prozess darf nie enden.“
- Teil 1: Vision und Mission: Selbstverständnis entwickeln und allen Mitarbeitern Orientierung geben
- Teil 2: Woraus sich Vision und Mission im Unternehmen ergeben
- Teil 3: Entwicklung einer Vision und Mission
- Teil 4: Vision entwickeln - Top Down und Bottom Up
- Teil 5: Mission entwickeln - Beziehen Sie den Kunden mit ein
- Teil 6: Kommunikation und Umsetzung einer Vision und Mission
- Teil 7: Quellen und weiterführende Informationen zum Thema Vision und Mission entwickeln