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Mitarbeiterbindung

Wertvolle Mitarbeiter erkennen und im Unternehmen halten

Mit Maßnahmen der Mitarbeiterbindung wollen Unternehmen vor allem die wichtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ansprechen und im Unternehmen halten. Dafür müssen sie die wichtigen Mitarbeiter erkennen. Für die Beurteilung von Verhaltensweisen wie Engagement, Interesse oder Leistungsbereitschaft eignet sich die ABC-Methode.

Führungskräfte bewerten regelmäßig die Leistung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Hilfe klassischer Führungsinstrumente wie Zielvereinbarungen oder Mitarbeitergespräche. Mit der ABC-Methode können Verhaltensweisen wie Engagement, Interesse oder Leistungsbereitschaft beurteilt werden. Mit diesem Klassifizierungsmodell können wichtige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter systematisch und objektiv erkannt werden, die mit Maßnahmen der Mitarbeiterbindung im Unternehmen gehalten werden sollen. Die ABC-Methode ähnelt dem Einschätzen des Kundenwerts, wonach je nach Umsatz, Gewinn und Kundenloyalität zwischen A-, B- und C-Kunden unterschieden wird.

Mitarbeiterbewertung aus ethischer Sicht

Aus ethischer Sicht ist die Klassifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu hinterfragen. Der Personalexperte Herbert Janssen nennt mehrere Argumente, die für eine solche Bewertung sprechen:

  • Auch Zielvereinbarungen und Mitarbeitergespräche beinhalten eine Wertung der Mitarbeiterleistung, wobei nicht der Mensch imsgesamt, sondern seine Leistung und Qualifikation am Arbeitsplatz im Vordergrund stehen.
  • Mit einem solchen System werden die für das Unternehmen wertvollen Mitarbeiter „belohnt“, während „Wichtigtuer“ entlarvt werden.
  • Führungskräfte und Unternehmen können auf die Gründe für das jeweilige Leistungsverhalten eingehen. Diese müssen nicht beruflich bedingt oder arbeitsplatzbezogen sein; sie können zum Beispiel auch im privaten Umfeld liegen.
  • Der Unterschied zwischen „Nicht-Können“ und „Nicht-Wollen“ in der Leistungsbewertung ist in diesem Modell ein wichtiges Kriterium für eine möglichst objektive und faire Beurteilung.

ABC-Methode differenziert nach Leistung

Die ABC-Methode differenziert drei Mitarbeiter-Gruppen nach folgenden Leistungsklassen:

A-Mitarbeiter

Sie ziehen den „Karren“: Dieser Mitarbeiter-Typus übertrifft seine Ziele, zeigt starke Eigeninitiative und engagiert sich überdurchschnittlich.

B-Mitarbeiter

Sie laufen neben dem „Karren“ her: Dieser Mitarbeiter-Typus erledigt seine Aufgaben routiniert, macht keine Überstunden und fällt weder positiv noch negativ auf.

C-Mitarbeiter

Sie sitzen auf dem „Karren“ und lassen sich ziehen: Dieser Mitarbeiter-Typus identifiziert sich nicht mit der Firmenphilosophie, hält andere von ihrer Arbeit ab und hat „innerlich gekündigt“.

Wie viele A-, B- und C-Mitarbeiter es im Unternehmen gibt

Unterschiedliche Untersuchungen kommen zu einem tendenziell ähnlichen Verhältnis zwischen den verschiedenen Mitarbeiter-Gruppen. Eine bekannte Regel stellte der amerikanische „Manager des Jahrhunderts“ [Wirtschaftsmagazin „Fortune“], Jack Welch, auf. Nach seinem 20:70:10-Ansatz gehören die oberen 20 Prozent zu den A-Mitarbeitern. In einigen Unternehmen werden sie Top-Performer oder High-Potentials genannt. Die Mehrheit besteht aus B-Mitarbeitern, die je nach Bereitschaft gefördert werden sollten. Die restlichen 10 Prozent der Mitarbeiter sind C-Mitarbeiter, die nach Jack Welch selbst dann zu teuer seien, wenn sie umsonst arbeiten würden.

