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FMEA

Systematik und Durchführung der FMEA

In allen Normen und Standards zur Fehler-Möglichkeiten- und Fehler-Einfluss-Analyse (FMEA) wird ein systematisches Vorgehen empfohlen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht dafür fünf zentrale Phasen, genannt DAMUK:

  • D – Definition: Thema auswählen und planen;
  • A – Analyse: Risiken identifizieren und bewerten;
  • M – Maßnahmen: Maßnahmen planen und über weitere Vorgehensweise entscheiden;
  • U – Umsetzung: Maßnahmen umsetzen und Verbesserungen überprüfen;
  • K – Kommunikation: Ergebnisse zusammenfassen, präsentieren und kommunizieren.

Konkret lässt sich dies in die folgenden Einzelschritte übertragen:

  1. Das zu analysierende System (Produkt oder Prozess) festlegen: In diesem ersten Schritt wird festgelegt, was im Rahmen der FMEA genau betrachtet werden soll. Das kann ein Produkt, eine Komponente, ein Prozess oder ein Fertigungsschritt bzw. eine Logistikstufe innerhalb oder außerhalb des Unternehmens sein, genauso wie Abläufe beim Erbringen einer Dienstleistung.
  2. Funktionen des Systems darstellen: Das betrachtete System wird in einzelne Elemente unterteilt und bezüglich ihrer Funktionen und Aufgaben entsprechend beschrieben (Systemanalyse und Funktionenanalyse). Darüber hinaus wird beschrieben, wie diese einzelnen Elemente zusammenwirken.
  3. Fehler analysieren: Für das System und seine Elemente wird eine Fehler-, Schaden- und Gefahrenanalyse durchgeführt. Aus den Funktionen und den Aufgaben, die es normalerweise erfüllen müsste, werden mögliche Fehler, Schäden, Gefahren oder Risiken (Fehlfunktionen) systematisch ermittelt. Dabei wird zwischen Fehlerursache und Fehlerfolge unterschieden.
  4. Risiko der möglichen Fehlfunktionen bewerten: Dazu werden Bewertungszahlen ermittelt: für die Wahrscheinlichkeit, dass eine Fehlerursache auftritt (A), für die Bedeutung der Fehlerfolge (B) sowie für die Wahrscheinlichkeit, dass der Fehler entdeckt wird, bevor die Auslieferung an den Kunden erfolgt (E). Daraus wird die sogenannte Risikoprioritätszahl (RPZ) berechnet und interpretiert.
  5. Maßnahmen zur Verbesserung und zur Vermeidung des Risikos festlegen: Schließlich werden konkrete Maßnahmen geplant, um die Fehlfunktionen, ihre Ursachen und ihre Folgen, soweit es geht, auszuschließen. Je nach betrachtetem System können das Änderungen am System sein, damit die Fehlerursache nicht mehr auftritt oder dass ihr Schaden geringer wird. Vorteilhaft sind auch Maßnahmen, die dazu führen, dass Fehler schnell und einfach erkannt werden.
  6. Ergebnisse dokumentieren: Schließlich hält der FMEA-Projektleiter die Ergebnisse aus dem FMEA-Prozess fest und dokumentiert sie für das Unternehmen, für andere FMEA-Teams und für die Fachabteilungen (Entwicklung, Produktion etc.).

Mithilfe der folgenden Arbeitsvorlagen und dem Formblatt können Sie die Ergebnisse der einzelnen Schritte im Detail erarbeiten. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, worauf es bei den einzelnen Schritten ankommt.

Erstellen Sie Ihre FMEA. Achten Sie dabei auf eine exakte und gewissenhafte Vorgehensweise in Ihrem FMEA-Team.




Achten Sie darauf, dass Ihre Ergebnisse und Erkenntnisse aus der FMEA auch im Unternehmen wirksam werden. Die beschlossenen Maßnahmen müssen umgesetzt werden. Dafür sollten konkrete Mitarbeiter die Verantwortung übernehmen. Wenn Sie die Ergebnisse der FMEA dokumentieren, gewinnt das Unternehmen eine protokollierte Wissensbasis, mit der laufende und künftige Entwicklungsprojekte effizient unterstützt werden. Und wenn so regelmäßig FMEA-Projekte durchgeführt werden, kann sich eine entsprechende Qualitätskultur in Ihrem Unternehmen entwickeln.

