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Burnout

Burnout als Prozess

Burnout entwickelt sich in unterschiedlichen Phasen. Wichtig ist, die ersten Warnsignale zu erkennen und dann frühzeitig Maßnahmen gegen die vollständige Erschöpfung zu ergreifen.

Im Folgenden wird Burnout als Prozess einer dauerhaften Erschöpfung verstanden. Dieser Prozess ist mit verschiedenen körperlichen und psychischen Symptomen verbunden. Dabei muss es nicht zwangsläufig zu einem Zustand vollständiger Erschöpfung kommen. Der Prozess kann durch bestimmte erschwerende Einflüsse beschleunigt werden oder durch positive Intervention entschleunigt oder aufgehalten werden.

Der Burnout-Prozess kann als eine Spirale beschrieben werden, bei der das nächste Stadium eine größere Auswirkung auf das Leben des Betroffenen hat als die vorhergehende. Die Betroffenen erleben die einzelnen Phasen unterschiedlich, verhalten sich verschieden, manche überspringen einzelne Phasen oder befinden sich in zwei Phasen gleichzeitig. An bestimmten Warnsignalen können Anzeichen des Burnout-Prozesses erkannt werden.

Warnsignale

Veränderungen der Persönlichkeit können vom Betroffenen selbst kaum wahrgenommen werden. Meist fällt dem näheren Umfeld auf, dass der Betroffene „irgendwie anders geworden“ ist. Familie und Freunde sind gute Indikatoren dafür, ob man einfach nur gestresst ist, oder sich durch den Stress verändert.

Auffällige Persönlichkeitsveränderungen:

  • Entfremdung und emotionale Distanzierung. Der Betroffene entwickelt eine Abneigung gegenüber den Kollegen, dem Chef, den Kunden und der Arbeit allgemein. Zu dieser negativen Einstellung kommt häufig eine zynische Grundhaltung hinzu.
  • Reduzierte Leistungsfähigkeit. Der Betroffene arbeitet ineffizient und muss das eventuell durch Überstunden kompensieren. Dabei plagen ihn Zweifel, ob die Arbeit überhaupt zu schaffen ist. Das tut dem Selbstbewusstsein nicht gut.
  • Emotionale Erschöpfung und Depression. Die Lebensfreude sinkt drastisch. Positive Emotionen, wie Lachen, sexuelle Lust, Gefühl der Vorfreude kommen nur selten auf.

Nicht nur der Geist, auch der Körper reagiert auf Stress. Ist die Stresssituation zeitlich begrenzt, lassen psychosomatische Symptome irgendwann nach. Dies kann beispielsweise in Prüfungssituation, nach Antritt einer neuen Arbeitsstelle oder nach einer Beförderung auftreten. Bleibt der Stress dauerhaft bestehen, können chronische gesundheitliche Probleme daraus resultieren.

Körperliche Symptome:

  • Schlafstörungen (Einschlaf-, Durchschlafstörungen)
  • Kopf-, Rücken oder Muskulaturschmerzen
  • Appetitlosigkeit oder übermäßiges „Frust-Essen“
  • Verdauungsprobleme, Magenprobleme
  • Erhöhte Infektanfälligkeit (Schwäche des Immunsystems)

Burnoutphasen

Wie oben beschrieben, handelt es sich bei Burnout um einen Prozess. Auch wenn das Leiden sich bei unterschiedlichen Personen unterschiedlich äußert, konnten Herbert Freudenberger und Gail North zwölf Stadien des Burnouts identifizieren, die Betroffene durchmachen. Die Stadien werden individuell unterschiedlich erlebt und die Übergänge zwischen ihnen sind fließend. Aus therapeutischer Sicht ist es wichtig zu erkennen, in welcher Phase sich die betroffene Person befindet, denn dann können Gegenmaßnehmen entsprechend eingeleitet werden.

Im Folgenden werden die aufeinanderfolgenden Phasen des Burnout-Syndroms beschrieben und die entsprechenden Gegenmaßnahmen vorgeschlagen.

