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Auszubildende und Praktikanten betreuen und führen

Umgang mit Auszubildenden und Praktikanten

Bei fast 150.000 Ausbildungsverträgen – rund einem Viertel der Auszubildenden – kommt es zu einer vorzeitigen Vertragsauflösung mit dem ausbildenden Betrieb. Das ermittelte für 2011 das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Relativ viele wechseln während ihrer Ausbildung das Unternehmen. Die Initiative zur Vertragsauflösung geht in den meisten Fällen von den Auszubildenden selbst aus. Folgende Gründe sind aus ihrer Sicht dafür verantwortlich:

  • Schwierigkeiten mit Ausbildern und Vorgesetzten,
  • falsche Berufswahl,
  • schlechte Ausbildungsqualität,
  • private Probleme,
  • gesundheitliche Probleme,
  • finanzielle Schwierigkeiten.

Diese Ergebnisse zeigen: Ausbilder und ausbildender Betrieb stehen in der Verantwortung, eine adäquate Arbeitsumgebung zu schaffen und die Qualität der Ausbildung zu gewährleisten. Zudem müssen Ausbilder den jungen Menschen während dem Ausbildungs- und Lernprozess beratend zur Seite stehen. Sie sind damit auch Lernbegleiter, -berater und Coach.

Zugang zum Lernenden finden

Junge Menschen suchen Anerkennung, wollen während ihrer Ausbildung oder ihres Praktikums ernst genommen werden und sie wollen selbstständig arbeiten, um ihr Können zu zeigen. Sie haben auch bestimmte Erwartungen an das Unternehmen, die Kollegen, den Ausbilder oder andere zuständige Personen, und sie haben vielleicht erste Vorstellungen von ihren Aufgaben und der Aufgabenstellung. Diese Erwartungen sollten Ausbilder beziehungsweise die betreuende Person kennen, um einen Zugang zum Lernenden zu finden. Ein Fragebogen zu Beginn der Ausbildung beziehungsweise des Praktikums kann dabei helfen.

Junge Menschen haben viele Erwartungen an Ausbildungsstätte und Ausbildungsinhalt. Erfragen Sie diese mithilfe eines Fragebogens.




Einführung ins Unternehmen

Die neuen Azubis eines Jahrgangs werden in den meisten Betrieben (mit Bild) vorgestellt: Auf der Unternehmenswebseite, im Intranet, in der Hausmitteilung oder der Mitarbeiterzeitschrift. Dann sind alle über die Neuankömmlinge informiert und wissen (übrigens auch die Kunden), wer noch in der Lernphase ist.

Mit dem ersten Ausbildungstag beginnt für die jungen Menschen ein neuer Lebensabschnitt. Sie sind wahrscheinlich sehr nervös und wissen nicht recht, was sie erwartet. Auch Praktikanten betreten an ihrem ersten Tag ein neues Terrain. Dieser Tag beziehungsweise die ersten Wochen sollen ihnen Ängste nehmen und gut in Erinnerung bleiben. Darauf sollten Sie achten:

