business-wissen.de

Marketing

Zielgruppen durch Content Marketing ansprechen

Das Web 2.0 hat die Mediennutzung und das Informationsverhalten der Menschen nachhaltig verändert. Die emanzipierten Medienbürger lassen sich nicht mehr von reinen Werbebotschaften überzeugen, vielmehr fordern sie relevante, nützliche und unterhaltsame Inhalte. Sowohl für Entscheider als auch für Konsumenten ist das Internet heute die Informationsquelle Nummer eins. Suchmaschinen sind das primäre Rechercheinstrument. Dabei suchen die Nutzer vor allem nach Informationen, die ihre Fragen beantworten oder Lösungen für Probleme liefern. Content Marketing ist das geeignete Instrument, um die Sichtbarkeit in den Suchmaschinen zu verbessern und Interessenten zu erreichen.

Content Marketing ist eine Strategie, um mit den oben erwähnten Inhalten eine bestimmte Zielgruppe auf ein Unternehmen, Produkt oder eine Leistung aufmerksam zu machen. Im Fokus steht dabei nicht das Unternehmen oder eine Marke, sondern das Informationsbedürfnis der Zielgruppe. Relevante Inhalte liefern Antworten auf deren Fragen oder bieten über Hilfestellungen, Tipps und Ratschläge Lösungen für Probleme. Ziel ist, mit vertrauenswürdigen und hilfreichen Informationen das Interesse der Zielgruppe zu wecken. Die wesentlichen Contentformen sind Texte wie zum Beispiel Pressemitteilungen, Fachartikel oder Whitepapers, aber auch multimediale Inhalte, wie Bilder, Videos und Präsentationen. Für die Veröffentlichung eignen sich vor allem die Unternehmenswebsite, Blogs, Presseportale, Artikel- und Themenportale und Social Media Netzwerke.

Beim Content Marketing müssen Unternehmen die richtigen Inhalte, abgestimmt auf die Zielgruppe, erstellen und veröffentlichen. Ebenso sollten die Content-Marketing-Maßnahmen im Vorfeld sorgfältig geplant sein. Die folgenden Ratschläge sollen Unternehmen beziehungsweise Marketing-Verantwortlichen helfen, Content Marketing richtig zu betreiben:

1. Relevanter, nützlicher und unterhaltsamer Content

Qualitativ hochwertige Inhalte sollten relevant, nützlich und unterhaltsam sein. Der Content ist relevant und nützlich, wenn er interessant für Ihre Zielgruppe ist und beispielsweise Lösungsansätze liefert oder Sachverhalte erklärt. Unterhaltsam sind Inhalte, die Aussagen kurzweilig veranschaulichen. Ein Unternehmen aus der Fitnessbranche kann beispielsweise relevante Informationen und nützliche Tipps zur Vermeidung von Stress am Arbeitsplatz durch Entspannungsübungen geben. Videos eignen sich, um diese Informationen darüber hinaus unterhaltsam aufzubereiten.

2. Plakative Werbebotschaften vermeiden

Die Nutzer des Web 2.0 empfinden Werbebotschaften als störend. Frontale Marketingangriffe führen daher selten zum Ziel. Locken Sie Ihre Zielgruppe mit nützlichen Informationen oder stellen Sie Ihr Unternehmen durch Fachtexte und Studien auf Ihrem Fachgebiet vor. Bieten Sie Ihren Interessenten überzeugende Argumente statt plumper Werbeversprechen.

3. Der Zielgruppe zuhören

Die Inhalte und Themen für Ihre Beiträge sollten sich immer an den Interessen ihrer Zielgruppe orientieren. Hören Sie Ihren Kunden und Interessenten zu und finden Sie heraus, mit welchen Fragen und Problemstellungen sich Ihre Zielgruppe beschäftigt. Überlegen Sie, wie Sie diese Fragen beantworten können. Beispielsweise können Kommentare und Diskussionen in den Social Media einen Hinweis auf aktuelle Fragen Ihrer Zielgruppe liefern. Auch Support-Anfragen helfen Themen zu finden, die bei ihren Kunden Fragen aufwerfen. Diese Themen können Sie aufgreifen und in einem Fachbeitrag, Whitepaper oder einem Video-Tutorial erklären.

4. Content-Marketing-Maßnahmen planen

Ein erfolgreiches Content Marketing erfordert eine detaillierte Planung. Bevor die Maßnahmen starten, sollte geklärt sein:

Was soll wann an wen mit welchen Mitteln und über welche Kanäle kommuniziert werden?

Konzentrieren Sie sich auf Ihre Zielgruppe und entscheiden Sie, was Sie ihr vermitteln möchten. Erstellen Sie einen Zeitplan, der sowohl die benötigte Zeit für die Erstellung relevanter Inhalte als auch das Monitoring der Maßnahmen beinhaltet. Zur leichteren Kommunikation sollten Sie zudem einen konkreten Ansprechpartner benennen, der sich um das Projekt kümmert.

5. Die richtigen Worte finden

Keywords spielen für Content-Marketing-Strategien eine wichtige Rolle. Durch solche Schlüsselworte werden Webinhalte gefunden. Binden Sie daher die richtigen Keywords in Ihren Content ein. Nur die Begriffe, nach denen Ihre Zielgruppe sucht, lassen sich in den Suchmaschinen finden. Achten Sie daher auf die Verwendung von Begriffen aus der Alltagssprache Ihrer Zielgruppe.

6. Anwendungen und Tools nutzen

Die Erstellung von relevanten, suchmaschinenoptimierten Inhalten können Sie durch die Verwendung von Keyword-Analyse- und Keyword-Dichte-Tools vereinfachen. Keyword-Analyse-Tools liefern Ihnen eine Übersicht der meistverwendeten Keywords und helfen, die richtigen Keywords für Ihre Texte auszuwählen. Keyword-Dichte-Tools ermitteln die entsprechende Keyword-Dichte in Ihrem fertigen Text. Die Keyword-Dichte-Tools analysieren den prozentualen Anteil der Keywords anhand der Zeichenanzahl.

7. Verschiedene Content-Formate nutzen

Für das Content Marketing stehen verschiedene Content-Formate zur Verfügung. Sie können sowohl Fachbeiträge, Pressemitteilungen und Whitepapers verfassen als auch Präsentationen, Bilder und Videos veröffentlichen. Fachtexte und Whitepapers können Sie in verschiedenen elektronischen Formaten bereitstellen. Die Erstellung eines Videos oder das Abfilmen von Präsentation kann heute relativ einfach und kostengünstig umgesetzt werden. Ihre Videos und Präsentationen können Sie in Video- und Podcasts veröffentlichen.

8. Regelmäßig interessante Beiträge veröffentlichen

Suchmaschinen durchforsten das Internet täglich und indizieren die gefundenen Beiträge in ihren Datenbanken und Suchergebnissen. Suchmaschinen indizieren vor allem Webseiten mit aktuellen Inhalten. Die regelmäßige Veröffentlichung von Content kann die Sichtbarkeit in den Suchmaschinen verbessern.

9. Inhalte mehrfach verwenden

Um neuen Content zu generieren, können Sie auch bereits vorhandene Inhalte neu aufbereiten und in einem anderen Format veröffentlichen. Die Inhalte von Fachbeiträgen und Präsentationen oder die Ergebnisse aus Whitepapers und Studien eignen sich gut als Inhalte für Online-Pressemitteilungen. Ebenso ist es möglich, die Ergebnisse einer Studie als Präsentation und Video aufzubereiten. Durch die Mehrfachverwertung von Inhalten können Sie schneller mehr Content generieren und über die verschiedenen Veröffentlichungsmöglichkeiten weiter verbreiten.

10. Content im Internet verbreiten

Neben Ihrer Unternehmenswebsite und Ihrem Corporate Blog gibt es weitere Portale und Dienste, die sich für die weitreichende Veröffentlichung von Inhalten eignen. Presseportale sind in den Suchmaschinen gut gerankt. Pressemitteilungen, die Sie auf vielen verschiedenen Presseportalen veröffentlichen, sind daher auch in den Suchmaschinen gut zu finden. Über die Suchmaschinen bringen Presseportale die Beiträge direkt zur Zielgruppe.

Auch Business- und Expertenportale können das Content Marketing unterstützen. Die Veröffentlichung von Fachartikeln beziehungsweise Expertenbeiträgen auf diesen Portalen kann Ihre Reputation positiv beeinflussen, denn durch diese Inhalte unterstreichen Sie Ihren Expertenstatus. Social-Media-Netzwerke haben viele Mitglieder und daher eine sehr hohe Reichweite. Veröffentlichen Sie Ihre Inhalte immer auch auf den Facebook-, „Google+“- oder Twitter-Profilen Ihres Unternehmens. Mit relevanten Inhalten gewinnen Sie in den Social Media mehr Fans und Follower, die wiederum zu Kunden werden können.

Über Inhalte Kunden gewinnen

Content Marketing verbindet die zentralen Handwerkszeuge von Marketing, PR und SEO und erfordert eine Verknüpfung der Kompetenzen aus den drei Bereichen. Eine wesentliche Kernkompetenz der PR ist die Entwicklung und redaktionelle Aufbereitung von Inhalten, die das Interesse der Zielgruppe wecken und lösungsorientierte Informationen liefern. Marketing- und SEO-Instrumente wie zum Beispiel der Einsatz von Keywords oder „Deep Links“ – die Verlinkung auf Unterseiten von Webseiten – und auf „Landing Pages“ gestalten die Inhalte zu effektiven Instrumenten der Interessentengenerierung (Leads) und Kundengewinnung.

Über interessante und aktuelle Inhalte, die relevante Informationen vermitteln, werden die Leser an eine Webseite gebunden und schließlich zu Kunden. Nützliche Informationen zeigen Kompetenz, schaffen Vertrauen und können dadurch sowohl die Marken- und Unternehmensbekanntheit als auch das Image verbessern. Presseportale und Social Media bieten viele Möglichkeiten, um Inhalte selbst zu steuern und eine hohe Reichweite im Internet zu erzielen.

So texten Sie Ihre Website selbst ...

Sie wollen Ihre Webseite selber texten? Oder Ihre Internettexte optimieren? Sie wissen aber nicht so recht, wie's geht?

Die Antworten finden Sie in Starke Webtexte [1] , dem praxisorientierten eBook.

Influence Marketing mit Multiplikatoren und Meinungsführern

Influencer sind Menschen, die ein hohes Ansehen genießen, über einen Expertenstatus verfügen oder im Rampenlicht stehen. Aus diesen Gründen kommt ihnen eine Leitfunktion zu, zum Beispiel als Eliten, Autoritäten, Lobbyisten, Mentoren, Unternehmer-Persönlichkeiten, Journalisten, Analysten oder Vordenker und Macher. Wenn Influencer eine Nachricht streuen, dann erzeugt das: 

  1. Reichweite: Sie sind bekannt und kennen die „richtigen“ Leute.
  2. Relevanz: Sie geben nur Passendes an ihr soziales Netz weiter.
  3. Reputation: Sie umgeben sich nur mit dem „Besonderen“.
  4. Resultate: Ihre Fürsprache führt Entscheidungen herbei.

Dazu ist nicht unbedingt ein hoher Status relevant – beispielsweise im lokalen Umfeld – sondern es zählt vielmehr, inwieweit eine Person Nachrichten an eine größere Anzahl von Mitmenschen weiterreichen und dabei meinungsbeeinflussend wirken kann. Ein Großteil des „Influencing“ wird nach wie vor offline passieren, wobei online immer mehr aufholt. Grund: Der hohe Vernetzungsgrad und die rasante Schnelligkeit des Internets machen das digitale „Influencing“ besonders interessant. Als Beeinflusser kommen hier vor allem Foren-Moderatoren, A-Blogger, Mitglieder von Facebook mit vielen echten Freunden und Fans, von Google+ mit umfangreichen Circles sowie von Twitter mit wertigen Followern infrage. Solche Menschen können die öffentliche Meinung stark prägen und Anbietern, die sie schätzen, schnell zum Erfolg verhelfen.

Betrachtet man Influencer genauer, so gibt es grundsätzlich zwei Typen: Multiplikatoren und Meinungsführer.

Beziehungsstarker Multiplikator (Hub)

Die beziehungsstarken Multiplikatoren sind vor allem an Menschen interessiert, kennen viele und mögen Abwechslung. Sie haben Kontakte zu unterschiedlichen Kreisen und können sie alle zusammenführen. Empfehlenswerte Informationen werden sich dank ihrer Hilfe wie ein Lauffeuer verbreiten und gleichzeitig in verschiedenen „Szenen“ Fuß fassen. Multiplikatoren erzielen somit Breite und schnelle „Hypes“.

Die im Internet aktiven Multiplikatoren senden eine Vielfalt von Links, leiten also viele Inhalte weiter, teilen Interessantes, „retweeten“, „liken“ und „plussen“ Meldungen, schreiben Kommentare, geben Bewertungen ab, nehmen an Umfragen teil, laden Videos hoch und voten. Es sind die, die für Mitmach-Aktionen offen sind und bei Einführungskampagnen gerne als Produkttester zur Verfügung stehen.

Sind sie Fan einer Marke, dann verbreiten sie deren News auf allen ihnen zur Verfügung stehenden Kanälen. Sie sind begeisterungsfähig, kreativ, kommunikativ und extrem gut vernetzt. Ihre Motivation: Sie wollen Spaß, auf ihre Weise die Welt mitgestalten und ihrem Netzwerk als Tippgeber dienen. Diejenigen, die dabei virtuos in selbstgemachten Videos auftreten, können es sogar bis zur Internet-Berühmtheit bringen.

Einflussnehmender Meinungsführer (Authority)

Einflussnehmende Meinungsführer sind vor allem an Informationen interessiert. Sie haben Detailwissen auf spezifischen Fachgebieten und beraten andere gern. In ihrem Umfeld werden sie als Experte hoch geschätzt. Sie sorgen für Vertrauen, Komplexitätsreduktion und auch für Zeitersparnis. Man hängt an ihren Lippen und folgt ihren spezifischen Hinweisen nahezu blind.

Meinungsführer erzielen somit „Tiefe“ und können als effiziente Empfehler fungieren. Sie wissen um ihre Macht und sind anspruchsvoll. Sie pflegen ihre Reputation und wollen umworben werden. Für Minderwertiges lassen sie sich nicht vor den Karren spannen. Was von ihnen für gut befunden wird, hat Hand und Fuß, daher ist ihr Einfluss hoch. So können sie ihren Favoriten schnell zum Durchbruch verhelfen.

Auf die im Web aktiven Meinungsführer wird von den unterschiedlichsten Seiten her verlinkt, weil deren Botschaften weiterverbreitet werden. Als Reichweitenführer und Meinungsmacher haben sie sich einen relevanten Platz in ihrer Online-Gemeinde gesichert. Ihr Einfluss ist groß, da sie auch in Medien präsent sind und dort auch oft als Zitatgeber fungieren. Vor allem die sogenannten A-Blogger, deren Einträge von Tausenden täglich gelesen werden, haben in diesem Zusammenhang einen sehr hohen Stellenwert. Mark Pohlmann, geschäftsführender Gesellschafter der Agentur Mavens, schreibt dazu in einem Beitrag:

„Sie sind die Trüffelschweine, die täglich das Beste aus den Weiten des Webs ausgraben und ihren Lesern das Suchen ersparen. Zu jedem Thema gibt es vielleicht ein Dutzend dieser Reichweiten-Aggregatoren. Zu dem Personenkreis zählen häufig Journalisten, Analysten und Investoren. Sie sind leicht zu finden, denn Twitter ist ihr Wohnzimmer und das eigene Blog gehört zu ihrer Grundausstattung.“  

Influencer suchen, finden und gewichten

Influencer-Marketing ist sowohl im B2B- als auch im B2C-Geschäft von wachsender Bedeutung. Entscheidend dabei: die richtigen Leute zu finden, von sich zu überzeugen und dann für sich zu gewinnen. Im Wesentlichen ist das nach wie vor Handarbeit. Spezialisierte Agenturen und passende Internet-Monitoring-Programme können dabei unterstützen. 

Doch wer sind nun die Influencer für ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Zielgruppe? Auf die Liste der relevanten Multiplikatoren und Meinungsführer gehören vor allem diejenigen, die Kontakte oder Kunden haben, an denen Sie interessiert sind, die Ihrer Sache zugeneigt sind, die sich für Sie mächtig ins Zeug legen können und dies auch wollen. Fragen Sie sich dabei:

  • Wer in meinem Umfeld redet gern über sich und Andere?
  • Auf wen in meinem Umfeld hören Andere, weil deren Meinung zählt?
  • Wer ist gut vernetzt und kennt viele Leute?

Passende Influencer finden Sie, indem Sie Ihre eigenen Adressdateien sowie Foren, Fach-Communities, Facebook-Gruppen, Xing und andere relevante Netzwerke durchforsten. Um die Suche zu beschleunigen, lässt sich auch eine Anzeige schalten:

Beispiel:
Die internationale Word-of-Mouth-Marketing-Agentur Buzzer sucht 500 Handwerker, die Lust haben, das Produkt X in ihrem Arbeitsalltag zu testen. Gefragt sind vor allem Schreiner, Messebauer sowie Fachleute aus den Bereichen Küchenbau, Innenausbau und Elektroinstallation. Die ausgewählten Handwerker können das Gerät kostenfrei ausprobieren und geben danach ihr Feedback dazu. Als Tester bewerben unter …

Eine weitere Möglichkeit ist, sich in seiner Umgebung zu erkundigen: Wen kennst Du, der jede Menge Leute kennt und zu der Zielgruppe X gute Kontakte pflegt? Oder: Wen würden Sie in Sachen Y als maßgeblichen Experten am ehesten zu Rate ziehen? 

Für eine dezidierte Online-Recherche erstellen Sie am besten eine Liste mit passenden Schlagwörtern, nach denen Sie dann gezielt suchen. Analysieren Sie dabei die Inhalte der Experten ganz genau. Dazu sagt der Reputationsexperte Klaus Eck:

„Je werblicher diese sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie auf einen Scheinriesen hereingefallen sind. Solche Leute sind keine Multiplikatoren.“

Wurden die passenden Personen gefunden, sollte deren Bedeutung analysiert werden:

Reichweite:
Mit wie viel Personen kann der potenzielle Influencer Kontakt aufnehmen?
Neutralität:
Inwieweit hat er ein glaubwürdiges Interesse am Promoten einer Botschaft?
Frequenzhäufigkeit:
Wie oft hat er die Möglichkeit, andere in ihrer Entscheidung zu beeinflussen?
Expertise:
Wie hoch ist sein fachliches Urteilsvermögen, die entsprechende Sache zu promoten?
Überzeugungskraft:
Wie stark bewirkt sein Zuspruch eine tatsächliche Entscheidung Dritter.
Engagement:
Mit wie viel Herzblut wird er bei der Sache sein?
Finanzierbarkeit:
Wird sein Engagement etwas kosten und wenn ja, wie viel?

Am besten vergeben Sie gewichtete Punkte für die einzelnen Aspekte und überführen danach die näher beleuchteten Individuen in ein Ranking. Untersuchen Sie dabei auch, wen diese Person beeinflusst, ob das Ihre Wunschkontakte sind und von wem diese Person selbst beeinflusst wird. Danach versuchen Sie, so viele Informationen wie möglich über diese Personen und ihre Vorlieben zu finden.

Influencer für sich gewinnen

Nun die entscheidende Frage: Wann und wie sollten die auserwählten Personen am besten angesprochen werden? Hier kommen eine ganze Reihe kritischer Aspekte ins Spiel: Exklusivität, Diskretion, Diplomatie, Kommunikationstalent, Timing und Geduld. Der passende Mix entscheidet darüber, ob Ihr potenzieller Influencer sich geehrt oder ausgenutzt fühlt und ob eine Zusammenarbeit funktioniert oder nicht. Geben Sie daher zu Beginn, statt nur zu nehmen. 

Im nächsten Schritt geht es darum, die Botschaft, und alles, was dazugehört, ansprechend aufzubereiten und zwecks Weiterleitung in passender Weise zu servieren. Dabei muss die Motivation des Influencers auch während der Aktion hoch gehalten werden. Es braucht also Zuspruch, Anerkennung, Dank und Feedback darüber, wie sich die Sache entwickelt.

Was einen Influencer tatsächlich motiviert, ist von Mensch zu Mensch verschieden, hat aber selten ausschließlich mit Geld zu tun. Vor allem geht es um Ansehen, um Hilfsbereitschaft, um Vorteilnahme und andere gute Gefühle. Dabei lässt sich – bei aller Vorsicht vor einer Pauschalisierung – doch ein Trend erkennen: Männer nutzen Influencing nicht selten dazu, Dominanz auszudrücken und ihren Status zu stärken. Frauen hingegen sichern sich über Influencing vor allem soziale Bindungen oder wollen entgegenkommend sein. Auf einen Nenner gebracht: Ganz grundsätzlich geht es darum, „jemand“ zu sein oder etwas beizutragen.

Vermarktung von Services

Ein Serviceangebot sollte zielgerichtet gestaltet und geplant werden; zudem müssen Unternehmen ein professionelles Servicemanagement betreiben, um folgende Vorteile im Wettbewerb zu erzielen: 

  • Um den passenden Service zu bieten, müssen die Kundenanforderungen genau analysiert werden; das Unternehmen lernt mehr über seine Kunden.
  • Es werden kontinuierlich und systematisch neue Serviceangebote entwickelt, mit denen sich das Unternehmen von Wettbewerbern abheben kann.
  • Die Serviceangebote werden so gestaltet, dass sie direkt zu den unternehmerischen Zielen beitragen; im Vordergrund stehen dabei Kundenzufriedenheit, Kundenbindung und mehr Verkäufe.
  • Aus einigen besonderen Serviceangeboten wie Beratung, Finanzierung oder Reparatur lassen sich sogar rentable und eigenständige Geschäftsmodelle mit Wachstumspotenzial entwickeln.

Zunächst geht es um eine grundsätzliche strategische Ausrichtung des Service. Dann müssen die geplanten Maßnahmen realisiert und im Alltagsgeschäft auch umgesetzt werden. Außerdem ist es notwendig deutlich zu machen, dass der Service zum Erfolg des Unternehmens beiträgt. Wichtige Aufgaben, die sich dabei ergeben, sind:

  • Das Unternehmen erkennt, welche Serviceangebote und Dienstleistungen dazu beitragen, den Kunden zu begeistern.
  • Dazu führt es einen regelmäßigen Dialog mit dem Kunden, um dessen Ziele und Prozesse genau zu verstehen.
  • Das Unternehmen entwickelt immer wieder neue Ideen, die zu attraktiven Serviceangeboten führen.
  • Das Serviceangebot sollte so gestaltet sein, dass der Kunde an das Unternehmen gebunden wird oder sogar dafür bezahlt.
  • Um sich mit den eigenen Produkten und den begleitenden Dienstleistungen vom Wettbewerb abzuheben, sollte beides aufeinander abgestimmt und eine schlüssige Servicestrategie entwickelt werden.

Damit der Kunde schlussendlich von den besonderen Serviceangeboten erfährt, müssen diese auch aktiv vermarktet werden.

Nutzen von Services für Kunden und Anbieter

Generell gilt: Services müssen in erster Linie den Nachfragern nützen. Dies ist eine zentrale Voraussetzung für ihre erfolgreiche Vermarktung. Aus Nachfragersicht können mit der Inanspruchnahme – hier am Beispiel industrieller Services demonstriert – folgende Nutzen verbunden sein: 

Kostensenkungspotenzial:
Zum Beispiel geringere Kosten für Instandhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen

Flexibilitätssteigerungspotenzial:
Zum Beispiel durch Miet- oder Ersatzgeräte

Kapazitätssteigerungspotenzial:
Zum Beispiel höhere Verfügbarkeit technischer Anlagen

Risikoreduktionspotenzial:
Zum Beispiel höhere Prozesssicherheit durch qualifizierten technischen Service

Qualitätssteigerungspotenzial:
Zum Beispiel durch leistungsoptimierte Anlagen und ausreichend geschultes Anwender- beziehungsweise Servicepersonal

Aus Anbietersicht eröffnen industrielle Services vor allem folgende Nutzenpotenziale:

Umsatz- und Ertragspotenzial:
Die erfolgreiche Vermarktung von Serviceleistungen bietet für Industriegüterhersteller eine Chance, zusätzliche Umsätze und höhere Margen zu erzielen.

Differenzierungspotenzial:
Insbesondere in wettbewerbsintensiven Märkten können Serviceleistungen eine Möglichkeit bieten, sich gegenüber Wettbewerbsangeboten zu differenzieren.

Kundenbindungspotenzial:
Industrielle Serviceleistungen können wesentlich zu einer hohen Kundenzufriedenheit beitragen, weil sie die Kunden in der für sie wichtigsten Phase – der Nutzung der erworbenen Maschinen und Anlagen – unterstützen, ihre mit der Investition verbundenen Erwartungen zu erfüllen.

Imagepotenzial:
Im Idealfall geben zufriedene Kunden ihre positiven Erfahrungen mit den Serviceleistungen eines Anbieters in Form von Mund-zu-Mund-Propaganda weiter und tragen so zu einem positiven Unternehmensimage bei.

Informationspotenzial:
Industriegüterhersteller können über den mit dem Erbringen der Serviceleistungen verbundenen Kontakt mit Anwendern wichtige Informationen über die Kunden und ihre Bedürfnisse, den Markt und dessen Entwicklung sowie über die Wettbewerber und deren Produkte gewinnen.

Über den Gesamtumsatz sowie den Ertrag, den die Investitionsgüterindustrie mit industriellen Services im deutschsprachigen Raum erzielt, gibt es kaum statistisches Material. In den zurückliegenden Jahren wurden von Branchenverbänden und Beratungsunternehmen jedoch einige Untersuchungen zur Bedeutung von produktbegleitenden Services publiziert. So ermittelte etwa der Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) 2008 in einer Umfrage, dass im Jahr 2007 der Umsatzanteil produktbegleitender Dienstleistungen im Maschinen- und Anlagenbau bei 18,7 Prozent lag. Die durchschnittlichen Erträge aus Serviceumsätzen erreichten dabei einen Wert von 42,5 Prozent und gehörten zu den attraktivsten Ertragsquellen der Unternehmen.

Für Dienstleister lohnt es sich mehr denn je, in ihre Marken zu investieren. Gerade bei Finanzdienstleistungen, aber auch bei Serviceanbietern wie beispielsweise Autowerkstätten beeinflussen Marken zunehmend die Entscheidungen der Verbraucher. Es zeigt sich: Für Dienstleistungen hat die Relevanz der Marken in den letzten Jahren zum Teil erheblich zugenommen. Betrachtet man die zehn Kategorien mit der signifikantesten Veränderung, ist die Relevanz der Dienstleistungsmarken am meisten gestiegen.

Die Konsumenten scheinen dem explosionsartig wachsenden Angebot an Dienstleistungen zu begegnen, indem sie sich auf Marken fokussieren. Marken dienen als Anker des Vertrauens und erleichtern die Orientierung. Für Dienstleister wird eine starke Marke also ein Muss. Und sie bietet auch in Zukunft wachsendes Potenzial. Allerdings ist das Wissen in Unternehmen über die Relevanz von Marken in ihren Branchen und Segmenten erfolgsentscheidend. Dabei zahlt sich eine differenzierte Betrachtung aus.

Serviceanbieter sollten auf alle Fälle prüfen, wo Marken sich nur wenig oder gar nicht auf das Verhalten der Konsumenten auswirken, ob möglicherweise andere Marketinginstrumente eine erheblich größere Wirkung erzielen wie etwa differenzierte Preiskonzepte oder der Ausbau von Vertriebskapazitäten und -fähigkeiten. Andererseits kann es auch hier eine reale Chance geben, die Markenrelevanz gezielt zu steigern – insbesondere wenn Unternehmen mit attraktiven Serviceinnovationen und überzeugenden Markenkonzepten auftreten, die den Kunden einen echten Mehrwert bieten.

Erfolgsfaktoren der Servicegestaltung

Ein Kunde entscheidet sich nur dann für ein Angebot, wenn es ihm einen Wertgewinn verspricht. Er „übersetzt“ also – nach subjektivem Empfinden – Nutzen aus dem Servicewert und Wert aus Image in äquivalente Geldeinheiten und stellt diese Wertsumme der Kostensumme aus monetären Kosten, Kosten für Zeit, Energie und psychischen Aufwand gegenüber. 

Obwohl eine solche Angebotsbewertung einen rationalen Prozess abbildet, wird diese in Einzelfällen oft durch verschiedene Beschränkungen beeinflusst, wie beispielsweise Budgetrestriktionen, die Präferenz kurzfristiger Optimierung oder persönliche Beziehungen zu Wettbewerbern. Letztlich erfolgt die Gesamtbewertung auf mehreren Beziehungsebenen:

  • der Ebene des Individuums in seinem Lebenszusammenhang und der damit zusammenhängenden unmittelbaren Funktionserfüllung
  • der Ebene des „Community-Kontextes“ unter Einbeziehung weiterer, gruppenbezogene Faktoren
  • der Ebene des gesellschaftlichen Kontextes, in den das Individuum eingebettet ist

Dennoch lassen sich aus standardisierten Angebotsbewertungen durch Kunden wichtige Erkenntnisse für eine nutzenorientierte Servicegestaltung gewinnen:

  1. Der Anbieter kann mittels Schätzung der Wert- und Kostensumme des Kunden Servicekomponenten und Konditionen gestalten.
  2. Ein Vergleich mit dem Wert und der Kostensumme der Wettbewerbsangebote beziehungsweise vergleichbaren Einzelkomponenten im Markt ermöglicht die Einordnung des eigenen Angebots.
  3. Ist der Wertgewinn zu gering, zeigt sich, an welchen Stellhebeln der Wert- oder Kostensumme anzusetzen ist.

Die Rolle positiver Empfehlungen

Empfehlungen beziehen sich auf Informationen und Erfahrungen, die in Bezug auf einen Anbieter beziehungsweise dessen Leistungsangebot durch Kommunikation von bestehenden Kunden mit anderen Konsumenten verbreitet werden. Dabei stehen kommerzielle Interessen in der Regel nicht im Vordergrund. Im Rahmen dieser Mund-zu-Mund-Kommunikation geben zufriedene und loyale Kunden Weiterempfehlungen ab, durch die neue Kunden gewonnen beziehungsweise die Abwanderung bestehender verhindert werden. 

Insbesondere bei Leistungen, die ein hohes Maß an Vertrauens- und Erfahrungseigenschaften aufweisen und bei denen eine Qualitätsbeurteilung durch den Kunden nur mit großer Unsicherheit und – wenn überhaupt – erst nach der Inanspruchnahme der Leistung möglich ist, ist die Kaufentscheidung mit einem großen Risiko verbunden. In diesem Zusammenhang werden Referenzen aufgrund ihrer privaten Eigenschaft als besonders vertrauenswürdig und somit besonders relevant für die Kaufabsicht angesehen.

Empirische Ergebnisse belegen den starken positiven Einfluss von Mund-zu-Mund-Kommunikation auf die Kundenakquisition und somit das Wachstum des Kundenstamms. So ist es offensichtlich, dass auf privaten Empfehlungen beruhende Kaufentscheidungen zu höherer Zufriedenheit mit der Kaufentscheidung führen, da die Rechtfertigung des Kaufs und das Vertrauen in ein gutes Entscheidungsergebnis verbessert und das erwartete Bedauern nach der Entscheidung vermindert werden.

Dadurch wird die Intensität und Frequenz zukünftiger Wiederkäufe gesteigert und die Preissensibilität reduziert. Durch Referenzen gewonnene Kunden nehmen schneller zusätzliche und höherwertige Leistungen des Anbieters in Anspruch (Cross- und Up-Buying) als andere Kunden und weisen eine längere Kundenbeziehungsdauer auf. Im Übrigen geben Kunden, die selbst Referenzen empfangen haben, später auch mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst Referenzen weiter.

Hinweis

Vom Autor ist auch das Buch Service erfolgreich machen - Warum ein strategisches Marketing im Service so entscheidend ist [2] erschienen.

Marketing auf Messen über Facebook und Co.

Noch nie wurden Kommunikation und der Austausch von Inhalten im B2B-Bereich in so kurzer Zeit betrieben. Heute „spricht“ man über Produkte, Dienstleistungen und Unternehmen im Internet. Konsumenten, Kunden und Geschäftspartner schreiben Bewertungen und Meinungen online und teilen sich innerhalb von Sekunden Millionen von Menschen mit. Während Messen und Messegesellschaften ihr Image im Internet mit gezielten Online-Maßnahmen bisher fast ausschließlich selbst bestimmen konnten, entscheiden heute die Nutzer der sozialen Medien über die Qualität von Angeboten und Services. Damit nehmen sie zunehmend Einfluss auf das Image der Messemacher. 

An diesem Punkt setzen Social-Media-Marketing-Kampagnen an: Veranstalter und Aussteller sollen Teil der Diskussion werden und so das Ruder um die Meinungsbilder wieder selbst in die Hand nehmen können. Neben der Meinungsbildung steht auch die Suchmaschinen-Optimierung im Zentrum gezielter Online-Marketing-Maßnahmen. Wer in den neuen Kanälen wie Communities, Blogs, Microblogs, Twitter oder YouTube aktiv ist, steigert seine Sichtbarkeit.

Die Medien- und Marketing-Landschaft befindet ist also im Wandel begriffen. Dominierten bis vor wenigen Jahren noch Printprodukte wie Anzeigen, Broschüren und Flyer sowie Direktmarketingmaßnahmen, werden heute viele Marketingaktivitäten über das Internet und zunehmend über die Social Media und Social-Networking-Portale realisiert.

Nur wenige Messen sind im Social Web aktiv

Social-Media-Anwendungen finden sich auf den Internetseiten der Messen noch selten. Zwar arbeiten einzelne Messeveranstalter bereits sehr intensiv in und mit Social-Media-Kanälen, doch die Masse agiert zurückhaltend. Vor allem die Messegesellschaften selbst scheinen am digitalen Trend vorbei zu leben. Dabei ist gerade Social Media ein Marketinginstrument, mit dem mit Ausstellern und Besuchern weltweit das ganze Jahr über kommuniziert werden kann. Interne Strukturen, die Angst vor negativem Feedback oder einfach nur Beharrungstendenzen erschweren die Einführung entsprechender Social-Media-Strategien. Vor den Marketingabteilungen der Messegesellschaften liegt also noch viel Pionierarbeit.

So muss die Messe das jeweilige Massenpublikum immer wieder und in kürzester Zeit mobilisieren. Umso erstaunlicher ist es aber, dass viele Messen und Messegesellschaften Social Media vernachlässigen, könnten sie damit doch ohne großen Aufwand weltweit mit ihren Zielgruppen kommunizieren – ununterbrochen, und nicht nur punktuell und alle paar Jahre. Ein kurzer Blick auf die Internetseiten der wichtigsten Messegesellschaften in Deutschland gibt den aktuellen Stand der Social-Media-Integration wieder:

  • Messe München: nicht integriert
  • Messe Frankfurt: nicht integriert
  • NürnbergMesse: nicht integriert
  • Hamburg Messe: nicht integriert
  • Deutsche Messe AG: nicht integriert
  • Messe Berlin: nicht integriert

Obwohl bei der Messe Frankfurt Social-Media-Kanäle zum Teil sogar international vorhanden sind und bespielt werden, fehlt die Integration: keine Brücken, mittels derer die äußerst informativen Inhalte via Social Media transportiert werden könnten. Integrativ agieren in der Kommunikation indes die folgenden Messebetreiber:

  • Messe Stuttgart: in allen wesentlichen Netzen vertreten
  • Koelnmesse: Twitter
  • Messe Düsseldorf: Twitter, Facebook

Aber auch die „sozial“ aktiven Messegesellschaften lassen ihre Social-Media-Aktivitäten quasi parallel zur klassischen Kommunikation laufen, eine wirkliche Integration mit der Website oder gar mit einem Blog findet nicht statt. Das bedeutet: Es gelingt ihnen nicht ausreichend, ihre Follower beziehungsweise Fans auf ihre Messeseiten zu leiten. Zudem gibt es keine Möglichkeit, womit User die Webseiteninhalte teilen könnten. Kurzum: Es gibt kein wirklich integriert aufgestelltes Online-Kommunikations-Konzept. 

Aus Messen werden Medien-Events

Messen genießen bei den Herstellern nach wie vor einen hohen Stellenwert. Das belegen aktuelle Untersuchungen. Entsprechend wollen deutsche Aussteller ihre Messe-Etats stabil halten, und das aus gutem Grund: Gerade erklärungsbedürftige Produkte wollen kompetent vorgestellt und Designprodukte entsprechend inszeniert werden. Messen können durch das Internet nicht ersetzt werden, denn die Bündelung des Angebots sorgt für eine Marktübersicht und Vergleichsmöglichkeiten, die Kunden begreifen, fühlen und tasten können.

Doch das Internet und insbesondere Social Media können Messen gut ergänzen und in der Kommunikationsstrategie als flankierende Maßnahme zum Erfolg führen. So ist das Social Web beispielsweise für Networking und Matching ein ideales Medium. Hinzu kommt die tagesaktuelle Berichterstattung durch die entsprechenden Kanäle – vom TV-Beitrag bis zum Twitter-Kanal. Messen werden somit zunehmend zu Medien-Events, die Ausstellern einen medialen Mehrwert bieten:

  • Social Media verbindet alle Messebeteiligten
  • Social Media schafft neue Kontakte in den Bereichen PR, Marketing und Vertrieb
  • Social Media stärkt die eigene Markenpräsenz
  • Social Media ist die Basis für Konversationen, Feedback und einen vollkommen neuen Dialog („Conversational Marketing“)

Gerade international ausgerichtete Messen profitieren von diesen Faktoren, denn gerade hierzulande sind Messen mit ausländischem Ausstelleranteil von 60 Prozent keine Seltenheit. Und weil der Messeplatz Deutschland weltweit die Nummer Eins in der Durchführung internationaler Messen ist, bietet das Web 2.0 sehr gut geeignete Kanäle für die internationale Kommunikation. Messen führen das zusammen, was zusammengehört: Produkt und Interessent, Hersteller und Handel, Designer und Journalist oder Blogger. Im Ergebnis ist die Schnittmenge zwischen Messen und Social Media groß. Der soziale, partizipative Charakter liegt beiden zugrunde und ergänzt sich ideal.

Dies gelingt auch, wenn Messen mit Social-Media-Events verbunden und so durch „User Generated Content” noch spannender gemacht werden. So werden sie in Zukunft noch mehr zu Plattformen, die als Medienmarken fungieren und die dazu dienen, Menschen zusammenzubringen – online und offline. Beispielmöglichkeiten: BarCamps, Fotos in Flickr-Gruppen oder mobile Facebook-Uploads und Tweets. Messen werden so nicht nur zu Gesprächsanlässen, sondern auch zu Anlässen, um sich zu treffen.

Vor allem junge Menschen können so plötzlich zu Messefans werden, eine Zielgruppe, die von manchem schon als verloren geglaubt wurde. Sie zu begeistern und mit Social-Media-Events im Vorfeld anzusprechen, ist eine Kernaufgabe, die in der Formulierung einer Social-Media-Roadmap resultieren sollte. Dabei rücken insbesondere auch B2B-Zielgruppen in den Fokus.

Messe als „Community“

Hier nimmt die Akzeptanz von Social-Media-Kanälen mit einem immer jünger werdenden Management ständig zu. Auch der „Long Tail“ ist ein spannendes Betätigungsfeld für Messen, die auch hier Aktivitäten bündeln und im Idealfall in einer Branchen-Community effizient abbilden können, denn Messebesucher bilden aufgrund des gemeinsamen Branchen- oder Sachinteresses eine Community. Messen erkennen dies zunehmend und machen hier bereits Erfahrungen in einer vollkommen neuen Form des Community-Managements. In der Beratungspraxis zeigt sich bereits heute, wie signifikant das Feedback auf die Social-Media-Aktivitäten ist. Social Media sorgt so für eine erhöhte Attraktivität eines Messeangebots und einen Differenzierungsvorteil im Wettbewerb.

Eine der großen Herausforderungen im B2B-Marketing auf Messen: Der eigene Stand muss von der Zielgruppe auch wahrgenommen beziehungsweise besucht werden und darf nicht in der Masse untergehen. Danach geht es darum, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. Neben zuvor verschickten Einladungen und einem attraktiven Stand mit kompetenten Mitarbeitern kann auch der Einsatz von Social Media helfen, diese Herausforderungen zu meistern.

Von Vorteil dabei ist die zunehmende Verbreitung von internetfähigen Smartphones. Vor allem Facebook und Twitter werden immer mehr mobil genutzt, hinzu kommen reine „Location Based Services“ wie etwa Foursquare. Somit lässt sich über Social Media sowohl ortsbezogen – also für alle, die bereits auf der Messe sind – als auch in Richtung potenzieller Messebesucher kommunizieren. Dazu im Folgenden einige Ideen:

Ortsbezogenes B2B-Marketing

An einem Ort „einzuchecken” ist seit der Einführung der entsprechenden Facebook-Funktion auch in Deutschland unter mobilen Social-Media-Nutzern gang und gäbe geworden. Dieser Trend lässt sich auch auf dem eigenen Messestand im B2B-Marketing nutzen. So werden Firmenvertreter etwa auf Standbesucher aufmerksam, die sich vielleicht nur umgesehen haben, ohne in direkten Kontakt getreten zu sein. Diese können nun gezielt digital noch einmal angesprochen, um ihr Feedback gebeten oder explizit eingeladen werden.

Zudem lassen sich über die Eincheckfunktion Benefits einbauen, wie etwa eine exklusive Einladung zur Standparty für alle Besucher, die am Stand einchecken. So wird der Kontakt unmittelbar vom Virtuellen ins Reale überführt. Diese Extras müssen natürlich auch nach außen kommuniziert werden. Hier bieten sich die üblichen PR-Maßnahmen wie Pressemitteilungen, eine Meldung auf der Website oder in den nicht ortsbezogenen Social-Media-Präsenzen an.

B2B-Marketing mit Twitter

Wer seine Messeinformationen auch an potenzielle Interessenten weitergeben möchte, wenn sie sich gerade (noch) nicht auf der Messe oder am eigenen Stand befinden, kann dafür zum Beispiel Twitter einsetzen – und zwar mit einem eigens dafür angelegten Profil. Dieses muss natürlich bereits im Vorhinein online und auf dem Stand selbst beworben werden, um von Anfang an Follower zu haben.

Über den „Messe-Account“ lassen sich dann aktuelle News, Termine, Sonderaktionen oder die besten Bilder von der Standparty unkompliziert verbreiten und so noch zögernden potenziellen Standbesuchern gute Argumente liefern, um noch vorbeizuschauen. Wer auch bei Nicht-Messe-Besuchern Interesse gewinnen und halten will, der sollte allerdings auch Informationen liefern, die über die Messe hinaus einen Mehrwert bieten.

Durch soziale Medien erfährt die Kommunikation zwischen Messen und deren Kunden eine neue Qualität. Individuelle und persönliche Dialoge mit einzelnen Messezielgruppen sind damit genauso möglich wie die schnelle und breite Ansprache eines neuen, potenziellen Messepublikums. Die Einbindung von Fotos, Slides, Videos oder Podcasts vermittelt zudem eine neue Nähe zum Messeangebot und erweitert gleichzeitig das Spektrum in der begleitenden Informationsversorgung.

Letztlich stellen Communities, Chats und Blogs gleichsam den direkten Kontakt zum Messekunden her, sorgen für Austausch und Interaktion und bilden damit eine wichtige Voraussetzung für das zukünftige Ziel, Messen als Plattformen zu etablieren, die Menschen zusammenbringen.

 

 

 

Marketing als Herausforderung für Unternehmen

Marken, Kundenverhalten und soziale Medien betreffen nicht nur die Marketingabteilungen, sondern sind Kernbestandteile des Geschäfts, über die auch in der Chefetage mehr und mehr diskutiert wird. In diesem Zusammenhang geht es um fünf Bereiche:

1. Kundenorientierung

Obwohl dieses Thema nicht neu ist, gehört es weiterhin zu den Prioritäten. Dies wird auch so bleiben, denn es ist bekanntermaßen nicht einfach, eine kundenorientierte Unternehmenskultur aufzubauen. „Ich liebe meine Kunden“ ist leichter gesagt als getan. Eine intelligente Marketingstrategie reicht nicht, um sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Entscheidend ist vielmehr die Umsetzung, und diese ist für viele Unternehmen noch immer eine Herausforderung.

Kundenorientierung bedeutet auch, die „richtigen” Produkte oder Dienstleistungen anzubieten. Steve Jobs hat nie eine E-Mail von Kunden bekommen, die ihn darin aufforderten, iPhones oder iPads zu entwickeln. Trotzdem fragen sich nur wenige Unternehmensführer, was ihren Kunden Kopfzerbrechen bereitet. Gerade das jedoch ist ein guter Ausgangspunkt: Wer ein Produkt oder eine Dienstleistung entwickelt, um Kunden damit ein Problem abzunehmen, ist auf dem richtigen Weg.

Was noch wichtig ist: Die meisten Unternehmen sind noch nach Produkten und nicht nach Kundensegmenten organisiert. Großunternehmen wie Nestlé versuchen dies zu ändern, doch der Weg ist noch weit. Letztendlich bedeutet kundenorientiertes Arbeiten auch, ein Unternehmensklima zu schaffen, das für alle Mitarbeitenden Anreize setzt, Kunden einen Mehrwert zu verschaffen – nicht nur finanzieller Art!

2. Polarisierung der Märkte

Seit Beginn der Wirtschaftskrise hat sich das Kundenverhalten auf den Märkten der Industriestaaten verstärkt polarisiert. Das Absatzvolumen im obersten und untersten Preissegment wächst, während die mittleren Segmente stetig an Boden verlieren. Anders gesagt: Unternehmen aus den westlichen Ländern und Japan stellen fest, dass ihre Kunden entweder das Beste oder das Billigste kaufen.

Ein gutes Beispiel dafür sind Espresso- beziehungsweise Kaffeemaschinen: Vor einigen Jahren lagen hier die Preise zwischen 100 Euro und 800 Euro. Heute variiert der Preis zwischen 50 Euro und weiter über 1.000 Euro. Und die Verkaufszahlen steigen, insbesondere im unteren und oberen Preissegment. Ähnlich ist die Situation bei Autos, Bier, Eiscreme oder Dessous. Die US-amerikanische Modemarke „Victoria‘s Secret“ zum Beispiel boomt, während gleichzeitig billige Importprodukte aus Indien und China den Markt überschwemmen und Marken des mittleren Preissegments Einbußen verzeichnen. Das Wertangebot von Produkten der mittleren Preisklasse wird also immer weniger attraktiv, da ihre Qualität kein Differenzierungsmerkmal mehr ist. Kunden sind mit „ausreichender“ Qualität zu attraktiven Preisen zufrieden.

3. Markenbildung und Innovation

In einer Welt, in der jede chinesische Fabrik ein ISO-Zertifikat besitzt, wird die Marke zum ultimativen Unterscheidungsmerkmal. Marken bestehen aus einer Reihe von Elementen, doch im Zentrum der Markenstrategie steht die Innovation. Sie ist die Lebensader einer erfolgreichen Marke. Ohne sie kann eine Marke schnell „veraltet“ wirken und von der Konkurrenz überholt werden.

Die Marke trägt auch entscheidend zur Kundentreue bei. In den 1990er Jahren war jeder Marketingleiter darauf erpicht, die Kundenzufriedenheit zu messen, doch mit der Zeit stellte man fest, dass dieser Indikator nicht ausreicht. Deshalb verwenden immer mehr Unternehmen „Net Promoter Score“ beziehungsweise Promotorenüberhang.

Stichwort

Der so genannte Net Promoter Score oder Promotorenüberhang ist ein Index, der hoch mit dem Unternehmenserfolg (in bestimmten Branchen) korreliert ist. Die Methode wurde vom US-amerikanischen Unternehmen Satmetrix Systems Inc., der Beratungsfirma Bain & Company sowie vom US-amerikanischen Wirtschaftsautor und Wirtschaftsstrategen Frederick F. Reichheld entwickelt.

Es mag sein, dass jemand seine Automarke über alles liebt, doch die entscheidende Frage ist, ob er sie auch jemand anderem empfehlen würde. Die Bereitschaft, eine Marke weiterzuempfehlen, ist ein starker Indikator für die eigene Absicht, wieder die gleiche Marke zu kaufen und die beste Möglichkeit, die Treue von Kunden gegenüber einer Marke zu messen.

Da es langfristig schwierig ist, allein durch Preise wettbewerbsfähig zu bleiben, gehören zu einer starken Marke auch immer möglichst viele Emotionen. Ohne Emotionen ist ein Produkt nur ein Produkt! Je mehr Emotionen ein Produkt weckt, desto größer ist der Kultstatus seiner Marke.

4. Die neuen Global Player

Der wirtschaftliche Schwerpunkt der Welt verlagert sich von den Industriestaaten zu den Schwellenmärkten. In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden immer mehr globale Marken aus aufstrebenden Volkswirtschaften stammen. Beispiel China: Wird der Elektronikhersteller Aigo das nächste Samsung, der Autohersteller Geely das nächste Toyota und der Sportartikelhersteller Lining das nächste Adidas oder Nike? Beispiel Südamerika: Wird die aufstrebende argentinische Marke „La Martina“ das nächste Ralph Lauren, der Schuhproduzent Havaianas in Brasilien das nächste Crocs und das Freizeitunternehmen Kidzania in Mexiko das nächste Disney?

Marken aus Schwellenmärkten müssen etwas bieten können, das Marken aus Industriestaaten nicht bieten. Dies ist eine beträchtliche Herausforderung, doch sie wird, wie es die Beispiele zeigen, bereits vielerorts gemeistert. Aufstrebende Marken werden nicht nur im mittleren Preissegment, sondern auch im Premium-Bereich zur Konkurrenz für etablierte Rivalen und liefern ein sehr zielgerichtetes Wertangebot. Besonders wettbewerbsfähig sind sie in Bereichen wie Technologie und Mode, wo ein Trend den nächsten jagt und Kunden ständig nach neuen Produkten und Dienstleistungen suchen.

5. Soziale Medien und digitale Kunden

Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten damit, soziale Medien zu verstehen und zu nutzen. Sogar große und bekannte Vertreiber schnelldrehender Produkte (Fast Moving Consumer Products) verstehen nicht genau, wie diese Netzwerke funktionieren. Das ist teilweise dadurch bedingt, dass viele Marketingleiter über 50 Jahre alt sind, während soziale Medien hauptsächlich von Teenagern genutzt werden. Außerdem kann man die Verwendung sozialer Medien nicht aus Büchern lernen, da diese bei ihrer Veröffentlichung schon wieder veraltet sind.

Was können Unternehmen also tun? Erstens sollten sie beginnen, soziale Medien zu nutzen und die Nutzer dieser Medien zu verstehen. Sie sind die Kunden und Konsumenten von morgen. Zweitens sollten sie jüngeren Personen das Marketing über soziale Medien in die Hand geben und ihnen vertrauen, auch wenn dies anfangs schwierig sein mag. Drittens sollten sie nicht vergessen, dass auch viele ältere Kunden zum Beispiel Facebook oder Skype verwenden, um mit ihren Kindern und Enkeln in Kontakt zu bleiben.

Eine ähnliche Herausforderung besteht darin, digitale Kunden über die immer weiter verbreiteten mobilen Anwendungen effizient zu erreichen. Die so genannte „Erweiterte Realität“ (Augmented Reality) bietet immer neue Möglichkeiten: Beispielsweise können Kunden Zugang zu einem Werbeclip erhalten, wenn sie auf ihrem Smartphone eine Anwendung installieren, mit der sie einen Code auf einem Werbeplakat lesen können.

Fazit: Unternehmen, die diese fünf Bereiche meistern können, werden sich künftig einen deutlichen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Kunden ehrlich und mit Interesse binden

Die meisten Kunden reagieren verärgert, wenn sie unaufgefordert mit sogenannten Kundenbindungsinstrumenten bombadiert werden. Vor allem passiert das, wenn sie mit dem Kernprodukt des Unternehmens unzufrieden sind und lieber eine ordentliche Leistung an sich wünschen. Doch diesen Zusammenhang bedenken viele Unternehmen nicht. Stattdessen überschütten sie ihre Kunden heute mit Infolettern, Kundenmagazinen oder Bonus-Karten, so wie sie es früher mit Prospekten taten. Diese Marketinginstrumente setzen sie ein, um mit den Kunden Kontakt zu halten und diese an sich zu binden, ohne jedoch vorab deren Bedürfnisse eruiert zu haben. Überrascht müssen sie dann zuweilen feststellen, dass ihre besagten „Serviceleistungen“ mehr Verärgerung als Freude erzeugen. Beim Kunden entsteht nämlich das Gefühl: Die nehmen mich und meine Bedürfnisse nicht ernst! 

Der Grund für diese Kundenbindungsaktionen liegt in der Schließung von vielen (Service-) Niederlassungen in den vergangenen Jahren. Außerdem reduzierten Unternehmen die Zahl ihrer Servicemitarbeiter und richteten stattdessen telefonische und elektronische Hotlines ein oder ersetzten Menschen durch Automaten. Dadurch gingen persönliche Kontaktpunkte verloren. An dieser Stelle müssen sich die Unternehmen fragen:

  • An welchen Stellen bauen wir jetzt eine (persönliche) Beziehung zu unseren Kunden auf?
  • Wo hat der Kunde persönliche Anlaufpunkte, um den vom Marketing proklamierten Service auch zu erfahren?

Kernfrage: Ist der Kunde mit dem Kernprodukt zufrieden?

Altkunden haben durch die Reduzierung dieser Kontaktpunkte vielfach den Eindruck, das Unternehmen interessiere sich nicht mehr für sie. Früher konnten sie sich mit einem Problem an eine Serviceniederlassung und einen persönlichen Ansprechpartner wenden. Heute hingegen telefonieren sie nur noch mit einem anonymen Call-Center. Besser betreut fühlen die Kunden sich dadurch nicht, weshalb sie auch schneller den Anbieter wechseln. Oder anders formuliert: Die Kundenbindung lässt nach. 

Trotzdem haben viele Unternehmen immer noch nicht ausreichend reflektiert, unter welchen Voraussetzungen Kunden eine persönliche und emotionale Nähe zu einem Unternehmen aufbauen. Der Kunde muss mit dem, was aus seiner Sicht das Kernprodukt beziehungsweise die Kernleistung des Unternehmens ist, zufrieden sein. Also sollten sich Unternehmen, bevor sie Kunden mit Kundenbindungsinstrumenten überhäufen, fragen: Ist der Kunde mit unserem Kernprodukt zufrieden und bekommt er tatsächlich den Service, den er erwartet? Dies lässt sich unter anderem im persönlichen Gespräch oder per Telefon erfragen.

Erst wenn das Kernprodukt stimmt, kann über weitere Maßnahmen zur Kundenbeziehung nachgedacht werden. Dabei gilt wie beim Networking auch: Eine Hand wäscht die andere. Ich darf nicht mehr fordern, als ich selbst bereit bin zu geben. Das Unternehmen muss den ersten Schritt tun und in die Kundenbeziehung investieren – beispielsweise um zu erfahren, welchen Mehrwert es dem Kunden über das Kernprodukt hinaus bieten kann. Das heißt es muss zunächst herausfinden, was den Kunden bewegt und welche Themen ihn interessieren. Erst dann ist es möglich, ihn gezielt und individuell anzusprechen.

Generell gilt: Standardisierte Kontaktmaßnahmen wie Massenmailings können den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. „Make yourself available“ lautet die Maxime bei der Kundenbindung. Die Kunden müssen also einen persönlichen Ansprechpartner haben und der muss sich auch zeigen. So nützt zum Beispiel die beste Kundenveranstaltung nichts, wenn die Berater nicht vor Ort sind und zum Kunden bereits eine persönliche Beziehung aufgebaut haben. „Make yourself available“ bedeutet erreichbar zu sein, Augen und Ohren offen zu halten und zu erkennen, was den Kunden gerade umtreibt und an welcher Stelle ihm das Unternehmen beziehungsweise sein Repräsentant einen Mehrwert bieten kann.

Das Dilemma: Viele Unternehmen fahren seit Jahren eine Kostenführerstrategie, um den Kunden in finanzieller Hinsicht die besten Konditionen zu bieten. Entsprechend ausgedünnt ist ihr Netz an Servicestellen sowie ihre Personaldecke in den kundennahen Bereichen. Die Kernfrage für diese Unternehmen muss deshalb lauten:

Wie können wir dafür sorgen, dass wir genügend Mitarbeiter für die Kontakt- und Beziehungspflege haben, ohne dass uns die Kosten aus dem Ruder laufen?

Diesen Spagat gilt es zu meistern, wenn Kunden emotional an das Unternehmen gebunden werden sollen. Dialogmarketingexperten raten dann oft zum Versand regelmäßiger Newsletter oder Kundenmagazine. Diese Marketinginstrumente würden zahlreiche Dialogmöglichkeiten bieten, etwa direkte Response-Elemente wie Fax-Antworten, Tip-On-Cards, Bestell-Coupons oder Einladungen. Durch Leserbriefe, eine Kunden-Börse, Kundenportraits, Produkttests oder Artikelserien würden zudem regelmäßig Kontakt- und Dialoganlässe geschaffen. Doch dabei handelt es sich lediglich um unpersönliche Dialogmöglichkeiten, die den Mangel an persönlicher Betreuung und Beratung nicht ausgleichen.

Kunden sind Menschen und keine „Cashcows“!

Kunden sind Menschen, also wollen sie als Person wahrgenommen und auch ernst genommen werden. Theodore Roosevelt sagte einmal: 

„People don’t care how much you know until they know how much you care.”

Dieses Zitat drückt aus, welche Einstellung ein Unternehmen, aber auch ein Verkäufer braucht, um ein gutes Beziehungsmanagement zu betreiben. Erst der Mensch, dann das Thema! Kunden haben ein feines Gespür dafür, ob Verkäufer ein echtes Interesse für sie haben oder nur Interesse heucheln, um einen Abschluss zu erzielen. Doch nichts bindet Kunden stärker als persönlicher Kontakt und das Gefühl, mit seinen Bedürfnissen wahrgenommen und ernst genommen zu werden. Oder anders formuliert: Kunden honorieren Ehrlichkeit. Sie spüren genau, welches Unternehmen sich ernsthaft bemüht, ihnen einen Nutzen zu bieten und seine Versprechen einzuhalten, und welches versucht, sie mit Kundenbindungsinstrumenten abzuspeisen. Marketing- oder Vertriebsverantwortliche sollten deshalb überlegen:

Welche Kundenbindungsinstrumente sind für unsere Kunden glaubhaft?

Beispiel:
Der Serviceleiter eines Autohändlers schickt einem jahrelangen Kunden zum Geburtstag eine Glückwunschkarte.

Eine solche Aktion erzeugt Glaubwürdigkeit. Verschickt hingegen die Konzernzentrale des Autoherstellers eine von einem Schreibautomaten unterschriebene Karte, wirkt dies eher unglaubwürdig. Hier besteht keine Beziehung von Mensch zu Mensch. Um Vertrauen aufzubauen, benötigen Unternehmen keine komplexen Kundenbindungssysteme. Viel effektiver ist es zu fragen: Was wollen unsere Kunden wirklich?

Beispiel:
Der Inhaber eines Modehauses ruft nach dem Erhalt neuer Ware regelmäßig seine Stammkunden an und informiert sie über Produkte, die möglicherweise zu ihnen passen könnten.

Dass damit auch eine Verkaufsabsicht verbunden ist, stört die Kunden nicht. Sie haben vielmehr das Gefühl, als Person wahrgenommen zu werden und einen konkreten Nutzen zu erhalten. Ähnlich könnten viel mehr Unternehmen verfahren, doch dafür müssten sie ein echtes Interesse am Kunden als Person entwickeln. Er darf nicht nur als „Cashcow“ gesehen werden, über den man zwar viele Daten sammelt, aber kaum Informationen. Deshalb ist und bleibt der Kunde für sie eine anonyme Nummer. Das spürt er – und baut folglich keine Beziehung auf.

Checkliste

Sechs Regeln fürs Kundenbeziehungsmanagement

  1. Ich beweise Zuverlässigkeit gegenüber meinen Kunden.
  2. Ich sorge dafür, dass das Kernprodukt und der dazugehörige Service qualitativ hochwertig sind.
  3. Ich betreibe aktiv Networking und bin da, wo meine Kunden sind.
  4. Ich erfrage die Bedürfnisse und Wünsche meiner Kunden, um zu wissen, welche Themen für sie relevant sind und welcher Kontaktweg für sie passend ist.
  5. Ich bringe Wissenswertes zum Kunden und versuche, ihm einen Mehrwert zu bieten.
  6. Ich bleibe als Person authentisch und ehrlich und dadurch positiv in Erinnerung.

Kundenkontaktpunkte richtig managen

Unter Kundenkontaktpunkt-Management (Customer Touchpoint Management) verstehen wir die Koordination aller unternehmerischen Maßnahmen dergestalt, dass dem Kunden an jedem Interaktionspunkt eine herausragende, verlässliche sowie vertrauenswürdige Erfahrung geboten wird – ohne dabei die Prozesseffizienz aus den Augen zu verlieren. Ein wesentliches Ziel ist das stete Optimieren der Kundenerlebnisse an den einzelnen Kontaktpunkten, um bestehende Kundenbeziehungen zu festigen und via Weiterempfehlung hochwertiges Neugeschäft zu erhalten. Dafür müssen den Kunden Enttäuschungen erspart und über den Zufriedenheitsstatus hinaus Momente der Begeisterung geschaffen werden. Dies kann durch ein Touchpoint-Projekt realisiert werden, wie im Folgenden beschrieben wird.

Die Planung des Projekts

Um das Customer Touchpoint Management als solches oder Teile davon als Projekt im Unternehmen erfolgreich einzuführen, sind zunächst folgende Schritte notwendig:

  • Berufung des Projektleiters
  • Zusammenstellung des Projektteams
  • Definition der Projektziele
  • Festlegung der organisatorischen Parameter
  • Reportings in alle Richtungen

Als erstes muss der Projektleiter berufen werden. Überlegenswert ist es, dafür einen Sachfremden auszuwählen. Der Vorteil dabei: Er hat von der Materie selbst keine Ahnung und ist deshalb gezwungen, sich mit den Teilnehmern auszutauschen. Durch solche Dialoge werden Zusammenhänge klarer, brachliegendes Wissen wird angezapft, Hierarchiebremsen werden ausgehebelt und der Blick durch eine andere Brille lässt oft ganz neue, mutige Ideen entstehen. Das wichtigste ist immer die Akzeptanz der involvierten Mitarbeiter – und eine Vorgehensweise, die einfach und verständlich ist.

Die Zusammensetzung des Projekt-Teams

Im zweiten Schritt wird die Zusammensetzung des Projekt-Teams bestimmt. Dies sollte sich an der Aufgabenstellung orientieren. Deshalb: „Würfeln“ Sie kein Team zusammen, sondern achten Sie auf einen guten Mix aus langjährigen und neuen, jungen und alten sowie männlichen und weiblichen Mitarbeitern. Laden Sie Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen ein, um eine mögliche Zuständigkeitsdenke zu beenden und in Zukunft die kundenbezogene Zusammenarbeit jenseits aller Ressort-Egoismen zu realisieren.

Beachten Sie auch, dass es im Verlauf eines Projektes immer zwei Phasen gibt: Die Phase der Ideenfindung und die Phase der Überführung in die Realität. Für beide Phasen werden unterschiedliche Menschentypen benötigt. Zwecks Ideenfindung braucht es Querdenker, Chaoten, Visionäre, Zerstörer und Regelbrecher. Diese geben den kreativen Input. Sie stellen die abwegigsten Fragen, denken das Undenkbare und träumen sich in die schönsten Luftschlösser hinein. In der ersten Phase kann man gar nicht genug verrückte Ideen haben.

In der zweiten Phase werden dann die brauchbaren Ideen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Hierzu muss die Zusammensetzung des Projektteams verändert werden, denn die Überführung auf ein hohes Niveau der Machbarkeit erfordert einen anderen Menschentypus: den detailverliebten Macher, Schützer und Bewahrer. Er wird gebraucht, um die Trittsteine ins Neuland zu legen. Werden sie jedoch zu früh hinzugezogen, ersticken sie jede verrückte Idee im Keim. Ziehen Sie zu passenden Projektzeitpunkten auch einige – möglichst unbequeme – Kunden hinzu, die als Ideenlieferant oder Feedback-Geber fungieren. Sollte das nicht möglich sein, setzen Sie einen virtuellen Kundenrepräsentanten mit an den Besprechungstisch.

Das Warmlaufen im Projekt

Zum Einstimmen und Warmlaufen kann man den Projektteilnehmern etwa folgende Aufgabe geben:

Sie haben zwei Minuten Zeit. Notieren Sie – jeder für sich – so viele potenzielle Kontaktpunkte wie möglich, die Sie mit einem Kunden X haben könnten!

Erfahrungsgemäß wird bei dieser Übung jeder Teilnehmer etwa 10 bis 20 Touchpoints finden. Die Gruppe als Ganzes kommt je nach Teilnehmerzahl auf 50 bis 100 Touchpoints – und das in nur zwei Minuten. Anschließend kann mit folgender Frage fortgefahren werden:

Welches ist der erste Kontaktpunkt, den ein potenzieller Kunde mit Ihrem Unternehmen hat?

Die Antworten fallen über alle Branchen hinweg sehr ähnlich aus. Beispiele:

  • Interessent kommt vorbei
  • Interessent ruft an
  • Interessent mailt
  • Interessent erhält Unterlagen
  • Interessent geht auf die Webseite
  • Interessent betrachtet die Schaufenster
  • Interessent wird von einem Außendienst-Mitarbeiter besucht

Schon an diesen Antworten lässt sich die immer noch vorherrschend selbstzentrierte Sichtweise in den Unternehmen erkennen. Aus dem Blickwinkel des Kunden betrachtet entstehen die ersten Kontakte zu einem Unternehmen jedoch schon sehr viel früher:

  • Der potenzielle Kunde hat einen latenten Kaufwunsch. Dazu kommt ihm ein adäquater Anbieter in den Sinn. Dieser allererste Gedanke manifestiert sich je nach Vorerfahrungen beziehungsweise Unternehmensreputation als eher positives oder negatives Gefühl.
  • In seinem Umfeld oder in den Medien hört beziehungsweise liest er ganz beiläufig etwas über ein Unternehmen und seine Angebote. Diese Meinung ist positiv oder negativ – und sie wird den ersten Eindruck färben.
  • Der Interessent befragt Kollegen oder Freunde, was sie zu einem Unternehmen und dessen Angeboten und Services sagen können.
  • Er durchforstet das Internet und stößt dabei auf zu- oder abratende Einträge in Foren und Blogs oder auf Meinungs- und Bewertungsportale. Google beispielsweise nennt das den „zero moment of truth“.

Weil dieses vorentscheidende Suchverhalten der Kunden immer noch viel zu wenig im Vordergrund steht, verscherzen Unternehmen es sich oft genug mit ihren Interessenten, noch bevor diese einen ersten direkten Kontaktversuch starten. Spätestens jetzt ist klar, wie notwendig eine intensive Beschäftigung mit solchen „Momenten der Wahrheit“ im Rahmen eines Touchpoint-Projekts ist.

Customer Touchpoints sichtbar machen

Durch diese Vorübungen ist der Blick durch die Kundenbrille geschärft. Nun erfolgt der nächste Schritt, das Abbilden der Ist-Situation. Hierfür lässt sich beispielsweise eine Collage erstellen, die je nach Branche folgende Titel tragen könnte:

  • Eine typische Kundenreise durch unser Unternehmen
  • Die Erlebnisse eines Kunden beim Kauf von Produkt X
  • Wie es einem typischen Kunden vor, während und nach der Inanspruchnahme unserer Dienstleistung Y ergeht

Dabei wird der Verlauf einer typischen Reise des Kunden durch das Unternehmen bildlich dargestellt. Ausgewählte Geschichten werden zum Besten gegeben und beispielhafte Kundenmeinungen angeheftet. Mitgebrachte Produkte werden in ihre Bestandteile zerlegt oder schriftliche Unterlagen entsprechend aufgedröselt, Plus- und Minuspunkte gelistet, und „Dos“ und „Dont’s“ per Storyboard oder Video dokumentiert.

Das Ganze lässt sich an Pinnwänden darstellen, die chronologisch nebeneinander stehen und durch den Weg des Kunden miteinander verbunden sind. Diese können im weiteren Verlauf des Projekts in die eigene Abteilung mitgenommen werden, um den Fortschritt zu dokumentieren und die Verbindungsstellen zu anderen Bereichen immer vor Augen zu haben. Inzwischen lassen sich dazu auch internetfähige Multimediawände nutzen, die mit Fingerbewegungen, ähnlich einem Tablet-PC, bedient werden können.

Customer Touchpoints optimieren

Auf Basis dieser oder einer ähnlichen Darstellung wird eine Prioritätenliste der zu bearbeitenden Touchpoints erstellt. Nach Erfassung der dortigen Ist-Situation werden die jeweils gewünschte oder notwenige Soll-Situation definiert und ein Maßnahmenplan entwickelt. Dieser wird in den angepeilten Zeitlinien ausgeführt. Dann wird das Ergebnis anhand passender Messgrößen überprüft und optimiert.

Wichtig ist dabei nicht in das alte Denken der Prozessorganisation zurückzuverfallen und die Touchpoints aus einer Innensicht heraus zu betrachten. Danach sähe das in einem Autohaus anhand des Beispiel-Touchpoints „Reparaturannahme“ fälschlicherweise folgendermaßen aus:

  • Wir übernehmen das Auto des Kunden.
  • Wir führen die erforderlichen Reparaturen aus.
  • Wir informieren den Kunden, dass sein Auto abholbereit ist.
  • Wir verabschieden den Kunden.

Im Customer Touchpoint Management wird dieser Vorgang aus Kundensicht betrachtet. Die Formulierungen sehen dann so aus:

  • Der Kunde ruft zwecks Terminvereinbarung bei uns an.
  • Der Kunde fährt mit dem Wagen vor.
  • Der Kunde wird verabschiedet.
  • Der Kunde fährt nach Hause.

Dabei werden die zu optimierenden Touchpoints in Ober- und Untertouchpoints sortiert und optisch sichtbar gemacht. Danach wird bei den ausgewählten Touchpoints nach Enttäuschungs-, „OK“- und Begeisterungsfaktoren gefahndet und nach passenden Verbesserungen und schließlich nach Begeisterungsideen gesucht. Oft sind es nämlich emotionalisierende Kleinigkeiten, die den großen Unterschied machen.

Beispielszenario: Ausgewählte Touchpoints und die Suche nach entsprechenden Faktoren in der Autowerkstatt. Quelle: Anne Schüller

Hinweis

Von der Autorin ist das Buch Touchpoints: Auf Tuchfühlung mit dem Kunden von heute. Managementstrategien für unsere neue Businesswelt [3] erschienen.

Mehr zum Thema lesen Sie auch im Management-Handbuch Customer Relationship Management - CRM: Kundenbeziehung systematisch pflegen. [4]

Customer Touchpoints und Ideen der Mitarbeiter

Was eine Marketingstrategie wirklich taugt, entscheidet sich an den Touchpoints eines Unternehmens. Touchpoints entstehen überall dort, wo ein (potenzieller) Kunde mit den Mitarbeitern, Produkten, Services und Marken eines Anbieters in Berührung kommt. Dies geschieht auf zweierlei Weise: 

Direkt: Zum Beispiel Verkäuferbesuch, Newsletter, Anzeige, Website, Verpackung, Messestand, Hotline, Rechnung oder Reklamation

Indirekt: Zum Beispiel Meinungsportal, User-Forum, Testbericht, Blog, Presseartikel, Mundpropaganda, Tweet oder Weiterempfehlung

An jedem Touchpoint kann es zu positiven und negativen Erlebnisse kommen, die eine Kundenbeziehung stärken oder zermürben beziehungsweise eine Marke kräftigen oder bröckeln lassen. Manche Berührungspunkte sind dabei kritischer als andere. Und oft sind es Kleinigkeiten, die schließlich ganz große Katastrophen bewirken. Jedes Detail kann hierbei Zünglein an der Waage sein.

An jedem einzelnen Touchpoint muss deshalb überlegt werden, wie die Interaktion mit den Kunden besser gestaltet, ihr Leben vereinfacht und ihr Nutzen vergrößert werden kann. Oder wie sie emotional berührt, ihnen Zeit geschenkt und sie immer wieder neu überrascht und begeistert werden können. Hierbei kommt es nicht nur auf das Wissen um Kundenbedürfnisse, Ideenreichtum und adäquate Rahmenbedingungen an, sondern auch auf das Wollen der Mitarbeiter. Denn „Muss-Gesichter“, die wie Aufziehpuppen vorgegebene Standards abarbeiten, mögen Kunden nicht.

Mitarbeiter unternehmerisch involvieren

Wer unternehmerisch handelnde Mitarbeiter will, muss diese an unternehmerisches Denken heranführen. Touchpoint-Optimierungen sollten deshalb im Wesentlichen von den Mitarbeitern selbst erarbeitet werden. Deren Wollen wird immer dann am besten erreicht, wenn sie freiwillig zusagen, in Zukunft eine bestimmte Aufgabe auf eine bestimmte Art und Weise zu erledigen. Begeisterung für die Sache wird auf diesem Weg gleich mitgeliefert. Noch wichtiger ist: Die geplanten Maßnahmen werden auch engagiert umgesetzt, denn sie wurden nicht von oberster Stelle diktiert, sondern in Eigenregie entwickelt. Um die Mitarbeiter interaktiv zu involvieren und deren Kreativität zu nutzen, haben Unternehmen beim Touchpoint-Management drei Möglichkeiten: 

  • Customer-Touchpoint-Projekt
  • Sukzessives Arbeiten an einzelnen Touchpoints
  • Touchpoint-Großgruppenveranstaltung

Customer-Touchpoint-Projekte werden nach den üblichen Projektmanagement-Regeln aufgesetzt. Wie das sukzessive Arbeiten an einzelnen Touchpoints im Rahmen eines Meetings aussehen kann und wie eine Touchpoint-Großgruppenveranstaltung abläuft, schauen wir uns im Folgenden genauer an:

Touchpoint-Arbeit im Rahmen eines Meetings

Wenn Sie die Touchpoint-Optimierung als festen Tagesordnungspunkt in Ihren Meeting-Ablauf einbauen, ermöglicht das kontinuierliche Verbesserungen in kürzester der Zeit. Bestimmen Sie dazu ein erstes Meeting und einen ersten Touchpoint, mit dem es losgehen soll. Am Ende des Meetings entscheiden Sie dann, welcher Touchpoint beim jeweils nächsten Mal an die Reihe kommt. So können sich alle gut darauf vorbereiten. Legen Sie einen Zeitraum fest, den Sie maximal für die Bearbeitung dieses Punktes ansetzen wollen, damit sich Diskussionen nicht endlos in die Länge ziehen. Im folgenden Beispiel sind das 30 Minuten.

Fünf Minuten:
Beschreibung eines nicht länger tragbaren Ist-Zustandes, am besten via Storytelling. Dabei wird etwa über eine Reklamation berichtet, die ein Kunde an einem bestimmten Touchpoint hatte, welche Probleme das brachte und welche Konsequenzen das nach sich zog. 

Fünf Minuten:
Sammlung von Ideen, wie man diesen Punkt optimieren und damit Ärger in Zukunft vermeiden kann. Hier braucht es zunächst Quantität. Deshalb sollen die Teilnehmer in dieser Phase still und leise arbeiten, damit jeder seine Ideen unbeeinflusst in Worte fassen kann. Diese werden auf Kärtchen notiert und an eine passende Wand gepostet.

Zehn Minuten:
Jeder, der ein Kärtchen geschrieben hat, erläutert kurz und knapp seine Idee. Anschließend erfolgt eine Kurzdiskussion.

Fünf Minuten:
Mehrheitsentscheid für die favorisierte Idee. Der Chef – er ist Moderator dieses Prozesses, damit die Teilnehmer inhaltlich arbeiten können – hat dabei nie das erste, sondern immer das letzte Wort, damit die „Weisheit der Vielen“ genutzt werden kann. Denn oft lässt das Machtwort des Chefs wertvolle Initiativen und dringend benötigte Kreativität einfach versanden. Natürlich verfügt er, soweit vereinbart, über ein Veto-Recht, doch sollte er davon nur ausnahmsweise Gebrauch machen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich Mitarbeiter meinungslos an seine Lippen hängen und auf Anweisungen warten.

Fünf Minuten:
To-do-Plan erstellen: Wer macht was mit wem bis wann? Dazu gehört auch ein Folgetermin, um zu besprechen, wie sich die Sache entwickelt, ob weiter feinjustiert werden muss und welche Ergebnisse erzielt worden sind.

30 Minuten sind nicht viel, und dennoch lässt sich bei konzentriertem Arbeiten und mit etwas Übung in dieser Zeit sehr viel erreichen.

Touchpoint-Großgruppenevent: Variante 1

Bei einer Touchpoint-Großgruppenveranstaltung können an einem einzigen Tag zwischen 50 und 100 Mitarbeiter zu unterschiedlichen Touchpoint-Themen konkrete Konzepte entwickeln. Am Vormittag steht dabei ein etwa dreistündiger Impulsvortrag auf dem Programm, der bereits all die Aspekte integriert, die am Nachmittag weiter vertieft werden sollen. Dieser sollte am besten von einer neutralen Person abgehalten werden, die klar und deutlich Ihre Meinung sagen kann.

Am Nachmittag werden die Teilnehmer in Arbeitsgruppen zusammengeführt. Diese bestehen idealerweise aus fünf bis sieben Teilnehmern – abteilungsübergreifend zusammengesetzt und auf gleicher Hierarchie-Ebene angesiedelt. Sind mehrere Hierarchie-Ebenen anwesend, arbeiten die Top-Führungskräfte in einer eigenen Arbeitsgruppe. Denn Hierarchie bremst den Arbeitsfluss einer Gruppe Gleichrangiger anstatt ihn zu fördern. Auf jedem Tisch liegen Arbeitsmaterialien sowie eine bereits vorbereitete Aufgabenstellung: eine konkrete Touchpoint-Thematik, zu der die Gruppe dann gemeinsam ein unternehmerisches Konzept erstellt.

Die erarbeiteten Ergebnisse werden schließlich von einem jeweiligen Gruppensprecher im Plenum präsentiert. Erste Umsetzungsentscheidungen werden sofort durch Mehrheitsentscheid getroffen. Der Chef hat dabei nie das erste, sondern höchstens das letzte Wort. Komplexe Themen werden zeitnah im Anschluss an die Veranstaltung weiterbearbeitet und zügig entschieden.

Touchpoint-Großgruppenevent: Variante 2

Als zweite Variante bietet sich eine Großgruppenveranstaltung an, die formal einem sogenannten BarCamp ähnelt. Auch dabei gibt es einen Impulsvortrag am Vormittag, der bereits eine Reihe interaktiver Elemente enthält. Darauf aufbauend schlagen die Teilnehmer am Nachmittag Themen vor, an denen sie arbeiten wollen. Die einzelnen Arbeitsgruppen entstehen, indem die Teilnehmer sich selbst dem von ihnen favorisierten Thema zuordnen. Besteht großes Interesse zu einem bestimmten Punkt, können auch zwei oder drei Gruppen am gleichen Thema arbeiten. Die Ergebnisse werden in jedem Fall verschieden sein. Das ist positiv zu bewerten, weil dann in der Folge auf mehrere Varianten zurückgegriffen werden kann.

Die anschließende Ergebnispräsentation kann in Form einer Vernissage erfolgen. Dies geschieht meist mithilfe von Pinnwänden, kann aber auch als PowerPoint-Präsentation, per Video oder Schauspiel dokumentiert werden. Das Schauspiel ist übrigens eine sehr interessante Variante. Hier wird etwa ein Kunde dargestellt, der eine eilige Bestellung hat. Dieser beobachtet nun, wie sein Auftrag zwischen den Abteilungen hin- und hergeschoben wird, das es Verzögerungen gibt, wer alles mitredet, nachfragt, ablehnt und gegenzeichnet. Der Kunde sieht auch, wie lustlos das alles passiert – und dass er das alles bezahlen muss. Das Auditorium hat also ausreichend Anlass zum Nachdenken.

Ein abschließender Tipp für beide Varianten: Stellen Sie sicher, dass tatsächlich entscheidungsfähige Konzepte erarbeitet werden und treffen Sie konkrete Entscheidungen bereits während der Veranstaltung! Wenn sich die Geschäftsleitung das letzte Wort vorbehält, alles auf später vertagt oder der Instanzenweg eingehalten werden soll, passiert am Ende nämlich meistens nichts.

Die Praxis zeigt: Es gibt noch immer Manager, die glauben, an den Rändern ihrer Organisation gäbe es kein intelligentes Leben. Dort werden Mitarbeiter ungefragt von oben herab mit unsinnigen Ausführungsbestimmungen konfrontiert und Kunden mit unnötigen Produkten und Services drangsaliert. Massive Kundenfluktuation und Reputationsschäden sind dann die Folge. Nicht so beim Touchpoint Management, denn hier werden vor allem diejenigen aktiviert, die am besten wissen, was Kunden wirklich wollen und welche Rahmenbedingungen es dazu braucht: Mitarbeiter, die täglich ganz nah an den Kunden und Prozessen sind. Großgruppenevents, in denen sich die Teilnehmer gegenseitig befruchten können, sind ein adäquates Mittel, um diesen Wissensschatz zu heben. Und auch die Geschäftsleitung ist begeistert vom Ideenreichtum und eingebrachtem Engagement der Mitarbeiter, wenn sie unternehmerisch mitmachen dürfen.

Hinweis

Von der Autorin ist auch das Buch Touchpoints: Auf Tuchfühlung mit dem Kunden von heute. Managementstrategien für unsere neue Businesswelt [5] erschienen.

Social Media Manager und ihr Know-how

Viele Social-Media-Kanäle haben sich im Kommunikationsverhalten von Unternehmen weitgehend etabliert. Nach Angaben des IT-Dachverbandes Bitkom beschäftigt schon rund jedes zehnte Unternehmen in Deutschland Mitarbeiter, die sich ausschließlich um Social-Media-Aktivitäten kümmern. Doch worauf kommt es hier tatsächlich an? Das Berufsbild ist noch zu neu, als das ein klarer Rahmenausbildungsplan definiert werden könnte. Entsprechend schwierig ist es auch, geeignetes Fachpersonal dafür zu finden. Hinzu kommt: Das Berufsbild „Social Media Manager“ ist bislang nicht definiert und auch nicht geschützt – grundsätzlich kann also jeder diese Bezeichnung tragen.

Das Problem dabei: Manch ein Social Media Manager verfügt nur über ein gefährliches Halbwissen, denn wer Social Media privat nutzt, die Funktionsweisen von Facebook & Co kennt oder eine Fanpage erstellen kann, ist noch lange kein Social Media Manager! Gefragt sind vor allem Praktiker mit weitreichenden Erfahrungen – keine Theoretiker oder sogenannte „Technik-Nerds“.

Was einen Social Media Manager auszeichnet

Eine adäquate Vorbildung in den Bereichen Marketing, Betriebswirtschaft, Kommunikation oder PR sind schon einmal eine solide Basis. Weniger notwendig sind Programmierkenntnisse, dennoch sollte ein Social Media Manager stets gut über die Entwicklungen von Kommunikationstechnologien informiert sein.

Da Social-Media-Kenntnisse auch branchenspezifisch variieren, können Berufserfahrungen in den jeweiligen Branchen durchaus von Vorteil sein. Plant beispielsweise ein Versicherungskonzern sich im Social Web zu engagieren, kann es Sinn machen, wenn der Bewerber bereits zuvor im Versicherungswesen gearbeitet hat und hier auf wertvolle Erfahrungen zurückgreifen kann. Schließlich geht es im Social Media Marketing um Kundenkommunikation, wo es wichtig ist, kompetent und auf Augenhöhe mitreden zu können.

Zur inhaltlichen Vertiefung der einzelnen Social-Media-Disziplinen bieten mittlerweile zahlreiche Bildungsträger Weiterbildungsmöglichkeiten an. Bis sich die einzelnen Themen zu einem einheitlichen Studien- oder Berufsausbildungskonzept vereinheitlichen werden, wird jedoch noch sehr viel Zeit vergehen. Aspiranten für diesen Beruf sind also nach wie vor auf Seminare, Vorträge und eigene Netzwerke angewiesen. Eines wird sich aber definitiv nicht ändern: Der ständige Wille zur Beobachtung der Social-Media-Branche, denn auch hier finden in kurzen Intervallen immer neue Entwicklungen statt.

Was sind also die wichtigsten Skills, die ein Social Media Manager vorweisen sollte?

1. Online-Affinität

Hier geht es weniger darum, viel Zeit im Internet zu verbringen. Vielmehr kommt es darauf an, dass sich der angehende Social Media Manager schon länger mit diesem Kommunikationskanal aktiv beschäftigt hat. Er führt zum Beispiel einen Blog und ist auf Twitter, Facebook & Co. schon länger engagiert.

2. Erfahrung

Das bloße Führen eines Blogs ist noch lange kein Indiz dafür, dass die Regeln des Web 2.0 verstanden wurden. Erfahrungen aus einer langjährigen Tätigkeit in einer Marketing- oder PR-Agentur sind schon eher gefragt. Denn wie soll ein junger Social Media Manager ein Unternehmen beraten, wenn er noch nie ein Unternehmen von innen gesehen hat? Vorsicht ist demnach bei Absolventen geboten, die noch über keine Berufserfahrung verfügen. Das gleiche gilt für Freelancer; auch hier sind Erfahrungen und nachweisbare Referenzen entscheidend.

3. Kontakte

Ein Social Media Manager muss über relevante Kontakte verfügen. Damit sind die Multiplikatoren innerhalb der Social-Media-Szene gemeint. Nur so können sich Nachrichten verbreiten.

4. Kreativität und konzeptionelle Fähigkeiten

Einem Unternehmen ein Gesicht im Social Web zu verleihen, benötigt ein gewisses Maß an Kreativität, denn mit vorgefertigten und allgemeinen Konzepten wird es dort heutzutage keinen Erfolg geben. Wichtig ist, das Unternehmen zu verstehen, seine Besonderheiten herauszuarbeiten und die Authentizität in den Vordergrund zu stellen.

5. Technisches Fachwissen

Wie bereits erwähnt, geht es hier nicht um besondere Programmierkenntnisse. Trotzdem sollte jeder Social Media Manager mit den technischen Werkzeugen des Social Web sicher umgehen können. Desweiteren sollte er in der Lage sein, ein Pflichtenheft für die IT-Abteilung zu erstellen, um die technischen Erfordernisse einer Kampagne deutlich vermitteln zu können.

6. Soziale Kompentenz

Gerade in der Kommunikation mit Kunden sollte ein Social Media Manager besondere soziale Kompetenzen vorweisen können, denn im Social Web kann es durchaus zu negativen Äußerungen, Kritiken oder auch Beleidigungen kommen. Hier sind Sachlichkeit und konstruktive Kommunikation gefordert. Ein Social Media Manager, der über ein schwaches Nervenkostüm verfügt und bei der kleinsten Kritik beleidigt reagiert, gefährdet die gesamte Social-Media-Kampagne.

7. Kenntnisse im Monitoring

Das Monitoring ist ein Spezialgebiet im Social Media Marketing. Mittels speziell entwickelter Monitoring-Software können die meisten Social-Media-Kanäle nach neuen Berichten über die eigene Kampagne im Blick behalten und unter Umständen zeitnah darauf reagiert werden.

8. Neugier

Einen erfolgreichen Social Media Manager treibt die stetige Neugier an technischen Errungenschaften an, gerade im Zusammenhang mit den Möglichkeiten der Kommunikation. Ein neugieriger Social Media Manager hat sein Ohr stets am Puls der Zeit und erweitert ständig seinen persönlichen Horizont.

9. Durchsetzungs- und Teamfähigkeit

Ein Social Media Manager wird in einem Unternehmen mehrere Kontaktpunkte zu den unterschiedlichsten Mitarbeitern haben. Meist kommt der Impuls, sich im Social Web zu engagieren, von der Unternehmensleitung, und nicht jeder Mitarbeiter wird darauf positiv reagieren. Oft kollidieren hier Interessen, denn eine Marketingabteilung wird in den seltensten Fällen spontan positiv auf einen externen Dienstleister reagieren, der das altbewährte Tagesgeschehen der Abteilung optimieren soll. Hier ist besonderes Fingerspitzengefühl in der Kombination von Durchsetzungs- und Teamfähigkeit gefordert, um Mitarbeiter von den Vorteilen des Social Media Marketings zu überzeugen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Auswahl eines Social Media Managers sich nicht wirklich mit den üblichen HR-Prozessen vergleichen lässt. Zeugnisse oder Zertifikate von Bildungsanbietern geben zwar einen Hinweis auf bestimmte Kompetenzen, sind aber niemals ein Garant für tatsächliche Kompetenz.

Hinweis

Vom Autor ist auch das Buch Einführung in die effektive und strategische Suchmaschinenoptimierung [6] erschienen.

Schriftliche Empfehlungen von Kunden

Wenn, wie wir es gerade jetzt erleben, das Vertrauen in die Anbieter sinkt und ihren vollmundigen Werbeprospekten bald niemand mehr glaubt, dann sind Weiterempfehlungen ganz besonders wichtig. Gerade in turbulenten Zeiten leihen wir unser Ohr vor allem denen, die vertrauenswürdig sind und ihre praktischen Erfahrungen wohlwollend teilen: verlässliche Empfehler

Wer die Spielregeln des modernen Empfehlungsmarketings beherrscht, kann in eine dauerhaft profitable Zukunft schauen. Was es dazu braucht, sind Wissen, Ideenreichtum und ein wenig Mut. Die Wege zum Ziel sehen für jedes Unternehmen anders aus. Doch immer gilt: Nur wer einzigartig ist, wird vehement weiterempfohlen. Folgende Tipps können dabei weiterhelfen:

1. Legen Sie, nachdem Sie zu Beginn einer Begegnung oder Beratung Ihre Visitenkarte überreicht haben, am Ende immer eine zweite dazu. Bitten Sie Ihren Gesprächspartner, diese Karte bei Gelegenheit an eine interessierte Person weiterzugeben. Manche Verkäufer telefonieren sogar hinterher und fragen, ob sie noch mehr Visitenkarten schicken sollen. Dabei kann man auch anbieten, bei etwaigen Interessenten selbst einmal anzuklopfen.

2. Lassen Sie Postkarten drucken, auf denen nützliche Tipps stehen, die gut zu Ihrer Arbeit passen. Diese überreichen Sie mit einem charmanten Lächeln. Werden die Karten später ausgepackt, dienen sie als Gesprächsstoff oder als kleines Geschenk zum Weiterreichen. Auf der Rückseite findet sich natürlich ein entsprechender Hinweis, von wem diese stammen.

3. Wenn Sie Gutscheine verschicken, legen Sie gleich einen zweiten dazu – und weisen Sie ausdrücklich darauf hin: „Weil geteilte Freude doppelte Freude ist, schicken wir Ihnen gleich zwei Gutscheine. Einer ist für Sie, der andere zum Verschenken.“ So kommen Sie pfeilgerade im Umfeld Ihrer Zielgruppe ins Gespräch.

4. In Ihrem Geschäft oder auf Ihrer Webseite könnte zum Beispiel folgender Satz stehen, der aus einem Wartezimmer einer Arztpraxis in den USA stammt:

„Bei folgenden Patienten möchten wir uns dafür bedanken, dass sie uns weiterempfohlen haben: …“

Natürlich müsste es dann nicht „Patienten“, sondern Kunden heißen.

5. Wenn Sie Briefe schreiben oder Mailings versenden, erwähnen Sie systematisch eine Personengruppe, für die das Angebot ebenfalls interessant sein könnte. Das klingt dann in etwa so:

„Wenn Sie und einer Ihrer Arbeitskollegen/Freunde/Geschäftspartner sich bis zum … für … anmelden, erhalten Sie den Frühbucherpreis von x Euro. So sparen Sie y Prozent. Und Ihre Arbeitskollegen/Freunde/Geschäftspartner sparen gleich mit.“

6. Wenn Sie per E-Mail einen Newsletter oder sonstige Informationen versenden, stimulieren Sie das Weiterreichen wie folgt:

„Sicher kennen Sie Menschen, für die dieser Newsletter/dieses Angebot auch interessant sein könnte. Von daher sind wir Ihnen sehr dankbar, wenn Sie diese E-Mail an drei Personen weiterleiten.“

7. Werbebriefe, Prospekte und Broschüren enthalten vielfach einen Antwortabschnitt oder ein Antwortfax. Unter das obligatorische „Ja-ich-will-Kästchen“ setzen Sie ein weiteres zum Ankreuzen mit folgendem Wortlaut:

„Ja, und ich will außerdem, dass ein guter Freund/Geschäftspartner/Kollege von Ihrem tollen Angebot erfährt. Bitte senden Sie Ihre Unterlagen auch an … Er/Sie wird sich sicher darüber freuen.“

8. Integrieren Sie in Ihre Bestellkataloge (bereits vorfrankierte) Empfehlungspostkarten zum Heraustrennen. Diese können an den Kundendienst adressiert sein oder aber so gestaltet werden, dass sie direkt an mögliche Interessenten aus dem eigenen Umfeld verschickt werden können. Wenn Sie dem Katalog Coupons beilegen, denken Sie immer auch an ein zweites Set zur Aktivierung des Empfehlungsgeschäfts.

9. Machen Sie Ihre Kunden zu kostenlosen Werbeträgern. Dazu geben Sie Ihren Fans etwas in die Hand, mit dem sie Flagge zeigen können. So hat etwa die Automarke Mini eine Zeit lang Aufkleber verteilt, auf denen stand: „My other car is a Mini.“ Bei Apple erhalten Kunden mit einem gekauften Produkt einen Aufkleber, auf dem steht: „Ja, ich bin ein Apple-Fan.“

10. Erstellen Sie kostenlosen Content. Dabei handelt es sich um Fachbeiträge oder Informationsbroschüren, die dem Leser zu Ihrem Fachgebiet Nutzwert bieten. Darin dokumentieren Sie vor allem fachliche Expertise. Solche Ausarbeitungen können Sie auf Ihrer Webseite hochladen oder Fachportalen zum Einstellen anbieten. Da gute Beiträge im Social Web freizügig weitergeleitet werden, kommen Sie als Fachmann schnell ins Gespräch – und damit auch zu Anfragen und Aufträgen.

11. Empfehlungen im Social Web sind ein zunehmend wichtiger Kaufauslöser. Warten Sie aber nicht einfach nur ab, was passiert, sondern laden Sie aktiv zum Mitreden ein:

„Diskutieren Sie in unserem Forum über ...“
„Erzählen Sie uns Ihre Geschichte zu … “
„Laden Sie auf unserer Website Bilder hoch, die zeigen, was Sie mit unseren Produkten Schönes erlebt haben.“
„Bitte bewerten Sie uns in …“
„Schreiben Sie einfach bei Gelegenheit einen kleinen Erfahrungsbericht auf …“

Ergänzen Sie das entsprechende Wunschportal und vergessen Sie nicht, auf Ihrer eigenen Webseite rechtskonforme Weiterempfehlungslinks und Social-Media-Plugins zu platzieren.

12. Bitten Sie begeisterte Kunden, Ihnen ein Testimonial zu geben, also in schriftlicher Form über die Qualität Ihrer Arbeit zu sprechen. Bringen Sie diese in Angeboten, Verkaufsunterlagen, Prospektmaterial, Werbebriefen und auf Ihrer Webseite unter oder rahmen Sie Referenzschreiben und hängen Sie sie im öffentlichen Bereich Ihres Unternehmens aus. Veröffentlichen Sie Referenzen in internen Medien wie Intranet und der Mitarbeiterzeitung, denn positive Kundenstimmen fördern den Stolz der Mitarbeiter.

13. Legen Sie eine repräsentative Referenzmappe an, in der nach einheitlichem Muster über herausragende Projekte berichtet wird. Laden Sie beispielhafte Fallstudien auf Ihrer Webseite hoch und berichten Sie darüber auf Fachportalen. Oder besser noch: Erstellen Sie über Ihre Projekt-Highlights ansprechende Videos, die den Kunden in den Vordergrund rücken, und laden Sie diese auf Ihrer Webseite und den einschlägigen Videoportalen hoch.

14. In vielen Branchen zahlt es sich aus, wenn Referenzkunden sich zur Verfügung stellen, um potenziellen Neukunden Einblicke in erfolgreiche Projekte zu geben. So kann etwa ein Küchenbauer seine Kunden bitten, das Ergebnis seiner Arbeit ausgewählten Interessenten vor Ort oder über ein Video präsentieren zu dürfen. Wer so kooperativ ist, sollte dafür auch eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten.

15. Erstellen Sie zu beispielhaften Projekten eingängige Stories und bieten Sie diese der Presse an, denn viele Fachmedien arbeiten mit Fallbeispielen. Erfolgsstories, die bereits vorliegen, ersparen den Redakteuren das Recherchieren. Lassen sie solche Beiträge aber von journalistisch versierten Menschen schreiben, denn sie dürfen keinesfalls nach Eigenlob klingen. Der erschienene Beitrag, als Sonderdruck präsentiert, erfüllt dann nicht nur die eigenen Mitarbeiter mit Freude, er kann auch bei Kunden ein wichtiger Türöffner sein.

Neben dem kostenlosen Empfehlungsmarketing steht das bezahlte: Kunden–werben-Kunden-Programme, die es zunehmend auch im Internet gibt. Doch bezahltes Weiterempfehlen ist immer nur zweite Wahl. Die freiwillig und uneigennützig ausgesprochenen Tipps sind vorzuziehen. Ob Sie diese dann im Nachhinein belohnen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Zu empfehlen ist dies aber allemal, denn ein überraschendes Danke-Geschenk kommt bei Empfehlern immer gut an. Und weil Menschen Aktivitäten verstärken, für die sie Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfahren, stehen die Chancen gut, künftig umso mehr Empfehlungen zu erhalten.

Kundenansprache über Soziale Netzwerke und digitale Medien

Im Folgenden sind die in der Praxis besonders häufig vorkommenden Stolpersteine in der Kundenkommunikation aufgelistet, die im schlechtesten Fall auch eine Belastung des Kundenverhältnisses mit sich bringen können.

1. Keine oder unzureichende persönliche Ansprache

Je individueller die Kundenkommunikation ausgerichtet ist, desto wirkungsvoller ist sie in aller Regel. Doch die Realität sieht meistens anders aus, weil bisher über klassische Systeme für das Output Management oder andere Lösungen kommuniziert wurde. Aber spätestens mit der Verbreitung der Sozialen Netzwerke möchten die Menschen nicht mehr anonym angesprochen werden, sondern bevorzugen stattdessen die persönlich gehaltene Kommunikation.

2. Irrelevante und überflüssige Informationen

Wir leben in einer Zeit, in der endlos viele Informationen produziert und verbreitet werden können. Umso wichtiger ist es deshalb, sich im schriftlichen Dialog mit den Kunden auf die tatsächlich relevanten Informationen zu beschränken. Klasse statt Masse muss deshalb das grundsätzliche Prinzip in der schriftlichen Kommunikation heißen. Und dabei gilt es, die individuellen Informationsbedürfnisse der Adressaten möglichst präzise zu treffen – sei dies nur einer oder gleich mehrere Millionen.

3. Freie Wahl des Kommunikationskanals nicht möglich

In Zeiten der elektronischen Kommunikation sind für einen positiven Zuspruch beim Adressaten nicht allein die Inhalte einer Kundenmitteilung wichtig, sondern auch, auf welchem Weg er sie erhält. Doch meistens fehlt es an den Voraussetzungen dafür, ihm nach individuell freier Wahl Nachrichten alternativ über postalischen Brief, per E-Mail, SMS, MMS oder Instant Messenger zuzuleiten. Auch die Kommunikation über Social Networks muss zu den angebotenen Kanälen gehören.

4. Voraussetzungen für echten Dialog fehlen

Zwar wird der Facebook-Button auch in den Kundenmitteilungen inzwischen zur Selbstverständlichkeit, doch was dabei unbeachtet bleibt: Den Kunden wird damit nur eine Einbahnstraßen-Kommunikation angeboten, weil es an der technischen Infrastruktur fehlt, um mit der Response aus den Sozialen Netzwerken systematisch umgehen zu können. Denn mit den klassischen Mitteln der automatisierten aber unpersönlichen Massenkommunikation ist dies nicht zu realisieren, weil sie sich nicht mit den Ideen der Sozialen Netze vertragen.

5. Kein Einbezug des gesamten Kundenwissens in die Kommunikation:

Typischerweise sind die Informationen über Kunden in sehr unterschiedlichen Systemen und Datenbanken enthalten. In Zeiten des Customer Communications Management muss dieses gesamte Kundenwissen gezielt in die Inhalte einfließen können, damit eine auf die individuellen Interessen zugeschnittene Nachricht entsteht und sie vom Adressaten deshalb als wertig empfunden wird. Dies verlangt eine nahtlose Verknüpfung der ERP-, CRM- und weiteren Business-Anwendungen, um eine Integration aller relevanten Daten über die Systemgrenzen hinweg zu schaffen.

6. Fehlende Systeme für Customer Communications Management

Eine Kommunikation mit hohem Volumen verlangt komfortable technische und operative Bedingungen, weil sonst der Aufwand der Absicht zuwider läuft. Insofern muss ein wesentliches Merkmal für die Umsetzung einer persönlichen Kommunikation darin bestehen, dass Unternehmensmitarbeiter über entsprechende technische Lösungen verfügen, um schriftliche Mitteilungen an Kunden inhaltlich und gestalterisch sowohl kundenindividuell ausgerichtet als auch sehr schnell zu konzipieren. Dies setzt einen integrierten Zugriff auf alle relevanten Kundendaten sowie ein komfortables Handling voraus.

7. Mängel in der strategischen Positionierung

Die Bedeutung der Qualität schriftlicher Kundenkommunikation stellt zwar niemand in Frage, doch die notwendigen Schlussfolgerungen daraus werden oftmals noch nicht konsequent gezogen. Dies lässt sich auch daraus ablesen, dass sich erst wenige Marketing- und Sales-Verantwortliche mit dem Thema Customer Communications Management derart beschäftigt haben, dass daraus Notwendigkeiten für die Ausrichtung der Kundenkommunikation abgeleitet wurden.

Hinweis

Wie Sie kostengünstig und effektiv neue Kunden gewinnen, sich im Web ins rechte Licht rücken und Ihren Bekanntheitsgrad steigern, erfahren Sie in diesen Praxisratgebern vom Social-Media-Experten Robert Nabenhauer:

  • 100 PreSales Marketing Tipps - Vom Kontakt zum Stammkunden [7]
  • 100 Social Media Tipps - Xing, Twitter & Co. [8]
  • Ratgeber: Xing erfolgreich nutzen - Komplett-Edition [9]
  • Ratgeber: Optimieren Sie Ihr Xing-Profil [10]

Kundenkommunikation über Social Media

1. Klassische Kommunikationskonzepte greifen nicht

Social Media ist nicht einfach nur ein zusätzlicher Weg in der Kundenkommunikation, sondern er unterscheidet sich ganz wesentlich von den bisherigen Kanälen. Deshalb können die bestehenden Kommunikationskonzepte nicht einfach transferiert, sondern müssen ganz neu gedacht werden, um in Twitter und Co. Wirkung zu zeigen. Beispielsweise eignen sich die Instrumente der anonymen Massenkommunikation nicht, weil die Adressaten über diesen Kanal gerade den direkten und persönlichen Kontakt suchen.

2. Schnelle Interaktion gewährleisten

Das entscheidende Kennzeichen der Sozialen Netzwerke ist ihr interaktiver Ansatz. Wird der nicht konsequent gelebt, werden die Erwartungen der Adressaten enttäuscht und es entsteht ein kontraproduktiver Effekt. Auch zeitlich verzögerte Reaktionen lösen bei den Social-Network-Usern – also auch bei bestehenden oder potenziellen Kunden – keine Begeisterung aus. Somit ist es notwendig, die organisatorischen Voraussetzungen für eine zeitnahe und gleichzeitig erwartungsgerechte Response-Bearbeitung zu schaffen.

3. Notwendige Technik einsetzen

Herkömmliche Systeme wie etwa Output-Management unterstützen die Social-Media-Anforderungen nicht ausreichend, weil sie nicht interaktiv angelegt sind und auch keine Response speichern können. Stattdessen bedarf es dafür Plattformen ganz neuer Couleur, die eine freie Interaktion in Sozialen Netzwerken unterstützen. Sie müssen Funktionen umfassen, die eine regelbasierte und in datenbasierte Prozesse eingebettete Kommunikation unterstützen. Ausgestattet mit Modulen für Online-Chat und einer Überwachung von multiplen Präsenzen im Social Web sollten sie die Mitarbeiter in die Lage versetzen, persönlich in der Welt der sozialen Netzwerke zu kommunizieren.

4. Auf Relevantes beschränken

Das Handeln in den sozialen Netzen ist von einer inhaltlich sehr konzentrierten Kommunikation geprägt: knapper Content und klare Botschaften statt langatmige Texte. Demzufolge muss inhaltlich das Prinzip „Klasse statt Masse“ gelten, also eine Beschränkung auf die tatsächlich relevanten Inhalte, und zwar möglichst präzise auf die individuellen Informationsbedürfnisse der Adressaten ausgerichtet. Wer diesen Kommunikationskanal mit uninteressanten Informationen füllt, verliert den Adressaten wieder.

5. Möglichst das gesamte Kundenwissen einbeziehen

Je individueller auf einen Adressaten eingegangen werden kann, desto besser lässt er sich gewinnen. Doch die Informationen eines Unternehmens über Kunden sind meistens in sehr unterschiedlichen Systemen und Datenbanken enthalten. Dieses gesamte Kundenwissen muss gezielt in die Inhalte einfließen können, damit eine auf die individuellen Interessen zugeschnittene Nachricht entsteht und sie vom Adressaten deshalb als wertig empfunden wird. Dies verlangt eine nahtlose Verknüpfung der ERP-, CRM- und weiteren Business-Anwendungen, um eine Integration aller relevanten Daten über die Systemgrenzen hinweg zu schaffen.

6. Social-Media-gerechte Kommunikationsideen entwickeln

Die Sozialen Netze stellen die Marketing- und Vertriebsabteilungen vor ganz neue kreative Herausforderungen. In dieser komplexen Welt findet nur derjenige die gewünschte Aufmerksamkeit, der mit seinen Botschaften und seinem Content wirkungsvolle Reizpunkte zum Hinschauen und Weitererzählen bietet. Die Ideen müssen jedoch zu diesem Kanal passen und deshalb einen viralen Charakter haben. Damit betreten viele Unternehmen Neuland und müssen zu einer Lernentwicklung bereit sein. Eine Alternative dazu gibt es nicht.

Hinweis

Wie Sie kostengünstig und effektiv neue Kunden gewinnen, sich im Web ins rechte Licht rücken und Ihren Bekanntheitsgrad steigern, erfahren Sie in folgenden Praxisratgebern vom Social-Media-Experten Robert Nabenhauer – neu in unserem Online-Shop:

  • 100 PreSales Marketing Tipps - Vom Kontakt zum Stammkunden [11]
  • 100 Social Media Tipps - Xing, Twitter & Co. [12]
  • Ratgeber: Xing erfolgreich nutzen - Komplett-Edition [13]
  • Ratgeber: Optimieren Sie Ihr Xing-Profil [14]

Durch Empfehlungsmarketing bei Kunden ins Gespräch kommen

Wer bei potenziellen Kunden ins Gespräch kommen will, kann dafür grundsätzlich zwei Wege beschreiten: die kostenintensive Eigenwerbung oder das kostengünstige Empfehlungsmarketing. Allerdings wird nur derjenige weiterempfohlen, dessen Angebote herausragend sind – und den die Kunden darüber hinaus sympathisch finden. Denn mit einer Empfehlung wollen sich Unternehmen selber schmücken, und anderen Gutes tun. Wer Mittelmaß bietet und nicht sympathisch erscheint, wird auch nicht empfohlen. 

Doch selbst wenn alle Voraussetzungen stimmen, denken Kunden nicht immer automatisch daran, einen Anbieter positiv ins Gespräch zu bringen. Deshalb gilt es, seine Kunden ein wenig zu „impfen“. Dies sollte jedoch so elegant wie möglich geschehen, wie die folgenden Hinweise zeigen:

  • Werden Sie zunächst selbst als Empfehler aktiv! Suchen Sie nach empfehlenswerten Leistungen in Ihrem Umfeld und beginnen Sie, Empfehlungen auszusprechen. So erfahren Sie am ehesten, wie sich Empfehlende fühlen und wie das Empfehlen im Einzelnen wirkt. Bestimmt werden Ihnen die so Begünstigten das bei Gelegenheit mit einer Empfehlung vergelten.

  • Bringen Sie gezielt Unterhaltungen in Gang, die das Thema Empfehlen zum Inhalt haben! Achten Sie dabei auf Informationen, die Empfehlungschancen beinhalten und fragen Sie – verknüpft mit einer plausiblen Begründung – systematisch nach Empfehlungsadressen.

Beispiel:
„Wir möchten expandieren. Kennen Sie jemanden, der sich für unser Angebot ebenfalls interessieren könnte?“

  • Bitten Sie Ihre Kunden, Sie zu empfehlen! Wie das gehen kann, zeigt folgender beispielhafter Ausspruch: 

„Übrigens, wenn Sie mit uns zufrieden waren, dann sagen Sie es doch bitte den Anderen. Und falls Sie einmal nicht so zufrieden sind, dann sagen Sie es bitte gleich mir!“

  • Erweitern Sie Ihren Kontaktkreis und bringen Sie sich dabei gezielt ins Gespräch! Bleiben Sie auf Veranstaltungen, Kongressen und Messen nicht bei den Personen stehen, die Sie schon kennen. Machen Sie es sich bei Events zum Prinzip, höchstens zehn Minuten mit den gleichen Personen zu plaudern. Vor allem: Gehen Sie nicht allein zum Essen!

  • Legen Sie sich eine pfiffige Vorstellung zu, damit man sich schnell an Sie erinnert – und wohlwollend über Sie spricht. Sich auf eine solche Weise interessant zu machen, ist der Knackpunkt. Nur wer Eindruck macht, weil er etwas ganz Besonderes ist, hat oder kann und damit in guter Erinnerung bleibt, wird weiterempfohlen.

  • Nehmen Sie viele Einladungen an! Zeigen Sie sich in der Öffentlichkeit, gehen Sie auf lokale Feste, engagieren Sie sich in Vereinen oder wohltätigen Einrichtungen. Wenn Sie überall präsent sind, wird auch über Sie gesprochen. Empfehlungen sind Vertrauenssache, und Vertrautheit festigt Vertrauen.

  • Engagieren Sie sich in webbasierten Sozialen Netzwerken! Werden Sie in Internetforen aktiv und bringen Sie dort Ihre sachkundige Meinung ein. Kommentieren Sie Blogeinträge und gegebenenfalls auch fachliche Beiträge bei Facebook und Google+. Eine ganz wichtige Regel dabei: Halten Sie sich mit Eigenwerbung zurück und glänzen Sie lieber durch Fachkompetenz!

  • Legen Sie sich Empfehlungsgeschichten zurecht, die Sie im Kundengespräch unterbringen können! Die wirkungsvollsten Geschichten sind wahre Geschichten über den erfolgreichen Einsatz Ihrer Leistungen. Erzählen Sie beispielsweise von einem Kunden, der durch Ihr Produkt einen neuen Markt erobert hat. Schildern Sie in allen Facetten, wie sich das im Einzelnen zugetragen hat. Erzählen Sie von seinen Zweifeln am Anfang, von seinem Abwägen, auch von den ersten Hindernissen und schließlich vom Durchbruch. Und erwähnen Sie dann beiläufig, dass dieser Kunde durch eine Empfehlung auf Sie aufmerksam wurde.

  • Verknüpfen Sie Exklusives mit einem kleinen Geheimnis! Geheimnisse werden bekanntlich sofort weitererzählt. Erfinden Sie ein Codewort, das den Weg zu einem Rabatt, zu einem Sonderangebot oder zu einer besoneren Serviceleistung freimacht und erläutern Sie, warum nur die ausgewählte Zielgruppe dieses Codewort erhält. Der gewünschte Effekt: Ihr Codewort wird an gute Freunde weitergegeben. Auch wenn Sie dafür etwas „opfern“ müssen, sollten Sie bedenken: Klassische Neukundenwerbung ist viel teurer.

  • Tun Sie Dinge, die überraschend, einzigartig anders, faszinierend, spektakulär und in Ihrer Branche noch nie dagewesen sind! Sorgen Sie dabei vor allem für emotionale „Berührungen“. Eine geniale Idee, die unauslöschlich mit Ihrem Namen verbunden ist, hält vielleicht ewig. Meist ist es allerdings eine Summe von Kleinigkeiten, die Sie empfehlenswert macht. „Pieces of conversation“ sagen die Amerikaner dazu.

  • Werden Sie zum Stadtgespräch, beispielsweise durch eine verrückte Aktion auf der Straße, die von Zeitungsreportern oder Fernsehkameras eingefangen werden kann (Guerilla-Marketing).

  • Halten Sie Fachvorträge über Ihr Wissensgebiet! Veranstalten Sie dazu offene Info-Abende oder nehmen Sie Kontakt mit IHKs, Kongressveranstaltern, Verbänden oder Wirtschafts- und Marketingclubs auf. Diese sind ständig auf der Suche nach guten Referenten mit spannenden Themen. Konnten Sie beeindrucken, sorgt dies für reichlich Gesprächsstoff im Umfeld der Zuhörer – und damit auch für Weiterempfehlungen.

  • Wenn Sie eine Kundenveranstaltung planen, bitten Sie jeden Ihrer Kunden, eine interessierte Person mitzubringen, die noch nicht Kunde ist. Laden Sie auch Multiplikatoren ein. So können begeisterte Kunden mit Interessenten über erfolgreich abgewickelte Projekte plaudern und Sie (hoffentlich) in den höchsten Tönen loben. Dies verschafft Ihnen eine breitere Öffentlichkeit und neue Kunden.

  • Sammeln Sie während einer Veranstaltung gezielt Visitenkarten für das Follow-up! Finden Sie einen Aufhänger, um sich noch einmal ins Gespräch zu bringen: durch einen Presseartikel, eine witzige Zusammenfassung der Ereignisse, digitalisierte Fotos, ein Audio- oder Video-Podcast, die PowerPoint-Präsentation des Starredners oder positive Statements zum Geschehen – und kommunizieren Sie dies eifrig.

  • Fragen Sie alle bestehenden Kunden nach ihrer Weiterempfehlungsbereitschaft: „Inwieweit können Sie sich vorstellen, uns weiterzuempfehlen?“ Fragen Sie auch alle neuen Kunden, wie sie auf Ihre Angebote aufmerksam wurden. So ermitteln Sie Ihre Empfehlungsrate, die wichtigste betriebswirtschaftliche Kennzahl.

Noch ein Tipp zum Schluss: Bauen Sie sich eine Empfehlungsdatenbank auf. Sie enthält nicht nur die Daten und Fakten, die zu den von Ihnen identifizierten Empfehlern gehören, sondern auch die so wichtigen emotionalen Details. Gerade dieses Wissen, zum Beispiel über Hobbies, sorgt manchmal für den entscheidenden Anknüpfungspunkt, aus dem sich dann gute Empfehlungsmöglichkeiten ergeben.

Hinweis

Von der Autorin ist auch das Buch Zukunftstrend Empfehlungsmarketing: Der beste Umsatzbeschleuniger aller Zeiten erschienen [15] .

Über Kundendialog und Ko-Kreation zu Innovationen

Die in den letz­ten Jah­ren entstan­de­nen Mar­ke­ting­werk­zeu­ge mar­kie­ren zwei Trends: Ers­tens mehr Interaktion zwischen Un­ter­neh­men und Kun­den, zwei­tens ei­ne stär­ke­re Kun­den- und Com­mu­ni­ty-Zen­trie­rung. Ein Trei­ber die­ser Ent­wick­lung ist das In­ter­net, das permanent neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten her­vor­bringt. Wei­te­re Trei­ber sind die zu­neh­men­de Kon­kur­renz und die wach­sen­de Kom­pe­tenz der Kun­den. Im Kun­den­di­a­log be­ginnt ein Un­ter­neh­men, von den Kun­den zu ler­nen und die ei­ge­nen Leis­tun­gen und An­ge­bo­te aus Kun­den­sicht zu se­hen. In der Ko-Kre­a­ti­on sind die Kun­den Part­ner in ei­nem per­ma­nen­ten Ent­wick­lungs- und In­no­va­ti­ons­pro­zess.

Chancen von Kundendialog und Ko-Kreation

Kri­sen und Skan­da­le zeh­ren in vie­len Bran­chen am Ver­trau­ens­ka­pi­tal. Wo die Bin­dung der Kun­den er­schüt­tert wird, stei­gen die un­ter­neh­me­ri­schen Ri­si­ken. Der Di­a­log mit Kun­den baut Ver­trau­en wie­der auf. Kun­den, die die Er­fah­rung ma­chen, dass man ih­nen wirk­lich zu­hört und dem Zu­hö­ren auch Ta­ten fol­gen lässt, wer­den zu Für­spre­chern des Un­ter­neh­mens. Wo Ver­trau­en wächst, ent­steht Bin­dung. Kun­den­bin­dung wird dann zu ei­ner au­to­ma­ti­schen Fol­ge der wach­sen­den Be­zie­hung zu Kun­den. Der Di­a­log wirkt in bei­de Rich­tun­gen: Auch das Un­ter­neh­men emp­fin­det mehr Ver­trau­en und Bin­dung zu sei­nen Kun­den. 

Im Di­a­log er­hal­ten Un­ter­neh­men di­rek­te, dif­fe­ren­zier­te Rück­mel­dun­gen zu ih­ren Pro­duk­ten, Ser­vi­ces und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­ge­bo­ten. Re­ak­ti­o­nen und Be­weg­grün­de der Kun­den wer­den sicht- und nachvollziehbar. Wer Kun­den dann noch wei­ter­ge­hend zur Kre­a­ti­on neu­er Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen ein­lädt, wird von ihrer Kre­a­ti­vität und Kom­pe­tenz über­rascht sein. Sie ken­nen sich oft bes­ser aus als die Ent­wick­ler und Ent­schei­der selbst. Ihre Ideen ent­sprin­gen un­mit­tel­bar ih­ren Be­dürf­nis­sen und Nut­zungs­er­fah­run­gen. Mehr Kun­den­nä­he im wahrsten Sinne des Wortes ist nicht möglich.

For­mat „Kun­den­fo­rum“

Kun­den­fo­ren las­sen gro­ßen Ge­stal­tungs­spiel­raum. We­der bei der Teil­neh­mer­zahl noch beim Rhyth­mus gibt es ein­schrän­ken­de Vor­ga­ben. Schon mit etwa zehn Teil­neh­mern lässt sich ein Kun­den­fo­rum ver­an­stal­ten, es dür­fen aber auch 100 und mehr Kun­den zu­sam­men­kom­men. Je nach Grup­pen­grö­ße und Ziel von Kun­den­fo­ren kom­men un­ter­schied­li­che Mo­de­ra­ti­ons­me­tho­den zum Ein­satz, bei­spiels­wei­se World Café, Bar­Camp oder Dy­na­mic Fa­ci­li­ta­ti­on. Das The­ma ei­nes Kun­den­fo­rums kann so­wohl durch die Kun­den als auch durch das Un­ter­neh­men be­stimmt wer­den. Kun­den­fo­ren eig­nen sich gut zum Test des Di­a­logs, da sie kei­nen Wie­der­ho­lungs­zwang aus­lö­sen.

Die Vorteile eines Kundenforums im Einzelnen:

  • Als Ein­zel­veran­stal­tung oder als Se­rie mög­lich
  • Dau­er etwa zwei­ein­halb bis drei­ein­halb Stun­den
  • Ab 10 bis über 100 Teil­neh­mer mög­lich
  • The­ma kann durch das Un­ter­neh­men ge­setzt oder al­ter­na­tiv wäh­rend des Fo­rums durch die Kun­den be­stimmt wer­den

Hinweis

Lesen Sie dazu auch unseren Fachbeitrag Dynamic Facilitation: Wenn der Moderator die Besprechung frei laufen lässt [16] .

In unserem Management-Handbuch erfahren Sie außerdem mehr zum Thema Moderation [17] .

For­mat „Kun­den­bei­rat“

Mit ei­nem Kun­den­bei­rat wird der Di­a­log mit Kun­den fest im Un­ter­neh­men in­sti­tu­ti­o­na­li­siert. Aus­ge­wähl­te Kun­den re­prä­sen­tie­ren die Stim­me der Kun­den im Un­ter­neh­men. Sei­nem Na­men ent­spre­chend hat ein Kun­den­bei­rat nur be­ra­ten­de Funk­ti­on. Die Aus­wahl der Kun­den­bei­rä­te muss trans­pa­rent er­fol­gen, bei­spiels­wei­se mit ei­nem Los-Ver­fah­ren. Die Bei­rä­te er­hal­ten eine Auf­wands­ent­schä­di­gung. Min­des­tens zwei­mal jähr­lich soll­te ein Kun­den­bei­rat ta­gen. Die Agen­da kann von Kun­den und Un­ter­neh­men glei­cher­ma­ßen be­stimmt wer­den. Da­bei reicht die The­men­pa­let­te vom Feed­back zu vor­han­de­nen oder ge­plan­ten Leis­tun­gen bis hin zur Pro­dukt­ent­wick­lung.

Die Vorteile eines Kundenbeirats im Einzelnen:

  • Pro Jahr zwei bis drei Sit­zun­gen
  • Ab­hän­gig von Un­ter­neh­mens­grö­ße und Ziel­grup­pe zwi­schen 12 und 30 Teil­neh­mer
  • The­men kön­nen durch das Un­ter­neh­men und durch die Kun­den­bei­rä­te be­stimmt wer­den

For­mat „Rat der Kun­den“

Beim Rat der Kun­den geht es um grund­le­gen­de stra­te­gi­sche Emp­feh­lun­gen der Kun­den zur Un­ter­neh­mens- und Pro­dukt­ent­wick­lung. In ei­nem in­ten­si­ven Di­a­log­pro­zess fil­tern die be­tei­lig­ten Kun­den die The­men­kom­ple­xe, die ih­nen am dring­lichs­ten er­schei­nen. Der Rat der Kun­den ba­siert auf der Mo­de­ra­ti­onsme­tho­de Dy­na­mic Fa­ci­li­ta­ti­on. Ide­al­er­wei­se bes­teht ein Rat aus 12 bis 18 per Los aus­ge­wähl­ten Kun­den. Mehr als 20 Teil­neh­mer soll­ten es nicht sein, da­mit alle Stim­men um­fas­send ge­hört wer­den.

Ziel ist es, zu ei­ner ge­mein­sa­men Emp­feh­lung al­ler be­tei­lig­ten Kun­den zu ge­lan­gen, die am Ende den maß­geb­li­chen Ver­tre­tern des Un­ter­neh­mens prä­sen­tiert wird. Für die­ses For­mat ist Zeit er­for­der­lich. Ein­schließ­lich der Prä­sen­ta­ti­on soll­ten ein bis ein­ein­halb Tage zur Ver­fü­gung ste­hen. We­gen des Zeit­auf­wands sollte den be­tei­lig­ten Kun­den außerdem eine Auf­wands­ent­schä­di­gung gezah­lt werden.

Die Vorteile eines Rats der Kunden im Einzelnen:

  • Als Ein­zel­veran­stal­tung oder als Se­rie mög­lich (ein bis zwei Mal pro Jahr)
  • Dau­er ein bis ein­ein­halb Tage
  • Zwi­schen 12 und 18 Teil­neh­mer
  • The­ma kann durch das Un­ter­neh­men mit ei­ner Leit­fra­ge mit­be­stimmt oder vollstän­dig durch die Kunden be­stimmt wer­den

For­mat „On­li­ne-Kun­den­di­a­log“

Die On­li­ne-Va­ri­an­te des Kun­den­di­a­logs bie­tet sich vor al­lem für Un­ter­neh­men an, die über­re­gi­o­nal ope­rie­ren beziehungsweise de­ren Ver­trieb und Kom­mu­ni­ka­ti­on vor­wie­gend im In­ter­net stattfinden. Im en­ge­ren Sinn ist die On­li­ne-Va­ri­an­te kein ei­ge­nes For­mat, son­dern nur eine an­de­re Platt­form für den Di­a­log. Alle zuvor dar­ge­stell­ten For­ma­te las­sen sich auch on­li­ne re­a­li­sie­ren. On­li­ne-Tools er­wei­tern die Mög­lich­kei­ten, wäh­rend gleich­zei­tig Raum-, Ver­pflegungs- und Rei­se­kos­ten ent­fal­len. Mit der ent­spre­chen­den Soft­ware kann der Teil­neh­mer­kreis bis zu 1.000 Kun­den um­fas­sen – eine Mög­lich­keit, die bei Prä­senz­veran­stal­tun­gen nur mit ho­hem Fi­nanz­auf­wand zu re­a­li­sie­ren ist. Da alle In­hal­te di­gi­tal vor­lie­gen, ist die Do­ku­men­ta­ti­on schnell erstellt und kann für die wei­te­re Be­ar­bei­tung bei­spiels­wei­se in asyn­chro­nen Kun­den­por­ta­len be­reit­ge­stellt werden.

Die Vorteile eines Online-Kundendialogs im Einzelnen:

  • Ab­hän­gig von der ein­ge­setz­ten Soft­ware sind 10 bis 1000 Teil­neh­mer in ei­nem syn­chro­nen On­li­ne­di­a­log mög­lich
  • Im Re­gel­fall nur ein PC mit In­ter­net­zu­gang auf Kun­den­sei­te er­for­der­lich
  • Beim Einsatz von Vo­i­ce over IP braucht es Kopf­hö­rer und Mik­ro­fon oder ein Head­set

Bedingungen eines gelingenden Dialogs

Die durch den Di­a­log aus­ge­lös­ten po­si­ti­ven Kun­den­re­ak­ti­o­nen er­rei­chen auch die Mit­ar­bei­ter. Wer­den sie eben­falls in den Di­a­log ein­be­zo­gen, ent­wi­ckelt sich eine zu­neh­men­de „Füh­rung vom Markt her” und der Weg für die Um­set­zung der Kun­den­wün­sche wird geebnet. Wer selbst da­bei war, kann die Wün­sche der Kun­den bes­ser ver­ste­hen. Au­ßer­dem sind alle Mit­ar­bei­ter di­rekt oder in­di­rekt Bot­schaf­ter des Un­ter­neh­mens und so am Mar­ke­ting be­tei­ligt. Entscheidend ist also: Fühlen die Mit­ar­bei­ter sich ge­hört und sind da­her über­zeug­te Bot­schaf­ter, oder ver­wei­gern vie­le dem ei­ge­nen Ar­beit­ge­ber die Emp­feh­lung an Ver­wand­te und Freun­de? 

In einem solchen Fall kann die Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on noch so gut sein – de­mo­ti­vier­te Mit­ar­bei­ter er­zeu­gen in der Kun­den­wahr­neh­mung Dis­so­nan­zen. Wie im Di­a­log mit Kun­den kann der Di­a­log mit Mit­ar­bei­tern hel­fen, sol­che in­ter­nen Dis­so­nan­zen be­wusst zu ma­chen und ab­zu­bau­en. In der Re­gel ha­ben die Mit­ar­bei­ter selbst zahl­rei­che Ideen, wie Pro­duk­te und Ser­vices ver­bes­sert werden können. Fin­den sie Ge­hör, wird ein kon­ti­nu­ier­li­cher In­no­va­ti­ons­pro­zess in Gang ge­setzt, der von in­nen und au­ßen Im­pul­se be­kommt.

Wo Ver­trau­en wächst, ent­steht Bin­dung. Es sind ei­ni­ge we­ni­ge Be­din­gun­gen, die es zu be­ach­ten gilt, um Ver­trau­en und Bin­dung wie­der wach­sen zu las­sen. Ein ein­zel­nes Di­a­log-Event kann in ei­ner aku­ten Si­tu­a­ti­on sehr hilf­reich sein. Wer aber auf Dau­er Ver­trau­en auf­bau­en will, wird mehr als nur ein ein­zel­nes Event ein­set­zen. Wird der Di­a­log von der Un­ter­neh­mens­füh­rung durch ak­ti­ve Prä­senz un­ter­stützt, hat das auf die be­tei­lig­ten Kun­den eine star­ke Sig­nal­wir­kung: Die Ab­sicht ist ernst­haft. Im Lau­fe der auf eine Di­a­log­veran­stal­tung fol­gen­den Wo­chen und Mo­na­te, wer­den be­tei­lig­te Kun­den sehr auf­merk­sam be­obach­ten, ob und wie das Un­ter­neh­men Kon­se­quen­zen er­greift: Wer­den die Ideen auf­ge­grif­fen beziehungsweise folgen den Wor­ten auch Ta­ten?

Da­bei kön­nen die Ta­ten auch in ei­nem klar for­mu­lier­ten Nein bes­te­hen. Selbst­verständ­lich kön­nen nicht alle Ideen um­ge­setzt wer­den, dass ist je­dem be­tei­lig­ten Kun­den klar. Wich­tig jedoch ist Tran­spa­renz: Was pas­siert mit mei­nen Vor­schlä­gen? Ant­wor­ten auf die­se Fra­ge müs­sen en­ga­gier­te Kun­den leicht nach­voll­zie­hen kön­nen. Da­mit der Di­a­log wei­te­re Wir­kung ent­facht, braucht es Kom­mu­ni­ka­ti­on nach innen und au­ßen. In bei­de Rich­tun­gen ist der Di­a­log ein wich­ti­ges Sig­nal: Wir be­we­gen uns auf­ei­nan­der zu!

Marketing-Matrix, Quelle: Institut für Stakeholder-Dialog

Kundenbindung mit Geschenken für Manager

Zu Weihnachten sind Deutschlands Führungskräfte bescheiden: 86 Prozent von ihnen freuen sich bei Weihnachtspost von Geschäftspartnern am meisten über persönlich verfasste Karten, gefolgt von Unternehmensspenden für soziale Zwecke und Werbegeschenken. Spirituosen liegen erst auf Rang vier der Beliebtheitsskala. Und obwohl nur einer von fünf Managern neutrale Grußkarten mag, verschickt mehr als jeder zweite diese selbst. Dies sind Ergebnisse des 24. LAB Managerpanels, einer bundesweiten Umfrage unter 531 Führungskräften, durchgeführt von der internationalen Personalberatung LAB & Company.

Klaus Aden, Geschäftsführender Gesellschafter von LAB & Company, sagt:

„Weihnachtspost sollte der Beziehungspflege dienen. In diesem Zusammenhang wird nichts mehr geschätzt als Zeit und Aufmerksamkeit.“

Ein Umfrageteilnehmer warnt:

„Unpersönliche Weihnachtskarten beweisen eindrucksvoll die mir entgegengebrachte Wertschätzung. Nämlich gar keine.“

Der Umfrage zufolge ist das optimale Weihnachtspräsent für Geschäftspartner eine individuelle, handgeschriebene Weihnachtskarte, verbunden mit der Ankündigung, Geld für soziale Zwecke zu spenden. Unbeliebt sind hingegen Weihnachtskarten per E-Mail – jedenfalls bei den Empfängern. Nur sechs Prozent von ihnen freuen sich darüber, jedoch dreimal so viele verschicken welche.

Probleme statt Freude bereiten auch Weihnachtspäckchen mit einem Wert von mehr als 20 Euro: Nur knapp ein Viertel nimmt diese bedenkenlos an. Mehr als die Hälfte schickt sie hingegen zurück oder verteilt und verlost sie unter seinen Mitarbeitern – womit der Schenkende den Sinn seines Präsents verfehlt hat.

Worüber sich Manager besonders freuen:

1. Persönlich verfasste Karten (86 Prozent)
2. Spende für soziale Zwecke (28 Prozent)
3. Originelle Werbegeschenke (27 Prozent)
4. Wein/Spirituosen (20 Prozent)
5. Neutrale Karten mit Unterschrift (18 Prozent)
(...)
10. Online-Karten (6 Prozent)

Was Manager Geschäftspartnern schenken:

1. Persönlich verfasste Karten (73 Prozent)
2. Neutrale Karten mit Unterschrift (56 Prozent)
3. Online-Karten (16 Prozent)
4. Wein/Spirituosen (13 Prozent)
5. Spende für soziale Zwecke (12 Prozent)
(...)
Bücher (3,3 Prozent)

Quelle: LAB Lachner Aden Beyer & Company

Trends bei PR mit Social Media und Pressearbeit

Gut jeder zweite Mitarbeiter aus Pressestelle und Agentur sieht in Social Media das Trendthema Nummer Eins (53 Prozent). PR-Verantwortliche kleinerer Unternehmen sind davon ebenso überzeugt wie Pressesprecher großer Firmen – allen voran die Vertreter aus Handel und Dienstleistung (Handel: 61 Prozent, Dienstleistung: 55 Prozent).

Journalisten bleiben erste Wahl

Auch das Thema „Pressearbeit 2.0“ steht für Kommunikatoren ganz oben auf der Agenda. In dem Mix aus klassischen PR-Instrumenten und Social Media sieht die Hälfte aller befragten Pressesprecher und Agenturmitarbeiter im kommenden Jahr immer noch große Herausforderungen auf die Branche zukommen (Pressestellen: 51 Prozent; PR-Agenturen: 50 Prozent). Und noch etwas scheint für jeden dritten Kommunikationsprofis klar: Social Media allein reicht nicht aus, um in 2012 erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit zu machen. „Storytelling“ wird im nächsten Jahr stark in den Fokus rücken (Pressestellen: 28 Prozent; PR-Agenturen: 33 Prozent). Auf Platz vier und fünf der Trendthemen stehen „Mobile PR“ und „Apps“.

Journalisten bleiben für PR-Schaffende unverzichtbar. Wenn es um Presseinformationen geht, ist der Redakteur für die Mehrheit aller Unternehmenssprecher und Agentur-Mitarbeiter immer noch die erste Ansprechperson (Pressestellen: 57 Prozent, PR-Agenturen: 68 Prozent). Trotzdem hat der Einsatz von Facebook, Twitter und Co. in der PR die Zusammenarbeit zwischen Redaktionen und PR-Fachleuten verändert. So ist rund jeder sechste Agenturmitarbeiter und jeder zehnte Pressesprecher begeistert: das Miteinander ist seitdem „besser geworden“ (16 Prozent). Gleichzeitig beklagt gut jeder zehnte, dass der Einsatz von Social Media die Arbeit mit Redakteuren „unpersönlicher“ gemacht hat (Pressestellen: 12 Prozent; PR-Agenturen: 14 Prozent).

Die Studie bestätigt auch, dass die Branche noch immer indifferent ist. Während knapp jede fünfte Pressestelle den Einsatz sozialer Netzwerke für die eigene PR-Arbeit weiterhin ablehnt (18 Prozent), ist jeder Zehnte inzwischen sogar davon überzeugt, dass Journalisten für die eigene PR „nicht mehr zwingend notwendig“ sind (10 Prozent).

Weitere Ergebnisse im Überblick

  • Social Media: Für 76 Prozent aller Pressestellen und 72 Prozent aller PR-Agenturen aktuell noch immer größte Herausforderung.
  • 47 Prozent aller Unternehmen wollen den Sprung in eine professionelle Kommunikation in Social Media noch machen. Jede fünfte Pressestelle experimentiert nur und „dabei wird es bleiben“. Ebenso viele setzen Social Media bereits professionell für ihre Arbeit ein (21 Prozent).
  • 19 Prozent aller Pressestellen und 23 Prozent aller Agenturen empfinden Social Media als völlig überbewertet.
  • 39 Prozent aller Unternehmenssprecher sind davon überzeugt, dass Google+ in naher Zukunft genauso wichtig oder sogar noch wichtiger sein wird als Facebook. Die Mehrheit bezweifelt das (61 Prozent).
  • Für 40 Prozent aller Unternehmen spielt das Thema Mobile, zum Beispiel Smartphones oder Apps eine wichtige Rolle. Jedes fünfte Unternehmen bietet bereits eine eigene App an. Fast jeder zweite Mitarbeiter in einer Pressestelle ist heute schon im Besitz eines Smartphones, knapp jeder sechste verfügt über Tablet-PC oder iPad.

Hinweis

Am PR-Trendmonitor 2011 haben 2.570 Fach- und Führungskräfte aus PR-Agenturen und Pressestellen verschiedener Unternehmen im Rahmen einer Online-Befragung durch die dpa-Tochter news aktuell und der Hamburger Kommunikationsberatung Faktenkontor teilgenommen.

Die ausführlichen Umfrage-Ergebnisse können Sie hier [18] nachlesen.

Quelle: presseportal.de

Kunden und User im Internet mit Marketing persönlich ansprechen

Eine Suche bei Google liefert jedem Nutzer ein personalisiertes Ergebnis. Ruft ein Kunde die Einkaufsplattform Amazon auf, werden ihm auf seine Interessen zugeschnittene Produkte empfohlen. Auch beim Surfen auf den gängigen Magazin- und Portalseiten werden den Internetnutzern mittlerweile individuelle Werbeanzeigen und Linkempfehlungen angezeigt. Personalisierte Inhalte im Web werden zur Selbstverständlichkeit. Auch bei der Entwicklung von Online-Angeboten und Corporate Websites wird dieser Trend nicht haltmachen, deshalb werdem im Folgenden Ansätze, Werkzeuge und Konzepte zur Personalisierung von Online-Maßnahmen vorgestellt.

Personalisierung durch Selbstbewertung

Eine Form der Personalisierung stellt die Selbstbewertung oder Selbsteinschätzung durch den Nutzer dar. Dies kann beispielsweise durch einen Schieberegler (Einsteiger, Experte, Profi) auf der betreffenden Webseite erfolgen. Durch die Nutzeraktivität wird der Webseite mitgeteilt, in welcher Komplexität oder Detailtiefe die Inhalte der Webseite angezeigt werden sollen. Produktinformationen können für Einsteiger beispielsweise reduziert oder die Sortierung der Produkte verändert werden.

Personalisierung durch Benutzerprofile

Die wohl am häufigsten genutzte Form der Personalisierung ist die des Benutzer-Logins. Nach erfolgreicher Registrierung des Nutzers kann eine personalisierte Sicht auf die Webseite angezeigt und die Inhalte nach den Bedürfnissen des Nutzers manuell oder automatisch angepasst werden. Durch die notwendige Registrierung entsteht hierbei allerdings eine Hemmschwelle, die in Zeiten sozialer Netzwerke immer größer wird. Die Nutzer sind immer weniger bereit, zusätzliche Profile auf verschiedenen Webseiten anzulegen oder zu pflegen.

Eine Alternative kann die Personalisierungsmöglichkeit von Facebook sein, die eine Verbindung des Nutzerprofils bei Facebook mit der Webseite erlaubt. Allerdings ist auch hier – mit Blick auf den Datenschutz – die Akzeptanz bei den Nutzern eher gering. Entsprechend zurückhaltend werden diese Funktionen genutzt.

Automatische Personalisierung durch Interessen-Tracking

Basis für die Personalisierung von Webseiten ist eine thematische Zuordnung von Inhalten. Durch diese Zuordnung der Webseiteninhalte zu verschiedenen Interessen- oder Themenprofilen kann innerhalb eines Content-Management-Systems festgelegt werden, für welche Zielgruppen die Inhalte passend sind. Sind die Inhalte eines Online-Angebotes entsprechend kategorisiert, können diese Informationen dem Nutzer bei der Auslieferung der Webseite in Form eines Cookies zugeordnet werden.

Beispiel:
Ein Reifenhersteller bietet Sommer- und Winterreifen sowie Allwetterreifen (Kategorie „Saison“), günstige und teure Varianten (Kategorie „Preis“), Reifen mit besonderen Qualitätsmerkmalen und guten Testergebnissen (Kategorie „Qualität“) an. Gelangt ein neuer Besucher auf die Webseite, werden ihm auf der Startseite verschiedene Inhalte und Einstiegsmöglichkeiten angeboten. Wählt er beispielsweise einen Artikel über den neusten Testbericht, so wird eine Seite aufgerufen, die der Kategorie „Qualität“ zugewiesen ist. Zudem handelt es sich eventuell um einen günstigen Reifen (Kategorie „Preis“). Somit werden dem Nutzer in beiden Kategorien Punkte gutgeschrieben, die zu einer späteren Auswertung genutzt werden können.

Durch den Besuch von verschiedenen thematisch zugeordneten Seiten wird Stück für Stück beziehungsweise Klick für Klick das Nutzerprofil gebildet. Nach vier bis fünf Seitenabrufen kann recht gut festgestellt werden, welcher Nutzertyp die Webseite aktuell aufruft. Diese Daten können zur Personalisierung genutzt werden.

Personalisierung durch Geokoordinaten

Die aktuell am häufigsten genutzte Form der Webseiten-Personalisierung erfolgt auf Basis von Geo-Lokalisierung der Nutzer. So lassen sich über die IP-Adresse des Nutzers Rückschlüsse auf dessen Aufenthaltsort ziehen und diese Informationen nutzen, um beispielsweise die nächstgelegene Filiale oder ein passendes Service-Center zu präsentieren. Auch eignen sich diese Informationen sehr gut, um sie mit weiteren regionalen Daten zu verknüpfen: Die Information, dass aktuell am Standort die Sonne scheint oder für die kommende Woche Schnee vorhergesagt ist, kann wiederum beim Besuch der Webseite zu einer passenden Produktempfehlung genutzt werden.

Personalisierung durch Anreicherung von Kundendatenbanken

Die durch die verschiedenen Personalisierungskonzepte gewonnen Daten eignen sich ideal, um nachgelagerte Marketing-Maßnahmen zu personalisieren oder zielgruppengerecht zu optimieren. So kann bei einer Newsletter-Anmeldung des Besuchers oder der Nutzung eines Kontaktformulars das entsprechende Interessenprofil, die Selbstbewertung oder aber die verknüpften Informationen aus dem Benutzerprofil an eine Kundendatenbank oder ein CRM-System übergeben werden. Entsprechende personenbezogene Daten sollten nach den Datenschutz-Richtlinien gespeichert und die Nutzer vorab durch die Einwilligung der Datenschutzbestimmungen in Kenntnis gesetzt werden.

Personalisierung von Newsletter- und E-Mail-Marketing-Kampagnen

Auf dieser Datenbasis können zielgruppengenaue E-Mail-Marketing-Kampagnen oder Newsletter generiert und diese nach den Interessenprofilen der registrierten Empfänger personalisiert werden. Moderne Newsletter-Systeme unterstützen den Kunden hierbei und erlauben das Anlegen von Profil- und Interessengruppen. Auf dieser Basis lassen sich Informationen im Newsletter priorisiert darstellen oder um Produktempfehlungen ergänzen. Ein Newsletter des oben beschriebenen Reifenhändlers könnte dann zielgerichtet an preissensible Kunden in einer bestimmten Region versandt werden oder auf eine Sonderaktion für Winterreifen aufmerksam machen.

Personalisierte Werbung durch Remarketing

Seit Anfang 2010 bietet Google mit seiner Remarketing-Funktion die Möglichkeit, Besucher einer Webseite oder Landing-Page zu erfassen und anschließend über Werbeanzeigen gezielt anzusprechen. Hierfür muss aus Datenschutzgründen zunächst eine kritische Masse von 100 Nutzern erreicht werden, welche die entsprechende Seite aufgerufen haben. Anschließend können die Werbeanzeigen ausgeliefert werden. Für den Reifenanbieter im Beispiel eröffnet sich hier die Möglichkeit, Besucher, die bestimmte Produkte angeschaut haben, nochmals gezielt durch Anzeigen bei der Google-Suche oder im Google-Werbenetzwerk anzusprechen. Diese können so auf Sonderangebote oder spezielle Rabatte hingewiesen werden.

Ausblick auf das personalisierte Web

Durch soziale Netzwerke wie Facebook oder Google+ geben die Benutzer immer mehr Informationen über ihre Interessen und Bedürfnisse preis. Diese Daten werden – zumindest bei Facebook – bereits zur zielgruppengerechten Auslieferung von Werbung genutzt. Google wird hier sicherlich folgen und über „AdWords“ den Mitgliedern von Google+ noch passendere Anzeigen ausliefern. Auch im Bereich der losgelösten Online-Angebote wie Corporate Websites wird sich dieser Trend auswirken. Durch die Reduzierung von Streuverlusten und eine immer bessere Ansprache der Nutzer lassen sich die Erfolgsquoten und Konversionsraten optimieren und neue Kunden gewinnen. Das Web wird weiter personalisiert werden – von der Suchergebnisseite über die Firmenhomepage bis hin zum E-Mail-Newsletter.

Social Media und Dialog mit Kunden online

Charts, die explodierende Zahlen von Social-Network-Usern darstellen, lösen bei vielen Verantwortlichen in Unternehmen Mitmachkribbeln und Angst vor dem Verpassen eines Mega-Trends aus. Bei genauerem Hinsehen jedoch fällt auf, dass sich diese Charts oft auf Zielgruppen beziehen, mit denen man ohnehin keine Geschäfte machen könnte. Aussagen in Studien wie „... geben rund 71,9 Prozent der befragten Unternehmen an, dass Social Media aktuell eine sehr hohe Bedeutung besitzt“ erzeugen eine Wichtigkeit, die den Leser nicht erkennen lässt, dass hier gerade einmal knapp über 100 Unternehmen befragt wurden. Unklar bleibt, ob die Befragten nicht Arbeitsplätze und damit Eigeninteressen im Social-Media-Umfeld haben. 

Vielfach werden auch imponierende Studienergebnisse zitiert, die in Ländern außerhalb von Deutschland ermittelt wurden und somit für den deutschen Markt wenig bis überhaupt nicht relevant sind. Erfolgsmeldungen über immer neue User von Facebook reduzieren sich bei nüchterner Betrachtung auf Zielgruppen, die allenfalls in B2C-Märkten als potenzielle Käufer in Betracht kommen.

Bisher Fehlanzeige: Messbares Umsatzplus mit Social Media

Tunlichst verschwiegen werden die zahlreichen Social-Media-Flops, die viele Unternehmen ihr Ansehen und viel Geld gekostet haben. Nur ganz selten hört man beispielsweise davon, dass ein Unternehmen von der Community mit übelsten Schmähungen abgestraft wurde, weil eine über die Social-Media-Kanäle verbreitete Heldenstory als gezielte und unwahre Werbekampagne entlarvt wurde. Oder von der Social-Media-Kampagne für ein neues Angebot, das die User flugs in eine Beschwerde- und Frustablassaktion über das Unternehmen umfunktionierten. In diese Kategorie fallen auch Lobhudeleien mit Social Media-Instrumenten über neue Produkte, die von der gnadenlosen Community als vorsätzlich falsche Bewertungen enttarnt wurden und die Verantwortlichen ihre Existenzgrundlage gekostet haben.

Im B2B-Bereich, wo es um die Kommunikation zwischen Führungskräften in Unternehmen zwecks Anbahnung von Geschäften geht, fehlen bisher Erfolgsmeldungen über nachweisbare und messbare Ertrags- oder Umsatzsteigerungen durch Social-Media-Engagement. Jeder Marketing-Verantwortliche im B2B-Geschäft kennt die Frage nach dem Return on Investment seiner Tätigkeiten. Bei einem Social-Media-Engagement fehlen indes hierfür alle relevanten Kennzahlen. Befürworter messen Werte wie Anzahl der Fans oder Fanzuwachs pro Zeit. Dies mag für Consumer-Marken relevant sein, im B2B-Bereich aber zählt, was am Ende eines Sales Cycle herauskommt: Umsatz und Ertrag. Ein Verkäufer, dem unzureichender Umsatz vorgehalten wird, könnte sich sicherlich nicht damit retten, wenn er auf seine zahlreichen Fans hinweisen würde.

Führungskräften in kleinen oder mittleren Unternehmen sei dringend angeraten, ihre Entscheidung über ein aktives Social-Media-Engagement des eigenen Unternehmens sorgfältig und systematisch abzuwickeln. Bewährt hat sich folgender Prozess:

  1. Definition der Erfolgsfaktoren
  2. Beschaffung und Gewichtung von Zahlen und Fakten
  3. Bewertung der Erfüllungsgrade
  4. Bewertung des Gesamtnutzens
  5. Entscheidung

Die Erfolgsfaktoren können in verschiedenen Ansätzen definiert werden. Social Media wird allgemein dem Marketing zugeordnet und als Instrument der Online-Kommunikation genutzt. Ein Erfolgsfaktor wäre also die Art und der Umfang der Berichterstattung über das eigene Unternehmen beziehungsweise die Produkte oder Leistungen. Ein weiterer Erfolgsfaktor könnte der Vergleich dieser Berichterstattung zu den Hauptkonkurrenten sein. Oder der Traffic, der durch Soziale Medien auf die eigene Webseite gelenkt wird. Wichtig bei der Definition der Erfolgsfaktoren ist die Auswahl solcher Faktoren, die messbar und reproduzierbar sind.

Die Beschaffung von Zahlen und Fakten kann in Eigenleistung oder durch spezielle Dienstleister realisiert werden. Zumeist reicht es aus, sich auf die Sozialen Medien mit den größten Reichweiten zu beschränken. Für die Gewichtung können Werteskalen von 0 für „ganz unwichtig“ bis 10 für „sehr wichtig“ gebildet werden. Zur Bewertung der Erfüllungsgrade können die bekannten Schulnoten von 1 bis 6 oder wiederum Werteskalen von 0 bis 10 verwendet werden. Bei einer Durchführung in Tabellenform durchgeführt, resultiert für jeden einzelnen Erfolgsfaktor und den jeweiligen Social-Media-Kanal ein Nutzenwert, der durch Addition als Gesamtnutzen bewertet werden kann. Idealerweise wird diese Entscheidungsmatrix ebenso auch für die klassischen Marketing-Instrumente angefertigt, die bisher schon im Unternehmen erfolgreich eingesetzt werden. Im Ergebnis erhält der Unternehmer gesicherte Entscheidungsgrundlagen für oder gegen ein aktives Social-Media-Engagement.

Online-Dialog mit Kunden auch ohne Social Media

Eine Entscheidung gegen ein aktives Social-Media-Engagement bedeutet keinesfalls eine Absage an einen direkten Online-Dialog mit gewerblichen Zielkunden im B2B-Geschäft. Gerade kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bietet sich eine Vielzahl effizienter Alternativen, die im Folgenden aufgezeigt werden:

1. Sales Cycle strukturieren

Wenn Sie den typischen Marketing- und Verkaufsprozess in fünf Phasen gliedern, können Sie jede Phase gezielt durch klassische Instrumente im Online-Marketing unterstützen:

  1. Aufmerksamkeit erregen
  2. Interesse wecken
  3. Angebot abgeben
  4. Entscheidung begleiten
  5. Auftrag abschließen

2. Webseite zum Kommunikationszentrum machen

Wenn Sie Ihre Firmenwebseite als Kommunikationszentrum umgestalten, können Sie über gezielte Informations- und Dialogangebote mit Ihren Zielgruppen kommunizieren. Dies funktioniert natürlich nicht mit der herkömmlichen Webseite, wo die Eigendarstellung im Vordergrund steht und Kommunikationselemente fehlen. Die Nutzung als Kommunikationszentrum setzt ebenso voraus, dass die thematischen Webseiten in den Suchmaschinen optimal platziert sind, eine hohe Popularität aufweisen und alle modernen Instrumente für Kommunikation und Dialog bieten. Ob eine Webseite diesen Anforderungen entspricht, kann recht einfach anhand von Checklisten ermittelt werden:

  • Top-Position in den Suchergebnissen der Suchmaschinen?
  • Hoher Page-Rank beziehungsweise guter Alexa-Rank?
  • Ausreichende Anzahl hochwertiger Backlinks?
  • Optimale interne und externe Verlinkung?
  • Bietet die Webseite moderne Funktionen zur Kommunikation?
  • Generiert sie regelmäßig Kontakte und Sales Leads?

Stichwort

Alexa ist ein Serverdienst, der Daten über Webseitenzugriffe durch Web-Benutzer sammelt und darstellt. Das betreibende Unternehmen Alexa Internet Inc. ist ein Tochterunternehmen von Amazon. Alexa Internet bewertet Websites nach der Art ihrer Anwahl in dem Sinne, ob diese direkt oder über ähnliche Seiten angewählt werden. Hierbei fungiert Alexa Internet nicht als Suchmaschine im engeren Sinn, sondern vielmehr als Datenbank, die diejenigen Seiten  listet, die zu der aktuell besuchten eine Beziehung haben, also thematisch ähnlich sind.

Können Sie diese Fragen nur mit nein beantworten oder sind sich nicht sicher, sollte detailliert geprüft werden, ob und wo die Webseite Optimierungspotenziale besitzt. Besonders anschaulich ist es, wenn die Kriterien der eigenen Webseite mit denen eines Hauptkonkurrenten in einem Vergleich gegenüber gestellt werden.

3. Mehr Aufmerksamkeit als die Konkurrenz erregen

Dies setzt voraus, dass die Aktivitäten der Hauptkonkurrenten bekannt sind und fortlaufend beobachtet werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass den Zielkunden Alleinstellungsmerkmale präsentiert werden können, die das eigene Unternehmen deutlich von den Konkurrenten unterscheidet. In der heutigen Informationsüberflutung erreicht nur das Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, das seinen Kunden eindeutige Identifikationsmerkmale bietet. Auf dieser Grundlage ist es leicht, etwa über Veröffentlichungen von Pressemitteilungen in Presseportalen oder klassischen Medien, Besucher auf so genannte Landing-Pages zu lenken, wo diese klare Verkaufsargumente (USP) vorfinden. Dies gelingt auch durch klassische Mailing- oder E-Mail-Aktionen. Erfolgsentscheidend sind ganz gezielte Handlungsvorschläge (Call to Action), womit die Besucher ihr Interesse bekunden und einen Dialog einleiten können.

4. Interesse durch Nutzen, Mehrwert und Erlebnisse wecken

Das Zauberwort des erfolgreichen Internetauftritts heißt Konversion: Informationssuchende sollen aus einer Suchmaschine auf die Webseite gelenkt, dort in einen Interessenten und später in einen Käufer oder Kunden konvertiert werden. Dies funktioniert, wenn die entsprechenden Instrumente auf der Webseite angeboten werden. Leider weisen viele Webseiten Konversionskiller auf, die Besucher abschrecken und die Konversion zunichte machen. Hierzu gehören:

  • Fehlender Nutzen
  • Hohe Textlastigkeit
  • Schwer verständliche Inhalte
  • Schlechte oder fehlende Differenzierung von Konkurrenten
  • Fehlende Aktions- oder Handlungsangebote

Die Abgabe von Angeboten in Phase Drei kann jederzeit über die Webseite abgewickelt werden, zum Beispiel durch entsprechende Downloadangebote oder spezielle Kurzabfragen von Parametern für eine automatische Angebotserstellung plus Versand als E-Mail an den Anforderer. 

5. Verkaufsgespräche im Web führen

Die Mehrzahl der Webseiten sind als Pin- oder Plakatwände konstruiert, mit vielen Informationen, aber ohne Dialog. Es werden keine Ansprechpartner genannt, geschweige denn persönlich vorgestellt. Kontaktformulare sind viel zu kompliziert und die Abfrage einer Unmenge eigentlich überflüssiger Pflichtfelder schreckt Besucher ab. Um die Phase Vier über die Webseite zu realisieren, muss zum Interessenten eine Vertrauensbasis geschaffen werden, damit er von sich aus die Bereitschaft zur persönlichen Kontaktaufnahme signalisiert. Dies beginnt mit einer vertrauenerweckenden Vorstellung des Unternehmens, seiner Mitarbeiter und der persönlichen Ansprechpartner. Weiterhin sind ständige Kontaktangebote über alle Kommunikationskanäle erforderlich, also Aufforderungen zum Anruf, E-Mail, Schreiben, Fax oder gar Besuch.

Die Entscheidungsbegleitung in Phase Vier wird durch Web-Angebote von Verkaufsargumenten unterstützt, die per E-Mail verschickt oder heruntergeladen werden können. Ist ein persönlicher Kontakt hergestellt, liegt es am Verhandlungsgeschick des Ansprechpartners, einen Auftrag abzuschließen. Phase Fünf kann aber auch durch ein Online-Shopping-Modul realisiert werden, sofern die angebotenen Produkte oder Leistungen hierfür geeignet, das heißt wenig beratungsintensiv sind. Jedes dieser klassischen Instrumente ist praxisbewährt und bietet im Gegensatz zu den derzeitigen Social-Media-Instrumenten alle notwendigen Kennzahlen einer exakten Erfolgsmessung oder Return-on-Investment-Berechnung.

 

Online-Marketing für KMU

Online-Marketing bietet viele Möglichkeiten, um im Internet erfolgreich zu sein. Doch bevor sich KMU mit den einzelnen Maßnahmen des Online-Marketings beschäftigen, sollten sich die Entscheider wie im klassischen Marketing zunächst zwei zentrale Fragen stellen:

  • Was will das Unternehmen im Internet erreichen?
  • Wen will das Unternehmen im Internet ansprechen?

Auch im Internet sind konkrete Ziele entscheidend für den Erfolg. Dabei geht es im Wesentlichen um folgende Bereiche:

  • Steigerung des Bekanntheitsgrads
  • Gewinnung von Interessenten und Kunden
  • Bindung von Kunden

Ebenso wichtig ist eine klare Zielgruppeneingrenzung. Wer soll angesprochen werden? Zum Beispiel:

  • Neukunden
  • Stammkunden
  • Endkonsumenten (B2C)
  • Einkaufsentscheider (B2B)
  • Multiplikatoren

Nach den Zielen und Zielgruppen des Unternehmens richtet sich die Wahl der passenden Maßnahmen. KMU sollten die wichtigsten kennen und wissen, mit welchen Maßnahmen sie welche Vorteile erzielen können:

Unternehmenswebsite: Präsenz im Internet

Die Unternehmenswebsite ist für Firmen der virtuelle Geschäftsraum. Hier empfangen sie ihre Kunden und Interessenten online. Mit Hilfe der Unternehmenswebsite können sie sich umfassend im Internet präsentieren, um Besucher von sich und ihrem Angebot zu überzeugen und sie bestenfalls als Kunden zu gewinnen. Neben dem Inhalt spielt die Benutzerfreundlichkeit der Seiten eine wichtige Rolle. Nicht viel anders als im wahren Leben, wo Geschäfte mit schnellem und freundlichem Service bevorzugt werden, sollten Unternehmen auch bei der Unternehmenswebsite die Bedürfnisse der Besucher in Sachen Aufbau, Inhalt und Gestaltung nicht aus den Augen verlieren. Eine informative und benutzerfreundliche Internetpräsenz ist für Unternehmen ein wichtiger Schritt zur erfolgreichen Kundengewinnung.

Suchmaschinenmarketing: von potenziellen Kunden gefunden werden

Damit ein Unternehmen und seine Produkte und Dienstleistungen im Internet gefunden werden, muss es bei den wichtigen Suchmaschinen präsent sein. Durch Suchmaschinenoptimierung lässt sich die Platzierung in den Trefferlisten einer Suchmaschine verbessern. Direkt beworben wird die Seite mit Hilfe von Suchmaschinenwerbung, dem sogenannten „Keyword-Advertising“. Wichtig ist hier die Zielgruppe: Während bei Google die Gesamtheit aller Internetnutzer erreicht wird, sprechen Business-Suchmaschinen ganz gezielt Einkaufsentscheider im B2B an, lokale Suchmaschinen fokussieren auf eine bestimmte Region und Branchenportale auf eine spezielle Branche. Mit der richtigen Suchmaschine können Interessenten gezielt angesprochen und als Kunden gewonnen werden.

Display-Marketing: Bekanntheit steigern über Banner & Co.

Auf neue Angebote aufmerksam machen und den eigenen Bekanntheitsgrad steigern – diese Möglichkeiten bieten grafische Elemente wie Banner und Buttons oder werbliche Text- und Bildinhalte auf Websites. Einzige Voraussetzung: Die Werbung muss genau auf den Websites zu sehen sein, auf denen sich auch die eigene Zielgruppe aufhält. So bieten sich beispielsweise Branchenportale mit einem Fokus auf die Branche für die klassische Online-Werbung im B2B an.

Video-Marketing: Aufmerksamkeit wecken

Videos werden sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich eingesetzt. Der klare Vorteil: Komplexe Produkte und Services können mit Hilfe von Videobotschaften auf ein verständliches Niveau gebracht werden. Allerdings kommt es auch hier darauf an, die Zielgruppe im Auge zu behalten: An wen möchte sich das Unternehmen wenden – Konsumenten, Entscheider, Fachkräfte oder Anwender? Allgemein sollte darauf geachtet werden, dass das Video ansprechend aufbereitet ist und dem Zuschauer Mehrwert bietet. Imagefilme sollten möglichst über den Unternehmensnamen auffindbar sein, Produktvorstellungen gut sichtbar auf der Unternehmensseite platziert werden und die Verbreitung von Videobotschaften über Pressemitteilungen, Social Media und andere Marketinginstrumente gewährleistet werden.

E-Mail-Marketing: persönliche Kundenansprache

Wer über einen hohen Anteil an Stammkunden verfügt, diese weiter an sich binden möchte oder beispielsweise einen Online-Shop für Klimasysteme betreibt, sollte über E-Mail-Marketing nachdenken. Mit E-Mailings, zum Beispiel in Form von Newslettern, können Kunden schnell, einfach und vergleichsweise kostengünstig angesprochen und regelmäßig mit relevanten Informationen versorgt werden. Spezielle Angebote, die direkt in den eigenen Online-Shop führen, unterstützen den Abverkauf zusätzlich.

Online-PR: durch Kompetenz überzeugen

In einer nicht werblichen Form können sich Unternehmen mittels Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Internet präsentieren. Als Spezialist auf dem eigenen Gebiet gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das eigene Unternehmen und sein Angebot im Internet zu präsentieren. Hintergrundinformationen, Fachbeiträge oder Antworten auf Fragen in fachspezifischen Blogs und Foren helfen, die Bekanntheit zu steigern oder Interessenten zu gewinnen.

Social Media: auf Augenhöhe mit den Kunden

Überwältigende Nutzerzahlen auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Google+ beweisen, dass das Thema Social Media weitaus mehr als nur ein kurzweiliger Hype ist. Auch für kleine und mittlere Unternehmen stellt sich daher die Frage, wann und wie soziale Medien gewinnbringend eingesetzt werden können. Bedeutsam ist hier vor allem der mögliche Dialog mit potenziellen und bestehenden Kunden: Ob Unternehmen Support und Service anbieten, Angebote exklusiv im Social Web bekannt machen, Meinungen zu Produkten einholen, Personal rekrutieren möchten oder eine interessante App zur Verfügung stellen – immer erhalten sie eine direkte Reaktion der Nutzer.

