Dubai Wirtschaftswunder in der Wüste

29.07.2008 – Nirgends auf der Welt werden gigantischere Investitionsprojekte realisiert als in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Allen voran Dubai. Grund genug für viele deutsche Unternehmer ihr Glück in dem kleinen Wüstenstaat zu versuchen. Wer jedoch am Aufschwung mitverdienen möchte, muss genau hinschauen und gut vorbereitet sein.
Schlagwort: Wachstumsmarkt

Die VAE boomen wie nie zuvor und bauen ihre Stellung in der Weltwirtschaft mit einer ungeheuren Geschwindigkeit aus. Doch die Entwicklung der einzelnen Emirate vollzieht sich keineswegs einheitlich.

Der Schmierstoff des wirtschaftlichen Aufschwungs der VAE ist zweifelsohne Öl. Jedoch wurden – entgegen vielfach vorherrschenden Glaubens in Europa – nicht alle, sondern nur drei der insgesamt sieben Scheichtümer mit dem schwarzen Gold bedacht. Nicht dazu gehören Ajman, Fujayrah, Umm al-Qaiwain und Ras al-Khaimah, die daher noch immer traditionell Landwirtschaft betreiben (müssen). Sharjah hingegen verfügt über geringe Ölreserven. Diese sind zur Bestreitung des Staatshaushaltes aber nicht ausreichend, weshalb verstärkt auf die Industrie gesetzt wird. Die prominentesten der sieben Wüstenstaaten sind Abu Dhabi, das größte und ölreichste
Emirat, und Dubai, die kosmopolitische Metropole der arabischen Welt. So sind es denn auch in erster Linie die Ölreserven dieser beiden Länder, welche das rasante Wirtschaftswachstum der VAE in den vergangenen Jahren ermöglicht haben.

Wenn die Ölvorkommen schwinden

Doch die Ölvorkommen sind begrenzt – besonders in Dubai. Während die enormen Reserven Abu Dhabis, die 10 Prozent der OPEC–Produktion ausmachen, voraussichtlich noch weitere 40 Jahre gefördert werden können, schätzt man, dass Dubais Ölquellen bereits in etwa 20 Jahren versiegen könnten. Daher versucht das regierende Scheichtum um den Herrscher Mohammed Bin Rashid Al Maktoum Al Maktoum bereits seit längerem vom Erdöl unabhängiger zu werden. Stattdessen sollen die Bereiche Handel, Logistik, Finanzen und Tourismus die tragenden Säulen der Wirtschaft werden. Diese Diversifikation hat bislang gut funktioniert: Nur noch etwa 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes stammen aus der Erdölindustrie. Ende 2006 kürte die New York Times seine Hoheit Scheich Mohammed sogar zum „Unternehmer des Jahres“. Der Emir von Dubai und Premierminister der VAE habe das Ende des Erdölzeitalters rechtzeitig erkannt und vorausschauend in andere Bereiche wie beispielsweise den Tourismus investiert, begründete die Zeitung ihre Auszeichnung. Dadurch habe er das Bruttoinlandsprodukt seines Landes innerhalb von zehn Jahren um 400 Prozent steigern können.

Boomtown Dubai

Mit einem BIP von ungefähr 70 Mrd. US-Dollar bilden die VAE heute nach Saudi-Arabien und Ägypten die stärkste Volkswirtschaft des arabischen Raums. Auf Dubai entfallen davon allein etwa 40 Prozent, die insbesondere in den Bereichen Logistik und Tourismus erwirtschaftet werden.

Im Logistikbereich arbeitet Dubai konsequent an seiner Rolle als Drehkreuz für die arabische Welt. Mit einer Umschlagkapazität von 70 Mio. Tonnen im Jahr gehört der Seehafen Dubais bereits zu den zehn größten der Welt. Der Flughafen soll bis 2025 sogar der größte weltweit werden. Wegen solch massiver Infrastrukturinvestitionen und seiner bevorzugten Lage am persischen Golf, führt der Weg nach Süden schon heute sehr viele Investoren über Dubai.

