Plötzlich taucht der Name Henkel auf
Das Unternehmen Henkel bewirbt seine einzelnen Produktmarken mit "Qualität von Henkel". Dr. Klaus Morwind, Mitglied der Henkel-Geschäftsführung, erläuterte diese Strategie einmal in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt":
„Marktforschungen zeigen, dass die Verknüpfung von Henkel als Dachmarke mit den Produktmarken eine Ideallösung ist. Henkel profitiert als Unternehmensmarke von starken Marken wie Persil, Pril oder Somat. Die Aktualität der Marke Henkel wird erhöht. [...]. Die Strategie ist: In einer ersten Phase sollten starke Produkte Henkel stärken. In einer zweiten Phase sollen die Produkte von einer gewachsenen Bekanntheit und dem guten Henkel-Image profitieren."
Ein ganzheitlicher Ansatz trägt dazu bei, Fehlgriffe von Anfang an zu vermeiden. Diese können in den Bereichen Produktgestaltung, Bestandsführung und Verpackungsgestaltung auftreten. Denn wenn die Marke einmal nicht hält, was sie verspricht, besteht das Risiko, dass der Kunde sich nach Alternativen umsieht.
Eine langfristige Kundenbindung wird nicht nur erreicht, indem die Botschaften ein stimmiges Bild der Marke nach außen hin vermitteln. Das Ziel ist eine Festigung des Gesamtbildes in allen Bereichen des Unternehmens, durch positive Verstärkung. Unabhängig vom Berührungspunkt mit dem Produkt will sich beispielsweise Henkel dem Verbraucher einheitlich präsentieren. Um dieses Ziel zu erreichen, muss das Markenkonzept weitaus strategischer fokussiert sein als dies bisher der Fall war. Die Marschrichtung der Organisation muss bis in ihre Spitzen von der Idee durchdrungen sein.
Corporate Mission als Ausgangspunkt für die Marke
"Die Corporate Mission formuliert prägnant den Unternehmenszweck, sie ist die bleibende Dachbotschaft der Unternehmenskommunikation",
sagt Jörg Pfannenberg, Geschäftsführer der PR-Beratung JP:PR in Düsseldorf. Und aus der Corporate Mission leitet sich der Rahmen für die Bildung der Corporate Brand, der Unternehmensmarke ab. Sie enthält die zentralen Inhalte der Mission.
Die Marke lebt durch ihre Kunden
Zwischen der Marke und dem Kunden steht die Wahrnehmung. Das Markenbild wird erst durch diese in der Psyche des Menschen komponiert. Optimaler Weise spricht die Marke dabei alle Sinne an (Authentic Branding). Die Wahrnehmung erfolgt über:
- Optik (visuell): Die visuelle Wahrnehmung ist evolutionär bedingt, die für den Menschen wichtigste.
- Klang (akustisch): Unternehmen setzen zunehmend Soundlogos oder Soundmarken, sogenanntes Corporate Acoustics oder Acoustic Branding, ein.
- Aber auch: Berührung (taktil), Geruch (olfaktorisch) und Geschmack (gustatorisch).
Soundlogo | Soundmarke
Die akustische Marke wird zusehends populärer. Verwunderlich, dass die Industrie so spät zu dieser Einsicht kommt. Zum Wegsehen benötigt es nur einen Lidschlag, Weghören ist nicht so einfach. In 90 Prozent aller Werbespots läuft auch Musik, nur sind von den gut 500.000 Markenzeichen ganze 130 Soundmarken. Darunter die Melodie der Deutschen Telekom. 2 Töne, die 5 mal kurz angespielt eine unverkennbare Melodie ergeben. Oder das geniale „Plopp“ der Biermarke Flensburger.
Nicht alle Soundmarken funktionieren überall gleich gut. Wenn der Radiowecker morgens eine Audi-Werbung bringt, kommt der rythmische Herzschlag kaum zur Geltung. Die Frequenzen sind zu tief, optimal ist das nur im Multiplexkino mit Dolby Digital.