Voraussetzung hierfür ist allerdings ein hohes Engagement: Nur wer langfristig mit seiner Zielgruppe kommuniziert, relevante und innovative Inhalte liefert und idealerweise auf mehreren Plattformen aktiv ist, etwa auf Microblogs wie Twitter oder Business-Netzwerken wie Xing oder Linkedin, kann einen direkten Dialog mit der eigenen Zielgruppe herstellen und davon profitieren. Zudem ist es ratsam, sich intensiv mit den jeweiligen Plattformen auseinanderzusetzen, um zu verstehen, was die Zielgruppe dort erwartet und wie eine Platzierung des eigenen Unternehmens diesbezüglich einen konkreten Mehrwert liefern kann.

Affiliate-Marketing: Zielgruppen über Partner ansprechen

Unter dem Begriff Affiliate-Marketing werden internetbasierte Vertriebslösungen verstanden: Der Produktanbieter stellt Werbemittel zur Verfügung, die der Vertriebspartner oder „Affiliate“ auf seiner Seite, meist über einen Direktlink, bewirbt. Der Websitebetreiber erhält im Gegenzug eine Provision, die sich nach verschiedenen Kriterien wie Werbezeitraum, pro Tausend Werbeeinblendungen, Klicks, gewonnenen Kontakten oder eingegangenen Bestellungen richtet. Profitieren können hiervon auch KMU, die über Affiliate-Marketing die Möglichkeit erhalten, potenzielle Kunden anzusprechen, den eigenen Bekanntheitsgrad zu vergrößern und sukzessive eine Absatz- und Umsatzsteigerung herbeizuführen. Im Gegensatz zu konventionellen Werbemaßnahmen haben die Partnerprogramme den Vorzug, dass sie deutlich erfolgsorientierter verrechnet werden und daher für das eigene Unternehmen weniger finanzielle Risiken bergen, da Provisionen nur für den Verkauf gezahlt werden müssen.

Quelle: Wer liefert was? GmbH

Checklisten, wie sie von einigen Online-Marketing-Portalen bereitgestellt werden, liefern Entscheidungsgrundlagen bei der Einschätzung, ob die jeweilige Maßnahme für die eigenen Ziele und Zielgruppen geeignet ist. Sind die wichtigsten Maßnahmen erst gefunden, können Anbieter von Produkten und Dienstleistungen auch mit wenig Budget viel im Internet erreichen. Wichtig für die effektive Umsetzung: auf kleine Schritte setzen und Erfahrungen sammeln.

Hinweis

Linktipps zum Online-Marketing:

www.onlinemarketing-praxis.de [19]

Initiative von Online-Marketing-Experten mit praxisorientierten Informationen für Einsteiger und Fachleute inklusive Fachartikel, Fallbeispiele, Glossar und Checklisten zur Auswahl der relevanten Maßnahmen im Online-Marketing.

www.media-treff.de [20]

Fachinformationen zu Marketing- und Media-Themen, Interviews, Webcasts und Webinare von und mit Experten der Branche.

www.online-marketing-experts.de [21]

Fachbeiträge zu verschiedenen Bereichen des Online-Marketings.

www.onlinemarketing-blog.de [22]

Artikel, Trends und Praxistipps zu E-Mail-Marketing, SEM und SEO, Markenführung, Marketing-Trends, Marketing-Strategie und Online-Marketing im B2B-Bereich.

www.usabilityblog.de [23]

Wissens- und Diskussionsplattform mit den Schwerpunkten Usability und User Experience: enthält zusätzlich zahlreiche Beiträge zu den Themen Web-Analytics, Online-Marketing, SEO und SEM, Web-Design, Online-Shopping sowie Content- und Textgestaltung.

www.suchradar.de [24]

News und Infos rund um Suchmaschinenwerbung und –optimierung.

www.emailmarketingblog.de [25]

Trends, Empfehlungen und News im E-Mail-Marketing.

www.pr-blogger.de [26]

Blog zu Themen wie PR, Social Media, Reputation Management, Krisenmanagement im Web oder Content-Strategien.

Kundenloyalität für mehr Umsatz und weniger Kosten

Es ist schon paradox: Wie ein roter Faden zieht sich die Vernachlässigung der Bestandskunden als „Zweite-Klasse-Kunden“ und die parallel verlaufende Vernachlässigung ihrer Betreuer als „Zweite-Klasse-Verkaufsmitarbeiter“ durch die Managementdenke der letzten Jahrzehnte. Neukunden bekommen die besten Goodies, Eroberungen stehen am höchsten im Kurs. Kundenjäger sind die hochdotierten Helden vom Dienst. Dabei müsste es das größte unternehmerische Bemühen sein, alles zu tun, um aus teuer gewonnenen Kunden treue „Immer-wieder-Kunden“ zu machen und somit die angefallenen Akquise-Kosten auf eine möglichst lange Beziehungszeit zu verteilen. 

Doch Kundenpfleger sind die B-Mannschaft, und dementsprechend werden sie auch bezahlt. Genauso kommt das dann beim Kunden an. Service am Bestandskunden hat offensichtlich immer noch den Makel von Störungsbeseitigung und ist von daher ein Übel, das am besten in Hinterzimmern, im Backoffice, versteckt wird. Oder in externen Callcentern, wo die Mitarbeiterfluktuation hoch und die Anerkennung niedrig sind.

Für diejenigen, die die Zeichen der Zeit verstanden haben, sind Service-Einheiten bereits eine sprudelnde Geldquelle, eine Pflegestation für Kundentreue und ein Profitcenter für Zusatzverkäufe. Exzellente Beziehungsqualität verheißt eine hohe Loyalität. Und dies wiederum ist die beste Basis für Mundpropaganda und zahlreiche Weiterempfehlungen. Im strategischen Loyalitätsmarketing sollte deshalb Folgendes betrachtet werden:

  • Warum Loyalität für das Unternehmen so wichtig ist
  • Unter welchen Umständen sie zerstört wird
  • Wie sie dauerhaft gesichert werden kann
  • Wie sie sich messen und damit auch steuern lässt

Auf dieser Basis werden vor jeder kundenbezogenen Entscheidung die folgenden Fragen gestellt:

  • Erzeugt das, was wir vorhaben, Loyalität oder wird es die Kunden vertreiben?
  • Wird man uns dafür hassen oder lieben?
  • Erzeugt es Mundpropaganda und jede Menge Empfehlungsgeschäft?

Vorteile hoher Kundenloyalität beim Umsatz

Wer die Loyalität seiner Kunden gewinnt und auf Dauer bewahren kann, steigert seine Wertschöpfung. So ergeben sich auf der Umsatzseite folgende Vorteile:

Hohe Wiederkauf-Raten und mehr Frequenz

Loyale Kunden kaufen öfter. Sie konzentrieren ihre Kaufkraft auf wenige bevorzugte Anbieter. Sie kaufen auch regelmäßiger. Durch solchen quasi schon vorverkauften Umsatz erhöht sich die Planungssicherheit.

Zusatzverkäufe (Cross-Selling, Add-on-Selling, Up-Selling)

Loyale Kunden sind mit der kompletten Angebotspalette besser vertraut. Sie kaufen ergänzende, zusätzliche und meist auch hochwertigere Waren ein. Ihr Vertrauensvorschuss lässt sie bei Neueinführungen eher zugreifen.

Geringere Preis-Sensibilität

Die Zahlungsbereitschaft loyaler Käufer ist, bis auf Ausnahmen, höher. Die Rolle des Preises relativiert sich, sie vergleichen seltener. Außerdem verhandeln sie auch nicht auf Biegen und Brechen.

Längere Vertragsdauer

Loyale Kunden sind immun gegenüber anderen Anbietern und vergleichbaren Leistungen sowie resistent gegenüber Abwerbeversuchen. Verträge verlängern sie oft automatisch.

Kostenloses Neugeschäft

Durch positive Mundpropaganda und aktive Empfehlungen werden neue Kunden gewonnen. Ein Empfohlenes Geschäft ist leichter abzuschließen. Wer aufgrund einer Empfehlung Kunde wurde, spricht auch selbst eher Empfehlungen aus.

Homogenerer Kundenmix

Bestehende Kunden ziehen ähnliche Neukunden an. Dies verbessert die Kundenstruktur und ermöglicht die Spezialisierung auf favorisierte Kundengruppen.

Image- und Wettbewerbsvorteile

Loyale Kunden verteidigen „ihren“ Anbieter gegen Kritik oder Angriffe von außen. Sie reden schlecht über die Konkurrenz und diskreditieren deren Image.

Mehrumsatz durch Anregungen und Innovationsanstöße

Loyale Kunden engagieren sich und sagen, wenn ihnen etwas nicht passt. Sie machen auch Verbesserungsvorschläge. So werden sie zu Ideengebern und kostenlosen Unternehmensberatern. Kundenrelevante Produktinnovationen und neue Servicedienste können entstehen.

Vorteile hoher Kundenloyalität bei den Kosten

Reduzierung der Preise und des Personals mag ein kurzfristiger Krisenplan sein – ein nachhaltiges Erfolgsrezept ist es nicht. Eine hohe Kundenloyalität senkt die Kosten auf sehr viel effizientere Weise. Im Einzelnen bewirkt sie folgendes:

Niedrigere Akquisekosten

Kunden zu loyalisieren ist günstiger als Neukunden zu gewinnen. Denn Stammkunden brauchen weniger klassische Werbung und weniger kostenintensive Vertriebsarbeit.

Optimierter Werbemitteleinsatz

Durch Konzentration aller Aktivitäten auf die loyalsten Zielgruppen und die gezielte Ansprache derselben entstehen geringere Streuverluste.

Reduktion von Geschäftsrisiken

Es entstehen geringere Debitoren-Probleme, denn loyale Kunden zahlen (in aller Regel) besser beziehungsweise verursachen weniger Ausfälle. Geschäftsfreunde betrügt man nicht.

Verringerte Prozesskosten

Planbares Wiederkaufverhalten kommt Einkauf, Produktion und Logistik zugute. Dies führt zu reduzierten Transaktionskosten, zu höherer Prozesseffizienz sowie zu zeitsparenden Ablauf-Routinen. Da Kunde und Mitarbeiter gut miteinander vertraut sind, werden auch weniger Kundendienst-Ressourcen verbraucht.

Steigende Mitarbeiterzufriedenheit

Die sichtbare Wertschätzung loyaler Kunden verbessert das Arbeitsklima. Hierdurch steigen Engagement und Produktivität. Der Arbeitgeber wird zunehmend attraktiv: Stolz auf die Arbeit und den Arbeitsplatz entsteht. Dies wird nach außen getragen und lockt wiederum Kunden an.

Geringere Mitarbeiterfluktuation

Sie führt zu sinkenden Kosten für die Gewinnung und Ausbildung neuer Mitarbeiter sowie zu abteilungsübergreifend eingeschliffeneren Routinen und geringerem Fehlerrisiko. Passende Bewerber werden vorselektiert und durch positive Mundpropaganda angezogen.

Geringere Reklamationskosten

Treue Kunden sind toleranter gegenüber Fehlern. Sie sind großzügiger bei der Fehlerbereinigung und weniger fordernd bei Regressansprüchen. Sie halten ihrem Anbieter auch dann noch die Treue, wenn einmal Patzer passieren.

Honorarfreies Mitarbeiter- und Management-Coaching

Dies reduziert die Kosten für externe Berater und das Flop-Risiko bei der Neueinführung von Produkten und Services.

Wie hoch die Vorteile durch loyale Kunden sind, erkennen Unternehmen erst dann in aller Deutlichkeit, wenn sie beginnen, die anfallenden Kosten verursachungsgerecht auf Neukunden und Bestandskunden aufzuteilen. Für das Controlling heißt das: Messinstrumente und Kennzahlensysteme müssen gezielt auf Loyalitätsaspekte ausgerichtet werden.

Loyalitätsführerschaft als Ziel

Als Loyalitätsführer werden solche Unternehmen bezeichnet, die in ihrer Branche die höchste Kundenloyalität erzielen. Bei ihnen ist Loyalität in der Unternehmenskultur und auch in der Unternehmensstrategie fest verankert. Sie leben Loyalität glaubwürdig nach innen und außen, also ihren Beschäftigten, Partnern, Lieferanten und vor allem ihren Kunden gegenüber. Ihre Marken erzeugen eine hohe Markenloyalität, ihre Mitarbeiter zeigen eine hohe Mitarbeiterloyalität und bewirken dadurch wiederum eine hohe Kundenloyalität. Zum Loyalitätsführer werden Unternehmen, wenn sie sich an folgende nicht verhandelbare Meta-Regel halten: 

Nie auf Kosten rentabler loyaler Kunden!

Loyalitätsführer schöpfen aus dem Potenzial der existierenden Kundenbasis. Hierzu haben sie ihren Kundenbestand auf Entwicklungs- und Wachstumsstärke durchforstet sowie nach Loyalitäts- und Rentabilitätsgesichtspunkten segmentiert. Sie haben verstanden, dass Loyalität vor allem während der Besitz- beziehungsweise Nutzungsphase aufgebaut werden kann und muss. Sie identifizieren die maßgeblichen Loyalitätstreiber und dämmen Abwanderungsgründe ein. Und sie gestalten die Kundenerlebnisse so, dass es keine Wechselgründe mehr gibt.

So sichern sich Loyalitätsführer eine Monopolstellung in Kopf, Herz und Portemonnaie ihrer Kunden. Total loyale Kunden sind blind und taub für den Wettbewerb. Sie sind überzeugte und begeisterte „Immer-wieder-Käufer“. Als aktive positive Empfehler sorgen sie für leichtes, lukratives Neugeschäft. Dies ist der schnellste Weg zur Loyalitätsführerschaft.

Kundenbindung und Kundenloyalität aufbauen

Viele Unternehmen sehen im Customer Experience Management (CEM) lediglich eine Technologie, um die Qualität des Kundenservice zu überprüfen. Letztlich geht es darum, die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Die entscheidende Frage aber lautet: Sind die herkömmlichen CEM-Lösungen, wie sie beispielsweise bei Anbietern von Mobilfunk- und Festnetz-Services eingesetzt werden, in der Lage, die Kundenzufriedenheit an allen Kontaktpunkten zu ermitteln und die Daten miteinander zu verknüpfen?

Eine einfache Marketingregel besagt: Je mehr Kontaktpunkte, desto größer sind die Chancen Kunden zu gewinnen – desto größer sind aber auch die Risiken, Interessenten zu enttäuschen. Wichtig dabei ist, Schwachpunkte rechtzeitig zu erkennen und abzustellen. Dies erfordert eine Analyse der Daten in Echtzeit, um möglichst schnell regieren zu können. Gefragt ist hier die operative Reaktionsfähigkeit von Unternehmen. Allerdings stehen dem gegenwärtig noch einige Vorurteile über CEM im Weg. Die drei wichtigsten verdienen eine nähere Betrachtung:

1. CEM-Anwendungen bieten eine vollständige Transparenz über alle Applikationen, in die Kunden involviert sind

Die meisten CEM-Lösungen stützen sich auf Daten aus mehreren Einsatzgebieten wie Callcentern, eCommerce oder Marketing Automation, dazu kommen oft auch Informationen aus ERP-, CRM- oder ECM-Anwendungen. Statt Transparenz bieten sie nicht mehr als einzelne Schlaglichter. Einmal unterstellt, dass jede einzelne Applikation einwandfrei arbeitet, sind CEM-Lösungen aber dennoch nicht in der Lage, den Customer-Experience-Prozess von A bis Z zu überwachen und zu steuern. Das liegt unter anderem daran, dass CEM und CRM vielfach nicht voneinander unterschieden werden. CRM zielt darauf ab, wie sich mit qualitativ besseren Informationen mehr Umsätze erzielen lassen. CEM befasst sich damit, wie sich durch konkrete Vorteile Kundenloyalität aufbauen lässt.

Bei dieser Herangehensweise wird aus CEM eine Weiterentwicklung von CRM. Während CRM eher produktzentriert ist, stehen bei CEM das Erlebnis und damit die Kundenloyalität im Vordergrund. Eine CEM-Lösung sollte die vielen Berührungspunkte mit dem Kunden analysieren und diese Informationen zeitnah bereitstellen. Notwendig dazu sind Responsive-Process-Management-Funktionen (RPM), die für eine unternehmensweite Transparenz über Geschäftsprozesse, Transaktionen und Business-Events sorgen. Nur so entsteht ein ganzheitliches Bild aller Kontaktpunkte eines Unternehmens mit einem Kunden – angefangen vom Vertragsabschluss über die Auftragsabwicklung und Bereitstellung von Leistungen, die Qualitätssicherung der bereitgestellten Dienste und die korrekte Abrechnung bis zu den Rückfragen in der Hotline.

2. CEM-Lösungen analysieren Performance-Metriken in Echtzeit

Unternehmen haben oft nur einen einzigen Versuch, mit positiven Erlebnissen zu punkten, bevor der Kunde zu einem anderen Anbieter wechselt. Einige CEM-Lösung liefern wichtige Informationen über den Kunden, allerdings nicht in Echtzeit. Daher können sie auch keine Performancedaten in Echtzeit liefern. Zudem sind die Kundendaten lediglich eines in einer Reihe weiterer Puzzleteile. Notwendig sind Informationen, die sich aus dem realen Kundenverhalten in bestimmten Situationen ergeben. Erforderlich ist es, in Echtzeit Daten an allen Kontaktpunkten zu sammeln, zu verarbeiten und zu analysieren. Einige Unternehmen haben bereits Prozesse eingeführt, bei denen Kunden – abhängig von ihrem Verhalten – konkrete Angebote erhalten. So sind etwa Anbieter aus der Mobilfunkbranche dazu übergegangen, Kunden eine SMS mit dem Angebot für einen Tarifwechsel zu senden, wenn sie mehrmals im Laufe eines Tages Auslandsgespräche führen oder wenn ihr Monatsumsatz einen bestimmten Betrag überschreitet.

Bei aller Echtzeitfähigkeit, die als solche unbestritten ist, kommt es auf die Wortwahl und die Tonalität der SMS an. Die Empfänger dürfen nicht den Eindruck haben, dass sie zu etwas gedrängt werden, was sie möglicherweise gar nicht benötigen. Ist dies der Fall, klassifizieren sie die SMS als Spam. Daher empfiehlt sich dringend, die Wirkung solcher Marketingaktionen – am besten fortlaufend – zu beobachten und wo nötig, die Maßnahmen nachzubessern.

3. CEM-Anwendungen greifen bei unerwarteten Business-Events selbstständig korrigierend in die Geschäftsprozesse ein

Es sind durchaus CEM-Anwendungen im Einsatz, die Administratoren auf Verstöße gegen Servicevereinbarungen oder Störfälle aufmerksam machen. Die Applikationen können aber nicht dafür sorgen, dass eine Fehlfunktion abgestellt wird, geschweige denn aufzeichnen und nachvollziehen, dass dies auch tatsächlich geschehen ist. Wichtig an dieser Stelle ist es daher, Regeln aufzustellen, was im Falle von ungewöhnlichen oder unerwarteten Business-Events geschehen soll und vor allem dafür zu sorgen, dass unmittelbar nach einem solchen Ereignis das Problem sofort gelöst wird.

Meldet ein Kunde einen Störfall, muss das Unternehmen in der Lage sein, den Fehler schnellstmöglich zu beseitigen. Das geht nur, wenn die möglichen Fehlerquellen bekannt und die Ursachen kurzfristig beseitigt werden können. Ausgerüstet mit Tools für das Fehlermanagement können Unternehmen ihren Customer-Support deutlich verbessern sowie die Kundenzufriedenheit steigern und die Kundenbindung erhöhen. Dazu sind aber die meisten CEM-Anwendungen gegenwärtig nicht in der Lage. Von entscheidender Bedeutung ist es, einen vollständigen Überblick über gerade ablaufende Transaktionsprozesse zu haben und sofort über Probleme informiert zu sein, nicht erst einige Zeit später. So analysieren beispielsweise Mobilfunk-Provider das Sprach- und Datenverhalten ihrer Kunden und bieten ihnen alternative Services an, allerdings oft erst Wochen später.

Die Interaktion mit Kunden zu erfassen und zu beobachten, ist für Unternehmen eine äußerst komplexe Aufgabe. Die unterschiedlichsten Kommunikationskanäle wie Telefon, E-Mail und Social-Media-Plattformen müssen dabei berücksichtigt werden. Ferner befinden sich die zugehörigen Daten in einer Vielzahl heterogener Systeme, beispielsweise ERP-Applikationen oder Auftrags- und Abrechnungssysteme, und natürlich auch in den (aufgezeichneten) Telefongesprächen aus den Callcentern. Allen Vorurteilen zum Trotz scheitern viele CEM-Anwendungen noch immer daran, diese Daten zusammenzutragen.

Wollen sich Unternehmen im heutigen Wirtschaftsumfeld beziehungsweise am Markt behaupten, ist es unabdingbar genau zu verfolgen, wie Kunden denken. Zu wissen, wie Kunden in einzelnen Situationen auf bestimmte Angebote reagieren, kann die Art der Kundenkontakte verändern und die langfristige Kundenbindung verbessern. Notwendig dazu ist ein Einblick in das sich ständig ändernde Benutzerverhalten an allen Kontaktpunkten.

Marketing und Werbung mit Broschüren

Viele sagen: Broschüren sind teuer. Broschüren sind ein verstaubtes Artefakt früherer Jahrzehnte. Broschüren sind out. Aber werden deswegen weniger Broschüren geplant, gedruckt und verbreitet? Nein. Nach wie vor geben viele Unternehmen klassische Image- oder Produktbroschüren in Auftrag und setzen sie verkaufswirksam ein. Denn: Eine Broschüre vermittelt Wertigkeit und Glaubwürdigkeit, bietet Nutzen und baut Vertrauen auf – und tut daher Ihrem Image und Ihrem Umsatz gut. Die Vorteile im Detail:

1. Verkaufsfördernd

Stellen Sie sich Ihre Broschüre wie ein schriftliches Verkaufsgespräch vor: Sie können Problembewusstsein beim Leser schaffen, kaufhemmende Ängste und Widerstände auflösen, den Produktnutzen ausführlich darstellen und den Leser zu einer konkreten Handlung auffordern. Außerdem können Sie zusätzliche Vertrauen bildende Features nutzen wie etwa Testimonials oder Fallstudien. Wenn Sie diese Punkte bei der Planung Ihrer Broschüre berücksichtigen, schaffen Sie ein mächtiges Verkaufswerkzeug.

2. Glaubwürdig

In manchen Branchen gilt: Eine Firma ist erst dann eine richtige Firma, wenn sie über eine Broschüre verfügt. Eine gut gemachte Broschüre steht nach wie vor für Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit, Qualität und Echtheit. Eine Broschüre gehört für solche Unternehmen ebenso zum guten (Geschäfts)Ton wie die Visitenkarte – sie wird von Kunden einfach erwartet.

3. Nützlich

Eine Broschüre informiert und überzeugt – durch interessante Inhalte und klug argumentierten Produktnutzen. Doch Sie können darin auch weitere nützliche Features integrieren, die dafür sorgen, dass der Leser die Broschüre aufbehält und sie immer wieder zur Hand nimmt. Überlegen Sie sich deshalb, wie Sie nachhaltigen Mehrwert schaffen können, etwa durch Fallstudien, Beilagen, Checklisten oder Tipps.

4. Praktisch

Eine Broschüre ist meist dünn, faltbar und hat in jeder Tasche Platz. Der Leser ist weder auf Computer noch Internetzugang angewiesen und kann die Broschüre jederzeit an Kollegen und Geschäftspartner weiterreichen. Ein Stück Unabhängigkeit von Netz und Strom.

5. Vielseitig

Broschüren können Sie auf unterschiedlichste Weise einsetzen: als Beilage zum Werbebrief, als Produktbeigabe und als Unterstützung beim Verkaufsgespräch. Sie können kleine Newsletter beilegen, Checklisten, White papers, CDs und DVDs oder Produktproben. Außerdem lassen sich Broschüren in den ungewöhnlichsten Formaten drucken.

6. Vertraut

Eine Broschüre ist ein vertrautes Medium, ähnlich einem Buch. Der Nutzer kennt sie, weiß, wie sie zu handhaben ist und muss sich nicht erst mit neuen Technologien, komplizierten Webadressen, „Under-Construction“-Meldungen, schwer lesbarer Online-Schrift oder schwieriger Navigation auf Firmenwebseiten auseinandersetzen.

Diese Vertrautheit eines Werbemediums ist angesichts Globalisierung, Virtualisierung und Technologisierung ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt – vor allem bei konservativeren Zielgruppen.

7. Persönlich

Eine Broschüre ist weniger persönlich als ein Werbebrief, aber individueller als eine Anzeige oder eine Webseite. Zum Beispiel dann, wenn sie mit einem Anschreiben verschickt wird, das möglichst genau auf die Situation und Wünsche von speziellen Kunden oder Zielgruppen eingeht. Oder wenn eine Erfolgsgeschichte beigefügt wird, die ein Projekt beschreibt, das sich ebenso auf die Situation eines bestimmten Kunden anwenden lässt. Oder wenn der Umschlag dank neuer Druckverfahren personalisiert wird.

8. Visuell

Emotionale Fotos im Großformat? Als Doppelseite in einer A4-Broschüre ist das kein Problem. Wo Anzeigen, Werbebriefe oder Newsletter an ihre Grenzen stoßen, können Sie Broschüren als äußerst visuelles Medium einsetzen und Text und Bild zu einer starken Einheit verbinden. So sprechen Sie Ihre Zielgruppe auf mehreren Kommunikationsebenen an.

9. Ergänzend

Mit Printmedien wie Broschüren können Sie Ihre Online-Kampagnen unterstützen. Offline und online ergänzen sich, gleichen ihre Schwächen gegenseitig aus und verstärken dadurch den Marketing-Mix. Stimmen Sie deshalb diese Medien aufeinander ab, etwa hinsichtlich der Informationstiefe!

10. Verbindlich

Wenn Sie einem Interessenten eine – und darauf kommt es an! – hochwertige und vor allem nützliche Broschüre überreichen, die echten Mehrwert bietet, ist das fast wie ein Geschenk. Denn wer etwas geschenkt bekommt, möchte sich dafür gerne revanchieren – das ist ein normales, zwischenmenschliches Phänomen.

Auch wenn der Interessent im Gegenzug für Ihre Broschüre nicht gleich bei Ihnen kauft, so wird er sich zumindest veranlasst fühlen, Ihnen mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken. So schaffen Sie mit einer kunden- und nutzenorientierten Broschüre ein Stück verkaufsfördernde Verbindlichkeit.

So wird Ihre Broschüre zum mächtigen Verkaufstool ...

Wie erstellen Sie eine überzeugende Broschüre? Worauf müssen Sie beim Texten achten? Wie machen Sie aus Lesern zahlende Kunden?

Die Antworten liefert die Autorin in Starke Broschüren [27] , dem praxisorientierten eBook.

Regeln für Twitter und Social Networking

Soziale Netzwerke boomen. Allein der Microblogging-Dienst Twitter hat sich seit seiner Gründung 2006 zu einem der bedeutendsten Social-Media-Plattformen gemausert. So schätzen Insider den Marktwert des Unternehmens auf mittlerweile acht Milliarden US-Dollar - bei einem erwarteten Umsatz für 2011 von gerade einmal 100 bis 150 Millonen US-Dollar!

Mittlerweile nutzen auch viele Unternehmen diesen Social-Media-Kanal, um mit Kunden und denen, die es werden sollen, in Kontakt zu treten. Möglichst viele Follower sammeln heißt die Devise. Das Vorgehen ist relativ simpel: Nur 140 Zeichen werden benötigt beziehungsweise sind erlaubt, um anderen Nutzern eine Kurznachricht zu übermitteln.

Wer Twitter regelmäßig als Kommunikationskanal nutzt, gerade im geschäftlichen Verkehr, sollte wissen, welche rechtlichen Grenzen es dafür gibt. Noch halten sich die richterlichen Urteile dafür insgesamt in Grenzen, doch einige Regeln lassen sich trotzdem schon heute nennen, die Unternehmen beim Umgang mit Tweets und Followern beherzigen sollten:

Rechtlicher Schutz von Tweets

Zunächst könnte einem beim Twittern der Urheberrechtsschutz einfallen, das heißt das, was über Twitter verbreitet wird, würde dann als geistiges Werk unter das Urheberrechtsgesetzt (UrhG) fallen. Doch funktioniert das bei 140 Zeichen überhaupt? In der Praxis dürfte es schwierig werden, bei einer solchen Beschränkung der Zeichenzahl eine relevante Schöpfungshöhe, wie es die Rechtsprechung ausdrückt, zu erreichen. Ausnahme: Ein fremdes Twitter-Profil wird als eigenes angeboten.

Zulässiger Twitter-Name

Aus Marketingsicht kann es sinnvoll sein, einen möglichst markanten und originellen Twitter-Namen zu verwenden. Doch Vorsicht: Unternehmen sollten sich im Vorfeld der Namensvergabe informieren, ob möglicherweise Rechte Dritter entgegenstehen. Dies können Firmen- oder auch Markennamen sein, die bereits existieren und etwa über das Markengesetz (MarkenG) dem Rechteinhaber das ausschließliche Recht der Verwendung zusagen. Die gleiche Sorgfalt sollte bei der Wahl von Phantasienahmen angewandt werden.

Erlaubt ist es jedoch, über Twitter über ein Unternehmen oder eine Marke zu berichten. Allerdings muss der Twitter-Name dann auch erkennen lassen, dass es sich nur um eine Berichterstattung handelt und hier nicht das eigene Unternehmen aktiv ist.

Hinweis

Unternehmen oder Markeninhaber können gegen die Verwendung eines Twitter-Namens nur dann rechtlich vorgehen, wenn dieser „im geschäftlichen Verkehr“ so benutzt wird, dass er geeignet ist, Verwechslungen mit dem eigenen Unternehmen oder der eigenen Marke hervorzurufen.

Zulässiges Twitter-Profilbild

Was für den Twitter-Namen gilt, gilt auch für das entsprechende Profilbild. Es dürfen nur die Bilder verwendet werden, an denen noch keine Nutzungsrechte Dritter bestehen. Dies ist identisch mit den urheberrechtlichen Regelungen im Internet oder sonstigen Medien. Insofern sollten es Unternehmen als selbstverständlich erachten, auch keine Firmen- oder Markenlogos unkritisch zu verwenden.

Zulässige Tweets

Bei der Frage, was Unternehmen posten dürfen, kommen – wie bei der Publikation im Internet allgemein – die Meinungsfreiheit und das allgemeine Persönlichkeitsrecht ins Spiel. Grundsätzlich dürfen Unternehmen alles twittern, doch eben nur, solange die Tweets nicht das allgemeine Persönlichkeitsrecht einzelner Personen tangieren. Ist dies der Fall, muss die Meinungsfreiheit zurückstehen. Die Grenzen dafür sind Schmähkritik und beleidigende Äußerungen.

Haftung für Links

Die Rechtsprechung fürs Internet sieht vor, dass nur derjenige für gesetzte Links haftet, der sich den entsprechenden Inhalt der verlinkten Webseite zu Eigen macht. Distanzieren sich Unternehmen also nicht ausdrücklich auf ihrer Webseite von gesetzen Links, kann es gefährlich werden. Tipp: Schon im Vorfeld einer Verlinkung prüfen, ob möglicherweise Zweifel an der Rechtmäßigkeit der zu verlinkenden Inhalte bestehen.

Quellen: Christian Solmecke, Matthias Besenthal (Social Media Magazin [28] ), Sebastian Ehrhardt (E-Commerce [29] )

QR-Code fürs Marketing und Image

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit und mit welchem Tempo sich das Internet immer wieder selbst neu erfindet. Was zunächst auf universitärer Ebene seinen Anfang nahm, entwickelte sich – erst – Mitte der 1990er Jahre zu einem echten Markt auch für Privatanwender. Jetzt boten die Deutsche Telekom und andere Anbieter wie etwa AOL oder CompuServe Internetzugänge zu günstigen Konditionen an. Parallel dazu entwickelte sich auch die entsprechende Technik, mit der Nutzer sich Zugang zum World Wide Web verschafften. Vom guten alten 56k-Modem über ISDN-Leitungen bis zu DSL, das Datenübertragungsraten von bis zu 500 Megabit pro Sekunde ermöglicht. Mit der Schnelligkeit der Datenübertragung stieg die Popularität des Internet und Unternehmen erkannten, das sich damit auch Geld verdienen lässt. Seine Kommerzialisierung begann. 

Heute wird das Internet immer mobiler. Schon längst greifen die Nutzer nicht mehr nur vom heimischen PC oder auch vom festen Büroarbeitsplatz darauf zu, sondern immer öfter übers Handy. So hat sich die Zahl derer, die per Handy im Internet surfen, in gerade einmal einem Jahr fast verdoppelt. Mittlerweile geht fast jeder fünfte Internet-Nutzer in Deutschland (18 Prozent) per Mobiltelefon online, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands Bitkom. Grund ist der rasante Aufstieg der Smartphones. Schätzungen des Bitkom zufolge werden 2011 rund zehn Millionen dieser mobilen Taschencomputer mit Telefonfunktion verkauft.

Vom Logistik- zum Marketing-Instrument

Für Unternehmen heißt das: Sie müssen sich der immer stärker vernetzten Gesellschaft – und damit potenziellen Kunden – auch mobil stellen. Notwendig sind digitale Absatz- und Marketingstrategien, die Smartphones als selbstverständliche Informationsquelle der Nutzer miteinbeziehen. Dabei geht es nicht darum, Geschäftsmodelle eins zu eins aufs Handy zu übertragen, sondern bestimmte Angebote beziehungsweise Dienstleistungen so darzustellen, dass sie auf Telekommunikationsgeräten wie Smartphone oder Tablet-PC einfach und schnell zu bedienen sind und nebenbei noch ansprechend aussehen. Immer orientiert an den Bedürfnissen der Nutzer. Eine Option bieten so genannte QR-Codes.

Stichwort

Ein QR-Code (Englisch für „Quick Response“, also „schnelle Antwort“) ist ein zweidimensionaler Barcode, der vom japanischen Unternehmen Denso Wave schon 1994 entwickelt wurde. Heute wird dieser Code neben dem Code DataMatrix, beide nach ISO genormt, am häufigsten verwendet. Der QR-Code besteht aus einer quadratischen Matrix aus schwarzen und weißen Punkten, die die kodierten Daten binär darstellen. Er kann einfach mit einer Handy-Kamera fotografiert werden; eine entsprechende Software ermöglicht dann das Interpretieren des jeweiligen Codes.

Ursprünglich wurde der QR-Code zur Markierung von Baugruppen und Komponenten für die Logistik in der Automobilproduktion des Toyota-Konzerns entwickelt. Heute schickt er sich an, ein weiteres Tool fürs Marketing von Unternehmen zu werden. Laut einer Studie [30] des Barcode-Providers ScanBuy stieg in der zweiten Hälfte des Jahres 2010 die Zahl der eingelesenen Bar- und QR-Codes um sage und schreibe 700 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn. Die meisten Codes leiteten die Nutzer dabei auf eine bestimmte Webseite weiter (85 Prozent).

Einsatzbereiche von QR-Codes

QR-Codes zeichnen sich im Vergleich zu manch anderen Marketing-Instrumenten dadurch aus, dass sie neugierig machen. Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, welche Informationen sich eigentlich hinter einem Strichcode auf Produkten des Lebensmitteleinzelhandels verbergen? Wer würde also folglich nicht auch gerne wissen, was sich hinter der kryptischen Symbolik bestimmter QR-Codes etwa auf Plakatwänden befindet? Und wer würde ernsthaft bestreiten, dass es nicht ein originäres Ziel von Marketing ist, potenzielle Kunden über deren Neugierde zu erreichen und am Ende möglicherweise auch zu gewinnen?

QR-Codes sind relativ einfach zu generieren. Mittlerweile gibt es im Internet einige Anbieter, die die Erstellung solcher Codes erlauben. Diese können dann als Bild abgespeichert und weiterverarbeitet werden. Folgende Informationsformen können in einen QR-Code umgewandelt werden:

  • Telefonnummer
  • SMS
  • Link (URL)
  • Text
  • Visitenkarte (Name, Telefonnummer, E-Mail-Adresse)

Wer QR-Codes abfotografiert, erspart sich das Abtippen von Internetadressen. Stattdessen greift der Nutzer auf seine Handy-Kamera zurück und fotografiert den Code. Dieser wird von einem Java-Programm im Hintergrund analysiert und die Informationen anschließend dekodiert. Fürs Marketing können Unternehmen QR-Codes zum Beispiel für folgende Medien nutzen:

Plakatwände:
Zum Beispiel auf Film-Plakaten auf Litfasssäulen, auf denen ein entsprechender QR-Code angebracht ist und weitere Informationen zum Film enthält.

Zeitschriften, Flyer, Prospekte:
Hier können Werbeanzeigen mittels aufgedrucktem QR-Code erweitert werden. Das Abtippen von Links entfällt, stattdessen führt der Scan des Codes direkt zur Produktseite des Anbieters, der hier weiterführende Informationen erhält.

Aufkleber:
Denkbar ist hier etwa ein Einsatz auf Büchern, DVDs oder sonstigen informationsträchtigen Produkten, auf die der QR-Code zusätzlich aufgeklebt wird.

Der Vorgang, bei dem mit Hilfe der Kamera eines Mobiltelefons ein Strichcode von einem gekennzeichneten Objekt, aus einer Zeitschrift oder von einem Display ausgelesen wird, wird als Mobile Tagging, mobiles Markieren, bezeichnet. Beim Commercial-Tagging wiederum geht es um den Einsatz von mehrdimensionalen Barcodes mit dem besonderen Fokus auf Mobile Marketing und Advertising. Darunter fallen das Angebot von Zusatzinformationen wie etwa Angaben zu Nährwerten auf Nahrungsmitteln, Direktdownloads wie beispielsweise kostenlose Klingeltöne, Videos und Handyspiele und die direkte Weiterleitung auf die Webseite eines Unternehmens. Gerade beim Commercial-Tagging spielt die Brandingfähigkeit des Barcodes (integriertes Firmenlogo auf dem Code) eine entscheidende Rolle.

Vorteile von QR-Codes

Hinter Mobile-Tagging steckt die Zielsetzung, statische Informationsträger mit dem Internet zu verbinden und darüber hinaus Konsumenten zu interaktivem Handeln anzuregen. Übergeordnete Zielsetzung ist also eine Medienkonvergenz, das heißt eine Annäherung von verschiedenen Medien wie etwa Zeitschrift und Internet beziehungsweise eine Koexistenz derselben nebeneinander. Will heißen: Das Anbringen eines bestimmten QR-Codes beispielsweise in einem Printmedium, der zu einer entsprechenden Webseite führt, bedeutet noch lange nicht die Verdrängung des Mediums Print an sich. Gleiches galt etwa bei der Einführung der Musikkassette, die die Schallplatte als Tonträger lediglich ergänzte.

QR-Codes und damit Mobile Tagging bieten Unternehmen eine zusätzliche Möglichkeit, ihr Marketing zu ergänzen beziehungsweise zu bereichern. QR-Codes lassen sich nicht nur einfach, sondern auch kostenlos im Internet generieren. Eine geeignete Möglichkeit für die Erweiterung des Instrumentenkoffers Guerilla-Marketing: Mit untypischem Aufwand soll eine möglichst große Wirkung erzielt werden. Was ungewöhnlich oder auffällig ist, bleibt im Kopf, so der Hintergedanke. Dies ist letztlich unter Marketinggesichtspunkten förderlich für die Bekanntheit einer Marke beziehungsweise eines Unternehmens oder Produkts. 

Hinweis

Mobile Display Advertising zählt immer stärker zu den festen Bestandteilen von erfolgreichen Kampagnenkonzepten. Im ersten Halbjahr 2011 schalteten bereits 207 Unternehmen mobile Werbekampagnen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs von rund 51 Prozent. Das Brutto-Werbevolumen von Mobile Display Advertising soll sich anhand einer ersten Prognose auf 40 Millionen Euro in 2011 verdoppeln. Dies geht aus der aktuellen Marktstudie der Unit Mobile Advertising (MAC) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. [31] hervor.

Markenführung im Internet mit Corporate Identity und Brand Identity

Die Live-Trend-Studie 2010 der Hochschule für Telekommunikation Leipzig macht es deutlich: Klassische massenmediale Einweg-Kommunikation verliert weiter an Bedeutung und wird zunehmend durch das Internet und die Interaktion mit den Kunden ersetzt. Die Bedeutung des Internets hat im vergangenen Jahr erneut an Boden gewonnen und stellt heute die Nummer Eins der Kommunikationsmedien in Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit dar – deutlich vor Messen und Public Relations. Dies gilt gerade auch fürs Geschäft zwischen Industriekunden.

Kommunikation schafft Identität, Differenzierung und Wiedererkennung, lässt aber auch Emotionalität und Interkation zu. Kurzum: Moderne, digitale Medien stehen heute in einer Wechselwirkung mit der Identität von Unternehmen. Das Ergreifen der Chancen, die das Internet für eine Kommunikation mit den Zielgruppen bietet, ist die Aufgabe der für Kommunikation und Strategie Verantwortlichen dieser Tage.

Corporate Identity und Brand Identity

Damit die neuen Medien auch als Wettbewerbsfaktoren erfolgreich eingesetzt werden können, ist eine richtige Corporate- und Brand-Identity-Strategie erforderlich. Dabei müssen folgende Voraussetzungen beachtet werden:

1. Priorität

Die Planung und Umsetzung des Internet-Auftritts ist eine zentrale Kommunikationsaufgabe. Die neuen Medien haben sich vom Instrument unter vielen zur zentralen Kommunikationsplattform gewandelt.

2. Konsistenz

Die strategische Positionierung von Unternehmen und Marken kann nur dann glaubhaft vermittelt werden, wenn sie in unterschiedlichen Darstellungsformen (Text, Bild, Ton) konsistent und schlüssig wiedergegeben wird. Der Auftritt in den neuen Medien sollte deshalb die strategischen Zielsetzungen von Unternehmen, Marken und Produkten unterstützen. Dabei kommt der Struktur der Website eine zentrale Aufgabe zu.

3. Zusatznutzen

Im Zeitalter der sozialen Netzwerke sind Information und Kommunikation in Intranet und Internet für den Nutzer am besten interaktiv aufgebaut. Für die Attraktivität einer Webadresse sind Form, Inhalt und Struktur bedeutsam. Zusatzdienstleistungen wie zum Beispiel Tag Clouds, Dialog-Angebote (Info-Lounges) oder Blogs- und Forenfunktionen werden immer wichtiger. Schnelle Reaktionen und Angebote zum Dialog mit den Kunden setzen Dienstleisterorientierung voraus. Diese Kundenerwartungen – Aktualität, Schnelligkeit, Interaktivität – sollten im Unternehmen als Werte für die Leistungserstellung verankert sein.

4. Struktur

Gute Online-Kommunikation setzt eine einfache und klar strukturierte Informationslogistik voraus. Transparenz ist ein wichtiges Zeichen von Benutzerfreundlichkeit und letztlich auch von Stärke. Denn das Problem ist nicht die Beschaffung von Informationen, sondern die richtige Auswahl und Verarbeitung bei den Usern. Das ist besonders wichtig für Konzerne: Sie sollten darauf achten, dass Holding, operative Unternehmen und alle Landesgesellschaften systematisch in den neuen Medien auftreten.

Bei einem Blick auf die Websites ein und desselben Konzerns in unterschiedlichen Ländern, bietet sich dem Nutzer oftmals ein unkoordiniertes Bild von Text- und Grafik-Bausteinen. Der Erfolg ist höher, wenn die Verantwortlichen auf ein konzernübergreifendes Konzept zurückgreifen. Standards, die den weltweit gültigen Markenwert auch in den neuen Medien ausdrücken.

5. Internet kennt keine Grenzen

Die Inhalte der Kommunikation müssen sich neben den verschiedenen Sprachversionen zunehmend interkulturell behaupten. Es geht darum, die unterschiedlichen regionalen Normen, Mentalitäten und Konditionierungen zu berücksichtigen. Wer beispielsweise Kunden in Asien ansprechen will, sollte mit fernöstlicher Formen- und Farbensymbolik vertraut sein, denn der elektronische Raum der Kommunikation ist immer auch ein Erlebnisraum, in dem Form, visuelle Dimension und damit Symbolik eine große Rolle spielen. Anbieter von Global-Information-Management-Lösungen sorgen hier für stilistische Markenkonsistenz über Ländergrenzen hinweg.

6. Einzigartigkeit

Der Online-Auftritt gibt kompetente Antworten auf einfache Fragen. Er sollte zusätzlich unverwechselbare Akzente setzen. Die Gestaltung einer Website ist auch ein Mittel zur Differenzierung vom Wettbewerb. Sie kommuniziert Kompetenz nach innen und außen. Sehr viele Corporate-Design-Programme formalisieren jedoch die Unternehmen, sie interpretieren sie nicht. Das gelingt nur, indem anderen Dimensionen der Identität Geltung verschafft wird: der Leistung des Unternehmens über Struktur und Aufbau der Seite, dem Verhalten des Unternehmens über die Tonalität und Sprache, die verwendet wird.

Die Verantwortung für einen stimmigen und strategisch koordinierten Online-Auftritt ist damit eine Führungsaufgabe. Corporate Identity und Brand Identity sind in diesem Zusammenhang die Grundlage. Sie setzen sich aus dem in sich stimmigen Zusammenklang von Onlinegestaltung (Erscheinungsbild), Navigation und Struktur der Website über die Darstellung der zentralen Kompetenz des Unternehmens sowie der Tonalität zusammen.

Heute reicht es nicht mehr aus, eine Marke zu haben. Nur wer eine Marke ist, also lebt, wird Erfolg haben. Starke Marken werden durch eine starke Identität bestimmt, und die entsteht bekanntlich von innen nach außen, nicht von außen nach innen. Doch die Erkenntnis, dass die Marke diese kommunikative Orientierung im Internet erst leisten muss, setzt sich bei den Marken- und Marketingverantwortlichen nur langsam durch.

Markenbildung im Handel durch Verbundgruppen und Dachmarke

Der Weg zum Kunden wird immer teurer. Grund: Auf der einen Seite flacht die Erinnerung des Kunden aufgrund der ständig zunehmenden Angebotsvielfalt ab. Auf der anderen Seite aber steigen die Werbeausgaben, weil immer mehr Werbekanäle auf den Markt treten, aber keine substituiert werden. Gab es um das Jahr 1900 nur Zeitungen beziehungsweise Zeitschriften und Litfaßsäulen, in oder auf denen Werbung betrieben werden konnte, so gesellten sich wenig später Radio, Kino, Fernsehen und schließlich das Internet hinzu. Doch auch in den Geschäften selbst zeigt sich die Vielfalt der Stimuli durch neue Produkte, Angebote oder Verräumungen. Dadurch wird es zunehmend eng in Bezug auf die Kommunikation: Der Verbraucher ist an der Grenze seiner Lernfähigkeit angelangt, der Kampf um die Prime-Plätze in den Medien nimmt zu und auch der um den Platz im Handelsregal wird immer aggressiver.

Auf die Entscheidung der Verbraucher kommt es an

Unabhängig davon tritt seit Jahren ein völlig anderer Effekt auf den Markt: Wir haben das Industriezeitalter verlassen, befinden uns im Informationszeitalter und bereits im Übergang zum sogenannten Conceptual Age. Das bedeutet nichts anderes, als dass in Zukunft Kreativität, Ideen – und damit Emotionen – immer stärker im Vordergrund der Entscheidungen der Verbraucher stehen, weniger die Ware selbst oder die Information dazu. Emotionen basieren auf Faszination, die auf den Einzelnen einwirkt. Faszination kann durch Themen und Geschichten übertragen werden, basiert jedoch in der Regel auf positiver Provokation, was nichts anderes bedeutet, als dass der Betroffene durch ein für ihn ungewöhnliches Ereignis beziehungsweise Erlebnis aufgerüttelt wird.

Diese Entwicklung führt dazu, dass etwa im Handel die traditionellen Erfolgsfaktoren wie Preis, Auswahl oder Standort zwar nicht verschwinden, jedoch durch neue Erfolgsfaktoren wie Einzigartigkeit, Schnelligkeit, Offenheit und Emotionen im weitesten Sinne ergänzt und zum Teil ersetzt werden. Betriebswirtschaftliche Faktoren treten immer mehr in den Hintergrund, emotionale Faktoren rücken nach vorne und Profit entsteht durch Profil – und das durch schwer kopierbare emotionale Faktoren. Das Problem der Konsumentenkonfusion und der Emotionalisierung der Verbraucher bedarf einer gemeinsamen Lösung im täglichen Umgang von Industrie und Handel mit ihnen. Und diese Lösung heißt: Marke!

Die entscheidenden Unterschiede einer Marke zu einem einfachen Produkt sind Gefühle, Emotionen und Erlebnisse, das emotionale „Want“ ergänzt das faktische „Need“, also die klassischen Produkteigenschaften wie Qualität, Langlebigkeit, Wertigkeit oder Systeme. Zugleich bedeutet Marke aber auch Wiedererkennung und Orientierung. Das sind zunächst einmal die Identifikation einer Leistung und die Möglichkeit, sich daran zu orientieren. Das, was der Mensch erkennt und im Innersten als positiv erfasst hat, daran erinnert er sich, daran kann er sich orientieren und im positiven Fall auch Vertrauen gewinnen beziehungsweise in Fortsetzung sogar Kompetenz zuordnen und Prestige erfahren. Marken wirken der Orientierungslosigkeit des Menschen aktiv entgegen, indem der Konsum-Overload durch spezielle Markenfunktionen wie Vorselektion und damit Reduktion der Orientierungslosigkeit und neuer Klarheit zurückgedrängt wird. Der Mensch sucht in seiner Umgebung nach bekannten Mustern. Er sucht Erfahrung, an der er sich orientieren kann. Selbst in endlosen Variationen ein und derselben Sache möchte er etwas Vertrautes erkennen. Verwehrt man ihm diese Möglichkeit, reagiert er schnell ablehnend oder aggressiv.

Bedeutung der Marke im Handel

Dieses vertraute Muster wird als „genetischer Code“ einer Marke bezeichnet, die positive Hintergrundstimmung, die den Menschen zum Verweilen einlädt, die die Wahrnehmungsreize emotional positiv einfärbt. Das Gehirn liebt die Wiedererkennung und so hat ein bekanntes Gesicht im Wahrnehmungswettbewerb grundsätzlich bessere Karten, denn Wiedererkennbarkeit fördert auf der einen Seite Vertrauen und erleichtert auf der anderen Seite den Wahl- beziehungsweise Kaufakt. Das bedeutet: Die kognitive Einstellung des Gehirns wird reduziert und der Mensch reduziert sein kritisches Verhalten.

Stichwort

Was leistet eine Marke im Handel für wen?

  • Für den Konsumenten ist es die vereinfachte Einkaufsentscheidung
  • Für den Lieferanten die höhere Akzeptanz des Abnehmers
  • Für die Mitarbeiter die stärkere Motivation durch eine eventuelle Premiumstellung
  • Für die Strategie die Schaffung von höheren Eintrittsbarrieren
  • Für den Markeninhaber insgesamt die Möglichkeit, einen höheren Preis zu erzielen und mehr Stabilität in das Geschäft zu bringen

Der Weg zur Marke führt demnach von Bekanntheit über Image beziehungsweise Sympathie sowie Kaufbereitschaft schlussendlich zu Besitz beziehungsweise Verwendung. Marken sind zu einem bedeutenden Faktor der Volkswirtschaft geworden: Der jährliche Umsatz mit ihnen dürfte zurzeit bei zirka 400 Milliarden Euro allein in Deutschland liegen. Die Markenartikelindustrie hat dabei im Rahmen des verarbeitenden Gewerbes einen Anteil von über einem Drittel erreicht und die Exporte von Marken belaufen sich mittlerweile auf beinahe 200 Milliarden Euro pro Jahr.

Marken gibt es schon seit Tausenden von Jahren. Sie erfüllen den Wunsch nach Orientierung, Sicherheit und Vertrautheit und schaffen somit einen Wert für den Kunden. In Deutschland gibt es momentan rund 200 starke Marken, zirka 60.000 werden regelmäßig beworben. Beim Deutschen Marken- und Patentamt (DPMA) sind über 700.000 Marken eingetragen. Für den einen sind sie die Abschöpfung der Zahlungsbereitschaft, für den anderen der verdichtete Ausdruck einer spezifischen Unternehmensleistung. Der Begriff selbst bezeichnet grundsätzlich eine „Markierung“ und kommt vom griechischen „Marka“ (deutsch: Zeichen) und in seiner allgemeinsten Bedeutung weist es lediglich auf jegliche Art von Kennzeichnung hin. Im Sinne eines Warenzeichens ist der Begriff Marke ein juristischer: Er kennzeichnet rechtlich geschützte Waren beziehungsweise Dienstleistungen eines Unternehmens, um deren Herkunft beziehungsweise Urheberschaft zu dokumentieren.

Laut Wikipedia werden als Markenartikel oder auch Marke Konsumgüter oder Dienstleistungen bezeichnet, die mit bestimmten, identitätsstiftenden Eigenschaften ausgerüstet sind. Da sowohl Industrie- als auch Handelsunternehmen einen rechtlichen Schutz ihrer Marke beanspruchen können, spricht man auf der einen Seite von Herstellermarken und auf der anderen Seite von Handelsmarken. Die Eigenschaften oder Bestandteile einer Marke:

  • Name
  • Markenzeichen beziehungsweise Logo
  • Slogan
  • Bekanntheitsgrad
  • Gleichbleibende Qualität
  • Erhältlichkeit zu einem gleichen oder ähnlichen Preis an jedem Ort

Das Entscheidende aber ist, dass die Marke ein in der Psyche des Konsumenten verankertes, unverwechselbares Vorstellungsbild von einem Objekt oder einem Subjekt darstellt. Dabei ist der Markenname der Teil der Marke, der sich verbal wiedergeben lässt; das Markenzeichen ist ein weiterer erkennbarer Teil der Marke. Warenzeichen und Copyright dienen ihrem gewerblichen Schutz.

Marken aus Sicht von Kunden und Unternehmen

Aber weshalb nun schafft man Marken? Die Ziele von Marken aus Managementsicht sind etwa die Differenzierung vom Wettbewerb oder eine besondere Wirkungserzielung durch Kundenbindung beziehungsweise Neukundengewinnung, Erreichen von Marktanteilen und Durchsetzen der Produkte im Markt. Die Erzielung von Zusatzerträgen und eine graduelle Besserstellung des Unternehmens im Sinne von „Premium“ sind der Marke impliziert – das Unternehmen soll gegenüber dem Wettbewerb abgesicherter auftreten. Aus Konsumentensicht geht es im Hinblick auf die Marke nicht nur um Orientierung und Absicherung der Kaufentscheidung, sondern auch um die Erfüllung der sozialen Bedürfnisse – dem Wunsch nach Wertschätzung und Selbstverwirklichung. Aus Kundensicht sind die Nutzenelemente einer Marke somit auch im Bereich der Sozialfaktoren angesiedelt. 

Aus Unternehmenssicht ist eine vorhandene Corporate Identity (CI) die wesentliche Basis der Markenbildung. Diese Unternehmensidentität basiert auf einer kommunikationsfähigen Unternehmenskultur, einem Unternehmenserscheinungsbild als einheitlich gestalteter Gesamtauftritt sowie einer einheitlichen Unternehmenskommunikation als aktiver Dialog mit den Mitarbeitern und der Umwelt des Unternehmens. In diesem Sinne bezeichnet Corporate Behaviour die widerspruchsfreie Ausrichtung aller Verhaltensweisen und Reaktionen des Unternehmens beziehungsweise seiner Mitarbeiter im Innen- und Außenverhältnis. Hersteller werden aus der Corporate Identity die Corporate Brand Identity schaffen, die Gesamtheit aller abgestimmt gestalteter Unternehmensmarken. Im Handel entsteht daraus die Retail Brand: Der Handel macht sich selbst zur Marke.

Die Wahl der geeigneten Markenarchitekturen als die aufeinander abgestimmte Struktur der Marken im Gesamtprogramm eines Unternehmens ist für die Markenpolitik eines Herstellers von großer Bedeutung. Auf Handelsseite ist das die Abstimmung der gesamten Marketingmaßnahmen einschließlich der integrierten Hersteller- und Eigenmarken zur Retail Brand, was ja nichts anderes ist als das abgestimmte System des kompletten Angebots und der darum herum gebildeten Erlebniswelten für den Konsumenten. Der mittelständische Fachhandel ist nicht in der Lage, den Wettbewerb durch Preiskriege zu gewinnen, weil er dafür finanziell nicht genügend gerüstet ist. Er kann nur auf der Leistungsseite zum Sieger werden, und die Leistungsseite besteht einerseits aus seinen Strategien und Konzepten – damit letztlich aus seinem inhaltlichen Angebot – und auf der anderen Seite aus deren Wirkung nach außen, sprich Image und Emotionen, so wie es beim Verbraucher ankommt.

Diese Aspekte sind es, die das Unternehmen selbst zur Marke machen. Damit schafft es Werte, mit denen es sich von anderen abgrenzt. Denn der Kern einer Marke ist letztlich der Unterschied zu einer anderen Marke. Er besteht in der Differenzierung der Gesamtleistung und daraus, wie die Konsumenten diese Differenzierung erfahren. Mittelständische Unternehmen können eine Retail Brand nur bedingt selbst aufbauen. Sie können dies nur gemeinsam mit anderen schaffen, nämlich im Rahmen einer Verbundgruppe, welcher sie angehören. Deshalb wird es immer wichtiger, dass Verbundgruppen sich selbst zur Marke machen – zur Retail Brand. In diesem Umfeld spricht man in der Regel dann von Dachmarken, wenn dieser Begriff auch seitens der Hersteller für andere Zwecke verwandt wird.

Systeme entscheiden den Wettbewerb

Der Wettbewerb im Handel ist heute derart stark, dass nicht mehr Händler A gegen Händler B auftritt, sondern Filialsystem A gegen Franchisesystem B gegen Verbundsystem C. Systeme entscheiden den Wettbewerb und mittelständische Unternehmen müssen versuchen, sich in Systeme zu integrieren beziehungsweise selbst Systeme aufzubauen. Die Verbundgruppen des Handels sind hierfür die entscheidende Basis. Damit diese Gruppen dann als System gegenüber dem Endverbraucher auftreten und eine Einheitlichkeit entwickeln können, bedarf es der Marke, eben der Retail Brand oder der Dachmarke.

Nur die Verminderung der Heterogenität der Mitglieder einer Verbundgruppe unter dem Dach einer einheitlichen Strategie mit einheitlichem Namen wird es schaffen, ein Gegengewicht zu den großen Systemen zentral gesteuerter Gruppen zu schaffen. Letztlich haben Verbundgruppen heute nur die Wahl: Entweder sie arbeiten als „Konditionsverein“, das heißt sie besorgen für die Mitglieder im Einkauf die besten Konditionen, oder sie bringen im Sinne einer Gesamtstrategie die Gruppe durch einheitliches Marketing auf der Basis einer einheitlichen Marke „front end“ nach vorne. So können entsprechende Skaleneffekte und damit Vorteile für die Mitglieder erarbeitet werden. 

Gelingt es den Unternehmen oder Gruppen, in ihrer Unternehmenspolitik eine entsprechende Retail Brand oder auch nur Betriebstypenmarke aufzubauen, dann schaffen sie Werte – nicht nur im Verhältnis der Unternehmen zum Verbraucher, sondern auch echte Werte, die sich in Euro und Cent ausdrücken.

Handel ist Wandel

Was treibt den Handel an? Wie wird er sich voraussichtlich ändern? Wie kann und sollte man sich darauf einstellen?
Die MegaTrend-Handelsstudie [32] beantwortet diese und weitere Fragen.

Hier informieren und herunterladen»
 [33]

Was Marken wie bewirken und wie Sie Marken richtig einsetzen beantwortet die Trend- und Strategie-Studie Handel und Marke. [34]

Marketing über Empfehlungen von Kunden im Social Web

Wer auf einer Webseite von den Gesichtern seiner „Freunde“ angelacht wird, weil diese beispielsweise bei Facebook den „Gefällt-Mir“-Button gedrückt haben, ist eher zum Kauf bereit. Bewertungsportale machen es möglich, jeden beliebigen Anbieter weiterzuempfehlen – oder von ihm abzuraten. Durch die Eincheck-Funktionen von Foursquare & Co. gibt man seinen Netzwerk-Freunden die Lieblingslocations bekannt und wird so zum Power-Multiplikator. Über Apps senden schon heute erste Lokalitäten den Passanten beim Vorübergehen eine Kaufempfehlung nebst Gutschein-Coupon aufs Smartphone-Display. Dank rollender WLAN-Hotspots werden wir selbst im Auto bald standardmäßig ans Internet angebunden sein.

Unter dem Oberbegriff Augmented Reality arbeiten innovative Unternehmen mit Hochdruck an einer Informationsverknüpfung zwischen realer und virtueller Welt. Ein Beispiel: Coca-Cola verpasste kürzlich bei einer Veranstaltung jedem Besucher ein RFID-Armband, das ihn auf sein Facebook-Account einloggte. Nun konnte er darüber bei jeder Attraktion den „Gefällt-Mir”-Button klicken und Bilder auf seine Pinnwand schicken. Solche „Like-Machines“ wird es in Zukunft in vielen Branchen geben mit der Folge, dass Umsatz und Ergebnisse nicht länger proportional zum Werbedruck steigen, sondern mit der Zahl positiver Empfehlungen.

Vernetzte Verbraucher als Vermarkter

Immer öfter wird das Suchfeld von Suchmaschinen wie Google zum Startpunkt für eine potenzielle Kundenbeziehung – und nicht selten gleichzeitig das Ende. So ist das Internet in kürzester Zeit zu einer wahren Spielwiese für alle möglichen Formen des Empfehlungsmarketings geworden. Bis vor wenigen Jahren beschränkten sich die Möglichkeiten zum Weitersagen auf Bekannte, Kollegen und Geschäftsfreunde. Mundpropaganda fand in einem überschaubaren Rahmen statt. Sie war zwar hörbar, aber nicht sichtbar. Und sie war flüchtig, denn sie musste erinnert werden.

Heutzutage wird das, was wir von einer Sache halten, bereitwillig mit einer breiten Öffentlichkeit geteilt. Es ist ganz selbstverständlich geworden, dass wir uns webbasiert dazu äußern, was wir von einem Anbieter halten – und wovon wir lieber die Finger lassen. Bis zu neunzig Prozent der Internet-User finden die Bewertungen anderer wichtig – und folgen deren Ratschlägen meist nahezu blind. So haben 19 Prozent aller Reiselustigen, wie eine kürzliche Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) herausfand, ein anderes als das zunächst beabsichtigte Hotel gebucht. Das heißt: Schlecht bewertete Hotels verlieren jeden fünften Gast allein durch das Internet – und ohne es zu merken.

Digitale Mundpropaganda ist in der Social-Media-Welt schon fast so etwas wie Bürgerpflicht. Hierbei kann auf Kommunikationswerkzeuge von unglaublicher Reichweite zurückgegriffen werden, wodurch sich positives wie auch negatives Gerede (Buzz) explosionsartig verbreitet. Mithilfe mobiler Endgeräte erreicht Word-of-Mouth (WOM) nicht länger nur die Ohren weniger Interessierter, sondern drahtlos die unzähligen Bildschirme der ganzen Welt. Werbung, auf die zu achten es sich lohnt, kommt nun vornehmlich aus dem Kreis der vernetzten Verbraucher. Sie sind die neuen Vermarkter.

Empfehlungen stecken fortan in der Hand- oder Hosentasche. Wer unterwegs ist und Informationen will, braucht sein Handy nur noch in die entsprechende Richtung zu halten. Aus den Tiefen des digitalen Raums holt sich unser mobiler Begleiter über QR-Codes (grafisch codierte Informationen, die zu ausführlichen Infos ins Web weiterleiten, wenn dieser Code von einem Smartphone mithilfe eines Readers fotografiert wird) die gewünschten Antworten ohne jede Wartezeit. Und während unser Blick noch bedächtig über die Auslagen eines Schaufensters streift, checkt unser Smartphone bereits die Reputation des Händlers, die ökologische Haltung des Anbieters, den Fan-Faktor der Marke und bei Bedarf auch die Preise im Vergleich. Mobil verfügbare Infos aus dem Web werden immer mehr zur Grundlage von Kauf- und Nutzungsentscheidungen.

WOM: Empfehlenswert ist gleich kaufenswert

Etwa ein Drittel aller Handy-Besitzer werden wohl Ende des Jahres ein internetfähiges Gerät besitzen, mit dem mobiles Surfen möglich ist. All das ist Risiko und Chance zugleich. Denn ob es den Unternehmen nun gefällt oder nicht: Was immer sie heute tun, im Web spricht es sich blitzschnell herum. Und (fast) alles kommt früher oder später heraus. Vernebeln, belügen und betrügen sind Eigenschaften, die in einem solchen Szenario nicht mehr ziehen. Google sieht alles und vergisst nichts heißt es. Und mehr noch: Das, was die Menschen über ein Unternehmen sagen, hat bei den Suchmaschinen Vorrang vor dem, was die Unternehmen selbst über sich sagen. Algorithmen bevorzugen eben auch People-Buzz.

Heutzutage können Beratungs- und Verkaufsgespräche live ins Internet übertragen und dann kommentiert werden. In Echtzeit twittern wir unsere Eindrücke etwa von einem Event, machen Fotos für unseren Flickr-Account und stellen Video-Sequenzen auf YouTube ein. Anbieter, die in diesem neuen Szenario unbeschadet davonkommen wollen, tun gut daran, eine Top-Performance zu bieten, moralisch sauber zu sein und in einen offenen, ehrlichen Dialog zu treten.

Wer heute nicht empfehlenswert ist, ist morgen nicht mehr kaufenswert, so die Gleichung. Denn in unserer global vernetzten Welt wird Minderwertiges ausgesondert. An der Macht der Vielen kommt kein Unternehmen mehr vorbei. Dem Management, dem Vertrieb und dem Marketing fällt somit die Aufgabe zu, sich diese konsumentengetriebene Entwicklung zunutze zu machen, förderliche virale Prozesse zu stimulieren und voller Leidenschaft mitzugestalten. Denn nur, wer die Regeln des neuen Word-of-Mouth-Marketing beherrscht, wird künftig im Wettbewerb die Nase vorn haben. Daher sollten Unternehmen folgende Punkte für ihren Social-Media-Marketing-Plan beachten:

  1. Richten Sie so genannte „Alerts“ bei Google und Co für Ihre Angebote und gegebenenfalls auch für die des Wettbewerbs ein oder nutzen Sie ein (kostenloses) Social-Media-Monitoring-Tool.
  2. Tragen Sie sich in Online-Verzeichnisse ein, sichern Sie sich Einträge auf Branchenplattformen, erstellen Sie Meldungen auf Online-Presseportalen und filtern Sie die meistgenutzten Bewertungsportale in Ihrer Branche heraus.
  3. Reagieren Sie zügig auf Kommentare im Web. Bedanken Sie sich bei denen, die Sie loben. Vor allem aber: Melden Sie sich bei denen, die Beschwerden hatten – und schaffen Sie deren Ärger schnellstmöglich aus der Welt.
  4. Laden Sie aktiv zu Online-Buzz ein. Beispiele: „Folgen Sie uns auf Twitter“, „Werden Sie Fan auf unserer Facebook-Seite“, „Schreiben Sie einen kleinen Erfahrungsbericht auf…“
  5. Integrieren Sie Social Plugins wie Facebooks „Gefällt mir“, Googles +1 oder auch Twitter-Buttons gut sichtbar auf Ihrer Website sowie in E-Mail-Newslettern und setzen Sie Weiterempfehlungslinks.
  6. Nutzen Sie, wenn sinnvoll, Geo-Applikationen wie Google Maps und buchen Sie gegebenenfalls Icons auf Navi-Apps (Mapvertising).
  7. Arbeiten Sie mit Bewegtbild-Material von kurzer Länge und stellen Sie dies prominent auf Ihren eigenen Webpräsenzen wie auch in die wichtigsten Videoportale ein.
  8. Machen Sie sich mit Gutschein-Diensten wie Groupon und Topdeals vertraut und prüfen Sie, ob dies sinnvoll für Sie ist. Rentabel sind die dort üblichen hohen Rabatte nur dann, wenn im Gegenzug mit erheblichem Mehrumsatz zu rechnen ist.
  9. Prüfen Sie, ob Eincheckdienste wie Foursquare, Facebooks „Places“, Qype oder Gowalla für Sie hilfreich sind. Belohnen Sie Power-Einchecker mit einem kleinen Geschenk.
  10. Statten Sie passende Objekte mit einem QR-Code aus.
  11. Lassen Sie dort, wo es sinnvoll ist, eine für die User möglichst kostenlose App erstellen und vermarkten Sie diese auch aktiv.

Hinweis

Von der Autorin ist außerdem das Buch Leitfaden WOM Marketing [35] erschienen.

Strategie für Unternehmenskommunikation finden

Auch wenn für die Unternehmenskommunikation mehr Mitarbeiter als vielleicht zu Beginn gedacht benötigt werden – also etwa ein Eventmanager, ein Manager für die interne Kommunikation oder ein Autor für den Geschäftsbericht – bleiben in vielen Unternehmen die systematische Entwicklung der Unternehmenskommunikation und die Verfolgung einer klaren Strategie auf der Strecke. Ebenso das Verständnis für und der Fokus auf für das Unternehmen sinnvolle Kommunikationsmaßnahmen sowie der kritische Umgang mit der geeigneten Struktur der Abteilung. Das Ergebnis: Die Kommunikationsabteilung passt nicht unbedingt zu den anderen Geschäftsprozessen, und: Der Sinn und Zweck dieser Abteilung leuchtet auch Führungskräften im Unternehmen nicht ganz ein, da sie immer mit dem Makel der mangelnden Messbarkeit ihrer Leistung behaftet ist und scheinbar zu viel Budget an der falschen Stelle einsetzt. Das ist eine verpasste Chance!

Neue Kommunikationsstrategie: Alle müssen daran mitarbeiten

Dabei ist nicht schwer, eine schlagkräftige Kommunikationsorganisation zu entwickeln, die das Unternehmen mit seinen Leistungen über eine sinnvolle Kommunikationsstrategie und wirkungsvolle Maßnahmen klar am Markt positioniert. Dieser Aufbau kann für Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation schmerzhaft sein, wenn er erst nach vielen Jahren erfolgt und eingefahrene Strukturen aufgebrochen werden müssen. Er kann aber auch eine motivierende Aufgabe werden, wenn der Prozess entweder schon in einer sehr frühen Phase der Entwicklung der Unternehmenskommunikation beginnt oder wenn die Mitarbeiter selbst bemerkt haben, dass sie zum wenig geschätzten Fremdkörper im eigenen Unternehmen werden und erkennen, dass eine Umstrukturierung die strategische Bedeutung und Professionalität der internen und externen Unternehmenskommunikation steigert.

Wichtig ist, dass alle Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation eine Chance haben, an der neuen Strategie mitzuarbeiten. Darüber hinaus sollte die Strategie auf eine breite Basis gestellt werden, denn nicht nur die Vorgesetzten und Mitarbeiter haben ein berechtigtes Interesse an der funktionierenden Unternehmenskommunikation. Für alle im Folgenden beschriebenen Entwicklungsschritte gilt, dass das Wissen und Feedback von internen und externen Zielgruppen in allen Phasen genutzt werden muss. Das bedeutet nicht, dass alle Mitarbeiter im Unternehmen aktiv mitreden müssen. Es darf aber nicht übersehen werden, dass Mitarbeiter und Führungskräfte, etwa aus dem Vertrieb, dem Call-Center, dem Marketing, Controlling oder der Rechtsabteilung von Inhalten und Prozessen der Unternehmenskommunikation betroffen sind und die erfolgreiche Durchführung der Kommunikationsstrategie von der Mitwirkung und Unterstützung der Mitarbeiter abhängt. Folgende neun Schritte durchlaufen Unternehmen typischerweise, wenn sie eine Strategie für die Unternehmenskommunikation entwickeln:

1. Definition der Rolle der Unternehmenskommunikation

In der ersten Phase sollten Unternehmen sich klar machen, welche Rolle die Unternehmenskommunikation spielen soll. Dazu werden Fragen beantwortet wie:

  • Für welche Zielgruppen erfüllt der Bereich der Unternehmenskommunikation welchen Zweck?
  • Welche Ziele setzt sich der Bereich?
  • Welche Disziplinen gehören zur Unternehmenskommunikation?
  • Was sind die konkreten Aufgaben?
  • Was unterliegt der Verantwortung und Entscheidungshoheit der Unternehmenskommunikation?

Erst wenn diese Fragen beantwortet wurden, weiß die Kommunikationsabteilung, was in der nun folgenden Entwicklung der Strategie für die Unternehmenskommunikation abgedeckt und letztlich auch realistisch erfüllt werden kann.

Tipp:
Mit der Beantwortung dieser Fragen einhergehen kann ein Leitfaden der Unternehmenskommunikation, der im Unternehmen zusammen mit den Namen der Ansprechpartner und ihrer Aufgaben veröffentlicht wird.

2. Analyse des Hintergrunds für Unternehmenskommunikation

Bevor die Strategie für Unternehmenskommunikation entwickelt werden kann, sollte der Ist-Zustand analysiert werden. Nur so lassen sich Handlungsschwerpunkte identifizieren und ein Ankerpunkt für die spätere Evaluation der Kommunikationsbemühungen finden. In einem ersten Schritt werden Informationen zur Historie, Zahlen und Fakten zum Geschäft sowie relevante Marktentwicklungen rund um das Unternehmen gesammelt. Einiges davon lässt sich sicher in der Unternehmensstrategie, die immer der Ausgangspunkt für die Kommunikationsstrategie sein sollte, finden. Besonderes Augenmerk in der Unternehmensstrategie gilt den Unternehmensambitionen und den Geschäftsprozessen. Denn schließlich sollte die Unternehmenskommunikation das Erreichen dieser Ambitionen sowie die internen Geschäftsprozesse unterstützen. Auch nicht zu vernachlässigen sind die Schwierigkeiten und Schwächen, mit denen das Unternehmen regelmäßig kämpft. Diesen sollte in Zukunft kommunikativ entgegengewirkt werden.

Der nächste Schritt gilt der internen und externen Wahrnehmung des Unternehmens und damit unter anderem folgenden Fragen:

  • Wofür steht das Unternehmen laut eigener Kommunikation?
  • Was sagen Kunden, Mitarbeiter, Nachbarn und Analysten über das Unternehmen?
  • Wie würden Mitarbeiter Dritten – zum Beispiel einer unbeteiligten Person auf der Straße – das Unternehmen erklären?
  • Wie beschreiben Mitarbeiter die Unternehmenskultur?

Zuletzt schaut man sich die bisherige Vorgehensweise in der Unternehmenskommunikation sowie die Ressourcen an. Dabei geht es um die Frage, wie das Unternehmen bisher kommuniziert hat?

  • Gab es eine Strategie, Planung oder generelle Grundsätze der Kommunikation?
  • Welche Kommunikationsinstrumente wurden genutzt?
  • Was hat in der Vergangenheit gut funktioniert und was nicht?
  • Was sagen Mitarbeiter, Journalisten und Kunden über die bisherige Kommunikationsarbeit?
  • Welche Kapazitäten – Personal und Budget – standen zur Verfügung?
  • Lassen sich diese entsprechend der kommenden Kommunikationsstrategie anpassen?

3. Zielgruppe und verfolgte Ziele

Alle für das Unternehmen relevanten Zielgruppen sollten betrachtet werden. Beginnend mit den Kunden und Mitarbeitern können zum Beispiel auch Nachbarschaften von dem Unternehmen zugehörigen Werken auf der Liste stehen. Selbst wenn ein Unternehmen eigentlich pressescheu ist, sollten auch Journalisten nicht fehlen. Nach einer vollständigen Aufzählung setzt das Unternehmen Prioritäten, die sich auch in der Kommunikationsstrategie widerspiegeln werden. Es empfiehlt sich, schon bei der Definition der Zielgruppe, Ziele für jede einzelne zu definieren: Was soll durch die Unternehmenskommunikation bei der Zielgruppe erreicht werden und wie wird das gemessen? Die Ziele sollten mindestens folgende Kriterien erfüllen:

  • präzise
  • messbar
  • realistisch
  • herausfordernd
  • relevant

Tipp:
Jede Zielgruppe sollte in Untergruppen gesplittet werden. Selbst wenn ein B2B-Unternehmen etwa einen spezifischen Automobilhersteller als Zielgruppe definiert, dann finden sich auch innerhalb des Herstellers viele unterschiedliche Zielgruppen, die über unterschiedliche Wege mit unterschiedlichen Botschaften abgeholt werden möchten. Den Leiter Qualitätsmanagement interessieren andere Aspekte als den Leiter Corporate Responsibility. Erstgenannter schaut zunächst auf die Fehlerquote, letzterer interessiert sich vielleicht für die Produktionsbedingungen für Mitarbeiter im Ausland.

4. Botschaften

Was soll der Zielgruppe gesagt werden, damit die Ziele erreicht werden? Jetzt werden Unternehmenswerte, Kernbotschaften und auch schon Geschichten und Themen entwickelt, die das Unternehmen besetzen kann und will. Auch hier gilt es wieder, die Unterschiede innerhalb der Zielgruppen zu beachten. Der Journalist vom Handelsblatt interessiert sich eher für ein börsennotiertes, mindestens national bekanntes Unternehmen, das ein Projekt von ebenfalls mindestens nationaler Bedeutung durchführt. Eine Stadtzeitung möchte eher wissen, wie viele neue Mitarbeiter das Unternehmen in der Stadt einstellen wird. Auch Botschaften haben einige Minimalanforderungen, die es zu erfüllen gilt:

  • Sie sollten der Unternehmensstrategie entsprechen
  • Sie sind über einen längeren Zeitrahmen (bei Unternehmenswerten auch schon mal über Jahrzehnte) unverrückbar
  • Sie holen die unterschiedlichen Zielgruppen ab
  • Sie sind relevant und verständlich
  • Sie differenzieren das Unternehmen vom Wettbewerb
  • Sie entsprechen in der Tonalität dem Unternehmen und den Zielgruppen
  • Sie lassen sich belegen beziehungsweise mit Zahlen und Fakten untermauern

5. Formulierung von Strategie und Taktik

Das strategische und taktische Vorgehen ergibt sich Schritt für Schritt aus den verschiedenen Phasen, die man in der Entwicklung einer Kommunikationsstrategie durchläuft. An dieser Stelle gilt es, eine sinnvolle und prägnante Formulierung der Strategie und Taktik zu finden. Da auf diese Weise Inhalte vereinfacht und – gerader aus Sicht der Experten – verkürzt werden, gibt die Formulierung manchmal Anlass zu längeren Diskussionen. Oft hilft es, sich vorab auf eine – vielleicht sogar bereits im Unternehmen existierende – Definition von Strategie und Taktik zu einigen. Denn viele Diskussionen begründen sich in einem unterschiedlichen Verständnis von dem, was Strategie und Taktik leisten müssen. In der Praxis bewährt haben sich die folgenden Definitionen:

  • Die Strategie beschreibt den längerfristigen Handlungsplan, der die Richtung vorgibt und aus der Unternehmensstrategie abgeleitet sein sollte. Sie beschreibt das „Wie“ der Kommunikation und setzt Schwerpunkte, etwa auf Zielgruppen und Themen. Beispiel: transparente, auf Kunden fokussierte Kommunikation einer sicheren IT-Welt.
  • Die Taktik beschreibt die kurz- und mittelfristige Vorgehensweise zur Ausführung der Strategie. Sie umfasst Maßnahmenbündel und definiert Kommunikationswege beziehungsweise den Mix der eingesetzten Kommunikationsmittel. Beispiel: Interaktive Maßnahmen aus der Marketingkommunikation für Kunden, um Sicherheit in IT-Systemen erlebbar zu machen.

Meist gibt es im Unternehmen bereits Formulierungen von Unternehmens- oder Vertriebsstrategien. Inhaltlich müssen sich die Strategien und Taktiken selbstverständlich logisch ergänzen. Aber auch deren Tonalität und Sprachgebrauch sollten aufeinander abgestimmt werden.

6. Kommunikationsmaßnahmen

Dank der sorgfältigen Entwicklung von Strategie und Taktik im vorangegangen Schritt sowie der Definition der Rolle und Verantwortlichkeiten der Unternehmenskommunikation im ersten Schritt dieses Prozesses fällt die Ableitung geeigneter Kommunikationsmaßnahmen nicht mehr so schwer. Methodenkompetenz vorausgesetzt, können alle Kommunikationsdisziplinen hier einen wertvollen Beitrag leisten. Folgende Kommunikationsdisziplinen, aus denen das Maßnahmenbündel geschnürt wird, werden typischerweise berücksichtigt. Auch wenn sich Unternehmen nicht endgültig für alle entscheiden müssen:

  • Interne Kommunikation
  • Marketingkommunikation
  • Media Relations
  • Public Relations
  • Investor Relations
  • Unternehmenskommunikation
  • Markenmanagement
  • Employer Branding

Die Nutzung von Social Media, der Einsatz von Krisenkommunikationsplänen oder Change-Management-Kommunikation sind Querschnittsmaßnahmen durch die Kommunikationsdisziplinen hindurch. Letztlich sollten alle Maßnahmen einigen gemeinsamen Grundsätzen folgen. Wünschenswerte Grundsätze dabei sind:

  • Kontinuität und Konsistenz in der Veröffentlichung von Botschaften
  • Authentizität in der Darstellung
  • Professionalität im Auftritt
  • Rechtzeitigkeit bei der Veröffentlichung von Nachrichten
  • Neuigkeitswert, insbesondere für die Presse
  • Pro-Aktivität statt Reaktion
  • Transparenz von Prozessen, Daten und Fakten
  • Dienstleistungsorientierung
  • Messbarkeit der Kommunikationsergebnisse

Tipp:
Unternehmen sollten das Maßnahmenpaket im Zeitverlauf betrachten. Es macht Sinn, schon zu Beginn einen Mehrjahresplan aufzustellen, der zeigt, wie zum Beispiel das Thema Corporate Responsibility im Verlauf mehrerer Jahre vorangetrieben wird. Der Plan muss dann regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

7. Ressourcen

Ist das Maßnahmenbündel geschnürt, kann das operative Budget pro Maßnahme kalkuliert werden. Hinzu kommt das Personalbudget zur Finanzierung der Mitarbeiter, die zur Umsetzung der Kommunikationsstrategie benötigt werden. An dieser Stelle entscheiden Unternehmen auch über die optimale Struktur der Kommunikationsabteilung zur Umsetzung der Strategie:

  • Wie viel Personal wird benötigt?
  • Welches Wissen und welche Erfahrungen sollen diese mitbringen?
  • Wird die Abteilung sinnvollerweise nach Zuständigkeiten für Zielgruppen (Referent Kundenkommunikation), Kommunikationsdisziplinen (Referent interne Kommunikation), Länder (Referent Deutschland), Organisationseinheiten (Referent Produktlinie 1) oder Themen (Referent Corporate Responsibility) strukturiert? Meist wird ein Mix gewählt.
  • Wird eine zentralisierte oder dezentralisierte Struktur benötigt?

Ebenfalls ein Thema der Organisation ist der Einsatz von Agenturen. So treffen Unternehmen in dieser Phase meist auch die Entscheidung, ob sie die meisten Leistungen im Haus halten möchten oder ob eine Agentur zum Einsatz kommen soll. Entsprechend der eingesetzten Agenturen und deren Aufgaben muss ein entsprechendes Budget eingeplant werden.

8. Kritische Erfolgsfaktoren

Durch die Beschäftigung mit kritischen Erfolgsfaktoren wird noch einmal die gesamte Kommunikationsstrategie betrachtet und über eventuelle Stolpersteine nachgedacht:

  • Was würde der Ausführung der Strategie im Wege stehen?
  • Was sollte gegeben sein, um die Strategie zum Erfolg zu führen?

Die dadurch identifizierten kritischen Erfolgsfaktoren sollten benannt und diskutiert werden. Liegen zum Beispiel für den Erfolg besonders wichtige Aktivitäten in den Händen der Vertriebsabteilung, dann ist es notwendig, dass dieser auch die Bedeutung der Aktivitäten für das Gelingen der gesamten Kommunikationsplanung bewusst ist. Wenn größere Budgetkürzungen auf die Hälfte der Planung die gesamte Strategie gefährden würden, dann kann auch dies nicht früh genug angesprochen werden.

Tipp:
Für Kommunikationsverantwortliche ist dies ein sehr sinnvoller Schritt, da diese sich hiermit explizit die notwendige Unterstützung im Unternehmen sichern können. So hat zum Beispiel ein Geschäftsführer an dieser Stelle noch einmal die Chance, die Notwendigkeit seines Zeiteinsatzes zu prüfen und anschließend zu bestätigen, dass er tatsächlich einen gewissen Prozentsatz seiner Zeit für die persönliche interne Kommunikation einsetzen wird, wenn das die Kommunikationsstrategie vorsieht.

9. Evaluation

Zu guter Letzt folgt die Evaluation. Da schon mit der Zieldefinition auch die Messbarkeit der Ziele ins Auge gefasst wurde, sollte die Festlegung der Evaluationsinstrumente keine große Arbeit bereiten. Die Möglichkeiten der Evaluation sind vielfältig: Sie reichen von der Analyse der Presseabdeckung, Verfolgung der Online-Hits über interne und externe Befragungen bis zur vollständigen Reputationsanalyse. Grundsätzlich sollten Unternehmen die folgenden Aspekte bei der Auswahl der Instrumente beachten:

  • Evaluation sollte in einem gesunden Verhältnis zum Budget- und Zeiteinsatz stehen
  • Evaluation sollte Rückschlüsse auf Verbesserungsmöglichkeiten geben
  • Evaluation sollte quantitative und qualitative Aspekte berücksichtigen (Beispiele: Anzahl der Blog-Einträge beziehungsweise deren Tonalität)

Wenn die Evaluationsergebnisse nun in die Kommunikationsstrategie und -planung einfließen, steht einer erfolgreichen Entwicklung der Unternehmenskommunikation nichts mehr im Wege.

Unternehmenskommunikation mit Personal Relations statt Public Relations

Das Internet ist eine Fundgrube an Informationen. Es ersetzt Telefonbuch, Adressbuch, Datenbanken und teure Umfragen, denn im Internet geben viele Menschen freiwillig persönliche Informationen über sich preis. Diese Informationen können genutzt werden, um sie individuell anzusprechen. Damit wird Public Relations zum Auslaufmodell.

Das Vorgehen vieler klassischer PR-Agenturen ist etwa so effektiv, als würden sie auf der Suche nach außerirdischem Leben ungerichtet Signale ins All senden. Sie funken und warten ab, ob jemand zuhört. Man stelle sich vor: Ein Redakteur bekommt mehrere hundert Pressemitteilungen am Tag. Viele davon werden allerdings nicht abgedruckt beziehungsweise veröffentlicht, sondern landen im Papierkorb.

Positive persönliche Beziehung zum Empfänger aufbauen

Unter Public Relations wird jede Form der interessengeleiteten Information verstanden, sie umfasst also weit mehr als die reine Produktwerbung. Ihr Ziel ist es, Sympathie für eine Organisation, ein Unternehmen oder ein Produkt zu wecken und so ein günstiges Umfeld zu schaffen. Sie versucht in einem aufwendigen Verfahren, positive Informationen über den Auftraggeber in der öffentlichen Meinung zu verankern. Dazu werden die klassischen Medien mit den entsprechenden Informationen versorgt. Die Abdruck- beziehungsweise Senderaten sind in der Regel jedoch gering, da sich die Redakteure seriöser Medien der PR-Maßnahmen bewusst sind und deshalb oft ignorieren, was ihnen Unternehmen per Standardbrief oder E-Mail zusenden. Viele PR-Maßnahmen sind sehr teuer und wenig zielgerichtet und funktionieren nach dem Gießkannenprinzip.

Das Internet mit seiner Transparenz an Daten und persönlichen Informationen liefert uns heute ein neues Instrument, um Public Relations durch Personal Relations abzulösen. Grundvoraussetzung für Personal Relations ist, eine persönliche Beziehung vom Sender zum Empfänger aufzubauen, und zwar eine positive persönliche Beziehung. Denn nur diese hilft uns weiter. Persönliche Beziehungen können schließlich auch negativ geprägt sein, etwa durch Neid, Missgunst, Ablehnung oder reine Antipathie. Wir aber wünschen uns eine positive, vertrauensvolle Beziehung des Senders zum Empfänger, damit der Empfänger dem Sender und dessen Botschaft vertraut. Denn Vertrauen ist das A und O der Glaubwürdigkeit.

Der erste Schritt der Personal Relations besteht also darin, die richtigen Empfänger auszuwählen. Denn gelungenes Marketing arbeitet infusionär, nicht inflationär. Ganz so, wie wenn die Krankenschwester für die Infusion zunächst die richtige Vene sucht. Um den richtigen Empfänger herauszufinden, studiert der Sender die Webseite und alle Veröffentlichungen des Unternehmens, das er ansprechen will:

  • Wer ist zuständig für welche Geschäftsbereiche?
  • Wer ist der richtige Ansprechpartner für mein Anliegen?
  • Welche Ziele hat dieser Ansprechpartner vermutlich?
  • Was will er auf keinen Fall?

Darin besteht die Basisarbeit eines gelungenen Marketings – es kann langweilig und aufwendig sein, ist aber unerlässlich. Im Internet sind die Profile der Menschen, die wir ansprechen wollen, öffentlich erkennbar. Zunächst werden wir uns also anhand dieser Profile über die Ansprechpartner informieren: Sind dies wirklich die potenziellen Kunden, die ich mir wünsche?

Auf viele Weiterempfehler kommt es an

Heutzutage machen die Menschen ihre Vorlieben öffentlich. Das ermöglicht es, sie persönlich anzusprechen. Aus Zielgruppen werden Zielpersonen, die Zielpersonen der Personal Relation. Solche Zielpersonen über Anzeigenkampagnen anzusprechen, wäre immens teuer, da die Streueffekte zu groß sind. Untersuchungen zeigen, dass sich viele Menschen an eine bestimmte Kampagne erinnern, aber gar nicht wissen, welches Produkt damit beworben wurde. Falls sie die Kampagne überhaupt verstanden haben. So wurde der Werbeslogan „Come in and find out“ der Parfümeriekette Douglas von einer großen Mehrheit als „Komm herein und find wieder hinaus“ interpretiert. Die Kampagne war damit gescheitert, obwohl aufwendig inszeniert und sehr teuer.

Heute bestimmt nicht mehr das Werbebudget über den Erfolg einer Werbekampagne, sondern die Idee, die dahinter steckt. Simple Filmchen auf YouTube, die eine witzige Werbung transportieren, werden Tausende Male angeklickt. Wenn die Idee einer Kampagne stimmt, wird darüber geredet. Das Beste daran: Ideen kosten nichts. Empfehlungsmarketing spielt also eine immer größere Rolle. Früher hörten die Menschen darauf, was wenige Freunde ihnen erzählten. Heute sind sie im Internet mit viel mehr Menschen vernetzt – Empfehlungen werden sehr schnell und an sehr viele Freunde weiter gereicht, denn der erhobene Daumen in Facebook ist leicht angeklickt. Wer etwas verkaufen möchte, tut daher gut daran, die Erwartungen seiner Kunden nicht nur zu erfüllen, sondern zu übertreffen. Nur dann werden sie ihre sozialen Netze aktivieren und weiter empfehlen. Wer viele solcher Kontakte hat, die ihn weiterempfehlen, erspart sich eine teure Werbekampagne.

Wie aber kommt diese Vielzahl an Kontakten zustande? Wer mit Hilfe der sozialen Netzwerke und der Internetprofile potenzielle Ansprechpartner gefunden hat, sollte sich nicht scheuen, einen Anlass zu suchen und den ersten Schritt zu unternehmen, um einen Kontakt aufzubauen. Denn wir wissen: Menschen sind soziale Wesen und grundsätzlich daran interessiert, mit anderen zu kommunizieren. Zur Personal Relation gehört es, sich Gedanken über die Bedürfnisse und Probleme des Adressaten zu machen, bevor er ansgeprochen und mit Informationen versorgt wird. Nur wer seine Hausaufgaben gemacht hat und genügend über den Adressaten weiß, kann seine Personal-Relations-Kampagne starten. Der Ansprechpartner erhält nun kontinuierlich Informationsangebote. Diese Phase kann einige Monate oder sogar jahrelang dauern, bis die persönliche Beziehung so stark gewachsen und belastbar geworden ist, dass eine geschäftliche Beziehung entstehen kann.

Personal Relation ist kein Gegenpol zu Public Relation. Die Grenzen sind vielmehr fließend und Personal Relation ist gut gemachte Public Relation. Allerdings sollte zwischen klassischer PR und Online-PR unterschieden werden und beide Formen sollten sich idealerweise ergänzen. PR ist und bleibt ein wichtiges Instrument des Marketings. Nur wer Vertrauen zum Redakteur eines Mediums aufbaut, hat gute Chancen, dass seine Pressemeldungen – vorausgesetzt sie sind professionell verfasst – eins zu eins übernommen werden.

Personal Relation ist PR plus Vertrauen

Personal Relation kann auf eine einfache Formel gebracht werden: Personal Relation ist PR plus Vertrauen. Ein Empfänger einer Werbebotschaft unterscheidet nicht zwischen Public Relation oder Personal Relation. Er fragt lediglich danach, wie stark er dem Absender der Botschaft trauen kann. Der Absender muss nicht unbedingt eine Person sein, es kann sich auch um ein Unternehmen, um Führungskräfte oder Mitarbeiter einer Firma handeln. Auch Vertrauen in Produkte kann auf diesem Weg aufgebaut werden. Wenn ein Produkt oder ein Absender mehrmals als Qualitätsanbieter wahrgenommen wurde, baut sich langsam Vertrauen auf, denn bekannten Produkten oder Menschen wird eher Vertrauen entgegengebracht. Dieses Vertrauen lässt sich durch geeignete Maßnahmen noch steigern.

Vertrauen entsteht, wenn aus sporadischen Kontakten stetige Kontakte werden. Der erste Moment der Kontaktaufnahme erfordert besonderes Fingerspitzengefühl. Es reicht nicht, einfach jemanden anzurufen und zum Geburtstag zu gratulieren. Der Angerufene wird sich fragen, woher sein Geburtstag bekannt ist und der Zweck des Anrufs ist zu offensichtlich. Somit wird ein ungebetener, bisher unbekannter Anrufer als aufdringlich empfunden. Daher ist es wichtig, für die erste Kontaktaufnahme einen Anlass zu finden, der angemessen ist.

Hierbei ist es wichtig, an den Adressaten zu denken: Wer eine Information besitzt, die den Empfänger wahrscheinlich interessiert, hat gute Karten. Nach diesem ersten Schritt wird der weitere Kontakt leichter. Die Kontakte sollten in moderaten zeitlichen Abständen wiederholt werden, bis sie Normalität erreichen und eine Beziehung entstanden ist, die weiter wachsen kann. Personal Relations ist also nicht beendet, wenn ein Kontakt hergestellt wurde. Sie fängt damit erst an. Denn Beziehungen müssen gepflegt werden, durchaus auch auf persönlicher Ebene.

Expertenstatus im Web aufbauen

Der Expertenstatus verleiht Macht und bürgt dafür, dass die Menschen Vertrauen in den Experten setzen. Wenn ich als Experte für die Verpackungsindustrie heute behaupte, dass die Preise für Verpackungen demnächst steigen werden, ist das glaubwürdig. Mit einer solchen Information schaffe ich Mehrwert für meine Kunden. Diese Strategie zielt darauf ab, weiter an Vertrauen und Bekanntheit zu gewinnen, nicht aber darauf, das Verhalten meiner Kunden zu ändern.

Das Internet ist wie geschaffen dafür, einen Expertenstatus aufzubauen. Dazu genügt es nicht, einen Blog zu schreiben, zu twittern oder als Mitglied bei Facebook angemeldet zu sein, denn die Nur-Senden-Mentalität gehört zum alten Denken. In der Welt des Mitmach-Internets geht es darum, interessante Inhalte zu schaffen und dann gezielt zu überlegen, auf welchem Kanal diese gesendet werden. Eignet sich besser Print oder Twitter, YouTube oder Facebook? Auf welchem Kanal erreiche ich die Menschen, die ich mit meiner Botschaft ansprechen möchte? Heutzutage sind die Menschen daran gewöhnt, jederzeit auf alle Dinge zugreifen zu können. Deshalb müssen Angebote heute auf allen Kanälen zu finden sein. Denn wenn der Nutzer eine Information oder eine Ware nicht auf Anhieb bekommen kann, wird er sie bei einem anderen Anbieter suchen.

Public Relations geht in Personal Relations über, bedingt durch die geänderte Kommunikationssituation und den Umbruch der digitalen Medien. Unternehmen müssen sich diesem Prozess stellen und eigene Marketingstrategien entwickeln, die mit diesem Umbruchprozess umgehen können – sonst droht Imageverlust und damit letztlich der Verlust wertvoller Kunden.

Hinweis

Wie Sie kostengünstig und effektiv neue Kunden gewinnen, sich im Web ins rechte Licht rücken und Ihren Bekanntheitsgrad steigern, erfahren Sie in folgenden Praxisratgebern vom Social-Media-Experten Robert Nabenhauer – neu in unserem Online-Shop:

  • 100 PreSales Marketing Tipps - Vom Kontakt zum Stammkunden [36]
  • 100 Social Media Tipps - Xing, Twitter & Co. [37]
  • Ratgeber: Xing erfolgreich nutzen - Komplett-Edition [38]
  • Ratgeber: Optimieren Sie Ihr Xing-Profil [39]

Beziehungsmanagement zwischen Kunde und PR-Agentur

Wenn es zu Verstimmungen zwischen Kunden und Agentur kommt, proviziert dies in den wenigsten Fällen weder die eine noch die andere Seite absichtlich. Schwarze Schafe gibt es zwar hier und da schon einmal, doch in aller Regel sind sich Kunde und Agentur bewusst, wie wertvoll eine neu geknüpfte Kunden-Agentur-Beziehung ist. Trotzdem gibt es typische Beziehungsprobleme, die zwischen Kunden und PR- beziehungsweise Marketing- und Werbeagenturen immer wieder auftauchen. Im Folgenden werden diese Problemfelder anhand beispielhafter Situationen beziehungsweise Befindlichkeiten dargestellt und praktische Tipps für deren Beseitigung gegeben.

Klagen der Kunden

Folgende Befindlichkeiten beziehungsweise Klagen tauchen immer wieder auf Kundenseite auf:

  1. Die Agentur versteht mein Geschäft nicht
  2. Die Agentur ist zu teuer und hält sich nicht an die Kostenvoranschläge
  3. Die Agentur hört nie zu und macht nie, was ich sage
  4. Sie überbetont den Strategie-Gedanken anstatt konkret etwas umzusetzen
  5. Wenn man sie braucht, ist sie nicht erreichbar
  6. Die Agentur-Mitarbeiter respektieren unsere Marke oder unsere Produkte nicht, äußern sich negativ dazu beziehungsweise haben die Produkte des Wettbewerbers im Büro
  7. Wir können nicht an deren Unternehmens- und Projektprozessen teilnehmen; sie sind vollkommen undurchsichtig
  8. Alles geht zu langsam; die Agentur arbeitet ständig für andere Kunden
  9. Zum letzten Kontakt mit dem Agentur-Chef kam es bei der Pitch-Präsentation
  10. Es ist unklar, was unser Unternehmen mit den Kommunikationskonzepten erreichen kann; es gibt keine Garantien und Leistungsbewertungen
  11. Agenturen streben nach Auszeichnungen und Branchen-Awards, mit denen sie sich schmücken können, aber nicht nach der besten Unterstützung für unser Unternehmen
  12. Die Agentur macht immer wieder die gleichen Fehler

Klagen der Agenturen

Folgende Befindlichkeiten beziehungsweise Klagen tauchen immer wieder auf Agenturseite auf:

  1. Meine direkten Ansprechpartner leiden an Kompetenzmangel und mangelnder Entscheidungskraft
  2. Die Agenturarbeit wird nur unzureichend im Unternehmen vorgestellt; damit schmücken sich die direkten Ansprechpartner mit unseren Federn und wenn etwas schief geht, haben wir keine Chance, dies im Unternehmen zu verteidigen
  3. Es ist kein Budget vorhanden und wenn doch, dann wird dies für die ständige Berichterstattung verwendet
  4. Es gibt keine oder sich ständig ändernde Briefings oder einfach nur eine totale Überflutung mit unnötigen Informationen
  5. Wir haben keinen Zugang zu den Mitarbeitern beziehungsweise Führungskräften mit strategischen Aufgaben
  6. Es herrscht mangelnder Realitätssinn, wenn es um ihre Produkte und ihre Marke geht
  7. Der Kunde setzt uns zwar unter ständigen Zeitdruck, lässt sich aber gleichzeitig viel Zeit mit dem Feedback auf unsere Arbeit
  8. Wir hören nur Beschwerden, niemals Lob und Anerkennung
  9. Kreative Prozesse brauchen Zeit; Kunden verstehen das nicht
  10. Kunden lesen niemals das Konzept und Angebot, sondern schauen sich immer gleich die Kosten an
  11. Kunden beauftragen uns mit einem Gesamt-Projekt und erwarten dann die Resultate in drei Tagen; von ihnen kommt jedoch keinerlei Unterstützung
  12. Kunden zahlen nie rechtzeitig und diskutieren die Rechnung immer bis ins letzte Detail
  13. Kunden benehmen sich wie Einkäufer und nicht wie Partner
  14. Kunden geben kein Feedback zu finalen Ergebnissen und auch keine Auswertung

Zusammengefasst lassen sich also typische Problembereiche identifizieren, die auf beiden Seiten für Irritationen sorgen:

  • Kein klarer Briefingprozess
  • Kein professionelles Projektmanagement
  • Fehlende Planung
  • Keine transparenten Budget- und Rechnungsprozesse
  • Mangelnde Qualität des Gelieferten
  • Unklare Verantwortlichkeiten
  • Berichterstattung und Evaluation

Problemlösung: Gemeinsame Regeln für Kunde und Agentur

Richtlinien für die Zusammenarbeit entwickeln

Zu diesen Richtlinien gehören neben Verhaltensregeln auch standardisierte Dokumente, die die Arbeit erleichtern und transparenter machen wie Briefing- und Evaluierungs-Dokumente, Meeting-Protokolle, Vorlagen für Kommunikationspläne und zur Budgeterstellung oder Prozessbeschreibungen. So werden Arbeitsprozesse transparent, Projekte starten mit einem ordentlichen Briefing und enden mit der Evaluation. Dazwischen sind die Aufgaben klar verteilt und das Budget kalkuliert.

Bevorzugte Agentur wählen

Statt die Arbeit auf nicht miteinander verbundenen Agenturen zu verteilen ist es leichter, sich voll und ganz auf eine Agentur mit ihren Mitarbeitern einzulassen und das Beziehungsmanagement zu verbessern. Gleichzeitig werden Sie zum bevorzugten Kunden der Agentur, wenn Sie Ihr Budget nicht zu sehr streuen, sondern Agentur-Personal voll beschäftigen. Wenn Ihnen diese Bindung zu eng ist und Sie Agenturen miteinander vergleichen möchten, dann fordern Sie Ihre Bestandsagentur von Zeit zu Zeit durch einen Pitch für ein neues Projekt oder eine weitere Laufzeit des Vertrags heraus.

Gemeinsame Projektplanung

Die gemeinsame Projektplanung für den kommenden Zeitraum sollte in einem Dienstleistungsauftrag zusammengefasst werden. An dieser Planung sollten sich auch Mitglieder der Unternehmensleitung beteiligen. Leiter von Marketing und Unternehmenskommunikation sollten Geschäftsführung, Vorstand und Führungskräfte nicht ständig von der Agentur abschotten, sondern sinnvolle Kontakte zwischen Unternehmensleitung und leitenden Strategen der Agentur auf Augenhöhe organisieren, moderieren und sich selbst daran beteiligen.

Keine Projekte nebenbei initiieren

Arbeiten Kunde und Agentur länger zusammen, werden neue Initiativen oftmals gewissermaßen nebenbei gestartet. Etwa dann, wenn der Kunde zu einer bestimmten Dienstleistung etwas gelesen hat und mehr darüber wissen beziehungsweise gleich ein konkretes Angebot vorgelegt haben möchte. Lassen Sie sich dazu nicht hinreißen, denn die Ergebnisse werden enttäuschend sein! Behandeln Sie jedes Programm wie ein separates Projekt und nutzen Sie dementsprechend die Werkzeuge des Projektmanagements inklusive Briefing, De-Briefing, Angebot, finaler Plan, Durchführung, Erfolgsmessung mit Meilensteinen und Feedback.

Für jedes Projekt bezahlen

Vereinbaren Sie keine Retainer, denn das verringert die Transparenz von Leistung im Vergleich zur Bezahlung. Eine Ausnahme kann ein kleiner Retainer für allgemeine Beratung sein, denn Sie möchten nicht für jedes kurze Beratungsgespräch, das auf Agenturseite durchaus viel Arbeit erzeugen kann, Kostenvoranschläge sehen und Rechnungen überprüfen. In diesem Fall kann das Kosten-Nutzen-Verhältnis schon einmal aus dem Ruder laufen.

Regelmäßige Evaluation

Evaluieren Sie regelmäßig – je nach Bedarf alle drei, sechs oder auch zwölf Monate – durch gezielte Fragen die Arbeitsleistung, das Arbeitsverhältnis sowie die Arbeitszufriedenheit. Legen Sie eine gute Evaluation nicht gleich zu den Akten, denn es gibt immer Verbesserungsmöglichkeiten

Erfolge gemeinsam feiern

Aufgrund der engen Zusammenarbeit zwischen Kunde und Agentur sollte es selbstverständlich sein, dass Projekterfolge auch gemeinsam gefeiert werden.

Wie Unternehmen Corporate Identity und Marke aufbauen

Immer mehr Technologie-, Industrie- und Investitionsgüterunternehmen entwickeln sich schnell zu internationalen Unternehmensgruppen, die in vielen Ländern und auf vielen Märkten mit Geschäftsbereichen und Tochterunternehmen vertreten sind. Ihre Technologien sind oft erklärungsbedürftig und ihre Wertschöpfungsketten vielschichtig. In der Regel sind sie nicht der einzige Anbieter am Markt und müssen sich daher von Wettbewerbern erkennbar differenzieren. Darüber hinaus hat ihr Wachstum zur Folge, dass immer mehr Zielgruppen für das Unternehmen relevant werden. Damit steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese Zielgruppen ganz unterschiedliche Informationen und Eindrücke vom Unternehmen erhalten. Dies führt zu Irritationen und eventuell sogar zum Vertrauensverlust.

Was bin ich? Positionierung als Marke

Gerade in Zeiten zunehmender Größe und Komplexität sollten Unternehmen ein integrierendes Element wahren beziehungsweise entwickeln und kommunikativ platzieren: eine starke, sich vom Wettbewerb differenzierende Unternehmensidentität, die sich unter anderem in der Marke manifestiert. Eine Identität und Marke, die das Unternehmen intern und extern als das identifiziert, was es ist: ein ganz besonderes Unternehmen! Damit verbunden sind folgende Fragen:

  • Wie einfach machen es Unternehmen ihren Kunden, Partnern, potenziellen Mitarbeitern und Finanzgebern sowie den Medien, das Unternehmen wahrzunehmen, zu verstehen und es im letzten Schritt auch zu mögen?
  • Wie einfach machen es Unternehmen den Mitarbeitern unterschiedlicher Unternehmensteile, dass diese sich ihrem Unternehmen wirklich zugehörig fühlen?

1. Persönlichkeit des Unternehmens finden

Erarbeiten Sie zusammen mit Mitarbeitern und Führungskräften in Befragungen und Workshops die Leitbilder, die Ihr Unternehmen am besten charakterisieren und dessen besonderen Wert zum Ausdruck bringen. Das Wissen, wie Kunden einen sehen und wie groß die Lücke zwischen Eigen- und Selbstbild ist, ist hilfreich. Doch dieser Check wird häufig überschätzt, denn zunächst müssen Sie wissen, wie Sie das Unternehmen positionieren möchten und dazu authentische Werte finden, die der Unternehmenskultur und der Geschäftsstrategie entsprechen. Das Besondere am Unternehmen, das es vom Wettbewerb abhebt, wird herausgearbeitet und in der Selbstdarstellung sowie über Verhaltensweisen nach innen und außen zum Ausdruck gebracht.

Damit fokussieren Sie sich auf das Wesentliche, nehmen Stellung und positionieren sich und Ihre Produkte sowie Dienstleistungen sichtbar und hörbar am Markt. So entsteht die Persönlichkeit Ihres Unternehmens, die Corporate Identity. Diese bringen Sie in einem Markenversprechen, an dem Sie sich auch messen lassen, zum Ausdruck. Das Markenversprechen umfasst die funktionalen und emotionalen Aspekte Ihrer Marke und zeigt Kunden und anderen Zielgruppen, was diese von Ihrem Unternehmen erwarten dürfen.

Indem Sie dieses Versprechen leben und kommunizieren, positionieren Sie sich an der Stelle im Markt, die Sie einnehmen wollen. Sie betreiben Markenpositionierung. Die Werte des Unternehmens und das Markenversprechen sind aber keine Angelegenheit der Marketing-Abteilung. Beides wird mit Fokus auf Ihre Zielgruppe – vor allem im Hinblick auf Ihre Kunden – entwickelt und im gesamten Unternehmen gelebt. Ein Markenversprechen betrifft die Abteilungen Controlling, Logistik oder Hausverwaltung ebenso wie Marketing und Vertrieb. Das, was unter Einbeziehung des gesamten Unternehmens von der Marketing-Abteilung entwickelt wurde, wird zur Leitlinie für alle Unternehmensteile.

2. Kritische Analyse der Marken und des Corporate Designs

Verschiedene Unternehmensbereiche oder Firmentöchter verfügen unter Umständen über ein eigenes attraktives Design, über Namen oder Logos. In ihrer Gesamtheit betrachtet, also etwa auf Broschüren, Internetseiten, internen Magazinen oder in der Werbung, fällt es einem aber oft schwer, sie der ein und derselben Unternehmensgruppe zuzuordnen. Da kommt es dann zu einer wilden Ansammlung von Farben, Formen und Namen und es fällt schwer, diese Unternehmensgruppe zu erkennen und zu verstehen.

Daher der Ratschlag: Sammeln Sie von der Visitenkarte bis zur zehn Jahre alten Werksbroschüre alles ein, was Sie in Ihrem Unternehmen finden können. Prüfen Sie selbst bei jedem Briefbogen den Grund für die eventuell unterschiedliche Platzierung von Logo und Geschäftsangaben. Vieles mag durch persönlichen Geschmack entstanden sein, aber manches kann auch einer Logik folgen oder gar rechtliche Bedeutung erlangen, die Sie nicht ignorieren sollten. Wenn Sie viele unterschiedliche Marken unter einem Dach führen, sehen Sie sich jede einzelne Marke und ihre Bedeutung für Ihre Kunden und Mitarbeiter ganz genau an beziehungsweise stellen sich folgende Fragen:

  • In welchem Maße trägt die Marke zum Unternehmensimage bei?
  • Ist diese als Einzelmarke mehr wert als die Unternehmensmarke?
  • In welchem Verhältnis stehen die Marken zueinander?

3. Entwurf einer Markenarchitektur

Eine Markenarchitektur zeigt alle Bestandteile Ihres Unternehmens in einem Licht, macht die Marke in der Gesamtheit stärker und präsenter, beweist Zusammengehörigkeit und hilft Kunden, Partnern, Journalisten, Finanzgebern und neuen Mitarbeitern, Ihr Unternehmen besser zu verstehen. Die Markenarchitektur beschreibt die Struktur Ihres Markenportfolios sowie die Rollen der einzelnen Marken. Es klärt die Beziehungen, die die Marken zueinander haben, und den Rang, den sie im Unternehmen einnehmen. Prüfen Sie zum Beispiel, ob Sie Ihre Unternehmensmarke ins Zentrum stellen, mehr Fokus auf Ihre Produktmarken legen oder Systemmarken einführen wollen. Stellen Sie sicher, dass alle Marken die Werte Ihres Unternehmens auf ihre individuelle Art und Weise mit Leben füllen und damit unterstützen. Stellen Sie auch sicher, dass es für jede Marke ganz klare Regeln und Entscheidungshilfen zur Einordnung in die Markenarchitektur gibt. Denn nichts ist müßiger, als bei jeder Unternehmenserweiterung erneut mit allen Beteiligten die vielen kleinen Ausnahmen zur Markenintegration aushandeln zu müssen.

4. Definition eines neuen Corporate Designs

Finden Sie ein Corporate Design, das zu Ihrem Unternehmen passt, sich vom Wettbewerb abhebt, auf alle Kommunikationsmittel angewandt wird, die Logos als Eintrittstor in das Unternehmen umfasst und so mit jedem Kontakt einen großen Wiedererkennungseffekt hat. Corporate Design kann dabei mehr als nur Visitenkarten gestalten oder schöne Vorlagen für Präsentationen schaffen. Corporate Design beinhaltet das gesamte Erscheinungsbild Ihres Unternehmens inklusive Form, Farbe, Schrift, Logo, Wort- und Bildsprache. Das Corporate Design ist die Grundlage für die Gestaltung all Ihrer Kommunikationsmittel. Fangen Sie hier nicht bei Null an, es sei denn, Sie wollen Ihr Unternehmen neu gründen oder vollkommen umpositionieren. Selbst wenn Sie noch nie Ihr Corporate Design definiert haben, haben Sie in Ihrer vorangegangenen Analyse viele Elemente gefunden, die sich bewährt, am Markt bereits durchgesetzt haben und die sich in das neue Corporate Design integrieren lassen.

5. Entwicklung des Corporate-Design-Handbuchs

Das Corporate-Design-Handbuch umfasst Beschreibungen, Ausmessungen und Vorlagen für sämtliche internen und externen Kommunikationsmittel. Diese Vorgaben sind verbindlich und müssen im gesamten Unternehmen eingehalten werden. Es handelt sich dabei um ein lebendes Dokument. Sowie Sie neue oder zusätzliche Kommunikationsformate im Unternehmen entwickeln, kann das Handbuch erweitert beziehungsweise angepasst werden. Sollte es zu einer Umstellung des kompletten Corporate Desings kommen, kann das kostspielig werden. Gerade B2B-Unternehmen benötigen aber nicht zwingend den großen Wurf, der das Unternehmen im vollkommen neuen Licht erstrahlen lässt. Stattdessen empfiehlt sich ein pragmatisches Vorgehen:

Kommunikationsmaterialien inklusive Visitenkarten oder auch Briefpapier, die noch im alten Corporate Design existieren, sollten bis zu einem vorab bestimmten Zeitpunkt aufgebraucht werden. Neue Materialien hingegen sollten schon mit dem neuen Corporate Design ausgestattet sein. Gerade zentrale Kommunikationsmaterialien wie Mitarbeiterzeitungen oder Imagebroschüren sollten beim Start des neuen Designs neu aufgelegt werden, um einen Ankerpunkt dafür zu schaffen und das Corporate-Design-Handbuch verständlich zu machen. Hinterlegen Sie das Handbuch an einem zentralen Ort. Auch in Zeiten des Intranets empfiehlt es sich, kleine und handliche Versionen an alle Firmenbereiche und Unternehmenstöchter zu schicken, die damit arbeiten müssen.

6. Kommunikationsstrategie und -ausführung

Entwickeln Sie einen Kommunikationsplan, der Ihre Marke und Ihre Corporate Identity wirksam nach innen und außen sichtbar macht und positioniert. Starten Sie unbedingt bei Ihren Mitarbeitern, die Ihre wichtigsten Markenträger sind und sich mit dem Markenversprechen des Unternehmens identifizieren müssen, um dieses auch zu leben. Gegebenenfalls veranstalten Sie Workshops in Ländern, bei Tochterunternehmen oder in einzelnen Bereichen und Abteilungen, um zu erarbeiten, was die neue Corporate Identity und das neue Corporate Design für die einzelnen Bereiche bedeuten.

Wenn Ihr Unternehmen groß ist, ernennen Sie Markenbotschafter, die im Unternehmen helfen, Fragen der neuen Identität zu klären und die Mitarbeiter in Markenfragen trainieren und motivieren. Diese Aufgabe kann auch die Kommunikationsabteilung übernehmen. Stellen Sie sicher, dass die Einführungsstrategie in Ihre existierende Unternehmenskommunikation passt und auch deren Kommunikationswege nutzt. Genauso wie die existierende Kommunikationsstrategie, die Botschaften und Tonalitäten der neuen Corporate Identity integrieren muss. Begleiten Sie die Einführung durch weitere Kommunikationsmaßnahmen wie Artikel im Intranet, eine Sonderausgabe der Mitarbeiterzeitung oder etwa ein kleines Werbegeschenk im neuen Design.

7. Erfolgsmessung

Messen Sie die Durchsetzung Ihrer Marke, aber geben Sie sich dafür einige Jahre Zeit. Feiern Sie kleine Erfolge wie die Wiederholung Ihres Versprechens in Presseartikeln oder eine Kundenreferenz, die Ihr Unternehmen für dessen Werte lobt. Mitarbeiter-, Kunden-, Zulieferer- und Journalistenbefragungen sowie die inhaltliche Auswertung Ihrer Presseabdeckung werden Ihnen schließlich einen genauen Aufschluss über die erfolgreiche Markenpositionierung geben.

Vom Umgang mit Kritikern

Während Ihres Projekts werden Ihnen viele Für- und Widersprecher begegnen. Versuchen Sie, Ihr Projekt auf eine breite Basis zu setzen. Immerhin sind es auch die Kritiker, die sich in der Corporate Identity wiederfinden möchten. Nehmen Sie deren Anregungen und Bedenken ernst und integrieren Sie diese so weit wie möglich in die Definition von Unternehmenswerten oder Markenarchitektur. Halten Sie also lieber das eine oder andere zusätzliche Abstimmungsmeeting ab, denn der Teufel steckt manchmal im Detail. Kritische Anmerkungen werden Ihnen auch helfen, die Intensität und die Tonalität der Kommunikation zur Einführung der neuen Corporate Identity mit all ihren Aspekten zu bestimmen. Wichtig ist aber, es nicht allen recht zu machen. Gehen Sie strukturiert vor und vermeiden Sie Diskussionen über Geschmacksfragen. Die Frage, ob die Mitarbeiterzeitung in einer dunkelblauen Farbe besser aussieht als in einer hellblauen, ist unerheblich. Ob das – wie auch immer geartete – Blau aber konsistent auf allen Kommunikationsmitteln eingesetzt wird und damit zur Wiedererkennung beiträgt, ist wirklich wichtig.

Kunden durch mobiles Marketing gewinnen

Über die Hälfte der Deutschen geht morgens nicht mehr ohne Mobiltelefon aus dem Haus. Wir sind immer erreichbar und ständig in der Lage zu kommunizieren. Besonders Smartphones tragen dazu bei, dass Kommunkation heute weit mehr bedeutet als bloß zu telefonieren. Wir können uns informieren, Social Networking betreiben, spielen oder im Internet surfen. Das alles mit dem Handy, das mittlerweile zu unserer zweiten rechten Hand geworden ist – eine multimediale Hand, mit der die ganze Welt greifbar erscheint.

Diese Tatsache kann sich das Marketing zu Nutze machen. Marketing möchte Menschen erreichen, indem eine Botschaft eines Produkts, einer Dienstleistung oder einer Marke verfasst wird, die der Kunde wahrnehmen soll. Doch jeden Tag erhalten wir mehr als doppelt so viele Botschaften, als unser Gehirn überhaupt aufnehmen kann. Warum sollten Unternehmen ihren Kunden also nicht über das Mobiltelefon die Hand reichen und sich bekannt machen? An persönliche Kontakte erinnern wir uns oft am ehesten, und Kommunikation übers Handy funktioniert direkt und auf Augenhöhe, ganz so, wie wir uns eine Bekanntschaft vorstellen.

Webseite fürs mobile Surfen konfigurieren

Technische Innovationen rund um das Smartphone, dessen Markanteil sich laut Prognosen innerhalb des nächsten Jahres noch einmal um 39 Prozent Prozent steigern soll, haben im Bereich des mobilen Marketings viele Möglichkeiten eröffnet. iPhone und Co. sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken, und ein Grundstein der Kommunikation. Schon heute ist abzusehen, dass künftig mehr Menschen mit einem Smartphone ins Internet gehen als mit einem Computer. Das heißt: Will ein Unternehmen auf die junge, internetaffine und kaufkräftige Zielgruppe setzen, sollte der Weg an mobilem Marketing nicht vorbeiführen.

Doch Marketing ist von Kundenseite aus stark vom Unternehmen, dessen Produkten und finanziellen Mitteln abhängig. Das trifft besonders beim mobilen Marketing zu. Die Alternativen, die von SMS-Marketing bis hin zur teuren Service-App reichen, variieren stark was Preis, Aufwand und Effekt betrifft. Deshalb ist zu Beginn ein genauer Abgleich mit den eigenen Kommunikationszielen unabdingbar. Die Spielregeln im mobilen Marketing sind denen im Online-Marketing ähnlich: Die Kommunikation muss dem Kunden einen Mehrwert, bestehend aus Dialog, Inhalt, persönlichem Gewinn oder Entertainment bieten. Auf diesen Komponenten sollte die Marketingstrategie aufbauen und durch sie stoßen Unternehmen schlussendlich auch auf den richtigen Kanal oder das richtige Mittel.

65 Prozent aller Smartphone-Nutzer gehen mindestens einmal im Monat mobil ins Internet – Tendenz steigend. Deshalb sollte in einem ersten Schritt die Homepage so konfiguriert werden, dass sie auch von einem mobilen Gerät bedient werden kann. So können Unternehmen zum einen auch von unterwegs erreicht werden, zum anderen wird der Traffic auf der Seite erhöht. Die Einrichtung einer solchen Website ist relativ preisgünstig und die Konfiguration unproblematisch. Zeit und Geld sind in jedem Fall sinnvoll investiert. Denn selbst wenn Unternehmen nicht mit einem großen Budget in mobiles Marketing einsteigen wollen, sollten sie diese Maßnahme in Betracht ziehen, um auf der multimedialen Bildfläche nicht zu verschwinden.

Die Relevanz von mobilem Marketing steigt durch die zunehmende Integration der Smartphones auf dem Markt. Die Marketingaktivitäten einzelner Unternehmen hängen jedoch von deren Produkten, finanziellen Möglichkeiten und der Zielgruppe ab. Smartphones bieten dabei viele Möglichkeiten, mobiles Marketing zu betreiben. Menschen erreicht man über Mehrwert, wie etwa exklusiven Content, direkten Dialog, Service oder Entertainment. Mobiles Marketing offeriert diverse Alternativen, um eine zielgruppenorientierte Kommunikation zu führen. Im Folgenden werden einige Möglichkeiten aufgezeigt, wie Unternehmen mit Kunden in den Dialog treten beziehungsweise Kontakt aufnehmen können.

Location-Based-Marketing und Augmented Reality

Das Handy ist nicht nur Vermittler einer Funktion, sondern bietet auch die Fläche für eine recht traditionelle Art der Werbung. Ähnlich wie im Web kann man auf mobilen Seiten und in Apps Banner integrieren. Dazu bietet zum Beispiel Apple die Plattform „iAd“ an. Über diese Funktion werden Banner oder Anzeigen gegen Gebühr in Apps integriert. Damit kann zum Beispiel eine eigene App vermarktet oder auf ein spezielles Produkt aufmerksam gemacht werden. Zu bedenken ist aber, dass Kunden die Banner in Apps kaum bewusst anklicken werden, wenn sie dafür die App verlassen müssen. Aufgrund der relativ geringen Größe müssen die Banner außerdem einfach und auffällig gestaltet sein.

Location-Based-Marketing lebt von der Mobilität des Handys. Egal wo sich der Smartphone-Besitzer gerade aufhält, kann er über Ortungsfunktionen wie etwa die von Facebook, Google-Places oder Foursquare herausfinden, was um ihn herum geschieht. Diese Möglichkeit können auch Unternehmen nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Wenn sie Rabatte oder besondere Services über solche ortsbezogenen Anwendungen kommunizieren, werden genau die Menschen erreicht, die an solchen Angeboten gerade interessiert sind.

Die neuen Technologien machen das Unmögliche möglich. Ein kleines Zeichen verbirgt über tausend Worte oder sogar ein Video, Bilder in Zeitschriften fangen an zu sprechen. Unternehmen können Kunden diese Form der Unterhaltung über ein Smartphone bieten, indem sie ihnen interessanten Content und Entertainment zur Verfügung stellen. Crossmediale Nutzung kann vor allem der Print- oder Out-of-Home-Werbung entscheidenden Mehrwert bringen, denn diese Medien erscheinen der innovationsverwöhnten Gesellschaft oft unspektakulär oder fallen erst gar nicht auf. Ein weiteres Plus: Durch Mundpropaganda wird der Erfolg der Kommunikation vermehrt. Was einen begeistert, wird mit Freunden geteilt.

Die Spannbreite bei den crossmedialen Funktionen ist groß. Ein „Quick-Response-Code“ (QR-Code) beispielsweise lässt sich ohne großen Aufwand in eine Werbekampagne integrieren – und dem Kunden so exklusiven Content, Bilder oder Videos zugänglich machen. Zum Entschlüsseln eines solchen Codes wird lediglich eine App benötigt, die Barcodes lesen kann. Der neueste und aufwendigste Trend hingegen stellt die „Augmented-Reality-Funktion“ dar, die dem User einen besonders hohen Mehrwert bietet. Ein Beispiel: die App der Deutschen Post. Hier können Kunden einen Menüpunkt anklicken und bekommen sämtliche Briefkästen in der Nähe mit der entsprechenden Entfernung und der jeweiligen Richtung angezeigt.

Für die Programmierung einer solchen App braucht es allerdings viel Know-how, außerdem ist es mit hohen Kosten verbunden. Günstiger wird es, wenn eine „Augmented-Reality-Funktion“ über einen Server läuft. Die Beispiele zeigen: Insbesondere crossmediale Marketingstrategien werden zukünftig erfolgreich sein. In einer multimedialen Welt wird multi- und crossmediale Aktivität gefordert, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu erlangen.

Apps müssen echten Mehrwert bieten

Als Antwort auf die gestiegene Bedeutung der Smartphones wird mobiles Marketing mehr und mehr als Alternative wahrgenommen. Doch was können Unternehmen in dieser Richtung unternehmen und wohin führt der Weg des mobilen Marketings? Neben preisgünstigen Alternativen wie QR-Codes kann es für Unternehmen, die eine besonders internetaffine oder innovative Zielgruppe ansprechen wollen, sinnvoll sein, mehr zu investieren. Das Ziel dabei: dem Kunden einen größeren Mehrwert und somit eine größere Produktattraktivität zu vermitteln.

Derzeit gibt es rund 450.000 mobile Applikationen, hinzukommen die Stores von Blackberry, Android und anderen. Wenn Unternehmen auf hochwertige Apps setzen wollen, sollten sie zunächst klären, ob die finanziellen Mittel für eine Programmierung vorhanden sind. Zumal verschiedene Betriebssysteme wie Apple oder Android eine andere Formatierung der Apps verlangen, was wiederum mit zusätzlichen Kosten verbunden ist.

Ist die finanzielle Abdeckung gewährleistet, sollten Unternehmen als Marke im Kontext ihrer Produkte auch wirklich etwas anbieten können. Eine App wird nur erfolgreich sein, wenn sie Service, relevanten Content, Entertainment oder persönlichen Gewinn bietet. Zumal die meisten Menschen gar nicht bereit sind, viel oder überhaupt in eine App zu investieren. Es sei denn, diese bietet einen außergewöhnlichen Mehrwert. Schließlich sollte auf eine App auch im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit hingewiesen werden, um den Bekanntheitsgrad des eigenen Unternehmens zu steigern.

Der Vorteil von Apps: Als Kommunikationsmittel bleiben sie bei Kunden im Gedächtnis. Da viele Verbraucher Service- oder Spiele-Apps meist täglich nutzen, setzen sie sich auch mit der Marke oder dem Produkt des Unternehmens auseinander. So bauen sie quasi eine persönliche Beziehung auf und wecken positive Emotionen. Genau das ist das Ziel einer guten Marketingstrategie.

Aufgrund des Trends in Richtung crossmedialer Kommunikation führt der Weg an einer Kommunikation via Mobiltelefon künftig nicht mehr vorbei. Nur die Unternehmen werden sich durchsetzen, die innovative Ideen haben und ihren Kunden durch ihre Art der Kommunikation einen Mehrwert bieten können. Doch angesichts des Informationüberflusses muss Kommunikation mittels Entertainment, Dialog oder relevanten Content einen Vorsprung schaffen. Mobiles Marketing zeichnet sich dabei im Vergleich zum Online-Marketing schon aufgrund der Flexibilität und Vielseitigkeit eines Smartphones durch einen höheren Mehrwert aus. Die vielfältigen Eigenschaften eines solchen Geräts und die Rolle des Mobiltelefons in unserer Gesellschaft bilden die Grundlage für eine Kundenkommunikation auf Augenhöhe und für Persönlichkeit, die dem Kunden in Erinnerung bleibt.

Kunden im Marketing nach Loyalität einteilen

Die beste Voraussetzung für positive Mundpropagada und massenhafte Weiterempfehlungen heißt Kundenloyalität. Loyale Kunden sind blind und taub für den Wettbewerb und verteidigen ihre Lieblingsanbieter gegen Angriffe von außen. Auch mögliche Fehler verzeihen sie gern und berichten voll Begeisterung über ihre positiven Erfahrungen mit einem Produkt oder einer Marke. Wird das Ganze dann mit einer Community verbunden, machen loyale Kunden aus Marken Kult.

Stabile und dauerhafte Kundenbeziehungen sind die Lebensversicherung eines Unternehmens. Deshalb gilt es, die Loyalen in der Masse zu gewinnen. Doch wie erkennen Unternehmen diese, und wonach sollen sie suchen? Kaum ein potenzieller Kunde wird bei folgender Frage zustimmen: „Werden Sie ein loyaler Kunde sein, wenn wir Sie erst einmal von unseren Leistungen überzeugt haben?“ Ferner sollten Unternehmen die wertvollste Ressource, das Loyalisierungspotenzial der Mitarbeiter, nicht an die Falschen verschwenden. Gleiches gilt auch für Zeit und Geldmittel, die in die Akquise von illoyalen Kunden gesteckt werden. Und schließlich gilt es, sich vor negativer Mundpropaganda und Rufmord zu schützen. Im Loyalitätsmarketing wird somit eine Zielgruppenauswahl nach Loyalitätskriterien getroffen.

Kundensegmente im Loyalitätsmarketing

Je länger ein Unternehmen einen rentablen Kunden hält, desto mehr Gewinn kann es durch ihn erzielen. Oberste Prämisse sollte es daher sein, möglichst keinen einzigen loyalen Kunden zu verlieren, den man behalten will. Um nun eine Zielgruppenauswahl nach Loyalitätskriterien zu ermöglichen, werden Kunden entsprechend ihres Treueverhaltens eingeteilt:

Saboteure

Saboteure sind sehr gefährlich, denn sie vertreiben die Kunden. Das tun sie meist in voller Absicht und mit hohem Zerstörungsdrang. Dazu bedienen sie sich nicht nur der klassischen Offline-Kanäle, sondern nutzen zunehmend auch die Möglichkeiten von Social Media, indem sie das entsprechende Unternehmen an den Pranger stellen. Was dann in den Suchmaschinen landet, kann nicht wieder gelöscht werden. Vor allem Negativberichte verbreiten sich im Netz wie ein Lauffeuer. Schnell folgen die einschlägigen Medien und machen unter Umständen einen Skandal daraus. Dies kann schließlich zu massiven Verbraucherboykotten führen. Es ist deshalb unabdingbar, seine Saboteure zeitnah zu identifizieren, um mit passenden Maßnahmen gegenzusteuern.

Illoyale Kunden

Illoyale Kunden kommen und gehen. Sie sind in aller Regel Preisnomaden, bewegen sich also immer dort, wo es gerade am günstigsten ist – meistens bei der Konkurrenz. Sie tauchen höchstens dann wieder auf, wenn Sonderaktionen laufen und Billig-Konditionen angeboten werden. Illoyale Kunden rentieren sich daher meist nicht. Sie binden Ressourcen und erzeugen am Ende dennoch ein Negativ-Ergebnis. Je nach Situation können auch Einmalkunden profitabel sein und einen Mundpropaganda-, Referenz- und Empfehlungswert besitzen. Doch in aller Regel leben Unternehmen von den sogenannten „Immer-wieder-Kunden“.

Verlorene Kunden

Verlorene Kunden sind meist vergessene Kunden. Unternehmen kümmern sich nur punktuell um sie. Dabei schlummert im Ex-Kundenkreis ein beträchtliches Ertragspotenzial. Es ist nämlich nicht nur kostengünstiger, sondern häufig auch leichter, abgesprungene Kunden zurückzuholen, statt neue zu gewinnen oder den Wettbewerbern die Kunden abzuluchsen. Ein Großteil der verlorenen Kunden ist nämlich zur Rückkehr bereit, vorausgesetzt, Unternehmen kümmern sich genug um Rückholaktionen. Dazu müssen die abgewanderten Kunden zunächst identifiziert und ihre Wechselgründe lokalisiert werden. Danach werden mit geeigneten Maßnahmen nur solche Kunden anvisiert, die zurückgewonnen werden sollen – und die außerdem zurückgeholt werden können.

Bedingt loyale Kunden

Bedingt loyale Kunden sind Kunden, die Gleiches bei mehreren Anbietern kaufen, zum Beispiel bei einem Zweitlieferanten oder einer Zweitbank. Deshalb spricht man auch von geteilter Loyalität. Die Gründe dafür sind verschieden und haben mit Marktgegebenheiten oder dem Kunden selbst, meist aber mit dem Mangel an Exzellenz im eigenen Unternehmen zu tun. Bedingt loyale Kunden favorisieren ein Unternehmen nicht wirklich, hassen es aber auch nicht. Sie werden ihm treu verbunden bleiben, solange sich nichts Besseres bietet. Bedingt loyale Kunden sind allerdings auch eine Gefahr, da sie die Unternehmen in Sicherheit wiegen, indem sie schweigen. Sie tadeln nicht, sie loben nicht. Genauso still und leise machen sie sich auf und davon.

Total loyale Kunden

Total loyale Kunden, sofern rentabel, sind der wertvollste Schatz eines Unternehmens, denn sie kaufen (fast) immer beim gleichen Anbieter. Erfreulich dabei: Je größer die Bedeutung einer Marke in ihrem Leben ist, desto mehr rückt der Preis in den Hintergrund. Die primäre Aufgabe im Loyalitätsmarketing ist es also, die Zahl der total loyalen Kunden zu maximieren und potenzielle Wechselfreude zu minimieren. Die Markenartikelindustrie interessiert sich dabei vor allem für die „First Choice Buyer“ (FCB), also die Konsumenten mit der jeweils höchsten Bedarfsdeckung bei der Marke, die sie präferieren. In diesem Fall wird auch von ungeteilt Markentreuen gesprochen, die in einer Produktgruppe (fast) immer dieselbe Marke kaufen. Sie sichern deren Erfolg.

Fan-Kunden, Multiplikatoren, Empfehler

Sie sind die neuen Zielgruppen, auf die es auch das Social-Media-Marketing abgesehen hat. Denn nicht mehr durch klassische Werbekampagnen, sondern vor allem durch sich selbst organisierende Kundenschwärme werden Marken und neue Trends generiert. Nicht länger die Presseabteilungen, sondern meinungsstarke Expertenkunden - die sogenannten „Alphas“ und „Mavens“, wahren in Zukunft als Stimmungsmacher und Referenzgeber die Reputation eines Unternehmens. Dabei lässt sich zwischen Mundpropagandisten und aktiven Empfehlern differenzieren: Bei der Mundpropaganda geht es vorrangig um das mehr oder weniger Meinungsbildende (über eine Sache sprechen). Eine Empfehlung hingegen impliziert über die reine Kommunikation hinaus einen einflussnehmenden Handlungshinweis, dem in den meisten Fällen eine eigene Erfahrung mit dem Angebot vorausgeht.

Loyalitätstypen: Kunden werden nach ihrem Treueverhalten eingeteilt. Quelle: Anne Schüller

Rentabel und/oder loyal? Loyalitätsmatrix schafft Klarheit

Um eine Loyalitätsmatrix zu erstellen, definieren Unternehmen zunächst die Kriterien für den jeweiligen Loyalitätsstatus. Das ist von Branche zu Branche verschieden. Zur weiteren Spezifizierung können sie die Scoring-Methode zu Hilfe nehmen. Dabei werden ausgewählte Kriterien auf einer Skala von null bis zehn bewertet. Die Punkte (Scores) werden schließlich aufaddiert und in eine Rangreihe gebracht.

In der Folge lassen sich die zu betrachtenden Kunden in eine Portfolio-Matrix eintragen, deren Achsen Rentabilität und Loyalitätsstatus heißen. Wie sich die Rentabilität errechnet, wird ebenfalls im Vorfeld definiert. Dies kann materielle und auch immaterielle Aspekte beinhalten, wie etwa folgende:

  • Deckungsbeitrag
  • Preissensibilität
  • Zahlungsmentalität
  • Bonität
  • Betreuungsaufwand
  • Reklamationsbereitschaft
  • Zukunftswert, Image- und Empfehlungswert

Ist die Matrix erstellt, wird ersichtlich, bei wem und in welche Richtung Rentabilisierungs- und Loyalisierungsinitiativen angebracht sind. Und es wird offensichtlich, von welchen Kunden man sich trennen muss. Zum Beispiel von solchen, die zwar noch ab und an kaufen, aber unablässig schlecht über das Unternehmen reden. Das ist negative Loyalität. Und negative Rentabilität? Ein besessen loyaler, regelmäßig kaufender Verlustbringer ist wohl das schlimmste, was einem Unternehmen passieren kann!

Fortan lässt sich zielsicher in Richtung Loyalität agieren. Unternehmen sollten zum Beispiel analysieren, wie sie an ihre loyalen Kunden gekommen sind, was sie auszeichnet und wie sie sich verhalten. Welche Muster sind zu erkennen? Welche davon lassen sich reproduzieren? So können Profile und Prozesse erstellt werden, mit deren Hilfe systematisch auf die Suche nach neuen loyalen Kunden gegangen werden kann. Außerdem lässt sich dabei lernen, die Kunden zu meiden, bei denen alle Loyalisierungsbemühungen zwecklos sind. Denn Loyalität lässt sich nicht bei allen erreichen – und schon gar nicht auf die gleiche Weise. Schließlich sollten künftig keine illoyalen und unrentablen Kunden mehr umworben werden. Lockvogelangebote, Gutscheinaktionen, Gewinnspiele und vertrieblich falsch konzipierte Anreizsysteme zielen oftmals unpassenderweise auf die schnellen Wechsler.

Loyalitätsmatrix: Eine Hilfe für Unternehmen, Kunden einzuschätzen. Quelle: Anne Schüller

Im Loyalitätsmarketing hingegen gilt: Wer treue Kunden will, muss Kundentreue belohnen. Nicht die Erstkunden, potenziellen Wechsler und Kündiger erhalten die besten Angebote, sondern die durch und durch loyalen „Immer-wieder-Kunden“ und die aktiven Empfehler. Wer seinen Kundenbestand hegt und pflegt, der immunisiert ihn gegen die Attacken des Wettbewerbs. Wer wenig Kunden verliert, muss sich wenig neue suchen.

Agenturen für Marketing, PR und Kommunikation finden

Unternehmen haben die Qual der Wahl, wenn sie aus einer unüberschaubaren Vielzahl an Agenturen für Marketing und Unternehmenskommunikation diejenige finden müssen, die zu ihnen passt. Denn eine solche Agentur soll Kreativität, Qualität, Zuverlässigkeit und auch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten. Dabei sehen sich die Unternehmen in aller Regel mit Angeboten aus unterschiedlichen Quellen konfrontiert, die jeweils für sich genommen eine Problemstellung mit sich bringen:

Lokales Branchenbuch: Könnte die Suche nach der geeigneten Agentur zu sehr eingegrenzen.

Agenturen im Internet: Die Agentur mit der besten Platzierung in den Suchmaschinen muss nicht unbedingt die beste Agentur für das eigene Unternehmen sein.

Fachzeitschriften: Die sich hier präsentierenden großen, umsatzstarken Allround-Agenturen sind teuer und für die Kommunikations-, Marketing- oder PR-Ziele vielleicht gar nicht notwendig.

Verbandsverzeichnisse: Die Leistungen der hier aufgelisteten Mitgliedsagenturen erscheinen austauschbar oder weisen einen sehr hohen Spezialisierungsgrad auf.

Empfehlung eines Geschäftspartners: Eine ungeprüfte Zusammenarbeit mit derselben Agentur des Geschäftspartners kann zu Unsicherheiten führen.

Bleibt am Ende noch die Sichtung zahlloser Agenturanschreiben, die Unternehmen regelmäßig erhalten. Laut einer Umfrage des Verzeichnisses deutscher Werbeagenturen (VdWa) aus dem Jahr 2010 erhalten 61 Prozent der befragten Unternehmen bis zu 20 Agenturbewerbungen pro Monat, 31 Prozent bis zu 50 und 8 Prozent sogar über 50 Bewerbungen. Hier den Überblick zu behalten und eine Agentur zu finden, die zur eigenen Marke, Kultur, Strategie und zum Budget passt, ist schwierig.

Die Arbeit mit der neuen Agentur erfolgreich gestalten

Die Lösung: ein transparenter, strukturierter Prozess bei der Agenturauswahl, der Entscheidungssicherheit schafft. Wenn Sie eine neue Agentur als längerfristigen Partner suchen, ein hohes Budget verwalten, viele Stimmen in Ihrem Unternehmen eine Meinung zur Agentur haben oder Sie gar vorhandene Agenturen ablösen müssen, sollten Sie einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten veranschlagen, bis Sie alle Parteien ins Boot geholt haben und die Grundlage für eine gute, neue Partnerschaft geschaffen haben. Auch für einen unkomplizierten Agentur-Pitch sollten Sie zwei bis drei Monate veranschlagen, da Agenturen allein für die Pitchaufgabe vier bis sechs Wochen Zeit zur Erarbeitung einer Lösung haben sollten. Allerdings braucht nicht jede Kommunikationsaufgabe mehrstufige Pitch-Verfahren. Für die einfache Auswahl von Agenturen nach Empfehlungen, persönlichen Gesprächen, Agenturpräsentationen und Begutachtung von Arbeitsproben oder für einen kleinen Projektauftrag als Test brauchen Sie nur wenige Wochen.

Die folgenden elf Schritte sollten Ihnen den erfolgreichen Start mit einer neuen Agentur leichter machen. Dokumentieren Sie diese Schritte lückenlos, um auch für neue Kommunikationsaufgaben in kommenden Jahren die passende Agentur besser finden zu können.

1. Analyse der Rahmenbedingungen für die Agenturauswahl

Gehen Sie die Agenturauswahl nicht überstürzt an! Erst sollten Sie auf Unternehmensseite prüfen, welche Rolle eine Agentur in Ihrem Haus übernehmen darf, nach welchen generellen Kriterien in Ihrem Haus Dienstleister ausgesucht werden, an welcher Stelle vielleicht schon Agenturen in Ihrem Haus tätig sind und unter welchen Gegebenheiten die Agentur arbeiten muss. Dazu schauen Sie sich unter anderem Ihre Unternehmens-, Marketing- und Kommunikationsstrategie an, prüfen die Einkaufsrichtlinien, klären die personellen und finanziellen Ressourcen in Ihrer Kommunikationsabteilung und stellen fest, welche Agenturen bereits für Ihre Unternehmensgruppe tätig sind oder waren. Fragen dabei:

  • Welche Leistungen bieten diese Bestandsagenturen an?
  • Welche Kündigungsfristen müssen Sie bei einem Agenturwechsel gegebenenfalls berücksichtigen?

Definieren Sie auch, wer im Unternehmen die finale Entscheidung über den Vertrag mit der neuen Agentur trifft und welche Fachabteilungen ein Mitspracherecht haben sollten.

2. Genaue Definition der Agenturaufgabe und -rolle

Erst wenn Sie die Rahmenbedingungen für die Auswahl und Zusammenarbeit mit einer Agentur geklärt haben und sich nach wie vor für die Auswahl einer neuen Agentur entscheiden, definieren Sie die Aufgabe, die Sie der Agentur stellen möchten. Fragen dabei:

  • Benötigen Sie die Agentur ausschließlich für ein vorab definiertes Projekt oder als permanente Begleitung?
  • Brauchen Sie helfende Hände im Tagesgeschäft oder strategische Beratung?

Formulieren Sie eine konkrete Aufgabenstellung mit detaillierter Leistungsbeschreibung und klar definierten Zielen!

3. Formulierung eines Kriterienkatalogs

Sicher haben Sie Vorstellungen, welche Kriterien die Agentur erfüllen muss. Definieren Sie diese in einem Kriterienkatalog. Dieser kann unter anderem Vorstellungen zum Standort, der Agenturgröße, Referenzen, Erfahrungen und Kompetenzen, Internationalität, Mitarbeiterfluktuation und Honoraren umfassen. Der Kriterienkatalog hilft Ihnen, den Kreis der möglichen Agenturen einzugrenzen.

4. Anbieterqualifizierung

Ideal ist, wenn Sie mithilfe des Kriterienkatalogs 10 bis 15 Agenturen finden, für die Sie kurze Profile erstellen. Diese können Sie dann mit allen am Auswahlprozess beteiligten Unternehmensvertretern diskutieren. Reduzieren Sie den Kreis der in Frage kommenden Agenturen auf maximal acht! Danach folgt die Einladung zu einer ersten Vorstellungsrunde. Wenn nicht zu viele Personen aus Ihrem Haus in diese Phase der Anbieterqualifizierung eingebunden sind, empfiehlt es sich, die erste Vorstellung in den Büroräumen der Agenturen durchzuführen.

Auf diese Weise können Sie sich einen Eindruck von der Arbeitsatmosphäre und dem Agenturpersonal machen. Zu dieser Vorstellungsrunde sollten Sie eine standardisierte Liste mit Kriterien mitbringen, entlang der Sie das Gesehene und Gehörte bewerten. Im Anschluss wird Ihnen diese Bewertung helfen, detaillierte Agenturprofile zu erstellen und sie im Unternehmen zu diskutieren. Als Ergebnis der Vorstellungsrunde und der Diskussion folgt dann meist eine erneute Reduktion auf eine bis vier mögliche Agenturen.

5. Entscheidung über das Auswahlverfahren

Spätestens an dieser Stelle entscheiden Sie über das weitere Vorgehen im Auswahlverfahren. Wenn die zukünftige Rolle der Agentur im Unternehmen keine dauerhafte, ressourcenintensive ist, möchten Sie sich vielleicht schon an dieser Stelle für die Agentur entscheiden, der Sie die größte Sympathie entgegenbringen. Sie können Ihre Entscheidung auch durch einen kleinen Testauftrag unterstützen. Sind Sie zufrieden, haben Sie Ihre Agentur gefunden.

In beiden Fällen sollten Sie ein gutes Agenturbriefing zur Verfügung stellen (siehe Punkt 6) und die Zusammenarbeit professionell anleiten und verfolgen (siehe Punkte 10 und 11), damit die Agentur Ihre Aufgabe professionell lösen kann. Möchten Sie aber eine längerfristige Bindung eingehen beziehungsweise stellen Sie der Agentur ein hohes Budget zur Verfügung, sollten Sie den bereits enger gezogenen Kreis zu einem Pitch einladen, in dem jede Agentur eine von Ihnen vorgegebene Aufgabe löst und diese Lösung vorstellt.

6. Umfassendes Agentur-Briefing mit konkreter Aufgabenstellung

Für diesen Pitch erstellen Sie nun ein umfassendes Agentur-Briefing zu einem realen oder im Einzelfall auch fiktiven Projekt. In dem Briefing fassen Sie sämtliche Informationen schriftlich zusammen, die die Agentur benötigt, um die Aufgabenstellung zu bearbeiten. Über das schriftliche Briefing hinaus geben Sie die Möglichkeit, telefonisch Rückfragen zu stellen. Im Briefing beschreiben Sie insbesondere die zu lösende Aufgabe und geben hierzu Hintergrundinformationen. Sie beschreiben die Ziele und die Zielgruppen, benennen die Botschaften und belegen diese mit sogenannten „reasons to believe“. Vielleicht verfügen Sie sogar über unumstößliche Daten und Fakten, die die Botschaften unterstützen.

Sie beschreiben den bevorzugten Kommunikationsstil und die bevorzugten Kommunikationskanäle. Wichtig sind auch Rahmenbedingungen wie die existierende Unternehmenskommunikationsstrategie, Kommunikationsrichtlinien, Corporate Identity und Corporate Design oder rechtliche Rahmenbedingungen für die Kommunikation. Zuletzt geben Sie mit dem Briefing den Präsentationstermin und -ort sowie die Namen der beteiligten Agenturen an. Bitten Sie die Agenturen, mit den Mitarbeitern zur Präsentation zu kommen, die letztlich auch Ihr Unternehmen unterstützen würden. Planen Sie vier bis sechs Wochen für die Bearbeitung der Pitch-Aufgabe ein.

7. Organisation der Pitch-Präsentationen

Bereiten Sie den Rahmen für die Pitch-Präsentationen vor. Achten Sie darauf, dass alle internen Entscheidungsträger vor Ort, die Räumlichkeiten gut gewählt sowie Ablauf und Zeitrahmen der Veranstaltung für alle Beteiligten klar sind. Für die Unternehmensvertreter bereiten Sie Bewertungsbögen für die Agenturen vor, die harte und weiche Leistungskriterien beinhalten. Geben Sie jeder Agentur rund eineinhalb Stunden Zeit, sich durch eine Präsentation und eine anschließende Fragerunde vorzustellen. Zu Beginn sollten sich alle Anwesenden unter Anleitung eines Moderators vorstellen. Auch die Pitch-Präsentation selbst (auf den Zeitrahmen achten!) und die anschließende Fragerunde sollten moderiert werden. Die Unternehmensvertreter sollten diese Zeit nutzen, um den Bewertungsbogen auszufüllen.

8. Beurteilung der Agenturen

Nun werden die Bewertungsbögen ausgewertet und Stärken-Schwächen-Profile mit Empfehlungen erstellt. Sollten Sie zu keiner eindeutigen Entscheidung kommen können, können Sie den Teilnehmerkreis noch etwas weiter einengen und den verbleibenden Agenturen ein Re-Briefing geben, das diese dann bearbeiten.

9. Finale Agenturauswahl und Verhandlung wesentlicher Vertragsbestandteile

Jetzt treffen Sie Ihre finale Auswahl und teilen das Ergebnis der favorisierten, aber auch den nicht gewählten Agenturen mit. Begründen Sie Ihre Entscheidung! Mit der ausgewählten Agentur starten Sie nun die Vertragsverhandlungen. Diese beinhalten typischerweise den Leistungskatalog, die Honorierung sowie die Grundsätze der Zusammenarbeit. Nachdem die Agentur ausgewählt wurde, muss diese in das Unternehmen und ihre Aufgaben eingeführt werden. Deshalb sind auch die beiden letzten Schritte wichtig.

10. Arbeitsaufnahme

Begleiten Sie die Arbeitsaufnahme durch die Agentur! Organisieren Sie Vorstellungsrunden und gegebenenfalls Workshops zum Kennenlernen, zum Erörtern der gegenseitigen Erwartungen sowie zur Entwicklung sicherer und transparenter Prozessroutinen zwischen Agentur und Ihrem Unternehmen.

11. Evaluation

Scheuen Sie sich nicht, das Verhältnis Kunde-Agentur durch eine regelmäßige – je nach Bedarf viertel-, halb- oder ganzjährliche – Evaluation zu überprüfen. So lassen sich frühzeitig Konfliktfelder identifizieren und beheben. Analysieren Sie den Arbeitsfluss, Kostenstrukturen, Arbeitsergebnisse und die Teamarbeit! Besprechen Sie korrigierende Maßnahmen und moderieren Sie Workshops zum weiteren Vorgehen. Und vor allem: Feiern Sie gemeinsam Ihre Erfolge!

Unternehmen profitieren von Kooperationen im Marketing und in der Produktion

Eric Clapton blickt auf eine fast 50-jährige Musikerkarriere zurück. Als Brite hat er den amerikanischen Blues in leicht verdaulicher Form nach Europa gebracht und auf diese Weise Generationen von Musikern den Nährboden für ihre musikalischen Innovationen geliefert. Nun bestellt er mit visionärer Strategie sein Erbe und veranstaltet alle drei Jahre das „Crossroads Guitar Festival“. Zu diesem Open-Air-Konzert lädt er Blues-, Bluesrock- und Rockmusiker aus aller Welt ein. Generationenübergreifend treffen dort musikalische Urgesteine jenseits der 80 auf den 20-jährigen Nachwuchs und spielen miteinander. Doch Crossroads ist nicht nur ein Ereignis der musikalischen Spitzenklasse, sondern auch ein Vorzeigeprojekt für die Entwicklung gewinnbringender Kooperationen.

Durch Kooperationen Kundenkreis erweitern

Der Crossroads-Grundgedanke ist einfach: gemeinsam für die Kunden regelmäßig etwas veranstalten, damit daraus ein festes Ritual wird. Auf ähnlichen Kooperationen basieren Weihnachtsmärkte und Verkaufsoffene Sonntage. Auch hier arbeiten Wettbewerber zusammen, um gemeinsam mehr zu erreichen. Das Crossroads Festival geht aber noch einen Schritt weiter: Jeder kann durch die Anwesenheit des anderen profitieren. Dieser Grundgedanke von Kooperationen zielt besonders auf den Zeitraum nach der Veranstaltung ab. Wer sich die CD oder DVD des Festivals kauft, hört zwangsläufig auch die Musik anderer Teilnehmer. So kann jede teilnehmende Band ihren Kundenkreis erweitern.

Unternehmenslenker können vom Crossroads-Konzept profitieren, indem sie für sich folgende Fragen ableiten:

  • Was ist die Botschaft der eigenen Branche, des eigenen Produkts oder der angebotenen Problemlösung und ist sie es wert, an die nächste Generation weitergegeben zu werden?
  • Können Unternehmen sich dafür genauso begeistern wie Clapton für seinen Musikstil?
  • Welche Kooperationen könnten mit dem Mitbewerb auf die Beine gestellt werden?

Das Crossroads-Konzept besticht durch drei Eigenschaften:

  • Jemand muss das Ganze initiieren
  • Die übergeordnete Idee braucht Leuchtkraft
  • Das Gemeinsame dominiert das Einzelne

Wenn diese drei Punkte zusammenkommen, werden die Kräfte gebündelt und das Anliegen erregt mehr Aufmerksamkeit. Im Folgenden werden beispielhaft Branchen aufgeführt, auf die das Crossroads-Konzept – jeweils mit Berücksichtigung der spezifischen Situation – praktisch übertragen werden könnte:

Einzelhandel

Bestimmte Einzelhändler könnten innerhalb eines Ortes regelmäßig in Kooperationen zusammenarbeiten. Sie könnten Produkte der anderen Händler bei sich ausstellen und einen gemeinsamen Newsletter für alle Kunden herausbringen. Es wäre möglich, auf Facebook oder anderen Plattformen eine gemeinsame Einkaufs-Community anzubieten. Sie könnten gemeinsam PR betreiben und Aktionstage durchführen.

Hersteller oder Dienstleister

Viele Unternehmen profitieren im B2B-Bereich vom Erfolg ihrer Kunden. Unter dem Motto „We make you better“ könnten sie Kooperationen bilden und Leistungspakete zusammenstellen, die ihren Kunden helfen, deren Performance zu verbessern. Denkbar wäre dies beispielsweise für Handwerksunternehmen, Fachhändler oder Gastronomen.

Automobilindustrie

In der Automobilindustrie ließe sich die Entwicklung bestimmter Projekte in Kooperationen schneller vorantreiben, zum Beispiel bei den aktuellen Themen Energieversorgung und Antrieb.

Druckindustrie

Wenn sich die verantwortlichen Druckereibesitzer überregional in der Vermarktung und Produktion zusammenschließen würden und bereit wären, Kapazitäten zu drosseln, könnte so manche kränkelndes Unternehmen betriebswirtschaftlich wieder gesunden.

Die Anregungen für gewinnbringende Kooperationen lassen sich mit ein wenig Phantasie beliebig erweitern. In der Praxis gibt es bereits vereinzelt Initiativen, etwa den Zusammenschluss führender Mauerziegelhersteller unter dem Namen „Mein Ziegelhaus“, die den Tonziegel im Hausbau vorantreiben wollen. Oder die Vereinigung der Verpackungsmaschinenhersteller unter der Bezeichnung „Packaging Valley“. Diese wollen ihre gesamte Region als Synonym für exzellenten Verpackungsmaschinenbau international promoten.

Werbung und Direktmarketing am Telefon nur mit Einwilligung

Im Jahr 2003 hatte eine Krankenkasse eine Unterlassungserklärung gegenüber der Verbraucherzentrale Sachsen abgegeben. Dieser Unterlassungserklärung ging zu dieser Zeit eine Abmahnung voraus, nach der zukünftig keine Anrufe bei Verbrauchern ohne eine entsprechende Einwilligungserklärung zur Telefonwerbung vorgenommen werden dürften. In der Unterlassungserklärung verpflichtete sich die Krankenkasse, für jeden Verstoß eine Vertragsstrafe zu bezahlen. Nachdem die Verbraucherzentrale im Jahr 2008 darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die Krankenkasse angeblich weiterhin Werbeanrufe ohne Einwilligung durchführt, kam es aufgrund der Unterlassungserklärung zu einer Inanspruchnahme.

Feststellungen des BGH

Im folgenden Klageverfahren behauptete die Krankenkasse, dass die Einwilligungserklärungen zusammen mit der Teilnahme an einem Online-Gewinnspiel eingeholt wurden. Im Klageverfahren gelang es der Krankenkasse jedoch nicht, diese Einwilligung wirksam nachzuweisen. Der BGH hatte nun letztinstanzlich über die Revision der Kasse zu entscheiden.

Das höchste deutsche Zivilgericht hat die Revision zurückgewiesen (Az.: I ZR 164/09). Begründung: Das deutsche Datenschutzrecht verstoße nicht bereits deshalb gegen europäisches Recht, weil es über die europarechtlichen Vorgaben hinausgehe. Es sei grundsätzlich zulässig, Telefonwerbung gegenüber Betroffenen von deren ausdrücklicher Erklärung abhängig zu machen.

Direktmarketing: Datenschutzrechtliche Rahmenbedingungen

Im Grundsatz gilt: Möchte ein Unternehmen bei Privatpersonen Telefonmarketing-Aktionen durchführen, müssen die Betroffenen ausdrücklich einwilligen. In der Einverständniserklärung müssen zwingend das Kontaktmedium, der Grund der Kontaktaufnahme und der potenzielle Verwender genannt werden. Außerdem bedarf es eines Hinweises auf eine Widerrufsmöglichkeit. Eine zulässige Methode für die Einholung der Einwilligungserklärung ist die so genannte „Opt-In“-Methode. Für den normalen Geschäftsverkehr bedeutet das die Möglichkeit des Ankreuzens eines Kästchens im Internet oder auf dem Papier.

Unzulässig ist es jedoch, ein bereits zuvor angekreuztes Kästchen im Internet zu präsentieren, welches der Webseitenbenutzer dann ausschalten beziehungsweise wegklicken kann („Opt-Out“-Methode). Gleiches gilt, so die Entscheidung des BGH, soweit ein schriftliches Dokument vorliegt auch für vorgegebene Erklärungen in Vertragsteilen, die im Vertragstext vorgegeben sind und lediglich gestrichen werden können.

Beweislast liegt beim Unternehmen

Besonders bedeutsam ist die Beweisführung der verantwortlichen Stelle in Bezug auf das Vorliegen einer datenschutzrechtlichen Einwilligungserklärung. Wie der BGH in der oben zitierten Entscheidung ausgeführt hat, liegt die Beweislast hinsichtlich des Vorliegens einer Einwilligungserklärung für das Telefon-Direkt-Marketing beim Unternehmen. Das heißt: Eine schriftliche Einwilligungserklärung muss aufbewahrt und eine E-Mail-Erklärung gespeichert werden, um im Zweifel den Nachweis führen zu können, dass der Betroffene in die Telefonwerbung eingewilligt hat.

Erreichbarkeit am Telefon ist guter Service und fördert das Image

Der Sketch „Buchbinder Wanninger“ von Karl Valentin aus den 1960-er Jahren nahm die hilflosen Versuche eines Anrufers auf die Schippe, den richtigen Ansprechpartner für sein Anliegen im Unternehmen zu finden. Er griff ein Problem auf, das noch heute allgegenwärtig ist: Anrufe laufen ins Leere, Kunden hören das Besetzt-Zeichen und werden von einem Ansprechpartner zum anderen verbunden. Die Folge: Sie erreichen niemanden, der sich ihres Problems annimmt.

Das Medium Telefon hat im digitalen Zeitalter keinesfalls an Bedeutung verloren: Fast 60 Prozent aller Kunden greifen zuerst zum Hörer, um Fragen an ein Unternehmen zu stellen. Dabei wollen sie keine Zeit verlieren und erwarten von ihren Gesprächspartnern Wertschätzung für ihre Person, Verständnis für ihr Problem sowie Problemlösungskompetenz. Oft fehlt aber das grundlegende Bewusstsein für das Thema Erreichbarkeit. In vielen mittelständischen Unternehmen mit klassischen Innendiensten und Serviceeinheiten agieren die Sachbearbeiter stattdessen als Mädchen für alles. Hier dominiert die so genannte Mischtätigkeit: Retouren werden bearbeitet, Aufträge eingegeben und andere administrative Aufgaben erledigt. Telefoniert wird nebenbei. Läutet das Telefon, wird der Mitarbeiter bei einer anderen Arbeit gestört. Der Grund, warum die persönlichen Kontakte mit Kunden so gering geschätzt werden. Außerdem blockiert der Mitarbeiter durch Anrufe nach außen („Outbound“) die Leitung für „Inbound“-Calls.

Wie sich telefonische Erreichbarkeit verbessern lässt

Kunden sind einem Sachbearbeiter meist regional zugeordnet und die Anrufe werden in einer Ringschaltung aufgefangen. Ist die Durchwahl des Sachbearbeiters besetzt oder nicht umgestellt, während der Mitarbeiter beispielsweise zum Kopierer geht und ertönt beim nächsten Mitarbeiter das Besetzt-Zeichen, hängt der Kunde verärgert ein. Er hat niemand erreicht. Genauso ärgerlich ist diese Situation für das Unternehmen selbst, denn niemand bekommt mit, dass ein Anruf verloren ging beziehungsweise dass ein Kunde vergeblich versucht hat Kontakt aufzunehmen.

