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Kreativität steigern

Fünf wirklich gute und leichte Kreativitätstechniken

Die Fülle an Kreativitätstechniken macht die Auswahl schwer. Außerdem erfordern einige Techniken einen großen Aufwand und einige Kompetenz in der Anwendung. Deshalb sind einfache Kreativitätstechniken sehr beliebt. Dabei sollte es aber immer um die beste Lösung für ein Problem gehen und nicht um geringen Aufwand. Deshalb finden Sie hier eine kleine Auswahl an Kreativitätstechniken für unterschiedliche Anwendungszwecke.

Jedes Problem braucht die passende Vorgehensweise

Die Überschrift ist Unsinn. Mit der Tabelle und der systematischen Übersicht der Kreativitätstechniken im vorigen Abschnitt haben wir gezeigt, dass es Techniken gibt, die gut für strukturierte Probleme, und solche, die gut für schlecht strukturierte Probleme sind.  Aber wir haben uns von den vielen Ratgebern inspirieren lassen, die die 10 Goldenen Regeln für garantierten Reichtum oder die 100 besten Checklisten zur Umsatzsteigerung versprechen.

Um dem ein wenig zu entsprechen, stellen wie an dieser Stelle Kreativitätstechniken vor, die leicht zu nutzen sind und in der Praxis gute Erfolge aufweisen:

  • Für den Bereich der ungelenkten Spontaneität brauchen wir keine Technik anzugeben. Hier sollte mit „Versuch und Irrtum“ ein bekanntes Verfahren genutzt werden.
  • Für die gelenkte Spontaneität sei das Brainstorming einschließlich des Inversen Brainstorming ausgewählt. Aber auch eine der Fragetechniken gehört in diese Rubrik. Wir empfehlen die Osborne-Frageliste.
  • Für die Rubrik der assoziativen Techniken wählen wir das berühmte Bibelstechen mit modernem Namen: Semantische Intuition oder Semantische Konfrontation.
  • In der Rubrik der systematischen Kreativitätstechniken nutzen wir den Morphologischen Kasten, da er wirklich in dieser Gruppe eine große Bedeutung hat.
  • Und zum Schluss, bei den widerspruchsorientierten Techniken können wir es uns ganz leichtmachen, da es ein eigenes Handbuch-Kapitel zu TRIZ gibt. Wir wählen hier eine Technik aus, die über diesen speziellen Zusammenhang hinaus brauchbar ist: das Idealitätskonzept.

Hinweis Grundregeln aller Kreativitätstechniken

Fast alle Kreativitätstechniken setzen voraus, dass man bei ihrer Anwendung in drei Schritten vorgeht:

  1. Beschreibung und Definition des Problems und der Aufgabenstellung. Der Zweck ist: Alle sind sich einig darüber und haben ein gemeinsames Verständnis, worum es geht.
  2. Kreativ-/ Fantasie-Phase: Ideen werden gesammelt, möglichst viele, möglichst unterschiedliche – ohne Bewertung oder Diskussion.
  3. Diskussion, Auswahl, Bewertung: Alle Ideen werden erläutert, diskutiert, kommentiert und strukturiert sowie bewertet oder ausgewählt für die weitere Analyse.

Und nun die ausgewählten Kreativitätstechniken; immer als kurze Beschreibung samt Vor- und Nachteilen. Eine ausführliche Beschreibung aller Kreativitätstechniken mit Vorteilen und Nachteilen sowie Vorlagen für die Anwendung finden Sie im Handbuch-Kapitel: Kreativitätstechniken anwenden.

Brainstorming

Intuitiv orientierte, kreative Gruppenarbeit zur freien und ungestörten Entwicklung von Lösungsgedanken zu einem Arbeitsthema. Im Vordergrund steht das Auslösen einer „Ideenlawine.“ Die spontane Verknüpfung eigener Ideen mit denen der Vorredner ist erwünscht und wird durch eine aufmunternde Atmosphäre stimuliert. Wichtig sind:

  • strikte Trennung zwischen Ideengenerierung (Phase 1) und Ideenkritik (Phase 2)
  • vorurteillose Gleichstellung aller Teilnehmer
  • Ideenmenge steht vor Ideenqualität
  • Stenogrammstil beim Ideenvortrag
  • alle Ideen werden notiert oder visualisiert
  • keine Kritik in der Ideenfindungsphase
  • ungezügelte Fantasie ist erwünscht
  • Kombinieren vorgebrachter Ideen und gegenseitige Anregung ist erwünscht
  • kritische Sicht auf produzierte Ideen in der Ideenbewertungsphase

Osborne-Frageliste

Bewährte Frageliste zum Variieren oder Optimieren bestehender Lösungsideen. Ziel dieser Technik ist es, das kreative Denken in verschiedene, bewusst andersartige Bereiche zu lenken. Veränderungsmöglichkeiten eines Produktes oder eines Verfahrens werden systematisch ausgeleuchtet. Gleichzeitig wird verhindert, dass man frühzeitig mit einer gefundenen (möglicherweise gar nicht so neuartigen) Lösung zufrieden ist.

Wenn alle zehn Fragen bearbeitet werden, kann dies zu einem „Ideen-Buffet“ mit zirka 30 bis 50 Grundideen führen, die untereinander kombinierbar sind. Aus dieser Stoffsammlung können sich Hunderte von neuen Ideen ergeben.

