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Roadmapping

Methoden und Werkzeuge

Im Rahmen des Roadmapping können eine Vielzahl von Methoden und Werkzeugen eingesetzt werden. Sie sollen sowohl bei der Analyse als auch bei der Prognose helfen. Ziel und Zweck des Methodeneinsatzes ist es, ein möglichst umfassendes und transparentes Bild zu beschreiben, was den Erfolg des Unternehmens in der Zukunft maßgeblich beeinflussen wird. Hier einige Beispiele für Roadmapping-Methoden:

  • Patentanalysen
  • Publikationsanalysen
  • Marktanalysen
  • Benchmarking mit anderen Unternehmen
  • Competitive Intelligence
  • Risikoanalysen
  • strukturierte Experten-Interviews
  • Delphi-Befragungen
  • Szenariotechnik

Während das Roadmapping den Prozess zur Erstellung von Roadmaps meint, ist eine Roadmap das Ergebnis dieses Prozesses. Im Prozess selbst lassen sich je nach Fragestellung, Themenbereich oder zeitlichem Horizont unterschiedliche der genannten Methoden und Werkzeuge nutzen und kombinieren. Betrachtet man die Roadmap als Ergebnis, zeigt sich dafür eine Struktur, die im folgenden beschrieben wird.

Ausgangspunkt Handlungsfeld

Im ersten Schritt wird das jeweilige Handlungsfeld im Unternehmen beschrieben und abgegrenzt. Dabei ist es wichtig, dass auch Handlungsfelder betrachtet werden, die vielleicht heute noch keine, aber in Zukunft eine maßgebliche Rolle für das Unternehmen spielen können. Mit Methoden der Kreativitätstechnik sollen deshalb wichtige Handlungsfelder innerhalb und außerhalb des Unternehmens im Blickfeld sein.

Hinweis

Mehr Informationen zu unterschiedlichen Kreativitätstechniken finden Sie in unserer Lösungshilfe:

Kreativität: Rahmenbedingungen und Methoden für erfolgreiche Ideenentwicklung

Mit dieser Beschreibung können im zweiten Schritt die Betrachtungsobjekte einer Roadmap identifiziert und beschrieben werden. Das sind einzelne Elemente des Handlungsfeldes, die von besonderer Bedeutung sind.

Im dritten Schritt wird für die Analyse und Prognose die Zeitachse bestimmt, das heißt, es wird ein Zeitraum in die Zukunft festgelegt, der betrachtet werden soll. Dieser kann ein bis vier Jahre für kurzfristige Maßnahmepläne umfassen, bis zu zehn Jahre für ein mittelfristiges Monitoring von Entwicklungen oder abstrakte Zeiträume („heute, morgen, übermorgen“), um allgemeine Entwicklungstendenzen zu beleuchten, Visionen zu entwickeln oder auch um Science Fiction zu betreiben.

Handlungsfeld: Aufgespannt von Betrachtungsobjekten und Zeitachse
Handlungsfeld: Aufgespannt von Betrachtungsobjekten und Zeitachse

Beispiel Internet

Ein Unternehmen (Verlag) interessiert sich für die Anwendungsmöglichkeiten und Geschäftspotenziale des Internet in den nächsten zehn Jahren. Das Internet wird allgemein als Handlungsfeld bestimmt. Betrachtungsobjekte können sein:

  • Verbindungstechnologien (Datenübertragung) für Nutzer;
  • Webentwicklungstechnologien;
  • Endgeräte (Bildschirmtechnologien, Größe, Eingabegeräte, Mobilität);
  • Nutzeranforderungen;
  • Entwicklung des Werbemarkts im Internet;
  • Content-Entwickler und ﷓Anbieter;
  • Komplementäre Anbieter;
  • Prozesse der Drucktechnik.