Niemand kann sagen, ob dadurch vielleicht ein Auftrag durch die Lappen ging, eine Reklamation nicht angenommen werden oder ein bestimmtes Problem nicht gelöst werden konnte. Durch dieses Nichtwissen, das die Anzahl der unbeantworteten Anrufe, der „Lost calls“ und die Schwankungen der Anrufvolumina betrifft, ist es den Leitern der Innendienstabteilungen nicht möglich, das tatsächliche Anrufvolumen zu erkennen. Geschweige denn können sie ermitteln, wie viele Mitarbeiter gebraucht würden, um die Beantwortung der eingehenden Anrufe zu sichern.

Um solche unangenehmen Situationen zu vermeiden, gibt es folgende Möglichkeiten:

1. Organisation der eingehenden Anrufe

Anrufe kommen nicht wie an einer Perlenschnur aufgereiht auf den Schreibtisch und sind dort auch nicht „stapelbar“. Sie müssen innerhalb der Wartetoleranz der Anrufer bearbeitet werden. Zur Sicherung der Erreichbarkeit müssen Anrufe deshalb vorrangig beantwortet werden. Führungskräfte müssen also die eindeutige Ansage treffen, dass die Annahme der Anrufe Priorität vor allem anderen hat.

Tipp:
Bilden Sie, wenn möglich, „Anrufpools“ beziehungsweise routen Sie die Anrufe intelligent! Damit entzerren Sie die Mischtätigkeit Ihrer Mitarbeiter und richten Telefonzeiten ein, in denen die Mitarbeiter – gemäß dem Call-Center-Prinzip – nur für die Annahme von Anrufen zur Verfügung stehen. Nutzen Sie die technischen Möglichkeiten zum Routing, zum Beispiel nach Prioritäten und Kompetenzen (Sprachen). Die noch viel verbreitete klassische Ringschaltung ist in der Regel die schlechteste Möglichkeit, Erreichbarkeit zu sichern und Transparenz über das Anrufvolumen zu erhalten.

Unternehmen sollten es anstreben, das Kaufen und Erhalten von Serviceleistungen für den Kunden einfach zu gestalten. Eine einzige Telefonnummer, oder höchstens zwei bis drei Nummern, und der Kunde bekommt eine Antwort. Übrigens war dies einmal der grundlegende Service-Gedanke der ersten Call Center.

Tipp:
Untersuchen Sie, wo welche Telefonnummer beziehungsweise Durchwahl veröffentlicht wird. Oft werden viel zu viele Nummern auf unterschiedlichen Formularen und Werbemitteln oder in den Medien bekanntgegeben. Die Folge: Der Kunde muss erst mühsam herausfinden, zu welcher Telefonnummer sein Problem gehört.

2. Automatic Call Distribution (ACD) sichert die Erreichbarkeit technisch

Eine ACD-Anlage gewährleistet im Gegensatz zur traditionellen Ringschaltung die Aufreihung der eingehenden Anrufe hintereinander. Außerdem sorgt sie für eine gleichmäßige gerechte Verteilung der Anrufe auf die Mitarbeiter oder die Verteilung nach anderen vorgegebenen Regeln wie zum Beispiel Qualifikation der Mitarbeiter oder Sprachen, gerade was die Auslastung betrifft. Anrufe, die nicht entgegengenommen werden, landen in der Warteschleife und werden dann verteilt, wenn wieder Mitarbeiter frei sind. Oder sie werden auf ein anderes Team gesteuert (Überlauf). Wenn die Mitarbeiter auf „Nacharbeit“, „Pause“ oder auf „abwesend“ geschaltet sind, bekommen sie keine Anrufe.

ACD ermöglicht Transparenz im Hinblick auf die Anzahl der gerade eingehenden sowie nicht beantwortenden Anrufe, ebenso dahingehend, wie viele Anrufer aufgeben, also wie viel Anrufe verloren gehen. Mit der Funktion „Real Time Management“ können Mitarbeiter oder externe Dienstleister zugeschaltet werden, um die Erreichbarkeit zu gewährleisten. Außerdem wertet das System aus, wie lange jemand warten musste und wie lange gesprochen wurde. Schließlich misst ACD auch die Auslastung der Mitarbeiter durch eingehende „Inbound“-Telefonate.

Tipp:
Viele neuere Telefonanlagen beinhalten ACD-Funktionen, ohne dass dies im Unternehmen bekannt ist. Prüfen Sie also, welche Funktionen bei Ihnen vorhanden sind und/oder wie viel eine entsprechende Aufrüstung kosten würde. Alternativ sollten Sie prüfen, ob der Telefonprovider über das so genannte „Intelligente Netz“ ACD-Funktionen zur Verfügung stellen kann.

3. Einsatz der Mitarbeiterkapazitäten entlang des Anrufvolumens

Durch den Einsatz einer ACD-Anlage erledigt sich das Dilemma der Erreichbarkeit nicht von selbst. Es macht das Thema nur offensichtlich. Erreichbarkeit kann nur gesichert werden, wenn die Möglichkeiten der ACD intelligent genutzt werden und genügend Mitarbeiter im Einsatz sind. Aus historischen Zahlen der ACD und über die Kenntnis von Prozesszeiten und Tätigkeiten muss also das Anruf- und Arbeitsvolumen berechnet werden, das im Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresverlauf schwankt. Deshalb wird zusätzlich Wissen über den Zeitbedarf für die einzelnen Prozesse beziehungsweise die Tätigkeiten benötigt.

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass Anrufe eine synchrone Tätigkeit darstellen, die nicht linear berechnet werden kann und speziellen Regeln unterliegt. Nur wenn der Personalbedarf richtig ermittelt wird und der Personaleinsatz entlang des schwankenden Anrufs- und Arbeitsvolumens erfolgt, kann Erreichbarkeit tatsächlich gesichert werden. So können Unternehmen vermeiden, als anonymes, blutleeres Call Center wahrgenommen zu werden.

Mit einer Marke Kundengewinnung und Kundenbindung betreiben

Das Neugeschäft ist wichtig, doch Unternehmen leben auf Dauer von ihren Wiederkäufern. Der Aufbau einer sozial und ökonomisch nachhaltigen Kundentreue ist somit die vorrangige unternehmerische Herausforderung der Zukunft. Bei genauer Betrachtung ergeben sich drei Loyalitäten:

  • zum Unternehmen beziehungsweise seinen Standorten
  • zu Angeboten, Services und Marken
  • zu den Mitarbeitern und Ansprechpartnern

Alle drei Loyalitäten müssen entwickelt werden. Bleibt eine auf der Strecke, wirkt sich dies nachteilig auf das Treueverhalten der Kunden aus. So kann es beispielsweise passieren, dass ein Kunde seiner Automarke treu verbunden bleibt, jedoch den angestammten Händler verlässt, weil sein langjähriger Betreuer in ein anderes Autohaus wechselt. Oder die vom Verkäufer mühevoll aufgebaute Loyalität wird in nur wenigen Augenblicken durch einen unzuverlässigen Kundendienst oder eine schlechte Werkstattleistung für immer vernichtet. Doch selbst der beste Service bewirkt nichts, wenn die Marke kein Loyalitätspotenzial besitzt.

Die Wechselfreude der Kunden ist so hoch wie nie. Das neue Phänomen heißt „flüchtender Kunde“. Eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens GfK zeigt: Marken des täglichen Bedarfs verlieren im Durchschnitt fast 40 Prozent ihrer loyalen Stammkunden pro Jahr. Diese immens hohe Rate ist in den letzten zwölf Monaten noch weiter gestiegen. Dabei werden mit Stammkunden durchschnittlich 60 bis 70 Prozent des Umsatzes einer Marke erzielt.

Stammkunden als Retter einer Marke

Einer der wichtigsten Treiber für Loyalität ist das Vertrauen in eine Marke. Je größer das Vertrauen, desto höher ist der Anteil an Stammkunden. Und je höher der Stammkundenanteil einer Marke, desto rascher wächst auch ihr Marktanteil. Marken mit steigender Loyalität erzielten der Untersuchung zufolge in nur drei Jahren eine Marktanteilserhöhung auf den Indexwert 129, während Marken mit sinkender Loyalität im gleichen Zeitraum auf einen Indexwert von 91 zurückfielen. Markenkommunikation ist im Allgemeinen durch drei Zielrichtungen gekennzeichnet:

  • Imageaufbau
  • Neukundengewinnung
  • Stammkunden-Bestätigung

Dabei fällt auf: Es gibt kaum Werbung, die das „Immer-Wieder-Kaufen“ gezielt in den Vordergrund rückt. Dabei sind es vor allem die Stammkunden, die über das Schicksal einer Marke entscheiden. Wer „seine“ Marke regelmäßig kauft, wer sich voll und ganz mit ihr identifiziert und sich ihr hochgradig verbunden fühlt, der ist blind und taub für den Wettbewerb. Der wird sie gegen jeden verteidigen und seinen Freunden wärmstens weiterempfehlen.

Doch bis es soweit ist, kann es lange dauern. Nur wenigen Marken gelingt es, uns im Sturm zu erobern, denn wir nähern uns einer Marke im Allgemeinen eher vorsichtig. Wir umkreisen und inspizieren sie und fragen unsere Nächsten, was sie dazu sagen können. Diese Phase der Annäherung ist hochemotional, denn wir wollen schließlich keine Fehler machen.

Nach dem Kauf flacht die Emotionskurve oft ab und wir gewöhnen uns schnell an die Marke. Doch nur wenn sie sich unentbehrlich macht, sie uns ständig an sich erinnert, wenn sie von Freunden bewundert wird, uns immer wieder aufs Neue überrascht und fasziniert, wird sie für den „Immer-Wieder-Kauf“ in Erwägung gezogen. Wir bleiben einer Marke treu und empfehlen sie weiter, solange sie uns gute Gefühle beschert. Doch enttäuschen darf sie uns niemals.

Marken sind emotionale Anker

Marken stehen für Zugehörigkeit, für Identifikation und Profilierung. Markennutzer positionieren sich mit den Marken, mit denen sie sich umgeben. Sie sind Ausdruck unseres Selbstkonzepts. Wenn wir eine bestimmte Marke wählen, verrät das viel über uns. Es zeigt wer wir sind und wo wir dazugehören wollen. Die Wahl entscheidet auch darüber, was andere von uns denken sollen und mit wem wir uns umgeben. Markenpräferenzen haben Selektionscharakter.

Die Logos an Kleidungsstücken sind die Brandzeichen der Rinder, die Orden der Würdenträger, die Wappen der Städte und die Fahnen der Heere von früher. Mit den Tattoos der südpazifischen Maori und den Gesichtsmarkierungen schwarzafrikanischer Stämme haben sie eines gemeinsam: Sie kennzeichnen die Mitglieder einer Sippe und grenzen die „Fremden“ anderer Gruppen aus. Mit einem passenden Logo gehört man zum „richtigen“, zum angesagten Stamm und kann sich von den weniger Privilegierten abheben.

Mit einer Marke kann man also seinen Status zeigen, Einfluss gewinnen und Macht ausüben. Dafür ist der Nutzer gerne bereit einen Aufschlag zu bezahlen. Marken stärken Vertrauen, weil sie uns vertraut sind. Und weil wir sie wiedererkennen, geben sie uns Sicherheit. Sie stehen für Orientierung im Angebotsdschungel und erleichtern Entscheidungen. Fachleute nennen das „kortikale Entlastung“, was soviel bedeutet wie: Unser Gehirn muss weniger Aufwand betreiben.

Marken erleichtern unserem Gehirn die Arbeit und aktivieren unser Belohnungssystem. Untersuchungen haben herausgefunden, dass starke Marken Hirnregionen aktivieren, die für die Verarbeitung positiver Emotionen zuständig sind. Schwache und auch unbekannte Marken aktivieren hingegen solche Hirnareale, die uns negative Gefühle bereiten. Sie werden vom Kauf ausgeschlossen.

Wie Markenloyalität entwickelt wird

Marken, die Loyalität verdienen, sind starke Marken, ja geradezu Markenpersönlichkeiten. Sie stehen für Spitzenleistungen und blindes Vertrauen. Sie haben sich Zuneigung erarbeitet und einen guten Ruf erworben. Der Verwender betrachtet sie wie durch eine rosarote Brille, so wie ein Verliebter, der nur die guten Seiten sieht und über kleine Schwächen milde hinweg schaut. Jede Marke muss das Ziel haben, zu seinem Verwender eine solche Beziehung aufzubauen, über die er oft und leidenschaftlich gerne spricht.

Um das zu schaffen, muss die „Pole-Position“ im Kundenhirn erobert werden. Dazu braucht es einen UeSP, eine emotionalisierende Alleinstellung, um zum Marktführer der Köpfe und Herzen zu werden. Kunden schenken ihren Lieblingsmarken größte Loyalität. Schon allein aus diesem Grund ist es sinnvoll, sich nur mit den Kunden zu beschäftigen, bei denen es vergleichsweise leicht ist, einen solchen Spitzenplatz zu erreichen.

So muss eine Marke klar und deutlich sagen, wofür sie steht – und wen sie erreichen will. Sie soll etwas Besonderes für manche, aber nicht alles für Jeden sein. Dort, wo alle sind, ist wenig zu holen. Wer für alles steht, steht für nichts – und ist damit überflüssig. Mittelmäßigkeit und Massenstrategien sind vom Aussterben bedroht. Im Idealfall wird eine Marke einen Begriff unanfechtbar besetzen. Bei der SolarWorld AG heißt es beispielswese: „Wir können nichts anderes als Solarstromtechnik. Deshalb wollen und müssen wir in dieser einen Sache spitze sein.“

Zur „Lovemark“ werden

Der Begriff „Lovemark“ wurde von Kevin Roberts, CEO der Werbeagentur Saatchi & Saachi, kreiert. „Lovemarks“ sind Marken, die der Kunde heiß und innig liebt. Das beste Beispiel ist derzeit wohl Apple. Apple will Produkte bauen, die so sexy sind, dass sich die Leute darin verlieben. Nur so konnte es gelingen, eine Unmenge von Apple-Fans dazu zu bringen, nahezu die komplette Kommunikationsarbeit für das Unternehmen und seine Produkte zu betreiben.

Apple will Mitarbeiter, die sich in die Firma verlieben. So würden sie immer das Beste für Apple machen und nicht für sich, verkündete Unternehmenschef Steve Jobs. Um zur „Lovemark“ zu werden, braucht es laut Roberts Folgendes: Respekt aufbauen, seine Marke mit Geheimnis, Sinnlichkeit und Intimität aufladen und eine „Lovemark“-Community gründen. Das Ergebnis: Loyalität jenseits der Vernunft. Sobald das geschieht, wird die Konkurrenz bedeutungslos.

Tipp:
Das Buch zum Thema: Kunden auf der Flucht? Wie Sie loyale Kunden gewinnen und halten [40]

Studie: Multikanal-Kommunikation mit Kunden

Die aktuellen Ergebnisse der Marktstudie "Kundenmonitor Assekuranz" des Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGovPsychonomics zeigt, dass sich die Präferenz für den Online-Kontakt (für jeden der zwölf untersuchten Kontaktanlässe) erhöht, nämlich um sechs bis 14 Prozentpunkte im Vergleich zu 2006. Für das erste Highlightthema „Multi-Channel-Management" wurden 1.405 Entscheider und Mitentscheider in Versicherungsangelegenheiten ab 14 Jahren befragt.

„Die Zeitreihenuntersuchung im Rahmen des Kundenmonitor Assekuranz verdeutlicht die zunehmende Kommunikations- beziehungsweise Medienkompetenz der Versicherungskunden. Vor allem die Jüngeren und damit die kommende Generation der Versicherungsnehmer, die nun mit Anfang 30 Jahren an höherwertigen Vorsorge- und Risikoschutzverträgen Bedarf entwickeln, spielen virtuos auf die Klaviatur der Vertriebswege beziehungsweise Kommunikationskanäle."

So kommentiert Dr. Oliver Gaedeke, Vorstand und Leiter der Finanzdienstleistungsmarktforschung der YouGovPsychonomics AG die Ergebnisse. Vermittler, Innendienst und Online-Plattformen eines Versicherers müssen zukünftig ineinander greifen, um den multiplen Kommunikationsbedarf der Kunden im Anbahnungs- und Betreuungsprozess zu bedienen.

Akzeptanz des E-Mail-Kontaktes ist noch gering, nimmt aber zu

Etwa jeder dritte Befragte findet, dass der Mail-Kontakt mit dem Versicherer zu unsicher ist. Die meisten Kunden präferieren die schriftliche Kommunikation. Dennoch sind es rund ein Drittel der Befragten, welche das Internet und die E-Mail für den Austausch mit dem Versicherer für geeignet halten. Dabei macht es für die Befragten kaum einen Unterschied, ob der Kontakt mit einer fremden oder der eigenen Versicherungsgesellschaft erfolgt.

Auch das Interesse an Kundenportalen ist aufgrund der Angst vor Datenmissbrauch zurückhaltend. Weniger als ein Drittel der Versicherungskunden können sich eine Nutzung von Portalangeboten vorstellen. Insbesondere Direktkunden beziehungsweise kompetentere, selbstentscheidendere und vermögendere Kunden sind den elektronischen Kommunikationswegen gegenüber aufgeschlossener als Vertreterkunden.

Die Sicherheitsbedenken sind derzeit zwar eher gering. Trotzdem werden Internet und Mail für die Kommunikation mit dem Versicherer kritisch gesehen. Nur rund ein Drittel der Befragten findet, dass sich Internet und E-Mails gut für den Austausch mit dem Versicherer eignen. Etwa die Hälfte davon kann inzwischen nicht mehr auf Mails und das Internet verzichten. Noch etwas weniger Befragte (12 Prozent) erledigen sogar den Großteil ihrer Versicherungsangelegenheiten über das Internet.

Weitere Informationen zur Studie finden Sie unter www.psychonomics.de/trade/productview/248 [41] .

Quelle: YouGovPsychonomics AG

Marketing-Kommunikation: Public Relations für Innovation und Technologie

„One more thing.“ So kündigte Apple-Chef Steve Jobs fast beiläufig bahnbrechende Innovationen seines Unternehmens an. Das geschah meistens im Januar auf der Messe Macworld Expo, wenn er seinen Vortrag hielt und am Ende noch einen Ausblick auf die Zukunft gab. Nur ein Halbsatz und doch grandiose Public Relations. Viel Geheimniskrämerei und ein wenig den Deckel heben, das oft ein Erfolgsrezept, wenn es darum geht, die Spannung im Publikum, bei Fachpresse, Analysten, Händlern und Kunden zu steigern.

Nicht alle Technologieunternehmen haben an ihrer Spitze eine charismatische Persönlichkeit wie Steve Jobs oder eine Kultmarke wie Apple, deren Wert Millward-Brown in seinem Markenspiegel BrandZ gerade auf über 150 Milliarden US-Dollar und damit als die mit Abstand wertvollste Marke überhaupt einschätzte. Aber alle Technologieunternehmen, die sich von ihren Wettbewerbern vor allem durch besondere Innovationen abheben, können mit richtiger Public Relations und Kommunikation punkten. Nur wird die Wirkung dieses Marketing-Instruments häufig unterschätzt und die Kommunikation mit der Außenwelt sehr sparsam und eingleisig betrieben.

Marketing von Innovationen muss den Dialog organisieren

Wer seine besonderen Kompetenzen als Innovationsführer im Wettbewerb ausspielen will, muss das Marketing als Drehscheibe zwischen Unternehmen und Außenwelt verstehen. Das sagen die Kommunikationsexperten Ansgar Zerfaß und Nadin Ernst von der Universität Leipzig in einem Beitrag für die Zeitschrift Marketing Review [42] [2-2009]. Es genüge nicht, wenn das Marketing eine Innovation am Ende als frohe Botschaft in die Welt posaune. Es habe eine viel weiter reichende Rolle und Aufgabe: das strategische Kommunikationsmanagement. Damit meinen sie:

„Strategisches Kommunikationsmanagement setzt nicht nur darauf, eigene Themen und Ergebnisse aufzubereiten und die Markteinführung zu unterstützen, sondern beobachtet auch die Meinungsbildung bei wichtigen Bezugsgruppen, managt den Fluss interner und externer Informationen und moderiert den Dialog zwischen dem eigenen Unternehmen und seinen Stakeholdern.“

Das Marketing dürfe also nicht erst am Ende des Innovationsprozesses ins Spiel kommen, wenn das neue Produkt marktreif sei. Es muss den gesamten Prozess von der Ideenfindung bis hin zur Markteinführung begleiten und unterstützen. Und es muss Themenfelder rund um die jeweilige Technologie besetzen und pflegen.

Denn viele Ideen und Innovationen werden heute nicht mehr im „stillen Kämmerlein“ der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Unternehmen ausgedacht. Sie entstehen im Zusammenspiel mit Kunden, Lieferanten, Hochschulen und anderen Forschungsdienstleistern und manchmal sogar mit Wettbewerbern. Dem Modell der Closed Innovation wird das der Open Innovation gegenübergestellt.

Stichwort

Mit Open Innovation wird eine Herangehensweise von Unternehmen verstanden, bei der externe Partner in die Entwicklung technologischer Neuerungen, innovativer Produkte oder kreativer Vermarktungsstrategien eingebunden werden. Meistens sind das Kunden oder Lieferanten des Unternehmens sowie externe Forschungseinrichtungen. Ziel dabei ist, das Innovationspotenzial zu vergrößern, bessere und marktfähigere Leistungen zu identifizieren und zu entwickeln. Der Begriff Open Innovation ist zurückzuführen auf Henry Chesbrough (Haas School of Business/University of California, Berkeley).

Studie: Die Unternehmen verfolgen unterschiedliche Wege

In einer Studie haben Zerfaß und Ernst 70 Unternehmen, die in technologieintensiven Branchen aktiv sind, genauer angeschaut: Wie nutzen sie das Marketing für die Entwicklung und die Vermarktung von Innovationen? Am Ende haben sie fünf Gruppen identifiziert:

  • Traditionalisten: In der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen werden Innovationen hinter verschlossenen Türen entwickelt. Das Marketing darf das am Ende verkünden, Pressemeldungen schreiben und dafür sorgen, dass die Medien das aufgreifen.
  • Strategen: Auch hier gibt es nur wenig Kontakte in die Außenwelt, während neue Produkte entwickelt werden. Aber das Marketing wird früher eingebunden. Es soll vor allem auch die eigenen Mitarbeiter für Innovationen mobilisieren.
  • Allrounder: Sie setzen eine Fülle von Marketing- und Kommunikationsinstrumenten rund um ihre Innovationen ein. Aber konzeptlos und wenig aufeinander abgestimmt.
  • Taktiker: Sie beziehen Partner aus dem Außenraum in den Innovationsprozess ein und verfolgen das Konzept der Open Innovation. Das Marketing spielt aber noch eine untergeordnete Rolle.
  • Spielmacher: Diese Gruppe von Unternehmen bezieht schon früh im Innovationsprozess externe Partner mit ein. Aufgabe des Marketings ist es, die Kommunikation zwischen allen internen und externen Partnern als Dialog zu organisieren.

Eine „beste Strategie“ konnten Zerfaß und Ernst nicht identifizieren. Alle diese Ansätze können in ihrem jeweiligen Umfeld, in der Branche, mit der bestehenden Unternehmensstrategie und bei den etablierten Prozessen, gut oder schlecht funktionieren. Neben dem Selbstverständnis beim Innovationsmanagement kommt es immer auch auf die Qualität der Umsetzung an.

Schaut man sich die Spielmacher genauer an, lassen sich viele Möglichkeiten aktiver Innovationskommunikation entdecken. Die Unternehmen setzen viele Instrumente der Public Relation ein und organisieren einen wechselseitigen Dialog mit Kunden, Lieferanten und der interessierten Öffentlichkeit.

Social Marketing: Facebook für kleine Unternehmen

Unternehmen wie Ferrero (Nutella) oder L’Oreal konnten mit großen Onlinekampagnen innerhalb von kürzester Zeit astronomische Erfolge erzielen. Diese Kampagnen sind einmalig und aufsehenerregend und basieren auf einem enormen Werbebudget. Die Sorge kleiner und mittelständischer Unternehmen, zwischen derartigen Kampagnen mit kleinen Budgets sang- und klanglos unterzugehen, ist durchaus verständlich.

Wir müssen anfangen, Erfolg auf Facebook unterschiedlich zu definieren. Eine Seite ist nicht alleine dann erfolgreich, wenn sie mehrere tausend Fans hat. Zu einer erfolgreichen Seite gehört mehr als die Fanzahl. Viel wichtiger ist eine kontinuierliche gute Kommunikation mit den richtigen Menschen. Nur so kann man auf Dauer viele Leute überzeugen, auf den „Gefällt mir“-Button zu klicken und dann auch bei der Stange zu bleiben. Lieber ein paar Hundert Fans, die Nachrichten eines Unternehmens permanent an den eigenen Freundeskreis weiterleiten als tausende von Fans, die regelmäßig auf „verbergen“ klicken.

Dieses Ziel ist nur zu erreichen durch ein klares Kommunikations- oder Redaktionskonzept. Die Seite sollte ein klares Ziel haben und dieses sollte nicht alleine die Bewerbung eines Unternehmens sein.

Klares Konzept und klare Ziele erforderlich

Beachten Sie daher die einheitliche Gestaltung und die Einbindung des Designs in Ihr inhaltliches Konzept. Facebook-Seiten geben uns die Möglichkeit, diese sehr individuell auf das Unternehmen oder die Inhalte anzupassen. Man kann das komplette CI übernehmen und Bestehendes einbinden. Die Seite sollte das Unternehmen repräsentieren, ähnlich einer Website. Ziel ist die Präsentation des Unternehmens über ein Design, das die Fans anlockt. Dieses sollte jedoch auch immer den Inhalt beziehungsweise die Intention der Seite ausdrücken, um dem Besucher die Orientierung zu erleichtern.

Bei der Gestaltung Ihrer Facebook-Seite sind Ihnen fast keine Grenzen gesetzt. Es lohnt sich jedoch, dies immer einem Profi anzuvertrauen, da Facebook die Richtlinien stetig verändert und in der Regel nur erfahrene Experten mit den aktuellen Rahmenbedingungen vertraut sind.

Die regelmäßige Pflege

Sobald das Design stimmt, können Sie sich an die Arbeit machen. Die direkte Kundenbindung und das Bei-der-Stange-Halten funktionieren bei jeder Facebook-Seite über die Pinnwand und Ihre redaktionelle Arbeit.

Hier muss vor allem auf eine kontinuierliche Betreuung der firmeneigenen Seiten geachtet werden. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen können sich nicht alleine auf ihren Namen verlassen. Wichtig ist ein interessantes Konzept, das hinter der Seite steht.

Ein Fallbeispiel ist eine Zahnarztpraxis aus Rheinland-Pfalz mit 65 Angestellten, die die Seite www.Facebook.com/zahnheilkunde [43] betreibt. Das Team gibt hier regelmäßig Ratschläge für optimale Zahnpflege, Tipps für Eltern, deren Kinder das erste Mal zum Zahnarzt kommen oder Patientenratschläge für die optimale Zusatzversicherung bei Zahnersatz. Das Konzept geht auf und innerhalb von kürzester Zeit konnte diese Praxis einen großen Teil ihrer Kunden als Fans verbuchen. Sie erhielt zahlreiche überaus positive Posts von zufriedenen Patienten sowie öffentliches Lob für ihren Facebook-Auftritt. Gerade bei einem eher schwierigen Thema, wie dem unangenehmen Gang zum Zahnarzt ein beachtlicher Erfolg. Die Praxis verzichtet dabei aber komplett auf Bewerbung der eigenen Produkte. Empfehlungen sind den Patienten vorbehalten.

Beispiel für den Auftritt bei Facebook einer Zahnarztpraxis.

Redaktionsplan und Regeln für die Pflege

Konzentrieren Sie sich beim Inhalt ihres Redaktionsplans immer auf den größtmöglichen Nutzen, den ihre Fans aus der Seite ziehen können. Einfache Bewerbung à la „wir haben das beste Produkt, weil ...“ sind nicht mehr zeitgemäß und werden von den Fans nicht wahrgenommen. Im besten Fall übernehmen ihre Fans die direkte Produktbewerbung. Sprechen Sie ihre Kunden einfach einmal an und bitten Sie sie, Ihnen einen Kommentar oder eine Rezension auf Ihrer Facebook-Seite zu hinterlassen. Empfehlungen sind das beste Marketing und das größte Potenzial von Facebook!

Wenn Sie also als Kleinunternehmer oder Mittelständler auf Facebook erfolgreich sein möchten, sollten Sie ein paar Regeln beachten:

  • Lassen Sie sich nicht von den Zahlen der großen Konzerne ins Bockshorn jagen und definieren Sie sich selbst Ziele und Erfolgsmaßstäbe für Ihre Facebook-Seite. Zum Beispiel: „Ich will, dass ein Großteil meiner Bestandskunden bei mir als Fan gelistet ist.“ Oder: „Ich will vor allem Neukunden gewinnen und diese durch spannende Beiträge dazu auffordern, bei mir zu kaufen!“
  • Arbeiten Sie ein klares inhaltliches Konzept heraus mit einem festen monatlichen Redaktionsplan. Ziel sollte immer der direkte Nutzen des „Fans“ sein, die direkte Bewerbung Ihres Unternehmens sollte dabei immer sekundär bleiben.
  • Wenn Sie mit einer Agentur arbeiten: Erarbeiten Sie gemeinsam eine „Exit-Strategie“. Das ist ein Notfallplan mit möglichen Szenarien, die passieren können, wenn negative oder gar unternehmensschädliche Posts auf Ihrer Pinnwand erscheinen. So kann Ihr Dienstleister schneller reagieren und möglichen Schaden abwenden.
  • Gehen Sie Ihre Kunden aktiv an und bitten Sie sie auf Ihrer Facebook-Seite eine Empfehlung oder eine Rezension zu hinterlassen.
  • Nehmen Sie Ihre Facebook-Präsenz in alle Ihre Geschäftspapiere auf und betrachten Sie sie als festen Auftritt im Internet gleichwertig mit Ihrer Website.
  • Informieren Sie sich genau über die Plattform Facebook und wenden Sie sich im Zweifelsfall an Experten. Immer beachten: „Das Internet vergisst nie!“, das heißt, unkontrollierte Schnellschüsse können sich nachträglich rächen.

Daher: Schrecken Sie nicht vor diesem einmaligen Medium zurück, sondern bedenken Sie Folgendes: Facebook bietet für alle Wettbewerber die absolut gleichen Voraussetzungen. Dadurch können sich auch kleine Unternehmer mit einer pfiffigen Idee auf Augenhöhe mit großen Konzernen messen. Das sind Möglichkeiten von denen wir oft nur zu träumen gewagt haben.

Wie sich Unternehmen im Mittelstand über eine Marke differenzieren

Matthias Ritter ist Creative Director Art der hl-studios GmbH [44] , einer inhabergeführten Agentur für Industriekommunikation. Er entwickelt Markendesigns für große Namen der deutschen Industrie, aber auch für erfolgreiche Mittelständler wie etwa MAN SE, Weissmann & Cie. oder Uhrenfabrik Junghans.

Herr Ritter, wie wichtig sind Marken und ihre Visualisierung für den deutschen Mittelstand?
Der Mittelstand lernt sie gerade zu schätzen. Ob Unternehmens- oder Produktmarke – je größer die Firmen werden, desto wichtiger werden Marken als Unternehmenswert. Sowas ist heute sogar bilanzierbar. Markendesign ist seit jeher ein bedeutendes Differenzierungsmerkmal.

Was zeichnet ein gutes Markendesign im Mittelstand aus?
Eine gute Marke ist lebendig, interessant, vielleicht auch rätselhaft. Das bedeutet aber in jeder Branche etwas anderes. Deshalb gibt es kein einfaches Rezept für wirkungsvolles Design. Vorrangig sollte auf zwei Dinge geachtet werden: Konsistenz und Kontinuität. Konsistenz bedeutet, aus allen Markendesign-Elementen Synergien zu schaffen. Passt alles stimmig zusammen, wirkt das Gesamtbild viel stärker als seine Einzelteile. Ein Logo allein ist weniger prägnant, als wenn es in ein konsistentes Umfeld aus Farb- und Bildwelt, Texttonalität und Typografie eingebettet ist.

Matthias Ritter: "Übereilter Aktionismus ist beim Markendesign Fehl am Platz."

Und was bedeutet Kontinuität in diesem Zusammenhang?
Kontinuität heißt, das Markenbild bei der Zielgruppe zu verankern. Dabei hilft der Einsatz von wiederkehrenden Elementen auf verschiedenen Kommunikationskanälen. Hier geht es nicht immer nur um Werbung. Mich begeistert es besonders, wenn ich ein Unternehmen sogar an seiner Architektur wiedererkenne.

Welche Grundlagen braucht es, um ein gutes Markendesign zu entwickeln?
Markendesign ist nicht nur ein schönes Kleid, sondern die visuelle Umsetzung einer Unternehmensidentität oder einzigartiger Produkteigenschaften. Das Design muss quasi aus den inneren Werten, den Markenwerten erwachsen, die müssen wir kennen. Wichtig ist aber auch das äußere Umfeld . Wenn alle Konkurrenten Blau als Firmenfarbe nutzen – wie übrigens 80 Prozent der deutschen Industrieunternehmen –, lohnt sich vielleicht eine Veränderung. Diese und viele weitere Erkenntnisse erhält man durch eine genaue Untersuchung des Unternehmens, des Wettbewerbs und der Zielgruppen.

Markendesign im Gebrauch: Welche Fehler sollte ein Mittelständler vermeiden?
Was einem häufig begegnet, ist übereilter Aktionismus. Eine konsistente und konsequente Design-Implementierung ist nicht von jetzt auf gleich möglich. Doch wer mit Bedacht an Veränderungen herangeht und keine Radikalkuren vornimmt, kann mit einem professionell überarbeiteten Design nur gewinnen. Weil sich die Kunden und Mitarbeiter dann besser mit der Marke identifizieren.

Herr Ritter, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Zielgruppen und Markt fürs Angebot definieren

Wenn Top-Entscheider ihre Post betrachten oder ihre E-Mails checken, kommt meist der Gedanke auf: „Wenn ich das alles lesen würde, hätte ich für meine Arbeit keine Zeit.“ Entsprechend rigide verfahren sie mit den zugesandten Briefen, ob gedruckt oder elektronisch. Werbeschreiben landen meist ungeöffnet im Papierkorb oder werden im besten Fall nur kurz überflogen. Im nächsten Schritt wird dann wieder der Papierkorb bemüht, vor allem wenn die Entscheider den Eindruck haben, hier bietet ihnen ein Berater mal wieder seinen gesamten Bauchladen an.

Dieses Gefühl haben Top-Entscheider – unabhängig davon, ob es sich bei ihnen um Geschäftsführer, Vorstände, Personal- oder Vertriebsleiter handelt – beim Sichten der ihnen von persönlichen Dienstleistern zugesandten Unterlagen oft. So müssen sie zum Beispiel feststellen, dass ein und derselbe Trainer neben Verkaufsseminaren auch Stress- und Projektmanagementtrainings in seinem Programm führt. Selbstverständlich dürfen auch die allseits beliebten Themen Führung, Moderation und Präsentation nicht fehlen. Gerade bei Einzelkämpfern fragen sich die Entscheider dann: Wo hat der Trainer beziehungsweise Berater denn die Kompetenz für all diese Themen erworben? Ähnliches gilt aber auch für größere Trainings- und Beratungsanbieter. Auch ihre Angebotspalette ist oft so breit, dass keine Kernkompetenz erkennbar ist.

Problem: Unscharfe Definition von Markt und Zielgruppen

Das Erkennen der Kernkompetenz ist jedoch für diejenigen, die externe Trainings- oder Beratungspartner suchen, sehr wichtig. Denn kein Anbieter kann in allen Bereichen gleich kompetent sein. Der Versuch, die Kernkompetenz eines Anbieters über dessen Themenspektrum zu ermitteln, ist oft zum Scheitern verurteilt. Ähnliches passiert beim Versuch, über die Zielgruppendefinition eines Anbieters dessen Stärken oder gar Alleinstellungsmerkmal zu erkunden. Auch dieser Versuch scheitert meist. Denn zumindest jede zweite Zielgruppendefinition ist geprägt von Formulierungen wie „Fach- und Führungskräfte aus Industrie, Handel und Verwaltung“. Kürzer ließe sich formulieren: Jeder, der bereit ist, uns zu bezahlen!

Trotzdem stehen solche Formulierungen in den Werbeunterlagen fast aller Bildungs- und Beratungsanbieter. Warum? Weil sie versuchen, bei ihren Marketingaktivitäten ein möglichst breites Netz aufzuspannen, in der Hoffnung, dass darin einige Kunden hängen bleiben. Doch meistens ist das Gegenteil der Fall: Niemand fühlt sich durch solche vagen Aussagen wirklich angesprochen.

Fakt ist: Die meisten Bildungs- und Beratungsanbieter nehmen sich nicht ausreichend Zeit, um ihre Zielgruppen und ihren Markt zu definieren. Vielleicht deshalb, weil ihre Stärken oft eher im kommunikativen als analytischen Bereich liegen. Deutlich tritt diese Schwäche zumeist dann zutage, wenn sie den Schritt in die Selbständigkeit oder gar den Aufbau eines Beratungsunternehmens mit angestellten Mitarbeitern wagen. Dann müssen sie plötzlich (auch) eine Managementfunktion ausüben und primär systematisch und zielgerichtet Denken und Handeln, beispielsweise beim Erschließen bestimmter Marktsegmente oder Kundengruppen. Plötzlich sind Tätigkeiten gefragt wie:

  • Marktprozesse und -strukturen sowie Entscheidungsstrukturen bei Kunden analysieren
  • Entscheidungen für und damit zugleich gegen bestimmte Marktsegmente/Kundengruppen treffen (und daran festhalten)
  • Strukturen aufbauen, die einen systematischen Auf- und Ausbau von Kundenbeziehungen ermöglichen
  • (Kommunikations-)Prozesse installieren, die potenzielle Kunden vom Erstkontakt allmählich zur Kaufentscheidung führen
  • Kontrolle, ob die genutzten Marktbearbeitungsinstrumente greifen

Diese rationalen Tätigkeiten bereiten Trainern und Beratern, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, meist große Probleme. Denn sie setzen andere Fähigkeiten als die reine Trainer- und Beratertätigkeit voraus. Plötzlich genügt es nicht mehr, im fachlichen und sozial-kommunikativen Bereich kompetent zu sein; vielmehr hängt ihr Erfolg nun weitgehend davon ab, ob ihnen Folgendes gelingt:

  • Stärken beziehungsweise die des Unternehmens glaubhaft nach außen darzustellen
  • daraus einen sichtbaren Kundennutzen abzuleiten
  • ein Interesse an ihrer Dienstleistung in Kaufentscheidungen umzuwandeln

Beispiel-Fall: Zielgerichtete Vermarktung eines Angebots

An diesem Punkt scheitern viele Berater. Ein Beispiel-Fall, der sich mit der Gründung eines Sprachinstituts befasst, zeigt, wie ein neues Unternehmen sein Angebot zielgerichtet vermarkten kann: Die beiden heutigen Geschäftsführerinnen hatten zunächst jahrelang als freie Trainerinnen für andere Institute gearbeitet bis sie sich entschlossen, den Status Honoarkraft aufzugeben und Unternehmerinnen zu werden. Sie gründeten ein eigenes Institut, das sich darauf spezialisierte, in Deutschland arbeitenden ausländischen Fach- und Führungskräften die deutsche Sprache zu vermitteln.

Aufgrund ihrer Kontakte aus den vorangegangenen Tätigkeiten fanden sich schnell die ersten Kunden. Probleme bereitete ihnen aber die Neukundenakquise mit Menschen, die noch keine Trainingserfahrung mit ihnen gesammelt hatten. Hier sahen sie sich einer übermächtigen Konkurrenz in Form der großen Sprachschulen gegenüber.

1. Analyse des eigenen Unternehmens und des Marktumfelds

Deshalb analysierten die beiden mit externer Unterstützung zunächst ihr eigenes Unternehmen sowie dessen Markt und Umfeld. Dabei stellten die Unternehmerinnen fest, kein möglichst großes Unternehmen aufbauen zu wollen. Sie wollten künftig nur regional tätig sein. Gleichzeitig strebten sie eine Unternehmensgröße an, die es ihnen einerseits ermöglicht, sich für Planungsprozesse zeitweilig zurückzuziehen. Die es andererseits aber auch zulässt, weiterhin als Trainerinnen arbeiten zu können. Eine reine Managementfunktion reizte beide nicht.

Nachdem die Inhaberinnen so ihr persönliches Ziel definiert hatten, zeigte die weitere Analyse: Die meisten großen Sprachschulen beschäftigen Trainer als Honorarkräfte. Diesen zahlen sie relativ niedrige Stunden- beziehungsweise Tagessätze. Daher kommt es hier zu einer hohen Mitarbeiterfluktuation mit der Folge, dass Kunden oft über eine geringe Kontinuität in der Lehrer-Lerner-Beziehung und über Qualitätsschwankungen klagen. Außerdem arbeiten die meisten Mitbewerber fast ausschließlich mit standardisierten Trainingskonzepten, weshalb viele Kunden eine ungenügende Orientierung an ihrem Bedarf beklagen. Die beiden Unternehmerinnen leiteten daraus zwei Stärken ihres Unternehmen ab:

  • Wir arbeiten nur mit festangestelltem, studiertem Personal mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung. Dadurch garantieren wir unseren Kunden Kontinuität in der Lehrer-Lerner-Beziehung und eine gleichbleibende Qualität auf hohem Niveau.
  • Wir arbeiten ohne standardisierte Trainingskonzepte und -unterlagen. Wir entwickeln sie stets nach dem Bedarf des Kunden.

2. Erarbeitung eines konkreten Unternehmensprofils

In einem weiteren Schritt analysierten beide ihre Kundenstruktur und stellten fest: Mehr als 90 Prozent der Kunden kommen aus dem Dienstleistungssektor wie Versicherungen, Banken oder Werbeagenturen. Diese Menschen nehmen in ihren Unternehmen eine Funktion wahr, bei der die Kommunikation ein wesentliches Element der Leistungserbringung darstellt, also zum Beispiel Verkäufer oder Kundenbetreuer. Die Folge: Beide Geschäftsführerinnen beschlossen, sich künftig als Spezialist für beratungsintensive Branchen und Berufe zu begreifen und ihr Institut dahingehendn auch nach außen zu präsentieren.

Über die Analyse ihres Unternehmens und dessen Umfeld entwickelten die beiden ein Unternehmensprofil, das sich von dem anderer Sprachschulen unterscheidet. Ein Profil, das Sicherheit im Verkauf und im Umgang mit potenziellen Kunden ermöglicht. So lassen sich das Marketing auf bestimmte Zielgruppen konzentrieren und im Gespräch mit Neukunden die Stärken des Unternehmens und der damit verbundene Kundennutzen klar darstellen. So können sogar höhere Preise gerechtfertigt werden. Zudem ist nun bekannt, welche Interessenten besser an andere Sprachinstitute verwiesen werden, denn diese gehören ohnehin nicht mehr zu den Mitbewerbern, da sie in einem anderen Marktsegment operieren.

Die Vorteile der Nischenstrategie

Kennzeichnend für das Konzept der beiden Inhaberinnen des Sprachinstituts ist die mehrdimensionale Bestimmung des Profils ihres Unternehmens. Entsprechendes gilt für die Zielgruppe. Auch sie wird unter anderem nach Region, Branche, Beruf, Problem, Nutzen und Ziel definiert. Das Institut ist damit einen Weg gegangen, den die meisten Trainings- und Beratungsanbieter nicht gehen: Es hat seinen Markt gezielt auf eine relativ geringe Zahl von Nachfragern,verengt die sich durch mehrere gemeinsame Merkmale auszeichnen. Es möchte also eher ein Teilsegment des Marktes durchdringen als den gesamten Markt zu bedienen.

Eine entsprechende Strategie sollten alle kleinen Bildungs- und Beratungsanbieter verfolgen, speziell Newcomer. Sie müssen alles tun, um ihren Markt überschaubar zu machen, damit sie ihre Kunden möglichst genau beobachten können. Nur dann können sie ihnen einen größeren Nutzen als die etablierte Konkurrenz bieten. Haben sie dann den Markteintritt geschafft, können sie ihren Markt immer noch auf verwandte Zielgruppen ausdehnen.

Eine solche Nischenstrategie hat nicht nur einen transparenten Markt als Vorteil. Aus der Überschaubarkeit des Marktes und der begrenzten Zahl potenzieller Kunden ergeben sich weitere Vorteile. Der Anbieter kann...

  • sich relativ einfach einen intensiven Kontakt zu seinen potenziellen Kunden aufbauen
  • sich schnell ein positives Image aufbauen
  • über sein Spezialwissen höhere Preise rechtfertigen
  • über seine intime Marktkenntnis und eine darauf aufbauende Produktentwicklung Marktbarrieren für eventuelle Mitbewerber aufbauen und seinen Marktvorsprung ausbauen

Außerdem kann er seine Marketing- und Werbekosten minimieren, weil geringe Streuverluste entstehen.

Wie Messen dem Marketing des Kunden Mehrwert schaffen

Szenario 1: Messe als Service

Aus dem ehemaligen, traditionellen Marketing- und Kommunikationsinstrument „Messe“ ist ein neues Serviceprodukt entstanden. In sehr unmittelbarer Art und Weise hat es sämtliche Marktpartner – Anbieter, Kunden und Messeveranstalter - wieder erfolgreich zusammengebracht. Denn irgendwann haben sowohl die Messegesellschaften als auch die Messeaussteller erkannt, dass nur durch eine neue Ausrichtung der Messe zu einer konsequent kundenorientierten Dienstleistung der „traditionelle Marktplatz für Geschäfte“ den Anforderungen der neuen Zeit entspricht.

Zunächst sind die Messegesellschaften dazu übergegangen, sich von den reinen konzept-, themen- und flächenorientierten Angeboten zu lösen und haben begonnen, sich mit den individuellen Bedürfnissen und persönlichen Anliegen der Kunden und mit all dem zu beschäftigen, was mit der Inanspruchnahme der Dienstleistung „Messe“ im Zusammenhang steht. Immer stärker wurde es zum zentralen Anliegen der deutschen Messewirtschaft, den Kunden in den Mittelpunkt der eigenen Aktivitäten zu stellen und wirklich zu bedienen. Man wollte seine spezifischen Anforderungen kennen lernen und nutzengerechte Messedienstleistungen und Messeservices einführen.

Szenario 2: Messe als Angebot

In der Vergangenheit ging es hauptsächlich darum, den interessierten Ausstellern Informationen über Messeveranstaltungen, Messethemen, Messestrukturen, und Messekonditionen bereitzustellen. Und natürlich Messeflächen zu verkaufen. Jetzt ist man dazu übergegangen, die Aussteller durch eine gezielte Betreuung bei der Planung, Durchführung und Nachbereitung ihres Messeauftritts zu unterstützen.

Dazu bauen die Messegesellschaften spezielle Beratungs- und Betreuungsteams auf, die für den Messekunden nicht nur das ganze Jahr hindurch als verlässlicher Ansprechpartner zur Verfügung stehen, sondern die durch die erworbene Kundenkenntnis zu spezialisierten, fast schon persönlichen Messeberatern heranreifen. Diese unterstützen die Unternehmen bei der Umsetzung ihres Messe-Marketings.

Außerdem gehören Online-Buchungssysteme für Flächen und Stände, fürs Anliefern und Aufbauen, Einrichten und Präsentieren zum festen Serviceportfolio der Messegesellschaften. Ausstellende Unternehmen können hier ihren Messeauftritt minutiös vorbereiten und planen. Wird Hilfe bei spezifischen Themenstellungen benötigt, hilft eine virtuelle Beraterin, die offenen Fragen durch Eingabe in eine Dialogmaske direkt zu beantworten. Es besteht zudem jederzeit die Möglichkeit, sich durch den persönlichen Messeberater telefonisch kontaktieren zu lassen.

Szenario 3 : Messe als Produkt

Auf der Messe der Zukunft gestalten Kunden ihr eigenes Messe-Konzept. Sie sind an der Entwicklung, Konzeption und Umsetzung der wichtigsten Elemente eines erfolgreichen Messe-Meetings beteiligt. Von Anfang an erfolgt die Planung der nächsten Messe-Kontakte gemeinsam. Die Messekunden haben sich damit längst vom passiven Messe-Besucher zum aktiven Messe-Partner gemausert. Und nach der Messe? Ist schon wieder vor der Messe. Gemeinsam mit persönlichen Kunden-Coaches werden die Messe-Erfahrungen in individuellen Gesprächen erörtert, in denen die Kunden ihre Eindrücke wiedergeben können.

Die Ergebnisse dieser Einzelgespräche bilden die Grundlage für ein offenes Kunden-Forum, wo Kunden mit unterschiedlichen Erwartungs- und Anspruchsniveaus gemeinsam mit den Messe-Planern überlegen, wie die Messe-Meetings noch effizienter gestaltet werden können. In sich zeitlich anschließenden, speziellen Kunden-Workshops werden konkrete Maßnahmen dafür entwickelt.

Alle Aktivitäten rund um die kooperative Messe-Planung werden von Kunden-Coaches des Veranstalters koordiniert. Sie kennen nicht nur ihre Kunden am besten, sondern wissen auch genau, wie die Kunden mit welchen Themen in die konzeptionellen Überlegungen integriert werden können. Durch die permanente, aktive Einbeziehung der Kunden in den Vorbereitungs- und Durchführungsprozess konnte die Effizienz der Messe-Kontakte deutlich erhöht werden. Dies betrifft das Zusatzgeschäft (Cross-Selling, Up-Selling) sowie das Neugeschäft (neue Kunden, zurückgewonnene Kunden). Gleichzeitig konnten positive Effekte bei der Kundenwertsteigerung erreicht werden: Verbesserung der Kundenloyalität und Steigerung der Effekte durch Empfehlungs-Marketing.

Hinweis

Deutsche Unternehmen investierten 2009 15,2 Milliarden Euro in Messebeteiligungen und Events. Das ist das Ergebnis der Studie „Dialogmarketing Deutschland 2010“ der Deutschen Post. Die Summe stellt ein Fünftel und damit den größten Posten der gesamten Marketingaufwendungen dar. Es folgen die Ausgaben für Anzeigen mit 13,4 Milliarden Euro und voll adressierte Werbesendungen mit 10,2 Milliarden Euro.

Messebeteiligungen sind vor allem im produzierenden Gewerbe nach wie vor dominierend: Jeder dritte Euro, der in diesem Sektor für Marketing ausgegeben wird, fließt in Messen.

Szenario 4: Messe als Programm

Auf der Webseite einer Messe gibt es eine Anwendung, die nach Eingabe von Produktbedarf, Aufenthaltsdauer, Interessengebieten sowie Weiterbildungsbedarf einen Besuchsplan für den Messegast entwirft. Verknüpft mit der Lieferantendatenbank werden je nach Bedarfslage auch Termine vereinbart.

Zusätzlich sorgt eine Fachbesucherdatenbank dafür, Kontakte mit ähnlichen Interessen und Bedarfsdaten vorzuschlagen. Pünktlich eine Woche vor Messebeginn erhält der Besucher einen detaillierten Besuchsplan mit Anfahrtsweg, bestätigten Terminen, Anmeldung zu Workshops und gebuchtem Hotel.

Der Messetag: Das Taxi vom Flughafen funkt die Ankunftszeit zum ersten Aussteller, mit dem der Fachbesucher einen Termin vereinbart hat. Dieser schickt einen persönlichen Kundenbetreuer los, der dem Besucher für die Zeit seines Messeaufenthalts mit Rat und Tat zur Seite steht. Eine namentliche Begrüßung ist durch ein Check-In-System am Eingang möglich, das das Messeticket (RFID-Technologie) identifiziert und den Besucher automatisch einbucht.

Bei der Ankunft des Fachbesuchers am Messestand erklärt der individuelle Ansprechpartner die bereits vorbereitete Lösung anhand einer Simulation. Da der konkrete Bedarf schon vorher ausführlich geklärt wurde, werden jetzt verschiedene Varianten ausprobiert und am PC sowie am Produkt selbst erklärt. Der Fachbesucher erhält eine Faktenübersicht mit seinen Kosten- und Nutzenvorteilen im Vergleich zum Wettbewerb.

Das Messe-Shuttle bringt den Fachbesucher zu den verschiedenen Messehallen. Große Anzeigetafeln mit Produktgruppen und Ausstellern erleichtern die Orientierung. Das persönliche Navigationssystem in der Tasche zeigt dem Fachbesucher, welche Aussteller für ihn interessant sind.

Szenario 5: Messe als Kommunikation

Heute haben die Messegesellschaften für jede Veranstaltung einen Social-Media-Newsroom im Internet eingerichtet: Tweets, Fotostreams, RSS-Feeds und andere Werkzeuge der Web 2.0-Kommunikation finden sich dort übersichtlich gebündelt für Journalisten, Kunden, Partner und Interessenten.

Gleichzeitig sorgt der Veranstalter dafür, diese Informationen mit Applikationen für Smartphones und Tablet-PCs auch mobil verfügbar zu machen. Übersichtlich aufbereitet und jederzeit aktuell findet der Nutzer in der Anwendung Medientexte, Kurznachrichten und Bilder zum Unternehmen, zu seinen Veranstaltungen und Services. Kontaktmöglichkeiten zu den Ansprechpartnern im jeweiligen Unternehmen und Links zu weiteren Informationsquellen vervollständigen das Angebot.

Im Newsroom werden die Inhalte nicht nur klassisch aufbereitet, sondern auch unter Nutzung der Möglichkeiten des Social Web angeboten. Zusätzlich werden in diesem Bereich alle Informationen gebündelt, die auf verschiedenen Social-Media-Diensten verteilt sind. Neben Fotos, Pressemitteilungen, Umfragen und Fachbeiträgen beinhaltet die Seite auch Nachrichten, Termine und aktuelle Updates. Die Inhalte lassen sich schnell und einfach mittels RSS-Feeds abonnieren.

Damit wird der Newsroom zur zentralen Informationsstelle für alle Personen, die sich über die Aktivitäten der Messe informieren oder in direkten Kontakt mit dem jeweiligen Unternehmen treten wollen.

Szenario 6: Messe als Empfehlung

Zentrale Informationsplattformen sorgen dafür, dass Kunden Bewertungen der Messe einsehen können. Ein weiteres wichtiges Kriterium, das für die Wahl eines Messebesuchs von Bedeutung ist. Hiermit lässt sich nämlich zusätzlich auf die Erfahrungen anderer Messegäste zurückgreifen und so die passende Messe noch besser finden. Basis dafür sind Messebewertungen, die die Kunden direkt nach ihrem Messebesuch für unterschiedliche Kriterien wie etwa Messegelände, Öffnungszeiten, Messeangebot oder Gastronomie auf einer Bewertungsskala abgeben können.

Außerdem lassen sich individuelle Kommentare über die Qualität der Messe in Freitextform hinzufügen. Diese sorgen für einen wertvollen Informationsgewinn für die Kunden, wenn sich ein Detail nicht über die Standardbewertungskriterien ausdrücken lässt. Um Mißbrauch und Manipulation weitestgehend auszuschließen, kann jede Messe pro Veranstaltungs-Turnus nur einmal mit der gleichen E-Mail-Adresse bewertet werden. Die Bewertung muss darüber hinaus per E-Mail bestätigt beziehungsweise aktiviert werden, wird vom Team der Informationsplattform redaktionell geprüft und freigeschaltet.

Hinweis

Interessierte können die Studie "Messe im Trend" hier [45] bestellen.

Studie: Publikumsschwund in Theatern und Opernhäusern

„Zukunftssorgen macht man sich anscheinend im Klassikbetrieb nicht“, stellen Junior-Professoren Martin Tröndle und Markus Rhomberg von der Zeppelin Universität (ZU) in Friedrichshafen fest. Dabei droht der Branche ein dramatischer Niedergang. So zeigt eine Reihe von Studien, dass das Durchschnittsalter des Konzert-Publikums zwischen 55 und 60 Jahren liegt. Das Durchschnittsalter des Klassik-Publikums ist in den vergangenen 20 Jahren dreimal so schnell angestiegen (um rund 11 Jahre) wie das Durchschnittsalter der Bevölkerung (rund 3,4 Jahre). Tröndle:

„Prognosen für die Zukunft verheißen nichts Gutes: Demnach wird das Klassik-Publikum in den nächsten 30 Jahren um mehr als ein Drittel zurückgehen – es stirbt schlichtweg aus.“

Verdrängen, Verdecken, Verschweigen

In einer Inhaltsanalyse der Berichterstattung von überregionalen und regionalen Zeitungen sowie Radiobeiträgen über die Zukunft des Konzerts entdeckten der Musikwissenschaftler Tröndle und der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Rhomberg drei Verhaltenskategorien, wie der Klassikbetrieb auf die demografischen Entwicklungen reagiert:

  • Viele versuchen diese Entwicklungen zu verdrängen, zu verdecken und zu verschweigen.
  • Andere reagieren darauf, indem sie mehr Ressourcen fordern, um ihr Überleben zu sichern.
  • Und nur ganz wenige beschäftigen sich mit Innovationen und Reformen, um eine nachhaltige Entwicklung des Konzertbetriebs zu fördern.

Die nach wie vor weit verbreitete Zuversicht wird von den Klassikverantwortlichen jedoch nicht belegt, sie stützen sich vielmehr allein auf persönliche Erfahrungen oder ältere Erhebungen, haben die beiden Autoren der Studie festgestellt. Die Klassikverantwortlichen zweifeln den prognostischen Wert demografischer Daten an, vergleichen diesen unter anderem mit der Aussagekraft von „Wetterberichten“. „Es zeigen sich zwei Realitäten: Jene vieler Intendanten, die eine Krise verdrängen - und jene der Wissenschaft“, schlussfolgern die Studienautoren.

Es ist noch immer gut gegangen

Dieser offensichtliche Kontrast der wissenschaftlichen Studien und den Selbstaussagen vieler Intendanten eröffnen zwei mögliche Interpretation, berichten Tröndle und Rhomberg:

„Die erste geht von der Prämisse aus, dass die in den Medien gefundenen Aussagen tatsächlich die Meinung der Akteure abbildet. Das bedeutete, man will den gesellschaftlichen Wandel und das damit einhergehende Krisenszenario für die Klassik nicht sehen.“

Es ergibt sich das Bild eines relativ geschlossenen Betriebs, geprägt durch ein elitäres Kulturverständnis, das sich an einer glanzvollen historischen Vergangenheit orientiert. Verstärkt könnte diese Haltung gegebenenfalls auch dadurch werden, dass ein Großteil der Intendanten selbst das Rentenalter erreicht haben wird, noch bevor der Publikumsschwund voll durchschlägt.

„Diese Haltung könnte man als ‚Verdrängungsstrategie’ beschreiben“, erklären Tröndle und Rhomberg. Eine zweite Interpretation geht davon aus, dass den Intendanten das Problem durchaus bewusst ist, sie die Problematik aber nicht öffentlich diskutieren wollen, sie also verdecken.

„Denn zum einen könnte solch eine Diskussion die Spargelüste mancher Kämmerer und Finanzminister wecken, zum anderen sinkt die Attraktivität eines Hauses, wenn potentielle Geldgeber wissen, dass dessen Publikum in den kommenden Jahren stark dezimiert wird.“

Neue Angebote für eine neue Zielgruppe

In der Debatte in den Medien wird aber auch mit möglichen Lösungsansätzen argumentiert:

„Dabei finden sich sowohl Elemente, die sich mit der ‚popkulturellen Sozialisation’ der Jugendlichen beschäftigen, als auch Elemente, die sich mit heutigen Erscheinungen wie der Medialisierung gesamter Lebensbereiche befassen.“

Viele Jüngere erlebten eine völlig andere musikalische Sozialisation. Es sei eben nicht die klassische Musik als solche, die die Jugend abschrecke, sondern das Ritual des Konzerts.

Um die Kulturpolitik zur Reform zu ermutigen, hilft laut Rhomberg und Tröndle ein Blick in die Geschichte in des Konzertwesens: Nahezu alle Innovationen im Klassikbetrieb (wie auch seine Entstehung selbst) wurden durch private Akteure realisiert. Verfolgt man allein die Entwicklungen im 20. Jahrhundert lassen sich hier die Alte Musik und die historische Aufführungspraxis, die Neue Musik, die Vielzahl der entstandenen Festivals, die Tonaufzeichnungs- und Abspielgeräte, die in den letzten Jahren entstandenen professionelle Ensembles etc. nennen. Tröndle und Rhomberg fordern:

„Dramaturgisch inspirierten Festivalmachern, hochspezialisierten Ensembles, klugen Konzertveranstalter und findigen Musikvermittlern sollte daher eine Chance gegeben werden, in einen positiven Wettbewerb um kluge Ideen und sinnliche Konzepte mit den etablierten Häusern einzutreten. Das Problem der Klassik ist nicht das Publikum und ebenso keines zu geringer Budgets, sondern eines der Mittelverteilung und der fehlenden Innovationsfähigkeit des Betriebs.“

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, Zeppelin Universität (ZU), Friedrichshafen

Preispolitik: Kunden akzeptieren zusätzliche Gebühren

„Das kostet extra“ – hören viele Kunden, wenn sie ein vermeintliches Schnäppchen in der Hand halten oder eine günstige Dienstleistung in Anspruch nehmen und dazu noch ein bisschen mehr wollen. Insbesondere sogenannte Billigflieger entwickeln eine erstaunliche Kreativität, wenn es darum geht, einen extrem niedrigen Flugpreis mit zusätzlichen Gebühren für Alles und Jedes zu garnieren. Nur selten sind die Kunden darüber erfreut.

Aber oft zeigen sie Verständnis, wenn die Gebühren richtig kommuniziert werden und wenn ihre Höhe im Rahmen bleibt. Jonah Berger, Marketing-Experte von der Wharton University of Pennsylvania, sagt gegenüber Knowlegdge at Wharton (April 2011):

„Kunden geht es bei zusätzlichen Gebühren weniger um den Preis als vielmehr um Fairness.“

Sein Beispiel: Wer auf einem Kurzstreckenflug für ein Sandwich an Bord 5 Euro bezahlen soll, wird das im Allgemeinen ohne großes Murren tun. Denn er kann ja jederzeit darauf verzichten und sich am Zielort etwas zu Essen kaufen. Auf einem Langstreckenflug sieht das anders aus. Hier fühlt sich der Kunde durch ein solches Angebot übervorteilt. Hat er doch keine andere Möglichkeit, während der vielen Stunden Flug etwas zu Essen zu bekommen.

In vielen Branchen ist es üblich, zusätzliche Gebühren zu kassieren. Die Anbieter haben erkannt, dass sie sich damit zusätzliche Einnahmequellen erschließen, weil die Kunden diese Gebühren zunächst gar nicht erkennen, nicht ins Entscheidungskalkül ziehen oder einfach keine Alternative haben. Sehr ausgeprägt ist diese Praxis bei:

  • Fluggesellschaften, die für schweres Gepäck, teures Benzin oder Mahlzeiten an Bord zusätzliche Gebühren erheben;
  • Banken, die für einfache Girokonten oder für das Abheben von Bargeld an ihren Geldautomaten Gebühren verlangen;
  • Behörden, die für zahlreiche Bürgerservices wie die Ausstellung eines Ausweises oder die standesamtliche Trauung zur Kasse bitten.

Sobald die Kunden das Gefühl haben, dass sie dabei abgezockt werden, sind sie frustriert und verärgert. Unternehmen riskieren, dass der Kunde bei nächster Gelegenheit abwandert oder zumindest schlecht über dieses Geschäftsgebaren redet, wenn sie es mit den Gebühren übertreiben.

Beispiel Gebühren am Geldautomaten

Alle Banken verlangen eine Gebühr für das Abheben von Geld am Automaten. Die Gebührenpflichtigen und Leidtragenden sind aber gar nicht die eigenen Kunden, sondern die des Wettbewerbers. In dieser Situation können die Geldinstitute also eigentlich nur gewinnen – durch die hohen Gebühren oder dadurch, dass sich der Kunde zum Wechsel zu ihnen entschließt.

Dem wollten das Bundeskartellamt und die Ministerin für Verbraucherschutz Einhalt gebieten. Sie übten Druck auf die privaten Banken, die Volksbanken und die Sparkassen aus, damit diese ihre Gebühren senken und dem Kunden beim Geldabheben zeigen, was er dafür bezahlen muss. Während die privaten Banken seit Januar 2011 nur noch 1,95 Euro von einem Fremdkunden verlangen, liegt diese Gebühr bei manchen Sparkassen immer noch weit über 5 Euro – je nach örtlicher Konkurrenz. Experten sagen, dass dies unverhältnismäßig zu den tatsächlich anfallenden Kosten sei, die gerade einmal 30 bis 70 Cent betragen.

Die Unternehmen sind von der Rechtmäßigkeit ihrer Gebühren überzeugt. Sie sind sogar der Meinung, dass sie letztlich zum Wohle des Kunden da sind. Dazu müsse der es nur richtig vermittelt bekommen. Viele Kunden halten zusätzliche Gebühren auch nicht für anrüchig und unfair – wenn sie im Rahmen bleiben und wenn sie nachvollziehbar sind.

Für eine zusätzliche Gebühr gibt es eine bessere Leistung

Unternehmen bieten ihren Kunden einen zusätzlichen Service oder eine bessere Leistung gegen eine Gebühr. Schnellere Verbindung, mehr Komfort, Erreichbarkeit rund um die Uhr, mehr Platz, Getränke inklusive – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur: Der Kunde muss verstehen, was für einen besonderen Service er bekommt und was ihn das kostet. Außerdem muss er die Möglichkeit haben, darauf zu verzichten, um die Gebühr zu vermeiden.

Als Marketing-Instrument eröffnen solche Gebühren ein weiteres Anwendungsfeld: Die Unternehmen können wichtige Kunden diese Gebühr erlassen und ihnen die besondere Leistung und den Service trotzdem zur Verfügung stellen. Der Wegfall der Gebühr wirkt wie ein Rabatt, wird aber von vielen Kunden besser wahrgenommen und mehr geschätzt. Schließlich ist das Einräumen eines Rabatts in vielen Bereichen schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Dagegen kann der Wegfall einer Gebühr noch ein echtes Begeisterungsmerkmal sein.

Hinweis

Welche Merkmale eines Produkts oder eines Serviceangebots für die Kunden maßgeblich sind, lässt sich mit dem sogenannten Kano-Modell darstellen. Hier werden Basismerkmale, Leistungsmerkmale und Begeisterungsmerkmale unterschieden. Mehr dazu im Management-Handbuch:

Kundenzufriedenheit: Die Erwartungen des Kunden treffen [46]

Gebühren als ein Element der Preispolitik sind auch ein Instrument, um Produkte zu modularisieren. Der Kunde erwirbt ein einfaches Standardprodukt und kann dann weitere Funktionen oder Services dazu kaufen – gegen Gebühr versteht sich. Für den Kunden kann das insofern attraktiv sein, als er sich sein individuelles Gesamtpaket nach eigenen Wünschen und nach verfügbarem Budget zusammenstellen kann. Er weiß, er hat die Wahl und schätzt das als ein flexibles und kundenorientiertes Angebot.

Wichtig ist laut Jonah Berger, dass folgende Botschaft rüberkommt:

„Lieber Kunde, diese Gebühr ist nur dazu da, damit wir das Basisprodukt möglichst günstig für dich anbieten können. Damit sparst du Geld, wenn du die zusätzlichen Funktionen und Services nicht brauchst.“

Kundenbindung trotz Preiserhöhung

Herr Burzler, der Wettbewerbsdruck ist in vielen Branchen enorm, die Kosten sind hoch. Keiner will am Ende ohne Aufträge dastehen. Sind da Rabatte nicht die logische Folge?
Natürlich sind Preisnachlässe in einem gewissen Rahmen und gezielt eingesetzt ein wirkungsvolles Marketinginstrument. Wenn Special-Preise aber das ganze Jahr über gelten, dann werden sie unglaubwürdig und machen das Bewusstsein für den Wert einer Leistung kaputt. Außerdem tritt bei den Kunden ein Gewöhnungseffekt ein. In vielen Branchen ist die Auftragslage derzeit gut, trotzdem stimmen die Erträge als Folge des Preiskampfs nicht. Es ist zudem sehr schwierig, das „Schnäppchen-Image“, das allenfalls in klassischen Abverkaufs-Branchen dauerhaft funktioniert, wieder loszuwerden.

Welche Strategie empfehlen Sie, um sich vom Wettbewerber abzuheben?
In den meisten Branchen überwiegt das Angebot die Nachfrage. Die Produkte sind von wenigen Ausnahmen abgesehen nicht mehr einzigartig. Natürlich zieht man mit Dumpingpreisen Schnäppchenjäger an, doch die sind beim nächsten billigeren Angebot schon wieder weg. Viel besser ist es, den Kunden einen Mehrwert zu bieten, der ihre Lebensqualität steigert. Kunden wollen Lösungen und positive Gefühle wie Begeisterung und Freude. Die zentralen Fragen, die sich Vertriebsstrategen stellen sollten, lauten also: Wie können wir das Leben unserer Kunden besser und leichter machen? Und im B2B darüber hinaus: Wie können wir ihre Produktivität steigern, ihnen helfen, dass sie mehr Umsatz generieren? Werte, Lebensqualität, Zielgruppenkenntnis und Partnerschaft sind die Säulen dieser Strategie. Wir alle wünschen uns, dass die Leistung, die wir bieten, angemessen gewürdigt wird. Wenn wir diese Wertschätzung auch anderen entgegenbringen, wäre schon viel gewonnen.

Viele Unternehmen haben aber in den vergangen Jahren auf eine Billig-Preis-Strategie gesetzt und müssen nun die Preise erhöhen. Ist das überhaupt möglich, ohne Kunden zu vergraulen?
Wer zahlt schon gerne für das gleiche Produkt oder die gleiche Leistung plötzlich mehr? Aber die Aufgabe ist lösbar, wenn die Kommunikation im Unternehmen stimmt und alle Bereiche an einem Strang ziehen. Ich bin überzeugt, dass sich die Unternehmen am Markt durchsetzen, die ethische Grundsätze haben, die die Lebensqualität ihrer Kunden steigern und auf Ehrlichkeit setzen. Diese Firmen erhöhen ihre Preise nicht aus Profitgier oder aus einer Laune heraus, sondern weil sie durch geänderte Rahmenbedingungen dazu gezwungen werden. Und genau das kommt bei ihren Kunden auch an. Die Preise werden angepasst wegen stetig steigender Rohstoffpreise oder Transportkosten. Genau dieser Zusammenhang muss auch jedem einzelnen Mitarbeiter klar sein. Es sollte intern, unter Einbeziehung aller Unternehmensbereiche, genau analysiert werden, wo es Spielraum für Preiserhöhungen gibt. Hier sind die Mitarbeiter mit Kundenkontakt, etwa Vertriebs- und Servicekräfte, besonders gefragt. Aber einfach pauschal drei Prozent mehr auf alles draufschlagen geht gar nicht.

Wie bringt der Verkäufer dem Kunden die Preisanpassung am schonendsten bei?
Ich weiß nicht, ob schonend das richtige Wort ist. Das klingt etwas nach Unterwürfigkeit und die ist sicher fehl am Platz. Nochmal: Zunächst muss jeder der Mitarbeiter im Unternehmen selbst die Preisanpassung nachvollziehen und zu 100 Prozent dahinter stehen können. Ich stelle immer wieder fest, dass die interne Kommunikation oft sträflich vernachlässigt wird. Der Kunde will genau wissen, was das Unternehmen intern getan hat, um dem Kostendruck gegenzusteuern. Die Argumentationskette muss schlüssig und faktenbasiert sein. Am besten werden solche Gespräche vorher im Rollenspiel geübt.

Der Kunde wird sich trotzdem nicht freuen…
Nein, und der Verkäufer sollte darauf vorbereitet sein, Verständnis zeigen und sich als Partner erweisen. Im Vorfeld des Gesprächs gilt es zu klären, was dem Kunden als Kompensation angeboten werden kann: In welchen Bereichen kann man ihm helfen zu sparen? Welche Möglichkeiten gibt es, seine Produktivität zu erhöhen? Eine große Nähe zum Kunden ist auch hier ein absolutes Muss.

Kunden individuell ansprechen

1. Abkehr vom klassischen Denken

Das größte Volumen in der Kommunikation besteht in schriftlichen Rechnungen und Kundeninformationen. In der Vergangenheit ist von den Unternehmen zwar viel unternommen worden, um die Response-Quoten zu steigern, die Maßnahmen zur Wirkungssteigerung konzentrierten sich jedoch bislang hauptsächlich auf die Optimierung der Inhalte und der Response-Elemente, nicht aber auf den individuellen Zuschnitt der Briefe. Die namentliche Ansprache reicht dazu nicht aus, denn eine simple Anredeform allein macht aus einem Serienbrief noch längst kein persönlich anmutendes Schreiben. Gefragt ist ein generelles Umdenken in Richtung einer Kundenkommunikation, die ähnlich wie das gesprochene Wort wirkt.

2. Auf relevante Informationen beschränken

Die Vorgehensweise in der Kommunikation muss dem Prinzip einer Qualitätsoptimierung folgen. Dazu gehört in Sachen Information Vorfahrt für Klasse statt Masse, also eine Beschränkung in der gesamten Kundenansprache auf die tatsächlich wichtigen Inhalte. Maßstab sind die Informationsbedürfnisse der Adressaten.

3. Freie Wahl des Kommunikationskanals anbieten

In Zeiten elektronischer Kommunikation spielen nicht allein die Inhalte einer schriftlichen Kundenmitteilung eine Rolle wenn es darum geht, auf welche Akzeptanz sie stößt und wie gerne sich der Adressat damit beschäftigt. Deshalb müssen für eine individualisierte Ausrichtung der Kommunikation die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dem Kunden Nachrichten auch über postalischen Brief oder per E-Mail, SMS, MMS und Instant Messenger zuzuleiten. Auch die Kommunikation über Social Networks sollte zu den von Kunden frei wählbaren Kanälen gehören.

4. Das gesamte Kundenwissen einbeziehen

Die Informationen eines Unternehmens über Kunden stehen meist in unterschiedlichen Systemen und Datenbanken. Dieses Kundenwissen muss gezielt in die Inhalte einfließen können, damit eine auf die individuellen Interessen zugeschnittene Nachricht entsteht und sie vom Adressaten deshalb als wertig empfunden wird. Dies verlangt eine nahtlose Verknüpfung der ERP-, CRM- und weiteren Business-Anwendungen, um eine Integration aller relevanten Daten über Systemgrenzen hinweg zu schaffen.

5. Einfaches Handling am Ort der Sachbearbeitung

Eine Kommunikation mit hohem Volumen verlangt komfortable technische und operative Bedingungen, weil sonst der Aufwand der Absicht zuwider läuft. Eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung einer persönlichen Kommunikation ist also: Mitarbeiter müssen über entsprechende technische Lösungen verfügen, um schriftliche Mitteilungen an Kunden inhaltlich und auch von der Gestaltung her kundenindividuell auszurichten und schnell zu konzipieren. Dies setzt einen integrierten Zugriff auf alle relevanten Kundendaten sowie ein komfortables Handling voraus.

SEO mit Links betreiben

Suchmaschinenoptimierung bezieht sich fast immer auf die Optimierung einer Webseite innerhalb des organischen Bereichs der Suchmaschine. Eine weitere Option, die auch von vielen Seitenbetreibern selbst betrieben wird, ist die Generierung von Besuchern über Werbeeinblendungen wie etwa über Google Adwords. Zwischen diesen beiden Bereichen gibt es jedoch auch Unterschiede und als Seitenbetreiber muss man im Vorfeld abwägen, welche Variante die beste für die Webseite ist. Bei SEO handelt es sich um einen längeren Prozess, bei dem sich die Erfolge nicht von heute auf morgen einstellen. Es kann zwei bis drei Monate dauern, bis handfeste Ergebnisse sichtbar sind. Deshalb ist für eine qualitative und seriöse Suchmaschinenoptimierung vor allem eins gefragt: Geduld. Sie wird belohnt werden, denn die organische Optimierung einer Webseite ist nachhaltig und langfristig.


Werbeeinblendungen hingegen bringen sehr schnell sicht- und messbare Erfolge. Doch die Kosten können leicht explodieren, da oft per CPC (Cost per Click) abgerechnet wird. Bei hart umkämpften Keywords können die Kosten hierfür leicht aus dem Ruder laufen. Dabei sind diese Erfolge jedoch nur über den Traffic zu sehen und nicht über eine Verbesserung des Rankings in den „Top 100“ von Google. Jeder Seitenbetreiber muss also für sich selbst entscheiden, welche Variante er wählt und welches Budget er dafür ausgeben möchte. Eine organische Suchmaschinenoptimierung dauert im Erfolgsfall etwas länger, ist dafür aber nachhaltiger. Werbeeinblendungen bringen zwar schnellen Erfolg, der jedoch teuer sein kann und – sobald das Budget erschöpft ist – schnell abflacht.

Links von anderen Webseiten sind wichtig

Wer seinem besten Freund Tipps für den beste Italiener der Stadt gibt, benutzt eine verbale Empfehlung. Links sind für Google im Grunde nichts anderes. Doch Vorsicht: Es ist ein Trugschluss zu glauben, viele Links, die von anderen Webseiten auf die eigene zeigen, würden Suchmaschinen dazu verleiten, die Webseite direkt auf Platz 1 in den Suchergebnissen zu listen. Suchmaschinen sind viel intelligenter, denn sie erkennen, ob lediglich viele Links von anderen Seiten auf eine bestimmte Webseite verweisen, oder ob eine Webseite vor allem auch themenrelevante Links von anderen erhält. Dazu zwei fiktive Beispiele:

Beispiel 1:
Onlineshop Müller verkauft sporttaugliche Wasserflaschen. Der Shop hat 1.000 Links von anderen Webseiten erhalten, die sich aus unterschiedlichen Linkarten zusammensetzen. Leider hat der Betreiber des Onlineshops vergessen, auch themenrelevante Links zu generieren. Die Folge: Seine Linkstruktur setzt sich aus Webkatalogen im Bereich Reise, Artikelverzeichnistexten zum Thema Fusspflege und Blogkommentaren auf Blogs zum Thema Versandmaterialien zusammen. Trotz der 1.000 Links wird die Webseite bei der Eingabe des Keywords „Sportwasserflaschen“ nicht so leicht gefunden.

Beispiel 2:
Onlineshop Schmidt verkauft auch sportgeeignete Wasserflaschen. Der Shop hat jedoch nur 800 Backlinks, steht aber beim Keyword „Sportwasserflaschen“ im Ranking vor dem Onlineshop Müller. Auch die Linkstruktur bei Schmidt sieht anders aus: Es wurden Links aus Webkatalogen generiert, die sich mit Sport und/oder Ernährung beschäftigen. Artikelverzeichnistexte wurden angefertigt, die spezielle Trainingshilfen – darunter auch Sportwasserflaschen – beschreiben und Blogkommentare wurden meist auf Blogs gesetzt, die sich ebenfalls mit Sport, Ernährung oder Gesundheit beschäftigen. Außerdem betreibt Schmidt eine Kooperation mit Sportvereinen, die ebenfalls auf seinen Onlineshop verlinken. Durch diese vorwiegend themenrelevanten Links werten Suchmaschinen den Onlineshop Schmidt besser als den Onlineshop Müller, wenn es um das Stichwort „Sportwasserflaschen“ geht.

Linkmix: Wunderwaffe oder Anhängsel?

Themenrelevante Links sind die eine, ein zusätzlicher Linkmix die andere Seite. Das Wort Linkmix fällt in Bezug auf das Linkbuilding häufig, denn er ist ein wichtiger Bestandteil beim Linkaufbau. Mit dem Linkmix ist die Verteilung der Links gemeint, die zu einer bestimmten Seite führen. Folgende Dinge sollten dabei beachtet werden:

  • Links sollten nicht nur auf die Startseite, sondern auch auf Unterseiten gesetzt werden
  • Es sollten follow- und nofollow-Links gesetzt werden
  • Ankertexte sollten variiert werden (zum Beispiel nicht nur „Sportwasserflaschen“ sondern auch „Wasserflaschen für den Sport“, oder nur die URL als Linktext)
  • Links müssen aus unterschiedlichen Linkarten kommen
  • Es empfiehlt sich eine Verteilung der Links in 80 Prozent themenrelevante und 20 Prozent weniger themenrelevanten Seiten

Stichwort

nofollow“ ist ein Mikroformat innerhalb von Hyperlinks, das Suchmaschinen anweist, diese sogenannten Rückverweise nicht zur Berechnung der Linkpopularität heranzuziehen. Nicht alle Suchmaschinen beachten dies.

Quelle: Wikipedia

Stellt sich der Linkmix entsprechend vielfältig dar, wirkt der Linkaufbau natürlicher und wird von Suchmaschinen nicht abgestraft. Ein abwechslungsreicher Linkmix wird vor allem auch durch die unterschiedlichen Linkarten erreicht. Nachfolgend eine Übersicht dazu:


Artikelverzeichnisse (AVZ)
Eine ideale Möglichkeit, wertvolle Links aus dem Content, also aus dem Text, zu kreieren. Hierbei wird ein Text zu einem bestimmten Thema verfasst, bei dem das gewünschte Keyword mit der eigenen Webseite verlinkt wird. Ein Beispiel für ein AVZ ist „online-artikel.de“.

Webkataloge
Eine Art Branchenbuch für das Internet. Hier können Seitenbetreiber die Webseite in bestimmte Kategorien eintragen und dafür ebenfalls eine kleine Beschreibung der Webseite verfassen.

Branchenbücher
Mit den bekannten Branchenbüchern „11880“ oder auch „Gelbe Seiten“ können Links sehr gut generiert werden. Branchenbücher werden vor allem zur Stärkung eines „Google-Places-Profils“ verwendet.

Social Bookmarks
Social Bookmarks sind „Lesezeichen“, die im Internet abgespeichert werden können. So lässt sich von jedem Ort auf der Welt auf seine Lesezeichen oder Favoriten zugreifen und die Anbindung an den heimischen Browser entfällt. Das bekannteste deutsche Social-Bookmark-Verzeichnis ist „mister-wong.de“.

Blogbeiträge und Blogkommentare
Auf Blogs können Gastautoren Beiträge schreiben oder bereits vorhandene Blogbeiträge kommentieren und dafür einen Backlink erhalten. Bei Kommentaren wird meist der eigene Name mit der Webseite verlinkt. Hier lassen sich vorwiegend nofollow-Links generieren.

Forenlinks
Foren sind in Bezug auf den Linkaufbau oft die schwerste Möglichkeit, da die Foren-Betreiber sehr schnell und strikt gegen vermeintliche Spambeiträge vorgehen. Es ist daher immer sinnvoll, sich Forenaccounts aufzubauen. Ein User, der bereits zahlreiche Beiträge geschrieben hat, wirkt vertrauenswürdiger als einer mit sehr wenigen Beiträgen, der dafür aber einen Link hinterlässt.

Presseportale
Pressemitteilungen informieren nicht nur über wichtige und interessante Neuigkeiten im Unternehmen, sondern können auch als Linkquelle genutzt werden.

Links vom Mitbewerber finden

Die oben genannten Links bilden die sogenannte „Basis“ des Linkaufbaus. Auf diese Basis sollte nach Möglichkeit ein stabiles Gerüst aus besonderen Links aufsetzen. Doch solche Links sind meist nicht leicht zu bekommen. Oft scheitert es an der Bereitschaft des Webseitenbetreibers, der seine eigene Seite natürlich nicht einfach als Werbeplattform verkommen lassen möchte. Hier bietet es sich an, selbst aktiv zu werden und den direkten Kontakt zu den fürs eigene Unternehmen relevanten Zielgruppen beziehungsweise zu den jeweiligen Webseitenbetreibern zu suchen mit dem Ziel, den Link zur eigenen Webseite auf deren Webseite zu platzieren. Idealerweise kann sich der jeweilige Seitenbetreiber dann in einem Tauschgeschäft ebenfalls mit einem Link auf der Webseite des Gegenüber präsentieren.

Aber wie lassen sich die entsprechenden Quellen, bei denen man Links hinterlassen kann, finden? Zum einen durch eine entsprechende Suche in Suchmaschinen mithilfe von sogenannten „Search Operatoren“. Diese stöbern passende Blogs, Foren oder Webseiten auf, in oder auf denen sich Links setzen lassen. Eine andere Möglichkeit besteht in der Analyse der Mitbewerber. Entsprechende Tools können anzeigen, über welche Links der Mitbewerber verfügt und welche einem selbst noch fehlen. Dieses Vorgehen bietet sich an, um sich anschließend selbst dort zu platzieren.

Linkaufbau für eine Seite sollte immer dann betrieben werden, wenn ein besseres Ranking für die eigene Seite gewünscht ist. Doch Linkaufbau ist nur eine von vielen Variablen in der Bewertungsmaschinerie von Suchmaschinen, denn SEO ist niemals Stillstand, sondern immer Bewegung und Kreativität – und am Ende auch ein Schuss Mut.

LOHAS: Eine Zielgruppe mit hohen Ansprüchen

Die Deutschen legen wieder mehr Wert auf Qualität, Design und Nachhaltigkeit. Sie sind sogar bereit, dafür mehr zu bezahlen. Das ergab eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag der Messe Frankfurt. Demnach sind 90 Prozent der Deutschen bereit, für Qualität und hochwertige Produkte wieder mehr Geld auszugeben. Vier von zehn Deutschen würden sogar deutlich mehr ausgeben. Für besonders ressourcenschonend hergestellte Waren würden 70 Prozent der Befragten mehr bezahlen. Detlef Braun, Geschäftsführer Messe Frankfurt, sagt:

„Diese Zahlen zeigen das gestiegene Bewusstsein der Menschen für nachhaltig produzierte Güter. Wer dieses veränderte Kundenbedürfnis ignoriert, wird in Zukunft Schwierigkeiten haben, selbst qualitativ hochwertige Produkte zu verkaufen.“

Stichwort

LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) heißt übersetzt „Lebensstil auf der Basis von Gesundheit und Nachhaltigkeit". Es beschreibt einen Lebensstil beziehungsweise Konsumententypen, die durch ihr Konsumverhalten und gezielte Produktauswahl, Gesundheit und Nachhaltigkeit fördern möchten. Das erste Mal tauchte der Begriff im Jahr 2000 in dem Buch „The Cultural Creatives: How 50 Million are changing the World“ von dem amerikanischen Soziologen Paul Ray auf.

Im Wirtschaftslexikon von Phoenix wird der Begriff LOHAS anschaulich erklärt:

Social Media: So wird die Unternehmensseite bei Facebook zum Erfolg

Der Umgang mit Facebook gehört längst zum Tagesgeschäft vieler Unternehmen und ist auch aus dem privaten Umfeld der Internetuser nicht mehr wegzudenken. In wenigen Jahren hat das soziale Netzwerk einen unglaublichen Siegeszug um die Welt angetreten: Über600 Millionen User [47] nutzen die Community mittlerweile, davon leben alleine14 Millionen in Deutschland [48] . Somit ist jeder sechste Deutsche bei Facebook angemeldet.

Die folgenden fünf Tipps sind sehr wichtig, damit auch Sie mit Ihrer Facebook-Seite erfolgreich netzwerken können:

1. Lassen Sie sich regelmäßig etwas einfallen

Sie kennen die Situation: Sie gehen jede Woche in den Supermarkt an der Ecke und ärgern sich, dass es immer nur die gleichen Produkte gibt. Dabei wünschen Sie sich auch einmal Abwechslung. Genau diese Erwartung haben die Besucher Ihrer Facebook-Seite. Eine Seite, die wochenlang ohne Sorgfalt gepflegt wird, stößt schnell auf Desinteresse.

Wer allerdings seine Community bei Facebook aktiv und gewissenhaft bearbeitet, wird mit einer stetig wachsenden „Fan-Gemeinde“ belohnt. Daher sollten Sie täglich, wenn zeitlich oder personell nicht möglich, zumindest wöchentlich, Ihre Leser mit abwechslungsreichen Neuigkeiten oder interessanten Aktionen versorgen.

Etwas „Buntes“ kommt in der Regel immer gut an: Foto-Galerien mit Aufnahmen aus dem Unternehmen geben einen lebendigen Eindruck von Ihnen, Ihrem Team und letztendlich Ihrer Arbeit. Schließlich möchten die Menschen wissen, mit wem Sie es zu tun haben. Gleiches gilt für Videos. Sie haben kreative Ideen für Wettbewerbe oder Gewinnspiele? Verschenken Sie dieses Potenzial nicht - Sie können jederzeit einen neuen Reiter zu diesen Bereichen auf Ihrer Facebook-Seite eröffnen. Aber auch reine Unterhaltung, wie Spiele [49] , die direkt auf der Unternehmensseite gespielt werden können, erfüllen hier ihren Zweck. Allerdings sollte das Thema des Spiels unbedingt auch zu der Ausrichtung des Unternehmens passen. Und ganz wichtig: Vermeiden Sie „faule Phasen“. Fünf Postings an einem Tag und dann wieder zwei Wochen Ruhe ist kontraproduktiv.

2. Erstellen Sie eine informative Facebook-Seite

Nehmen Sie Ihre zukünftige Facebook-Seite genauso ernst wie Ihre herkömmliche Webseite. Das bedeutet, dass Sie hier auch alle wichtigen Informationen über Ihr Unternehmen übersichtlich und informativ platzieren sollten. Kommen Sie dabei auf den Punkt: Die Kurzbeschreibung des Unternehmens ist mit rund 250 Zeichen nicht gerade lang, darum sollten Sie hier sehr sorgsam zusammenfassen. Ebenso wichtig ist das Profilbild, denn dieses wird in der Zukunft neben jedem Ihrer Beiträge erscheinen. Sie können zwischen einem Foto oder einem Logo wählen. Da die Größe letztendlich nur 50 mal 50 Pixel beträgt, ist es wichtig, den richtigen Ausschnitt des Bildes zu wählen, damit das Miniaturbild auch entsprechend wirkt. Nicht vergessen sollten Sie den Link zur Ihrer Website sowie eine Kontaktmöglichkeit außerhalb Facebooks, denn Ihre Seite wird auch für zufällige Besucher außerhalb des sozialen Netzwerks sichtbar sein.

3. Bieten Sie den Lesern einen Mehrwert an

Erfrischende Ideen und jede Menge Abwechslung auf der Facebook-Seite sind eine feine Sache, dennoch sollten Sie Ihren mit der Zeit gesammelten „Fans“ darüber hinaus noch einen Mehrwert bieten. Das heißt, dass Sie den Lesern in regelmäßigen Abständen Inhalte anbieten, die sie im Idealfall auf keiner anderen Seite erhalten. Damit treten Sie zwar ein wenig mit Ihrer eigenen Website in Konkurrenz, langfristig wird sie jedoch davon profitieren und mehr User anziehen. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Raum: Themenspezifische Anleitungen zum Download, Fachartikel oder informative kleine Broschüren im PDF-Format können einen solchen Mehrwert bieten. Der Anreiz für die Facebook-Nutzer „Gefällt mir“ anzuklicken, steigt dadurch an.

4. Gestalten Sie Diskussionen aktiv mit

Im Internet ist kaum etwas so wichtig wie aktuelle News. Gibt es Neuigkeiten aus Ihrem Unternehmen, die für Ihre Leser interessieren sein könnten, dann ist das sicherlich ein Posting bei Facebook wert. Haben Sie zum Beispiel neue Mitarbeiter in wichtigen Positionen eingestellt, dann können Sie diese hier vorstellen. Darüber hinaus stehen aktuelle Rabatte und Sonderangebote hoch im Kurs der Leserschaft bei Facebook. Wenn Sie diese regelmäßig posten, werden Sie im Idealfall nicht nur das Prädikat „Gefällt mir“ erhalten, sondern auch Kommentare. Hier kann ein richtiger Dialog entstehen, den Sie gewissenhaft verfolgen und gegebenenfalls darauf reagieren sollten. Außerdem sollten Sie auf Fragen antworten und Diskussionen im Auge behalten, die Sie bei Bedarf erneut anstoßen oder in eine bestimmte Richtung lenken. Sie sehen also, der aktive Dialog gehört zu den wichtigsten Dingen, die Sie beim Tagesgeschäft in Facebook im Auge behalten müssen.

5. Passen Sie die URL und die Landing-Page optimal an

Wenn Sie mehr als 25 „Fans“ gesammelt haben, ist es möglich, eine individuelle Facebook-URL bzw. -Adresse festzulegen. Auch hier gibt es viele Möglichkeiten - nur Umlaute, Striche oder Sonderzeichen dürfen Sie nicht in der URL verwenden. Dennoch sollten Sie sorgfältig vorgehen, denn wie der Seitenname ist auch die URL nur einmal festlegbar. Die Landing-Page ist ebenfalls sehr wichtig, denn sie ist der Einstieg für Ihre Leser bei Facebook. Sie ist vergleichbar mit der Startseite bei einer normalen Webseite. Bei Facebook haben Sie hiermit die Möglichkeit, Leser gezielt auf eine bestimmte Unterseite weiterzuleiten, was insbesondere dann sinnvoll ist, wenn Sie einen Wettbewerb, eine ganz besondere Galerie oder eine spezielle Kampagne ankündigen wollen. Ansonsten landen Ihre „Fans“ nur auf der normalen Pinnwandseite, wo Ihre regelmäßigen Postings zu finden sind. Auch eine geschickt platzierte Landing-Page bringt Sie näher an Ihr Facebook-Ziel: Mehr Fans!

Pressearbeit: Tipps für die perfekte Pressemitteilung

Das Verfassen von Pressemitteilungen oder -meldungen ist das Fundament des Journalisten-Handwerks. Und die These sei gewagt: Wer keine guten Meldungen schreibt, beherrscht meist auch die anderen journalistischen Textarten nicht. Denn eine Meldung soll dem Leser schnell die relevanten Basisinformationen über ein Ereignis vermitteln. Mehr nicht! Deshalb schult das Schreiben von Meldungen das Gespür dafür, was aus Sicht des Lesers wichtig ist. Zudem gilt es, den recht starren Aufbau einer Meldung zu beachten. Deshalb schult das Schreiben von Meldungen die Fähigkeit, Texte logisch aufzubauen.

Salopp formuliert, kann man Pressemitteilungen als das „Fastfood“ unter den journalistischen Texten bezeichnen. Denn sie sollen die Leser über aktuelle Ereignisse informieren. Deshalb „altern“ sie nach kurzer Zeit und werden somit uninteressant. Die von Unternehmen verfassten Meldungen sind zudem fast nie an nur eine Redaktion adressiert. Sie sollen vielmehr alle relevanten Medien mittels eines standardisierten Textes über ein Ereignis informieren.

Recht starrer Aufbau

Meldungen sind nach einem starren Schema aufgebaut. Über einer Meldung steht meist eine einzeilige Überschrift. Sie umreißt, worum es im Text geht. Die Überschrift oder Headline ist in der Regel fett gedruckt und die Schrift etwas größer als im Rest des Textes – zum Beispiel 14 statt 12 Punkt. Nach der Überschrift folgt eine ebenfalls fett gedruckte ein- bis zweizeilige Unterzeile, auch Subline genannt. Sie enthält nähere Infos über das in der Headline angeschnittene Thema.

Erst nach der Head- und Subline beginnt die eigentliche Meldung und zwar mit dem sogenannten Lead, in dem bereits (fast) alle sechs W-Fragen („Wer?“, „Wo?“, „Was?“, „Wann?“, „Warum?“ und „Wie?“) beantwortet werden.

Die 6-W-Fragen, die Sie in fast jeder Pressemitteilung beantworten sollten

W-Frage

Inhalt

Beispiel

Wer?

Name, Funktion/ Position im Markt

Die Ernährungsberaterin Frieda Gesund, ...

Wo?

Ort, Region/Land

Darmstadt

Was?

Inhalt, Angebot, Thema

... hat ein neues Seminar „Den Winterspeck verlieren“ entwickelt.

Warum?

Hintergründe, Motive

Dies vor dem Hintergrund, dass Männer und Frauen in den Frühlingsmonaten oft über die im Winter angefutterten Pfunde klagen. Sie wissen aber nicht, ...

Wann?

Datum, Termin, Zeitraum

Das eintägige Seminar findet erstmals am 10. April statt.

Wie?

Vorgehen, Lösungsansatz

In dem Seminar erfahren die Teilnehmer zunächst, wie ... Dann üben sie ... Dies alles mit dem Ziel, dass sie nach dem Seminar...

Nach dem Lead folgen häufig zwei, drei Abschnitte mit vertiefenden Infos – zum Beispiel, darüber welche Leistungen das neue Dienstleistungsangebot umfasst. Und im letzten Abschnitt werden zumindest bei Meldungen, die sich auf neue Produkte oder Dienstleistungen beziehen, die Kontaktdaten des Anbieters genannt, damit der Leser weitere Infos anfordern kann.

Beispiel 1: Pressemitteilung

 

New Media Institut entwirft mit Unternehmen Marketing 2.0-Strategien

 

Überschrift (Headline)

Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner gründet Institut für professionelle Nutzung von Social Media.

Unterzeile

(Subline)

Unternehmen beim Entwickeln und Umsetzen einer Marketing 2.0-Strategie unterstützen – das will ein neues Institut, das die Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal, gegründet hat. Direktor des K&P New Media Instituts ist Prof. Dr. Gerald Lembke, der ...

 

Einleitung

(Lead)

Das Institut wurde laut Professor Lembke gegründet, weil viele Unternehmen aktuell vor der Herausforderung stehen, ihre Marketingkonzepte zu überdenken. Eine zentrale Ursache hierfür ist der Erfolg solcher Internet-Communities wie Facebook, ...

 

Die Kommunikation in diesen Foren entzieht sich dem unmittelbaren Zugriff der Unternehmen. Deshalb ...

 

Beim Entwickeln der hierfür erforderlichen Marketing 2.0-Strategien und -Konzepte unterstützt das New Media Institut die Unternehmen. Außerdem ...

 

Fließtext

Nähere Infos über die Arbeit des K&P New Media Instituts erhalten Interessierte bei Dr. Kraus & Partner (Tel: 07251/9890-34; Fax:-35, Mail: info@kraus-und-partner.de)

Kontaktdaten

Nach diesem (Grund-)Schema sind alle Meldungen aufgebaut. Eine gut strukturierte Pressemitteilung erkennt man daran, dass Redakteure, die nur eine Kurzmeldung veröffentlichen möchten, den Fließtext nach dem Lead streichen können. Denn der Lead enthält bereits alle Infos, die Leser brauchen, um für sich zu entscheiden: Das könnte für mich interessant sein. Also muss der Redakteur dem Lead nur noch die Kontaktdaten hinzufügen und fertig ist die Kurzmeldung.

Manchmal weichen Pressemitteilungen von der skizzierten Grundform ab – speziell im Lead. Insbesondere Meldungen, die für Wochen- und Monatszeitschriften verfasst wurden, beginnen oft mit ein, zwei Sätzen, die zunächst die Relevanz oder Aktualität des Themas aufzeigen. Erst danach werden die W-Fragen beantwortet. Und im letzten Abschnitt werden zuweilen weitere Daten genannt, die für die Entscheidung der Leser, interessant oder uninteressant, von Bedeutung sind. Dies kann zum Beispiel bei Produktmeldungen der Preis sein.

Beispiel 2: Pressemitteilung

 

Schwierige Trainingssituationen sicher moderieren

 

Überschrift (Headline)

In einem Train-the-Trainer-Seminar von Voss+Partner lernen die Teilnehmer, schwierige Seminarsituationen zu meistern.

 

Unterzeile

(Subline)

Wie bekomme ich die Situation wieder in den Griff? Das denken Trainer zuweilen schweißgebadet – zum Beispiel wenn ein Teilnehmer massiv den Seminarablauf stört. Oder wenn mehrere Teilnehmer gegen die Seminarinhalte rebellieren. Deshalb hat das Hamburger Beratungsunternehmen Voss+Partner für Personen, die in ihrem Beruf immer wieder anderen Menschen Wissen vermitteln müssen, ein Seminar „Schwierige Trainingssituationen meistern“ entwickelt.

 

Einleitung

(Lead)

In dem viertägigen Seminar befassen sich die Teilnehmer mit der Frage: .... Außerdem erarbeiten sie ....

 

Fließtext

Das nächste Seminar „Schwierige Trainingssituationen meistern“ findet vom 15. bis 18. März in Hamburg statt. Die Teilnahme kostet 2.150 Euro. Nähere Infos erhalten Interessierte bei ....

 

Kontaktdaten

Nüchterner, sachlicher Sprachstil

Generell gilt: Der Sprachstil einer Meldung ist nüchtern. Der Text sollte sich auf die Wiedergabe von Fakten beschränken. Selbst solche Aussagen wie „das innovative Produkt“ oder „die Dienstleistung, die Unternehmen viele Vorzüge bietet“ sind tabu, denn sie enthalten Bewertungen.

Trotzdem können Sie Bewertungen in den Text integrieren – zum Beispiel, indem Sie schreiben:

  • „Mit diesem Produkt betritt das Unternehmen xy nach eigenen Angaben ‚absolutes Neuland’. Denn es ... “ Oder:
  • „Diese Dienstleistung bietet, laut Einschätzung von Agenturinhaber Stolz, Unternehmen folgende Vorteile:...“

Das heißt, Bewertungen sollten nie als Tatsachenbehauptungen im Text stehen. Sie sollten als subjektive Aussagen gekennzeichnet sein. Außerdem sollte aus dem Text hervorgehen, wer die Bewertung vornimmt.

Eine Pressemitteilung sollte nicht länger als eine Textseite oder 2.000 Zeichen sein. Doch wie stets gibt es Ausnahmen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Ihr Unternehmen eine umfangreiche Studie erstellt hat, die zu interessanten Ergebnissen kommt. Dann darf Ihre Pressemitteilung inklusive Grafiken auch mal drei, vier Seiten umfassen. In solchen Fällen empfiehlt es sich aber, neben dieser Langfassung eine Kurzfassung der Mitteilung zu erstellen, die nur die zwei, drei wichtigsten Studienergebnisse enthält.

Nur für Medien relevanten Neuigkeiten verkünden

Bleibt die Frage: Wann sollten Sie eine Pressemitteilung versenden? Stets wenn Sie aus Sicht der Medien eine interessante Neuigkeit zu vermelden haben. Dabei liegt die Betonung auf: aus Sicht der Medien. Uninteressant sind für Redakteure Meldungen, die auf das 10- oder 20-jährige Bestehen Ihres Unternehmens hinweisen. Solche Meldungen können Sie maximal in der regionalen IHK-Zeitschrift platzieren – sofern Sie eine lokale Größe sind. Auch dass Ihr Unternehmen expandiert und nun statt zwei Mitarbeitern drei beschäftigt, hat für die Medien keinen Neuigkeitswert. Solche Meldungen sollten Sie weder verfassen noch versenden. Sie landen sofort in den Papierkörben der Redaktionen.

Im Arbeitsalltag der meisten Selbstständigen gibt es wenig Anlässe, Pressemitteilungen zu versenden. Mit einer echten Neuigkeit können Sie aus Sicht der Redaktionen meist nur aufwarten, wenn Ihr Unternehmen sein Geschäftsfeld erweitert. Ebenfalls eine Neuigkeit ist es aus Sicht der relevanten Fachmedien, wenn Sie ein neues „Produkt“ im Markt lancieren, das erkennbar von den dort bereits angebotenen Produkten abweicht. Sind Sie hingegen aus Redaktionssicht nur ein Me-too-Anbieter, ist Ihre Meldung uninteressant.

Weil sich in ihrem Alltag wenig echte Neuigkeiten ergeben, produzieren manche Anbieter gezielt Anlässe, um mit der Presse zu kommunizieren. So entwickeln zum Beispiel manche Beratungsunternehmen pro Jahr zwei, drei neue „(Schaufenster-)Produkte“, primär um diese „innovativen Produkte“ in den Medien zu präsentieren und im Gespräch zu bleiben. Andere führen regelmäßig Befragungen durch oder erstellen mehr oder weniger seriöse Studien – in erster Linie für PR-Zwecke.

Ein solches Vorgehen kann sinnvoll sein. Denn durch das regelmäßige Versenden von Pressemitteilungen verankern Sie auch in den Köpfen der Redakteure allmählich die Botschaft, dass Sie ein Spezialist für etwas Bestimmtes sind. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Redakteure, wenn sie Artikel zu Ihrem Thema schreiben, Sie anrufen und interviewen.

Sinnvoll ist das Verfassen von Pressemitteilungen zu künstlich geschaffenen Anlässen oft auch aus folgendem Grund: Sie haben dann Texte, die Sie in die Online-Portale einstellen können, bei denen ein kostenloses Veröffentlichen von Pressemitteilungen möglich ist. Nicht in der Hoffnung, dass jemand unmittelbar darauf reagiert – das ist fast meistens nicht der Fall, sondern um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Personen, die gewisse Suchbegriffe bei Google & .Co eingeben, auf Sie und Ihre Leistungen stoßen.

Geschichtsmarketing: So nutzen KMU das Potenzial der Vergangenheit

Geschichte bietet Zukunftspotenzial

Dass Vergangenheit zukunftsorientiert ist, mag zunächst unlogisch klingen. Doch: Für Unternehmen kann es heute von entscheidender Bedeutung sein, ihre Vergangenheit zukunftsgestaltend einzusetzen und darüber ein glaubwürdiges und solides Image zu vertreten. Eine lebendige Identität nach innen zu erzeugen ist fast ebenso wichtig, weil die Mitarbeiter auch als Botschafter des Unternehmens fungieren. Beides benötigt eine solide Basis. Traditionsreiche Unternehmen besitzen diese mit ihrer eigenen erfolgreichen Geschichte bereits. Doch nicht immer nutzen sie dieses Fundament auch. Neue Unternehmen müssen sich erst mühsam fundieren und verstetigen.

Das historische Unternehmenspuzzle

Ein zukunftsgestaltender Einsatz von Unternehmensgeschichte aktiviert die historischen Potenziale und setzt sie für verschiedenste Zwecke ein. Das lässt sich am besten verstehen, wenn die Unternehmenshistorie als Puzzle gesehen wird, das aus vielen einzelnen Erzählsträngen und Geschichten besteht:

  • Unternehmen sind gewachsene Einrichtungen - Wenn ihre bewegte Geschichte spannend aufbereitet wird, weil sie von überwundenen Krisen und schrittweisem Wachstum berichtet, demonstriert sie langlebigen und dauerhaften Erfolg. Das überzeugt die Öffentlichkeit, Kunden und Geschäftspartner von der unternehmerischen Kompetenz.
  • Unternehmen sind kluge Produzenten - Die Geschichte ihrer Produkte und Dienstleistungen zeugt von Erfindungsreichtum und marktbezogener Innovationskraft. Die dadurch vermittelte verstetigte Verlässlichkeit fördert die positive Marktpräsenz und sichert ein Markenimage.
  • Unternehmen sind leistungsstarke Innovatoren - Ihre Geschichte ist geprägt von visionären Gründern, erfindungsreichen Genies und klugen Führungskräften. Ihre Aktivitäten offen zu legen und ihre kollektive Leistung zu würdigen, überzeugt vom Erfahrungshintergrund und dem vorhandenen Wissen.
  • Unternehmen sind zuverlässige Partner - Sie streben nach funktionierenden Zulieferbeziehungen und festen Absatzkanälen. Dafür bauen sie Vertrauen zu Partnern und Kunden auf, um ihre eigene Existenz zu sichern. Diese Beziehungsgeflechte begründen Kontinuität und garantieren Sicherheit für die Zukunft
  • Unternehmen sind sozialverantwortliche Organismen - Die historisch gewachsene Unternehmenskultur und die sie tragenden Werte schaffen Identität nach innen und vermitteln den Mitarbeitern wertgeschätztes und tragendes Element zu sein.
  • Unternehmen sind tragende Säulen - Sie sind regional verankert. Sie engagieren sich darüber hinaus sozial, kulturell oder als Sponsoren. Das verschafft ihnen Achtung und ein positives Bild in der Öffentlichkeit.

Den Erfolgsweg weiter gehen

Diese einzelnen Komponenten grundlegend zu erschließen, unterstützt die Unternehmenskommunikation. Sie können so für verschiedene Ziele aufbereitet und genutzt werden. Die spezifischen Traditionslinien der einzelnen Elemente müssen dafür zunächst ausgewertet und die darin steckende Kraft in markanten Kernaussagen erfasst werden. Und dies sollte frei nach dem Motto geschehen, „erkenne, woher du kommst, und plane, wohin du gehen willst“. Es ist grundlegende Zielsetzung des gestaltenden Geschichtsmarketings, diese Kernaussagen mit spannenden Geschichten aus der unternehmerischen Vergangenheit anzureichern und durch verschiedene Instrumente und Maßnahmen strategisch und zukunftsgestaltend einzusetzen: egal, ob für die Unternehmenskommunikation im Allgemeinen oder speziell für die Werbung, die Öffentlichkeits- und Pressearbeit oder das Marketing.

Ressource Unternehmensgeschichte

Die Unternehmensgeschichte ist eine einzigartige Ressource. Sie sollte deswegen unbedingt grundlegend erforscht und dokumentiert werden. Sie anschließend auf vielseitige Weise in Gegenart und Zukunft einzusetzen, eröffnet ungeahnte Perspektiven. Die eigene Historie vermittelt die gelebten Werte. Sie ist deswegen auch eng verknüpft mit der historisch gewachsenen Unternehmenskultur. Die aufbereitete Unternehmensgeschichte festigt die Identität des Unternehmens, grenzt dieses noch schärfer von Wettbewerbern ab und fördert das eigene unverwechselbare Image. Zugleich ist sie eine wertvolle Kommunikationsressource für Heute und Morgen.

Kapital der Vergangenheit...

Das unverwechselbare Image eines Unternehmens (außen) kann durch seine Geschichte fundiert und die Identität von Führung und Mitarbeitern mit ihrem Unternehmen (innen) mithilfe seit Langem gelebter Werte und Kultur gefestigt werden. Beides bedarf einer nachhaltigen Kommunikation sowohl nach außen als auch nach innen. Bei Geschäftspartnern und Kunden sichert die nachgewiesene lange Kontinuität Vertrauen und demonstriert Verlässlichkeit. Den Beschäftigten vermittelt sie Sicherheit. Die vielfältigen Beziehungsnetze zwischen innen und außen fördert eine so verankerte Unternehmenskommunikation zusätzlich. Beispielsweise unterstützen Vertriebsmitarbeiter mit hoher Firmenverbundenheit dies im direkten Kundenkontakt. Mitarbeiter des Einkaufs sprechen bei den Zulieferern anerkennend über die Geschichte „ihres“ Unternehmens. Beschäftigte tragen die historisch gewachsene Unternehmenskultur in den öffentlichen Raum, wenn sie mit Verwandten, Nachbarn und Bekannten über ihre Arbeit sprechen und stolz darauf sind, einer langlebigen wertvollen und werteverbundenen Gemeinschaft anzugehören.

...ein Zukunftsversprechen

Die Anlässe für den Einsatz historischer Unternehmenskommunikation bzw. von Geschichtsmarketing sollten sich nicht auf Jubiläen und eine einmalige Rückschau beschränken. Die eigene Geschichte und die gewachsene Unternehmenskultur bieten viel mehr Potenziale: Diese kann als Fundgrube und dauerhafter Aktivposten über verschiedene Kanäle und mittels unterschiedlicher kommunikativer Instrumente eingesetzt werden. Wer seine eigene Geschichte bewusst für unternehmerische Ziele einsetzt, verstetigt sie damit auch.

Werbemailing: Individuelle Kundenkommunikation scheitert an der Technik

In der schriftlichen Kundenkommunikation regiert weitgehend der unpersönliche Massenbrief, weil die Unternehmen ihre Korrespondenz nicht individuell auf jeden einzelnen Kunden zuschneiden können. Nach einer Erhebung der legodo ag unter mehr als 200 Sales- und Marketingmanagern im deutschsprachigen Raum ist lediglich jede siebte Firma in der Lage, bei großvolumigen Aussendungen inhaltlich gezielt auf Wünsche und Erwartungen ihrer Adressaten einzugehen. In jedem vierten Fall kann dies nur begrenzt bei ausgewählten Kundengruppen realisiert werden, bei 60 Prozent der Befragten besteht sogar eine Beschränkung auf textliche Standards.

Ein deutlicher Hinweis darauf, dass in der Praxis der Unternehmen üblicherweise ein weitgehend unpersönlicher schriftlicher Dialog vorherrscht, zeigt sich auch in den weiteren Ergebnissen der Studie. Denn auf die Frage, welche Möglichkeiten der individuellen Ansprache außer einer namentlichen Anrede in der Kundenkommunikation mit vielzähliger Aussendung genutzt werden, treten ganz erhebliche Schwächen zutage. So können lediglich 42 Prozent eine regelbasierte Selektion der Informationen für ihre A-, B- und C-Kunden vornehmen.

Noch schlechter sieht es bei den weiteren Aspekten einer individuellen Korrespondenz aus: Aktionsorientierte Inhalte wie etwa saisonale Angebote lassen sich nur in gut jedem dritten Fall berücksichtigen, eine kundenbezogene Auswahl von Beilagen ist sogar noch seltener möglich. Ebenso kann nur jedes vierte Unternehmen eine individuell auf den Adressaten ausgerichtete Betreffzeile vornehmen und nur selten ist eine Design-Unterscheidung zwischen Privat- und Geschäftskunden realisierbar. Auf die Integration einer persönlichen Nachricht über Freitext wird in drei Viertel der befragten Unternehmen verzichtet, weil dies ihre technischen Lösungen nicht erlauben.

Auch ein weiterer Aspekt weist laut der legodo-Erhebung in der Praxis große Defizite auf: Kundenreaktionen lassen sich nur selten in die schriftliche Kommunikation einbinden. Dies ist lediglich bei jedem zehnten Unternehmen über automatisierte Lösungen möglich, weitere 29 Prozent können dies zumindest bedingt automatisch realisieren. In allen anderen Fällen ist eine Berücksichtigung von Kundenreaktionen entweder gar nicht (32 Prozent) oder nur manuell (28 Prozent) möglich.

„Es sieht danach aus, dass es an den technischen Möglichkeiten für einen individuelleren schriftlichen Kundendialog hapert“,

interpretiert legodo-Vorstand Marc Kresin die Befragungsergebnisse. Dies stehe in deutlichem Widerspruch zu den Erkenntnissen einer vorangegangenen Studie, nach der ein Großteil der Firmen ihre Kundenkommunikation persönlicher ausrichten will. Kresin sieht bei den Unternehmen eine Pflicht zum Handeln:

„Diese Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit muss nun geschlossen werden, um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Die bekanntermaßen kontinuierlich sinkende Akzeptanz der unpersönlichen Massenbriefe macht es erforderlich, den Kunden wieder stärker das Gefühl zu geben, dass jedem Einzelnen eine große Bedeutung beigemessen wird und sie nicht nur Bestandteil einer Datenbank sind.“

Quelle: legodo ag

Pressearbeit: Fachartikel erfolgreich publizieren

B. ist Geschäftsführer einer Unternehmensberatung. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Anzahl an neuen Klienten zu steigern, möchte dafür aber nicht viel Geld für Werbung ausgeben und hochpreisige Anzeigen schalten. Irgendwann wurde B. deshalb in einem Newsletter auf das Thema Pressearbeit mit Fachartikeln aufmerksam. Die Möglichkeiten, die diese Form der PR-Arbeit bietet, nämlich die Sichtbarkeit seines Unternehmens in ausgewählten Fachmedien und damit den Bekanntheitsgrad zu steigern, überzeugte ihn. B. wurde Fachautor.

Laien-Strategie: Erst schreiben, dann anbieten

Durch zahlreiche Kunden-Projekte hat sich B. mittlerweile eine fundierte Problemlösungskompetenz im Bereich Projektmanagement angeeignet. Es brennt ihm unter den Nägeln, diese Kompetenz nun auch in einem Fachbeitrag zu demonstrieren. Die Aussicht auf eine Veröffentlichung in renommierten Fachzeitschriften lässt ihn fortan nicht mehr los. So arbeitet er eine Themenskizze aus, recherchiert Quellen mit entsprechenden Fakten und beginnt zu schreiben.

Nach vier Wochen – B. musste seine Arbeit wegen wichtiger Kundenprojekte immer wieder unterbrechen – steht der Fachartikel. B. stellt darin ein seiner Ansicht nach elementares Problem im Projektmanagement dar, gibt fachliche Hintergrundinfos, schätzt die negativen Folgen dieses Problems ab und bietet eine entsprechende Lösungsmöglichkeit als Fazit an. Am Ende steckt B. noch Zeit und Mühe ins Erstellen einer Grafik und einer Info-Tabelle und sitzt stolz vor seinem ersten Fachartikel. 

Recherche von Zielgruppenmedien und Redaktionskontakt

Jetzt soll seine Arbeit natürlich auch Früchte tragen und mit einer Veröffentlichung gekrönt werden. B. macht sich an den nächsten Schritt in der Prozesskette „Fachartikel-Publikation“: die Medienrecherche. Zunächst überlegt er, welche Zielgruppe(n) er mit seinem Beitrag überhaupt ansprechen will, denn die, die seinen Fachartikel am Ende lesen, sollen im besten Fall ja auch irgendwann seine neuen Kunden werden.

B. wird klar, dass es Medien sein müssen, die von Führungskräften im Projektmanagement gelesen werden. In mühevoller Suchmaschinen-Recherche – B. kann zwar mit Google gut umgehen, kennt jedoch die einschlägigen Quellen zum Auffinden geeigneter Fachmedien nicht – hat er am Ende des Tages drei Fachzeitschriften ausfindig gemacht, die seiner Ansicht nach für eine Veröffentlichung infrage kommen.

Die Aufregung von B. wächst. Nun würde es nicht mehr lange dauern, und seine Unternehmensberatung ist zum ersten Mal mit einem Fachartikel in einer Fachzeitschrift präsent. B. recherchiert in einem nächsten Schritt die Kontaktdaten der jeweiligen Fachredakteure und setzt eine E-Mail mit folgendem Wortlaut ab:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

im Anhang sende ich Ihnen einen Fachartikel zum Thema „Projektmanagement“ für eine Veröffentlichung in Ihrer Fachzeitschrift. Bitte teilen Sie mir mit, ob mein Beitrag für eine Veröffentlichung infrage kommt.

Mit freundlichen Grüßen“

Ergebnis: Publikationsstrategie gescheitert

Die Wochen gehen ins Land. B. checkt so oft es geht seine E-Mails, um zu sehen, ob ihm die Fachredakteure antworten. Nichts passiert. Nach vier Wochen ohne eine einzige Rückmeldung entschließt er sich nochmals, eine E-Mail zu schreiben. Darin erinnert er an seinen zugesandten Fachartikel und bittet höflich um Antwort. Etwa eine Woche später melden sich tatsächlich alle drei Redakteure. Aufgeregt öffnet B. die Nachrichten – und erblasst:

Ein Redakteur behauptet, dass der Fachartikel von B. vom Thema her in absehbarer Zeit nicht in die redaktionelle Planung passe. Der Zweite hat seine E-Mail wohl gar nicht erst erhalten und der Dritte bittet darum, B. möge ihm doch zunächst ein ausführliches Exposé zusenden. Erst dann könne er sagen, ob der Beitrag für eine Veröffentlichung infrage kommt. Außerdem verweist er B. noch auf bestimmte Richtlinien, an die sich jeder externe Autor zu halten habe. Danach sollten Fachartikel nicht mehr als 8.000 Zeichen umfassen.

Thema verfehlt, Exposé, Autorenrichtlinien… B. ist verzweifelt. Er hat keine Zeit, um noch einmal ein Exposé zu formulieren. Warum auch? Er hatte den fertigen Fachartikel doch schon verschickt. Hatte ihn der Redakteur denn nicht gelesen? Außerdem umfasst sein Beitrag rund 15.000 Zeichen. Wie soll er den denn bitteschön auf 8.000 Zeichen kürzen, ohne wesentliche Inhalte zu streichen? Und für ein komplett neues Thema bleibt nun wirklich keine Zeit. Was bilden sich diese Redakteure eigentlich ein?! B. fasst den Entschluss, das Projekt „Fachartikel-Publikation“ zunächst auf Eis zu legen. Am Wochenende will er sich die Anzeigenpreise der lokalen Tageszeitung ansehen. 

Profi-Strategie: Erst anbieten, dann schreiben

B. hat in seiner Euphorie eine Reihe von Fehlern begangen. Der grundlegendste dabei war, die Reihenfolge seines Vorgehens: Fachartikel schreiben, Medienrecherche, Redaktionskontakt. Er hätte aller Voraussicht nach mehr Erfolg gehabt, wäre er den umgekehrten Weg gegangen: Medienrecherche, Redaktionskontakt, Fachartikel schreiben.

B. hat das Pferd jedoch von hinten aufgezäumt. Bevor er wusste, ob das Thema seines Fachartikels für die ausgewählten Fachzeitschriften überhaupt interessant ist, schrieb er den kompletten Fachbeitrag sozusagen ins Blaue hinein. B. dachte wohl: Wenn das Thema für mich relevant ist, ist es dies automatisch auch für die ausgesuchten Fachzeitschriften. Kann, muss aber nicht sein. Wichtig ist, Redaktionen bereits vor der eigentlichen Schreibarbeit über einen Themenvorschlag für einen Fachartikel zu informieren. Dies geschieht in aller Regel über die Erstellung eines Exposés, welches das behandelte Problem im Fachartikel, seine Einordnung in den Branchenkontext sowie mögliche Lösungsvorschläge beinhaltet. 

Redaktionen frühzeitig einbinden

Da Fachredakteure, anders als Redakteure von Publikumsmedien, bestens in ihre jeweilige Materie eingearbeitet sind, sollte das Exposé beziehungsweise der Themenvorschlag auch mehr in die Tiefe gehen. B. begnügte sich jedoch mit zwei kurzen Sätzen und dem Stichwort „Projektmanagement“, ohne weiter konkret zu werden. Um zu wissen, welches Thema B. in seinem Fachartikel überhaupt behandelt hat, hätten die Redakteure den kompletten Anhang mit dem Fachbeitrag lesen müssen.

Wenn man weiß, dass Fachredakteure jeden Tag Hunderte von E-Mails erhalten und diese nach Aktualität, Informationsgehalt und Relevanz gewichten müssen, wird klar, dass B. mit seinem Vorgehen scheitern musste. Es dürfte kaum einen Redakteur geben, der einen kompletten Fachartikel durchliest, nur um festzustellen, ob er ins redaktionelle Konzept passt oder nicht. Dazu fehlt schlicht und ergreifend die Zeit. Es geht somit darum, Redakteure nicht zu überfordern, sondern sie schon zu Beginn einer beabsichtigten Publikation durch ein inhaltlich ausgereiftes und spannend formuliertes Exposé mit ins Boot zu nehmen.

Win-win-Geschäft: Informationen gegen Aufmerksamkeit

Erst wenn das Feedback der jeweiligen Redaktionen zum Themenvorschlag im Exposé eingeht, kann der nächste Schritt erfolgen – im positiven Fall also das Verfassen des Fachartikels. Dies ist in aller Regel an bestimmte Bedingungen geknüpft, die für jede Fachzeitschrift unterschiedlich sind. Meist betrifft es den Umfang (Zeichenzahl) des Textes und weitere Anforderungen wie grafische Elemente oder Tabellen, die zum Teil in Autorenrichtlinien festgeschrieben sind. Der Fehler von B. war es, ohne Kenntnis dieser Informationen einen identischen Beitrag für alle drei Fachmedien zu schreiben.

Wie bedeutend jedoch das Eingehen auf die Anforderungen der jeweiligen Redaktion ist, zeigt das sogenannte Marktmodell der Aufmerksamkeitstheorie, das vom deutschen Medienwissenschaftler und Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Lugano, Stephan Ruß-Mohl, entwickelt wurde. Dabei geht es um den wechselseitigen Umgang von PR-Arbeit und Journalismus. Zentrum dieser Theorie ist der Tausch von Informationen – aufseiten der PR-Arbeit, also des Fachartikel-Autors – gegen Aufmerksamkeit durch die Journalisten, die für die Publikation des Fachbeitrags verantwortlich sind.

Idealerweise entsteht so eine Win-win-Situation: Das Unternehmen, das für den Fachartikel verantwortlich ist, erhält durch die Publikation ein bestimmtes Maß an Aufmerksamkeit und erhöht seinen Bekanntheitsgrad. Das Fachmedium wiederum verspricht sich vom Abdruck des Beitrags einen Vorsprung im Wettbewerb um Topthemen, Exklusivität und verlässliche Informationen. Aus Sicht von Unternehmen ist es deshalb geboten, von Anfang an nicht ohne die Fachmedien zu agieren und auszuloten, welche Möglichkeiten für eine Publikation bestehen und welche Bedingungen daran geknüpft sind. Erst dann sollte mit dem Schreiben des Fachartikels begonnen werden. So lässt sich viel Aufwand vermeiden, der sich im Nachhinein als umsonst herausstellt. 

Social Media: Unternehmen erhöhen Interaktivität im Social Web

Die 100 größten Unternehmen der Welt bauen den Einsatz von Social Media aus und interagieren in sozialen Online-Netzwerken stärker mit anderen Nutzern. Im Vergleich zum Vorjahr sprechen Großunternehmen häufiger andere Mitglieder an oder reagieren auf Anfragen und Kommentare. Dabei schließen asiatische Unternehmen zu den bislang führenden westlichen Firmen rasant auf. Deutsche Unternehmen schöpfen das Potenzial des Social Webs jedoch weniger gut aus als die internationale Konkurrenz. Dies zeigt der zweite jährliche „Global Social Media Check-Up“ von Burson-Marsteller unter den Fortune Global 100-Unternehmen.

Stichwort

Die Fortune Global 100-Liste umfasst die weltweit 100 größten Unternehmen nach deren Umsatz. Gelistete deutsche Unternehmen im Jahr 2010 (in alphabetischer Reihenfolge): Allianz, BASF, BMW, Daimler, Deutsche Post, Deutsche Telekom, E.on, Metro, Munich Re, Siemens und Volkswagen.

Die Studie untersucht, wie sich die Nutzung der Kommunikations- und Netzwerkplattformen im Internet durch die nach Umsatz wichtigsten Unternehmen verändert. Das größte Wachstum fand in Asien statt: Rund zwei Drittel der umsatzstärksten Firmen aus dieser Region sind jetzt auf mindestens einer Social Media-Plattform aktiv, gegenüber 50 Prozent vor einem Jahr. Bei den europäischen und US-amerikanischen Großunternehmen hat sich der Einsatz auf hohem Niveau stabilisiert (89 bzw. 84 Prozent).

Den deutlichsten Zuwachs unter den Plattformen verzeichnete der Kurznachrichtendienst Twitter, dessen Verwendung durch die Unternehmen innerhalb eines Jahres von 65 Prozent auf 78 Prozent anstieg. Facebook (von 54 auf 61 Prozent) und YouTube (50 auf 57 Prozent) liegen vor Unternehmensblogs (33 auf 36 Prozent) in ihrer Bedeutung für die Kommunikation mit externen Gruppen. Insgesamt spielen soziale Netzwerke damit rund um den Globus eine wichtigere Rolle für die größten Firmen als noch vor einem Jahr. Karl-Heinz Heuser, CEO Burson-Marsteller Deutschland, sagt:

„Social Media haben die Kommunikation der Unternehmen auf den Kopf gestellt. Jetzt lernen die größten Firmen der Welt, mit der Interaktivität der neuen Plattformen umzugehen und etablieren sich im digitalen Beziehungsnetz vieler Menschen. Im nächsten Schritt gilt es, die sozialen Netzwerke so einzusetzen, dass das Engagement einen nachhaltigen und nachweisbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet.“

Bereitschaft zum Dialog wächst

In den Kommunikationsabteilungen wächst dabei auch die Bereitschaft zur dialogorientierten Interaktion. Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Fortune Global 100-Firmen verwenden die öffentlich sichtbare Antwort-Funktion auf Twitter. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) gibt Inhalte anderer Nutzer an die eigenen Follower weiter („retweets“). Dies entspricht einer Zunahme von 76 bzw. 78 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf Facebook erlauben nun 74 der 100 weltweit größten Unternehmen Kommentare auf ihren Nachrichtenseiten. Mehr als die Hälfte der Firmen (57 Prozent) beantwortet solche Botschaften. Insgesamt setzen 25 Prozent der Fortune Global 100 alle vier untersuchten Plattformen ein, wohingegen die Europäer zurückhaltender sind. Heuser sagt: 

„Europäische Unternehmen konzentrieren sich häufig auf eine oder zwei Plattformen der sozialen Online-Welt. In Deutschland spielen vor allem Facebook und Twitter eine wichtige Rolle in der Unternehmenskommunikation. Im internationalen Vergleich zeigt sich: Mit der richtigen Strategie könnten deutsche Firmen Social Media effektiver zur Beziehungspflege einsetzen.“

Laut Studie setzen jetzt alle deutschen Vertreter der Fortune Global 100-Liste den Nachrichtendienst Twitter ein – anders als noch im Vorjahr. Mit durchschnittlich rund 2.400 Followern bleibt die Reichweite allerdings deutlich unter dem internationalen Mittelwert von über 5.000 Followern pro Twitter-Konto. Ähnlich verhält es sich auf anderen Plattformen. Neun der elf deutschen Fortune Global 100-Unternehmen haben eine eigene Facebook-Seite. Die Anzahl der Fans liegt aber mit durchschnittlich 39.000 weit unter der von Facebook-Präsenzen ausländischer Firmen (rund 88.000).

Über die Studie

Erhebungszeitraum des zweiten „Global Social Media Check-Up“ von Burson-Marsteller war November 2010 bis Januar 2011. Untersucht wurden die Aktivitäten auf Twitter, Facebook, YouTube sowie Unternehmensblogs der Fortune Global 100-Unternehmen im November 2010, sowie spezifische regionale Plattformen. Anzahl der Unternehmen in der Stichprobe nach Region: USA: 32, Europa: 47 (darunter Deutschland: 11), Asien-Pazifik: 18, Lateinamerika: drei.

Quelle: Burson-Marsteller

Social Media: Wie sieht die Zukunft für Unternehmen aus?

Momentan werde Social Media hauptsächlich im Marketing und für die Öffentlichkeitsarbeit genutzt. In den kommenden Monaten würde Social Media in weiteren Bereichen wie Personal, Marktforschung und Produktentwicklung an Bedeutung gewinnen, sagt Patrick Wassel, stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe Social Media im BVDW.

"Derzeit nutzen vor allem große Unternehmen Social Media. In diesem Jahr werden insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen die Vorteile der direkten Kommunikation mit dem Nutzer für sich entdecken. Entsprechend nehmen Social Media-Aktivitäten und -Budgets auch 2011 weiter deutlich zu",

ergänzt Mike Schnoor (sevenload), Unitleiter Business Development/Marketing der Fachgruppe Social Media im BVDW.

10 BVDW-Thesen zur Zukunft von Social Media in 2011

1. Social Media wird in Unternehmensorganisationen integriert

Die Frage nach der richtigen Organisationsform für den Bereich Social Media wird ein größeres Thema. "Hobby-Lösungen" mit Praktikanten haben ausgedient. Die Phase eines Hypes oder Trends ist vorbei, Social Media wird zum Alltag und will Disziplin übergreifend organisiert werden. Der Bereich der Unternehmenskommunikation wird hierbei über alle Abteilungen hinweg eine zentrale Rolle spielen.

2. Employer Branding 2.0

Employer Branding in Social Media wird zum essenziellen Bestandteil für Unternehmen bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeitern. Statische Personalbereiche auf Homepages und reine Anzeigenportale waren gestern. Nicht nur Kunden werden anspruchsvoller, auch Bewerber setzen auf User Generated Content in ihrem Entscheidungsprozess und informieren sich über die Unternehmen anhand ihrer eigenen Präsenz und ihrer Bewertung sowie der Aktivitäten ihrer Mitarbeiter in Social Media.

3. Die Produktentwicklung wird sozialisiert

Die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen wird auf breitere Beine gestellt.Eine extrem breite Wissensbasis als Input zur Produktentwicklung und extrem schnelles Feedback intern wie extern führt zunehmend zu "Adaptive Engineering". Bald könnte die Zeit langwieriger Mafos (Befragungen, Beobachtungen etc.) vor der Einführung/Entwicklung neuer Produkte vorbei sein.

4. CRM wird nicht mehr sein, was es war

Letztes Jahr lief das Beziehungsmanagement noch weitgehend unsozial ab. In 2011 werden wir eine zunehmende Verschmelzung verschiedener CRM-Bereiche mit Social Media-Komponenten erleben. Leadmanagement, Kundenservice und Kundenbindung sind die ersten CRM-Felder, wo Social Media eine zunehmende Rolle spielen wird. CRM-Systemanbieter werden dafür sorgen, Daten und Prozesse aus Social Media systematisch nutzbar zu machen.

5. Unternehmen aus der zweiten Reihe springen auf

Bisher haben große Brands die Entwicklung von Social Media Marketing getrieben. Spezielle Social Media-Budgets sind gesamten Werbebudgets gefolgt. 2011 werden auch die "small" bis "medium" Spender auf den Zug aufspringen. Mittelstand, Industrie, B2B, Verbände, NGOs - für sie gilt es aus den Fehlern der Großen zu lernen und einzuschätzen, wo Social Media ihnen wirklich nützt. Der Mehrwert von Social Media wird dabei oft in anderen Unternehmensbereichen gesehen und weniger direkt im werblichen Bereich.

6. Social Media ist mehr als Facebook

Letztes Jahr war geprägt durch den großen, blauen Riesen. Großteile der Budgets in Deutschland sind in Facebook Apps und Media geflossen - der Return of Invest war bisher ungewiss. Die Nutzer werden neue, dynamische Plattformen und Applikationen für sich entdecken, um themen- und kontextspezifische Beziehungen zu führen. Marken werden die gute alte Homepage sozialisieren, um der Community auch im eigenen Garten etwas zu bieten. Spitze Themenplattformen wie Blogs und Foren werden den "Longtail" wieder ins Gespräch bringen.

7. "Social Intelligence" wird zum Erfolgsfaktor

Social Media Monitoring war bereits in 2010 ein großes Thema. 2011 wird es darum gehen, die Tools weiter zu optimieren. Aber viel wichtiger wird die Frage sein, wie und wofür das Wissen eingesetzt werden kann. Von einer adaptiven Aussteuerung der Kommunikation über die Produktentwicklung bis zur Kundensegmentierung - die Daten aus dem Social Web bieten unzählige Möglichkeiten.

8. Die ROI Diskussion geht weiter

Die Messbarkeit der Maßnahmen wird auch in 2011 weiter ein Thema sein. Was ist Erfolg und wie messe ich ihn? In den letzten Jahren ging es für Marken darum, dabei zu sein. In Zukunft wird es darum gehen, was Marken für Ergebnisse erzielen. Social Media wird ein typischer Aspekt des Kommunikationsalltags werden.

9. Neue Berufsbilder entstehen

Die Nutzung von Social Media erfordert von den Mitarbeitern der Marken neue Fähigkeiten. Gelerntes Marketingwissen ist nur noch in Teilen anwendbar. Mit Social Media wollen neue Tools und Infrastrukturen bedient werden, zudem muss ein neuer Kommunikationsstil geprägt werden. Community Manager sind die neuen "Arbeiter" und gleichzeitig die neuen Erfolgsfaktoren der Kommunikation. Marken dürfen es nicht verpassen, diese Positionen gemeinsam mit der Unternehmenskommunikation und anderen Fachbereichen der Unternehmensorganisationen intern aufzubauen

10. Das Ende der Kampagne, wie wir sie kannten

Die für Marken und Agenturen gelernte Kampagnenarbeit ist ein Auslaufmodell. Ideen müssen mehr können, als Aufmerksamkeit zu generieren - Engagement ist gefragt. Media wird nicht mehr gekauft, sondern verdient. Der Launch ist nicht das Ende der Arbeit, sondern der Anfang.

Hinweis

Die 10 Thesen der Fachgruppe Social Media im BVDW sind kostenlos als Download unter www.bvdw.org [50] erhältlich.

Affiliate Marketing: So nutzt der Mittelstand neue Vertriebskanäle

Affiliate Marketing ist schon lange nicht mehr ausschließlich ein Instrument der großen Konzerne, auch Mittelständler haben hier die Chance, ihren Vertrieb online zu forcieren. Affiliate Marketing bringt Unternehmen mit einem Online-Auftritt, sei es als Produzent von Waren oder als Dienstleister, eine Vielzahl an Vorteilen. Den Unternehmen erschließen sich dabei rein performanceorientiert neue Kommunikations- und Vertriebskanäle.

Stichwort

Beim Affiliate Marketing suchen sich Unternehmen, Merchants genannt, für ihre Produkte oder Dienstleistungen Vertriebspartner, die Internetseiten, Blogs oder Ähnliches betreiben (Affiliates). Sie machen diese zu ihren Partnern. Diese Affiliates verfügen meist über einen themenspezifischen Kundenstamm und weisen durch Informationen und Empfehlungen auf das entsprechende Produkt oder die Dienstleistung der Merchants hin.

Die Form der Einbindung der Werbemittel kann hierbei durch Werbebanner, Newsletter oder durch Textlinks erfolgen. Wenn der Kunde auf den Textlink oder Banner klickt, danach auf der Seite des Unternehmens ein Produkt kauft oder die Dienstleistung wahrnimmt, dann erhält der Affiliate (Vertriebspartner) eine erfolgsabhängige Provision.

Dem Mittelständler eröffnen sich dabei neue Kommunikations- und Vertriebskanäle, somit folgt auch eine Erhöhung des Bekanntheitsgrades und letztlich eine erkennbare Absatz- und Umsatzsteigerung.  Affiliate Marketing ermöglicht einen zielgerichteten Zugang zu potenziellen Kunden, die auf dem herkömmlichen Wege meist noch nicht gezielt angesprochen wurden. Im Vergleich zu konventionellen Werbemaßnahmen ist die Betreibung von Partnerprogrammen deutlich erfolgsorientierter und besser messbar, da nur für den Verkauf eine Provision gezahlt werden muss.

Möchte ein Unternehmen ein eigenes Partnerprogramm starten, helfen ihm Partnerprogramm-Netzwerke, die zahlreiche Affiliates vertreten.

Hinweis

Weitere Informationen sowie eine Checkliste zur Planung von Partnerprogrammen finden Sie hier:

Mit Partnerprogrammen neue Verkaufswege erschließen [51]

Quelle: Firstlead GmbH

Werbeformen: Product Placement legt langsam zu

Das Ergebnis des „Product Placement Monitor“ 2010 der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) zeigt einen gleichbleibenden Trend: Noch immer führt das Product Placement ein Schattendasein. Allerdings erwarten zwei Drittel der befragten Unternehmen eine steigende Tendenz für diese Werbeform.

Einige Unternehmen erhöhen ihre Budgets für das Product Placement deutlich, allerdings war es den Forschern der HfWU kaum möglich dazu handfeste Zahlen zu ermitteln: Kaum ein Unternehmen lässt sich hier in die Karten schauen, kämpft man doch von Beginn an gegen den Vorwurf der Schleichwerbung.

Andreas Waldner, Mitautor der Studie, betont dagegen, dass um das Product Placement herum längst eine kreative Branche aus Medien, Vermarktern, Agenturen und Filmproduzenten entstanden ist. Stephan Mareien, Gastprofessor an der HfWU klärt auf:

„In der heutigen Unterhaltungsindustrie funktioniert Schleichwerbung gar nicht mehr. Es geht nicht um das plumpe Einblenden von Joghurtbechern. Bestimmte Produkte und Marken sind dagegen Teil der Show geworden. Ohne diese Unterstützung sind viele Formate gar nicht mehr finanzierbar.“

Unternehmen, die diese Form der Kommunikation nutzen, tun dies strategisch. Der Product Placement Monitor zeigt, dass über die Hälfte der befragten Unternehmen ein schriftliches Konzept zum Product Placement nutzen.

Klassische Werbung hat in der Studie eine abnehmende Bedeutung für die Firmen, das Product Placement bleibt dagegen konstant, wenn auch auf einem niedrigen Niveau. Hauptsächlich genutzt wird diese Werbeform von der Automobilindustrie und Unternehmen aus den Bereichen Freizeit und Tourismus.

Vor allem TV Serien werden für das Product Placement genutzt, gefolgt von Kinofilmen, TV-Shows und Fernsehfilmen. Die meisten Unternehmen setzen bei der Verkaufsförderung nach wie vor auf Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Aber alle Befragten sehen das Product Placement im Aufwind, auch wegen der neuen sozialen Medien im Internet.

Product Placement Monitor

Alle zwei Jahre legt die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) dazu den „Product Placement Monitor“ vor. Seit 1998 beobachtet das Team um Professor Dr. Iris Ramme wie sich die Szenerie entwickelt, welchen Stellenwert das Product Placement in der Werbung einnimmt. Alle zwei Jahre werden dazu werbetreibende Unternehmen befragt.

Ziele verfolgen: Sicher ans (Marketing)-Ziel kommen

Wo soll es hingehen?

Wer von Karlsruhe an die Ostsee fahren möchte, wird kaum spontan in einen beliebigen Zug steigen und hoffen, irgendwann am Ziel anzukommen. Vielmehr wird vorher geprüft, welches Verkehrsmittel uns in einer bestimmten Zeit und zu angemessenem Fahrpreis ans Ziel bringt.

Wer zur Bekanntheitssteigerung eines Herstellers von Elektronikbauteilen Pressemeldungen in einer Modezeitschrift veröffentlicht, sitzt definitiv im falschen Zug. Zwar besagt eine Redewendung, dass der Weg das Ziel ist – auf den Marketing-Prozess trifft dies allerdings nicht zu. Hier ist entscheidend, das Ziel im Vorfeld zu kennen, um die richtigen Mittel und Wege zu finden, es zu erreichen. Deshalb ist es nützlich, zunächst einige Fragen zu beantworten:

  • Wo steht das Unternehmen aktuell im Vergleich zu den Mitbewerbern?
  • Was zeichnet es aus und was ist seine Philosophie?

Ein klares Profil grenzt ab und bringt die Vorteile der Unternehmensprodukte für den Kunden verständlich auf den Punkt. Das ist auch wichtig, um konkrete Marketingziele einzugrenzen, damit das Interesse bei der Zielgruppe angeregt wird und zur Steigerung des Bekanntheitsgrades und Imageaufwertung beiträgt. Marion Oberparleiter von der Ettlinger Agentur KOKON – Marketing mit Konzept! sagt:

„Durch die richtigen Inhalte und aufeinander abgestimmte Maßnahmen wird Nachhaltigkeit im Marketing erreicht. Damit ist nicht nur Beständigkeit in den Inhalten gemeint, sondern auch die regelmäßige Präsenz des Unternehmens in der Öffentlichkeit.“

Was ist realistisch?

Genauso wenig, wie es machbar ist, innerhalb einer halben Stunde von Karlsruhe an die Ostsee zu fahren, kann man von einem Marketingkonzept erwarten, dass es ein unbekanntes Unternehmen innerhalb einer Woche zur bekannten Marke macht. Deshalb sollten die Ziele gut durchdacht sein und nicht nur das Endergebnis, sondern ebenso kurz- bis mittelfristig erreichbare Teilziele beinhalten.

Realistische Ziele sind in dem gesteckten Zeitrahmen mit einem gewissen Einsatz auch erfüllbar. Jedoch stellen allzu pessimistisch formulierte Vorhaben keine Herausforderung dar und verführen dazu, sich mit vermeintlichen Erfolgen zufriedenzugeben, die unterhalb des Möglichen liegen. Auch für die gewünschten Teilergebnisse ist eine präzise Richtungsangabe hilfreich. So gibt eine Formulierung wie „In 6 Monaten sollen sich die Page Impressions auf der Unternehmens-Website verdoppelt haben“ konkretere Hinweise für die Durchführung von Marketing-Maßnahmen als „Demnächst sollen sich die Page Impressions auf der Website erhöhen“. Nur durch die genaue Definition dessen, was erreicht werden soll, kann am Ende auch der Erfolg gemessen werden.

Wie kommen wir ans Ziel?

Ist die Zielsetzung ausformuliert und beinhaltet in regelmäßigen Abständen zu erreichende Teilergebnisse? Dann geht es darum, zu beurteilen, mit welchen Mitteln diese erreicht werden. Um dem Marketingziel ein Stück näher zu kommen, ist die Stoffsammlung und Auswahl der geeigneten Instrumente wichtig. Dazu gehören Einzelereignisse genauso wie kontinuierliche Aktionen.

Das Budget sollte realistisch auf die einzelnen Maßnahmen verteilt werden, um gegebenenfalls die Prioritäten der Instrumente und Maßnahmen zu verfeinern und bei der Erfolgskontrolle Vergleiche ziehen zu können. Dabei ist es hilfreich, bisher erfolgreiche Aktionen zu stärken und sich zu überlegen, welche konkreten Ergebnisse man von welchen Investitionen erwarten kann. Marion Oberparleiter erklärt:

„Gutes Marketing erfordert eine beharrliche Koordination, Anpassung und Umsetzung. Die Bestimmung eines Verantwortlichen für diese Aufgabe sorgt dafür, dass die gesteckten Ziele konsequent verfolgt und damit auch erreicht werden.“

Quelle: Agentur KOKON

Pressearbeit: Wie Firmen mit redaktioneller PR punkten

In der Mehrheit der Pressestellen deutscher Unternehmen herrscht „Ahnungslosigkeit über die Bedürfnisse der Medien“. Zu dieser Feststellung gelangte die Kommunikationsberatung Wiegand & Wiegand Media Services – heute Wiegand & Wiegand - die Auftrittsberater – schon 2002. Mit einer Online-Befragung unter 291 Journalisten konnte das Unternehmen damals zeigen, dass die Redaktionen alles andere als glücklich sind mit der Pressearbeit vieler Firmen. Der Blick „für journalistische Bedürfnisse“ fehle, Pressestellen und Journalisten seien sogar vielfach wie Feuer und Wasser, resümierte Geschäftsführer Wolf Achim Wiegand über die Studienergebnisse.

Und heute? Haben die Unternehmen seitdem dazugelernt? Gewisse Zweifel sind nach wie vor angebracht. Diese Einschätzung speist sich etwa aus den Ergebnissen einer Journalistenumfrage aus dem Jahr 2009, die die Deutschen Journalisten Dienste (djd) unter rund 270 Journalisten der Ressorts Verbraucher- und Servicethemen durchführte. „Nicht geliebt, aber gebraucht“, so das Fazit der Umfrage. Konkret bedeutet das: PR-Infos sind dann willkommen, wenn deren Nutzen stimmt und sie die Arbeit der Redakteure erleichtern. Mangelt es jedoch am Nachrichtencharakter, sind die Texte gespickt mit nicht nachvollziehbaren Superlativen oder wird ein Unternehmens- oder Produktname mehrfach genannt, dürfte sich so manches Redakteurshaar zu Berge stellen.

Ein Fachartikel ist weder ein Anwenderbericht noch eine Success Story

Eine professionell organisierte Pressearbeit eines Unternehmens orientiert sich an den Bedürfnissen der jeweiligen Redaktionen und weiß, welche Beitragsarten für welche Medien infrage kommen. So stellt sich zumindest die Theorie dar, aber es mangelt hier und da an der praktischen Umsetzung. Besonders deutlich lässt sich dies an der Verwendung der gängigen Textsorten Fachartikel, Success Story und Anwenderbericht zeigen. Gerade der Fachartikel als fachjournalistische Textsorte wird sehr oft als etwas „missbraucht“, das er im Grunde gar nicht ist – nämlich weder Success Story, noch Anwenderbericht und schon gar nicht Produktbericht. Hier scheint Aufklärung angezeigt, denn diese Textsorten sind im Sinne einer professionellen und Image fördernden Pressearbeit scharf voneinander zu trennen.

Fachartikel, Success Stories oder Anwenderberichte haben aus Sicht der PR eine andere Urintention als die journalistische Information. Sie werden geschrieben und zur Veröffentlichung angeboten, um bestimmte Unternehmensinteressen zu vertreten und sind in aller Regel Bestandteil einer größeren PR-Kampagne. Das ist nicht weiter verwerflich, würde dem Fachartikel in der Rolle einer fachjournalistischen Textsorte von gewieften Pressestellen oder Marketingabteilungen nicht häufig ein anderes Label verpasst.

Hierzu ist anzumerken: Manche PR-Abteilungen lancieren Beiträge ganz bewusst unter dem Deckmantel Fachartikel, weil sie glauben, so schneller zu Platzierungen in der Fachpresse zu gelangen. Diese Unternehmen gehen bewusst von einer mangelnden Skepsis beziehungsweise Kritikfähigkeit seriös arbeitender Fachredaktionen aus, die in aller Regel sehr wohl zwischen den gängigen Genres zu unterscheiden wissen. Der beabsichtigte Lerneffekt dieses Beitrags sollte für diese Art von Unternehmen also eher gering ausfallen. Alle anderen sollten nach der Lektüre Fachartikel von Success Story und Anwenderbericht unterscheiden können – und dies im Sinne einer imageadäquaten Pressearbeit auch versuchen umzusetzen.

Fachartikel und Anwenderbericht als journalistische Spezialfälle

Fachartikel und Anwenderbericht gehören idealtypisch zu Spezialfällen des journalistischen Berichts. Hier überwiegen der Nachrichtencharakter und die Objektivität der Darstellungsform. Indes haben Meinungen des Autors in diesen Texten nichts verloren. Fachartikel, Anwender- und auch Produktbericht müssen also die typischen W-Fragen eines Berichts beantworten:

  • Wer?
  • Was?
  • Wie?
  • Wann?
  • Warum?
  • Wo?

Doch im Gegensatz zur bloßen Nachricht gehen diese Textsorten in ihrem Inhalt weiter. Sie erhellen Zusammenhänge, stellen Hintergründe vor und schildern allgemeine oder – wie im Beispiel des Anwenderberichts – auch konkrete Problemstellungen. Fachartikel und Anwenderbericht lassen sich außerdem dem sogenannten Nutzwertjournalismus zuordnen. Leser und auch potenzielle Kunden erfahren über die erfolgreiche Platzierung eines Beitrags, von welchem Genre auch immer, Hintergrundinformationen, bekommen Entscheidungshilfen geliefert und Ursachen von Problemen und deren Lösungen aufgezeigt.

Soweit der allgemein verbindende Charakter dieser Textsorten. Doch worin unterscheiden sich Fachartikel und Anwenderbericht eigentlich konkret? In der Praxis gibt es durchaus Mischformen, sodass eine Abgrenzung der einzelnen Genres voneinander geboten erscheint. Dabei kommt dem Fachartikel eine durchaus prominente Sonderstellung zu. Nicht von ungefähr schreibt Jörg Forthmann, geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Kommunikationsagentur Faktenkontor, im „Praxishandbuch Public Relations“ von der „Königsdisziplin“ Fachartikel, der nicht einfach zu platzieren und noch schwieriger zu schreiben sei. Vor allem sei es sprachlich wichtig, sich auf dem Niveau des Fachjournalisten und seines Mediums zu bewegen. Eine Herausforderung, vor der viele Unternehmen in die Knie gehen und stattdessen einfach Erfolgsstories oder sogar Produktberichte anbieten.

Fachartikel: Umfangreich, neutral, hohes fachliches Niveau

Die Antwort, was unter einem Fachartikel als fachjournalistische Textsorte tatsächlich zu verstehen ist, ist die Journalismus-Forschung bis heute schuldig geblieben. Daher liegt der Schluss nahe, dass die Ursache für den vielfältigen Missbrauch seines Labels gerade im Fehlen einer allgemeingültigen Definition zu suchen ist. Trotzdem lassen sich dem Fachartikel im journalistischen Koordinatensystem einige zentrale Merkmale zuordnen – Merkmale, die ihn von einem reinen PR-Text unterscheiden. Fachartikel kennzeichnen folgende Eigenschaften:

  • Mehrere DIN-A4-Seiten lang
  • Neutrale, objektive Darstellungsform
  • Hohes fachliches Niveau
  • Behandlung einer Fragestellung aus problemorientierter Perspektive
  • Auseinandersetzung mit einer generellen Fachthematik
  • Favorisiert kein einzelnes, herstellergebundenes Produkt
  • Geht nicht von einer kundenspezifischen Implementierung aus
  • Kann auch ein Grundlagen- oder Übersichtsartikel sein
  • Relativ hoher Nutzen für den Leser

Lesern und potenziellen Kunden bietet ein Fachartikel also nur dann einen entsprechenden Mehrwert, wenn er die eben genannten Voraussetzungen erfüllt. Als Fachartikel getarnte Erfolgsgeschichten oder Produktberichte sind hingegen bestenfalls dafür geeignet, Redakteure zu verärgern – und künftige E-Mails mit neuen Artikelangeboten vielleicht sogar ohne Würdigung eines Blickes spontan in den Papierkorb zu befördern. So kann das, was ursprünglich als durchaus sinnvolle PR-Strategie geplant war, schnell zum ungeliebten Bumerang in Sachen Unternehmensimage werden.

Anwenderbericht: Die Sicht des Kunden

Einige Unternehmen scheinen mit der Bedeutung der Begriffe Auftraggeber und Auftragnehmer ihre lieben Probleme zu haben. Wie wäre es sonst zu erklären, dass nicht wenige Anwenderberichte als Success Stories daherkommen, in denen die Vorzüge von Produkten des Anbieters in den Vordergrund gerückt werden? Das kritische Fachpublikum wird diesen Etikettenschwindel allerdings recht schnell erkennen, denn schließlich ist ein Anwenderbericht das, was er im wahrsten Sinne des Wortes bedeutet: ein Bericht eines Anwenders. Ein Praxisbeispiel, das bei der Recherche zu diesem Beitrag auf der Webseite eines Anbieters für Lohnbuchhaltungssoftware gefunden wurde, soll die zentralen Bestandteile dieser fachjournalistischen Textsorte aufzeigen:

  • Ausgangsüberlegung
  • Probleme
  • Implementierung
  • Resümee

Den Kunden und Anwender der Software des Anbieters plagten vor deren Implementierung hohe Zusatzkosten für Updates und Beratungsaufwand im Rahmen eines Lizenzvertrages. Außerdem bereitete die bisherige Lohnbuchhaltungssoftware unter anderem Probleme bei der elektronischen Entgeltabrechnung ELENA. Die Folge: Das Unternehmen strebte einen Wechsel der Softwarelösung an – und hatte Erfolg. Mit der neuen Lösung – der Produktname wird an dieser Stelle aufgrund nicht beabsichtigter Werbung verschwiegen – entschied es sich laut eigener Aussage für eine anwenderfreundliche Variante mit selbsterklärenden Menüs sowie über Telefon direkt erreichbare Support-Mitarbeiter. Hinzu kam ein Einsparpotenzial bei den Softwarewartungskosten von einigen Tausend Euro pro Jahr. Das Resümee des Anwenders: Für Unternehmen kann es sich lohnen, das jährliche Budget für die Lohnbuchhaltungssoftware auf den Prüfstand zu stellen und eventuell auch den Anbieter zu wechseln.

Hier ist deutlich die Handschrift des Anwenderberichts erkennbar: Die Ausgangslage bildete eine konkrete Problemstellung, nämlich das Handling der bisherigen Lohnbuchhaltungssoftware. Eine Lösung musste her, und so entschied man sich für einen neuen Anbieter, der den Auftrag zufriedenstellend umsetzte. Die Vorzüge dieser Lösung werden daraufhin dem Leser direkt präsentiert und deren Nutzen dargelegt. Dies ist der eigentliche Sinn des Anwenderberichts, denn eine bestimmte Implementierung könnte ja auch für andere potenzielle Anwender interessant sein. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung beziehungsweise ein allgemeines Fazit.

Success Story: Vor allem ein Werbetext

Während Fachartikel und Anwenderbericht als fachjournalistische Textsorten gelten, lässt sich dies von einer Success Story nicht behaupten. Der Grund: Auch wenn eine Success Story, die ein erfolgreiches Produkt, Projekt oder Unternehmen beschreibt, wie der Anwenderbericht von einer konkreten Implementierung ausgeht, steht hier doch die Sicht des Herstellers beziehungsweise Anbieters im Mittelpunkt. Die zentrale Frage: Warum wurde gerade Produkt X ausgewählt und welche wirtschaftlichen Vorteile konnten beim Kunden damit erzielt werden? Kennzeichen, die eindeutig einem Werbetext zuzuordnen sind. Dies können zum Beispiel Steigerungen beim Umsatz oder auch eine Effizienzsteigerung bei bestimmten Prozessen sein. Folgende Eigenschaften bringt die Success Story mit:

  • Selten länger als zwei oder drei DIN-A4-Seiten
  • Ein-Quellen-Text und damit keine journalistische Darstellungsform
  • Fehlende Objektivität und Unparteilichkeit

Zurecht bemerkt Manfred Weise in seinem Beitrag „Die Genres – Fachjournalismus und Fach-PR mit unterschiedlichen Interessen“ jedoch, dass selbst „ein Mehr-Quellen-Text keine hinreichende Bedingung für Objektivität“ ist. Längst würden Firmen und Hersteller in ihren Pressetexten Zitate mitliefern, in denen Anwender und sonstige Spezialisten das eigene Produkt loben. Auf diese Weise würde versucht, einen allgemeinen Recherchebericht vorzutäuschen.

Aus Marketingsicht haben sowohl Fachartikel als auch Anwenderbericht und Success Story ihre jeweils eigene Berechtigung. Allerdings sollten sie auch als solche verfasst und den jeweiligen Medien angeboten werden, die diese Textsorten auch tatsächlich abdrucken. Nichts sollte peinlicher für ein Unternehmen sein, als von einer Redaktion mit dem Argument abgespeist zu werden, beim eingereichten Beitrag handele es sich nicht um einen Fachartikel, sondern eher um einen Anwenderbericht oder eben eine Success Story. Unternehmen können hier leichtsinnig Kredit verspielen, wenn sie bewusst die redaktionellen Spielregeln übergehen.

Ausgangsfrage bei einer PR-Arbeit mit Fachartikeln, Anwenderberichten oder Success Stories sollte somit immer sein, welche Intention mit dem Verfassen eines solchen Beitrags verfolgt wird: Soll wie beim Anwenderbericht ein Kunde zu Wort kommen und ausgehend von einer allgemeinen Problematik eine konkrete Implementierung beschreiben? Soll die erfolgreiche Umsetzung eines Projekts oder die Implementierung eines Produkts beim Kunden im Vordergrund stehen und die Vorteile davon aufgezeigt werden? Oder wird vielmehr angestrebt, sein Expertenwissen durch eine allgemeine und neutrale Auseinandersetzung mit einem wirtschaftlichen Branchenthema darzulegen?

Ganz gleich, mit welcher Intention der jeweilige Beitrag verfasst wird – ein Unternehmen sollte sich über die unterschiedlichen Bedeutungen von Fachartikel, Anwenderbericht und Success Story und ihrer Verortung im journalistischen Koordinatensystem im Klaren sein. Erst wenn dies der Fall ist und es gleichzeitig reflektiert, welche Rolle ein solcher Beitrag für die eigene PR-Arbeit einnimmt, werden Fehler vermieden und Fachartikel nicht als Anwenderbericht oder Erfolgsstory und umgekehrt verkauft.

Dann ist die Gefahr gebannt, den sowieso schon unter Zeitdruck stehenden Redaktionen Beiträge wahllos nach dem Gießkannenprinzip anzubieten. Der Schlüssel liegt also auch hier in einer planvollen beziehungsweise methodischen und vor allem ehrlichen Pressearbeit, die für das eigene Unternehmensimage nur von Vorteil sein kann.

Bild: Manfred Weise: Die Genres – Fachjournalismus und Fach-PR mit unterschiedlichen Interessen, in Günter Bentele: PR für Fachmedien. Professionell kommunizieren mit Experten, UVK 2006

Werbemittel: Das sind die Vorteile von Flyern

Die Vorteile im Detail:

Flexibel

Flyer eignen sich für viele verschiedene Organisationen und Anbieter: Unternehmen, Freiberufler, Ämter, Verbände in diversen Branchen. Ebenso können Sie eine Flyer-Aktion zu den unterschiedlichsten Anlässen durchführen, zum Beispiel zum Vermarkten eines neuen Produktes, zur Eröffnung einer neuen Filiale, zur Ankündigung eines Sonder-Verkaufs etc

Handlich

Zu den größten Stärken eines Flyers zählt sein kleines Format. Der Leser kann ihn problemlos einstecken, abheften, weiterreichen. Und ist dabei unabhängig von Internet und Strom.

Vielseitig

Flyer sind einfach zu verteilen – per Post, im persönlichen Gespräch, in Läden und Firmenfoyers oder in Briefkästen. Außerdem können Sie sie Produkten ebenso leicht beilegen wie Katalogen, Imagebroschüren oder Mailings. Nicht zu vergessen die Verwendung als leave behind, zum Beispiel bei persönlichen Gesprächen auf Fachmessen.

Preiswert

Flyer sind billiger als Broschüren, Plakatwerbung oder Anzeigen. Das heißt natürlich nicht, dass Sie bei Konzeption, Grafik und Bildmaterial sparen sollten. Aber Sie können einen Flyer leicht an Ihr Corporate Design anpassen und meist werden Sie auf ohnehin bereits vorhandene Fotos zurückgreifen.

Informativ

Natürlich kann ein Flyer nicht so ausführlich über Ihr Unternehmen informieren wie eine Webseite oder eine Broschüre. Aber er kann mehr verkaufsfördernde Infos transportieren als eine Anzeige oder ein Plakat. Der Flyer lädt den Leser ein, mehr über Ihr Angebot zu erfahren - sei es durch einen Besuch in Ihrem Geschäft oder das Anfordern eines Kataloges.

Schnell produzierbar

Vom Konzept bis zum Druck dauert es meist nur wenige Wochen. Mit einem Flyer können Sie also z. B. schnell auf den Launch eines neuen Produktes oder einer neuen Dienstleistung reagieren. Oder auf einen Messebesuch, den Sie noch rasch einschieben möchten und an dem Ihre geplante Broschüre noch nicht fertig ist.

Aktivierend

Ein Flyer enthält meist wenig Text und viele Bilder. Der Text ist leicht verständlich, informiert in wenigen, aber treffenden Worten über das Wesentliche und fordert den Leser zum Handeln auf – zum Beispiel zum Vereinbaren eines Beratungstermins. Diese handlungsfördernde Wirkung wird verstärkt, wenn der Leser den Flyer als Gutschein verwenden kann oder wenn Sie eine praktische Antwortkarte in den Flyer integrieren.

Messbar

Wenn Sie den Flyer mit einem Gutschein-Code für Ihren Online-Shop oder einer Antwortkarte versehen, können Sie leicht feststellen, wie viel Neugeschäft bzw. Anfragen Ihnen der Flyer gebracht hat.

Rasch wirksam

Flyer können – abhängig von der Branche – ein schnelles Handeln des Lesers bewirken. Verglichen mit Marketinginstrumenten wie PR-Artikel können Sie mit einer raschen Reaktion rechnen – vorausgesetzt, Sie versehen Ihren Flyer mit einer deutlichen Handlungsaufforderung, idealerweise ergänzt durch eine Rabatt-Marke oder Ähnliches.