Vorgehensweise im FMEA-Projektteam

Auch deshalb ist es wichtig, dass bereits bei der Durchführung die wichtigen Personen eingebunden werden. Georg Redeker und sein Team von der Universität Hannover beschreiben in einem Beitrag für die Zeitschrift QZ (10/2002), wie die Teamarbeit ablaufen kann. Sie weisen darauf hin, dass die konsequente Trennung von Einzel- und Teamarbeit dazu führt, dass die Durchführung einer FMEA sehr effizient erfolgen kann. Sie stellen fest, dass es beim Ablauf Phasen gibt, in denen es auf die kreative und gemeinsame Arbeit im Team ankommt und solche, bei denen Einzelarbeit (Fleißarbeit) wichtig ist. Sie schlagen vor:

  1. In der Vorbereitungsphase wird das System für die FMEA ausgewählt, alle wichtigen Informationen werden zusammengestellt, eine Zeitplanung für die Durchführung der FMEA erfolgt und die Teamgröße und Teamzusammensetzung wird bestimmt. Der FMEA-Experte im Unternehmen und der FMEA-Projektleiter stimmen sich dabei intensiv ab.
  2. Aus den vorliegenden Informationen erstellt der Projektleiter ein Systemdiagramm (Strukturanalyse) und ein Funktionendiagramm (Funktions- und Aufgabenanalyse) für das Produkt bzw. ein Prozessablaufdiagramm (siehe Lösungshilfe zum Prozessmanagement), das jeweils alle relevanten Systemelemente enthält und beschreibt. Zudem werden Funktionen zugeordnet. Diese Vorbereitung dient als Startvorlage für die erste Teamsitzung.
  3. In der ersten Teamphase (Workshop) stellte der Projektleiter seine Aufbereitung vor. Der Moderator hatte zunächst die Aufgabe, dass das Team ein gemeinsames Verständnis für die Systembeschreibung und die Funktionenbeschreibung entwickelt. Erst wenn alle sagen: Ja, so ist die Beschreibung korrekt, kann weiter gearbeitet werden.
  4. Während der gleichen Teamsitzung werden mögliche Fehlfunktionen für das betrachtete System identifiziert und besprochen. Auch hier ist es wichtig, dass im Team eine gemeinsame Sichtweise entwickelt wird. Wichtig ist dabei, eine für die Risikobewertung geeignete und sinnvolle Betrachtungs- bzw. Detaillierungsebene zu wählen.
  5. In der Aufbereitungsphase erstellt der FMEA-Projektleiter das FMEA-Formblatt. Das kann mithilfe einer Software erfolgen.
  6. In der zweiten Teamphase wird die sogenannte Formblattarbeit durchgeführt. Das Team bespricht die möglichen Fehlfunktionen, Fehlerursachen, Fehlerfolgen und das Bewertungsraster. Anschließend führt es die Bewertungen durch. Gemeinsam werden so die Risikoprioritätszahlen ermittelt.
  7. Es wird im Team ein Maßnahmenplan erstellt, um die Schwachstellen zu beseitigen und Produkte oder Prozesse zu verbessern.
  8. Der FMEA-Projektleiter erstellt die Dokumentation und fasst im Anschluss an diese zweite Teamsitzung alle Ergebnisse zusammen und leitet dies an die Teammitglieder und an weitere interessierte Kreise weiter.

Die FMEA kann ein wichtiger Bestandteil der lernenden Organisation sein. Deshalb kommt es beim letzten Schritt vor allem darauf an deutlich zu machen, was im Rahmen der FMEA analysiert wurde und welche Maßnahmen zur Verbesserung und zur Eingrenzung des Fehlerrisikos beschlossen wurden.

Der FMEA-Projektleiter sollte auch überprüfen und sichtbar machen, ob und in welchem Umfang diese Maßnahmen dann auch tatsächlich in den betroffenen Bereichen umgesetzt werden. Es sollte überprüft werden, ob sich mit der Zeit die erwarteten Verbesserungen einstellen. Ansonsten kann eine weitere FMEA hilfreich sein.

Schließlich muss der FMEA-Projektleiter die Ergebnisse seines Teams auch im Unternehmen kommunizieren. Er kann dafür eine spezielle Präsentation erstellen, in der die wichtigen Ergebnisse zusammengefasst sind. Diese richtet sich vor allem an die betroffenen Fachabteilungen, an die Leitung des Qualitätsmanagements, an die Geschäftsleitung und im Einzelfall auch an Kunden oder Lieferanten.

Wenn die FMEA-Erfahrungen ausreichend dokumentiert sind, können andere FMEA-Teams von diesen Erfahrungen profitieren. So entwickelt sich eine positive Fehlervermeidungskultur im ganzen Unternehmen.

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