Abgesehen von der Logistik hat der Tourismus eine führende Rolle in der Wirtschaft Dubais eingenommen. So sollen bis 2010 jährlich 15 Mio. Ferien- und Geschäftsreisende aus aller Welt gewonnen werden. Aus diesem Grund stecken die Scheichs Milliardensummen in den Aufbau touristischer Infrastruktur. Dabei scheint Geld nicht die geringste Rolle zu spielen. Denn nur so lässt sich mit einer solch atemberaubenden Geschwindigkeit ein Megaprojekt nach dem anderen realisieren. Und eines sind die Bauprojekte in Dubai ganz sicher nicht: gewöhnlich.

Stadt der Superlative

Angefangen hat alles mit dem Luxushotel Burj al Arab. Seit dessen Fertigstellung wurden fast jeden Monat neue Projekte vorgestellt oder abgeschlossen. Zu den ehrgeizigsten und prestigeträchtigsten darunter gehören die künstlich angelegten Inselwelten The Palm Jumeirah (Baubeginn 2001), The Palm Jebel Ali (Baubeginn 2002), The Palm Deira (Baubeginn 2004) und The World (Baubeginn 2003). Zudem befinden sich zwei weitere in Planung: The Universe sowie die Dubai Waterfront. Doch damit nicht genug: Auf einer der drei Palmeninseln soll ab 2009 das erste Unterwasserhotel namens „Hydropolis“ in über 200 Zimmern solvente Gäste beherbergen.

Das aktuell prominenteste Bauvorhaben ist wahrscheinlich der Burj Dubai – das höchste Gebäude der Welt. Bereits über ein Jahr vor seiner geplanten Fertigstellung in 2009 überragt der Wolkenkratzer mit einer Höhe von etwa 650 Metern das bisher höchste Gebäude der Welt, den Taipeh 101 in Taiwan, um fast 150 Meter.

Mit etwas weniger medialer Aufmerksamkeit bedacht, aber deswegen nicht minder spektakulär, sind einige weitere geplante Bauwerke. Dazu gehören beispielsweise die höchste Bogenbrücke der Welt, der erste vollständig drehbare Wolkenkratzer sowie Dubailand – der weltgrößte Themen- und Freizeitpark. Die Liste der Attraktionen ist schier unendlich und wird laufend fortgeschrieben.

Positives Investitionsklima

Solche vom Staat initiierten Megaprojekte  multiplizieren sich mittlerweile vielfach auf privatwirtschaftlicher Ebene. So fließen jährlich gewaltige Ströme ausländischer Investorengelder in die Metropole. Allein im vergangenen Jahr beliefen sich die ausländischen Direktinvestitionen in Dubai auf knapp 18 Mrd. US-Dollar. Pro Einwohner gerechnet ist das ein deutlich höheres Investitionsvolumen als beispielsweise in der Volksrepublik China.

Neben enormen Mittelzuflüssen vor allem im Immobilien- und Infrastrukturbereich, versuchen viele Investoren durch Gründungen lokaler Unternehmen beziehungsweise Tochterunternehmen am enormen Wachstum der Region mitzuverdienen. Begünstigt werden solche Direktinvestitionen durch eine liberale Wirtschaftspolitik, die kaum in den privaten Sektor eingreift, eine sehr geringe Kriminalität und stabile politische Rahmenbedingungen, wie sie sich in kaum einem anderen islamischen Land finden. Auch werden in Dubai grundsätzlich keine Umsatz-, Einkommens- Grunderwerb-, Grund-, Vermögen- oder Erbschaftsteuer erhoben. Lediglich Banken und Erdölfirmen unterliegen der Unternehmenssteuer. Darüber hinaus entstehen laufend neue so genannte Free Zones. Dabei handelt es sich um Gewerbegebiete für ausländische Firmen, die sich dort mit wenig bürokratischem Aufwand als 100-prozentiger Eigentümer ihrer Firma registrieren lassen können. Die wichtigsten Free Zones sind momentan die Dubai Airport Free Zone, Dubai Internet City, Dubai Media City sowie Dubai Knowledge Village.