Treffsicher

Mit Flyern können Sie Ihre Zielgruppe ohne größere Streuverluste erreichen – sofern Sie die Zielgruppe eng genug definiert haben. Gleichzeitig wirken sich die unvermeidlichen Streuverluste nicht allzu negativ auf Ihr Budget aus – schließlich lassen sich Flyer relativ preiswert herstellen.

So gelingen Text und Konzept ...

Sie planen einen Flyer? Wissen aber nicht so recht, wie Sie ihn aufbauen sollen? Oder worauf es beim Texten ankommt?

Die Antworten liefert die Autorin in Starke Flyer [52] , dem praxisorientierten eBook.

Zusammenhangsanalysen: Mitarbeiter- und Kundenbefragungen miteinander verbinden

Die Zufriedenheit und Motivation Ihrer Mitarbeiter hat spürbaren Einfluss auf die Zufriedenheit Ihrer Kunden. Das ist schon seit Längerem erwiesen. „Je motivierter meine Mitarbeiter sind, desto mehr engagieren Sie sich auch für den Kunden.“ Klar! Eine Binsenweisheit. Aber wer von Ihnen hat sich bereits damit beschäftigt, was sich im Einzelnen hinter dieser scheinbar so klaren Aussage für Ihr Unternehmen, für Ihre Mitarbeiter und für Ihre Kunden verbirgt? Welche Faktoren der Mitarbeiterzufriedenheit wirken sich wie auf die Zufriedenheit Ihrer Kunden aus? Welche Rolle spielt die Stimmung in Ihrem Unternehmen? Welche die Bezahlung? Welche die Unternehmenspositionierung?

Als Marketing- oder Vertriebsverantwortlicher tragen Sie und Ihr Team eine hohe Verantwortung für die Kundenzufriedenheit. Gleichzeitig steht fest, dass die Mitarbeiterzufriedenheit hohen Einfluss auf die Zufriedenheit der Kunden hat. Aber: Wissen Sie, welche Faktoren in Ihrem Unternehmen den entscheidenden Einfluss auf die Kundenzufriedenheit haben? Nun einfach zu sagen „Je zufriedener unsere Mitarbeiter, desto zufriedener unsere Kunden.“, ist nicht effizient. Warum? Weil sich nicht jeder Motivationsfaktor entsprechend positiv auf die Kundenzufriedenheit auswirkt.

Großer Zusammenhang zwischen Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit nachgewiesen

Eine aktuelle Untersuchung* hat eine Reihe von Stellhebeln ermittelt, von denen man annehmen kann, dass sie für jedes Unternehmen gelten. Danach haben vor allem die folgenden Aspekte der Mitarbeitermotivation gleichzeitig hohen Einfluss auf die Kundenzufriedenheit:

  • Das Vertrauen in das Management
  • Die empfundene Gerechtigkeit im Unternehmen
  • Gemeinsam gelebte Werte
  • Der Grad der Identifikation
  • Die Qualität der Einarbeitung neuer Mitarbeiter
  • Die Zufriedenheit mit der Bezahlung
  • Die Qualität der Zusammenarbeit im Unternehmen / die Kollegialität

Die vorliegende Untersuchung hat jedoch auch gezeigt, dass es darüber hinaus wichtige unternehmensspezifische Faktoren der Mitarbeitermotivation gibt, die hohen Einfluss auf die Kundenzufriedenheit haben. Dies können zum Beispiel Faktoren sein, die sich aus Ihrer Branche, der Wettbewerbssituation oder der Positionierung Ihres Unternehmens ergeben.

Außerdem ist die nötige Ausgestaltung der oben genannten allgemeinen Faktoren in jedem Unternehmen sehr verschieden. Eine sehr hohe Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen kann sich beispielsweise in dem einem Unternehmen sehr positiv auf die Kundenzufriedenheit auswirken, in einem anderen Unternehmen jedoch sogar kontraproduktiv sein, wenn Mitarbeiter beispielsweise zu sehr produkt- und unternehmensorientiert und nicht mehr kundenorientiert denken und handeln. Was also ist der „richtige“ Grad an Identifikation für Ihr Unternehmen? Wie viel Vertrauen brauchen Sie in Ihrem Unternehmen? Welche gemeinsamen Werte sollten von Ihren Mitarbeitern gelebt werden?

Wie kommen Sie an diese wertvollen Informationen für Ihr Unternehmen?

Indem Sie dafür sorgen, dass die Kunden- und Mitarbeiterbefragungen zukünftig nicht mehr völlig unabhängig voneinander durchgeführt werden. Das Hauptproblem ist nämlich, dass die meisten Unternehmen heute zwar beide Befragungen durchführen, diese aber nicht aufeinander abstimmen und meist auch in den Ergebnissen nicht übereinanderlegen. Genau das sollten Sie für Ihr Unternehmen ändern. Bringen Sie die Verantwortlichen aus Geschäftsführung, Personal, Marketing, Vertrieb etc. an einen Tisch, um die beiden Umfragen zumindest in wesentlichen Teilen aufeinander abzustimmen.

Sie fürchten einen zu hohen Aufwand?

Keine Sorge. In aller Regel liegen die beiden Befragungen gar nicht so weit auseinander, sondern es ist mit erstaunlich geringem Aufwand möglich, echte Zusammenhangsanalysen durchzuführen. Das Thema wurde bisher nur einfach nie angepackt, weil die Zuständigkeiten verteilt sind und kein gemeinsames Interesse besteht. Als Verantwortlicher in Marketing oder Vertrieb liegt es jedoch absolut in Ihrem Interesse, beide Analysen aufeinander abzustimmen.

Denn Sie erhalten wertvolle Informationen für Ihre Arbeit. Ein weiterer Mehrwert für Sie: Indem Sie klare Fakten für den Zusammenhang zwischen Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit ermitteln, generieren Sie produktive „Schützenhilfe“ aus anderen Unternehmensbereichen für die Erreichung Ihrer Kundenzufriedenheits- und Kundenbindungsziele. Die Geschäftsleitung, die Personalverantwortlichen, das Change Management unter anderem werden darauf fokussiert, gezielt in die Mitarbeiterzufriedenheitsfaktoren zu investieren, die positive Wirkungen auf den Kunden und damit auf den Unternehmenserfolg haben.

Impuls:

Sehen Sie sich die Mitarbeiter- und Kundenbefragungen Ihres Unternehmens aus den letzten Jahren an. Sehen Sie bereits Ansatzpunkte für eine Zusammenhangsanalyse? Wenn Sie Vertriebsverantwortlicher sind, verbünden Sie sich mit dem Marketing und umgekehrt. Listen Sie gemeinsam die Punkte auf, die geändert werden sollten (zum Beispiel zeitlich parallele Durchführung der Befragungen, bestimmte Ergänzungen oder Umformulierungen einzelner Fragen für eine bessere Vergleichbarkeit).

Stellen Sie diesem (wahrscheinlich überschaubaren) Aufwand den gesteigerten Nutzen durch eine Abstimmung beider Umfragen für das Unternehmen gegenüber. Mit diesen Argumenten gehen Sie auf alle für die Befragungen Zuständigen zu und bitten um eine konstruktive Diskussion über Veränderungen. Binden Sie dabei unbedingt von Anfang an die Geschäftsleitung ein: Für sie liefern beide Umfragen wichtige Kennzahlen, sind jedoch auch mit relativ hohen Kosten verbunden. Fundierten Argumenten, wie diese Befragungen ohne großen Aufwand noch effektiver werden können, wird jede Geschäftsleitung daher offen gegenüber sein.

Sollte es schwierig sein, alle Beteiligten zur Zusammenarbeit zu motivieren, sollten Sie sich persönlich nicht zu weit „aufs Mienenfeld“ begeben. Ihre Kollegen könnten sich in ihren Kompetenzen angegriffen fühlen und Sie auf Ihre Zuständigkeiten verweisen. Dann brauchen Sie die Geschäftsleitung als Verbündeten. Außerdem sollten Sie sich in diesem Fall unbedingt neutrale Unterstützung von außen suchen: Ein Berater, der über Erfahrungen sowohl im Thema Mitarbeitermotivation als auch im Bereich Kundenzufriedenheit verfügt, kann diesen Prozess für Sie moderieren und gleichzeitig neue Impulse von außen liefern. Damit Sie Ihre Arbeit zukünftig auf sinnvollen Zusammenhangsanalysen aufbauen können.

*Quelle: „Zufriedene Mitarbeiter, zufriedene Kunden“, in: 09/2010 www.personalwirtschaft.de; die Untersuchung wurde durchgeführt von YouGovPsychonomics bei HAVI Logistics, die den Zusammenhang von Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit speziell für ihr Unternehmen ermitteln wollten.

Marketingstrategie: So gelingt effektives Marketing mit geringem Budget

Die Käufer bestimmen heute die Spielregeln

Marketing war schon immer teuer. Werbung, Messen, Pressearbeit haben viel Geld gekostet und Unternehmen wussten nie genau, was die Investition eigentlich bringt. Aber ganz darauf verzichten konnten sie auch nicht, weil sie davon ausgehen mussten, dass die potenziellen Kunden den Weg über die weiten Meere des Marktes ohne einen Leuchtturm nicht finden würden.

Das Internet hat dieses Prinzip zwar nicht außer Kraft gesetzt, aber die Wege der Käufer grundsätzlich verändert. Heute will niemand mehr Werbebotschaften empfangen, Massen-E-Mails werden ausgefiltert. Die Käufer haben einen sicheren Sinn dafür entwickelt, welche Aussage ein verstecktes Verkaufsversuch und welche unabhängige und wertvolle Information ist. Wenn sie sich über Angebote informieren möchten, geben sie ihre Fragen in Google oder in sozialen Medien ein. Sie glauben dem Hinweis eines enttäuschten Kunden in einem Forum mehr als allen Marketingbotschaften des Herstellers zusammengenommen.

Die Kunst des Marketings besteht zunehmend darin, im Internet gefunden zu werden und dann ein attraktives und vor allem kompetentes Bild abzugeben. Der Push-Kanal verliert damit seine Wirksamkeit. Der Pull-Kanal erfordert eine ganz andere Strategie. Wie wird man also gefunden? Wie wirkt man kompetent?

Wer findet, der kauft

Das erste Ziel ist, bei Google auf der ersten Seite angezeigt zu werden. Suchmaschinenoptimierung (SEO) kann zwar beliebig komplex betrieben werden, aber die wichtigsten Regeln lassen sich in wenigen Punkten zusammenfassen. Für jede einzelne Internetseite muss man die richtigen Suchbegriffe wählen, sie auf diese Suchbegriffe optimieren und dafür sorgen, dass andere Webseiten auf diese Internetseite verlinken. Es sind vor allem Gedankenarbeit, Kreativität und Fleiß, die grundsätzlich ohne ein Budget auskommen.

Ein sehr gutes Mittel, viele solche Internetseiten zu erstellen, ist es, einen Blog zu schreiben. Gleichzeitig ist es eine hervorragende Gelegenheit, die Kompetenz des Anbieters zu präsentieren. Die Artikel in diesem Blog müssen regelmäßig publiziert werden, was Aufwand bedeutet. Wenn man aber mehrere Spezialisten im Unternehmen daran beteiligt und die Inhalte, die in jedem Unternehmen täglich entstehen, geschickt wiederverwendet, kann man auch als relativ kleiner Anbieter diese Aufgabe meistern. Ein spezielles Budget braucht ein Blog nicht unbedingt.

Auch die Firmenwebsite braucht interessante Inhalte. Hier kommt es darauf an, die Aufmerksamkeit augenblicklich zu gewinnen und das Interesse mit wertvollen und attraktiv präsentierten Inhalten zu steigern. Gut geeignet dafür sind Videos, Webinare, eBooks oder White Papers. Auch ein Test, Demo, die Möglichkeit, ein Gespräch oder einen Chat zu führen, und ein klares Call-to-Action sind extrem hilfreich. Dies sind wieder alles Maßnahmen, für die nicht unbedingt Geld ausgegeben werden muss.

Das Video ist unter Umständen etwas, das man durch eine externe Agentur erstellen lassen möchte. Dabei kommt es allerdings, im Gegensatz zu den Beschwörungen der Video-Anbieter, nicht auf teure, aufwendig realisierte Filme an. Das Ziel auch hier heißt nicht Werbung, sondern relevanter Inhalt. Außerdem gewinnen einfache Filme das Vertrauen der potenziellen Käufer eher als perfekt aussehende Werbebotschaften. Für die Herstellung des Videos wollen wir aber trotzdem 1.500 von den geplanten 10.000 Euro ausgeben.

Der moderne Marketing-Mix

Marketing hat vier grundsätzliche Aufgaben:

  1. Aufmerksamkeit der potenziellen Käufer gewinnen (Demand Generation und Lead Generation)
  2. Interesse der Kunden steigern (Lead Nurturing)
  3. Übergabe an Vertrieb und Vertriebsunterstützung
  4. Bestandskundenmarketing.

Das meiste Geld wird für die beiden ersten Aktivitäten ausgegeben, die man als Nachfragegenerierung bezeichnen kann. Deswegen widmen wir uns vor allem ihnen.

Auch eine moderne und schlanke Nachfragegenerierung enthält nicht nur Internetaktivitäten. Sie besteht aus zwei grundsätzlichen Online-Komponenten, enthält aber auch Offline-Bestandteile.

Die Online-Komponenten sind:

  • Online-Pull-Kanal (Inbound-Marketing) wie oben kurz erläutert
  • Online-Push-Kanal, zum Beispiel E-Mail-Kampagnen

Die zwei immer noch wichtigen traditionellen Marketing-Komponenten sind:

  • Verkaufsförderung, Messen, Veranstaltungen für Kunden und Interessenten
  • Referenzen und Empfehlungen (Word of Mouth)

Die Wirksamkeit der E-Mail-Kampagnen sinkt. Das ist aber kein Problem, weil sie durch die wachsende Effektivität des Inbound-Marketings mehr als kompensiert wird. Vor allem eine intelligente Anwendung von E-Mails in Lead-Nurturing-Kampagnen bringt sehr gute Resultate. Die Idee hier ist, alle neu gewonnenen Kontakte in Segmente aufzuteilen, sie gezielt mit relevanten Inhalten zu versorgen und dadurch in ihrem Kaufprozess zu eigenen Gunsten zu beeinflussen.

Gedruckte Broschüren mögen noch in einigen Branchen notwendig sein, sind allerdings heute meistens überflüssig. Nicht aber ihre Inhalte – sie werden in elektronischer Form weiterhin genutzt. Messen werden noch so lange ein Teil des Marketing-Mix bleiben, wie die Kaufinteressenten sie besuchen werden. Aber nicht die Größe oder das Prestige einer Messe oder Konferenz soll für die Teilnahmeentscheidung maßgeblich sein, sondern die Anzahl der potenziellen Käufer der konkreten Produkte des Anbieters, die zu der Veranstaltung kommen. Auch hier wiegt die gezeigte Kompetenz mehr als der schönste Messestand. Wird man zum anerkannten Experten in einem Bereich, wird man vielleicht zu einer Paneldiskussion eingeladen oder gebeten, einen Vortrag zu halten. Das ist viel wirkungsvoller als Verkäufer, die sich am Messestand die Beine in den Bauch stehen. Man wird aber mit einem, vielleicht nur kleinen, Stand vertreten sein müssen. Wir wollen zu unserem Budget greifen und dafür 8.500 Euro ausgeben.

Empfehlungen bilden im modernen Marketing-Mix eine immer größere Rolle. Der Hauptgrund dafür ist das exponenzielle Wachstum der sozialen Medien. Unternehmen dürfen diesen Bereich nicht dem Zufall überlassen. Sie müssen die relevante Kommunikation im Internet finden, beobachten und sich intelligent daran beteiligen. Für Marketing ist das eine neuartige Aufgabe, weil man in sozialen Medien keine Marketingbotschaften verbreiten darf, sondern als kompetenter und hilfreicher Gesprächspartner auftreten muss. Zu diesem Feld gehört auch das virale Marketing, das in manchen Branchen zu spektakulären Erfolgen führen kann.

Die bestehenden Kunden sind ein großes Kapital und sollen mit einer klugen Strategie an den Anbieter gebunden werden. Information über die Weiterentwicklung der Produkte, Erklärung der Strategie des Anbieters, die zur Wertsteigerung der bestehenden Geschäftsbeziehung beiträgt, sind wichtige Aspekte. Die Internettechnologie erleichtert aber auch die Kommunikation der Kunden untereinander. Der Anbieter ist gut beraten, eine Plattform dafür zu schaffen und den dort stattfindenden Dialog zu unterstützen. Das steigert den Nutzen aus der Geschäftsbeziehung für beide Seiten und bindet die Kunden stärker an den Lieferanten. Die technologische Plattform dafür darf einfach sein, weil der Wert für die Kunden im Inhalt, nicht in der Form liegt.

Geld oder Ideen

Wir kamen mit nur 10.000 Euro aus, weil wir voraussetzten, dass das Unternehmen eine bestehende Infrastruktur, Tools und die richtigen Leute hat. Das Spiel heißt nämlich „Geld oder Ideen“. Entweder gibt man viel aus für Werbung (ob traditionell oder im Internet, ist zunächst egal) und für Teilnahme an Veranstaltungen oder man bildet mit einer ausgeklügelten Strategie, viel Kreativität und Beständigkeit einen Online-Kanal, der die potenziellen Kunden anlockt und dann durch Kompetenz und Einsatz an den Anbieter bindet.

Dafür werden anderes Marketingverständnis, neue Fähigkeiten und Wissen benötigt. Das Unternehmen wird eine neue Marketingstrategie erarbeiten müssen. Unter Umständen werden auch einige Tools beschafft und die Website geändert. Diese Veränderung wird sicher auch zusätzliches Budget verbrauchen und Anstrengung kosten. Wenn Sie aber dafür Geld in die Hand nehmen, ist es eine Investition in die dauerhaften Fähigkeiten des Unternehmens und keine einmalige Ausgabe, die einen zweifelhaften und schlecht messbaren Nutzen bringt. Und in die Fähigkeiten der Mitarbeiter im Marketing muss sowieso stets investiert werden.

Social Media: Modeerscheinung oder nützliches Marketing-Instrument?

Weder das eine noch das das andere trifft vollkommen zu. Denn Social Media, also soziale Netzwerke im Internet,  bieten neben einigen Risiken auch große Chancen. Zwar ist die erwartete permanente Aktualität einiger Medien (zum Beispiel Twitter) gerade für kleinere Unternehmen kaum einzuhalten und auch die Tatsache, dass Fehler im Marketing für das gesamte Netzwerk ersichtlich und kommentierbar sind, ist nicht unbedingt von Vorteil. Aber andererseits kann die Dynamik der Netzwerke auch zu einer viralen Verbreitung einer Botschaft beitragen und das Unternehmen mit seinen Marken innerhalb kurzer Zeit bekannter machen.

Was ist sinnvoll?

Grundsätzlich gilt für die Online-Vermarktung dasselbe wie für alle Marketing-Maßnahmen: Planung ist die halbe Miete! Um zu vermeiden, dass das genannte Szenario eintrifft und es trotz der Bereitschaft für den Einsatz der Social Media an passenden Inhalten oder der nötigen Zeit für die Pflege der Seiten mangelt, müssen einige grundsätzliche Regeln beachtet werden, wie Marion Oberparleiter, Inhaberin der Ettlinger Agentur KOKON, aus Erfahrung weiß:

„Die Ziele der Marketing-Maßnahmen sollten klar definiert werden. Es muss geprüft werden, wie Social Media ins Gesamtkonzept passen und wie sie als sinnvolle Maßnahmen auf dem Weg zum Ziel eingesetzt werden können.“

Ebenso stellt sich die Frage, ob jedes Medium auch zum Unternehmen und zur Zielgruppe passt. Nicht für jeden ist eine Facebook-Seite oder Twitter sinnvoll, wenn die Zeit fehlt, Meldungen regelmäßig zu aktualisieren oder die Zielgruppe nicht stark genug in diesen Netzwerken vertreten ist. Oftmals leistet ein Xing-Profil zunächst bessere Dienste, um neue Kontakte zu knüpfen. Die Maßnahmen sollten einem konkreten Zweck dienen.

Welche Möglichkeiten gibt es für das Online-Marketing?

Facebook

Facebook, ein soziales Netzwerk zum Austausch unter Bekannten und Freunden, eignet sich vor allem dazu, zu erreichen, dass sich mehr Menschen mit einer Marke identifizieren, da für die Freunde des Nutzers sichtbar ist, was er mag und welcher Seite er als Fan folgt. Er trägt somit die Botschaften des Unternehmens in seinen Bekanntenkreis hinein und das ist erfolgsversprechend: denn was vertrauen wir mehr, als den Empfehlungen unserer Freunde?

Weiterhin kann die Erstellung eines Unternehmensprofils auf Facebook die langfristige Kundenbindung fördern, da Aktualisierungen und Neuigkeiten von  allen Fans der Seite verfolgt und kommentiert werden können. Lifestyleprodukte und bereits bekannte Marken haben zwar bei dieser Art der Vermarktung einen Vorteil, da diese eine leichtere Identifizierung erlauben, aber ein regelmäßiger Kundenkontakt mit der Möglichkeit, Resonanz zu erhalten, kann auch für mitteständische Unternehmen aus anderen Branchen interessant sein

Xing

Xing ist eine Plattform, die vor allem für den Aufbau von Businesskontakten genutzt wird. Die Kontaktaufnahme und das Knüpfen neuer geschäftlicher Verbindungen durch das Netzwerk stehen bei Xing im Vordergrund. Unternehmen können sich außerdem als attraktive Arbeitgeber positionieren, über Neuheiten informieren oder gezielt nach potenziellen Interessenten für ihre Produkte suchen.

ruppen und Foren zu verschiedenen Interessenbereichen bieten eine weitere wichtige, Möglichkeit mit zukünftigen Geschäftspartnern in Kontakt zu treten. Häufig werden auch persönliche Treffen organisiert oder es wird die Option genutzt, Gruppenmitglieder zu Messen einzuladen, auf denen das eigene Unternehmen vertreten ist. Dies ist besonders für den Mittelstand ein erfolgsversprechendes Medium  zur Neukundengewinnung. Auch  Empfehlungen und Verweise sind über Xing einfach zu tätigen.

Twitter

Twittern bezeichnet das Versenden kurzer Textmeldungen am Computer oder per Mobiltelefon in Echtzeit. Hier können aktuelle Entwicklungen oder Meinungen veröffentlicht und von anderen Nutzern kommentiert werden. Dabei kann sich der Nutzer entscheiden, ob er seine Nachrichten mit allen teilen möchte oder sie nur für bestimmte Gruppen freigibt. Die Nachrichten anderer Nutzer können abonniert werden und stehen so in einem Log in sortierter Form zur Verfügung. Aufgrund der Dynamik und ständigen Aktualität von Twitter ist diese Form der Social Media für kleinere Unternehmen nur dann geeignet, wenn genügend interessante aktuelle Kurzmeldungen zu verzeichnen sind.

Die Basis muss stimmen

Social Media sind zwar sehr moderne Mittel des Online-Marketings, doch bevor diese wirklich sinnvoll wirken können, müssen die Grundlagen stimmen. Die Webseite eines Unternehmens ist heute ein wichtiges Aushängeschild; oftmals wird die Qualität des Internetauftritts mehr oder weniger bewusst mit dem Image des Unternehmens in Verbindung gebracht. Eine unübersichtliche Webseite mit unvorteilhafter Farbauswahl macht keinen guten Eindruck. Selbst wenn die Facebook-Seite regelmäßig gepflegt wird und viele Kontakte gewinnen konnte, wirkt ein schlechter Internetauftritt dagegen unprofessionell. Zudem hat laut einer BitKom-Studie im Oktober dieses Jahres jedes fünfte Unternehmen noch keine eigene Webseite und verzichtet damit auf ein wichtiges Marketing-Instrument. Marion Oberparleiter erläutert:

„Die Prioritäten sollten bei der Planung also klar verteilt und die entsprechenden Maßnahmen je nach Dringlichkeit der Teilziele gewichtet werden.“

Als Teil einer Marketing-Strategie haben Social Media großes Potenzial – vorausgesetzt, sie werden strategisch geschickt und vor allem zielgerichtet eingesetzt.

Quelle: KOKON Marketingagentur

Werbemailing: Unternehmen wollen auf unpersönliche Kundenbriefe verzichten

Konkret meint derzeit nur noch ein Viertel der Sales- und Marketingprofis, dass die schriftliche Kundenansprache den heutigen Ansprüchen ihrer Adressaten entspricht. Alle anderen hingegen beurteilen die Frage, ob die bislang gewohnte schriftliche Kommunikation ausreichend persönlich ist, dagegen mit einem mehr oder weniger klaren Nein. So klar dieses Urteil ist, so vielfältig sind die Gründe, die von den Verantwortlichen im Kundenkontakt als Antwort auf das Warum genannt werden. So führen 62 Prozent an, dass ihnen keine Technik zur Verfügung steht, die einen individuelleren Inhalt in den Briefen oder elektronischen Nachrichten zulässt. Fast drei von fünf der Befragten geben gleichzeitig an, dass es ihnen an Investitionsmitteln mangele, um die Voraussetzungen für eine persönlichere Kundenansprache zu schaffen.

Aber mit unzureichender Technik allein werden diese Schwächen in der Kommunikation von den Befragten nicht erklärt. So geben 55 Prozent kund, ihnen habe es bislang a    uch an den erforderlichen Lösungsideen gefehlt, um zu einer persönlicheren Ansprache zu gelangen. Zudem haben offenbar auch organisatorische Hürden ihren Anteil daran. Außerdem gibt fast die Hälfte an, sich zu sehr auf die typischen Massenbriefe konzentriert zu haben, sodass die Bedürfnisse des einzelnen Kunden aus dem Fokus gerückt seien.

„Im gesamten Markt ist lange Zeit nicht selbstkritisch genug hinterfragt worden, wie schädlich dieser distanzierte Stil der Mitteilungen an die Kunden sein kann und ob sich mit dieser Kommunikationsqualität überhaupt noch eine ausreichende Wirkung erzielen lässt“,

kritisiert legodo-Vorstand Marc Koch. Als Folge würden die Unternehmen zunehmend in eine Akzeptanzfalle laufen. Wenn Adressaten den Eindruck bekämen, dass sich der Brief an sie nur durch Namen und Adresse von Tausenden anderen Kundenbriefen unterscheidet, würde er nicht mehr aufmerksam gelesen und teilweise gar nicht einmal mehr geöffnet werden.

Doch daran soll sich nach den Planungen der Vertriebs- und Marketingchefs schon bald etwas ändern. Zumindest drei von zehn Firmen messen diesem Thema aktuell eine hohe Priorität bei, für weitere 32 Prozent steht es demnächst auf der Agenda. Und als Zielsetzung definieren sie in großer Mehrheit sehr anspruchsvoll, dass die schriftliche Kundenkommunikation demnächst so persönlich wie gesprochen wirken soll. Koch sagt: 

„Diese umzusetzen ist weniger eine Frage von technischen Möglichkeiten, sondern es muss das Selbstverständnis in der Kundenkommunikation geändert werden.“

Zur Studie

Die Befragung fand unter 183 Unternehmen statt.

Quelle: legedo ag

Produktentwicklung: Produktgestaltung für jede Altersgruppe

In zwei Untersuchungen haben die Experten ermittelt, wie ältere und jüngere Nutzer mit einem DVD-Festplattenrekorder, einer Digitalkamera und dem "iPod Touch" sowie dem Multitouch-Tisch Surface umgehen. Dabei lösten die Probanden mit den Testgeräten Aufgaben wie "Ein Foto in der Dunkelheit aufnehmen". Usability Engineers beobachteten und befragten die Personen beim Bearbeiten der Aufgaben und werteten die Bedienprobleme aus.

Geringfügig mehr Probleme bei der interaktiven Bedienung

Sowohl mit den drei Alltagsgeräten als auch mit dem Surface hatten die älteren Teilnehmer größere Probleme als die Jüngeren. Die Unterschiede zwischen Alt und Jung sind jedoch nicht so gravierend, wie bisher angenommen. Das Alter spielt also bei der Bedienung interaktiver Produkte nur eine geringe Rolle.

"Beim Lösen der Aufgaben zeigten die Jüngeren zwar häufiger ein systematisches Vorgehen. Aber eine hoch ausgeprägte Ängstlichkeit gegenüber der Technik haben wir bei den Senioren nicht beobachtet. In beiden Altersgruppen gab es sowohl Personen, die unsicher und zögerlich handelten, als auch Teilnehmer, die sehr zielstrebig waren",

beschreibt Jenny Vayhinger, Usability Engineer bei UID und Mitautorin der Studie, das Verhalten der Testteilnehmer.

Auch bei den neuen Interaktionen mit dem Multitouch-Surface hatten die Älteren kaum bis geringe Probleme.
Bild: User Interface Design GmbH

Andere Erfahrungen und veränderte Verhaltensmuster als Ursache für die Bedienprobleme

Der Grund für die geringfügig größeren Bedienprobleme älterer Nutzer ist nicht ein mangelndes Interesse an Technik. Michael Burmester, Professor an der HdM und Mitautor der Studie weiß:

"Senioren sind nicht grundsätzlich technikfeindlich. Im Alter verändern sich vielmehr bestimmte Verhaltensmuster. Diese erschweren das Ausprobieren neuer Technik."

Zudem besitzen ältere Menschen ein anderes technisches Vorwissen. So hatten die älteren Testteilnehmer Probleme, eine Adresse in den "iPod Touch" einzutragen. Sie verstanden den Begriff "Kontakte" nicht, der beim "iPod Touch" für das Adressbuch verwendet wird. Die jüngeren Testteilnehmer kannten den Begriff hingegen aus dem Internet und von E-Mails.

"Design für Alle" statt spezieller Seniorenprodukte

Intelligente Lösungen für möglichst viele Altersstufen statt spezieller Seniorenprodukte – das empfiehlt die Studie den Herstellern interaktiver Produkte. Dabei sollten die interaktiven Geräte den Anforderungen älterer Menschen gerecht werden, ohne die Ästhetik zu vernachlässigen. So sind sie auch für Benutzer anderer Altersgruppen einfach und erfolgreich nutzbar. Burmester  erklärt:

"Von solchen Lösungen können alle Altersgruppen profitieren. Ältere Menschen sind damit ein guter Maßstab, um zu beurteilen, wie benutzungsfreundlich Produkte gestaltet sind."

Interfaces für Alt und Jung

Die Experten stellen in der Studie Hinweise zum Gestalten für spezielle Zielgruppen zusammen. Zwei der Tipps:

  1. Die Gestalter sollten Begriffe so wählen, dass sie den Erfahrungen der Benutzer im Umgang mit interaktiven Produkten entsprechen. Dadurch wird das neu zu erlernende Wissen reduziert und die Nutzung von Technik erleichtert.
  2. Darüber hinaus sollten nur die Informationen dargestellt werden, die zur Erfüllung der momentanen Aufgabe benötigt werden. Der Grund: Eine große Anzahl grafischer Elemente auf dem Bildschirm empfinden ältere Nutzer als belastend.

Hinweis

Hier gelangen Sie zum Download der Studie von UID und der HdM [53]

Quelle: User Interface Design GmbH

Dienstleistungsmarken: Einfluss der Marke auf Kaufentscheidungen hängt von der Produktkategorie ab

Für Dienstleistungen hat die Relevanz der Marken seit 2006 zum Teil erheblich zugenommen. Betrachtet man die zehn Kategorien mit der signifikantesten Veränderung, ist die Relevanz der Dienstleistungsmarken um durchschnittlich 28 Prozent gestiegen. Auch wenn Dienstleister im unmittelbaren Vergleich zu Warenanbietern bei der Markenrelevanz noch im Mittelfeld liegen, gibt die Aufwärtstendenz wichtige Hinweise für das Marketing. Jesko Perrey, Leiter der deutschen Marketing & Sales Practice von McKinsey, sagt:

"Die Verbraucher scheinen dem explosionsartig wachsenden Angebot an Dienstleistungen zu begegnen, indem sie sich auf Marken fokussieren. Marken dienen als Anker des Vertrauens und erleichtern die Orientierung. Für Dienstleister wird eine starke Marke zum Muss. Und sie bietet auch in Zukunft wachsendes Potenzial."

Die Untersuchung zeigt außerdem: Bier-, Zigaretten- und Laptop-Marken sind weiterhin die stärksten Magneten für Konsumenten - sie führen nach wie vor die Liste der 30 Kategorien an. Bemerkenswert ist die Veränderung beim Strom: Im Vergleich zu 2006 ist er mit einem Plus von 37 Prozent die Produktkategorie mit dem größten Bedeutungszuwachs in puncto Marke. In der Rangfolge belegt er allerdings noch den 29. Platz.

"Auch wenn Marken beim Strom noch eine kleinere Rolle spielen als in anderen Bereichen, so zeigt die prozentuale Veränderung doch, dass sich die Wahrnehmung der Kunden und ihre Entscheidungskriterien bei der Wahl eines Anbieters allmählich ändern",

so Jesko Perrey. Für Kaufhäuser und Baumärkte haben Marken an Relevanz verloren. Die Handelsbranchen sind mit den Plätzen 28 und 30 die Schlusslichter im aktuellen Ranking. Jesko Perrey meint dazu:

"Hier wirkt sich der Preiswettbewerb in der deutschen Handelslandschaft auf das Verbraucherverhalten aus. Die Kunden achten derzeit weniger auf die Marke, meist ist der Preis das ausschlaggebende Kaufargument."

Für Unternehmen ist es also erfolgsentscheidend zu wissen, wie relevant Marken in ihren Branchen und Segmenten sind. Dabei zahlt sich eine differenzierte Betrachtung aus. Während Dienstleister vermehrt und Konsumgüterhersteller weiterhin auf Marken setzen sollten, gilt umgekehrt:

"Wo Marken sich nur wenig oder gar nicht auf das Verhalten der Konsumenten auswirken, erzielen möglicherweise andere Marketinginstrumente eine erheblich größere Wirkung, wie etwa differenzierte Preiskonzepte oder der Ausbau von Vertriebskapazitäten und -fähigkeiten",

so Jesko Perrey. Andererseits könne auch hier eine reale Chance bestehen, die Markenrelevanz gezielt zu steigern - insbesondere, wenn Unternehmen mit attraktiven Produktinnovationen und überzeugenden Markenkonzepten auftreten würden, die den Kunden einen echten Mehrwert bieten.

Zur Studie

Für die Untersuchung wurden die Antworten von rund 3.000 Kunden auf die Frage ausgewertet, welche Rolle Marken bei ihren letzten Einkäufen oder Vertragsabschlüssen in 30 Produkt-, Handels- und Dienstleistungskategorien gespielt haben. Die Studie wurde nach 2002 und 2006 zum dritten Mal durchgeführt.

Die Studienergebnisse finden Sie auch in der Neuauflage des Buches "Mega-Macht Marke" [54] .

Quelle: McKinsey & Company

 

Soziale Netzwerke: Social Media ist in der Geschäftswelt angekommen

Dass sich nur Jugendliche in den Social Networks tummeln würden und die Unternehmen diesem Phänomen mehr oder minder hilflos gegenüberstünden, ist längst eine Mär, erklärt Studienherausgeber Dieter Böttcher, Mitglied im Präsidium der Software-Initiative Deutschland.

Prof. Wolfgang Prinz, stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT meint, dass sich weit über die Hälfte der Firmen der Bedeutung der sozialen Netzwerke nicht nur bewusst sei, sondern diese auch schon in irgendeiner Form für geschäftliche Zwecke einsetze.

Indes ist Social Media oft nicht direkt Chefsache, wie die Forscher von Software-Initiative, Fraunhofer FIT und Hochschule ermittelt haben. Bei 45 Prozent der Unternehmen sind Facebook, Twitter & Co in der Pressestelle oder der PR angesiedelt, wobei allerdings diese Funktionen häufig am Vorstand oder an der Geschäftsführung hängen. Bei 33 Prozent kümmern sich Marketing und Vertrieb um die sozialen Netze. Die IT-Abteilung ist übrigens nur in 11 Prozent der Firmen mit dem Thema befasst.

Ein knappes Drittel der Unternehmen nutzen Netzwerke wie Facebook auch für die betriebsinterne Kommunikation, wie die Studie ausweist.

"Wichtigste Zielsetzung für Unternehmen beim Einsatz von Social Media ist die schnellere Kommunikation – intern wie extern",

erläutert Valentina Kerst, Mitglied des Präsidiums bei der Software-Initiative Deutschland. An erster Stelle steht dabei der rasche Informationsaustausch. An zweiter Stelle steht das zielgruppenorientierte Marketing und an dritter das Konzept, Social Media als Kanal für den Kundensupport einzusetzen. Recht weit hinten liegt die Steigerung der Prozesseffizienz.

Als größte Hürden für die Nutzung von Social Networks für berufliche Zwecke hat die Studie das Thema Datensicherheit (76 Prozent) herausgefunden. Ebenfalls hoch ist die Angst vor dem Verrat von Geschäftsgeheimnissen (58 Prozent) über Twitter & Co. Dennoch haben sich die meisten Firmen auf eine wachsende Bedeutung eingestellt.

"Über 80 Prozent der Unternehmen gehen von einer weiter steigenden Bedeutung der sozialen Netzwerke aus",

bringt Thomas Gronenthal, Vorsitzender des Deutschen Social Media Forums (DSMF), eine weitere wichtige Erkenntnis auf den Punkt. Prof. Dr. Andreas Schümchen von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ergänzt:

"Eines der größten Probleme der Wirtschaft wird schon in naher Zukunft darin bestehen, genügend Fachkräfte zu rekrutieren, die sich mit Social Media im betrieblichen Umfeld auskennen."

Zur Studie

Der SID/FIT Social Media Report 2010/11" wurde von der Software-Initiative Deutschland e.V. (SID) und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT mit der mit Unterstützung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg erarbeitet. Für die Studie wurden 100 Fach- und Führungskräfte aus der deutschen Wirtschaft nach ihrer beruflichen Nutzung von Social Media befragt.

Newsletter-Marketing: So bekommen Sie mehr Newsletterempfänger

Starten Sie mit Ihrer Webseite

Die wichtigste Quelle für neue Newsletter-Leser ist Ihre Webseite. Achten Sie darauf, dass das Anmeldeformular entweder auf jeder Seite integriert, gut verlinkt oder leicht über die Navigationsleiste auffindbar ist – zum Beispiel unter „Newsletter“ oder „Neues“. Verzichten Sie auf missverständliche Begriffe wie „Informationen“ oder „Trendbrief“. Sorgen Sie auch dafür, dass sich die Interessenten nicht erst mühsam zur Eingabemaske durchklicken müssen – Sie riskieren dabei, mit jedem zusätzlichen Klick potenzielle Abonnenten zu verlieren. Gestalten Sie die Anmeldung so schnell und einfach wie möglich.

Fragen Sie nur nach den nötigsten Daten

Wenn Sie in Ihrem Anmeldeformular persönliche Informationen wie Adresse, Telefonnummer und Geburtsdatum abfragen, dürfen Sie sich nicht über geringe Anmeldezahlen wundern. Das einzig verpflichtende Feld sollte die E-Mail-Adresse sein; für personalisierte Newsletter ist die freiwillige Angabe von Name und Geschlecht sinnvoll. Empfehlenswert sind auch Hinweise auf Datenverwendung, Datenschutz und die Möglichkeit zum Abbestellen – so schaffen Sie zusätzlich Vertrauen.

Werben Sie online

Weisen Sie so oft wie möglich auf Ihren Newsletter hin: in Ihrer Email-Signatur, am Ende Ihrer Blogposts, in der Autorenbox von Fachartikeln, bei Gastbeiträgen in Blogs, in Social-Media-Profilen usw. Werben Sie auch in den Newslettern von anderen Anbietern und erhöhen Sie so Ihre Abonnentenzahl. Oder erklären Sie in einem kurzen Video, warum sich ein Newsletter-Abo lohnt.

Werben Sie offline

Auch außerhalb des Internet gibt es viele Möglichkeiten, auf Ihren Newsletter hinzuweisen: Visitenkarten, Broschüren, Anzeigen, Kataloge, Rechnungen, Werbebriefe, Produktregistrierungen, Messen, Events, Kundentelefonate, Seminare usw.

Bieten Sie attraktive Anreize

Ob nützliche Notebooks, exklusive Infos, informative Videos oder Online-Kurse – mit kostenlosen Angeboten gewinnen Sie mehr neue Abonnenten. Wichtig dabei: Der Anreiz muss qualitativ hochwertig und für den künftigen Newsletter-Abonnenten relevant sein. Nur so stellen Sie sicher, dass sich die passende Zielgruppe in Ihren Verteiler einträgt. Sie können hier auch mit zeitlich begrenzten Angeboten experimentieren.

Integrieren Sie Social Media

Machen Sie es den Lesern einfach, Ihren Newsletter weiterzuempfehlen. Fügen Sie dazu beispielsweise das Social Media Icon für Facebook hinzu – so können Ihre Stammleser den Newsletter auf Facebook teilen und sorgen so für eine automatische Verbreitung in ihrem jeweiligen Netzwerk. Außerdem können Sie in Ihren eigenen Profilen auf Facebook, XING oder LinkedIn auf Ihren Newsletter verweisen.

Weisen Sie auf die Vorteile hin

Beschreiben Sie, was die Leser bei Ihrem Newsletter erwartet und welche Vorteile sie von einem Abo haben – zum Beispiel nützliche Experten-Tipps, exklusive Vorab-Informationen oder versandkostenfreie Produkt-Bestellungen. Sie können auch auf ältere Newsletter-Ausgaben verlinken oder auf die Erscheinungsfrequenz hinweisen.

Nutzen Sie Testimonials

Setzen Sie auch bei Ihrem Newsletter auf die Vertrauen fördernde Wirkung von zufriedenen Kunden beziehungsweise Lesern. Lassen Sie ein paar Abonnenten darüber berichten, welchen Nutzen sie aus Ihren Artikeln ziehen und warum man Ihren Newsletter abonnieren sollte.

So texten Sie wirksame Werbebriefe ...

Sie wollen Ihr Produkt mit einem Mailing bewerben? Sie sind sich aber beim Texten unsicher und hätten gerne eine kompakte Anleitung?

Die Antworten liefert die Autorin in Starke Mailings [55] , dem praxisorientierten eBook.

Sprechen Sie Twitterisch?: Tipps für die Kommunikation auf Twitter

Tipp 1: Der Retweet (RT)

Sobald Sie selbst vielen Twitterern folgen, werden Sie zahlreiche spannende Informationen entdecken, die Sie gerne weitergeben möchten. Dafür steht Ihnen die Retweet-Funktion zur Verfügung. Mit einem Klick auf das Symbol „RT“ der betreffenden Nachrichten und einer anschließenden Bestätigung leiten Sie die Nachricht an alle Ihre Follower weiter.

Weitaus eleganter und persönlicher ist die Möglichkeit, die Information in eigenen Worten neu zu formulieren und dann weiterzuleiten. Hierbei sollten Sie darauf achten, Ihrer Nachricht das Kürzel „RT“ für Retweet sowie den ursprünglichen Absender durch @Absendername voranzustellen. So erfährt der Absender, dass seine Nachricht als relevant erachtet und weitergeleitet wird, Sie selbst bringen Ihren Namen ins Gespräch und Ihre Follower erfahren, welche Informationsquellen Sie nutzen. Twitter lebt unter anderem auch von Transparenz, deshalb ist der faire Umgang mit Informationen wichtig.

Tipp 2: Der Hashtag (#)

Möchten Sie einen Begriff als Schlagwort markieren, kommt der sogenannte Hashtag ins Spiel. Er wird mithilfe einer Raute (#) markiert. In den Anfangszeiten von Twitter sorgte diese Markierung für eine bessere Auffindbarkeit des Begriffs über die Twitter-Suche. Heute ist die Suchfunktion ausgefeilter und filtert die gesuchten Begriffe ohne Probleme raus. Der Hashtag allerdings wird weiterhin verwendet, um die Wichtigkeit der Begriffe zu demonstrieren. Setzen Sie ihn immer dann ein, wenn Sie auf wichtige Informationen hinweisen möchten.

Tipp 3: Das @-Zeichen

Zur direkten Ansprache eines anderen Nutzers, dem Sie zum Beispiel auf seine Nachricht antworten möchten, stellen Sie dem Namen des Nutzers das @-Zeichen voran. @Nutzer erhält dann Ihre Nachricht an ihn. Denken Sie daran, dass alle anderen Follower diese Nachricht auch lesen können. Sie ist nicht anonym. Möchten Sie dem Nutzer eine Nachricht senden, die nur er allein erhält, sollten Sie die Funktion „Direktnachricht“ nutzen.

Tipp 4: Follow Friday (FF)

Unter Twitterern ist es Tradition, jeden Freitag eine Empfehlung über spannende Twitterer abzugeben. Begegnen Sie dem Hashtag #FF, macht ein Nutzer auf entsprechende Angebote aufmerksam. Möchten Sie selbst Ihre Tipps kommunizieren, achten Sie auf eine aufmerksamkeitsstarke Gestaltung. Das Aneinanderreihen von #-Zeichen ist ziemlich nichtssagend. Suchen Sie sich besser zwei bis drei gute Adressen heraus und kommentieren Sie kurz, warum sich das Folgen dieser Twitterer lohnt.

Tipp 5: Orthographie und Interpunktion

Manchmal mag Twitter auf Sie wie ein bunter Kessel mit Wörtern, Zeichen, manchmal Bildern und Abkürzungen wirken. Manch ein Nutzer nimmt es hier vielleicht nicht so genau mit dem korrekten Satzbau und orthographischen Feinheiten. Nichtsdestotrotz sollten Sie sich dies weder als Vorbild nehmen noch sich davon verwirren lassen. Auch auf Twitter ist das Einhalten der gängigen Sprachregeln wichtig, wenn Sie als kompetenter und seriöser Gesprächspartner auftreten möchten. Formulieren Sie ganze Sätze, achten Sie auf einen nachvollziehbaren Inhalt und meiden Sie Tippfehler.

Tipp 6: Link-Verkürzer

Es kann vorkommen, dass der Link, den Sie weiterleiten möchten, sehr lang ist und Ihnen wertvollen Platz Ihrer 140 Zeichen raubt. Sie können Ihre Links verkürzen. Dafür stehen Ihnen unterschiedliche Dienste zur Verfügung. Die gängigsten sind zurzeit bit.ly, tinyurl.com oder ow.ly/url/shorten-url. Nachteil ist sicherlich die Anonymisierung der URLs. Deshalb erwähnen Sie im Idealfall innerhalb Ihres Tweets immer, auf welche Quelle Sie verweisen.

Tipp 7: Der Aufmacher

Wenn Sie Twitter bereits etwas länger nutzen wird Ihnen aufgefallen sein, wie groß die Informationsflut teilweise ist und welche Masse von Nachrichten Sie täglich, stündlich oder minütlich zu verarbeiten haben. Ihren Followern geht es mit Sicherheit ähnlich. Deshalb: Twittern Sie kreativ. Machen Sie neugierig, rufen Sie zur Aktion auf, achten Sie auf aktive Formulierungen und platzieren Sie relevante Themen. Ein Tweet ist mit einem Aufmacher einer Zeitung zu vergleichen, der den Leser innerhalb von Millisekunden interessieren und zum Weiterlesen animieren muss. Besonders, wenn Sie Ihre Follower auf Ihre eigene Website leiten möchten, sollten Sie auf aufmerksamkeitsstarke Nachrichten achten.

Tipp 8: Dialog

Twitter ist nicht nur dafür da, permanent Nachrichten hinauszupusten. Als Twitterer müssen Sie vor allem eins beherrschen: Zuhören. Denn das Medium eignet sich nicht nur hervorragend für den direkten Dialog mit Ihren Followern, es ist auch dafür gedacht. Achten Sie auf Anfragen und Bemerkungen, die im Zusammenhang mit Ihren Tweets aufkommen. Reagieren Sie so schnell wie möglich und fragen Sie bei Unklarheiten zurück. Der Vorteil Ihres Dialogs ist die Tatsache, dass alle Ihre Follower diesen verfolgen können, eigene Fragen damit beantwortet bekommen und erkennen, dass Sie ein Mensch sind, dem die Meinung anderer wichtig ist.

Tipp 9: Bilderwelten

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als Tausend Worte. Warum wollen Sie Ihren Followern nicht ab und an ein visuelles Bonmot gönnen? Entweder Sie binden die Bilddatei auf twitpic.com [56] ein und tweeten (natürlich mit einem entsprechenden Kommentar) den Link oder Sie nutzen die neu aufkommende Integrations-Funktion von Twitter.

Tipp 10: Neugierde

Betrachten Sie Twitter als Spielwiese. Nutzen Sie es neugierig und mutig. Beobachten Sie, welche Nachrichten Ihre Nutzer besonders interessieren, auf welche Fragen und Kommentare sie reagieren und mit welcher Intention sie mit Ihnen in den Dialog tritt. Lenken Sie Ihre Twitter-Kommunikation in die entsprechende Richtung. Der Gesprächs-Trend auf Twitter ändert sich mindestens täglich. Die diskutierten Top-Themen hängen maßgeblich auch von Ihren Beiträgen ab und von der Art und Weise, wie Sie diese diskutieren. Finden Sie heraus, wie Sie Ihre Follower begeistern.

Werbung: Online stellt Werbewelt auf den Kopf

"Der Siegeszug der Onlinewerbung war absehbar. Durch die Wirtschaftskrise hat sich der strukturelle Wandel der Medienbranche aber erheblich beschleunigt. Die Konsumenten wandern verstärkt ins Internet und verbringen immer mehr Zeit online. Diesem Trend folgen die Werbebudgets. Zusätzlichen Schub gewinnt die Entwicklung durch das mobile Internet, das dank attraktiver Endgeräte, schneller Mobilfunknetze und Datenflatrates zunehmend an Bedeutung gewinnt",

kommentiert Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC, die Entwicklung.

Für die deutsche Medienbranche insgesamt erwartet PwC ein weiteres Wachstum der Werbeerlöse und Verbraucherausgaben. Von 2010 bis 2014 wird der Gesamtumsatz um jahresdurchschnittlich 3,6 Prozent auf 68,1 Milliarden Euro zulegen. Die Werbeerlöse werden bis 2014 mit 4,8 Prozent schneller wachsen als die Konsumentenausgaben, die um 3,2 Prozent pro Jahr steigen.

Das Jahr 2010 schließt die Branche mit einem Umsatzplus von geschätzt 2,6 Prozent auf 59,1 Milliarden Euro ab. Die in dieser Summe enthaltenen Werbeeinnahmen werden um 3,5 Prozent und damit stärker als der Gesamtmarkt zulegen, absolut betrachtet bleibt der Werbeumsatz mit knapp 15 Milliarden Euro um mehr als eine Milliarde Euro unter dem Wert von 2008. Erst im Jahr 2012 wird mit Erlösen von voraussichtlich 16,2 Milliarden Euro wieder Vorkrisen-Niveau erreicht werden.

Konsumenten geben mehr Geld für mobiles Internet aus

Das Internet dominiert nicht nur bei den Werbeumsätzen, sondern bindet auch einen immer größeren Teil der Verbraucherausgaben. Dies ist in erster Linie auf die zunehmende mobile Nutzung zurückzuführen. So werden die Ausgaben für Festnetzanschlüsse von 2010 bis 2014 nur um jährlich 2,6 Prozent auf knapp 7,1 Milliarden Euro zulegen, während die mobilen Zugangsentgelte um durchschnittlich 13,7 Prozent auf gut 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014 steigen.

Insgesamt werden für den Internetzugang 2014 gut 11,3 Milliarden Euro ausgegeben. Damit liegt dieses Segment bei den Konsumentenausgaben klar in Führung, gefolgt von Büchern (10,3 Milliarden Euro) und den Ausgaben für das Fernsehen (9,7 Milliarden Euro).

TV und Internet wachsen auch in den nächsten Jahren weiter zusammen. So werden im Jahr 2014 immerhin 2,9 Millionen Haushalte TV-Inhalte über das Internet-Protokoll (IPTV) empfangen. Zwar bleibt auch dann der IPTV-Marktanteil an allen Fernseh-Haushalten mit 7,5 Prozent noch vergleichsweise gering (Kabel: 47,4 Prozent, Satellit: 40,1 Prozent). Ballhaus sagt:

"Angesichts der weit überdurchschnittlichen Wachstumsrate von jährlich 17,9 Prozent zwischen 2010 und 2014 ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich IPTV als mindestens gleichberechtigter Übertragungsweg durchgesetzt hat."

3D bringt Kinos Umsatzschub

Neue Technologien können allerdings auch etablierten Medien zu Wachstum verhelfen. So ließen 3D-Filme wie "Avatar" und "Alice im Wunderland" die Erlöse auch an deutschen Kinokassen in die Höhe schnellen. Das Umsatzplus ist aber zu einem guten Teil auf höhere Ticketpreise für die aufwändigen Filmproduktionen zurückzuführen. PwC erwartet für 2010 einen durchschnittlichen Preisanstieg für Kino-Tickets von über zehn Prozent. Damit zeichnet sich trotz eines Besucherrückgangs (minus 6,4 Prozent) an den deutschen Kinokassen in diesem Jahr ein Rekordumsatz von erstmals mehr als einer Milliarde Euro ab.

Dieser Preiseffekt wird sich auch in den kommenden Jahren bemerkbar machen. Während die PwC-Experten bis 2014 mit einem Anstieg der verkauften Kinokarten um jährlich 2,8 Prozent auf 153 Millionen Tickets rechnen, werden die Verkaufserlöse um durchschnittlich 6,6 Prozent auf gut 1,3 Milliarden Euro zulegen.

Musikbranche schöpft Hoffnung

Die fortschreitende Digitalisierung gibt auch der lange Zeit gebeutelten Musikbranche Hoffnung. So werden die Erlöse aus dem Digitalgeschäft den Rückgang physischer Verkäufe von 2013 an erstmals überkompensieren und nach vielen Jahren wieder zu Wachstum im Musikmarkt führen. Frühere Umsatzhöhen werden aber nicht mehr erreicht. Denn digitale Musik ist billiger als Musik etwa auf CD.

Quelle: PwC

Weiterempfehlung: Werben Sie noch oder empfiehlt man Sie schon?

Mundpropaganda in all ihren Facetten ist im socialmedia-geschwängerten Web inzwischen ein Massenphänomen – und schon fast so was wie Bürgerpflicht. Das Marketing und die komplette Vertriebsmannschaft müssen deshalb lernen, gezielt ihre Kunden so mit einzubinden, dass diese zu hochengagierten Kommunikatoren werden. Obendrein müssen die Reputation positiviert, das Mundpropaganda-Potenzial ausgelotet und die Empfehlungsbereitschaft entzündet werden.

Zwei strategische Kernfragen rücken dabei in den Vordergrund:

  1. Wird das, was wir tun, und vor allem, wie wir es tun, ein Weitererzählen bewirken?
  2. Wird das, was wir tun, und vor allem, wie wir es tun, auch Empfehlungen generieren?

Bei der Mundpropaganda geht es um das mehr oder weniger meinungsbildende "über ein Unternehmen und seine Angebote reden". („Ich hab da was gesehen.“ „Hast du das schon gehört?“) Dies kann persönlich, telefonisch oder schriftlich wie auch per Foto, Video oder Mausklick geschehen. Eine Empfehlung hingegen impliziert über die reine Kommunikation hinaus einen Einfluss nehmenden Handlungshinweis, dem fast immer eine eigene Erfahrung vorausgeht. („Kann ich dir wärmstens empfehlen!“ oder: „Kauf das bloß nicht!“) Dabei wird in der Regel ein nicht kommerzielles Interesse des Empfehlers unterstellt. Denn genau dies macht ihn glaub- und vertrauenswürdig.

Was den Empfehler bewegt

Empfehlungen sind das Wertvollste, das ein Anbieter von seinen Kunden bekommen kann. Diese werden allerdings erst dann ausgesprochen, wenn man sich seiner Sache absolut sicher ist. Denn mit jeder Empfehlung steht ja immer auch die eigene Reputation auf dem Spiel. Empfohlen wird also nur, was unwiderstehlich, überaus nützlich oder aufsehenerregend ist. All dies sorgt für den so wichtigen Erzählstoff, der Mundpropaganda auslöst und schließlich ein Weiterempfehlen bewirkt. Dabei gilt es, Kopf und Herz seiner aktuellen und potenziellen Kunden zu berühren. Denn nur, wer von Ihrer Sache restlos überzeugt und Ihnen wohl gesonnen ist, wird Großes für Sie tun. Und selbst das beste Produkt nutzt nichts, wenn es letztlich an Sympathie mangelt. Denn wir empfehlen niemanden, den wir nicht leiden können.

Mundpropaganda und Empfehlungsbereitschaft entstehen insbesondere dann,

  • wenn man hiermit seiner Persönlichkeit Ausdruck verleihen kann
  • wenn man dadurch Coolness und Geltungsbedürfnis nähren kann
  • wenn man zum Wohlergehen Anderer beitragen kann
  • wenn man sich durch Insider-Wissen oder als Vorreiter profilieren kann
  • wenn man sich zugehörig und als Teil einer Gemeinschaft fühlen kann
  • wenn man in Entstehungsprozesse mitgestaltend involviert wurde
  • wenn etwas Unterhaltsames oder Sensationelles bereitgehalten wird
  • wenn etwas völlig Neues oder sehr Exklusives offeriert wird
  • wenn etwas überaus Nützliches oder höchst Begehrenswertes angeboten wird
  • wenn es etwas zum Gewinnen oder zum (miteinander) Spielen gibt.

Auf einen Nenner gebracht: Menschen wollen nicht nur Geld und Spaß, sie wollen sich auch als "wichtig" erleben. Sie wollen Sinnhaftes tun. Und Spuren hinterlassen. Und als geschätztes Mitglied einer Gemeinschaft gelten. Wer ihnen dazu verhilft, dem wird dies mit wertvoller Mundpropaganda vergoldet. Ein schöner Nebeneffekt: Die, die ein Unternehmen mit Inbrunst und Leidenschaft weiterempfehlen, werden dieses kaum mehr verlassen. So kommt man zu Kunden mit quasi eingebauter Bleibe-Garantie.

Die Bedeutung des Empfehlungsmarketing steigt

Im Social Web kann man es sich mit vielen Interessenten bereits verscherzen, noch bevor diese eine erste Anfrage gestartet haben. Dabei erlangt ein spezieller Kontaktpunkt eine ganz herausragende Bedeutung: Das Suchfeld von Google & Co. Kaufprozesse beginnen immer öfter mit einem Rundgang über solche Portale, auf denen es zahlreiche Konsumenten-Meinungen zu besichtigen gibt. So ist es unabdingbar, Online- und Offline-Aktivitäten ohne Medienbruch eng zu verzahnen - und mit den Marktteilnehmern gemeinsam zu gestalten. Mundpropaganda ist dabei der Brückenbauer, das verbindende Glied, weil sie in beiden Welten spielt.

Eines kann jetzt schon als sicher gelten: Die Bedeutung des Empfehlungsmarketing wird weiter kräftig wachsen - und das aus drei Gründen:

1. Gerade jetzt und in Zukunft noch verstärkt müssen Unternehmen zeigen, dass sie zu den wirklich Guten gehören. Am wirkungsvollsten ist es, wenn dies nicht vom Anbieter selbst behauptet, sondern von begeisterten Anwendern bezeugt wird. Als Testimonial agierende echte Kunden haben einen Vertrauensbonus. Sie machen neugierig und verbreiten Kauflaune. Ihre Empfehlungen wirken glaubhaft und neutral. Dadurch verringern sich Kaufwiderstände erheblich - und das Ja-sagen fällt leicht.

2. Durch die sich verschärfenden Datenschutzgesetze wird es immer schwieriger, Interessenten "kalt" anzusprechen. Ein Empfehler hingegen schafft nicht nur Wärme, sondern auch ein perfektes Entrée. Das Neukunden-Gewinnen ist leicht, wenn man agile Fans und aktive Multiplikatoren hat. Immer mehr Menschen folgen, wie einschlägige Studien zeigen, deren Hinweisen unbesehen - und frohgemut. Denn Empfehlungen basieren auf Erfahrungswissen. Sie kanalisieren den unendlichen Strom ausufernder Angebotsvielfalt. Und sie trennen die Spreu vom Weizen. Sie machen damit unser Leben einfach und sicher. Und sie reduzieren Enttäuschungsgefahr.

3. Vieles im "alten" Marketing funktioniert nicht mehr. Das Trommelfeuer und der Sirenengesang klassischer Werbung haben ausgedient. Professionelle Mittelsmänner werden zunehmend vom Markt verschwinden. Kostenlos agierende Fürsprecher und ja, auch belohnte und bezahlte Empfehler werden künftig das Bindeglied zwischen Anbieter und Endkunde sein. Mit der Entwicklung passender Geschäftsmodelle für diesen Zweck stehen wir erst ganz am Anfang. Am wirkungsvollsten sind freilich die unentgeltlich ausgesprochenen oder audiovisuell sichtbar gemachten Empfehlungen, Hinweise und Tipps.

Aus diesen und vielen weiteren Gründen muss das Mundpropaganda-Marketing, auch Word-of-Mouth-Marketing (WOM) genannt, im Businessplan ganz weit nach vorne rücken. Immer noch wird in Unternehmen ja viel zu oft übersehen, dass nicht die eigenen Vertriebsleute, sondern empfehlende Fans die besten Vermarkter sind. Sie haben die höchste Überzeugungskraft - und die geringsten Streuverluste. Denn sie sorgen für Relevanz. Deshalb gilt: Die Macht der vielen Konsumenten-Münder ist weit größer als die Macht der trügerischen Werbewelt. Und wer mithilfe eines Heeres von Promotoren für Anziehungskraft sorgt, der braucht nicht länger mit den Waffen des Preiskampfs hantieren.

Empfehlungsmarketing ist Umsatz-Boosting

Wohlgesinnte Mundpropaganda und aktive Positiv-Empfehlungen sind das Wertvollste, das ein Unternehmen von den Konsumenten bekommen kann. Deshalb lautet die alles entscheidende Aufgabe in Management, Sales & Marketing:

Wie bringen wir Menschen dazu, gut über uns und unsere Marken zu reden? Und wie machen wir unsere Kunden und Kontakte ganz gezielt und systematisch zu Topp-Verkäufern unserer Angebote, Produkte und Services?

Empfehlungswerte Unternehmen tun sich mit Mundpropaganda ganz leicht. Denn Menschen sind für jede Hilfe dankbar, die das Risiko einer Fehlentscheidung minimiert. Empfehlungen geben unserem Hirn "Peace of Mind". Und das wird - angesichts einer immer komplexeren Zukunft - bald noch sehr viel wichtiger sein.

Empfehler schenken uns Zeit. Sie machen unser Leben einfach und sicher. Sie bringen ihre favorisierten Anbieter und Marken weitläufig ins Gespräch. Sie kontaktieren gezielt und ohne Streuverluste genau die Personen, die sich für ein bestimmtes Angebot auch tatsächlich interessieren. Das tun sie unentgeltlich, glaubwürdig, überzeugungsstark – und mit beachtlichen Abschlussquoten.

Und das ist noch nicht alles. Im Rahmen einer experimentellen Untersuchung an der Universität Hamburg konnte nachgewiesen werden, dass sich Kunden nach Abgabe einer Empfehlung dem Unternehmen auch in stärkerem Maße verbunden fühlen. Ebenso konnte gezeigt werden, dass das Aussprechen einer Empfehlung eine positive Wirkung auf die eigene Wiederkaufabsicht hat.

So ist es also dreifach sinnvoll, sein Empfehlungsmarketing gezielt zu entwickeln: Es sorgt für vermehrten Bestandskundenumsatz, für eine höhere Kundentreue und schließlich für eine äußerst wirkungsvolle, kostenlose Neukundengewinnung.

Das Buch zum Thema

Anne M. Schüller/Torsten Schwarz (Hrsg.)

Leitfaden WOM Marketing [57]

Videomarketing: Mit Bewegtbildern Kunden im Web gewinnen

Videos im Internet werden für das Onlinemarketing immer wichtiger. Dies geht aus dem FOMA-Trendmonitor 2010 der Fachgruppe Online-Mediaagenturen (FOMA) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. hervor. Der Großteil der befragten Online-Mediaagenturen sieht in den nächsten fünf Jahren eine Zunahme an Image-Kampagnen im Web. Neben der klassischen Display-Werbung im Internet sehen die Befragten eine zunehmende Bedeutung der Bewegtbild-Werbung, also der Webvideos.

Auf die Frage „Online-Werbung kann die verschiedensten Modelle und Zielsetzungen haben. Wie bewerten Sie die Bedeutung von Affiliate-, Search-, Display-, Video-und Mobile-Werbung heute und in 5 Jahren?“ antworteten die Agenturvertreter folgendes:

Basis: 21 Agenturvertreter
Bild: FOMA-Mitgliederbefragung 2010

Wenn die Internetvideos immer mehr an Bedeutung gewinnen, haben diejenigen Unternehmen das Nachsehen, die Videomarketing als Marketinginstrument nicht nutzen, denn sie verlieren damit Umsatzpotenziale und geben sie dann möglicherweise an die Konkurrenz ab.

Stichwort

Videomarketing ist eine spezielle Form des Onlinemarketings, mit dem Ziel, Videos im Internet als PR-, Marketing- und Verkaufsbotschaften auf eigenen und fremden Internetseiten zu präsentieren. Das Internet ist der Distributionskanal. Ein Video kann auf viele Videoplattformen (zum Beispiel YouTube) hochgeladen werden.

Was die Videos so beliebt macht, erklärt die Chefredakteurin des marketingshop blog [58] , Regina Deckart. Sie ist Journalistin und setzt sich seit einigen Jahren intensiv in Theorie und Praxis mit Marketing, insbesondere auch mit Videomarketing, auseinander:

„Videos gehören zu den beliebtesten Anwendungen im Internet. Allein auf YouTube werden weltweit täglich etwa eine Milliarde Videos abgerufen. Dies ist der moderne Ausdruck für die Faszination, die bewegte Bilder seit jeher auf Menschen ausüben. Videos können Emotionen, Nähe, Botschaften jeder Art auf einer ganz anderen Ebene vermitteln als Bilder oder gar Texte. Nicht umsonst geben große Unternehmen Millionen für Fernsehwerbung aus. Videomarketing im Internet ist nun die Chance für beinahe alle Unternehmen, sich die Faszination Bewegtbild zunutze zu machen – auch ohne siebenstellige Werbebudgets.“

Laut Deckart eignet sich Videomarketing aus diesem Grund sowohl für kleine als auch große Unternehmen. Und auch Freelancer, die eine Beratungsleistung anbieten, können beispielsweise mit Online-Schulungsvideos erfolgreich sein. Allerdings sollten im Videomarketing, ganz unabhängig von Branche oder Größe des Unternehmens, die Filme zum Produkt, dem Unternehmen und zur Zielgruppe passen.

Pressearbeit: So steigern Spezialisten ihren Bekanntheitsgrad

Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Unterstützer mit speziellen Fähigkeiten und Kenntnissen benötigen und keinen kennen? Zum Beispiel

  • einen Steuer- oder IT-Berater, der sich mit gastronomischen Betrieben auskennt, oder
  • einen Architekten, der Erfahrung mit dem Planen von Energiesparhäusern hat, oder
  • einen Therapeuten, der auf Schlafstörungen spezialisiert ist, oder
  • einen Rechtsanwalt, der ....

Vermutlich fragen Sie zunächst Ihre Bekannten und Verwandten: „Kennt Ihr einen Spezialisten, der ...?“

Angenommen ein Bekannter kennt einen solchen Spezialisten. Zum Beispiel, weil er ihn selbst schon mal engagierte. Oder weil er vor Kurzem zufällig einen Werbeprospekt von ihm in die Hand bekam. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie ihn kontaktieren und ihm Ihr Anliegen schildern. Danach vereinbaren Sie vermutlich ein Treffen mit ihm. Und wenn der Spezialist Sie auch im persönlichen Kontakt überzeugt, dann hat er wahrscheinlich kurze Zeit später einen neuen Auftrag.

Und was passiert mit all den anderen Spezialisten, die es in Ihrer Stadt, Ihrem Land oder sonst wo gibt? Sie erhalten keinen Auftrag. Denn da Sie deren Namen nicht kannten, konnten Sie diese auch nicht als Partner in Betracht ziehen – selbst wenn sie eventuell sogar fitter gewesen wären. Denn Sie können nur Dienstleistern, die Sie kennen, einen Auftrag erteilen. Dasselbe gilt selbstverständlich für Sie: Nur Personen und Organisationen, die Sie kennen, können Ihnen Aufträge erteilen.

„No-Names“ kann niemand einen Auftrag erteilen

Und hier beginnt das Problem vieler Selbstständiger. Ihre Büros sind oft irgendwo in der Eifel oder im bayerischen Wald. Oder in einer Seitenstraße einer größeren Stadt. Entsprechend gering ist die Zahl der potenziellen Kunden, die zufällig an ihrem Büro vorbeilaufen und sehen „Ach, hier ist ein Spezialist für ...“ Und weil die meisten Freiberufler – speziell kurz nach ihrer Existenzgründung – eher wenige Kunden haben, ist auch die Zahl der Personen klein, die für sie Mundpropaganda betreiben können. Also müssen sie zu anderen Mitteln greifen, um ihren Zielkunden zu vermitteln: „Hallo, mich gibt’s. Wenn Sie einen ‚Spezialisten für ...’ brauchen, können Sie sich an mich wenden.“

Dieses Ziel können Sie über viele Wege erreichen. Angenommen Sie wären ein Architekt, der auf Dachausbauten spezialisiert ist. Dann könnten Sie zum Beispiel samstags auf den Parkplätzen der Baumärkte in Ihrer Stadt, Werbeblätter verteilen. Und wenn Sie ein Computerfachmann wären, dann könnten Sie Anzeigen in der lokalen Presse schalten. Und als auf Erziehungsprobleme spezialisierter Therapeut könnten Sie Vorträge bei regionalen Beratungsstellen halten.

Das alles können – abhängig von Ihrem Tätigkeitsfeld – geeignete Wege sein, um Ihren Zielkunden zu vermitteln „Mich gibt’s, und ich bin darauf spezialisiert, ...“ Also sollten Sie beim Erstellen Ihres Marketingkonzepts prüfen: Welche Rolle können darin Anzeigen, Werbebriefe, Vorträge und Telefonate spielen? Dabei sollten Sie aber folgendes Marketinginstrument nicht vergessen: die Pressearbeit. Denn sie nimmt unter den Marketinginstrumenten eine Sonderstellung ein und gewinnt bei der Selbst-Vermarktung von „Spezialisten“ eine immer größere Bedeutung.

Nicht jeder sogenannte Spezialist ist ein Spezialist

Was zeichnet einen Spezialisten aus? Zum Beispiel einen Facharzt für Knochenmarkserkrankungen. Zunächst gilt: Er hat wie alle Ärzte ein medizinisches Studium abgeschlossen. Danach absolvierte er aber noch eine Facharztausbildung und zahlreiche Weiterbildungen, in denen er sich ein Spezialwissen aneignete. Und dieses Wissen, verknüpft mit einer entsprechenden Erfahrung, begründet seinen Expertenstatus, über den er auch seine höheren Honorare rechtfertigt.

So ist es bei allen Spezialisten. Sie haben ein spezielles Wissen und Können. Und dieses versetzt sie in die Lage, gewisse Aufgaben besser zu lösen als ihre nicht-spezialisierten Kollegen. Das nehmen sie zumindest für sich in Anspruch. Das Problem ist nur: Nicht in jeder Branche ist es so klar wie im medizinischen und juristischen Bereich geregelt, wann sich jemand: „Facharzt für ...“ oder „Fachanwalt für ...“ nennen darf. Gerade im Dienstleistungssektor gibt es viele selbst-ernannte Experten, aus deren Biografie sich nicht erschließt, warum sie sich gerade auf dieses Themenfeld spezialisiert haben.

Doch gehen wir einmal davon aus, der Spezialist hat eine solide Fachausbildung – so wie ein Facharzt oder Fachanwalt. Oder ein Diplom-Informatiker oder -Grafiker. Dann wissen die potenziellen Kunden zwar: Das nötige Fachwissen sollte dieser Dienstleister aufgrund seiner Ausbildung eigentlich haben. Wie gut der Anwalt oder Arzt, Grafiker oder IT-Fachmann aber tatsächlich ist, das wissen sie erst, wenn sie praktische Erfahrung mit ihm gesammelt haben – also dann, wenn sie bereits dessen Rechnung bezahlen müssen.

Und selbst dann wissen die Kunden vielfach noch nicht, ob der Dienstleister wirklich spitze ist. Denn hierfür hätten sie zum Beispiel mehrere Therapeuten parallel besuchen müssen, um deren Leistung vergleichen zu können. Oder sie hätten mehrere Grafiker beauftragen müssen, für sie einen Prospekt zu entwerfen, um einen Vergleich zu haben. Das tut kein Kunde. Deshalb ist aus Kundensicht der Kauf von solchen Dienstleistungen stets mit Risiken behaftet.

Entsprechend unsicher sind die Kunden beim Einkauf solcher Leistungen, zumal diese aus ihrer Warte meist teuer sind. Also suchen sie nach Ersatzindikatoren, an denen sie ihre Entscheidung fest machen können: „Das scheint wirklich ein ‚Spezialist für ...’ zu sein. Also kontaktiere ich ihn.“

Online-Präsenz und -PR werden immer wichtiger

Das Instrument, mit dem sich Kunden zunehmend versuchen, Gewissheit über den richtigen Partner zu verschaffen, ist das Internet. Das können Sie an Ihrem eigenen Kaufverhalten überprüfen. Angenommen Sie suchen einen Marketingberater. Wie gehen Sie dann vor? Vermutlich wie folgt:

  • Schritt 1: Sie geben bei einer Suchmaschine solche Suchwortkombinationen wie „Marketingberater – Rhein-Main-Gebiet“ oder „Marketingberater – Kleinunternehmen“ ein.
  • Schritt 2: Sie wählen anhand der angezeigten Treffer mögliche Partner aus.
  • Schritt 3: Sie suchen deren Webseite auf und filtern die heißen Kandidaten heraus.
  • Schritt 4: Sie geben deren Namen als Suchbegriff bei Google & Co ein.
  • Schritt 5: Sie sichten die angezeigten Treffer und entscheiden, welche Anbieter Sie tatsächlich kontaktieren.

So gehen inzwischen die meisten Kunden bei der Suche beziehungsweise Vorauswahl potenzieller Dienstleister vor. Und nun stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten zwei Marketingberater in der engeren Auswahl und gäben deren Namen nacheinander in die Suchmaschine ein. Beim einen würden nur drei, vier Treffer angezeigt und dabei würde es sich nur um Einträge in Online-Branchen-Verzeichnisse handeln. Beim anderen Berater hingegen wäre nicht nur die Zahl der Treffer sehr hoch. Unter den Treffern befänden sich auch zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften, die der Berater zu Marketingthemen schrieb. Außerdem ginge aus den Treffern hervor, dass er auf Kongressen regelmäßig Fachvorträge hält.

Bei welchem Unternehmensberater würden Sie eher davon ausgehen: Das ist ein echter „Spezialist für ...“? Und Hand aufs Herz: Welchen dieser beiden Anbieter würden Sie vermutlich als erstes kontaktieren? Und nochmals Hand aufs Herz: Bei welchem Berater wären Sie eher bereit, Ihr ursprünglich für die Marketingberatung vorgesehenes Budget, leicht zu erhöhen, weil Sie bei ihm das Gefühl haben „Dem kann ich mich anvertrauen“?

Wie beschrieben verfahren die meisten potenziellen Kunden übrigens auch, wenn ihnen ein Bekannter den Namen eines Spezialisten nennt. Auch dann geben sie heute in der Regel dessen Namen zunächst als Suchbegriff bei Google ein, um sich ein eigenes Urteil zu bilden. Und werden danach nur zwei, drei nichtssagende Treffer angezeigt, werden sie unsicher. Das heißt, sie starten eine umfassendere Internetrecherche, die häufig dazu führt, dass sie den Spezialisten, den ihnen ihre Bekannten nannten, entweder gar nicht kontaktieren oder nur als einen von mehreren möglichen Partnern.

Auch die Funktion der PR hat sich verändert

Aufgrund dieses Wandels des Käuferverhaltens hat sich teilweise auch die Funktion der Pressearbeit verändert. Früher lautet das Hauptargument für Pressearbeit: Wenn Artikel von Ihnen in der Zeitung erscheinen, dann kontaktieren Sie potenzielle Kunden. Zurecht! Denn früher, als es noch nicht die Möglichkeit zur Internet-Recherche gab, waren Personen und Organisationen, die auf der Suche nach einem Spezialisten waren, oft froh, wenn sie in einer Zeitung zufällig auf den Namen eines solchen Experten stießen – und mangels Alternative kontaktierten sie ihn. Heute geschieht dies nur noch selten – speziell bei komplexen Dienstleistungen.

Einige Beispiele: Nehmen wir an, ein Großunternehmen möchte ein neues Kundenmanagementsystem einführen. Dann wird es einem Anbieter nie nur deshalb den Auftrag erteilen, weil ein Entscheider einen Artikel von ihm in einer Zeitung las. Der Artikel ist für den potenziellen Kunden höchstens ein Anstoß, die Webseite des Autors zu besuchen und sich via Internetrecherche ausführlicher über ihn zu informieren.

Ebenso verhält es sich, wenn eine Privatperson eine auf Schlafstörungen spezialisierte Klinik sucht. Oder einen Rechtsanwalt, der sich mit komplizierten Erbschaftsangelegenheiten auskennt. Auch dann ist der Artikel maximal ein Anstoß, um sich zunächst via Internet ausführlicher über die Klinik oder den Rechtsanwalt zu informieren. Hegen Sie also nie die Illusion, dass die Kunden Ihnen, bildhaft gesprochen, die Bude einrennen, wenn ein Artikel von Ihnen und über Sie erscheint. Denn dann werden Sie enttäuscht.

Pressearbeit entfaltet mittelfristig ihre Wirkung

Pressearbeit entfaltet ihre Wirkung eher mittel- und langfristig, indem sie dazu beiträgt, dass

  • Ihre Zielkunden Ihre Existenz überhaupt registrieren und
  • sich Ihr Name verknüpft mit der Assoziation „Spezialist für ...“ in deren Hinterkopf verankert.

Diese Ziele können Sie auch mit anderen Marketinginstrumenten erreichen – wie Werbebriefen und Anzeigen, Vorträgen und Telefonmarketingaktionen. Die Pressearbeit hat aber gegenüber diesen Instrumenten einige Vorzüge. Das sei an einem Beispiel verdeutlicht.

Nehmen wir an, Sie wären ein Coach. Die gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Deshalb stehen fast alle vor der Herausforderung: Wie kann ich mich gegenüber meinen Mitbewerbern profilieren? Nehmen wir des Weiteren an, Sie würden in einer Zeitschrift eine Anzeige schalten, um für sich zu werben. Dann würde die Werbewirkung der Anzeige genau so lang anhalten, bis die nächste Ausgabe der Zeitschrift erscheint.

Anders wäre dies, wenn in derselben Zeitschrift ein Artikel von Ihnen erscheinen würde – zum Beispiel zum Thema „Die Balance im Leben bewahren“. Denn da heute die meisten Zeitschriften die in ihnen publizierten Artikel auch auf ihre Webseite stellen, würden potenzielle Kunden teils noch Jahre später bei Internetrecherchen auf Ihren Artikel stoßen. Zudem würde, da die Zeitschriften unter den Online veröffentlichten Artikeln meist einen Link zur Webseite des Autors platzieren, die Online-Veröffentlichung einen Beitrag dazu leisten, dass sich der Pagerank Ihrer Webseite erhöht.

Dasselbe gilt selbstverständlich auch für Publikationen auf redaktionellen Online-Portalen. Das heißt, wenn ein potenzieller Interessent für Ihre Leistungen eine entsprechende Suchanfrage startet, dann würde Ihre Webseite auf den Trefferlisten der Suchmaschinen weiter vorne angezeigt. Auch das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden auf Sie aufmerksam werden.

Erschienene Artikel sind Marketinginstrumente

Doch damit sind die Vorzüge der Pressearbeit nicht erschöpft, denn erschienene Artikel sind selbst Marketinginstrumente. Das heißt, Sie sollten sie aktiv in Ihrem Marketing- und Vertriebsprozess nutzen.

Sie können die erschienenen Artikel (nach Rücksprache mit den Redaktionen) zum Beispiel auf Ihre Webseite stellen, um Ihre Kompetenz zu unterstreichen. Sie können die Artikel auch per E-Mail an (Noch-nicht-)Kunden senden oder diese Ihren Unterlagen beilegen, wenn Interessenten per E-Mail oder Telefon nähere schriftliche Infos anfragen. Und wenn Ihre Kunden Unternehmen sind? Dann können Sie die Artikel auch bei firmeninternen Präsentationen Ihren Kontaktpersonen überreichen. Sie schlagen damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie platzieren einen Beleg Ihrer Kompetenz und hinterlassen ein Instrument, mit dem Ihre Kontaktpersonen, die oft nicht die alleinigen Entscheider sind, firmenintern begründen können, warum sie gerne mit Ihnen zusammenarbeiten würden.

Nur wenn Sie die erschienenen Artikel so nutzen, entfaltet die Pressearbeit mit der Zeit die gewünschte Wirkung. Das heißt, Sie werden, wenn Kunden auf der Suche nach einem Spezialisten mit Ihrem Profil sind, nicht nur leichter gefunden. Sie können Ihre Kompetenz mithilfe der Artikel auch glaubwürdiger belegen. Und das erleichtert Ihnen das Verkaufen.

Buchtipp

Mit PR auf Kundenfang - Pressearbeit für Einzelkämpfer, Dienstleister und beratende Berufe [59]

[Bild: Doreen Salcher - Fotolia.com]

Crossmedia: Wie Sie die Klickrate auf Ihrer Homepage steigern

Seit der Freischaltung des „Glatzenrechners“ von Alpecin haben sich mittlerweile weit über eine Million Männer die Entwicklung ihrer Haarpracht vorhersagen lassen. Ein Riesencoup für den Haarpflegehersteller und ein schönes Beispiel dafür, wie eine online angebotene Mehrwertleistung für Aufmerksamkeit sorgen kann.

Und genau darum geht es in einer Welt, in der die Aufmerksamkeit von Kunden und Konsumenten immer schwieriger zu bekommen ist. Schließlich nimmt die Informationsüberflutung permanent zu, während die menschliche Informations-Verarbeitungskapazität gleich geblieben ist. Die Folge: Der Drang, Informationen zu selektieren, wird immer stärker. Doch mit Mehrwertangeboten, die wie etwa der Glatzenrechner innovativ, nützlich oder unterhaltend sind, kann die Aufmerksamkeit potenzieller Interessenten und Kunden geweckt werden – und der Umsatz angekurbelt werden.

Zielgruppengerechtes Mehrwertangebot entwickeln

Mehrwertangebote wie der Glatzenrechner sind ungewöhnlich, unerwartet und mitunter exotisch – und haben deswegen einen hohen Aufmerksamkeitswert. Es ist allerdings eine hohe Kunst, Informationen so zu präsentieren, dass sie die Neugier der Zielgruppen wecken und damit die Bereitschaft erhöhen, sich mit diesem Mehrwertangebot zu beschäftigen. Die Besucher einer Website sind jederzeit fluchtbereit. Sie müssen ihnen also etwas bieten, damit sie Ihre Homepage anklicken und dort auch bleiben.

Im ersten Schritt gilt es, sich ein Mehrwertangebot zu überlegen, das zur Zielgruppe des eigenen Unternehmens passt. Das können sowohl nützliche Checklisten, Podcasts oder Onlinetests sein als auch partizipative Formate, etwa Onlineumfragen, Live-Chats, Foren, Gewinnspiele oder sonstige interaktive Serviceangebote. Entscheidend für die Akzeptanz bei Interessenten und Kunden ist, wie attraktiv das Angebot für die Nutzer ist.

Daher:

  • Bieten Sie Ihnen ein Angebot, das Ihre Wettbeweber nicht haben.
  • Locken Sie mit etwas, was Ihre Zielgruppe nicht erwartet.
  • Entwickeln Sie etwas, das auf dem ersten Blick unmöglich erscheint.

Übertreiben Sie es aber nicht, denken Sie an Ihre Zielgruppe. Profis beherzigen die MAYA-Regel: „Most Advanced Yet Acceptable“, also, „So extrem wie möglich, aber noch erträglich“. Ungewöhnliche Angebote sind im Übrigen nicht nur optimale „Aufhänger“ für die Medien, sondern ideal für virales Marketing und damit für Schneeballeffekte prädestiniert.

100.000 Klicks pro Tag generieren

Ist das Online-Angebot clever und pfiffig, können auch Newcomer sensationelle Erfolge einfahren, wie die K-fee AG zeigte. Die Berliner Company platzierte auf ihrer Homepage www.k-fee.de Videoclips mit Adrenalin ausschüttenden Effekten, um schnell ihren Energiedrink auf Kaffee-Basis bekannt zu machen. Und das gelang mustergültig. Bis zu 100.000 Viewer pro Tag klickten die Clips an. Jeden runter geladenen Clip leiteten User per E-Mail im Schnitt neun Mal weiter. Und die in den Clip integrierten Links generierten über zehn Prozent Response-Rate. Heute ist K-fee die Nummer zwei im Markt der Ready-to-drink-Kaffeegetränke nach Nestlé, aber vor Jacobs.

Hier sehen Sie die Clips der K-fee AG auf YouTube [60] .

Den Leser gezielt „führen“

Die beste Online-Idee nützt jedoch nichts, wenn keiner sie kennt. Immerhin gibt es zig Millionen Websites, die um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlen. Ein Mehrwertangebot muss also bekannt gemacht werden. Dazu eignen sich zum Beispiel klassische Werbeinstrumente. Wirkungsvoller und zugleich effizienter ist indes eine zielgerichtete Pressearbeit, wie eine medienpsychologische Feldstudie von mir belegt.

Untersucht wurden die Potenziale crossmedialer Vernetzungen sowohl in Print- als auch in Onlinemedien. Diese Untersuchung belegt, dass es mithilfe von Öffentlichkeitsarbeit hervorragend gelingt, Leser von Printmedien und Nutzer von Onlinemedien mithilfe eines Mehrwertangebots gezielt auf eine bestimmte Website zu lenken. Der besondere Charme von Veröffentlichungen, die crossmediale Verweise enthalten, besteht darin, dass sie die Gesamtwirkung der Kommunikation deutlich verstärken, da es gelingt, Leser und Webuser zu „führen“ – in diesem Fall auf die Website des Mehrwertanbieters.

Hinweis

Weitere Informationen zur Studie in dem Buch

Crossmediale Wirkung: Eine empirische medienpsychologische Untersuchung [61]

Die Medienstrategie muss stimmen

Die crossmediale Kommunikation ist wie alle Marketingmaßnahmen sorgfältig zu planen, um gleichermaßen effizient und effektiv zu sein. Die bereits erwähnte Studie, an der rund 1.500 Leser teilnahmen, weist nach, dass sowohl Medienfaktoren, etwa die Medienart (Print- bzw. Onlinemedium) und die Textart (Best-Practice-, Ratgebertext oder Meldungen) als auch Merkmale der Leser und Webnutzer (Alter, Bildungsgrad, berufliche Position, Tätigkeit etc.) enormen Einfluss darauf haben, wie erfolgreich sie sich auf eine Ziel-Website lenken lassen.

Was viele angesichts des Hypes um Web 2.0 vermutlich so nicht erwarten: Das crossmediale Potenzial von Printmedien ist bislang nachweislich deutlich höher als das von Onlinemedien, wie die besagte Studie belegt. Obwohl die User bei den online veröffentlichten Texten, lediglich auf den angegebenen Link klicken mussten, um das beworbene Mehrwertangebot nutzen zu können – in der Studie ging es um einen kostenfreien Führungs- bzw. Verhandlungstest – besuchten drei Mal mehr Besucher aufgrund von Veröffentlichungen in Printmedien die Ziel-Website. Vor allem mit Best-Practice-Beiträgen und kurzen Pressemitteilungen ließ sich die Aufmerksamkeit von Rezipienten auf die Onlinetests lenken.

Die Nutzungsmotive der Leser beachten

Crossmedial angelegte Kampagnen, deren Ziel es ist, ein Mehrwertangebot im Internet bekannt zu machen, sollten zudem beachten, dass es unterschiedliche Nutzungsmotive der Leser und Webuser gibt: Die einen haben vermehrt Informationsbedürfnisse, die anderen bevorzugen Unterhaltungsangebote. Auffallend ist, dass User zu Unterhaltungszwecken online gehen, wie die jährlich durchgeführte ARD/ZDF-Online-Studie eindrucksvoll belegt. Des Weiteren beeinflussen Merkmale der Rezipienten sehr stark die crossmedialen Potenziale.

Führungskräfte etwa bevorzugen völlig andere Texte als beispielsweise Vertriebsmitarbeiter, die wiederum andere Textstile präferieren als Techniker oder Freiberufler, wie die medienpsychologische Analyse ergab. So lassen sich auch Viel-, Durchschnitts- und Wenigleser sowie typische „Websurfer“ und typische „Print-Leser“ differenzieren. Die Kenntnis und Berücksichtigung dieser Nutzerprofile erleichtert es, sehr zielgruppenspezifisch zu kommunizieren und dadurch den Erfolg einer crossmedial angelegten Kampagne zu steigern.

Strategisch geschickt initiiert eignet sich die crossmedial angelegte Pressearbeit optimal dazu, eine Unternehmens-Website und ein dort integriertes Mehrwertangebot gezielt und noch dazu sehr kostengünstig zu bewerben. Richtig angepackt bietet Ihnen die crossmediale Vermarktung Ihrer Produkte und Leistungen darüber hinaus die Vorteile,

  1. die Wirkung Ihrer Werbe- und PR-Aktivitäten zu evaluieren,
  2. Ihre Kommunikationsaktivitäten zielgruppengerecht zuzuschneiden und dadurch effizienter zu gestalten und
  3. frische Adressen für Ihr Direktmarketing zu generieren. Letztlich kann auf diese Weise Ihr Akquiseprozess optimiert werden.

Checkliste: So entfalten Sie crossmediale Potenziale

  1. Definieren Sie Ihre Zielgruppe(n), die Sie erreichen wollen.
  2. Überlegen Sie sich dann eine Mehrwertleistung, die einen Anreiz für diese Zielgruppe(n) darstellt und sich von dem Angebot Ihrer Wettbewerber unterscheidet.
  3. Denken Sie daran: Nicht das Produkt, sondern der Nutzen ist wichtig.
  4. Gestalten Sie das Mehrwertangebot so, dass Sie darüber in den Dialog mit den Nutzern kommen. Auf diese Weise generieren Sie Adressen, die Sie wiederum für Ihr Direktmarketing nutzen können.
  5. Machen Sie Ihr Angebot mithilfe von Öffentlichkeitsarbeit bekannt.
  6. Legen Sie Ihr PR-Budget fest, und erstellen Sie einen Kommunikationsplan.
  7. Erstellen Sie einen Medienverteiler, über den Sie Ihre Zielgruppen erreichen können.
  8. Bereiten Sie Texte vor, in denen Sie auf die Mehrwertleistung auf Ihrer Website verweisen.
  9. Achten Sie darauf, dass bei den Veröffentlichungen sowohl die bevorzugt eingesetzten Medien- und Texteformate als auch die Zielgruppenmerkmale berücksichtigt werden.
  10. Werten Sie systematisch aus, welche crossmedialen Effekte Sie erzielen.

[Bild: Alex - Fotolia.com]

Unternehmensbesichtigungen: Kundenveranstaltungen neu definiert

Marketingpotenzial erkennen

Unternehmen suchen zunehmend nach neuen Lösungen im Marketing. Grund: Die klassischen Methoden stoßen immer mehr an Grenzen. Komplette Marketingstrategien verpuffen wirkungslos, immer höhere Budgets stehen einer immer geringer werdenden Kundenwirkung gegenüber. Durch diese Herausforderung haben neue Wege und Methoden erstmals eine Chance, die jahrzehntelang eingeübten Mechanismen des Massenmarketings aufzubrechen. Insbesondere Kundenveranstaltungen werden in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen:

  1. Kunden sind mit (Werbe) Reizen überflutet,
  2. Kunden wollen heute ganz anders angesprochen werden und
  3. Kunden steuern heute die Kommunikation.

Kundenveranstaltungen, und dazu zählen auch die traditionellen Werksbesichtungen, Betriebsführungen und Unternehmenspräsentationen, werden der veränderten Kommunikationssituation der Kunden eher gerecht, weil:

  • Veranstaltungen bieten die Möglichkeit, den Kunden genau anzusprechen.
  • Veranstaltungen zeichnen sich durch eine hohe interaktive Kommunikation aus.
  • Veranstaltungen dienen dazu, den Kunden und seine Bedürfnisse besser kennenzulernen.
  • Veranstaltungen prägen den Einfluss auf den Kunden durch die Erlebnisstärke.

Aber, Kunden haben genaue Anforderungen an eine professionelle Veranstaltung: thematisch, inhaltlich und ablaufbezogen!

Hintergrund der Unternehmensbesichtigungen

Betriebsbesichtigungen werden in Deutschland seit Jahrzehnten in fast allen mittleren und großen Unternehmen, sowohl im B2B-, als auch im B2C-Bereich durchgeführt. Bisher werden Unternehmensbesichtigungen in der klassischen Marketing-Kommunikation jedoch kaum Beachtung geschenkt. Lediglich im Bereich der Public Relations wird auf die Verwendung von Unternehmensbesichtigungen als Instrument zur Imageverbesserung hingewiesen.

Grund hierfür ist, dass als Zielgruppen von Betriebs- oder Werksbesichtigungen vorrangig Journalisten, Händler und Investoren gesehen werden. Die Möglichkeit der Besichtigung bieten fast alle Unternehmen und zwar nicht nur für die eben genannten Zielgruppen, sondern auch für Privatpersonen.

Zu einer Betriebsbesichtigung kommt der Teilnehmer freiwillig und in der Regel aus eigenem Antrieb. Er ist bereit, sich über mehrere Stunden mit dem besuchten Unternehmen auseinanderzusetzen. Er möchte mehr über die Herkunft der Produkte erfahren, die er im täglichen Leben nutzt. Er informiert sich über Produkte, die er bisher noch nicht in seine Kaufentscheidung einbezogen hat. Er ist bereit, sich beeindrucken zu lassen und neue Erkenntnisse zu sammeln.

Das Unternehmen kann in einen direkten Dialog mit den Teilnehmern treten, wichtige Marktinformationen und Kundendaten sammeln, Interessenten und Neukunden gewinnen, sowie bereits bestehende Kundenbeziehungen verstärken oder reaktivieren. Mittels gut durchdachter Vor- und Nachbereitung und einer erlebnisreich gestalteten Durchführung der Betriebsbesichtigung, zum Beispiel durch die Möglichkeit, die hergestellten Produkte zu probieren oder zu testen, kann nachhaltig die Kaufentscheidung der Teilnehmer beeinflusst werden.

Formen von Unternehmensbesichtigungen

Unternehmensbesichtigungen treten in verschiedenen Formen auf. Es kann zwischen internen und externen Veranstaltungen unterschieden werden:

  • Interne Events betreffen die Führungskräfte und Mitarbeiter des Unternehmens, zum Beispiel Jubiläen, Festakte und Außendienstkonferenzen.
  • Externe Events wenden sich an aktuelle und potenzielle Endkunden oder Absatzmittler, zum Beispiel Messen, Vorstellungen neuer oder verbesserter Produkte, Eröffnung neuer Geschäftsräume und viele mehr.

Hausmessen:

Eine Hausmesse ist meist über mehrere Tage angelegt. Unternehmen nutzen diese Form, um sich allen Geschäftspartnern zu präsentieren. Dabei wird in der Regel auch ein umfangreiches Programm geboten. Besucher können Fachvortrage hören, neue Produkte kennenlernen oder sich an freien Diskussionsrunden beteiligen.

Produktpräsentationen:

Zu der reinen Produktpräsentation werden in der Regel nur ausgewählte Personen geladen. Hier stehen meinungsbildende Persönlichkeiten im Vordergrund, beispielsweise Investoren oder die Presse vom Produktnutzen der Innovation zu überzeugen.

Tag der offenen Tür:

Zu einem „Tag der offenen Tür“ ist jedermann eingeladen. Unternehmen und andere Organisationen, wie z.B. Hochschulen, öffnen sich an diesem Tag für die breite Öffentlichkeit.

Werks-, Betriebs- oder Unternehmensbesichtigungen:

Sie finden in den meisten Unternehmen zu regelmäßigen Terminen statt, wöchentlich oder sogar täglich.

Prinzipiell können sie für sehr viele verschiedene Zielgruppen eingesetzt werden. Gegenüber den anderen Formen bieten solche Besichtigungen die Möglichkeit, Zielgruppen individuell anzusprechen, indem zielgruppenorientierte Konzepte eingesetzt werden.

Zielgruppen von Unternehmensbesichtigungen

Da Unternehmensbesichtigungen in der Regel jeden ansprechen sollen, stehen Unternehmen sehr unterschiedlichen Teilnehmergruppen gegenüber. Selbstverständlich ist es jedem Unternehmen selbst überlassen, für wen es die Besichtigungen durchführen möchte. Da unterschiedliche Besucher aus unterschiedlichem Anlass und mit unterschiedlichen Erwartungen in ein Unternehmen kommen, ist es wichtig, dass sich die gastgebenden Unternehmen über deren Ziele im Klaren sind.

Die wichtigsten Zielgruppen sind:

Kunden/Interessenten:

Kunden suchen die Nachkaufbestätigung. Sie wollen sich vergewissern, dass sie mit dem bereits erworbenen Produkt und dem damit verbunden Image, das auch über den Hersteller transportiert wird, die richtige Entscheidung getroffen haben. Interessenten wollen sich über neue interessante Produkte informieren und sehen, dass sich der Hersteller um sie bemüht und sie als Kunden gewinnen will.

Presse/Journalisten: 

Sie wissen, dass ihnen am Tag der Besichtigung nur die Vorzüge des Unternehmens präsentiert werden. Von ihnen wird eine Gegenleistung, in Form einer positiven Schlagzeile erwartet. Um so mehr erwarten Journalisten beeindruckt und besonders fürsorglich behandelt zu werden.

Öffentlichkeit/Fachöffentlichkeit:

Es darf eigentlich nicht sein, dass ein Teilnehmer dieser Kategorie zugeordnet wird. Letztendlich ist jeder Besucher am Unternehmen interessiert, sei es als zukünftiger Mitarbeiter, als potenzieller Neukunde oder als Weitervermittler des präsentierten Firmenimages.

Schüler/Studenten:

Bei dieser Zielgruppe sind weniger die Produkte und Dienstleistungen, als vielmehr die Berufschancen und Arbeitsbedingungen, die das Unternehmen bietet, von Interesse. Hier stehen Informationen über Ausbildungs-, Einstellungs- und Aufstiegsmöglichkeiten im Vordergrund.

Motive für Unternehmensbesichtigungen

Die Gründe an einer Unternehmensbesichtigung teilzunehmen sind von Zielgruppe zu Zielgruppe verschieden:

Kunde will den Kauf bestätigen

Der Teilnehmer hat bereits ein Produkt oder eine Dienstleistung erworben. Er erhofft sich, bei der Unternehmensbesichtigung weitere gute Gründe zu erfahren, die seinen Kauf bestätigen. Gleichzeitig interessiert er sich für andere Produkte des Unternehmens und für Innovationen. Da er bereits eines der Produkte kennt, stellt er Fragen, die sehr speziell sein können. Er hält Ausschau kompetente Ansprechpartner und erfahrene Experten.

Journalist soll wichtigen Artikel schreiben

Anlässlich einer Produktneueinführung setzt das Unternehmen durch die Besichtigung mit Journalisten auf eine zahlreiche und positive Berichterstattung. Journalisten wissen genau, dass ihnen bei Besichtigungen auch mal etwas „vorgemacht“ werden kann. Alles, was bei dieser Führung nicht optimal verläuft, könnte negativ auf das Unternehmen zurückfallen.

Bürger aus der Umgebung wollen sich einmal umschauen

Die Bürger in der Nachbarschaft des Unternehmens sind stets daran interessiert, was so hinter den Mauern der Fabrik vor sich geht. Nicht alle sind auch Mitarbeiter des Unternehmens oder kennen jemanden aus dem Betrieb. Deshalb ist es interessant, wie sich die Produktion entwickelt, wie Sicherheits- und Umweltfragen behandelt werden oder was das Unternehmen für die Förderung des Standortes und die Menschen für Konzepte hat.

Eine Schulklasse kommt zu Besuch

Schüler interessieren sich nicht für detaillierte Zahlen und Daten des Unternehmens. Sie wollen sehen, wie sich die Maschinen bewegen, welche Ausbildung man nach dem Schulabschluss absolvieren muss, um dort arbeiten zu können oder freuen sich darauf, die im Unternehmen hergestellte Limonade probieren zu dürfen.

Bewerber wollen sich ein Bild machen

Wirbt ein Unternehmen auf Hochschulmessen oder anderen Plattformen für Besichtigungen für Absolventen, muss es sich auf Fragen gefasst machen, die weit an den hergestellten Produkten und Arbeitsabläufen vorbei gehen. Von Interesse ist, ob das Unternehmen einen sicheren Arbeitsplatz bietet, inwieweit die Unternehmensphilosophie im Unternehmen gelebt wird, wie die Aufstiegs-, Fort– und Weiterbildungsmöglichkeiten sind oder wie ein „normaler“ Arbeitstag aussieht. Der beste Ansprechpartner für Absolventen sind leitende Mitarbeiter aus den jeweiligen Bereichen.

Potentiale von Unternehmensbesichtigungen

Es gilt zu konkretisieren, welchen Umfang der Überblick haben soll, den sich die Besichtigungsgruppe vom Unternehmen wünscht. Jede Teilnehmergruppe hat andere Interessen und verfolgt unterschiedliche Ziele. Ein weitestgehend standardisiertes Programm kann durch entsprechende Präsentationen der Teilnehmergruppe angepasst werden.

Einzelne Bestandteile der Unternehmensbesichtigung können je nach Teilnehmergruppe ausgetauscht werden, ohne den eigentlichen Rahmen ändern zu müssen. Wenn die Teilnehmerbedürfnisse genau bekannt sind, lässt sich der Erfolg der Besichtigung enorm erhöhen. Je mehr das Unternehmen über die einzelnen Teilnehmer einer Besichtigung weiß, desto individueller kann eine Führung abgestimmt werden, sodass ein Besuch zu einem ganz persönlichen Erlebnis wird.

Wichtig ist dabei, dass sich Unternehmen auch die Zeit nehmen, für jeden Kunden ein individuelles Programm zu entwickeln, basierend auf den Wünschen, die der Kunde bereist kommuniziert hat. Wesentlich wirksamer ist die Zusendung von Informationsmaterial nach dem Besuch. Der Besucher wird so erneut an das Erlebnis der Besichtigung erinnert und viel wahrscheinlicher das Material auch aufbewahren.

Erfolge von Unternehmensbesichtigungen

Mit einer Unternehmensbesichtigung werden nicht nur die Produkte als solche beworben, sondern vor allem Sympathie für die Marke und für das Unternehmen geweckt. Unternehmensbesichtigungen sind ein Mittel, um Vertrauen in die Produkte zu bilden und Vertrauen schafft Spielräume für Preisgestaltung.

Diese Form der Kundenpflege muss als integriertes Marketingmittel in den gesamten Marketing-Mix passen und darf auf keinen Fall im Widerspruch zu anderen Maßnahmen des Unternehmens stehen. Oft geht es dabei auch um das soziale Engagement des Unternehmens:

  • Wie wird mit den Mitarbeitern umgegangen? Denn wer mag schon ein Produkt eines miserablen Arbeitgebers kaufen?
  • Wie ist die Außenwirkung des eigenen Konsums? Denn wer mag schon nach außen zeigen, dass er das Produkt eines ungeliebten Anbieters bevorzugt?

Letztlich geht es darum, auch in der „Dienstleistung“ der Unternehmensbesichtigungen Werte und Tugenden zu etablieren, die der Kunde exzellenten Produkten zuweist und die dafür sorgen, dass die Eigenschaften einer Marke assoziiert werden. Denn das Wissen und Vertrauen in eine Marke sind Wegbereiter, um das Unternehmen anderen Anbietern vorzuziehen und ihm treu zu bleiben.

Empfehlung

Weitere Aspekte über die Bedeutung von Unternehmensbesichtigungen finden Sie in der Studie „Presenting Service!“ unter der Rubrik STUDIEN im Internet: www.DieServiceForscher.de [62]

[Bild: Pavel Losevsky - Fotolia.com]

Kundenmonitor 2010: Kunden setzen verstärkt auf Preis-Leistung

Der Studienleiter Matthias Metje meint zur aktuellen Entwicklung:

"Viele Unternehmen richten ihre Konzepte zur Steigerung der Kundenzufriedenheit immer noch zu stark auf reine Preisvorteile aus. Kundenbegeisterung entsteht dagegen häufig nicht über die günstigsten Preise, sondern über eine Top-Leistung zu einem günstigen Preis. So sind Champions der Globalzufriedenheit häufig auch beim von Kunden wahrgenommenen Preis-Leistungs-Verhältnis in ihrer Branche vorne."

Fast alle untersuchten Handelsbranchen können dieses Jahr die Zufriedenheit ihrer Kunden weiter steigern, allen voran die Lebensmittelmärkte mit einem Plus von fünf Basispunkten auf einen Zufriedenheitswert von 2,30 (Durchschnittsnote auf einer Skala von "vollkommen zufrieden" = 1 bis "unzufrieden" = 5). Die bisherigen Spitzenwerte für Optiker mit einem Mittelwert von 1,92 und Apotheken mit einem Mittelwert von 2,01 können erneut bestätigt werden.

Bei Finanzdienstleistern gelingt einzig den Fondsgesellschaften mit einem Plus von 13 Basispunkten eine deutliche Steigerung auf den Wert 2,76. Diese mussten in den Krisenjahren 2008/2009 einen Rückgang ihrer Zufriedenheitswerte hinnehmen und schaffen es aktuell wieder mehr, die Kunden mit ihren Leistungen zu begeistern. Auch Gas- und Stromversorger können frühere Verluste in der Kundenzufriedenheit mit stärkeren Steigerungen wieder ausgleichen, was vor allem auf die gestiegene Preiszufriedenheit zurückzuführen ist. Bei Mobilfunkanbietern ist eine über die Jahre konstante Steigerung der Kundenwahrnehmung zu beobachten. Speziell die Information zu angebotenen Produkten und Dienstleistungen sowie das Tarifangebot führen zu einem Anstieg der Globalzufriedenheit um deutliche sieben Basispunkte auf den neuen Mittelwert 2,17.

Bei den Fluggesellschaften honorieren die Kunden stärker die Sicherheitsstandards der Flugzeuge – mit weiteren bedeutenden Serviceaspekten an Bord führt dies zu einer Steigerung um fünf Basispunkte auf den aktuellen Zufriedenheitswert von 2,22.

Durch die Internetverbreitung neu hinzukommende Branchen werden aus Kundensicht unterschiedlich beurteilt: Der vorwiegend über den Onlinekanal operierende Versandhandel für Bücher, Medikamente und Bekleidung besetzt die Spitzenplätze im Branchenvergleich und punktet vor allem mit den Zufriedenheitstreibern Preis-Leistungs-Verhältnis und einem zuverlässigen sowie vollständigen Lieferservice. Steigende Beurteilungen im Preis-Leistungs-Verhältnis infolge eines erweiterten Leistungsumfangs führen auch bei Internetanbietern verstärkt zu höherer Globalzufriedenheit: Mit fünf Basispunkten im Plus liegen sie nun bei einer Zufriedenheitsnote von 2,32, jedoch hinter den Beurteilungen für die E-Mail-Anbieter mit einem deutlich besseren Mittelwert von 2,06.

Die Mitglieder von Online-Kontaktnetzwerken zeigen sich in diesem Jahr erheblich enttäuschter von ihren Communities. Während die Netzwerke im Vorjahr mit einer Zufriedenheitsnote von 2,35 im Mittelfeld des Branchenvergleichs lagen, rutschen sie 2010 um 18 Basispunkte auf ein Ergebnis von 2,53 ab. Damit liegen sie auf dem Zufriedenheitsniveau der öffentlichen Versorger - mit den Fondsgesellschaften sind dies die traditionellen Schlusslichter im Branchenranking.

Zur Studie

Der Kundenmonitor Deutschland wird vom Forschungsinstitut ServiceBarometer in München herausgegeben. Für die Studie wurden in diesem Jahr rund 32.000 Kunden zu ihrer Zufriedenheit mit zahlreichen Unternehmen befragt. Das bewertete Branchenset deckt ein breites Servicespektrum in Deutschland ab. Die Untersuchung erfasst Unternehmen des täglichen Bedarfs.

Quelle: ServiceBarometer AG

PR-Arbeit: Tipps für gelungene Pressemappen

  1. Inhaltsverzeichnis
    Machen Sie es dem Redakteur leicht und legen ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis an, das er direkt beim Aufschlagen der Pressemappe sieht. So kann er sich rasch einen Überblick verschaffen und zu den für ihn interessanten Stellen blättern.
  2. Pressemitteilungen
    Fügen Sie der Pressemappe mindestens eine neue, auf den Anlass abgestimmte Presse-Information bei. Zudem sollten zwei bis drei vorhergehende Pressemeldungen enthalten sein. Das Datum der Veröffentlichung wird beibehalten. So erhält der Redakteur alle Neuigkeiten des Unternehmens in chronologischer Reihenfolge.
  3. Firmeninformationen
    Aktuelle Hintergrundinformationen mit der genauen Firmierung, Gründungsdatum, Standorten, einem Überblick über das Produkt- oder Dienstleistungsportfolio sowie Angaben zu Branchen und Zielgruppen dürfen ebenfalls nicht fehlen. Ob die Informationen ausformuliert oder als Datenblatt mit Zahlen und Fakten präsentiert werden, ist Geschmacksache. Vermeiden sollten Sie allerdings Unternehmensbroschüren.
  4. Bildmaterial
    Ganz wichtig für eine Pressemappe ist Bildmaterial. Dieses sollte die Themen der beigefügten Presseinformationen illustrieren. Geeignet sind etwa Produktfotos oder Grafiken und Collagen. Auch ein Foto des Unternehmensrepräsentanten wird gern abgedruckt. Empfehlenswert ist, das Bildmaterial auf einer CD beizulegen. Ausgedruckte „Vorschaubilder“ geben dem Redakteur einen Überblick, welche Bilder er auf der CD findet.
  5. Zusatzmaterial
    Zusätzlich können Sie Ihrer Pressemappe Zitate des Unternehmensrepräsentanten beispielsweise zur Messe oder zu aktuellen Trends hinzufügen. Auch Interviews und eine Liste mit Themen für Fachartikel oder Anwenderberichte sind für den Redakteur hilfreich. Datenblätter, Biografien oder weiterführende Informationsmaterialien sind je nach Anlass ebenfalls sinnvoll.
  6. Gedruckt oder digital?
    Eine gedruckte Pressemappe hat den Vorteil, dass der Redakteur sie im persönlichen Gespräch in der Hand halten und darin blättern kann. Zudem hat er so die Möglichkeit, sich direkt bei den jeweiligen Themen Notizen zu machen. Darüber hinaus ist es für seine Arbeit hilfreich, wenn er sämtliches Material – nicht nur die Bilder – auf CD vorliegen hat. Für das Pressefach im Pressezentrum einer Messe genügt es, Pressemappen in digitaler Form vorzubereiten. Diese können sich die Redakteure bei Interesse mitnehmen, ohne viel Papier mit sich herumzuschleppen.
  7. Pressemappe nicht überladen
    Vor allem bei Messen gilt der Spruch „weniger ist mehr“. Die Pressemappe sollte – auch für das Pressegespräch – nicht mit Papier überfüllt werden, da Redakteure ja meist mehrere Unternehmen besuchen und von jedem von ihnen Pressemappen mitnehmen. Daher sollte eine Pressemappe lediglich die für den Anlass notwendigen Informationen enthalten. Besonders auf werbliche Broschüren sollte verzichtet werden. Weitergehendes Presse-Material kann im Web als Download zur Verfügung gestellt werden.

[Quelle: Walter Visuelle PR GmbH; Bild: pressmaster - Fotolia.com]

Onlinemarketing: Zehn typische Fehler beim Social-Media-Einsatz

1. Zögerlich: Viele Unternehmen sind nur halbherzig, unentschlossen und mit "angezogener Handbremse" dabei. "Abwarten und Tee trinken" ist nicht immer die beste Lösung, weil dann die Mitbewerber vorbei preschen und die Pole-Position bereits vergeben ist.

2. Planlos: Praktikanten erstellen Online-Profile auf Social-Media-Kanälen, die verwaisen. Dann wundert man sich, warum kein Erfolg eintritt. Viele Unternehmen haben kein Know-how, keine Ziele, keine Erfahrung und unterschätzen den Zeitaufwand.

3. Falsche Steuerung: Wenn der Einsatz von Social Media in der Werbe- oder IT-Abteilung betrieben wird, dann verpufft das Investment ohne Erfolg. Der Social-Media-Einsatz sollte aus der Marketing-Kommunikation gesteuert werden und die anderen Abteilungen aktiv einbeziehen wie: Vertrieb, Personal, Support, F&E.

4. Einfallslos: Einige Unternehmen wollen bei Social Media einfach nur mitmachen, aber die Präsenz alleine reicht nicht aus. Die Netzwerke müssen auch mit aktuellen, relevanten und interessanten Inhalten bespielt werden. Sie brauchen regelmäßige Highlights durch virale Marketing-Aktionen mit Social Media Content: Texte, Grafiken, Audio und Filme.

5. Ängstlich: Social Media brauchen Freiraum, um Spontaneität, Kreativität und Empfehlungen zu entwickeln. Authentische, offene und vertrauensvolle Gespräche finden in angstvollen Unternehmenskulturen nicht statt. Erfolgreiche Rahmenbedingungen für Social Media sucht man dort vergeblich.

6. Geizig: Social Media brauchen kontinuierliche Ressourcen in Form von qualifizierten Mitarbeitern mit Budget, Konzept und professionellem Social Media Content.

7. Monologe: Ego-Meldungen und Werbung eignen sich nicht zum Social-Media-Einsatz für Unternehmer. Zunächst heißt es: zuhören, dann folgt der offene Dialog und schließlich die Moderation mit Diplomatie.

8. Juristische Härte: Probleme sollten möglichst ohne Abmahnungen oder Prozesse geklärt werden. Wer sich mit Bloggern per Anwalt auseinandersetzt, verliert schnell die Sympathien in Social Media und in der Öffentlichkeit.

9. Ungeduld: Viele Unternehmen erwarten von Social Media zu schnell zu große Erfolge. Social-Media-Engagement braucht aber zum Gelingen einen cleveren Plan, regelmäßigen Zeiteinsatz und ein kontinuierliches Engagement.

10. Zugeknöpft: Unternehmen müssen sich bei Social Media transparent und offen präsentieren. Nicht jeder Unternehmer ist bereit dazu. Viele haben Angst, Geheimnisse preiszugeben. Doch das erwartet niemand. Es geht um den offenen Dialog auf Augenhöhe und partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Hinweis

Dies ist ein Auszug aus dem Buch "Social Media für Unternehmer: Wie man Xing, Twitter, Youtube und Co. erfolgreich im Business einsetzt" [63] .

[Bild: fizzgig - Fotolia.com]

Mobile Internet: So wird die Webseite fit fürs mobile Zeitalter

1. Wichtigste Informationen definieren

Zuallererst sollten Unternehmen definieren, welche Informationen für die mobilen Besucher von primärem Interesse sind. Dabei zu bedenken ist, dass mobile Nutzer in der Regel  unterwegs sind und möglichst schnell und umkompliziert die benötigten Daten finden sollten. Dazu gehören beispielsweise die Adresse, Telefonnummer und Öffnungszeiten des Unternehmens oder des Shops, Zeit und Ort der Veranstaltung oder des Seminars – je  nachdem, was das Kerngeschäft des Unternehmens ist.

2. Verlinken

Sind die wichtigsten Informationen definiert, sollte man auch nur diese auf die mobile Homepage setzen, dabei aber offensichtliche Wege bieten, um bei Bedarf auf alle anderen Informationen zugreifen zu können, die von einem mobilen Gerät aus nützlich sein könnten. Gleichzeitig sollte man stets einen Link zur Standard-Webseite zur Verfügung stellen, da es auch sein könnte, das der mobile Benutzer etwas wieder finden möchte, das er zuvor dort gesehen hat.

3. Mobile Geräte auswählen

Der Markt an mobilen Geräten, auf denen sich Webseiten abrufen lassen, ist groß. Zu groß, um die Homepage für jedes einzelne aufzubereiten. Deshalb gilt: Die Statistiken zum Abruf der eigenen Webseite anschauen und die wichtigsten Geräte auswählen, auf denen die mobile Webseite perfekt aussehen soll. Dabei sollte man gewährleisten, dass die Seite auch für ältere Geräte geeignet ist. Hält man sich dazu an die Standards und baut verlässliche HTML4-Strukturen, stellt dies unter vielen anderen Vorteilen sicher, dass Cascading Style Sheets (CSS) und JavaScript (JS) ignoriert werden und auch ältere Geräte die Seite problemlos anzeigen.

4. Design und Inhalt trennen

Damit der Inhalt in verschiedenen Formaten und Kanälen einfach veröffentlicht werden kann, sollten Design (CSS) und Funktionalität (JS) so gut wie möglich davon getrennt werden.  Das bedeutet in der Praxis zum Beispiel, dass keine Schmuckbilder, die lediglich dem Layout dienen, in das Markup eingefügt werden sollten. Seitenbesucher mit einem mobilen Gerät erfreuen sich dann über ein schnelleres Laden der Seite.

5. Größe optimieren

Die Ladezeit von Webseiten auf mobilen Geräten lässt sich auch erheblich verkürzen, wenn die Größe der Seiten optimiert ist. Dazu kann man beispielsweise sogenannte Image-Sprites verwenden, bei denen aus allen einzeln verwendeten Bildern ein großes gebaut wird, was wesentlich weniger speicherintensiv ist. Auch sollte man versuchen, möglichst wenige CSS- oder JavaScript-Dateien in die Seiten einzubinden, gzip-Kompression ermöglichen und die Cache-Einstellungen (Verfallszeit, Expires-Header) optimieren.

6. Vorbeugen

Nicht zuletzt sollte die Webseite so programmiert sein, dass sie auch im Worst Case noch gut aussieht. Verwendet man Feature-Erkennung für den jeweiligen mobilen Browser, ist die Seite abwärts und aufwärts kompatibel, auch wenn man etwas in JavaScript programmiert, das auf manchen Geräten nicht angezeigt werden könnte. Bei der  Nutzung zusätzlicher JavaScript-Funktionalitäten sollte man nach der „Progressive Enhancement“-Methodik verfahren, bei der die Webseite schrittweise mit neuen Technologien verbessert wird. Dadurch sieht die Seite auch bei älteren Browsern noch passabel aus.

[Quelle: Day Software; Bild: Fotolia.com]

Digitale Markenführung: Zwischen Information, Kommunikation und Dialog

Die Tendenz der Mediennutzung geht hin zur Nutzung verschiedener Einzelmedien über ein Ausgabegerät. Ein Beispiel ist das Apple iPad. Auf einer Fläche von 9,7 Zoll können Sie lesen, Filme schauen, spielen, schreiben und im Internet surfen. Oder denken Sie an Ihren PC zu Hause. Vermutlich nutzen Sie ihn nicht nur, um daran zu arbeiten, sondern schauen auch dort hin und wieder einen Film oder telefonieren mit Freunden über Skype.

Doch nicht nur die technische Mediennutzung verändert sich. Auch auf inhaltlicher Ebene verschmelzen die Angebote miteinander. Information, Unterhaltung, Interaktion und Transaktion wachsen stärker zusammen. Der Start eines Kinofilms zum Beispiel findet längst nicht mehr nur Aufmerksamkeit im Lichtspielhaus und über klassische Bewerbung. Filmkritiken werden in Zeitschriften und auf Online-Portalen veröffentlicht, die Zuschauer diskutieren im Anschluss in Blogs oder sozialen Netzwerken über das Gesehene und das korrespondierende Computerspiel kann online gekauft werden. Die Grenzen der Medien verschwimmen und die Nutzer stehen vor der Herausforderung, die für sie richtigen und relevanten Informationen herauszufiltern.

Verstärkt zieht es sie dazu in das Internet. Denn nirgends sind Informationen so schnell abruf- und wiederverwertbar. Außerdem stehen Online-Angebote durch die wachsende mobile Nutzung immer und überall zum Abruf bereit. Für die Nutzer stehen drei wesentliche Punkte bei der Online-Nutzung im Vordergrund: Information, Kommunikation und Dialog. Genau darauf muss sich die digitale Markenführung konzentrieren, um über alle Kanäle hinweg (be-)greifbar zu bleiben.

Information: Meine Marke ist wichtig

„Wir müssten mal ein YouTube-Video machen.“ Diese Aussage gehört zu den beliebtesten Vorstellungen von Unternehmenslenkern, die sich bewusst sind, den Kanal Online nicht vernachlässigen zu dürfen. Dicht gefolgt sind solche Wünsche von „Wir müssten mal eine Facebook-Seite erstellen.“ und „Wir werden einen Blog einrichten.“ Diese Ideen sind gut, sofern sie sich in die Gesamtstrategie der Markenkommunikation einordnen lassen.

„Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten“, wusste schon Oscar Wilde. Wer keine geeigneten Inhalte zur Online-Kommunikation hat, erstellt sie entweder oder enthält sich. Der Online-Konsument ist kritisch und informiert sich effizient. Er bemerkt schnell, wenn ihm nur leere Worthülsen begegnen. Er sucht Mehrwert. Ein Unternehmen, das online informiert, sollte dies aktuell, gehaltvoll und konsistent vornehmen.

Wenn Sie also ein YouTube-Video erstellen möchten, fragen Sie sich, wer dies mit welchem Anspruch sehen will und ob es sich zur viralen Verbreitung eignet. Wenn Sie ein Blog ins Leben rufen wollen, dann bauen Sie auf eine eigens hierfür bereitgestellte Redaktion, die einen festgelegten Redaktionsplan verfolgt und tagesaktuell berichtet. Entscheiden Sie sich für eine Facebook-Seite, stellen Sie markenbezogene, zielgruppenrelevante und abwechslungsreiche Informationen zur Verfügung. Ihre Zielgruppe wird sich bei einem solchen Angebot gerne bei Ihnen informieren.

Kommunikation: Meine Marke ist interessant

Sie möchten Aufmerksamkeit im Web erregen? Dann informieren Sie Ihre Zielgruppe nicht nur rein sachlich, sondern erzählen Sie Geschichten. Ihre Marke soll greifbar sein und Emotionen wecken. Menschen denken nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Bauch. Um sich in die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe hineinzuversetzen, müssen Sie empathisches Gespür entwickeln. Bei der Kommunikation geht es nicht nur um den reinen Austausch von Informationen, sondern um ein Geben und Nehmen der Kommunikationspartner.

Das bedeutet: Hören Sie zu. Ihre Zielgruppe weiß eine Menge zu erzählen, hat ihre eigene Meinung und vertritt diese mittlerweile selbstbewusst öffentlich. Dazu nutzen sie Kommentarfunktionen auf Ihrer Website, das eigene Blog, Social-Media-Plattformen oder Bewertungstools. Damit die Online-Nutzer über Ihre Marke reden, müssen Sie ihnen Details in die Hand geben, die wertvoll genug sind, um darüber zu diskutieren. Agenda-Setting findet auch und besonders im Internet statt, denn nur hier können schnell starke virale Effekte erreicht werden. Doch beobachten Sie immer genau, wer über Ihre Marke was genau zu berichten weiß. Wenn Sie den Informationsfluss nicht immer wieder in seine geregelten Bahnen leiten und aufmerksam steuern, können die viralen Aktivitäten auch aus dem Ruder laufen und negative Effekte bewirken. Dies hängt jedoch von Ihrer Initiative ab, Ihre Marke gekonnt und gewollt in Szene zu setzen.

Dialog: Meine Marke ist gesellig

Erzählen und Zuhören werden Sie nun bereits. Doch wie steht es mit der Unterhaltung? Ihre Zielgruppe möchte es nämlich ganz genau wissen – und zwar von Ihnen. Wenn Sie Ihre Marke online abbilden, Präsenz in sozialen Netzwerken zeigen und Feedback einfordern, werden sich Ihre Interessenten ganz unverblümt an Sie mit ihren Fragen wenden. Und das ist gut! Denn nirgends haben Sie eine bessere Gelegenheit, ihre kunden- und serviceorientierte Haltung besser zu beweisen, als im Internet. Hier sind Sie der direkte Ansprechpartner für die Fragen Ihrer Zielgruppe. Nutzen Sie diese Chance und zeigen Sie sich offen.

Eine Marke kann sich besonders dann sicher positionieren, wenn sie nahbar ist und die Zielgruppe sich mit ihr identifizieren kann. Deshalb müssen Sie die Bereitschaft zeigen, sich mit den Anforderungen der Interessenten auseinanderzusetzen. Nur dann werden Sie wahrgenommen und als seriöses Unternehmen weiterempfohlen.

Fünf Regeln: Meine Marke bleibt im Gespräch

Ihre Marke lebt im Internet von der Bereitschaft der Nutzer, sich freiwillig mit ihren Botschaften auseinanderzusetzen, und diese auch gerne weiter zu transportieren. Das wird sie nur tun, wenn Sie die Marke sympathisch findet und regelmäßig Neuigkeiten feststellen kann. Deshalb sollten Sie folgenden Regeln bei Ihrer digitalen Markenführung beachten:

1. Informieren Sie fundiert und regelmäßig

Die veröffentlichten Informationen sollten relevant, interessant und aktuell sein. Nur, wer etwas zu sagen hat, sollte sich zu Wort melden.

2. Erst zuhören, dann kommunizieren

Wer seiner Zielgruppe etwas erzählen möchte, sollte ihr in erster Linie zuhören. Danach kann auf empathische und sympathische Weise kommuniziert werden.

3. Unterhalten Sie sich mit Ihrer Zielgruppe

Ein offener Dialog mit Kunden und Interessenten unterstützt eine kunden- und serviceorientierte Kommunikationspolitik.

4. Lassen Sie sich weiterempfehlen

Das Internet eignet sich hervorragend, um Informationen mit Mehrwert schnell und effektiv zu verbreiten. Soziale Netzwerke können dabei wertvolle Unterstützung leisten.

5. Bleiben Sie wachsam

Kontinuierliches Monitoring sowie Reporting sind notwendige Maßnahmen, um die Online-Aktivitäten zu überprüfen und das digitale Markenbild zu fixieren.

[Bild: Scott Maxwell - Fotolia.com]

E-Mail-Marketing: Ein gelungener Betreff steigert die Öffnungsrate

E-Mails werden meist blitzschnell überflogen oder gelöscht. Bevor Leser das Todesurteil „Löschen“ aussprechen, haben zwei Anwälte das Wort: Absender und Betreff. Die Entscheidung über Lesen oder Löschen geschieht meist nach zwei Kriterien:

  1. Ist der Absender jemand, der mir immer wieder etwas Nützliches sendet?
  2. Klingt der Betreff so interessant, dass sich das Öffnen auch diesmal lohnt?

Hier ein paar Tricks, um dem Empfänger das Öffnen der E-Mail schmackhafter zu machen:

1. Kurz und prägnant das Wichtigste zusammenfassen

Fassen Sie die für den Leser wichtigste Information kurz und aussagekräftig zusammen. Erleichtern Sie es den Lesern, schnell zu erkennen, was an dieser E-Mail für sie relevant ist. Was verpasst jemand, der die Mail ungelesen löscht?

2. 50 Zeichen sollten reichen

Je kürzer eine Betreffzeile ist, desto besser wirkt sie. Aber es gibt viele Ausnahmen erfolgreicher langer Betreffs. Viele E-Mail-Dienste schneiden den Betreff bei 50 Zeichen ab. Mobiltelefone werden wichtiger und die kürzen auch. Daher:

3. Schlüsselworte nach vorne

Die wichtigsten Schlüsselworte sollten möglichst weit vorne stehen. Verschieben Sie die Worte Ihrer Betreffzeile so lange, bis Sie dieses Ziel erreicht haben. Riskieren Sie, dass Deutschlehrer Ihnen mangelnde Grammatikkenntnisse oder Steno-Stil vorwerfen: Die Öffnungsrate und nicht die Schulnote entscheidet über den Erfolg. Und hier schon der Widerspruch zu Regel 2: Manchmal ist es erfolgreicher noch ein Schlüsselwort mehr zu schreiben, auch wenn die zulässige Betrefflänge überschritten wird.

4. Konkret statt allgemein

„Sensationelle Angebote“ ist erstens viel zu allgemein und zweitens sieht es nach Spam aus. Schreiben Sie konkret, welche Angebote warum sensationell sind. Zum Teil kann schon die Angabe eines Zeitpunkts oder eines Orts einen Betreff konkreter machen. Das Wort „Gewinnspiel“ wirkt regelmäßig Wunder, wirkt aber ebenfalls noch stärker, wenn sie den Hauptgewinn nennen.

5. Provokativ und unerwartet Regeln brechen

Die ganzen Regeln in diesem Artikel sind schön und gut, aber der Posteingang wäre langweilig, wenn jeder sie beachten würde. Deshalb riskieren Sie auch einmal, Regeln zu durchbrechen und einen völlig unerwartet andersartigen Betreff zu verwenden. Das Risiko ist jedoch hoch, dass es in die Hose geht und daher:

6. Testen, testen, testen

Jede Betreffzeile sollte vor dem Hauptversand gegen eine Alternative getestet werden. Dazu versenden Sie die geplante Betreffzeile zunächst einmal an zehn Prozent der Empfänger. An weitere zehn Prozent versenden Sie einen Alternativtext. Wenn dieser besser ist, als der ursprüngliche, versenden Sie an die restlichen achtzig Prozent den Alternativtext. Als Kenngröße sollten Sie die Öffnungsrate unique verwenden: Das ist der Anteil der Adressaten, die eine E-Mail öffnen. Aber auch die Gesamtzahl der Öffnungen kann interessant sein: Eine auffällige Betreffzeile wird auch später gerne noch einmal angeklickt. Auf absolit.de/Analyse finden Sie Tipps zur richtigen Auswertung der Kennziffern.

7. Persönlich ansprechen

Datenbanktechnisch ist es ein Einfaches, den Namen des Adressaten in die Betreffzeile einzublenden. Der Erfolg ist beim ersten Mal meist überwältigend. Beachten Sie jedoch zwei Dinge: Verwenden Sie den Namen nur, wenn es passt. „Ihr aktueller Meilenstand, Herr Schwarz“ ist wirklich persönlich. Bei „Tolle Angebote nur für Sie, Herr Schwarz“ glaube ich nicht, dass ich wirklich der Einzige bin, der diese Angebote bekommt. Zweitens: Überstrapazieren Sie es nicht. Also nicht zu häufig den Eigennamen einblenden, sonst lässt die Wirkung nach. Es muss übrigens nicht immer der Eigenname sein, auch der Ortsname, die eigene Straße oder die eigene E-Mail-Adresse können in die Betreffzeile eingebaut werden. Auch der Firmenname oder die Abteilung bewirken ein Auffallen in der E-Mail-Flut.

8. Segmente bilden

Damit sich Empfänger persönlich angesprochen fühlen, können Sie auch zu einem weiteren Trick greifen: Sprechen Sie Frauen anders als Männer an. Oder verwenden Sie für Süddeutsche einen anderen Betreff als für Nordlichter. Natürlich können Sie auch einzelne Kundengruppen gezielt ansprechen. Damit der Aufwand sich in Grenzen hält, versenden Sie trotz unterschiedlichen Betreffs den gleichen Newsletter. Lediglich in einem Textbaustein am Anfang gehen Sie individuell auf das entsprechende Kundensegment ein. Trotzdem ist Vorsicht geboten:

9. Erwartungen erfüllen

Wecken Sie niemals in einer Betreffzeile Erwartungen, die Sie in der E-Mail nicht einlösen. So etwas schadet Ihrem guten Ruf als interessanter Absender. Die Folge sind sinkende Öffnungsraten. Irreführende Aussagen in der Betreffzeile sind übrigens laut Telemediengesetz strafbar.

Hinweis

Das Kapitel „Erfolgsfaktor Betreffzeile“ aus dem Buch „Leitfaden E-Mail-Marketing“ gibt es als kostenloses PDF unter http://absolit.de/Betreff [64]

Facebook Places: Welche Vorteile der Geo-Dienst für Unternehmen hat

Felix Holzapfel, Dozent für Facebook Marketing bei der Social Media Akademie (SMA) und Geschäftsführer von conceptbakery in Köln, prognostiziert den Unternehmen durch den Geodienst von Facebook große Chancen. Er sagt: 

„Hier schlummert großes Potenzial und zwar nicht nur für Gastronomen oder sonstige Ladenlokale, sondern aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten für nahezu jedes Unternehmen. Facebook Places ist der nächste Schritt, auf den sich Unternehmen schnell einstellen sollten."

Unternehmen werden automatisch Teil von Facebook

Viele Unternehmen sind bereits durch die Einführung der Community Pages bei Facebook präsent, obwohl sie selber nicht aktiv geworden sind. Durch Places wird diese Entwicklung noch einmal deutlich verschärft.

„Unternehmen müssen sich über die neuen Informationsflüsse klar werden. Denn es sind immer mehr die Nutzer, die entscheiden, ob Unternehmen in Social Media präsent sind beziehungsweise was, wann, wo und wie über diese Kanäle kommuniziert wird und nicht länger die Unternehmen“,

sagt der SMA-Dozent. Wenn ein Facebook-Nutzer bei einem kleinen Laden an der Ecke „eincheckt“ ist dieser gleichzeitig Teil des sozialen Netzwerkes.

„Unternehmen sollten diese Entwicklung zu ihrem Vorteil nutzen. Standortnachteile in der realen Welt werden durch aktive Online-Nutzung gemildert und können so sehr positive Effekte auf die Lokalitäten haben“,

so Holzapfel weiter. Promotions und Coupons wären die ersten möglichen Aktivitäten. Zu viel Werbung könne Nutzer verschrecken. Viel mehr ginge es darum, die Leute nicht mit Werbung 1.0 zu überfrachten, sondern Mehrwerte und Interaktion zu bieten. Dann könne auch ein enormer Bekanntheitsschub erreicht werden. Der SMA-Dozent geht davon aus, dass auf den Places Seiten eine Analyse der demographischen Angaben, sowie vielleicht sogar der Vorlieben und Interessen, der Nutzer abrufbar sind. Außerdem sollten Unternehmen besonderen Wert auf die Kommentare und Bewertungen der Nutzer legen, um so durch gezielte Verbesserungen den Käufern ein noch besseres Kauferlebnis zu bieten.

Kreativität ist gefragt

Nicht nur Gastronomiebetriebe können von Places profitieren. Holzapfel prognostiziert einen positiven Effekt nicht sowohl für Offline- als auch für Online-Händler. Ebenso für Veranstaltungen und Messen birgt die Entwicklung bei Geolocation ganz neue Möglichkeiten der Kommunikation.

„Der Fokus wird zunächst eher auf Bars, Restaurants und Modeketten liegen. Allerdings kann Places auch für große Marken, Events und sogar für den Onlinehandel extrem interessant sein. Nicht nur das Reale drängt in das Virtuelle, wir werden auch Entwicklungen in die entgegengesetzte Richtung beobachten können“,

prognostiziert der SMA-Dozent. Doch was können Unternehmen außer klassischen Rabatten leisten? Der Kölner ist überzeugt, dass es eine gewisse Prise Kreativität bedarf, um sich von der Masse abzuheben. Laut ihm sei Geolocation bisher noch eine grüne Wiese, die bespielt werden möchte. Es gäbe ein riesiges Potenzial, das es mit Kreativität auszuschöpfen gilt. Die Promotion-Guidelines von Facebook sollten hierbei allerdings nicht aus den Augen verloren werden.

[Quelle: Social Media Akademie; Bild: Simon Ebel - Fotolia.com]

Krisenende: Mittelstand setzt nach der Krise auf Marketing und Innovation

Während in der Krise vor allem Maßnahmen zur Kostensenkung und Prozessoptimierung angesagt waren, setzen die Manager jetzt auf Marketing und Innovation. Zwei Drittel aller Befragten sehen hier die besten Erfolgschancen, mehr als die Hälfte votieren für eine stärkere Differenzierung vom Wettbewerb. Dementsprechend würden die Manager auch die Prioritäten festlegen, wenn es um die konkrete Entwicklung und Umsetzung der Maßnahmen geht. Ulrich Görg, Geschäftsführer von Görg Consulting sagt:

„Dieses Ergebnis verwundert nicht, denn die meisten Unternehmen haben in der Krise ihre Hausaufgaben in Richtung Lean Management gemacht und müssen jetzt im Marketing Gas geben, um fit für die Zukunft zu sein."

Umsetzungsstärke und Erfahrung gefragt

Gefragt wurde in der Studie auch nach den Erfahrungen mit externen Beratern. Hier werden Spezialisten deutlich besser beurteilt als Werbeagenturen und Unternehmensberater. Aufschlussreiche Ergebnisse liefert die Untersuchung auch in Bezug auf die Anforderungen, die der Mittelstand an externe Berater stellt: Es kommt ihnen insbesondere auf Umsetzungsstärke und Erfahrung sowie Einsatzbereitschaft und Fachkompetenz an, während Empfehlungen sowie Größe beziehungsweise Internationalität des externen Partners vergleichsweise unbedeutend sind.

Hohe Skepsis bei der Frage erfolgsabhängige Honorierung ja oder nein

Eher konservativ begegnet der Mittelstand dem Reizthema erfolgsabhängige Vergütung. Mehrheitlich sieht man die Gefahr möglicher Kontroversen bei Messung und Nachweis. Insgesamt überwiegt die Meinung, dass gute Qualität auch ein gutes Honorar rechtfertigt.

Zur Studie

Bundesweit wurden für die Studie branchenübergreifend 164 Geschäftsführer und Führungskräfte von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) befragt.

[Quelle: Görg Consulting; Bild: Fotolia.com]

Markenführung: Marke als Botschaft an Stakeholder

Mit diesem Kauf macht man keinen Fehler

In der Kundenkommunikation entwickeln Sie Eigenschaften wie „gesund“, „technologisch führend“ oder auch „zuverlässig“. Überlegen Sie dabei, auf welche dieser Eigenschaften Ihre Kunden besonders Wert legen und worin Sie sich gegenüber Ihren Wettbewerbern besonders unterscheiden. Meist werden Sie dabei nicht auf einzelne Eigenschaften stoßen, sondern auf ein ganzes Eigenschaftenbündel. Verknüpfen Sie in diesem Fall die Teilzielgruppen mit den für diese Menschen relevanten Eigenschaften und kommunizieren Sie gezielt Slogans wie „Sicher ist sicher“ (Senioren) oder „Vorsprung durch Technik“ (Innovation).

Hier arbeitet sich`s gut

Immer wichtiger wird angesichts der demografischen Kurve die Arbeitgebermarke. Wichtigstes Kommunikationsmittel gegenüber potenziellen Interessenten für Ihre Ausbildungs- und Arbeitsplätze sind Ihre jetzigen Mitarbeiter: „Hier zu arbeiten ist super“ sollen sie kommunizieren. Mit diesem Ansatz können Sie sogar Unternehmen, die deutlich besser bezahlen, übertrumpfen. Denn wenn Sie mit Fortbildungsmaßnahmen, betrieblichem Kindergarten, freien Tagen an den Geburtstagen und einem positiven Arbeitsklima glänzen können, ist das für viele Fachkräfte wichtiger als die Gehaltsabrechnung.

Tipp

Laden Sie stets auch die Lebensgefährten zu einem Betriebsrundgang ein und sprechen Sie über die sozialen Markeneigenschaften Ihres Unternehmens. Denn die Partner sehen diese Vorteile, wenn es um die Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Eltern geht, oft stärker als die Fachkräfte selbst.

Alles läuft prima, liebe Bank

Auch an Ihre Bank sendet die Marke wichtige Hinweise: „Unsere Firma ist im Markt gut aufgestellt, solide geführt und hat keine nennenswerten Probleme.“ Dies zu kommunizieren, haben Sie zum größten Teil selbst in die Hand. Denn die relevanten Informationen stellen Sie über Monatsberichte und Bilanzen selbst zusammen. Wenn Sie Zahlen melden müssen, die Ihre Finanzmarke beschädigen können, erläutern Sie gezielt und offensiv die Zusammenhänge und wie Sie das Problem lösen möchten.

Werden Sie ebenfalls aktiv, wenn es zu negativen Berichten in der Öffentlichkeit kommt, denn auch Banker lesen Zeitung, schauen Fernsehen und informieren sich im Internet. Lassen Sie sich in diesem Fall einen Termin geben und erklären Sie die Hintergründe, vor allem, wenn Sie unfreiwillig Krisensignale (Rückrufaktionen, Freistellungen von Mitarbeitern) ausgesendet haben.

Wir sind stabil, lieber Lieferant

So manches Unternehmen gerät auch bei kleinen Problemen in große Schwierigkeiten, weil die Lieferanten um ihre Forderungen fürchten und aus Sicherheitsgründen nur noch gegen Vorkasse liefern möchten. Legen Sie sich hier die Markeneigenschaften „Guter Zahler“ und „Solvent“ zu, in dem Sie Ihre Zahlungsmoral nicht verschlechtern und jeden Anschein (zum Beispiel durch verzögerte Zahlungen, stornierte Bestellungen und ähnliches) vermeiden, dass Ihr Unternehmen in schwierigem Fahrwasser steckt. Bei entsprechenden Presseberichten kontaktieren Sie – genau wie bei den Banken – die wichtigsten Lieferanten und erläutern Sie die Situation.

Fünf Tipps für Ihre Markenführung

  • Prüfen Sie regelmäßig, wie Ihre Mitarbeiter in sozialen Netzwerken wie XING und Facebook auftreten. Machen Sie bei geeignetem Anlass (zum Beispiel bei einer Betriebsversammlung) klar, dass die Mitarbeiter, die ihren Arbeitgeber nennen, auch für die Marke des Unternehmens Verantwortung tragen.
  • Marken wirken nicht, wenn Sie nicht wiederholt werden. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie auf allen Kommunikationskanälen gegenüber der jeweiligen Zielgruppe mit den gleichen Markeneigenschaften auftreten.
  • Stellen Sie sicher, dass sich Eigenschaftenbündel nicht widersprechen. Wer gleichzeitig „sicher“ und „zuverlässig“ auf der einen und auf der anderen Seite „innovativ“ und „Abenteuer“ kommuniziert, wirkt nicht glaubwürdig und verwirrt die Menschen.
  • Die Eigenschaften einer Marke werden nicht nur in Worten, sondern auch in Designs, in Farben und auch durch die Kommunikationsmittel, mit denen sie transportiert werden, an die Zielgruppen weiter gegeben. Achten Sie darauf, dass alles im Sinne der gewünschten Eigenschaft harmoniert.
  • Häufiger Wechsel von Eigenschaften tut nicht gut. Planen Sie Markenveränderungen deshalb selten und führen Sie sie langsam durch. Gute Gründe dafür können gegeben sein, wenn sich das Geschäftsmodell eines Unternehmens sehr verändert hat oder Produkte und Leistungen neuen Zielgruppen geöffnet werden sollen.

Kommunikationsmanagement: Kunden unzufrieden mit Social-Media-Aktivitäten

Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Befragten nutzten die neuen Kommunikationskanäle bereits für Fragen, Beschwerden oder Anregungen. Fast zwei Drittel von ihnen (61 Prozent) waren jedoch unzufrieden, da die Unternehmen nicht auf ihre Belange eingegangen seien. 47 Prozent erhielten unzureichende Antworten. In vielen Fällen wurde auf klassische Serviceabteilungen verwiesen. Dr. Nils Andres, Geschäftsführer des Brand Science Institute, sagt:

"Bislang beruhen die Social-Media-Aktivitäten vieler Unternehmen auf reinem Aktionismus. Die Verantwortlichen haben bisher nicht verstanden, dass ihre Kommunikation bei Twitter und Facebook umfassend moderiert und begleitet werden muss."

Dafür seien qualifiziertes Personal mit den entsprechenden Entscheidungsspielräumen und speziell entwickelte Social-Media-Richtlinien eine Grundvoraussetzung.

Die Erwartungen der Nutzer an die Echtzeitkommunikation sei jedoch nicht so hoch, wie oft von Experten vermutet. Lediglich jeder Fünfte (18 Prozent) erwartet eine Real-Time-Betreuung zwischen 7 und 23 Uhr. 44 Prozent möchten innerhalb von drei Stunden eine Antwort auf ihre Frage, 13 Prozent reicht eine Rückmeldung nach mehr als fünf Stunden.

Immerhin ein Viertel (26 Prozent) der User machte positive Erfahrungen und wurde auch bei Facebook und Twitter kompetent und fachmännisch betreut. Andres bemerkt:

"Unternehmen, die in der realen Welt erfolgreiches Kundenmanagement betreiben, schneiden auch im sozialen Netzwerken gut ab. Umgekehrt bestätigen Unternehmen mit geringen Kundenzufriedenheitswerten ihr negatives Image im sozialen Web."

Zur Studie

Für die Studie würden mehr als 1.000 Probanden zu ihren Erfahrungen befragt.

[Quelle: Brand Science Institute; Bild: Andrzej Puchta - Fotolia.com]

Beziehungspflege: Die Kennzahlen im Loyalitätsmanagement

Planungssicherheit? Ein Widerspruch in sich! Wenn überhaupt, dann ist höchstens noch das Geschäft mit regelmäßig kaufenden durch und durch loyalen Kunden planbar. Das übermäßige Hantieren mit vergangenheitsorientiertem Zahlenmaterial hält sowieso nur von einem ab: sich intensiv mit den Kunden der Zukunft zu beschäftigen.

Schlimmer noch: Chefetage-Ziele sind meist reine Rentabilitätsziele, die nur eine Richtung kennen: nach oben. Das hat mit dem, was heutzutage in übersättigten Märkten möglich ist, nur noch wenig zu tun. Nichtsdestotrotz wird mit hohem finanziellem Aufwand versucht, der Konkurrenz Marktanteile abzukaufen. Doch während man vorne eifrig zugange ist, baggern andere einem hinten die eigenen Kunden weg. Oder man opfert berechtigte Kundeninteressen auf dem Altar kurzatmiger Gewinne, verheißungsvoller Boni und egozentrischer Karriereziele.

Die Messung der Beziehungsqualität muss zukünftig genauso wichtig sein wie die Messung der Profitabilität. Hierzu können Leistungskennzahlen (KPIs = Key Performance Indicators) eingeführt werden, die vornehmlich der Kundenloyalisierung dienen. Diese sind sieben an der Zahl:

Die Wiederkaufbereitschaft

Sie lässt sich für die verschiedenen Angebote und pro Kunde ermitteln. Die entsprechende Frage, am besten auf einer Skala von 0 bis 10 abgetragen, lautet wie folgt:

  • „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie dieses Produkt wiederkaufen?“

Die Gründe dafür können mit einer zweiten Frage ermittelt werden, und die geht so:

  • „Was ist der wichtigste Grund für die Bewertung, die Sie gerade abgegeben haben?“

Aus den Antworten lassen sich adäquate Sofortmaßnahmen ableiten, um die Wiederkaufbereitschaft künftig zu steigern. Ergänzend lässt sich erforschen, ob eine Ausweitung der Nachfrage auf weitere Produkte geplant ist oder infrage kommt.

Die Wiederkaufrate bzw. Nutzungshäufigkeit

Sie lässt sich für die verschiedenen Angebote, pro Kunde, pro Kundengruppe, für einzelne Bereiche, Betreuer und Verkaufseinheiten ermitteln. Sie ist ein vergangenheitsbezogener Wert, der sich allerdings in die Zukunft extrapolieren lässt. Auch hier ist eine Zusatzfrage sehr lehrreich:

  • „Was ist der wichtigste Grund, weshalb Sie sich wieder für dieses Angebot entschieden haben?“

Ergänzend kann ermittelt werden, wie hoch der Anteil am gesamten Auftragsvolumen des Kunden ist beziehungsweise, mit welchen weiteren Anbietern man sich den Kuchen teilt.

Der zukünftige Kundenwert

Das ist der abgezinste Geldwert eines Kunden über den prognostizierten Beziehungszeitraum. Dieser meist Customer Lifetime Value (CLV) genannte Wert wird nach einer komplizierten Formel berechnet. "Weiche" Faktoren wie der Beratungs-, Empfehlungs-, Referenz- oder Imagewert eines Kunden werden dabei – leider - nicht berücksichtigt, was die Betrachtung zwangsläufig in die falsche Richtung lenkt. Denn Kunden haben ja nicht nur einen rein finanziellen, sondern auch einen schätzbaren Reputationswert.

Die Empfehlungsbereitschaft

Hierzu wird am besten der Net Promoter Score (NPS) verwendet, der von Frederick Reichheld zusammen mit Bain & Company entwickelt wurde. Die dazu verwendete Frage lautet:

  • „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie Unternehmen X an einen Freund oder Kollegen weiterempfehlen werden?“

Die Antworten werden auf einer Skala von 0 bis 10 abgetragen. Als Promotoren gelten nur die Kunden, die ihre Empfehlungsbereitschaft mit 9 oder 10 einstufen. Von den Promotoren werden die Kritiker (zwischen 0 und 6) abgezogen. Der NPS kann positiv oder negativ sein.

Die Empfehlungsrate

Die Empfehlungsrate zählt zu den wertvollsten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Sie sollte im Businessplan ganz vorne stehen. Denn sie entscheidet über die Zukunft eines Unternehmens. Wer nicht länger empfehlenswert ist, ist auch bald nicht mehr kaufenswert. Was Sie im Wesentlichen wissen müssen:

  • Wie viele Kunden empfehlen uns weiter? Und warum genau?
  • Welche Produkte bzw. Services werden am stärksten empfohlen?
  • Wer genau hat uns empfohlen? Und wie bedanken wir uns dafür?
  • Wie ist der Empfehlungsprozess abgelaufen? Gibt es erkennbare und damit wiederholbare Muster?
  • Und schließlich: Wie viele Kunden haben aufgrund einer Empfehlung erstmals gekauft? Das ist Ihre Empfehlungsrate.

Die Kundenfluktuationsrate

Das ist die Anzahl der Kunden, die das Unternehmen jährlich verlassen. Wenn beispielsweise eine Firma pro Jahr 25 Prozent ihrer Kunden verliert, heißt das, dass die Kunden im Durchschnitt vier Jahre bleiben, sich also der komplette Kundenstamm alle vier Jahre erneuert. Ermitteln und vergleichen lassen sich diese Zahlen für einzelne Kundengruppen, Produktlinien oder Firmenbereiche und bei Filialisten und Franchisern für die einzelnen Niederlassungen beziehungsweise Partner. Entscheidend auch hier, die wahren Gründe für Kundenabwanderungen zu ermitteln, um zukünftig präventiv tätig zu werden.

Die Kundenrückgewinnungsrate

Das ist die Anzahl der zurückgewonnenen Kunden geteilt durch die Anzahl der zwecks Rückgewinnung kontaktierten Kunden. Kundenrückgewinnungsaktionen erfordern eine Menge Know-how. Richtig gemacht, sind die Erfolgsraten – egal ob im B2B oder im B2C - allerdings erstaunlich hoch. Untersuchungen und Praxisberichte zeigen immer wieder, dass beim Reaktivieren ehemaliger Kunden die Kosten niedriger und die Abschlussquoten wie auch die Rentabilität höher sind als im Neugeschäft.

Fazit

Diese sieben Kennzahlen entscheiden über das Leben und Sterben eines Unternehmens. So haben hohe Fluktuationsraten – vor allem, wenn die lukrativen Kunden wegbrechen - einen verheerenden Einfluss auf die wirtschaftliche Stabilität. Demgegenüber sind Empfehlungen wie auch Rückgewinnungsaktionen ergiebige Wege zu kostengünstigem Neugeschäft. Anhand dieser Kennzahlen und daraus abgeleiteter Indizes kann genauestens ermittelt werden, wie sich die systematische Erhöhung der Kundenloyalität auf das Unternehmensergebnis auswirken wird. Und diese Betrachtung ist dann nicht mehr vergangenheitsbezogen, sondern zukunftsorientiert.

Das Buch zum Thema

Kunden auf der Flucht? Wie Sie loyale Kunden gewinnen und halten [65]

Das Hörbuch zum Thema

Treue Kunden gewinnen und dauerhaft halten -  Die 25 wertvollsten Erfolgsrezepte für Kundenloyalität und Bestandskundenpflege [66]

[Bild: Dmitry Sunagatov - Fotolia.com]

Onlinemarketing: Unternehmen wollen Social-Media-Budgets erhöhen

Fast die Hälfte der Führungskräfte sieht steigende Investitionen ihrer Unternehmen in Social Media, wobei 27,7 Prozent der Befragten glauben, dass diese Ausgaben durch Umschichtung auf Kosten der Werbebudgets erfolgen – mehr als ein Fünftel (21,7 Prozent) glaubt an die Bereitstellung zusätzlicher Budgets. Bei der Frage nach der effizientesten Kommunikationsdisziplin rangiert allerdings nach wie vor Public Relations mit 46,7 Prozent aller Nennungen an erster Stelle – vor Internet-Marketing (45,3 Prozent) und Werbung mit 37,2 Prozent.

Gemischtes Bild bei Blogs

Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der befragten Technologie-Unternehmen betreibt inzwischen ein Corporate Blog. Damit liegt dieser Wert höher als bei der gleichen Umfrage im letzten Jahr (33 Prozent). Knapp 56 Prozent der bloggenden Unternehmen tun dies, um die Interaktion mit der Öffentlichkeit beziehungsweise mit den Kunden zu verbessern. Und mehr als ein Drittel (34 Prozent) bloggt, um das eigene Profil im Netz zu schärfen und sich in der Branche zu positionieren. Demgegenüber stehen jedoch etwa 60 Prozent der Unternehmen, die kein Corporate Blog unterhalten: Zeitmangel wird am häufigsten als Grund dafür angeben (38,9 Prozent), 31,5 Prozent sehen keinen Mehrwert in einem Unternehmensblog und 15,7 Prozent haben noch nicht darüber nachgedacht. 13,7 Prozent haben gar die Befürchtung, die Kommunikation nicht mehr steuern zu können und damit die Kontrolle zu verlieren.

Business Netzwerke eher für persönliches Networking

Einige Unterschiede bei der Präsenz im Social Web zeigen sich zwischen individueller Nutzung der Befragten und den von ihnen repräsentierten Unternehmen. Während drei Viertel (73 Prozent) der befragten Führungskräfte persönlich im weltweiten Business-Netzwerk LinkedIn organisiert sind (an zweiter Stelle folgt das Netzwerk Plaxo mit 19 Prozent), haben knapp die Hälfte (48,9 Prozent) der durch sie repräsentierten Untenehmen kein Firmenprofil in großen Netzwerken wie Facebook, Youtube oder Myspace.

Personaler nutzen Social Media

Interessant wird Social Media für die Personalplanung: Immer mehr Technologieunternehmen nutzen soziale Netzwerke als Informationsquelle bei der Personaleinstellung. Etwa 40 Prozent der Befragten gaben an, Social Media-Profile von potenziellen Mitarbeitern zu prüfen. Die Präsenz der Bewerber auf Seiten wie Facebook oder LinkedIn, Flickr, Xing und anderen nimmt damit Einfluss auf die Bewertung durch den Arbeitgeber.

„Social Media werden regional in Europa sehr unterschiedlich und mit deutlichem Nord-Süd-Gefälle genutzt. Zudem sehen viele Befragte Social Media noch als isolierte Kanäle statt als integrale Bestandteile einer Kommunikationsmatrix“,

kommentiert Christoph Schwartz, Inhaber von Schwartz Public Relations, die Ergebnisse der Studie. Es gehe nicht um PR oder Social Media, sondern um eine möglichst homogene und integrierte Kommunikation zu und vor allem mit den Zielgruppen.

Zur Studie

Europaweit wurden mehrere Hundert Führungskräfte in Technologieunternehmen nach ihrer Einschätzung zu Themen wie Corporate Blog, Social Networks, Recruitment im Social Web und dem Mehrwert von Social Media befragt.

[Quelle: Eurocom Worldwide; Bild: virtua73 - Fotolia.com]

Retail Brand: Einzelhandel braucht neue Eigenmarken-Strategien

Die internationale Managementberatung Batten & Company hat in ihrer aktuellen Studie "Die stärksten Eigenmarken im deutschen Handel" untersucht, welche Eigenmarken im Handel die höchste Markenstärke besitzen. In dem branchenübergreifenden Ranking rangiert die Preiseinstiegsmarke ja! von REWE mit einem Markenstärke-Wert von 5,8 (auf einer Skala von 0 bis 10) vor den Preiseinstiegsmarken Gut & Günstig von EDEKA (5,7) und TiP von real,-(5,4), der direkten Konkurrenz aus dem Lebensmitteleinzelhandel. Unter den Top 10 finden sich darüber hinaus Balea (5,1), K-Classic (4,9), REWE Qualitätsmarke (4,4), real,- QUALITY (4,2), baby-love (3,8), AS (3,8) und Milbona (3,8).

Quelle: obs/Batten & Company

Eigenmarken gehören für den Verbraucher inzwischen zur Grundausstattung des Einzelhandels. Aus Verbrauchersicht stehen sie vor allem für eine gute Qualität zu günstigen Preisen. Eine enge und langfristige Markenbindung mit positivem Einfluss auf die Kaufentscheidung des Kunden wird damit aber nicht erreicht.

Wer eine Eigenmarke nutzen will, um die Kunden an das eigene Unternehmen zu binden, also die Kundenbindung zu erhöhen, muss einen anderen Weg gehen. Bestnoten bei Markennutzen und Kaufeinfluss erzielten Marken, die klar auf Zielgruppen und/oder Sortimente ausgerichtet sind. Beispiele sind hier die Linessa-Diätlebensmittel von Lidl und babylove der Drogeriekette dm. Diese Marken haben maßgeblichen Einfluss auf die Wahl der Einkaufsstätte. Udo Klein-Bölting, Partner und CEO von Batten & Company, folgert:

"Die klassischen Eigenmarken im Preiseinstiegssegment sind für den Lebensmitteleinzelhandel unerlässlich. Sie taugen jedoch nicht länger zur Profilierung im Wettbewerb. Dazu sind klar positionierte Marken erforderlich, die sich an Zielgruppen und Sortimenten ausrichten. Erstaunlicherweise gibt es bisher aber nur wenige Unternehmen, die dieses Potenzial erkannt und ihre Strategie entsprechend ausgerichtet haben."

[Quelle: Batten & Company; Bild: obs/Batten & Company]

Werbung auf Facebook: Tipps für eine intelligente Zielgruppenansprache

Werbemaßnahmen auf Facebook gehören zurzeit noch zu den Exoten des Online-Marketings. Zu neu sind die Möglichkeiten, zu unentdeckt die Zielgruppenansprache, zu zurückhaltend die Erfolgsgeschichten. Doch Facebook Advertising wird nicht mehr lange unentdeckt bleiben: Beinahe 10 Millionen Menschen in Deutschland sind bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Mehr als die Hälfte der Nutzer ist der Altersgruppe 18-34 Jahre zuzuordnen, dicht gefolgt von den 13-17-Jährigen und den 35-44-Jährigen.

Die Werbeanzeigen auf Facebook, FADs, werden zurzeit sehr häufig eingeblendet. Eine Werbeeinblendung hängt zum einen von der Zufallsauswahl durch Facebook ab, zum anderen von den Kosten, die der Werbetreibende zu zahlen bereit ist. Je höher er die Kosten pro Klick oder die Kosten pro tausend Impressionen angibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit der Werbeeinblendung. Werbung auf Facebook funktioniert nach dem Auktionsverfahren. Da momentan noch sehr wenige Unternehmen Werbeaktivitäten auf Facebook verfolgen, sind die Mitbewerber meist gering und die FADs werden entsprechend häufig angezeigt.

Tipps, um erfolgreich auf Facebook zu werben

1. Präsenz auf Facebook zeigen

Auf Facebook zu werben ist eine gute Idee. Innerhalb einer Facebook Ad kann auf eine individuell bestimmbare Seite verlinkt werden. Die Nutzer von Facebook schätzen es zudem, persönliche und detaillierte Informationen über einen Anbieter zu erfahren oder ihre Sympathien einfach durch Klick auf den „Gefällt-mir“-Button auszudrücken. Deshalb empfiehlt sich das Angebot einer Fan-Seite oder eines Unternehmensprofils.

2. Zielgruppe genau definieren

Wen wollen Sie ansprechen? Ihre Antwort kann gerne detailliert ausfallen, denn Facebook bietet vergleichsweise umfangreiche Möglichkeiten, die Zielgruppe einzugrenzen. Hier eine kleine Auswahl: Alter, Geburtstag, Gefällt mir, Interessen, Ausbildung, Name der Hochschule oder Stadt. Durch die Suche mit Keywords kann der Interessentenkreis selektiert werden.

3. Anzeigenziel definieren

Möchten Sie mehr Fans für Ihre Fan-Seite gewinnen, neue Abonnenten Ihres Newsletters generieren oder den Produktverkauf fördern? Die Zieldefinition bestimmt im Wesentlichen die Interaktion mit dem Nutzer, die Sie fördern sollten. Virale Effekte erzielen Sie zum Beispiel über den „Gefällt mir“-Button in der FAD. Klickt der Nutzer darauf, erscheint seine Sympathiebezeugung in seinem Profil und wird somit an seine Freunde weitergeleitet. Mit „Jetzt abonnieren“ erhalten Sie gezielt mehr Abonnenten, sofern die Weiterleitung auf eine entsprechende Landing-Page vorhanden ist. Machen Sie sich die unterschiedlichen Interaktionsmöglichkeiten bewusst und nutzen Sie diese für die FADs.

4. Auffallende Anzeigen erstellen

Die Gestaltung der FADs sollte sorgsam und kreativ erfolgen. Nur so heben sie sich von den zahlreichen Kommunikationsangeboten auf der Plattform ab. Nicht nur Headline und Teaser sollten das gewisse Etwas widerspiegeln. Auch ein Bild darf keinesfalls fehlen, um sich von den anderen Werbeanzeigen ansprechend abzuheben.

5. Budget kontrollieren

Sie können wählen, wie viel Sie pro Klick und pro Tag für das FAD zahlen. Anzeigen, die ein hohes Gebot haben und eine hohe Qualität vorweisen, werden häufiger angezeigt. Facebook hat einen Prozess eingerichtet, der automatisch berechnet welchen Preis Sie mindestens bezahlen müssten, um die Anzeige mit den höchsten Kosten pro Klick oder Seitenaufruf zu haben. Variieren Sie den Preis. Kontrollieren Sie Ihr Anzeigenbudget regelmäßig, um eine hohe Anzahl von Werbeeinblendungen zu gewährleisten.