Wer seine Beschäftigten den verschiedenen Gruppen zuordnet, sollte beachten, dass A-, B- und C-Mitarbeiter auf allen Ebenen und Gehaltsklassen zu finden sind. Eine A-Mitarbeiterin auf unterer Führungsebene kann dabei für das Unternehmen wertvoller sein als eine B-Führungskraft. Außerdem ist zu beachten: Wer zu den besten Mitarbeitern gehört, unterscheidet sich je nach Bedürfnis und Anforderung des entsprechenden Unternehmens. Größe, Branche und Marktetablierung spielen dabei eine Rolle. Daher sollten Unternehmen folgende Fragen klären, bevor sie eine Einteilung vornehmen:

  • Welche Mitarbeiter haben eine ausgezeichnete Performance und darüber hinaus Potenzial für komplexere Aufgaben?
  • Welche Funktionen sind erfolgskritisch für das Unternehmen?
  • In welchen Funktionen findet die größte Wertschöpfung statt?
  • Wo werden die Wettbewerbsvorteile, also Dienstleistungen und Produkte von morgen, entwickelt?
  • Was sind die Schlüsselpositionen im Unternehmen?

Hartmut Scholl und Anton Stockhausen: Eine Kultur zum Bleiben in: Personalwirtschaft 05/2011

Indikatoren für die Mitarbeiterloyalität

Die Management-Beraterin und Expertin für Loyalitätsmarketing Anne M. Schüller nennt Indikatoren, die Rückschlüsse auf die Loyalität und die emotionale Bindung eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin ermöglichen. Hierzu zählt sie:

  • die Aktivität in Workshops und Diskussionsrunden
  • die Teilnahme an Projektgruppen und Fortbildungsmaßnahmen
  • der Wunsch nach Aufstiegsmöglichkeiten
  • das Interesse an Kundenbelangen
  • das Einreichen von Verbesserungsvorschlägen
  • die Bereitschaft zu Überstunden
  • die Fehlerquote
  • die Nörgelhäufigkeit
  • die Anzahl der Kranktage

Anne M. Schüller: Mitarbeiterbindung – Durch Mitarbeiterloyalität das Unternehmen erfolgreicher machen, business-wissen.de, 2008

Worauf bei der ABC-Methode außerdem zu achten ist

Situation der Mitarbeiter beachten

Eine Zuordnung muss vorsichtig erfolgen, da situationsspezifische Gründe für die Einordnung verantwortlich sein können. Zum Beispiel private Gründe oder Probleme, Team- und Führungsumstände, ungeeignete Position oder Aufgabe. Eine Zuordnung sollte also regelmäßig überdacht und neu vorgenommen werden.

Keine Klassifizierung des Menschen nach gut oder schlecht

Je nach Zuordnung der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters erfolgt keine Klassifizierung nach guten oder schlechten Mitarbeitern. Durch unterschiedliche Priorisierung aufgrund verschiedener Wertesysteme stehen Beruf, Arbeit und Karriere bei jeder Person an anderer Stelle. Die Gewichtung sagt nichts über menschliche Qualitäten oder Charaktereigenschaften aus.

Praxis

Wichtige Mitarbeiter erkennnen

Differenzieren Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach der ABC-Methode in drei Mitarbeiter-Gruppen – je nach Leistungsklasse. Überlegen Sie hierzu:

  • Welche Mitarbeiter sind für Ihr Unternehmen wertvoll?
  • Welche Kernkompetenzen benötigen welche Mitarbeiter?
  • Welche Anforderungen der Stelle sind erfolgsentscheidend?
  • Wer passt am besten zum Team und zu den Vorgesetzten?
  • Was und wer trägt am meisten zur Wertschöpfung bei?
  • Welche Sozial- und Fachkompetenzen sind prioritär?

Nutzen Sie für die Differenzierung nach A-, B- und C-Mitarbeitern die folgende Vorlage. Darin werden acht Unterscheidungskriterien wie Motivation oder Kundenbezug für jede der drei Mitarbeiter-Gruppen beschriebenen. So können Sie eine möglichst objektive Einteilung systematisch vornehmen.

Mitarbeiterprofil nach der ABC-Methode erstellen

Nutzen Sie für die Bewertung des Leistungsvermögens und der Leistungsbereitschaft die folgende Checkliste, um für einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Mitarbeiterprofil zu erstellen. 

Mitarbeiterloyalität bewerten

Nutzen Sie die folgende Checkliste, um die Mitarbeiterloyalität für einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anhand der Indikatoren für die Mitarbeiterloyalität nach der ABC-Methode zu bewerten.

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