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Auszubildende und Praktikanten betreuen und führen

Schwierige Auszubildende

Auszubildende und Schüler im Praktikum befinden sich in einem „schwierigen“ Alter. Gerade die Lebensphase zwischen elf und 18 Jahren ist von Gefühlschaos und Null-Bock-Stimmung geprägt, die Persönlichkeit ist noch nicht gefestigt. Hinzu kommt, dass Werte, Pflichten und Regeln in jeder Familie unterschiedlich vorgelebt werden, während junge Menschen in verschiedensten, teils schwierigen Familienverhältnissen aufwachsen (Alleinerziehendes Elternteil, Patchwork-Familien, arbeitslose Eltern, Kinder mit Migrationshintergrund). Folglich haben es Ausbilder auch mit Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten zu tun. Häufig sind sie miteinander verbunden.

Lern- und Verhaltensauffälligkeiten erkennen

Ausbilder sind nach der AEVO verpflichtet, „die soziale und persönliche Entwicklung von Auszubildenden zu fördern, Probleme und Konflikte rechtzeitig zu erkennen sowie auf eine Lösung hinzuwirken“. Das heißt, der Ausbilder sollte auf Symptome für Lern- und Verhaltensauffälligkeiten des Lehrlings achten, um rechtzeitig Einfluss zu nehmen:

  • Verhaltensauffälligkeiten: Unpünktlichkeit, Fehlzeiten, Angeberei, Aggressivität, Kontaktscheu, Interesselosigkeit, Arbeitsverweigerung
  • Lernauffälligkeiten: Viele Fehler, leichtes Ablenken, ständiges Schauen auf die Uhr, Konzentrationsschwierigkeiten, Unsicherheiten bei der Ausführung

Ein beobachtetes Symptom allein ist noch kein Anlass für ein klärendes Gespräch. Aufgrund von Termindruck, der Übertragung weniger motivierender Arbeiten oder Fehlkommunikation kann die Ursache auch im Betriebsalltag liegen. Wenn aber die Auffälligkeiten schwerwiegend sind oder Sie diese über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet haben, sollten Sie die Ursachen dafür erörtern. Am besten in einem Beratungsgespräch. Überlegen Sie zuvor:

  • Was ist los? (Nicht: Was ist zu tun?)
  • Was macht mein Schützling und wie beeinflusst er mit diesem Verhalten die aktuell unbefriedigende Situation?

Beobachten Sie die Verhaltensauffälligkeit genau: Wie unterscheidet sich das Verhalten Ihrer Azubis? Was ist ungewöhnlich? Gibt es Auswirkungen auf die Leistung des Azubis: Haben sich seine Noten im Laufe der Ausbildung verschlechtert?




Auffälligkeiten können viele Ursachen haben: finanzielle Schwierigkeiten, Sucht- oder Beziehungsprobleme, mangelnde Integration (bei ausländischen Azubis). Deshalb sind für das Beratungsgespräch Offenheit und die Schaffung einer Vertrauensbasis wichtige Voraussetzungen auf Seiten des Ausbilders. Der Azubi möchte einen Rat, Informationen oder andere Hilfe. Der Ausbilder fungiert also als Berater und Begleiter und soll den jungen Menschen unterstützen, seine individuelle Lösung beziehungsweise Einsichten selbst zu finden. Der Ausbilder sollte:

  • aktiv zuhören,
  • sich in die Welt des Azubis hineinversetzen,
  • Fragen nach verschiedenen Richtungen stellen,
  • Selbstreflexion des Azubis anregen und Impulse für neue Perspektiven geben („Denken Sie einmal in die Richtung ... weiter“).

Das Beratungsgespräch

In Anlehnung an die Gesprächsstrategie von Manfred Gührs und Claus Nowak stellen Andreas Buckert und Michael Kluge folgenden Gesprächsleitfaden für Beratungsgespräche in ihrem Buch „Der Ausbilder als Coach“ vor:

(1)   Klären Sie die Grundlagen (Ausgangssituation und Erwartungen) und prüfen Sie, ob Sie tatsächlich für dieses Problem zuständig und der richtige Gesprächspartner sind:
Welches Problem haben Sie? Was ist Ihre Frage? (Wie) Kann ich Ihnen helfen? Was wünschen Sie sich von mir? Was wollen Sie nach Ende des Gesprächs erreicht haben?

(2)   Lassen Sie das Problem beschreiben – in der Beschreibung könnte die Lösung liegen:
Was ist konkret das Problem? Wann, mit wem und seit wann tritt es auf? Inwieweit ist es Ihr Problem und wie sind Sie darin involviert?

(3)   Erfragen Sie bisherige Lösungen – hat der Azubi/Praktikant erste Ideen oder erwartet er eine fertige Lösung:
Was haben Sie bislang unternommen, um das Problem zu lösen? Mit welchem Ergebnis? Welche Schlüsse ziehen Sie aus dem Ergebnis? Wie sähe die Lösung unter idealen Bedingungen aus?

(4)   Entwickeln Sie gemeinsam Lösungen – mit offenen Fragen, Aufmunterungen oder indem Sie seine Gedanken aufgreifen:
Wie sähe eine Kombination beider Vorschläge aus? Wie wäre es, wenn Sie ...? Was wünschen Sie sich stattdessen?

(5)   Lassen Sie eine Strategie wählen – Probleme sind nicht formulierte Ziele:
Welchen Weg bevorzugen Sie? Wie sind Ihre ersten Schritte?

(6)   Lassen Sie einen Zeitpunkt bestimmen:
Wann und wo werden Sie Ihr Ziel umsetzen?

(7)   Ziehen Sie Bilanz:
Was ist Ihnen klar geworden? Was haben Sie für sich noch nicht geklärt?

Entwickeln Sie gemeinsam mit dem betroffenen Azubi eine Lösung für sein Problem. Denken Sie daran: Es ist nicht Ihre Aufgabe, eine Lösung zu finden, sondern den Weg dorthin zu bereiten.




Ist keine Besserung in Sicht, wird ein Konfliktgespräch nötig. Hier geht es darum, eine gemeinsame Lösung zu finden, die als konkrete Maßnahmen (schriftlich) festgelegt werden sollten. Hierbei steht die Frage „Worauf können wir uns verständigen?“ im Mittelpunkt.

Führen Sie sich frühere Kritikgespräche vor Augen: Wie sind diese verlaufen? Machen Sie sich Notizen, wie Sie argumentiert haben oder besser argumentieren könnten. Spielen Sie die Situation im Kopf oder mit Kollegen durch. Üben Sie in der Realität, wenn es wirklich angebracht ist. Reflektieren Sie danach die Situation, Ihre Gefühle und den Erfolg.




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