Nicht alles Gold was glänzt

Das rasante Wirtschaftswachstum gepaart mit solch attraktiven Anreizen für ausländische Investoren, ruft auch in Deutschland eine gewisse Dubai-Euphorie hervor. So sind mittlerweile 90 Prozent aller DAX-notierten Unternehmen mit einer eigenen Niederlassung in Dubai vertreten. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung erwägen nun nach und nach auch immer mehr Mittelständler den Schritt in die arabische Welt.

Doch dieser will wohl überlegt sein. Im Gegensatz zur Inneneinrichtung der zahllosen Luxushotels vor Ort, ist aus unternehmerischer Sicht in Dubai nicht immer alles Gold was glänzt. In blinder Euphorie eine Niederlassung vor Ort zu gründen und auf schnelle Millionengeschäfte zu spekulieren, könnte sich für manchen als fataler Fehler erweisen. Es gilt insbesondere sein Geschäftsmodell vorher sorgfältig auf dessen Tragfähigkeit in der arabischen Welt hin zu prüfen. Kommt man zu dem Schluss, dass in Dubai grundsätzlich ein Markt für sein Produkt vorhanden ist, stellt sich die Frage nach der Umsetzung. Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen Deutschland und Dubai insbesondere in den Bereichen Vertrieb und Marketing. So ist es in Dubai beispielsweise fast unmöglich ohne die richtigen Kontakte Erfolg zu haben. Networking nimmt hier einen wesentlich höheren Stellenwert ein als in Deutschland.

Es wird deutlich, dass eine genaue Kenntnis des Landes, seiner Kultur, seiner Menschen und insbesondere auch der geschäftlichen Gepflogenheiten unabdingbar sind. Und sei es nur, um im geschäftlichen Alltag vor allzu großen Peinlichkeiten bewahrt zu bleiben. Ein Terminvorschlag beispielsweise, der  30 Minuten vor oder nach den fünf täglichen Gebetszeiten liegt, wird eine angehende Geschäftspartnerschaft auf wenig solide Füße stellen. Dies gilt nämlich als Respektlosigkeit gegenüber der Religion des Landes.

Fazit

Die VAE und insbesondere Dubai erleben momentan ein Wachstum, das bereits viel mehr von Investitionen in der Region als vom Öl gespeist wird. Entgegen einiger Expertenmeinungen, die behaupten, der Boom müsste langsam abebben, ist ein Ende nicht in Sicht. In den kommenden zehn Jahren sind in Dubai Projekte im Gesamtwert von 310 Milliarden US-Dollar geplant oder befinden sich bereits im Bau – so der kürzlich veröffentlichte Dubai Real Estate Report 2007 des Middle East Economic Digest (MEED). Knapp 230 Milliarden US-Dollar werden allein im Immobilienbereich investiert.

Chancen sind demnach zweifellos vorhanden. Jedoch sollte man auch die Risiken nicht aus den Augen verlieren. Ein verlässlicher Partner mit langjähriger internationaler Erfahrung speziell im arabischen Raum ist dabei unersetzlich. Denn ohne gründliche Analysen und genaue Prüfung der sich bietenden Optionen wird den meisten Investoren auch in Dubai der schnelle Reichtum verwehrt bleiben. 

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Über den Autor

Jan Brunotte
Jan Brunotte

Jan Brunotte ist Consultant in einer mittelständischen Unternehmensberatung mit den Tätigkeitsschwerpunkten Unternehmensfinanzierung, M&A und Internationalisierung.

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