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Visualisierungstechniken für Flipchart und Präsentationen

Mit Visual Thinking Lösungen erarbeiten und grafisch darstellen

Für Ihre Lösungsfindung ist es hilfreich, wenn Sie das Problem in Einzelteile zerlegen und jeden Schritt grafisch veranschaulichen. Für diesen visuellen Denkprozess reichen schon die sechs Aspekte des Betrachtens sowie wenige zeichnerische Elementen für Ihre Gedankenskizze aus. So können Sie jede Idee durch Visualisieren zielgruppenspezifisch vorstellen.

„Es gibt kein Problem, dem man nicht mit einem Bild helfen könnte.“

Dan Roam

So wie Sie aus Buchstaben Wörter und Sätze bilden und damit Ihre Gedanken zu Papier bringen, so können Sie aus den Elementen Dreieck, Kreis, Rechteck, Striche, Pfeile und Figuren Ihre Gedanken und Ideen in einem Bild sichtbar machen. Nutzen Sie die Methode des Visual Thinkings beispielsweise, um Ihr Konzept vorzustellen oder die Ergebnisse eines Meetings oder Workshops festzuhalten.

Visueller Denkprozess zur Lösungsfindung

Wenn Sie Ihre Gedanken auf Papier bringen wollen, sollten Sie beim Entwickeln der eigenen Gedanken Schritt für Schritt vorgehen. Mit dem visuellen Denkprozess, in der Fachsprache Visual Thinking genannt, lässt sich jedes Problem bearbeiten. Vier Schritte gehören dazu:

Sehen

Sie sehen etwas, das Ihre Aufmerksamkeit erregt. Zum Beispiel ein Defekt an einem Produkt oder einer Maschine, ein Kunde, der sich beschwert oder eine Kollegin, die etwas von Ihnen braucht.

Betrachten

Sie schauen sich den Sachverhalt genauer an. Sie erkennen, ob er Ihnen vertraut vorkommt, ob Gemeinsamkeiten bestehen, wie groß, wie schnell oder wo genau was passiert. Sie befassen sich mit dem Sachverhalt, um mehr zu erfahren und um eine mögliche Lösung zu erkennen.

Vorstellen

Sie erkennen die Zusammenhänge, Ursachen und wichtige Einflussfaktoren. Im Kopf entsteht eine Idee, eine mögliche Lösung. Sie sortieren alles zu einem stimmigen Bild. Wenn etwas fehlt, betrachten Sie den Sachverhalt an der Stelle noch einmal genauer. So kommen Sie zu einer Lösung im Zwiegespräch mit sich selbst.

Zeigen

Sie stellen Ihre Lösung vor. Sie sprechen über Ihre Idee oder präsentieren, was Sie herausgefunden haben und wie die Lösung aussehen könnte. Sie diskutieren über das Lösungsschema, das Sie in Form eines Bildes entwickelt haben.

In diesem Prozess der Lösungsfindung kommt hauptsächlich das Auge als Sinnesorgan ins Spiel. Gerade deshalb ist es entscheidend, in allen vier Prozessstufen möglichst viel oder alles zu skizzieren. Grundlage dafür ist, die eigene Wahrnehmung zu schulen und zu lernen, genau hinzusehen und auf Details zu achten.

Die sechs Aspekte des Betrachtens

Im Verlauf des visuellen Denkprozesses kommt es darauf an, die richtigen Fragen zu stellen. Damit lässt sich ein komplexes Problem in Einzelteile zerlegen. Der Grund: Beim ersten Sehen erkennt man oft noch nicht, um was es eigentlich geht. Deshalb müssen Sie im zweiten Schritt des Betrachtens genauer hinsehen und dabei folgende W-Fragen beantworten:

  1. Wer oder was ist zu sehen?
  2. Wie viel ist zu sehen?
  3. Wo spielt es sich ab?
  4. Wann tritt es in Erscheinung und für wie lange?
  5. Wie funktioniert es?
  6. Warum ist es so, wie wir es sehen?

(1) Thema und beteiligte Personen klären

Mit der ersten Frage klären Sie das Thema und welche Personen dabei betroffen oder beteiligt sind. Sie klären die Rollen dieser Personen und grenzen das Problem ein, indem Sie nur die wichtigen Dinge berücksichtigen und alles andere weglassen; man nennt dies auch „In-Scope“ (was beachtet wird) und „Out-of-Scope“ (was nicht beachtet oder weggelassen wird).

(2) Mengen betrachten

Dann betrachten Sie Zahlen und Daten. Sie machen sich ein Bild davon, um wie viele Elemente – zum Beispiel verkaufte Produkte, Umsätze oder betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kunden oder Maschinen – es sich handelt. Das lässt sich oft in Balken-, Säulen oder Torten-Diagrammen darstellen.

(3) und (4) Zeit und Ort klären

Die nächsten Fragen zielen auf Zeit und Ort ab. Was zu erkennen ist, wird in eine zeitliche Reihenfolge gebracht:

  • Was war zuerst?

  • Was kommt danach?

  • Wie viel Zeit vergeht?

  • Wo passiert etwas?

  • Welche Abstände bestehen?

  • Hat alles seinen richtigen Platz oder ist es verschoben, verändert oder vertauscht?

  • Welche Richtung hat es eingeschlagen oder sollte es einschlagen?

