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Balanced Scorecard (BSC)

Balanced Scorecard einfach und verständlich erklärt

Die Balanced Scorecard macht die strategischen Ziele und Kennzahlen eines Unternehmens auf einfache Weise sichtbar. Sie hilft bei der Planung und Strategieumsetzung. Klassische Kennzahlensysteme sind oft viel zu umfangreich. Mit ihnen wird nicht klar, was für das Unternehmen wirklich wichtig ist.

Probleme mit klassischen Kennzahlensystemen

Zu Beginn der 1990er Jahre führten Robert S. Kaplan und David P. Norton eine Studie bei zwölf großen amerikanischen Unternehmen durch. Ziel war es zu ermitteln, wie diese Unternehmen ihre Leistung messen und welche Defizite die jeweils angewendeten Methoden haben. Es ging um das wichtige Thema Performance Measurement (Leistungsmessung). Die Studie fand unter anderem heraus, dass es drei zentrale Probleme bei der Leistungsmessung gibt:

  1. Die Messsysteme sind unglaublich kompliziert und differenziert. Vor lauter Messzahlen und komplexen Berechnungssystemen gehen die wesentlichen Informationen verloren. Es wird viel im operativen Bereich gemessen, ohne dass es überschaubare, zentrale und strategische Informationen gibt.
  2. Die meisten Kennzahlen, die für die Leistungsmessung genutzt werden, bilden nur die Vergangenheit ab. Sie sind wenig geeignet, um Entwicklungen in der Zukunft abzuschätzen.
  3. Die meisten Kennzahlen sind ausschließlich auf finanzielle Aspekte ausgerichtet, sie bilden letztlich den Geldfluss ab. Andere Faktoren, die nicht unmittelbar mit Geld zu tun haben, werden nicht betrachtet. Das bedeutet, dass die jeweiligen Strategien der Unternehmen gar nicht in Kennzahlen abgebildet werden.

Aus den Befunden der Studie wurde nach und nach das Modell beziehungsweise das Management- oder Controlling-Konzept der Balanced Scorecard (BSC) entwickelt. Den beiden Erfindern der Balanced Scorecard ging es darum, ein möglichst einfaches Verfahren zu haben, mit dessen Hilfe alle Mitarbeiter verstehen, was für das Unternehmen und seine Strategie wichtig ist und was sie als Mitarbeiter dazu beitragen sollen. Kaplan und Norton formulieren es so:

„Die Scorecard schafft einen Rahmen, eine Sprache, um Mission und Strategie zu vermitteln. Sie verwendet Kennzahlen, um Mitarbeiter über Erfolgsfaktoren für gegenwärtigen und zukünftigen Erfolg zu informieren. Durch genaue Artikulation der gewünschten Ergebnisse und der dahinterstehenden Leistungstreiber hoffen Manager, die Energien, Potenziale und das Spezialwissen der Mitarbeiter der gesamten Organisation auf die langfristigen Ziele hin auszurichten.“

StichwortBalanced Scorecard

Die Balanced Scorecard ist eine Zusammenstellung der strategischen und besonders wichtigen Ziele eines Unternehmens sowie der damit verknüpften messbaren Kennzahlen. Sie zeigt die Leistungen eines Unternehmens oder einer Organisationseinheit aus vier unterschiedlichen Perspektiven: Finanzen, Kunden, Prozesse sowie Lernen und Entwicklung.

Die Balanced Scorecard übersetzt Vision, Mission und Strategie eines Unternehmens in Kennzahlen, so dass alle Mitarbeiter sie verstehen und über die Bedingungen für gegenwärtigen und zukünftigen Erfolg informiert sind.

Mit der Balanced Scorecard die Marschrichtung vorgeben und überprüfen

Wer eine Balanced Scorecard einführt und einsetzt, verfolgt das Ziel, der Unternehmensleitung und den Mitarbeitern einen ständigen Überblick über den Kurs des Unternehmens und der einzelnen Verantwortungsbereiche zu geben. Sie ist damit mit dem Cockpit eines Flugzeugs vergleichbar, in dem alle notwendigen Informationen über den Zustand des Flugzeugs und den Kurs angezeigt werden, die wichtig sind, um das Ziel zu erreichen.