6. Passende Landing-Page erstellen

Als Landing-Page eignet sich entweder eine externe, speziell auf die Werbeaktion abgestimmte Webseite bzw. Microsite oder eine Facebook Fanseite. In jedem Fall sollten Sie darauf achten, auf der Landing-Page genau das Angebot aufzugreifen, das Sie innerhalb der Facebook Anzeige darstellen.

7. Sensibilität beweisen

Letztlich sollten Sie Ihre FADs sehr behutsam und intelligent platzieren. Vermeiden Sie Marktschreierei und bieten Sie echten Mehrwert. Facebook ist ein soziales Netzwerk, innerhalb dessen die Nutzer frei kommunizieren und ehrliche sowie für sie relevante Informationen erhalten möchten.

[Bild: Facebook]

Gold-Quelle 50plus: Ältere Kunden sind wie Edelmetall

Die Bevölkerungsstruktur verändert sich radikal, die Gesellschaft bekommt ein völlig neues Gesicht: Wir werden älter. Wir werden weniger. Wir werden multikultureller. Die Menschen altern in einem unvorstellbaren Ausmaß. Seit 2003 schrumpft die deutsche Bevölkerung und die Zahl der Migranten wird absolut und relativ steigen (müssen), sollen die aufkommenden Bedrohungen halbwegs lösbar bleiben. Die künftigen Jahrzehnte werden für Unternehmen zu einer Bewährungsprobe, die in ihrer Bedeutung alles bisher Dagewesene übertreffen wird. Die Unternehmen, die das verstanden haben, sind bereits aktiv und sichern sich frühzeitig die lukrativsten Märkte der Zukunft.

Die Alten kommen

Die ältere Generation gewinnt die Oberhand. Sie wird Politik und Wirtschaft dominieren. An ihr kommt keiner mehr vorbei. Ihre wirtschaftliche Bedeutung ist enorm. Sie ist die Quelle für Umsatz- und Ertragszuwächse. Die Daten 50plus sprechen für sich:

  • Ein Nettovermögen von 3 Billionen Euro;
  • In jeder Dekade werden zwischen 2 und 3 Billionen Euro vererbt;
  • Eine Kaufkraft von 320 Milliarden Euro;
  • Viermal so viel Geld wie junge Familien;
  • Etwa 60 Prozent aller Konsumausgaben;
  • 80 Prozent der Kundeneinlagen bei Banken und Sparkassen und
  • 35 Milliarden Euro Auszahlungen von Lebensversicherungen jährlich.

Die demografischen Veränderungen haben nachhaltige Auswirkungen auf alle Unternehmensbereiche.

Personalstruktur und Personalbeschaffung

In vielen Unternehmen werden ältere Mitarbeiter immer noch vorzeitig in den Ruhestand geschickt, während die Konkurrenz Ältere gezielt zur Neukundengewinnung einstellt. Viele ältere Menschen möchten lieber von älteren Verkäufern angesprochen werden, da sie mit ihnen auf gleicher Alters- und Sozialebene kommunizieren können. Eine Sprach- und Verkaufskultur, die den älteren Menschen ernst nimmt, ihn respekt- und würdevoll behandelt, fällt unter Gleichaltrigen oft leichter.

In der Realität lässt sich das in den Betrieben nur selten darstellen. Die meisten Verkäufer sind jünger als die Kunden 50plus und mit ihren Denk- und Verhaltensweisen oft nur wenig vertraut. Ein 30-Jähriger, der es schafft, sich in die Gefühlslage eines 62-jährigen Kunden zu versetzen und mit ihm über Pflegerisiken zu reden ist wahrscheinlich eine ebenso große Ausnahme wie die 27-jährige Mitarbeiterin einer Drogerie, die mit einer 68-jährigen Dame über deren Hautprobleme sprechen kann. Der Belegschaftsstruktur ist unbedingt mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Hier ist Mut zum Alter gefragt. In wenigen Jahren wird es mehr Berufsaustritte als Berufseintritte geben, eine Situation, die das Personalmanagement heute schon berücksichtigen muss. Eine kreative Verlängerung der Beschäftigung – auch über den Rentenbeginn hinaus - und die Einstellung pensionierter Mitarbeiter werden dabei Optionen sein müssen.

Kommunikation und sensible Ansprache

Ausgehend von der Geschäftsführung und den Führungskräften muss sich die ältere Generation als neue Zielgruppe im Bewusstsein aller Beschäftigten verankern. Bisherige Verkaufstechniken, bislang gewählte Nutzenargumente, die Sprache, das „Wording“ der Verkaufsunterlagen und so weiter sind in Laien-Deutsch zu übersetzen und in eine neue Art der Ansprache zu überführen. Für die Sensibilisierung der Mitarbeiter, das Wissen „wie die Alten ticken“, deren Lebensinteressen, Erwartungen und Bedürfnisse und wie sie erfolgreich angesprochen werden, sind Sensibilisierungsprogramme und Schulungsmaßnahmen wichtig.

Marketing und Vertrieb

Nur selten haben Menschen so klare Vorstellungen wie die „Alten“. Sie sind anspruchsvoll, kritisch und qualitätsbewusst, meist umfassend informiert und wissen genau, was sie wollen. Sie sind gesünder, rüstiger, mobiler, gebildeter, wohlhabender, konsumorientierter, selbstbewusster, mündiger und „verrückter“ als jede Generation vor ihnen. Sie sind Konsumprofis.

Mit herkömmlichen Beratungs-, Betreuungs-, Marketing-, Vertriebs- und Kommunikationskonzepten sind ältere Menschen nicht mehr zu beeindrucken. Sie brauchen keine Seniorennachmittage, Seniorenversicherungen, Seniorenkonten, Seniorentickets oder Seniorenschalter. Sie wollen akzeptiert und respektiert, umworben und überzeugt, nicht überredet werden. Nur wer altersgerechte Grundtugenden und Umgangsformen beherrscht, ehrlich, fair und zuverlässig ist, hat eine Chance.

Produkte und Dienstleistungen

Unternehmen müssen die Rahmenbedingungen ihrer Produkte und Dienstleistungen überdenken. So sind Altersgrenzen für eine Konsumfinanzierung bei 60 oder 65 vor dem Hintergrund der gestiegenen Lebenserwartung realitätsfremd. Menschen, die im Durchschnitt älter als 80 Jahre werden, sind in der Lage, Kredite mit angemessenen Laufzeiten zu tilgen.

Auf lesbare Schriften und Beipackzettel ist genauso zu achten wie auf die Verpackung selbst. Eingeschweißte Produkte, die nur mit Schere oder Zange zu öffnen sind, stellen für ältere Menschen KO-Kriterien dar.

Bei den Filialen haben Nähe und Erreichbarkeit einen hohen Stellenwert. Parkplätze oder die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sind zu berücksichtigen. Das Geschäft muss mobiler werden. Der Außendienst ist zu verstärken. Betreuung in Altenheimen oder ein Bringservice sind einzurichten. Für ältere Menschen, aber auch Behinderte, Schwangere etc. ist Barrierefreiheit in den Geschäftsräumen ein zentrales Thema. Rutschfeste Böden, klare Orientierungen, Toiletten im Erdgeschoss, breite Türen, blendfreie Beleuchtung, Aufzüge und Rolltreppen sind Beispiele. Bei Geld- oder Ticketautomaten und anderen SB-Einrichtungen ist auf einfachste Bedienung, Selbsterklärbarkeit und ein sicheres Umfeld zu achten. Auch im Internet-Banking sind die Regeln des barrierefreien und einfachen Zutritts sicherzustellen. Die Liste der notwendigen Anpassungen lässt sich beliebig verlängern.

Unternehmen müssen sich an die veränderten Bedingungen schnellstmöglich anpassen. Diejenigen, die jetzt die Weichen stellen, schaffen sich Wettbewerbsvorteile.

Von der Demografie profitieren

Viele Unternehmen versinken im Mittelmaß und in der Perspektivlosigkeit. Sie stecken mit ihren Produkten und Leistungen tief in der Austauschbarkeitsfalle und ruinösen Preiskämpfen, mit allen Konsequenzen für das Geschäftsergebnis. Die demografischen Veränderungen bieten den Unternehmen herausragende Chancen, sich aus dieser Negativspirale heraus zu entwickeln. Wer sich auf Problemlösungen und Leistungserlebnisse für die reichste und einzige wachsende Zielgruppe fokussiert, wird zu den Gewinnern der demografischen Revolution gehören.

Dossier 50plus – Jetzt anfordern!

Ein Dossier von Helmut Muthers und Dr. Andreas Kaapke informiert in aller Kürze über die demografischen Veränderungen und die damit verbundenen Chancen.

Fordern Sie die elektronische Ausgabe an unter office@muthers.de [67]

Literatur

  • 30 Minuten Marketing 50plus [68]
  • Wettlauf um die Alten Bankmarketing für die Zielgruppe 50plus [69]

[Bild: Peter Eggermann - Fotolia.com]

Leitfaden: Tipps für den Einstieg ins Social Media Marketing

Der Leitfaden der Fachgruppe Social Media im BVDW spricht unter anderem Unternehmen an, die bisher noch keine Kampagnen im Social Web umgesetzt haben, beziehungsweise ihre ersten Aktivitäten überprüfen möchten.

Auch für Agenturen und Selbständige bietet der Ratgeber hilfreiche Tipps, angefangen bei der Planungsphase und Zielgruppenanalyse über Kampagnenformate bis hin zur Erfolgsmessung und Auswertung. Ziel ist es, anhand einer Social Media-Kampagne messbare Erfolge zu generieren.

In der Übersicht enthält der Leitfaden:

  1. Orientieren Sie sich auch im Social Media Marketing an den Grundregeln erfolgreicher Kommunikationsplanung.
  2. Legen Sie konkrete Zielvorgaben fest.
  3. Nutzen Sie Targeting.
  4. Behalten Sie die Bedürfnisse und Wünsche Ihrer Zielgruppe im Blick.
  5. Beweisen Sie Kreativität.
  6. Wählen Sie die richtige Art und die richtigen Orte der Ansprache.
  7. Messen Sie den Kampagnenerfolg und überprüfen Sie mögliche Wechselwirkungen.
  8. Entscheiden Sie sich für den richtigen Mix in der Erfolgsmessung.
  9. Achten Sie auf die Erhebung relevanter Daten zur Erfolgsmessung.
  10. Berücksichtigen Sie die Erfolgsfaktoren von Social Media-Kampagnen.

Hinweis

Erhältlich ist der Leitfaden „Messbarer Erfolg im Social Media Marketing / 10 Tipps für den Einstieg“ kostenlos auf der BVDW-Webseite [70] .

[Quelle: Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.; Bild: Milos - Fotolia.com]

Public Relations: Mit der richtigen Fachartikel-Strategie Kunden überzeugen

Pressearbeit bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes Arbeit. Wer Zeit und Geld in seine Unternehmenskommunikation investiert, möchte auch einen Return on Invest erzielen. Doch die Messlatte dafür wird oftmals sehr hoch, nicht selten zu hoch angesetzt. Die eigenen Erwartungen werden dann zum Stolperstein auf dem Weg in die Öffentlichkeit.

Auch das Verfassen von Fachartikeln als Maßnahme der Presse- beziehungsweise Öffentlichkeitsarbeit teilt das Schicksal vieler anderer Instrumente, die für den Aufbau und die Pflege einer Corporate Identity bedeutsam sind. Sei es die Pressemeldung oder einfach nur ein professionell geschossenes, aussagekräftiges und sympathisches Porträtbild des Geschäftsführers auf der firmeneigenen Webseite: Was nicht direkt zu messbarem Erfolg beziehungsweise zu neuen Kunden und damit zu einer Generierung von Umsätzen führt, wird gedanklich vernachlässigt, nicht oder nur sehr langsam weiterverfolgt und im schlimmsten Fall sogar komplett ausgeblendet.

Phase 1 „Themenplatzierung“: Klein anfangen zahlt sich aus

Gerade kleinere Unternehmen sind noch oft in dieser Denkweise verhaftet und vergessen: Öffentlichkeitsarbeit muss beständig und nachhaltig erfolgen und kann sich oft erst nach Jahren professionellen Arbeitens auszahlen. Hier geht es nicht um den schnellen Erfolg, sondern darum, sich langsam und mit Nachdruck einen Namen bei potenziellen Kunden zu erarbeiten. Klinken putzen ist angesagt. Für Fachartikelautoren heißt das: Artikelmarketing beginnt „unten“, in Kundenzeitschriften oder der regionalen Wirtschaftspresse. Auch Online-Business-Portale, die vor allem wegen zahlreicher Verlinkungsmöglichkeiten sowie der Chancen des Gefundenwerdens bei Google und Co. einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert für die Öffentlichkeitsarbeit des Autors bieten, sind für die anfängliche Artikelplatzierung geeignet.

Redaktionen tun sich für die Bewertung der Schreibqualitäten oder des bearbeiteten Themenspektrums allgemein leichter, wenn sie auf bereits veröffentlichte Fachartikel zurückgreifen können. Am Anfang ist es nämlich immer das Gleiche: Wer zum allerersten Mal schreibt, den kennt (noch) keiner. So wie sich Unternehmen, Berater und Trainer mit ihren Produkten beziehungsweise Dienstleistungen einen Namen bei ihren Kunden erarbeiten, so müssen sie sich auch ihren Platz im Dickicht der Medien erkämpfen – zäh und beständig. Nur mit dieser Strategie besteht überhaupt die Möglichkeit, von Redaktionen wahrgenommen und vielleicht sogar für ein Experten-Interview oder ein passendes Zitat kontaktiert zu werden.

Phase 2 „Mehrfachverwertung“: Fachartikel flexibel einsetzen

Ist der Fachbeitrag einmal verfasst und publiziert, können Unternehmen, Berater und Trainer daraus weitere Vorteile für ihre Pressearbeit und ihr Marketing ziehen. Sie können die bestehende Grundversion des Fachartikels nämlich auf flexible Art und Weise nutzen, indem sie sie umbauen und in dafür geeigneten Medien in anderer Form weiter veröffentlichen. Je regelmäßiger Fachbeiträge nämlich publiziert werden, desto besser. In der öffentlichen Wahrnehmung bleibt nur der haften, der regelmäßig von sich reden macht. Dies gilt sowohl in Bezug auf Redakteure, die zu einer Geschichte recherchieren und noch Zitate eines kompetenten Experten benötigen, aber auch für potenzielle Kunden. Sie finden über entsprechende Suchbegriffe, die der Fachartikel enthält, über Suchmaschinen auf die Webseite des Autors. Der Schneeballeffekt dieses Vorgehens ist nicht zu unterschätzen.

1. Nutzwert vermitteln mit Ratgeber-Texten

Mit dem Schreiben und Veröffentlichen eines Fachartikels mit mehreren A4-Seiten Länge muss es nicht getan sein. Nach der Publikation ergeben sich zahlreiche weitere Möglichkeiten, die eigene PR-Arbeit weiter voranzutreiben und dabei auf den Fachartikel als Basis zurückzugreifen. Nehmen wir an, der Autor schreibt einen Fachbeitrag darüber, wie sich die Rolle des klassischen Verkäufers hin zu einem konzeptionell denkenden Mitarbeiter wandelt und was ein modernes Vertriebsmanagement ausmacht. Hat er sich in seinem Artikel mit der Thematik neutral sowie problem- und lösungsorientiert auseinandergesetzt, kann er aus diesem Fachbeitrag einen nutzwertbringenden Ratgeber-Text formulieren.

In diesem geht es darum, die wichtigsten Informationen des Beitrags – die für den Leser und potenziellen Kunden interessantesten Botschaften – noch einmal in kürzerer Form herauszuarbeiten. Dabei geht es um folgende Fragen:

  • Wo sind die Passagen im Fachartikel, die vom Inhalt her den größten Nutzwert für Leser und potenzielle Kunden versprechen?
  • Was kann der Leser oder potenzielle Kunde aus dem Gesagten lernen?

Vom Umfang her sind Ratgeber-Texte deutlich kleiner als gewöhnliche Fachartikel. In der Regel verlangen entsprechende Online-Portale Beiträge mit einer Länge von zirka 5.000 bis 8.000 Zeichen. Für den Autor heißt das: Den Ratgeber-Text in sinnvolle Abschnitte zu gliedern und diese mit treffenden Zwischenüberschriften zu versehen, die reizen, damit zum Weiterlesen anregen und im Fall von Online-Beiträgen für die Suchmaschinenoptimierung sinnvolle Schlüsselwörter enthalten. Im Optimalfall kann jeder einzelne Abschnitt für sich allein als eigener kleiner Ratgeber zu einer bestimmten Unterthematik gelesen werden. Wer mit Ratgeber-Texten lehrreiche Informationen vermitteln will, sollte jedoch auch an eine alternative Überschrift des Beitrags denken. Formulierungen wie „Wie aus Verkäufern Vertriebsmanager werden“ oder „So machen Sie Ihre Verkäufer zu Vertriebsmanagern“ weisen darauf hin, dass es um einen nutzwertbringenden Ratgebertext geht, der kurz und kompakt wichtige Informationen aufbereitet.

2. Authentisch wirken mit Experten-Interviews

Für diese Form des Fachartikels werden aus dem bestehenden Beitrag beziehungsweise den Aussagen im Text sinnvolle Interview-Fragen herausgearbeitet. Das hört sich vielleicht einfach an, ist es aber nicht. Der Umgang mit Interviews will gekonnt sein, denn allein die Möglichkeit, verschiedene Frageformen anzuwenden, birgt eine gewisse Herausforderung. So macht es etwa einen Unterschied, ob geschlossene oder offene Fragen eingesetzt werden. Hier zwei Beispiele, zunächst für eine geschlossene, dann für eine offene Frage:

  • Stimmt es, dass die Rolle des Vertrieblers heute eine andere ist als noch vor zehn Jahren?
  • Welche Rolle kommt einem Vertriebler moderner Prägung heute zu?

Der Unterschied: Die erste Frage kann theoretisch nur mit ja oder nein beantwortet werden. Die Folge: Der Redefluss wird gehemmt und der Befragte kommt nicht richtig in Fahrt. Die zweite Frage hingegen regt zum Plaudern an und legt die Richtung fest. Der Interviewte kann locker drauf lossprechen. Die verschiedenen Fragemöglichkeiten sind nur ein Beispiel dafür, dass die Konzeption eines Experten-Interviews, selbst aus einem bereits bestehenden Fachartikel, nicht ganz einfach ist.

Interviews leben zudem von einem spannenden Einstieg, einem informativen und ausführlichen Hauptteil sowie einem Schluss, der entweder pointiert daherkommt, ein Fazit gibt oder einen Blick in die Zukunft wirft. Die wenigsten Unternehmen, Berater oder Trainer haben allerdings Übung im Umgang mit Experten-Interviews, sodass hierfür das Hinzuziehen eines erfahrenen PR-Dienstleisters empfehlenswert ist.

Zusammengefasst bieten Experten-Interviews folgende Vorteile:

  • Nützliche und interessante Informationen zu einem Thema im prägnanten Frage- und Antwortstil.
  • Möglichkeit des Einschiebens von Zwischenfragen, um einen Sachverhalt noch einmal aufzugreifen oder zu konkretisieren.
  • Möglichkeit, verschiedene Frageformen zu wählen und so für Abwechslung beim Lesen zu sorgen.
  • Vom Befragten wird aufgrund seiner unmittelbaren Antworten ein authentischeres Bild vermittelt.

Phase 3 „Info-Kampagne“: Über die Publikationen berichten

Der Fachartikel ist geschrieben, veröffentlicht und der Autor blickt stolz auf sein Werk. Das war es aber noch lange nicht. Im nächsten und letzten Schritt geht es darum, potenzielle und bestehende Kunden auf verschiedenen Kanälen über die Veröffentlichung(en) zu informieren. Denn nicht jeder surft regelmäßig durch alle infrage kommenden Online-Portale oder hat mehrere Fachzeitschriften zur Hand beziehungsweise abonniert. Jetzt geht es darum, Artikelmarketing zu betreiben, für seinen Beitrag und letzten Endes für sein Unternehmen und die angebotenen Dienstleistungen zu werben.

1. Presseinfo: Content für die eigene Webseite

Es bietet sich an, über die Veröffentlichungen von Fachartikeln auch auf der eigenen Webseite in einer Presserubrik zu informieren. Der Grund: Webseitenbesucher können sich direkt einen Eindruck vom Know-how des Autors machen und sehen, in welchen Medien die Beiträge bereits veröffentlicht wurden.

Für die Präsentation der veröffentlichten Beiträge gibt es mehrere Möglichkeiten: entweder einen Link zum jeweiligen Medium, in dem der Fachartikel veröffentlicht wurde, oder ein PDF-Dokument, das zum Download beziehungsweise Ausdrucken angeboten wird. Eine Kombination beider Varianten hat den Vorteil, dass Interessierte sich einen Eindruck über das jeweilige Medium machen können, während sie den Beitrag parallel dazu relativ unkompliziert als separates PDF-Dokument herunterladen und ausdrucken können.

Eine Presserubrik, die sich auf dem aktuellsten Stand befindet und regelmäßig mit Inhalt gefüllt wird, trägt zu einer positiven Außendarstellung bei. Auch die Vorteile, die sich in Bezug auf Suchmaschinen ergeben, sollten beim Einstellen eines Fachartikels in eine Presserubrik bedacht werden. Enthält der Fachbeitrag entsprechende Schlüsselwörter, steigen die Chancen, dass potenzielle Kunden auf die Webseite aufmerksam werden und dem Autor einen Besuch abstatten.

2. Kundenbindung: Content für Newsletter

Im Fokus einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit stehen auch Geschäftspartner, die etwa mit einem regelmäßigen Newsletter über Neuigkeiten beziehungsweise Studien in einer bestimmten Branche oder Entwicklungen im Unternehmen informiert werden. Auch hier kommt der Fachartikel als geeignetes PR-Instrument ins Spiel. Als Teil des Newsletters hilft er, das Image des Autors als kompetenter Experte aufzubauen und zu pflegen. Das Ziel: Durch Fachbeiträge in Newslettern werden die eigentlichen Produkte beziehungsweise Dienstleistungen mit dem Know-how des Autors glaubwürdig untermauert.

Es ist verständlich, dass ein Fachartikel in gebotenem Umfang Zeit für die Erstellung braucht. Gerade deshalb eignet er sich jedoch besonders als Bestandteil eines Newsletters. Denn wie beim Newsletter selbst, ist bei einem Fachartikel weniger oft mehr. Qualitativ hochwertiger Inhalt überzeugt potenzielle Kunden leichter als schnell Heruntergeschriebenes, das an der Oberfläche bleibt. Genauso wie der Versand eines wöchentlichen Newsletters, aus dem herauszulesen ist, dass die Themenfindung unter enormem Zeitdruck erfolgte – und die Inhalte sich entsprechend darstellen.

3. Virales Marketing: Veröffentlichungen weiterverbreiten

An dieser Stelle sollte eine Möglichkeit der Weiterverwertung beziehungsweise Weiterverbreitung der eigenen Fachartikel nicht unerwähnt bleiben, auch wenn es Dutzende von Ratgebern bereits hinreichend thematisiert haben: die Nutzung sozialer Netzwerke und Medien. Sie bieten die Chance, auf seinen Beitrag und schlussendlich auf seine eigenen Dienstleistungen aufmerksam zu machen. Leser und potenzielle Kunden können diese Nachricht dann im besten Falle weiterverbreiten.

Über die webbasierte Plattform „Xing“ etwa lässt sich auf die Veröffentlichung eines Fachbeitrags gleich mehrmals hinweisen: in dafür vorgesehenen Community-Funktionen wie den geschlossenen Benutzergruppen etwa. Eine kurze Zusammenfassung der Kernbotschaft des Fachartikels mit dem entsprechenden Link zum Medium der Veröffentlichung und schon sind die Gruppenteilnehmer informiert. Sie klicken die Profilseite des Autors an, sehen, welche Dienstleistungen er anbietet und finden möglicherweise genau das, was sie suchen. Auch die Nutzung der Funktion „Statusmeldung“, wodurch die eigenen, direkten Kontakte sofort über den neuen Beitrag informiert werden, gehört dazu.

Ohne ausführlich auf die Vorteile jeder einzelnen Möglichkeit einzugehen, Leser und potenzielle Kunden von neu erschienenen Fachartikeln zu informieren – lohnt es sich, darüber nachzudenken, Fachartikel in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook, in allgemeinen Webblogs zu bestimmten Themen, Corporate Blogs auf der eigenen Webseite oder auch mobilen Endgeräten zu verlinken. Letztendlich kommt es zwar immer auch darauf an, welche Strategie für das einzelne Unternehmen, den Berater oder Trainer sinnvoll ist und von welcher es beziehungsweise er sich den größten Nutzen verspricht. Ein bewusstes Ignorieren dieser Optionen erscheint jedoch im Sinne einer nachhaltigen PR-Strategie wenig sinnvoll.

[Bild: Fotolia.com]

Call to action: Die Kunden auffordern zu handeln

Was oft fehlt, ist der „Push“, ein Schubs, der den Leser zum Handeln bringt und ihm sagt, was jetzt von ihm erwartet wird: den Newsletter abonnieren, einen Beratungstermin vereinbaren, ein unverbindliches Erstgespräch führen, einen Präsentationstermin festlegen, sich registrieren, das Produkt bestellen oder reservieren und so weiter. Kurz: Der mögliche Kunde muss dazu gebracht werden, einen ersten Schritt zu tun – einen Schritt hin zu Ihnen.

Zuerst den Kundennutzen aufzeigen

Es genügt jedoch nicht, ein simples „Bestellen Sie jetzt“ in den Verkaufstext einzufügen. Der Kunde muss zunächst erkennen, was er durch Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung gewinnt. Das erreichen Sie aber nicht, indem Sie den Leser mit all den wundervollen Eigenschaften Ihres Produktes zutexten: „Unser neuer Staubsauger mit 2100-Watt-Motor, 15-stufigem Filtersystem und innovativer Hybrid-Technologie wird Sie begeistern“.

Es geht vielmehr darum, aus diesen Eigenschaften einen greifbaren Kundennutzen abzuleiten: „Mit unserem saugstarken Perfektor erledigen Sie die Hausarbeit im Handumdrehen und haben mehr Zeit für sich und Ihre Familie.“

Der Kunde muss erkennen, was ihm Ihr Angebot bringt. Sei es Sicherheit, Gesundheit, Gewinn, Ansehen, Geselligkeit oder Bequemlichkeit. Dann ist er auch offener für Ihre Handlungsaufforderung.

Unsicherheiten abbauen

Für den Leser bedeutet die Kontaktaufnahme Zeit und Kosten. Indem Sie ihm mitteilen, was beim Erstkontakt passieren wird, nehmen Sie ihm mögliche Unsicherheiten – und das senkt die Hemmschwelle. So können Sie beispielsweise eine konkrete Ansprechperson nennen: „Unsere Vertriebsleiterin Melanie Berger beantwortet gerne Ihre Fragen.“ Oder Sie beschreiben die weitere Vorgangsweise: „Rufen Sie mich gleich an unter 04444/33333. Wir reden darüber, wie ich Sie bei Ihrem Auslandsprojekt unterstützen kann und vereinbaren einen persönlichen Beratungstermin.“

Den Kontakt erleichtern

Klingt selbstverständlich, wird aber gerne vergessen: Versehen Sie Ihre Handlungsaufforderung immer mit einer konkreten Kontaktmöglichkeit: „Rufen Sie jetzt an unter der Tel.-Nr. 0444/444444.“ Der Kunde soll die Rufnummer nicht erst im Briefkopf oder im Impressum der Webseite suchen müssen. Geben Sie auch immer mehrere Kontaktmöglichkeiten an – nicht jeder greift gerne zum Telefon. Verschiedene Kunden bevorzugen verschiedene Kommunikationskanäle – Telefon, E-Mail, Post. Aber überfordern Sie den Leser nicht mit Dutzenden von Möglichkeiten.

Dringlichkeit erzeugen

Je schneller Sie den Leser dazu bringen, zu bestellen, sich zu registrieren oder anzurufen, umso besser. Denn die meisten Menschen haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne – auch wenn Sie von Ihrem Angebot überzeugt sind. Wenn sich der Leser denkt: „Das Angebot klingt interessant, da rufe ich nächste Woche mal an“, wird er das ein paar Stunden später vergessen haben. Lassen Sie es nicht dazu kommen und erzeugen Sie Dringlichkeit: „Das Angebot gilt bis 31. Mai“ – „Bestellen Sie sofort und Sie erhalten einen Gutschein über 10 Euro“. Oder verknappen Sie Ihr Angebot: „Nur für kurze Zeit“ – „Limitierte Auflage“. Das motiviert den Leser zusätzlich zum Handeln.

Call to action auf Webseiten

Bei Webseiten sollten Sie auf jeder Seite eine Handlungsaufforderung bringen. Und zwar nicht nur am Seitenende, sondern auch am Anfang und in der Mitte von (längeren) Texten. Verbinden Sie Links, die zur Handlung auffordern, am besten gleich mit einem konkreten Vorteil: „Bestellen Sie jetzt Ihr Spezial-Tonikum - für spürbar mehr Wohlbefinden in nur 10 Tagen“.

Wenn Sie mit Buttons arbeiten: Versehen Sie die Buttons mit klaren Aufforderungen – verwenden Sie Zeit- statt Hauptwörter, wann immer es das Layout erlaubt. Zum Beispiel: Statt „Email“ besser „Schreiben Sie uns“; statt „Newsletter-Anmeldung“ besser „Newsletter abonnieren“; statt „Registrierung“ besser „Jetzt anmelden“. Testen Sie auch verschiedene Größen, Formen und Platzierungen der Buttons und beobachten Sie die Klickraten.

[Bild: Lydia Albersmann - Fotolia.com]

Hinweis

Von der Autorin sind folgende eBooks im business-wissen-Shop erhältlich:

  • Starke Broschüren [71]
  • Starke Flyer [72]
  • Starke Mailings [73]
  • Starke Webtexte [74]

Widerrufsbelehrung: Wann Sie das amtliche Muster anpassen müssen

Seit dem 11. Juni 2010 ist das neue Widerrufsrecht in Kraft. Zur Erinnerung: Durch das „Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie, des zivilrechtlichen Teils der Zahlungsdienstrichtlinie sowie zur Neuordnung der Vorschriften über das Widerrufsrecht und Rückgaberecht“ verloren die bisherigen Widerrufsbelehrungen auf Webseiten und Internetplattformen ihre Gültigkeit. So dürfen jetzt zum Beispiel auch Verkäufer bei der Auktionsplattform eBay mit einer 14-tägigen Widerrufsfrist belehren.

Bei der Verwendung des amtlichen Musters der Widerrufsbelehrung von Shop-Betreibern und eBay-Händlern ist allerdings zu beachten, dass es nicht ohne Änderung verwendet werden darf. Der Hintergrund: Die Widerrufs- und Rückgabebelehrung inklusive der amtlichen Anmerkungen ist als Baukastensystem zu verstehen. Dabei stellt das amtliche Muster lediglich eine Grundform dar, die – je nach Geschäftsmodell – angepasst werden muss. Experten weisen deshalb auch ausdrücklich auf typische und häufig auftretende Abmahnfälle hin. Viele Shop-Betreiber würden gerade deswegen abgemahnt, weil sie die Vielzahl an Gestaltungshinweisen des amtlichen Widerrufsbelehrungsmusters nicht richtig umgesetzt hätten.

Hinweis

Die Gestaltungshinweise der amtlichen Widerrufsbelehrung sind im Umfang um ein Vielfaches größer als die eigentliche Widerrufsbelehrung. Unternehmen sollten deshalb darauf achten, dass sie die Anmerkungen und Textbausteine nicht fehlerhaft zusammensetzen.

Änderung des Widerrufsbelehrung-Musters

In folgenden Fällen dürfen Online-Shop-Betreiber das amtliche Muster einer Widerrufsbelehrung nicht ohne Änderungen übernehmen:

  • Wenn es zum Beispiel um Dienstleistungen geht, also um Leistungen, die nicht in der Überlassung von Sachen bestehen
  • Bei Vertragsschlüssen übers Internet, bei Onlineshops und eBay (Fernabsatzverträge)
  • Wenn direkt nach Vertragsschluss keine Belehrung in Textform erfolgt
  • Wenn der Verbraucher die Versandkosten übernimmt
  • Bei finanzierten Geschäften
  • In Fällen der Wertersatzpflicht für bestimmungsgemäße Ingebrauchnahme der Sache
  • Wenn das Widerrufsrecht ausgeschlossen ist oder erlischt

Wenn Sie Waren oder andere Dienstleistungen per Fernabsatz an Ihre Kunden vertreiben, sollten Sie prüfen, welche Bestimmungen für Ihren konkreten Fall gültig sind und wie Sie diese in ihre Widerrufs- und Rückgabebelehrung umsetzen. Hier finden Sie einige Beispiele für unterschiedliche Anwendungsfälle:

  • Gesetzentwurf des Bundestags mit ausführlichen Erläuterungen [75]
  • § 312d BGB mit den Erläuterungen [76]
  • Whitepaper zum neuen Widerrufsrecht von Trusted Shops [77]

Lassen Sie sich im Zweifelsfall von einem erfahrenen Anwalt beraten. Denn Fehler bei der Widerrufsbelehrung können Wettbewerber dazu ermuntern, Sie abzumahnen.

Direct Mailing: Was tun, wenn Werbebriefe floppen?

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie möchten neue Kunden gewinnen. Zu diesem Zweck verschicken Sie ein Direct Mailing. Sie haben (hoffentlich) einen professionellen Texter engagiert und den Brief schön gestalten lassen. Nun warten Sie auf Antworten – doch es passiert nichts.

Sie haben nun zwei Möglichkeiten, auf diese Situation zu reagieren:

  1. Die Verlierer-Möglichkeit wäre zu sagen: „Werbebriefe bringen sowie so nichts – davon lasse ich in Zukunft lieber die Finger.“
  2. Die Gewinner-Möglichkeit ist, genau zu analysieren, warum der Brief keinen Erfolg gebracht hat, um es beim nächsten Mal besser zu machen.

Offensichtliche Gründe für den Misserfolg von Direct Mailings

Zunächst einmal sollten Sie sich versichern, dass keine externen beziehungsweise unverschuldeten Gründe für das Versagen Ihres Werbebriefes vorliegen. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn Sie einen tollen Kühlschrank verkaufen möchten und einen Tag nach Aussendung Ihres Briefes warnt die Stiftung Warentest öffentlich vor dem Gerät, weil es die Gesundheit gefährdet. Dann wird Ihr Brief natürlich kein Erfolg werden.

Ein anderes Beispiel: Sie möchten per Brief für Aktien Ihres Unternehmens werben. Doch am nächsten Tag stürzen die Börsenkurse ab. Das ist dann natürlich kein guter Zeitpunkt, um Aktien zu verkaufen und Ihr Brief wird vermutlich floppen.

Es kommt vor, dass Mailingversender solch offensichtliche Fehler machen. Weitaus häufiger ist jedoch, dass sie ein Mailing einfach ins Blaue hinein versenden, ohne davor genügend recherchiert zu haben.

Kennen Sie Ihre Briefempfänger?

Um im Direktmarketing erfolgreich zu sein, müssen Sie nämlich vor allem zwei Dinge genau kennen: ihre Zielgruppe und Ihren Markt. Wenn Sie diese zwei Punkte vernachlässigen, werden Sie keinen Erfolg haben. Natürlich sind auch noch andere Faktoren wichtig, wie Textqualität, kreative Idee etc. Das alles nützt Ihnen jedoch nichts, wenn Sie Ihre Werbebotschaft an die falsche Zielgruppe richten oder es schlicht keinen Bedarf für Ihr Produkt gibt.

Im besten Fall geht Ihrem Werbebrief eine umfassende Marktforschung voraus. Dort lassen Sie erheben, für wen Ihr Produkt interessant ist, was sich die Leute davon erwarten, welchen Preis sie zu bezahlen bereit sind und, und, und. Der einzige Nachteil einer solchen Markforschung: Sie ist teuer.

Oftmals haben nur große Unternehmen das nötige Kleingeld, um ein Marktforschungsinstitut zu beauftragen. Doch mit ein bisschen Hausverstand und gesunder Selbsteinschätzung gelingt es auch kleinen und mittelgroßen Unternehmen, Zielgruppe und Markt zu durchleuchten.

Diese Fragen sollten Sie sich stellen

Bevor Sie eine Direktmarketing-Aktion starten, sollten Sie sich unbedingt folgende Fragen ehrlich beantworten:

  • Gibt es einen echten Bedarf für mein Produkt beziehungsweise meine Dienstleistung?
  • Wie groß ist dieser Bedarf? Reicht er aus, um das Produkt erfolgreich zu verkaufen?
  • Welchen Preis wird die potenzielle Zielgruppe bereits sein zu zahlen?
  • Gibt es schon andere, ähnliche Produkte? Wie konkurrenzfähig ist mein Produkt im Vergleich zu diesen im Hinblick auf den Preis, die Qualität und die Ausstattung. Wo ist es besser, wo schwächer?
  • Ist der Nutzen meines Produktes selbsterklärend oder nicht?
  • Welche Vertriebswege nutzt die Konkurrenz?

Der häufigste Fehler bei Direktmarketing-Kampagnen ist eine falsche Einschätzung des eigenen Produktes. Man wird gewissermaßen betriebsblind und ist so von den Vorteilen des Produktes überzeugt, dass man übersieht, dass andere erst dafür begeistert werden müssen.

Vielleicht bemerken Sie, dass es für Ihr Produkt beziehungsweise Dienstleistung in ihrer jetzigen Form tatsächlich keinen Bedarf gibt. Oder dass der Markt schon gesättigt ist, weil es zu viele ähnliche Produkte zu einem niedrigeren Preis gibt. Selbst dann haben Sie gewonnen, denn Sie wissen jetzt, wie Sie Ihr Produkt beziehungsweise Dienstleistung anpassen müssen, um sie zu verkaufen.

Hüten Sie sich vor unrealistischen Erwartungen

Ein Werbebrief ist sicher die beste Möglichkeit, um schnell Anfragen oder sogar Verkäufe für Ihre Produkte zu generieren. Wunder bewirken kann er allerdings auch nicht. Wenn Ihr Produkt noch weitgehend unbekannt ist oder sein Nutzen nur schwer zu ermitteln, dann werden Sie mit nur einem Brief nicht zum Millionär werden.

Ein seriöser Werbetexter wird Ihnen helfen, Ihren Markt und Ihre Zielgruppe realistisch einzuschätzen. Er wird umfassende Recherchen anstellen oder auf Ihre Rechercheergebnisse zurückgreifen, bevor er zu schreiben beginnt. Das bedeutet Zeitaufwand und kostet Geld. Doch der finanzielle Einsatz lohnt sich. Denn ein gut konzipierter Werbetext wird fast immer ein Gewinner.

[Bild: mikess - Fotolia.com]

Social-Media-Marketing: Risiko und Chance zugleich

Die vielfältigen Dialog-Möglichkeiten des Web 2.0 - also Foren, Blogs, Meinungsportale, Facebook, Twitter & Co. - haben die Beziehungen zwischen Kunde und Unternehmen grundlegend verändert. Innerhalb kürzester Zeit haben sich die Menschen in Social Networks (social heißt übrigens gesellschaftlich und nicht sozial) zu mächtigen Gruppen organisiert. So haben die Unternehmen die Kontrolle über ihre Kommunikation längst verloren.

Nicht, worauf die Unternehmen so stolz sind, sondern einzig und allein, was die Kunden über deren Produkte und Angebote, Services und Marken sagen, was auf der Straße hinter vorgehaltener Hand geredet und in den Medien an die große Glocke gehängt wird, entscheidet über das Wohl und Wehe am Markt. In unserer neuen Social Media Welt wird Minderwertiges gnadenlos ausgesondert. Und die Menschen machen rigoros Gebrauch davon.

Gewinner und Verlierer im Social Web

Unternehmen benehmen sich also besser ordentlich und behandeln ihre Kunden gut, denn in der Web-2.0-Welt kommt alles raus. Wer schlechte Leistungen erbringt, verheimlicht, verschleiert, bei Leistungsfeatures lügt oder bei der Preisgestaltung betrügt und so den Kunden über den Tisch ziehen will, hat in Zukunft ein echtes Problem. Der Kunde nämlich, der nur pariert und ohnmächtig jegliche Form von "Un-Service" über sich ergehen lässt, gehört endgültig der Vergangenheit an.

Es wird also Gewinner und Verlierer geben in dieser spannenden neuen Welt des vernetzten Miteinanders. Erik Qualman listet sie in seinem Buch Socialnomics so:

  • Die Gewinner: Unternehmen, die wertvolle Produkte anbieten, Unternehmen, die offen, ehrlich und vertrauenswürdig kommunizieren, die Gesellschaft, die Kunden, die Demokratie, das Empfehlungsmarketing.
  • Die Verlierer: Unternehmen, die viel Lärm um Nichts produzieren, Unternehmen, die abwarten, anstatt sich mit Social Media vertraut zu machen, traditionelle Medien, Mittelsmänner, Menschen ohne Talente.

Das Web 1.0 stand für Produkte und Handel, für Einweg-Kommunikation und Hierarchien. Das Web 2.0 steht für Menschen und Gespräche, für Transparenz, Kooperation und Gleichrangigkeit. Social Media bedeutet Vernetzung und Interaktion. Vor allem aber: Die Kunden geben dort die Marschrichtung vor. Wer nicht spurt, dem kehrt man den Rücken. Das Verhältnis hat sich umgekehrt: Die Unternehmen wurden vom Jäger zum Gejagten. Der Kunde ist der wahre Boss.

Die Macht der Vielen

Eine einzelne Stimme erreicht meist wenig, doch die Stimmen vieler verhallen nicht lautlos. Gebloggter bzw. getwitterter Unmut erreicht wie ein Lauffeuer oft innerhalb weniger Stunden die breite Öffentlichkeit – und wird von den sensationshungrigen Medien dankbar aufgenommen. Auf diese Weise haben schon wenige Unzufriedene so manches Unternehmen in die Knie gezwungen: Rentierliche, jedoch für die Kunden unangenehme Entscheidungen mussten wieder zurückgenommen werden. Das ist zum Beispiel der Deutschen Bahn, SAP, Sixt, Facebook und Xing so passiert. Andere wie Nestlé und Pampers erlitten, weil minderwertige Produktqualität lautstark publik gemacht wurde, schmerzliche Umsatzeinbußen und massiven Kundenschwund.

Suchmaschinen sehen alles – und vergessen nichts. Von vielen Managern wird diese Gefahr allerdings immer noch nicht wahrgenommen - oder aber heruntergespielt. Man hält die Meinungsäußerungen für gefälscht - oder für irrelevant. In Wirklichkeit ist der Einfluss bereits riesig. Zunehmend folgen die Menschen den Stimmen auf Meinungsportalen mehr oder weniger blind.

So haben schon 19 Prozent aller Reiselustigen, wie die 2009er FUR-Reiseanalyse herausfand, ein anderes als das zunächst beabsichtige Hotel gebucht. Das heißt, schlecht bewertete Hotels verlieren jeden fünften Gast allein durch das Internet – ohne es zu wissen. Und dem Online-Shopper-Report der European Interactive Advertising Association (EIAA) zufolge erwerben fast 60 Prozent der Konsumenten nach ihren Web-Recherchen einen anderen als den ursprünglich geplanten Elektro-Artikel.

Eine Multiplikatoren-Strategie entwickeln

Unternehmen müssen alles daransetzen, ihre Online-Reputation zu stärken. Sie ist ein zunehmend wichtiger Kaufauslöser, fördert die Kundenloyalität und intensiviert das Empfehlungsverhalten. Interessante, originelle und wertvolle Themen verbreiten sich in Social Networks fast wie von selbst. Wer hingegen nach alter Manier weiterhin werblich geschöntes Eigenlob ins Web drücken will, wird scheitern. Denn Konsumenten glauben nicht länger den Hochglanzbroschüren der Anbieter am Markt. Vornehmlich trauen wir dem, was glückliche oder unglückliche Anwender sagen.

Wer dabei für Sie am Wertvollsten ist? Die "Alphas" und Opinion-Leader, also Multiplikatoren und Meinungsführer. Das sind Menschen, die im Rampenlicht sehen, die hohes Ansehen genießen, die einen Expertenstatus besitzen und deshalb eine Leitfunktion einnehmen: Eliten, Autoritäten, Funktionäre, Mentoren, Unternehmer-Persönlichkeiten, Journalisten, anerkannte Stars, bekannte Sportler, Vordenker, Entscheider und Macher.

Im Internet kommen Foren-Moderatoren, Profi-Blogger und Twitterer mit einer hohen Anzahl an wertigen Followern hinzu. Solche Menschen können die öffentliche Meinung stark prägen und Anbietern, die sie schätzen, schnell zum Erfolg verhelfen. Aufgabe ist es also, gut vernetzte "Alphas" zu finden - und für sich zu gewinnen. Und wie? Alles, was ihre Position stärkt, was sie gut aussehen lässt, was ihre Expertise untermauert, hat Chancen, von ihnen weitergereicht zu werden. Man muss sich mit Ihnen und Ihren Angeboten schmücken können.

Lauschangriff auf Online-Buzz

Zunächst geht es allerdings darum, dem Online-Buzz (Gerede im Web) zu lauschen, um Schwachstellen aufzuspüren und auf diese Weise seine Angebote verbessern zu können. Hierzu braucht es Online-Monitoring. Einen ersten und vielfach ausreichenden Überblick geben kostenlose Services wie Google Blog Suche, Technorati, Yahoo Pipes‚ Google Alerts, Yasni & Co.

Profis verwenden spezielle Programme, die das Internet oder zuvor definierte Webseiten mit "Spidern" durchsuchen und relevante Informationen herausfiltern. Dabei wird eine Stimmungsklassifizierung (positiv, negativ, neutral) betrieben. Bei dieser semantischen Version des Social Media Monitoring (SMM) können die Quellen der Online-Äußerungen identifiziert und angesteuert werden. Schließlich wird dokumentiert, ob diese Quellen eine Multiplikatoren-Rolle haben, also im positiven Fall sehr nützlich beziehungsweise im negativen Fall extrem gefährlich sind. So lassen sich Missstände erkennen, Krisenherde herausfiltern und Trends entdecken. Auf Basis all dessen können dann passende Strategien entwickelt werden, um dem Ganzen die gewünschte Richtung zu geben.

Die Erkenntnisse aus solchen Untersuchungen sind geeignet, zu völlig neuen Einsichten zu gelangen. So glaubten die Manager eines Versicherungskonzerns, dass im Web die teuren Tarife kritisiert würden. Nach dem Monitoring war hingegen klar: Die Kunden waren vor allem sauer über die Penetranz des Außendienstes. Mit entsprechenden Schulungsprogrammen konnte schließlich gegengesteuert werden.

Wie sich Online-Monitoring nutzen lässt

Schon dieses eine Beispiel zeigt, wie wertvoll ungefilterte Echtzeit-Meinungen aus dem Web für die Früherkennung von Problemen sind. Vor allem das Top-Management sollte sich dafür rege interessieren. Denn aus dem eigenen Haus erhält es ja meist nur solche Informationen, von denen, die "weiter unten" glauben, dass man sie "oben" hören will. Insgesamt lassen sich die Erkenntnisse aus dem Online-Monitoring in den unterschiedlichsten Unternehmensbereichen sinnvoll nutzen:

  • in Forschung & Entwicklung: Anstöße für neue Produktideen;
  • in der Rechtsabteilung: Aufspüren von Markenmissbräuchen etc.;
  • in der Marktforschung: Früherkennung von Trends im Kundenverhalten;
  • im Marketing: Vorbereiten, Testen und Optimieren von Kampagnen;
  • im Brand Management: Einblick in die Kundenseele (Customer Insights);
  • in der Öffentlichkeitsarbeit: Krisenherde aufspüren und schnell reagieren;
  • im Vertrieb: Konkurrenzbeobachtung, Markt- und Wettbewerbsanalysen;
  • im After Sales Service: etwaige Probleme zügig erfassen und beheben;
  • in der Finanzabteilung: Früherkennung von Bonitätsproblemen.

So kann Social Media Marketing schließlich sogar dazu beitragen, das oft immer noch vorherrschende Silo-Denken in den Unternehmen zu überwinden und alle Bereiche stärker miteinander zu vernetzen. Kunden jedenfalls nehmen ein Unternehmen immer als Einheit wahr.

Fazit

Unternehmen sollten dort sein, wo die Kunden sind. Wer nicht im Social Web präsent ist und dort nicht diskutiert wird, der existiert gar nicht – und wird auch nicht gekauft. Schon allein aus diesem Grund gehört ein sorgfältig abgestimmter Social-Media-Marketingplan heute zu jeder guten Vertriebsstrategie. So lassen sich passende Themen besetzen, Marken ausbauen, Reputation und Image stärken, Kundenbeziehungen festigen und völlig neue Kundensegmente erschließen. Wer mit interessanten Alleinstellungsmerkmalen und beeindruckenden Spitzenleistungen transparent und glaubwürdig am Markt agiert, sorgt schließlich für exzellente Kommentare sowie für Fans, Fürsprecher und Mundpropagandisten. Und diese sind bekanntlich die besten Verkäufer.

Das Buch zum Thema

Kunden auf der Flucht? Wie Sie loyale Kunden gewinnen und halten [78]

Das Hörbuch zum Thema

Treue Kunden gewinnen und dauerhaft halten -  Die 25 wertvollsten Erfolgsrezepte für Kundenloyalität und Bestandskundenpflege [79]

[Bild: Pixel - Fotolia.com]

Segmentierung: Probleme bei der Zielgruppenbestimmung

Fehlendes Wissen

In den Bereich des fehlenden Wissens fällt eine Unkenntnis über das grundsätzliche Vorgehen bei der Strategieentwicklung und der Prinzipien, wie sie zum Beispiel die EKS (engpasskonzentrierte Strategie) bietet. Nach sechs Jahren Beschäftigung mit allen wichtigen Strategiekonzepten halte ich die EKS immer noch für den praktikabelsten Ansatz für Kleinunternehmen.

Die EKS arbeitet mit vier Prinzipien:

  1. spitz statt breit,
  2. Konzentration auf den Engpass,
  3. Immaterielles vor Materiellem und
  4. Nutzen vor Gewinn.

sowie mit sieben methodischen Schritten:

  1. Stärken,
  2. Spezialgebiet,
  3. Zielgruppe,
  4. brennendstes Problem,
  5. Innovation,
  6. Kooperation und
  7. permanentes Grundbedürfnis.

Entscheidend in Bezug auf die Zielgruppe sind zwei ganz wichtige Faktoren.

  1. Die Zielgruppe sollte möglichst klein sein. Idealerweise so, dass der Gesamtmarkt etwa 10- bis 20-mal so groß ist wie die aktuelle Kapazität des Unternehmens. Damit ist man in der Lage, sehr schnell Marktführer in seinem kleinen Markt zu werden. Und für den Marktführer gelten andere - bessere - Regeln. In der Praxis sind die meisten Zielgruppen viel zu groß. Das hat zur Folge, dass die Bedürfnisse der Zielgruppe viel zu inhomogen sind, diese nicht richtig adressiert werden können und das Unternehmen zudem nach innen zu komplex wird.
  2. Das, was traditionell unter einer Zielgruppe verstanden wird: zum Beispiel Frauen ab 50 oder Arztpraxen und so weiter überhaupt keine Zielgruppe. Das sind lediglich Indizien für eine Zielgruppe. Nach der EKS ist eine Zielgruppe eine Gruppe von Menschen oder Organisationen mit denselben Problemen, Bedürfnissen, Wünschen oder Träumen. Michael Gerber bringt dies mit seiner Trennung zwischen demographischen und psychografischen Zielgruppen schön auf den Punkt. Frauen ab 50 sind eine demographische Zielgruppe. Wir suchen jedoch eine psychografische Zielgruppe. Zielgruppen sind also durch ihre Psychologie und nicht durch ihre äußeren Merkmale bestimmt.

Was die Sache so schwierig macht, ist die Tatsache, dass uns dann oft die Begriffe zur Beschreibung fehlen. Frauen ab 50 ist ein einfach adressierbares Kriterium. Gehe ich dann in die Tiefe – etwa wenn ich ein Wellness-Produkt verkaufe, dann stelle ich fest, dass die Motive dahinter völlig unterschiedlich sein können: Gesundheit, Schönheit, Genuss, soziale Zugehörigkeit und so weiter. Damit habe ich völlig unterschiedliche Teilzielgruppen, die sich durch die Bedürfnisse bestimmen und natürlich unterschiedlich adressiert werden müssen. Und für ein Kleinunternehmen heißt das zwingend, sich auf eine dieser Teilzielgruppen festzulegen.

Konzeptionelle Probleme

Hat man diese ersten Hürden genommen, kennt also das Strategiekonzept und weiß, wie Zielgruppen beschaffen sein müssen, gerät man bei der EKS in ein konzeptionelles Problem. Die EKS geht von einer Schrittfolge aus. Im dritten Schritt bestimme ich die Zielgruppe und im vierten Schritt das brennendste Problem der Zielgruppe.

Jetzt ist aber die Zielgruppe eine Gruppe von Menschen oder Organisationen mit gleichen Problemen, Bedürfnissen, Wünschen oder Träumen – und zwar im Hinblick auf das subjektiv wichtigste dieser Probleme, Bedürfnisse oder Wünsche. Wenn ich in der dritten Phase die Zielgruppe bestimme, kenne ich diese Probleme jedoch noch gar nicht – die Identifikation der brennendsten Probleme geschieht ja erst in der vierten Phase. Und um die vierte Phase durchführen zu können, benötige ich zuerst eine kleine Zielgruppe, muss also die dritte Phase abgeschlossen haben. Letztlich bin ich in einem Zirkelschluss gefangen.

In der Praxis führt dies fast immer dazu, dass die Bestimmung der Zielgruppe und des brennendsten Problems nicht zwei nacheinander folgende Schritte sind, sondern dass man mehrfach hin und her wechselt. Man bestimmt also zuerst grob eine Zielgruppe, findet dann das brennendste Problem, verkleinert dann die Zielgruppe, sodass nur noch diejenigen drin sind, die dieses Problem wirklich haben, analysiert diese Zielgruppe nochmals und verkleinert sie wiederum. In meiner Beratungspraxis sind drei bis sechs solcher Iterationsschritte durchaus normal.

Man könnte zum Beispiel die Zielgruppe eines Hotels von allen Gästen auf Wellness-Reisende eingrenzen. Dann auf solche, denen es bei Wellness vor allem um Schönheit geht. Um Schönheit geht es vor allem denen, die in irgendeiner Art in der Öffentlichkeit stehen. Also könnte ich meine Zielgruppe weiter auf Celebrities eingrenzen. Mit jeder Eingrenzung der Zielgruppe sind völlig neue Aspekte in der Problem- und Bedürfnisstruktur verbunden. Und dementsprechend wären alle diese Hotels unterschiedlich aufgebaut und hätten unterschiedliche Angebote.

Da diese Schritte jeweils immer mit einem vertieften Kennenlernen der letzten Teilzielgruppe und auch gewissen Änderungsschmerzen verbunden sind, kann man nicht davon ausgehen, dass man diese drei bis sechs Iterationen mal eben an einem Tag oder einem Wochenende macht. Oft zieht sich dies über Monate – manchmal auch Jahre – hin.

Psychologie

Der Schlüsselfaktor für die Entwicklung einer jeden Strategie ist die Nähe zur Zielgruppe. Nur wenn ich auch im Dunkeln in den Köpfen der Mitglieder meiner Zielgruppe ein und aus spazieren gehen kann, kann ich zielsicher eine Strategie entwickeln. Und ich kann am ehesten im Dunkeln in den Köpfen anderer spazieren gehen, wenn ich erstens viel mit diesen Menschen zusammen bin und zweitens starke Emotionen gegenüber diesen Menschen habe – vorzugsweise positive Emotionen. Wenn Ihnen die Menschen, für die Ihr Unternehmen Produkte oder Leistungen erbringt, egal sind, werden Sie niemals dauerhaft eine gute Strategie verfolgen können. Mit anderen Worten: Der Schlüsselfaktor für die Auswahl der Zielgruppe ist die Intensität Ihrer Beziehung zu den Mitgliedern der Zielgruppe.

Neben Ihrer eigenen Psychologie spielt aber auch die Psychologie Ihrer Kunden eine immens wichtige Rolle. Und auch hier kommt es zu einem schwerwiegenden Missverständnis. Bislang ging man davon aus, dass ein Unternehmen seinem Kunden einen möglichst hohen Nutzen bringen muss. Die Idee dahinter ist die, dass der Kunde ein rational entscheidendes Wesen ist. "Nutzen" ist ja eine rationale Kategorie. Nach den Erkenntnissen der Neurowissenschaften aus den letzten 20 Jahren ist der Mensch jedoch nicht vorrangig rational. Der Mensch entscheidet emotional, unbewusst und oft entgegen seinem Nutzen.

In den USA gab es eine Untersuchung, warum Menschen Demokraten oder Republikaner wählen. Klassisch ging man davon aus, dass Menschen rational die Parteiprogramme (oder was sie davon kennen) gegeneinander abwägen und die Partei wählen, die ihnen den größten Vorteil bringt. Die Untersuchung brachte zum Vorschein, dass dies nicht so ist: Die Menschen wählten eine der beiden Parteien, weil sie Republikaner oder Demokraten waren – es war eine Frage der Identität oder des Selbstbilds. Das war selbst dann noch so, wenn die jeweils andere Partei den Wählern einen größeren Nutzen gebracht hätte. Und selbst dann noch, wenn die Wähler dies wussten!

Es gab einer weitere Untersuchung in den USA: Wer kauft Schornsteinreinigungsmittel? Das Ergebnis war, dass nicht die mit den schmutzigsten Schornsteinen, sondern die mit den saubersten Schornsteinen die Käufer waren. Den Menschen mit den schmutzigen Schornsteinen war es schlicht und ergreifend egal, ob ihr Schornstein verrußt war, während sich der Putzfimmel der anderen sogar auf die Innenseite der Schornsteine erstreckte. Die Menschen kauften also nicht nach dem Nutzen, sondern nach Ihrer Identität: „Ich bin ein Sauberkeitsfanatiker“ oder „Ich bin ein Schmutzfink“.

Wenn dem so ist, dann heißt das auch, dass eine Zielgruppe nur in den wenigen Bereichen, in denen streng nach Nutzen entschieden wird (das sind weniger Bereiche, als man glaubt), eben auch nach den (rationalen) Problemen und dem zugehörigen potenziellen Nutzen gebildet werden kann. Oftmals fährt man mit einer Zielgruppenbildung entlang emotionaler Motive oder gar der Identität und dem Selbstbild der Menschen (oder Organisationen) wesentlich besser.

Damit stellt sich die Frage, wie man Menschen nach diesen Motiven erfassen kann. Hierzu gibt es viele verschiedene Modelle. Alle haben gewisse Schwächen – einige sind ziemlich nützlich. Ich persönlich halte das Zürcher Modell der sozialen Motive und die daraus entwickelte Limbic Map von Hans Georg Häusel einerseits und das Modell von Tony Robbins andererseits für die beiden Modelle mit der höchsten Erklärungskraft und dem größten praktischen Nutzen.

Im Modell von Hans-Georg Häusel wird von drei Grundmotiven: Balance, Stimulanz und Dominanz ausgegangen. Alle menschlichen Emotionen und Motive sind nun Mischformen. Zum Beispiel ist das Abenteuerbedürfnis eine Mischform aus Stimulanz und Dominanz. Und Wellness hat vorrangig mit Balance zu tun, dem ein Schuss Stimulanz beigeordnet ist. Poesie liegt eher im Bereich Stimulanz mit einem Schuss Balance. Und so weiter.

Dieses Modell halte ich für das wissenschaftlich modernste und abgesichertste (und sämtlichen DISG-, HDI- und ähnlichen Modellen für überlegen). Dennoch hat es Grenzen: Die Bedürfnisse nach persönlichem Wachstum oder nach Sinn – also das, was bestimmte Menschen als eher spirituelle Bedürfnisse bezeichnen – lassen sich in diesem Modell nicht schlüssig erfassen.

Hier hilft das Modell von Tony Robbins weiter, der von sechs grundsätzlichen Bedürfnissen ausgeht: dem Wunsch nach Sicherheit und dem gegenteiligen Wunsch nach Unsicherheit. Dem Wunsch nach Bedeutsamkeit und dem gegenteiligen Wunsch nach Zugehörigkeit/Liebe .Auch hier lassen sich menschliche Emotionen gut einordnen.

Beides sind jedoch bis zu diesem Punkt ziemlich grobe Modelle. Wenn ich beispielsweise herausfinde, dass meine Zielgruppe sehr sicherheitsorientiert beziehungsweise sehr balanceorientiert ist, dann weiß ich natürlich schon mal mehr als die meisten anderen Unternehmer. Aber mir fehlt noch etwas ganz Entscheidendes.

Jeder Mensch hat nämlich Vorstellungen, Regeln, Erfahrungen, Bilder und so weiter, also Glaubenssätze im Kopf, wie er zum Beispiel sein Sicherheitsbedürfnis (oder jedes andere Bedürfnis) erfüllen kann. Manche erfüllen dies über Geld. Der Glaubenssatz dazu: Je vermögender ich bin, desto eher kann ich auf Krisensituationen reagieren und bin für die Zukunft abgesichert. Andere erfüllen dies über einen möglichst großen Freundeskreis. Der Glaubenssatz: Wenn es mir schlecht geht, ist immer jemand da, der mir hilft. Wieder andere erfüllen dies über möglichst hohe Kompetenzen in bestimmten Krisensituationen. Der Glaubenssatz: Je höher meine Fähigkeiten, desto weniger kann ich durch irgendetwas überrascht werden. Und wieder andere erwarten diese Sicherheit einfach von außen. Der Glaubenssatz: Der Staat (die Familie etc.) ist für meine Sicherheit verantwortlich.

Wohlgemerkt: Allen ist die Sicherheit wichtig! Aber dem Ersten kann ich eine Lebensversicherung, dem Zweiten ein enges Wohnumfeld, dem Dritten ein Seminar und dem Vierten die SPD verkaufen. Mit anderen Worten: Kenne ich das Grundbedürfnis meiner Zielgruppe, dann fängt die Arbeit eigentlich erst richtig an: Welche Vorstellungen und Ideen hat diese Zielgruppe im Kopf, wie sie dieses Grundbedürfnis befriedigen kann? Welche Geschichten „beweisen“ den Mitgliedern meiner Zielgruppe, dass ihr Weg der richtige ist?

Und erst, wenn ich es schaffe, mein Produkt und meine Produktpräsentation auf einer Art und Weise zu gestalten, die nicht nur kompatibel zu den Grundbedürfnissen, sondern auch zu den Glaubenssätzen und Geschichten meiner Zielgruppe ist, habe ich wirklich einen Zugang.

[Bild: Fotolia.com]

Google AdWords: So umgehen Sie steigende Klickpreise

Besonders Advertiser, die Google AdWords seit längerer Zeit nutzen, klagen über die steigenden Klickpreise bei Keywords. Begriffe, die vor einem Jahr noch für zweistellige Cent-Beträge zu haben waren, können heute schon an der 2 Euro Grenze kratzen. Auch Neueinsteiger sind oftmals unangenehm überrascht, wenn nicht mit den erwarteten Cent Beträgen auf den vorderen Plätzen geworben werden kann.

Bei Spitzenkeywords wie "private Krankenversicherung" kalkuliert das neue Google Keyword-Tool mit einem CPC von gut 15 Euro. Der tatsächliche Wert, den ein Advertiser für dieses Keyword bieten müsste, um auf einer respektablen Position zu werben, dürfte diesen Wert allerdings noch um einiges übersteigen. Sind die Zeiten, in denen man Google AdWords als kostengünstige Werbeplattform nutzen konnte, also endgültig vorbei? - Die Antwort ist nein. Man muss nur etwas überlegter an die Sache herangehen. Wenn man nicht gerade absolute Nischenprodukte, wie zum Beispiel Transportschutzdosen für Bananen bewirbt, bei denen es nicht allzu viele oder sogar gar keine Mitbewerber gibt, sollte man sich von der Erwartung verabschieden, für 10 Cent ganz oben zu stehen.

Gerade bei Versicherungen ist es schwierig, sich von der Konkurrenz abzuheben. Hier ein paar Tipps, wie Sie alternativen zu teuren Keywords finden:

  • Kleine, regional tätige Versicherungsbüros sollten Abstand davon nehmen auf die naheliegenden Keywords zu bieten sondern das Augenmerk auf Begriffe legen, die möglichst nur auf sie zutreffen, wie "Versicherungsbüro Frankfurt". Dieses Keyword verzeichnet monatlich zwar deutlich weniger Impressionen als das Schlagwort "Versicherung", ist dafür aber günstiger und spricht zudem eine genauere Zielgruppe an.
  • Auch die anderen Werbenetzwerke von Google haben durchaus Potenzial und werden mitunter ein wenig vernachlässigt. Nutzen Sie ebenfalls das Content-Werbenetzwerk um neue Kunden zu gewinnen. In vielen Fällen liegen die Klickpreise auf Seiten im Content-Werbenetzwerk deutlich unter denen der Google Suche. Orientieren Sie sich hier nicht nur an einzelnen namhaften Placements. Natürlich ist es deutlich schwieriger eine Anzeige auf der Webseite des Nachrichtenmagazins Focus zu platzieren, als auf der Seite vom fiktivem Finkelswarder Tagesblatt. Dennoch liefern gerade kleine Webseiten gute Ergebnisse.
  • Auch wenn die steigenden Klickpreise erst einmal schmerzen, sollte man sich nicht nur daran orientieren. Entscheidend ist nämlich nicht der Klickpreis, sondern der in Bezug zu diesem ermittelte ROI. Solange ein Keyword Gewinne generiert, die zu einem positiven ROI beitragen macht es sich bezahlt. Die Optimierung des Conversion-Prozesses muss also an aller erster Stelle stehen.
  • Eine nach wie vor viel zu selten genutzte Funktion ist die regionale Begrenzung. Bei einem geringen monatlichen Budget muss man nicht gleich im gesamten Deutschland werben. Viel sinnvoller ist hier eine Ausrichtung auf ausgewählte Städte, Bundesländer oder selbst definierte Regionen. Das hat zum einen den Vorteil, dass primär User die Anzeigen zu sehen bekommen, die aus einer für den Advertiser relevanten Region kommen. Zum anderen wird die Anzeige mit einem regionalen Hinweis wie zum Beispiel "Frankfurt" oder "Hessen" versehen. In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich auch, die Standort- oder Telefonerweiterungen zu nutzen, die seit Kurzem von Google angeboten werden.

Bannerwerbung ist eine Alternative

Im Zusammenhang mit den steigenden Klickpreisen im Suchmaschinen-Marketing ist auch eine Art Rückbesinnung auf die Bannerwerbung zu erkennen, die durch mittlerweile wieder erschwingliche Tausenderkontaktpreise lockt. Diese Tendenz ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da die Conversion Rate hier in den meisten Fällen deutlich unter der bei Suchmaschinenwerbung üblichen liegt.

Es bleibt festzuhalten, dass die Konkurrenz im Kampf um die besten Werbeplätze beim Suchmaschinen-Marketing weiterhin zunehmen wird, was sich durchaus negativ (für Google wohl eher positiv) auf die Klickpreise auswirken kann. Unternehmen müssen heute mehr denn je flexibel agieren können und sich den Begebenheiten des Marktes anpassen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Trotzdem wäre es verfrüht, Google als Werbemöglichkeit zu verstoßen. Nach wie vor sind die Preise im Vergleich zu klassischen Printmedien recht günstig und es kann aktiv Einfluss auf den Erfolg einer Kampagne genommen werden. Auch andere Faktoren wie die Messbarkeit der Ergebnisse und die geringen Streuverluste sprechen ganz klar für diese Werbeform. Der Schlüssel um weiterhin erfolgreich in Suchmaschinen zu werben ist und bleibt also die ständige, wenn auch mühsame Optimierung.

Hinweis

Mehr zum Thema erfahren Sie in dem Buch von Sabrina Zebisch:

Google AdWords - Punktgenau und zielgerichtet werben: So nutzen Sie das größte Werbenetzwerk der Welt [80]

[Bild: Creativeapril - Fotolia.com]

Kundenzufriedenheit: So messen Unternehmen die Zufriedenheit ihrer Kunden

Die Kundenzufriedenheitsanalyse gehört zu den wirksamsten Instrumenten für die Sicherung des dauerhaften wirtschaftlichen Erfolgs eines Unternehmens. Handlungsorientiert konzipiert, richtig umgesetzt und vollständig im Customer Relationship Management (CRM) integriert bietet sie enormes Potenzial, um den wirtschaftlichen Erfolg – gerade in schwierigen Zeiten – abzusichern. Als kontinuierliches und nachhaltiges Monitoring- und Veränderungsinstrument ist die Kundenzufriedenheitsanalyse aus den Schuhen eines reinen Messinstrumentes längst herausgewachsen.

Wirksamkeit erfordert jedoch ein solides Fundament in der Messung, Durchführung und Analyse der Kundenzufriedenheit. Die Ergebnisse der Unternehmensbefragung 2010 der Beratung 2hm & Associates zeigen, dass gerade Unternehmen, die ihre Kundenzufriedenheit professionell erheben und systematisch verbessern, am stärksten von ihrer aktuellen Kundenzufriedenheitsanalyse profitieren.

Die Erfahrungen dieser „Profis“ zeigen auch: Ein kunden- und handlungsorientiertes Vorgehen bei Planung und Konzeption sowie eine professionelle Durchführung anhand eines validen und konsistenten Fragebogens sind notwendige Voraussetzungen, reichen alleine jedoch noch nicht aus. Für die nachhaltige Wirksamkeit ist es wichtig,

  • zielgerichtet Handlungsempfehlungen abzuleiten,
  • diese systematisch an allen relevanten Kundenkontaktpunkten umzusetzen und
  • den Erfolg dieser Maßnahmen regelmäßig zu überprüfen.

Hintergrund: Status Kundenzufriedenheitsanalysen in deutschen Unternehmen

Bereits seit den 1980er Jahren hat sich in deutschen Unternehmen die Auffassung durchgesetzt, dass die Bindung bestehender Kunden profitabler ist als die reine Konzentration auf das Neukundengeschäft. Folglich setzen Unternehmen auch Kundenzufriedenheitsanalysen ein, um die Qualität ihrer Kundenbeziehungen zu messen und zu verbessern.

Doch wie sieht die Realität in deutschen Unternehmen aus: Wie gehen Unternehmen an das Thema Kundenzufriedenheit heran? Welchen Nutzen und welche Ziele verfolgen sie konkret? Wie sollten Kundenzufriedenheitsanalysen heutzutage aufgesetzt sein und ihre Ergebnisse genutzt werden, damit die Unternehmen besonders von ihr profitieren? Um diese Fragen zu beantworten hat 2hm & Associates in Kooperation mit der Wiesbaden Business School im Jahr 2009/2010 insgesamt 439 deutsche Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern kontaktiert und leitende Angestellte, Vorstandsmitglieder oder Mitglieder der Geschäftsführung befragt.

Ein erstes Ergebnis war: 23 Prozent der kontaktierten Unternehmen führen überhaupt keine Kundenzufriedenheitsanalysen durch. Die Ergebnisse basieren auf einer Stichprobe von 336 Unternehmen und repräsentieren etwa 3,8 Mio. Kunden, die hinsichtlich Ihrer Zufriedenheit befragt werden. Dies entspricht durchschnittlich etwa 44 Prozent des Kundenstamms der befragten Unternehmen.

Zufriedenheit der Unternehmen: Verbesserungspotenziale in jedem zweiten Fall

Die Ergebnisse zeigen, dass Kundenzufriedenheitsanalysen einen hohen Stellenwert genießen. Von der Arbeit mit den Ergebnissen versprechen sich fast alle befragten Unternehmen (90 Prozent), die Zufriedenheit ihrer Kunden nachhaltig zu erhöhen und sie dadurch dauerhaft an das Unternehmen zu binden. Über eine höhere Kundenloyalität hinaus werden ein positiveres Unternehmensimage (81 Prozent) sowie eine höhere Preisbereitschaft (57 Prozent) als unmittelbarer wirtschaftlicher Nutzen für das Unternehmen angestrebt.

Fragt man die Unternehmen jedoch, wie zufrieden sie mit ihrer aktuellen Kundenzufriedenheitsanalyse sind, so wird deutlich, dass diese Erwartungen in der Praxis nur bedingt erfüllt werden:

  • 47 Prozent der Unternehmen, die Kundenzufriedenheitsanalysen durchführen, geben an, dass sich durch die Nutzung ihrer Untersuchungsergebnisse die Leistung des Unternehmens „stark“ oder „sehr stark“ verbessert habe.
  • Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Befragten ist mit der aktuellen Untersuchung „sehr“ bzw. „vollkommen zufrieden“. Verbesserungspotenzial würde demnach bei ca. 50 Prozent der Unternehmen bestehen.
  • Als Gründe für Unzufriedenheit werden oft ein inkonsistenter, zu wenig objektiver Fragebogen, ein zu unsystematisches Vorgehen und das inkonsequente Ableiten von Maßnahmen angeführt.

Es macht einen erheblichen Unterschied, ob die Unternehmen ihre Kundenzufriedenheitsanalyse selbst durchführen, oder ob sie einen externen Partner beauftragen: Mehr als die Hälfte der Unternehmen (57 Prozent), die einen externen Partner beauftragen, sind „sehr“ bzw. „vollkommen zufrieden“ mit der aktuellen Kundenzufriedenheitsuntersuchung. 54 Prozent sehen zudem durch die Nutzung der Ergebnisse die Leistung ihres Unternehmens als „stark“ oder „sehr stark verbessert“ an. Im Gegensatz dazu äußern sich lediglich 36 Prozent der Unternehmen, die keine externe Unterstützung in Anspruch nehmen, als „sehr“ bzw. „vollkommen zufrieden“ mit der Untersuchung. Und nur 39 Prozent bewerten die Unternehmensleistung hier als „stark“ oder „sehr stark verbessert“.

Zentrale Erfolgsfaktoren für Zufriedenheit

Auf Basis dieser Erkenntnisse wollte 2hm & Associates GmbH wissen, welches die entscheidenden Erfolgsfaktoren von Kundenzufriedenheitsanalysen sind: Worin unterscheiden sich besonders zufriedene Unternehmen von anderen Unternehmen? Aus den Antworten der befragten Unternehmen haben sich folgende Kriterien herauskristallisiert, die mit darüber entscheiden, ob eine Kundenzufriedenheitsanalyse auch tatsächlich zu einem nachhaltigen Unternehmenserfolg führt:

Erfolgsfaktoren für die Messung von Kundenzufriedenheit: Entscheidend sind professionelle Erhebung, systematische Ableitung von Handlungsempfehlungen und breit angelegte Umsetzung in der Organisation

Ein übergreifender Erfolgsfaktor stellt zunächst die Erfahrung des Unternehmens mit der Messung von Kundenzufriedenheitsanalysen dar. Je länger sich Unternehmen mit der Messung der Zufriedenheit beschäftigen, desto höheren Nutzen ziehen sie aus den Ergebnissen. Die Messung alleine reicht jedoch nicht aus. Ihre Wirkung können Kundenzufriedenheitsanalysen erst dann vollständig entfalten, wenn auf Basis der Ergebnisse konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet und umfassend zielgerichtete Verbesserungsmaßnahmen in den relevanten Bereichen umgesetzt werden. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der Einbezug der gesamten Wertschöpfungskette im Unternehmen, sprich die Anzahl der Bereiche, die mit den Ergebnissen arbeiten.

Die interne Markforschungsabteilung dient dabei als zentrale Schnittstelle im Unternehmen und stellt die notwendige Analytik für zielgerichtete Verbesserungsmaßnahmen bereit. Idealerweise erfolgt die Betreuung der Untersuchung in Zusammenarbeit mit einem externen Partner.

Usability: Sicherheit mit dem Website-Check

Wer sich tagtäglich um sein Online-Angebot kümmert, verliert mit der Zeit leicht die Konturen seiner Seiten aus dem Blick. Die eigene Internetpräsenz ist so vertraut, dass der Betreiber die neuen Ansprüche seiner Kunden nicht mehr ins Detail verfolgt. Die Besucherzahlen sind einigermaßen konstant, regelmäßig werden Angebotsanfragen gestellt und niemand beschwert sich über mangelnde Informationen. Kurzum: Das Internetangebot scheint akzeptiert.

Das Internet ist jedoch kein konstantes Medium und die Nutzerschaft ist lange nicht so bemüht, auf ein fehlerhaftes Angebot aufmerksam zu machen, wie vielleicht gedacht. Die Konkurrenz ist groß und schnell ist auf ein anderweitiges attraktiveres Angebot geklickt. Stagnieren die Online-Verkaufszahlen oder lässt sich kaum noch Nutzer-Feedback feststellen, wird es Zeit, zu handeln.

Status quo: Das unbekannte Wesen Online-Nutzer

Betreiber von Online-Angeboten sollten sich regelmäßig fragen, wen sie mit welchen Angeboten auf welche Weise und mit welchen Mitteln auf sich aufmerksam machen wollen. Es ist unabdingbar für den Online-Erfolg, die eigene Nutzerschaft bis ins Detail zu kennen. Was sucht die Zielgruppe, wenn Sie auf ein Online-Angebot stößt? Wo sucht sie zuerst und wie? Haben die Online-Besucher vielleicht ganz spezielle Vorstellungen von einem Angebot, denen der Anbieter entgegen kommen kann?

Niemand ist anspruchsvoller und unberechenbarer als ein Online-Nutzer. Entweder weiß er sehr genau, wo er eine Information suchen muss und will diese sofort an einem bestimmten Ort finden. Oder er hat nur eine vage Vorstellung von dem Objekt seiner Begierde und klickt sich unvoreingenommen durch die virtuellen Seiten. In beiden Fällen ist er dankbar für ein Online-Angebot, das nicht nur gut strukturiert auf seine Vorzüge aufmerksam macht, sondern ihm übersichtlich mehrere Optionen bietet, die ihn an sein Ziel führen können. Ob eine Website oder ein Online-Shop dieses Kriterium erfüllt, lässt sich sehr genau und detailliert eruieren.

Im Detail betrachtet: Das Experten-Gutachten

Um ein Online-Angebot ehrlich und unvoreingenommen zu bewerten beziehungsweise bewerten zu lassen, ist ein Experten-Gutachten ratsam. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse der Hauptziele einer Website. Bewertet wird, wie gut die Nutzer ihre Ziele auf der betreffenden Website erreichen. Dabei werden Problemstellen sowie gleichzeitig Handlungsempfehlungen zur Optimierung aufgezeigt.

Ein Usability-Experte (oder mehrere) setzt sich dafür intensiv, und nach Bedarf in Zusammenarbeit mit einer Testgruppe, mit dem Online-Angebot auseinander. Er erstellt unterschiedliche Testaufgaben, bei denen die Zugänglichkeit, Übersichtlichkeit und Verständlichkeit der dargebotenen Inhalte untersucht werden. Es werden typische Suchanfragen der Zielgruppe nachgestellt.

  • Wie schnell finden neue Besucher bestimmte Informationen?
  • Sind die typischen Hilfsmittel, wie zum Beispiel das Suchfeld, der Zurück-Button, eine linksseitige Navigation oder eine Breadcrumb-Navigation vorhanden?
  • Wo entstehen Stolperfallen?
  • Wann ist aus welchen Gründen mit einem Suchabbruch zu rechnen? Finden Suchmaschinen relevante Angebote?

Diesen und weiteren Fragen geht der Usability-Experte nach und entwickelt erste Strategien zur Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit.

Nutzerfreundlichkeit im Detail: Der Usability-Check

Neben der eher aufgabenbezogenen Analyse durch einen Usability-Experten, gibt der Usability-Check detaillierte Auskunft über Defizite in Bezug auf verschiedene Usability-Aspekte. Auf Basis eines umfangreichen Kriterienkatalogs (Heuristik) wird die Webseite im Detail auf Usability-Mängel untersucht. Die Checkliste basiert dabei auf allgemein anerkannten Usability-Richtlinien (zum Beispiel nach Nielsen, der DIN 9241‐110 sowie weiteren Richtlinien). Der Usability-Check bezieht sich beispielsweise auf folgende Kriterien (Auszug aus einem durch die kernpunkt GmbH entwickelten Kriterienkatalog):

Zugänglichkeit / Accessibility

  • Ist die Ladezeit angemessen?
  • Besteht ausreichend Kontrast zwischen Text und Hintergrund?
  • Ist die Schriftgröße einfach zu lesen und anpassbar?
  • Werden Flash und Add-Ons sparsam eingesetzt?
  • Haben Bilder und Links ALT-Tags?
  • Existieren individuelle 404-Seiten?
  • Sind alle toten Links beseitigt?

Seitenkennung / Identität

  • Ist das Seitenlogo prominent platziert?
  • Wird der Zweck der Seite durch die Seitenkennung deutlich?
  • Ist die Homepage schnell erfassbar?
  • Ist der Pfad zu Unternehmensinformationen gut erkennbar?
  • Ist der Pfad zu Kontaktinformationen gut erkennbar?

Navigation

  • Ist die Hauptnavigation leicht zu erkennen?
  • Ist die Anzahl an sichtbaren Navigationselementen angemessen?
  • Ist das Logo mit der Startseite verlinkt?
  • Ist die suche schnell zu erreichen und wenn möglich oben rechts platziert?

Inhalt

  • Sind die Hauptüberschriften klar und beschreibend?
  • Befindet sich wichtiger Inhalt im Sichtbereich?
  • Sind Stile und Farben konsistent?
  • Werden Hervorhebungen sparsam eingesetzt?
  • Ist der Hauptinhalt kurz und aussagekräftig
  • Sind URL beschreibend und menschenlesbar
  • Ist der Seitentitel erklärend und bezieht sich auf den aktuellen Content?

Prozesse nicht vergessen: Der Funktions-Check

Auch die Funktionsweise einer Website muss überprüft werden. Zum Beispiel wird untersucht, ob die Seite über sprechende URL, mit www. oder ohne Subdomain erreichbar ist, ob sie ohne Frames oder Pop-Ups nutzbar ist und ob sie Stylesheets für alternative Medien anbietet.

Auch die Suchfunktionen werden kontrolliert. Existiert überhaupt eine Suchmöglichkeit und wie leicht ist sie zu bedienen? Wenn möglich sollte die Suchfunktion immer rechts oben auf der Seite oder zentral positioniert und vor jeder Seite aus schnell erreichbar sein. Die Suchergebnisse sollten gefiltert werden (Faceted Search) können und die Sortierung nach Relevanz erfolgen.

Die nutzerfreundliche Gestaltung von Formularen ist eines der kritischsten Elemente einer Webseite. Denn über ein Formular findet letztlich immer die gewünschte Interaktion des Besuchers mit dem Betreiber der Webseite statt. Sei es, um eine Bestellung im Online-Shop durchzuführen, einen Newsletter zu abonnieren, ein Kontaktformular auszufüllen oder interaktive Funktionen zu nutzen. Spätestens bei der Abfrage von persönlichen Informationen des Nutzers dürfen keine Fehler mehr passieren. Schwierig zu bedienende Formulare mit mangelhaften Sicherheitseinstellungen führen häufig zu Anfrage-Abbrüchen. Es ist deshalb unbedingt anzuraten, den Nutzer bei Fehleingaben freundlich und informativ auf Fehleingaben hinzuweisen und gleichzeitig Handlungsanweisungen zu geben. Das Formular sollte per Tabulator-Taste in der richtigen logischen Reihenfolge bedient werden können. Mehrseitige und komplexe Prozesse (vor-zurück, klarer Abbruch, Position im Prozess) sind durch eindeutige Prozesskennzeichnungen (beispielsweise mit Nummerierung der Prozessschritte) deutlich zu kennzeichnen.

Sicher ist sicher: Der Website-Check

Der Website-Check ist die Basis für den Relaunch einer Seite und hilft Online-Anbietern dabei, sich mit dem eigenen Angebot detailliert auseinanderzusetzen und zielgruppengerecht zu optimieren. Der Website-Check unterstützt Angebote bei der Erreichung ihrer Conversion-Ziele und bei der konstanten Informationsvermittlung. Mühe und Aufwand lohnen: Mithilfe des Website-Checks werden Informationen auffindbar, werden das Markenbild geschärft und die Conversion-Rate gesteigert.

[Bild: MissMedia - Fotolia.com]

User Generated Content: Wann Unternehmen bei Social Media haften

Vor dem Kauf eines teureren Produkts holt man in der Regel vorab Informationen dazu ein und vergleicht diverse Anbieter. Nirgendwo geht das schneller als im Internet. Außer allgemeinen Informationen der Hersteller oder Beiträgen von Fachjournalisten gibt es zahlreiche Bewertungsportale, die man bei der Kaufentscheidung nutzen kann. Dort kommen die Konsumenten selbst zu Wort und schildern aus ihrer Sicht die Vor- und Nachteile des Produkts oder der Dienstleistung. Eine Umfrage unter 1.068 webmiles-Teilnehmern der arvato online services GmbH, einem Full-Service-Dienstleister für Online-Marketing und Online- & Loyalty-Services, ergab unter anderem:

  • Vor dem Kauf eines Produkts lesen mehr als 80 Prozent der Befragten Produktbewertungen im Internet.
  • 36 Prozent tun dies so oft wie möglich.
  • Rund 45 Prozent konsultieren die Portale nur wegen bestimmter Produkte.
  • 27 Prozent der Umfrageteilnehmer orientieren sich sehr am Urteil anderer Konsumenten.
  • 67 Prozent orientieren sich teilweise daran.
  • Lediglich sechs Prozent interessieren sich überhaupt nicht für die Erfahrungen anderer Käufer.

Haftung bei Bewertungsportalen

Sowohl bei Beiträgen in Online-Foren, bei Nutzerkommentaren oder eben auch bei Bewertungsportalen, die sich mit bestimmten Produkten oder Dienstleistungen beschäftigen, geht es um sogenannten nutzergenerierten Inhalt (User Generated Content). Immer mehr Unternehmen erkennen die Möglichkeit, dadurch mit potenziellen und bestehenden Kunden in direkten Kontakt zu treten. Hierbei stellen sich aus rechtlicher Sicht folgende Fragen:

  • Wer haftet für die von Nutzern eingestellten Inhalte?
  • Was sollten Betreiber, die diese Möglichkeiten des User Generated Content auf ihren Webseiten anbieten, tun, wenn es dadurch zu Rechtsverletzungen kommt?

Zunächst geht es um die eigene Öffentlichkeitsarbeit und darum, erfundene und wohlwollende Kundenmeinungen über eigene Produkte und Dienstleistungen auf seiner Webseite einzustellen. Wer als Shopbetreiber oder Dienstleister Kundenbewertungen erfindet beziehungsweise selbst verfasst, diese als Meinungen der Nutzer ausgibt und auf die eigene Webseite stellt, handelt aus wettbewerbsrechtlicher Sicht rechtswidrig.

Stellt sich die Frage, wie es bei echten Kundenmeinungen aussieht, die auf die Webseite des Betreibers eingestellt werden. Die Praxis zeigt: Werden Produkte oder Dienstleistungen unsachlich oder zu Unrecht schlecht bewertet – rechtlich wird hier von der sogenannten Schmähkritik gesprochen – hat dies nicht nur Auswirkungen auf deren Verkauf. Der zu Unrecht oder unsachlich bewertete Hersteller wird versuchen, den Seitenbetreiber rechtlich zu belangen, da dieser in der Regel schneller ausfindig zu machen ist als der tatsächliche Urheber der Produktbewertung. Shopbetreiber, die Produktbewertungen zulassen, sollten also folgendes beachten:

  • Nur tatsächliche Nutzer- beziehungsweise Kundenmeinungen einstellen.
  • Bewertungseinträge regelmäßig auf Unsachlichkeit und Unrechtmäßigkeit überprüfen.

Hinweis

Laut einem Urteil des OLG Köln (Az.: 6 U 57/08) genießen Bewertungsportale und die darin verfügbaren Datensätze Urheberrechtsschutz an sich. Die geäußerten Meinungen besitzen danach den Charakter eines Werkes und dürfen nicht beliebig kopiert werden. Folge: Kopiert ein Betreiber die Kundenmeinungen auf einem Konkurrenzportal und fügt sie in sein Angebot ein, kann das zu Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen führen. Zudem kommen auch Ansprüche aus dem Wettbewerbsrecht in Betracht, wenn Nutzerbewertungen einfach kopiert werden.

Haftung als „Mitstörer“

Beim User Generated Content dreht es sich hauptsächlich um Verstöße gegen Vorschriften des Strafrechts, also zum Beispiel Beleidigungen beziehungsweise Diffamierungen. Ebenso gut können auch markenrechtliche Dinge betroffen sein, wenn etwa gegen geistiges Eigentum verstoßen wird.

Hier stellt sich die Frage, auf welche Art und Weise der Betreiber einer Webseite, die User Generated Content zulässt, von der Haftung betroffen ist. Die Rechtsprechung hat hier den Begriff „Mitstörerhaftung“ geprägt. Das bedeutet: Störer ist zunächst einmal der Webseitenbetreiber, der die rechtwidrigen Inhalte auf seiner Webseite platziert hat. Damit macht er sich diese Inhalte quasi zu Eigen.

Für Bewertungsportale gilt: Werden Kundenmeinungen abgegeben, die Schmähkritiken oder strafrechtlich relevante Aussagen enthalten, sitzt der Betreiber haftungsrechtlich erst einmal mit im Boot. Ausnahme bilden reine objektive Tatsachenbehauptungen, die sich beispielsweise auf einen tatsächlichen mangelhaften Zustand einer Ware beziehen.

Werden aufgrund eines Eintrags Rechte eines Dritten verletzt, haftet der Betreiber grundsätzlich erst dann, wenn er von dem Eintrag Kenntnis erlangt hat und danach nach wie vor untätig bleibt, den rechtswidrigen Eintrag also nicht löscht. (Urteil des BGH, Az.: VI ZR 101/06).

Spielerische Marketingmethoden: Spielen Sie doch mit der Positionierung

Fehlt der Absatz oder der Ansatz?

Zum Thema Positionierung und Kommunikation gibt es unzählige Veröffentlichungen. Auch hat jedes Buch zum Thema Positionierung und Kommunikation seine eigene und richtige Sichtweise. In der Medizin vertrauen doch heute auch Menschen beispielsweise auf die Homöopathie oder die Schulmedizin. Zwei scheinbar völlig andere Ansätze. Einige Ärzte öffnen sich diesen alternativen Erkenntnissen und vereinen die möglichen Heilungsprozesse. Andere hingegen schwören allein auf die Homöopathie oder die Schulmedizin, um bei diesem Beispiel zu bleiben.

Für mich ist oft überraschend, wie sicher sich viele Könner mit dem angehäuften Wissen fühlen. Auf der anderen Seite empfinden Menschen den Mangel an Wissen als großes Defizit und bewegen dann kaum etwas.

Das ganze Wissen der Positionierungs- und Kommunikationswelt konnte bisher viele Unternehmens-Niedergänge nicht verhindern. Alles marktorientierte Wissen ist kein Garant für Umsatzerfolge! Und so viele Menschen und Unternehmensführungen sind sich immer noch so sicher die Mechanismen zu beherrschen. Wobei die Ereignisse der letzten Jahre doch eine deutlich andere Sprache sprechen. Das eigentliche Wissen bewerte ich deshalb auch „nur“ als einen wichtigen Baustein.

Unternehmen leben von der Geschäftsidee und den „Machern“. Auch Computer wissen oder können im Grundsatz nur Ergebnisse von den Menschen verarbeiten. Hat der einzelne Mensch eigentlich eine (sichere) Position für sein Leben, egal was passiert? Wenn wir in Ruhe und Klarheit unser Leben leben, können wir einen weiteren Denkbaustein bewusst umsetzen – die Botschaften der Intuition.

Denn heute ist auch wissenschaftlich völlig unstrittig, dass die Intuition keine mystische Gabe mehr ist, sondern ein ganz normaler Teil des Denkvermögens. Die Intuition ist fehlbar, wohl wahr, doch sie kann trainiert werden. Und aus meiner Sicht braucht sie auch ihren Platz in der Unternehmenskultur.

Spielen Sie einfach mit dem Gedanken der Positionierung und Kommunikation und dann machen Sie es einfach! Das wäre doch ein Ansatz.

Das „Online-Gefühl“

Heute darf alles schnell gehen. Nur an gewisse Dinge glauben, das fällt Menschen oft schwerer als gedacht. Übrigens gilt dies auch Ärzten. Denn zwei große Krankenkassen haben zum Beispiel die Akupunktur auf Rezept durchgesetzt. Gemäß der chinesischen Medizin werden bei der Akupunktur sogenannte Meridiane/Kanäle, in denen die Lebensenergie Qi fließt, mit Nadeln angestochen. Nach diesen Vorstellungen gibt es zwölf Hauptmeridiane. Jeder Meridian ist einem Organ bzw. Organsystem zugeordnet. Auf den Meridianen liegen die Akupunkturpunkte. Es ist heute bekannt, das auch falsch gesetzte Nadeln Heilerfolge erbringen. Trotzdem, Tausende von Ärzten setzten sich dafür nicht ein. Heute gibt es diese andere Technik, andere Heilweise auf Rezept. An was Sie glauben, wird Sie heilen. In meinem Verständnis sind Unternehmen manchmal voller Geschwüre oder es wird von kranken Unternehmungen gesprochen. Wenn wir online sind, fühlen sich Menschen verbunden mit der realen und sichtbaren Welt. Ich biete Ihnen jetzt den Gedanken an, gehen Sie doch auch online mit der unsichtbaren Welt der Gedanken und Gefühle.

Heute-ist-ein-Innovationstag!de

Albert Einstein soll gesagt haben „Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern, als ein Atom.“ Innovationsmanagement braucht ein bestimmtes Klima! Ansonsten werden technische, organisatorische, institutionelle und soziale Innovationen bei der Umsetzung bzw. Verwertung aus meiner Sicht scheitern. Aus historischer Sicht gibt es Zeiten der Innovation, in denen offenbar schubartig Neuerungen auftraten, sodass die allgemeine Meinung vertreten wird, dass Innovation ein bestimmtes Klima braucht. Doch es braucht auch den Mut Innovationen umzusetzen oder zu verwerten. Stellen Sie sich auf die Möglichkeit von intuitiven und spielerischen Erkenntnissen ein. Auch eine Einstellungssache, go on-line!

Das Spiel beginnt!

Alles geht. Ja, im positiven Sinne! Activity pur – führt zum Austausch von Ansichten und vor allen Dingen an den Rand unserer Sprache. Wenn eine Leserin oder ein Leser das gleichnamige Gesellschaftsspiel schon einmal gespielt hat, weiß jeder, wovon ich jetzt spreche. Ansonsten könnten manchmal Ausdruckslosigkeit und mangelnde Phantasie zwei Stichwörter sein. Auf in die Welt der kreativen Möglichkeiten?

Beispiel: Kommunikations-Tangram

Die Idee, ein chinesisches Tangram zweckentfremdet anzuwenden und zur Kommunikations-Übung zu nutzen, ist wahrlich nicht wirklich neu. Doch entdecke ich sehr schnelle Lernerfolge. In meinem Übungsaufbau sitzen drei Personen zusammen. Zwei spielen Rücken an Rücken den Kommunikationstransfer, die dritte Person sitzt etwa 1,5 Meter entfernt und schreibt markante Sätze auf und schaut auf die „Gesamt-Kommunikation“ ohne das Ergebnis zu sehen. Sind die eigentlichen zwei Kommunikationspartner der Meinung, dass das von mir vorgegebene Bild 100-prozentig auf die Spielfläche beim Partner aus den sieben Teilen erzielt wurde, spreche ich mit dem Beobachter. Er konnte nur sehen und hören, jedoch nicht das Spielbrett mit dem Ergebnis. Wenn der Beobachter das Gefühl hat, das Team hat es nicht geschafft, dann fangen immer Diskussionen mit zunächst ungewissen Ausgang an. Sind sich die Beteiligten trotzdem sicher, es geschafft zu haben, dann drehen sich natürlich alle Teilnehmer zueinander.

Die Mehrheit der Teilnehmer findet maximal Teilerfolge, die Kommunikationsbilder weichen oft weit von Ist-Zustand der Vorlage ab. Die Frage in der Gruppe, wie denn das neue Auto ausgeliefert aussieht, mache ich dann am dem erstellten Bild auf der Arbeitsspiel-Fläche fest. Die Abweichungen schlagen dann oft phantasievolle Blüten, besonders dann, wenn das Übungsbild von Ist-Zustand abweicht. Das Wunschauto in diesem Fall zeigt die illusionäre Kommunikation, in der sich die Teilnehmer vorher doch so sicher waren.

Die Kultur der Einstellung, der Akzeptanz oder der Sprache kommen auf den Tisch. Neue Festlegungen werden getroffen etc. In meinem Trainings setzt sich die dritte Person beim nächsten Mal anders herum und ich nehme den „Sinn Sehen“ quasi weg. Ich bitte das erklärte Bild mit zu zeichnen, ohne jedoch nachfragen zu dürfen. Irritierende Sätze dürfen natürlich notiert werden. Das Vermitteln von Bildern wird in diesem Spiel immer deutlicher. Querformate fallen aus dem Rahmen, weil sie überstehen. Bezugslinien finden keine Beachtung etc. Der bildhafte Vergleich liefert Metapher, die eine konsequentere Kommunikation nachhaltig begünstigen.

Gespielte Position

Wie SOLL und HABEN können die bildhaften Ergebnisse also auch bewertet werden. Es gibt jedoch auch ganz andere Erkenntnisse, „Es fühlte sich an der Stelle der Kommunikation einfach nicht gut an.“ Unternehmensberater und Ratgeber-Autoren propagieren unentwegt, wir müssten bei Entscheidungsfindungen möglichst analytisch vorgehen, Vor- und Nachteile auflisten und genau gegeneinander abwägen. Der Ansatz ist zunächst logisch, aber er setzt voraus, dass die menschliche Intelligenz wie eine Rechenmaschine funktioniert.

Gerd Gigerenzer, Jahrgang 1949 bearbeitet Gebiete über begrenzte Rationalität und Heuristiken, das heißt, wie kann man rationale Entscheidungen treffen, wenn Zeit und Information begrenzt sind und die Zukunft unsicher ist. Er ist der international meistzitierte Psychologe im deutschsprachigen Raum und seit 1997 Direktor des Center for Adaptive Behavior and Cognition (ABC) am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Für ihn ist die Logik nur eines von vielen Werkzeugen der Intelligenz. Gigerenzer führt selbst weiter aus: „In sehr viel mehr Fällen stützten wir uns auf Bauchgefühle – wir entscheiden intuitiv.“

Das Unternehmer-Magazin „impulse“ Januar 2010 zitiert Gigerenzer im Zusammenhang bei einem Versicherungsunternehmen: „Komplexe Berechnungen können sehr gut Ereignisse der Vergangenheit erklären. Wer aber Entscheidungen über die Zukunft zu treffen habe, fährt mit einfachen Faustregeln besser.“

Positionierungs-Tipp: Eine Positionierung besser unperfekt gespielt und beginnen, als perfekt aufgeschoben!

Führungskraft voraus, denn Mitarbeiter denken auch

Klingt Ihnen mein ausgesprochener Positionierungs-Tipp noch in den Ohren? Gut, denn viele Aufgaben werden aufgeschoben, da alles augenscheinlich „100-Prozentig“ gemacht werden soll.

Das Lebensprinzip vom Fußball-Manager Uli Hoeneß beschreibt er selbst mit dem englischen Grundsatz „learning by doing“. Er sieht sich als suchender Praktiker und ist offen für überraschende Lösungsansätze.

Wenn Menschen in Unternehmen oder Teilnehmer an Workshops zum Beispiel mit einem Positionierungsspiel agieren dürfen, begreifen sie nicht nur das Spielmaterial, sondern auch das Bild der Entscheidungen verfestigt sich bei allen Mitarbeitern.

Aus vielleicht nebligen Verhältnissen wird ein lebendiges Miteinander. Denn Nebel rückwärts gelesen schafft das Wort „Leben“. Und gelebte Positionierungen sind ein echtes Kapital und führen zu Eigenverantwortung bei Mitarbeitern. Viele Wege führen nach Rom, doch wenn Sie Mitarbeitern vertrauen und sie an dem Positionierungsweg authentisch und bildhaft beteiligen, werden viele Beteiligte aus innerer Überzeugung das Bild weiter ausfüllen. Mit dem Unterschied, sie bleiben im Rahmen! Im Rahmen der Positionierung füllen Sie ihre Aufgabe aus.

Intuition und Co.

Heute werden von verschiedenen Verlagen emotionale Karten fürs Management angeboten. Damit sollen Gefühle geweckt werden und bestenfalls auch zum Ausdruck kommen. Der schon zitierte Gerd Girgerenzer betont:

„Nach den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung verhalten sich Menschen keineswegs bewusst und rational. Über 95 Prozent aller menschlichen ´Entscheidungen` werden anhand unbewusster und emotionaler Bewertungskriterien getroffen.“

Diese menschliche verankerte Grunderkenntnis funktioniert doch nicht nur beim Kauf von Produkt oder Dienstleistungen, sondern auch in jeder anderen Situation. Hatten Sie schon dieses Bild „Intuitive Entscheide“ in Kopf? Oder in Ihrem Bewusstsein? Denn der Kopf weiß längst nicht alles.

Fazit

Jeder Mensch und jedes Unternehmen positioniert sich jeden Tag – bewusst oder unbewusst. In Unternehmen entscheiden die Führungskräfte zuerst über die „gezielte“ Ansprache von Emotionen oder Nutzung der Intuitionen. Dieser mitentscheidende Wettbewerbsvorteil ist ein Bewusstseins-Sprung und kann durch Spielunterstützungen gefördert werden. Ein echter Klimawandel, wenn Ziele einfacher und spielerisch mit Bildern erreicht werden – erfahrungsgemäß auch viel schneller. Und dies sowohl in der Positionierung als auch in der Kommunikation. Oder wollen Sie Ihr Unternehmen aufs Spiel setzen? Übrigens, die „Spiel-Dosis“ bestimmen Sie! Homöopathische Mengen reichen schon aus. Einfach trainieren und bleiben Sie spielerisch.

[Bild: Fotolia.com]

Werbewirkung: PR-Beiträge wirken besser als klassische Werbung

Öffentlichkeitsarbeit überzeugt vor allem, wenn es um die Vermittlung von Wissen, wenn es um Fragen der Glaubwürdigkeit und der Überzeugungskraft von Argumenten geht. Klassische Werbung hingegen kann vor allem dort ihre Stärke entfalten, wo Produkte vermarktet werden, deren Kauf der Konsument weniger Aufmerksamkeit schenkt.

Werbung bleibt zwar nach Einschätzung der Autoren der Studie Lothar Rolke, Professor an der FH Mainz, und Marei Dost, Beraterin in einer namhaften Marketingberatung in Hamburg, auch künftig unverzichtbar, weil sie im Gegensatz zur Öffentlichkeitsarbeit vollständig kontrollierbar ist. Allerdings sei sie auch um das Acht- bis Zehnfache teurer. Professor Rolke erklärt:

„Da die Frage der Effizienz in der Kommunikation für die Unternehmen sprunghaft an Bedeutung gewinnt, wird sich der Kommunikations-Mix deutlich verändern.“

Dieser Trend werde durch das Internet noch beschleunigt, weil es eher nach den Dialogprinzipien der Öffentlichkeitsarbeit funktioniere, als dass es den Aufmerksamkeitsregeln der Werbung folge. Deshalb sei damit zu rechnen, dass Marketer und Öffentlichkeitsarbeiter intensiver zusammenarbeiten würden. Schon heute unterstützten 50 Prozent der PR-Fachleute die Produktkommunikation im Unternehmen. Streit wird es nach Ansicht Rolkes darüber geben, wer künftig in der Kommunikation die Führungsrolle übernimmt.

„Die Herausforderung besteht darin zum Konsumenten durchzudringen und eine Kommunikation anzubieten, die für den Kunden Bedeutung hat“,

erklärt Marei Dost. Die traditionelle Werbung müsse angesichts der Veränderungen im Umgang mit Medien und Informationen neu bewertet und ihre Wirkung gezielt auf die Ergänzung durch andere Kommunikationsformen hin überprüft werden. Am schwierigsten seien die traditionellen Werbeformate ins Internet zu übertragen. So zeigt die Studie: Es ist unter den Befragten zwar das Informationsmedium Nr. 1, hat aber auch die meisten Werbeablehner und -vermeider. Hier seien nach Auffassung der Beraterin Dost neue Formen der Markenkommunikation zu entwickeln.

Zur Studie

Die Autoren Lothar Rolke, Professor an der FH Mainz, und Marei Dost, Beraterin in einer namhaften Marketingberatung in Hamburg, haben für die Studie nicht nur über 50 internationale Studien ausgewertet, sondern auch ein eigenes Experiment mit über 1.000 repräsentativ ausgewählten Personen durchgeführt.

[Quelle: FH Mainz – University of Applied Sciences; Bild: mapoli-photo - Fotolia.com]

Widerrufsbelehrung: Gesetzesänderung und Vorgaben für Webshop-Betreiber

Wenn das „Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie, des zivilrechtlichen Teils der Zahlungsdienstrichtlinie sowie zur Neuordnung der Vorschriften über das Widerrufsrecht und Rückgaberecht“ in Kraft tritt, werden die bisherigen Widerrufsbelehrungen auf Webseiten und Internetplattformen ihre Gültigkeit verlieren. Konkret wird der entsprechende § 355 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) [81] zum Stichtag deutlich umformuliert.

Änderungen im Überblick

  • Die Widerrufsfrist für Fernabsatzgeschäfte wird künftig von einem Monat auf 14 Tage gekürzt. Dies gilt auch für Käufe auf der Internetplattform „eBay“. Voraussetzung: Dem Verbraucher wird die Widerrufsbelehrung unverzüglich nach Vertragsschluss in schriftlicher Form mitgeteilt.   
  • Sollte der Verbraucher über seine Rechte nicht unverzüglich nach Vertragsschluss informiert werden, greift das Widerrufsrecht von einem Monat.
  • Künftig reicht es aus, die Belehrung über den Wertersatz auch unverzüglich nach Vertragsschluss zu geben. In der Vergangenheit konnte der Händler im Falle eines durch den Käufer ausgeübten Widerrufs nur dann Wertersatz verlangen, wenn er diesen spätestens bei Vertragsschluss über diese Möglichkeit belehrt hatte.
  • Künftig entfällt die BGB-Info-Verordnung. Die sich daraus ergebenden Informationspflichten und Musterbelehrungen sind jetzt als Artikel 246 (§§ 1–3) in das Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetz (EGBGB) aufgenommen worden.

Folgen für Unternehmen

Betreiber von Internetplattformen beziehungsweise E-Shops müssen künftig darauf achten, die Widerrufsbelehrung unverzüglich nach Vertragsschluss an den Käufer zu übermitteln. Was unter unverzüglich zu verstehen ist, hat der Gesetzgeber in folgender Formulierung geregelt:

„Unverzüglich bedeutet, dass der Unternehmer die erste ihm zumutbare Möglichkeit ergreifen muss, um dem Verbraucher die Widerrufsbelehrung in Textform mitzuteilen. Der Unternehmer verzögert die Erfüllung seiner Belehrungspflicht in der Regel schuldhaft, wenn er nicht spätestens am Tag nach dem Vertragsschluss die Widerrufsbelehrung in Textform auf den Weg bringt.“

Die Folge für Unternehmen: Die Widerrufsbelehrung muss bereits in der ersten E-Mail an den Käufer beziehungsweise Verbraucher enthalten sein. Firmen sollten also prüfen, wie es technisch machbar ist, dem Käufer die Belehrungen automatisch nach einer abgeschlossenen Transaktion zu übermitteln.

Folgen hat auch die Abschaffung der BGB-Info-Verordnung: Das amtliche Muster bekommt künftig Gesetzescharakter, womit seine Verwendung gesetzlich geschützt ist und durch die Rechtsprechung nicht mehr ohne Weiteres für unzureichend erklärt werden kann. Damit wird die in der Vergangenheit häufig auftretende Rechtsunsicherheit bei Händlern abgemildert. Unternehmen sollten deshalb rechtzeitig prüfen, ob sie einen Verweis auf die Musterwiderrufsbelehrung aus der BGB-Info-Verordnung verwenden und dies entsprechend ändern, da ja dieser ab dem 11. Juni 2010 seine rechtliche Gültigkeit verliert.

Hinweis

Hier können Sie den Gesetzestext herunterladen [82] .

Ein Whitepaper von Trusted Shops hilft Online-Händlern, Abmahnungen wegen fehlerhafter Widerrufs- und Rückgabebelehrungen zu vermeiden. Die Autoren Dr. Carsten Föhlisch, Justiziar der Trusted Shops GmbH, und Wirtschaftsjurist Martin Rätze geben durch Musterformulierungen und Checklisten dem Händler Praxishilfen an die Hand, um den eigenen Shop rechtssicher zu gestalten. Hier kommen Sie zum Whitepaper:

www.trustedshops.de/widerrufsrecht [83]

Customer Touchpoint und Kundenkontaktpunkt für mehr Kundenorientierung

Der Kunde – noch immer das unbekannte Wesen? Trotz aller Befragungen, Studien und Analysen gewinnt man häufig den Eindruck: Unternehmen kennen ihre Kunden nicht. Testfrage: Was tut Ihr Kunde in den drei Minuten bevor und in den drei Minuten nachdem er mit Ihrem Unternehmen, mit Ihrem Produkt oder mit Ihrem Servicemitarbeiter in Kontakt kommt?

Beispiel Thomson Reuters

Das Unternehmen versorgt unter anderem Medien und Banken mit Wirtschaftsinformationen. Die Kunden bekommen die Daten und importieren diese gleich in ihre Excel-Tabellen. Die werden dann angepasst und neu formatiert. Als die Produktmanager von Thomson Reuters das erkannten, entwickelten sie Werkzeuge (Excel-Plugin), um den Import und die Formatierung erheblich zu vereinfachen. Das Ergebnis: Der Umsatz mit den Daten zog sofort deutlich an.

Aus dieser einfachen Drei-Minuten-Technik lässt sich eine Fülle von Maßnahmen ableiten, die dem Unternehmen helfen, die Kundenzufriedenheit zu verbessern, die Kundenbindung zu erhöhen, Umsätze zu steigern oder innovative Produkte zu entwickeln.

Ein ganz simples Beispiel kann das illustrieren. Sicherlich kennen Sie die Menschen, die aus welchen Gründen auch immer beim Betreten eines Lebensmittelgeschäfts keinen Einkaufswagen oder Einkaufskorb nehmen. Stattdessen stapeln sie ihre Einkäufe auf ihren Unterarmen, bis sie nichts mehr tragen können und deshalb schnell zur Kasse eilen. Leicht gestresst sind sie froh, wenn sie ihre Last endlich an der Kasse abladen können. Viele von ihnen hätten vielleicht noch etwas mehr gekauft, wenn ihre Ladekapazität nicht erschöpft gewesen wäre. Die Lösung: Einzelhändler sollten im Geschäft einfach an mehrere Stellen Einkaufskörbe anbieten.

Unternehmen zwingen ihre Kunden in ausgedachte Abläufe

Was der Kunde mit dem Produkt, der Dienstleistung, dem Service oder dem Mitarbeiter des Unternehmens erlebt, ist ganz entscheidend für seine Einstellung und Bewertung. Daraus leiten sich die Kundenzufriedenheit, die Kundenbindung, die Kundenloyalität und auch die Markenidentifikation ab. Der Marketingexperte und Professor am Institut für Marketing der Universität St. Gallen, Marcus Schögel, fasst es im Interview mit der Zeitschrift Marketing Review (2/2010) prägnant zusammen:

„Der Kauf ist für das Unternehmen der Endpunkt, für den Kunden ist er aber erst der Beginn.“

Doch viele Unternehmen haben das immer noch nicht erkannt. Trotz aller Bekundungen zur Kundenorientierung und dem mantraartigen Wiederholen der Floskel: „Der Kunde ist König.“ Christian Belz, ebenfalls Professor in St. Gallen, weiß:

„Auch Touchpoints werden quasi als Angebot definiert und es wird oft versucht, den Kunden in diese Kontaktpunkte und ausgedachte Abläufe zu zwängen. Man würde gut daran tun, das natürliche Verhalten der Kunden zu nutzen.“

Und doch sind diese Kundenkontaktpunkte der Schauplatz, an denen sich Wohl und Wehe eines Unternehmens entscheiden. Denn nur hier macht der Kunde die Erfahrungen, die seine Einstellung und Beurteilung zum Produkt, zum Unternehmen und seinem Service festlegen. Ihnen widmet die Zeitschrift Marketing Review mit der Ausgabe 2/2010 einen Schwerpunkt.

Stichwort

Kundenkontaktpunkte oder Customer Touchpoints sind alle Berührungspunkte eines Unternehmens und seiner Produkte und Mitarbeiter mit dem potenziellen oder bestehenden Kunden. Sie erstrecken sich von den sogenannten Vor-Kauf-Erfahrungen durch Werbung, Internet-Auftritt, Sponsoring oder Bewertungen in den Medien über die Verkauf-Erfahrungen mit Verpackung, Kompetenz des Personals oder Ausgestaltung des Verkaufsraums bis hin zu den Nach-Kauf-Erfahrungen mit der Rechnung, Gebrauchsanleitung oder Hotline.

Es gibt unzählige Gelegenheiten, mit dem Kunden in Kontakt zu kommen – und dem entsprechend viele Chancen und Risiken, es als Anbieter eines Produkts oder einer Dienstleistung richtig oder falsch zu machen. Ein paar Beispiele:

  • Der Kunde möchte sich über ein Produkt informieren, das er kaufen will, bekommt aber nur sehr allgemeines Werbe-Blabla.
  • Der Kunde würde gerne seinen Mobilfunkvertrag ändern und aufstocken, wird aber erst einmal fünf Minuten in der Warteschleife festgehalten.
  • Der Kunde will seinen TV-Receiver für seine Lieblingsserie programmieren, muss sich aber erst einmal durch unverständliches Fachchinesisch der 200-seitigen Bedienungsanleitung quälen (Wo war das nochmal?).

Franz-Rudolf Esch und sein Forscherteam an der Universität Gießen unterscheiden die Kundenkontaktpunkte nach folgendem Schema:

 

direkt

indirekt

zweiseitig

persönlicher Verkauf

Call-Center, Hotlines

Schriftverkehr, E-Mail

persönliche Kommunikation auf Messen und Events

Mundpropaganda

Blogs und Communities

einseitig

Werbung

Produktverwendung

Promotionen

Point of Sale-Gestaltung

Product Placement

Verpackungen

Gebrauchsanleitungen

Zeitung

Fachzeitschriften

Fernsehen

Internet

[Quelle: Franz-Rudolf Esch et al.: Customer Touchpoints marken- und kundenspezifisch managen, Marketing Review, 2/2010]

Alle indirekten Kontaktpunkte kann das Unternehmen mit seinem Marketing nur schwer oder gar nicht beeinflussen. Was sich dort tut, kann aber wichtige Hinweise liefern, wenn es Defizite im Verhältnis zum Kunden gibt (Radarfunktion). Die direkten Einflussfaktoren lassen sich aktiv gestalten. Je stärker der Kunde dabei mit einbezogen wird – das sogenannte Kunden-Involvement – desto besser lassen sich seine Bedürfnisse und Anforderungen sowie Verbesserungspotenziale erkennen.

Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken

Werbung: Zielgruppe 50plus nicht vernachlässigen

Niels N. von Haken, Chef der MDR-Werbung, bezeichnete es als "abenteuerlich", die Gruppe 50 plus nicht ernst zu nehmen. Auch Stefan Arend, Vorstand im Kuratorium Wohnen im Alter, sagte:

"Wir kommen mit dem kalendarischen Alter nicht weiter."

Mehr Menschen seien heute über 50 als unter 20, und Ältere verhielten sich auch anders. Laut von Haken haben 15 Millionen von rund 31 Millionen Deutschen über 50 einen Internet-Anschluss, und Arend bestätigte:

"Das Internet ist bei den Alten angekommen."

Für von Haken ist das Alter dabei gar nicht entscheidend. Wichtiger sei es, dass sich Werbetreibende mit Interessen und Lebensstilen auseinandersetzten, so wie Programm-Macher es bereits praktizierten. Spezielle Angebote an die Werbewirtschaft für über 50-Jährige scheiterten, was Tino Utassy, Chef der BCS Broadcast Sachsen, bestätigte. Bei der nationalen Werbung werde 50plus nicht gebucht, anders als bei regionaler und lokaler Werbung, wo die Zahl der erreichten Menschen wichtiger sei als das Alter.

Hans-Joachim Strauch, Chef des ZDF Werbefernsehens, rief dazu auf, den gesunden Menschenverstand einzusetzen. Geschäfte mache man mit Menschen, die konsumieren könnten. Angesprochen auf die Gruppe 14 bis 49, schüttelt Strauch mit dem Kopf:

"Ist ein 14-Jähriger absatzrelevanter als eine 55-Jährige?"

Auch er warnte davor, allein auf das Alter zu schauen: Man müsse sich die Zielgruppen genauer ansehen.

Wichtig ist auch die Ansprache. Arend etwa, der Beispiele der Werbung sammelt und untersucht, wies auf ein feines Gespür älterer Menschen für misslungene Werbung, für Fehler und Diskriminierung hin. Für Rainer Götze, Programmchef der hr4-Welle beim Hessischen Rundfunk bedeutet dies:

"Wir sprechen unserer Hörer nicht als Senioren, Alte oder vor dem Tod stehend an, sondern als erwachsene, gereifte Menschen."

[Quelle: Presseportal; Bild: Fotolia.com]

Werbebranche: Die Zukunft der Werbeagentur

Was ist eine Agentur?

Der Begriff „Agentur“ steht längst für alle Arten von Kommunikationsdienstleistern: vom Suchmachinenoptimierer über das Designbüro bis hin zum PR-Berater. Ursprünglich, im 19. Jahrhundert, waren Werbeagenturen noch im tatsächlichen Sinne „Agenturen“, denn sie vermittelten den Zeitungen Announcen-Kunden. Daher kommt auch die Vermittlungsprovision von 15 Prozent (Agenturprovision). Gezahlt hat die Zeitung, indirekt natürlich der Anzeigenkunde.

Nach und nach gingen die Agenturen dazu über, die Gestaltung der Anzeigen mit zu übernehmen – als kleine Zusatzdienstleistung, um Kunden zu gewinnen. So entstand der kreative Wettbewerb. Ein Wachstumsmarkt war es ohnehin, denn die Massenmedien eroberten sich die Welt. Nach der Zeitung kamen Zeitschriften, Kino, Radio und nach dem Krieg das Fernsehen.

Die Leuchtreklamefelder und Plakatwände hatten bereits in den 1920er Jahren ihren Zenit erreicht. Längst war nicht mehr die Vermittlung von Schaltplätzen die Hauptaufgabe der Werbeagenturen. Längst reichten auch die 15 Prozent Agenturprovision nicht mehr als alleiniges Geschäftsmodell. Agenturen wurden zu Markenberatern, zu Sparringspartnern der Marketingleiter und übten durch farbige ganzseitige Anzeigen in reichweitenstarken Zeitschriften und Fernsehspots zur Prime-Time einen großen Einfluss auf Markenimages aus.

Später differenzierten sich zunehmend Spezialisten heraus: PR-Agenturen vermittelten keine Werbeplätze sondern Kontakte zu Multiplikatoren. Hinzu kamen Direktmarketing-, Event- und in den 1990ern Multimedia-Agenturen: In Deutschland wurden Unternehmen wie Pixelpark, ID-Media oder Kabel New Media in wenigen Jahren zu großen Agenturen, weil sie die ersten Konzerne mit Internetauftritten versorgt hatten.

Im neuen Jahrtausend kamen Suchmaschinenoptimierer, Word-Of-Mouth- und Social Media Agenturen dazu. Für den Laien ist diese Ausdifferenzierung nicht mehr nachzuvollziehen.

Medienwandel

Das Zeitalter der Massenmedien mit wenigen Sendern und vielen Empfängern geht zu Ende. Damit verlieren markenführende Unternehmen und deren Erfüllungsgehilfen (Agenturen) das Monopol auf die mediale Markenkommunikation. Social Media macht jeden zum potenziellen Sender und verwandelt Kanäle in Netze. Die Anzahl der Kommunikationsangebote vervielfacht sich. Die Menschen empfangen nicht mehr, was massiv versendet wird, sondern was anschluss- und resonanzfähig ist. Die AIDA-Formel hat ausgedient: Interesse, Verlangen und die aktive Suche nach etwas, was unser aktuell brennendes Bedürfnis zu stillen verspricht, sind zu Voraussetzungen für Aufmerksamkeit geworden. Kommunikationsangebote müssen anziehend sein, um Anschluss zu finden. Sie müssen einen Grund liefern, etwas weiter zu erzählen und die Lust an der Selbstinszenierung entfachen.

Menschen verstehen

Was kommt bei den Menschen an? Das ist eine uralte Frage, die in den USA ab den 1940er Jahren das Motivforschungsgewerbe florieren ließ. Psychologische Methoden zur Werbewirkungsforschung wurden seitdem verfeinert, kritisiert, weiter verfeinert, gefeiert und verteufelt. Große Werber wie David Ogilvy hielten eher wenig von der Werbewirkungsforschung. Deren Gespür für anschlussfähige Kommunikationsangebote war viel feiner ausgeprägt, als es irgendeine Messmethode erfassen könnte.

Rosser Reves hat 1960 das USP-Konzept und den „Reason Why“ als die einzig wahren Erfolgsfaktoren konstatiert. In Deutschland hat ab den 1970ern Werner Kroeber-Riel mit seinen Penetrations-Strickmustern die Werbewelt nachhaltig polarisiert: die einen vergöttern ihn bis heute, die anderen sehen ihn als Verursacher flacher dumpfer nerviger Werbung.

Heute werden Forschungsergebnisse ohnehin weniger zur Optimierung von Kommunikationsangeboten, als vielmehr zur Belegung und Unterfütterung bei beweisorientierten Kunden verwendet. Warum auf umständliche Weise erforschen, was die Menschen möglicherweise anspricht, um dann Monate später per Kampagne darauf einzugehen? 1993 hat Philip Morris Werbemittel für die Zigaretten-Marke Chesterfield von der Zielgruppe selbst gestalten lassen. American Apparel setzt vorzugsweise auf Consumer Generated Advertising.

Immer mehr Unternehmen erforschen auf diese Weise, wie die Menschen die Marke sehen und lassen dabei gleichzeitig die Weisheit der Vielen entscheiden, was ankommt. Die Menschen laden selbst Werbespots auf eine Plattform, stimmen darüber ab, was am besten gefällt und sehen genau das automatisch am häufigsten: Markenexploration, Kreation und Mediaplanung werden an den Markt ausgelagert und organisieren sich höchst effizient selbst. Ersetzt User Generated Advertising agenturproduzierte Werbung? Daran glaube ich nicht.

Agentur der Zukunft

Gute Agenturen haben sich eine hervorragende Expertise angeeignet für kulturelle Feinheiten, die den Unterschied machen. Keine noch so ausgeklügelte statistische Konsumentenforschung und kein Kernspintomograf können diese kulturelle Kompetenz ersetzen. Menschen verstehen Menschen als Menschen am besten. Die Kreation anschlussfähiger Sinnangebote ist die Kernkompetenz von guten Werbeagenturen. Bislang sind Agenturen in den Augen ihrer Kunden nur Kreativbüros, die Botschaften gestalten, in eine Röhre stecken, diese Röhre gleich eines Gewehrlaufes auf die Zielgruppe richten und dann hoffentlich treffsicher aufs Herz schießen.

Diese Treffsicherheit wird künftig wieder mehr vom Wissen über Menschen und deren kontextspezifischen Bedürfnissen bestimmt. Technisch-mathematisches Kanal-Targeting übernehmen inzwischen Programme. Doch die können nur Datenspuren auslesen. Das Analoge, der Mensch – das bleibt die Kompetenz der Sinnstifter. Der Kontext, in dem Agenturen von ihren Kunden mehrheitlich gesehen werden, wird sich verschieben: Das Vorurteil „kreativ“ ist hierbei sehr hilfreich. Doch schöne Bilder und Texte sind in Zukunft zu wenig. Mitdenken im Sinne von Marke und Angebotspolitik wird zunehmend Pflicht. Agenturen werden zu Sparringspartnern: Während der Auftraggeber um die Möglichkeiten und Grenzen seines Hauses weiß, versteht man sich in der Agentur umso besser auf die Gefühle der Menschen im Markt.

Agentur-Reframing

Agenturen werden ihre eigenen Grenzen überwinden: Die Vergötterung der „Idee“ ist von Außen betrachtet noch viel zu klein gedacht. Gemeint ist die inhaltliche Kommunikationsstrategie, die Aussage; das Statement, in dem sich die Werthaltung einer Marke ausdrückt und einen Bezug zum aktuellen Engpass der Menschen herstellt, die dieses Kommunikationsangebot annehmen und daran anschließen sollen.

Noch zu selten wird einer Agentur strategische Kompetenz zugetraut. Das liegt zum einen an der Erfahrung vieler Marketingmanager, die Agenturen nur als Erfüllungsgehilfen operativer Kleinaufgaben kennen. Zum anderen liegt es an der hohen Taktfrequenz, in der Agenturen arbeiten und deren Planungshorizonte sich an die immer kürzeren Kampagnenzyklen angepasst haben. Dennoch ist die Kompetenz vorhanden. Sie muss nur anders verpackt werden: Das Leitungswasser aus dem sächsischen Vogtland schmeckt weich, gesund und vital. Es kostet 0,003 EUR pro Liter. Füllt man es in eine edle Kristallflasche, dann kann man 0,3 Liter für 40 Euro als edle Tischdekoration verkaufen. So ein Reframing können Agenturen auch machen. Der Gesamtmarkt wird unter immer mehr Spezialdienstleistern aufgeteilt. Die „Mädchen für alles“ konkurrieren mit Praktikanten und Studenten auf Hungerlohn-Niveau.

Überlasst Kanal-Beschickung und Targeting den Rechnern bei den Vermarktern, Mediaplanern, GoogleAdWords-Optimierern und SEOs. Macht, was Ihr wirklich gut könnt: Werdet zu gefragten Spezialisten für anschlussfähige Sinnangebote. Darin liegt ein konstant wachsendes Grundbedürfnis.

[Bild: Fotolia.com]

Der gläserne Kunde: Kundenkarten bieten Vorteile für Unternehmen und Kunden

Wir kennen diese Frage alle! Ob im Supermarkt, im Schuhladen oder im Sportgeschäft „Haben Sie schon eine Kundenkarte?“ – Wird nicht sofort die passende Kundenkarte gezückt, raunt man meist ein mürrisches „Nein!“, gefolgt von einem „Und ich brauche auch keine! Meine Geldbörse sollte eigentlich Kartenbörse heißen!“

Doch warum reagieren viele Menschen so abweisend gegenüber diesen kreativ gestalteten, bunten Kundenidentifizierungskarten?

Ist es wirklich die nicht endenwollende Flut an Karten, die um Einlass in die geheiligten Fächer im Börserl buhlen? Ist es das unangenehme Gefühl bei jedem Einkauf seine Identität preisgeben zu müssen? Sind die Angebote, die mancher Händler dem elitären Kreis der „Kartenbesitzer“ angedeihen lässt, nicht ausreichend reizvoll? – Vielleicht ist es wirklich die Grundsatzfrage, die man sich als Konsument und Besitzer von etwa 40 Quadratzentimeter mehr oder weniger attraktiv designter Plastikfolie stellt: „Warum soll ich meine persönlichen Daten preisgeben? Und was bekomme ich dafür?“

Auch wenn alle Kundenkarten eines gemeinsam haben, nämlich die sonst anonymen Kunden im Handel zu identifizieren und damit bei jedem Kauf Daten zu sammeln, so kann man mit etwas Fantasie die Masse an Karten in verschiedene Gruppen einordnen.

Typen von Kundenkarten

1. Die pure Identifikation

Reinrassige Vertreter dieser aussterbenden Spezies sind mittlerweile rar geworden. Bestand doch der einzige Nutzen darin, dem mit einem überforderten Namensgedächtnis ausgestatteten Verkaufspersonal auf die Sprünge zu helfen. Gerne wurde sie auch in Geschäften verwendet, wo die Fluktuation der Verkäufer/innen sehr hoch war und der „Chef“ trotzdem auf eine persönliche Ansprache seiner Kunden bestand. Da der Mehrwert dieser Karte nicht wesentlich über dem einer Visitenkarte einzuordnen ist, kann man heutzutage schon von einer ausgestorbenen Rasse sprechen.

2. Die Rabattkarte

Eindeutig als Nachfolger der puren Identifikationskarte einzuordnen, erfreut sich das Modell „Rabattkarte“ noch immer reger Verbreitung. Ist doch das Lockmittel etwas Geld zu sparen eines, welches in unserer „Geiz ist geil“- Gesellschaft noch immer ganz gut zieht! Da der Großteil dieser Karten jedoch darauf aufbaut, dass der Rabatt das ganze Jahr über gesammelt wird – und am Ende des Jahres dann als Gutschein zu Verfügung steht, ist die Versuchung mit dem Gutschein dann gleich noch mehr auszugeben übermäßig groß. So entsteht für die Händler dann ein doppelter Nutzen: Kunden ein weiteres Mal ins Geschäft zu locken und den Jahresrabatt dann emotional beim Einlösen noch einmal zu verkaufen! „Sehen Sie, jetzt haben Sie für dieses schöne Stück gleich noch einmal XX € gespart!“

3. Die „Elitäre“

Das sind nun die Karten, die ihre Inhaber doch recht deutlich von der Masse der Nichtinhaber abheben. Ja, sie sind schon fast eine Art Eintrittskarte in einen elitären Club. Und die Vorteile liegen auch auf der Hand. Rabatte nur für Clubmitglieder. Gewisse Angebote nur für Clubmitglieder. Einladungen zu Veranstaltungen, wie Weinverkostungen, bei denen natürlich auch gekauft werden darf, nur für Clubmitglieder.

Die Masche bei dieser Art der Karten ist eindeutig. Sie soll den Besitzern suggerieren „anders“ oder „bessergestellt“ als die Masse zu sein. Sie spricht eindeutig die Eitelkeit ihrer Besitzer an und nutzt diese schamlos aus. Denn bei näherem Betrachten sind die „Clubrabatte“ in anderen Geschäften oft mit wenig Zeitverzögerung ebenso zu bekommen – weil die Aktionen meist von den Herstellern vorgegeben werden. Nebenbei noch ist das eine weitere Möglichkeit für die Händler Ladenhüter oder neue Produkte zu promoten. Und die elitären Veranstaltungen? Nun ich bin der Meinung, dass diese sicherlich nicht nur dem Amüsement der Kundschaft dienen sollen – sondern wiederum einer Produktpräsentation in kleinerem Rahmen, mit dem Ziel mehr zu verkaufen.

4.  Die Scheinheilige

Diese Art von Kundenkarten ist mir erst in letzter Zeit aufgefallen. So wirbt ein Mineralölkonzern doch tatsächlich damit, dass für die Inhaber einer Kundenkarte der Sprit um x Cent billiger zu kaufen sei. Vordergründig als Rabattkarte getarnt, mit dem Vorteil, den Rabatt sofort zu bekommen, stellt sich bei näherer Betrachtung heraus, dass diese Kundendaten-Beschaffungsaktion der pure Nepp ist. So ist doch einfach zu erkennen, dass der Treibstoff an diesen Tankstellen doch rein zufällig um dieselben x Cent teurer ist, als bei den Tankstellen im Umkreis. Doch offensichtlich fallen noch immer viele auf diese Rabattmasche herein und liefern gratis ihre persönlichen Daten ab. – Dies ist wohl der beste Vertreter für eine „Kundenidentifikationskarte“ ohne erkennbaren Mehrwert für die Kunden.

Was spricht für die Kundenkarten?

Nach dieser groben Übersicht über den Kundekartenmarkt drängt sich mir aber nun die Frage auf: „Warum soll ich als Konsument dem Händler meines Vertrauens meine persönlichen Daten bekannt geben?“ – und andersherum gefragt, „Warum sind Händler so erpicht darauf, die persönlichen Daten ihrer Kunden zu erfahren?“

Die Antwort aus Händlersicht ist eine einfache, es geht darum, die Kunden zu binden und zu noch mehr Umsatz zu bewegen!

Aus Konsumentensicht muss ich sagen, dass der Vorteil über diverse Rabatte oder Aktionen ein äußerst zweifelhafter ist. Ja, ich bin sogar der Meinung, dass die Möglichkeiten aufgrund der Identifizierung von Kunden im Einzelhandel viel zu wenig genutzt werden. Und zwar genutzt für einen beidseitigen Vorteil.

Was bedeutet beidseitiger Nutzen?

Der Nutzen für den Konsumenten könnte zum Beispiel so aussehen: Aufgrund der Identifikation des Kunden bei jedem Einkauf kann aufgrund der getätigten Geschäfte über die Zeit das Kaufverhalten jedes Kunden beziehungsweise das Kaufverhalten von Kunden mit ähnlichen demografischen und geografischen Eigenschaften analysiert werden. Abgeleitet davon wäre es nun endlich möglich, wirklich zielgruppenspezifische Marketingmaßnahmen zu setzen. So müssten wir nicht jährlich Hunderte Tonnen von Prospektmaterial, welches nach dem Gießkannenprinzip wahllos verteilt wird, ungelesen in die Papiertonnen werfen. Nein, vielmehr würden wir zielgerichtet auf unsere Bedürfnisse Angebote erhalten. Wir würden uns als Konsumenten endlich von der Werbung beziehungsweise den Unternehmen richtig verstanden fühlen und nicht belästigt.

Aus Sicht der Händler ergäbe sich nun die Möglichkeit, neben zielgerichtetem Marketing auch operative und strategische Entscheidungen besser zu treffen. So könnten die Ergebnisse über das Kaufverhalten einer Region in die Sortimentsplanung einzelner Filialen einfließen. Weiterhin könnte die Frage „Wo eröffne ich eine neue Filiale, mit welchem Sortiment?“ einfacher beantwortet werden – jetzt sind die Marktforscher dazu aufgefordert, mit allgemeinen statistischen Methoden diese Fragen zu beantworten. Die Unternehmen könnten ihre eigenen Daten in aggregierter Form den Marktforschern zur Verfügung stellen und würden genauere Ergebnisse erhalten. Die Folge wären eine bessere Einkaufspolitik und sinkende Kosten, da die richtigen Produkte am richtigen Ort in der richtigen Menge wären!

Wie soll das umgesetzt werden?

Das Schlagwort heißt Customer-Relationshiop-Management (CRM), noch genauer analytisches CRM. Heutige offene CRM-Systeme sind in der Lage eine Vielzahl von Informationen aus den verschiedensten Quellen zu verarbeiten und als Entscheidungsgrundlage aufzubereiten. Darüber hinaus unterstützen sie die Unternehmen bei der operativen und taktischen Marketingabwicklung. Der einheitliche Blick auf jeden Kunden bietet die Möglichkeit, einen besseren Kundenservice zu bieten – was eine stärkere Kundenbindung zur Folge hat.

Doch bis zu diesem Zeitpunkt dauert es in manchen Unternehmen noch eine Weile – und so tragen wir alle einige Quadratmeter Kunststoffkarten in unseren Geldbörsen herum und wissen eigentlich nicht wirklich warum.

Buchtipp

Von Herbert Lohner:

Selling Emotions: Die Geheimnisse der Spitzenverkäufer [84]

[Bild: WOGI - Fotolia.com]

Die Benchmark-Falle: Warum ganze Branchen in der Gleichförmigkeit versinken

Eric, ein zehnjähriger angehender Topmanager, wird in der Schule beim Abschreiben in der Deutsch-Arbeit erwischt. Entschuldigt er sich? Nein, denn: „Das war kein Abschreiben“, posaunt er heraus, „vielmehr ein heftübergreifendes Benchmarking, um die Wettbewerbsfähigkeit meines Deutsch-Aufsatzes zu erhöhen.“ Und ist es ihm peinlich? Nein! Denn die Manager in den Unternehmen machen es genauso, wie Eric von seinem Vater weiß. Nur dass das Abschreiben in der Welt des großen Managements „Benchmarking“ heißt.

Ganze Heerscharen von Managern haben in Business-Schulen rund um die Welt die Kunst des Abschreibens gelernt. Wozu selbst Ideen entwickeln? Es gibt ja Benchmarking. Was in der Theorie gut klingt, hat in der Praxis fatale Auswirkungen: Ganze Branchen stecken heute in der Benchmarking-Falle. Jeder schaut auf die vermeintlich Besten und kopiert sie. Ein Unternehmen wagt sich mit etwas Neuem hervor, der Rest schaut, ob es funktioniert. Und kopiert es, wenn ja, hemmungslos. Die Folge: Alle reden von Innovationen, heraus kommen aber Produkte, die sich beinahe wie ein Ei dem anderen gleichen.

Benchmarking führt zu Einheitsbrei

Nach Beispielen brauchen Sie nicht lange suchen. Schalten Sie einfach Ihr Radio ein. Egal, welchen privaten Sender Sie hören, ständig werden Ihnen die „Superhits der 80er und 90er und das Beste von heute“ angepriesen. Und ein Großteil der Radiomoderatoren klingt wie Losbudenverkäufer: „Jetzt anrufen und das geheimnisvolle Geräusch erraten. Für nur 49 Cent pro Anruf.“ Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Sie das annähernd gleiche Programm von Garmisch bis Flensburg hören? Weil alle Sender Benchmarking betreiben und auf die gleichen Erfolgsrezepte setzen.

Oder gehen Sie in den Supermarkt. Waschmittel Nummer eins verspricht Ihnen die sauberste Sauberkeit, Waschmittel Nummer zwei das weißeste Weiß und Waschmittel Nummer drei die farbigsten Farben. Auch die Branche der Nassrasierer verlegt sich eher aufs Klingen-Benchmarking denn auf Kreativität: Kaum brachte der erste Hersteller einen Rasierer mit zwei Klingen auf den Markt, folgte der nächste mit drei und wieder ein anderer mit vier.

Dasselbe Phänomen in der Automobilbranche. Machen Sie einmal folgenden Selbstversuch: Nehmen Sie einen Toyota Avensis, kleben Sie ein Opel-Schild drauf und fahren Sie durch die Stadt. Wie lange dauert es bis jemandem auffällt, dass Sie keinen Opel fahren? Wahrscheinlich ewig.

Machen Sie den Test: Ist unsere Firma in der Benchmarking-Falle?

„Opel baut tolle Autos.“ Diesen Satz konnten Sie in den letzten Monaten immer wieder hören. Das stimmt auch. Genauso tolle Autos wie die Konkurrenz. Aber versuchen Sie ein Modell zu nennen, das aus der Masse heraussticht.

  • Der Corsa: Ist das nicht der Polo von Opel?
  • Der Insignia: So ein Zwitter aus Audi und BMW.
  • Der Meriva: So wie der Espace, nur kleiner.

Natürlich wird Ihnen der Fachmann sagen, dass die Designlinien beim Opel geschwungener sind. Und eingefleischte Opel-Fans werden beim Lesen dieser Zeilen fluchen. Aber Hand aufs Herz: Die Modelle von Opel sind so einzigartig wie eine Eisscholle in der Antarktis. Konsequent Platz drei bis vier in jeder Kategorie. Das war mal anders: Der Manta und der Kapitän waren einzigartig. Doch dann kamen die Benchmarker.

Sitzt Ihr Unternehmen in der Opel-Falle? Haben Sie so viel Benchmarking betrieben, dass Ihnen die Kreativität und Originalität abhanden gingen? Machen Sie den Test. Wenn Sie von den folgenden drei Aussagen zwei zustimmen, könnte Ihr Unternehmen tief in der Falle sitzen:

  • Wir schauen auf die Konkurrenz und reagieren auf das, was dort passiert.
  • Wenn man die Feinheiten beiseite lässt, unterscheiden wir uns kaum von unseren Mitbewerbern.
  • Unsere Produkte werden häufig wie folgt beschrieben: „So wie das Produkt von …, nur kleiner / größer / billiger / schneller.“

Sie können diese drei Punkte auf verschiedene Teile Ihres Unternehmens anwenden. Und: Eine Firma kann zugleich Original und Kopie sein. So wie das ZDF. Hätten Sie gedacht, dass man Jugendliche mit Dokumentationen vor den Fernseher locken kann? Das ZDF hat es geschafft. Mit History, einer Sendereihe, die einmalig ist. Ein echtes Original! Zugleich sitzt der Sender aber in der Benchmarking-Falle. Die Sendung „Ich kann Kanzler“ war einer der ganz großen Flops des Jahres 2009. Ach, Sie kennen „Ich kann Kanzler“ nicht? Das war ein Abklatsch der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ mit langweiligen (Möchtegern-)Nachwuchspolitikern.

Raus aus der Falle: So würde Thomas Edison Ihr Unternehmen führen

Was machte ein Erfinder wie Thomas Edison, der Unternehmen wie General Electrics gründete, anders als das Management vieler Unternehmen? Die Glühbirne, der Phonograph (Vorgänger des Grammofons) und die Filmkamera – all diese Erfindungen von ihm waren Pionierleistungen. Sie waren das Gegenteil von Benchmarking. Edison verstand es, seine Kreativität zu strukturieren, zu lenken und zu leiten. Er verknüpfte Ideenfindung und strategisches Denken miteinander. Was würde Thomas Edison Ihnen als Unternehmensführer heute raten?

1. Verhängen Sie ein Kopierverbot

Von Benchmarking-Fetischisten hört man oft Sätze wie: „Selbst Thomas Edison hat von anderen geklaut.“ Das stimmt! Einer der berühmtesten Sätze des Glühbirnen-Erfinders war: „Die Idee muss nicht neu sein. Sie muss nur neu in Bezug auf das zu lösende Problem sein.“ Edison war dafür bekannt, fremde Lösungen aufzusaugen. Er selbst sagt von sich:„eher ein Schwamm als ein Erfinder“. Doch er kopierte Ideen nicht einfach. Das Konzept der Glühbirne stammte zwar von einem deutschen Auswanderer, Heinrich Göbel. Doch Edison entwickelte daraus ein Gesamtsystem – von der marktreifen Glühbirne über Leitungen bis hin zu Kraftwerken. Erlaubt ist: Ideen von überall aufsaugen und daraus einzigartige neue Ideen entwickeln. Verboten ist: Ideen mit marginalen Änderungen blind kopieren.

2. Etablieren Sie eine strategische Ideenentwicklung

Wie erfindet man Micky Maus? Walt Disney würde antworten: mit Phantasie und visionärem Denken, mit Mut zum Ungewöhnlichen und Pioniergeist. Und ein Manager? Durch einen exakt definierten Innovationsprozess, in dem die Ergebnisse der Trend- und Marktforschung systematisch zusammengefasst und Entscheidungskriterien klar definiert werden.

Manager haben es gelernt, in Prozessen zu denken. In vielen (Groß-)Unternehmen kaschieren heute ausgefeilte Prozesse einen Mangel an Ideen. Und in ihrem Management herrscht vielfach das Credo: Gute Ideen sind Zufall. Dabei bewies Thomas Edison schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts, dass man neue (Problemlösungs- und Produkt-)Ideen systematisch entwickeln kann. Das Edison-Prinzip, seine sechs Schritte der Ideenentwicklung, war die Grundlage seiner Ideenfabrik, die er in den USA errichtet hat.

3. Fördern Sie Fehler und Risiken

Lange und gründlich analysieren, einmal probieren und dann aufgeben. So lässt sich, kurz gesagt, die Innovationsstrategie vieler Unternehmen zusammenfassen. Fehler vermeiden um jeden Preis! Dass das nicht funktioniert, war Edison klar. Er erhob den Fehler zum Prinzip: Durch Scheitern zum Erfolg. Er unternahm knapp 9.000 Versuche, bis die Glühbirne marktreif war. Und als nach dem tausendsten Versuch ein Mitarbeiter sagte „Wir sind gescheitert“, erwiderte Edison: „Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1.000 Wege, wie man keine Glühbirne baut.“

Erinnern Sie sich an Eric, den angehenden Topmanager? Hätte er bereits eine Business Schule besucht, würde er nicht einfach abschreiben. Das Risiko, Fehler abzuschreiben, wäre ihm zu groß. Er würde statt dessen die vielfach propagierte „Fast Follower-Strategie“ einschlagen: Ich schaue erst mal, welche Zensuren die Carlotta und die Pia haben, und dann entscheide ich, von wem ich abschreibe. An vielen Business-Schulen wird Managern das Gegenteil vom Edison-Prinzip gelehrt: Null Risiko, erst mal sehen, was woanders funktioniert, und dann machen wir es.

Das kann nicht funktionieren. Denn Fehler sind für das Lernen unerlässlich. Edison bezeichnete das Wissen, das er aus Fehlern zog, einmal als „das absolute Wissen“. Gehen Sie also kalkulierte Risiken ein. Schaffen Sie Freiräume des Scheiterns. Erlauben Sie es sich (und Ihren Mitarbeitern), Schritte vor und zurückzugehen. Und haben Sie keine Angst davor, in einer Sackgasse zu landen! Sie kommen wieder raus, keine Sorge.

Und was wäre die Alternative? „Benchmarken“ oder „abschreiben.“ Mit den überall sichtbaren Konsequenzen: verwechselbare Produkte, nahezu identische Prozesse sowie Strategien oder kurz Mittelmaß. Mittelmaß war noch nie spitze.

[Bild: Tiler84 - Fotolia.com]

Kundenorientierung: So erreichen Handwerker Kundenzufriedenheit und gewinnen Neukunden

Reden Menschen vom anstehenden Besuch von Handwerkern in ihren vier Wänden, erzählen sie meist nichts Gutes. Sie befürchten, dass die Handwerker Schmutz hinterlassen, Einrichtungsgegenstände beschädigen, laut und tollpatschig sind oder ihre Termine nicht einhalten. Zu diesen Befürchtungen kommen sie, weil sie entweder schon Ähnliches erlebt oder es von Bekannten gehört haben. Auch in gewerblichen Räumen rechnen die Geschäftsführer oft mit dem Schlimmsten, wenn zum Beispiel eine neue Firmenküche eingebaut werden soll.

Diese Vorurteile lassen Handwerker zwar einerseits in einem schlechten Licht erscheinen, andererseits ist es aber für Handwerksbetriebe und ihre Mitarbeiter um so einfacher, einen positiven Eindruck beim Kunden zu hinterlassen. Es ist leichter, geringe Erwartungen zu übertreffen als hohe Erwartungen zu erfüllen. Daher ist es eigentlich problemlos möglich, Kunden zufriedenzustellen und sie sogar zu begeistern. „Eigentlich“ deshalb, weil die Handwerker und ihre Vorgesetzten das Know-how haben müssen, wie sie mit ihren Kunden richtig umgehen.

Dieses Know-how besitzen nicht alle, sonst wäre das schlechte Image der Handwerksbranche wohl kaum entstanden. Aber, und das ist das Gute daran, jeder kann lernen, wie Kunden ticken und wie sie von Handwerkern behandelt werden möchten und dies in die Praxis umsetzen. Das sind wichtige Voraussetzungen, um sich gegenüber dem Wettbewerb zu behaupten und auch in schwierigen Zeiten noch Aufträge zu erhalten. Das bestätigt auch Heinrich Traublinger, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, im Geleitwort des Buches „Mehr Erfolg im Umgang mit Kunden“:

„Gutes Benehmen, Rücksicht und Respekt gegenüber dem Kunden sind maßgebliche wirtschaftliche Erfolgsfaktoren. Dies gilt besonders für den Handwerker, der als persönlicher Dienstleister häufig sehr nah am Kunden und dessen Privatsphäre ist.“

Stichwort

Als Handwerk bezeichnet man gewerbliche Tätigkeiten. Die Handwerker oder Monteure fertigen Produkte meist auf Bestellung an oder erbringen Dienstleistungen auf Nachfrage. Die handwerkliche Tätigkeit steht der industriellen Massenproduktion gegenüber. Das handwerkliche Gewerbe wird in Deutschland durch die Handwerksordnung geregelt.

Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken

Anzeigentext: Google AdWords erfolgreich texten

An einem gelungenen Anzeigentext scheitern nicht nur Anfänger sondern auch erfahrene AdWords Nutzer. Woher soll man auch wissen, welcher Anzeigentext den Endkunden am ehesten anspricht? Natürlich gibt es keine 100 Prozent - Formel, nach der man seine Anzeigentexte aufsetzen kann. Zu unterschiedlich sind sowohl die beworbenen Produkte, als auch die einzelnen Zielgruppen. Ein Anzeigentext, der bei Produkt A für eine sensationelle Klickrate sorgt, kann bei Produkt B so gut wie keine Klicks generieren. Aber ein paar Grundsätze zum Werben mit AdWords können dabei helfen, die Klickrate und damit den Werbeerfolg zu erhöhen.

Den richtigen Text in wenigen Zeilen unterbringen

Der Aufbau des AdWords Kontos verleitet dazu, das Erstellen von Anzeigentexten zu leicht zu nehmen und nebenbei zu machen. Wie schnell ist doch so eine vierzeilige Anzeige aufgesetzt. Aber genau hier liegt die Herausforderung. Eben durch diese Zeichenbeschränkung muss viel genauer überlegt werden, was der Anzeigentext beinhalten soll und was nicht. Generell kann man sagen, dass alle guten Anzeigentexte eines verbindet: Sie berücksichtigen die Ziele, die alle Werbeanzeigen gemeinsam haben.

  1. Aufmerksamkeit erzielen.
  2. Erwartung wecken.
  3. Handlung auslösen.

Dass die Anzeige die Aufmerksamkeit des Nutzers anziehen soll, ist klar. Denn nur wenn der User die Anzeige bewusst wahrnimmt, kann der entscheidende Schritt ausgeführt werden, nämlich das Anklicken der Anzeige. Wie gestalte ich meinen Anzeigentext jetzt aber so, dass er unter der Masse von Mitbewerbern hervorsticht? - Nicht umsonst spielt die Relevanz des Anzeigentextes auch für den Qualitätsfaktor eine entscheidende Rolle. Stellen Sie sicher, dass der User in Ihrem Anzeigentext das vorfindet, was er sucht.

Dynamic Keyword Insertion

Dafür kann unter anderem die Dynamic Keyword Insertion genutzt werden. Diese eigentlich praktische Funktion kann einem das Erstellen von für den User relevanten Anzeigeninhalten erleichtern. Vorausgesetzt man weiß, wie sie richtig eingesetzt wird. Immer noch viel zu häufig sieht man Anzeigentexte deren sprachliche Eleganz und Aussage überaus zu wünschen übrig lassen, da der Text durch den unsachgemäßen Einsatz der DKI komplett zerschossen wurde.

Als kleine Anmerkung: Mit der Dynamic Keywords Insertion kann man mithilfe von Platzhaltern jedes in der Anzeigengruppe hinterlegtes Keyword im Anzeigentext unterbringen, ohne separate Anzeigen erstellen zu müssen. Die Keywords, die der Suchanfrage entsprechen, werden dann an der Stelle des Platzhalters eingeblendet. Durch die Übereinstimmung zwischen Suchanfrage und Keyword wird das Keyword im Anzeigentext entsprechend fett markiert und suggeriert dem Nutzer eine besonders hohe Bedeutsamkeit.

Heben Sie sich von der Konkurrenz ab

Um die Aufmerksamkeit des Nutzers zu erlangen, beachten Sie, dass es nichts Langweiligeres gibt, als auf zehn absolut gleich klingende Anzeigen zu starren, die sich einzig und allein in der Anzeigen-URL voneinander unterscheiden. Es ist sinnvoll sich vor dem Texten die Anzeigen der Mitbewerber anzusehen. Versuchen Sie, Anzeigen zu erstellen, die sich vom Aufbau her von denen der Konkurrenz unterscheiden. Heben Sie zu diesem Zweck Alleinstellungsmerkmale hervor. Was unterscheidet Ihr Produkt, Ihr Angebot oder Ihr Unternehmen von den anderen? Verweisen Sie zum Beispiel auf Testurteile, Markführerschaft, Ersparnisse und Ähnliches.

Unterbreiten Sie dem User konkrete Angebote

Nehmen wir nun an, der User hat Ihre Anzeige bemerkt. Dann ist der nächste Schritt, das Erwecken einer Erwartung. Der User muss sich etwas davon versprechen, wenn er auf Ihre Anzeige klickt. Das kann beispielsweise ein Satz sein wie "Erleichtern Sie Ihren Arbeitsalltag mit ...". Unterbreiten Sie ihm ganz konkrete Angebote, zum Beispiel "Bestellen Sie heute & sparen Sie 10 Prozent.". Überlegen Sie auch Preise bereits in der Anzeige zu erwähnen. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass Nutzer, denen Ihr Angebot ohnehin zu teuer ist, erst gar nicht Ihre Anzeige anklicken und so auch keine Kosten verursachen.

Vorbereitung auf die gewünschte Conversion

Das letzte der drei zu erreichenden Ziele ist die Vorbereitung auf eine gewünschte Handlung, also eine Conversion. Die meisten AdWords Nutzer bedenken beim Erstellen der Anzeige nicht, dass das eigentliche Ziel nicht das Anklicken der Anzeige ist, sondern das Ausführen einer Aktion auf der Landing Page. Das kann ein Kauf, das Absenden eines Kontaktformulars, eine Registrierung oder anderes sein. Je mehr der User also schon im Anzeigentext auf die Aktion vorbereitet wird, die er ausführen soll desto wahrscheinlicher ist es, dass es auch zu dieser Conversion kommt. Der Anzeigentext dient also primär auch als Vorbereitung auf die gewünschte Conversion.

Sprachliche Feinheiten beim Texten von AdWords

Neben den zielorientierten Fakten, die beim Texten wichtig sind, gibt es natürlich auch sprachliche Feinheiten, die zu beachten sind. Der Satzbau sollte klar verständlich sein. Eine reine Aneinanderreihung von Stichworten spricht die wenigsten User an. So werden zwar viele Informationen im Anzeigentext untergebracht aber Interesse geweckt wird dadurch nicht. Neben einem schlüssigen Text muss auch die Wortwahl beachtet werden. Will man ein jüngeres Publikum ansprechen unterscheidet sich die im Anzeigentext verwendete Ausdrucksform mitunter recht deutlich von der, die man gebrauchen würde, um die Gruppe der Silversurfer anzusprechen. Es ist also durchaus sinnvoll für verschiedene Zielgruppen eigene Anzeigentexte zu erstellen.

Zu guter Letzt sollte man beim Erstellen von Anzeigentexten nicht vergessen, dass der Nutzer ein echter Mensch ist, der auch im anonymen Internet als solcher wahrgenommen werden möchte. Sprechen Sie den Nutzer persönlich an. Letztlich basiert nämlich auch der entscheidende Klick auf die Anzeige und die damit mögliche Conversion nur auf einer emotionalen Entscheidung.

Hinweis

Das Buch zum Thema von Sabrina Zebisch:

Google AdWords ­ Punktgenau und zielgerichtet werben - So nutzen Sie das größte Werbenetzwerk der Welt [85]

[Bild: Creativeapril - Fotolia]

Marketinplanung: Dauerhafter Erfolg durch strategisches Marketing

Viele Wege führen nach Rom aber für den anhaltenden Erfolg eines Unternehmens gibt es nur einen Weg: Eine sorgfältige strategische Planung, gefolgt von konzentrierter, beständiger und kontrollierter Umsetzung. „Wer nicht plant, verliert“ formulierte 2007 das Portal mittelstanddirekt.de. Und eine gemeinsame Studie von Steria Mummert Consulting mit WirtschaftsWoche-online [86] stellte fest, dass mehr als 40 Prozent der deutschen Unternehmen nur relativ wenig Wert auf strategische Planung legen.

Dabei liegt gerade darin eines der Geheimnisse, warum viele Firmen erstens generell bessere Umsätze generieren und zweitens in der Krise weit weniger anfällig sind, als die „plan-losen“.

Worum geht es?

Jedes Unternehmen benötigt eine klare Ausrichtung und ein klares Ziel, an dem sich alle Angestellten und auch Kunden orientieren können. Dabei geht es nicht nur um die Produkte, sondern auch um die finanziellen Ziele, Markt-/Kundenziele, die verschiedensten Vertriebswege, und so weiter. Diese Ausrichtung muss vom Management vorgelebt und überzeugend präsentiert werden, damit sich auch die Angestellten (jeder ist ein „Verkäufer“ des Unternehmens!) damit identifizieren können. Albert Einstein formulierte es so: Die Vorstellungskraft ist wichtiger als das Wissen. Denn Wissen ist beschränkt auf das, was wir jetzt kennen und verstehen. Die Vorstellungskraft aber umfasst die ganze Welt und alles was wir jemals kennen und verstehen werden.

Also müssen alle Informationen

  • über die möglicherweise (= Vorstellungsvermögen/Kreativität!) zu beliefernden - weltweiten - Märkte vorhanden sein,
  • das Wissen um alle bei den Angestellten vorhandenen (Kern-)Kompetenzen – ob derzeit bereits genutzt, oder nicht – aktuell sein, seien es Sprachenkenntnisse, Mentalitätskenntnisse, spezielle technische oder kaufmännische Fähigkeiten, usw.

Diese Informationen in Verbindung mit den über die heute bereits belieferten Märkte, eröffnen (fast) jedem Unternehmen zusätzliche Chancen in weiteren Märkten/Marktsegmenten tätig werden zu können. Damit bildet dieses Wissen auch die Basis für einen Plan B, falls die  Geschäfte in den bisher belieferten Märkten abnehmen und/oder um das Unternehmen insgesamt auf eine breitere Basis zu stellen.

Aus den vorhandenen Fähigkeiten des Unternehmens und seiner Angestellten kann dann ein unternehmensspezifischer "Fingerabdruck" entwickelt werden, der das Unternehmen selbst von direkten Wettbewerbern (oft sogar wesentlich!) unterscheidet. Als Beispiel kann auch hier wieder die oft herangezogene Autoindustrie dienen: Alle Autos fahren von A nach B, aber unterschiedlich schnell, mit unterschiedlicher technischer Ausstattung, unterschiedlich komfortabel, unterschiedlich teuer und vieles andere mehr.

Dieser "Fingerabdruck", das heißt also, die ganz eigene Fähigkeit, Technik, Service sowie Kundenbedürfnisse zu bedienen, kann dann wiederum zur Basis einer sorgfältigen Marketingplanung und der weiteren Umsetzungsplanung werden.

Die Marketingplanung bildet dann das Grundgerüst, das alle gesammelten Informationen über die weltweiten – oder auch regionalen – Märkte und Marktsegmente zusammenführt und die Umsetzungsschritte detailliert – fachlich und zeitlich - darstellt.

Von der Zielsetzung des Unternehmens, über die Marktforschung, die Analyse der Stärken und Schwächen im Wettbewerb, bis zu den Marketingstrategien, den Vermarktungspartnern in der jeweiligen Region und die anzuwendenden Marketingprogramme (= Marketing-Mix, Internet, und so weiter).

Auch die Kontrolle aller Ergebnisse bzw. die Ausarbeitung eines "Planes B" gehören dazu und die Vorplanungen des Vertriebes sorgen für eine gesunde Basis der Finanzplanung.

Was ist der Vorteil?

Vielfach wird immer noch gefühlsmäßig und nicht auf der Basis sauber analysierter und beschriebener Kundenbedürfnisse beispielsweise unter Berücksichtigung der Informationen von Vertretungen, Partnern über neue Produkte, zusätzliche Produkteigenschaften oder andere Parameter entschieden.

Das ist natürlich das gute Recht jedes Unternehmers, nur läuft er dann vielleicht Gefahr, die Kundenbedürfnisse eben nicht genau genug zu treffen oder zum Beispiel auch zu teuer zu sein beziehungsweise in Krisenzeiten zu sehr auf bestimmte Marktsegmente fixiert zu sein. Und das kann, muss aber nicht, zu Misserfolgen führen, die kostspielig sind.

Ein enger Kontakt zum Kunden dagegen gibt ihm die Chance dessen Bedürfnisse frühzeitig zu erkennen, im Produkt entsprechend umzusetzen und so seine Stellung als "Partner des Kunden" zu stärken. Damit errichtet er zeitgleich eine Abwanderungshürde für den Kunden beziehungsweise Einstiegsschwelle für Wettbewerber. Er ist eben einfach näher dran. 

Diese Punkte (und mehr) werden in dem Marketingplan zusammengeführt und der Unternehmer, der periodisch diesen Plan hervor nimmt und gegebenenfalls anpasst, hat einen eindeutigen Wegweiser durch seine Geschäfte und kann bei Bedarf kurzfristig vorher bereits durchdachte/vorbereitete Alternativwege einschlagen, um Marktschwankungen zu begegnen.

Mit anderen Worten: Er bleibt näher am Markt/Kunden und hat damit immer einen Vorteil.

Hinweis

Mehr zum Thema Marketingplan in unserem Handbuch:

Marketingplan: Kreativ und systematisch Marketingaktionen planen und umsetzen [87]

[Bild: Fotolia.com]

Social Media Richtlinien: Tipps für den geschäftlichen Umgang im Social Web

Inhaltlich werden in dem Leitfaden Themen aufgegriffen wie

  • der Umgang in Social Media mit internen Informationen,
  • öffentlicher Kritik am eigenen Unternehmen und über Kunden,
  • Auftraggeber und Partner sowie das Verhalten in Social Media in kritischen Unternehmenssituationen.

Privates und Berufliches verschwimmt im Social Web

„Kein Unternehmen kann sich dem Social Web mehr entziehen. So vermischen Mitarbeiter schnell private und berufliche Informationen auf Social Media-Plattformen. Klare Unternehmensrichtlinien für die geschäftliche Nutzung von Social Media beugen ungezielter Kommunikation vor, um potentielle Risiken sowohl vom Unternehmen als auch von einzelnen Mitarbeitern abzuwenden“,

erläutert Axel Schmiegelow (sevenload), Vorsitzender der Fachgruppe Social Media im BVDW.

Tragweite sozialer Plattformen nicht immer bewusst

„Viele Unternehmen sind noch sehr unerfahren im Umgang mit dem Social Web. Auch Mitarbeitern ist die Tragweite von Äußerungen innerhalb eines sozialen Netzwerkes nicht immer bewusst. Hier muss jedes Unternehmen klare Spielregeln aufstellen, auch wenn die Nutzung von Social Media ausdrücklich erwünscht ist“,

sagt Felix Fiek (ethority), stellv. Vorsitzender der Fachgruppe Social Media im BVDW.

