Die Zielgruppe hingegen, die der andere Bildungsanbieter für sich gewinnen möchte, weicht stark davon ab. Hier werden ehrgeizige Fach- und Führungskräfte angesprochen, die sich beruflich weiterentwickeln möchten. Die beiden beispielhaften Zielgruppen liegen sehr weit auseinander. Im milieuspezifischen Bildungsmarketing werden Studien verwendet, mit deren Hilfe die Bevölkerung in so genannte Sinus-Milieus eingeteilt wird: Dahinter verbergen sich Gruppen, die Analogien in ihren Wertvorstellungen, in der finanziellen beziehungsweise beruflichen Situation, ihrer Kommunikationsmuster und insbesondere in der Einstellung einer Weiterbildung gegenüber auszeichnen. Die Sinus-Milieus werden immer wieder aktualisiert und unter anderem von Bildungsanbietern für die zielgruppengerechte Programmplanung und fürs Marketing genutzt.
Von der werblichen Kommunikation des ersten Bildungsanbieters fühlen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Mitglieder des Milieus der „Postmateriellen“ angesprochen. Diese Menschen haben eine hohe Affinität zu Weiterbildungsangeboten, die mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun haben. Sie sind bereit, sich in ihrer Freizeit mit Themen zu befassen, die außerhalb ihres Berufslebens liegen. Sie sind offen für unkonventionelle Themen und Sichtweisen. Einem Luxusambiente stehen diese Teilnehmer genauso kritisch gegenüber wie dem inflationären Einsatz neuester Multimedia-Technologie bei Bildungsveranstaltungen.
Der zweite Bildungsanbieter richtet sich an ein Milieu, das als „Etablierte“ bezeichnet wird. Dieser Personenkreis gehört zur gesellschaftlichen Oberschicht, verfügt über ein hohes Einkommen und stellt einen exklusiven Anspruch an Bildungsveranstaltungen. „Billigangebote“ werden abgelehnt, weil diese auch von Teilnehmern mit anderem gesellschaftlichen Hintergrund besucht werden. Dem Wunsch, nur mit Gleichgesinnten auf Augenhöhe gemeinsam zu lernen, entsprechen die Formulierungen „Bildung für Anspruchsvolle“ und „Seminare, Konferenzen, Kongresse auf Höchstniveau“.