Premium
Kaizen

Kaizen als Prinzip und was es bedeutet

Kaizen ist eine Sammlung von einfachen Prinzipien und deren Anwendung im Alltag eines Unternehmens und aller Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz. Kaizen ist aber auch eine Management-Philosophie, die in den letzten dreißig Jahren das Denken und Handeln in vielen Unternehmen revolutioniert hat: Die Mitarbeiter sollen ihre Tätigkeiten und ihren Arbeitsplatz kritisch hinterfragen und ihre Arbeitsweise ändern – kontinuierlich verbessern.

Mit Kaizen permanent an Verbesserungen denken

Kaizen ist eine grundlegende Einstellung eines Mitarbeiters zur eigenen Arbeit, zum Arbeitsplatz und zur Qualität von Abläufen und Produkten. Wer Kaizen „lebt“, ist fest davon überzeugt, dass es immer etwas zu verbessern, zu vereinfachen oder zu optimieren gibt. Deshalb wird Kaizen im Deutschen auch als Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung bezeichnet und dem Kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) gleichgesetzt.

Kaizen ist keine Methode und kein Werkzeug, sondern eine Denkweise, die alle Mitarbeiter verinnerlichen und bei ihren Aktivitäten verwirklichen sollen. Masaaki Imai, der „Erfinder“ von Kaizen, formuliert diese Denkweise so: „Die Botschaft von Kaizen heißt, es soll kein Tag ohne irgendeine Verbesserung im Unternehmen vergehen.“

StichwortKaizen

Der Begriff Kaizen kommt aus dem Japanischen. Er setzt sich zusammen aus Kai = Veränderung, Wandel; Zen = zum Besseren. Damit ist die permanente Verbesserung von Tätigkeiten, Abläufen, Verfahren oder Produkten durch alle Mitarbeiter eines Unternehmens gemeint. Es kommt dabei nicht auf große Innovationen oder grundlegende Veränderungen an, sondern auf die Einbeziehung aller Mitarbeiter, die Vielzahl an Verbesserungsvorschlägen, die schnelle Umsetzung und die Sichtbarkeit der Erfolge.

In westlichen Unternehmen wurde Kaizen mit dem Begriff kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) oder Continual/ Continuous Improvement Process (CIP) übersetzt oder gleichgesetzt. Damit wollen sich die Protagonisten von Kaizen und KVP vom klassischen und umständlichen betrieblichen Vorschlagswesen abgrenzen, das in westlichen Unternehmen eine lange, aber oft wenig erfolgreiche Tradition hat.

Die Prinzipien von Kaizen

Um die Denkweise des Kaizen besser verständlich zu machen, werden damit einige Prinzipien verknüpft, die das Denken und Handeln der Mitarbeiter leiten sollen. Diese Prinzipien sind:

  • tägliche Verbesserungen in allen Bereichen eines Unternehmens
  • jede Verschwendung von Material, Zeit und Geld vermeiden
  • alle nachgelagerten Prozessschritte als Kunden betrachten und daraufhin die Leistungen verbessern
  • Verbesserungen sind immer möglich, es gibt kein Ende
  • ständige Verbesserungen erfolgen im Kleinen und schrittweise
  • keine Beschränkungen in Bezug auf den Anwendungsbereich; Produkte, Services, Prozesse, Tätigkeiten, Technik, Arbeitsplatz – alles kann verbessert werden
  • unterschiedliche Methoden und Werkzeuge werden eingesetzt, entscheidend ist die Wirkung, nicht die Vorgehensweise
  • Arbeitsplätze, Arbeitsbereiche und die Situation werden „vor Ort“ betrachtet, die Dinge werden live angeschaut und analysiert
  • mit ständigen Verbesserungen werden immer höhere Standards gesetzt und zur Regel gemacht

Kaizen ist eine Aufgabe aller Mitarbeiter im Unternehmen

Sämtliche Mitarbeiter eines Unternehmens sind in das Kaizen unmittelbar eingebunden. Alle müssen mitmachen. Jeder einzelne Mitarbeiter soll deshalb einen entsprechenden Teil seiner Arbeitszeit für Kaizen investieren und sein Engagement auf die Umsetzung ausrichten. Dabei übernehmen die unterschiedlichen Mitarbeitergruppen jeweils andere Aufgaben innerhalb des Kaizen:

  • Das Top-Management muss Kaizen als grundlegendes Prinzip einführen und die Umsetzung vorantreiben und überwachen. Es schafft die förderlichen Rahmenbedingungen im Unternehmen.
  • Das mittlere Management setzt die Vorgaben des Top-Managements um und sorgt dafür, dass Standards eingehalten werden. Außerdem fördert es die Denkweise durch entsprechende Schulungsangebote.
  • Meister und Teamleiter unterstützen die Mitarbeiter bei der Entwicklung von Ideen und bei der Umsetzung. Sie übernehmen das Erfolgs-Controlling.
  • Die Arbeiter und Sachbearbeiter auf der operativen Ebene erarbeiten konkrete Verbesserungsvorschläge und setzen diese um. Dies kann auch in Kleingruppen erfolgen. Die Kaizen-Mitarbeiter verbessern ihre Fachkenntnis und ihr Erfahrungswissen durch Teilnahme an Weiterbildungsangeboten.

Die folgende Abbildung 1 zeigt, welche Mitarbeitergruppe in welchem Maße mit Kaizen befasst sein kann.