10 Tipps für Unternehmen und ihre Mitarbeiter

  1. Definieren Sie Ziele.
  2. Geheimnisse sind geheim und Interna bleiben intern.
  3. Mitarbeiter müssen authentisch sein.
  4. Wer veröffentlicht, übernimmt Verantwortung.
  5. Interne Kritik ist erlaubt, bleibt aber intern.
  6.  Gehen Sie mit Fehlern offen um.
  7. Schonen Sie Ihre Geschäftsbeziehungen.
  8. Beachten Sie das geltende Recht.
  9. Schränken Sie private Nutzung von Social Media während der Arbeitszeit ein.
  10. Social Media erfordert kontinuierliches Engagement.

Hinweis

Erhältlich ist der BVDW Leitfaden kostenlos auf der Webseite des BVDW:

Social Media Richtlinien – 10 Tipps für Unternehmen und ihre Mitarbeiter [88]

[Quelle: BVDW; Bild: Fotolia.com]

Kundenservice: In sieben Stufen zur Kundenbegeisterung

Alle Welt redet von Kundenzufriedenheit. Doch diese allein reicht heute nicht mehr aus. Im Gegenteil – sie ist sogar gefähr­lich. Sobald wir mit der Kundenzufriedenheit zufrieden sind, be­finden wir uns bereits auf Kurs unter Wasser. Dabei müssen wir endgültig weg vom Dienst nach Vorschrift, vom alt­ge­wohnt Üblichen, das wir bis zur Zer­ti­fizierung beherrschen. Wir müssen hin zur Kunden-Überraschung, zu unvergesslichen Ser­vice-Er­leb­­nissen, wollen wir die Loyalität unserer „Arbeit­geber“ wirk­lich gewinnen und auf Dauer halten.

Kunden-Fokussierung statt Kunden-Orientierung

Zum Thema Kundenorientierung werden oft großartige Lippen­bekenntnisse entwickelt und versucht, diese in die Mitarbeiter-Hirne einzu­pflan­zen. Dabei werden allerdings die beiden an­de­ren großen „H“ groß­zügig übersehen – das Herz und die Hän­de. Ohne Herz wa­chsen die Botschaften in den Hirnen, sprich im Bewusstsein der Mit­arbeiterinnen und Mitarbeiter nicht an, weil die Inhalte mehr oder weniger abge­arbeitet und nicht ständig und eigenständig, eigenmotiviert „gewässert“ und „gedüngt“ werden, wie es notwen­dig wäre. Konsequente Kun­den-Orien­tierung sieht anders aus. Doch bevor wir die ent­scheidenden sieben Schritte tun, lassen Sie uns klar defi­nieren, was unter Service und DienstLeistung zu verste­hen ist:

Stichwort

DienstLeistung ist unser MarkenKern.

Das Produkt kann im erweiterten Sinn die DienstLeistung sein. Manchmal verstehen wir darunter auch DienstLeistungen, die der Kunde zusätzlich zum Produkt und rund um das Produkt in Anspruch nehmen kann. Oder wir sprechen von der Dienst­Leistungs-Branche im engeren Sinne, zum Beispiel von Finanz-Dienst­Leistung, Beratungs-DienstLeistung oder Logistik-DienstLeitung. Immer schreiben wir das L in der Mitte bewusst groß im Verständnis: Dienen mit Leistung.

Service ist die Qua­li­tät unserer Kunden-Betreuung.

Deshalb sprechen wir auch von Produkt-Service-Qualität, wenn es darum geht, es dem Anwender besonders einfach und bequem zu machen, unsere Produkte einzubauen, zu nutzen, zu warten. Wir sprechen von Prozess-Service-Qualität, wenn wir definierte Prozesse, wie Öffnungszeiten, großzügig kunden­fokussiert auf dem kleinen Dienstweg erweitern. Und wir spre­chen von Persönlicher Service-Qualität, mit der Mit-Arbei­te­rin­nen und Mit-Arbeiter unsere Kunden betreuen, beraten, beim Kaufen helfen, begleiten, bedienen, pflegen.

In diesem Verständnis sind also Dienst­Leistung und Service zwei Seiten ein- und derselben Medaille. Und nur, wenn diese bei­den Seiten so pass­ge­nau wie möglich zusammen wirken, winkt uns die Gold­medaille für eine exzellente Kunden-Fokus­sierung, die wir uns in die­sen sieben Schritten verdienen wollen:

1. Vision

Dieser erste Schritt kennzeichnet die wichtigste Aufgabe der obers­­ten Führungsebene. Dabei geht es nicht um inflationär eingesetzte Lippenbekennt­nisse: Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt. Es geht vielmehr darum, eine Vision, ein Bild davon zu entwickeln, wie die Kun­den-Fokus­sierung wirklich aussieht. Und die wichtigste Aussage kenn­zeichnet kon­se­quent die Rolle des Unternehmers: Ja, ich bin der oberste Dienst­Leis­ter und ServicePartner für unsere Kun­den! Meine Auf­ga­be ist es, das Unternehmen vom Markt her zu führen, weil wir nur so Produk­te, Prozesse und Persönlichkeiten entwickeln, die in der Lage sind, die Kunden-Erwartungen konsequent und immer wieder neu zu über­treffen.

2. Motivation

Hier stellen wir uns die entscheidenden Fragen, die uns wie ein Kompass auf den richtigen Kurs bringen:

  • Was treibt uns an?
  • Was ist den Kunden überaus wichtig?
  • Was sind, davon abgeleitet, unsere Werte?
  • Wie bringen wir beide Vorstellungen überein?
  • Welche Leitlinien bestimmen unser Handeln?
  • Wie schaffen wir die Kultur-Veränderung vom „Sach-Bearbeiter-Denken“ zum „Kunden-Betreuer-Denken“?
  • Wie gelingt es uns, dass die „Wir-Leitlinien“ von jedem Mitarbeiter übersetzt und gelebt werden durch „Ich-Verhaltensstandards“?
  • Wie kreieren wir eine leistungs-orientierte Atmosphäre in unseren Teams, die frische Ideen fördert und fordert?
  • Wie wecken wir in uns selbst und in unseren Mitarbeitern immer wieder neue Lust auf Service?
  • Wie erhalten wir uns den Ehrgeiz, die Kunden immer wieder neu zu überraschen, besser zu sein als gestern - und vor allem besser als die Konkurrenz?

3. Kondition

Hierbei geht es um die Voraussetzungen, die wir bereits haben und die wir noch zusätzlich brauchen, um die Vision umzuset­zen. Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten gehören dazu, die Kun­­den immer wieder neu zu überraschen, um ihnen immer wie­­der unvergessliche Service-Erlebnisse zu bieten? Die wich­tig­ste Regel dabei ist die DKW-Regel: Dürfen! Können! Wollen!

Welchen besonderen Führungs-Typus brauchen wir - mit wel­chem Profil, mit welchen besonderen Eigenschaften? Und wel­chen Mitarbeiter-Typus brauchen wir in den unterschiedlichen Kunden-Kontakt-Punkten? Der wichtigste Führungs- und Mitar­bei­ter-Typus ist der „Delphin“ – der engagierte Kun­den­-Be­treuer in Bestform, der Mit-Denker, Mit-Gestalter, Mit-Arbeiter, Mit-­Unternehmer!

Wir brauchen ganz sicher keine „Be­schäf­tigten“, keine „Belegschaft“, keine „Betriebs-Funktionäre“, die sich alle­samt wie „Nilpferde“ bewegen – gleichgültig, ver­än­­de­rungs­re­sis­tent. Wir brauchen ganz sicher auch keine „Ar­men Schwei­ne“ – also Jammerer und Opfer. Keinesfalls „Kro­ko­dile“ – agg­res­sive Rechthaber. Und erst recht keine „Ge­mei­nen Was­ser-Ratten“ – jene gefürchteten, hochnäsigen Kunden-Be­lehrer.

Delphine – fast so intelligent wie Menschen

Ethik-Professor Thomas White von der Loyola Marymount Univer­si­tät in Los Angeles wies auf dem Kongress der weltgrößten Forscherorganisation auf der Grundlage vielfältiger Studien an­hand einer Liste von Kriterien nach, dass Delphine alle Voraus­setzungen erfüllen, um als Individuum definiert zu werden:

  • Delphine sind emotionsgesteuerte Wesen.
  • Delphine haben positive und negative Empfindungen.
  • Delphine haben die Kapazität, körperlich und gefühlsmäßig intensiv und langanhaltend zu leiden.
  • Delphine verfügen über Selbstbewusstsein.
  • Delphine nehmen sich im Spiegel wahr – eine Leistung, die sonst nur Menschen, Menschenaffen und manche Vögel vollbringen.
  • Delphine sind in der Lage, ihr Verhalten zu steuern.
  • Delphine erkennen einander.
  • Delphine begegnen sich mit Respekt, sogar mit offener Zuneigung.
  • Delphine lösen komplexe Aufgaben und gehen dabei analytisch und planmäßig vor.

Diese Kombinationen sind nach traditionellem Verständnis al­lein dem Menschen zu eigen. Wenn der Delphin sie im Laufe sei­ner fast 60 Millionen Jahre langen Evolution ebenfalls erwor­ben haben sollte, dann stünden ihm ähnliche Rechte zu, wie sie der Mensch für sich beanspruche, argumentiert der Ethik-Pro­fessor.

Dann dürften Delphine nicht „wie Sklaven“ für Tiershows ver­marktet und zu Hunderttausenden im östlichen Pazifik gejagt und geschlachtet werden. Dann dürften die geselligen Meeres­säuger nicht als Eigentum betrachtet, sondern müssten mit Ach­tung behandelt werden.

Für den Menschen bietet der Delphin nach Ansicht des Exper­ten die Chance, eine Ethik zu entwickeln, die „eine Wende in dem Verhältnis von Homo sapiens und anderen intelligenten Arten auf unserem Planeten herbeiführt“.

4. Kommunikation

Interne und externe Kommunikation sind geprägt von Dienst­Leistungs- und Service-Denken – im persönlichen, telefonischen und schriftlichen Dialog mit dem Kunden und im Dialog der Mitarbeiter untereinander. In Anlehnung an die Typen unter dem Punkt „Kondition“ ist es die „Delphin-Kultur“, die „Delphin-Rhetorik“ in der internen und externen Kontakt-Kultur, die Unter­nehmen erfolgreicher macht als andere. Es ist heute viel die Re­de von „Werten“. Diese werden in der Vision definiert und er­leb­bar in Wort und Schrift, im Dialog, im konkreten Verhalten. „Wert-Schätzung“ ist die Voraussetzung für „Wert-Schöpfung“ – das erleben die Kunden und die Mitarbeiter in einer „Delphin-Kultur“ täglich im wahrsten Sinn des Wortes.

5. Kooperation

In einem „Delphin-Unternehmen“ existieren keine „Ab-Teilun­gen“ mehr, sondern nur noch DLBs - DienstLeistungsBereiche. Sol­che Unternehmen er­set­zen den Begriff „Schnitt-Stellen“ durch „Naht­­-Stellen“. Des­halb hören Kunden in solchen Unternehmen auch kein „Dafür-bin-ich-nicht-zuständig“. Weil sich alle in den gemeinsamen Dienst am Kunden stellen, im Team weitgehend eifersuchtsfrei und un-egoistisch miteinander kooperieren, weil sie gemeinsam kunden-fokussiert den „Ball ins Tor“ bringen wol­len. Ebenfalls für Koope­ra­tion in Best­form steht in solchen Un­ter­nehmen der Um­gang mit externen Dienst­Leistern.

6. Innovation

Ein ganz schweres Wort! Weil es den „Sozialen Frieden“ der Be­schäftigten in Unternehmen stört. Was sollen wir denn nicht noch alles tun? Das haben wir doch noch nie gemacht. Oder: Wenn das Sinn machen würde, dann hätte es die Konkurrenz doch schon lange gemacht! Innovationen sind heutzutage eh zu teuer. Der Kunde müsste diese ja bezahlen. Und das wird er  nicht wollen. Weil doch inzwi­schen überall gilt: „Geiz ist geil!“

In vielen Unternehmen wird der unselige Traum weitergeträumt: Die Besitzstände der Deut­schen sind unantastbar. Dieses Den­ken ist der größte Hemm­schuh für Veränderungen, die drin­gend notwendig sind. „Geist ist geil!“ So muss der neue Ansatz lauten. Dabei ist es gar nicht die revo­lutionäre Idee, die am Anfang steht, sondern die Bereitschaft, in kleinen Schritten bes­ser zu werden:

  1. Das tue ich ab morgen zum letzten Mal (weil es überflüssig und sinnlos und nur Gewohnheit ist).
  2. Das tue ich ab morgen zum ersten Mal (weil es mit einfachen Mitteln zu machen ist und viel Sinn macht).
  3. Das tue ich ab morgen ein wenig anders als gestern (weil es dann eine andere Qualität bekommt).

7. Aktion

Jedes Leitbild braucht klare Regeln und Standards für unser aller Verhalten. Weil wir auch ein Mess-Instrument für unseren Fortschritt brauchen. Wir können nur messen, was wir hören, sehen, prüfen können. Nur dann gewinnen wir ein System für unseren eigenen Fortschritt, für die Weiter-Entwicklung unserer eigenen Persönlichen-Service-Qualität.

Nehmen Sie die Herausforderung an

Die Zukunft gehört den Besten! Diejenigen Unternehmen wer­den ge­winnen, die bereit sind, „Heilige Kühe“ zu schlachten, sich kon­sequent kundenfokussiert auszurichten und im Alltag kon­­­sequent danach zu entscheiden und zu han­deln. Die Zu­kunft gehört den Unternehmen mit der besten Produkt-Service­-Quali­tät, mit der besten Prozess-Service-Qualität und vor allem mit der besten persönlichen Service-Qualität der Mitarbeiter.

[Bild: Scott Griessel - Fotolia.com]

Werbetexte fürs Internet: Tipps für verkaufsstarke Webseiten

Damit Ihre Webseite zum starken virtuellen Verkäufer wird, sollten Sie einige Punkte beachten:

Das Wichtigste zuerst

Texte werden im Web lediglich angelesen. Nur wenn die Überschrift und die ersten Sätze interessant sind, liest der Nutzer weiter. Deshalb sollten Sie gleich zu Beginn Ihre Botschaft vermitteln, und zwar in informativen Überschriften und Einstiegssätzen, die die wichtigsten W-Fragen beantworten: wer, was, wie und warum.

Klare Gliederung

Das Lesen am Bildschirm ermüdet stärker als das Lesen auf dem Papier. Machen Sie es deshalb dem Nutzer leicht:

  • gliedern Sie Ihren Webtext,
  • verwenden Sie Zwischentitel,
  • arbeiten Sie mit Listen und Aufzählungen.

Kurze Texte

Das Internet ist ein schnelles Medium – die Leser wechseln rasch von einer Seite zur anderen, suchen nach nützlichen Informationen und haben wenig Zeit. Erschlagen Sie den Nutzer deshalb nicht mit endlosen Texten – sie schrecken meist ab. Packen Sie nicht alle Infos auf eine Seite, verlinken Sie auf weiterführende Inhalte oder bieten Sie sie zum Download an.

Nützliche Inhalte

Wer wertvolle Informationen bietet, wird nicht nur mit einem besseren Suchmaschinen-Ranking belohnt, sondern auch mit neuen Kunden. Denn: Die Leser suchen im Netz nach bestimmten Themen und konkreten Inhalten, nicht nach oberflächlichen Marketingfloskeln. Wer seine Webseite mit Begriffen wie „hervorragende Produktqualität“, „einzigartiger Service“ oder „überdurchschnittliche Kompetenzorientierung“ bestückt, macht sich austauschbar. Die Verkaufswirkung ist gleich null. Gehen Sie stattdessen konkret auf den Kundennutzen ein und schlagen Sie eine Brücke von den Produkteigenschaften zu den persönlichen Vorteilen für den Leser.

Objektive Informationen

Auch wenn der Webtext die emotionalen Kundenbedürfnisse wie Sicherheit, Glück oder Wohlstand ansprechen sollte, sind ebenso objektive Informationen wichtig. Denn diese machen Sie als Anbieter glaubwürdig. Und Glaubwürdigkeit wird bei der Fülle an unüberprüfbaren Infos im Netz immer wichtiger. Bauen Sie deshalb Vertrauen auf und bringen Sie Empfehlungen von zufriedenen Kunden, Presseberichte, Fachartikel und Fallstudien. So versehen Sie Ihr Angebot mit einem „Gütesiegel“.

Nicht zu viele Keywords

Damit Sie von den Suchmaschinen gut gefunden werden, müssen Sie die richtigen Keywords einbauen – allerdings sollten Sie es damit nicht übertreiben. Denn wer zu viele Schlüsselwörter in den Text gibt (Keyword Stuffing), wird von den Suchmaschinen abgestraft. Deshalb: Wählen Sie die Schlüsselwörter sorgfältig aus, orientieren Sie sich an einer Keyword-Dichte von drei bis vier Prozent und schreiben Sie vor allem für Ihre Leser, nicht für die Suchmaschinen.

[Bild: MissMedia - Fotolia.com]

So texten Sie Ihre Website selbst ...

Sie wollen Ihre Webseite selber texten? Oder Ihre Internettexte optimieren? Sie wissen aber nicht so recht, wie's geht?

Die Antworten finden Sie in Starke Webtexte [89] , dem praxisorientierten eBook.

Sie erfahren, wie Sie eine klassische Webseite verfassen – von der Startseite bis zum Impressum. Freiberufler und KMU erhalten viele Tipps für erfolgreichen Webtext, lernen nützliche Tricks und profitieren von praktischen Checklisten.

Kundensegmentierung: Familien sind wichtige Zielgruppe

Die Berliner Strategieagentur diffferent hat auf der Basis von qualitativen Inhome-Interviews eine neue Familien-Typologie in Deutschland entwickelt. Die sechs wichtigsten Familientypen, die die Studie "Familie 2010" ermittelt hat, sind:

  • die klassische,
  • die alleinerziehende,
  • die Bi-Nationale-,
  • die Wochenend-,
  • die Patchwork- sowie
  • die Großfamilie.

Es zeigt sich, dass die Zahl alternativer Familienmodelle in Deutschland steigt: Familie ist auch dort, wo nicht-eheliche Partnerinnen und Partner zusammenleben und Verantwortung für nicht-leibliche Kinder oder Eltern übernehmen. Aber auch die jeweiligen Muster der Werteinstellungen und des Konsumverhaltens differenzieren sich immer weiter. Jan Pechmann, Geschäftsführer von diffferent, sagt:

"Unternehmen sind über Segmente wie Singles oder Best Ager oft besser im Bilde als über die Familie. Markenhersteller und Dienstleister müssen sich stärker um diese wichtigste Zielgruppe Deutschlands kümmern, um in die Lieferantenkette der Familien aufgenommen zu werden. Die Familien brauchen in Deutschland nicht nur politische Unterstützung, sondern vor allem neue Produkte und Services, die auf die jeweiligen Familientypen zugeschnitten sind."

Die diffferent-Studie zeigt, wie Markenhersteller und Dienstleister einen Mehrwert für die Bedürfnisse der Familientypen bieten können und definiert sieben Innovationsfelder, in denen Unternehmen erfolgreich neue Produkt- und Service-Ideen entwickeln können. Zum Beispiel das Innovationsfeld "Zeit zu Zweit": Elternpaare verstehen sich nicht nur als "Mama und Papa", sondern auch als "Frau und Mann". Eltern möchten sich von der Dominanz der Kindererziehung im Alltag nicht komplett überrollen lassen. Deshalb suchen sie gezielt nach Refugien, in denen sie sich ganz auf sich, den Partner oder auf gemeinsame Freunde konzentrieren können! Die kurze Zeit zu zweit empfinden sie als besonders wertvoll und geben dafür auch viel Geld aus, um sie in vollen Zügen zu genießen.

Offenbar ist hier ein wachsender Markt entstanden, in dem sich bereits zahlreiche Unternehmen mit pfiffigen Geschäftsmodellen tummeln, die dabei auch das Internet nutzen: Unternehmen wie Cleanbox (Internet-Wäscherei), Babysitterdienste oder das Call a Oma-Netzwerk sowie zahlreiche Applikationen für das iPhone und andere Endgeräte erleichtern die effiziente Organisation des Kleinunternehmens "Familie". Aber auch Lebensmittel- und Konsumgüterhersteller gehen auf die neu entstandenen Bedürfnisse der Familien ein.

Hinweis

Weiteres zur Studie erfahren Sie hier:

Familie 2010 [90]

[Quelle: diffferent; Bild: Fotolia.com]

Adresspflege: Damit aus Werbemails kein Spam wird

E-Mails haben sich als effektives und günstiges Instrument für das Direktmarketing etabliert. Das Handling ist einfach, die Verarbeitung schnell und die Kostenersparnis gegenüber klassischer Post groß. Leider ist das Rechtsbewusstsein hinsichtlich der Freigabe von E-Mail-Adressen nur unzureichend ausgeprägt.

Laut einer aktuellen Studie der artegic AG holt die Hälfte der Unternehmen die Zustimmung zum E-Mail-Versand nicht auf korrekte Weise ein oder weiß gar nicht, wie es um die Rechtslage beim werblichen E-Mail-Versand bestellt ist. Bert Ungerer, Redakteur bei iX, erläutert:

"Dabei empfiehlt es sich schon vor Beginn des Werbeversandes, mit dem sogenannten Double-Opt-in-Verfahren zu prüfen, ob der Adressat einverstanden ist, dass er auf dem Verteiler steht. Auch eine automatisierte Abbestellmöglichkeit per E-Mail ist wünschenswert."

Die Versandergebnisse sollten ebenso sorgfältig ausgewertet werden. Fehlerbenachrichtigungen (Bounces) wegen nicht zustellbarer Mails gehören nicht in den Papierkorb, sondern sollten analysiert werden. Schließlich ändern Anwender immer mal wieder ihre Adressen oder Freemail-Anbieter vergeben "gebrauchte" Adressen neu. Ist ein Empfänger dreimal nicht erreichbar, ist es ratsam, dessen Adresse aus der Datenbank zu entfernen.

Wer Werbemails nicht selbst verschicken will oder kann, findet über den Internetverband eco zertifizierte Dienstleister, die den Anforderungen an ein seriöses E-Mail-Marketing genügen. Eine Übersicht dieser Unternehmen gibt es in der aktuellen Ausagbe von iX - Magazin für professionelle Informationstechnik.

[Quelle: iX-Magazin; Bild: Martina Berg - Fotolia.com]

Kosten-Nutzen-Analyse: Fachartikel veröffentlichen und davon profitieren

Erst durch ihre Kommunikation wird eine Marke einem Käufer überhaupt näher gebracht. Dadurch, so schreiben die Marketingexperten John Rossiter und Larry Percy, werde der Verbraucher erst zum Kauf animiert. Kommunikation ist in diesem Fall also dazu da, den Nutzen und den Wert eines bestimmten Produkts zu vermitteln und hervorzuheben.

Genauso verhält es sich bei Fachartikeln. Hier lautet die Gleichung: Das Unternehmen, der Berater oder Trainer will sich über einen Fachartikel in die Köpfe bestehender und potenzieller Kunden schreiben – und damit sein Image und seine Marke stärken. Das Expertenwissen fungiert dabei sozusagen als Brücke, um als kompetentes Unternehmen wahrgenommen zu werden. Kunden sollen sagen können: „Der hat ein enormes Fachwissen, dem vertraue ich, den rufe ich an!“

Strategische Kommunikation: Mit Fachartikeln Vertrauen schaffen

Damit ist das zentrale Stichwort gefallen: Vertrauen. Wer Fachartikel schreibt, um bestehende Kunden zu binden oder neue zu gewinnen, sollte von seinen Lesern nicht nur wahrgenommen werden, sondern sie letztlich auch überzeugen. „Vertrauen ist die Mutter der Überzeugungskraft“, sagt Rudi Keller in seinem Buch „Der Geschäftsbericht: Überzeugende Unternehmenskommunikation durch klare Sprache und gutes Deutsch“. Die Ziele, die Unternehmen mit einem Geschäftsbericht verfolgen, sind zumindest zum großen Teil mit denen von Fachartikeln identisch: Wahrnehmungsmanagement (Public Relations) und Vertrauensbildung. Dabei spielen immer zwei Perspektiven eine Rolle, nämlich die des Vertrauensgebers (Autor) und die des Vertrauensnehmers (Leser, Kunde).

Wer kommuniziert, geht immer Risiken ein, denn die damit verbundenen Kommunikationsziele müssen mit angemessenen sprachlichen Mitteln erreicht werden – und hier trennt sich die Spreu vom Weizen, auch und gerade bei Fachartikeln. Nicht jeder verfügt über diese Mittel, die es braucht, um seine Leser beziehungsweise bestehende und potenzielle Kunden von seinem Fachwissen auch nachhaltig zu überzeugen. Der schlimmste Fall ist der, überhaupt nicht gelesen zu werden. Langweilige Überschrift oder kaum Informationen im Vorspann, die auf einen spannenden und gehaltvollen Textinhalt schließen lassen, sind das Todesurteil für jeden Fachartikel – der Leser befasst sich erst gar nicht mit dem eigentlichen Beitrag, sondern klickt weg oder blättert zur nächsten Seite.

Kosten-Nutzen-Erwartungen bei Fachartikeln

Genauso kann es sich verhalten, wenn der Beitrag zwar gelesen wird, die eigentliche Kernbotschaft jedoch aufgrund falscher oder mangelhaft verwendeter sprachlicher Mittel gar nicht verstanden wird. Auch in diesem Fall muss der Autor Kosten für die Erstellung des Fachartikels aufwenden, doch stehen diese in keinem Verhältnis zum beabsichtigten Nutzen – die Überzeugung des Lesers, dem Gewinn seines Vertrauens und am Ende dem Gewinn zusätzlicher Kunden.

Wer also mit Fachartikeln kommuniziert, hat auch immer eine Kosten-Nutzen-Kalkulation vorzunehmen, sowohl bei sich selbst als auch beim Leser. Hierbei spielen aber nicht nur materielle Kosten oder ein in Geld messbarer Nutzen eine Rolle, sondern auch qualitative Aspekte. Die folgende Grafik zeigt, welche Kosten-Nutzen-Dimensionen beim Autor eines Fachartikels auftreten:

Kosten-Nutzen-Analyse des Autors, Quelle: Rudi Keller, Der Geschäftsbericht: Überzeugende Unternehmenskommunikation durch klare Sprache und gutes Deutsch, Gabler Verlag 2006 (leicht abgewandelt)

Unternehmen, Berater und Trainer werden also erst dann einen Fachartikel verfassen, wenn zu den dafür notwendigen Investitionen ein erwarteter Nutzen tritt. Dafür sind sie selbst verantwortlich, indem sie die dazu geeigneten sprachlichen Mittel wählen. Wie sind die einzelnen Kosten- und Nutzendimensionen zu interpretieren?

Die Kosten-Dimension beim Autor

Wer einen Fachartikel verfasst, braucht Zeit. Der Zeitfaktor ist am größten, wenn der Autor den Fachartikel selbst schreibt, obgleich bei dieser Alternative der Faktor „Geld“ wiederum eine eher geringe Rolle spielen dürfte. Die fürs Schreiben notwendigen Hilfsmittel wie Computer oder Drucker sind in der Regel vorhanden und müssen nicht erst angeschafft werden. Auch die Kosten für einen Schreibkurs fallen in der Regel nur einmal an, denn das Gelernte kann immer wieder von Neuem angewendet werden. Wer stur nach der Devise „Zeit ist Geld“ handelt, findet im Umkehrschluss immer ein Argument gegen das Verfassen von Fachartikeln, denn in dieser Zeit des kreativen Schaffens hätten ja neue Kunden gewonnen und damit wiederum Geld verdient werden können.

Gehen wir einfach einmal davon aus, dass die Leser dieses Beitrags den Wert von Fachartikeln als wirkungsvolle Maßnahme der strategischen Unternehmenskommunikation erkennen, dann brauchen wir wiederum über solche Gedanken keine Zeit zu verschwenden. Geld spielt dann eine Rolle, wenn der Fachartikel nicht selbst verfasst und das Schreiben stattdessen ausgelagert wird, etwa an eine externe Agentur, die als Ghostwriter fungiert. Ob sich das im Nachhinein bezahlt macht und der Nutzen überwiegt, muss jedes Unternehmen selbst entscheiden. Vergessen werden sollte allerdings nicht, dass externe Autoren in aller Regel nur sehr selten über das spezifische Know-how verfügen, das Unternehmen, Berater und Trainer in ihren Fachartikeln verarbeiten wollen. Hier besteht die Gefahr der Oberflächlichkeit, was wiederum zulasten des Images und der Marke des Unternehmens geht, das den Fachartikel in Auftrag gegeben hat.

Zu den Kosten gerechnet wird schlussendlich auch die Energie, die für das Schreiben und logischerweise auch fürs Denken aufgewendet werden muss. Wer einen Fachartikel schreibt, muss sich im Klaren sein über

  • das Thema,
  • die zentrale Botschaft,
  • die Tiefe des Inhalts,
  • die zu recherchierenden Quellen,
  • die Leserzielgruppe mitsamt ihren Erwartungen und möglichem vorhandenem Vorwissen,
  • die Medien, in denen der Beitrag erscheinen soll, und
  • den Aufbau beziehungsweise die Gliederung des Textes.

Die Nutzen-Dimension beim Autor

Fachartikel sollen vor allem eines: überzeugen. Das dargelegte Know-how muss fundiert sein und sprachlich angemessen transportiert werden. Fachartikel sollen informieren und gleichzeitig überzeugen. Doch beides geht nicht automatisch zusammen. Rudi Keller formuliert es in seinem Buch so:

  • Wer informieren will, äußert etwas in der Absicht, dem Leser zu erkennen zu geben, was der Autor für wahr hält.
  • Wer überzeugen will, äußert etwas in der Absicht, dem Leser zu erkennen zu geben, was der Autor für wahr hält, und mit dem Ziel, dass der Leser dies ebenfalls für wahr hält.

Unternehmen, Berater und Trainer überzeugen also erst dann, wenn ihr Fachartikel dazu führt, Leser und potenzielle Kunden dazu zu bringen, ihren Glauben zu teilen. Das ist Image- und Markenpflege par excellence. Etwas Besseres kann einem Autor gar nicht passieren. Klar, prägnant, verständlich und benutzerfreundlich zu informieren ist die eine Seite, Glaubwürdigkeit und Kompetenz zu vermitteln die andere. Apropos Image: Wer kommuniziert, auf welche Art und Weise auch immer, betreibt Beziehungsmanagement. Ob er nun will oder nicht – jede Form von Kommunikation hat auch immer etwas mit Selbstdarstellung zu tun: Wie komme ich beim anderen an, wenn ich etwas auf die eine oder andere Art sage?

Kommunikation findet unter Knappheitsbedingungen statt, also kommt es entscheidend darauf an, wie sich Fachartikel sprachlich darstellen. Um Beziehungen zu bestehenden und potenziellen Kunden zu pflegen (nicht im freundschaftlichen Sinn, sondern im Sinne von Beziehungsmanagement), sollten Fachartikel sympathisch und leserorientiert geschrieben sein. Um ein entsprechendes Lesevergnügen zu schaffen, sollten sie prägnant, kurzweilig und geistreich verfasst sein. Niemand liest etwa verklausulierte Formulierungen im Bürokratendeutsch gerne. Dies wirkt sich weder positiv aufs Image, noch auf die Beziehung zum Leser aus.

Kosten-Nutzen-Dimension beim Leser

Um einen Fachartikel zu lesen, wenden auch Leser und potenzielle Kunden Zeit und Energie auf, die sich in Geld umrechnen lässt. Es fällt auf: Image und Überzeugung des Autors spielen auf Seiten des Lesers keine Rolle. Der Grund: Kaum einer liest einen Fachartikel mit dem Ziel, sich vom Autor überzeugen zu lassen und ihm Gelegenheit zur Selbstdarstellung zu geben. Dies ist allein dem Autor vorbehalten, der nach dem Prinzip „getting by giving“ (Rudi Keller) verfährt: Für Information, Lesevergnügen und das richtige Beziehungsmanagement bekommt er die Stärkung seines Images und seiner Marke zurück und gewinnt am Ende vielleicht einen begeisterten und überzeugten Kunden hinzu.

Kosten-Nutzen-Analyse des Lesers/Kunden, Quelle: Rudi Keller, Der Geschäftsbericht: Überzeugende Unternehmenskommunikation durch klare Sprache und gutes Deutsch, Gabler Verlag 2006 (leicht abgewandelt)

[Bild: OneO2 - Fotolia.com]

Gesundheitswesen: Patienten werden zu Kunden

Insbesondere nach der Wirtschaftskrise schätzen deutsche Bürger die staatliche Finanzierung des Gesundheitssystems mittel- bis langfristig als unzureichend ein - ihre privaten Ausgaben steigen. Das Internet wird zunehmend für Informationsbeschaffung und Kostenvergleiche genutzt; die Mehrheit der Befragten wünscht sich überdies eine systemgestützte Hilfe bei Auswahl und Interaktion mit Leistungserbringern.

Die internetbasierte Verwaltung elektronischer Patientenakten sehen die Deutschen jedoch aufgrund des Datenschutzes kritisch. Im internationalen Vergleich belegt Deutschland die hinteren Ränge, wenn es um persönlichen Gesundheitszustand, Systemzufriedenheit und Offenheit für neue Services geht. Prof. Dr. Peter Borges, Partner im Bereich Gesundheitswesen bei Deloitte, sagt:

"Das deutsche Gesundheitswesen darf Bürger nicht länger als Patienten sehen, sondern muss sie vielmehr als Kunden wahrnehmen. Die Bevölkerung erwartet mehr Dienstleistung bei sinkenden Kosten - doch dazu müssen die Deutschen mehr auf ihren Lebensstil achten, Behandlungspläne einhalten und aktiver an Prävention sowie Behandlungsvor- und -nachsorge beteiligt werden."

Gesundheit und Vorsorge der Deutschen

Laut Selbsteinschätzung der Befragten in Deutschland ist ihr Gesundheitszustand mehrheitlich gut (39 Prozent) bis ausreichend (31 Prozent), die Altersgruppe 45 bis 64 hingegen beurteilte die persönliche Gesundheit als überwiegend ausreichend oder sogar schlecht (48 Prozent). Über die Hälfte hat eine oder mehrere chronische Krankheiten - im internationalen Vergleich ist dies die höchste Prävalenz. Dennoch besuchte 2009 lediglich knapp ein Viertel der Betroffenen ein Behandlungsprogramm für chronisch Kranke - eine geringe Zahl im Vergleich etwa zu Kanada, wo immerhin ein Drittel der Befragten diese Programme absolvierte. Die Mehrheit der Deutschen fordert finanzielle Anreize oder Prämienabschläge beim Besuch strukturierter Behandlungsprogramme - dies würde die Teilnahmebereitschaft um rund 84 Prozent erhöhen.

Mäßige Zufriedenheit mit Gesundheitssystem

Das deutsche Gesundheitssystem wird lediglich von 17 Prozent der Befragten mit "sehr gut" oder "gut" beurteilt. Besonders mit der Infrastruktur und Informationstechnologie medizinischer Einrichtungen sind die Deutschen zufrieden.

Verbesserungsbedarf besteht laut Studie vor allem bei Zugang und Wartezeiten für Behandlungen. 51 Prozent unterstützen überdies eine Optimierung der Behandlungs- und Servicequalität deutscher Praxen und Krankenhäuser.

Ferner steigen die privaten Ausgaben für die Gesundheitsversorgung: 44 Prozent der Teilnehmer gaben an, 2009 mehr für medizinische Produkte und Dienstleistungen gezahlt zu haben, als in vergangenen Jahren. Die Mehrheit beurteilt die staatliche Finanzierung des Gesundheitssystems kritisch und setzt zunehmend auf private Vorsorge - 51 Prozent fordern deshalb sinkende Kosten für medizinische Grundversorgung und Medikamente. Die Umfrageteilnehmer äußern sich außerdem kritisch zum Umbau des deutschen Gesundheitssystems bei damit verbundenen Kosten. Obwohl ihnen die Grenzen der finanziellen Systembelastbarkeit bewusst sind, sprechen sich nur 30 Prozent für eine zusätzliche Leistungserbringung in privater Trägerschaft aus.

Trends im deutschen Gesundheitswesen

Das Internet bietet neue Möglichkeiten zur Gestaltung der medizinischen Versorgung: 40 Prozent der Deutschen haben Interesse an internetbasierten Systemen wie der elektronischen Patientenakte oder Lösungen zur Verwaltung von Arztterminen und Medikamentenbestellungen. Über die Hälfte zeigt zudem Nutzungsbereitschaft für telemedizinische Lösungen zur Kommunikation mit ihrem Arzt.

Ebenfalls wichtiger werden Online-Hilfsmittel, um Preise und Qualität von medizinischen Produkten und Dienstleistungen zu vergleichen oder zu bewerten sowie für gesundheitsbezogene Informationen. Bisher nutzen deutsche Konsumenten solche Dienste noch wenig, denn 52 Prozent haben Bedenken bezüglich des Datenschutzes. Eine allgemeine Verfügbarkeit der elektronischen Gesundheitskarte als Träger dieser Mehrwertdienste würde die Unsicherheit bei rund 20 Prozent der Befragten reduzieren.

Weiterhin lässt sich ein Trend zu alternativen Behandlungsmethoden wie Akkupunktur oder Homöopathie feststellen - jeder fünfte Befragte in Deutschland nutzt alternative Medizin zusätzlich zur traditionellen schulmedizinischen Behandlung oder ersetzt diese sogar ganz. Olaf Radunz, Manager im Bereich Gesundheit bei Deloitte, resümiert:

"Die Deutschen haben im internationalen Studienvergleich eine kritische Einstellung zur Qualität ihres Gesundheitssystems. Obwohl sie sich hochwertige und innovative medizinische Dienstleistungen bei sinkenden Kosten wünschen, sehen sie sowohl die finanzielle Nachhaltigkeit des Systems als auch strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen ambivalent. Politik, Leistungserbringer und Kostenträger sollten diesen Umstand als Chance für innovative und gleichzeitig vertrauensbildende Initiativen zur Entwicklung des Gesundheitssektors nutzen."

Zur Studie

Für die Deloitte-Studie "2010 Global Survey of Health Care Consumers" wurden in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, UK, Kanada sowie den USA jeweils mindestens eintausend Bürger zu ihrem Konsumverhalten sowie zum nationalen Gesundheitssystem befragt. Hier gelangen Sie zum ausführlichen Report auf englisch: 2010 Survey of Health Care Consumers. [91]

[Quelle: Deloitte; Bild: ISO K° - photography - Fotolia.com]

Im WWW auf Kundenfang: Die Sichtbarkeit im Internet erhöhen

So reichhaltig die Informationen im WWW auch sind, so unübersichtlich und chaotisch geht es manchmal zu. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen stellen die Weiten des Netzes eine Herausforderung dar, sich auch gegen die alten Hasen und großen Konzerne zu behaupten. Dabei bietet das Internet ungeahnte Möglichkeiten, sein Unternehmen, seine Produkte und/oder Dienstleistungen an den Kunden zu bringen. Soweit die Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus?

Viele Unternehmen igeln sich ein. Sie verstecken sich. Wundern sich dann, wieso die potenziellen Kunden nicht von selbst nach ihnen suchen. Die Zeiten, in denen es gereicht hat, sich auf die Qualität der Produkte oder den guten Ruf zu verlassen, sind längst vorbei. Wer seinen Internetauftritt nur als Pflichtübung betrachtet, wird damit keine neuen Kunden gewinnen. Oberstes Ziel muss es sein, eine solch starke Sichtbarkeit im Internet zu erzeugen, dass Interessenten nicht lange suchen müssen, um auf Ihr Unternehmen zu stoßen.

Machen Sie doch einfach mal den Praxistest und geben Sie den Namen Ihres Unternehmens (als Freiberufler oder Einzelunternehmer kann es auch Ihr eigener Name sein) bei Google ein. Sind Sie unter den ersten zwanzig Treffern zu finden?

Die folgenden Tipps zeigen, dass kein großes Budget notwendig ist, um im Internet Fuß zu fassen und für Ihre potenziellen Kunden sichtbarer zu werden.

Ihr Unternehmen im WWW auf breite Füße stellen

Wer im Internet neue Kunden gewinnen will, muss seine Präsenz im Netz erhöhen. Die meisten Unternehmen sind im Internet mit genau einem Eintrag vertreten. Unter www.Firmenname.de werden Produkte und Dienstleistungen vorgestellt, vielleicht noch die Geschichte des Unternehmens und Ansprechpartner. Wer nach diesem Unternehmen sucht, wird somit lediglich auf einer einzigen Seite fündig, vorausgesetzt, dass er sie überhaupt findet.

Vergleichen Sie dieses Thema vielleicht einfach mal mit dem Fischfang. Sind Sie Hobbyangler, genügt es sicherlich, mit einer einzigen Angel an einem kleinen Teich zu sitzen. Wollen Sie aber über die Fischerei Ihren Lebensunterhalt verdienen, brauchen Sie optimale Köder und gute Netze.

Ihre Zugriffszahlen erhöhen sich besonders stark, wenn Sie nicht nur eine einzige Website veröffentlichen, sondern gleich ein ganzes Dutzend. Dabei müssen die anderen Seiten nicht den vollen Umfang der Hauptseite beinhalten, es genügen manchmal schon Kurzinformationen an den richtigen Stellen. So gehört heutzutage ein Profil auf der Business-Plattform XING im geschäftlichen Umfeld zum Standard, dazu mehr im nächsten Punkt:

Vernetzen Sie sich in XING, LinkedIn, Facebook & Co.

Networking ist in aller Munde. Das Kennenlernen anderer Unternehmen, der Austausch über fachliche Themen und Fragen der Selbstständigkeit sowie die Vermittlung von Aufträgen sind Prozesse, die sich am besten direkt von Mensch zu Mensch durchführen lassen. Das ist in der virtuellen Welt nicht anders als in der realen Welt. Vernetzung ist das Zauberwort. Der Vorteil des Internets ist der enorm vergrößerte Radius, denn wie sonst haben Sie die Möglichkeit, bundesweit Kontakte zu knüpfen, ohne Ihr Büro zu verlassen?

Als angemeldeter User einer Internetplattform wie XING, LinkedIn oder Facebook erhalten Sie eine eigene Profilseite, die Sie mit Daten über sich und Ihr Unternehmen füttern können. „Ich suche“, „Ich biete“, Interessen, Lebenslauf, Kontaktdaten. Natürlich müssen Sie Zeit investieren, um nach neuen interessanten Kontakten zu suchen und diese auch, wie Ihre „Offline-Bekannten“ zu pflegen.

Auf der anderen Seite geht es jedoch auch darum, von anderen gefunden zu werden. Wer etwa auf XING nach einer Dienstleistung sucht und Ihren Kontakteintrag findet, klickt automatisch auf Ihre Website weiter. Haben Sie sich dort nicht registriert, werden andere gefunden, die sich über neue Interessenten freuen.

Tragen Sie sich in Branchenverzeichnisse ein

Ist Ihre Heizung defekt, werden Sie heutzutage sicherlich nicht mehr zum guten alten Branchenbuch greifen, sondern eher im Internet auf die Suche nach dem passenden Anbieter gehen. Seien Sie auch in Online-Branchenverzeichnissen mit Ihrem Unternehmen präsent.

Es gibt verschiedene Verzeichnisse und Branchenführer, zum Beispiel www.GelbeSeiten.de, in denen Sie sich mit Ihrem Unternehmen eintragen lassen können. In der Regel sind bei diesen Portalen die Basiseinträge kostenfrei und es können weitere Pakete für einen bestimmten Monatsbeitrag gebucht werden. Wie im guten alten Branchenbuch geben Sie in diesen Portalen Ihre Kontaktdaten an, können zusätzlich aber auch noch auf Ihre Website verlinken lassen und Schlagwörter eintragen, unter denen Sie gesucht – und natürlich auch gefunden – werden möchten.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen noch einen wichtigen Zusatztipp auf den Weg geben:

Es gibt Halunken, die die Gutgläubigkeit von Unternehmern schamlos ausnutzen. Unter falschem Vorwand empfehlen sie völlig überteuerte Angebote zur Selbstdarstellung. Vielleicht haben Sie auch schon mal ein Fax von einem „Branchenbuch-Deutschland-24“ oder anderen Anbietern erhalten, bei denen im Kleinstgedruckten steht, dass sich die „kostenfreie Eintragung“ nach einem Monat automatisch in einen zweijährigen Vertrag verlängert, der pro Jahr um die 1.000 Euro kosten soll. Sie erhalten dafür zwar wirklich einen Online-Eintrag, allerdings in einer mehr als drittklassigen Datenbank, die von niemandem aufgerufen wird. Bitte achten Sie also beim Anmelden Ihres Unternehmens immer auf die AGBs und gehen Sie nicht vorschnell einen kostenpflichtigen Vertrag mit einem dieser dubiosen Anbieter ein.

Machen Sie auch „Offline“ eine gute Figur

Auch außerhalb des Internets gibt es gute und sinnvolle Chancen, auf Ihre Online-Aktivitäten aufmerksam zu machen. Steht Ihre Website bereits auf Ihren Geschäftspapieren wie Visitenkarten, Briefpapier oder Rechnungen? Sind Sie geschäftlich viel unterwegs, bekleben Sie Ihr Firmenfahrzeug mit der Internetadresse und einem Slogan, der auf Ihre Website neugierig macht. Auch die Ansage auf Ihrem Anrufbeantworter kann mit Informationen zu Ihrem Internetauftritt ergänzt werden. Nutzen Sie Werbemittel und Flyer, um auf aktuelle Themen oder Produkte Ihres Unternehmens hinzuweisen, die auf Ihrer Internetseite ausführlich dargestellt werden.

Nutzen Sie Ihre E-Mail-Korrespondenz

Die Kommunikation per E-Mail ist heutzutage selbstverständlich. In der Signatur werden dabei meist nur die gesetzlich vorgeschriebenen „Pflichtangaben“ wie Kontaktdaten und Umsatzsteuernummer angegeben. Dabei bietet die Signatur eine hervorragende Werbemöglichkeit. Schreiben Sie die Internetadresse Ihrer Website einfach in die Signatur.

Das Postskriptum (P.S.) sollte auch in einem Werbebrief niemals fehlen, wird es doch in den meisten Fällen zuerst gelesen. Bieten Sie an dieser Stelle Ihren Kunden einen Mehrwert, indem Sie auf Neuigkeiten oder Veränderungen auf Ihrer Website hinweisen. Das funktioniert in E-Mails genauso wie im „altmodischen“ Schriftverkehr.

Versenden Sie regelmäßig einen E-Mail-Newsletter

Es muss ja nicht gleich ein Newsletter an 50.000 Kunden sein. Auch kleinere „Auflagen“ von 1.000 Empfängern unterstützen die Verbreitung Ihrer Produkte oder Dienstleistungen. Dabei geht in der langfristigen Neukunden-Gewinnung natürlich um einen rechtlich einwandfreien E-Mail-Newsletter-Versand, für den sich Kunden und Interessenten freiwillig eintragen und sich jederzeit ohne Mühe wieder abmelden können. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie können Ihre Kunden regelmäßig über Neuigkeiten, Produkte und Angebote informieren und sparen dabei enorme Porto- und Versandkosten.

Internet ist für alle da – auch für Sie

Wie Sie sehen, müssen Sie kein Programmier-Profi sein oder Tausende von Euro in die Hand nehmen, um die Sichtbarkeit Ihres Unternehmens im Internet zu erhöhen. Es genügen an den richtigen Stellen einige Informationen und Sie werden sehen, dass Sie auf Ihrer Website mehr Besucher begrüßen dürfen.

Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, dass effektive Internetauftritte nur den alten Hasen und den großen Unternehmen vorenthalten sind. Und verabschieden Sie sich auch von dem Gedanken, dass eine eigene Website eine Pflichtübung ist, „weil man heute im Internet präsent sein muss“. Sehen Sie das Internet als virtuellen Marktplatz an – und vor allem als Chance, mehr Aufmerksamkeit für Ihr Unternehmen zu gewinnen.

Checkliste „Sichtbarkeit im Internet erhöhen“

  1. Haben Sie einen Überblick, an welchen Stellen Ihr Unternehmen im Internet auftaucht?
  2. Nutzen Sie bereits die wichtigsten Möglichkeiten, Ihr Unternehmen mit Adress- und Kontaktdaten im Internet sichtbar zu machen?
  3. Nutzen Sie die zur Verfügung stehenden Branchenverzeichnisse, um stets erreichbar zu sein?
  4. Wissen Sie, von welchen Verzeichnissen Sie lieber die Finger lassen sollten?
  5. Nutzen Sie die bestehende Werbe-„Hardware“ (Visitenkarten, Flyer, Briefpapier etc.), damit Sie weitere Kunden gewinnen und einen guten Eindruck hinterlassen?
  6. Nutzen Sie das Postskriptum („P.S.“) in Ihrer E-Mail-Korrespondenz für gezieltes Marketing?
  7. Haben Sie eine E-Mail-Signatur, in der auch Ihre Website angegeben ist?
  8. Versenden Sie regelmäßig einen E-Mail-Newsletter?

Hinweis

Mehr über erfolgreiche Neukunden-Gewinnung im Internet erfahren Sie in diesem Buch von Thomas Kilian:

Der Igel-Faktor  [92]

[Bild: Fotolia.com]

Online-Handel: Vorsicht bei Preisänderungen in Suchmaschinen

In einem aktuellen Urteil kommen die Richter des fürs Wettbewerbsrecht zuständigen I. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs (BGH) zu folgendem Schluss: Ein Händler, der für sein Angebot über eine Preissuchmaschine wirbt, kann wegen Irreführung in Anspruch genommen werden, wenn eine von ihm vorgenommene Preiserhöhung verspätet in der Preissuchmaschine angezeigt wird.

Um Produkte in Preissuchmaschinen einzustellen, übermitteln Versandhändler dem Betreiber dieser Suchmaschine die Daten der von ihnen angebotenen Produkte einschließlich der Preise. Die Suchmaschine ordnet diese Angaben in Preisranglisten ein. Die Preisgünstigkeit der Angebote bestimmt die Reihenfolge, in der die Anbieter in den Ranglisten genannt werden.

Was war passiert?

In dem zu entscheidenden Fall bot die beklagte Partei, ein Händler für Haushaltselektronik, eine Espressomaschine der Marke Saeco über die Preissuchmaschine idealo.de an. Bei dem von ihm geforderten Preis von 550 Euro stand er auch noch nach 20 Uhr unter 45 Angeboten an erster Position, obwohl er den Preis für die Espressomaschine drei Stunden zuvor auf 587 Euro erhöht hatte. Zwar hatte der Händler der Preissuchmaschine die Preisänderung in dem Moment mitgeteilt, in dem er selbst den Preis auf seiner Internetseite heraufgesetzt hatte. Das Problem dabei: Diese Änderungen werden auf den Preissuchmaschinen nicht sofort, sondern erst zeitlich verzögert angezeigt.

Begründung des BGH

Der Kläger, ein Wettbewerber aus der gleichen Branche, empfand in der unrichtigen Preisangabe eine irreführende Werbung des Beklagten und hatte ihn deshalb auf Unterlassung, Feststellung der Schadensersatzpflicht und Auskunft in Anspruch genommen. Das Landgericht Berlin hatte die Klage abgewiesen. Auf die Berufung der Klägerin hat das Kammergericht den Beklagten antragsgemäß verurteilt. Der BGH hat die Revision des Beklagten zurückgewiesen. Begründung: Der durchschnittlich informierte Nutzer eines Preisvergleichsportals verbindet mit den ihm dort präsentierten Informationsangeboten regelmäßig die Erwartung einer höchstmöglichen Aktualität.

Zwar seien Verbraucher heute mit den Besonderheiten des Internets und damit auch mit dessen technischen Grenzen weitgehend vertraut. Sie gingen jedoch davon aus, dass die in einer Preissuchmaschine angebotenen Waren zu dem dort angegebenen Preis erworben werden können. Zudem rechneten sie nicht damit, dass die dort angegebenen Preise aufgrund von Preiserhöhungen, die in der Suchmaschine noch nicht berücksichtigt sind, bereits überholt sind.

Die Irreführung der Verbraucher werde auch durch den Hinweis „Alle Angaben ohne Gewähr!“ in der Fußzeile der Preisvergleichsliste nicht verhindert. Der Grund: Durch einen Klick auf diesen Hinweis öffnet sich ein Fenster mit einem weiteren Text, der besagt, dass „eine Aktualisierung in Echtzeit … aus technischen Gründen nicht möglich [sei], so dass es im Einzelfall insbesondere hinsichtlich der Verfügbarkeit beziehungsweise der Lieferzeit von Produkten zu Abweichungen kommen kann“.

Zudem bejahte der BGH die Relevanz der Irreführung. Nach Auffassung der Richter stellt es einen besonderen Vorteil im Wettbewerb dar, wenn ein Anbieter mit seinem Angebot in der Rangliste einer bekannten Preissuchmaschine an erster Stelle steht. Den Händlern sei es zuzumuten, die Preise für Produkte, für die sie in einer Preissuchmaschine werben, erst dann umzustellen, wenn die Änderung in der Suchmaschine angezeigt wird.

Folge des Urteils

Händler, die ihre Produkte in Preissuchmaschinen veröffentlichen beziehungsweise anbieten, sind  künftig angehalten, erst die Preissuchmaschinen nach der Übernahme der angepassten Preise (Preiserhöhungen) zu durchforsten. Konkret gesagt bedeutet das einen Mehraufwand für die Händler, denn er muss zunächst abwarten, bis sämtliche Portale, bei denen seine Produkte gelistet sind, mit den Änderungen nachgezogen haben. Erst dann kann er die Preise auf seiner eigenen Webseite anpassen. 

Kritik am Urteil

Experten und betroffene Händler beklagen schon jetzt die Schwierigkeiten der praktischen Umsetzung des Urteils. Viele Preissuchmaschinen würden die Preise nämlich von den Angebotsseiten der Händler auslesen und automatisch in die Suchmaschine übertragen. Die Funktionsweise dabei: Über eine Schnittstelle zum jeweiligen Internet-Shop des Händlers rufen die Preissuchmaschinen beziehungsweise die Preisvergleichsportale eine sogenannte Preisdatei des Händlers ab und aktualisieren sie. Zwischen dem Abruf und der Aktualisierung würden jedoch zum Teil bis zu zwei Stunden vergehen, so dass der Vorwurf der wettbewerbsrechtlichen Irreführung nahezu regelmäßig gegeben sei.

Zudem müssten die Händler die entsprechende Schnittstelle erst umprogrammieren, um den Preis zu erhöhen und gleichzeitig das Produkt zu deaktivieren. Das gleiche gelte für den Fall der nachträglichen Übernahme des aktualisierten Preises von der Suchmaschine auf die eigene Webseite. Gefragt seien jetzt die Suchmaschinen- beziehungsweise Portalbetreiber, die Änderungen an den Schnittstellen vornehmen müssten.

Hinweis

Aktuell reagieren die meisten Webseiten mit Preisvergleichen in der Form auf das Gerichtsurteil, dass sie bei jedem Angebot und bei jeder Preisangabe darauf hinweisen:

  • wann der angegebene Preis zuletzt aktualisiert wurde und
  • dass der Preis auf der Webseite des Anbieters davon abweichen kann.

Öffentlichkeitsarbeit: Entdecken Sie Ihren Promi-Faktor

Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen. Öffentliche Reputation schmeichelt nicht nur dem eigenen Ego, sie macht sich auch bezahlt. Wer einschlägig bekannt ist, bekommt lukrativere Aufträge und erzielt höhere Umsätze, erhält attraktivere Angebote und interessantere Aufgaben – um nur einige Privilegien von Prominenz zu nennen.

Dies machen uns Tag für Tag die Celebritys aus Kino, Mode, Medien, Wirtschaft, Kunst und Politik vor. Man mag es kaum glauben, doch die Gesetzmäßigkeiten, die für sie gelten, gelten auch für die Schar der Unbekannten. Das Beste am Prominentenstatus ist: Er ist weder reiner Glückstreffer noch ein Zufallsprodukt, sondern das beinah logische Ergebnis einer Aktionskette, quasi synthetisch herstellbar mit einem Strategienpotpourri aus Leistung, deren Vermarktung, gezielter Selbstinszenierung, Fantasie, Witz und einer Brise Anarchie.

Die beste Marke: „Ich“

Huckleberry Finn sagte: „Als wir das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen.“ Für das Branding in eigener Sache gilt der Umkehrschluss: erst das Ziel definieren, dann Aktionen starten. Ziel ist es, die Säulen zu errichten, auf denen das eigene Image Platz nehmen kann. Coachen Sie sich selbst mit der Reflexion folgender Fragen: Wie will ich mich in meiner Branche beziehungsweise in meinem Fach/Beruf positionieren? Wie unterscheiden sich meine Leistungen von denen anderer? Welche PR-Botschaften will ich kommunizieren?

Allen, die Probleme mit dem Begriff „Image“ haben und lieber als „ehrliche Haut“ ins Rennen gehen möchten, sei gesagt: Image ist nichts anderes als ein virtuelles, fein gepinseltes Selbstporträt, das der wohlgefälligen öffentlichen Betrachtung dient, ein „Starfoto“ Ihrer Fähigkeiten, das sich zukünftige Kunden, Auftraggeber und Geschäftspartner dauerhaft einprägen sollen.

Image ist keine Frage von Wahrheit oder Lüge, sondern von persönlicher Selektion und Privatsphäre: Niemand muss sich zeigen, wie er wirklich ist, jeder darf und soll sich in Top-Form präsentieren. Sogar Roman Herzog, raffinierter Montagekunst eher unverdächtig, sagte nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten in aller Öffentlichkeit, er müsse nun gründlich mit sich zurate gehen, „wie die Figur Roman Herzog das ihr angemessene Image bekommt“.

Kein Profi(t) ohne Profil

Bei der heutigen Informationsflut ist ein scharfes (Leistungs-) Profil notwendig. Doch vor allem viele Freiberufler und Selbstständige tragen aus Angst vor Umsatzeinbußen und verpasster Chance oftmals einen „Bauchladen“ an Produkten mit sich herum. Statt sich als Spezialisten mit weit überdurchschnittlichem Expertenwissen zu empfehlen, bieten sie alles Mögliche und nichts Besonderes an.

Ein Logenplatz im Bewusstsein der Adressaten ist indes nur zu ergattern, wenn die Einzigartigkeit glaubhaft dargestellt wird. Generalisten gelingt es daher seltener als hochgradigen Spezialisten, das öffentliche und Medieninteresse auf sich zu ziehen. Sie sind nicht Heroe einer bestimmten Disziplin, sondern einer unter vielen Wald – und Wiesenexperten.

Im Trainingsbereich etwa hat es der „Zeitmanagementpapst“ Prof. Lothar J. Seiwert vorgemacht. Er wollte von Anfang an Marktführer zum Thema „Zeitmanagement“ werden. Dass er nun ein weithin bekannter und überdurchschnittlich honorierter Trainer ist, ist für ihn die zwangsläufige Folge dieser Spezialisierung. Im Fall Seiwert ist der Erfolg mustergültig. So erhielt er als erster Deutscher den Weiterbildungs-Award der American Society for Training and Development (ASTD).

Sie können viel und wissen nicht, worauf Sie sich spezialisieren sollen? Am besten in den Bereichen, mit denen Sie sich besonders stark identifizieren, denn Leidenschaft ist noch immer der beste Tempomacher für Spitzenleistungen. Was Sie gerne machen, machen Sie gut – und man nimmt es Ihnen (Stichwort: Authentizität) auch ab.

Königsmacher Medien

Austauschbarkeit ist der größte Feind der Prominenz. Daher gilt es, aktiv für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen und das öffentliche Interesse auf die eigene Person zu richten, mithilfe der Medien. Sie adeln mit Prominenz, wie einst erfolgreiche Eroberer durch die Überlassung von Lehen in den Adelsstand erhoben werden konnten.

„In the future everybody will be famous for fifteen minutes“, charakterisierte Andy Warhol einen Effekt der wachsenden Medienvielfalt. Recht hat er, und wer es geschickt deichselt, für den dauert die Famous-Phase auch länger als eine Viertelstunde. Wichtigste Regel: Medien ziehen personalisierte Informationen abstrakten Inhalten vor. Deshalb haben vor allem Bereiche, in denen einzelne, exponierte Köpfe an der Spitze stehen, beste Chance, aus ihren Reihen Prominente zu stellen.

Um den eigenen Namen zum festen Begriff – zumindest in der eigenen Branche – zu machen, müssen die (Fach-) Medien mit gezielten Erfolgsinformationen über die eigene Person versorgt werden. Eine Möglichkeit sind regelmäßige Pressemitteilungen. Sie müssen allerdings gut formuliert und aktuell sein und – daran hakt es meistens – einen echten Nachrichtenwert, einen „Aufhänger“ haben. Dass im Raum Frankfurt nun die 34. Karriereberatung für Frauen entstanden ist, mag für die Gründerinnen selbst die Sensation des Jahres sein. Wirklichen Ereignischarakter für bundesrepublikanische Öffentlichkeit hat es allerdings nicht gerade. Etwas anderes dagegen ist es, wenn die Nachricht von der Firmengründung ungefähr so daherkommt: „Top-Personalexpertin berät Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfängerinnen.“

Die Show muss stimmen

Medien lieben keine biederen Beckenrandschwimmer, sondern Querdenker und Regelbrecher – ganz einfach deshalb, weil sie damit wiederum ihren Kampf um Aufmerksamkeit beim Publikum gewinnen können. Daher kommt es bei Ihrem Selbstmarketing nicht alleine auf Wissen und Können, Wahrheit, Triftigkeit oder Relevanz an. Leistung schmeckt umso besser, wenn Sie mit Witz, Provokation, Verblüffung und Ironie serviert wird. Es gibt viele ausgezeichnete Literaturkritiker, aber es gibt nur einen, der vermutlich auch für die Rezension des Kassler Telefonbuchs Applaus kriegen würde: Marcel Reich-Ranicki. Sein Markenzeichen: nicht immer fair, nicht immer feinsinnig in der Wortwahl, aber niemals langweilig.

Natürlich reicht es nicht aus, Medien und Publikum in einmaliges Staunen und Raunen zu versetzen. Ideal deshalb das PR-Instrument „Buch“. Es macht den Autor zum Experten, und zwar dauerhaft. Die Aussage „Autorität kommt von Autor!“ stimmt. Anders als Fachartikel sichern Bücher langfristig Aufmerksamkeit. Und wer immer wieder neue Bücher schreibt – wie die Literaturprofessorin und Managementberaterin Gertrud Höhler – kann durch Rezensionen, Rundfunk- und Fernsehauftritte am eigenen Renommee feilen. Haben sie die PR-Erfolge verstetigt, tritt ein besonderer Effekt ein: der Promi-Bonus. Ab einem gewissen Berühmtheitsgrad verselbstständigt sich der Prozess. Eine Person findet Beachtung, gerade weil Sie schon bekannt ist. Sie muss dann gar nicht mehr viel tun, sondern – siehe George Clooney oder Heidi Klum – nur noch sein!

Die wichtigsten Spielregeln für VIP-Willige

  • Definieren Sie Ihr eigenes Produktdesign: Kleidung, Mimik, Gestik und Sprache müssen zum Image passen.
  • Betreiben Sie Impressionsmanagement als Imagestrategie: Selektieren, kontrollieren und steuern Sie die Informationen über Sie, die andere erhalten und weitergeben.
  • Sorgen Sie für ein klares Profil nach außen.
  • Machen Sie Ihren Namen zum festen Begriff in der Branche.
  • Treten Sie regelmäßig als Fachautor, Referent, Informant in Erscheinung.
  • Veröffentlichen Sie Artikel und mindestens ein halbwegs kluges Buch.
  • Intensivieren Sie die Kontakte zu Redakteuren und Journalisten.
  • Lieber Ärger erregen als gar keine Aufmerksamkeit. Brechen Sie die Regeln – denn brave Menschen werden nicht berühmt!

Dialog statt Monolog: Wie Unternehmen die Kommunikation 2.0 erfolgreich umsetzen

Unternehmenskommunikation 2.0: Twittern, Xingen und Flickern

Wie nehmen Unternehmen die Kommunikation 2.0 im Internet in Angriff? Indem sie sich öffnen. Profile in sozialen Netzwerken werden von den meisten Nutzern als Selbstverständlichkeit angesehen. Dabei haben sich einige Portale und Anbieter als marktführend herauskristallisiert:

  • Soziale Netzwerke: Facebook, studiVZ, schülerVZ und meinVZ, MySpace
  • Video: YouTube, Vimeo
  • Foto: Flickr, Picasa
  • Blog: Corporate Blog
  • Micro-Blogging: Twitter
  • Präsentationen: Slideshare, issuu
  • Business-Kontakte: Xing, LinkedIn
  • Lokalisierung: Google maps, Quype

Je nach Informationsangebot sollten ausgewählte Plattformen ein entsprechendes Informationskontingent des Unternehmens bereithalten. Aktualität ist hier das A und O. Meldungen innerhalb eines sozialen Netzwerks werden mehrmals täglich, Beiträge im Micro-Blogging sogar mehrfach in der Stunde aktualisiert. Präsentationen, Fotos oder Videos sind natürlich nach einem konkreten Anlass zu veröffentlichen, dann jedoch unmittelbar und sofort zugänglich.

Tipp: Wer ein Profil eröffnet, lebt mit ihm. Das heißt: Bleiben Sie stets aktuell, nehmen Sie die Kommentare und Meinungen Ihrer Zielgruppe wahr und kommunizieren Sie.

Allein das Angebot von sozialen Medien macht aus einem Unternehmen noch keinen interessanten Gesprächspartner. Deshalb ist es so wichtig, die einzelnen Plattformen stets mit Leidenschaft zu pflegen und Relevanz als oberste Regel zu beachten. Nur dann fühlt sich die Zielgruppe ernst genommen und nur dann verwandeln sich das Unternehmen sowie seine Angebote zu einem ernst zu nehmendem Gesprächsthema.

Pressemitteilung 2.0: Neue Zielgruppen erschließen

Vorweg: Die klassische Pressemitteilung mit Headline, Lead, Inhalt mit im Text absteigender Relevanz und Hintergrundinformationen wird weiterhin existieren. Sie stellt ein für Unternehmen wichtiges Kommunikationsinstrument dar. Denn Journalisten nutzen zwar durchaus auch das Web 2.0 als Informationsquelle für ihre Recherchen, legen aber Wert auf die hohe Qualität und Vertrauenswürdigkeit ihrer klassischen Quellen.

Zunehmend verfolgen aber auch Kunden und Interessenten die medialen Aktivitäten eines Unternehmens oder einer Marke. Sie suchen nach seriösen und faktischen Informationen, legen dabei jedoch Wert auf eine einfache Informationsstruktur und schätzen das „Informationshäppchen für zwischendurch“. Diese Zielgruppe ist als Multiplikator nicht zu unterschätzen. Interessiert sich jemand im Detail für ein Produkt, wird er sich grundlegend informieren und seine Kenntnisse auch gerne weiter kommunizieren. Deshalb sollte er nicht zu lange danach suchen müssen.

Die Pressemitteilung 2.0 ist wie eine abgespeckte Version der klassischen Pressemitteilung zu verstehen. Hier kommt es ebenfalls auf eine aussagekräftige Headline an und einen Lead, der knackig und prägnant die wichtigsten Details zusammenfasst. So dient sie sowohl als Übersicht für Journalisten als auch Informationsmedium für Medienkonsumenten. Auf Fließtext wird so gut es geht verzichtet. Dafür finden Aufzählungen, Listen und Zitate Platz, die zugleich suchmaschinenoptimiert für eine höhere Reichweite sorgen. Die multimediale Unterstützung sorgt für eine leichte Informationsaufnahme.

Social Media Newsroom: Kommunikation mit den Medienkonsumenten

Der amerikanische PR-Spezialist Todd Defren gilt als Erfinder des Social Media Newsrooms. Von ihm stammt folgende Feststellung:

„Bevor es das Internet gab, hatten PR-Verantwortliche 50 Medienkontakte, die sie regelmäßig mit (journalistisch aufbereiteten) Informationen versorgten. Seit Social Media und Web 2.0 müssen PR-Verantwortliche zusätzlich eine direkte Beziehung zu den Medienkonsumenten aufbauen und sie mit Informationen ansprechen, weil diese jetzt selbst mediale Inhalte online herstellen und publizieren.“

Dafür kann der professionelle Einsatz eines Social Media Newsrooms sorgen. Hierbei handelt es sich um eine Webseite innerhalb eines Unternehmensauftritts, üblicherweise als Rubrik im Pressebereich. In diesem gesonderten Raum werden Pressemitteilungen angeboten, die von der klassischen Formulierung abweichen und einem erweiterten Nutzerkreis Informationen für die weitere Veröffentlichung anbieten. In einem Social Media Newsroom werden die verschiedensten Werkzeuge und Kanäle des Web 2.0 zusammengeführt.

Alleskönner im Web: Tipps für den Social Media Newsroom

Ein Social Media Newsroom beinhaltet moderne Kommunikationsinstrumente, wichtige Ansprechpartner, aktuelle Newsfeeds, den Zugriff auf externe Medien und die Rechteeinräumung über zum Beispiel Creative Commons.

Stichwort

Creative Commons (CC) ist eine Non-Profit-Organisation, die in Form vorgefertigter Lizenzverträge eine Hilfestellung für die Veröffentlichung und Verbreitung digitaler Medieninhalte anbietet. Ganz konkret bietet CC sechs verschiedene Standard-Lizenzverträge an, die bei der Verbreitung kreativer Inhalte genutzt werden können, um die rechtlichen Bedingungen festzulegen.

de.creativecommons.org

Für die Gestaltung eines Social Media Newsrooms sind folgende Elemente unbedingt zu integrieren: 

  1. Soziale(s) Netzwerk(e)
  2. Twitter (falls vorhanden)
  3. Aktuelle Newsfeeds
  4. Pressemitteilungen 2.0
  5. Videos
  6. Bildmaterial
  7. Diskussionsraum
  8. Corporate Blog
  9. Pressespiegel
  10. Ansprechpartner des Unternehmens (via sozialem Netzwerk)
  11. Verlinkungen auf fremde Quellen
  12. Lizensierung durch Creative Commons

Ein Social Media Newsroom strahlt Lebendigkeit, Aktualität und Transparenz nicht nur aus, sondern steht Synonym dafür. Er ist ein modernes und innovatives Kommunikationsinstrument im Bereich Business to Consumer und demonstriert die Medienkompetenz eines Unternehmens.

[Bild: Falko Matte - Fotolia.com]

Public Relations: Überzeugende Pressearbeit mit überzeugenden Fachartikeln

Welche Intention sich hinter dem Verfassen eines Fachartikels verbirgt, dürfte hinreichend bekannt sein und sich mit den konkreten Zielen von PR decken: Autoren möchten den Ruf ihres Unternehmens oder ihrer „Marke“ verbessern, eine höhere öffentliche Wahrnehmung erzielen, das Vertrauen von Kunden stärken, oder sie wollen die öffentliche Aufmerksamkeit auf für sie wichtige Themen lenken. Mit PR gestalten Unternehmen die Kommunikation zu ihren Interessen- und Anspruchsgruppen; das kann etwa in Form einer Pressemitteilung, eines Newsletters, einer Presseseite auf der eigenen Webseite oder eben auch durch einen Fachartikel geschehen.

Fachartikel im Spannungsfeld von Werbung, Marketing und Public Relations (PR)

Während Marketing sämtliche Aktivitäten umfasst, die ein Unternehmen auf die Erfordernisse von Märkten ausrichtet, hat PR die situationsgerechte Positionierung des Unternehmens in der Öffentlichkeit zum Ziel. Mit PR-Maßnahmen halten Unternehmen Kontakt zu den Zielgruppen, die sie für ihr Geschäft als wichtig erachten. Für das Verfassen von Fachartikeln kann das also bedeuten: Eine mehrmalige und regelmäßige Konzeption und Veröffentlichung in einem Geschäftsjahr hält die Beziehung zu den Kunden aufrecht. Die Folge: Fachartikel wirken an der Reputationsbildung mit. Was Fachartikel-Marketing [93] anbelangt, so geht es hierbei um potenzielle Kunden. Die sollen durch die professionelle Aufarbeitung einer bestimmten Fachthematik nicht nur informiert, sondern auch begeistert und am Ende vom Know-how des Beraters überzeugt werden. Die Erfolgsformel: Wer seinen Experten-Status nicht nur verständlich, sondern auch glaubwürdig und überzeugend darstellen kann, schafft Vertrauen und gewinnt Kunden hinzu.

Und jetzt die spannende Frage: Was haben Fachartikel mit Werbung zu tun? Oder anders gefragt: Lässt sich mit Fachartikeln überhaupt wirksam Werbung betreiben? Die Antwort: Ja – und zwar indirekt und im Zusammenspiel mit PR! Das bedeutet: Fachartikel selbst sind nicht das eigentliche Produkt beziehungsweise die Dienstleistung, die angepriesen und verkauft werden soll. Der Fachartikel kann nur Mittel zum Zweck sein, um auf die eigentlichen Dienstleistungen des Beraters aufmerksam zu machen und – das ist entscheidend – Vertrauen in der Öffentlichkeit sowie ein positives Image aufzubauen. Wenn es durch überzeugende Fachartikel gelingt, als vertrauenswürdige Marke zu erscheinen, einen Wiedererkennungswert zu erzielen und damit den Verkauf der eigenen Dienstleistungen anzukurbeln, ist das die beste Werbung. Jochen Becker, Professor an der German Graduate School of Management and Law gGmbH, formuliert es in seinem Buch „Marketing-Konzeption“ so:

Es würde vielen Firmen guttun, das Zusammenspiel zweier wichtiger Funktionen genauer zu überprüfen: der Werbe- und PR-Abteilungen. Beide tragen nicht nur entscheidend zum Verkaufserfolg bei, sondern sind wesentlich bestimmend bei der Entwicklung des Firmenimages.“

Was ist ein Fachartikel? Definition Fehlanzeige

Wenn Unternehmen, Trainer und Berater Fachartikel verfassen, ganz gleich ob aus der Management-, der IT- oder der Personalberatungsbranche, kommen die unterschiedlichsten Ergebnisse heraus: Der eine schreibt eine lange, nahezu wissenschaftliche Abhandlung und spickt sie mit Fachausdrücken und Fremdwörtern. Der andere versucht, die Inhalte in relativ geraffter Form unterzubringen und sich auf das Wesentliche zu beschränken. Ein Dritter wiederum hat die Angewohnheit, Geschichten zu erzählen und baut eine fiktive Handlung mit Zitaten in seinen Artikel ein. Ob das Ganze dadurch lebhafter – und damit lesbarer und letztlich überzeugender wird – sei zunächst einmal dahingestellt. Entscheidend ist die Frage, ob alle drei Versionen als Fachartikel bezeichnet werden können. Die Antwort lautet erst einmal ja, denn eine allgemeingültige Definition, was unter einem Fachartikel zu verstehen ist, gibt es nicht.

Das ist auf der einen Seite positiv zu bewerten, denn es kommt der Kreativität, die der Sprache an sich innewohnt, zugute. Sprache ist immer kreativ und wird bei jedem Artikel immer wieder neu geschaffen. Andererseits verleiten fehlende Regeln, wie sie es beispielsweise fürs Anfertigen einer wissenschaftlichen Arbeit gibt, auch dazu, dem Schreibeifer unbegrenzt freien Lauf zu lassen. Schreibungeübte schreiben einfach munter drauf los, so wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Ein Zustand übrigens, der von einigen Ratgebern im Internet doch tatsächlich als empfehlenswert gepriesen wird: „Schreiben Sie, wie Sie sprechen!“, heißt es da etwa. Doch was bedeutet das? Man stelle sich vor, ein Fachartikel bestünde zu einem großen Teil aus Umgangssprache. Dann wäre der Leser mehr mit „übersetzen“ beschäftigt, als dass ihm der Inhalt einen effektiven und nachhaltigen Nutzen verschafft.

Um an das oben Gesagte anzuknüpfen: Bei zu wenig nutzbarem Inhalt helfen auch grafische Elemente wie Tabellen oder Listen nichts. Wenn der Autor insgesamt zu unkonkret und zu oberflächlich bleibt, weil für den Leser wichtige Fragen ausgeklammert beziehungsweise nicht beantwortet werden, ist die Deklarierung als Fachartikel im Ganzen in Gefahr. Trotzdem passiert es immer wieder, dass Texte dieser Art als Fachartikel „verkauft“ – und vielleicht sogar veröffentlicht werden! Was also ist denn dann ein „richtiger“ Fachartikel, mag der Leser sich jetzt fragen.

Es gibt Praktiker, die haben sich einer Definition angenommen. Nachzulesen übrigens im Buch „Fachjournalismus – Expertenwissen professionell vermitteln“, herausgegeben vom Deutschen Fachjournalistenverband. Markus Eichelhardt von der auf Technologie spezialisierten Münchener Agentur Johnson King PR wird da zum Beispiel zitiert. Für ihn sind Fachartikel „Texte mit mehreren A4-Seiten Länge, die sich ausführlich, neutral, auf hohem fachlichen Niveau mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen und von einem Fachmann verfasst werden.“ Fachartikel befassen sich nach seiner Definition mit der Technologie und Lösung, die ein Unternehmen anbietet.

Hauptsache neutral: Leseransprache im Fachartikel

Eine etwas andere Sichtweise vertritt dort Markus Stadler von der Zürcher PR-Agentur Prime Communications, einer Fullservice-Agentur in der Schweiz: „Ein Fachartikel behandelt ein wirtschaftliches und/oder technisches Branchenthema idealerweise aus neutraler, problemorientierter Perspektive, ohne dabei ein einzelnes herstellergebundenes Produkt oder eine einzelne, an einen Hersteller gebundene Technologie zu favorisieren.“ Deshalb, so seine Definition, unterscheidet sich ein Fachartikel auch von einem Anwenderbericht wie einer Success Story oder eine Case Study in erster Linie dadurch, dass er eine Problemstellung in den Fokus rückt und eben nicht einen einzelnen Anwender. „Berichte über eigene Produkte sind untersagt“, meint denn auch Rüdi Steiner, ehemaliger Chefredakteur des Schweizerischen Medienverbundes „Cash daily“.

Damit sind schon einmal die wichtigsten Ausschlusskriterien für einen Fachartikel herausgearbeitet: Berichte über eigene Produkte oder Lösungen, Verkaufsschlager oder erfolgreiche Implementierungen beim Kunden zählen aus Gründen fehlender Neutralität in Bezug auf das eigentliche Thema nicht dazu. Bei diesen Darstellungsformen geht es einzig und allein darum, das eigene Unternehmen in den Vordergrund zu rücken und dessen Stärken hinter der Fassade eines vermeintlich objektiven Beitrags zu bewerben. Da hilft auch ein sogenanntes Goodwill-Interview nicht viel, das mit dem Geschäftsführer verabredet wird und bei dem die Fragen bewusst so formuliert sind, dass der Interviewte gar nicht anders kann, als sein Unternehmen oder seine Produkte hinter vorgehaltener Hand anzupreisen.

Ein werbefreier Fachartikel sollte also folgende Grundvoraussetzungen aufseiten des Autors erfüllen:

  • Know-how in einem bestimmten Branchen- oder Managementthema,
  • ausreichender Umfang, innerhalb dessen das zu bearbeitende Thema auch entsprechend zur Geltung kommt,
  • Problem- und lösungsorientierte Auseinandersetzung mit einem Thema sowie
  • Neutralität des Autors gegenüber der Sache.

Die Strategie dahinter: (Werbe-)Ziele von Fachartikeln

Wer sich Ziele setzt, möchte bestimmte zukünftige Zustände erreichen. Werbeziele dienen dazu, diese gewünschten Zustände innerhalb des Marketingbereichs durch geeignete Kommunikationsmittel zu erlangen. Wie verhält es sich aber mit Fachartikeln? Welche Ziele sind es wert, sich die Zeit zu nehmen und sein Know-how zu Papier zu bringen oder vielmehr in den Rechner zu hämmern? Thomas Jüttner, Verfasser der Studienarbeit „Die Einsatzmöglichkeiten des Fachartikels als Direktmarketing-Instrument“ an der ehemaligen Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven, unterscheidet primäre und sekundäre „Werbeziele“ von Fachartikeln:

Zu den primären „Werbezielen“ gehören:

  • die Gewinnung neuer Kunden;
  • die Bindung bestehender Kunden und
  • das Stärken der eigenen Marke.

Wenn Unternehmen, Trainer und Berater neue Kunden gewinnen möchten, muss ihre Leistung überzeugen. Zu Beginn jedoch steht das Wecken von Interesse beim potenziellen Kunden, was durch einen in der Öffentlichkeit gezielt lancierten Fachartikel erreicht werden kann. Hier sind wir wieder beim Fachartikel-Marketing. Kundenbindung für den Berater bedeutet indes: Bestehende Kunden in regelmäßigen Abständen mit neuen, informativen Beiträgen mit hohem und konkretem Nutzwert zu beliefern. Wenn sich der Fachartikel beispielsweise mit der Frage der effizientesten Strategieumsetzung in einer bestimmten Branche befasst, dazu mehrere Positionen gegenüberstellt und der Autor am Ende seine eigene Position – ohne zu kommentieren – überzeugend darlegt, ist das die beste Voraussetzung, als kompetenter Experte wahrgenommen zu werden. Womit gleichzeitig Ziel Nummer drei erreicht wäre.

Zu den sekundären „Werbezielen“ eines Fachartikels zählen die Informationen, die der Beitrag liefert: Der Autor stellt zum Beispiel eine Studie vor, erläutert eine Methode oder rückt falsche Eindrücke oder Sichtweisen zu einer bestimmten Thematik zurecht. Außerdem – und das ist wiederum fürs eigene Marketing wichtig – kann ein Fachartikel auch dazu dienen, beim Leser und potenziellen Kunden eine Änderung seiner Einstellung herbeizuführen. Konkret heißt das:

  • Der Experte baut mit seinen Fachartikeln eine Präferenz für seine Marke beziehungsweise sein Unternehmen auf.
  • Der Fachartikel ist derart überzeugend verfasst, dass dadurch Kunden ermutigt werden, den Dienstleister zu wechseln.

Imagebildung: Langzeitwirkung von Fachartikeln nutzen

Public Relations und Werbung stehen in ständiger Wechselwirkung zueinander. Eine schlechte, plumpe Werbung kann eine wirksame PR ebenso erschweren wie umgekehrt eine schlechte PR sich negativ auf die eigene Werbung auswirken kann. Hier kommt der Fachartikel in Spiel: Als lehrreiche Informationsquelle, die Hintergrundwissen beziehungsweise größere Zusammenhänge vermittelt – vorausgesetzt der Inhalt besitzt entsprechenden Nutzwert – lässt sich mit ihm eine höhere Glaubwürdigkeit erzielen als mit so manch teuer erkauften Werbeanzeige in Fachzeitschriften oder Zeitungen. Der Leser argwöhnt weniger und im Idealfall wird sein Wissensdurst auch befriedigt.

Ein Fachartikel eignet sich also insbesondere für eine Kontaktaufnahme zu potenziellen Kunden, ohne diese gleich auf Anhieb mit einer Verkaufsabsicht oder der Absicht eines Vertragsschlusses zu überfordern. Mit Fachartikeln initiieren Unternehmen, Trainer und Berater einen Dialog mit ihren Lesern, sie können das Tor für künftige Geschäftsabschlüsse und Beraterengagements sein. Bei einer regelmäßigen und nachhaltigen Publikation entfalten Fachartikel zudem eine Langzeitwirkung: Wenn es Unternehmen, Trainer und Berater schaffen, dass ihre Fachartikel gerne gelesen werden und sie dadurch ihren Experten-Status festigen, spricht sich das in der entsprechenden Branche über kurz oder lang herum. Der Name des Autors setzt sich in den Köpfen potenzieller Kunden fest.

Ein bekanntes, wenn vielleicht auch etwas hoch gehängtes, aber dennoch vergleichbares Beispiel, ist das der „Seite Drei“ der Süddeutschen Zeitung. Das Reportagekonzept dieser Seite ist ein entscheidender Grund für das internationale Ansehen der Publikation insgesamt. Die Autoren wurden mit zahlreichen nationalen und internationalen Journalistenpreisen ausgezeichnet. Vor allem aber verbindet der Leser mit dieser Seite eine absolute journalistische Darstellungsqualität: Wer auf „Seite Drei“ publiziert, hat es journalistisch drauf, um es einmal so dahin gesagt zu formulieren.

Gut für das Image der jeweiligen Autoren. Und gut fürs Geschäfts- beziehungsweise Firmenimage von Unternehmen, Trainern und Beratern ist es, mit qualitativ hochwertigen Fachartikeln regelmäßig in den zur Zielgruppe passenden Medien zu stehen.

Ein Zitat von Heinrich Alwin Münchmeyer, dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages und des Bundesverbandes deutscher Banken, verdeutlicht noch einmal auf humorvolle Art und Weise das Wechselspiel von Werbung und PR:

Wenn ein junger Mann ein Mädchen kennenlernt und ihr erzählt, was für ein großartiger Kerl er ist, so ist das Reklame. Wenn er ihr sagt, wie reizend sie aussieht, so ist das Werbung. Wenn sie sich aber für ihn entscheidet, weil sie von anderen gehört hat, er sei ein feiner Kerl, so sind das Public Relations."

Hinweis

Sie haben auch auf www.business-wissen.de die Möglichkeit, Gastbeiträge zu veröffentlichen. Näheres erfahren Sie in der Rubrik Gastautor werden [94] .

[Bild: Edyta Pawlowska - Fotolia.com]

Kundenorientierter Support: Vom Technikfreak zum Kundenversteher

Der Mitarbeiter im Anwender-Support hat die Aufgabe, in kürzester Zeit herauszufinden:

  • Was ist das technische Problem?
  • Welche Bedürfnisse hat der Mensch?
  • In welchem Kontext befindet sich das Problem?

Nur mit allen drei Perspektiven (Technik, Mensch und Prozess, kurz die TMP-Methode) ist es möglich, eine realistische Einschätzung der Problemsituation abzugeben und die richtigen Entscheidungen zur weiteren Vorgehensweise zu treffen. Das technische Problem ist erfasst, der Mensch (Anwender) kann auf Beziehungsebene die richtigen Signale bekommen und der Kontext hilft, die Priorität einzuschätzen. 

In Anlehnung an die Ishikawa und basierend auf der MindMapping–Methode werden die drei Perspektiven direkt visualisiert und für die schnelle und richtige Vorgehensweise analysiert. Dies kann einfach auf einem Notizzettel für sich selbst oder direkt im Ticketsystem strukturiert erfasst werden.

Die Technik

  • vereint Ishikawa und MindMap–Technik,
  • beleuchtet die drei wesentlichen Perspektiven für den IT Support,
  • visualisiert Problemfelder: Technik, Mensch und Prozess und
  • hilft die Priorität entscheidend für den Kunden zu setzen.

Guter Service „menschelt“ also. Und dies lässt sich lernen. Techniker müssen verstehen, dass sie nicht mehr nur technikversierte Eigenbrötler sein können, um guten Service zu liefern. Lösungsorientiertes Arbeiten bedingt vor allen Dingen, sich mit dem Anwender und seiner Situation auseinanderzusetzen.

Ein klassisches Kommunikationstraining bringt den Technikern und IT'lern allerdings wenig, da bei ihnen eine Besonderheit besteht: Sie müssen erst lernen, ihre Fachsprache an die Sprache des Kunden anzupassen und dessen aktuelle Bedürfnisse zu analysieren. Dies ist in Seminaren mit einem hohen aktiven Anteil besonders effektiv und nachhaltig möglich. Außerdem ist es wichtig, dass das theoretisch Gelernte in individuellen Arbeitssituationen eingeübt werden kann.

Die menschliche Seite des Anwenders wahrnehmen

Insbesondere wenn er mit technischen Detailfragen konfrontiert wird, fühlt sich der Anwender schnell überfordert und wenig verstanden. Der Techniker braucht ein gutes Fingerspitzengefühl für ein kundenorientiertes Gespräch. Fachkompetenz allein hilft nicht, um dem Anwender das Gefühl zu geben, ihn zu verstehen, Sicherheit auszustrahlen und seine Sprache zu sprechen.

Oft eskalieren Telefonate, weil sich die Anwender missverstanden, bevormundet oder unfreundlich behandelt fühlen. Selten liegt es an der fehlenden technischen Kompetenz aufseiten der Mitarbeiter. Die menschliche Komponente wird vernachlässigt – die Kommunikation reduziert sich auf den Austausch von Fakten. Mit folgenden recht einfachen Mitteln jedoch kann auf der Beziehungsebene kommuniziert werden:

  • Fragen stellen - Stellen Sie dem Kunden zu Gesprächsbeginn offene Fragen (W-Fragen), um in seiner Sprache die Sachlage geschildert zu bekommen. Dabei hören Sie nicht nur, was inhaltlich sein Problem ist, sondern auch in welcher Stimmung er ist und welches fachliche Niveau er hat.
  • Aktives Zuhören - Lassen Sie den Kunden erzählen und geben Hörersignale "aha" oder "ich verstehe".
  • Wertschätzung - Vermeiden Sie störende Hintergrundgeräusche wie Radio, Kollegenstimmen, Kaffee trinken. Erklären Sie Geräusche wie Tastatur-Klappern "ich schau gerade nach..." oder "ich erfasse das..."
  • Zusammenfassen - Fassen Sie anschließend noch einmal mit eigenen Worten zusammen, was Sie verstanden haben bzw. geben Sie dem Kunden einen Überblick, wie es weiter geht.
  • Zeigen Sie Verständnis - Die menschliche Seite des Anwenders ist immer auch ein Teil der Problemlösung. Wenn der Anwender sich gut fühlt, ist er viel eher bereit mitzuarbeiten bzw. auch Kompromisse einzugehen.
  • Lächeln Sie - Bleiben Sie locker, versuchen Sie zu lächeln, das bringt eine wohlige Atmosphäre in das Gespräch.

[Bild: Iosif Szasz-Fabian - Fotolia.com]

Kundenanalyse: Wie Sie Ihre Kunden richtig analysieren

Um die Kunden zu analysieren gibt es Fragen, die Sie sich stellen und dementsprechend beantworten sollten:

  • Wer sind Ihre derzeitigen Kunden?
  • Wer Ihre zukünftigen?
  • Wie sieht die genaue Kundenstruktur aus?
  • Welche Problemlösungen bieten Sie an?
  • Was brauchen Ihre Kunden?
  • Was erwarten Ihre Kunden von Ihnen?
  • Wie viel ist jeder Kunde bzw. Kundengruppe wert?

Elemente der Kundenstrukturanalyse

Die typischen Elemente zur Bestimmung der Kundenstruktur sind geografische, demografische, soziografische und psychografische Merkmale. Zusätzlich sollte auch das Kundenverhalten, also das Informationsverhalten, Kaufverhalten und Verwendungsverhalten betrachtet werden.

  • Geografische Kriterien: Staats- u. Stadtgebiete, Wohngegenden, Klima, Religion, etc.
  • Demografische Kriterien: Alter, Geschlecht, Familienstand, Kinderzahl, Haushaltsgröße, etc.
  • Soziografische Kriterien: Einkommen, Kaufkraft, Bildungsstand, Berufstätigkeit, Besitzmerkmale, etc.
  • Psychografische Kriterien: Motive, Einstellungen, Nutzenerwartung, Persönlichkeitsmerkmale, Präferenzen, etc.
  • Informationsverhalten: Kommunikationsverhalten, Mediennutzung, etc.
  • Kaufverhalten: Markenwahl, Markentreue, Preisbewusstsein, Einkaufsladenwahl, Verpackungspräferenzen, Wert des durchschnittlichen Einkaufs, Frequenz neuer Einkäufe, etc.
  • Verwendungsverhalten: Intensivität, Art, Umfeld, Weiterempfehlungsverhalten, etc.

Mithilfe dieser Kriterien können Sie ziemlich genau die Struktur Ihrer typischen Kunden ermitteln. Vorsicht: Vergessen Sie nicht – neben Ihren typischen Kunden – auch einen Vergleich zu Ihren Top-Kunden herzustellen, da diese für einen Großteil Ihres Umsatzes verantwortlich sind und unter Umständen erheblich vom typischen Kunden abweichen können.

Wie tickt Ihr Kunde?

Nachdem Sie nun wissen, wie Ihre Kunden von „außen“ einzuordnen sind, fehlt noch die Antwort auf die wichtige Frage, wie Ihr Kunde „tickt“; also die Bedürfnisse und Erwartungen, die der Kunde an Sie und Ihr Unternehmen stellt. Grundsätzlich sind Kundenbedürfnisse Wünsche, persönlich wahrgenommene Mangelerscheinungen oder Probleme, die Ihre Kunden befriedigen beziehungsweise lösen möchten.

Die Erwartungshaltung des Kunden ist geprägt durch individuelle Vorstellungen und Präferenzen, die sich auf konkrete Leistungen beziehungsweise Produkte beziehen. Zu beachten ist, dass der Bedarf und die Erwartungshaltung nicht konstant bleiben, sondern vielmehr einer ständigen Veränderung unterliegen. So waren Kundenerwartungen, die beispielsweise an Supermärkte bezüglich deren Öffnungszeiten gestellt wurden, früher anders als sie es heute sind. Früher war es genug, wenn ein Supermarkt wochentags von 8-18 Uhr geöffnet hatte. Heute muss er schon mindestens von 8-20 Uhr geöffnet sein und morgen eventuell 24 Stunden, 7 Tage die Woche?

Wenn die Erwartungen der verschiedenen Kundenbedürfnisse voneinander abweichen, ist zu beachten, dass man zwischen den unterschiedlichen Kundengruppen differenziert. So ist es beispielsweise vorstellbar, dass Ihre Topkunden absolut zufrieden sind mit Ihren Öffnungszeiten, während gerade Kundengruppen, die wenig Umsatz bringen, eher für verlängerte Öffnungszeiten plädieren.  Dies bringt uns zum nächsten wichtigen Punkt der Kundenanalyse: dem tatsächlichen Wert der Kunden für Ihr Unternehmen!

Der Wert eines Kunden

Die Analyse des Kundenwerts beschäftigt sich mit der Frage, wie viel ein einzelner Kunde beziehungsweise eine Kundengruppe wirklich zum wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens beiträgt. Die Bestimmung des Kundenwerts ist in Konzepten des Key-Account-Managements schon lange bekannt und die „wertvollsten“ Kunden bekommen demnach eine individuelle Betreuung. Allerdings muss der Kundenwert differenziert betrachtet werden. Es gibt die rein monetäre Kundenrentabilität und den Informations- und Referenzwert eines Kunden.  Während der monetäre Wert an Umsatz bzw. Deckungsbeitrag je Kunde festgemacht wird, ist der Informationswert an allen für das Unternehmen verwertbaren Informationen, die durch den Kunden zufließen, festgemacht. Dies sind beispielsweise Beschwerden, die Anlass zur Leistungsoptimierung geben oder insgesamt zur Verbesserung des Unternehmens beitragen.

Werkzeuge zur Kundenwertbestimmung

Hilfreiche Werkzeuge zur Kundenwertbestimmung sind

  • die ABC-Analyse [95] ,
  • Kundendeckungsbeitragsrechnung,
  • Kundenpotenzialanalyse,
  • Kundenportfolioanalyse oder
  • die Customer-Lifetime-Value Analyse.

Wichtig zu beachten bei all diesen Werkzeugen ist, dass der Ertragswert eines Kunden auch von dessen Zahlungsverhalten abhängt. Es sollte daher immer ermittelt werden, ob der Kunde auch regelmäßig die vereinbarten Zahlungsbedingungen einhält.

Fazit

Mit einer sorgfältigen Kundenanalyse gewinnen Sie viele wertvolle Informationen über den Handlungsbedarf Ihres Unternehmens hinsichtlich Ihrer Kundenstruktur, Kundenverhalten, Informationsverhalten, Kaufverhalten, Verwendungsverhalten, Kundenbedürfnissen, Kundenerwartungen und dem tatsächlichen Wert Ihrer Kunden.

Hinweis

Eine ausführliche Anleitung zur Kundenanalyse finden Sie in unserem Management-Handbuch:

Kundenanalyse: Wer ist der Kunde und was will er? [96]

[Bild: vege - Fotolia.com]

Werbeexpertin Dr. Doris Doppler im Interview

Frau Dr. Doppler, wenn Sie 10 Jahre zurückblicken: Welche Entwicklungen waren in Ihrem Fachbereich wichtig?

Die Unternehmen erkennen, dass sie immer mehr umdenken müssen: weg von leeren Werbefloskeln hin zu nützlichen Inhalten für ihre Kunden. Content-Marketing wird immer wichtiger – die Kunden suchen vermehrt nach Wissen, nach persönlichem Mehrwert und fühlen sich von hohlem Marketing-Deutsch abgestoßen. Hier sind wir Werbetexter mehr als früher gefordert, informative und zugleich unterhaltsame Inhalte zu formulieren.

Dazu kommen rechtliche Änderungen wie etwa im Bundesdatenschutzgesetz, das unter anderem das Versenden von Werbebriefen neu regelt. Der direkte Weg zum Kunden wird dadurch – wie schon zuvor beim E-Mail-Marketing – wieder ein Stück umständlicher.

Welche Themen wurden in der Vergangenheit und aktuell Ihrer Meinung nach überschätzt?

Momentan ist ja jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, im Bereich Social Media vertreten – von Twitter über Facebook bis hin zum Corporate Blog. So werbewirksam das Verbreiten von nützlichen Inhalten über verschiedenste Wege ist, so wenig wird oft hinterfragt, ob man mit diesen Medien überhaupt die Zielgruppe erreicht. Ich denke da zum Beispiel an Senioren, die das Internet höchstens zum Mailen nutzen und von Anwendungen wie Facebook in vielen Fällen überfordert sind.

Außerdem wird der Arbeitsaufwand unterschätzt, der mit dem „Füttern“ all dieser Kanäle verbunden ist – denn die Arbeit besteht ja nicht nur in der Verbreitung der Inhalte, sondern beginnt lange vorher mit der Ideenfindung, der Recherche und dem Texten.

Welche Themen wurden/werden unterschätzt?

Nach wie vor wird ein zentraler Marketing-Grundsatz zu wenig beachtet: Der Kunde kauft nicht das Produkt, sondern den Nutzen, den es ihm bringt – ob das jetzt Zeitersparnis, Prestige oder Gesundheit ist. Auf diese Nutzenebene wird noch immer viel zu wenig eingegangen – es dominiert die „Wir“-Perspektive der Unternehmen. Hier ist konsequentes Umdenken gefragt – auch und gerade vonseiten der Werbetexter.

Welche Rolle spielt business-wissen.de für Sie als Gastautorin?

Für mich ist das Veröffentlichen von Gastartikeln eine sehr nachhaltige Form der Öffentlichkeitsarbeit. Es ergeben sich konkrete Aufträge, aber auch interessante Kontakte zu anderen Werbefachleuten, Bloggern etc., die meine Artikel aufgreifen und weiter verbreiten. Viele Leute suchen auch im Archiv nach bestimmten Themen und gelangen so auf meine Webseite. Hier erweist sich der Umstand, dass im Internet nichts verloren geht, als sehr förderlich für langfristige PR-Maßnahmen.

Welche Trends sehen Sie in Zukunft in Ihrem Fachbereich?

Der Kunde wird immer mündiger, er bildet sich seine eigene Meinung. Er achtet vermehrt auf den Nutzen, den ihm ein Produkt oder eine Dienstleistung bringt, und lässt sich nicht mehr durch vollmundige Werbesprache blenden. Deshalb muss die Werbung und insbesondere der Werbetext den Konsumenten ernster nehmen und maßgeschneiderte Nutzenversprechen abgeben.

Auf welches Thema von Ihnen können sich die Leser freuen?

Ich werde weiterhin nützliche Artikel rund ums Werbetexten veröffentlichen – die Palette reicht dabei von der Beseitigung von Schreibblockaden über die richtige Nutzenargumentation bis hin zu Tipps für wirksame Headlines.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Doppler!

Hinweis

Von der Autorin sind folgende eBooks im business-wissen-Shop erhältlich:

  • Starke Broschüren [97]
  • Starke Flyer [98]
  • Starke Mailings [99]
  • Starke Webtexte [100]

Marketing-Expertin Anne M. Schüller im Interview

Frau Schüller, wenn Sie 10 Jahre zurückblicken: Welche Entwicklungen waren in Ihrem Fachbereich wichtig?

Die wohl wichtigste Entwicklung ist das Entstehen der Web-2.0-Welt mit ihren dialogischen Mitmachmöglichkeiten in Social Networks und Communities, in Foren und Blogs, auf YouTube & Co. Hierdurch haben sich die Kunden von passiven Befehlsempfänger-Konsumenten („Kaufen! Sie! Jetzt!“) zu aktiven Marktgestaltern und Kaufverhaltensbeeinflussern gewandelt. Gute wie auch schlechte Taten können innerhalb kürzester Zeit weltweit bekannt gemacht und diskutiert werden. Das bedeutet: Nicht länger die Unternehmen, sondern deren Kunden bestimmen inzwischen die Spielregeln, nach denen 'verkaufen' gespielt wird. Die Kunden geben nun die Marschrichtung vor. Die Unternehmen wurden vom Jäger zum Gejagten. Der Kunde ist der wahre Boss.

Welche Themen wurden in der Vergangenheit und aktuell Ihrer Meinung nach überschätzt?

Ich denke, wir haben alle gesehen, was passiert, wenn der schnelle Dollar mehr wert ist als der treue Kunde. Die Kurzzeitdenke des „alten“ Marketings und alle selbstzentrierten Management-Moden können nun getrost eingemottet werden – ebenso wie die damit verbundene arrogante Sicht der Unternehmen auf die Kunden. Doch leider: Man kann nur mit den Waffen kämpfen, die man kennt. Oder, wie es die Autorin Gertrud Höhler sagt: „Männer wollen Schlachten wiederholen, in denen sie siegreich waren.“ Und so ist Rückfall vorprogrammiert. Nach wie vor werden Kundeninteressen auf dem Altar kurzatmiger Gewinne gnadenlos geopfert. Und auch die Medien sind von solchem Denken nicht verschont, sie schreien nach 100-Tage-Ergebnissen – immer noch!

Welche Themen wurden/werden unterschätzt?

Unternehmen haben es heute mit einem neuen Phänomen zu tun: dem flüchtenden Kunden. Und das hat nicht nur äußere Ursachen, sondern ist im Wesentlichen hausgemacht. Denn bislang zieht sich die Vernachlässigung der Bestandskunden als „2.-Klasse-Kunden“ und die parallel verlaufende Vernachlässigung ihrer Betreuer als „2.-Klasse-Verkaufsmitarbeiter“ wie ein roter Faden durch die Managementdenke der letzten Jahrzehnte. Obwohl die meisten Märkte rückläufig sind, steht das Kundenjagen höher im Kurs. Doch das größte Vermögen, das ein Unternehmen besitzt, ist die Loyalität seiner Kunden. Hohe Kundenloyalität und niedrige Abwanderungsraten sichern den dauerhaften Geschäftserfolg. So heißt die wohl größte unternehmerische Herausforderung der nahen Zukunft: Loyalität, also die freiwillige Treue seiner Kunden, zu erreichen. Kundenbindungsinstrumente, also Fesselspiele mit Kunden, funktionieren nicht mehr.

Welche Rolle spielt business-wissen.de für Sie als Gastautorin?

Hier kann ich meine Gedanken einer hochkarätigen Leserschaft zeitnah und ausführlich vermitteln.

Welche Trends sehen Sie in Ihrem Fachbereich?

Es ist die "Net Generation", die den Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Gesellschaft vorantreibt. Sie ist dabei, das Berufsleben und die Art, wie man Geschäfte macht, neu zu definieren.

Was für Stärken hat diese „Net Generation“?

Ihre größte Stärke ist das Wissen, wie sich aus vernetzten Strukturen Vorteile schöpfen lassen. So zeigt sie den "Analog Seniors", wo es in Zukunft langgeht:

  • Kooperation statt Konfrontation;
  • Gleichrangigkeit und Selbstorganisation;
  • Dialog und Interaktion;
  • Teilen und Partizipation;
  • Transparenz und Wahrhaftigkeit;
  • Kreativität und Schnelligkeit sowie
  • Beiträge leisten und helfen wollen.

Gut, wenn die Unternehmen und ihre Manager darauf vorbereitet sind.

Auf welches Thema von Ihnen können sich die Leser freuen?

Gerade ist mein neues Buch „Kunden auf der Flucht? Wie Sie loyale Kunden gewinnen und halten“ erschienen. Deshalb werden die vielfältigen Facetten des Loyalitätsmarketings meine publizistische Arbeit in diesem Jahr bestimmen.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Schüller!

PR-Experte Bernhard Kuntz im Interview

Herr Kuntz, wenn Sie 10 Jahre zurückblicken: Welche Entwicklungen waren in Ihrem Fachbereich wichtig?

Am Bedeutendsten war mit Sicherheit der Siegeszug des Internet. Heute ist aus meiner Warte die Online-Präsenz mit Expertenbeiträgen in gewissen Bereichen mindestens ebenso wichtig wie die Präsenz in den Printmedien – auch wenn das die meisten unserer Kunden noch anders sehen.

Welche Themen wurden in der Vergangenheit und aktuell Ihrer Meinung nach unter-/überschätzt?

Unterschätzt wird auch heute noch, wie wichtig das „handwerkliche Können“ im PR-Bereich ist. Nicht jeder der schon einmal einen Liebesbrief oder Einkaufszettel geschrieben hat, kann auch journalistisch beziehungsweise „Mit Worten (ver-)führend“ schreiben.

Überschätzt wird für den Business-Bereich die Bedeutung von Twitter und solcher Communities wie Xing. Hier glauben Manche ein neues Zaubermittel entdeckt zu haben, das ihnen automatisch neue Aufträge zuführt. Reale Kontakte sind um einiges mehr Wert als virtuelle.

Welche Rolle spielt business-wissen.de für Sie als Gastautor?

Dieses Portal ist für mich unter anderem aufgrund seines Page Ranks eine wichtige Plattform, um potenziellen Kunden zu signalisieren „Hallo, mich gibt es“ und „Ich bin auf das Themenfeld Beratung und Unterstützung von Bildungs- und Beratungsanbietern in Marketing- und PR-Angelegenheit spezialisiert“.

Welche Herausforderungen sehen Sie in Zukunft in Ihrem Fachbereich?

Sich noch intensiver mit dem Thema Online-Marketing und der dahinter steckenden Technik (Suchmaschinenoptimierung) zu befassen – auch wenn mir dies als „Schreiberling“ eigentlich widerstrebt.

Auf welches Thema von Ihnen können sich die Leser freuen?

Gewiss noch einige Artikel zu den Themen „Von nichts kommt nichts – Zaubermittel gibt es im Marketing und Vertrieb nicht.“ Wichtig ist vielmehr eine systematische Markt-Bearbeitung.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kuntz!

Werbemedium: Online-Werbung auf dem Vormarsch

Prognosen gehen von einem weiteren starken Wachstum der Werbung im Internet aus: In den kommenden Jahren soll die Online-Werbung in Deutschland sogar zum zweitgrößten Werbemedium aufsteigen. Grund genug für Unternehmen, um über ein verstärktes werbliches Engagement im Online-Bereich nachzudenken meint Online-Experte Mathias Leven dazu.

Online-Werbemarkt im Trend

Der Werbemarkt in Deutschland ist deutlich in Bewegung: Das Internet und die damit verbundene Online-Werbung haben erheblich an Bedeutung hinzugewonnen. Nach einer Erhebung des Online-Vermarkterkreises (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft e. V. ist Online-Werbung im Jahr 2009 um 12 Prozent gewachsen und so zum drittstärksten Werbemedium aufgerückt. Der Gesamtanteil der Online-Werbung an der Werbung betrug im Jahr 2009 16,5 Prozent. Nur die Anzeigenwebung in den Printmedien und die TV-Werbung verfügen noch über ein größeres Werbevolumen. Innerhalb des Bereichs Online-Werbung nahm die „klassische Online-Werbung“ mit 2,17 Milliarden Euro Werbeinvestitionen im Jahr 2009 die Führung ein, gefolgt vom Suchwortmarketing mit 1,62 Milliarden Euro. Nach einer Einschätzung des Online-Vermarkterkreises wird der Trend zum Wachstum im Online-Werbemarkt künftig weiter anhalten: Für 2010 wird ein Wachstum von 14 Prozent prognostiziert. Der Online-Vermarkterkreis geht davon aus, dass Online-Werbung in den nächsten Jahren auf den zweiten Platz der Werbemedien in Deutschland aufrücken wird.

Große Chancen der Kundengewinnung

Aufgrund der rapide steigenden Bedeutung der Online-Werbung sieht Mathias Leven, Mitgeschäftsführer der AdWords Agentur Mertes & Leven Profit Elements [101] , in der werblichen Nutzung des Internets große Chancen für Unternehmen, Kunden kostengünstig und effektiv zu binden und darüber hinaus Neukunden zu gewinnen. Leven erläutert die Möglichkeiten der Werbung im Internet folgendermaßen:

„Das Internet ermöglicht es Unternehmen zielgenau und nahezu ohne Streuverluste ihre Zielgruppen zu erreichen, und das zu Kosten, die weit unter denen der TV- oder Anzeigenwerbung liegen.“

Suchmaschinenoptimierung ist unverzichtbar

Leven empfiehlt daher insbesondere den Einsatz von Techniken zur Suchmaschinenoptimierung, um eine bessere Platzierung der unternehmenseigenen Website bei den Suchergebnissen von Google zu erreichen: SEO, also Suchmaschinenoptimierung, ist für Unternehmer nahezu unverzichtbar, da Unternehmen, die im Internet nicht sofort und ohne Aufwand gefunden werden, künftig immer weniger Chancen bei ihren Kunden haben werden. Leven betont, dass neben der klassischen Suchmaschinenoptimierung vor allem das Suchmaschinenmarketing mit Google Adwords Erfolg versprechende Perspektiven für werbende Unternehmen bietet. Bei Google Adwords handelt es sich um die Schaltung von Anzeigen auf der Suchmaschine Google. Das Besondere an Google Adwords besteht nach Leven darin, dass Werbetreibende bei dieser Form der Werbung nur dann zahlen müssen, wenn ihre Anzeigen von den Kunden auch wirklich angeklickt werden.

[Gerson Weber; Quelle: OVK; Bild: Fotolia.com ]

Markenranking: Google, Samsung, Lego und Henkel auf den ersten Plätzen

In der Kategorie Beste Unternehmensmarke gewinnt Vorjahressieger Google vor den Automobilbauern Audi (Platz 2) und Volkswagen (Platz 3). Damit sichert sich der Suchmaschinenriese und Internetdienstleister zum dritten Mal den ersten Platz in dieser best brands-Kategorie (2006, 2009, 2010). Dazu Philipp Schindler, Vice President Google Nord- und Zentraleuropa:

"Dass wir zum zweiten Mal hintereinander durch das Votum der Nutzer als beliebteste Unternehmensmarke gesehen werden, unterstreicht unseren konsequenten Fokus auf die Bedürfnisse der Anwender. Wir freuen uns daher sehr über diese best brands-Auszeichnung. Wir werden auch künftig unsere Marke und Innovationen sowie unser Handeln an dem ausrichten, was essentiell für uns ist – das Vertrauen der Nutzer in Google und ihre Begeisterung für unsere Produkte."

Lego ist Beste Produktmarke

Die Marke Lego hat es in der Kategorie Beste Produktmarke in diesem Jahr aufs Siegertreppchen geschafft. Damit verweist das Unternehmen den Vorjahressieger Miele auf Platz 2 vor der Marke Nivea, die den dritten Platz belegt. Bereits zum siebten Mal in Folge wurde der Spielwarenhersteller unter die Top Ten des deutschen Markenrankings gewählt.

"Besonders stolz macht es uns, dass das Ergebnis nicht durch eine Jury, sondern durch Marktforschungsstudien der GfK ermittelt wurde",

kommentiert Dirk Engehausen, Geschäftsführer Lego Central Europe, das sehr gute Abschneiden und ergänzt:

"Es ist also ein Publikumspreis, der deutlich die Beliebtheit unserer Marke bei Familien und Kindern aufzeigt. Wir sind eine der wenigen Marken, die es geschafft haben, sieben Jahre in Folge nominiert zu sein – für dieses Vertrauen von Kindern und Erwachsenen möchten wir uns herzlich bedanken."

Samsung schafft es auf den ersten Platz in der Kategorie Beste Wachstumsmarke

Große Bewegung kam in das Ranking Beste Wachstumsmarke: Einzig der Consumer-Electronic-Konzern Samsung konnte sich gegenüber dem Vorjahr in dieser Kategorie halten und zudem von Platz 2 auf Platz 1 vorrücken. Die Plätze 2 bis 9 gehen an Marken, die noch nie im Ranking vertreten waren. Acer und Punica schafften es auf die Plätze 2 und 3. Den Erfolg für Samsung bewertet Hans Wienands, Business Director CE Samsung Electronics:

"Die Auszeichnung spiegelt das Vertrauen der Verbraucher in Samsung wider – darauf sind wir sehr stolz. Wir haben im vergangenen Jahr mit einer hervorragenden Produktstrategie aktuelle Konsumententrends bedient. Uns ist es in Deutschland gelungen, die Markenattraktivität mit holistischen Marketingkampagnen noch zu steigern – und so von dem zweiten auf den ersten Platz vorzurücken."

Beste Nachhaltigkeitsmarke bei Entscheidern ist Henkel

Die diesjährige Sonderkategorie Beste Nachhaltigkeitsmarke bei Entscheidern führt der Markenartikelhersteller Henkel an. Das Düsseldorfer Unternehmen konnte sich gegenüber dem Industriegasproduzenten Linde (Platz 2) und dem bayerischen Automobilbauer BMW (Platz 3) durchsetzen und sich die Top-Position sichern. Dazu Kasper Rorsted, Vorsitzender des Vorstands von Henkel:

"Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und die Anerkennung unserer Nachhaltigkeitsstrategie durch die befragten Entscheider. Die Notwendigkeit, nachhaltig zu wirtschaften wird noch weiter zunehmen. Eine unserer zentralen Aufgaben ist es daher, zu einem nachhaltigeren Konsum beizutragen. Unser Ziel ist es, Henkel als führenden Nachhaltigkeitspartner für unsere industriellen Kunden, für Handel und Konsumenten zu positionieren."

Die Top Ten im Überblick

Informationen zum Markenranking

Das deutsche Markenranking "best brands" wurde im Jahr 2004 von der Serviceplan Gruppe, der GfK Gruppe, der ProSiebenSat.1 Group, der WirtschaftsWoche, dem Markenverband und der iq media marketing ins Leben gerufen. Ziel der Preisverleihung ist es, erfolgreiche Markenführung in Deutschland zu fördern.

[po; Quelle und Bilder: bestbrands.de]

TV-Werbung: Suchmaschinenmarketing steigert Werbewirkung von TV-Spots

Die Studie zeigt unter anderem, dass Suchmaschinenmarkting (SEM) parallel zum TV-Spot:

  • die ungestützte Markenbekanntheit um 42 Prozent erhöht,
  • das Image um 28 Prozent erhöht,
  • die Werbewirkung hinsichtlich Relevanz und Weiterempfehlung um 44 Prozent verbessert,
  • die Kontaktdauer mit der Marke um knapp 50 Prozent erhöht und
  • die Klickrate auf Suchwortanzeigen nahezu verdoppelt.

Steigerung der Markenbekanntheit und des Image

Laut Arndt Groth, BVDW-Präsident, sei Suchmaschinenmarketing ein wichtiger Bestandteilim Marketingmix, an dem fast kein Unternehmen vorbei käme. Er sagt weiter:

"Die BVDW-Studie 'TV-Werbung: Niemals ohne Suche' belegt eindrucksvoll wie wichtig die Kombination von TV-Werbung und SEM-Aktivitäten ist. Galt Suchwortwerbung und Suchmaschinenoptimierung lange als Maßnahme für den reinen Abverkauf, so ist deutlich zu erkennen, welch hohen Stellenwert diese Performance-Tools auch bei der Steigerung der Markenbekanntheit und des Markenimages haben."

Umfassende Planung der Suchwörter

Die BVDW-Studie zeigt weiterhin, wie wichtig es ist, die bei der Produktrecherche verwendeten Suchwörter der Webnutzer auch zu buchen. Nicht eingebuchte Suchwörter sind für Unternehmen und Marken vergebene Chancen zur Kontaktaufnahme. Die gesamte Begriffswelt muss daher schon während der Kampagnenplanung mit einbezogen werden. Reza Malek, stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe Performance Marketing im BVDW sagt:

"Eine schon bestehende Suchwortkampagne zur Unterstützung eines neuen TV-Spots zu nutzen, verschenkt viel Potenzial. Suchwörter müssen gezielt ausgesucht und gegebenenfalls sogar noch während einer TV-SEM-Kampagne optimiert werden."

Unterlassenes SEM stärkt Wettbewerber

Ein weiteres Ergebnis der BVDW-Studie: Kommt parallel zum TV-Spot kein Suchmaschinenmarketing zum Einsatz, kann dies sogar zu einer Abschwächung der Werbewirkung sowie einer Stärkung der Wettbewerber führen, wenn diese gezieltes Suchmaschinenmarketing betreiben. Philipp von Stülpnagel, Unitleiter SEM im BVDW ergänzt:

"TV-Werbung löst ein erhöhtes Informationsbedürfnis bei den Nutzern im Internet aus. Unterlassenes Suchmaschinenmarketing parallel zu einem TV-Spot stärkt die Wettbewerber, die relevante Suchwörter in ihre SEM-Kampagnen eingebunden haben."

Zur Studie

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. befragte für die Studie "TV-Werbung: Niemals ohne Suche" 3.000 Internetnutzer im Alter von 18 bis 49 Jahren.

[Gerson Weber; Quelle: BVDW; Bild: Spectral-Design - Fotolia.com]

Twitternde Unternehmen: Wo bleibt die Menschlichkeit?

Barack Obama hat während des Wahlkampfs zur US-Präsidentschaft intensiv mit seinen Wählern (und denen, die es werden sollten) kommuniziert. Über seinen Twitter-Account war er immer und überall für jeden erreichbar. Das hat ihn für sehr viele Menschen nahbar und sympathisch gemacht. Barack Obama ist Präsident der Vereinigten Staaten geworden. Sicher nicht nur wegen seiner Aktivitäten bei Twitter, aber auch deswegen.

Inzwischen sind etliche Unternehmen beziehungsweise Menschen aus diesen Unternehmen dieser Idee gefolgt und twittern mit ihren Kunden. Sobald ein Unternehmen (im wahrsten Sinne) menschlich wird, ist es nahbar, ansprechbar und transparent. Natürlich nur dann, wenn auch ein Nutzen für seine Follower entsteht.

Der amerikanische Computerhersteller Dell war einer der Pioniere in diesem Bereich. Seit 2008 ist Dell mit mehreren Accounts bei Twitter aktiv. Neben Beratung und Support steht natürlich auch der Vertrieb seiner Produkte auf dem Plan. Wenn allerdings auch indirekt. Weit über eine halbe Million Follower hat Dell bei Twitter. Über die Twitter-Accounts kommen diese Menschen auf die Unternehmenswebsite und kaufen Dell-Produkte. Innerhalb eines Jahres konnte Dell so einen Umsatz von über drei Millionen Dollar generieren.

Sind Sie immer noch der Meinung, dass Twitter Kinderkram ist?

Der US-Kabelnetzbetreiber Comcast betreibt über Twitter einen erheblichen Teil seines Kundendienstes. Kunden wenden sich bei Problemen über Twitter direkt an einen Mitarbeiter, der unmittelbar darauf reagiert, hilft oder sofort einen Servicetechniker losschickt.

Natürlich hat die schnelle Kommunikation über Twitter nicht nur positive Seiten für Unternehmen. Gerade Comcast musste das schmerzhaft erfahren, als einer jener Servicetechniker vom Kunden dabei ertappt wurde, dass er auf dem Sofa des Kunden ein Schläfchen hielt, statt den Internetanschluss in Ordnung zu bringen. Comcast musste mit ansehen, wie sich die (mit einem Handy-Video belegte) Nachricht in Windeseile über Twitter weltweit verbreitete.

Ob Ihr Unternehmen nun in einem solchen Sozialen Netzwerk wie Twitter aktiv ist oder nicht – es wird über Sie gesprochen. Mit Ihnen oder ohne Sie. Das Beste, was Sie zunächst tun können, ist wenigstens dabei zu sein, ansprechbar zu sein und sich an einer Diskussion zu beteiligen. Je direkter und persönlicher Sie in die Kommunikation eingebunden sind, umso positiver wird der Effekt für Sie und Ihr Unternehmen sein.

Auch in Deutschland erkennen Unternehmen zunehmend die Notwendigkeit und den Nutzen von Twitter. Allerdings müssen viele Unternehmen (und auch deren Agenturen) erst lernen, mit diesem Medium richtig umzugehen. „Hau-drauf“-Werbung wird in Sozialen Netzwerken sehr schnell als solche enttarnt und führt eher zu gegenteiligen Effekten für das Unternehmen.

Firmen wie Lufthansa, Vodafone, Volkswagen oder Daimler, aber auch politische Parteien und Wahlkampf-Kandidaten sind dabei, Twitter in ihre Marketing-Strategien einzubinden und als Marketingkanal zu nutzen.

Wenn Sie wollen, dass Twitter auch für Sie „funktioniert“, müssen Sie sich als „Ich-Sender“ allerdings engagieren. Kontinuierlich und persönlich. Sie müssen eine regelrechte Beziehung zu Ihren Followern aufbauen. Sie sollten erst zuhören und dann mitmachen. Geben Sie ihnen das authentische Gefühl, am Prozess beteiligt zu sein, sich einbringen zu können. Das dauert seine Zeit, kostet viel Mühe und manchmal auch Nerven. Wenn Sie es richtig machen, kommt früher oder später aber der ROE, der Return on Engagement!

Die Freiheit des Mediums wird andererseits deutlich, wenn Menschen selbiger beraubt werden. Nach der Präsidentenwahl im Iran 2009 beispielsweise wurden viele Kommunikationskanäle im Land gekappt und Journalisten erhielten zeitweilig ein Verbot, aus dem Land von den entstehenden Unruhen zu berichten. Das hinderte viele Bürger nicht daran, über ihr Mobiltelefon aktuelle Meldungen und Zustandsberichte zu twittern, sodass die Weltöffentlichkeit über diese „Ich-Sender“ trotz Nachrichtensperre mit authentischen Informationen versorgt werden konnte.

Damit Ihr Twitter-Account über die Twitter-Community hinaus bekannt wird, sollten Sie jede nur denkbare Möglichkeit nutzen, ihn zu bewerben. Der Getränkehersteller Pepsi hat dazu seine eigene Strategie: Immerhin sind rund 7.000 Follower dabei.

Also los, fügen Sie Ihre Twitter-URL überall ein:

  • in Ihre E-Mail-Signatur,
  • auf Visitenkarten (auf Ihre persönlichen Karten oder eigene Twitter-Karten) und Briefpapier drucken,
  • in Ihre Werbung integrieren,
  • und kleben kleine Aufkleber damit auf Ihre Briefumschläge und
  • setzen Sie den blauen Vogel auf Ihre letzte PowerPoint-Folie.

Jetzt! Nun sind Sie zumindest ein wenig mit Twitter und seiner Funktionsweise vertraut.

Das Erste zuerst

Das Erste, was Sie sich merken sollten, ist die Tatsache, dass Twitter der Beginn einer langen und möglicherweise intensiven Kommunikation mit Ihren Kunden und Ihrer Zielgruppe ist.

Natürlich ist es ein schnelles und flüchtiges Kommunikationsmedium; die Kommunikation, die Sie damit aufbauen und pflegen, wird aber wesentlich nachhaltiger und langlebiger sein. Twitter bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, Ihre persönliche Botschaft und die Ihres Unternehmens zu transportieren. Sie sollten die Vorteile, die sich daraus für Sie ergeben, allerdings immer in einer langfristigen Beziehung sehen. Es dauert eine Weile, dafür hält es auch. Wie im „richtigen Leben“…

Es liegt mir wirklich am Herzen, dass Sie es richtig angehen. Nicht zuletzt deswegen, weil Sie im Internet nichts ungeschehen machen können, wovon Sie sich später vielleicht distanzieren wollen. Steigen Sie also auf keinen Fall mit der Brechstange in diesen Kommunikationsprozess ein, sondern dafür mit einem sinnvollen Maß an Fingerspitzengefühl für den Aufbau und den Sinn einer solchen Beziehung.

Wenn Sie bereit sind, Zeit in die Konversation mit Ihren „Followern“ zu investieren, werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit mit positiven Auswirkungen auf Ihr Business und Ihren Umsatz belohnt werden.

Falls Sie jedoch hauptsächlich über sich und Ihr Unternehmen oder Ihre Marke twittern wollen, befürchte ich, dass die Wirkung größtenteils verpuffen wird. Denken Sie mal über Folgendes nach:

Der nervige Nachbar

Sie haben doch bestimmt einen Nachbarn. Einen, den Sie ab und zu am Hausbriefkasten treffen oder über den Zaun sehen, wenn Sie morgens in Ihr Auto steigen. Jetzt stellen Sie sich mal vor, wie ätzend es wäre, wenn dieser Kerl jedes Mal, wenn Sie ihn treffen, ankommen würde und versucht, Ihnen eine seiner tollen Versicherungen zu verkaufen.

Es scheint sein Lebensziel zu sein ständig will er Ihnen seine Versicherungen andrehen und kann über nichts anderes reden. Dazu kommt auch noch, dass er nicht der Typ ist, der auch nur die geringste Chance ungenutzt lässt, einen Abschluss zu machen. Sie kommen überhaupt nicht zu Wort und Sie haben ihn auch nie ein einziges Wort über etwas anderes als Versicherungen reden hören.

Wie lange dauert es wohl, bis Sie irgendwie vermeiden, Ihrem Nachbarn über den Weg zu laufen?

Wahrscheinlich nicht sehr lange und Sie beginnen, ihn zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Und nicht nur das; höchstwahrscheinlich werden Sie auch Ihre anderen Nachbarn davor warnen und Ihnen empfehlen, sich von diesem Typen fernzuhalten, der will schließlich nur Versicherungen verkaufen.

Was hat nun ein nerviger Nachbar mit Ihnen, mit Ihrem Business und mit Twitter zu tun? Tja, dieser Nachbar ist nur ein einzelner. In sozialen Netzwerken wie Twitter gibt es davon mehr als Ihnen lieb ist.

Es gibt Unmengen von Typen und Unternehmen, die glauben, das Einzige, worüber sie reden können oder sollten, seien sie selbst. Und falls sie einmal nicht versuchen, Ihnen etwas anzudrehen, erzählen sie Ihnen, wie großartig sie sind.

Ähnlich wie bei dem nervigen Nachbarn werden Sie nicht zu Wort kommen und die „Kommunikation“ mit ihnen wird ziemlich schnell ermüdend werden. Sie wollen weder im richtigen Leben dieser Nachbar sein, noch wollen Sie es bei Twitter sein, oder? Auch wenn ich kein großer Freund von Regeln im Internet im Allgemeinen und bei Twitter im Speziellen bin, kommt es dem am nächsten, was ich für eine Regel halten würde. Eine wichtige Regel: Seien Sie nicht der Typ Nachbar bei Twitter, mit dem niemand etwas zu tun haben möchte!

Nichts bremst eine Konversation schneller aus als jemand, der denkt, er sei das interessanteste Lebewesen, das man treffen kann. Ihre Kunden oder Interessenten werden nicht nur aufhören, Ihnen zuzuhören beziehungsweise Ihre Nachrichten zu lesen; sie werden sich möglicherweise von Ihrem Unternehmen und Ihren Produkten abwenden. Für immer.

Das ist wahrscheinlich nicht der Eindruck, den Sie hinterlassen möchten, oder? Es gibt eine deutlich beliebtere Art, sich bei seinen neuen Twitter-Nachbarn vorzustellen und bekannt zu machen und vor allem, mit ihnen eine angenehme und befriedigende Konversation zu führen.

Buchtipp

Wolfgang Hünnekens

Die Ich-Sender - Das Social Media-Prinzip - Twitter, Facebook & Communities erfolgreich einsetzen [102]

[Bild: Milos - Fotolia.com]

Wachstumstreiber: Kundenorientierung ist der Schlüssel zum Erfolg

Die anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen bewirken bei den europäischen Unternehmen eine verstärkte Fokussierung auf die Kundenorientierung. Davon sind laut einer Umfrage von Mercuri Urval 76 Prozent der befragten Manager überzeugt. Die Akquisition neuer Kunden wird im europäischen Durchschnitt mit 71 Prozent als wichtigster Wachstumstreiber bezeichnet, noch vor der Rentabilität (66 Prozent) und der Innovationsfrequenz (63 Prozent). Für das Jahr 2010 werden die wirtschaftlichen Aussichten allgemein optimistischer eingeschätzt.

"Unternehmen wollen besser werden"

Als positives Zeichen für wirtschaftliches Wachstum und den Fortschritt wertet Dr. Albert Nußbaum die Ergebnisse der Studie: "Die meisten Unternehmen haben aus der Krise gelernt und wollen nun besser werden in allem, was sie tun." Wichtig ist nach Ansicht des Geschäftsführers von Mercuri Urval in Deutschland dabei allerdings, dass auch die richtigen Prioritäten gesetzt werden. In allen befragten Ländern wurden in den vergangenen Monaten von den Firmen Maßnahmenpläne zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise auf den Weg gebracht. Dabei sei allerdings viel Kraft in Maßnahmen investiert worden, die von den Managern selbst nicht als entscheidend für den zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg angesehen werden, so Nußbaum. Nun setzen die Unternehmen zusehends neue Prioritäten um Wachstum anzukurbeln und um international in neue Märkte vorzustoßen.

Neue Managementansätze

77 Prozent der befragten Unternehmensverantwortlichen sehen in der Wirtschaftskrise auch eine Chance, neue Managementansätze zu erproben. Als Voraussetzung für anhaltendes Wachstum sind aus den Umfrageergebnissen wichtige Trends erkennbar:

  • Die Fähigkeit, Kunden aktiv zuzuhören,
  • neue Dienstleistungen anzubieten,
  • Wertsteigerung zu erzielen,
  • besseren Kundenservice einzuführen sowie
  • die Mobilisierung des geistigen und intellektuellen Kapitals bei den Mitarbeitenden.
  • Die Fähigkeit, die Wertschöpfung insbesondere im Vertrieb zu erhöhen.
  • Die Erwartung, dass Forschung und Entwicklung von der Unternehmen vorwärts getrieben und beschleunigt werden.

Abweichende Schwerpunkte in Deutschland

Abweichend vom internationalen Ergebnis der Studie kommt dem Faktor Mitarbeitermotivation in Deutschland eine überdurchschnittliche Bedeutung zu. 55 Prozent der Manager in Deutschland sehen hierin einen der drei wichtigsten Erfolgsfaktoren. Insgesamt rangieren bei den wichtigsten Maßnahmen für die Zukunft auch das Kompetenzmanagement und ein verstärktes Projektmanagement an vorderen Plätzen. Nach Einschätzung von Dr. Albert Nußbaum haben die Manager in Deutschland erkannt, dass der Faktor Mensch die wichtigste Ressource für zukünftigen Erfolg darstelle.

Zur Studie

Die internationale Managementberatung Mercuri Urval befragte in einer Online-Umfrage 844 führende Manager in acht europäischen Ländern nach den Schlüsselfaktoren für künftiges Wachstum.

[po; Quelle: Mercuri Urva; Bild: JENS SCHMIDT - Fotolia.com]

Neue Zielgruppe: Einzelhandelskette hat spezielle Angebote für Geschiedene

Die britische Einzelhandelskette Debenhams [103] bietet Geschiedenen ab sofort die Option, sich mit Unterstützung von Freunden und Bekannten für den neuen Lebensabschnitt beschenken zu lassen. Mit dem Angebot der sogenannten "Divorce Gift Registry" will das Unternehmen ehemaligen Eheleuten die Möglichkeit geben, einfacher zu allen nötigen Alltagsgegenständen im Zuge eines neuen Lebens ohne Partner zu kommen. Die Aktion ist aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage eine gute Möglichkeit, eine neue Zielgruppe zu gewinnen.

Singlehaushalte und Scheidungen im Trend

"In Europa herrscht gegenwärtig der Trend vor, dass immer mehr Menschen allein leben. Die Nahrungsmittelbranche hat sich schon darauf eingestellt und bietet portionierte Fertiggerichte für Singlehaushalte an. Dass nun auch Retailer mit speziellen Kampagnen wie diesen Kunden anlocken wollen, ist abzusehen gewesen",

erläutert Daniel Lucht, Senior Retail Analyst beim Londoner Analyseunternehmen Verdict Research, im Gespräch mit pressetext. Der Fachmann gibt aber zu bedenken, dass man sich Zynismus vorwerfen lassen muss.

Das Gegenstück zur populären Liste mit Hochzeitsgeschenken kommt von Debenhams nicht von ungefähr. Einem CNN-Bericht zufolge reagiert der Retailer mit dem Werbegag vor allem auf die zuletzt drastisch angestiegene Scheidungsrate in Großbritannien. Obwohl sich eigenen Angaben nach bislang noch niemand für den Spezialservice registriert hat, stehen die Chancen gut. Allein 2006 und 2007 ließen sich rund 144.220 Eheleute scheiden. Davon profitierte die britische Kette, die großen Umsatz mit Grußkarten und Zubehör für Scheidungspartys mach

Alltägliche Gebrauchsgegenstände nachgefragt

"Wenn Paare geschieden werden und aus dem ehelichen Heim ausziehen, dann dürften viele das erste Mal in ihrem Leben allein wohnen",

verdeutlicht Debenhams-PR-Managerin Ruth Attridge. Aus dem Grund würden viele oft nicht über Dinge des alltäglichen Gebrauchs wie Handtücher, Toaster, Bügeleisen, Kochtöpfe oder Bettlaken verfügen. Entgegen luxuriöser Hochzeitsgeschenke ziele diese Aktion eher auf einfache Dinge des individuellen Grundbedarfs ab.

Krisen machen zwar kreativ, aber der Schuss könnte für Debenhams imagebezogen auch nach hinten losgehen, so das Fazit von Daniel Lucht.

[po; Quelle: pressetext; Bild: CD - Fotolia.com]

Werbetext: So bringen Sie den Kundennutzen auf den Punkt

"Und was habe ich davon?" Diese Kundenfrage steht im Mittelpunkt jedes Verkaufsaktes. Und nur wer sie schlüssig beantworten kann, hat Chancen auf einen Abschluss. Doch noch immer stehen bei vielen Verkaufsgesprächen die Eigenschaften des beworbenen Produktes im Vordergrund. Es geht um PS-Zahlen, um Materialverbesserungen oder Farbvariationen.

Die Folge: Der Kunde erkennt seinen Nutzen nicht, er hat nicht das Gefühl, dass es um ihn und seine Bedürfnisse geht. Er fühlt sich bedrängt und gleichzeitig unverstanden. Damit rückt ein Verkaufsabschluss in weite Ferne. Stattdessen sollte ein starkes Bild im Kopf des Kunden entstehen: „Wie werde ich mich fühlen, wenn ich dieses Produkt kaufe? Um wie viel gesünder/glücklicher/beliebter werde ich sein? Wie wird sich mein Leben verbessern?“

Mit dem Dreischritt "Merkmal – Vorteil – Nutzen" können Sie den Kundennutzen klar darstellen.

Merkmal

Mit Merkmalen beschreiben Sie Ihr Produkt. Es handelt sich um grundlegende Eigenschaften wie Farbe, Größe, Gewicht, Aroma oder technische Daten. Damit geht es um Informationen, Tatsachen und wertfreie Aussagen wie „Unser Fernsehsessel wird in den Farben beige und dunkelbraun geliefert“ oder „Die Schokolade enthält 45 Prozent Kakao“. Diese Aussagen zu den Produktmerkmalen nimmt der Kunde neutral auf; ihre Überzeugungskraft ist daher recht gering.

Ein Beispiel: Die Österreichischen Bundesbahnen wollen ihr Angebot ausbauen und setzen täglich vier zusätzliche Schnellverbindungen zwischen Wien und Bregenz ein. Diese Züge sind damit ein Leistungsmerkmal der ÖBB.

Vorteil

Im nächsten Schritt arbeiten Sie den Vorteil dieses Leistungsmerkmals heraus. Es geht hier um die praktische Umsetzung der Produkteigenschaft – das Ergebnis ist ein allgemeiner, unspezifischer Vorteil. Der einzelne Kunde und seine Bedürfnisse werden in diesem Schritt noch nicht berücksichtigt. Solche Vorteilsargumentationen werden in den meisten Werbebotschaften eingesetzt.

Bei unserem Bahn-Beispiel würde die Botschaft etwa lauten: „Jetzt können Sie aus noch mehr Verbindungen wählen.“ Was das aber dem einzelnen Bahnreisenden im Endeffekt bringt, bleibt offen.

Nutzen

Die Frage nach dem individuellen Kundennutzen wird erst in diesem Schritt geklärt: „… das bedeutet für Sie, dass …“. Erst hier wird der einzelne Kunde integriert, erst hier geht es um die Frage, inwieweit ein Produktmerkmal die ganz persönlichen Bedürfnisse befriedigt. Und erst hier wird auch zwischen verschiedenen Zielgruppen und ihren Bedürfnissen unterschieden.

Beispiel ÖBB: Die Tatsache, dass der Bahnkunde jetzt aus mehr Schnellverbindungen wählen kann (Produktvorteil), bringt unterschiedlichen Kundennutzen: Der Geschäftsreisende kommt pünktlich zu seinen Terminen und hat weniger unproduktiven Leerlauf. Der Pendler ist in morgens weniger gestresst und kann am Abend mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Und der Urlaubsreisende kann eine angenehme Bahnfahrt in einem komfortablen Zug genießen, der nicht überfüllt ist.

Kommunizieren Sie diesen Nutzen in Ihren Werbebotschaften, dann schaffen Sie ein einprägsames Bild im Kopf des Kunden und verstärken den Kaufanreiz. Der einzelne Kunde steht jetzt im Zentrum, die Kaufwahrscheinlichkeit ist hier am größten. Allerdings ist dieser Nutzen nicht immer leicht zu entdecken und vermitteln. Und leider wird dieser „Endnutzen“ in der Werbelandschaft oft vernachlässigt – obwohl erst dieser Nutzen das Produkt verkauft.

Tipps für die Formulierung

Rechnen Sie nicht damit, dass der Kunde automatisch von der Produkteigenschaft auf seinen persönlichen Nutzen schließt. Diese Übersetzungsarbeit müssen Sie leisten, denn das Gehirn des Kunden ist träge.

Mit entsprechenden Formulierungen verbinden Sie die Produktmerkmale mit dem Kundennutzen und wechseln von der „Wir“- zur „Sie“-Perspektive:

  • Das heißt für Sie …
  • So sparen Sie …
  • Dadurch können Sie …
  • Das bringt Ihnen …
  • So vermeiden Sie …
  • Dadurch erhalten Sie …
  • Damit erhöhen Sie …
  • Auf diese Weise senken Sie …
  • So verbessern Sie …
  • So können Sie ganz einfach …
  • Das hilft Ihnen bei …

Denken Sie auch daran: Das Gehirn liebt Bilder. Es kann mit abstrakten Wörtern wie „Effizienzsteigerung“ oder „Kostenoptimierung“ wenig anfangen. Liefern Sie dem Kunden daher griffige Formulierungen. Schreiben Sie statt „Damit können Sie Ihre Kosten dauerhaft optimieren“ besser „Damit sparen Sie 2 Cent pro Kilometer – das sind rund 1.000 Euro im Jahr.“

[Bild: Fotolia.com]

Hinweis

Von der Autorin sind folgende eBooks im business-wissen-Shop erhältlich:

  • Starke Broschüren [104]
  • Starke Flyer [105]
  • Starke Mailings [106]
  • Starke Webtexte [107]

Imagebildung: Die stimmige und glaubwürdige Unternehmenskommunikation

Zum Einstieg zwei Beispiele über den wichtigen Einfluss der Unternehmenskommunikation als imagebildendes Instrument:

Die Humana GmbH aus Herford hatte als Hersteller von Babynahrung einen tadellosen Ruf, bis das Unternehmen im November 2003 plötzlich in die Negativschlagzeilen geriet: Eine speziell für den israelischen Markt hergestellte, koschere Sojamilch war in zu geringem Maße mit Vitamin B1 versetzt. Als Folge starben mehrere Säuglinge. Schlagartig musste sich das Unternehmen darum bemühen, den katastrophal geschädigten Ruf durch rückhaltlose Aufklärung des Falls, das Ergreifen von personellen Konsequenzen und engmaschige Information der Öffentlichkeit zu verbessern.

Das Thema „Zeitarbeit“ hat im Lauf der letzten zehn Jahre einen Imagewandel durchlebt. Während Zeitarbeitsunternehmen früher den Ruf hatten, als bessere „Sklaventreiber“ für Billiglohnkräfte zu agieren, hat sich dieses Image eindeutig verbessert. Sicher auch durch den überlaufenen Arbeitsmarkt bedingt, sprechen Zeitarbeitsfirmen heute auch Akademiker in ihrer werblichen Kommunikation an und bieten diesen zum Teil attraktive und sichere Arbeitsplätze.

Während die Humana GmbH aus heiterem Himmel gegen ihr schlechtes Image vorgehen musste, ist der Imagewandel bei Zeitarbeitsunternehmen durch langfristige kommunikative Aktivitäten und durch äußere Bedingungen (schwieriger Arbeitsmarkt) eingetreten.

Stichwort

Das Wort „Image“ stammt aus dem Englischen und bedeutet „Vorstellungsbild“, „Ebenbild“ oder auch „Verkörperung“. Unter „Firmenimage“ versteht man das Vorstellungsbild, das ein Einzelner oder eine Menschengruppe mit einem bestimmten Unternehmen verbinden. Das Firmenimage kann sich durch äußere Ereignisse, durch eine Änderung des Angebots beziehungsweise andere Firmenaktivitäten und auch durch das Verhalten von Mitarbeitern ändern. Dieser Wandel kann – etwa durch eine Krise ausgelöst – schlagartig oder über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgen.

Unternehmenskommunikation schafft das Firmenimage

Wie muss die Unternehmenskommunikation beschaffen sein, damit sie einen positiven Einfluss auf das Firmenimage hat? Der Begriff „Unternehmenskommunikation“ umfasst alle Kommunikationsaktivitäten, die darauf zielen, die Einstellung meinungsbildender Gruppen einem Unternehmen gegenüber zu formen oder zu verändern. Dabei ist die Unternehmenskommunikation kein Zaubermittel: Sie können niemanden zwingen, eine bestimmte Meinung gegenüber Ihrem Unternehmen einzunehmen. Dennoch ist die Unternehmenskommunikation ein wertvolles Instrument zur Imagebildung – vorausgesetzt, sie erfüllt bestimmte Merkmale: Damit sie positiv zur Imagebildung beitragen kann, muss sie überzeugend – und damit glaubwürdig, stimmig und verständlich sein.

Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken

Mobiles Marketing: Herausforderung und Chance für Unternehmen

Smartphones wie das iPhone besitzen immer mehr Bundesbürger. Sie machen aber noch recht selten von den hierfür entwickelten mobilen Angeboten wie Mobile TV und Mobile Internet Gebrauch. Das zeigen Untersuchungen über die Nutzung der Smartphones. Doch dies wird sich in den kommenden Jahren ändern – unter anderem, weil die Zahl der Smartphone-Besitzer und -Nutzer rasant steigt. Damit erhöht sich auch der Reiz für Unternehmen maßgeschneiderte Anwendungen für diese Geräte zu entwickeln, was wiederum zu einer häufigeren Nutzung von ihnen führt.

Beim Mobilen Internet handelt es sich um einen Markt, der an der Schwelle vom Nischen- zum Massenmarkt steht. Hieraus erwachsen folgende Fragen:

  • Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus für das Marketing der Unternehmen? Und:
  • Wie können die mobilen Dienste in deren Marketingstrategien integriert werden?

Über diese Fragen haben erst wenige Unternehmen nachgedacht und noch seltener wurden Konzepte und Strategien für ein Mobiles Marketing entwickelt – also für all die Marketingmaßnahmen, bei denen unter Verwendung drahtloser Telekommunikation und mobiler Endgeräte versucht wird, die Konsumenten direkt zu erreichen und zu einem bestimmten Verhalten zu führen. Zwar stehen für das Mobile Marketing in einigen Unternehmen bereits Etats bereit. Doch die mit ihnen durchgeführten Projekte haben weitgehend noch den Charakter von ersten Test-Versuchen – ohne Einbindung in umfassende Marketingkonzepte und -strategien.

Das eröffnet Unternehmen die Chance, sich in dem in spätestens fünf Jahren existierenden Massenmarkt, so zu positionieren, dass sie einen Entwicklungs- und Kompetenzvorsprung und somit Marktvorsprung vor ihren Mitbewerbern haben – beispielsweise durch eine entsprechende Markenbildung. Hierfür gilt es, die Weichen zu stellen. Dabei sollten die Medien- und Marketingmanager unter anderem folgende Faktoren beachten:

Neues Geschäftsfeld oder neuer Marketingkanal?

Betrachtet man die Entstehungsgeschichte des kommerziellen Internets, dann stellt man fest: Die Nutzung der Inhalte im World Wide Web ist in der Regel für private User kostenfrei. Hieran haben sich die Nutzer gewöhnt und dieselbe Erwartung haben sie in der Regel an mobile Dienste. Vor diesem Hintergrund gilt es, firmenintern zunächst grundsätzlich zu entscheiden: Soll mit dem Mobilen Marketing ein neues Geschäftsmodell etabliert werden oder sollen die mobilen Dienste primär Marketing- und Verkaufsförderinstrumente sein?

Wen sprechen wir wie an?

Wird mit einem contentbasierten Geschäftsmodell gearbeitet, ist vor allem die Qualität des Contents von Bedeutung. Denn dieser wird durch den Nutzer stark selektiert. Anders als im Internet, müssen in der mobilen Kommunikation die Inhalte exakt auf die Zielgruppe zugeschnitten sein. Denn (Darstellungs-)Raum, (Surf-)Zeit und (Verbindungs-)Budgets sind noch beschränkt. Statt Mitarbeiter mit „trial-and-error-Geschäftsmodellen“ zu beschäftigen, sollten die Unternehmen die realen Chancen der Mobilnutzung als effektiven Kommunikationskanal prüfen.

Wie verzahnen wir Marketing und Verkauf?

Das mobile Internet bietet Möglichkeiten der Markenentwicklung und Markenbildung. Das gilt insbesondere für (semi-)digitale Produkte – also Produkte, die mit einem einfachen Link auf eine Shop-Landingpage führen und dort sofort gekauft werden können. Die Herausforderung besteht darin, einen elektronischen Workflow zu entwickeln, der den Abverkauf eines solchen Produkts nachhaltig unterstützt und das Verhalten der Konsumenten im gewünschten Sinne beeinflusst.

Welcher Content ist überhaupt mobiltauglich?

Viele Unternehmen besitzen noch keinen für das mobile Web optimierten Auftritt. Hier herrscht heute eine ähnliche Situation wie beim Internet vor 15 Jahren, als viele Unternehmen noch glaubten, keinen Onlineauftritt zu benötigen.

Das mobile Web durchläuft aktuell denselben Prozess. Um hier zu überzeugenden Lösungen zu gelangen, gilt es unter anderem die Frage zu klären: Welche unserer Produkte und (Dienst-)Leistungen sind überhaupt mobiltauglich? Ein funktionierendes Beispiel ist die Mobilanwendung des Bücher- und Konsumgüterhändlers Amazon, der auch in Deutschland ansprechende und für den Abverkauf wesentliche Funktionen zur Verfügung stellt. Bei Amazon kann man Bücher einfacher über das iPhone als über die Homepage im Internet kaufen, da im mobilen Shop zahlreiche Nebenfunktionen ausgeblendet sind.

Ausblick: Was bringt die Zukunft?

Der Siegeszug von PC und Internet hat das Informations-, Kommunikations- sowie Kaufverhalten der Kunden verändert. Ebenso wird die Verbreitung der Smartphones zu einer Änderung des Kundenverhaltens führen. Deshalb führt am mobilen Marketing kein Weg vorbei. Dieses wird künftig im Marketingmix der Unternehmen speziell im B-to-C-Bereich eine immer größere Rolle spielen. Und in spätestens fünf Jahren wird es in den Marketingkonzepten der meisten Unternehmen eine ähnliche Bedeutung haben wie heute das Online-Marketing. Diese These ist nicht gewagt. Also sollten sich die Unternehmen jetzt hierfür wappnen.

[Bild: Elnur - Fotolia.com]

Öffentlichkeitsarbeit: So kommen kleinere Unternehmen in die Presse

1. Wer bin ich?

Die Pressearbeit sollte zeigen, wofür Sie stehen und wofür Sie in der Öffentlichkeit ste­hen wollen: Richten Sie Ihre Pressearbeit an Ihrer Unternehmensidentität aus, auch Corporate Identity (CI) genannt. Zur CI gehören ein Leitbild, eine Unternehmensphilosophie (Mission, Werte, Vision), ein einheitliches Design (Corporate Design) und eine einheitliche Unternehmenssprache. Ein Beispiel: Innovation und Zuverlässigkeit gehören zu Ihren Unternehmenswerten? Dann sollte sich das auch in Ihrer Pressearbeit widerspiegeln.

Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie von der Masse abhebt und Ihr Unternehmen unverwechsel­bar macht – Ihr Alleinstellungsmerkmal. Vielleicht sind Sie ja der einzige Dienstleister vor Ort, der einen Tag-und-Nacht-Service anbietet.

2. Was will ich?

Kein Erfolg ohne Ziel: Legen Sie fest, was Sie bis wann mit Ihrer Pressearbeit erreichen wollen. Ein Beispiel für ein kurzfristiges Ziel: fünf bis sechs Artikel in mittelgroßen Zeitschriften innerhalb eines halben Jahres. Ein langfristiges Ziel: Sie werden wahrgenommen als Unternehmen, das Wert auf Umweltfreundlichkeit legt.

Überlegen Sie, welche Bot­schaften Sie in Ihren Pressemeldungen übermitteln möchten. Welche Bilder sollen in den Köpfen der Zielgruppe hängen bleiben? Eine mögli­che Botschaft: "Wir fokussieren uns auf Qualität."

Überlegen Sie nun, welche Kunden Sie ansprechen wollen und wo Sie sie am besten erreichen, ob per Tageszeitung, Internet oder auf Messen. Beziehen Sie Ihre Kunden aktiv in Ihre Planung ein: Fragen Sie sie, welche Medien sie bevorzugen und wofür sie sich interessieren. Ihre Kunden lesen das ört­liche Handwerksmagazin? Dann platzieren Sie dort doch mal eine Erfolgsstory Ihres Unternehmens.

Wichtig: Setzen Sie sich bei Ihrer Pressearbeit eine Budgetgrenze, zum Beispiel fünf Prozent Ihres Umsatzes. Konzentrieren Sie sich auf die Maßnahmen mit dem geringsten Aufwand und den größten Chancen auf Erfolg.

3. Was schreibe ich?

Das ist interessant für Journalisten und Redakteure:

  • Aktualität, etwa das Einweihen einer neuen Filiale;
  • Nutzen für die Region, etwa Ausbildungsplätze;
  • Prominente, wie ein Besuch des Bürgermeisters;
  • Soziales Engagement, zum Beispiel eine Spende;
  • Besondere Aktionen, zum Beispiel ein Fahrrad-Rennen mit Mitarbeitern und Kunden;
  • Klassische Themen, zum Beispiel Tage der offenen Tür, große Kundenaufträge oder Jubiläen;
  • Rankings, die zu Ihrem Profil passen, zum Beispiel "Die besten Dämmungen fürs Dach".

4. Wie schreibe ich?

Beantworten Sie in Ihrer Pressemeldung die großen W's: Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? Die Kernbotschaft gehört in die Überschrift, spätestens in den ersten Absatz.

Stellen Sie das Wichtigste kurz und knapp dar – mit dem k-check®:

  • kurz: Texte, Sätze, Wörter
  • kar: verständlich für Siebenjährige
  • konkret: Menschen, Beispiele, Geschichten
  • korrekt: richtige Namen und Zahlen

Sätze wie "Die neue Technik bringt einzigartige …" landen schnell im Presse-Mülleimer. Fachbegriffe sollten Sie meiden oder zumindest erklären. Schreiben Sie lieber "giftig" statt "toxisch". Vermeiden Sie Phrasen und Schachtelsätze. Ein Beispiel: "Dieser Satz hier ist, weil er zwei Nebensätze, von denen einer zu viel ist, enthält, für die Pressearbeit und auch bei jeder anderen Kommunikation mehr als ungeeignet." Dagegen helfen einfache Mittel: eine Aussage pro Satz, ein Fokus pro Absatz.

5. Wen spreche ich an?

Der erste Schritt bei der Presse-Ansprache ist der Kontakt zum richtigen Redakteur. Einige geeignete Ansprechpartner und Medien kennen Sie womöglich aus Ihrer täglichen Arbeit. Neue Adressen und Ansprechpartner finden Sie in Nachschlagewerken, im Presseshop um die Ecke, in Titelverzeichnissen oder auch in Datenbanken im Internet.

Überprüfen Sie Adressen und Ansprechpartner telefonisch. Suchen Sie die Redaktion nach Ihrer Branche und Ihrer Zielgruppe aus. Fachartikel gehören in Fachzeitschriften, lokale Themen in lokale Medien. Nehmen Sie die gesammelten Kontakte in einen Presseverteiler auf. Vermischen Sie die Pressekontakte nicht mit Kundenkontakten.

6. Wie spreche ich an?

Rufen Sie die Redaktion an, nachdem Sie Ihre Pressemeldungen per Brief, Fax oder Mail verschickt haben. Rufen Sie zwischen 10.00 und 12.00 Uhr an. Für tagesaktuelle Medien gilt: Je später der Tag, desto hektischer das Redaktionsgeschäft. Aber rufen Sie nicht ständig an.

Seien Sie vorbereitet: Journalisten sind skeptisch, manchmal provokativ und suchen nach klaren Antworten. Legen Sie sich Hintergrundinformationen bereit, etwa eine Informationsmappe oder Grafiken. Und: Seien Sie nicht verärgert, wenn ein Journalist Ihre Informationen am Ende nicht berücksichtigt.

[Bild: mapoli-photo - Fotolia.com]

Verpackungsdesign: Mit der Verpackung den Kunden überzeugen

Die Weihnachtsgeschenke haben wieder viel Verpackungsmüll verursacht. Sowohl durch Geschenkpapier als auch durch die Verpackungen der Produkte selbst. Doch aus Sicht der Produzenten ist Verpackung keinesfalls Müll. Sie erfüllt sehr wichtige Funktionen. Sie dient dem Schutz des Produktes, dem Transport sowie der Aufbewahrung und ist Informationsweg für gesetzlich vorgeschriebene Informationen.

Viel interessanter für Marketing-Fachleute ist allerdings die Wirkung der Verpackung als Werbeträger und Kommunikationsinstrument. Ein ausgeklügeltes Verpackungsdesign kann Kunden nicht nur zum impulsiven Kaufen am Point of Sale (POS) animieren, sondern auch zum Wiederkauf. Und wenn ein Kunde, ein Produkt wieder kauft, ist das der erste Schritt zu einem erfolgreichen Produkt. Der Verpackungs-Experte Harald Seeger bestätigt dies in seinem Buch „Praxisbuch Packaging“:

„Wiederholungskäufe sind für den Erfolg von Marken und Konsumgütern von herausragender Wichtigkeit.“

Stichwort

Unter Verpackungsdesign versteht man die Gestaltung von Verpackungen. Dazu zählen die Form, die Größe, die Farben, die Schriften, die Öffnungstechnik und Entnahmetechnik sowie das Material und der Einsatz von Bildern.

Die Verpackung kann visuelle, verbale, haptische (Tast- und Bewegungssinn) sowie olfaktorische (Geruchssinn) Signale senden.

Warum ist die Verpackung so wichtig?

Das Verpackungsdesign als Marketing-Instrument beeinflusst viele Bereiche eines Unternehmens. Es kann sowohl der Produktpolitik als auch der Werbung, dem Vertrieb, dem Qualitätsmanagement oder der Geschäftsführerebene zugewiesen werden – oder mehreren Bereichen gleichzeitig. Deshalb sind viele Abteilungen und Personen bei der Entwicklung von Verpackungen beteiligt. Aber den Hauptbereich übernimmt im besten Fall das Markenmanagement, damit das Unternehmen die Markenstrategie im Verpackungsauftritt umsetzt und eine konstante Markenwelt für den Konsumenten aufbaut. Somit ist die Verpackung ein gutes und unverzichtbares Mittel zum Markenaufbau und sie ist mitunter der wichtigste Markenträger.

Die Verpackung ist sehr eng mit dem eigentlichen Produkt verknüpft. Ob in Werbeanzeigen, TV-Spots oder Werbeprospekten – die Verpackung ist so gut wie immer mit abgebildet. Oft ist sie sogar das Einzige, was der Werbeempfänger sieht, das Produkt bleibt dahinter versteckt. Nicht ohne Grund: Das Verpackungsdesign bietet die Möglichkeit, das Produkt hervorzuheben und hilft der Marke, sich von anderen abzugrenzen und dabei noch einen Wiedererkennungseffekt beim Konsumenten zu erzielen. Das alles macht den Erfolg einer Marke aus.

Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken

Schubladendenken: Kunden in unterschiedliche Marktsegmente einteilen

Frauen und Männer unterscheiden sich stark in ihrem Einkaufsverhalten. Und so bewerten sie auch Geschenke aus unterschiedlichen Perspektiven. Während 1,4 Prozent der Männer einen Geschenkgutschein für unpersönlich halten, sind nur 13, 2 Prozent der Frauen dieser Meinung. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage von Goldmedia Custom Research. Fast jeder zweite Mann empfindet Geschenkgutscheine als praktisch und 42,7 der Herren denken, dass sie mit Gutscheinen nie daneben liegen. Dagegen sehen Frauen das Ganze differenzierter: 61,5 Prozent der Frauen verschenken Gutscheine nur, wenn sie zur Persönlichkeit des Beschenkten passen, während das nur 11,2 Prozent der Männer tun.

Mehr wissen über potenzielle Kunden

Da sich das Konsum- und Kaufverhalten je nach Personengruppe so sehr unterscheidet, ist es im Marketing von großer Bedeutung, den Markt in einzelne Teilmärkte zu untergliedern. Dazu muss das Unternehmen möglichst viel über seine potenziellen oder bestehenden Kunden wissen, um diese in die richtige Marketing-Schublade zu stecken.

Stichwort

Marktsegmentierung ist jede Strategie, die einen Gesamtmarkt in Teilmärkte aufteilt. Dies wurzelt in der Erkenntnis, dass es unmöglich ist, alle Marktteilnehmer zugleich zu bedienen. Es gilt, sich immer auf bestimmte Zielgruppen zu konzentrieren.

Grundlage für die Marktsegmentierung ist in der Regel die Marktforschung; Ergebnis ist die Formulierung einer Strategie, die die effektive und gewinnbringende unternehmerische Bearbeitung jedes einzelnen Segmentes erlaubt. Hierbei wird für jedes Kundensegment, für das sich das Unternehmen interessiert, eine eigene Strategie definiert.

[Quelle: Zingel, Harry. Grundbegriffe der Marktsegmentierung [108] ]

Aufgabe der Marktforschung ist es, alle relevanten Daten zusammenzutragen und auszuwerten, die den Kunden beschreiben. Dazu werden Marktstudien durchgeführt. Das sind beispielsweise direkte Kundenbefragungen (Interviews, Fragebögen) oder die Zusammenstellung von verfügbarem statistischem Material. Es lassen sich folgende Kriterien unterschieden:

Segmentierungsart

Kriterien (Beispiele)

Geografisch

Straßen, Postleitzahlen, Gebiete, Sprachregionen

Soziodemografische Merkmale bei Privatkunden

Geschlecht, Alter, Schulbildung, Einkommen, Beruf, Anzahl Kinder, Wohnsituation

Soziodemografische Merkmale bei Unternehmen

unternehmensbezogen: Branche, Größe / personenbezogen: Sprache, Hierarchiestufe, Verantwortlichkeit, Geschlecht

Psychografische Merkmale bei Privatkunden

Lebensstil, Einstellung, Persönlichkeit

Psychografische Merkmale bei Unternehmen

Marktauftritt, Unternehmenskultur

Verhalten

Informationsverhalten, Einkaufsstättenwahl, Kaufverhalten

[Quelle: http://www.post.ch/... [109] ]

Hinweis

Mehr zur Durchführung von Markstudien und Marktanalysen lernen Sie in unserem Dossier:

Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken

Webdesign: Webseiten analysieren Nutzerverhalten und optimieren sich selbst

Die Entscheidung über ein gelungenes und erfolgreiches Webdesign überlassen viele Unternehmen meistens den beauftragten Webdesignern. Doch warum sollten gerade diese Webdesigner genau wissen, was die Kunden des Unternehmens wünschen? Die triviale Antwort lautet: Sie wissen es nicht. Genau an diesem Punkt heben sich die wenigen extrem erfolgreichen Webseiten von der großen Masse ab: Besonders erfolgreiche Webseiten verlassen sich nicht auf ein willkürlich gewähltes Webdesign, sondern analysieren das Nutzerverhalten und adaptieren die verschiedenen Elemente auf der Basis der Messergebnisse.

Unterstützt werden sie dabei durch Software-Lösungen, die Webseiten dynamisch verändern und selbständig optimieren. Das Resultat: Ein evolutionäres Webdesign, das sich selbst verbessert, in dem es die definierten Ziele der Webseite kennt und automatisch erlernt, welche Kombination der Elemente des Webdesigns zu den meisten Konversionen (Verkäufen bzw. Neukunden) führen. Durch diese sukzessiven Verbesserungen entwickelt sich die Webseite aktiv in Richtung Erfolg.

Webdesign ohne Deutungshoheit

Das Design einer Webseite muss nicht statisch sein. Ein einmal gewähltes Webdesign muss nicht zwanghaft beibehalten werden und ist in den seltensten Fällen die optimale Wahl zur Erhöhung der Verkäufe oder zur Erreichung der Ziele der Webseite. Viele Webdesigner und ihre Agenturen halten sich zwar selbst oft für die Götter des Internets und beanspruchen die Deutungshoheit über das weltweite Netz. Die Realität sieht jedoch anders aus: Webdesigner werden im Normalfall für die Erstellung einer Webseite oder eines Online-Shops bezahlt, während der Kunde mit dem fertigen Produkt selbst sehen muss, wie er mit dieser Web-Lösung Kunden für sein Unternehmen gewinnt.

Problematisch an dieser Konstellation ist allerdings, dass dabei der Nutzer der Webseite in der Regel völlig außer Acht bleibt. Webdesigner und Unternehmer haben sich auf die Optik und die Funktionen der Webseite geeinigt und sie entsprechend gestaltet. Am Ende des Prozesses kommt der Nutzer der Webseite zum Zuge, der das eigentliche Ziel dieser Aktion ist: Der Webseitenbesucher soll auf dieser Webseite einkaufen oder sich informieren und daraufhin Kontakt mit dem Unternehmen suchen. Eine einmal erstellte statische Webseite ist jedoch aufgrund der Überlegungen von Webdesigner und Unternehmer entstanden und beruht nicht auf einer belastbaren Analyse der echten Kundenbedürfnisse.