Mit diesen Fragen können Sie auch klären, welche Termine wichtig sind und wo die Prioritäten liegen.

(5) Funktionsweise klären

Wenn sichtbar wird, wie einzelne Elemente zusammengehören, lassen sich Fragen zur Funktionsweise klären:

  • Was passiert, wenn etwas Bestimmtes geändert wird?

  • Wie reagieren die Menschen?

  • Wie funktioniert die Maschine?

  • Wie will es der Kunde?

(6) Ziele und Bedeutung klären

Die Frage nach dem Warum ist übergreifend und hat das Ganze im Blick. Warum geschieht etwas? Warum ist das wichtig? Hier wird nach Zielen und nach der Bedeutung gefragt. So lassen sich Sachverhalte besser beurteilen und bewerten, und es können Empfehlungen abgegeben werden.

Elementen für die Gedankenskizze

Wenn Sie Ihren Vorgesetzten, Kollegen oder Mitarbeitern ein Problem oder eine Lösung durch anschauliche Bilder darstellen wollen, dann orientieren Sie sich wieder an den oben genannten sechs Aspekten des Betrachtens und den W-Fragen. Sie sind die Grundlage für die Visualisierung. Die wichtigen Elemente für Ihre Gedankenskizze sind:

Porträt

Mit einem Porträt beschreiben Sie die Sache oder die Personen qualitativ (Was und wer?).

Abbildung 8: Beispiel für ein Porträt
Abbildung 8: Beispiel für ein Porträt

Diagramm

In Diagrammen, wie zum Beispiel in einem Balken- oder Torten-Diagramm beschreiben Sie quantitativ (Wie viele?).

Abbildung 9: Beispiel für ein Balken- und Torten-Diagramm
Abbildung 9: Beispiel für ein Balken- und Torten-Diagramm

Landkarte oder Schaltplan

In einer Landkarte, einem Schaltplan, einem Organigramm oder einem Belegungsplan zeigen Sie, wo sich etwas abspielt (Wo?).

Abbildung 10: Beispiel für einen Schaltplan und eine Landkarte
Abbildung 10: Beispiel für einen Schaltplan und eine Landkarte

Zeitplan oder Balkenplan

Mit einem Zeitplan, einzelnen Prozessschritten oder einem Balkenplan (Gantt-Diagramm) werden logische Reihenfolgen und zeitliche Abläufe sichtbar (Wann?).

Abbilguns 11: Beispiel für Zeitpläne und ein Gantt-Diagramm
Abbilguns 11: Beispiel für Zeitpläne und ein Gantt-Diagramm

Strukturbild

Ursache-Wirkungs-Beziehungen lassen sich in Strukturbildern abbilden. Das können wiederum Schaltpläne, Bauanleitungen oder Flussdiagramme sein (Wie?).

Abbildung 12: Beispiel für Strukturbilder
Abbildung 12: Beispiel für Strukturbilder

Portfolio-Abbildung

Mit Portfolio-Abbildungen lässt sich darstellen, welche Ziele und Strategien verfolgt werden können. Ein Blick in die Zukunft wird möglich. Hier werden zwei oder mehr Faktoren in einen Zusammenhang gebracht (Warum?).

Abbildung 13: Beispiel für eine Portfolio-Abbildung
Abbildung 13: Beispiel für eine Portfolio-Abbildung

Zielgruppenspezifisch visualisieren

Entwickeln Sie beim Visualisieren einen roten Faden. Maßgeblich dafür ist Ihre eigene Idee, das Ziel, das Sie selbst verfolgen und die Zielgruppe, der Sie die eigene Idee durch Visualisieren vorstellen wollen. Überlegen Sie sich dazu folgende Fragen:

  • Soll es nur um allgemeine Zusammenhänge oder um Details gehen, müssen Sie also einfach oder ausführlich visualisieren?
  • Soll es eher um die Merkmale eines Sachverhalts gehen oder eher um Mengen, also um Qualität oder Quantität?
  • Geht es um das Ziel oder um einzelne Schritte dorthin, also die Durchführung?
  • Soll der Sachverhalt für sich beschrieben oder sollen Bezüge zu anderen, vergleichbaren Sachverhalten hergestellt werden?
  • Geht es darum, den Wandel in den Vordergrund zu stellen oder soll der Status quo betont werden?

Klären Sie für Ihr Thema, an welchen Sachverhalten, Themen oder Details Ihre Zielgruppe interessiert ist. Heben Sie diese Aspekte dann in Ihrer Visualisierung hervor. Sie können das durch eine entsprechende Auswahl der Symbole, durch Hinweise mit Pfeilen oder durch Hervorheben mit Farbe erreichen.

Praxis

Visualisieren Sie Ihren Denkprozess anhand von W-Fragen

Machen Sie Ihren Denkprozess mithilfe der Antworten auf die folgenden sechs W-Fragen sichtbar:

  • Wer oder was ist zu sehen?
  • Wie viel ist zu sehen?
  • Wo spielt es sich ab?
  • Wann tritt es in Erscheinung und für wie lange?
  • Wie funktioniert es?
  • Warum ist es so, wie wir es sehen?

In der folgenden Vorlage finden Sie zu jeder W-Frage Skizzenzeichnungen, die Sie nutzen und erweitern können.

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