Semantische Intuition oder Semantische Konfrontation

Die Semantische Intuition, Semantische Konfrontation oder Reizwortanalyse – historisch „Bibelstechen“ genannt – ist eine Gruppenarbeitsmethode, die das Phänomen nutzt, dass Begriffe immer mit Assoziationen verknüpft werden. Bei der anfangs beziehungslosen Kopplung von Begriffen oder Wörtern können später verblüffend sinnhaltige Verknüpfungen hergestellt werden. Die Kreativitätstechnik ist gut geeignet als Ergänzung zur systematischen Vorgehensweise, gewissermaßen als eingeschobene „Entspannungsübung“ für das ermüdete Gehirn.

Morphologischer Kasten oder Morphologische Tabelle oder Matrix

Der morphologische Kasten setzt die ordnenden Größen eines Systems (Elemente, Parameter, Variablen) in Beziehung zu den üblichen oder den möglichen Ausprägungen (Varianten) dieser Größen. Auf diese Weise wird ein System zum einen übersichtlich beschrieben, zum anderen lassen sich Kombinationen bekannter mit bisher nicht in Erwägung gezogener Varianten vornehmen. Damit eröffnet sie Anregungen für Entwicklungsmöglichkeiten, insbesondere für Produkte und Verfahren.

Idealitätskonzept

Das Idealitätskonzept ist die Grundlage für das von Altschuller in seiner Erfindungstheorie geprägte methodische Leitbild in Form einer bewusst extrem formulierten Zielvorstellung; das sogenannte „ideale Endresultat“ (IER), das in der Praxis niemals vollständig erreichbar ist. Es schafft als idealisiertes Richtmaß Klarheit darüber, was funktionell eigentlich anzustreben ist. Hochwertige Lösungen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie dem IER sehr nahekommen. Dabei muss stets ein technischer, naturwissenschaftlicher oder ökonomischer Widerspruch überwunden werden.

Kreativität im betrieblichen Alltag

Erlauben wir uns noch einen abschließenden Exkurs. Kreativität kann im Unternehmen überall dort eingesetzt werden, wo es darum geht, etwas Neues zu gestalten oder einen bislang unbekannten Lösungsweg für ein Problem zu finden. Typisch sind die folgenden Anwendungsbereiche:

  • Entwicklung neuer Produkte
  • Entwicklung neuer Funktionen für Produkte
  • Entwicklung neuer Markt- und Dienstleistungen
  • Verbesserungen von Prozessen im Unternehmen
  • Gestaltung eines Marketing-Konzepts
  • Kreation einer Werbekampagne

Ideen für neue Produkte, Produkt-Funktionen oder andere Marktleistungen entstehen meist im Rahmen der Forschung und Entwicklung oder des Innovationsmanagements. Hier sind Markt und Kunden wichtige Quellen für Innovationen.

Kreativitätsprozesse können aber auch auf die alltäglichen Abläufe im Unternehmen ausgerichtet sein. Wenn diese nicht mehr optimal funktionieren und wenn Aufgaben nicht mehr richtig ausgeführt werden, dann ist Kreativität gefragt. Ziele dabei sind: Kosten sparen, Abläufe beschleunigen, Fehler vermeiden, Mängel beheben, Zusammenarbeit verbessern, Qualität steigern und vieles mehr.

Jeder Mitarbeiter ist gefordert, seinen Arbeitsbereich daraufhin zu prüfen, ob etwas verbessert werden kann und wie das geschehen kann. Das erfordert Kreativität. Das betrifft dann auch die verwendeten Werkzeuge und Methoden der Arbeit.

Mit Programmen zur kontinuierlichen Verbesserung (KVP; japanisch: Kaizen) wollen Unternehmen ihre Mitarbeiter dazu anspornen, Fehlerquellen zu beseitigen, Kosten zu sparen oder Abläufe zu vereinfachen. Hier kommt es vor allem darauf an, dass möglichst viele und schnell umsetzbare Ideen entstehen.

Auch im Rahmen des betrieblichen Vorschlagswesens sollen solche Verbesserungen umgesetzt werden. Allerdings ist hier die Umsetzung der Ideen der Mitarbeiter stärker formalisiert. Dafür sind entsprechende Ideen meistens weitreichender.

Denkt man an Kreativität, dann denkt man häufig auch an Werbung. Hier sind besonders kreative Leistungen gefragt, um in der Masse von Werbung noch aufzufallen. Aus diesem Grund tummeln sich in diesem Feld zahlreiche Werbe- und Kreativ-Agenturen. Dort gibt es den Kreativ-Direktor und die Kreativ-Abteilung. Sie stimmen ihre Kreativitätsprozesse auf auffällige, herausragende Marketing-Kampagnen ab und hoffen, dass sie damit Produkte erfolgreich verkaufen. Damit sind wir in den Branchen, für die Kreativität der Kern des Geschäftsmodells und der täglichen „Routine“ ist. Mit dem Konzept Design Thinking sollen deren Erfahrungen und Methoden auf alle Unternehmen übertragen werden.

Praxis

Probieren Sie diese hilfreichen und einfachen Kreativitätstechniken aus. Achten Sie darauf, dass Sie Ihr Problem klar erkannt haben und die Ziele und Aufgabenstellung bekannt sind. Nutzen Sie dann die folgenden Vorlagen mit den Erläuterungen und Beispielen zu den einzelnen Kreativitätstechniken:

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