Nur die Realität liefert zuverlässige Zahlen

Zur Verbesserung der Situation könnte man Kunden des Unternehmens in den Prozess einbinden und repräsentative Umfragen durchführen. Das ist sicherlich eine sinnvolle Möglichkeit, um einen guten Ausgangspunkt für den Start der Webseite zu haben. Allerdings ist diese Variante aufwändig und teuer. Weitaus kritischer sind aber die Ergebnisse dieser Auswertung zu sehen. Menschen, die Fragen beantworten, geben oft auf dem Papier oder in Testumgebungen andere Antworten und zeigen andere Verhaltensweisen als in der Realität. Ein echter Verkauf, der in einem Online-Shop getätigt wurde, ist deutlich aussagekräftiger als eine Testbestellung, die der Kunden nicht wirklich zu bezahlen hat. Die zuverlässigsten Ergebnisse werden immer noch im echten Live-Betrieb einer Webseite erzielt: Eine gute Webseite bringt den Kunden dazu, echtes Geld auszugeben oder Aufträge zu erteilen.

Genau diesen Umstand sollten sich alle Unternehmer zunutze machen, die mit ihrer Webseite mehr Verkäufe erzielen wollen oder mehr Kontakte zu Neukunden herstellen möchten. Die Erstellung einer ersten Version der Webseite, eventuell auch durch eine Webdesign-Agentur, ist die natürliche Vorraussetzung für spätere Verbesserungen. Diese erste Version muss aber zwangsläufig auch als solche identifiziert werden: als Startpunkt. Der Launch einer Webseite ist folglich kein statischer Endpunkt mehr, sondern ein dynamischer Startpunkt.

Gute Webseiten messen Nutzerverhalten

Diese Webseite sollte anschließend von echten Webseitenbesuchern im Alltagsbetrieb genutzt werden, während eine Software zur Webanalyse das Nutzerverhalten der anonymisierten Besucher aufzeichnet und auswertet. Die Ergebnisse können dann nach einer statistisch signifikanten Anzahl an Zugriffen zur Verbesserung der Webseite genutzt werden. Somit kann die Webseite in regelmäßigen Abständen an die Verhaltensweisen der Nutzer angepasst und kontinuierlich optimiert werden. Mögliche Optimierungsansätze sind

  • Farben,
  • Fotos,
  • Texte,
  • Angebote,
  • Navigationsreihenfolgen und vieles mehr.

Besonderes Augenmerk sollte bei der Auswertung auf die beliebtesten Zielseiten, die häufigsten Ausstiegsseiten und die Besuchertreue gelegt werden. Aus diesen Ergebnissen lassen sich oftmals interessante Details über die Vorlieben der Nutzer ableiten. Außerdem sollten die häufigsten Ausstiegsseiten eine besondere Behandlung erfahren, da durch Verbesserungen an diesen Seiten die meisten Webseitenbesucher zum Bleiben überzeugt werden müssen, denn ein verlorener Besucher ist kein neuer Kunde.

Erfolgreiche Webseiten optimieren sich selbst

Neben der relativ einfachen Möglichkeit, sequentiell verschiedene Webdesigns auszuprobieren und das Webdesign mit den meisten Verkäufen bzw. Ziel-Konversionen auszuwählen, können Unternehmer diesen Prozess auch spezialisierten Software-Tools überlassen, die automatisch die besten Design-Elemente auswählen. So definiert der Webseitenbetreiber beispielsweise zehn verschiedene Elemente auf seiner Webseite, die jeweils in zwei Varianten zur Verfügung stehen. Die Software erzeugt nun beim Zugriff auf die Webseite dynamisch verschiedene Versionen der Webseite, die die einzelnen Elemente in unterschiedlichen Kombinationen anzeigen und das Erreichen der vorher definierten Ziele messen. Bei einer ausreichenden Anzahl an Zugriffen pro Kombination wird das erfolgreichste Design automatisch beibehalten und es können neue Testreihen geplant werden, um den Erfolg der Webseite weiter auszubauen.

Der technologische Fortschritt ermöglicht heutzutage also nicht mehr nur die effiziente Ansprache von Millionen neuer Kunden über das Internet, sondern erlaubt auch die halb-automatische bis automatische Steigerung der Konversionsraten einer Webseite (Verkäufe, Newsletteranmeldungen, Kontaktanfragen, usw.) durch konsequente Optimierung auf gesicherter statistischer Grundlage.

[Bild: Andrzej Puchta - Fotolia.com]

UeSP statt USP: Ist Ihre Positionierung emotional genug?

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der modernen Hirnforschung lautet: Menschen entscheiden emotional und begründen diese Entscheidungen dann rational – übrigens auch im B2B-Geschäft. Emotionen sind nicht nur in allen Entscheidungen vorhanden, sie sind sogar deren treibende Kraft. Dabei lauten die drei Grundregeln: 

  • Die Menschen suchen aktiv nach guten Gefühlen.
  • Die Menschen meiden negative Gefühle.
  • Emotionales hat für unser Hirn Vorrang.

Wir entscheiden uns erst wirklich für das Habenwollen, wenn unser cerebrales Belohnungszentrum aktiviert wird. Dieses – und nicht die Ratio - legt am Ende den Hebel um und entscheidet final über Ja oder Nein. Das, was uns zu einer Entscheidung bewegt, mag je nach Menschentyp, Geschlecht und Alter verschieden sein, doch ohne Emotionen gibt es keine einzige Entscheidung.

Emotionale Erfolgsgeheimnisse

Vertrieb & Marketing haben also die Aufgabe, das emotionale Erfolgsgeheimnis zu finden, das tief im Kern unserer Produkte schlummert. Zum Beispiel: Autos sind die modernen Reittiere des Mannes. Die Krawatte ist seine Keule und die zugeknöpfte Weste sein Panzer. Große Damenhandtaschen sind Ersatz für den männlichen Begleitschutz. Das Deo Axe verspricht einem nicht nur, gut zu riechen, sondern auch Vorteile beim Paarungsspiel. Beim Zahnarzt "kauft" man ein strahlendes Lächeln und damit Hoffnung auf beruflichen und privaten Erfolg – also letztlich die Aussicht auf Liebe.

Durch Studien ist hinlänglich bewiesen, dass schöne Menschen mehr verdienen und auch schneller Karriere machen. Bei einer Untersuchung von Gerichtsakten kam sogar heraus, dass gut aussehende Angeklagte zu leichteren Strafen verurteilt wurden. Andere Studien brachten zutage, dass schöne Menschen eher Hilfe erhalten, wenn sie in Not geraten. All das, weil schöne Menschen unser Hirn erfreuen.

Zum Beispiel: Schönheit darf kosten

Schon kleine Babys wenden sich eher schönen Gesichtern zu. Und jeder Schönheitschirurg kann davon berichten, wie Menschen auf einen Urlaub verzichten, um im nächsten dann, ein wenig umgebaut, ganz groß herauszukommen. Hirnforscher erklären das so: Wenn wir in den Spiegel schauen, und uns schöner finden als zuvor (intrinsische Motivation), und dafür auch noch Komplimente bekommen (extrinsische Motivation), dann haben wir ein gutes Gefühl. Das nimmt dann schließlich Suchtcharakter an. So sind wir bereit, für Schönheit tief in die Tasche zu greifen.

Wohlgeformte Produkte und ästhetisches Design funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Das vielleicht beste Beispiel dafür ist Apple. Apple will Produkte bauen, die so sexy sind, dass sich die Leute darin verlieben. Nur so konnte es gelingen, dass ein Heer von Apple-Fans die ganze Kommunikationsarbeit für das Unternehmen übernimmt. Und das Ergebnis? Apple hat zum Beispiel acht Prozent Anteil am Markt der Smartphones, aber 32 Prozent der Gewinne (Werben & Verkaufen 49/2009).

„Man darf Dinge nicht nur als Objekte betrachten, die man formt, sondern muss sich hineinfühlen in den Menschen, der sie benutzt. Produkte sollen einen echten Nutzen haben und auch Freude bereiten. Form follows emotion.“

Das sagt Hartmut Esslinger, einer der einflussreichsten Produktdesigner der Welt. Er hat das weiße Apple-Design geschaffen.

Aspekte einer UeSP

Je stärker die emotionale Positionierung, desto stärker ist auch die Marke. Emotion schlägt Funktion. Und starke Emotionen schlagen schwache. So wird Audi – zumindest, solange Marketingleute das Sagen haben - BMW wohl schon bald überholen. Denn Vorsprung (durch Technik) ist für unser Hirn ein "must have", Freude (am Fahren) hingegen nur ein "nice to have". Mit emotionalisierenden Schlagworten und Slogans werden übrigens nicht nur die Hirne der Kunden, sondern auch die Hirne der Mitarbeiter geeicht. So heißt die Unternehmensvision von Audi: "Taking the Lead".

Und so sieht die Positionierung einer emotionalisierenden Marke aus:

  • Eine starke Marke ist einfach zu verstehen.
  • Sie ist glasklar positioniert und unverwechselbar.
  • Sie bietet einen rationalen Nutzen (Value).
  • Sie hat einen hohen emotionalen Mehrwert.
  • Sie erbringt die angebotenen Leistungen in Top-Qualität.
  • Sie ist glaubwürdig und hält ihre Versprechen ein.
  • Sie ist eine sympathische Persönlichkeit mit Charisma.
  • Sie inszeniert faszinierende Geschichten.
  • Sie ist kontinuierlich und lautstark präsent.
  • Sie aktualisiert sich und überrascht immer wieder.
  • Sie hat eine Brand Community (Markengemeinschaft).

Ein konkretes Beispiel? Die Automarke Mini – teuer und erfolgreich im Kleinwagensegment. "Is it love?" fragte wunderbar die Einführungskampagne. Mini-Aktionen sind so konzipiert, dass sie auf das Konto "Liebe" einzahlen. So erzählte mir eine Bekannte Folgendes: Zurück aus der Werkstatt nach einer Inspektion gewahrte sie auf dem Lenkradschoner folgende Botschaft: "Ich habe Dich vermisst". Ganz klar: Diese Werkstatt hat die Marke verstanden - und außerdem für Loyalität und jede Menge Mundpropaganda gesorgt. Denn so eine Aktion spricht sich wie ein Lauffeuer herum.

Wenn unser Hirn sich freut, sitzt das Geld locker

Wenn ein Unternehmen nichts Außergewöhnliches zu bieten hat, wenn seine Produkte austauschbar sind und der Service alles andere als begeistert, entscheidet immer der Preis. Dann soll es wenigstens billig sein. So trösten wir uns (Trostpreis!) mit Billigpreisen oder Rabatten über emotionale Mängel beziehungsweise Enttäuschungen hinweg. Gute Gefühle hingegen dürfen kosten. Wenn wir in guter Stimmung sind, sitzt das Geld locker. Das kennen wir alle aus dem Urlaub.

Und auch, wenn wir es nicht wahrhaben wollen: Blendwerk funktioniert. "Schöne Worte sind wie Edelsteine" sagt der Schmeichler und strahlt. Denn er weiß: Wir können uns der Magie eines Kompliments nicht einmal dann entziehen, wenn wir wissen, dass damit Hintergedanken verbunden sind. Einer meiner Kollegen versendet seine Angebote in einer goldenen Schatulle – und kann so teurer an Firmen verkaufen.

Und weiter: Süßes macht süchtig, deshalb sind Fertigprodukte so süß. Die Einnahme von Süßem verändert sogar das Preisempfinden beim Konsumenten. In einem Experiment konnten Wissenschaftler der Zeppelin University Friedrichshafen zeigen, dass nach der Einnahme von Zuckerwasser höhere Preise eher als fair akzeptiert werden. Ein Industrie-Verkäufer erzählte mir einmal, er praktiziere beim Neukunden-Gespräch den Schoko-Einstieg, und der geht so: „Wissen Sie eigentlich, wer mein liebster Kunde ist? Die Schokoladenfirma xx! Probieren Sie mal!“

Menschenversteher gefragt

Kundenversteher statt Produktverkäufer sind fortan dringend vonnöten. Denn es gilt zu verstehen, was Menschen in Wirklichkeit kaufen:

  • ein Vertrauensverhältnis ohne Enttäuschungsgefahr,
  • sichtbarer Erfolg im Business,
  • Sorglosigkeit,
  • Lebensqualität und
  • Seelenfrieden.

Wer hektische Zwölf-Stunden-Tage abstrampelt, der kauft sich Ruhe und Raum. Zeit ist für viele der größte Luxus. Durch Zeit und nicht durch Geld erkauft man sich Freiheit, Selbstbestimmung und Vergnüglichkeit. Wer sich solche Dinge kaufen kann und will, der schaut nicht aufs Preisschild.

Bei der kaufstarken und loyalitätsaffinen 50plus-Generation und auch bei vielen jungen Menschen ist heutzutage die Sinnfrage angesagt. Haltung und Stil statt "Bling-Bling" sind zunehmend gefragt. Und manche stellen dabei sogar fest: All die guten Gefühle, die man mit Geld erkaufen kann, sind nichts gehen das gute Gefühl, das man spürt, wenn man anderen Menschen helfen konnte.

Wenn aber nun ein Produkt trivial und austauschbar ist? Dann sucht man nach einer Problemlösung. So berichtet der Marketingexperte Don Peppers von dem niederländischen Energieversorger Eneco, der die Betreiber von Treibhäusern mit individualisierten Regulierungssystemen versorgte, sodass jede Pflanzenart unter optimalen klimatischen Bedingungen wachsen konnte.

Problemlösungen und gute Gefühle

Menschen kaufen keine Produkte, sondern Problemlösungen und gute Gefühle. Niemand interessiert sich dafür, was ein Produkt kann, uns interessiert vielmehr, was es für uns tut. Doch immer wieder drängen sich während eines Verkaufsgesprächs die Produkteigenschaften in den Vordergrund. Bei vielen Präsentationen geht das eine halbe Stunde lang so: Wir sind … Wir haben … Wir können … Wir bieten …! Mit anderen Worten: Ich erzähle Ihnen jetzt mal, wie toll wir sind.

Deshalb rate ich Verkäufern: Erstellen Sie zunächst eine Liste der Produktmerkmale und schreiben Sie daneben in zwei getrennte Spalten, welche Zielsituation durch eine kundenfokussierte Problemlösung angestrebt wird und welche guten Gefühle dies dem Kunden dann bringt. So kommen Sie vom ‚was‘ zum "wie" und "warum"– und begeben sich gedanklich auf die Kundenseite.

Ein Paradebeispiel für solches Vorgehen? Der Schraubenhersteller Würth. Das Kundenproblem? Immer dann, wenn es besonders dringlich ist, gehen notwendige Schrauben aus – oder sie sind unauffindbar. Und das bedeutet: Ärger! So entstand das Lagermanagementsystem ORSY. Durch Lösungen wie diese wurde Würth Weltmarktführer mit Low-Interest-Produkten, die genormt, billig und – mit Verlaub – völlig unsexy sind.

Relevanz entscheidet

Sie wissen genau, was Ihre Kunden brauchen? Wir alle neigen gerne dazu, zu glauben, andere sähen die Welt ein wenig wie wir. Und sind dann völlig erstaunt, wie jemand eine ganz andere Sicht der Dinge haben kann. Doch so, wie jedes Gesicht einzigartig ist, so ist auch das Gehirn bei jedem Individuum anders gebaut. Also gilt es, die Kaufmotive aufzuspüren und dann die Botschaften zu senden, die für den jeweiligen Kunden relevant sind - und damit sein Belohnungssystem zum Jubeln zu bringen.

Die Schlüsselfragen, die deshalb vor jedem Verkaufsgespräch zu stellen sind, lauten:

  • Welcher "Typ" ist der Kunde? Und wie "tickt" er emotional?
  • Was will und braucht er wirklich?
  • Was hält er von unserer Leistung? Und was fängt er damit an?
  • Wie können wir unsere Kunden erfolgreich und damit glücklich zu machen?

Und wie erfahren Sie all das? Nicht am grünen Tisch, nicht durch Studien und Statistiken, sondern durchs Eintauchen in die Kundenwelt und regelmäßige, vertrauensvolle, offene Dialoge! Wir können den Menschen nur vor die Stirn schauen! Kundenfokussiert verhandeln heißt: Nicht glauben, zu wissen, was der Kunde nötig hat und nützlich findet, sondern beobachten und fragen. So gibt Ihnen dann ein klitzekleines Wissensdetail den Vorsprung, den Sie brauchen, um Ihrer Konkurrenz meilenweit voraus zu sein.

Das Buch zum Thema

Von Anne M. Schüller

Erfolgreich verhandeln – erfolgreich verkaufen – Wie Sie Menschen und Märkte gewinnen [111]

 

[Bild: Newman - Fotolia.com]

Social Media Nutzung: Unternehmen nutzen Twitter am häufigsten

Eine Studie der Universität Oldenburg in Zusammenarbeit mit der Agentur construktiv untersuchte die Social Media Aktivität der 100 größten Marken in Deutschland. Das Ergebnis ist, dass 60 Prozent bereits aktiv Social Media nutzen. Eine umfassende Social Media Strategie ist aber noch die Ausnahme: Nur 5 Prozent bedienen gleichzeitig Facebook, Twitter, YouTube und Corporate Blogs. Twitter ist der beliebteste Social Media Dienst: 39 Prozent der Marken nutzen ihn, gefolgt von YouTube mit 37 Prozent, Facebook mit 28 Prozent und Corporate Blogs mit 12 Prozent.

Telekommunikation und Unterhaltungselektronikhersteller sind bei der Social Media-Nutzung führend: 92 Prozent bzw. 80 Prozent der Marken aus diesen Branchen nutzen Social Media. Schlusslichter sind die Chemieindustrie und Finanzdienstleister. Generell gilt: Je aktiver Social Media betrieben wird, desto stärker ist die Resonanz der Internetnutzer.

[Quelle: construktiv GmbH]

Nur wer gute Inhalte bietet, kann erfolgreich twittern

Eine andere Studie, und zwar vom Beratungsunternehmen Absolit mit dem Verband der deutschen Internetwirtschaft eco und der PR-Agentur talkabout communications kommt zu dem Ergebnis, dass gute Inhalte für eine hohe Reichweite sorgen, zumindest gilt das für den Kurznachrichtendienst Twitter.

„Twitter wird von vielen Unternehmen eingesetzt, um sich durch den direkten Dialog in ein gutes Licht zu setzen“,

sagt Studienautor Torsten Schwarz. Die Beispiele Lufthansa und Google zeigen jedoch, dass auch ohne den personalintensiven Dialog eine hohe Reichweite aufgebaut werden kann. Diese beiden Unternehmen twittern am interessantesten.

Relevanz der Nachrichten in Twitter [Quelle: absolit]

Hinweis

Der Index für das Interesse an deutschsprachigen Twitteraccounts errechnet sich aus den weiterempfohlenen Nachrichten sowie am Anteil von Weiterempfehlern im Abonnentenstamm. Weitere Unternehmens-Twitter unter www.deutsche-twitterliste.de. [112]

Voraussetzung für eine hohe Attraktivität sind also gute Inhalte. Um das zu messen, analysierten die Forscher drei Monate lang den Anteil der Nachrichten, die so interessant waren, dass sie von Twitternutzern an Bekannte weitergeleitet wurden. Die Attraktivität der Nachrichten ist der wirkungsvollste Hebel, um mehr Follower zu erhalten und damit die eigene Reichweite zu erhöhen.

Twitter für den Kundendialog nutzen

Unternehmen wie Google, aber auch die Messe Frankfurt oder der Daimler News-Kanal beschränken sich auf die Bereitstellung relevanter Nachrichten in Twitter. Im Kern jedoch ist der Dienst ein Dialogmedium: Unternehmen wie der US-Kabelanbieter Comcast geben täglich etwa zwanzig differenzierte Antworten auf Kundenfragen.

Otto, Ebay, Kodak und Vodafone sind in Deutschland die Vorreiter beim Einsatz von Twitter als Medium für den Kundendialog. Fast neunzig Prozent der Inhalte im Twitter-Account von Otto bestehen aus Antworten auf Fragen von Twitternutzern. Dahinter steckt ein Team von drei Personen, die zeitversetzt für die Kunden da sind. Mirko Lange, Geschäftsführer von talkabout dazu:

„Der direkte Dialog mit dem Kunden, Journalisten und Bloggern ist ein Kernelement des Markenaufbaus über soziale Netze.“

Die vollautomatisierten Nachrichten

Ganz anders bei Google, Messe Frankfurt und Daimler. Hier werden – zum Teil automatisiert – Pressemeldungen in Twitter publiziert. Bei Google und Messe Frankfurt sind das nur etwa zwei Meldungen pro Woche. Damit ist die Chance hoch, dass diese Meldungen auch Aufmerksamkeit erhalten.

Bei Daimler sind es jedoch täglich vier Meldungen. Auch die Bahn sendet vollautomatisierte Nachrichten. Täglich gibt es etwa fünf Verkehrsmeldungen. Diese werden auch weiterempfohlen.

Plus dagegen hat ebenfalls einen recht leblosen Account ohne viel Dialog und mit reinen Produktmeldungen. Hier werden nur zwei Prozent der Meldungen weitergereicht. Hier spielt jedoch ein weiterer Faktor mit hinein: die Qualität der Follower. Auch diese wurde in der Studie gezielt analysiert. Die reine Reichweite ist wertlos, wenn sich dahinter nicht auch wirkliche Fans des Unternehmens befinden.

Quellen:

  • Studie “Wie nutzen Deutschlands größte Marken Social Media?” [113] der Universität Oldenburg in Zusammenarbeit mit der Agentur construktiv.
  • Studie "Twitter-Strategien deutscher Unternehmen" [114] vom Beratungsunternehmen Absolit gemeinsam mit dem Verband der deutschen Internetwirtschaft eco und der PR-Agentur talkabout communications.

 

[po; Bild: maconga - Fotolia.com]

Weihnachtsgeschenke: Unternehmen schenken ihren Kunden oft das Falsche

Laut dem Werbeartikel-Monitor 2009 des Gesamtverband der Werbeartikel-Wirtschaft e.V. (GWW) gaben Unternehmen in Deutschland letztes Jahr 3,21 Milliarden Euro für Werbemittel aus. Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Firmen setzen Streuartikel besonders zu Weihnachten ein. Die Wahl der Geschenke deckt sich allerdings keineswegs mit den Wünschen der Kunden, wie das Online-Shop-Portal mylugo.de jetzt in einer Befragung herausfand. 

Anstatt mit mehr oder weniger nützlichen Werbemitteln beschenkt zu werden, bevorzugen die Befragten Einkaufsgutscheine (59 Prozent). Dadurch können sie selbst entscheiden, was sie brauchen. Delikatessen und Wein sind ebenfalls eine willkommene Ergänzung zum Festschmaus (23 Prozent). Persönliche Glückwünsche anstelle von Geschenken stehen bei den Befragten ebenfalls hoch im Kurs (21 Prozent). An sich gute Nachrichten, schließlich möchten die meisten Firmen enge Beziehungen mit ihren Kunden aufbauen. Die wenigsten Unternehmen scheinen jedoch diese Kundenwünsche zu kennen und setzen nach wie vor auf klassische Werbemittel. Laut des Werbeartikel-Monitors 2009 führten Textilien 2008 mit 49 Prozent die Liste der am häufigsten eingesetzten Werbemittel an. Schreibwaren und Kalender lagen auf Platz zwei mit 40 Prozent. Lebensmittel liegen abgeschlagen mit sieben Prozent auf Platz zehn.

Während der Einsatz von Streuartikeln zu Werbezwecken sicherlich seine Berechtigung findet, müssen deutsche Firmen zu Weihnachten umdenken. Mathias Schmitz, Geschäftsführer der mylugo GmbH erklärt:

„Die Deutschen erwarten eine Geste zu Weihnachten von den Unternehmen. Dabei ist die Mehrheit allerdings oft enttäuscht. Der Wunsch nach einem Einkaufsgutschein deutet sehr stark darauf hin, dass Kunden selbst entscheiden möchten, was sie brauchen. Gerne dürfen Firmen aber zum Festschmaus beitragen, beispielsweise mit Delikatessen und Wein. Den klassischen Geschenken, wie etwa Kalendern, zieht sogar jeder fünfte Befragte einen persönlichen Glückwunsch vor.”

Für Schmitz ein deutliches Zeichen, dass Firmen ihren Kunden zu Weihnachten etwas bieten sollten und auf jeden Fall umdenken müssen. Besonders kleine Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten können von einem Umdenken profitieren. Sie geben laut GWW mit 1,93 Milliarden Euro (2008) am meisten Geld für Werbemittel aus. Die Auswahl der Geschenke ist oft Chefsache (92 Prozent). Schmitz kommentiert:

”Viele Firmenchefs sollten sich mehr Zeit nehmen, um die Wünsche ihrer Kunden zu verstehen. Zu viele versuchen mit besonders cleveren oder preiswerten Werbemitteln zur Festzeit zu punkten. Leider oft mit gegenteiligem Effekt. Wem ein Einkaufsgutschein zu unpersönlich ist, sollte auf wahre Delikatessen und besondere Getränke setzen. Unserer Umfrage zufolge unterstreichen diese den festlichen Anlass und sind bei Kunden gern gesehen.”

Quellen:

  1. Den Werbeartikel-Monitor 2009 finden Sie hier: Werbeartikel-Monitor 2009 [115]
  2. Die Ergebnisse stammen aus einer Befragung von 500 Internetnutzern im Auftrag der mylugo GmbH am 3. Dezember 2009 über das Toluna Online-Panel Deutschland.

[po; Bild: FotoLyriX - Fotolia.com]

Transpromo: Die Kombination von Rechnung und Werbung

Die adressierte Direktwerbung ist teuer. Das fängt bei den richtigen Adressen an, geht beim Porto weiter und hört der Response-Auswertung auf. Es gibt allerdings gute Gründe, die Werbung per Briefpost weiter zu betreiben und keine Kosten und Mühen zu scheuen:

  • Die richtigen Empfänger werden gut erreicht.
  • Papier ist ein hochwertiges Trägermedium.
  • Trotz hoher Kosten steht der Nutzen in einem positiven Verhältnis dazu.
  • Die Wirksamkeit der Direktmarketing-Kampagnen kann gut gemessen und abgebildet werden.

A.T. Kearney hat in der Studie "Einfluss der wirtschaftlichen Entwicklung auf den adressierten Briefmarkt“ im April 2009 diese Form des Direktmarketings analysiert. Die Studie untersuchte sowohl den Bereich der adressierten Direktwerbung als auch die Transaktionskommunikation. Das Ergebnis: Es werden deutlich weniger Werbebriefe versendet. Trotz dieser rückläufigen Tendenzen gehen die befragten Unternehmen in der Studie davon aus, dass die adressierte Direktwerbung der wichtigste Direktmarketing-Kanal bleibt. Die Unternehmen versenden weniger Werbung per Post aufgrund des allgemeinen Kostendrucks und der Budgetkürzungen wegen der wirtschaftlichen Flaute. Aber auch andere Gründe sind ausschlaggebend:

  • veränderte Datenschutzgesetze,
  • zunehmende Werbeverweigerung der Konsumenten sowie
  • zunehmende Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit.

Bei der Transaktionskommunikation sagen die Unternehmen hingegen eine stagnierende Briefmenge voraus. Die elektronische Rechnung per E-Mail ist zwar kostengünstiger, sie stößt derzeit beim Empfänger aber noch auf wenig Akzeptanz. Und die rechtlichen Vorschriften (Stichwort: Signatur) verhindern bis jetzt auch größtenteils die Umstellung auf die elektronische Kommunikation.

Stichwort

Der Begriff Transaktionskommunikation bedeutet, dass ein Unternehmen mit Kunden oder anderen Unternehmen durch Transaktionsdokumente wie Rechnungen, Gutschriften, Kontostandsinformationen, Lieferscheinen, Tickets oder Versandbestätigungen in Verbindung tritt.

Hohe Transaktionskosten besser nutzen

Bei der Transaktionskommunikation wird immer wieder nach Sparpotenzial gesucht. Aber die Optimierungsmaßnahmen sind bei den meisten Unternehmen schon lange ausgereizt. Da werden die günstigsten Formate ausgewählt, das Papiergewicht verringert und die Sendungen gebündelt. Doch beim Porto ist mit 55 Cent pro Sendung das Minimum erreicht. Dieser dominante Kostenblock belastet die gesamten Kosten, während die Produktionskosten mit etwa 10-15 Cent pro Sendung den deutlich geringeren Kostenanteil ausmachen.

Da am Porto nicht gespart werden kann und die Einsparungen bei den Produktionskosten auch schon ausgeschöpft sind, müssen innovative Lösungen her, um die Kontaktmöglichkeit ohne größere Zusatzkosten für ein zusätzliches Geschäft zu nutzen.

Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken

Google AdWords: Erfogreiche Werbung auf Google schalten

Bei Google AdWords handelt es sich um die bekannten Textanzeigen bei Google, die rechts und zuweilen über den eigentlichen Suchergebnissen eingeblendet werden. Diese kleinen Textanzeigen sind sehr schnell aufgesetzt, sodass ein extrem kurzfristiger Werbeauftritt für jedermann möglich ist. Das Aufsetzen von Anzeigen ist selbsterklärend und kann direkt vom Werbekunden durchgeführt werden, ohne dass man eine Werbeagentur einschalten muss. Der Ausgangspunkt ist die Google-Seite adwords.google.de [116] .

Für jeden Werbenden eine relevante Werbeform

Die Einblendung kann der Werbende durch Vorgabe der gewünschten Suchwörter, bei denen die selbst getexteten Anzeigen eingeblendet werden, selbst festlegen. Über die Festlegung der Keywords hinaus kann der Advertiser bestimmen, in welchen Regionen eine Werbekampagne ausgerollt werden soll. Diese beiden Kriterien sind die Voraussetzung, dass Google AdWords praktisch für jeden Werbenden eine relevante Werbeform darstellten. Das gilt für den internationalen Großkonzern genauso, wie für kleine Firmen, die lediglich auf regionaler Ebene werblich in Erscheinung treten wollen.

Sofern mehrere Werbetreibende beim selben Suchwort eingeblendet werden wollen, legt Google auf Basis eines komplexen Versteigerungsverfahrens fest, in welcher Reihenfolge die Anzeigen erscheinen. Das heißt nicht zwingend, dass der Werber mit dem höchsten Gebot an erster Stelle steht. Auch die Relevanz der Anzeige in Bezug auf die Suchanfrage und die der Zielseite sowie die Klickhäufigkeiten der Anzeigen werden von Google gewichtet. Hieraus resultiert, dass weniger relevante Anzeigen weiter unten stehen können und der Werbetreibende muss möglicherweise dennoch einen höheren Klickpreis an Google überweisen. Die Abrechnung für den Werbetreibenden erfolgt per Klick. Die Werbung bei Google ist deshalb auch im Hinblick auf das Budget genau steuerbar. Der Werbetreibende kann exakte Tagesbudgets angeben, die nicht überschritten werden. So sichert er sich vor bösen Überraschungen ab.

Auswahl der richtigen Suchwörter

Am Anfang einer AdWords-Kampagne steht die Keyword-Recherche. Webmaster, denen bereits umfangreiche Daten zum Beispiel aus Tools wie „Google Analytics“ vorliegen haben, können auf diese zurückgreifen, um eine sinnvolle Keywordauswahl zu treffen.

Um sich mit AdWords vertraut zu machen, können die Werbenden mit solchen Suchwörter starten, von denen sie sicher sind, dass diese häufig zu Käufen oder Anfragen führen, sofern der Kunde mit diesen Suchwörtern auf die eigene Seite gelangt ist.

Wenn keine Erkenntnisse darüber vorliegen, mit welchen Suchwörtern die Besucher auf die eigene Seite gelangen, weil bisher kein Tracking erfolgte oder weil eine Webseite ganz neu an den Start geht, kann die Keyword-Generierung auch auf Basis von Plausibilitätsüberlegungen, der Konkurrenzbeobachtung oder mit Hilfe des „Google Keyword-Tools“ erfolgen.

Die vier Keyword-Optionen von Google

Google bietet zur Bewerbung von Suchwörtern diese vier Keyword-Optionen an:

  • „Weitgehend passende Keywords“
  • „Passende Wortgruppe“
  • „Genau passende Keywords“
  • „Auschließende Keywords“

Bei „Weitgehend passendes Keyword“ wird eine Anzeige bei allen Suchanfragen angezeigt, die weitgehend mit dem gebuchten Suchwort übereinstimmen. Das heißt, eine Einblendung kann auch bei der Eingabe von „Kunststofffenster“ erfolgen, wenn nur „Fenster“ gebucht wurde. Bei „Passende Wortgruppe“ findet eine Einblendung statt, wenn „Fenster aus Holz“ eingegeben wurde und „Fenster“ in der entsprechenden Keyword-Option gebucht wurde. Das Suchwort (oder auch eine Suchwortkombination) muss also (in gleicher Abfolge) in der Suchanfrage vorkommen. Und bei der Option „Genau passende Keywords“ wird nur bei völliger Übereinstimmung von Suchanfrage und Suchwort eine Anzeige eingeblendet.

Das „weitgehend passende Keyword“ bietet also die größte Chance eingeblendet zu werden, beinhaltet aber gleichzeitig das größte Risiko, bei solchen Suchanfragen zu erscheinen, bei denen man lieber nicht erscheinen will. Nicht jeder Hotelelier, der „Hotel“ bucht, möchte bei „Stundenhotel“ eingeblendet werden. Dies führt nur zu Klicks, die nicht relevant sind und die man auch nicht bezahlen will.

Diese Problematik kann durch die vierte Keyword-Option nämlich die „ausschließenden Keywords“ drastisch gemildert werden. „Weitgehend passendes Keywords“ bietet zudem die Chance wichtige neue Keyword-Potenziale zu erschließen, bei denen man bisher in der normalen Google-Suche noch nicht gefunden wurde.

Hierzu ist es aber notwendig, regelmäßige Suchanfrageberichte mithilfe der von Google angebotenen Tools zu erstellen, um so die Werbung immer besser auf die Besucher beziehungsweise auf die eigenen Ziele abzustimmen.

Auswertung des Werbeerfolges ist eine fortlaufende Aufgabe

Sofern man auf der eigenen Seite auch die Tracking-Tools von Google einbindet, kann man die eigene Werbekampagne bis auf Ebene eines einzelnen Suchwortes steuern. Die Tracking-Skripte von Google müssen hierzu beispielsweise auf der sogenannten „Dankeschön“-Seite im Warenkorb (bei einem Shop) eingebunden werden. Der Einbau ist für jeden Webmaster sehr einfach. Die Skripte werden einfach per Copy and Paste in den Quelltext der betreffenden Seite eingebunden. Bei einem Kauf wird durch das Skript eine Rückmeldung an Google gesendet und der Kauf wird direkt dem auslösenden Suchwort zugeordnet. Wer über seine Internetseite nicht verkauft, sondern Kontaktanfragen generiert, kann das Tracking-Script auch so einbauen, dass es beim Absenden eines Kontaktformulars das Erfolgssignal an Google übermittelt.

Mithilfe des beschriebenen Trackings können zu teure Keywords abgestellt werden. Konvertieren einzelne Suchwörter dagegen besonders gut und der Werbetreibende erscheint beispielsweise nur an Position drei bei den eingeblendeten Anzeigen, dann kann durch konsequentes höheres Bieten der Erfolg potenziell weiter gesteigert werden.

Für eine effizient aufgesetzte Werbekampagne empfiehlt es sich, jedes einzelne Suchwort zunächst in allen drei erwähnten Keyword-Optionen einzubuchen. Durch das Tracking wird der Werbeerfolg gemessen. Das regelmäßige Erstellen von Keyword-Berichten - die von Google geliefert werden - ermöglicht, die Effizienz der Werbekampagne zu steigern, indem Suchwörter, die nicht auf eine Kaufabsicht schließen lassen, als ausschließende Keywords in der Kampagne ergänzt werden. Typische Beispiele sind Wörter wie „Bedienungsanleitung“, „gebraucht“ oder Städtenamen solcher Städte, in denen man gar nicht aktiv ist. Sollte ein gebuchtes Suchwort in einer einzelnen Keyword-Option zu teuer konvertieren, so stellt man dieses einfach ab.

Die Zuordnung des Werbeerfolges geschieht übrigens auch in Bezug auf die verschiedenen Anzeigentexte. Deshalb sollte man immer zwei bis drei verschiedene Anzeigentexte für jede Anzeigengruppe erstellen, weil auch die Anzeigentexte einen großen Einfluss auf den Werbeerfolg haben. Hier können dann ebenfalls die schlechter konvertierenden Anzeigen einfach abgestellt werden. Dieses Vorgehen darf als fortlaufender Regelkreis verstanden werden und ist die Grundlage einer effizienten Google AdWords-Kampagne.

[Bild: Google]

Veranstaltungen planen: Rechtliche Rahmenbedingungen für Ihre Betriebsfeier

Nutzungsgenehmigung

Im Baurecht ist zunächst einmal zu unterscheiden zwischen einer Baugenehmigung und einer Nutzungsgenehmigung. Bei der rechtlichen Abgrenzung beziehungsweise Bedeutung beider Begriffe wird schnell klar, dass für Unternehmen, die eine Veranstaltung planen, wohl eher die Nutzungsgenehmigung von Interesse sein dürfte.

Für die Erteilung einer Baugenehmigung ist der Rechtsbegriff der „baulichen Anlage“ entscheidend. Dieser wird in den verschiedenen Bauordnungen der Bundesländer jeweils definiert und macht deutlich, dass für Veranstaltungen von Unternehmen dieser Teil des Baurechts wohl die Ausnahme bleibt. Bauliche Anlagen sind demnach Objekte, die vergleichsweise immobil sind, das heißt, sie können nicht ohne technische Hilfsmittel versetzt werden oder verbleiben zum langfristigen Einsatz an einer Stelle. Schon hier wird deutlich, dass eine Firmenveranstaltung temporären Charakter hat und gewöhnlich nicht erst eine bauliche Anlage dafür errichtet wird.

Nutzungsgenehmigungen hingegen spielen immer dann eine Rolle, wenn Veranstaltungsorte wie etwa Sporthallen für eine einmalige Nutzung herangezogen werden. Klassisches Beispiel: Die jährliche Weihnachtsfeier. Rechtlich wird geprüft, ob der konkrete Veranstaltungsort (eine bauliche Anlage im Sinne des § 29 BauGB) für die Abhaltung von Veranstaltungen bestimmt ist. Dies dürfte zum Beispiel bei Messehallen oder Kongresssälen unbestritten sein. Dient der Veranstaltungsort allerdings grundsätzlich einem anderen Zweck, handelt es sich um eine Nutzungsänderung, die genehmigungspflichtig ist. Ein simples Beispiel: Ein Sporthalle wird für eine Weihnachtsfeier genutzt.  

Rechtlich gesehen ist eine Nutzungsänderung ein Vorhaben im Sinne des § 29 BauGB. Deshalb kommen auch die Vorschriften über die planungsrechtliche Zulässigkeit zum Einsatz. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahre 1988 (Az. 4 C 50/87) kommt zu dem Schluss:

„Von Bedeutung ist jedoch nicht jede beliebige Änderung der Nutzungsweise, sondern es muss eine Nutzungsänderung vorliegen, die die Funktion, die rechtliche Qualität der bisherigen zulässigen Nutzung ändert und damit in bodenrechtlicher Hinsicht die Genehmigungsfrage neu aufwirft.“

Bedeutsam ist aber auch die Art der Veranstaltung. Großveranstaltungen sind i.d.R. genehmigungspflichtig. Bei kleineren hilft ein Blick in die jeweilige Landesbauordnung, die in Katalogform aufzählen, welche Veranstaltungen genehmigungsfrei sind. Unternehmen sollten also im Vorfeld einer Veranstaltung immer prüfen, ob zum eigentlichen Mietvertrag für die Nutzung des Veranstaltungsortes auch noch eine Nutzungsgenehmigung erforderlich ist.

Hinweis

Die Nutzung öffentlicher Straßen oder Plätze ist Ortsrecht und damit Sache der jeweiligen Kommune. Sie wird deshalb auch in deren Satzung geregelt.

Versammlungsstättenverordnung (VStättVo)

Hierbei handelt es sich um eine in Deutschland länderspezifische Verordnung, die sich auf den Bau und den Betrieb sogenannter Versammlungsstätten bezieht. Wichtig ist der Begriff der Versammlungsstätte. Eine solche liegt vor, wenn:

  • die gleichzeitige Anwesenheit einer Vielzahl von Menschen an einer Stelle sowie
  • die Durchführung einer Veranstaltung oder der Verzehr von Speisen und Getränken

gegeben sind. In Bundesländern, die über eine eigene Gaststättenverordnung (GastVo) verfügen, wird der zweite Punkt über diese Rechtsvorschrift geregelt. Hier ein Muster der VStättVo Baden-Württemberg [117] .

„Fliegende Bauten“

Dieser bürokratisch-schillernde Begriff bezieht sich laut der Definition des Deutschen Instituts für Normung (DIN) auf

„bauliche Anlagen, die geeignet und in der Regel auch dazu bestimmt sind, wiederholt aufgestellt und zerlegt zu werden.“

Übersetzt gehören dazu zum Beispiel Karussells, Luftschaukeln, Riesenräder, Achterbahnen und Rutschbahnen, Tribünen, Buden und Zelte beziehungsweise Festzelte. Für fliegende Bauten gelten besondere rechtliche, statische und konstruktive Anforderungen, die unter anderem in der „Richtlinie Fliegende Bauten” (FlBauR) und den Landesbauordnungen der Länder festgeschrieben sind.

Sondernutzungen

Wenn Unternehmen Veranstaltungen auf öffentlichen Wegen und Plätzen durchführen wollen, stellt dies eine genehmigungspflichtige Sondernutzung dar. Zuständig sind die jeweiligen Straßenbaubehörden der Kommune.

Musik- und Singveranstaltung

Planen Unternehmen den Einsatz von Tonwiedergabegeräten oder Musikinstrumenten, müssen sie dafür eine Ausnahmegenehmigung der örtlichen Polizeibehörde, in der Regel des Ordnungsamts, einholen. Handelt es sich um eine Großveranstaltung, muss gewährleistet sein, dass unbeteiligte Personen durch den Lärm nicht belästigt werden. Das Gleiche gilt für das Einholen der Genehmigung für eine Veranstaltung mit Live-Musik. Die entsprechenden Regelungen finden sich in den Immissionsschutzgesetzen der Länder.

Schankerlaubnis

Das Ausschenken von Getränken sowie das Anbieten von Speisen unterliegt grundsätzlich der Erlaubnispflicht. Da Unternehmen mit einer Veranstaltung allerdings keinen festen Gaststättenbetrieb nach der GastVo planen, besteht die Möglichkeit der Erteilung der Schankerlaubnis auf Widerruf.

Sperrzeit

Die Nachtruhe gilt von 22 bis 6 Uhr. In dieser Zeit müssen solche Betätigungen unterlassen werden, die geeignet sind, die Nachtruhe zu stören. Ausnahmeregelungen erteilen die zuständigen Ämter der Kommunalverwaltungen. Auch für Sonn- und Feiertage gibt es entsprechende Ausnahmen.

GEMA-Gebühren

Weil Urheber von Werken in den Bereichen Kunst, Wissenschaft oder Literatur durch das Urheberrecht geschützt sind, müssen entsprechende Musikveranstaltungen bei der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) angemeldet und die dazu erforderlichen Gebühren gezahlt werden. Das Gleiche gilt für Musik-CDs, die im Vorfeld der Veranstaltung gebrannt wurden. Bei Nichteinhaltung drohen empfindliche Strafen.

Hinweis

Hier finden Sie die wichtigen Formulare zur Anmeldung von Musikveranstaltungen bei der GEMA. [118]

Online-Video-Marketing: Drei Regeln für die Erstellung von Online-Videos

Es gibt kaum ein Thema, das sich nicht mit einem Online-Video visualisieren lässt. Ein Hotel beispielsweise führt die Besucher seiner Homepage per Video durch Lobby, Restaurant und Gästezimmer, ein Hersteller technischer Gebrauchsgüter erklärt deren richtige Verwendung oder lässt Kunden über die Vorzüge der Produkte sprechen. Der Marketing-Nutzen wird aber nur dann erreicht, wenn bestimmte Regeln eingehalten werden.

Regel 1: Die Botschaft muss stimmen

Wollen Sie Ihr Marketing mit einem Online-Video auf Trab bringen, müssen Sie natürlich etwas zeigen, dass die Besucher Ihrer Website zu Käufern oder zumindest Interessenten macht. Da niemand Ihre Firma kaufen soll, sind groß angelegte Szenen zu Ihrem Firmengebäude ebenso überflüssig wie Aufnahmen Ihrer Mitarbeiter. Genau genommen interessieren sich Ihre Besucher noch nicht einmal für Ihre Produkte und Dienstleistungen. Aufmerksamkeit erzielen Sie mit den Problemlösungen, die Ihr Unternehmen dem Käufer bietet. Präsentieren Sie also keinen subjektiv gefärbten Werbespot, sondern dokumentieren Sie, dass Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung tatsächlich funktioniert. So könnte ein Hotel auf die besonders verkehrsgünstige Lage oder große, modern eigerichtete Tagungsräume hinweisen. Oder ein Dachdecker auf sein neues Gerüstsystem, das in wenigen Stunden auf- und abgebaut ist. Stellen Sie nur das heraus, was Sie von Ihrem Wettbewerb unterscheidet.

Regel 2: Überfordern Sie Ihre Besucher nicht

Wohl niemand schaut sich freiwillig eine halbstündige und eher langweilige Präsentation an. Begrenzen Sie die Laufzeit des Videos deshalb auf höchstens zwei Minuten. Zu vermeiden sind dabei einerseits Szenen über fünf Sekunden Länge, andererseits aber auch hektische Wechsel wie in einem Musikvideo. Detailaufnahmen sollten sich harmonisch mit Halbtotalen und Totalen abwechseln. Besonders anstrengend für den Betrachter sind schnelle Schwenks und heftige Zooms. Ist ein gesprochener Kommentar vorgesehen, achten Sie auf eine möglichst akzentfreie und gut verständliche Aussprache.

Regel 3: Machen Sie Ihr Video auffindbar

Was nützt das schönste Online-Video, wenn es keiner ansieht? Platzieren Sie den Film deshalb am besten auf Ihrer Homepage, umrahmt von einer kurzen Inhaltsangabe und dem Hinweis auf die Lauflänge. Da inzwischen Google und andere Suchmaschinen die in der Regel im Flash-Format präsentierten Online-Videos indexieren, sollte das Video unbedingt mit sogenannten Tags (Etiketten) erweitert werden. Das sind Schlüsselwörter, die den Inhalt beschreiben und Bestandteil des Films sind. Für die Tags stehen insgesamt 120 Zeichen zur Verfügung. Wenigstens genauso wichtig für Suchmaschinen sind Videotitel und Dateiname, die identisch sein sollten. Präsentieren Sie Ihr Video nicht direkt vom Server Ihres Providers, sondern über einen Link zu Youtube, stehen Ihnen außerdem noch 1.000 Zeichen für eine Inhaltsbeschreibung zur Verfügung.

Technische Tipps fürs Do-it-yourself-Video

Amateurtechnik ist völlig ausreichend

Für die Aufnahme können Sie Kameras mit jedweder digitalen Technologie verwenden. Nach wie vor erstklassig und zudem inzwischen recht preiswert sind Mini-DV-Camcorder, die es bei Online-Auktionen schon für weniger als 50 Euro zu ersteigern gibt. Selbst für einstige Spitzenmodelle namhafter Hersteller sind selten mehr als 200 Euro zu zahlen. Unbedingt notwendig sind ein stabiles Stativ sowie ausreichend Licht. Für Innenaufnahmen bewährt haben sich günstige Baustellenstrahler aus dem Baumarkt in unterschiedlichen Leistungsstufen, zum Beispiel 1.000, 500 und 250 Watt. Die stellen Sie so auf, dass sie die Szene indirekt beleuchten. Richten Sie die Strahler also gegen die weiße (!) Decke oder Wände. Drei dieser Leuchten sind meist ausreichend. Der hellste sollte sich links hinter dem Kameramann befinden, der Strahler mit der geringsten Leistung als „Schattenaufheller“ rechts. Ein weiterer Strahler sorgt schließlich dafür, dass der Hintergrund nicht im Dunkeln versinkt.

Der letzte Schliff am PC

Sind alle Szenen „im Kasten“, überspielen Sie die gedrehten Videos auf Ihren PC. Dort muss natürlich ein Programm laufen, mit dem Sie die Szenen schneiden und zu einem Endergebnis zusammenführen können. Neben den Klassikern von Pinnacle und Adobe (jeweils ab etwa 90 Euro) sind auch Freeware-Programme auf dem Markt, kostenlose Software, mit der sich aber durchaus gut arbeiten lässt. Dazu gehören beispielsweise „Windows Movie Maker“ oder „VirtualDub“. Widerstehen Sie bei der Bearbeitung der Szenen dem Versuch, die oft angebotenen Effekte einzusetzen. Das wirkt amateurhaft im schlechten Sinn. Ein- und Ausblendungen sowie Überblendungen reichen völlig. Mischen Sie außerdem in das linear aufgenommene Video jene Aufnahmen ein, die Sie später gemacht haben. Damit suggerieren Sie dem Betrachter, dass der Film mit mehreren Kameras aufgenommen wurde. Das gesamte Video wirkt dann außerdem dynamischer.

Zu guter Letzt: Konvertieren und das Video in die Webseite einbauen

Den fertigen Film speichern Sie am sinnvollsten nicht etwa im MPEG-, sondern im AVI-Format. Denn nur so bleibt die Ausgangsqualität fürs Archiv oder die nachfolgende Konvertierung unverändert erhalten. Bietet das von Ihnen eingesetzte Schnittprogramm keine automatische Ausgabe ins Adobe-Flash-Format (Endung: swf), müssen Sie einen externen Konverter nutzen, zum Beispiel den kostenlosen AVI2Flash-Converter. Seien Sie sowohl bei der Bildgröße als auch bei der Bildqualität nicht zu großzügig. Nicht jeder ist mit einem Highspeed-Anschluss im Netz unterwegs. 400 mal 300 Pixel bei mittlerer Kompression sind meist völlig ausreichend.

Ist der Flash-Film fertig und entspricht er Ihren Erwartungen, bauen Sie ihn an geeigneter Stelle auf Ihrer Webseite ein. Den dazu erforderlichen HTML-Code liefert entweder das Schnittprogramm oder der Konverter. Verzichten sollten Sie auf den sogenannten Autostart des Videos, also aufs Abspielen, sobald die Seite geladen ist. Versehen Sie den Film stattdessen mit den klassischen Bedienknöpfen. So kann jeder Besucher selbst entscheiden, wann er Ihr Video sehen will. Komplett hinfällig ist die Konvertierung dann, wenn Sie Ihr Video auf Youtube hochladen und auf Ihrer Webseite einfach einen Link setzen.

Beispiele für gelungene Online-Videos

  • Das Unternehmen „Bensons for Beds“, ein britischer Bettenspezialist, hat ein Online-Video produziert, welches hervorragend zeigt, wie kreativ man in dem Video Bereich sein kann. Das Video handelt von einem Versuch, einen Mattratzen-Domino Weltrekord aufzustellen. Insgesamt wurde das Video circa 740.000 von Internetnutzer gesehen. Sehen Sie hier das Video [119] .
  • Der Küchengerätehersteller „Blendtech“ hat es mit der Video-Reihe „Will it blend“ mit viel Humor geschafft die Vorteile des Produktes herauszustellen. Das Video wurde insgesamt circa 3,8 Millionen mal angesehen und ist eine der erfolgreichsten Online-Video Kampagne. Sehen Sie hier das Video. [120]

[Bild: Vanessa - Fotolia.com]

Kundengewinnung im Web: Was Marketingmanager über Onlinemarketing wissen sollten

Eine Studie des Institut für Demoskopie Allensbach ergab: Mit dem Internet verschiebt sich nicht nur das Mediengefüge. Es entsteht auch eine neue Informationskultur, die sich unter anderem durch ein On-Demand-Informationsverhalten der Internetnutzer auszeichnet. Parallel dazu kam eine Studie von McCann zum Schluss: Das Wissen von zwei Drittel der Marketingmanager bezüglich der Nutzung der Digitalen Medien ist gering. Nur Wenigen ist zum Beispiel bewusst, dass 2008 bereits 98 Prozent der privaten Internetnutzer das Internet für die Jagd nach dem günstigsten Produkt nutzten; des Weiteren, dass hiervon wiederum fast 50 Prozent für ihre (Kauf-)Entscheidungen die Kommentare anderer Nutzer zum Beispiel in Diskussionsforen heranzogen.

Unklar ist vielen Marketingmanagern auch, wie Internet-Nutzer auf die Informationsfülle im Netz reagieren. Sie gehen immer gezielter und selektiver vor. Haben sie nicht unmittelbar den Eindruck, dass ein Suchergebnis ihrem aktuellem Informationsbedürfnis entspricht, wird dieses unmittelbar „weggeklickt“. Sie „scannen“ die Informationen sozusagen und selektieren diejenigen heraus, die ihnen auf den ersten Blick erkennbar (zumindest scheinbar) den größten Nutzen bieten.

Unternehmen müssen umdenken

Das geringe Wissen vieler Marketingmanager über die Nutzung der Digitalen Medien spiegelt sich auch in den Versuchen der Unternehmen wider, über das Internet Kunden zu gewinnen: sie wirken meist unprofessionell. Zwar gibt es vereinzelt professionelle Internetangebote. Diese sind aber in der Regel von Nischenanbietern. Analysiert man hingegen die Versuche von Anbietern, in den Massenmärkten via Internet Kunden zu gewinnen, dann registriert man meist einen Mangel an Dynamik und Innovation. Viele Unternehmen scheinen zudem noch die erforderlichen Investitionen für eine professionelle Kundengewinnung mithilfe des Internets zu scheuen.

Wenn Unternehmen den Bedeutungsverlust der Print- und TV-Werbung für die Kundengewinnung kompensieren möchten, dann müssen sie sich eingestehen: Die Kundengewinnung via Internet funktioniert anders als die klassische Werbung. Sie müssen zudem erkennen, dass die Kundengewinnung via Internet nicht primär ein Technikthema ist. Viel wichtiger ist eine Kundengewinnungs-Strategie, die

  • auf einem tiefen Verständnis des Kundenverhaltens basiert,
  • die Kundengewinnung neu denkt und
  • die betriebliche Ressourcen in die richtige Richtung lenkt.

Eine solche Marketing 2.0-Strategie existiert in den meisten Unternehmen (noch) nicht.

Kernfrage: Wie gewinnen wir künftig Kunden?

Was zeichnet eine solche Strategie aus? Spielt in ihr der klassische Marketing-Mix keine Rolle mehr? Doch! Er wird auch künftig von hoher Bedeutung für die Kundengewinnung sein. Doch die marketingpolitischen Instrumente entwickeln sich in eine neue Dimension, und diese bringt aufgrund der Dynamik und Schnelligkeit des Internets neue Herausforderungen mit sich.

Diese Herausforderungen resultieren aus der Entwicklung von einer Anbieter- zu einer Nachfrageorientierung seit den 70er Jahren. Diese ist geprägt von einem hohen und weiter wachsenden Konsumenten-Individualismus und Nutzen-Egoismus – zwei Phänomene, über die zwar schon viel gesprochen wurde, deren Konsequenzen für die Kundengewinnung aber noch kaum erforscht sind.

In Marketing 2.0-Ansätzen verliert der planerische Prozess der Kundengewinnung, wie er heute mithilfe von CRM-Systemen praktiziert wird, an Bedeutung. Statt dessen tritt etwas in den Vordergrund, was Marketing- und Absatzleute nicht gerne hören: Die (Ziel-)Kunden rücken ins Zentrum des eigenen Verstehens und Organisierens und haben am Planungs- und Entscheidungsprozess teil.

Am Point-of-Sale Internet zeigen die Kunden ein Verhalten, das mit den Denkmustern des Ladenverkaufs nicht hinreichend erklärt werden kann. Also müssen neue Erklärungsmodelle sowie Marketingkonzepte entwickelt werden – und zwar solche, die von einem in Verständnis der Integration der Digitalen Medien in den marketingpolitischen Entscheidungsprozess geprägt sind. In Marketing 2.0-Ansätzen wird der Marketing-Manager zum Medien-Manager, der sich nicht nur in Produkten und Zielgruppen auskennt. Er versteht es auch, die zahlreichen Techniken und Chancen des klassischen Marketing-Mixes in eine Online-Kommunikations-, Produkt-, Distributions- und Preiswelt zu übersetzen.

„Gesteuerte Freiheit“ ersetzt Kontrolle

In einem Marketing 2.0-Ansatz spielen die Marketinginstrumente gleichberechtigt zusammen. Hierdurch verändert sich auch die Arbeitsweise der Marketingabteilungen. Kommunikationspolitisch ist es nicht mehr damit getan, einen TV-Spot zu produzieren und ihn mithilfe eines üppigen Mediabudgets an ein Millionenpublikum zu bringen. Marketing 2.0 nutzt die Skaleneffekte des Internets.

Damit verbunden ist ein Kontrollverlust der Markenverantwortlichen. Sie können nicht mehr bestimmen, welche Werbebotschaften welcher Kunde wann mit welcher Intensität sieht. Im Marketing 2.0 ruft der Nutzer die Werbung selbst ab. Er gestaltet und bestimmt sein Informationsportfolio selbst. Der Kontrollverlust geht so weit, dass der Nutzer nach typischer Web 2.0-Manier Informationen bewertet, in neue Kanäle einsortiert und kommentiert. Ein Alptraum für jeden Marketingmenschen. Aber damit müssen sie sich wohl oder übel abfinden und die Herausforderung annehmen, Marketing 2.0 richtig umszusetzen.

Kundenbindung: Was sich Unternehmer vom Italiener um die Ecke abschauen können

Nur jeder vierte Deutsche hat einen Hausarzt, aber jeder zweite einen Lieblingsitaliener – das stellte bereits Helmut Schmidt verwundert fest. Zum Italiener um die Ecke – nennen wir ihn Luigi – geht man immer wieder gerne: man isst gut, wird gut bedient und sitzt gemütlich. Das ist in anderen Restaurants doch ähnlich – was macht den kleinen Italiener dann so besonders?

Die Deutschen sind ihrem Italiener sogar in schlechten Zeiten treu: als Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz über ihren Vermögensverlust sprach, sagte sie, mit ihrem Mann nur noch beim Italiener um die Ecke ganz einfach Pizza zu essen. Und signalisierte damit: das ist kein Luxus, das gehört zum Mindeststandard im Alltag. So etabliert haben sich die kleinen Italiener in der deutschen Gesellschaft.

Luigi hat also ein paar Erfolgsgeheimnisse, die seine Gäste immer wieder zu ihm führen, selbst in finanziell schwierigen Zeiten. Solche Kunden zu haben, die selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gerne immer wieder kommen – das ist auch ein Traum jedes Unternehmers. Wenn Luigi das schafft, wieso sollte es in anderen Branchen nicht genauso möglich sein? Was sind also Luigis Erfolgsgeheimnisse und wie können Unternehmen davon profitieren?

1. Bei Luigi fühlen sich die Kunden wohl

Die Pizza schmeckt auch woanders gut, und billiger ist sie dort manchmal auch – Produkt und Preis sind bei Luigi wie bei vielen Unternehmern austauschbar. Wenn wir aber zu Luigi kommen, begrüßt er uns sofort mit unserem Namen, oder zumindest mit einem italienisch-charmanten „Buonasera“, wenn wir uns nicht kennen. Das möchten wir nicht mehr vermissen! Luigi schafft es einfach, dass seine Gäste sich wohlfühlen. Und das tut er ganz systematisch: diese Begrüßung ist Teil eines umfassenden Wohlfühlprogramms, das von der Reservierung über die Bestellung bis zum Abschied alle einzelnen Momente des Besuchs einschließt.

Luigis Kellner arbeiten gerne im Restaurant, das merken auch die Gäste. Während sie essen, werden sie aufmerksam, aber nie aufdringlich bedient, und mit der Rechnung bekommen sie einen Grappa, als Dank dafür, dass sie sich für ein Essen bei Luigi entschieden haben. So sind bei Luigi alle einzelnen Momente, in denen seine Gäste das Restaurant erleben, mit Wohlfühlpluspunkten gestaltet. Luigi als italienischer Gastronom macht das ganz automatisch so.

Wie aber geht das in einem Unternehmen, das zum Beispiel Maschinen oder Werkzeuge verkauft? Ein Grappa zur Rechnung wäre vermutlich unpassend, aber in jedem Geschäft lässt sich der gesamte Ablauf des Kundenkontakts in seine einzelnen Schritte zerlegen und dann so gestalten, dass der Kunde sich von Anfang bis Ende wohlfühlt. Es beginnt mit dem ersten Kontakt, häufig über die Internetseite, und geht über die Betreuung am Telefon, persönliche Treffen und den gesamten Schriftverkehr bis zur Lieferung und Bezahlung des Produkts – und darüber hinaus bis zur Nachbetreuung und die Vorbereitung von Folgeaufträgen.

Es gilt, in wirklich jedem einzelnen Schritt dafür zu sorgen, dass Kunden sich wohlfühlen: wie werden sie auf der Internetseite empfangen, wie am Telefon behandelt? Wie wertschätzend ist der Ton in E-Mail-Abwesenheitsnotizen und in der Rechnung? Damit alle Mitarbeiter die Kunden behandeln wie italienische Kellner ihre Gäste, ist es hilfreich, ein Wohlfühlprogramm zu definieren. Dieses erfasst alle Abläufe und legt entsprechende Anweisungen fest.

Checkliste Wohlfühlprogramm

  1. Listen Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern alle Punkte auf, in denen der Kunde mit Ihrem Unternehmen in Berührung kommt.
  2. Nehmen Sie sich einen Punkt vor, bei dem Sie und Ihre Mitarbeiter den größten Handlungsbedarf sehen.
  3. Legen Sie für diesen Punkt ein Ziel fest und wie es in der Praxis umgesetzt werden soll.
  4. Entwickeln Sie daraus eine genaue Arbeitsanweisung.
  5. Trainieren Sie diese Anweisung mit Ihren Mitarbeitern.
  6. Wenden Sie sie in der Praxis an und sammeln Sie Erfahrungen.
  7. Wenn die Umsetzung in Ihrem Unternehmen funktioniert, nehmen Sie sich den nächsten Punkt vor.
  8. Nehmen Sie sich einmal im Jahr die Zeit und überarbeiten Sie die Anweisungen im Wohlfühlprogramm.

2. Luigi kennt den wahren Wert seiner Kunden

Es gibt Momente, in denen Luigi sich Sorgen macht: zum Beispiel, wenn er einen Stammgast eine Weile nicht sieht. Oder wenn sich ein Gast über die Unfreundlichkeit eines Kellners beschwert. Man mag sich fragen, wieso er das so ernst nimmt; ein Gast lässt im Schnitt 20 Euro bei einem Besuch im italienischen Lokal. Das ist nicht gerade besonders viel.

Aber Luigi sieht das anders, denn er weiß auch, dass ein Stammkunde etwa zwei Mal im Monat zu ihm kommt und so im Jahr 480 Euro zu seinem Umsatz beiträgt. Luigi möchte seine Kunden noch lange behalten, am liebsten bis zum Ende seiner Berufslaufbahn. Wenn das noch etwa 30 Jahre sind, bekommt ein durchschnittlicher Stammkunde für ihn den gesamten Wert von 14.400 Euro – eine Zahl, die seine Sorgen rechtfertigt. Und es ist in dieser Rechnung noch nicht einmal berücksichtigt, dass ein zufriedener Kunde auch seine Freunde mitbringt oder das Lokal weiterempfiehlt!

Wie ist das bei Ihnen, kennen Sie den wahren Wert Ihrer Kunden? In der Regel investieren Unternehmen hohe Summen, um Kunden zu gewinnen: in Werbung und Broschüren, in Vertrieb und Marketing. Wer den gesamten Wert realistisch über die Dauer der Kundenbeziehung sieht, handelt automatisch mit noch mehr Wertschätzung gegenüber dem Kunden. Es ist daher hilfreich, diesen Wert zu ermitteln – am besten gemeinsam mit allen Mitarbeitern.

Checkliste Kundenwert

  1. Wie hoch ist Ihr durchschnittlicher Umsatz pro Kunde?
  2. Wie oft nimmt ein Kunde Ihre Dienstleistung in Anspruch? Wie viele Ihrer Produkte bezieht er pro Jahr? Ermitteln Sie den Jahresumsatz.
  3. Wie lange wollen Sie Kunden ans Unternehmen binden? Ermitteln Sie den Gesamtumsatz.
  4. Lassen Sie diese Zahlen auch von Ihren Vertrieblern und Mitarbeitern ausrechnen – so steigt das Bewusstsein für den Wert des Kunden!

3. Bei Luigi gibt es nur italienisches Essen und italienischen Wein

Es ist absolut selbstverständlich, beim Italiener bestellen wir keinen Hamburger oder gar Kaiserschmarrn – wir fänden es sogar seltsam, wenn er das auf der Karte hätte. Luigi bietet Antipasti und Pizza, und dazu reicht er italienische Weine. Er beschränkt sich auf das, was er kann, und bietet dabei richtig gute Qualität.

Was beim Italiener so klar ist, fällt Unternehmen oft schwer: zu viele versuchen, ihr Angebot immer zu erweitern in der Hoffnung, neue Kunden zu gewinnen. Doch so verwischen sie letztlich ihre Abgrenzung zum Wettbewerb und werden immer vergleichbarer.

Was steht auf Ihrer „Speisekarte“? Es gilt, die eigene Positionierung ganz klar zu definieren und nach außen sichtbar darzustellen. Dafür ist es ganz entscheidend, die eigenen Stärken zu kennen und deren Wert für Kunden einzuschätzen. Denn wer zum Beispiel Dichtungsmaterialien herstellt, kann technisch gesehen sicherlich auch Verpackungsfolien ins Programm aufnehmen. Würden die Kunden das auch so annehmen?

Checkliste Positionierung

  1. Was unterscheidet Ihr Unternehmen von den Mitbewerbern bzw. was können Sie besser als die anderen? Auch Kleinigkeiten und emotionale Faktoren zählen!
  2. Stellen Sie sich diese Frage gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern aus allen Abteilungen – die werden überrascht über die unterschiedlichen Ideen sein!
  3. Wenn Sie auf die ersten beiden Fragen keine wirklich gute Antwort haben: Welche Unterkategorie könnten Sie schaffen, die es vielleicht noch nicht gibt?

Zum Lieblingsitaliener der Kunden werden

Der Besuch beim Italiener um die Ecke ist immer ein Erlebnis: alles stimmt und wir fühlen uns wohl. Auch ein Unternehmen kann zum „Lieblingsitaliener“ in seiner Branche werden – und sich von Luigi die Erfolgsgeheimnisse abschauen. Denn wer es schafft, dass sich Kunden bei ihm wohlfühlen, den wahren Wert der Kunden kennt und sich klar positioniert, wird vom Wettbewerb schwer nachahmbar. Und das geht in jeder Branche – in der Gastronomie wie in der technischen Produktion oder in Dienstleistungsgewerben.

[Bild: Peter Müller - Fotolia.com]

Preiskriege: Unternehmen senken ihre Preise in der Krise

Mehr als die Hälfte europäischer Unternehmen befindet sich nach eigenen Angaben in einem Preiskrieg und hat die Preise in der Krise massiv reduziert. 95 Prozent machen dafür die Konkurrenz verantwortlich. Das ergibt eine Studie der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners. Obwohl mehr als zwei Drittel der Befragten schätzt, dass Preissenkungen nicht im gleichen Maß den Absatz steigern, reduzierten knapp 40 Prozent dieser Firmen ihre Preise während der ersten Krisenmonate. Frank Bilstein, Geschäftsführer bei Simon- Kucher, der zusammen mit WHU-Professor Martin Fassnacht die Studie in Deutschland betreut hat, erläutert:

„Das richtige Wissen ist also in den Unternehmen vorhanden. Unter dem Druck der Krise wird es aber offensichtlich missachtet.“

Länder- und Branchenunterschiede bei Preisstrategie

Die Studienergebnisse bringen noch weitere interessante Aspekte zutage. So hängt die Neigung zu Preiskriegen stark vom Land ab:

  • in Spanien etwa sind mehr Unternehmen davon betroffen, als in jedem anderen untersuchten Land (63 Prozent),
  • in Deutschland sehen sich 51 Prozent der Befragten in einem Preiskrieg und
  • in Großbritannien nur knapp ein Drittel.

Auch gibt es deutliche Schwankungen innerhalb der Branchen. Knapp zwei Drittel der Unternehmen aus den Bereichen Produktion, Telekommunikation und Engineering kämpfen die Preisschlacht. Dagegen sind es bei den Konsumgütern, Medien, Pharma und Dienstleistern im Schnitt nur 40 Prozent. Vielleicht steckt zum Beispiel den IT-Dienstleistern noch die letzte Krise nach dem Platzen der Dotcom-Blase in den Knochen und sie haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Strategische Prioritäten

Mehr als die Hälfte der Unternehmen setzt strategische Prioritäten stärker auf aktives Kostenmanagement als auf Preismanagement.

„Erstaunlich, denn Unternehmen mit Fokus auf Preismanagement sind ertragreicher“,

so Bilstein. Und nur ein geringer Teil der Befragten (17 Prozent) kümmert sich intensiver um seine Preise. Die meisten Unternehmen messen dem angestrebten Absatz- bzw. Marktanteil eine höhere Bedeutung zu als stabilen Preisen (69 Prozent gegenüber 31 Prozent). Viele Unternehmen übersehen auch, dass weit mehr Absatz nötig ist, um Preissenkungen auszugleichen, als sie denken. Nur 4 Prozent schätzen den nötigen Absatz bei einem 10-prozentigem Preisrückgang richtig ein. Rund drei Viertel hingegen unterschätzten den nötigen Absatz um mehr als 30 Prozent! Der Experte Bilstein bemerkt:

„Das beweist: Allein der richtige Einsatz des Taschenrechners könnte viele Unternehmen vor folgenschweren Fehlern bewahren.“

Hinweis

Ausführliche Informationen, wie Unternehmen die richtigen Preise festlegen können, finden Sie in dieser Lösungshilfe:

Preismanagement: Den richtigen Preis festlegen [121]

Wie wird sich das Preisniveau künftig entwickeln?

Knapp die Hälfte der Befragten sind der Meinung, dass das Preisniveau auch im kommenden Jahr gleich bleiben wird, ein Drittel glaubt an einen Rückgang. Der Handlungsbedarf wird noch deutlicher bei den Hypothesen der Befragten. 37 Prozent glauben, dass es einfacher wird, in Zukunft Preise auf das alte Niveau zu heben als Kunden zurückzugewinnen. Die Studienautoren halten das für einen Trugschluss, denn die Realität zeige, dass sich Kunden sehr schnell an niedrige Preise gewöhnen und Preiserhöhungen selbst in guten Zeiten schwierig seien. Die Pricing-Probleme würden in absehbarer Zeit nicht verschwinden, aber das Potenzial sei da und die Lösungen lägen auf der Hand.

Zur Studie

Simon-Kucher & Partners führte die europaweite Studie gemeinsam mit führenden europäischen Business Schools unter 1.220 Führungskräften aus acht Ländern durch. Die Unternehmen gaben in einer Befragung Auskunft über ihre Preispolitik in der Krise.

[po; Quelle: Simon-Kucher & Partners; Bild: Herby - Fotolia.com]

Online-Marketing: Die wichtigsten Trends für 2010

Kommunikation und Information sind nach wie vor die Hauptgründe zur Nutzung des Internets. Die Basis bilden alte und neue Technologien, die den sinnvollen und effizienten Umgang mit den neuen Medien erst ermöglichen. Innerhalb dieser Grenzen zeigen die Nutzer spezielle Gewohnheiten und Ansprüche, die auf Individualität und Ubiquität abzielen. Deshalb heißt es nicht nur ab dem folgenden Jahr einen genaueren Blick auf das Internet und seine Nutzer zu werfen, um es in ihre Wünsche, Angebote und virtuellen Möglichkeiten zu zerlegen. Auch in nächster Zukunft werden spezialisierte Inhalte und deren Allgegenwärtigkeit die Trends im Online-Bereich bestimmen.

Die folgenden Trends werden im nächsten Jahr entscheidend dazu beitragen, die Informations- und Kommunikationskultur weiter mit zu formen und gleichzeitig neue Standards für das Online-Marketing setzen.

Trend 1: Social Media Marketing

Um die Bekanntheit einer Marke auf- und auszubauen, müssen in bestimmten wirtschaftlichen Segmenten neue Kommunikationswege beschritten werden. Das Internet hat sich längst als akzeptiertes und hoch frequentiertes Medium etabliert, sodass hier neue Zielgruppenpotenziale ausgeschöpft werden können. Die Besonderheit bei dem Einsatz von Social Media Marketing liegt in dem aktiven Einbezug der Nutzer zur Gestaltung und viralen Verbreitung der Markenbotschaften. Dies funktioniert nur, wenn die Nutzer wirklich überzeugt von einer Marke sind, sich nicht für Werbezwecke ausgenutzt fühlen und einen persönlichen Mehrwert für sich entdecken.

Dafür ist es wichtig, jeden einzelnen Nutzer als das Individuum anzusehen, das er in dem Moment seiner Online-Präsenz darstellt. Das heißt, sowohl seine unterschiedlichen Interessen als auch seine persönliche Vernetzung zu berücksichtigen. Mitglieder in sozialen Netzwerken interessieren sich meistens für Neuigkeiten und Innovationen und lassen sich gerne überraschen. Sie zählen zu den Early Adopters und leiten Informationen nach einer persönlichen Bewertung an ihre Freunde und Bekannte weiter. Damit erhalten sie Anerkennung im engeren und weiteren Bekanntenkreis, stehen in einem direkten Zusammenhang mit dem anbietenden Unternehmen und fühlen sich in ihrer Meinung respektiert. Sie gestalten die Markenidentität mit. Auf diese Weise entstehen im besten Fall virale Marketing-Effekte, die sich bei kontinuierlicher Kontrolle intelligent steuern lassen.

Trend 2: Apps

App ist die Kurzform für Application, zu Deutsch also Applikation. Damit sind kleine Hilfsprogramme für Multimedia-Handys gemeint, die dem Besitzer einen individuellen Zusatznutzen bieten. Vorreiter ist das derzeit äußerst populäre iPhone. Mit einer App ist der Nutzer in der Lage, die optimale Kochzeit für ein Ei festzustellen, aktuelle Flugdaten auf der Flugreise zu ermitteln, den eigenen Standort auf einer Landkarte zu markieren oder ein Bierglas zu simulieren. Rund 100.000 Apps stehen im iTunes App Store zur Verfügung, teils von den Apple-Profis entwickelt, teils von freien Programmierern zum Download angeboten.

Die Anzahl der iPhone-Nutzer wächst stetig. Zwar werden zurzeit nur rund 20 Prozent der zur Verfügung stehenden kostenlosen und kostenpflichtigen Apps genutzt, doch das Interesse steigt stetig. Denn so individuell die Ansprüche des mobilen Nutzers werden, so persönlich möchte er auch seinen mobilen Zugriff auf verschiedene Dienste gestalten. Die Applikationen müssen einen Mehrwert für den Nutzungsalltag darstellen und nahtlos in denselben zu integrieren sein. Auf diese Weise finden sie, und die damit verbundene Marke, einen festen Platz im Leben des Nutzers eingeräumt.

Trend 3: Social Commerce

Der Begriff dreht zurzeit seine Runden durch die Shopping-Welt. Der Kunde ist im Web wirklich König, denn er entscheidet darüber, bei wem er was wie oft und auf welche Weise kauft. Gefällt ihm ein Produkt oder ein Anbieter nicht, dann wechselt er diese. Darüber hinaus findet er genau auf seinen Geschmack zugeschnittene Angebote, sofern die Shop-Anbieter auf seine Wünsche und Vorstellungen dezidiert eingehen. 1:1-Marketing stellt den Kunden in den Mittelpunkt und filtert jede einzelne Vorliebe heraus.

Der zufriedene Kunde erzählt gerne von seinen positiven Erfahrungen und teilt diese mit seinem sozialen Netzwerk. Er spricht Produkt- und Anbieterempfehlungen aus, verfasst Bewertungen und wirbt auf seinen eigenen Webpräsenzen für seinen auserkorenen Onlineshop. Der Kunde wird somit zum indirekten und direkten Verkäufer.

Trend 4: Video-Marketing

Das Video im Web wird schon seit einigen Jahren als Garant für innovatives Online-Marketing gehandelt. Langsam entwachsen die multimedialen Kurzgeschichten ihren Kinderschuhen und wechseln von der Experimentierphase in einen professionalisierten Status. Es sind nicht mehr nur die selbstgedrehten Home-Storys, die auf den diversen Video-Portalen einen immerwährenden Darstellungsort finden. Nun setzen vor allem Unternehmen verstärkt auf die multimediale Unterhaltung ihrer Zielgruppen. Dafür inszenieren sie

  • Kurzfilme,
  • Webisodes,
  • Clips,
  • Film-Wettbewerbe,
  • Themen-Kanäle und
  • virale Video-Kampagnen,

um ihre Marken in Szene zu setzen. Die Konsumenten ihrerseits belohnen technologisches Know-how, inhaltliches Fingerspitzengefühl und emotionales Involvement, indem sie die gewonnenen Informationen und Eindrücke weiterleiten. Das Video wird sich im nächsten Jahr weiterhin als ein Medium mit hohem Unterhaltungsfaktor etablieren, dessen Positionierungsmöglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft sind.

Trend 5: Cloud Computing

Wenn Leistungen aus Soft- und Hardware sowie die daraus resultierenden Anwendungen und Daten vom lokalen Rechner oder Server in einen virtuellen Raum (Wolke) verlagert werden, ist von Cloud Computing die Rede. Es handelt sich um ein Konzept, das den Einsatz und die Verwendung von IT vom Grundsatz her verändert. Software wird als Service angeboten, eine externe Infrastruktur sorgt für die interne Versorgung mit Daten und auch Social-Networking-Anwendungen finden innerhalb der Cloud Platz.

Unternehmen profitieren von der On-Demand-Infrastruktur. Die daraus entstehende Flexibilität hilft ihnen, ihre IT-Ausstattung auf die aktuellen Anforderungen anzupassen. Da sich die Anbieter entsprechender Lösungen zurzeit mit der Integration von weiteren benutzerfreundlichen Komponenten beschäftigen, wird Cloud Computing ab dem nächsten Jahr steigende Popularität erfahren.

Trend 6: Visual Search

Visualität gehört zu den wichtigen Schlagworten in der Webwelt. Bilder wecken Emotionen und Grafiken bieten Orientierung. Gemeinsam schaffen sie einen wertvollen Überblick, der sich von vergleichbaren Onlineangeboten abheben kann. Jeder Nutzer kennt die drei- bis vierzeiligen Teaser in der Ergebnisliste einer Suchmaschine, die mit fett gedruckter Headline und farbigem weiterführenden Link zu neuen Inhalten führen. Doch viele Themen lassen sich visualisiert besser verstehen.

Eine visuelle Produkt- oder Themensuche offeriert dem Suchenden einen direkten Überblick über für ihn interessante Artikel und verknüpft themenverwandte Komplexe zu neuen Eindrücken. Viele Webangebote werden mithilfe dieser optischen Ergebnisvielfalt einen Mehrwert für ihre Besucher kreieren.

Trend 7: Content Scraping

Die Komplexität von Informationen und Inhalten im Internet nimmt von Minute zu Minute zu. Mit jedem neuen Artikel, Blog-Beitrag oder Kommentar steigt die Informationsflut ohne Rücksicht auf Übersichtsverluste an. Content-Anbieter werden sehr gut beraten sein, ihre Inhalte verstärkt zu bündeln und auf separaten Webpräsenzen anzubieten. Microsites sind das Instrument, um Kunden auf besondere und spezielle Angebote aufmerksam zu machen.

Diese sind mit den Hauptpräsenzen verbunden, können aber völlig isoliert betrachtet und genutzt werden. Die Kunden erfahren so als Antwort auf ihre individuellen Ansprüche eine Spezialisierung der Unternehmensangebote.

Trend 8: Augmented Reality

Auch wenn es teilweise noch wie Science Fiction anmutet, ist Augmented Reality eine neue Methode, um besonders innovative, mobile und junge Zielgruppen anzusprechen. Die erweiterte Realität findet vor allem in Umgebungen Anwendung, in denen die Menschen nach Informationen suchen und ihren Blickwinkel erweitern möchten. Sie kann helfen, einen Ort in all seinen Facetten zu erkennen, um ihn für ein bestimmtes Projekt brauchbar zu gestalten. Das können realitätsbezogene Computerspiele sein, Navigationsaufgaben, industrielle Ortungsverfahren oder historische Rundführungen.

Die Menschen lassen sich gerne von neuen Technologien faszinieren, die sie simpel in ihren Alltag integrieren können. Bieten ihnen diese dazu einen Nutzen, der ihnen ein eigenständiges Bild der täglichen Herausforderungen verschafft, werden sie zu Anwendern aus Überzeugung.

[Bild: Andrzej Puchta - Fotolia.com]

Online-Marketing: So gestalten Sie Ihre Webseite kundenfreundlich

Schneller Aufbau

Internetnutzer sind ungeduldig. Baut sich eine Webseite nur im Zeitlupentempo auf, wird sie schnell weg geklickt - der Besucher ist für Sie verloren. Andere werfen vielleicht erst das Handtuch, wenn man sie mit einem Intro zu beeindrucken sucht. Deshalb ist Schnelligkeit Trumpf: Kommt ein Besucher auf Ihre Website, sollte er innerhalb von wenigen Sekunden eine fertig aufgebaute Website vor sich haben und mit der Informationsaufnahme beginnen können.

Ob Ihre jetzige Seite schnell genug ist, testen Sie ganz einfach, in dem Sie auf die Websites Ihrer Wettbewerber klicken und die Aufbauzeit mit der Ihrer eigenen vergleichen. Dazu ein Tipp: Verwenden Sie die Funktion „Website neu laden“, damit sich die Websites auch wirklich neu aufbauen müssen und nicht etwa schnell aus dem Arbeitsspeicher geladen wird.

Sichere Orientierung

Hat ein Besucher Ihre Webseite gefunden, sollten Sie ihm hier eine schnelle Orientierung bieten. Dabei sollten Sie sich nicht darauf verlassen, dass Ihr Besucher sich zuerst Ihre Startseite ansieht. Viele kommen über Suchmaschinen auf Unterseiten zu Ihrem Internet-Auftritt. Von diesen Unterseiten aus müssen sich Ihre Besucher schnell zurechtfinden und zu Ihrem Kernangebot wechseln können.

Wenn Ihre Website sehr komplex ist, macht eine so genannte „Sitemap“, in der Sie alle Informationen nach Ober- und daraus folgenden Unterbegriffen sammeln, viel Sinn. Oberbegriffe können zum Beispiel „Produkte“, „Unternehmen“, Kontakt“ und so weiter sein – je eindeutiger, desto besser. Die Unterbegriffe ergeben sich dann fast zwangsläufig: „Produkt A, Produkt B, (...)“ beziehungsweise „Geschäftsleitung, Marketing, (...)“. Der Vorteil für Ihre Besucher: Unabhängig davon, auf welcher Unterseite er ankommt, erschließt sich die Architektur Ihrer Homepage.

Die „längste Website der Welt“?

Texte im Internet sollten vor allem kurz sein. Das Lesen am Bildschirm ermüdet die Augen, auch weil horizontale Linien schwieriger zu halten sind. Beschränken Sie sich auf das Wesentliche und strukturieren Sie die Informationen. Eine kurze Einleitung führt den Leser in das Thema ein und zeigt ihm, ob er weiterlesen muss.

Ihre Besucher sollten so wenig wie möglich die Seite horizontal oder vertikal mit der „Scroll-Leiste“ bewegen müssen. Setzen Sie deshalb an den Anfang längerer Texte eine Stichwortliste, die sich als Verlinkung zu den Zwischenüberschriften eignet. An das Ende einer längeren Textpassage sollten Sie Sprungmarken, die den Leser wieder an den Anfang bringen, anbieten. Die Regel für den Haupttext ist einfach: Das Wichtigste zuerst, ein Text sollte immer so beschaffen sein, dass man ihn vom Ende her ganz einfach kürzen könnte, ohne wesentliche Inhalte wegzulassen.

Funktion kommt von funktionieren

Das Schöne am Internet ist die Möglichkeit, unterschiedlichste Inhalte miteinander zu verknüpfen. Verlinken Sie Ihre unterschiedlichen Seiten sinnvoll, also etwa Produktneuheiten mit den Presseberichten, die dazu schon erschienen sind. Tabu sind tote Links: Überprüfen Sie alle Funktionen, ob verlinkte Seiten noch existieren, und gehen Sie entsprechenden Fehlermeldungen konsequent nach. Jede angebotene Funktion muss funktionieren. Das gilt nicht nur in technischer, sondern auch in inhaltlicher Hinsicht. So ist eine Suchmaschine nur dann sinnvoll, wenn sie auf die wichtigsten Suchbegriffe Ihrer Besucher auch eine Antwort weiß. Wer nach zweimaligem Suchen jeweils die Antwort „Leider nichts gefunden“ erhält, wird sich schnell woanders umsehen – der nächste Anbieter ist in der Regel nur zwei Klicks weiter weg.

Service, Service, Service

Kein anderes Medium bietet Ihnen so viele Möglichkeiten, Ihren Kunden Service zu bieten, wie das Internet. Nicht nur dass Sie eine schier unendliche Fülle an Informationen zur Verfügung stellen können. Sie können Interessenten diese Informationen auch mit einem E-Mail-Newsletter schicken und halten dadurch geschickt den Kontakt auch zu jenen Besuchern, die sich bei Ihrem ersten Besuch noch nicht zu einem Kauf entschließen konnten.

Noch besser wird Ihr Service, wenn Ihre Webseite mit Ihrer Unternehmenssoftware vernetzt ist. So können Interessenten bereits vor der Bestellung auf der Webseite Verfügbarkeiten oder Kunden den Status ihrer Aufträge abrufen. Sinnvoll sind oft auch Support-Foren für die Benutzer von beratungsintensiven Produkten, die sich durch die Tipps der Besucher untereinander allmählich zu guten Nachschlagewerken entwickeln.

Guter Service ist auch die Verknüpfung der Webseite mit dem Telefon: Mittels eines Call-Back-Buttons können Interessenten hinterlassen, wann sie angerufen werden möchten. Alle Angebote stehen und fallen jedoch damit, dass jedes Service-Versprechen, das Sie abgeben, auch eingehalten wird. Denn natürlich verärgert es einen Interessenten, wenn er auf eine Anfrage keine Antwort erhält oder zum versprochenen Zeitpunkt nicht zurückgerufen wird.

Drei Tipps für Ihren Internet-Auftritt

  1. Versprechen Sie nichts, was Sie nicht einhalten können. Das gilt für Ihre Angebote, aber auch bei der Beschriftung Ihrer Inhalte. Denn wenn sich ein „Glossar“ als eine Liste mit fünf Stichworten entpuppt, werden die Besucher enttäuscht sein und darauf schließen, dass auch hinter Ihrem Kernangebot nicht viel „dahinter“ ist.
  2. Gestalten Sie Ihren Internetauftritt für den flüchtigen Besucher. Denn die meisten Menschen möchten nicht viel lesen, sondern sich in kleinen Häppchen informieren. Immer wichtiger wird die optische Darstellung, die einen Sachverhalt schnell vermitteln können. Texte bleiben dagegen kurz. Wenn Ihnen längere Texte wichtig sind, packen Sie diese für einen Download in eine PDF-Datei.
  3. Setzen Sie Anker, an denen eilige Besucher „anlegen“ und verweilen können. Solche Anker sind interessante Überschriften, eine interessante Grafik oder eine provokante These („Wir machen Ihnen ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können“).

Trennungsgebot: Werbung und Redaktion auseinanderhalten!

Bei Zeitschriften, Zeitungen und bei den Rundfunkmedien ist die Trennung von Werbung und redaktionellem Inhalt eindeutig geregelt. So finden sich etwa für Printprodukte in den Richtlinien des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) entsprechende wettbewerbsrechtliche Regelungen, die besagen, was als Abgrenzung zum redaktionellen Inhalt als Werbung kenntlich gemacht werden muss. Des Weiteren darf Werbung nicht im „redaktionellen Kleid“ daherkommen, das heißt salopp formuliert: Überall wo Werbung drin steckt, muss auch Werbung draufstehen. Doch wie sieht es damit bei Online-Medien aus, wo doch Links und Verweise auf andere Webseiten zur Normalität gehören?

Rechtliche Grundlagen

Das Telemediengesetz (TMG) verlangt in § 6 besondere Informationspflichten bei der kommerziellen Kommunikation. Dies bedeutet, dass Werbung als solche erkennbar sein muss, also auch im Internet! Von Bedeutung dabei ist besonders § 6 Abs. 3 TMG. Danach gelten nämlich auch für Telemedien die Vorschriften des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Hier spielt zunächst § 3 Abs. 3 UWG in Verbindung mit der Klausel Nr. 11 aus dem entsprechenden Anhang der Vorschrift eine zentrale Rolle. Der Wortlaut:

„Unzulässige geschäftliche Handlungen im Sinne des § 3 Abs. 3 sind der vom Unternehmer finanzierte Einsatz redaktioneller Inhalte zu Zwecken der Verkaufsförderung, ohne dass sich dieser Zusammenhang aus dem Inhalt oder aus der Art der optischen oder akustischen Darstellung eindeutig ergibt (als Information getarnte Werbung).“

Geltungsbereich des § 3 Abs. 3 in Verbindung mit Klausel Nr. 11

Der sogenannte „redaktionelle Inhalt“ bezieht sich auf sämtliche Medien, die der Allgemeinheit beziehungsweise Öffentlichkeit Informationen anbieten und übermitteln, also Printmedien, Rundfunk, Fernsehen und Internet.

Hinweis

Das Landgericht München hat in einem Urteil (Az. 33 O 2958/08) zu der Frage Stellung bezogen, ob die Möglichkeit der Verlinkung im Internet zu einem Verzicht auf das Trennungsgebot führt. Die Antwort: Nein. Jedoch müsse ein großzügigerer Maßstab als bei Offline-Medien angewendet werden. Begründung: Der Internet-Nutzer rechne situationsbedingt eher mit Werbung als bei anderen Medien. Trotzdem hätte der Nutzer den gleichen Anspruch auf Information wie ein Zeitschriftenleser, ob er einen redaktionellen Beitrag oder Werbung vor sich habe.

Verkaufsförderung

Dieses Tatbestandsmerkmal ist im Falle von Medien schlicht und ergreifend mit Werbung zu übersetzen. Dazu gehört alles, was direkt oder indirekt dem Verkauf von Produkten dient. Das Unternehmen hat also die Absicht, mittels redaktionellen Inhalts auf sich beziehungsweise seine Produkte aufmerksam zu machen und sich einen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb zu verschaffen.

Finanzierter Einsatz …

Diese Floskel ist auf den ersten Blick nicht einfach zu verstehen. Rechtsexperten sagen, der Gesetzgeber habe dies jedoch deshalb so formuliert, um diesen Begriff eher weiter fassen zu können. Nur so könnten Verbraucher vor Verstößen gegen das UWG ausreichend geschützt werden. Mit „finanzierter Einsatz“ ist jede Gegenleistung gemeint, die ein Medienunternehmen, also jemand, der für ein Medium verantwortlich zeichnet, von einem Werbenden erhält. Dies kann Geld sein, können aber auch Produkte sein, etwa vor dem Hintergrund, dass die Redaktion wohlwollend über jene berichten soll.

Bei Letzterem dürfte klar sein, dass es sich in der Praxis nur schwer beweisen lässt, wenn beispielsweise Lebensmittelprodukte verschenkt werden, über die zu einem späteren Zeitpunkt berichtet werden soll und diese vom Unternehmen oder der betreffenden Redaktion bereits verspeist wurden.

Unzureichende Kennzeichnung

Als Maßstab für die Bewertung, ob eine Werbung ausreichend als solche gekennzeichnet ist, legt der Gesetzgeber die Perspektive des „verständigen und durchschnittlich aufmerksamen Durchschnittsverbrauchers“ zugrunde. Dem Unterscheidungsgebot ist dann genüge getan, wenn Werbung etwa optisch unterschiedlich von redaktionellem Inhalt mit eigenem Hinweis (zum Beispiel „Anzeige“) aufbereitet wird. Zu verstehen ist das Ganze so: Es dürfen beim Leser keinerlei Zweifel aufkommen, ob es sich um redaktionellen Inhalt oder um Werbung handelt. Können solcherlei Zweifel nicht ausgeräumt werden, liegt ein Verstoß gegen § 3 Abs. 3 in Verbindung mit Klausel Nr. 11 UWG vor.

Sonderfall Internet: Links in redaktionellen Beiträgen

Rechtlich gesehen hängt es von konkreten Umständen des Einzelfalls ab, ob Links in redaktionellen Beiträgen Werbung sind oder nicht. Verständlich dürfte aber sein, dass es Nutzern beziehungsweise Lesern nicht zugemutet werden kann, nach dem Klick auf einen Link erst auf eine Zwischenseite gelenkt zu werden, auf der mittels eines separaten Hinweises auf die Trennung von Werbung und Inhalt aufmerksam gemacht wird.

Ein bloßer Link zu einem Unternehmen etwa, über das berichtet wird, stellt noch keine unzulässige Werbung dar. Die Argumentation: Links sind Bestandteil des Internets und nicht automatisch Werbung Sie besitzen eher Servicecharakter. Bietet ein Medium den Lesern hingegen eine bezahlte Anzeige in Form eines redaktionellen Beitrags an, handelt es sich um einen Verstoß gegen das Trennungsgebot.

Hier finden Sie Erläuterungen des Presserats zur Trennung von redaktionellen und werblichen Inhalten. [122]

[dw; Bild: Yanik Chauvin - Fotolia.com]

Weitsicht: Umfragen planen und durchführen

Was ist schon landläufig über die Branche der Marktforscher bekannt, die vor allem dann sichtbar wird, wenn sie beim „Politbarometer“ Umfrageergebnisse präsentiert oder per Pressemitteilung Studienergebnisse verteilt?

Am einfachsten erfährt man etwas über die Marktforscher, wenn man sich in ihre Lage versetzt – und selbst zum Analysten wird. Wie die Marktforscher nutzt man bei einer Umfrage das Werkzeug Statistik. Die Statistik ist nur dann ein neutrales und aussagekräftiges Werkzeug, wenn man ihre Unwägbarkeiten kennt. So wird sie zum nützlichen Instrument für die Auswertung und Analyse von Umfragen. Richtig ausgewertet kann die Umfrage Verbesserungen bringen und neue Impulse in das Unternehmen tragen. Die häufigsten Themen bei Umfragen sind

  • Prozesse (Qualität, Optimierung, Projekt-Evaluation)
  • Mitarbeiter und Kunde (Ideen, Feedback, Anforderungen, Zufriedenheit),
  • Konkurrenz (Image, Marke, Kooperation),
  • Markt (Werbung, Preisstrategie, Produktpositionierung) und
  • Neuausrichtung der Unternehmensstrategie.

Beispiel: Umfrage bei Mitarbeitern

Je weniger die Unternehmensleitung mit ihren Mitarbeitern kommuniziert, desto eher führt sie eine Umfrage bei ihnen durch - lautet eine provokante These.

Würde das Management über die Anliegen der Mitarbeiter Bescheid wissen, bräuchte es ja nicht zu fragen. Doch in größeren Firmen hat ein Manager keine Zeit den ganzen Tag im Unternehmen umherzugehen, um Ideen und Anliegen der Mitarbeiter aufzugreifen. Und auch der offenherzigste Manager kann aufgrund seiner Führungsposition kein Mitarbeiter wie jeder andere sein, „dem man alles erzählen kann“. Es gibt also immer Informationslücken im Management, die sich mit einer Umfrage zumindest teilweise beheben lassen.

Anonyme Umfragen haben den Vorteil, dass der Personalentwickler von Mitarbeitern Informationen erhält, die diese sonst vielleicht nicht preisgeben; neue Ideen, aber auch Kritik an der Unternehmensleitung. Dann ist genauso wichtig, dass diese Informationen als Ergebnis auch genutzt werden.

Aber vorsicht: Soll eine Befragung wie die von Mitarbeitern neue Erkenntnisse und Impulse für unternehmerische Entscheidungen geben, ist wichtig

  • die Befragten Vertrauen mitbringen: absolute Anonymität und Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat stehen bei einer Umfrage bei Mitarbeitern im Vordergrund;
  • für die Umfrage geworben wird, damit möglichst alle mitmachen;
  • die Umfrage so vorbereitet und durchgeführt wird, dass die erfassten Informationen neue Erkenntnisse überhaupt hergeben.

Anwendungsfalle: Wen befragen?

Man kann nicht immer „alle“ befragen und oft ist das auch gar nicht sinnvoll. Wenn Sie eine Umfrage zum Tempolimit auf Autobahnen in einer ganzen Stadt durchführen, erhalten Sie auch Antworten von Führerscheinlosen und S-Bahn-Fahrern. Fragen sie dagegen auf dem Parteitag der Grünen, ist das Ergebnis genauso eindeutig, als wenn Sie die Besucher eines Formel-1-Rennens befragen.

Die Ergebnisse hängen davon ab, welche Personen an der Umfrage teilnehmen. Das müssen Sie auch beachten, wenn Sie ihre Kunden befragen. Wer beliebige Adressen aus seiner Datenbank stichprobenartig auswählt und an diese Kunden einen Fragebogen sendet, wird möglicherweise nur von denen eine Antwort erhalten, die ihm wohlgesonnen sind. Die Umfrage ist dann nicht repräsentativ. Die Meinung der Unzufriedenen oder derjenigen, die schon zum Wettbewerber abgewandert sind, bleibt unberücksichtigt. Dieser systematische Fehler führt zu einer Abweichung des Umfrage-Ergebnisses von der Realität. Die Größe des Fehlers nennt man Bias.

Stichwort

Wann ist eine Stichproben-Umfrage „repräsentativ“?

Eine „Formel“ für Repräsentativität gibt es nicht. Repräsentativität ist nur eine Eigenschaft von Stichproben-Umfragen. Je besser eine Stichprobe die Gesamtheit derer abbildet, die man eigentlich befragen möchte, desto repräsentativer ist sie. Zwei Faktoren verbessern die Repräsentativität: Größe verbunden mit der zufälligen Auswahl der Stichprobe.

War die Stichprobe „zu klein“, oder auf Personen mit gleichen Ansichten beschränkt, hat sie kaum Aussagekraft und man nennt sie „nicht repräsentativ“. Der systematische Fehler (Bias) ist dann „zu groß“. Wo „zu groß“ anfängt und aufhört ist nicht festgelegt. In der Marktforschung darf der Fehler häufig 5 Prozent nicht überschreiten. Dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Ergebnisse stimmen (Sicherheitsgrad) bei 95 Prozent und die Marktforscher nennen die Stichprobe „repräsentativ“. Sie nehmen bei diesem Sicherheitsgrad aufgrund der Wahrscheinlichkeitsrechnung an, dass das Ergebnis gut übereinstimmt mit der gesamten Gruppe in der man die Stichproben-Umfrage durchgeführt hat (Grundgesamtheit). So als hätte man alle Personen und nicht nur eine Auswahl befragt. In diesem Fall können Daten aus der Stichprobe mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung auf die Grundgesamtheit hochgerechnet werden.

Die Repräsentativität ist ein zentraler Aspekt bei der Vorbereitung von Umfragen. Darüber hinaus müssen aber weitere Fragen geklärt werden:

  1. Ziele: Was will ich herausfinden? Wonach frage ich genau? Gibt es dazu irgendwo schon Antworten?
  2. Instrumente: Erstelle ich einen Fragebogen oder einen offenen Interviewleitfaden? Führe ich die Umfrage schriftlich, telefonisch oder persönlich durch?
  3. Durchführung: Führe ich selbst die Umfrage durch oder beauftrage ich einen externen Marktforscher?
  4. Auswahl: Ist eine repräsentative Stichprobenbefragung nützlich oder will ich eine Vollbefragung eines bestimmten Personenkreise durchführen?
  5. Umstände: Welchen Aufwand an Zeit und Geld ist mir die Analyse Wert? Gibt es woanders schon Daten, die ich nutzen kann?
  6. Rücklaufquote: Wie viele Personen muss ich befragen? Werden genügend davon mitmachen, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten? Wie kann ich das sicherstellen?
  7. Aussagekraft: Wie repräsentativ ist das Ergebnis? Kann ich Vergleiche zu früheren Daten oder Umfragen ziehen?
  8. Lebensdauer: Wann muss ich die Umfrage wiederholen, um aus ihr dauerhaft die richtigen Schlüsse ziehen zu können?

Aufbau eines Fragekatalogs

Viele Analysen werden mit Hilfe vorgegebener Fragen durchgeführt. Schon die Form des Fragens fällt ganz unterschiedlich aus. Ob nun der ausgedruckte Fragebogen verteilt wird, Interviews persönlich oder per Telefon geführt werden, Formulare im Internet genutzt werden (Online-Befragung). Wichtig ist, dass der Befragte Interesse daran bekommt zu antworten. Hat er das Gefühl, dass ihn die Fragen nicht direkt betreffen, hilft zu Beginn eine „Eisbrecherfrage“, die nicht unbedingt mit dem Thema zu tun haben muss, die aber für möglichst viele von Interesse ist.

Das bedeutet, dass ein Fragebogen möglichst individuell für die Gruppe der Befragten entwickelt werden muss. Nur mit logisch aufgebauten Fragekomplexen, die auf das spezielle Umfragethema oder Umfrageziel zugeschnitten sind, erhält man auswertbare Ergebnisse. Diese Punkte sind wichtig:

  • Grundaufbau: Einleitungsfragen („Eisbrecher“), dann Sachfragen, Kontrollfragen und Fragen zur Person oder zum Unternehmen (wegen der Anonymität nicht in der Präsentation enthalten);
  • Sachfragen: zustimmende und ablehnende Fragen abwechseln und Fragetechniken variieren, damit keine Langeweile beim Ausfüllen aufkommt;
  • Filterfragen: erfüllt ein Befragter bestimmte Voraussetzungen nicht, muss er sich mit den Fragen nicht befassen;
  • Besondere Skalierungen für die Fragen, die zu möglichst objektiven Antworten führen;
  • mit Feingefühl und vor allem verständlich und eindeutig formulieren, damit es beim Befragten nicht zu Fehlinterpretationen oder Missverständnissen kommt; (Die Kunst der richtigen Frageformulierung bei Umfragen ist eine sehr anspruchsvolle; zur Unterstützung eventuell spezialisierte Berater heranziehen.)
  • Kontext der Fragen und des Befragten beachten.

Wird der Fragebogen sehr umfangreich, ist das ein Zeichen dafür, dass man die Fragen besser noch einmal in Unterkategorien aufteilt. Zum großen Teil besteht er aus geschlossenen Fragen, die Antwortmöglichkeiten sind vorgegeben. Sie können leicht computergestützt ausgewertet werden. Als alleiniges Mittel sind sie aber selten sinnvoll. Ideen und Anliegen der Befragten muss mit offenen Fragen extra Platz eingeräumt werden, damit sie diese individuell und ausführlich formulieren können.

Geschlossene Fragen basieren auf Multiple-Choice-Verfahren wie den „Likert“-Skalen, auf denen fünf Bewertungsstufen von „sehr gut“, über „neutral“ bis „sehr schlecht“ zur Auswahl stehen. Nachteilig wirkt sich die starke Polarisierung der Antworten auf das Ergebnis aus. Die Befragten antworten auf Likert-Skalen oft extrem positiv oder extrem negativ. Das entspricht nicht der Realität. Aber es gibt Alternativen wie die „Thurstone-“ oder „Guttmann“-Skalen.

Jeder Fragebogen wird um einige Erläuterungen über Hintergründe, Zweck und Ziele der Umfrage, aber auch mit dem Nutzen, den der Befragte haben soll, ergänzt. Bei einer schriftlichen Umfrage ist dies ein freundliches Begleitschreiben, im Gespräch sind es nette Worte vorneweg.

Analyse der Daten

Schon vor der Datenerhebung muss ein Analyseplan angefertigt werden, der festlegt, in welcher Form die Daten analysiert werden sollen. Denn manche Analyseformen erfordern einen bestimmten Rohdatensatz, der von der Umfrage geliefert werden muss. Kann die Qualität der Daten den Anforderungen des Analyseplans nicht standhalten, war die ganze Umfrage vergeblich.

Die eigentliche Analyse erfolgt mit spezieller Statistik-Software. Beispiele sind:

  • SPSS (Statistical Package for Social Sciences),
  • SAS (Statistical Analysis System),
  • Minitab,
  • Statistica,
  • Stata.

Auch mit einem einfachen Tabellenkalkulations-Programm wie Excel können statistische Analysen durchgeführt werden. Dafür gibt es auch spezielle Ergänzungen (Addons) wie etwa XLStat oder WinStat.

Die Auswertung von Umfragen setzt einiges Wissen zur Statistik, zu den statistischen Verfahren und zur Mathematik (Wahrscheinlichkeitsrechnung) voraus. Viele beschränken sich deshalb aurf die einfache Auszählung von Häufigkeiten: „X Personen oder Prozent der Befragten haben die Frage Y mit Z beantwortet.“ Das ist korrekt und mag die eine oder andere Erkenntnis bringen – richtig interessant und spannend sind solche Ergebnisse selten. Deshalb haben Statistiker zahlreiche mathematische Verfahren entwickelt, um aus Rohdaten Informationen abzuleiten, die man auf den ersten Blick nicht sieht.

Am bekanntesten sind:

  • Mittelwert (arithmetisches, geometrisches Mittel)
  • Median,
  • Standardabweichung,
  • Streuung.

Weitere Erkenntnisse ergeben sich durch Clusteranalysen und statistische Testverfahren. Dadurch lassen sich aus der Gruppe der Befragten beispielsweise spezifische Unter-Gruppen und ihre besonderen Merkmale erkennen.

Beispiel Milieus der Sinus-Studie

Über viele Jahre hinweg haben die Marktforscher des Sinus-Instituts [123] in Heidelberg den Kunden in Deutschland untersucht und mehrere Gruppen identifiziert, die sich bezüglich ihrer sozialen Lage und Werthaltung, aber auch nach Vorlieben und Konsumgewohnheiten unterscheiden; beispielsweise in:

  • Traditions-Verwurzelte
  • Post-Materielle
  • Konsum-Materielle
  • Experimentelle

Weitere Informationen dazu finden Sie in dieser Lösungshilfe:

Kundensegmentierung: Zielgruppen unterscheiden und individuell ansprechen [124]

Präsentation der Daten

Die Zahlenkolonnen und die statistischen Ergebnisse, die sich aus der Umfrage ergeben, werden am Ende analysiert, interpretiert, bewertet und in einer aussagekräftigen Präsentation den Auftraggebern der Umfrage erläutert. Wichtig ist eine kurze und präzise Darstellung des Wesentlichen durch Grafiken.

Der eigentliche Umfrageablauf ist damit am Ende. Jetzt müssen die Erkenntnisse wirken. Basierend auf den Erkenntnissen sollte ein Maßnahmenkatalog erarbeitet werden, der die Zahlen in Taten übersetzt. Gerade nach Mitarbeiterbefragungen erwarten diese, dass ihre Aussagen aufgegriffen werden. Dann sind sie bereit, auch beim nächsten Mal mitzumachen – und die nächste Umfrage kommt bestimmt.

Checklisten

Positive Effekte einer Mitarbeiterbefragung

  1. Partizipation: Die Mitarbeiter können Erfahrungen über ihren eigenen Arbeitsplatz anonym einbringen.
  2. Prozessoptimierung: Sie erkennen als erste Schwachpunkte und haben oft Ideen für Optimierungsmaßnahmen.
  3. Motivation: Die Akzeptanz neu eingebrachter Maßnahmen durch die Mitarbeiter steigt.
  4. Evaluation: Neu eingebrachte Maßnahmen werden über längere Zeiträume evaluiert.
  5. Feedback: Die Mitarbeiter geben direktes Feedback über das Verhalten der Führungskräfte.
  6. TQM: Die Mitarbeiterbefragung ist eine Bedingung für Qualitätsmanagementsysteme nach ISO 9004.
  7. Arbeitsschutz: Die Forderung des Arbeitsschutzgesetzes nach Mitarbeiterbeteiligung wird erfüllt.

Wie interpretiere ich Studienergebnisse?

Bei Studien von professionellen Marktforschern, wie bei den eigenen Umfragen ist wichtig, dass die Datengrundlage richtig ist. Um das festzustellen, sollte man die Umstände einer Studie kennen, um dann Aussagekraft und Lebensdauer der Ergebnisse richtig einzuschätzen. Nicht ohne Grund verlangt der Pressekodex „bei der Veröffentlichung von Studienergebnissen [...] die Zahl der Befragten, den Zeitpunkt der Befragung, den Auftraggeber sowie die Fragestellung mitzuteilen.“ Und man sollte noch mehr Hintergründe kennen:

  1. Ziel: Was war das genaue Ziel der Befragung? Wie lautete die genaue Fragestellung?
  2. Instrument: Wurden die Daten online, schriftlich, im Interview oder aus vorhandenen Statistiken oder Quellen gewonnen?
  3. Auswahl: Wer wurde befragt? Gab es eine repräsentative Stichprobe, eine Vollerhebung, eine gezielte Auswahl oder wurde die Auswahl zum Beispiel durch fehlende Adressen und Einträge im Branchenbuch eingeschränkt?
  4. Umstand: In welchem Zeitraum, wo und von wem wurde die Befragung durchgeführt? Hat jemand die Studie in Auftrag gegeben oder stammen die Daten aus amtlichen und unabhängigen Quellen?
  5. Rücklaufquote: Wie viele Personen oder Unternehmen wurden befragt? Wie viele davon gaben Antworten, die auswertbar waren?
  6. Aussagekraft: Lassen sich die Ergebnisse der Studie mit vorigen vergleichen? Sind die Umstände die selben?
  7. Lebensdauer: Wie lange und für wen oder was behalten die Ergebnisse ihre Aussagekraft?

Nachteile der schriftlichen Umfrage

  • hohe Kosten (pro Antwort) bei geringem Rücklauf
  • eingeschränkte Repräsentativität bei geringem Rücklauf
  • keine Verwendung von Hilfsmitteln möglich
  • Beschränkung auf einfache Fragestellungen
  • lange Rücklaufzeiten
  • keine Kontrollmöglichkeiten bezüglich Ernsthaftigkeit, Antwortdauer, Reihenfolge, Informationsbeschaffung, Fragenverständnis und Einfluss Dritter

Vorteile der schriftlichen Umfrage

  • Personen sind leichter erreichbar
  • geringe Kosten (pro Kontakt)
  • kein Interviewereinfluss
  • freie Wahl der Beantwortungszeit

Nachteile der telefonischen Umfrage

  • keine Verwendung von Hilfsmitteln - außer akustischen - möglich
  • Beschränkung auf einfache Fragestellung notwendig
  • eingeschränkte Repräsentativität, da Telefonanschluss Bedingung

Vorteile der telefonischen Umfrage

  • kurzfristig durchführbar
  • relativ geringe Kosten
  • führt zu schnellen Ergebnissen
  • Beeinflussung durch Dritte ausgeschlossen

Nachteile eines persönlichen Interviews

  • Interviewerbias (Interviewereinfluss)
  • hohe Kosten
  • Problem der Kontaktaufnahme bei schwer erreichbaren Auskunftspersonen

Vorteile eines persönlichen Interviews

  • hohe Repräsentativität
  • flexibles Eingehen auf Auskunftspersonen möglich
  • kaum Abbruch (hohe Erfolgsquote)
  • Bereinigung von Missverständnissen möglich
  • Antwortverhalten kontrollierbar
  • Einsatz von Hilfsmitteln möglich
  • Beeinflussung durch Dritte ausgeschlossen
  • führt zu schnellen Ergebnissen

[Quelle: fretutorials.de [125] ]

Weiterführende Links

Viele interessanten Statistiken stellt das Internetportal Statista [126] zur Verfügung. Dort finden Sie auch Hintergründe zu Statistik und zur Verwendung und Interpretation von Umfragen [127] allgemein.

Mehr zu den Begriffen und Grundlagen der Statistik:

  • http://www.statistics4u.info/fundstat_germ/ [128]
  • http://www.elektronikinfo.de/grundlagen/statistiken.htm [129]

Bücher

Methode: Wie Unternehmen erfolgreich eine Marke bilden

Thomas Watson beschloss im Jahr 1924 den Namen der Firma Computing Tabulating Recording Company, der er vorstand, zu ändern in International Business Machines (IBM). Obwohl das Unternehmen damals gar nicht besonders groß und auch international noch nicht in Erscheinung getreten war, formulierte Watson den zukünftigen Anspruch seines Unternehmens - und legte den Grundstein für eine der bekanntesten Unternehmensmarken.

Die wertvollsten Marken der Welt

Jedes Jahr untersucht die auf Marken spezialisierte Unternehmensberatung Interbrand, den Wert und die Bekanntheit von internationalen Marken. IBM liegt dieses Jahr auf dem zweiten Platz. Nur Coca-Cola hat eine wertvollere Unternehmens-Marke.

Die 5 wertvollsten Marken 2009 [Quelle: Interbrand]

Die wertvollste Marke aus Deutschland ist einer aktuellen Studie des European Brand Institute zufolge Mercedes. Der Wert werde auf 19,4 Milliarden Euro taxiert. Für die Untersuchung wurden mehr als 3.000 Unternehmen und deren Marken in 24 Ländern und 16 Branchen analysiert. Direkt hinter Mercedes folgen die Marken Deutsche Telekom und BMW mit einem Wert von 19,1 Milliarden beziehungsweise 18,8 Milliarden Euro.

Stichwort

Was ist eine Marke?

Die Marke ist die Summe der Assoziationen, die ein bestimmtes Produkt in einem Verbraucher weckt. Es sind die funktionalen und emotionalen Merkmale, die er dem Produkt zuschreibt. Marken sind wichtig, weil sie Vorteile im Wettbewerb verschaffen und dem Käufer bei seiner Entscheidung helfen.

Die Marke besteht im Allgemeinen aus fünf wesentlichen Teilen:

  1. Unternehmensname (Company Name);
  2. Unternehmenszeichen (Symbol);
  3. Markenbotschaft (Corporate Claim);
  4. sprachlicher Ausdruck der Unternehmensmarke (Wording und Schlüsselbegriffe);
  5. gestalterische Ausdruck der Unternehmenswerte (Corporate Design).

Markenstrategien

Wird der Kunde nur häufig und laut genug über das Produkt informiert, werden alle seine Merkmale konsequent und nachhaltig mit der Marke in Verbindung gebracht, so wird er die Botschaft glauben und das Produkt kaufen. Darauf bauen die Markenstrategen. Gelegentliche Ergänzungen und Veränderungen helfen, das Produkt neu zu präsentieren. Denn die Wünsche und Erwartungen an das Produkt ändern sich mit der Zeit. Aus dieser Erfahrung heraus entstand die Strategie der Produktmarke (Branding/ reine Markenstruktur). Sie bedeutet:

Ein Unternehmen bleibt anonym und gibt den verschiedenen Produkten eigene Marken. Ein bekanntes Beispiel ist: Procter & Gamble mit den Marken Lenor, Pringles, Punica, Ariel und vielen anderen.

  • Vorteile:
    umfangreichere Produktpalette möglich
    verschiedene Preissegmente ansprechbar
    geringes Gesamt-Flop-Risiko
  • Nachteile:
    begrenzter Produktlebenszyklus
    fast keine Skalenerträge
    kein Imagetransfer auf neue Produkte möglich
    dadurch hohe Startkosten

Nur wenigen Unternehmen ist es im Laufe von Jahrzehnten wie Beiersdorf mit der Marke Nivea gelungen, diese Nachteile auszuhebeln.

Andere Unternehmen zählen nicht die Produktmarke, sondern die Firmenmarke zu ihren Vermögenswerten, dessen Erhaltung einen hohen finanziellen Aufwand erfordert. Sie wird damit zum Kern einer ganzheitlichen Geschäftsstrategie, die der Dach- oder Firmenmarke (Corporate Branding/ monolithische Markenstruktur).

Ein Unternehmen präsentiert sich als Marke und bietet verschiedene Produktpaletten an; Beispiele sind Telekom, IBM, Intel, Microsoft oder Coca Cola.

  • Vorteile:
    höhere Stabilität in konjunkturschwachen Phasen
    kein begrenzter Lebenszyklus
    klare Zugehörigkeit
    hoher Imagetransfer auf die Produkte möglich
    Skalenerträge und Synergien
  • Nachteile:
    ein Flop beeinträchtigt das Gesamtimage
    es kann nur eine einheitliche Preisstrategie für alle Produkte geben

80 Prozent aller als Bild- oder Wortmarken registrierten Dienstleistungsmarken stellen inzwischen Dachmarken dar. Hierbei geht es um die Summe der Assoziationen im Zusammenhang mit einem bestimmten Unternehmen. Zum Beispiel muss sich die Telekom nach außen hin mit einer klaren Botschaft und einem konsistenten Bild präsentieren. Dadurch wird das Vertrauen in das Unternehmen aufgebaut, nicht nur in einzelne Produkte oder Dienstleistungen. Die Firmenmarke wird nach und nach zu einem Treiber für die gesamte Produktpalette.

Als Zwischenstufe der beiden Strategien ist die gestützte Markenstruktur zu nennen. Die reine Produktmarke wird dann durch den Zusatz der Unternehmensmarke ergänzt.

Achtung Ausland!: Erfolgreich Geschäfte machen im Ausland

Vorsicht vor Sonderklauseln

Manche Formulierungen in ausländischen Verträgen sind hierzulande nicht üblich. Beispielsweise der Hinweis, dass ein bestimmter Prozentsatz des Kaufbetrags nur unter dem Vorbehalt bezahlt wird, dass die Lieferung einen bestimmten Zweck erfüllt oder eine bestimmte Qualität bietet. Solche Vereinbarungen öffnen natürlich Tür und Tor für eigenwillige Interpretationen und Forderungen.

So ist die Behauptung, dass etwas nicht einwandfrei funktioniert, im fernen Ausland nicht so einfach zu widerlegen. Zur Prüfung einen Mitarbeiter hinzuschicken, ist teuer und bringt nicht immer das gewünschte Ergebnis. Letztlich werden Sie einen Abschlag hinnehmen müssen, damit Sie wenigstens einen Teil des Betrags erhalten. Vermeiden Sie deshalb nach Möglichkeit solche Klauseln oder lassen Sie diese vor Abschluss gesondert von Ihrem Rechtsanwalt prüfen.

Fremde Sitten beachten

Beschäftigen Sie sich mit der Kultur und Mentalität im jeweiligen Land. Auf jeden Fall sollten Sie die lokalen Gepflogenheiten kennen: Wie schnell kommt man zur Sache? Wie wichtig ist das persönliche Verhältnis? Bereiten Sie sich gut auf das erste persönliche Treffen vor: Informieren Sie sich über Tabus und Rituale im Gastland, finden Sie heraus, was von Ihnen als Gastgeber erwartet wird. So ist es in manchen Kulturen selbstverständlich, Besuchern ein Abendprogramm zu bieten.

Auslandstauglichkeit prüfen

Meist werden Sie Ihre Lieferungen für die ausländischen Kunden spezifizieren müssen. Bestimmen Sie genau, in welcher Form der Kunde die Lieferung erwartet. Prüfen Sie selbst, ob die Voraussetzungen für den Auslandseinsatz erfüllt sind: Passen Steckverbindungen? Welche Sicherheitsvorschriften müssen Sie einhalten? Gibt es Faktoren wie Klima oder Luftverschmutzung, die Sie berücksichtigen müssen? Erst dann können Sie genau kalkulieren, welche zusätzlichen Kosten anfallen und zu welchem Preis Sie anbieten können.

Risiken verteilen

Je mehr Zeit und Geld Sie in ein Auslandsgeschäft investieren, desto eher sollten Sie Partner mit in das Boot nehmen. So könnten Sie einem Ihrer Lieferanten, der am Geschäft interessiert ist, eine Partnerschaft anbieten. Oder Sie bitten einen erfahrenen Exporteur, das Geschäft für Sie mit abzuwickeln. Der Staat wiederum bietet über die KfW Ausfallkredite an und beteiligt sich so an dem Risiko.

10 Risiken bei Auslandsgeschäften – und so wehren Sie sie ab!

  • Manche Auftraggeber ziehen die Bestellung vor dem Versand zurück. Schließen Sie zur Begrenzung der Risiken eine Exportkreditversicherung ab und verlangen Sie eine Anzahlung des Kunden.
  • Erbitten Sie eine Selbstauskunft des Kunden und lassen Sie sich über Umsatz und Stammkapital informieren und fragen Sie bei genannten Referenzen auch wirklich nach. So verhindern Sie, dass Sie Scheinfirmen aufsitzen.
  • Versuchen Sie, Kursrisiken zu begrenzen, in dem Sie die Zahlung in Euro vereinbaren oder den Kurs durch ein Devisentermingeschäft absichern.
  • Andere Länder, andere Transportrisiken: Schließen Sie eine Transportversicherung ab und beauftragen Sie einen erfahrenen Spediteur, der auch ausreichend versichert ist.
  • Klären Sie alle rechtlichen Probleme, damit Ihre Lieferung nicht an der Grenze abgewiesen oder sogar beschlagnahmt wird. Hier sind die Kammern, insbesondere die Zweiländer-Kammern, eine besonders große Hilfe.
  • Gerichtsort sollte nach Möglichkeit der Sitz Ihres Unternehmens sein.
  • Verträge sollten in deutscher oder englischer Sprache abgefasst werden und dann in die Landessprache des Kunden übersetzt werden – und nicht umgekehrt!
  • Lesen Sie Literatur zum Thema „Interkulturelle Geschäfte“.
  • Listen Sie zusammen mit Ihren Gesprächspartnern auf Basis der Produktbeschreibung die erforderlichen Anpassungen auf. Diese Liste ist Teil des Vertrags und wird von beiden Seiten unterschrieben.
  • Fragen Sie bei den Kammern nach, ob vor Ort Partner-Unternehmen mit der nötigen Erfahrung bekannt sind.

Kaufanalyse: Frauen kaufen anders

Bei aller Vorsicht vor Verallgemeinerungen hier ein paar Hinweise: Männer lieben klare Ansagen, Frauen blumig klingende Umschreibungen. Sie sind – und das ist hormonell bedingt – weniger risiko- und entscheidungsfreudig, dafür fürsorglicher und konsensfähiger. Sie präferieren das weiche und sanfte. Sie benutzen einen differenzierteren Wortschatz und reden deutlich mehr. Derbe Sprache erschreckt sie. Sie fühlen sich recht schnell angegriffen und verletzt. Während sich Männer im Konfliktfall bis aufs Messer bekämpfen, reagieren Frauen beleidigt.

Der "kleine" Unterschied

Männer wollen sich messen. Frauen wollen Konsens. Soziale Aspekte stehen bei weiblichen Personen im Vordergrund. Wenn sie mit am Besprechungstisch sitzen, dreht sich vieles um die Frage: „Wie geht es den Menschen dabei?“ Frauen nehmen sich der Harmonie willen oder aber, um gute Beziehungen zu schützen, eher zurück. Sie gehen weniger zielgerichtet vor. Sie sammeln Informationen weniger strukturiert und geben sie auch weniger strukturiert weiter.

Wenn Frauen Entscheidungen treffen, bleibt das Hirnareal länger aktiv, das sich mit der Fehleranalyse und mit potenziellen Gegenreaktionen beschäftigt. Während Männer sich wichtig machen, unbeirrt und siegessicher auftreten, zweifeln Frauen leichter und rechnen mit Gegenwind. Sie stellen sich selbst infrage, suchen Fehler eher bei sich – und verkaufen sich so unter Wert. Viele Frauen scheitern nicht an ihrem Können oder ihrer Leistungsbereitschaft. Sie scheitern an ihrer Bescheidenheit und ihren Selbstzweifeln.

Auf dem Weg nach oben behindern sich Frauen also vielfach selbst. Sie tun sich auch deshalb so schwer, weil sie die Regeln karriereförderlicher Machtspielchen einfach nicht verstehen, weil sie ihren Platz in der Gruppe nicht suchen, die Befehlskette überspringen, den Oberen das angesagte Anbetungsritual verweigern und nicht in ihrem Schlepptau laufen. Frauen sind sich allerdings auch viel zu schade, um im ‚Menschenschach‘ verheizt zu werden. Denn Frauen geht es um die Sache, nicht um Positionen. Frauen jagen Wissen, während Männer ihre Gegner jagen.

Männliche und weibliche Kommunikation

Das Wissen um die Unterschiede kann bei Verhandlungen sehr wertvoll sein. Hier im Überblick einige Aspekte des typisch weiblichen bzw. typisch männlichen Kommunikationsverhaltens:

Eigenschaften

Frauen

Männer

Stimme

leise und hoch (wirkt schwach)

laut und tief (wirkt stark)

Wortschatz

größer; reden viel und ‚um den heißen Brei‘; differenziertere, detailliertere und sorgfältigere Wortwahl, intensivierend

kleiner; reden wenig und kommen auf den Punkt; Wortwahl direkter, unbedachter, mit Kraftausdrücken durchsetzt

Geschriebene Sprache

Verbalstil, kurze Sätze und einfache Worte, blumig

Substantivierungen, lange und komplexe Sätze, strukturiert

Gesprächsanteil

reden  weniger und kürzer

reden öfter und länger

Unterbrechen andere

selten

häufig

Bestimmen das Thema

selten

häufig

Diskussionen

kooperativ, konsensorientiert

konfrontativ, konfliktorientiert

Fragen

aus Interesse

um Thema zu besetzen

Entscheidungen

zögerlich

vorantreibend

Hierarchie

Beziehungsgleichgewicht

oben und unten

Weichmacher (eigentlich, vielleicht, nicht wahr …)

viele

wenige

Rückmeldesignale (aha, ach so, klar, prima …)

oft

selten

Aufforderungsstil

indirekt und wenig dominant: Könnten Sie … es würde mich freuen; viel: bitte und danke

direkt und dominant: Können Sie …es freut mich …; wenig: bitte und danke

Sprachrituale

bedanken, rechtfertigen und entschuldigen sich häufiger, machen sich schlecht

neigen zum Opponieren aus Prinzip, setzen Wissen als Positionierungsfaktor ein, entschuldigen sich wenig

Sprachinhalt

reden mehr über ihre Probleme; emotional; benutzen Umgangssprache

reden mehr über ihre (Helden-) Taten; abstrakt, nüchtern; benutzen Fachsprache

nonverbal

senden mehr nonverbale Zeichen und können sie auch besser decodieren

schwacher nonverbaler Ausdruck, Fehlinterpretationen beim decodieren

Beziehung

Wir (gemeinschaftsorientiert)

Ich

(selbstzentriert)

Selbstwert

machen sich schlecht, unterschätzen sich

prahlen, überschätzen sich

Marotten

andere erziehen wollen, ungefragt helfen, nicht nein sagen können, Wünsche vage umschreiben, Kritik persönlich nehmen, hinten herum über andere reden, schmollen

nicht zuhören, Ratschläge erteilen, Gefühle trivialisieren, unbedingt Recht haben wollen, andere niedermachen, Rückzug auf die "einsame Insel"

[In Anlehnung an: Helmut Ebert u.a.: Die Bedeutung von Sprache und Geschlecht in der Unternehmenskommunikation; Handbuch Kommunikationsmanagement, Januar 2006]

Frauenversteher sein

Was macht Frauen so anders? Hierzu geben uns die Hirnforscher folgende Antworten:

  • Teile des Balkens, der unsere beiden Hirnhälften verbindet, sind bei Frauen dicker als bei Männern. Die Vernetzung beider Hirnhälften ist hierdurch höher.
  • Während Frauen in beiden Hirnhälften Sprachzentren besitzen, nutzen Männer bei der Kommunikation vor allem die analytischere linke Hemisphäre
  • Der Hormonhaushalt wird unterschiedlich gesteuert. Die Vorherrschaft weiblicher Hormone verändert das Fühlen, Denken und Handeln.
  • Farb-, Geruchs- und Geschmackswahrnehmungen sowie das periphere Sehen, das frequenzielle Hören und die Feinmotorik sind verschieden.
  • Die Spezialisierung der Hirnhälften ist bei Männern stärker ausgeprägt. Testosteron beeinflusst die linke Hirnhälfte und bewirkt das Schritt-für-Schritt-Denken sowie den ‚Tunnelblick‘. Es positiviert und treibt an. Es fördert das ‚Eckige‘.
  • Östrogene wirken stärker auf die rechte Hirnhälfte. Sie führen zu einem ganzheitlichen und gleichzeitig detailstarken, vernetzten Denken, zum Wir-Gefühl, zu Fürsorge, zu Empathie und zu mehr Phantasie, aber auch zu größerer Vorsicht und zu mehr Zweifeln. Sie fördern das ,Runde‘.

Wie Männer und Frauen kaufen

Es ist inzwischen vielfach belegt, dass Männer weniger Zeit fürs Einkaufen verwenden, dass sie zielstrebig die Gänge entlang eilen, den Regalen weniger Blick-Stopps schenken und damit weniger Vielfalt sehen, schnell ungeduldig und genervt reagieren und sich zu allem Überfluss auch noch jeder Hilfe verschließen.

Was die Aufenthaltsdauer betrifft, haben Untersuchungen aus den USA dem Einzelhandel sehr interessante Erkenntnisse gebracht: So bleiben durchschnittlich

  • 8 Minuten und 15 Sekunden: Frauen in weiblicher Begleitung.
  • 7 Minuten und 19 Sekunden: Frauen mit Kindern.
  • 5 Minuten und 2 Sekunden: Frauen allein.
  • 4 Minuten und 41 Sekunden: Frauen mit Männern.

Männer, so erzählt mein Autohändler, umrunden zunächst ihr Objekt des Interesses, begutachten die breiten Reifen, den Auspuff, die windschnittige Form und werfen dann einen Blick unter die Motorhaube. Schließlich drehen sie an allen Knöpfen. Frauen interessieren sich für die Farbe, die bequemen Sitze, die Airbags und den geräumigen Kofferraum. Viele Frauen reden mit ihrem Auto und geben ihm einen Namen. Für sie ist das Auto so etwas wie ein Familienmitglied - für Männer hingegen der Jagdgefährte.

Der Psychologe und Buchautor Hans-Georg Häusel stellte bei einer Untersuchung zum Einkaufsverhalten in Sportgeschäften fest, dass weibliche Joggingfans ihren Erstbesuch in der Bekleidungsabteilung starten, um zunächst mit viel Geschmack das passende Dress auszuwählen, während männliche Neu-Jogger schnurstracks in die Sportschuh-Abteilung eilten, wo sie sich vor allem für die funktionale Seite - wie beispielsweise für den Aufbau der Sohle und die Schockdämpfung - der Laufschuhe interessierten.

Was können diese Beispiele für Ihre eigene Arbeit bedeuten? Was müssten Sie gegebenenfalls verändern? Die einfache Frage: „Wie attraktiv ist unser Produkt bzw. Service für Frauen?“ bringt Sie schon mächtig voran.

Unterschiedliche Verkaufsgespräche

Gerade im Verkaufsgespräch spielen die geschlechterspezifischen Unterschiede eine bedeutende Rolle. Im Klartext: Sie brauchen zwei unterschiedlich strukturierte Verkaufsgespräche. Und da stehen Verkäufer vor der zugegebenermaßen nun wirklich schwierigen Ausgabe, sich in das jeweils andere Geschlecht hineinzudenken. Sehr hilfreich ist es deshalb, sich kontinuierliches Feedback zu holen, etwa wie folgt: „Wie wirkt das auf Sie?“ – „Wie kommt das bei Ihnen an?“ – „Wie gehen Sie damit um?“

Wenn beispielsweise Männer an Frauen verkaufen, stellen sie häufig ihre eigene Sichtweise in den Vordergrund. Dies ist in vielen Anzeigen, Werbeprospekten und Fernsehspots mit erschreckender, manchmal geradezu sexistischer Deutlichkeit zu sehen. In einem Radiospot, in dem es um den Absatz von Sonnenliegen ging, stöhnten diese beispielsweise lustvoll vor sich hin und erzählten sich gegenseitig, welch tolle Mädels sich gerade auf ihnen räkelten. Die Frau als sexuelle Beute: Ein typisches Männerdilemma. Simple Frage: Wer kauft wohl hauptsächlich Sonnenliegen?

Frauen als Zielgruppe

„Unternehmen, die marktwirtschaftlich denken und handeln müssen, können es sich keinen Moment länger leisten, eine so große und wichtige Zielgruppe wie die Frauen zu ignorieren“, schreibt Diana Jaffé in ihrem Buch Der Kunde ist weiblich. „Und diejenigen, die die Frau als Kunde bereits entdeckt haben, müssen sich fragen, ob sie das Richtige tun.“

Dabei sind die folgenden Schlüsselfragen hilfreich:

  • Was wissen wir über die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Kunden?
  • Befragen und beteiligen wir Frauen, um zu erfahren, wie Frauen ticken?
  • Haben wir unsere Kundendaten schon einmal geschlechterspezifisch analysiert? Welche Muster erkennen wir? Und was lernen wir daraus?
  • Wie gut integrieren unsere Vertriebsstrategien und -strukturen weibliches Denken und Handeln?
  • Sind unsere Produkte, wenn wir sie auch an Frauen verkaufen, auf Frauenwünsche, Frauendenke und Frauenhände ausgerichtet? Und woher wissen wir das?
  • Haben sich unsere Verkäufer auf weibliche Kommunikationsmuster eingestellt? Berücksichtigen sie weibliches Sozialverhalten? Werden Frauen (beispielsweise auch Sekretärinnen) bevormundet und eingeschüchtert oder aber gewertschätzt und respektiert?
  • Haben wir das hohe Loyalisierungs- und Empfehlungspotenzial bei Frauen bereits erkannt? Und wie nutzen wir es?

Eins noch zum Schluss: Da im Business sozialverträgliche Komponenten und im Verkauf Emotionen immer wichtiger werden, muss man nun endlich die ans Ruder lassen, die davon am meisten verstehen: die Frauen.

Das Buch zum Thema

Von Anne M. Schüller

Erfolgreich verhandeln – erfolgreich verkaufen -  Wie Sie Menschen und Märkte gewinnen [130]

Werbemailing: Die wichtigsten Vorteile von Werbebriefen

Der „schriftliche Verkäufer“ bleibt ein Fixpunkt in der Werbelandschaft – trotz vieler neuer Werbemedien. Das zeigt auch eine aktuelle Nielsen-Studie: Für Werbebriefe verwenden die deutschen Unternehmen rund ein Drittel ihres Dialogmarketing-Budgets. Das macht den Werbebrief zum ausgabenstärksten Instrument in diesem Marketingbereich.

Doch warum setzen so viele Unternehmen auf die persönliche Werbung per Post – vor allem auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten?

Werbebriefe lassen sich flexibel handhaben

Bei einer Werbebrief-Aktion müssen Sie nicht erst Anzeigen gestalten lassen oder sich um Sendeplätze für Ihren Radiospot kümmern. Sie haben keinen Ärger mit Druckereien, Grafikern oder Werbeagenturen. Sie brauchen nur ein konkretes Angebot, einen durchdachten Text und ausgezeichnete Adressen. Damit sind Sie schnell startbereit und können flexibel auf Auftragsschwankungen reagieren.

Werbebriefe erhalten ungeteilte Aufmerksamkeit

Wenn der Empfänger den Werbebrief liest, bekommen Sie seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Niemand – vor allem kein Konkurrent – stört Sie bei diesem schriftlichen Zwiegespräch mit dem potenziellen Kunden. Mit einem gut geschriebenen Brief vermitteln Sie den Nutzen Ihres Angebotes. Bei diesem gedachten Dialog räumen Sie die Einwände und Befürchtungen des Lesers aus dem Weg, genau so, wie Sie es in einem persönlichen Verkaufsgespräch machen würden.

Werbebriefe lassen sich auf ihre Wirkung testen

Werbebriefe sind mit den verschiedensten Antwortelementen ausgestattet. Deshalb können Sie Ihre Werbebrief-Aktion leicht auf ihren Erfolg hin überprüfen. Werten Sie einfach die Zahl der eingegangenen Antwortkarten aus, der Bestellscheine, Faxantworten oder Anrufe (sofern sie der Mailing-Aktion zuzuordnen sind). Das Gleiche gilt für den Produktabsatz vor und nach der Werbebrief-Aktion.

Nachdem der Erfolg gut messbar ist, sind auch Testläufe problemlos möglich. Probieren Sie aus, wie unterschiedlich gestaltete und formulierte Werbebriefe bei Ihren potenziellen Kunden ankommen: Wenn der zweiseitige Werbebrief bei der Testgruppe erfolgreicher ist als der einseitige, dann wissen Sie, welche Version Sie an die gesamte Zielgruppe versenden sollten.

Werbebriefe sprechen den Kunden persönlich an

Bei einer guten Adressqualität sind die Streuverluste eines Werbebriefes viel geringer als bei TV-Spots oder Anzeigen. Sie können Ihre Zielgruppe sehr genau eingrenzen. Beispiele: Familienhotels mit mehr als 25 Betten oder Gärtnereien mit Schwerpunkt auf exotischen Pflanzen. – So können Sie exakt auf die spezifischen Sorgen und Nöte Ihrer zukünftigen Kunden eingehen. Der Leser fühlt sich von Ihnen erkannt und verstanden.

Außerdem sprechen Sie den Leser eines Werbebriefes mit seinem Namen an. Und weil der Name ein wichtiger Teil der Persönlichkeit ist, liest ihn jeder Mensch gerne und fühlt sich aufgewertet. Der Leser hat das Gefühl, dass es nur um ihn geht – und das ist im schriftlichen Verkaufsgespräch unverzichtbar.

Werbebriefe binden Kunden

Es kostet Sie bis zu fünfmal mehr, einen neuen Kunden zu gewinnen, als einen bestehenden zu halten. Nutzen Sie deshalb den Werbebrief zur Kundenbindung. Anlässe dafür gibt’s genug, zum Beispiel ein spezielles Weihnachtsmenü nur für Stammgäste oder ein exklusives Fachseminar für langjährige Kunden. Rufen Sie sich regelmäßig in Erinnerung, indem Sie nützliche Angebote versenden. Wenn sich der Kunde von Ihnen verstanden und unterstützt fühlt, stärkt das seine Bindung an Ihr Unternehmen.

Werbebriefe enthalten konkrete Angebote

Während Maßnahmen wie Google-Ads oder Unternehmensbroschüren eher allgemeine Aussagen enthalten, bietet der Werbebrief ein konkretes Angebot, etwa eine Rabatt-Aktion für Stammkunden. Er vermittelt damit einen genau definierten Nutzen

Außerdem können Sie in einem Werbebrief mehr Informationen einfließen lassen als beispielsweise auf Plakaten. Sie können genügend Infos liefern, um die Einwände und Zweifel des Lesers auszuräumen. Das erreichen Sie, indem Sie geschickt argumentieren, Testimonials anführen oder Fallstudien und Testergebnisse beilegen.

Werbebriefe sind ein aktives Medium

Mit einem aktiven Medium wie dem Werbebrief gehen Sie direkt auf die Kunden zu. Der Brief vermittelt Dynamik und fordert unmittelbar zur Handlung auf: „Rufen Sie gleich an und vereinbaren Sie einen Beratungstermin.“ – „Fordern Sie noch heute Ihre persönliche Info-Mappe an.“ Andere Werbemedien wie beispielsweise Anzeigen hingegen sind eher passiv. Sie warten darauf, von der Zielgruppe wahrgenommen zu werden.

Werbebriefe sind einfach und direkt

Der Werbebrief ist ein sehr einfaches und unmittelbares Werbemedium. Das heißt, im Vergleich zur Online-Werbung braucht der Empfänger keinen Internetzugang, er muss sich nicht erst einloggen, um die Werbung zu sehen. Er muss auch nicht erst ein Magazin kaufen, damit Sie ihn über eine Anzeige erreichen. Sie gelangen ohne Umwege zur Zielgruppe, vor allem auch zu jenen Kundengruppen, die keinen Zugang zu Internet oder speziellen Zeitschriften haben.

Werbebriefe besitzen eine hohe Wertigkeit

Briefe haben in unserer Kultur nach wie vor eine hohe Wertigkeit. Das heißt: Sachlich und seriös gestaltete Werbebriefe ähneln wichtigen Geschäftsbriefen und erhalten dadurch die Aufmerksamkeit des Empfängers. Das Gleiche gilt für Werbebriefe, die durch Sonderbriefmarken, hochwertiges Papier oder eigenhändige Unterschrift signalisieren: Der Empfänger ist dem Absender einiges an Aufwand wert, also geht es um ein interessantes Angebot.

Werbebriefe sind beständig

Auch wenn Sie sich eine schnelle Reaktion des Empfängers wünschen – Tatsache ist: Der Leser Ihres Werbebriefes muss sich nicht sofort für Ihr Angebot entscheiden. Er kann sich Ihre Argumente ohne Kaufdruck durch den Kopf gehen lassen und sich mit der Kontaktaufnahme Zeit lassen. Das macht einerseits ein telefonisches oder briefliches Nachfassen nötig, ist aber auch vorteilhaft für Sie. Denn auch wenn Ihr Adressat Ihr Produkt gerade nicht benötigt – wenn er es interessant genug findet, wird er den Werbebrief aufbewahren. Wenn dann tatsächlich Bedarf entsteht – nach Wochen oder Monaten –, wird er auf Sie zukommen.

Fazit

Diese Vorteile machen einen gut durchdachten Werbebrief zu einem schlagkräftigen Marketing-Instrument. Wenn Sie Ihre Mailing-Aktion sauber planen, haben Sie die besten Chancen auf neue Kunden. Und das gilt für alle Branchen – vom internationalen Versandhaus bis zum Installateur nebenan.

[Bild: Klaus Eppele - Fotolia.com]

So texten Sie wirksame Werbebriefe ...

Sie wollen Ihr Produkt mit einem Mailing bewerben? Sie sind sich aber beim Texten unsicher und hätten gerne eine kompakte Anleitung?

Die Antworten liefert die Autorin in Starke Mailings [131] , dem praxisorientierten eBook.

Digitales Direktmarketing: Moderne Kundenakquise für KMU

Viele Geschäftsinhaber kennen sich mit Werbung und Marketing nicht wirklich aus. Das ist zwar keine Überraschung, da Unternehmen im Regelfall aus Interesse an der eigentlichen Tätigkeit gegründet werden und nicht aufgrund einer Leidenschaft für Marketing. Trotzdem ist gerade in KMU, die keine eigene Marketing-Abteilung besitzen, der Inhaber auch oftmals automatisch der Verantwortliche fürs Marketing und die Neukundengewinnung.

Dieser Fakt wird jedoch häufig übersehen und geht im Tagesgeschäft unter. Der Normalfall ist daher der Marketing-Inzest. Wenn es wieder Zeit für eine Werbeaktion zur Gewinnung neuer Kunden ist, wird schnell beim Mitbewerber abgeschaut oder es werden einige Vorlagen vom Lieferanten hervorgeholt und ohne weitere Überlegungen eingesetzt.

Technologie als Chance

Eine der am meisten übersehenen Methoden zur effektiven und effizienten Neukundenakquise ist das Direktmarketing via Internet. Klassische Direktmarketing-Unternehmen sind bekannt aus Print und TV, da sie Waren oder Dienstleistungen direkt an den Endkunden verkaufen und bei jeder Werbeeinblendung Bestellungen generieren müssen. Das ist natürlich nicht das Ziel von normalen KMU, jedoch kann diese Methode in abgewandelter Form sehr wirksam zur Kundengewinnung eingesetzt werden, wenn man das neue Medium Internet in die Strategie integriert.

Über zwei Drittel aller Deutschen sind heutzutage im Internet aktiv. In den letzten Jahren wurden bedeutende technologische Fortschritte gemacht, die eine weite Verbreitung des Internets in viele Haushalte ermöglicht hat. Gleichzeitig steigt auch die Akzeptanz des Internets bei seinen Nutzern, die immer mehr Zeit im Internet verbringen, während die klassischen Medien die Aufmerksamkeit nach und nach verlieren. Aus einer Kombination der beiden Ansätze Direktmarketing und Internetnutzung entstehen interessante neue Möglichkeiten.

Selbst mit kleinem Budget ist es kleinen und mittelständischen Unternehmen heute möglich, ein digitales System zur Neukundenakquise aufzubauen, das automatisch neue Interessenten für die Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens gewinnt, überzeugt und dauerhaft bindet. Das Internet wird im 21. Jahrhundert für viele verschiedene Anwendungen genutzt. Zur gleichen Zeit ist es aber auch die größte Direktmarketing-Maschine der Geschichte. Nie zuvor war es möglich, Millionen von Menschen zu derart geringen Kosten zu erreichen. Im Unterschied zum klassischen Direktmarketing per TV, Katalog oder Brief bietet das Internet viele Möglichkeiten der genauen Vorqualifizierung eines möglichen Interessenten. Massenwerbung wird unnötig, da aufgrund des interaktiven Potenzials des Internets die Zielgruppen der Unternehmen sehr präzise angesprochen werden können und der Kontakt zu den Interessenten auch mit geringen Kosten aufrechterhalten werden kann.

Digitales Direktmarketing – so funktioniert es

Eine Variante des digitalen Direktmarketings beschreibt das folgende Szenario: Ein Internet-Nutzer sucht in einer Suchmaschine durch Eingabe eines Keywords, welches seine Suchanfrage beschreibt. Die Suchmaschine liefert eine Liste von Ergebnissen, die sie selbst errechnet hat. Am Anfang dieser Liste befindet sich aufgrund von guter Suchmaschinenoptimierung die Webseite des Unternehmens.

Zusätzlich liefert die Suchmaschine eine Reihe von Werbeanzeigen auf der gleichen Seite aus. Um die Chancen zu erhöhen, vom Suchenden gefunden zu werden, erscheint das Unternehmen ebenfalls in den Werbeanzeigen, da es genau für dieses Keyword eine Anzeige geschaltet hat. Der Streuverlust wird auf diese Weise deutlich minimiert, da der Internet-Nutzer zunächst verrät, wonach er eigentlich sucht. Passend zu dieser Suchanfrage werden ihm anschließend nur relevante Ergebnisse und Werbeanzeigen angezeigt.

Auf der Webseite des Unternehmens angelangt, findet der Internet-Nutzer eine Aufforderung zur Anmeldung zum Newsletter, die durch einen besonderen Vorteil für den Leser unterstützt wird. Der Newsletter wird regelmäßig versendet und enthält gute und wirklich interessante Inhalte, die den Leser wiederholt an das Unternehmen und seine Kompetenzen erinnern, ohne jedoch zu aufdringlich verkaufen zu wollen. Ein reiner Werbe-Newsletter funktioniert nicht zur Kundengewinnung und Kundenbindung. Bei der großen Flut an E-Mails, die jeden Internet-Nutzer täglich erreichen, können nur Newsletter wirken, die einen echten Mehrwert für den Kunden bieten, also mit wichtigen Informationen, Tipps und Tricks zum Thema weiterhelfen.

Bestandskunden stärker binden

Das Gleiche gilt auch für die Bestandskunden, denen in den meisten KMU ebenfalls zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Auch die bestehenden Kunden können durch die Zusendung eines wirklich interessanten Newsletters, der regelmäßig jeden Monat erscheint, stärker an das Unternehmen gebunden werden und in kleinen, aber sich ständig wiederholenden Schritten an die Produkte und Dienstleistungen erinnert werden. Viele KMU könnten also durch die Versendung eines einzigen sinnvollen Newsletters pro Monat sowohl ihre Kundengewinnung verbessern, als auch ihre Bestandskunden-Bindung erhöhen.

[Bild: Fotolia.com]

Kundenbindung: Sind die Kunden schon zu verwöhnt?

Manch ein Verkäufer ist von seinen Kunden auch schon mal genervt. Da muss er sich anhören: „Die Jacke würde ich schon kaufen, aber was schenken Sie mir denn dazu?“ Die Verkäuferin schaut ein wenig verdutzt, als der Kunde unverblümt seine Erwartung äußert. Auch die Filialleiterin, die hinzugerufen wird, ist sichtlich irritiert, nach einigem hin und her aber bereit, dem Kunden ein kleines Taschenmesser dazu zu geben. Manche umstehenden Kunden waren amüsiert bis verlegen, wie hier ein offensichtlich nicht bedürftiger Kunde und eine etwas genervte Filialleiterin um eine Draufgabe feilschen.

Am Ende zog der Kunde zufrieden mit seiner Jacke und seinem Messer von dannen im Bewusstsein, noch etwas rausgeschlagen zu haben; sein Jagdinstinkt war befriedigt. Die Filialleiterin konnte aufatmen und stellte fest, auch in dieser Situation freundlich geblieben zu sein und den Kunden nicht verloren zu haben. Was bleibt, ist die Erkenntnis: Kunden erwarten immer mehr und sprechen dies auch offen aus.

Sind die Unternehmen selbst daran schuld? Um im knallharten Wettbewerb zu bestehen, müssen sie sich von allen anderen abheben. Die Produkte müssen besser werden, der Service muss besser werden, die Mitarbeiter müssen besser werden – nur der Preis muss runter. In dem Maße, wie Unternehmen es schaffen, ihre Leistungen zu steigern und die Kunden zufrieden zu stellen, in dem Maße verwöhnen sie auch ihre Kunden. Die Folge: deren Erwartungen steigen. Ein Teufelskreis?

So funktioniert die Erwartungsspirale

Dessen Funktionsweise haben Valarie A. Zeithaml, A. Parasuraman und Leonard L. Berry mit ihrem Gap-Modell schon vor über 20 Jahren erklärt. Sie haben herausgefunden, dass gerade die Qualität von Dienstleistungen, Beratung und Kundenbetreuung ein äußerst subjektives Merkmal ist. Es ist maßgeblich von den Erwartungen des Kunden abhängig und die sind von Erfahrungen aus der Vergangenheit geprägt. Wer besonders positive Erfahrungen mit einem Anbieter macht, überträgt diese schnell auf alle anderen Bereiche und wundert sich, wenn er dort nicht die gleiche hohe Qualität erlebt. So steigen die Anforderungen in dem Maße, wie die Unternehmen versuchen, sie zu befriedigen.

Hinweis

Mehr zum Thema Gap-Modell und Servicequalität finden Sie in unserer Lösungshilfe:

Servicequalität: Worauf es bei der Interaktion mit den Kunden ankommt [132]

Wenn im Fernsehen und in Verbrauchermagazinen über skurrile Fälle von schlechtem Service und Pfusch berichtet wird, dann prägt sich beim Verbraucher noch mehr ein: Das werde ich mir nicht gefallen lassen. Und die Hemmschwelle, sich bei der nächsten Gelegenheit zu beschweren, sinkt erheblich.

Was das Problem für die Unternehmen noch verschärft: Auch beim Preis erwarten viele Kunden Nachlässe und Rabatte. Mit dem Wegfall von Sommer- und Winterschlussverkauf hat kaum ein Einzelhändler noch Hemmungen, das ganze Jahr über prominent mit Rabatten, Prozenten und Sonderaktionen zu werben. Das prägt sich im Gehirn des Kunden ein und treibt seine Erwartungen an Preisnachlässe in die Höhe. Auch hier scheinen sich die Unternehmen ins eigene Fleisch zu schneiden, wie die mit Rabattschlachten erfahrenen Autohändler in den USA leidlich zu berichten wissen.

Was zunächst als Problem zwischen Einzelhandel und Endverbraucher erscheint, hat längst alle Branchen erfasst. Die Hersteller von Investitionsgütern wissen genauso, dass ihre Kunden immer anspruchsvoller werden. Außer Preisnachlässen und immer mehr Produktfunktionen erwarten viele Einkäufer, dass Serviceangebote wie Beratung oder Schulung kostenlos sind. Und das bei höchstem Leistungsniveau und Qualitätsstandard. Wer dem Drängen nachgibt, um den nächsten Auftrag zu ergattern, sieht sich kaum noch in der Lage, später ein auskömmliches Preismodell für seinen Service am Markt unterzubringen.

Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken

Kaufmotive: Warum Kunden kaufen und wie Sie Ihre Werbetexte darauf ausrichten können

Viele Unternehmen sind in ihre Produkte verliebt. Stolz präsentieren sie unzählige technische Raffinessen und wollen damit die Zielgruppe überzeugen. Aber: Den Leuten ist es egal, ob der neueste Porsche 440 statt 430 Liter Kofferraum-Volumen hat. Sie kaufen einen Porsche, weil sie als erfolgreich und dynamisch gelten wollen, weil sie nach Prestige und Ansehen streben.

Das heißt: Es zählen die Kundenbedürfnisse, die ein Produkt befriedigt – nicht seine Eigenschaften. Es geht um die wichtigste Kundenfrage: „Was habe ich von Ihrem Produkt?“

Dieses Grundprinzip gilt für das gesamte Marketing und damit auch für den Werbetext – vom Mailing bis zur Webseite. Ein verkaufsstarker Werbetext kennt die bewussten und unbewussten Wünsche des Kunden und spricht sie gezielt an. Hier sind acht wichtige Gründe, warum Kunden kaufen:

Sicherheit

Die Menschen wollen sich sicher fühlen. Hier geht es zum Beispiel um die Absicherung von Haus und Familie, von Geld und Altersvorsorge. Mit Wendungen wie „Sie können darauf vertrauen, dass …“ oder „Damit Sie auch morgen ruhig schlafen können“ wecken Sie dieses Sicherheits-Bedürfnis. Das gilt auch für Garantie-Versprechen aller Art: „Sie erhalten unser Garantie-Zertifikat noch heute.“ – „Wir garantieren Ihnen eine lange Haltbarkeit unserer handgefertigten Lederschuhe.“

Ansehen

Ruhm und Status, Prestige und gesellschaftliche Anerkennung – viele Leute wollen etwa Besonderes sein und sind bereit, dafür Geld auszugeben. Sprechen Sie dieses Bedürfnis nach Sozialprestige an: „Sie als erfolgreicher Unternehmer …“ oder „eine exklusive Kreation für Kenner“ oder „Ihre Nachbarn werden Sie beneiden“.

Neugier

Neue Produkte, neue Erlebnisse, neue Erfahrungen: Der Wunsch nach Abwechslung treibt viele Menschen an. Egal, ob es sich dabei um eine bislang unbekannte Kaffeesorte handelt oder um eine innovative Partnerbörse auf astrologischer Basis. Nicht umsonst gehört das Wort „neu“ zu den wichtigsten Begriffen der Werbesprache. Es verspricht Stimulation und das erhebende Gefühl, als einer der Ersten ein bestimmtes Produkt zu verwenden. Verwenden Sie deshalb Formulierungen wie „Freuen Sie sich auf eine ganz neue Erfahrung“ oder „Probieren Sie unsere neue Kräuterseife gleich aus. Sie werden überrascht sein.“

Gewinn

Wer hat nicht gerne das Gefühl, Geld zu sparen oder ein Schnäppchen zu machen. Das gilt im Privatbereich ebenso wie beim Business-to-Business. Mit finanziellen Vorteilen lässt sich somit immer gut argumentieren: „Sparen Sie bares Geld.“ – „Bestellen Sie noch heute und sparen Sie sich die Bearbeitungsgebühr.“ – „Jeden Montag: Minus 10 Prozent auf alle Werkzeuge.“ Nutzen Sie die entsprechenden Reizwörter wie: gratis, Vorteil, kostenlos, sparsam, wirtschaftlich, wertsteigernd.

Gesundheit

Fitness und Schmerzfreiheit sind zentrale Bestandteile der Lebensqualität. Das gilt besonders für die wachsende Gruppe der Senioren: Sie wünschen sich Gesundheit bis ins hohe Alter. – Darüber hinaus eignet sich das Gesundheits-Argument für viele Bereiche: von Lebensmitteln über Wohnen und Schlafen bis hin zum ergonomischen Arbeitsplatz. Beispiel: „Entspannte Arbeit am Computer: Unser neuer Bürosessel passt sich perfekt Ihrem Rücken an.“ Auch Wörter wie bio, vital, natürlich oder Wohlbefinden lassen sich hier einsetzen.

Selbstverwirklichung

Die eigenen Talente entfalten, ein erfülltes Leben führen – das ist in der heutigen Gesellschaft ein großes Thema. Dazu gehört auch, sich von anderen abzugrenzen, etwa durch den Kleidungsstil. Geben Sie deshalb Ihrer Zielgruppe das Gefühl, anders als die anderen zu sein und ungewöhnliche Wünsche ausleben zu können: „Nur für Individualisten: Quer durch den Pazifik auf einem russischen Frachtschiff.“ – „Vergessen Sie Brautmode von der Stange. Entwerfen Sie Ihr persönliches Brautkleid – wir fertigen es nach Ihren Wünschen.“

Bequemlichkeit

Zeit sparen und mit möglichst wenig Aufwand ein gutes Ergebnis erreichen – für viele Menschen sind das verlockende Aussichten. Sei es, dass sie tatsächlich viel beschäftigt sind oder nicht zugeben wollen, dass sie eigentlich genügend Zeit haben – denn das wird heute mit Erfolglosigkeit gleichgesetzt. Zeitersparnis ist damit eine wirksame Argumentation: „Kümmern Sie sich um die wichtigen Dinge im Leben. Den Rest erledigen wir.“ – „Erledigen Sie Ihre Bankgeschäfte ganz bequem vom Sofa aus.“

Geselligkeit

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er liebt es, sich mit anderen auszutauschen und gemeinsam das Leben zu genießen. Er will sich einer Gruppe oder Gemeinschaft zugehörig fühlen – etwa beim Club-Urlaub, beim Harley-Davidson-Treffen oder im Café. Appellieren Sie an dieses soziale Bedürfnis: „An alle Hörer: Machen Sie mit beim großen Radio-Arabella-Wandertag.“ – „Seien Sie dabei und treffen Sie erfolgreiche Börsianer beim gemütlichen Kamingespräch von Börse Aktuell.“ – „Erfolgreich abnehmen mit Gleichgesinnten.“

Fazit

Überlegen Sie sich also: Was verkaufen Sie wirklich? Was ist der eigentliche Nutzen, den Sie Ihren Kunden bieten? Was hat der Kunde von Ihrem Angebot? Versetzen Sie sich in Ihre Zielgruppe, sprechen Sie mit Ihren Kunden und passen Sie dann Ihre Werbetexte entsprechend an. Denken Sie daran: Kunden kaufen keine Bohrmaschine, sondern das Loch in der Wand.

[Bild: Fotolia.com]

Hinweis

Von der Autorin sind folgende eBooks im business-wissen-Shop erhältlich:

  • Starke Broschüren [133]
  • Starke Flyer [134]
  • Starke Mailings [135]
  • Starke Webtexte [136]

Die Firmenwebsite als Marketing-Instrument für Beratungsunternehmen

Firmenwebsites sind existenzielle Faktoren: Die Mehrzahl der Konsumenten und beauftragenden Unternehmen recherchiert im Internet und bereitet Käufe oder Auftragsvergabe vor. Die Kosten für eine erfolgreiche Website sind vollkommen nachrangig – die Verluste ohne eine gute Firmenwebsite sind dagegen unermesslich, denn der Mitbewerber erreicht eventuell höhere Ziele und sichert sich die besten Kunden.

Corporate Design ist ein sichtbares Pricing, wodurch Ihr Unternehmen sich selbst eine visuelle Bewertung in seiner Außendarstellung erwirbt. Gutes Corporate Design ist die Aura des Unternehmens, geboren aus der Aura des Unternehmers - sie zieht Erwartungen und Reaktionen an und nimmt Einfluss auf den Betrieb. Dabei schafft es Sympathie und erzeugt positive Reaktionen.

Die Firmenwebsite als Teil Ihrer Vertriebstools ist erst nützlich, wenn Sie die Identität des Unternehmens im Internet positiv abbilden. Dazu gehören weiche und harte Faktoren, wie:

  1. das Design;

  2. die Ansprache der Besucher in den Texten;

  3. die Relevanz der Inhalte.

Das Ziel Ihrer Präsenz im Internet ist, dass Ihr Unternehmen Ihre Zielgruppen positiv und wunschgemäß beeindruckt. Immer ein wenig stylischer und besser als erwartet!

Durch das visuelle Outfit und den treffenden Sprachstil, zusammen mit den leicht zu findenden Inhalten, wird Ihr Unternehmensauftritt im Internet zum Sympathieträger – manche Seiten schaffen Identifikation der Zielgruppen mit dem Produkt oder der Philosophie des Unternehmens. Die emotionalen Aspekte sind dafür wesentlich verantwortlich.

Mindestens zwei Nutzergruppen können wir für jede Unternehmens-Website grundsätzlich andenken:

  1. Besucher, die das Unternehmen noch nicht kennen: Der erste Eindruck entscheidet über eine mögliche Geschäftsbeziehung.

  2. Besucher, die das Unternehmen kennen und ihre Meinung fundieren möchten, indem sie sich weitere Informationen einholen - zum Beispiel die Einstellung Ihres Unternehmens hinsichtlich Professionalität, Aktualität und Sorgfalt.

Wenn Sie sich die Frage stellen: „Will ich meine Unternehmenswebsite für meinen bestehenden Kundenstamm anbieten oder will ich mich optisch auf die Zielgruppen, die ich künftig haben möchte, ausrichten?“ - dann gibt es nur eine Antwort: Für die anvisierten Gruppen.

Sind Ihnen auch schon Beraterwebsites aufgefallen, wie man sie überall schon gesehen hat? Klassisches Blau-Grau-Weiß mit unpersönlichen Texten und Bildern – diese Seiten können keine Bindung aufbauen, sie sind weder bemerkenswert noch bleiben sie im Gedächtnis hängen. Sie verschenken die Möglichkeit, Interesse zu wecken und eine Geschäftsbeziehung herzustellen.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die Website für Weiterbilder als Vertriebskanal auf Platz drei steht, nach der Empfehlung und einer Kundenanbahnung durch das persönliche Gespräch. Diese wurde im Juni 2009 von Jon Christoph Berndt, Chef des Instituts Brandamazing in München initiiert und befragte 384 Mitglieder der German Speaker Association.

Nach einer Empfehlung oder einem persönlichen Gespräch sehen die Kunden trotzdem nochmals den Internetauftritt des potenziellen Auftragsnehmers an, um sich dessen Professionalität zu versichern. Also ist hier eine aussagekräftige und überzeugende Präsenz im World Wide Web unverzichtbar.