Symptome und Gegenmaßnahmen

Typische Symptome sind:

  1. Sich beweisen:
    Die betroffene Person hat zunehmend das Gefühl, das erforderliche Arbeitspensum nicht in der üblichen Zeit bewältigen zu können. Es wächst die Angst, den hohen an sich selbst gestellten Anforderungen nicht zu genügen.
  2. Überanstrengung:
    Die betroffene Person fühlt sich gezwungen, mehr Energie und Zeit zu investieren, um mit der Arbeit fertig zu werden.
  3. Vernachlässigen eigener Bedürfnisse und sozialer Kontakte:
    Durch den verstärkten Einsatz fehlt dem Betroffenen die Zeit für sich. Er verzichtet auf Erholung, Sport, Freizeitaktivitäten. Darunter leiden auch Beziehungen zum Partner, Freunden, Verwandten.
  4. Verdrängen von Konflikten:
    Die Reaktionen des Umfelds auf die Verschlechterung der Beziehungen verdrängt der Betroffene. Er ignoriert auch physische Probleme, die aus fehlender körperlicher Aktivität resultieren.
  5. Arbeit und Leistung zu neuen Werten machen:
    Um die Vorwürfe des Umfelds zu entschärfen und die mangelnde Investition in die eigene  Freizeit zu rechtfertigen, schreibt der Betroffene der „Arbeit“ und der „Leistung“ einen hohen Stellenwert im eigenen Wertesystem zu.
  6. Abwertung anderer:
    Da die Umgebung die abnehmende Aufmerksamkeit als Geringschätzung deutet, macht sie dem Betroffenen Vorwürfe. Um damit umgehen zu können, wertet der Betroffene seine Freunde, Verwandte und den Partner in seiner Wahrnehmung ab und verleugnet damit, dass sein Verhalten die Konfliktursache ist.
  7. Rückzug:
    Um dem Konflikt zu entkommen, zieht der Betroffene sich zurück und reduziert soziale Kontakte auf ein Minimum. In dieser Phase kann es zu Alkoholmissbrauch kommen.
  8. Beobachtbare Verhaltensveränderung:
    Während das Gefühl der Wertlosigkeit beim Betroffenen wächst, verändert sich sein Verhalten. Auf Zuwendung der Außenwelt reagiert er zunehmend gereizt, er wird zynischer, unnahbarer.
  9. Entfremdung:
    Der innere Fokus auf Leistung führt zur Entfremdung von der eigenen Persönlichkeit. Der Betroffene vernachlässigt seine eigenen Bedürfnisse und achtet nicht auf die eigene seelische und physische Gesundheit.
  10. Innere Leere:
    Der Betroffene fühlt sich innerlich vollkommen ausgezehrt. Euphorie und Arbeitseifer verschwinden. Es kommt bei manchen zu Panikattacken, es entwickeln sich Phobien. Einige Betroffene überreagieren in dieser Phase und versuchen das Gefühl der inneren Leere durch Alkoholkonsum, Drogenmissbrauch oder übersteigerte Sexualität zu kompensieren.
  11. Depression:
    Gleichgültigkeit, Verzweiflung und Erschöpfung übernehmen die Kontrolle. Dem Betroffenen ist alles egal. Er hat keinen inneren Antrieb und sieht keine Perspektive.
  12. Völlige Erschöpfung:
    Der Betroffene ist mental und physisch vollkommen erschöpft. Es kommt zu Suizid-Gedanken.

Gegenmaßnahmen bei Symptom 1-3:
Der Betroffene muss versuchen, seine Arbeitsabläufe durch ausreichend Ruhepausen zu unterbrechen. Es hilft, die Pausen in den Terminkalender einzuplanen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mit Yoga oder anderen Entspannungstechniken anzufangen.

Gegenmaßnahmen bei Symptom 4-6:
Der Betroffene braucht eine Auszeit. In der Freizeit sollten alle Arbeitsgeräte (Smartphone, Tablett, Laptop) ausgeschaltet werden. Die Nähe zu Freunden und Familie ist jetzt sehr wichtig – sie können auf Auffälligkeiten hinweisen, die dem Betroffenen nicht bewusst sind und Unterstützung und Halt geben. Dabei sind enge Vertraute besonders geduldig, ertragen auch mal Ablehnung und stehen trotz Unzulänglichkeiten zu dem Betroffenen.

Gegenmaßnahmen bei Symptom 7-9:
Der Betroffene muss von einem Experten behandelt werden. Er braucht eine längere Auszeit, mindestens drei Wochen.

Gegenmaßnahmen bei Symptom 10-12:
Ein Arzt muss ausgesucht werden, um langfristige psychische und physische Störungen zu vermeiden.

Praxis

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