Die Balanced Scorecard soll die Strategieumsetzung im Unternehmen unterstützen. Denn die BSC macht sichtbar, worauf es ankommt und was die Marschrichtung für alle Mitarbeiter sein soll. Sie können mit einer guten Balanced Scorecard Ihre Strategien bei allen Mitarbeitern bekannt machen und leichter umsetzen. Ihre Mitarbeiter sollen sich an den Leistungsindikatoren der Balanced Scorecard orientieren und dann für den Erfolg des Unternehmens engagieren.

Der richtige Mix aus Indikatoren und Kennzahlen für die Planung und Strategieumsetzung

Jedes Unternehmen nutzt Kennzahlen, die mehr oder weniger über die Entwicklung des Unternehmens informieren.

Spätindikatoren

Oft sind die eingesetzten Kennzahlen sogenannte „Spätindikatoren“. Diese zeigen erst mit langer zeitlicher Verzögerung auf, ob eine Entscheidung oder eine Maßnahme richtig war oder nicht. Beispielsweise wirken sich Maßnahmen zur Steigerung der Kundenzufriedenheit erst nach einiger Zeit auf die Gewinnentwicklung aus. Wer nur die Kennzahl „Gewinn“ betrachtet, wird nicht gleich erkennen können, ob seine Maßnahmen zur Kundenzufriedenheit richtig waren.

Frühindikatoren

Die Balanced Scorecard lenkt das Augenmerk verstärkt auf die sogenannten „Frühindikatoren“. Das sind spezielle Kennzahlen, die möglichst zeitnah zeigen, welche Effekte eine Entscheidung oder eine Maßnahme bringt. Oder es sind Kennzahlen, die zukünftige Entwicklungen sichtbar machen. Wenn zum Beispiel die Anzahl der Kundenbeschwerden steigt, kann das ein Signal sein, dass die Kundenzufriedenheit insgesamt abnimmt. Das wiederum kann sich irgendwann auch negativ auf den Gewinn des Unternehmens auswirken. Ein anderes Beispiel: Das Unternehmen misst, wie oft in der Fachpresse über sein neues Produkt berichtet wird. Dieser Indikator kann etwas über den zukünftigen Erfolg des Produkts am Markt aussagen.

Idealerweise setzt ein Unternehmen mehrere Kennzahlen oder Indikatoren ein. Es hat einen Mix aus Spätindikatoren und Frühindikatoren. Aber viele Unternehmen arbeiten nur mit Spätindikatoren, nämlich den Finanzindikatoren wie Umsatz, Gewinn, Rendite oder Zahlungsreichweite. Diese Kennzahlen geben keine direkte Auskunft darüber, wie das Unternehmen seine Prozesse beherrscht, wie die Kunden das Unternehmen bewerten oder wie engagiert die Mitarbeiter sind. Aber genau solche Faktoren beeinflussen letztlich die finanzielle Situation eines Unternehmens.

Die Balanced Scorecard hat vier Perspektiven

Mit der Balanced Scorecard werden deshalb unterschiedliche Kennzahlen und Indikatoren zusammengestellt und miteinander in Beziehung gebracht. Einige sind Spätindikatoren, andere Frühindikatoren. Kaplan und Norton zeigen den Zusammenhang der wichtigen Kennzahlen eines Unternehmens in einem Modell auf, das sich aus vier Dimensionen oder Perspektiven zusammensetzt und das die Autoren dann Balanced Scorecard nennen (siehe Abbildung 1). Die Perspektiven sind:

  • Finanzperspektive
    beinhaltet klassische finanzielle Kennzahlen vor allem für Anteilseigner.
  • Kundenperspektive
    umfasst Kennzahlen, die Kundenmeinungen und Kundeneinstellungen gegenüber dem Unternehmen abbilden.
  • Prozessperspektive
    mit Kennzahlen, die beschreiben, wie gut oder schlecht interne Prozesse bezüglich Zeit, Qualität oder Kosten ablaufen.
  • Lern- und Entwicklungsperspektive oder Mitarbeiterperspektive
    beinhaltet Indikatoren, die zeigen, wie sehr das Unternehmen auf die zukünftigen Entwicklungen ausgerichtet ist (zum Beispiel Kompetenz und Innovationskraft) oder wie es auf die eigenen Mitarbeiter und deren Engagement wirkt (zum Beispiel Mitarbeiterzufriedenheit oder Betriebsklima).
Abbildung 1: Die Elemente der Balanced Scorecard
Abbildung 1: Die Elemente der Balanced Scorecard

