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Szenario-Technik

Projektionen: Der Blick in die Zukunft

3. Trendprojektionen

In Phase 3 der Szenarioentwicklung geht es um Prognostik, den eigentlichen „Blick in die Zukunft“. Es werden mehrere mögliche Entwicklungspfade für die Schlüsselfaktoren beschrieben. Wie weit der Blick reichen soll, ergibt sich aus dem gewählten Zeithorizont. Diese Trendprojektion ist der entscheidende Schritt für die Szenarioentwicklung. Die Vorgehensweise ist:

  1. Für die in Schritt 2 ermittelten Schlüsselfaktoren werden zunächst neutrale, beschreibende Kenngrößen oder sogenannte Deskriptoren ermittelt.
  2. Für jede Kenngröße werden dann mehrere mögliche Entwicklungen in der Zukunft formuliert (im Allgemeinen 2 bis 5); das sind die sogenannten Projektionen.

Hier kommt es auf die analytischen und die kreativen Fähigkeiten des Projektteams gleichermaßen an. Zum einen gilt es, Zahlen, Daten und Fakten zusammenzutragen, die eine bestimmte Entwicklung oder Projektion untermauern oder belegen.

Beispiel Bevölkerungsentwicklung: Hier können zum einen Daten zu Geburtenraten oder Sterberaten herangezogen werden, um die Alterstruktur der Bevölkerung in 10 oder 20 Jahren zu beschreiben; solche Zahlen sind meist recht verlässlich und geben ein weitgehend verlässliches Bild auch für die Zukunft wieder.

Schwerer lassen sich Zahlen für Zuwanderung oder Abwanderung prognostizieren, die für die Bevölkerungsentwicklung auch eine große Rolle spielen. Hier kann geschätzt werden. Zudem kann und soll durchaus auch die Kreativität des Projekt-Teams genutzt werden, um mögliche und plausible Entwicklungen zu beschreiben. Hilfreich sind dabei folgende Überlegungen:

  • Entwicklungen können fortgeschrieben werden,
  • es können (gedankliche) Simulationen durchgeführt werden,
  • Entwicklungen können überzeichnet, beschleunigt oder gezielt gebrochen werden.

Die Projektionen sollten in eine knappe Aussage gebracht und durch Begründungen ergänzt werden. Hier zwei Beispiele:

Beispiel für den Einflussbereich Politik und Gesetzgebung

Deskriptor: Existenzförderung durch den Staat

Projektion 2015:

  1. Der Staat fördert Unternehmensgründungen, da er diese als Motor für das Wirtschaftswachstum betrachtet.
  2. Keine Existenzförderung, da die Haushaltsbudgets stärker auf den sozialen Bereich verlagert werden.

Deskriptor: Steuerrecht

Projektion 2015:

  1. Unternehmerfreundlicheres und günstigeres Besteuerungssystem als Anreiz für die Wirtschaft.
  2. Mehr arbeitnehmerfreundliches Steuersystem und höhere Steuern für Unternehmen.

In diesem Schritt kann zunächst jeder einzelne Schlüsselfaktor für sich betrachtet werden. Wichtig ist lediglich, dass die Projektionen trennscharf sind. Es müssen aber keine Abhängigkeiten berücksichtigt werden. Das erfolgt im nächsten Schritt.

Bestimmen Sie für die Schlüsselfaktoren wichtige Kenngrößen bzw. Deskriptoren und ermitteln Sie mögliche Entwicklungen in der Zukunft. Formulieren und Begründen Sie Ihre Projektionen.




4. Alternativbündelung

In diesem nächsten Schritt wird ermittelt, welche Projektionen sinnvoll zusammenpassen und damit ein mögliches, in sich weitgehend konsistentes Bild abgeben – das eigentliche Szenario. Dabei wird überprüft, welche Alternativen

  • zusammenpassen, konsistent sind und sich gegenseitig begünstigen oder gar verstärken;
  • sich widersprechen, inkonsistent sind oder sich beeinträchtigen oder gar ausschließen.

Ziele dabei sind, die Alternativenentwicklungen des vorherigen Schrittes zu in sich konsistenten Alternativenbündeln zusammenzufassen und in sich konsistente, stabile, aber sehr unterschiedliche Szenarien zu entwickeln.

Die Verträglichkeit der einzelnen Projektionen miteinander wird mit einer Konsistenzmatrix überprüft. Diese können Sie mit diesen Vorlagen erstellen:

Wenn Sie viele Einflussfaktoren, Deskriptoren und Projektionen verwenden, ist diese Bündelung kaum manuell durchführbar. Dafür gibt es spezifische Unterstützung durch Szenario-Werkzeuge wie

Hier werden die Konsistenzen automatisch berechnet. Es ergeben sich plausible Projektionsbündel. Diese werden über eine Clusteranalyse weiter zusammengefasst, sodass Szenarien entstehen, die einerseits in sich geschlossen sind und sich andererseits möglichst klar voneinander unterscheiden. Im Allgemeinen sind das 3 bis 5 Rohszenarien.

Diese werden nun anhand der jeweils maßgeblichen Schlüsselfaktoren und Projektionen ausführlich beschrieben. Die Konsistenzanalyse und die Clusteranalyse zeigen, welche Projektionen zusammengehören. Die Beschreibungen aus Schritt 3 (Trendprojektionen) können nun zusammengeführt werden und geben dann ein in sich stimmiges Szenario ab. Die Art der Beschreibung hängt von der Zielgruppe ab. Sie sollte so sein, dass auch die Personen sie verstehen, die nicht im Szenario-Projekt eingebunden waren.

Besonders hilfreich ist es, jedes einzelne Szenario mit einem treffenden Titel zu versehen, der das Szenario in wenigen Worten charakterisiert.

Führen Sie dann Ihre Alternativenbündelung durch und beschreiben Sie mögliche Szenarien.




Mit der folgenden Excel-Arbeitsmappe können Sie zudem Ihre unterschiedlichen Szenarien überprüfen und deren Eintrittswahrscheinlichkeit abschätzen. So bekommen Sie einen Überblick über die Szenarien und in einem Diagramm erkennen Sie auf deren Bedeutung in Bezug auf die Eintrittswahrscheinlichkeit.

Beispiel für mögliche Szenarien aus der Automobilbranche
[Quelle: innovations-wissen.de]

Beispiel für die Beschreibung eines Szenarios aus der Automobilbranche
[Quelle: innovations-wissen.de]

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