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Mikro-Management

Mikro-Management erkennen und sinnvoll einsetzen

Mikro-Manager sind überorganisiert und detailversessen. Typische Eigenschaften von Mikro-Managern werden meist negativ empfunden. Doch manchmal ist Mikro-Management nötig oder wirkt sich positiv aus. Die richtige Dosierung ist entscheidend.

Mikro-Manager sind Chefs, die sich in alles einmischen wollen. Sie beraumen zum Beispiel häufig Besprechungen ein. Dort monologisieren sie und nutzen dies, um ihre eigene Kompetenz und Unabkömmlichkeit unter Beweis zu stellen. Anhand typischer Eigenschaften lässt sich Mikro-Management erkennen.

Typische Eigenschaften von Mikro-Manager

Mikro-Manager legen viel Wert auf Strukturen, Prozesse und Systeme. Sie sind überorganisiert und versuchen, mehr Kontrolle zu behalten, als nötig ist, um ihre Ziele zu erreichen. Kurz: Die Form ersetzt die Funktion. Für Mikro-Manager sind diese Eigenschaften typisch:

Detailorientierung
Detailversessen, Einmischen in Kleinigkeiten, Mikro-Manager wissen alles besser.

Kontrolle und Vertrauen
Notorischer Kontrollzwang und geringes Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter.

Perfektionismus
Geringe Fehlertoleranz gegenüber den Mitarbeitern und ständiges Hinterfragen und Korrigieren der Mitarbeiter.

Menschenbild
Negatives Menschenbild, das von einer geringen Arbeitsbereitschaft ausgeht und die Erwartungen der Führungskraft an seine Mitarbeiter beeinflusst. Demnach sind Mitarbeiter demotiviert, scheuen Verantwortung und entwickeln keine Eigeninitiative.

Überspringen von Hierarchiestufen
Mikro-Manager geben Anweisungen an Mitarbeiter der dritten Ebene, wobei sie die zweite übergehen.

Mikro-Management - leicht erkennbar?

Mikro-Management scheint auf den ersten Blick leicht erkennbar zu sein, wie Beispiel 1 zeigt:

Ein Handwerksmeister sieht einem Schreiner während seiner Arbeit über die Schulter und gibt Anweisungen, wo exakt die Nägel hinein kommen müssen. Die Führungskraft nimmt dem Schreiner sogar den Hammer aus der Hand und demonstriert, wo genau er die Nägel haben will.

Auf den zweiten Blick bleibt offen:

  • Was, wenn der Schreiner seinen ersten Arbeitstag hatte?
  • Was, wenn der Schreiner ein neues Möbelstück zimmerte?

Ähnlich verhält es sich mit dem verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs. Ihm wird nachgesagt, dass er sich zeitweise um Details kümmert, die streng genommen nicht in seinen Bereich fallen. Entsprechend beschreiben Helene Laube und Arndt Ohler den Apple-Chef in der eingestellten Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland (Beispiel 2):

Ein notorischer Mikro-Manager, ein Perfektionist mit kompromisslosem Führungsstil. Er kümmert sich um alles: Bestimmt die Schraubenzahl am Notebook oder die Krümmung der Bildschirmecken. Und gleichzeitig kümmert er sich um nichts. Die gängige Meinung? Die Marktforschung? Ist ihm egal. Er weiß selbst, was die Leute wollen - oder wollen werden. Mit seiner Herrschsucht hat er Apple zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Branche gemacht. Und eine Einheit aus Marke und Chef geschaffen, wie sie selten ist bei einem Konzern.

Wann Mikro-Management sinnvoll ist

Die Beispiele vom Handwerksmeister und vom verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs zeigen, dass Mikro-Management manchmal nötig ist (Beispiel 1), und auch positive Auswirkungen haben kann (Beispiel 2).

Wie bei einer Medizin kommt es beim Mikro-Management auf die richtige Dosierung, den Zeitpunkt, den jeweiligen Fall und auf die Nebenwirkungen an. Beim Umgang mit den Mitarbeitern ist zu beachten:

  • Mitarbeiter, die neu sind, brauchen mehr Führung und Unterstützung.
  • Wenn es um neuartige, schwierige und komplexe Aufgaben geht, kann der Chef helfen.
  • Mitarbeiter, die sich unsicher fühlen, brauchen häufiger eine Rückmeldung.

Solange die Kontrolle der Mitarbeiter im Rahmen bleibt und sie eine faire Rückmeldung erhalten, ist an diesem Führungsstil nichts einzuwenden. Denn die Führungskraft nimmt ihre Aufgaben wahr.

Wenn Die Führungskraft hingegen zu viele Mitarbeiter hat oder Hierarchieebenen überspringt, ist dieser Führungsstil wiederum eher unproduktiv.

Wo Mikro-Management hilft

Auf dem richtigen Gebiet können die typischen Eigenschaften eines Mikro-Managers Vorteile haben:

Bereiche
Bestimmte Bereiche im Unternehmen wie im Controlling oder im Qualitätsmanagement erfordern außerordentliche Kontrolle.

Aufgaben und Funktionen
Bestimmte Aufgaben oder Funktionen innerhalb der Projektarbeit erfordern besondere Detailorientierung.

Führungskraft
Mikro-Manager erhalten durch "Einmischung" Einsichten in bestimmte Geschäftsbereiche beziehungsweise bekommen ein Gespür für das Tagesgeschäft. Damit können sie Unternehmen zum Beispiel bei der Einführung eines neuen Produkts positiv lenken.

Praxis

Sind Sie ein Mikro-Manager?

Gehen Sie die einzelnen Tätigkeiten in der folgenden Vorlage durch und schreiben Sie zu jeder Tätigkeit auf:

  • Welche Ihrer Tätigkeiten als Führungskraft sind für Ihre Mitarbeiter und Ihr Unternehmen wichtig?
  • Aus welchen Gründen sind diese Tätigkeiten wichtig?

Behalten Sie bei dieser Übung die typischen Eigenschaften eines Mikro-Managers im Hinterkopf.

Rückmeldung geben

Mikro-Management ist manchmal nötig oder hilfreich. Die richtige Dosierung ist entscheidend. Überprüfen Sie deshalb für die Zusammenarbeit mit Ihren Mitarbeitern:

  • Welche Leistungen und welches Verhalten müssen Sie ansprechen, damit Sie Ihre Ziele und die gewünschten Ergebnisse erreichen?
  • Wann ist ein kritischer Punkt erreicht, an dem Sie eingreifen müssen?

Halten Sie Ihre Ergebnisse in der folgenden Vorlage fest.

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