Mit einer solchen Balanced Scorecard erhalten Sie Antworten auf folgende Fragen:

  • Wie sieht uns unser Kunde? Können wir ihm unsere Mission verständlich machen?
  • Welche Geschäftsprozesse sind maßgeblich, wenn es um die Leistungen und Angebote des Unternehmens geht? Welche Merkmale dieser Prozesse sind dabei besonders wichtig? Wie gut haben wir diese Prozesse im Griff?
  • Tragen alle Mitarbeiter zur Zielerreichung bei? Werden sie ausreichend durch die Informationssysteme unterstützt? Sind die Mitarbeiter kompetent, setzen sie ihr Know-how ein und entwickeln sie es auch weiter?
  • Können unsere Anteilseigner mit dem Unternehmen zufrieden sein? Erwirtschaftet das Unternehmen Gewinn und eine ausreichende Rendite? Wie beschreiben wir unseren Erfolg gegenüber Banken?

Die Strategie Ihres Unternehmens sollte darauf ausgerichtet sein, die Leistungen in diesen Dimensionen oder Perspektiven zu verbessern. Ob das durch die Entscheidungen, Maßnahmen und Projekte in Ihrem Unternehmen, an denen alle Mitarbeiter mitwirken, auch erreicht wird, das will die Balanced Scorecard auf einfache und anschauliche Weise sichtbar machen.

Praxis

Überlegen Sie und schreiben Sie auf:

  • Was sind für Ihr Unternehmen und für Sie persönlich die wichtigsten Kennzahlen, mit denen Sie regelmäßig arbeiten?
  • Inwiefern sind diese Kennzahlen Spätindikatoren?
  • Welche Kennzahlen geben frühzeitig Hinweise über künftige Entwicklungen, sind also Frühindikatoren?

Stellen Sie die Kennzahlen, mit denen Sie bereits arbeiten, in der Tabelle der folgenden Vorlage zusammen und erläutern Sie, warum diese für Sie hilfreich und wichtig sind – oder welche Kennzahlen keine Hilfe bei der Strategieumsetzung in Ihrem Team oder der Vermittlung der Marschrichtung des gesamten Unternehmens sind.

Schritt für Schritt zur Balanced Scorecard (BSC)

Das folgende E-Book ist eine ausführliche Handlungsanleitung aus dem Personal Training online von business-wissen.de. Damit erarbeiten Sie Schritt für Schritt Ihre fertige Balanced Scorecard und setzen diese in Ihrem Unternehmen oder Arbeitsbereich auch aktiv ein.

Diese Themen bearbeiten Sie mit diesem E-Book (Handlungsanleitung):

  1. Zunächst erhalten Sie eine Einführung in das Managementinstru­ment Balanced Scorecard. Welches sind ihre zentralen Elemente? Welcher Nutzen lässt sich damit bewirken? Wo sind Grenzen der An­wendbarkeit? Wie muss man vorgehen, wenn eine Balanced Score­card eingeführt werden soll?
  2. Sie erarbeiten, wie eine Balanced Scorecard in Ihrer Organisation mit Ihren wichtigen und strategischen Zielen beziehungsweise mit Ihrer Vision und Mission verknüpft ist.
  3. Im Mittelpunkt der Balanced Scorecard stehen Kennzahlen. Jede Kennzahl hat ihre Besonderheiten: Sie muss sich richtig messen las­sen, sie muss in ein Verhältnis gesetzt werden, sie muss richtig interpretiert werden und vieles mehr. In diesem Schritt lernen Sie, wie Kennzahlen funktionieren.
  4. Anschließend stellen Sie die Kennzahlen nach dem Modell der Balanced Scorecard zusammen. Die Perspektiven sind Finanzen, Kun­den, Prozesse, Mitarbeiter. Sie erarbeiten Ihre persönliche Balanced-Scorecard-Vorlage und Ihre Key Performance Indicators.
  5. Eine Balanced Scorecard ergibt nur dann Sinn, wenn Sie und Ihre Mitarbeiter damit arbeiten. Sie müssen also die Umsetzung und Verankerung in Ihrer Organisation bewerkstelligen. Wie dies geht, lernen Sie im abschließenden Schritt.
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