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Bilanzkennzahlen

Liquidität und Zahlungsfähigkeit

Grundlage für jedes Unternehmen ist ausreichende Liquidität. Nur wenn sie gegeben ist, können alle Zahlungsverpflichtungen erfüllt werden; ansonsten droht die Insolvenz. Aus einzelnen Bilanzwerten lässt sich ermitteln, in welchem Maß die Liquidität gesichert ist. Sie ist Voraussetzung, um auch in Zukunft das Geschäft des Unternehmens und notwendige Investitionen zu finanzieren. Und sie ist notwendig, um mögliche Verluste zu kompensieren.

Um über die Liquidität Aussagen machen zu können, muss analysiert werden, in welchem Maße ein Unternehmen das in Vermögensgegenständen gebundene Geld (liquide Mittel oder Barmittel) freisetzen kann, also wieder in Geld überführen kann. Das wird dann sichtbar, wenn klar ist, ob das Geld in den Vermögensgegenständen kurzfristig oder langfristig gebunden ist.

Deckungsgrade

Mit Kennzahlen zum Deckungsgrad wird ermittelt, ob die Fristigkeit der Bilanzpositionen auf der Aktivseite und auf der Passivseite zueinander passen. Die Positionen auf beiden Seiten, die eine gleiche Fristigkeit haben, sollten in etwa gleich groß sein; es sollte Fristenkongruenz gegeben sein. Hintergrund ist die „Goldene Bilanzregel“.

StichwortGoldene Bilanzregel

Die Goldene Bilanzregel besagt, dass das langfristige Vermögen auch langfristig finanziert sein soll. Kurzfristiges Vermögen wie das Umlaufvermögen kann auch kurzfristig finanziert sein.

Daraus lassen sich dann die Deckungsgrade und die Fristenkongruenz ermitteln, die Kennzahlen dafür sind, ob und in welchem Maß die Goldene Bilanzregel eingehalten ist. Es werden drei unterschiedliche Deckungsgrade A, B und C ermittelt, je nachdem wie strikt die Fristigkeit gesehen wird und wie flexibel einzelne Bilanzpositionen aus dem Fremdkapital, aus dem Anlagevermögen oder sonstigem Vermögen aufgelöst und in Barmittel mit kurzer Fristigkeit gewandelt werden können.

Deckungsgrad A
=   Eigenkapital / Anlagevermögen

Deckungsgrad B
=   (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) / Anlagevermögen

Deckungsgrad C
=   (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital)
/ (Anlagevermögen + sonstiges langfristiges Vermögen)

Mit den folgenden Excel-Vorlagen werden die einzelnen Bilanzpositionen des Umlaufvermögens, der Rückstellungen, der Verbindlichkeiten, der Rechnungsabgrenzungsposten und der latenten Steuern analysiert und bewertet, welcher Anteil davon kurzfristig und welcher langfristig ist.

Liquiditätsgrad

Kurz- und mittelfristig muss die Liquidität eines Unternehmens ausreichen, um den Zahlungsverpflichtungen zu genügen. Die Liquidität ist durch die liquiden Mittel, den Finanzmittelfonds gegeben.

StichwortLiquide Mittel oder Finanzmittelfonds

Liquide Mittel oder Finanzmittelfonds umfassen alle Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente.

Zahlungsmittel sind: Barmittel wie Kassenbestände, Postwertzeichen, Sichtguthaben oder Sichteinlagen bei Banken, noch nicht eingelöste Schecks (abzüglich selbst ausgestellter, aber noch nicht eingelöster Schecks).

Zahlungsmitteläquivalente sind: Finanzinvestitionen, die ohne Weiteres in Zahlungsmittel umgewandelt werden können und keinen nennenswerten Wertschwankungen unterliegen.

Deshalb werden im Rahmen der Bilanzanalyse die Positionen miteinander verglichen, die zum einen die Zahlungsmittel oder den Finanzmittelfonds sichtbar machen und zum anderen die Verbindlichkeiten beziehungsweise das Fremdkapital, das bedient werden muss (Kapitaldienstfähigkeit gegenüber Banken, Zahlung der Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten, Steuer, Sozialabgaben etc.). Je nach Fristigkeit und Möglichkeit, Umlaufvermögen in Zahlungsmittel zu verwandeln, werden drei Liquiditätsgrade unterschieden.

Mit der folgenden Excel-Vorlage stellen Sie die dafür relevanten Bilanzpositionen und die Daten zusammen, bewerten die Fristigkeit (kurz) und berechnen die Liquidität 1., 2. und 3. Grades.

Liquidität 1. Grades
=   Zahlungsmittel / kurzfristiges Fremdkapital

Liquidität 2. Grades
=   (Zahlungsmittel + kurzfristige Forderungen) / kurzfristiges Fremdkapital

Liquidität 3. Grades
=   Umlaufvermögen / kurzfristiges Fremdkapital

Liquidität dient der zukünftigen Geschäftsfähigkeit

Aus liquiden Mitteln kann ein Unternehmen die Investitionen tätigen, die für die zukünftige Entwicklung notwendig sind. Das kann Ersatz für veraltete Maschinen und Anlagen sein; es kann aber auch die Finanzierung der Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte sein.

Mit der folgenden Excel-Vorlage wird über einen Zeitraum von fünf Jahren und im Vergleich für mehrere Unternehmungen in einem Diagramm dargestellt, in welchem Maße die Netto-Anlageinvestitionen durch den Cashflow finanziert werden können. Das ist die Kennzahl Nettoinvestitionsdeckung.

Nettoinvestitionsdeckung
=   Cashflow / Netto-Anlageinvestitionen

Weitere Kennzahlen zur Ermittlung der Liquidität und Zahlungsfähigkeit

In bestimmten Phasen eines Unternehmens kann es sein, dass Verluste entstehen und der Cashflow negativ ist. Das kann auch so geplant und kalkuliert sein – etwa bei einer Unternehmensgründung oder einer Produkteinführung im Markt. Denn zunächst entstehen Aufwendungen und Kosten (verbunden mit Auszahlungen), bevor Kunden das Produkt kaufen und Umsätze generiert werden (verbunden mit Einzahlungen). Die Zeit dazwischen muss das Unternehmen überbrücken, was nur mit ausreichender Kapitalausstattung und ausreichend liquiden Mitteln gelingt.

Die Kennzahl, die zeigt, wie lange eine solche Phase dauern darf, ist die sogenannte Cash Burn Rate. Eine hohe Cash Burn Rate kann ein Indikator für eine stabile Situation bei solider  Unternehmensfinanzierung sein; sie zeigt eine hohe Liquiditätsfähigkeit an. Dagegen weist eine niedrige Cash Burn Rate auf künftige Liquiditätsschwierigkeiten hin.

Cash Burn Rate
=   Liquide Mittel und geldnahe Mittel / (negativer) operativer Cashflow

Mit der folgenden Excel-Vorlage wird die Cash Burn Rate für fünf Jahre und für unterschiedliche Unternehmungen (zum Vergleich) berechnet und in einem Diagramm dargestellt.

Wie beurteilen Sie die Liquidität Ihres Unternehmens? Wodurch könnten in Zukunft Risiken für die Zahlungsfähigkeit entstehen?




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