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Arbeitsschutz

Wichtige Handlungsfelder für den Arbeitsschutz

Um die in Ihrem Unternehmen relevanten Handlungsfelder zu erkennen, müssen Sie sich zunächst einen Überblick verschaffen: Wo könnten sich Arbeitsschutzprobleme ergeben? An welchen Arbeitsplätzen? Bei welchen Arbeiten? Und wo könnten zukünftig Arbeitsschutzprobleme auftauchen? Im Allgemeinen ist jeder Arbeitsplatz zu überprüfen. An manchen kann ein unmittelbares Gefahrenpotenzial bestehen (zum Beispiel bei der Arbeit auf einer Baustelle), an anderen kann es mehr um den vorbeugenden Gesundheitsschutz gehen (zum Beispiel bei Büroarbeit).

Grundlage des Arbeitsschutzes ist die Gefährdungsbeurteilung. Sie ist für alle Betriebe zwingend erforderlich. Sie soll sichtbar machen, wo unmittelbar Gefahren und Risiken für die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter bestehen. Sie kann auch aufzeigen, wo vorbeugende Maßnahmen helfen, die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern. Mit der Gefährdungsbeurteilung ermitteln Sie, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes und der Gesundheitsförderung konkret ergriffen werden sollten.

Beispiele für gefahren- oder gesundheitsrelevante Bereiche, die im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung analysiert werden, können sein:

  • spezifische technische Anlagen wie Maschinen, Handhabungsgeräte, Gerüste, Aufzüge und dadurch bedingte mechanische oder elektrische Gefährdungen;
  • Umgang mit bestimmten Produkten oder Arbeitsstoffen wie zum Beispiel Sprengstoffen, Chemikalien, biologischen Arbeitsstoffen, gentechnischen Produkten;
  • Brand- oder Explosionsgefährdungen bei der Anwendung spezifischer Arbeitsstoffe oder durch Druckbehälter;
  • besondere physikalische Belastungen wie Lärm, Strahlung, Hitze, Vibrationen;
  • Transport und Verkehr innerhalb und außerhalb des Unternehmens und damit verbundene Gefahren durch Fahrzeuge;
  • physische Belastungen und Arbeitsschwere durch Handhabung, Körperbewegungen, Haltungen;
  • allgemein die Gestaltung von Arbeitsplätzen unter Berücksichtigung von Aspekten wie langes Sitzen oder Stehen, Lichtverhältnisse, Bildschirmarbeit, Raumklima, Nichtraucherschutz;
  • besondere Arbeitszeiten wie Schichtarbeit oder Arbeitsbedingungen wie Arbeitnehmerüberlassung, Heimarbeit, Fremdfirmeneinsatz;
  • psychische Belastungen durch schlechte Arbeitsorganisation, Über- oder Unterforderung, fehlende soziale Kontakte, unzureichende Softwaregestaltung oder Mobbing.

Dabei sind immer besondere Zielgruppen wie Kinder, Jugendliche, werdende oder stillende Mütter, Behinderte oder leistungsgewandelte Arbeitnehmer zu beachten. Hier gelten weiterführende Anforderungen. Sie dürfen beispielsweise bestimmte gefährliche Arbeiten nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen verrichten, dürfen nur eine festgelegte Zeit am Stück arbeiten oder müssen frei gestellt werden.

Als Führungskraft sollten Sie dafür Sorge tragen, dass eine Gefährdungsbeurteilung immer dann durchgeführt wird, wenn einer der folgenden Anlässe gegeben ist:

  • Ein neuer Arbeitsplatz wird eingerichtet und in Betrieb genommen; gegebenenfalls muss schon im Planungsstadium das Gefährdungspotenzial beurteilt werden.
  • Arbeitsplätze und Arbeitsaufgaben ändern sich grundlegend und damit die Gefährdungen.
  • Beschäftigte wechseln und es ergeben sich neue Gefährdungen; neue Beschäftigte müssen immer entsprechend unterwiesen werden.
  • Mitarbeiter werden nach Krankheit wieder eingegliedert.
  • Es treten besondere Beschwerden bei den Mitarbeitern auf oder Mitarbeiter sind häufig krank, was durch die Situation am Arbeitsplatz bedingt ist.

Ablauf einer Gefährdungsbeurteilung

Es gibt keinen einheitlichen Weg für die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen, da es immer auf den konkreten Einzelfall im Unternehmen ankommt. Dennoch lässt sich eine allgemeine Vorgehensweise empfehlen [Quelle und weiterführende Informationen: www.gefaehrdungsbeurteilung.de]:

1. Vorbereiten:

  • Wer führt die Gefährdungsbeurteilung durch?
  • Wie kann ich meine Betriebsorganisation erfassen?
  • Wie kann die Arbeitsstätte in sinnvolle Arbeitsbereiche unterteilt werden?

2. Ermitteln:

  • Grundsätzlich alle tatsächlich vorhandenen Gefährdungen ermitteln, die zu Unfällen führen können oder arbeitsbedingte Gefahren oder Beeinträchtigungen für die Gesundheit darstellen.
  • Einbeziehen der betroffenen Mitarbeiter am konkreten Arbeitsplatz.
  • Gefahren ermitteln, aus denen sich bereits Arbeitsunfälle ergeben haben.

