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Six Sigma

Entstehung und Hintergründe

In puncto Qualität sind viele japanischen Unternehmen führend. Es gibt kaum ein Land, das seit Jahrzehnten so viel unternommen hat, um Fehler in der Produktion vollständig zu vermeiden. So hat auch das Six Sigma-Konzept seine Ursprünge in Japan. Schon in den siebziger Jahren wurden dort wichtige Elemente dafür entwickelt und eingesetzt. Als eigentlicher „Erfinder“ aber gilt Art Sundry, ein leitender Manager von Motorola.

Seither greifen immer mehr Unternehmen das Konzept auf und setzen es im Rahmen ihres Qualitätsmanagements ein. Einen besonderen Stellenwert hat Six Sigma bei General Electric in den 1990er Jahren erhalten. Dort hat Jack Welch dafür gesorgt, dass nichts mehr ohne Six Sigma geht – und das Unternehmen nicht zuletzt dadurch so erfolgreich gemacht.

Inzwischen nutzen nicht mehr nur Industrieunternehmen das Konzept. Auch Dienstleister wie Banken oder Versicherungsunternehmen sowie Softwareentwickler greifen Six Sigma auf und machen es zur Grundlage für ihr Qualitätsmanagement. Six Sigma hat in diesen Branchen in kurzer Zeit große Bedeutung gewonnen.

StichwortSix Sigma

Six Sigma hat sich von einem Begriff aus der Prozesssteuerung durch statistische Verfahren zu einem umfassenden Konzept für das Qualitätsmanagement entwickelt. Deshalb gibt es auch unterschiedliche Sichtweisen. Danach kann Six Sigma sein:

  • der Ausdruck für die Güte eines Prozesses, der im Mittel nur 3,4 Defekte (oder Fehler) bei einer Million Fehlermöglichkeiten erzeugt;
  • eine Methodenlehre, um Probleme zu lösen oder um operative und innerbetriebliche Prozesse zu optimieren;
  • die Implementierung und Anwendung der Six Sigma-Methoden in einem Unternehmen, wobei Aufgaben, Rollen und Verfahren gemäß allgemein gültiger Standards verwendet werden.

Es soll keine Fehler geben: Das Problem der Variation

Die Grundlagen für Six Sigma hat der deutsche Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauß (geboren 1777, gestorben 1855) gelegt. Er hat die sogenannte Normalverteilung oder Gaußkurve beschrieben. Sie zeigt auf, wie Messwerte von einem Mittelwert abweichen können. Die Wahrscheinlichkeit großer Abweichungen wird immer geringer. Das Maß dafür ist Sigma. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Messwert um sechs Sigma (mathematische Schreibweise: 6σ) abweicht, beträgt nur 0,00034 Prozent.

Für das Qualitätsmanagement bedeutet dass, dass die Unternehmen sicherstellen müssen, dass bei 10 Millionen Produkten oder Arbeitsvorgängen nur 34 fehlerhaft sein dürfen. Ein solches Qualitätsniveau setzt sehr hohe Anstrengungen voraus; kaum ein Unternehmen erreicht diese Werte. Der Durchschnitt liegt bei drei bis vier Sigma. Und doch gibt es Bereiche, wo es genau darauf ankommt. Die Deutsche Post verteilt täglich 72 Millionen Briefe. Wenn ihr Qualitätsmanagement nur durchschnittlich gut ist, gehen jeden Tag über 700.000 Briefe verloren oder werden falsch zugestellt.

Was ist gut? Ein Vergleich

zu 99 Prozent gut
(3,8 Sigma)

zu 99,99966 Prozent gut (Six Sigma)

15 Minuten unsauberes Trinkwasser täglich

Alle 7 Monate eine Minute lang unsauberes Trinkwasser

5.000 ärztliche Kunstfehler pro Woche

1,7 ärztliche Kunstfehler pro Woche

2 gefährliche Landungen auf allen Großflughäfen täglich

1 gefährliche Landung auf allen Großflughäfen alle fünf Jahre

200.000 falsche Medikamentenrezepte jährlich

68 falsche Medikamentenrezepte jährlich

Monatlicher Stromausfall von 7 Stunden

Eine Stunde Stromausfall alle 34 Jahre

Täglich 11,8 Millionen Fehlbuchungen an der New Yorker Börse

Täglich 4.021 Fehlbuchungen an der New Yorker Börse

3 Garantiefälle pro Neuwagen

1 Garantiefall je 980 Neuwagen

48.000 bis 96.000 Todesfälle jährlich aufgrund von Fehlern im Krankenhaus

17 bis 34 Todesfälle jährlich aufgrund von Fehlern im Krankenhaus

Quelle: Gygi, Craig; DeCarlo, Neil; Williams, Bruce. Six Sigma für Dummies. 2005.

Im Mittelpunkt steht der Begriff der Variation. Auch bei bester Planung und modernster Technik werden alle Prozesse von vielen Faktoren beeinflusst, die sich nicht vollständig beherrschen lassen. So entsteht Variation beispielsweise durch menschliches Verhalten, falsche Werkzeuge oder das Umfeld eines Unternehmens.

Um zu erfahren, wie gut ein Unternehmen solche Variationen beherrscht, muss es zunächst Produkte und Prozesse sehr genau analysieren. Ziel dabei ist, die sogenannten Critical-to-Quality Characteristics (CTQs) zu finden und festzulegen. Schon das kann große Probleme bereiten, wenn sich nur schwer eindeutig messbare Größen dafür finden lassen.

Welche Merkmale bei Ihren Produkten, Prozessen oder im System sind aus Ihrer Sicht qualitätskritisch? Wie überprüfen Sie die Qualität dort bisher? Was muss verbessert werden?




Six Sigma bedeutet also für jedes Unternehmen und die verantwortlichen Mitarbeiter harte Arbeit. Sie müssen akribisch jeden Arbeitsschritt durchleuchten und dabei streng nach Vorgaben und Vorschrift vorgehen. Nur dann können alle betrieblichen Leistungen exakt gemessen und zurückverfolgt werden.

Hinweis

Gerade im Bereich des Qualitätsmanagements wurden in den letzten Jahren viele Systeme, Modelle und Methoden entwickelt und in den Unternehmen eingesetzt. Wofür ein weiteres?

Die Protagonisten von Six Sigma sehen es als die größte Herausforderung an. Während Normen zum Qualitätsmanagement wie ISO 9000 das Fundament des Qualitätsmanagements bilden, Modelle wie das der European Foundation for Quality Management (EFQM) der Systematik dienen, sorgt erst Six Sigma dafür, dass echte Spitzenleistungen erzielt werden.

Einen engen Bezug gibt es zwischen Six Sigma und Lean Management, der mit dem Begriff Lean Six Sigma umschrieben wird. Dabei wird hervorgehoben, dass es nach beiden Konzepten darum geht, Verschwendung zu vermeiden und Fehler und Mängel zu beseitigen. Richtet Six Sigma das Augenmerk auf den einzelnen Prozess, einzelne messbare Parameter und ein konkretes Projekt, so geht es bei Lean Management vor allem um die Einbeziehung der Mitarbeiter, um Reduzierung von Kosten und Beschleunigung und Vereinfachung von Abläufen. Zudem wird der Blick auch auf überbetriebliche Wertschöpfungsketten hin zu Lieferanten und zu Kunden gerichtet. Werden beide kombiniert und die entsprechenden Methoden eingesetzt, ergeben sich weitere Potenziale für eine Qualitätsexzellenz und Effizienzexzellenz.

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