Analyse: Bedarf – Objekt – Potenzial

© business-wissen.de
Quelle: Specht, Dieter, Behrens, Stefan. Strategische Planung mit Roadmaps. In: Möhrle, Marting G., Isenmann, Ralf (Hrsg.). Technologie-Roadmapping, 2005

Um die Entwicklung der Betrachtungsobjekte besser einschätzen und beschreiben zu können, haben Dieter Specht und Stefan Behrens das Modell der Roadmaps weiterentwickelt [Quelle: Möhrle, Marting G., Isenmann, Ralf (Hrsg.). Technologie-Roadmapping, 2005]. Ihnen kommt es vor allem darauf an, dass die richtigen Objekte betrachtet werden. Deshalb knüpfen Sie diese an Bedarfe einerseits und Potenziale andererseits:

  • Bedarfe beschreiben zukünftige Anforderungen von potenziellen Kunden oder Partnern im Umfeld des Unternehmens.
  • Potenziale beschreiben zukünftige Lösungen, um die Bedarfe zu befriedigen; entweder durch Lösungen aus dem Unternehmen oder von anderen Anbietern.

Um passende Lösungen zu entwickeln muss das Know-how dafür vorhanden sein. Für Grundlagentechnologien wird es in der Wissenschaft und Forschung entwickelt und (meist) in Unternehmen für die Anwendung weiterentwickelt oder genutzt. Daraus ergibt sich ein differenzierteres Modell für Roadmaps, wie es die folgende Abbildung beschreibt.

Wenn beide Modelle kombiniert werden, ergibt sich ein Schemabild, wie es bereits in der Einführung zu diesem Wissensbaustein dargestellt wurde.

Einflussfaktoren für die zukünftige Entwicklung des Handlungsfeldes

© business-wissen.de

Horst Geschka, Jochen Schauffele und Claudia Zimmer führen weitere Einflussfaktoren ein, die sie aus dem Modell zur Branchenanalyse von Michale E. Porter abgeleitet haben [Quelle: Möhrle, Martin G., Isenmann, Ralf (Hrsg.). Technologie-Roadmapping, 2005]. Sie weisen darauf hin, dass folgende Faktoren eine große Rolle spielen können:

  • Konkurrenzsysteme: Maßgebliche Akteure aus Wissenschaft oder Wirtschaft bevorzugen andere Systeme oder Lösungen und treiben diese voran. Auch der Bedarf der Kunden kann sich stärker auf ganz andere Lösungen ausrichten. (Beispiel: Vor vielen Jahren entwickelte Grundig das System Video2000 für Videorecorder. Japanische Konkurrenten und letztlich auch die Kunden bevorzugten das System VHS.)
  • Komplementäre Systeme: Einige Entwicklungen können nur stattfinden, wenn andere gleichzeitig erfolgreich sind. Entwicklungen bedingen sich gegenseitig. (Beispiel: Elektromotoren in Autos setzen sich nur durch, wenn es entsprechende Betankungsmöglichkeiten gibt.)

Außerdem können nicht-technologische Einflussfaktoren sehr bedeutsam sein. Das können sein:

  • Auflagen und Normen,
  • Infrastruktur,
  • gesellschaftliche Werte,
  • demografische Entwicklungen, gesamtwirtschaftliche Entwicklung,
  • Verhalten der Wettbewerber.

Entwickeln Sie aus diesen Elementen einer Roadmap zunächst eine Liste möglicher Betrachtungsobjekte und Einflussfaktoren. Anschließend können Sie diese in die vorgeschlagene Abbildung überführen.




Beispiel Brennstoffzelle

Alle Automobilhersteller befassen sich mit neuen Antriebstechniken für Automobile. Grund dafür ist, dass Öl als Energieträger ein zunehmend knappes und teures Gut wird, das es zu ersetzen gilt. Seit einigen Jahren wird deshalb an der Antriebstechnologie „Brennstoffzelle“ geforscht und gearbeitet. Erste Prototypen existieren bereits.

Das Handlungsfeld „Brennstoffzelle in der mobilen Anwendung“ kann durch eine Vielzahl von Faktoren beschrieben werden: Werkstoffe, Verfahrenstechnik, Erzeugung und Infrastruktur für Wasserstoff als Brennstoff, Betankungstechnologien, Speicherungstechnologien, Steuerungstechnik, Entwicklung alternativer Antriebe (Verbrennungsmotoren), Antriebstechniken, Steuerungstechniken, Mobilitätsverhalten der Autofahrer, Ölpreisentwicklung, politische Förderprogramme und vieles mehr.

[Quelle: Geschka, Horst; Schauffele, Jochen; Zimmer, Claudia. Explorative Technologie-Roadmaps. In: Möhrle, Martin G., Isenmann, Ralf (Hrsg.). Technologie-Roadmapping, 2005]

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