Premium
Auszubildende und Praktikanten betreuen und führen

Lernmethoden und Lernhilfen

Menschen lernen unterschiedlich schnell und über verschiedene Wege unterschiedlich gut. Wissensaufnahme und -verarbeitung hängen vom jeweiligen Lerntyp ab. Auf Basis der „Lernbiologie“ des Biochemikers Frederic Vester lassen sich drei Haupttypen unterscheiden. Der Ausbilder kann den Lernprozess optimieren, wenn er die Art der Wissensvermittlung daran ausrichtet:

Art der Wissensvermittlung (Ausbilder)

Lerntyp
(Azubi/Praktikant)

Vortragen, Erklären

Lernhilfen: Vorlesen in Gruppenarbeit, Audioaufnahme zum Thema, Musik beim Lernen, keine Nebengeräusche

Auditiv: Hören und Nachsprechen

Vorführen, Zeigen, Texte und Leitfäden anbieten

Lernhilfen: Diagramme auf Flipcharts, Filme zum Thema

Visuell: Vorstellung von etwas bekommen, Durchlesen

Nachmachen, Selbermachen, Ausprobieren lassen

Lernhilfen: Stehpult, elastisch-wippender Stuhl, Freiheit zur Bewegung, Learning by doing

Motorisch: Hantieren, Experimentieren, Aufschreiben, Zeichnen

Am besten gelingt das Lernen, wenn Sie verschiedene Lernkanäle Ihres Schützlings bedienen. Diese Tipps zum „gehirn-gerechten“ Lernen, wie es Vera F. Birkenbihl propagiert hat, können dabei helfen:

  • Betten Sie fachliche Kenntnisse in konkrete Arbeitsaufgaben ein, statt sie nur theoretisch zu erläutern.
  • Erklären Sie den Zusammenhang zwischen der Tätigkeit des Azubis/Praktikanten und dem gesamten Arbeitsablauf.    
  • Zeigen Sie, was Sie erklären. Die simultane Weitergabe erleichtert die Aufnahme und Verarbeitung des Lerninhalts.
  • Fragen Sie nach, ob der Azubi/Praktikant Sie verstanden hat.
  • Erklären Sie gegebenenfalls Fremdwörter, Fachbegriffe, betriebliche Abkürzungen oder Anglizismen.
  • Bilden Sie Vergleiche, wenn ein zu erklärender Sachverhalt zu kompliziert ist (Gerät X sieht aus wie/funktioniert wie ...).
  • Setzen Sie Zahlen ins Verhältnis mit anderen Größen (13 Liter reiner Alkohol entsprechen etwa 800 Liter Bier oder ...).

Ermitteln Sie den Lerntyp Ihres Schützlings, indem Sie Ihn zu seinem Lernverhalten befragen: Wie hat er bisher gelernt? Was konnte er wann am besten behalten? Was hat ihm dabei geholfen? Bendenken Sie, dass Sie Mischtypen vorfinden. Im Internet finden Sie unter dem Stichwort „Lerntypen Test“ kostenlose Online-Tests, die Sie zusätzlich nutzen können.




Die in den 1970er Jahren entwickelte Leittextmethode löst in vielen Unternehmen die traditionelle, ausbilderzentrierte 4-Stufen-Methode zum Aufbau von Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz ab. Dabei formuliert der Ausbilder eine handlungsorientierte Aufgabe als Problemstellung. Die Lehrlinge lösen die Aufgabe mithilfe von Begleitmaterial in Form von Informationen und Hinweisen zum Lösungsweg (Leittext). Das heißt, die jungen Menschen müssen:

  • sich eigenständig informieren: Der Ausbilder gibt Leitfragen vor;
  • selbstständig planen: Sie erstellen einen Arbeitsplan mit den geplanten Arbeitsschritten und notwendigen Materialen, Werkzeugen etc.;
  • den Arbeitsplan selbstständig oder in der Gruppe durchführen: Der Ausbilder prüft die erarbeiteten Entscheidungsvorlagen;
  • selbstständig kontrollieren: Sie entwickeln geeignete Maßstäbe und Kriterien, werten ihr Ergebnis (als Leitsatz formuliert) aus und besprechen es mit dem Ausbilder. Gegebenenfalls entwickelt der Ausbilder neue Aufgaben, die darauf aufbauen.

Um selbst einen Leittext zu erstellen, gehen Sie Schritt für Schritt vor:

Mehr zum Thema lesen Sie in unserer Lösungshilfe:

Action Learning

Stichwort4-Stufen-Methode

Bei der 4-Stufen-Methode erklärt der Ausbilder die Aufgabe und gibt die Lösung vor. Der Azubi macht sie nach und übt.