Zwischen diese Soundeffekte drängelt sich die Musikindustrie, die in Zeiten sinkender Tonträger-Absätze ihre Songs am liebsten doppelt und dreifach vermarkten würde. Massive Attack, Moby und DeePhazz untermalen nicht wenige Werbespots.
Kommt die Markenbotschaft an?
Über den Sinn und Unsinn neuer und teurer Marken-Slogans streiten sich die Werbefachleute. Die Kosten für einen neuen Slogan können sich auf bis zu einem zweistelligen Millionenbetrag belaufen.
Eine Umfrage des Institut für Markentechnik in Genf zu Werbeslogans ergab: Nur "Ihr guter Stern auf allen Straßen" (Mercedes), "Nichts ist unmöglich" (Toyota) und "Die tun was" (Ford) wurden von mehr als 50 Prozent der Befragten korrekt zugeordnet. Der Toyota-Gesang gilt übrigens als Soundmarke. Ein gesungener Spruch nutzt sich allerdings schneller ab als einfache Melodien. Im Schnitt ordneten nur 26 Prozent der Werbekonsumenten die Slogans der Autohersteller der jeweils richtigen Marke zu.
Englische Slogans bereiten Probleme beim Verständnis. Die Kölner Agentur Endmark hat mehr als 1.000 Personen nach der Bedeutung englischsprachiger Werbebotschaften gefragt. Der "claim" des Online-Videoportals YouTube "Broadcast Yourself" wurde mit "Mache Deinen Brotkasten selbst!" übersetzt. Auch nicht gewollt ist die Übersetzung des Braun-Slogans "Design Desire" mit "Design-Wüste". Ein nicht unerheblicher Teil der Befragten gab diese oder sinngemäße Antworten. Also sollten deutsche Unternehmen, obwohl die Globalisierung weiter voranschreitet, lieber deutsche Slogans wählen.
Hinweis
Wie wichtig Markennamen sind, erfahren Sie auch in diesem Beitrag:
Namensgebung: Den besten Namen für das Unternehmen und die Produkte finden
Checkliste
Tobias Langner und Franz-Rudolf Esch vom Institut für Marken- und Kommunikationsforschung in Gießen und vom Lehrstuhl für Marketing der Justus-Liebig-Universität Gießen nennen sechs Schritte zum erfolgreichen Branding:
- Festlegen der angestrebten Markenidentität.
- Ableitung der beabsichtigten Markenpositionierung.
- Analyse des Brandings konkurrierender Marken.
- Effektive Markennamen entwickeln.
- Markenbilder, Verpackungs- und Produktdesign wirkungsvoll gestalten.
- Controlling des Brandings.
Weiterführende Links und Informationen
Eine nützliche Lösungshilfe zum Thema finden Sie hier: Corporate Branding und Design: Dem Unternehmen ein unverwechselbares Bild geben
Mehr Informationen zu Markenbildung finden sie in der Fachzeitschrift Acquisa.
Frick und Partner: strategisches Markenmanagement
Eine Vielzahl von aktuellen Nachrichten, Studien und Fachbeiträgen zum Thema "Marke" finden Sie in der Zeitschrift Absatzwirtschaft.
Auf der Webseite der Markenberater von Interbrand finden Sie ebenfalls eine Vielzahl von (englisxchsprachigen) Fachbeiträgen zum Download)
Brandchannel ist ein Portal rund um die Marke. Mit Featuren zu verschiedenen Marken, einem Karriereteil, Buchempfehlungen, einem Forum sowie Linklisten zu Diensteistern.
Bücher
Was Marken erfolgreich macht – Neuropsychologie in der Markenführung
Value Brands – Markenwert als zentraler Treiber des Unternehmenswerts
Die Marke – Symbolkraft eines Zeichensystems
[po; Bild: Creativeapril - Fotolia.com]
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