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IFRS

Einsatz der IFRS für mittelständische Unternehmen

Bislang sind nur kapitalmarktorientierte Unternehmen zu einem Jahresabschluss gemäß IFRS verpflichtet. Fraglich ist, ob auch andere, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen, den Wechsel zum IFRS-Jahresabschluss wagen sollten bzw. inwieweit der Gesetzgeber dies von ihnen erwarten sollte.

Viele Experten warnen davor. Denn der Aufwand übersteige den Nutzen bei weitem. Der Nürnberger Steuerrechtler Helmut Bräuer von der FACT TREUHAND GMBH sagt [Quelle http://www.fact-treuhand.de/]:

„Eine Einführung von IFRS geht an der Realität des Mittelstandes völlig vorbei. Die benannten Voraussetzungen für den Bilanzierungsstandard betreffen nur drei Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Dazu bedarf es keines gesonderten Rechnungslegungswerkes. … Der Nutzen von IFRS steht allerdings in keinem Verhältnis zu den rechtlichen Unwägbarkeiten und finanziellen Nachteilen.“

Die Gründe für diese Skepsis liegen begründet in folgenden Problemkreisen:

  • Die meisten Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Bilanzbuchhalter wären von einer Umstellung überfordert.
  • Viele Banken könnten die Zahlen weder richtig interpretieren noch in ihre erst vor wenigen Jahren auf „Basel II“ abgestimmte Analysesoftware integrieren.
  • Es sei auch noch nicht geklärt, wie die Besteuerungsgrundlagen und Gläubigerschutzvorschriften in Einklang mit deutschem Recht gebracht werden sollen.

Gleichwohl will das IASB auch den Mittelstand und die nicht an der Börse notierten Unternehmen ansprechen. Als Argumente werden angeführt, dass die IFRS einen besseren Einblick in die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens geben und daher eine bessere Risikoeinschätzung des Unternehmens ermöglichen. Rating-, Analyse- und Bewertungssysteme würden sich mittelfristig auf IFRS ausrichten und die entsprechenden Informationen erforderlich machen.

Die Problematik der Übertragbarkeit wurde erkannt und gesonderte Regelungen für diese Unternehmen befinden sich seit dem Jahr 2004 in der Entwicklung. Sie liegen als Standardentwurf, Exposure Draft IFRS for SME, vor. Bislang lassen sich die wesentlichen Ergebnisse hinsichtlich der Entwicklung von IFRS für kleine und mittelständische Unternehmen wie folgt zusammenfassen [Quelle: www.ifrs-portal.com/...]:

  • Eigenständiges Dokument, kein verpflichtender Rückfall auf die sogenannten Full-IFRS, wenn ein Sachverhalt in den SME-IFRS nicht geregelt ist.
  • Verweise auf Full-IFRS bei in den SME-IFRS verankerten Wahlrechten sowie bei nicht adressierten Themen;
  • Thematischer Aufbau der SME-IFRS mit insgesamt 38 Abschnitten (382 Seiten inklusive sogenannter basis for conclusions und implementation guidance).
  • Unter den Anwendungskreis sollen nach Ansicht des IASB nicht öffentlich rechenschaftspflichtige Unternehmen fallen, die Jahresabschlüsse für externe Adressaten veröffentlichen. Die Festlegung des Anwenderkreises, etwa anhand von quantitativen Kriterien, wird nationalen Gesetzgebern überlassen.
  • Beibehaltung der in den Full-IFRS enthaltenen Wahlrechte (Ausnahme: Erfassung von versicherungsmathematischen Gewinnen und Verlusten bei der Bilanzierung von leistungsorientierten Versorgungsplänen) sowie Verankerung zusätzlicher Wahlrechte.
  • Gegenüber den Full-IFRS unzureichende Erleichterungen hinsichtlich Bilanzierung und Bewertung sowie hinsichtlich der Anhangangaben.

Die Diskussionen in der Öffentlichkeit zeigen, IFRS für kleine und mittelständische Unternehmen sind sehr umstritten. Das IASB diskutiert im Laufe des Jahres 2008 die vielen Eingaben und will daraus einen Standard entwickeln, der frühestens Anfang 2009 veröffentlicht wird. Hier finden Sie eine Inhaltsübersicht:

Viele Regelungen, insbesondere die Grundsätze der Rechnungslegung wurden weitgehend übernommen. Einige Regelungen wurden dagegen nicht übernommen, weil sie nur börsennotierte Unternehmen betreffen.

Offen ist, ob, wann und inwiefern diese Standards tatsächlich für kleine und mittelständische Unternehmen verpflichtend werden. Da der Aufwand zur Umsetzung hoch ist und der Nutzen für diese Zielgruppe nicht absehbar, scheut sich der Gesetzgeber, entsprechende Gesetze zu erlassen. Allerdings fließen einige Bestimmungen der IFRS in spezifische Gesetze ein, zum Beispiel in das Gesetz über deutsche Immobilien-Aktiengesellschaften mit börsennotierten Anteilen (REIT-Gesetz).

Auch im Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) werden einige Aspekte aus den IFRS aufgegriffen. Wie weit diese Angleichung der deutschen Rechnungslegungsvorschriften für kleine und mittelständische Unternehmen an IFRS stattfindet, ist derzeit noch offen.

Einstieg in IFRS

Unternehmen, die prüfen, ob sie ihre Rechnungslegung nach IFRS durchführen wollen, sollten sich in jedem Fall von Experten beraten und bei der Umsetzung unterstützen lassen. Die folgende Arbeitsvorlage macht sichtbar, welche Bereiche von einer Umstellung betroffen sein können und welche Aspekte dabei wichtig sind.

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