  • Laden Sie Ihren Azubi rechtzeitig zum ersten „Arbeitstag“ ein: Sagen Sie, wo er wann erscheinen soll und an wen er sich bei Fragen vorab wenden kann. Denkbar ist auch, ein informelles Treffen zwischen „neuen“ und „alten“ Azubis vor Ausbildungsbeginn zu organisieren. Das kann eventuelle Unsicherheiten nehmen.
  • Empfangen Sie Ihren Azubi/Praktikanten angemessen und stellen Sie ihn den Kollegen und in der Abteilung vor. Wenn auch der Chef oder Abteilungsleiter den jungen Menschen herzlich begrüßt und sich Zeit für ihn nimmt, wirkt das sehr positiv.
  • Lernen Sie Ihren Azubi/Praktikanten in einem Gespräch kennen: Das können Sie nutzen, um Ängste abzubauen, seine Erwartungen zu erfragen und sich selbst vorzustellen.
  • Wenn mehrere Azubis gemeinsam ins neue Ausbildungsjahr starten, bietet sich ein Workshop an, gegebenenfalls mit Azubis aus dem zweiten oder dritten Lehrjahr, die zum Beispiel über ihre Erfahrungen und die Berufsschule berichten oder in einem Vortrag das Unternehmen vorstellen.   
  • Machen Sie einen Rundgang durch das Unternehmen/den Betrieb: Je nach Unternehmensgröße bekommt der Azubi/Praktikant erste Eindrücke von einzelnen Abteilungen, Kollegen, Arbeitsabläufen, Arbeitsstätte. Zeigen Sie, wo sich Kantine, Pausen- und Umkleideraum etc. befinden.
  • Informieren Sie über Themen wie Arbeitszeit und Pausen, Urlaub und Krankheit, Arbeitssicherheit und Betriebsrat, Schreiben des Berichtshefts. Stellen Sie eine Informationsmappe zusammen mit wichtigen Telefonnummern, Namen der Kollegen, Raumplan Urlaubsantrag, Ausbildungsverlauf und Ausbildungsrahmenplan.

Überlassen Sie in den ersten Tagen nichts dem Zufall und bereiten Sie diese Orientierungsphase gut vor: Wie möchten Sie diese Phase gestalten? Welche Informationen müssen, welche wollen Sie geben?




Mehr zum Thema lesen Sie in unserer Lösungshilfe:

Einarbeitung neuer Mitarbeiter

Die Rolle des Ausbilders

Der Mensch lernt vor allem durch (unbewusste) Nachahmung. Und für junge Menschen ist der Ausbilder oder die betreuende Person während des Praktikums das Vorbild. Für Widersprüche in dem, was Ausbilder einerseits sagen und andererseits tun, haben Lernende ein Gespür. Ein Beispiel:

Beispiel: Widersprüche eines Vorbilds

Ihnen ist Ehrlichkeit wichtig. Das vermitteln Sie Ihrem Azubi/Praktikanten. Sie erwarten beispielsweise, dass Ihr Schützling die Berufsschule regelmäßig besucht und Ihnen das Berichtsheft unaufgefordert vorlegt. Wenn das Telefon klingelt, sagen Sie aber ab und an: „Bitte geh’ du ran und sag’, dass ich nicht da bin“.

Verhält sich Ihr Schützling nicht so, wie Sie es von ihm erwarten? Kopiert er vielleicht Ihr Verhalten? Oft liegen Welten zwischen Theorie und Praxis. Bedenken Sie:

  • Zu welchem Verhalten fordern Sie Ihren Schützling häufig auf?
  • Welche Forderungen „müssen“ Sie stellen?
  • Welche dieser Forderung leben Sie so vor, wie Sie es von Ihrem Azubi/Praktikanten erwarten?

Sprechen Sie das Bedürfnis Ihres Azubis/Praktikanten nach Anerkennung an. Das fördert seine Lernmotivation und sein Selbstbewusstsein. Dazu gehören folgende Aspekte:

  • Loben Sie Leistungen unmittelbar. Anerkennung können Sie auch in Form von Glückwunschkarten für besondere Leistungen, zum Geburtstag, zu Weihnachten oder zum Abschied sichtbar machen.
  • Nehmen Sie sich Zeit und hören Sie zu. Was banal klingt, geht im Arbeitsalltag oft unter.    
  • Kommunizieren Sie offen, respekt- und vertrauensvoll miteinander und zeigen Sie, dass Sie jederzeit ein offenes Ohr haben.
  • Wenn Ihr Azubi/Praktikant Unterstützung braucht, unterstützen Sie ihn in der Form, die ihm am meisten nützt.
  • Azubis und Praktikanten sind relativ unerfahren und machen Fehler. Erkennen Sie die Mühe trotzdem an. Auch ein „Danke“ für erbrachte Arbeit hört jeder Menschen gerne.

Mehr zum Thema lesen Sie in unseren Lösungshilfen:

Feedback

Kommunizieren als Führungskraft

Verhalten zu Vorgesetzten

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