Bei Lernschwierigkeiten des Azubis oder Praktikanten sollten Sie den Einsatz von Lernhilfen überdenken. Setzen Sie je nach Lernziel, Lerngegenstand und Lernschwierigkeit zusätzliche Lernhilfen ein:

Mit Motivationshilfen fördern Sie Lernbereitschaft und Lernprozess:

  • Steigern Sie durch Loben das Selbstwertgefühl des Lehrlings.
  • Beseitigen Sie Lernhemmungen, indem Sie ermutigen, eine positive Fehlerkultur fördern und bei blockierenden Glaubenssätzen („Sei perfekt“) gegensteuern.
  • Fördern Sie den Austausch in der Gruppe.
  • Wecken Sie Interesse, indem Sie die Bedeutung und die Aufgabe des Lerninhalts herausstellen.

Mit Lösungshilfen fördern Sie die Problemlösungskompetenz:

  • Räumen Sie genügend Zeit zum Probieren ein.
  • Regen Sie zum Nachdenken an.
  • Diskutieren Sie gemeinsam Alternativlösungen.
  • Machen Sie nochmals vor, demonstrieren oder erklären Sie wiederholt.

Mit Übungshilfen fördern Sie das Einprägen von Wissen:

  • Stellen Sie Übungsaufgaben bereit.
  • Korrigieren Sie bei Fehlern rechtzeitig.
  • Verändern Sie Übungsaufgaben.
  • Bieten Sie Gedächtnisstützen an.

Leistungen bewerten

Die Ausstellung eines Zeugnisses am Ende der Ausbildung oder eines freiwilligen Praktikums ist Pflicht. Am Ende der Lernphase steht also das Beurteilungs- oder Feedbackgespräch. Am besten beurteilen Sie jeweils einzelne Lerneinheiten beziehungsweise -ziele und melden das Ihrem Lehrling zurück. So kontrollieren Sie seine Leistung regelmäßig und Ihr Schützling wird einerseits ermutigt und weiß andererseits, woran er noch arbeiten muss. Hilfreich ist zusätzlich, wenn Sie eine Selbsteinschätzung des Azubis einholen. Damit fördern Sie die Selbstreflexion und können Selbst-und Fremdeinschätzung gut vergleichen. Für die Beurteilungen eignet sich ein standardisierter Beurteilungsbogen. Berücksichtigen Sie dabei folgende Fragen:

  • Habe ich alle beobachteten Stärken wiedergegeben? Welche Beispiele belegen welche Stärken?
  • Welche Schwächen sind mir aufgefallen? Wann, wo und wie zeigen sie sich? Wie kann sich der Azubi selbst verbessern?

Schlechte Ausbildungsergebnisse sind übrigens kein Kündigungsgrund.

Auch für Praktikanten gilt: Bevor Sie sie aus dem Betrieb entlassen, sollten Sie ein Feedback-Gespräch führen:

  • Was ist Ihnen positiv aufgefallen?
  • Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?
  • Sprechen Sie auch Ihren Dank aus – im Namen des Unternehmens und der Kollegen.

Prüfen Sie rechtzeitig vor diesem Gespräch, ob der junge Mitarbeiter möglicherweise auch künftig im Unternehmen beschäftigt werden kann und wenn ja, in welcher Funktion und in welchem Umfang. Das Abschlussgespräch nützt nicht nur dem jungen Menschen, vielleicht hat er Verbesserungsvorschläge oder gibt Hinweise darauf, Prozesse oder Strukturen des Betriebs zu prüfen.

Mehr zum Thema lesen Sie in unseren Lösungshilfen:

Feedback

Leistungsbeurteilung

Premium
schließen
Weiterlesen und alle Vorlagen nutzen.
Premium-Mitgliedschaft

Als Premium-Mitglied haben Sie Zugriff auf das komplette Management-Handbuch:

  • über 150 Kapitel: von ABC-Analyse bis Zeitmanagement
  • über 1.800 Vorlagen, Checklisten, Excel-Tabellen zum Download
  • nur 57 EUR pro Jahr*
  • Ermäßigung für Studierende
Zur Anmeldung
Kapitel kaufen
Kaufen Sie das komplette Kapitel "Auszubildende und Praktikanten betreuen und führen" mit allen Vorlagen zum Preis von nur 9,80 EUR*.
Zum Shop

* Preis gültig in Deutschland. In anderen Ländern kann der Preis höher oder niedriger liegen.

Downloads
  • Excel-Vorlagen
    Vorlagen für Controlling, Kennzahlenmanagement, Berichtswesen und Projektmanagement
  • Key Account Management
    32 Seiten E-Book, 10 Excel-Tabellen, 6 Checklisten und 18 Vorlagen