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Risikomanagement

Risiken identifizieren

Wer Risikomanagement betreiben will, muss wissen, wovor er sich fürchten sollte. Manche Risiken sind bekannt und können sogar gemessen werden. Andere lassen sich nur schwer erfassen. Und einige bleiben im Dunkeln, weil nie jemand daran gedacht hatte. Insofern ist die Identifikation von Risiken ein Prozess, der Regelmäßigkeit und Systematik bedarf, bei dem aber auch Kreativität eine Rolle spielt. Damit sollen potenzielle Gefahrenherde ausgemacht werden, bevor die Schäden unvorhergesehen und überraschend eintreten.

Aber auch wenn die Risiken als solche bekannt sind, lässt sich für sehr viele nicht abschätzen, wann sie eintreten und mit welchen Folgen sie verbunden sind. Beispiele sind:

  • Ein Unternehmen hat Aktien und Anteile an anderen Unternehmen. Aufgrund politischer Ereignisse brechen die Aktienkurse allgemein ein, wovon auch das Unternehmen und seine Aktien betroffen sind. Wann Aktienkurse sinken und welche Auswirkungen dies auf das Unternehmen als Aktionär hat, ist nur schwer vorherzusehen.
  • Ein Journalist der örtlichen Tageszeitung schreibt einen kritischen Bericht über das Unternehmen. Dies wird von anderen Zeitungen aufgegriffen und die Meinung der Öffentlichkeit wird davon beeinflusst. Letztlich schlägt sich dies auch auf die Einstellung der Kunden gegenüber dem Unternehmen nieder.

Solche Risiken können als potenzielle Gefahrenherde identifiziert werden, aber sie können nur bedingt verhindert werden. Im Rahmen des Risikomanagements lassen sich Werkzeuge nutzen, um die Eintrittswahrscheinlichkeit zu reduzieren oder den Schaden zu begrenzen.

Wichtig ist: Möglichst alle Risiken sollten auf dem „Risiko-Radar“ erscheinen und beobachtet werden. Nur so lassen sich im Vorfeld Gegenstrategien planen und bei Eintritt Abwehrmaßnahmen rasch umsetzen.

Risiken systematisch erheben

Um Risiken möglichst vollständig identifizieren zu können, empfiehlt sich eine Systematik. Danach lassen sich die folgenden Risikoarten unterscheiden:

  • Marktrisiken: Veränderung der Kundenbedürfnisse, neue Trends, soziodemografischer Wandel, neue Wettbewerber.
  • Strategische Risiken: Unklare Unternehmensnachfolge, neue Technologien, Eintritt in neue Märkte.
  • Geschäftsrisiken: Falsche Informationen, falsche Entscheidungen, rechtliche und vertragliche Risiken, Verlust wichtiger Mitarbeiter (an Konkurrenten), Betrug.
  • Finanzielle Risiken: Veränderung von Zinssätzen, Wechselkursen, Rohstoffpreisen, Aktienkursen.
  • Kreditrisiken: Kredit- und Forderungsausfälle, Veränderung der Bonität.
  • Operationelle Risiken: Ausfälle der Informationstechnik, Prozessfehler, menschliches Versagen, Arbeitsausfall, Krankheit von Mitarbeitern, Ausfälle bei Lieferanten oder externen Dienstleistern, Arbeitsunfälle, Feuer.
  • Umfeldrisiken: Naturereignisse, politische Entwicklungen.

Dabei nutzen die Experten meistens ihre eigene Systematik mit unterschiedlichen Kategorien und Zuordnungen.

Einzelne Risiken können eine „Schadenswelle“ nach sich ziehen. Tritt ein Schadensfall ein, von dem ein Unternehmen nicht direkt betroffen ist, kann dieser weitere Schäden in anderen Bereichen nach sich ziehen, die dann durchaus Auswirkungen auf ein Unternehmen haben können. Beispiel: Ein Hurrikan legt die Produktion in einer Region lahm. Einzelne Unternehmen können nicht mehr beliefert werden. Die Produktion steht still. Die Aktienkurse sinken. Die Aktienkurse anderer Unternehmen im gleichen Segment sind ebenfalls davon betroffen. Einzelne Risiken können also mit Sekundär- oder Tertiäreffekten verbunden sein.

Erstellen Sie einen Risikokatalog. Entwickeln Sie Ihre eigene Systematik. Beschreiben Sie die potenziellen Einzelrisiken in Bezug auf Ihr Unternehmen.




Von der Inventur bis zum Risiko-Identifikations-System

Um die Risiken zu identifizieren und den Risikokatalog zu erstellen, können unterschiedliche Methoden angewendet werden. Dabei ergeben sich dann Unterschiede, wenn eine erstmalige Bestandsaufnahme (Inventur) erfolgt oder regelmäßig die Aktualität und Ergänzungen überprüft werden. Hier eine Auswahl von Methoden:

  • Expertenbefragungen;
  • Risiko-Workshops;
  • Fehler-Möglichkeiten- und –Einfluss-Analyse (FMEA);
  • Prozessanalysen;
  • Analyse der Bilanzen, Geschäftsberichte und Kennzahlen;
  • Benchmarking und Betriebsvergleiche;
  • Marktanalysen, Marktbeobachtungen.

In der Praxis empfiehlt sich ein Methodenmix. Einige dieser Methoden eignen sich auch für das Messen und Bewerten von Risiken (z.B. Expertenbefragungen). Bei allen Methoden lässt sich unterscheiden, ob die erforderlichen Daten unternehmensintern oder unternehmensextern ermittelt werden und ob eine Primärerhebung durchgeführt werden muss oder entsprechende Informationen aus vorhandenen sekundären Quellen genutzt werden können.

Planen Sie die Inventur und das Risiko-Identifikations-System. Welche Methoden können und wollen Sie einsetzen?




Ergebnis der regelmäßigen Risiko-Identifikation ist ein Risiko-Katalog mit einer Auflistung aller potenziellen Risiken für das Unternehmen und seine Mitarbeiter.

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