Abbildung 1: Anteil der Kaizen-Aktivitäten an der Arbeitszeit bei unterschiedlichen Beschäftigten-Gruppen
Abbildung 1: Anteil der Kaizen-Aktivitäten an der Arbeitszeit bei unterschiedlichen Beschäftigten-Gruppen

5S-Prinzip als Beispiel für Kaizen im Alltag

Um die Denkweise und Prinzipien des Kaizen im Alltag zu praktizieren, wurde eine Fülle von Werkzeugen und Verhaltensregeln entwickelt, die jeder Mitarbeiter einsetzen oder befolgen soll. Ein Beispiel für eine solche praktische Verhaltensregel ist das 5S-Prinzip. Es schreibt vor:

  • Seiri: Entferne Unnötiges aus deinem Arbeitsbereich!
  • Seiton: Ordne die Dinge, die nach Seiri geblieben sind!
  • Seiso: Halte deinen Arbeitsplatz sauber!
  • Seiketsu: Mache Sauberkeit und Ordnung zu deinem persönlichen Anliegen!
  • Shitsuke: Mache 5S durch Festlegen von Standards zur Gewohnheit!

Die folgende Abbildung 2 zeigt einen gewerblichen Arbeitsplatz im Ausschnitt, an dem dieses 5S-Prinzip befolgt wird: Alle Werkzeuge sind geordnet und haben ihren festen Platz. Der Arbeitsplatz ist sauber. Eine weitere Verbesserung könnte darin bestehen, dass die einzelnen Ablagestellen und Aufbewahrungsboxen beschriftet oder mit Bildern versehen werden, damit klar ist, wo etwas zu finden ist und wohin es nach Gebrauch wieder muss.

Abbildung 2: Arbeitsplatz nach dem 5S-Prinzip
© dima_pics - Fotolia.com
Abbildung 2: Arbeitsplatz nach dem 5S-Prinzip

Kaizen ist immer und überall anwendbar

Auch wenn Kaizen ursprünglich im Rahmen der Autoindustrie (Toyota Produktionssystem) mit ihren Fertigungs- und Montageprozessen erfunden und eingesetzt wurde, so gibt es keine Organisation und kein Unternehmen – egal aus welcher Branche –, das seine Leistungen und seine Qualität in Bezug auf Kunden, Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse nicht verbessern kann. Kaizen ist zu einer universellen Denkweise in allen Unternehmen und allen Branchen geworden.

In Unternehmen ohne Kaizen gilt, dass sich alle Mitarbeiter an die bestehenden Regeln und Abläufe halten. Nur wenige Manager haben die Aufgabe darüber nachzudenken, was grundsätzlich und langfristig verbessert werden kann. Die Kaizen-Denkweise besagt: Jeder Mitarbeiter muss jeden Tag darüber nachdenken und Vorschläge machen, was an seiner Arbeit oder in seinem Bereich verbessert, vereinfacht oder optimiert werden kann.

Geschichte des Kaizen

Ende der 1980er Jahre schlug ein Buch ein wie eine Bombe: Die zweite Revolution in der Autoindustrie (The Machine That Changed the World) von James P. Womack, Daniel T. Jones und Daniel Roos [1992]. Die Autoren waren in den 1980er Jahren für eine weltweite Studie verantwortlich, die herausfinden sollte, warum die japanischen Autobauer ihren Konkurrenten in Amerika und Europa so haushoch überlegen waren. Damals wurde der Begriff der „Schlanken Produktion“ oder „Lean Production“ geboren, der seither ein wesentliches Management-Paradigma nicht nur in Industrieunternehmen, sondern in allen Branchen wurde.

Mit ihrer Studie erkannten die Experten, dass das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung ein wichtiges Element der schlanken Produktion ist. Da auch hier die japanischen Unternehmen Vorreiter waren, ging das japanische „Kaizen“ als Begriff dafür rund um die Welt. Als „Vater“ und Wegbereiter der Kaizen-Philosophie gilt Masaaki Imai.

Praxis

In welcher Form werden in Ihrem Unternehmen Arbeitsplätze, Tätigkeiten, Abläufe, Verfahren, Produkte oder Serviceleistungen verändert und verbessert?

  • Wie oft gibt es solche Veränderungen und Verbesserungen?
  • Wer oder was ist Anlass für Veränderungen und Verbesserungen?
  • Welche Erfolge hat es in den letzten Jahren gebracht?
  • In welcher Form sind die Mitarbeiter in den Unternehmensbereichen und Hierarchie-Ebenen in die Verbesserung ihrer eigenen Leistungen und der Produkte und Prozesse eingebunden?
  • Wie funktioniert in Ihrem Unternehmen das betriebliche Vorschlagswesen?
  • Inwiefern ist Kaizen in Ihrem Unternehmen ein etabliertes Prinzip?
Premium
schließen
Weiterlesen und alle Vorlagen nutzen.
Premium-Mitgliedschaft

Als Premium-Mitglied haben Sie Zugriff auf das komplette Management-Handbuch:

  • über 150 Kapitel: von ABC-Analyse bis Zeitmanagement
  • über 1.800 Vorlagen, Checklisten, Excel-Tabellen zum Download
  • nur 57 EUR pro Jahr*
  • Ermäßigung für Studierende
Zur Anmeldung
Kapitel kaufen
Kaufen Sie das komplette Kapitel "Kaizen" mit allen Vorlagen zum Preis von nur 9,80 EUR*.
Zum Shop

* Preis gültig in Deutschland. In anderen Ländern kann der Preis höher oder niedriger liegen.

Downloads
  • Excel-Vorlagen
    Vorlagen für Controlling, Kennzahlenmanagement, Berichtswesen und Projektmanagement
  • Key Account Management
    32 Seiten E-Book, 10 Excel-Tabellen, 6 Checklisten und 18 Vorlagen