3. Beurteilen:

  • Abschätzen, ob die ermittelten Gefährdungen zu einem Unfall oder zu Schädigungen für die Gesundheit führen können.
  • Vergleich mit Schutzzielen aus Rechtsvorschriften (Umsetzungspflicht!).
  • Hinzuziehen etwaiger Bewertungshilfen von staatlichen oder berufsgenossenschaftlichen Stellen.

4. Festlegen:

  • Technische, organisatorische und personenbezogene Arbeitsschutzmaßnahmen treffen.
  • Bei den am stärksten betroffenen Arbeitsbereichen beginnen.
  • Dokumentieren der Maßnahmen auf einem Arbeitsblatt.

5. Durchführen:

  • Prioritäten, Termine und Verantwortlichkeiten der Maßnahmen festlegen (Wer macht was bis wann?).
  • Unterlagen der bereits vorhandenen Gefährdungsbeurteilungen nutzen.

6. Überprüfen:

  • Wurden die Maßnahmen termingerecht durchgeführt?
  • Waren die Maßnahmen tatsächlich effektiv und wurde die Gefährdung beseitigt?
  • Bleibt der neue Zustand bestehen oder muss nachgebessert werden?

7. Fortschreiben:

  • Anpassung der Arbeitsschutzmaßnahmen nach Bedarf, zum Beispiel bei neuen Rechtsvorschriften, neuen Gefahren, neuen Maschinen oder Umgestaltung der Arbeitsorganisation.
  • Gefährdungsbeurteilung muss nicht komplett wiederholt werden.

Führen Sie eine Gefährdungsbeurteilung durch und dokumentieren Sie die Ergebnisse.




Maßnahmenplanung

Leiten Sie aus den Ergebnissen der Gefährdungsbeurteilung ab, welche Maßnahmen Sie in Ihrem Unternehmen durchführen müssen, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und um die Sicherheit und Gesundheit Ihrer Mitarbeiter zu gewährleisten. Es gilt die Regel: Technische haben Vorrang vor organisatorischen Schutzmaßnahmen, diese wiederum haben Vorrang vor persönlichen Schutzmaßnahmen und Verhaltensanweisungen (TOP-Regel).

Sie sollten in jedem Fall sicherstellen, dass die folgenden Maßnahmen durchgeführt werden:

  • Technik: Sichern Sie alle Gefahrenquellen so ab, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mitarbeiter Schaden nimmt, möglichst gering ist. In den Vorschriften der Berufsgenossenschaften und den allgemeinen Informationen und Regelungen finden Sie dazu eine Fülle von Hinweisen und Vorschlägen sowie die Anforderungen, die aufgrund von Bestimmungen umgesetzt werden müssen.
  • Stellen Sie den Mitarbeitern alle notwendigen Geräte, Hilfen etc. zur Verfügung; zum Beispiel Absauganlagen, Ohrschutz, angemessene Arbeitskleidung, Stühle.
  • Achten Sie darauf, dass alle Arbeitsmittel, Maschinen, Geräte, Anlagen, und alle Betriebsstoffe und Hilfsstoffe den relevanten Vorschriften entsprechen; zum Beispiel Maschinenrichtline.
  • Organisation: Erstellen Sie konkrete Betriebsanweisungen beim Umgang mit Gefahrstoffen sowie bei der Benutzung von Arbeitsmitteln, von denen eine Gefahr ausgeht.
  • Achten Sie auf korrekte Beschriftung und auf Warnhinweise.
  • Prüfung Sie Arbeitsmittel und legen Sie Prüfzyklen sowie die befähigten Personen zur Durchführung fest.
  • Personal: Planen Sie die Unterweisung Ihrer Mitarbeiter und führen Sie entsprechende Unterweisungen regelmäßig durch. Beachten Sie dies insbesondere dann, wenn sich Stellenbeschreibungen, Aufgaben oder Abläufe für den Mitarbeiter verändern.
  • Achten Sie darauf, dass Betriebskultur, Aufgabenverteilung, Abläufe und das Verhalten von Vorgesetzten und Mitarbeitern den Anforderungen an menschengerechte Arbeit genügen.
  • Dokumentation: Sorgen Sie dafür vor, dass Unfälle dokumentiert und ausgewertet werden.
  • Gesundheitsförderung: Bieten Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, für Ihre Gesundheit vorzusorgen. Bieten Sie in der Kantine gesundes Essen an, schaffen Sie Möglichkeiten für Bewegung und Sport, führen Sie Vorsorgeuntersuchungen durch etc.

Falls Sie besondere überwachungsbedürftige Anlagen einsetzen, sollten Sie in jedem Fall mit der zugelassenen Überwachungsstelle Kontakt aufnehmen und einen gesonderten Maßnahmenplan entwickeln.

Erstellen Sie Ihren Maßnahmenplan für den Arbeitsschutz und das Arbeitsschutzmanagement.




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