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Spontan präsentieren

Vorbereitung und Einstieg in die Stegreifrede

Selbst wenn Sie etwas „spontan“ zu einem Thema sagen sollen, können Sie sich vorbereiten. Greifen Sie sich für den Einstieg in die Spontanrede eine der folgenden Technik heraus. Nutzen Sie eine Technik, wenn Ihnen zwischendurch der Gesprächsstoff ausgeht.

Bewerber müssen die Königsdisziplin der Rhetorik im Assessment Center und leitende Angestellte regelmäßig vor der Geschäftsleitung unter Beweis stellen – die Stegreifrede. Sie wird gefürchtet, weil eine gute Präsentation in der Regel mühevoll und zeitaufwendig vorbereitet sein will. Für langes Nachdenken über eine klare Struktur und ausgefeilte Sätze ist aber nicht immer genügend Zeit.

Wer zu einer spontanen Rede oder Präsentation aufgefordert wurde, kennt das: Mehrere Augenpaare sind erwartungsvoll auf einen gerichtet. Man sucht angespannt nach einem Einstieg und hofft, dass einem etwas Vernünftiges einfällt. Mit feuchten Händen und trockenem Mund bringt man schließlich ein paar Sätze heraus.

Der Ursprung der Stegreifrede

Früher war die Stegreifrede eine eilige Nachricht, die ein reitender Bote dem Empfänger noch vom Sattel aus zurief (Stegreif ist der Steigbügel eines Reiters). Zum Beispiel informierte der Bote über die neuesten Verhältnisse an der Front.

Sich trotz Spontanität vorab Notizen machen

Wenn Sie zu einem Statement aufgefordert werden, betrifft das in der Regel ein Thema, mit dem Sie vertraut sind. Wenn Sie also dieses Wissen haben, sind Sie schon bestens für Ihre Stegreifrede oder Spontanpräsentation vorbereitet. Denken Sie in Meetings oder Diskussionen mit. Überlegen Sie dabei: Was würde ich zu diesem Thema sagen? Das können Sie gut bei Talkshows im Fernsehen üben: Wie würde Ihre Antwort an Stelle des Beitrags eines Diskutanten ausfallen?

Wenn es sein kann, dass Sie beispielsweise in einem Meeting spontan aufgefordert werden, Ihr Projekt vorzustellen oder die Arbeit Ihres Teams zu erläutern, dann machen Sie sich vorab ein paar Notizen – nach einem der folgenden Schemata. Diese Stichworte haben Sie immer dabei.

Außerdem besitzen Sie Erfahrung und Wissen, das Sie bei Ihrer Arbeit täglichen ausbauen – meist ohne sich dessen bewusst zu sein. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie einmal hinterfragen, wie viel Sie eigentlich wissen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf werden Sie bei der nächsten Aufforderung selbstsicherer auftreten und weniger überrumpelt sein.

Gewinnen Sie Zeit

Wenn Sie unerwartet aufgefordert werden, ein Statement abzugeben, heißt das nicht, dass Sie sofort aufspringen und mit Ihrer Rede loslegen müssen. Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen: Wenn Sie ein Jackett anhaben, knöpfen Sie es zu; falls Sie einen Rock tragen, streichen Sie ihn glatt. Haben Sie Notizen? Ordnen Sie kurz Ihre Unterlagen. Natürlich sollten Sie das alles nicht auffällig langsam machen, sondern besonnen und konzentriert, so dass Sie wie jemand wirken, der seine Gedanken ordnet. Auch wenn Sie die Fragestellung noch einmal in den eigenen Worten wiedergeben, können Sie wertvolle Zeit gewinnen, um Ihre Gedanken zu sortieren und sich die Struktur Ihrer Stegreifrede zu überlegen.

Im Handbuch „Die besten Reden von A-Z“ werden weitere Kunstgriffe vorgestellt, mit denen Sie Zeit gewinnen:

  • kurz in die Notizen schauen
  • Papiere ordnen
  • sich ein paar Stichwörter notieren
  • den Projekt-Namen ans Flip-Chart oder den Hauptpunkt auf eine Overhead-Folie schreiben
  • sich ein Glas Wasser einschenken und einen Schluck trinken
  • ein Fenster schließen

Einstieg in die Stegreifrede

Der Rhetorik-Trainer Gerhard Reichel stellt in seinem Gastartikel für business-wissen.de einige Techniken zum Einstieg in die Spontanrede vor. Sie können diese Techniken auch gut gebrauchen, wenn Ihnen zwischendurch der Gesprächsstoff ausgeht.

Überlegungen zum Thema laut aussprechen

Sprechen Sie Ihre Überlegungen zum Thema, die Sie eigentlich nur denken, laut aus und lassen Ihre Zuhörer an der Entstehung Ihrer Gedanken teilhaben. Beantworten Sie anschließend die Frage, deren Beantwortung Ihnen am leichtesten fällt.

Für diesen Einstieg ist es hilfreich, wenn Sie gleichzeitig denken und sprechen können. Das sogenannte Sprechdenken ist trainierbar.

Beispiel Fragen laut aussprechen

  • Woher kommt der Begriff ...?
  • Was ist dabei warum wichtig?
  • Wann benötigen wir, das Unternehmen, das Team ...?
  • Welche Bedeutung hat das für wen?
  • Worauf sollte man besser verzichten?

Persönliches erwähnen

Sie kleiden das Thema in ein persönliches Erlebnis oder machen eine kleine Geschichte daraus. Diese Technik hat den Vorteil, dass Sie sehr anschaulich und interessant sprechen.

Beispiel Persönliches erwähnen

  • „Da ist neulich Folgendes passiert ...“
  • „Ich habe vor kurzem/in meiner Studienzeit erlebt, dass ...“
  • „Meine Tochter/ein Mitarbeiter in meinem Team erzählte mir ...“
  • „Auf das Projekt/auf die Mitarbeiterin bin ich zufällig aufmerksam geworden, als ich ...“

Sie können auch über das Gefühl sprechen, das das Thema bei Ihnen auslöst. Das können Freude, Angst, Wut, Trauer oder Sorge sein.

Beispiel Persönliches erwähnen

  • „Wenn ich an das Thema ... denke, fühle ich große Sorge, weil ...“
  • „Damit verbinde ich vor allem Angst, denn ...“
  • „Ich finde es schön, wenn ...“

Thema in Beziehung zu einem verwandten Thema setzen

Sie bringen das Thema in Beziehung zu einem verwandten Thema oder sprechen zunächst sogar über den gegenteiligen Begriff. Nach wenigen Sätzen schlagen Sie dann den Bogen zum eigentlichen Thema.

Beispiel Thema in Beziehung zu einem verwandten Thema setzen

Sie sollen zum Thema „Beschwerden“ sprechen:

„Zufriedene Kunden sind für uns ... Jetzt hat sich die Zahl der Kundenbeschwerden ...“

Gute Nachricht, schlechte Nachricht

Ihr Thema ist gleichzeitig eine gute und eine schlechte Nachricht für Ihr Team oder Ihr Unternehmen? Dann ist der Einstieg leicht gefunden: „Die gute Nachricht ist ... . Die schlechte Nachricht ...“

Beispiel Gute Nachricht, schlechte Nachricht

  • „Die gute Nachricht ist: Herr Müller setzt sich zur Ruhe. Die schlechte Nachricht: Mit ihm verlieren wir einen wertvollen Mitarbeiter und geschätzten Kollegen.“
  • „Die gute Nachricht ist: Wir wissen, wie wir unser Projekt auf Kurs bringen. Die schlechte Nachricht: Wenn wir so weitermachen, verzögert sich der Projektabschluss.“

Spontaneität erwähnen

Wenn Sie bei einer Veranstaltung spontan gebeten werden, eine kurze Ansprache zu halten oder wenn Sie für jemanden einspringen, geschieht das meist hinter den Kulissen. Wenn Sie zu Beginn erwähnen, dass Ihre Rede spontan ist, Sie also keine Vorbereitungszeit hatten, verschaffen Sie sich Respekt beim Publikum. Ein guter Anknüpfungspunkt ist auch, wenn Sie sagen, was Sie besonders geeignet macht, gerade zu diesem Thema aus dem Stegreif zu reden.

Beispiel Spontaneität erwähnen

„Gerade hat mich Herr Maier gebeten, ein paar spontane Worte zum Thema ... zu sagen. Vor zwanzig Jahren begann ich, mich mit der Frage ... zu beschäftigen. Dabei machte ich viele Erfahrungen. Einige wertvolle möchte ich Ihnen heute nicht vorenthalten. Etwa als ...“

Spontanrede ablehnen

Keiner Ihrer Zuhörenden erwartet rhetorische Höchstleistungen. Jede Aufforderung sollten Sie als Chance und Übung begreifen, Ihr Können zu beweisen. Falls das Thema Ihrer Spontanrede aber doch nicht Ihren Kenntnissen entsprechen sollte, scheuen Sie sich nicht, die Aufforderung abzulehnen. Eine plausible Erklärung dafür sollten Sie jedoch mitliefern.

Beispiel Spontanrede ablehnen

Die Abteilungsleiterin Maier wird spontan aufgefordert, bei der Beerdigung eines Mitarbeiters ein paar Worte zu sagen. Der Mitarbeiter ist verstorben, kurz nachdem Frau Maier die Stelle angetreten hat. Frau Maier lehnt ab, weil sie den Mitarbeiter kaum kannte und es als pietätlos empfindet, am Grab des Verstorbenen und vor dessen Angehörigen zu sprechen. Sie könnte stattdessen einen Kollegen bitten, der lange mit dem Verstorbenen zusammengearbeitet hat.

Praxis

Spontanrede vorbereiten und Sprechdenken üben

Mit Ihrer Erfahrung und Ihrem Wissen im Hinterkopf werden Sie bei der nächsten Aufforderung zur Spontanrede weniger überrumpelt sein. Machen Sie sich Ihre Kenntnisse bewusst.

Greifen Sie sich eine Technik zum Einstieg in die Spontanrede heraus, die Ihnen im Moment passend erscheint. Für diesen Einstieg ist es hilfreich, wenn Sie gleichzeitig denken und sprechen können. Das sogenannte Sprechdenken ist trainierbar.

Sie wissen mehr, als Sie denken

  • Sammeln Sie: Zu welchen Themen können Sie etwas sagen? Wo liegen Ihre Interessen? Das können Bereiche aus dem Berufsleben, der Ausbildung oder Ihrem Privatleben (Familie, Hobbys) sein.
  • Überlegen Sie: Zu welchem Thema könnten Sie aufgefordert werden, einen Fünf-Minuten-Vortrag zu halten? Wo können, wo wollen Sie sich mit einem kurzen Statement einbringen?

Üben Sie das Sprechdenken

  • Betrachten Sie ein Bild aus der Zeitung und sprechen Sie ein bis drei Minuten laut aus, was Sie denken. Beachten Sie dabei: Unterbrechen Sie Ihren Redefluss nicht, um zu denken. Inhalt und Struktur Ihrer kurzen Rede sind zweitrangig.
  • Alternativ können Sie ein beliebiges Thema oder einen Begriff für Ihre Rede wählen und diese gedanklich durchgehen.
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