Für verschiedene Berufsgruppen sind verschiedene Website-Elemente wichtig. Wie im Magazin „Speaker“ zu lesen ist, wird nach dem persönlichen Auftritt – quasi live – in einem Video auf der Website gesucht, wenn Trainer oder Weiterbilder von potenziellen Auftraggebern gesucht werden. Das Video muss also gleich zu finden sein, am Besten direkt auf der Startseite des Internetauftritts. Web-Experte Dr. Torsten Schwarz erläutert:

„In puncto Video sind die Coaches absolute Vorreiter.“

Selbst-PR ist ein Teil der Außenwirkung, um die es geht, wenn man sich neue Kunden erschließen möchte. Das beginnt bei einem gepflegten Auftreten und geht bis zur gepflegten “Visitenkarte” im Internet.

Gutes Web-Design und interaktive Kontaktelemente auf der Website unterstützen die Geschäfts-Neuanbahnung. Dabei müssen Sie beachten, dass das persönliche Image oder das Firmenimage auch in allen Social Media Plattformen stimmig ist – da die Suchmaschinen ja eine komplexe Informationsflut auf eine Suchanfrage hin ausliefern.

Wichtig ist auch, dass die Website in den Suchmaschinen gefunden werden kann. Dafür kann man durch die richtige, suchmaschinenorientierte Programmierung und kontinuierliche Optimierung Sorge tragen.

Ein paar gute Gedanken zum Konzept Ihrer Unternehmenspräsentation im Web:

Design

Eine wichtige Frage: „Sollen wir eher innovativ oder eher konservativ auftreten?“ Treten Sie in technischer Hinsicht "Up-To-Date" auf und bevorzugen klassisch-modern statt konservativ. Wer mit der Zeit geht und sich mit Informationen auf dem neuesten Stand befindet, sollte das auch zeigen.

Texte

Texte für Websites werden anders gelesen als Texte in gedruckten Medien. Lesen am Bildschirm ist ermüdend, denn die Augen müssen in eine Lichtquelle hineinsehen, welche unmerklich, aber beständig flimmert. Daher scannt ein Leser die Informationen am Bildschirm eher, als dass er lange lesen möchte.

Dies bedingt knackige und bildhafte beziehungsweise emotionale und gut strukturierte Texte mit kurzen Absätzen, um Inhalte punktgenau zu vermitteln. Vor allem bildhaft und idealerweise mit Keywords versehen, was nicht leicht ist. Dazu ist aber genügend Textmenge notwendig, weil die Suchmaschinen ihr „Futter“ erst ab einer gewissen Menge bewerten. Intensivere Informationsmengen werden in PDFs gepackt und (für die Suchmaschinen durchsuchbar) zum Download oder Ausdrucken angeboten.

Bilder

Ideal sind beeindruckende, emotionale Bilder mit informativen Inhalten zum Thema und festgelegten Parametern für die Gestaltung. Merkmale der Bildsprache:

  • Farbe,

  • Sättigung,

  • Perspektive,

  • Inhalte.

Komplexe Informationen können in interessanten Bild-Collagen eine Gesamtaussage erhalten. Je stärker man auf Kommunikation durch Bildinhalte (auch Video) setzt, desto ruhiger sollte die Umgebung sein.

Nutzerführung

Die Leser Ihres Angebotes sollen sich jederzeit gut zurechtfinden. Schaffen Sie Orientierung durch Titelzeilen, ein Farbleitsystem oder Rubriksymbole auch in tieferen Ebenen und vermitteln Sie so ein Gefühl von Sicherheit.

Barrieren

Um die Homepage auch in Firmen mit hohen Sicherheitseinstellungen für den Internetzugang – zum Beispiel Banken - navigierbar zu machen, ist bei Anwendung von Flash, JavaScript und Popups Vorsicht geraten.

Schöpfen Sie bereits alle Möglichkeiten für Ihre Kontaktoptimierung via Unternehmenswebsite aus?

[Bild: Fotolia.com]

Texte verfassen: Was macht einen guten Texter aus?

Häufig werde ich gefragt, wie man eigentlich als Texter immer wieder auf neue Ideen kommt. Wie man immer wieder neue einprägsame Slogans, pfiffige Headlines und spannende Texte erfindet? Es gibt Tage, da frage ich mich das selbst. Denn bei aller Routine, Erfahrung und Technik, die man sich im Laufe eines Texterlebens aneignen kann, gibt es immer auch Phasen, in denen es einfach nicht läuft.

Wie wird man ein guter Texter?

Am besten klappt das Texten aus meiner Sicht, wenn man sich als Texter nicht zu wichtig nimmt. Schließlich geht es darum, mit Worten Produkte und Leistungen zu verkaufen oder ein Image zu vermitteln. Nicht darum, seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen oder eine Auszeichnung zu gewinnen.

Gute Texter sind also Verpackungskünstler, Darsteller, Geschichtenerfinder und -erzähler. Wobei die Darstellung, Verpackung oder Geschichte zum Hersteller beziehungsweise Anbieter passen und der Zielgruppe so gefallen muss, dass sie zugreift. Schließlich soll sie ihr gutes Geld für das Angebotene eintauschen.

Gerade das Geschichtenerzählen macht das Texten so spannend und spielerisch. Denn jedes Angebot kann man auf die unterschiedlichsten Arten darstellen. Deshalb ist ein guter Texter auch selten beleidigt, wenn er um eine Alternative gebeten wird.

Beispiele: 

  • Schön, wenn so aus „Eine Idee, der erste Schritt zum Erfolg“ die Alternative wird: „Große Erfolge beginnen immer mit einer guten Idee“.

  • Oder wenn aus „Außergewöhnliche Ziele erfordern außergewöhnliche Methoden“ wird: „Nur wer eingefahrene Wege verlässt, hinterlässt eine Spur“.

Wer sich als Texter seinen Ideenreichtum erhalten will, dem kann ich nur raten, viel zu lesen – und zwar von Comic bis Klassik einfach alles. Außerdem:

  • neugierig zu bleiben wie ein Kind,

  • Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein und

  • seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.

Dass man zudem ein gutes Sprachgefühl braucht, versteht sich von selbst. Allerdings muss man dazu nicht unbedingt Germanistik studiert haben. Tatsächlich kenne ich nur wenige wirklich gute Texter mit einem Abschluss in Germanistik. Das kann natürlich an mir liegen. Aber vielleicht spielt eine Rolle, dass Nicht-Germanisten „respektloser“, sprich „experimentierfreudiger“ mit Sprache umgehen und in diesem Punkt schöpferischer sind.

Kaum jemand stellt einen Grafiker ohne entsprechende Grafik-Design-Ausbildung ein. Bei Textern dagegen sind Quereinsteiger eher die Regel. Wer vorher ein Texter-Praktikum oder eine Texter-Ausbildung absolviert hat, hat natürlich bessere Chancen.

Seit einigen Jahren gibt es Texterschulen, die im Präsenzunterricht (wie die Texterschmiede in Hamburg) oder online (wie die von Reinhard Siemes gegründete Texterschule) ausbilden. Hilfreich auf dem Weg zum Texter sind auf jeden Fall Seminare, in denen es um Kreativitätstechniken und Erkenntnisse zur Wirkung von Sprache geht und der Austausch mit Kollegen. Der FFW – Fachverband freier Werbetexter e. V. bietet dazu in vielen großen Städten mit seinen Texter-Stammtischen eine entspannte Atmosphäre.

Ansonsten halte ich eine werbefachliche Ausbildung an einer Kommunikationsakademie, einen Fernkurs wie „Werbeassistent/in DWU“ beim Iversen-Institut oder ein Studium der Kommunikationswissenschaften für eine gute Grundlage.

Eines ist klar: Richtig gute Texter sind Mangelware und heiß begehrt. Echtes Engagement lohnt sich also in diesem Job ganz besonders.

Wie schreibt man gute Texte?

Ganz einfach! Und das ist oft leichter gesagt als getan. Denn dazu muss sich der Schreiber in die Zielgruppe hineinversetzen und aus deren Sicht argumentieren. Er muss den Nutzen des Angebots kennen und ihn für die Zielgruppe verständlich ausdrücken. Je mehr Energie der Texter auf den Text verwendet, desto lieber werden die so Angesprochenen seine Worte lesen und umsetzen.

Jeder Texter sollte im Übrigen so lange an seinen Texten feilen, bis er bereit wäre, seinen eigenen Namen darunter zu setzen.

Wann ist ein Text gut?

Wenn er verkauft. Ein Produkt. Eine Dienstleistung. Ein Image. Und damit ein Text verkauft, muss er spannend sein, einen Nutzen für den Leser klar zum Ausdruck bringen, den Zeitgeist treffen, Trends und Bedürfnisse der Zielgruppe erfüllen. Außerdem muss er den Leser möglichst persönlich ansprechen, am besten in dessen eigenen Worten. Und das alles möglichst schnell. Bei der heutigen Reizflut wird ganz schnell entschieden, was beachtenswert erscheint und was nicht.

Je ungewöhnlicher, reizvoller, interessanter der Text auf den ersten Blick erscheint, desto höher ist seine Chance, gelesen zu werden und im gewünschten Sinn zu wirken.

Und damit sind wir bei der Headline: Die Headline soll Lust machen, den Text zu lesen. Das gelingt weniger mit langweiligen Aussagen und am besten, wenn Text und Gestaltung gut zusammenspielen.

Beispiele:

  • Erwünschte Nebenwirkung: Mobilität! (Werbung für einen Laptop)

  • Bordeaux. Der einzige Wein, den man nicht mit einem Bordeaux vergleicht.

Der erste Satz entscheidet

Anders als im Tennis fällt die Entscheidung bei Texten im ersten Satz. Denn er ist die Zehe, auf die man tritt. Hier weiß der Leser schnell, wie weiter gesungen wird: Dur oder Moll – Spaß oder Langeweile. Wenn der erste Satz nicht sitzt, hat man meist verspielt.

David Ogilvy hat in seinem Buch „Ogilvy über Werbung“ geschrieben, dass nach seiner Erfahrung lange Anzeigentexte besser verkaufen als kurze. Das gilt auch heute noch, wenn sie richtig gemacht sind und Fakten und Nutzen für den Leser nennen. Angenehm verpackt, versteht sich. Denn wer liest schon gern trocken-deutsche „Gebrauchsanweisungen“?

Ein gelungenes Beispiel: Harley-Davidson warb Ende der Neunziger Jahre mit ganzseitigen Textanzeigen. Einer der Texte lautete:

Wenn ich mein Leben noch einmal leben dürfte, würde ich viel mehr Fehler machen. Ich würde entspannen. Ich würde viel verrückter sein als in diesem Leben. Ich wüsste nur sehr wenige Dinge, die ich wirklich sehr ernst nehmen würde. Ich würde mehr Risiken eingehen. Ich würde mehr reisen. Ich würde mehr Berge besteigen, mehr Flüsse durchschwimmen und mehr Sonnenuntergänge betrachten. Ich würde mehr Eis und weniger Salat essen. Ich hätte mehr echte Probleme und weniger eingebildete. Sehen Sie, ich bin einer dieser Menschen, die immer vorausschauend und vernünftig leben, Stunde um Stunde, Tag für Tag. O ja, es gab schöne Momente, und wenn ich noch einmal leben dürfte, hätte ich mehr davon. Ich würde eigentlich nur noch welche haben. Nur schöne, einen nach dem anderen. Wenn ich mein Leben noch einmal leben dürfte, würde ich bei den ersten Frühlingsstrahlen barfuß gehen und vor dem Spätherbst nicht damit aufhören. Ich würde vieles einfach schwänzen. Ich würde mehr Achterbahn fahren. Ich würde öfter in der Sonne liegen. Harley-Davidson. Ab ... empfohlener Verkaufspreis inkl. MwSt. plus Nebenkosten. Für weitere Informationen rufen Sie ... an. Heute. Sie können es natürlich auch wieder auf morgen verschieben.“

Ein wirklich langer Text. Ohne konkrete Informationen zum Produkt, vom Preis mal abgesehen. Und so gut gemacht, dass er für mich zu den Klassikern gehört.

So etwas wie den Harley-Text meine ich, wenn ich sage, Texter müssen Geschichten erzählen. Und erzähle mir keiner, dass das für Computer, Arzneimittel, Kühlschränke, Babywindeln ... nicht geht. Ich beweise gern – gegen ein angemessenes Honorar, versteht sich, – das Gegenteil.

[Bild: Didem Hizar - Fotolia.com]

Klicken: Social Sponsoring im Internet

Geben wir es doch mal zu: Wir könnten alle noch etwas spendabler werden. Von Spendenaufrufen, im Fernsehen mit dramatischen Bildern zum Abendbrot serviert, lassen wir uns allerdings den Appetit nicht verderben. Wer springt daraufhin schon vom Sessel auf und schreibt gleich einen Überweisungsträger aus? Zu kompliziert für die Spaßgesellschaft! Einfacher, ja fast spielerisch geht es da schon auf den Spenden-Portalen im Internet zu. Hier kann der User ganz schnell Gutes tun, und während einer Online-Shopping-Tour mit einem “Klick“ gleichzeitig Hilfsorganisationen unterstützen.

Das macht Spaß und kostet den User fast nichts, denn die Spende übernimmt ein Firmenpartner.

Social Sponsoring mit Erfolg

Soziales Engagement zahlt sich für alle Beteiligten aus und die Werbewirksamkeit ist für gebefreudige Unternehmen fast garantiert. Wichtig für die Unternehmen sind dabei die Steigerung des Bekanntheitsgrades und die Imageförderung. “Social Sponsoring“ übermittelt eine in jedem Fall eine positive Botschaft. Die großzügigen Firmen bleiben bei den Internet-Spendern nachhaltig im Gedächtnis haften. So lassen sich Medien oder auch bestimmte Ereignisse perfekt in die Werbestrategie einbinden.

Damit die Aktion von Erfolg gekrönt ist, sind folgende Aspekte zu beachten:

  • Glaubhafter Bezug und Anpassung an Firmenphilosophie oder aber bewusster Gegenbezug;
  • Abstimmung auf alle anderen Kommunikationsinstrumente des Unternehmens;
  • Gezielt und langfristig einzuplanen;
  • Übermittlung einer leicht verständlichen, eindeutigen Botschaft.

Beispiel für Werben und Spenden mit begrenztem Etat:

Markus Epple will die User mit seiner Firma Planethelp [137] zum lustvollen Spenden animieren. Er verbindet alltäglichen Konsum mit gemeinnützigem Handeln. So kann beim täglichen Online-Shopping gleichzeitig auch eine Hilfsorganisation unterstützt werden.

[ab; Svetlana Miassoedov; Bild: Fotolia.com]

Werbepräsente: Erst denken, dann schenken!

Die Wirkung von Werbeartikeln gewinnt gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen an Bedeutung. Klassische Werbung, wie Zeitungsanzeigen, Hörfunk- oder TV-Spots sind nur zweidimensional. Verbraucher können sie einfach wegschalten oder überblättern. Werbeartikel hingegen bleiben meist langfristig in positiver Erinnerung. Bestehende Geschäfte lassen sich so leichter ausbauen und neue Wirtschaftsbeziehungen eher erzielen.

Sag’ mir was Du schenkst, und ich sage Dir wer du bist? Kleine Geschenke und Aufmerksamkeiten zählen schon lange nicht mehr in unserer Konsumgesellschaft. Wer heute seine Kunden mit einem Präsent beglücken möchte, muss schon ein wenig mehr Gehirnschmalz aufwenden. Preiswerte Werbeartikel wie Kugelschreiber oder Altbewährtes mögen zwar nützlich sein, deuten aber auch auf eine gewisse Einfallslosigkeit hin. Von dieser kleinen Nachlässigkeit könnte schnell auf ein insgesamt schlechtes Kundenmanagement geschlossen werden.

Sinnvolle Geschenke erhalten die Freundschaft

Mit einem Werbegeschenk können Sie Ihren Stammkunden Freude bereiten und damit einen positiven Eindruck hinterlassen. Werbemittel tragen zur Gewinnung von Neukunden oder zur Bindung und Motivationssteigerung bestehender Kunden bei. Sie sollen den Kundennamen transportieren, den Firmennamen in Erinnerung halten oder aber gezielt mit Produkt oder Branche verbinden.

Die Optimierung Ihrer Werbeaktion können folgende Punkte erheblich beeinflussen:

  • Treffsicherheit durch Zielgruppenanalyse;
  • Individuelle Lösungen für verschiedene Zielgruppen;
  • Ein wirkungsvolles und wirtschaftliches Konzept;
  • Ideen, die sich einfach und schnell umsetzen lassen;
  • Ansprechendes Design und sinnvolle Produktideen;
  • Qualität.

Das sollten Sie unbedingt vermeiden:

  • Produkte aus Fernost, die preiswert sind und billig wirken;
  • Waren, die mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht werden könnten;
  • Geschmacklosigkeiten, die KundInnen beleidigen oder randgruppenfeindlich sein könnten;
  • Immer gleiche oder langweilige Präsente;
  • Werbeartikel, die die Konkurrenz verschenkt;
  • Artikel, die nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprechen.

Gut geschenkt, ist halb gewonnen

Damit die Werbebotschaft richtig ankommt, ist es wichtig, sowohl auf Inhalt als auch Verpackung zu achten. Statt der berühmten Bürotassen sorgen ein etwas aufwändigeres Geschenkeset und ein direkter Kundenkontakt also eher für Furore. Und auch absolute Billigartikel wie Kugelschreiber oder Schlüsselanhänger aus Fernost werden immer unbeliebter.

Adäquate Präsente für die Business Class

Immer mehr Unternehmer setzen auf individuelle Geschenke, um aufzufallen. Schöne Dinge nimmt man auch gerne mit nach Hause, anstatt sie im Büro verstauben zu lassen.

Die Highlights in Sachen Werbegeschenke bilden wohl immer eigens kreierte Präsente: Gläserne Mousepads mit Firmenlogo oder Sanduhren, in denen die Zeit von unten nach oben verrinnt und veredelte Kalender auf Metallträgern zählen dabei fast schon zur Sparte der Kunstobjekte.

Aber an Originalität sollte man es ja speziell bei Geschenken für den ganz besonderen Anlass oder einen sehr guten Kunden niemals mangeln lassen – auch wenn man dafür etwas tiefer in die Tasche greifen muss.

Tipp: Gute Kunden freuen sich über ein persönliches Geschenk. Full-Service Agenturen unterstützen gerne, wenn die eigenen Ideen ausgehen.

[ab; Svetlana Miassoedov; Bild: Fotolia.com]

Im großen Stil – Werbeartikel-Versand:

Oppermann [138]

Hach [139]

Ellrott [140]

Vinewa [141]

Geschenke mit Geschmack:

Marzipan [142]

Weinpräsente [143]

http://www.laederach.de [144]

Informationen und Trends:

Werbemittel [145]

Arbeitskreis-Werbemittel [146]

http://www.absatzplus.com/ [147]

Blueplanet [148]

Designerprodukte:

Amadea [149]

Werbe Essl [150]

Haushalt: Kinderlose und Best-Ager haben am meisten Geld

Vergleich: Kinderlose – allein Erziehende – Familienhaushalte

Mit mindestens 30.000 Euro pro erwachsenes Haushaltsmitglied ist das Vermögen von kinderlosen Haushalten deutlich höher als das von Familien oder allein Erziehenden. Das Vermögen von allein Erziehenden liegt im Vergleich dazu mit 11.700 Euro nur bei etwa einem Drittel des Geldvermögens kinderloser Haushalte. Familienhaushalte liegen mit knapp 23.000 Euro Finanzanlagen pro erwachsenes Haushaltsmitglied ebenfalls unter dem kinderloser Haushalte.

Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) in seiner aktuellen Studie zur Geldvermögensbildung der Bundesbürger, die auf Zahlen der Einkommens- und Verbraucherstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamtes basiert.

Alterskategorie

Mit zunehmender Alterskategorie steigt das Geldvermögen im Durchschnitt der Bundeshaushalte zunächst stetig an. So wächst das Geldvermögen je Haushalt von 9.300 Euro in der Gruppe der bis 25-Jährigen - gemessen am Alter des Haushaltsvorstandes - bei den 55- bis 65-Jährigen auf bis zu 68.200 Euro. In der darauf folgenden Altersklasse verringert sich das Geldvermögen deutlich. Der starke Rückgang sei im Wesentlichen auf die Fälligkeit von Lebensversicherungen zurückzuführen. Deren Auszahlungszeitpunkte gingen zumeist mit dem Ende des Arbeitslebens einher. Insgesamt falle der Rückgang des Vermögens im Rentenalter allerdings schwächer aus als der Vermögensaufbau während der Erwerbstätigkeit. So verfügten Senioren mit einem Alter von über 80 Jahren über ein ausgesprochen hohes Geldvermögen.

Fazit

Triebfeder dieser Entwicklung des Vermögens über den Lebenszyklus dürfte nach Einschätzung des BVR der Wunsch des Menschen sein, zum einen den Nachkommen eine Erbschaft zu hinterlassen und zum anderen die finanzielle Unabhängigkeit im Alter zu erhalten.

Zur Studie:

Die aktuelle Studie des BVR können Sie hier herunterladen: BVR-Studie: Haushalte ohne Kinder und Best-Ager verfügen über das höchste Geldvermögen [151] .

[Svetlana Miassoedov; Quelle: BVR; Bild: Fotolia.com]

Marketinginstrument: Werbung und Marketing durch Spiele reizvoller gestalten

Spiele sprechen nicht nur die Kreativität des Spielers zur Lösung von Problemen an, sondern können darüber hinaus auch seine gestalterische Kreativität ansprechen. Man spricht in diesem Zusammenhang von Nutzereinbeziehung („User Involvement“).

Ein Beispiel hierfür wäre die Möglichkeit zur Erstellung eigener Karten beziehungsweise Herausforderungen („Maps“/„Levels“) oder zur Erzeugung optisch angepasster eigener Gegenstände und „Avatare“ zur Selbstdarstellung. Bietet ein Spiel derartige Möglichkeiten und belohnt es deren Nutzung sogar, so animiert es seine Nutzer zu erhöhter Interaktion mit dem Spiel selbst, der Community und dem Entwickler des Spieles. Der Spieler erhält durch sein Engagement und durch für die Community sichtbare Belohnungen einen gewissen „Status“. So werden Bindungseffekte realisiert.

Klassische Werbung

Studienergebnisse legen nahe, dass sowohl der Grad an Aufmerksamkeit bei der Betrachtung als auch die Erinnerungswirkung der Werbung in „Games“ wesentlich höher ist als bei eher passiven Medien wie TV, Print oder Radio. So ergab eine Studie von Nielsen, die 2008 im Auftrag eines großen In-Game-Advertising Unternehmens durchgeführt wurde, dass 82 Prozent der Spieler Games mit Werbung ebenso unterhaltsam fanden wie ohne Werbung. Ein weiteres Ergebnis ist, dass sich nach dem Spielen von Games mit In-Game Werbung eine Erhöhung der positiven Wahrnehmung der im Spiel beworbenen Marken um durchschnittlich 61 Prozent ergab.

Die zunehmende Integration von dynamischen Werbeflächen in Spielen, die über das Internet stetig mit neuer oder anderer Werbung bespielt werden kann, trägt diesem Trend Rechnung.

Es wird vermutet, dass Werbung in Spielen darüber hinaus wesentlich mehr Menschen erreicht als bisher angenommen, da bei Games (ähnlich wie bei Printmedien) nicht einbezogen wird, dass mehr Menschen ein Spiel spielen als Kopien verkauft werden. Da Spieler häufig mit mehreren Personen vor einem Gerät spielen oder Spiele verleihen und privat weiterverkaufen, kann davon ausgegangen werden, dass die Zahl der durch die Werbung im Spiel erreichten Personen wesentlich höher ist als bisher vermutet. So wurden beispielsweise die Spiele „Madden 2007“ sechs Millionen und „Call of Duty 3“ zwei Millionen Mal verkauft, aber von 14 beziehungsweise 9 Mio. Menschen gespielt.

Unabhängig von der jeweiligen Branche eignen sich an die jeweilige Marke angepasste, kostenlose Spiele sehr gut, um vergleichsweise hohe Conversion Rates bei potenziellen Kunden zu erreichen. Die Nutzer des Spieles nehmen das Spiel als willkommenes Geschenk an und involvieren sich deutlich stärker in das Thema als sie es beispielsweise bei der klassischen, passiv konsumierten TV-Werbung tun – dank der Anreize von High Scores oder sonstigen Spielmechaniken. So gibt es nun auch erste Angebote für sogenannte „Brand Connected Games“, das heißt Spiele, die entsprechend dem Kontext der jeweiligen Marke maßgeschneidert entwickelt werden. Der Anbieter Henscho Group beispielsweise entwickelt solche Brand Connected Games im Kontext der Kundenmarke unter anderem für iPhones oder iPodTouch. Die Kombination aus spezifischer Zielgruppe des Endgeräts (iPhone) und maßgeschneidertem Spiel sorgt so für eine hohe Werbewirksamkeit.

Auch Google steigt mit „Google adsense for games“ in den Markt für die Platzierung von Werbung in Videospielen (In-Game Advertising) ein.

Marketing

Spielmechaniken allein eignen sich aus Marketingsicht hervorragend, um Konsumenten zu irrationalem Verhalten zu verführen und können bei begrenztem Marketingbudget wesentlich stärkere und mehr berechenbare Effekte erzielen als klassische Marketingmaßnahmen.

Man betrachte folgendes fiktives Beispiel von Gabe Zichermann, CEO von RMBR New York, das auf der „gamehotel 2008 show & conference“ angeregt wurde:

Eine Bank will mehr Kunden gewinnen. Statt aber eine klassische Marketing-Kampagne durchzuführen, programmiert sie ihre Bankautomaten so um, dass diese zufällig und in seltenen Fällen eine 100-Euro-Note zu viel herausgeben, begleitet von einer "Sie haben gewonnen!"-Meldung. Der langweilige Vorgang des Geldabhebens wird damit in ein Glücksspiel verwandelt.

Die Resultate sollten recht vorhersehbar sein: Einige werden die Bank wechseln, an den Glücksautomaten wird mit Sicherheit mehr Geld abgehoben (auch von Nicht-Kunden) und einige Wenige werden versuchen ihre Gewinnchancen zu erhöhen, indem sie möglichst oft kleine Beträge abheben. Für die Bank lohnt sich diese Maßnahme auf jeden Fall: Sie gewinnt neue Kunden und erzielt höhere Umsätze durch Abhebegebühren. Gabe Zichermann sagt dazu:

"If I design a compelling game, I can predict you are going to do irrational things." („Wenn ich ein ansprechendes Spiel entwickle, dann kann ich vorhersagen, dass Du irrationale Dinge tun wirst“).

Keine noch so clevere Marketing-Kampagne könne diese Sicherheit bringen.

Fazit

Werbemaßnahmen eingebettet in Spiele oder in Form von kompletten Spielen haben sich mit dem zunehmenden Bewusstsein, dass „Games“ den Massenmarkt erreicht haben, in den letzten Jahren zu einem immer größeren Markt entwickelt (500 Mio. US-Dollar weltweit im Jahr 2007). Insbesondere in Spielen, die reale Szenen abbilden, in denen Werbung vorkommt (zum Beispiel Fußballspiel > Bandenwerbung, Rennspiel > Werbung am Streckenrand), wird Werbung von den Spielern als positiv wahrgenommen, da sie in gewisser Weise den Realismus des Spieles erhöht.

Eine Vielzahl an Unternehmen macht sich irrationales Verhalten aufgrund von Spielmechaniken bereits seit Längerem zunutze.

Eines der besten Beispiele sind Payback-Punkte. Hier lassen sich die Kunden beispielsweise dazu verleiten, bei sonst identischem Benzinpreis einen Umweg zu einer Tankstelle zu fahren, bei der sie Punkte sammeln können. Innovation und Kreativität in der Implementierung von Spielmechaniken sind gerade im Bereich des Marketings ein wichtiger Faktor, da - wie das Beispiel der Payback-Punkte zeigt - ein derartiger Vorteil bei entsprechendem Erfolg nur von kurzer Dauer ist. In den meisten Fällen finden sich sehr schnell Nachahmer.

Quellen und weiterführende Links

  • IGA Worldwide/Nielsen: http://www.igaworldwide.com/aboutus/pr/pressreleases/landmark-iga-nielsen-study.cfm [152]
  • Mediaweek: http://www.mediaweek.com/mw/news/recent_display.jsp?vnu_content_id=1003560483 [153]
  • http://www.henscho.com [154]
  • http://www.google.com/ads/games/index.html [155]
  • http://guido.posterous.com/ [156]
  • German entertainment & media outlook: 2008 – 2012, PriceWaterhouseCoopers.

Hinweis

Diesen Beitrag können Sie in kompletter Länge hier kostenlos anfordern:

Games & Game Mechanics [157]

[Bild: Pixelio.de]

PR im Wandel: Das Ende der Public Relations, wie wir sie kennen

In der guten alten Zeit vor dem Internet glichen Unternehmen Trutzburgen. Wann die Zugbrücke hochgezogen und welche Informationen ins Land hinaus durften, entschied der Pressechef, und meist waren es streng verfasste Unternehmenspressemitteilungen. Von Zeit zu Zeit zeigte sich der Vorstandschef am Burgfenster, etwa während der Bilanzpressekonferenzen, und las vorgefertigte, hoheitliche Statements ab.

Vergessen und vorbei ... Unternehmenskommunikation in Zeiten des Web 3.0 folgt komplett anderen Regeln. Das erstaunliche an diesem Wandel ist, dass auch mehr und mehr Großunternehmen den Zug der Zeit erkennen und sich ihren Kunden, Konsumenten und den Medien in einem offenen Dialog stellen. 

Beispiel Microsoft

Der Riese aus Redmont war noch vor wenigen Jahren das Fort Knox der PR – kein Sterbenswörtchen drang aus der Konzernzentrale, das nicht von ganz oben abgesegnet war. Doch selbst Microsoft informiert die Öffentlichkeit mittlerweile durch (unzensierte) interne Videos oder ermutigt Mitarbeiter aller Hierarchiestufen zum Bloggen über ihre jeweiligen Projekt

Ich blogge, also verkaufe ich

Schön und gut, antworten allerdings gerade in Deutschland immer noch viele Marketing-Verantwortliche und Vertriebsleute. Blogs, Twitter & Co. sind eine nette Spielerei, aber ich muss verkaufen. Was nutzen mir da die neumodischen Kommunikationsvehikel, die man gemeinhin unter dem Stichwort „Social Media“ zusammenfasst?

Nun, eine ganze Menge, wie Sie gleich feststellen werden. Tatsache ist: Social Media verkauft – Produkte, Dienstleistungen und nicht zuletzt Ihr Unternehmen. Und: Die richtige Nutzung dieser neuen (Online-) Medien ist meist sogar günstiger und effektiver als (bezahlte) Online-Werbung.

Versetzen Sie sich in die Lage eines (fiktiven) IT-Dienstleistungs-Unternehmens aus dem Bereich Business Intelligence. Von größter Wichtigkeit für das Geschäft und die Auftragslage – das haben mittlerweile auch die größten Kritiker begriffen – ist das Suchmaschinen-Ranking, also der Platz, an dem das Unternehmen nach der Eingabe definierter Suchbegriffe bei Google & Co. auftaucht. Doch eine einfache Suchanfrage offenbart das ganze Dilemma, in dem sich das Unternehmen und seine Services aktuell befinden: Es taucht in sämtlichen Suchmaschinenrankings erst irgendwo auf den Seiten 20 bis 30 auf, die vorderen Plätze sind ausschließlich durch die Konkurrenz belegt. Was tun?

PR 3.0: Suchmaschinen-Marketing mal anders

Die bequemste Möglichkeit: SEO (Suchmaschinenoptimierung) beziehungsweise SMO (Suchmaschinenmarketing). Das heißt: Die Firma bucht für (geschätzt) mehrere Zehntausend Euro pro Monat die wichtigsten Google-„Adwords“ (allen voran „Business“, „Intelligence“ und „Optimierung“, wie der freundliche Werberater so schön erklärt hat) und schon eine Woche später ist das Problem gelöst: Jedes Mal, wenn ein potenzieller Kunde die entsprechenden Begriffe in die Suchmaschine eingibt, taucht das Unternehmen ganz weit oben mit seiner Werbung auf. Wunderbar. Was die moderne Technik so alles zu leisten vermag.

Die effektivere und kostengünstigere Möglichkeit dagegen lautet: Online-PR. Was viele Profis aus den Bereichen SEO und SEM gerne verschweigen: Viel effizienter als das teure Buchen von Adwords und Textanzeigen ist fast immer das Erzeugen von sogenannten generischen Suchergebnissen. Das sind die Links, die die Suchmaschine ausspuckt, weil die Ergebnisse ganz einfach inhaltlich passen.

Was wirklich zählt

Wie erzeugt man diese Links? Es gibt im Google-Zeitalter nur eine einzige Währung, die zählt und die Erfolg verspricht: Das sind die Verlinkungen mit anderen Websites, die Sie erzielen. Je größer und besser besucht die Website ist, die einen Link auf Ihre Seite setzt, desto höher steigen Sie bei den Ergebnissen. Das ist alles.

Preisfrage: Wie erzielt man Verlinkungen mit bedeutenden (= ebenfalls gut verlinkten) Websites? Ganz einfach: Durch Ihre eigenen Pressemitteilungen, durch News und Blogbeiträge – durch effiziente Online-PR.

Ihr persönliches Programm „Suchmaschinenranking verbessern“ beginnt mit der Klärung der Frage, welche Beschreibungstexte für Ihr Unternehmen beziehungsweise dessen  Produkte und Services bedeutsam sind. Welche Keywords generieren den höchsten Traffic oder die meisten Bestellungen? Und: Was verwendet die werte Konkurrenz? Diese Begriffe sollten in Ihren Pressemitteilungen, Blogbeiträgen etc. so häufig wie möglich verwendet werden. Im Klartext: So häufig wie möglich, ohne lächerlich zu wirken.

Vergessen Sie dabei aber nicht, die Wirksamkeit im Auge zu behalten. Kommen 80 Prozent der Besucher Ihrer Website von organischen Suchergebnissen, generieren diese aber nur 20 Prozent Ihrer Leads, also der wirklich erfolgreichen Kontaktanbahnungen? Oder werden 80 Prozent Ihrer Leads von den 20 Prozent der Websurfer erzeugt, die auf Ihre Google Adwords klicken? Dann müssen Sie gut überlegen, wie Sie das Verhältnis zwischen generischen Hits (Informationen) und bezahlten Ads (Leads) neu ausrichten.

Wo sind die News?

Die Begriffe stehen fest, der Verteiler ist Up-to-Date, nun kann es also an den Aussand gehen. Dabei stehen wir vor dem klassischen PR-Dilemma, das lautet: Wir haben keine Inhalte, müssen aber News produzieren. Üblicherweise entwickeln Unternehmen dann vermeintlich spannende Pressemitteilungen zu unternehmensinternen Beförderungen, Produkten, die irgendwann im Jahr 2017 (vielleicht) marktreif sind oder der Farbe in den neuen Büroräumen. Das Problem: Es gibt – auf den ersten Blick – nichts Mitteilenswertes.

Es geht auch anders. Selbst ohne konkreten Anlass produzieren Sie Nachrichten, die insbesondere über die unzähligen Kanäle des Web 3.0 rasend schnell ihren Widerhall finden und folglich dazu beitragen, Ihr Suchmaschinen-Ranking zu verbessern. Werden wir kreativ:

Ansatz Nr. 1: An erster Stelle bei der Newsfindung steht immer der Markt selbst, in dem sich Ihr Produkt, Ihr Unternehmen und dessen Mitarbeiter bewegen. Das bedeutet: Wenn der Trend rollt – springen Sie auf! Dazu reicht ein Blick in die Medien: Was wird gerade am heißesten diskutiert? Welches Thema ist kontrovers? Wenn Sie dann noch eine Antwort auf die Frage finden, warum ausgerechnet Ihr Unternehmen zu einer Lösung beiträgt, sind Sie so gut wie drin. Oder Sie finden eine neue, unverbrauchte Perspektive, die die Story auch für vertikale Medien (also Special Interest) interessant macht. Beispiel Bundestagswahl: Dazu wird in den General Interest-Medien ohnehin alles gesagt? Mitnichten, gerade eine große Wahl kann der PR-Anker für viele kleine, aber zielgerichtete News sein: Welche Erwartungen hat konkret Ihre Branche an eine neue Regierung? Zitieren Sie Ihren CEO/Geschäftsführer! Der Experten-Ansatz funktioniert für fast jedes Thema.

Ansatz Nr. 2: Erweitern Sie die Story durch ergänzende Materialien wie Fotos und Illustrationen. Info-Grafiken zum Beispiel, wie sie täglich auf den Titelseiten vieler Tageszeitungen erscheinen, liefern auf einen Blick Zahlen, die eine ganze Geschichte erzählen. Ebenso gern genommen: Schnell recherchierte Fakten zu heißen Themen wie Umfragen, Statistiken – oder Ihre eigenen Verkaufszahlen mit einem neuen Bezug zum Markt. Wenn Sie die (zitierfähige) Quelle sind, sind Sie halb drin.

Ansatz Nr. 3: Eine fast immer ungenutzte Quelle für spannende News liegt in Ihrem Unternehmen selbst: Es sind die Mitarbeiter, die dahinter stehen. Nichts interessiert Menschen mehr als andere Menschen. Gibt es spannende, unerwartete oder emotionale Ansätze, die Ihre Mitarbeiter betreffen? Menschelt’s so richtig schön? Woher nehmen diese ihre Ideen, ihre Inspiration? Wie sehen ihre Karrierewege aus?

Diese News sollten anschließend nicht nur via Presseverteiler unters Volk gebracht werden. Hier drei weitere Tipps:

  1. Integrieren Sie alle News und persönlichen Stellungnahmen in einen (unternehmenseigenen) Blog.
  2. Richten Sie einen RSS-Feed ein, mit dessen Hilfe Leser Ihre Themen abonnieren.
  3. Gestalten Sie die Landing Page, auf die in Ihren News verwiesen wird, ansprechend und benutzerfreundlich.

Diese drei Dinge kosten kaum etwas, wirken aber ungemein effektiv. Die Vorteile dieser Art der Suchmaschinen-Optimierung auf einen Blick:

  • Wesentlich höhere inhaltliche Gestaltungsmöglichkeiten im Gegensatz zu Adwords.
  • Die News tauchen nur kontextbezogen auf – Zufallsergebnisse entfallen.
  • Im Gegensatz zu Adwords kosten Sie Klicks auf die generischen Suchergebnisse keinen Cent.
  • Höherer Wirkungsgrad: Tatsächlich werden die generischen Suchergebnisse viel häufiger geklickt als Werbeanzeigen. Bei jeder Suchanfrage entfallen 75 Prozent der folgenden Klicks auf die generischen Ergebnisse, gerade einmal 25 Prozent dagegen auf Werbung.
  • Im Gegensatz zu bezahlter Online-Werbung halten Ihre durch Online-PR erzielten Links und Suchergebnisse viel länger vor.

Buchtipp

Von Hajo Neu und Jochen Breitwieser:

Public Relations -  Die besten Tricks der Medienprofis [158]

[Bild: virtua73 - Fotolia.com]

Online-Werbung: Im Jahr 2009 Wachstum von 10 Prozent

Ein starkes Wachstum prognostizierte der Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. schon Anfang dieses Jahres. Eine Untersuchung bestätigt nun diese Prognose: Das Bruttowerbevolumen der Online-Werbung wird auf über vier Milliarden Euro zulegen und zeitgleich seinen Marktanteil weiter ausbauen. Laut aktueller OVK-Prognose würde somit Online-Werbung Platz drei hinter klassischer TV- und Zeitungswerbung einnehmen.

Markenkommunikation im Web nimmt zu

OVK-Vorsitzender Paul Mudter prognostiziert:

"Trotz angespannter Wirtschaftslage wird Online-Werbung in diesem Jahr Brutto um zehn Prozent zulegen. Das Nettowachstum schätzen wir auf zwei bis drei Prozent. Für die nächsten zwei Jahre rechnen wir mit einem weiteren Anstieg des Bruttowerbevolumens. Treiber dafür sind neben Performance-orientierten Kampagnen die verstärkt zunehmende Markenkommunikation im Bereich der klassischen Online-Werbung."

Online-Werbung baut Marktanteil weiter aus

Im Vergleich zu 2008 wird der Online-Werbemarkt in diesem Jahr seinen Anteil am Gesamtwerbemarkt um zwei Prozent auf 16,6 Prozent ausbauen, wenn die aktuelle OVK-Prognose zutrifft. Damit würde Online-Werbung erstmalig das Werbesegment der Publikums- und Fachzeitschriften mit einem Anteil von insgesamt 15,8 Prozent überholen. Nach TV- und Zeitungswerbung mit 36,7 beziehungsweise 21,9 Prozent würde Online-Werbung somit den dritten Platz im Bruttowerbekuchen aller Mediengattungen einnehmen. Gründe dafür sind:

  • eine konstant zunehmende Investitionsbereitschaft in Online-Werbung im ersten Halbjahr 2009 sowie

  • die Stagnation beziehungsweise rückläufige Entwicklung der klassischen Werbung im gleichen Zeitraum.

Klassische Budgets wandern

BVDW-Präsident Arndt Groth erklärt:

„Gerade in Krisenzeiten stehen Effizienz und Transparenz an erster Stelle. Viele Werbebudgets haben sich daher in den letzten Monaten von der Klassik in den Online-Bereich verschoben. Eine nachhaltige Entwicklung, die den Anteil der Online-Werbung am gesamten Werbemarkt wachsen lässt.“

Bewegtbild-Werbung wächst stark

Der Bereich der Bewegtbild-Werbung konnte im ersten Halbjahr 2009, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, um 263,7 Prozent zulegen. Damit übertreffen Video-Banner das Wachstum des letzten Jahres, welches bei 236,3 Prozent lag. Auch Wallpaper konnten im ersten Halbjahr 2009 einen Zuwachs von 38,6 Prozent, Skyscraper von 28,1 Prozent und Super Banner von 9,7 Prozent vorweisen - verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

OVK Online-Report 2009/02

Den kompletten OVK Online-Report 2009/02 finden Sie hier als PDF-Dokument:

OVK Online-Report 2009/02 [159]

[Svetlana Miassoedov; Quelle: OVK; Bild: Fotolia.com]

E-Mail-Marketing: Tipps für unterhaltsame Newsletter-Texte

Wer schreibt, der bleibt! So lautet eine alte Volksweisheit, die mittlerweile auch online fleißig in die Tat umgesetzt wird. Während die Nutzer damit beschäftigt sind, sich selbst in Kurzprofilen darzustellen, Kurznachrichten untereinander zu senden oder ihre Blogs zu pflegen, achten Unternehmen auf eine tadellose Darstellung ihrer Tätigkeiten und Angebote. Diese sollen nach Möglichkeit regelmäßig von ihrer Zielgruppe wahr- und in Anspruch genommen werden. Deshalb gehört für viele Unternehmen das Versenden eines regelmäßigen Newsletters nicht nur zum guten Ton, sondern ist auch Bestandteil einer ausgewogenen Online-Marketing-Strategie.

Doch Texte in einem Newsletter stellen eine ganz eigene Gattung dar. Hier sollte auf Punkt und Strich geachtet werden, damit die Empfänger sich nicht nur die Inhalte durchlesen, sondern sich diese sogar merken und sie letztlich unterhaltsam finden. E-Mail-Marketing wird zu einem Erfolg, wenn die Texte akkurat, individuell und persönlich gehalten sind. Werden diese innerhalb des Newsletters zusätzlich mit Hilfe von Ankern untereinander verlinkt, entsteht ein dynamisches und übersichtliches Informationspaket.

1. Absender: Offen und bekannt

Der Empfang eines Newsletters ist immer mit einem Anteil Unsicherheit verbunden: Wer schickt Informationen, warum und mit welchem Ziel? Da viele virtuelle Postfächer mittlerweile unter starker Spam-Flut leiden, ist es für den Empfänger umso wichtiger, den Absender eines Mailings sofort zu erkennen.

Tipp: Der Unternehmensname in Kombination mit einem realen Ansprechpartner im Unternehmen sorgen für hohe Vertrauenswürdigkeit und Nähe.

2. Betreff: Laut und deutlich

Wichtige Informationen für Kunden und Interessenten verdienen eine eindrucksvolle Ankündigung. Die Betreffzeile eines Newsletters ist, neben der Angabe des Absenders, einer der wichtigsten Informationsträger des Newsletters. Sie sollte nicht zu allgemein gehalten werden, aber auch nicht zu lang formuliert sein und keinesfalls werblich wirken. Der Leser wird mit ihr eingeladen und erhält einen Vorgeschmack auf spannende, interessante und relevante Inhalte, auf die er lange Zeit gewartet hat.

Tipp: Erscheint in der Betreffzeile kurz und knackig das Grundthema eines Mailings, ist der Leser sofort informiert und neugierig auf weitere Inhalte.

3. Anrede: Persönlich und sympathisch

In einen Newsletter gehört immer die persönliche Anrede. Je nach Zielgruppe kann das der Vorname („Liebe Eva!“), der Nachname („Sehr geehrter Herr Meisner,“) oder die Verbindung aus beidem („Hallo Frau Isabell Pauski!“) sein. Eine allgemein gehaltene Anrede wie „Liebe Leser“ ergibt nur in sehr speziellen Situationen Sinn und sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Wer seinen Namen schwarz auf weiß in einem Anschreiben liest, fühlt sich angesprochen und umsorgt.

Tipp: Ist die Anrede genau auf das Kommunikationsverhalten des Lesers abgestimmt, baut dieser ein Vertrauensverhältnis zum Verfasser des Schreibens auf.

4. Einleitung: Kurz und fröhlich

Jeder Leser eines Newsletters freut sich über ein paar kurze einleitende Sätze, die ihn auf den folgenden Inhalt vorbereiten. Doch sollten diese nicht länger als fünf bis sechs Zeilen beanspruchen, da die Aufmerksamkeit des Angesprochenen genauso schnell nachlässt, wie sie begonnen hat. Die Einleitung dient des Weiteren dazu, eine ungezwungene und informative Atmosphäre aufzubauen.

Tipp: Ein Spannungsbogen in der Einleitung macht Lust auf mehr.

5. Rubriken: Relevant und regelmäßig

Immer wiederkehrende Themen, auf die sich die Leser einstellen, sorgen für einen regelmäßigen und zuverlässigen Inhalt des Newsletters. Viele Abonnenten suchen sich schnell ihre Lieblingsthemen aus, die sie in jedem Fall lesen und anklicken. Die Ausgewogenheit der Themen garantiert eine heterogene Ansprache der Leser. Allerdings sollten aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht zu viele Rubriken angeboten werden. Hier hilft, bei umfangreichen Content-Angeboten, eine entsprechende Software, die selektive Ansprache zu steuern und nur die für den Abonnenten relevanten Inhalte auszuliefern.

Tipp: Für die Zielgruppe relevante Rubriken lassen sich mit Hilfe von Test- und Split-Mailings herausfiltern.

6. Teaser: Smart und aktuell

Schlimmer, als alte und langweilige Nachrichten sind eigentlich nur Werbe-E-Mails. Ein Newsletter berichtet immer über aktuelle Themen des Unternehmens, gibt Einblicke in interne Geschehnisse und informiert über anstehende Ereignisse. Wie persönlich die Texte gehalten sind, hängt immer von den Rezipienten ab. Kurze und animierende Teaser halten den gesamten Newsletter lebendig und machen Lust auf mehr. Jeder Teaser erhält eine Verlinkung am Ende des Textes, hinter der sich weiterführende Informationen verbergen. Idealerweise korrespondiert die Formulierung des Link-Textes mit dem Inhalt der Landing Page. Die Länge der Texte ist entscheidend für die Aufmerksamkeit der Leser. Je mehr Teaser vorhanden sind, desto kürzer sollten auch die Texte und Sätze gehalten werden. Das geübte Auge scannt viele Informationen sehr schnell und ist auf Übersichtlichkeit und prägnante Schlüsselwörter angewiesen.

Tipp: Die wenigsten Abonnenten lesen einen Newsletter von Anfang bis Ende durch. In Kombination mit Keywords sorgen ungewöhnlich und auffällig formulierte Sätze für die angemessene Aufmerksamkeit.

7. Bilder: Klar und referenzierend

Eine klare Bildsprache, die sich auf die Inhalte der Teaser bezieht, erhöht die Aufmerksamkeit des Lesers enorm. Mit der Bildauswahl sollte entsprechend viel Zeit verbracht werden, wenn das Unternehmen auf eine visuelle Kommunikation Wert legt und sich in das Gedächtnis seiner Abonnenten einprägen will. Ein Bild sagt auch in einem Newsletter mehr als Tausend Worte, womit es das reduzierte Textangebot mehr als ausgleicht.

Tipp: Mut zur Farbe und der Einsatz von Eyecatchern ermutigen selbst lesefaule Abonnenten, sich einem Thema zu nähern.

8. Specials: Anregend und edel

Das Firmenjubiläum oder der Messerauftritt, ein Ausverkauf oder eine Rabattaktion: Störer und Gutscheine erregen Aufmerksamkeit. Allerdings sollten sie nicht zu aggressiv platziert und zurückhaltend eingesetzt werden. Formulierungen wie „Alles muss raus!“ oder „Tolles Preisausschreiben mit Mega-Gewinnen“ erinnern mehr an den konventionellen Werbeprospekt, als an ein Qualitätsangebot. Specials dürfen in einem Sonder-Mailing oder als Störer im Newsletter angekündigt werden und müssen auf intelligente Weise unverschämt sein. Der Leser erfährt ein Angebot, das ihn anspricht. Er darf aber nicht erkennen, warum er sich gefangen nehmen lässt. Texte wie zum Beispiel „Lernen Sie uns von einer ganz anderen Seite kennen. Auf der Industrie-Messe Halle 4, Stand 34“ erregen Neugier, ohne aufdringlich zu wirken.

Tipp: Störer benötigen ein dezentes Design und einen auffälligen, aber edlen Text.

9. Kontakt: Schnell und eindeutig

Im Web 2.0 herrscht eine ausgeprägte Feedback-Kultur vor. Diese macht auch vor Newslettern nicht Halt. Leser, die sich für Inhalte näher interessieren, erfragen Details. Abonnenten, die sich beschweren möchte, benötigen einen Ansprechpartner. Auch Adressänderungen, Nachbestellungen oder Informationsanfragen benötigen eine Kontaktmöglichkeit. Letzten Endes kommt es weniger darauf an, ob differenzierte Kontaktadressen für unterschiedliche Anfragen zur Verfügung stehen, sondern viel mehr auf den schnellen Zugriff des Kontakts. Ein Newsletter ist ein zweiseitiges Kommunikationswerkzeug, das seitens der Leser nicht nur Input erzeugt, sondern auch Output provoziert.

Tipp: Oft ist die „Antwort senden“-Funktion für die Abonnenten die bekannteste und populärste Möglichkeit, direkt Kontakt mit dem Versender aufzunehmen.

[Bild: fotolia.com]

Buzz-Marketing: Mundpropaganda im neuen Gewand

Buzzen heißt wortwörtlich: Herumsummen. Früher beschränkten sich die Möglichkeiten dazu auf Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde und Kollegen. Heute kann man im Internet auf Kommunikationswerkzeuge von unglaublicher Reichweite zurückgreifen, wodurch sich Mundpropaganda nicht selten explosionsartig und für das ‚betroffene‘ Unternehmen unkontrollierbar verbreitet. Anbieter und ihre Marken werden in Grund und Boden geredet – oder in den höchsten Tönen gelobt. Ein ‚Hype‘ entsteht heutzutage meist im Internet.

Empfehlungen finden also zunehmend in zwei 'Welten' statt, die sich immer stärker miteinander verknüpfen:

  • Offline: Die Empfehlung von einem Individuum zu einem anderen im Rahmen eines Gesprächs, die klassische Mundpropaganda also, die es zu allen Zeiten gab. So verbreiten sich empfehlenswerte Informationen eher langsam und innerhalb eines überschaubaren Kreises.
  • Online: Die Massenempfehlung, die erst durch die neuen elektronischen Technologien möglich wurde. Hierbei können per einfachem Mausklick über geografische und kulturelle Grenzen hinweg Tausende von Menschen schnell und kostengünstig auf ein empfehlenswertes Angebot aufmerksam gemacht werden. In kürzester Zeit kann die ganze Welt es haben wollen.

Einer gerade veröffentlichten Nielsen-Studie zufolge, bei der mehr als 25.000 Internet-User in 50 Ländern zu Wort kamen, vertrauen 90 Prozent der Befragten den Empfehlungen von Bekannten und 70 Prozent den Konsumentenbewertungen im Internet. Neben den loyalen und ertragsstarken A-Kunden rücken dabei zunehmend die sogenannten Mavens in den Fokus, die als Meinungsmacher und Referenzgeber fungieren. Ihr Urteil beeinflusst das Kaufverhalten ganzer Gruppen. Die Suche nach passenden Multiplikatoren sowie das gezielte Auslösen digitaler Mundpropaganda werden demnach im Marketing der Zukunft eine tragende Rolle spielen.

Die neue Macht der Kunden

Unternehmen müssen sich nun endgültig von der Idee verabschieden, dass alles durch eigene Vertriebs- und Marketingarbeit gesteuert werden kann. Wer heute konsumiert oder investiert, glaubt eher den Botschaften seiner Freunde oder dem Bericht eines anonymen Bloggers, als den Hochglanzbroschüren von Herstellern und Anbietern am Markt. Mundpropaganda ist ein imposantes Ausdrucksmittel von Verbrauchermacht. Und aktive Empfehler sind die Treiber einer positiven Unternehmensentwicklung.

So haben schon 19 Prozent aller Reiselustigen, wie die 2009er FUR-Reiseanalyse herausfand, ein anderes als das zunächst beabsichtige Hotel gebucht. Das heißt, schlecht bewertete Hotels verlieren jeden fünften Gast allein durch das Internet – ohne es zu wissen. Und dem Online-Shopper-Report der European Interactive Advertising Association (EIAA) zufolge erwerben fast 60 Prozent der Konsumenten nach ihren Web-Recherchen einen anderen als den ursprünglich geplanten Elektro-Artikel.

Auf solche Weise kommen so manchem Unternehmen die Interessenten abhanden, bevor diese überhaupt eine erste Anfrage gestartet haben. Und schon wenige unzufriedene Kunden können dafür sorgen, dass es ein Unternehmen morgen nicht mehr gibt. In meiner Arbeit erlebe ich allerdings regelmäßig: Diese Gefahr wird von vielen Managern immer noch nicht gesehen oder aber heruntergespielt. Man hält die Meinungsäußerungen für gefälscht - oder für irrelevant

Online-Reputation: der Status Quo

Blogs & Co. sind die beste Echtzeit-Marktforschung aller Zeiten. Sie können, richtig genutzt, zu mächtigen Hilfsmitteln in Sachen Image und Mundpropaganda werden. Ein Muss ist es heutzutage, dem unverfälschten Online-Feedback zu lauschen, also hin zu hören, statt immer nur selber Botschaften zu senden. Wer dem Buzz über das eigene Unternehmen auf die Spur kommen will, geht mit folgenden Fragen auf die Suche:

  • Welches sind die relevanten Bewertungsportale in unserer Branche?
  • Und was wird dort bereits über unsere Firma, unsere Angebote bzw. unsere Berater oder Verkäufer erzählt?

Dank ‚Google Blog Suche‘ oder über ‚technorati.com‘ lassen sich die (hoffentlich) positiven Kommentare am schnellsten ausfindig machen. Fortgeschrittene gehen über ‚Yahoo Pipes‘. Und über ‚Google Alerts‘ sowie über ‚yasni.de‘ erhält man Online-Buzz regelmäßig zugespielt. Rufen Sie dazu die entsprechenden Eingabemasken auf und folgen Sie dann den weiteren Anweisungen. Das ist übrigens kostenlos.

Profis verwenden spezielle Programme, die das Internet oder zuvor definierte Webseiten mit ‚Spidern‘ durchsuchen und relevante Informationen herausfiltern. Dabei wird eine Stimmungsklassifizierung (positiv, negativ, neutral) betrieben. Bei dieser semantischen Version des Social Media Monitoring (SMM) können auch die Quellen der Online-Äußerungen identifiziert und angesteuert werden. Schließlich wird dokumentiert, ob diese Quellen eine Multiplikatoren-Rolle haben, also im positiven Fall sehr nützlich, im negativen Fall jedoch äußerst gefährlich sein können. So lassen sich auch Krisenherde herausfiltern und Trends entdecken.

Online-Reputation gestalten

Ist der Status quo erforscht, geht es im nächsten Schritt darum, seine Online-Reputation zu stärken. Schlecht ist es, wenn Sie nun unter falschem Namen beginnen, überall für sich Werbung zu machen. Solche ‚Fakes‘ kommen früher oder später immer raus, und dann ist der Schaden gewaltig. Sie werden genüsslich vor der Online-Gemeinde an den Pranger gestellt.

Gut ist es, sich in den relevanten Communities einen Namen zu machen, indem Sie dort fachlich fundierten, nützlichen und wertvollen Content einstellen. Dies kann zum Beispiel in Form von Kommentaren, oder besser noch, in Form von Fachartikeln passieren. So kann auch die Presse auf Sie aufmerksam werden. Journalisten sind immer auf der Suche nach Experten. Und gute Presse ist eine äußerst wirkungsvolle Mundpropaganda.

Am besten aber ist es, wenn die Kunden von sich aus agieren und an richtiger Stelle Positives erzählen. Das tun sie natürlich nur dann, wenn sie auch wirklich gute Gründe dafür haben. Vertrauen, Begeisterung und Spitzenleistungen sind die beste Versicherung für positive Mundpropaganda. Doch selbst, wenn diese Basis gesichert ist, kommt das Empfehlungsgeschäft nicht immer automatisch in Gang. Man wird seine Kunden vielfach ein wenig ‚impfen’ müssen. Dies kann in Eigenregie passieren oder wiederum von Profis unterstützt werden.

Profi-Buzz erzeugen

Verschiedene Agenturen haben inzwischen tausende sogenannter Buzzer in ihrer Datenbank, die vorgegebene Produkte zwar gezielt, aber dennoch zwanglos in ihrem Umfeld ins Gespräch bringen. Die ausgewählten Buzzer bekommen Produktmuster, Hintergrundinformationen und Anleitungen für die Kundenansprache. Sie arbeiten unentgeltlich und unterliegen keinem Zwang.

Buzzer sind in aller Regel Menschen, die sich als Vorreiter, als Avantgarde und Insider, also als Meinungsführer und Multiplikatoren sehen und vor allem über das Internet extrem gut vernetzt sind. Buzzen ist für sie eine Chance, sich zu amüsieren, an einen Informationsvorsprung zu kommen, ihr Geltungsbedürfnis zu nähren, anderen zu helfen oder Einfluss zu nehmen. Das bringt Selbstbewusstsein und Prestige.

Für Unternehmen ergeben sich aus der Zusammenarbeit mit Buzzern eine ganze Reihe von Vorteilen: So können Buzzer neue Produkte testen, bevor diese auf den Markt kommen und so an deren Entwicklung Anteil nehmen. Sie können auch Echtzeit-Rückmeldungen aus dem Markt darüber geben, wie ein Produkt ankommt. Auf diese Weise lassen sich notwendige Änderungen anschieben oder völlig unbrauchbare Produkte stoppen, bevor sie größeren Schaden anrichten.

Eine Multiplikatoren-Strategie entwickeln

Ob mit oder ohne die Hilfe von spezialisierten Agenturen: Um positiven Buzz zu schüren, ist es wichtig, ‚Opinion-Leader‘ zu finden und für sich zu gewinnen. Das sind Menschen, die im Rampenlicht sehen, die hohes Ansehen genießen, die einen Expertenstatus besitzen und deshalb eine Leitfunktion einnehmen: Eliten, Autoritäten, Funktionäre, Mentoren, Unternehmer-Persönlichkeiten, Journalisten, Stars und Sternchen, bekannte Sportler, Vordenker, Entscheider und Macher. Im Internet kommen Foren-Moderatoren, Profi-Blogger und die Twitterer mit vielen Followern hinzu. Solche Menschen können die öffentliche Meinung stark prägen und Anbietern, die sie schätzen, schnell zum Erfolg verhelfen. Wir können dabei zwei Typen unterscheiden:

  • beziehungsstarke Multiplikatoren: Sie sind vor allem an Menschen interessiert, kennen Gott und die Welt und lieben die Abwechslung. Daher sind sie nicht nur in einem festgesteckten Umfeld unterwegs, sie haben darüber hinaus Kontakte zu ganz unterschiedlichen Kreisen und können sie alle zusammenführen. Empfehlenswerte Informationen über Produkte und Marken können so wie ein Lauffeuer verbreitet werden und gleichzeitig in verschiedenen 'Szenen' Fuß fassen. Man trifft auf sie plötzlich von allen Seiten. Multiplikatoren erzielen somit ‚Breite‘ und schnelle ‚Hypes‘.
  • einflussnehmende Meinungsführer: Sie sind vor allem an Informationen interessiert. Sie haben Detailwissen auf determinierten Fachgebieten und beraten andere gern. In ihrem Umfeld werden sie als Experte geschätzt. Was von ihnen für gut befunden wird, hat Hand und Fuß. Ihr Einfluss ist daher hoch. Man folgt ihren spezifischen Hinweisen blind. Meinungsführer erzielen somit ‚Tiefe‘ und können als effiziente Empfehler fungieren. Die so lancierten Produkte haben eine nachhaltige Durchschlagskraft.

Auf die Liste relevanter Multiplikatoren und Meinungsführer gehören vor allem solche, die Kontakte oder Kunden haben, an denen Sie interessiert sind, die Ihrer Sache zugeneigt sind, und die sich für Sie mächtig ins Zeug legen. Fragen Sie sich dabei in etwa wie folgt:

  • Wer in meinem Umfeld redet gern – über sich und andere?
  • Auf wen in meinem Umfeld hören andere, weil deren Meinung zählt?
  • Wer ist gut vernetzt und kennt viele Leute?

Durchforsten Sie auf diese Weise Ihre Adressdateien oder erkundigen Sie sich in Ihrer Umgebung: "Wen kennst du, der jede Menge Leute kennt und zu der oder jener Zielgruppe gute Kontakte pflegt?" oder: „Wen würden Sie in Sachen … als maßgeblichen Experten am ehesten zurate ziehen?“ Im Jugendmarketing fragt man beispielsweise so: „Wer ist der absolut coolste Typ, den du kennst?“

Nachdem Sie auf diese Weise den Markt nach potenziellen Mundpropagandisten durchforstet haben, analysieren Sie Ihre Datenbank auf der Suche nach Kunden, die sie bereits empfohlen haben. Die Chancen stehen gut, dass sie zum 'Wiederholungstäter' werden. Pflegen Sie solche Kontakte besonders gut, denn das sind genau die Kunden, die Ihre Konkurrenz am liebsten hätte.

Seminar zum Thema

Die Autorin hält auch regelmäßig Seminare. Weitere Informationen:

Seminare von Anne M. Schüller [160]

Das Buch zum Thema

Von Anne M. Schüller:

Zukunftstrend Empfehlungsmarketing [161]

Mailing: Mit guten Werbebriefen mehr verkaufen

Eigentlich ist ein Werbebrief die perfekte Verkaufsmaßnahme: Er ist sehr persönlich, seine Streuverluste sind gering und der Werbeerfolg lässt sich leicht überprüfen. Außerdem können Sie vorhandene Kunden binden und reaktivieren.

Doch leider landen die meisten Mailings ungelesen im Papierkorb. Woran liegt’s? An mangelnder Planung, fehlerhaften Adressen und einem Text, der an den wahren Kundenbedürfnissen vorbeigeht.

Folgende Punkte sollten Sie beim Texten Ihrer Werbebriefe beachten, um den gewünschten Erfolg zu haben.

Die Überschrift

Welche Überschrift spricht Sie eher an: „Die neueste Kopierer-Generation von Bechmann“ oder „Nie mehr Papierstau beim Kopieren“? Die erste Headline beschreibt die Sicht des Unternehmens: Wir haben einen neuen Kopierer entwickelt und sind stolz darauf. – Nur: Was hat der Kunde davon? Auf diesen Punkt geht die zweite Variante ein: Mit dem neuen Kopierer gibt es keine Papierstaus mehr, der Kunde spart Zeit und Nerven. Ein klarer Nutzen wird vermittelt.

Und das ist auch schon die wichtigste Regel für die Headline: Sie muss den Kundenvorteil betonen, sie muss neugierig machen und Gefühle ansprechen. Dann wird auch der restliche Brief gelesen.

Texten Sie daher die Überschrift besonders sorgfältig. Fassen Sie sich kurz, vermeiden Sie Fremdwörter und Doppeldeutigkeiten. Der Leser muss sofort wissen, worum es geht.

Die Anrede

Der eigene Name ist etwas sehr Persönliches. Deshalb fühlt sich jeder Leser geschmeichelt, wenn er mit seinem Namen angeredet wird. Es gilt: Je persönlicher der Werbebrief gestaltet ist, umso erfolgreicher ist er. Das heißt aber nicht, dass Sie den Adressaten in jedem Absatz namentlich erwähnen sollen. Übertreiben Sie es nicht mit der Personalisierung, das stößt ab und macht misstrauisch.

Der erste Satz

„Unser Statikerbüro bietet seit 25 Jahren höchste Präzision in der Lösung komplexer Aufgaben.“ - Schön, denkt sich der Leser, aber was hat das mit mir zu tun? Und schon wandert das Mailing in den Papierkorb.

Was den Architekten oder Bauträger an dieser Stelle interessiert, sind einzig und allein seine Vorteile. Was hat er davon, wenn er sein nächstes Bauprojekt von Ihnen planen lässt? Genau hier müssen Sie den Leser packen. Und das gelingt Ihnen zum Beispiel, wenn Sie eine Situation schildern, die der mögliche Kunde kennt: „Bestimmt fragen Sie sich bei jedem Bauvorhaben: Wie schaffe ich den Spagat zwischen niedrigen Kosten und höchster Sicherheit?“

Auf eine solche rhetorische Frage antworten die meisten Leser mit „ja“. Sie fühlen verstanden und sind offen für die folgenden Verkaufsargumente.

Der Hauptteil

Ein Werbebrief ist ein schriftliches Verkaufsgespräch, ein Wechselspiel aus Frage und Antwort. Und der Leser hat eine Menge Fragen: Wer sind Sie? Was bieten Sie mir an? Was habe ich davon?

Wie bei einem persönlichen Gespräch kommt es nun darauf an, dass Sie diese unausgesprochenen Fragen Ihres Gegenübers kennen und beantworten. Nur so liest der mögliche Kunde immer weiter, fühlt sich respektiert und bestätigt. Der Dialog bleibt aufrecht.

Deshalb ist es auch so wichtig, dass Sie nicht lang und breit die Eigenschaften Ihres Produktes beschreiben, sondern den Nutzen Ihres Angebotes zeigen. Wechseln Sie dazu vom „Wir“ zum „Sie“. Schreiben Sie statt „Wir entwerfen formschöne Himmelbetten“ besser „In unseren stilvollen Himmelbetten schlafen Sie wie auf Wolken“.

Appellieren Sie dabei an die menschlichen Grundbedürfnisse – die vier P’s:

  • Pride (Stolz),
  • Profit (Gewinn),
  • Pleasure (Vergnügen) und
  • Peace (Frieden).

Sprechen Sie diese Kauftriebe an und erhöhen Sie damit den Verkaufserfolg. Zum Beispiel Peace: „Ersparen Sie sich den Ärger mit den Nachbarn – mit unserem extra leisen Rasenmäher.“

Und: Belassen Sie es nicht bei bloßen Behauptungen. Bringen Sie Beweise – Studienergebnisse, Kundenmeinungen, Berichte aus Fachzeitschriften. Untermauern Sie Ihre Argumente mit nachprüfbaren Tatsachen, sorgen Sie für Glaubwürdigkeit.

Die Handlungsaufforderung

Lassen Sie den Leser nach der Lektüre Ihres Werbebriefes nicht ratlos zurück. Sagen Sie ihm, was er jetzt tun soll: Anrufen, faxen oder mailen? Infos anfordern oder das beworbene Produkt gleich bestellen?

Die gewünschte Handlung des Interessenten hängt auch davon ab, wie komplex das Erzeugnis oder die Dienstleistung ist. Bei umfangreichen Angeboten wie etwa Beratungsdienstleistungen wird das Mailing nur die erste von mehreren Werbemaßnahmen sein. Streben Sie daher lieber bescheidene Ziele an – der Leser soll beispielsweise weitere Infos anfordern oder einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren.

Wie auch immer Sie die Response-Elemente wie Antwortkarten, Fax-Antwort-Formulare etc. gestalten: Achten Sie darauf, dass sie bereits mit dem Namen des Interessenten versehen sind. Das erhöht die Rücklaufquote.

Das PS

Der Empfänger eines Werbebriefs überfliegt zunächst rasch den Text, vom Absender bis zur Unterschrift, und bleibt am PS hängen. Das Post Scriptum wird genau gelesen – und das ist Ihre Chance. Führen Sie im PS einen attraktiven Zusatzvorteil an, wiederholen Sie den wichtigsten Produktnutzen oder belohnen Sie jene Leser, die rasch antworten: „Auf die ersten 50 Einsender warten Gutscheine für die Bregenzer Beachparty. Viel Spaß!“

Aber Vorsicht: Das PS muss einen wirklichen Nutzen enthalten. Denn sonst fühlt sich der Leser enttäuscht und wirft den Brief weg, anstatt sich in den Fließtext zu vertiefen.

Der Schreibstil

Denken Sie immer daran: Ein Werbebrief ist kein amtliches Schreiben und keine Doktorarbeit. Ein Werbebrief muss verkaufen – nicht mehr und nicht weniger. Das verlangt eine einfache, klare Sprache. Oder würden Sie im persönlichen Verkaufsgespräch lange Schachtelsätze verwenden? Oder Fachwörter, die nur ein paar Branchenkennern bekannt sind und mit denen der Kunde überhaupt nichts anfangen kann? Eben.

Verfassen Sie Ihr Werbeschreiben in einer leicht verständlichen, aber dennoch nicht plumpen Alltagssprache. Ein Tipp dazu: Denken Sie beim Schreiben nicht an eine anonyme Masse von möglichen Kunden. Stellen Sie sich einfach vor, Sie schreiben an einen Freund oder Nachbarn. So fällt es Ihnen leichter, einfache und knackige Formulierungen zu finden.

Dazu gehört auch, dass Sie im Aktiv schreiben und Substantive vermeiden. Also statt „Unsere Empfehlung lautet“ besser „Wir empfehlen Ihnen“. Oder statt „Sie können mit sofortiger Lieferung rechnen“ besser „Wir liefern sofort“.

Und: Scheuen Sie nicht vor der Befehlsform zurück – sie ist in Werbebriefen zulässig und angebracht. Ersetzen Sie ein umständliches „Wir würden uns freuen, wenn Sie uns anrufen“ durch ein kurzes „Rufen Sie uns gleich an!“. Schließlich wollen Sie ja bestimmte Reaktionen beim Leser auslösen.

Das erreichen Sie auch durch anschauliches Schreiben. Versuchen Sie immer, ein greifbares Bild im Kopf des Lesers zu erzeugen. Zeigen Sie ihm, wie viel Geld oder Zeit er mit Ihrem Produkt spart, wie viel leichter, schneller oder unkomplizierter das neue Angebot ist. Nennen Sie konkrete Zahlen. Statt „Mit unserem neuen RegioLiner sind Sie viel schneller in der City“ besser „Mit unserem neuen RegioLiner sind Sie in zehn Minuten in der City“.

Viel Erfolg!

Mit diesen Tipps sind Sie auf dem besten Weg, Ihre nächste Mailing-Aktion zu einem Erfolg zu machen. Sie wissen jetzt, worauf es beim Brieftext ankommt.

Aber beachten Sie auch das Drumherum, wie die Auswahl der Zielgruppe, die Qualität der Adressen und die Gestaltung des Briefumschlages. Planen Sie Ihre Aussendung sorgfältig – nur so erreichen Sie Ihr Ziel.

[Bild: Fotolia.com]

So texten Sie wirksame Werbebriefe ...

Sie wollen Ihr Produkt mit einem Mailing bewerben? Sie sind sich aber beim Texten unsicher und hätten gerne eine kompakte Anleitung?

Die Antworten liefert die Autorin in Starke Mailings [162] , dem praxisorientierten eBook.

Marketing-Instrument: Hilft Twitter Unternehmen bei der Kundengewinnung?

Eine Studie der Berliner PR-Agentur Zucker.Kommunikation zusammen mit Blätterwald zeigt, dass deutsche Unternehmen aktiver twittern als vielfach vermutet wird. 50 Prozent aller DAX-Unternehmen sind hochaktive Twitterer. 40 Prozent twittern auf Deutsch. Das Microblogging-System Twitter wird als neuer Kommunikationskanal demnach ernst genommen.

51 Prozent der Tweets von Unternehmen wie Allianz, Daimler, Deutsche Bahn, Lufthansa, RWE oder Tchibo behandeln dialogische Themen. 32 Prozent aller Unternehmens-Tweets distributieren Nachrichten, 17 Prozent Werbebotschaften. Bei den Profilen der DAX-Unternehmen ist der Anteil der Werbung allerdings doppelt so hoch. Oliver Numrich von Blätterwald meint dazu:

"Insgesamt ist das ein erfreuliches Ergebnis. Die große Zahl der twitternden Unternehmen hat uns überrascht. Mit der Analyse können wir belegen, dass die Hälfte der Unternehmen den dialogischen Ansatz von Twitter verstanden hat und entsprechend agiert."

Stichwort

Twitter ist ein soziales Netzwerk und ein meist öffentlich einsehbares Tagebuch im Internet (Mikro-Blog). Angemeldete Benutzer können damit kurze Textnachrichten an viele andere Benutzer in Echtzeit senden. Somit ist eine schnelle und gezielte Übertragung prägnanter Informationen möglich.

Als Followers werden die Benutzer bezeichnet, die Twitter-Beiträge (Tweets) abonniert haben und anderen Nutzern somit folgen. Für Unternehmen ist das Ziel, möglichst viele Follower zu gewinnen.

Auch die Reichweite der Internetmeldungen ist nicht zu unterschätzen. Zahlen von Nielsen Online belegen, dass über 80 Prozent der Nutzer nicht direkt die Webadresse in ihren Browser eingeben, sondern über andere Seiten zu Twitter finden. Diese Multiplikatorwirkung ist beträchtlich und kann teilnehmende Unternehmen bekannter und präsenter machen.

Allerdings können auch ungewollt Informationen beispielsweise über Ergebnisse von Betriebsversammlungen oder vertrauliche Gespräche unter Führungskräften ins Netz gelangen. Selbst wenn diese nicht der Wahrheit entsprechen, kann das schädlich sein – wenn beispielsweise über Twitter Investoren verunsichert werden oder Gerüchte über Fusionen gestreut werden.

Geschwindigkeit spielt eine große Rolle, denn nur wer eine interessante Nachricht als Erster verbreitet, wird beachtet. Dabei wird eine fundierte Recherche oft vernachlässigt. Doch der Internetdienst bietet auch manche Vorteile.

Stark genutzt wird Twitter deshalb von Online-Händlern. So die Ergebnisse einer Umfrage von ibi-Research in Regensburg in ihrem E-Commerce-Leitfaden. Über die Hälfte der Befragten Online-Händler setzt sich bereits mit Twitter auseinander. Ein Drittel nutzt Twitter als Marketing-Instrument, während 20 Prozent die Einführung planen. Die Grafik zeigt die Ergebnisse im Einzelnen.

[Quelle: ibi research]

Das gesamte Dossier hier als PDF-Datei zum Herunterladen und Ausdrucken:

Weibliche Kunden: Was für Frauen zählt, prägt die Wachstumsmärkte der Zukunft

Sie treffen tausend Entscheidungen am Tag und halten alle Fäden gleichzeitig in der Hand: Frauen haben weltweit ihre Handlungsspielräume und Lebenswelten massiv erweitert – und sie kämpfen um den doppelten Anspruch, ihre traditionell als "weiblich" definierten Werte beizubehalten und sich in den modernen – bisher meist Männern vorbehaltenen – Domänen noch besser zu behaupten.

Die Zahl der berufstätigen Frauen ist weltweit bereits auf 1 Milliarde gestiegen – und sie wird in den kommenden fünf Jahren auf 1,2 Milliarden wachsen, wie Experten der Boston Consulting Group (BCG) errechnet haben. Im gleichen Zeitraum werden Frauen 70 Prozent der weltweiten Zunahme des Haushaltseinkommens erwirtschaften.

Für Unternehmen, allen voran Konsumgüterhersteller, liegt der Erfolg ihrer Produkte und Angebote bereits weitgehend in weiblichen Händen. Frauen sind global für 70 Prozent (in Deutschland und Österreich sogar 72, in den USA 73 Prozent) aller Konsumausgaben verantwortlich. Sie geben jährlich 12 Billionen US-Dollar aus – bis 2014 wird dieser Wert auf 15 Billionen US-Dollar klettern. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle BCG-Studie, für die das Beratungsunternehmen 12.000 Frauen aus 22 Ländern befragte.

Der alltägliche Mehrkampf ist in Deutschland am härtesten

Frauen wissen, was sie wollen: Unabhängigkeit, berufliche Aufstiegschancen und finanzielle Sicherheit plus Bindung, eine glückliche Familie und enge Freunde. Und sie wissen nur zu gut, was ihnen – speziell in Deutschland – dazu fehlt. Zwar sind mehr als 70 Prozent der deutschen Frauen mit ihrem Leben "im Großen und Ganzen" zufrieden; doch nur gut die Hälfte dieser Frauen (38 Prozent) – und damit deutlich weniger als der internationale Durchschnitt (58 Prozent) – blickt optimistisch in ihre Zukunft.

In kaum einem anderen Land hat sich die Rollenverteilung so stark erhalten wie in Deutschland. Ein Großteil der berufstätigen Frauen bewältigt neben ihrer Arbeit noch einen zweiten Vollzeitjob: Haushalt und Familie, die – trotz Berufs- und Bildungskarrieren –, in der Rangliste der Werte nach wie vor an erster Stelle stehen. Für 93 Prozent aller Haushaltsaufgaben sind in Deutschland Frauen verantwortlich; zunehmend zählen neben Einkaufen, Kochen, Kinderversorgen und Putzen auch "männliche" Domänen wie Autopflege und kleinere Reparaturen zum täglichen Mehrkampf. Frauen in Deutschland (und Frankreich) bringen doppelt so viel Zeit für Familie und Kinder auf wie der internationale Durchschnitt.

Was Frauen wollen

Der Preis für diese zwei Vollzeitjobs ist hoch. Lange Arbeitstage, ständige Konflikte zwischen den multiplen Anforderungen, Stress – und oft genug das Gefühl, nicht "alles im Griff" zu haben. "Zeitknappheit" steht an erster Stelle der Alltagsprobleme; jede dritte Frau (36 Prozent) ist mit ihrer Stressbelastung unzufrieden; noch höher ist der Anteil derer, die über "zu wenig Kontrolle" klagen. Knapp ein Viertel der Frauen (23 Prozent) geben an, sich selten oder nie wirklich erfolgreich zu fühlen. Auch mit ihrem Aussehen sind die meisten Frauen in Deutschland unzufrieden: Gerade einmal 30 Prozent halten sich für "sehr attraktiv". Damit liegen sie im Mittelfeld: In Russland finden sich mehr als die Hälfte der Frauen (51 Prozent) "besonders schön"; in Japan sind es nur 7 Prozent.

Auf die Frage nach ihren größten Wünschen für die Zukunft geben Frauen in aller Welt ähnliche Antworten: Mehr Zuwendung, mehr Zeit, mehr Geld. Liebe und Freundschaft, Selbstverwirklichung, eine bessere Work-Life-Balance und – speziell in Deutschland – mehr finanzielle Unabhängigkeit vom Partner sowie Sicherheit im Alter führen die Hitliste der weiblichen Lebenswünsche an.

Männerbranchen wie Banken und Versicherungen müssen sich umstellen

Für die Wirtschaft liefern die Untersuchungsergebnisse Hinweise darauf, wo die Wachstumsmärkte der Zukunft liegen und welche (weiblichen) Bedürfnisse sie – bislang – vernachlässigt haben:

"Unternehmen müssen Angebote entwickeln, die der Alltagsrealität von Frauen, den vielen 'Fäden' in ihren Händen, Rechnung tragen. Frauen leben längst in mehreren Welten gleichzeitig – und brauchen Angebote, die ihre psychischen und physischen Belastungen effektiv mindern",

sagt Antonella Mei-Pochtler, Geschäftsführerin bei BCG. In der Wahrnehmung der weiblichen Konsumenten gelingt dies bisher am ehesten Unternehmen aus der Lebensmittel-, der Bekleidungs- und der Kosmetikindustrie. Andere Branchen wie die Automobilindustrie, Versicherungen oder Banken schneiden weitaus schlechter ab – knapp die Hälfte der Befragten gab an, von den Unternehmen dieser Branchen sehr enttäuscht zu sein. Unternehmen, die am Klischee festhalten, dass Frauen sich nicht für Technik oder Geld interessieren, verschenken Wachstumschancen – und ihre eigene Zukunft:

"Die finanzielle Macht der Frauen steigt rasant – Wirtschaft und Gesellschaft werden sich dadurch stark verändern. Jetzt gilt es für die Unternehmen, sich schnellstmöglich darauf einzustellen",

sagt Mei-Pochtler. Um die Konsumentin der Zukunft zu gewinnen, kommt es darauf an, die Werte, Wünsche und Aktivitäten ihres Alltagslebens im Zusammenhang zu sehen. Eindimensionales Denken und schlichte Steigerungslogik führen in einer zunehmend von weiblichen (Konsum-) Entscheidungen geprägten Wirtschaftswelt (erneut) in eine - männlich geprägte - Krise führen.

Hinweis

Die vollständigen Ergebnisse der Studie veröffentlichen die BCG-Geschäftsführer Michael J. Silverstein und Kate Sayre in dem Buch:

"Women Want More: How to Capture Your Share of the World's Largest, Fastest-Growing Market" [163]

[po; Quelle: BCG; Bild: Fotolia.com]

EU-Markenschutz: Über Ländergrenzen hinweg die Marke schützen

Durch Neuregelungen ist der europaweite Markenschutz jetzt für die breite Wirtschaft interessant. Unternehmen können von einem vereinfachten Anmeldeverfahren mit geringeren Registrierungskosten profitieren. Zuständig ist das sogenannte Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt in Alicante (Spanien). Der Clou der EU-Markenanmeldung: Der Markenschutz erstreckt sich nicht nur auf alle aktuellen, sondern automatisch auch auf alle zukünftigen EU-Mitgliedstaaten.

Das Interesse an der EU-Gemeinschaftsmarke ist hierzulande besonders groß. Rechtsanwalt Markus Feinendegen von der Wirtschaftskanzlei DHPG bestätigt:

"18 Prozent aller Neuanmeldungen kommen aus Deutschland."

Damit ist Deutschland vor den USA Spitzenreiter. Noch unterschätzen viele Unternehmen die Tragweite von Markenanmeldungen. Tatsächlich gewinnen markenrechtliche Fragen für alle Unternehmen an Relevanz und fordern ein systematisches Vorgehen. Untätigkeit oder vorschnelles Handeln können sich negativ auswirken.

"Die markenrechtlichen Neuerungen rufen direkte und indirekte Wettbewerber in ganz Europa auf den Plan",

betont DHPG-Rechtsanwalt Feinendegen. Viele Unternehmen nützten die europaweite Markenanmeldung strategisch und machten damit erste Marktansprüche geltend. Marken mit europaweiter Geltung gewinnen enorm an Wert, erfordern aber vom Inhaber ein erhöhtes Augenmerk.

Vermehrte EU-Gemeinschaftsmarken gefährden Identität der Marken

Die wachsende Zahl von EU-Gemeinschaftsmarken gefährdet die Identität von Marken. Schon bald ist eine Zunahme von markenrechtlichen Konflikten über Ländergrenzen hinweg zu erwarten. Viele Markenkonflikte lassen sich allerdings vermeiden. Schon bei der Anmeldung ist Weitsicht gefragt. Existiert bereits ein entsprechendes Kennzeichen oder besteht Verwechslungsgefahr mit einer etablierten Marke, drohen hohe Kosten. Grundsätzlich gilt: Die ältere Marke schlägt die jüngere Marke. Der "Nachzügler" muss im Extremfall alles stoppen, was er im Bezug auf die Marke bislang unternommen hat. Allein der Rückzug aller Geschäfts- und Marketingunterlagen ist sehr kostspielig, ungeachtet der Imageschäden. Hinzu kommt, dass der Markenverletzer regelmäßig auf Schadensersatz in Anspruch genommen wird.

Gerade bekannte Marken rufen leicht Nachahmer auf den Plan. Markeninhaber sollten deshalb die Marktentwicklungen aufmerksam verfolgen und die Eintragung von Marken, die Verwechslungsgefahr bergen, abwehren. Nur so bleibt die Markenidentität und -wirkung gewahrt. Der Geltungsbereich von EU-Gemeinschaftsmarken erschwert zwar eine Überwachung, erhöht aber den rechtlichen Handlungsspielraum. DHPG-Rechtsanwalt Feinendegen unterstreicht:

"Im Rahmen der EU-Gemeinschaftsmarke können Unternehmen gegen Produktpiraten bereits im europäischen Ausland vorgehen."

EU-Gemeinschaftsmarke konsequent nutzen

Wer seine Marke europaweit schützen möchte, sollte systematisch vorgehen. So lassen sich alle Chancen konsequent ausschöpfen. Außerdem ist vorausschauendes Handeln gefragt, um kostspielige Fallstricke zu vermeiden.

1. Prüfung:

Ein Name, ein Logo, eine Farbe - all das kann zur Marke werden. Dadurch sind viele markenrechtliche Konflikte vorprogrammiert. Vor der Anmeldung eines neuen Kennzeichens sollte in jedem Fall geprüft werden, ob es bereits identische oder ähnliche Marken gibt. Die Frage "Was ist ähnlich?" ist schwer zu beantworten und erfordert regelmäßig Unterstützung durch Experten.

2. Eintragung:

Nicht jede kreative Idee ist als Marke geeignet. Die Marke muss eindeutig identifizierbar sein, das heißt, auf ihre Herkunft hinweisen können. Deshalb ist vorab zu definieren, was genau die Marke ausmacht und welche Art von Marke angemeldet wird. Neben Wortmarken, Bildmarken oder Wort-Bild-Kombinationen sind auch Tonfolgen, Formen, Farbtöne und Gerüche schutzfähig. Eine Klärung der Frage "Welche Eintragungsart ist sinnvoll?" ist wichtig.

3. Überwachung:

Eine Eintragung beim EU-Markenamt reicht nicht aus, um vor Nachahmern und Produktpiraten gefeit zu sein. Markeninhaber sollten nicht nur das Marktumfeld, sondern auch Registereintragungen auf europäischer Ebene laufend beobachten. Nur so lassen sich Markenverletzungen frühzeitig erkennen. Schließlich trägt das Markenamt ohne nähere Prüfung gleiche oder ähnliche Marken in das Register ein. "Wie lassen sich Markenrechte europaweit überwachen?" wird zur Schlüsselfrage.

4. Schutz:

Ländergrenzen erschweren Markeninhabern den Überblick über die eigene Rechtsposition. Bei vielen Markenverstößen ist schnelles Handeln gefragt, um die eigene Rechtsposition zu wahren. Sonst wird womöglich die selbst geschaffene Marke massiv geschwächt. Die Frage "Welche Schutzansprüche sind durchsetzbar?" ist im Vorfeld zu klären.

[po; Quelle: DHPG; Bild: Volodymyr Vasylkiv - Fotolia.com]

Werbebriefe verfassen: Mailings überzeugend texten

Bei der sprachlichen Gestaltung von Mailings ist es Voraussetzung, dass wir zum einen wissen, was genau wir kommunizieren, und zum anderen, an wen wir uns mit unserer Botschaft richten wollen. Wenn wir uns das überlegt haben, können wir daran gehen, geeignete Ideen zu finden, mit denen wir unsere Botschaft anders und besser an den Mann unserer Wahl bringen, als das unsere Mitbewerber tun.

Erst wenn wir alle Vorarbeiten erledigt haben, also wissen, was unser Angebot und unser Unternehmen auszeichnet, in welchem wirtschaftlichen, rechtlichen und kulturellen Umfeld wir uns bewegen, an welche Zielgruppe wir uns mit welcher möglichst alleinstellenden Idee wenden wollen, können wir an das Aufbereiten des Inhalts gehen. Ich betone das deshalb, weil meines Erachtens viele Direktwerbemaßnahmen zeigen, dass es an den Vorbereitungen hapert. Leider geben sich auch einige Texter mit unvollständigen Briefings ihrer Kunden zufrieden und verzichten zum Beispiel darauf, Produkt und Unternehmen im Konkurrenzumfeld eindeutig zu positionieren. Das wiederum führt zu austauschbaren und nichtssagenden Texten und Gestaltungen.

Natürlich gehört Mut dazu, dem Auftraggeber auf den Zahn zu fühlen. Und das gilt für interne wie externe Texter, respektive Agenturen, gleichermaßen. Auf keinen Fall sollten zum Beispiel Texter auf intensives Nachfragen verzichten, aus Angst den Kunden oder den Job zu verlieren. Und Auftraggeber sollten solch „lästige“ Nachfrager schätzen, statt sie zu vertreiben. Denn die Chance, sich im hart umkämpften Markt einen guten Platz zu erobern oder zu sichern, steigt, je besser die Gestalter um die Stärken und Schwächen wissen.

Lassen Sie uns also konkret werden:

Sie haben sich Gedanken darüber gemacht, welche Mailing-Bestandteile für die von Ihnen gewählte Zielgruppe am erfolgversprechendsten ist. Sie sind sich auch darüber im Klaren, dass das „schönste“ Mailing nicht immer das erfolgreichste ist. Und Sie wissen, dass viel davon abhängt, dass Sie die richtige Zielgruppe zum passenden Zeitpunkt mit der richtigen Idee ansprechen. Sorgen Sie also dafür, dass Ihre Mailing-Aktionen einen Beitrag zum Unternehmensgewinn leisten, indem Sie sich besonders gut auf die Bedürfnisse und die Situation Ihrer Zielgruppe einstellen und ein paar grundlegende Erkenntnisse berücksichtigen.

Eine gute Idee ist mehr als ein guter Einfall

Auch wenn der Chef oder der Auftraggeber die erste Idee gleich beim Briefing mitliefert, heißt das nicht, dass das auch gleich die beste Idee ist. Ihre Aufgabe ist es, das gesetzte Ziel mit einem gleichermaßen ungewöhnlichen wie zu dem Unternehmen, dem Produkt und der Zielgruppe passenden Auftritt zu erreichen.

Für die Phase des Ideenfindens sollten Sie sich von nichts und niemandem einschränken lassen. Sammeln Sie also mit ein oder zwei Kreativitätstechniken von unterschiedlichem „Verrücktheitsgrad“ möglichst viele Ideen.

Hinweis

Praktische Tipps, wie Sie Ideen entwickeln können, finden Sie hier:

Kreativität: Rahmenbedingungen und Methoden für erfolgreiche Ideenentwicklung [164]

Denken Sie daran, dass Sie in dieser Phase keinerlei Kritik üben, sondern alles vorbehaltlos notieren. Egal wie abwegig es zunächst auch scheinen mag. In dieser Phase ist es hilfreich, sich mit Kollegen – auch aus anderen Fachbereichen – zusammenzusetzen, denn oft haben diejenigen, die noch nicht so tief in der Aufgabe drin stecken ganz überraschende Gedanken.

Erst wenn diese Phase abgeschlossen ist, geht es daran, die Ideen auf ihre Tauglichkeit hin zu überprüfen. Dabei können Sie anhand von Fragen wie den folgenden vorgehen:

Fragen-Auswahl der besten Ideen:

  • Wie passt das zu unserem Unternehmen?
  • Ist die Idee glaubwürdig für unser Unternehmen?
  • Wie gut passt das zum Produkt/zur Dienstleistung?
  • Wie passt das zur Zielgruppe?
  • Was ist anders als beim letzten Mal?
  • Führt diese Idee unsere Strategie konsequent weiter?
  • Wie lässt sich die Idee ausbauen für Folgeaktionen?
  • Was kann sich daran anschließen?
  • Wie unterscheidet sich diese Idee von denen der Mitbewerber?
  • Gibt es Bevölkerungsgruppen, die sich angegriffen oder ausgegrenzt fühlen könnten?
  • Bringt uns diese Idee unserem erklärten Ziel näher?

Die Ideen, die diese Vorauswahl überstanden haben, kommen in die engere Wahl, sprich: Sie werden weiterverfolgt. Und schließlich arbeiten Sie Alternativen aus, die Sie wiederum mit der Aufgabenstellung und den Rahmenbedingungen abgleichen. Wenn Sie dann Ihre Favoriten präsentationsreif ausgearbeitet haben, zeigen Sie Ihrem internen oder externen Auftraggeber bitte auch die Erfolgschancen auf und leiten daraus Ihre Empfehlung ab.

Zielgruppengerecht formulieren

Tja, das ist gar nicht so einfach. Weil es „den typischen ABC-Autokäufer“ oder „die typische XY-Dessous-Käuferin“ eher nicht gibt. Aber es gibt bestimmte Typologien und bestimmte Zielgruppenmerkmale, an die man sich halten kann. Was Sie auf gar keinen Fall tun sollten, ist, sich verbiegen. Das heißt, benutzen Sie beispielsweise nur dann die aktuelle Szene-Sprache der Jugend, wenn Ihr Unternehmen dafür glaubwürdig ist. Beispiel: McDonald’s darf sich auf diesem Gebiet weit mehr erlauben als die Deutsche Bank. Das liegt unter anderem am Angebot und an der jeweiligen Unternehmensphilosophie.

Wenn Sie wissen, für wen Sie schreiben und gestalten, stellen Sie sich mit der Bildauswahl, der Farbgestaltung und mit der Wortwahl darauf ein. Generell schreiben Sie die Jungen etwas erwachsener und die Alten etwas jünger an. Das kann in keinem Fall schaden. Das gleiche gilt für die Bildauswahl. Allerdings sollten Sie vermeiden, 25jährige Models für Produkte gegen Blasenschwäche oder Vergleichbares einzusetzen.

Zielgruppengerechtes Schreiben gelingt immer dann, wenn man eine tragfähige Idee für diese Zielgruppe gefunden hat und man eine Geschichte erzählen kann. Je besser die Idee ist, desto weniger Worte braucht es für die Geschichte: Wenn eine Faltencreme in verführerischer Stimmung „Fältchen zum gemeinsamen Vergehen“ sucht, ist das sehr viel ansprechender, als wenn lediglich – ohne Rahmengeschichte – Studien die Anti-Falten-Wirkung bestätigen.

Überzeugen und Nutzen verdeutlichen

Und damit sind wir auch schon beim Nutzen. Damit meine ich keineswegs Produktvorteile, wie sie so oft in Anzeigen und Mailings behauptet werden. Sondern ich meine den Nutzen für den Kunden.

Der Vorteil unserer Anti-Falten-Creme ist vielleicht, dass sie Fältchen innerhalb von 4 Wochen um 48 Prozent mildert. Gut. Aber was die Kundin davon hat, ist doch, dass sie – obwohl sie in der Zwischenzeit tatsächlich vier Wochen älter geworden ist – zehn Jahre jünger aussieht, oder?

Und wenn Sie diesen Nutzen dann noch bildhaft, also zum Beispiel mit einer Analogie kommunizieren, hat die liebe Konkurrenz kaum noch Chancen.

Stellen Sie sich vor, Sie bieten zum Beispiel Motorsportbegeisterten Männern Overalls aus der laufenden Rennsaison an. Dann müssten Sie nicht schreiben „Dieser Overall ist der Schlüssel zu Ihrem Erfolg in der Disco.“ Sondern es könnte besser heißen: „Sichern Sie sich die Poleposition in der Disco.“

Solche Nutzen-Argumentationen überzeugen nicht nur, sie bleiben auch viel länger im Gedächtnis als „der Schlüssel zum Erfolg“, den ja – branchenunabhängig – jeder auf den Tresen werfen könnte.

Ansprechend gestalten

Sie wissen vielleicht, dass es Untersuchungen darüber gibt, was in einem Mailing wie lange und in welcher Reihenfolge angeschaut wird. Daraus ergeben sich schon ein paar Gestaltungshinweise. So geht zum Beispiel der Blick des Lesers zuerst auf ein vorhandenes Bild, dann auf eine Grafik, danach zur Headline und erst dann zum Fließtext. Farbe zieht vor schwarz-weiß und kurze Headlines vor langen. Und wenn Sie wollen, dass Ihr Leser Ihren Mailing-Brief vorn zu lesen anfängt, beginnen Sie mit einem kurzen Absatz. Dies, um nur ein paar Details zu nennen.

Darüber hinaus können Sie auch mit so unscheinbaren Zutaten wie der Schriftart die Wirkung Ihrer Texte und Mailings erhöhen. Achten Sie also darauf, dass Sie eine Schrift wählen, die harmonisch zu Ihrem Logo und der Art Ihrer Produkte oder Dienstleistungen passt. Das halte ich für wesentlich wichtiger als die immer wieder aufflammende Diskussion um Serifen- oder serifenlose Schriften. Zwar mag es immer noch stimmen, dass bei langen Texten Serifenschriften für den Leser weniger ermüdend sind. Aber genau das ist kein Argument für Serifenschriften in Mailings. Denn gerade die Mailings, die unaufgefordert ins Haus des hoffentlich künftigen Kunden flattern, sollten respektvoll mit dessen Zeit umgehen. An dieser Stelle also quasi ein Plädoyer für kürzere, dafür aber bewusster verfasste Texte.

Schaffen Sie außerdem Bild- und Farbwelten, die zu Ihrem übergeordneten Konzept passen und das Wiedererkennen Ihrer Werbe- und Direktwerbemittel erhöhen.

Die gewünschte Handlung auslösen

Es klingt banal: Sagen beziehungsweise schreiben Sie Ihrer Zielgruppe genau, was sie tun soll, damit sie das tut, was Sie von ihr wollen – und was bitte auch gut für sie ist. Je leichter Sie ihr das Reagieren machen, desto besser und desto höher wird Ihr Rücklauf sein. Eröffnen Sie dazu Ihren Interessenten möglichst viele Kommunikationswege – Telefon, Fax, E-Mail, Post. Wobei sich aus meiner Erfahrung bewährt hat, bei Internet-Anfragen auf einem anderen Kommunikationskanal zu antworten.

Hinweis

Wenn Sie Lust bekommen haben, tiefer in das Thema Planung, Konzeption und Texten von Mailings einzusteigen, lesen Sie das neue Buch von Gabriele Baron:

Praxisbuch Mailings – Print- und Online-Mailings planen, texten und gestalten [165]

[Bild: mikess - Fotolia.com]

Generation 50plus: Individuelle Ansprache gefragt

"Best Ager", "Woopies" oder "Silver Ager" sind gerne und häufig verwendete Begriffe für die Generation 50plus. Die Zielgruppe fühlt sich mit solchen Marketing-Begriffen jedoch nicht angesprochen. Thomas Bahr, Vertriebschef von Clerical Medical, erklärt:

"Unternehmen sollten Über-50-Jährige nicht als homogene Gruppe betrachten. Vielmehr muss nicht nur nach Alter, sondern insbesondere nach Werthaltung, Lebenssituation und Lebensstil differenziert werden."

Ein Ansatz, um die Zielgruppe 50plus besser zu verstehen und zu unterscheiden, sind die Sinus-Milieus. Sie berücksichtigen neben soziodemografischen Merkmalen wie Alter, Berufstätigkeit, Kaufkraft oder Familienstand auch Wertewelt, Einstellungen, Lebensstil und Freizeitaktivitäten. Vor allem in den kaufkraftstarken Milieus der Ober- bzw. oberen Mittelschicht, den ist die Generation 50plus zu Hause:

  • "Etablierte",
  • "Konservative" und
  • "Postmaterielle".

Unterschiedliche Lebensstile prägen Generation 50plus

Die "Etablierten":

"Etablierte" sind gebildet, gut-situiert und selbstbewusst. Sie haben hohe Exklusivitätsansprüche und grenzen sich damit bewusst von anderen ab. Das spiegelt sich auch in ihrem Konsumverhalten wider. Kunst, Kultur und individuelle Reisen nehmen großen Raum in der Freizeit ein. "Etablierte" sind gegenüber technologischem Fortschritt sehr aufgeschlossen. Zum Milieu gehören viele leitende Angestellte, höhere Beamte sowie Selbstständige, Unternehmer und Freiberufler. Bahr sagt:

"Insbesondere Selbstständige und Freiberufler müssen verstärkt privat fürs Alter vorsorgen. Attraktiv ist für sie eine fondsgebundene Basisrente. Die Einzahlungen lassen sich als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Damit lohnt sich die Basisrente besonders für Selbstständige mit einer relativ hohen Steuerbelastung."

Die "Konservativen":

Die oben genannten Berufsgruppen finden sich auch unter den "Konservativen" wieder. Sie repräsentieren das klassische Bildungsbürgertum und gelten als bodenständig. Im Gegensatz zu den "Etablierten" sind den "Konservativen" Familie und familiärer Zusammenhalt sehr wichtig. Nach einer erfolgreichen, verantwortungsbewussten Berufskarriere sind heute viele im Ruhestand. Sie besuchen gerne Ausstellungen, Theateraufführungen, Opern und verfolgen das Zeitgeschehen in Politik, Gesellschaft sowie Wirtschaft aufmerksam. Wenn sie Anschaffungen vornehmen, legen sie Wert auf höchste Qualität, die auch etwas kosten darf.

Die "Postmateriellen":

Kunst, Kultur und Literatur gehören auch zu den Interessen der "Postmateriellen". Anders als die "Konservativen" sind sie kosmopolitisch und progressiv. Als überwiegend hochgebildete Menschen setzen sie sich kritisch mit den Auswirkungen von Technisierung und Globalisierung auseinander. Ihr Lebensstil ist umwelt- und gesundheitsbewusst. Übermäßigen Konsum lehnen sie ab. Nach dem Motto "weniger ist mehr" kaufen sie selektiv und mit hoher Kennerschaft. (Quelle: Sinus Sociovision, 2007.)

Typen statt Milieus: Lebensstile 2020

Neben den Sinus-Milieus gibt es eine Reihe weiterer Typologien. In "Lebensstile 2020" werden für ab 50-Jährige im Wesentlichen drei Typen definiert:

  • "Silverpreneure" lieben ihre Arbeit. Nach dem Renteneintritt sind viele weiterhin berufstätig oder engagieren sich ehrenamtlich. Das Internet ist eine beliebte Informationsquelle.
  • "Super-Grannys" sind Großmütter im "Unruhestand": Sie sind aktiv und verbringen viel Zeit mit ihren Enkeln, ohne das eigene Wohlbefinden aus den Augen zu verlieren.
  • "Greyhopper" starten in der zweiten Lebenshälfte noch einmal voll durch und bewegen sich häufig auf neuen, unbekannten Wegen (Quelle: Lebensstile 2020; Zukunftsinstitut Kelkheim). Die Typologie beschränkt sich jedoch eher auf den aktiven, konsumfreudigen Teil der Zielgruppe 50plus.

Konsequenzen für den Vertrieb

"Die unterschiedlichen Milieus und Typologien zeigen, wie individuell Lebenssituation, Kaufkraft, Bedürfnisse und Erwartungen sind. Produkte und Kommunikation sind entsprechend auf die jeweilige Zielgruppe abzustimmen."

so Bahr. In Beratungsgesprächen sollten beispielsweise Makler und Finanzdienstleister neben Vorsorgezielen auch die aktuelle Lebens- und Finanzsituation ihrer Kunden ermitteln und anschließend die passenden Produkte auswählen.

"Möchte ein Kunde zum Beispiel freigewordenes Kapital wieder anlegen, dann spielen auch Risikoneigung und Mentalität eine Rolle."

[po; Quelle: Clerical Medical; Bild: Hanik - Fotolia.com]

Zielgruppe 50 plus: Das Sprachverständnis von Senioren

Wissenschaftler der Technischen Universität Braun­schweig und die Firma lingua@MEDIA haben untersucht, inwieweit Ver­sicherungstexte für ältere Menschen leserlich und ver­ständlich sind. Dabei ging es um einen Text zur Erläuterung des Begriffs „Schwerst­pflegebedürftigkeit“ und einen Text aus Allgemeinen Geschäfts- bzw. Versicherungsbedingun­gen.

Die Ergebnisse der jeweils einstündigen Untersuchungen mit den ins­gesamt fast 50 Probanden waren überraschend:

  • Bestimmte Sätze wurden von 91,4 Prozent der Versuchsteilnehmer auch nach mehrmaligem Lesen nicht verstanden.
  • Um fünf Sätze zu lesen, brauchten unsere Versuchspersonen (überwie­gend Akademiker) bis zu 31 Minuten, ohne allerdings den Text dann ausreichend verstanden zu haben.
  • Es gab Fachwörter, die entweder gar nicht oder nur in einer anderen Bedeutung bekannt waren. Manchmal waren die Bezeichnungen geläu­fig, nicht aber die Begriffe. Die Ver­suchsteilnehmer sprachen dann von „Worthülsen“ und „blutleeren“ Wörtern.
  • Bestimmte Hauptwortformulierungen werden generell schwerer ver­standen als Tätig­keitswörter. Zum Beispiel der Ausdruck nach Ihrer Benachrichti­gung in folgendem Text:

"Keine Ansprüche auf Tarifleistungen bestehen für Behandlungen durch Ärzte und Heilpraktiker, deren Rechnungen wir aus wichtigem Grunde von der Erstattung ausgeschlossen haben, wenn der Versicherungsfall nach Ihrer Benachrichtigung über den Leistungsausschluss eintritt."

Der Ausdruck nach Ihrer Benachrichtigung wurde von fast allen Ver­suchspersonen falsch verstanden. Sie interpretierten ihn als nach­dem ich die Versicherung benachrichtigt habe statt nachdem die Versi­cherung mich benachrichtigt hat. Dadurch blieb der gesamte Absatz un­klar bzw. widersprüchlich.

Besondere Schwierigkeiten bereiteten Informationshäufungen wie wöchentlich im Ta­gesdurchschnitt mindestens fünf Stunden.

Problematisch: Lange Satzkonstruktionen

Die untersuchten Texte enthalten Sätze mit fast 50 Wörtern. Generell gelten Sätze mit mehr als 20 Wörtern als Überlast für das Kurzzeitge­dächtnis. Das ist bei der untersuch­ten Zielgruppe besonders brisant, weil ältere Menschen im Allgemeinen über geringere Gedächtnis­spannen verfügen als jüngere Erwachsene.

Zur Satzlänge hinzu kam in unserer Untersuchung eine hohe Satzkomplexität, beispielsweise eingebettete Nebensätze, Klammerausdrücke, Auf­zählungen usw.

Ein Beispiel:

Schwerstpflegebedürftigkeit (Pflegestufe III) der versicherten Person liegt vor, wenn diese wegen einer körperlichen, geistigen oder seeli­schen Krankheit oder Behinderung bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität täg­lich rund um die Uhr, auch nachts, der Hilfe bedarf und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt.

Ältere Personen scheinen besonders sensibel zu sein für Aspekte von Ordnung, Klar­heit, Übersichtlichkeit. Es darf nicht „alles durchein­andergehen“. Das ist nicht nur für den (inneren) Sinnzusammenhang wichtig, sondern auch für die „äußere Form“, das Layout. Charakteristisch die Äußerung einer Probandin:

„Für uns Alte ist der verbesserte Text viel übersichtlicher. Wenn man es so übersichtlich sieht und liest, bleibt’s auch ’n bisschen besser da drin hängen.“

Die Schriftgröße eines Textes (6 Punkt) wurde von den meisten Ver­suchsteilnehmern als viel zu klein bemängelt. Manche konnten sie nur mit einer Lupe entziffern.

Probleme der genannten Art traten bei allen Probanden auf (sogar bei juristisch gebildeten), gehäuft aber bei Lesern mit niedrigeren Bildungs­abschlüssen. Mehrere Versuchsteil­nehmer wiesen auf die Schwierigkei­ten hin, die besonders ausländische Mitbürger mit sol­chen Texten ha­ben müssten.

Bemerkenswert ist, dass es sich hier in fast allen Bereichen um statis­tisch signifikante Unterschiede im Vergleich mit den verbesserten Texten handelt. Ein Beispiel zur Syntax:

Das Vorwissen von Versuchspersonen

Wenn wir uns in einem Fachgebiet gut auskennen, dann hat das im Allgemeinen positive Auswir­kungen auf das Verstehen eines entspre­chenden Textes. Das Vorwissen kann aber auch das Text­verstehen behindern. Und zwar dadurch, dass die Person meint, der in dem Text ge­schilderte Fall müsse den eigenen Erfahrungen entsprechen, was aber nicht der Fall ist. So macht Vorwissen voreingenommen, und es ist oft schwer, sich von die­ser Voreingenommenheit zu lösen. Das Ergebnis kann die bloße Illusion eines erfolgrei­chen Verständnisses sein, wie in unserer Erhebung sehr deutlich wurde.

Emotionalität

Emotionen spielten in unserer Erhebung eine große Rolle. Typisch die Äu­ßerung einer Versuchsperson:

„Man hat ja vorher schon Angst vor solchen Texten. Man denkt: Hoffentlich verstehst du das alles.“

Manche Probanden wiesen auf die besondere Situation vieler älterer Men­schen hin, die in einem „besonderen seelischen Spannungsfeld leben“ und darum die Informationen rasch und problemlos verstehen möch­ten. Die Reaktionen reichten bis hin zur Totalverweigerung:

„Ist mir zu lang, zu unverständ­lich. Ich weigere mich, die Sätze zu verstehen.“

Selbstwertprobleme

Bei der Erörterung des Problems „Sprachverständlichkeit“ werden sel­ten die psychi­schen „Kosten“ berücksichtigt. In all unseren Untersu­chungen hat sich jedoch gezeigt, dass schwer verständliche Texte zu Vorstellungen von eigenem Versagen führen und damit selbstbildbe­schädigend wirken können.

Folgen mangelnder Verständlichkeit

Die Finanzmarktkrise hat nur verstärkt, was in der Bevölkerung latent vorhanden war: ein tiefes Misstrauen gegenüber Banken und Versi­cherungen. Manipulation, Ver­schleierung, Übervorteilung und Be­trug sind die von unseren Versuchsteilnehmern am häufigsten ge­nannten Stichworte.

Da gibt es keinen Zweifel: Solche Vorstellungen über die Arbeit von Banken und Versicherungsunternehmen auf­grund einer schwer verständlichen Sprache sind einem nach­haltigen Geschäftserfolg abträglich. Schon aus diesem Grunde ist es ein schieres Gebot des Eigennutzes, im Umgang mit den Kunden für eine gut verständliche, transparente Sprache Sorge zu tra­gen. Das gilt für die Werbung, aber auch für alle anderen Instrumente der Kundenkom­munikation, ganz besonders für die Allgemeinen Geschäfts- bzw. Versicherungsbeding­ungen.

Es gibt für Banken und Versicherungen, aber auch für die Wirtschaft ins­gesamt, „hand­feste“ Gründe, die Sprachverständlichkeit ihrer Kundeninfor­mationen zu verbes­sern:

  • Wer einen Kunden ansprechen will, muss ihn überzeugend anspre­chen, nämlich klar und verständlich. Der Kunde will nicht in der Versiche­rungs- oder Banken-Fremdsprache an­gesprochen werden, sondern in seiner „Muttersprac­he“ . Die Unterneh­men sollten deshalb nicht „versiche­risch“ oder „bankisch“ sprechen und schreiben, sondern „laiisch“ bzw. „kun­disch“!
  • Internetforen, Blogs und Podcasts verbreiten Informationen über Fir­men und Pro­dukte in zunehmender Geschwindigkeit. Mit erheblichen Fol­gen für das Firmen-Image, positiv wie negativ.
  • Verbraucherverbände und Verbraucherinitiativen reagieren mit im­mer mehr Kri­tik und „Aktionen“ auf eine unzugängliche Sprache.
  • Testinstitute und Rating-Agenturen überprüfen zunehmend die Pro­dukte und die Dienstleistungsqualität von Unternehmen. Wenn erst einmal ein Versi­cherungsunternehmen in seiner Kommunikationsqualität negativ beurteilt wur­de, tritt ein Imageschaden ein, der längerfristig Nachteile mit sich bringt (vgl. zum Beispiel die Untersuchungen von FINANZtest).
  • Die Gerichte entscheiden mehr und mehr zugunsten der Verbraucher: „Bei unkla­ren oder mehrdeutigen Klauseln gilt im Zweifel das Prinzip der den Ver­braucherinnen und Verbrauchern günstigen Auslegung, da der Aufstellende solcher Bedingun­gen sich klarer hätte ausdrücken können und müssen“ (Jus­tizministerium NRW). Der Fall verschiedener Unternehmen zeigt, dass diese in gerichtlichen Auseinan­dersetzungen aus sprachli­chen Gründen unterlie­gen können und dadurch (er­hebliche) Kosten ent­stehen, die vermeidbar sind.
  • Eine laienverständliche barrierefreie Kommunikation ist ein bedeutsamer Teil der Corporate Identity des Unternehmens und ein ebenso wichtiges In­strument der Markenpflege.

Deshalb: eine klare und gut verständliche Sprache ist kein „Nice to have“ und auch kein unnötiger Kostentreiber. Sie ist Ausdruck eines neuen und mächtigen Trends in unserer Gesellschaft: sie erspart nach­weislich beachtliche zeitliche und fi­nanzielle Ressourcen, sen­det den Kunden ein be­deutsames Signal der Akzeptanz und ist eine Investition in eine nachhaltige Zu­kunft des Unternehmens.

Hinweis

Weitere Auskünfte zu der Studie (ca. 125 Seiten) oder Bestellungen über

Tel. +49 (0)5307-7577 oder zimm@linguaetmedia.de [166]

[Bild: robert lerich - Fotolia.com]

Kids-Verbraucher-Analyse: Kinder nutzen vermehrt elektronische Medien

Dass Kinder vermehrt das Internet nutzen bedeutet aber keinesfalls, dass das traditionelle Lesen aus dem kindlichen Alltag gedrängt wird. 90 Prozent der Befragten schmökern in Zeitschriften oder verschlingen Bücher (82 Prozent). Werte, die zum Vorjahr sogar nochmals gestiegen sind. Erreicht werden mit den 41 abgefragten Kinderzeitschriften regelmäßig 3,7 Millionen junger Leser. Ingo Höhn, Geschäftsleiter beim Egmont Ehapa Verlag:

"Die KidsVA bestätigt eindrucksvoll, dass Kinderzeitschriften mit 3,7 Millionen regelmäßigen Lesern weiterhin neben dem Fernsehen das wichtigste und reichweitenstärkste Medium in der jungen Zielgruppe bleibt."

Dass sich Alt und Neu nicht ausschließen müssen, zeigt auch der Blick auf die Spielsachen im Kinderzimmer. Hier finden sich inzwischen bei 3,9 Millionen Kindern (= 68 Prozent) schon Spielkonsolen oder Handspielgeräte, aber dennoch sind weiterhin Brett- und Kartenspiele (80 Prozent), Puzzles (69 Prozent) oder Plüschtiere (60 Prozent) daraus nicht wegzudenken.

Gekürztes Taschengeld aufgrund der Krise

Trotz der zunehmenden Ausstattung mit elektronischem Equipment und reichlich Spielzeug hinterlässt die Finanzkrise auch ihre Spuren in den Haushaltskassen der Familien und damit auch bei den Kindern. So schrauben die Eltern die Ausgaben bei Bekleidung und Spielzeug etwas zurück und beim Taschengeld wurden bei den älteren Kindern Kürzungen vorgenommen und das ein oder andere müssen die Kindern nun aus eigener Tasche bezahlen.

Dennoch ist das Vermögen aus regelmäßigen Barzuwendungen und Geldgeschenken weiterhin beachtlich. Hochgerechnet fast 2,5 Milliarden Euro kommen jährlich zusammen und werden bevorzugt für Süßigkeiten, Zeitschriften und Eis ausgegeben. Weitere 3,6 Milliarden Euro schlummern auf den Sparkonten.

Markenbewusstsein der Kinder steigt

Negative Auswirkungen auf das Markenbewusstsein der Kinder hat der Rückgang des Geldvermögens jedoch nicht. Im Gegenteil ist im Vergleich zum Vorjahr ein weiter steigendes Markenbewusstsein in den meisten Produktkategorien feststellbar und die Bereitschaft der Eltern, Markenwünsche zu erfüllen, steigt. Hier zeigt sich, dass Marken als Anker fungieren, denen man vertraut und die Sicherheit schaffen können. Ingo Höhn sagt:

"Marken bieten in der zunehmend komplexen Welt Orientierung. Das gilt gleichermaßen für unsere eigenen Print- und Onlinemarken als auch für die Marken unserer Werbekunden im Kinder- und Familienumfeld."

Auch die Familien müssen sich auf die aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse einstellen. Am hohen Grad der Bereitschaft der Eltern, Markenwünsche der Kinder weitgehend zu erfüllen, zeigt sich, dass an Kindern doch zuletzt gespart wird.

Die KidsVA belegt außerdem mit vielen weiteren Aspekten, dass die Freiräume der Kinder einerseits stetig wachsen und ihre Mitspracherechte zunehmen, aber die Eltern eine gewisse Kontrollfunktion nicht aus der Hand geben wollen. Dies zeigt sich beispielsweise beim Handy, wo weiterhin der Wunsch der unter 10-Jährigen nach einem eigenen Mobiltelefon nicht erhört wird. Zudem wird der Zugang zum Computer und dem Internet den Jüngeren seltener erlaubt und - auch bei den älteren Kindern - reglementiert. Hier kennen die meisten Eltern die möglichen Gefahren, die im Netz lauern.

Zur Analyse

Die KidsVA steht mit über 1.600 Interviews repräsentativ für 5,70 Millionen deutsche Kinder im Alter von 6-13 Jahren. Sie wird für die Marketing- und Werbeplanung junger Zielgruppen genutzt und liefert eine Fülle an Daten für die unterschiedlichsten Forschungsinteressen. Der elektronische Berichtsband zur KidsVA 2009 mit allen Ergebnissen und den methodischen Grundlagen kann gegen eine Schutzgebühr von 49 Euro unter www.ehapa-media.de [167] bestellt werden.

Quelle: Egmont Ehapa Verlag GmbH

Preiswahrnehmung: Süßes verändert das Preisempfinden

Die Forschergruppe um Professor Dr. Peter Kenning, Inhaber des Lehrstuhls für Marketing an der Zeppelin Universität, hatte die Vermutung, dass sich das Urteil über Preise durch die Verabreichung von Zuckerwasser (Glukose) beeinflussen lassen könnte. Diese Vermutung stützten sie auf biochemische wie auch neurophysiologische Zusammenhänge, die den Marketingwissenschaftlern aus anderen interdisziplinären Studien bekannt sind. Kenning erläutert:

"In unserer Studie unterstellten wir eine Wirkungskette, die durch die Zugabe von Glukose ausgelöst wird und kurze Zeit später in bestimmten Hirnarealen ihre Wirkung entfaltet",

Und diese Wirkungskette sieht so aus: Die Glukose führt zur Produktion von Insulin, das wiederum den Botenstoff Tryptophan in Gang setzt, der im Belohnungszentrum des Gehirns die Ausschüttung des Hormons Serotonin auslöst.

Ablauf der Studie: Während die Experimentalgruppe Wasser mit 80 Gramm gelöster Glukose (der empfohlenen Tagesdosis) verabreicht wurde, erhielten die beiden Kontrollgruppen entweder nur Wasser oder gar nichts. Den Probanden wurden sodann verschiedene Waren des täglichen Bedarfs zur Beurteilung vorgelegt. Die Frage "Beurteilen Sie den Preis des Produktes insgesamt als fair?" konnten sie sodann mit "Ja" oder "Nein" beantworten und im Fall eines Neins einen eigenen Preis nennen, den sie als fair empfinden würden. Das Ergebnis: Diejenige Gruppe, die Glukose verabreicht bekommen hatte, stimmte zum einen signifikant öfter dem vorgeschlagenen Preis zu. Und bei den eigenen Preisvorschlägen lag sie durchweg höher als die Vergleichsgruppen.

"Es war deutlich zu erkennen, dass die Experimentalgruppe die zu bewertenden Produktpreise anders beurteilte als beide Kontrollgruppen - dass wir mit unserer Vermutung hier einen so starken Effekt erzielen konnten, ist auch für uns ein wenig überraschend",

kommentieren Tim Eberhardt vom Lehrstuhl für Marketing sowie Thomas Fojcik und Marc Linzmajer aus der Forschergruppe an der ZU das Resultat. Aber bedeutet dies für die Praxis, dass ein stark gesüßter Kaffee beim Verkaufsgespräch oder kostenfreie Schokoriegel am Eingang eines jeden Supermarktes den Verbraucher lieber zu teureren Produkten greifen lassen würden? Die Antwort von Professor Peter Kenning:

"So weit würde ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gehen. Die Erforschung der genauen Wirkungsmechanismen wird die Wissenschaft noch ein wenig beschäftigen."

[po; Quelle: Zeppelin Universität Friedrichshafen; Bild: puje - Fotolia.com]

Elektronische Geschenkkarten: Sie schaffen Kaufanreize und bieten eine Menge weiterer Vorteile

Geschenke suchen – Geschenke finden: Kunden entdecken die Geschenkkarte

Der Kunde hat den Vorteil, dass er bei der Suche nach einem Geschenk, nicht zu den einzelnen Geschäften gehen muss, sondern die Gutscheine verschiedener Anbieter an einem Ort kaufen kann. Und er kann die Geschenkkarten nebenbei kaufen, zum Beispiel wenn er tanken geht und dort an der Kasse steht oder seinen täglichen Einkauf erledigt. Auch im Internet gibt es Anbieter dieser Geschenkkarten, zum Beispiel unter www.geschenkkartenwelt.de [168]

Die Geschenkkartenanbieter können nur profitieren

Die sogenannte "GiftCard" erfüllt neben den Wünschen des Kunden auch die des Kartenherausgebers. Die Vorteile sind unter anderem:

  • Sofortiger Zahlungseingang: Das schafft Liquidität, obwohl noch keine Ware herausgegeben wurde.
  • Neue Kunden: Menschen, die das Geschäft bisher nicht kannten, werden zu Kunden, weil sie beispielsweise zu Weihnachten oder zum Geburtstag eine Geschenkkarte bekommen haben.
  • Bestehende Kunden können an das Unternehmen gebunden werden.
  • Der Umsatz steigt, weil die Geschenkkarte Kaufanreize schafft.
  • Ein positiver Effekt, der auch schon von Papiergutscheinen bekannt ist: Unabhängig davon, ob der Beschenkte die Karte einlöst, was erfahrungsgemäß nur zu einem Teil getan wird, bleiben dem Geschäft die Einnahmen vom Verkauf der Karte.

Die technische Umsetzung der Geschenkkarte

Für die GiftCards im Scheckkartenformat gibt es verschiedene Ausstattungsmöglichkeiten. Die typischste ist hierbei die Personalisierung mit einem Barcode. Dieser wird über das bereits bestehende Kassensystem beim Kauf der Karte an der Kasse aktiviert.

Der Verkauf und die Einlösung der Geschenkkarten werden automatisch verbucht. Die manuelle Nachbearbeitung wie beispielsweise bei Papiergutscheinen entfällt komplett. Der Verkauf einer Geschenkkarte unterscheidet sich nicht vom Verkauf eines anderen Artikels. Die Geschenkkarte wird wie ein beliebiger Artikel an der Kasse gescannt und somit aktiviert. Erst nach der Aktivierung an der Kasse ist jedoch auf der Karte ein Guthaben gespeichert. Das schafft Sicherheit, denn bei Ladendiebstahl sind die Karten demnach völlig wertlos.

Neben dem Barcode gibt es weitere Möglichkeiten der Personalisierung, wie den Magnetstreifen, den Chip oder eine Kombination aus beiden. Der aufladbare Betrag ist sowohl vom Kartenherausgeber als auch vom Endkunden selbst individuell festlegbar. Es können sowohl feste Werte definiert werden, als auch frei wählbare Werte angeboten werden.

Zahlreiche Designmöglichkeiten

Eine Vielzahl an Motiven für jeden Anlass, kundeneigene persönliche Layouts sowie hochwertige individuelle Verpackungsmöglichkeiten machen die Geschenkkarten zum einzigartigen Produkt.

Die GiftCard als Multitalent kann die Basis für ein neues Marketinginstrument bilden und ist ebenso optimal in ein bestehendes Kundenbindungskonzept integrierbar. Eine im Layout an die Geschenkkarte angepasste Kundenkarte schafft den Widererkennungseffekt zur Abrundung des Marketingprogrammes.

Kunden- und Geschenkkarten bieten weiterhin die Möglichkeit, nützliche Informationen über das Kaufverhalten der Kunden in Erfahrung zu bringen. Der Kartenherausgeber hat die Wahl beispielsweise den Einkaufswert pro Geschenkkarte zu ermitteln oder zu analysieren, wann Geschenkkarten, die beispielsweise in der Vorweihnachtszeit ausgeben wurden, eingelöst werden.

Geschenkkartenverkauf lohnt sich für jeden Shop

Wer nicht selbst seine eigene Geschenkkarte vertreiben möchte, dem bietet sich die Möglichkeit, Geschenkkarten anderer Anbieter zu verkaufen. Für Einzelhändler zahlt es sich aus, die GiftCards anzubieten. Denn zum einen können dadurch Kunden angelockt und gebunden werden und zum anderen bleibt dem Shop beim Verkauf die Marge. Mehr Informationen zum Anbieten von Geschenkkarten finden Sie beispielsweise hier: www.retailo.de [169] .

Fazit

Viele Unternehmen haben sich aber bereits unter anderem aufgrund der vielfältigeren Einsatzmöglichkeiten für einen Wechsel vom Papiergutschein zur elektronischen Geschenkkarte entschieden.

Die Säulen Systemsoftware mit möglicher Schnittstelle zum Warenwirtschaftssystem, die Marketingstrategie und nicht zuletzt das Produkt inklusive der Präsentation am Point of Sale bilden die Grundlage für die erfolgreiche Einführung einer elektronischen Geschenkkarte. Dabei sind der Fantasie zum Beispiel in individuell gestalteten Onlineshops bis hin zum selbst gestalteten Kartenlayout keine Grenzen gesetzt. Schnelle Reaktionszeiten und hohe Flexibilität sind Voraussetzung für ein effektives Geschenkkartengeschäft.

Hinweis

Weiteres rund um die elektronische Geschenkkarte erfahren Sie bei den Partnern

Stiels Werbedruck GmbH & Co. KG [170] ,

in.webs GmbH [171] und der

ComCard GmbH [172] .

[po; Quelle: ComCard GmbH; Bild: Retailo AG]

Video im Web: Wie Sie Online-Videos in Ihre Website einbinden

Das Video im Internet: Wann macht der Einsatz von Bewegtbildern Sinn?

Der Einsatz von Online-Videos ist eine gute Idee, wenn Sie ein Angebot haben, das sich entsprechend ergänzen lässt und Ihre Zielgruppe auf diese Weise innovativ angesprochen wird. Die multimedialen Inhalte sollten in jedem Fall mit den bereits vorhandenen Informationen korrespondieren und sich sinnvoll in den Gesamtkontext einfügen.

Videos im Web sind für die Besucher kein Novum mehr; ganz selbstverständlich ist der Umgang mit Video-Angeboten wie YouTube, MyVideo oder Sevenload. Deshalb sollten Sie Ihren Besuchern entweder spezielle Vorteile, die mit dem Video-Angebot verbunden sind, aufzeigen oder sie mit neuen Ideen überraschen. Möchten Sie Videos auf Ihrer Seite einbinden, ohne sich ein genaues, und vor allem langfristiges Konzept dafür überlegt zu haben, sollten Sie dies noch einmal überdenken.

Generell eignet sich der multimediale Einsatz für alle Typen von Websites. Corporate Websites werden lebendiger und emotionaler, Nachrichten-Portale gewinnen an Glaubwürdigkeit und Aktualität, Themen-Portale ergänzen Ihr Angebot um Vielseitigkeit und Visualität und Online-Shops präsentieren neue sowie greifbare Produktwelten. Die Nutzer werden in allen Fällen stark in das Online-Geschehen involviert und thematisch aktiviert: Das Gesehene wird gerne kommentiert, weitergeleitet oder mehrfach wiederholt. Als aktiver Zuschauer schätzt der Besucher die individuellen Möglichkeiten, die ihm in der Auseinandersetzung mit dem Angebot zur Verfügung stehen.

Auf die Usability achten

Auch einige Usability-Aspekte sollten berücksichtigt werden. Ein Web-Video darf im Durchschnitt nicht länger als vier Minuten sein, da die Aufmerksamkeit des Zuschauers danach rapide sinkt. Zudem sollte der Film einen klaren Aufbau und eine interessante Geschichte bieten sowie strukturiert umgesetzt sein. Ein Online-Zuschauer kann nur schwer vor- und zurückspringen, um sich nicht Verstandenes noch einmal vor Augen zu holen. Im besten Fall investiert er wenige Minuten Zeit, um ein Höchstmaß an Information zu erhalten.

Der richtige Ort für das Online-Video

Die Einbindung des Videos in den Kontext stellt für viele eine Hürde dar: Immer noch werden die Filme entweder in separaten Rubriken abgelegt, wo der Besucher diese zu einem bestimmten Thema erst noch suchen muss. Manchmal befinden sich die Videos am Ende von Artikeln, ohne auf zum Beispiel eine bestimmte Textstelle einzugehen, oder sie werden prominent auf der Startseite positioniert, obwohl sie auf einer thematisch relevanten Unterseite mehr Sinn ergeben. Hier sollten Sie sehr genau darauf achten, wann, wo und wie Sie die Einbindung geschickt vornehmen. Entweder bauen Sie eine Geschichte rund um das Video herum, oder sie stellen es ergänzend zur Verfügung. Nichts ist schlimmer, als thematisch nicht einzuordnendes Videomaterial.

Trends und Innovationen: Wie Sie wirklich Aufmerksamkeit erregen

Wenn Sie multimediale Werkzeuge in die Hände nehmen, begreifen Sie diese als Chance, Ihre Besucher gefangen zu nehmen. Gestalten Sie einen Online-Shop? Hier bieten sich gleich zwei neuartige Möglichkeiten. Live-Shopping ist eine neue Art, Kaufwillige visuell in die Produktwelt einzuführen. Von der Konzeption der Videos her erinnern Live-Shopping-Auftritte an das klassische Tele-Shopping: Ein Moderator präsentiert ein Produkt, erläutert die Vorteile sowie das Preis-Leistungs-Verhältnis und erzählt im besten Fall dazu amüsante Geschichten.

Live-Shopping erreicht den Online-Besucher in seiner virtuellen Umgebung durch den Einbezug eines realen Orts. Exquisite Weine können in einem Wein-Fachhandel vorgestellt werden, Bio-Tee in einem gemütlichen Tee-Laden, ein Fahrrad vor einer Dorf-Kulisse. Der Kreativität sind hier wirklich keine Grenzen gesetzt.

Auch In-Video-Shopping wird immer populärer. Dank neuer Technologien ist es mittlerweile möglich, Produkte in einem Videofilm direkt anzuklicken und zu erwerben. Schaut der Besucher sich einen Produktfilm über ein neues Kochbuch an, reicht ein Klick, und schon landen das Kochbuch, wie auch der Kochlöffel, die Kochschürze und das Topfset im Warenkorb, sofern diese Produkte zusätzlich verkauft werden. Der Zuschauer kann die Produkt- und Filmwelt wie gesehen einkaufen.

Für Unternehmens-Websites sind Video-Webisodes eine spannende Idee. Die Web-Serien, die im Durchschnitt zwischen 4 und 15 Minuten kurz sind, erzählen kurze Geschichten, die sich im Zusammenhang zu einem größeren Plot entwickeln. Typisch ist die Möglichkeit zur Interaktion mit den Darstellern oder sogar dem Produzenten der Geschichte. So könnte ein Unternehmen, das sich auf die internationale Distribution von Telekommunikationsdienstleistungen spezialisiert hat, mit wöchentlichen Kurzfilmen den Unternehmensalltag schildern. Einzelne Abteilungen und deren Mitarbeiter setzen zum Beispiel den „Flurfunk“ szenisch um und nutzen zur Kommunikation die Technologien und Endgeräte aus dem eigenen Produktportfolio.

Multimediale Ideen: Seien Sie immer eine Filmlänge voraus

Auch ein Video-Contest ist ein beliebtes Mittel, um Website-Besuchern Interaktionsmöglichkeiten zu bieten. Dafür senden diese zu einem ausgeschriebenen Thema selbstgedrehte Videos ein, wovon die besten nominiert werden. Das führt nicht nur zu erhöhtem Traffic auf der Website und zu damit verbundenen viralen Marketing-Effekten, sondern auch zu spannenden Inhalten sowie zu einem starken Einbezug der Zielgruppe.

Ähnliches kann durch den Einsatz von Testimonials bewirkt werden. Je ausgefeilter und interessanter die Protagonisten in einem Video eingesetzt werden, desto stärker werden sie von den Zuschauern akzeptiert und die Filme weiterempfohlen. Doch aufgepasst: Wenn Sie eindeutige Werbeabsichten mit Ihrem Videodreh verfolgen, dann versuchen Sie diese nicht zu verbergen. Web-Video-Zuschauer unterscheiden sehr genau zwischen Inhalt und Werbung und verübeln es dem Anbieter sehr, wenn er sich zu Täuschungsversuchen hinreißen lässt.

Nicht zuletzt, und doch erst am Anfang in der Web-Video-Welt, stehen mobile Videos. Besonders unterwegs nimmt sich der Online-Nutzer verstärkt Zeit für multimediale Inhalte, ob nun zur Ablenkung auf einer langweiligen Zugfahrt oder als Informationsquelle zur Weiterbildung. Hier kommt es besonders darauf an, eine Relevanz zu der Nutzungssituation des Web-Besuchers zu schaffen und ihm einen unvergleichbaren Service mit dem Video-Angebot zu offerieren. Auch hier sollten die Inhalte nicht zu lang präsentiert werden und die Botschaften eindeutig formuliert sein.

Integrieren Sie multimediale Inhalte in Ihre Online-Strategie. Sie werden nicht nur als modernes Unternehmen registriert, sondern überzeugen vor allem mit kreativen Ideen und wertvollen Informationen. Denn das ist das Kunststück beim Einsatz von Bewegtbildern: Überraschen Sie. Verknüpft mit einem ansprechenden Service- oder Informationsangebot werden Sie schnell regelmäßige Besucher auf Ihrer Website begrüßen können.

[Bild: Fotolia.com]

Entwicklung der Werbebranche: Mediawerbung als Herausforderung für Medienunternehmen

Der Marktwert von Werbeträgern

Die Attraktivität eines Werbeträgers beruht wohl nicht in erster Linie auf der darin geschalteten Werbung, sondern vielmehr vom Umfeld: dem redaktionellen Teil. Für einen Werbetreibenden zahlt sich der Deal nur dann aus, wenn „die richtigen“ Menschen am unmittelbaren Werbeumfeld interessiert sind. Nur dort, wo „die richtigen“ Menschen etwas sehen oder hören wollen, lässt sich erfolgreich Werbung einsetzen. Sinkt die Chance der Werbung, gesehen zu werden, weil sie im Fernsehen weggezappt, als Zeitungsbeilage unangesehen in den Kübel fällt und der Radiohörer automatisch fünf vor halb und 55 die Ohren einklappt, dann sinkt auch nach und nach der Wert solcher Werbeplätze.

Bislang half dagegen noch eine Verschönerung der Verpackung: Mediaanalysen mit clever zusammengestellten Statistiken und schmucker Zielgruppenbeschreibung drapiert. Solange Werbeplatz-Anbieter versuchen, ihren Werbekunden den Eindruck zu vermitteln, sie könnten mit einem steigenden Angebot von Aufmerksamkeit hochinteressierter Zielgruppen aufwarten, produzieren sie nur eine Medienblase, bei der allmählich die Luft rausgeht.

Werbeplätze sind längst nicht mehr knapp und weder die Aufmerksamkeit noch die Aufnahmebereitschaft der Menschen werden zunehmen. Selbst wenn die Gesamtheit der geschalteten Werbung wieder steigt – für den einzelnen Werbeplatz-Anbieter wird das Geschäft immer schwieriger.

Mittlerweile hat sich ein mehrstufiges Vermarktungssystem ausdifferenziert: Medium – Vermarkter – Mediaagentur – Werbeagentur – Werbetreibender. Einerseits führt das komplexere Angebot an Werbeplätzen zu einem gestiegenen Anspruch der Werbetreibenden, andererseits müssen sie sich auf professionelle Berater und Planer in den Mediaagenturen verlassen, die systembedingt rein quantitativ denken und entscheiden – „quantitativ“ im Sinne des eigenen Geschäfts, nicht zwangsläufig im Sinne der Werbekunden. Denn das Ausliefern von Werbung bedeutet noch lange keine erfolgreiche Kommunikation mit erwünschter Anschlusshandlung.

Erwünschte Werbung

Werbung wird weiterhin dort wirken, wo sie entweder eine attraktive Ablenkung ist oder gar nicht als Unterbrechung wahrgenommen wird. Aber rein technikbasierte Werbeerfolgskontrolle nutzt dem Werbetreibenden wenig. Targeting gaukelt Zielgenauigkeit vor, wo es tatsächlich keine geben kann. Einem weitverbreiteten Irrtum nach müsse Werbung nur besser mit den spezifischen Erwartungen und Interessen der Zielperson abgestimmt werden, um erwünscht zu sein.

Diesem Trugschluss erliegen vor allem Anhänger des Direktmarketing. Doch Direktmarketing ist das Gegenteil vom Trojanischen Marketing: Beim Trojanischen Marketing wird die Botschaft in ein begehrenswertes Paket verpackt. Analog zum Mythos vom Trojanischen Pferd ist das „Paket“ für den Adressaten derart attraktiv, dass er es sich selbst holt. Die positive Einstellung zur Verpackung überträgt sich idealerweise auf den Inhalt. Genau umgekehrt ist es beim Direktmarketing: Eine möglicherweise interessante Mitteilung wird in ein abstoßendes Paket gepackt: Werbebriefe, Werbemails oder Cold Calls. Das Transportmedium erzeugt Abwehr. Hier hatte Marshall McLuhan recht:

"Das Medium ist die Botschaft."

Direktmarketing hat nur eine Chance, wenn es die Attraktivität seiner Transportmittel erhöht, wie preisgekrönte Direkt-Kampagnen vereinzelt vorführen. Dann ist es aber gerade nicht die Werbung, die erwünscht ist.

Markenführung bis heute

Ohne Zweifel hat im zwanzigsten Jahrhundert die Mediawerbung Marken groß gemacht: Odol, Coca Cola, Marlboro. In welchem Maße aber zahlen heutige Investitionen in Mediawerbung auf das Konto einer Marke ein? Die meisten der gegenwärtigen Markenexperten haben ihre Lehrzeit in Werbeagenturen verbracht und neigen daher zur Überschätzung der Mediawerbung hinsichtlich ihres Beitrages für die Markenführung.

Aber der Anteil der Menschen, die Images und Einstellungen zu Marken vorrangig aufgrund von Mediawerbung bilden, sinkt kontinuierlich. Insbesondere die für Konsumgüter nach wie vor als Königsdisziplin der Markenführung verstandene Fernsehwerbung geht heute an der Mehrzahl der Meinungsführer spurlos vorbei. Fragen Sie die heute 30- bis 45-Jährigen mit mittlerem bis hohem Einkommen: Marken, zu denen sie nicht gerade ein inniges Fan-Verhältnis haben, sind für sie mit Erfahrungen und Bildern aus Werbekampagnen der 1990er Jahre verknüpft. Marketingexperten erfahren eher aus Branchen-Newslettern und Fachzeitschriften, welche Kampagne für welche Marke läuft.

Eine pragmatische Markenführung wird sich mehr an den Public Relations zu orientieren haben als an der Mediawerbung. Das erfordert ein radikales Umdenken, weil vom konventionellen Marketing ohne den Glauben an eine direkte Kontrolle nur ein zahnloser Tiger übrig bleibt. Erst die Einsicht, dass ein Markenmanagement in erster Linie sich selbst steuert, führt zur souveränen Markenführung – eine Markenführung, die loslassen kann, was sich ohnehin nicht festbinden lässt.

Markenführung ab morgen

Jedoch kein Brand Manager agiert als Vollsouverän. Es gibt komplexe Vernetzungen mit Agenturen und Medienvertretern – offizielle und inoffizielle. Nicht immer ist klar zuzuordnen, wer welche Interessen vertritt.

Die Krise können und sollten verantwortungsbewusste Entscheider nutzen, um sich von gestrigen Machtstrukturen zu befreien. Intransparente Angebotskartelle zwischen TV-Vermarktern und Mediaagenturen werden nicht mehr länger virtuelle Aufmerksamkeitsmärkte kreieren, die Markenunternehmen zu millionenschweren Fehlinvestitionen verführen.

Auch auf diesem Sektor wird sich endlich ein Qualitätswettbewerb durchsetzen – jenseits von Masse, Rabatten und Rückvergütungen. Der intermediale Wettbewerb – vor allem aus dem Internet – aber auch der Wettbewerb zwischen den Kommunikationsinstrumenten wird diese Entwicklung beschleunigen. Der Mediawerbung wird diese harte aber faire Konkurrenz sehr gut tun. Ihr Beitrag zur echten Wertschöpfung bei der Markenbildung konsolidiert sich dann auf einem realistischen Niveau.

Souveräne Markenführung heißt sowohl Einfluss durch Konsumenten zu begrüßen, als auch unabhängig von bestimmten Instrumenten und Medien zu sein. Je weniger Markenführung auf Mediawerbung als Leitinstrument fixiert ist, desto wirksamer kann auch der Beitrag der Mediawerbung zur Markenführung sein.

Die schweizer Accelerom hat mit ihrer Methodik BrandConnex branchen- und länderübergreifend nachgewiesen, wo Markenerlebnisse beim Konsumenten generiert werden.

  • Rund 50 Prozent: Point of Sale/ Vertrieb. Im Einzelhandel ist neben dem Store Merchandising die persönliche Beratung am wichtigsten.
  • Rund Ein Drittel: Empfehlungen (Freunde, Testberichte, redaktionelle Beiträge). Redaktionelle Beiträge in Printmedien genießen bei vielen Konsumenten hohe Glaubwürdigkeit.
  • Über zehn Prozent: Informationen aus dem Internet. (Corporate Websites, Blogs, Beiträge in Foren etc.)
  • Nur rund fünf Prozent: Andere Kommunikationsinstrumente wie Sponsoring, Direktmarketing, Event Marketing, Messen- und Ausstellungen, Product Placement und Mediawerbung. (Ergänzung von Klaas Kramer)

[Bild: Benjamin Merbeth - Fotolia.com]

Werbung: Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche vermeiden

Die wichtigsten Neuerungen

Mit der Novelle zum Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) hat sich der Anwendungsbereich ausgeweitet. Geregelt wird jetzt auch das Verhalten des Unternehmers während und nach einem Vertragsabschluss (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 UWG). Will heißen: Künftig können etwa auch irreführende Aussagen mit Zahlungsansprüchen in Verbindung gebracht werden. Genauso werden unwirksame AGBs, die zum Beispiel Gewährleistungsansprüche ausschließen, vom UWG erfasst und damit wettbewerbsrechtlich relevant.

Die bedeutendste Neuerung findet sich in § 3 Abs. 3 UWG. Diese Vorschrift verweist auf eine Liste im Anhang der Norm. Diese sogenannte „Schwarze Liste“ enthält in Katalogform 30 geschäftliche Handlungen, die gegenüber Verbrauchern immer unzulässig sind. Das eigentlich Neue an dieser Regelung ist, dass die darin enthaltenen Punkte nun nicht mehr auf eine erhebliche Beeinflussung des Wettbewerbs überprüft werden müssen, sondern die meisten per se unzulässig sind. Für Unternehmen heißt das also oberste Vorsicht.

Keine unklaren Preisangaben

Wenn Preisangaben nicht eindeutig zuzuordnen sind, kann sich dahinter eine Irreführung des Verbrauchers verbergen. Beliebtes Beispiel sind sogenannte Einführungspreise, die sich vom Herstellerpreis unterscheiden und mit denen ein Unternehmen sein Angebot bewirbt. In solchen Fällen sollten Sie immer deutlich neben dem von Ihnen festgelegten Einführungspreis den tatsächlichen Herstellerpreis (UVP) aufführen. Grund: Verbraucher müssen wissen, dass der „Statt-Preis“ der Preis des Herstellers ist. Allerdings sind Sie in der Pflicht, die Herstellerpreise nach Aktualität zu kontrollieren. Denn veraltete Preisangaben sind wiederum geeignet, unlautere Werbung zu betreiben.

Schmücken Sie sich nicht mit fremden Namen

Was Sie auf gar keinen Fall tun dürfen ist, sich mit dem Namen beziehungsweise einer Marke eines fremden Unternehmens zu schmücken. Nutzen Sie die Bekanntheit und Beliebtheit einer solchen Marke aus, handeln Sie im Sinne des Wettbewerbsrechts unlauter und müssen mit Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen nach § 14 Abs. 5-7 des Markengesetzes (MarkenG) rechen. 

Ein etwas älterer Beispielfall verdeutlicht die Problematik: In einem Urteil hatte der Bundesgerichtshof festgestellt (BGH, 9.12.1982, Az. I ZR 133/80), dass die Whisky-Marke Jim Beam nicht vor dem Kühlergrill eines Rolls-Royce abgebildet werden dürfte. Die Begründung: Unzulässige Rufausbeutung, da Jim Beam die Absicht verfolge, seine eigene Marke durch die Beliebtheit beziehungsweise Bekanntheit von Rolls-Royce aufzuwerten.

Die Lehre, die Sie daraus ziehen sollten: Besinnen Sie sich auf Ihre eigenen Stärken und lassen Sie fremde Marken aus dem Spiel, dann vermeiden Sie auch teure Abmahnungen! Oder Sie fragen den eigentlichen Markeninhaber um Erlaubnis, denn nicht selten verspricht sich dieser durch die zusätzliche Veröffentlichung seiner Marke seinerseits Publicity-Vorteile.

Für Webshop-Betreiber

Vertreiben Sie Waren oder Dienstleistungen übers Internet, sollten Sie sich unbedingt § 5a Abs. 3 UWG ansehen. Er enthält einen abschließenden Katalog mit fünf wesentlichen Informationen, die in Ihrem Webshop zwingend auftauchen müssen:

Diese Angaben muss Ihr Webshop enthalten:

  1. alle wesentlichen Merkmale der Ware oder Dienstleistung in dem dieser und dem verwendeten Kommunikationsmittel angemessenen Umfang;
  2. die Identität und Anschrift des Unternehmers, gegebenenfalls die Identität und Anschrift des Unternehmers, für den er handelt;
  3. der Endpreis oder in Fällen, in denen ein solcher Preis auf Grund der Beschaffenheit der Ware oder Dienstleistung nicht im Voraus berechnet werden kann, die Art der Preisberechnung sowie gegebenenfalls alle zusätzlichen Fracht-, Liefer- und Zustellkosten oder in Fällen, in denen diese Kosten nicht im Voraus berechnet werden können, die Tatsache, dass solche zusätzlichen Kosten anfallen können;
  4. Zahlungs-, Liefer- und Leistungsbedingungen sowie Verfahren zum Umgang mit Beschwerden, soweit sie von Erfordernissen der fachlichen Sorgfalt abweichen;
  5. das Bestehen eines Rechts zum Rücktritt oder Widerruf.

Überprüfen Sie sich selbst!

Hand aufs Herz: Führen Sie potenzielle Kunden bewusst in die Irre und handeln damit unlauter, riskieren Sie nicht nur Unterlassungsforderungen und Schadensersatzansprüche, sondern schaden auch Ihrem eigenen Image. Wer kauft schon gerne bei einem Unternehmen, das es mit der Ehrlichkeit seiner Angebote nicht unbedingt so genau nimmt?! Es sei Ihnen also ans Herz gelegt, Ihre Angebote beziehungsweise das, was Sie bewerben und anpreisen, einmal auf Herz und Nieren zu überprüfen. Wenn es folgenden Überprüfungen Stand hält, kann eigentlich nichts Gravierendes passieren:

  • Ist Ihr Angebot tatsächlich so einzigartig oder besonders, wie Sie es vorgeben? Nichts ist schlimmer, als wenn Sie Standardware oder pure Selbstverständlichkeiten als Alleinstellungsmerkmal anpreisen.
  • Geben Sie Ihrem potenziellen Kunden alle Informationen an die Hand, die er für seine Kaufentscheidung benötigt. Sagen Sie ihm, warum er einen bestimmten Preis bezahlen soll. Dies ist etwa dann der Fall, wenn ein Einzelstück stark im Preis gesenkt wird. Der Kunde möchte erfahren, warum das so ist.
  • Sagen Sie immer die Wahrheit, wenn Sie von Ihrem Angebot sprechen. Verfälschen Sie also nicht die Beschaffenheit oder die Eigenschaften einer Ware beziehungsweise Dienstleistung.

Vorsicht vor Abmahnungen

Da die Regelungen des UWG deutlich verschärft wurden, ist damit zu rechnen, dass Unternehmen, die Werbung eher lax betreiben oder denen die neuen Vorschriften nicht bekannt sind, verstärkt mit Abmahnungen durch Konkurrenten rechnen müssen.  

Hinweis

Hier können Sie die „Schwarze Liste“ des UWG herunterladen. [173]

[dw; Bild: Leo Blanchette - Fotolia.com]

Preisreduktion: Ein minimaler Preisnachlass verursacht großen Verlust

Das ergibt eine umfassende Analyse der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners auf Grundlage der Geschäftsberichte von DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen.

In der Modellrechnung gehen die Preisspezialisten von einer beispielhaften 2-prozentigen Preisreduktion im Rahmen der aktuellen Nachfrage aus. Ergebnis: 90 Prozent der untersuchten Unternehmen würden Gewinneinbrüche im zweistelligen Bereich verzeichnen. Die Gewinne von DAX- und SDAX-Unternehmen brächen um durchschnittlich ein Drittel ein. Bei den MDAX-Unternehmen gingen die Gewinne sogar um zwei Drittel zurück. Hier sind vor allem die niedrigen Umsatzrenditen von Unternehmen wie Continental oder TUI dafür verantwortlich.

"In der Krise neigen viele Unternehmen zu Preisnachlässen, in der Hoffnung, ihre Absatzmengen halten zu können. Das ist grob fahrlässig",

erklärt Harald L. Schedl, Leiter der Analyse und Partner von Simon-Kucher. In der Realität senken viele Unternehmen „ihre Preise munter drauflos“ – das zeige, wie unprofessionell mit dem größten Gewinntreiber Preis umgegangen werde. Das errechnete Szenario deckt mögliche Verluste in Milliardenhöhe für deutsche Unternehmen auf.

Automotive besonders stark betroffen

Vor allem die deutschen Automobilunternehmen und -zulieferer laufen Gefahr, ihre schmalen Gewinnspannen mit Preissenkungen zu verspielen. In der Industriebranche sind hingegen Unterschiede bemerkbar. Unternehmen wie Rational, K+S und Dyckerhoff haben hervorragende Umsatzrenditen und sind dadurch auf mögliche Preisrückgänge vorbereitet.

Gewinne von Unternehmen wie Deutz, Leoni und Pfleiderer reagieren dagegen sehr sensibel auf Preissenkungen. Insbesondere bei Investitionsgütern wird deutlich, dass Preisnachlässe als Krisenantwort nicht greifen.

"In der aktuellen Marktsituation würden Kunden im Investitionsgüterbereich teilweise auch für den halben Preis nichts kaufen",

so Schedl. Auch im Handel hätte eine 2-prozentige Preissenkung fatale Auswirkungen. Als Risikokandidaten gelten hier Unternehmen wie Celesio, Praktiker und die Metro Group.

Was tun, wenn’s brennt?

Klar ist: Die Nachfrage im laufenden Jahr ist verhalten. Viele Unternehmen werden eine deutlich geringere Umsatzrendite als in 2008 erhalten. Mögliche Preissenkungen schlügen 2009 noch stärker durch als in vorliegender Analyse dargestellt.

"Lassen Sie sich nicht in den Strudel der Dumpingpreise hineinziehen",

rät Schedl. Er empfiehlt dringend, bestehende Preise weitestgehend zu verteidigen. Mit innovativen Preismodellen und einem auf Preisverteidigung geschulten Vertrieb könne es Unternehmen gelingen, ihre Profitabilität nicht nur zu halten sondern sogar zu steigern.

[po; Quelle: Simon-Kucher & Partners; Bild: Fotolia.com]

Ranking verbessern: Auf die Top 10 mit Suchmaschinenoptimierung

Jeder der seine Produkte oder sein Unternehmen schon einmal „gegoogelt“ hat, wie es auf Neudeutsch heißt, weiß, wie wichtig es ist, bei den Suchmaschinen ganz weit vorne zu liegen. Wenn man mit dem Angebot seines Unternehmens erst auf der zweiten oder dritten Seite einer Suchanfrage auftaucht, ist schon so einiges falsch gelaufen. Fast niemand, der etwas sucht, wird soweit hinten gucken.

Es ist also wichtig, bei einer Suchanfrage unter die ersten 10 Ergebnisse zu kommen. Aber wie geht das? Das Mittel der Wahl zur Verbesserung des Gefundenwerdens heißt Suchmaschinenoptimierung, auf Englisch Search Engine Optimization oder einfach kurz SEO genannt. Dieser Begriff bezeichnet alle Maßnahmen, die dazu geeignet sind, den eigenen Webauftritt bei den Suchmaschinen nach vorne zu bringen.

Wichtig ist vor allem die Kontinuität der durchgeführten Maßnahmen: Nur wer sich dauerhaft mit dem Thema auseinandersetzt und seine Bemühungen immer auf demselben Level durchführt, hat nachhaltigen Erfolg. Aus dem Ärmel geschüttelte Schnellschüsse und hektischer Aktionismus bringen gerade bei der Suchmaschinenoptimierung keinen Erfolg.

SEO: Das Wichtigste ist geheim und ändert sich fortwährend

Eines muss vorweg gesagt werden: Die Arbeitsweisen der Suchmaschinen sind geheim! Die Teams von Google & Co. lassen sich nicht in die Karten schauen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kriterien, nach denen die Suchmaschinen ihre Arbeit erledigen, permanent verändert werden. Aktionen, die noch gestern das eigene Ranking verbessert haben, können heute schon wirkungslos und morgen sogar kontraproduktiv sein. Das bedeutet, dass man die Veränderungen bei den Suchmaschinen immer ganz genau verfolgen sollte. Denn es gibt kein dauerhaftes Patentrezept für den Erfolg bei der Suchmaschinenoptimierung.

On-Page- und Off-Page-Optimierung

Bei der Suchmaschinenoptimierung wird zwischen On-Page-Suchmaschinenoptimierung und Off-Page-Suchmaschinenoptimierung unterschieden. On-Page-Optimierung heißt, dass eine Website als solche verbessert wird. Dazu gehören

  • die Verbesserung der Struktur der Website,
  • die Identifizierung geeigneter Schlüsselbegriffe, der sogenannten Keywords und
  • die Erstellung von relevanten Inhalten.

Zur Off-Page-Optimierung gehört die Konstruktion und Verbreitung von Links, welche von fremden Websites auf die eigene Website führen.

Redaktionelle Suchmaschinenoptimierung: Content is King

Wer seinen Webauftritt richtig optimieren möchte, sollte sich vor allem eines vor Augen führen: „Content is King“! Je mehr Inhalte ein Internetauftritt hat, desto besser für das Gefundenwerden. Wer eine gute Platzierung anstrebt, sollte redaktionelle Suchmaschinenoptimierung betreiben. Das heißt, dass möglichst viel Text auf der eigenen Website veröffentlicht wird.

Texte auf der eigenen Website sollten aber noch viel mehr sein, als nur einfach lang. Sie sollten spannend geschrieben und fachlich gut sein. Es lohnt sich, wirklich gute Fachartikel und Berichte ins Netz zu stellen. Ein solches Vorgehen vergrößert den Traffic und vor allem die Chance, auf anderen Webseiten positiv erwähnt zu werden. Dies wiederum erhöht die Chance, dass sogenannte Backlinks auf die eigene Website verweisen. Wie wichtig Backlinks sind, wird weiter unten noch erläutert.

Artikel und Produktbeschreibungen zu erstellen ist aufwendig und mühsam. Es kostet Zeit, Geld und personelle Ressourcen. Aber die Suchmaschinen werden diesen Aufwand belohnen.

Double Content: Der Ranking-Killer

Aber Vorsicht, es muss unbedingt vermieden werden, ein und denselben Text an unterschiedlichen Stellen im Internet zu platzieren. Dieses Vorgehen wird von den Suchmaschinen gnadenlos bestraft: Mit der Erzeugung von „Double Content“ verschwindet man aus Google, so schnell man gekommen ist. Auch wenn es mühselig ist: Texte zu ein und demselben Thema müssen immer variiert werden. Niemals darf man völlig identische Texte in das Netz stellen. Über den Daumen gepeilt kann man sagen, dass ungefähr ein Drittel eines alten Textes wieder in einem neuen Text verwendet werden kann. Wer mehr kopiert, gefährdet seine Position im Ranking der Suchmaschinen.

Heimtückisch ist, dass Double Content auch unabsichtlich entstehen kann: So werden Inhalte bisweilen unabsichtlich innerhalb der eigenen Website vervielfältigt. Das Mittel der Wahl gegen unabsichtliche Vervielfältigungen ist die Absicherung der eigenen Seiten durch die Datei robots.txt. Mit dieser Datei werden Seiten, die doppelte Inhalte aufweisen, gegen die Indizierung durch Suchmaschinen abgesichert. Auch die Absicherung von Websites durch die Tags noindex oder nofollow ist möglich. Fies: Ein Wettbewerber kopiert die Inhalte eines Internetauftrittes und publiziert sie an anderer Stelle, um das Konkurrenzunternehmen aus dem Internet zu drängen. Daher lohnt es sich immer, die Augen offen zu halten.

Backlinks

Backlinks, also Links, die von anderen Websites auf die eigene Seite verweisen, erhöhen das Ranking der eigenen Seite. Daher ist es wichtig, dass möglichst viele Backlinks auf den eigenen Internetauftritt verweisen.

Wer auf Backlinks setzt, sollte auch Deeplinks einsetzten. Dabei handelt es sich um Links von externen Seiten, die auf eigene Unterseiten verweisen. Grundsätzlich gilt: Je älter eine Domäne ist, und je höher die Platzierungen für die Haupt-Keywords, desto seriöser ist sie für Google. Das heißt, dass Backlinks, die von einer solchen Domäne auf die eigene Seite verweisen, einen höheren Stellenwert für Google einnehmen und das eigene Ranking effektiv verbessern.

Daher sollte man sich rechtzeitig darum bemühen Backlinks auf älteren, gut positionierten Seiten zu platzieren. Ein Mittel an die begehrten Backlinks zu gelangen und so sein Ranking zu verbessern ist der Linktausch mit themenverwandten Websites. Das heißt, dass Links mit den Betreibern anderer Websites ausgetauscht werden. Die eigenen Links stehen auf den Seiten des Tauschpartners und die Links zu den Seiten des Partners werden auf der eigenen Seite integriert. Dabei ist zu beachten, dass die Qualität der Partnerseiten stimmen sollte, inhaltlich schlechte Seiten oder Seiten, die kein gutes Ranking bei Google besitzen, ziehen die eigene Seite nicht nur inhaltlich runter, sondern tatsächlich auch im Ranking nach unten.

Um an Backlinks ohne Gegenlink zu kommen, sollte man Beiträge in Foren und Blogs schreiben und von diesen aus auf die eigene Seite verweisen. Aber Vorsicht, wer hier übertreibt, wird von den Suchmaschinen als „Spammer“ identifiziert und im Ranking wieder degradiert. Als Faustregel kann man sagen, dass ungefähr drei Backlinks am Tag völlig ausreichen, das Ranking über einen längeren Zeitraum erheblich zu verbessern. Wichtig beim Setzen von Backlinks ist vor allem die Kontinuität der verschiedenen Maßnahmen.

Interne Verlinkung zieht einen Internetauftritt nach vorne

Wie gut eine Website bei Suchmaschinen gelistet wird, hängt auch davon ab, wie intensiv sie intern verlinkt ist. Das heißt, je mehr Links von den Haupt- und Unterseiten einer Website auf andere Seiten des eigenen Internetauftritts verweisen, desto besser die Chancen, dass alle Seiten in den Index von Suchmaschinen aufgenommen werden. Wer ganz sicher sein möchte, dass die Suchmaschinen alle Seiten erfassen, legt eine „sitemap.xml“-Datei an und meldet diese bei den Suchmaschinen an. Davon abgesehen stellt eine reibungslose Navigation durch eine gute interne Verlinkung natürlich für jeden Besucher einer Website einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert dar.

Externe Verlinkung von der eigenen Seite auf externe Angebote

Wer externe Links auf der eigenen Seite einbaut, sollte unbedingt darauf achten, dass die verlinkten Seiten inhaltlich verwandt sind. Und aufgepasst: Die Qualität der anderen Seiten sollte gewährleistet sein, sonst wird das eigene Angebot wieder beim Ranking abgewertet.

Gute Keywords – der Schlüssel zum Erfolg

Das Auffinden geeigneter Keywords, also von Schlüsselwörtern, die mit den eigenen Produkten oder Dienstleistungen in Verbindung stehen, ist von eminenter Bedeutung für die Lenkung von relevanten Besucherströmen.

Keywords sind Phrasen, die Suchende in das Eingabefeld von Suchmaschinen tippen. Sie sind die Schlüssel, die jeder Webseitenbetreiber benötigt, um seine Inhalte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Passende Keywords sind das A und O der Suchmaschinenoptimierung. Gleich nach der strategischen Verlinkung einer Webseite als wichtigster Optimierungstechnik, kommt der richtige Einsatz von Keywords. Wer in den Suchmaschinen gefunden werden möchte, kommt nicht darum herum, geeignete Keywords für sein Produkt oder seine Dienstleistung zu finden und diese dann sowohl auf seinen Webseiten als auch in Linktexten der Backlinks einzubinden. Keywords sollten im eigenen Webseiten-Titel, den sogenannten Meta-Informationen und im Inhalt der jeweiligen Seite untergebracht werden. Doch das ist noch nicht alles. Für eine erfolgreiche Optimierung einer Internetpräsenz spielen die Dichte, die Formatierung des Textes (Fettdruck, Listen, Überschriften) und die Positionierung der Such-Phrasen eine entscheidende Rolle.

Über Keywords suchen Kunden und Kaufinteressenten nach interessanten Angeboten. Wer hier Fehler macht, wird erst gar nicht oder nur sehr schlecht gefunden und kann dementsprechend sein Angebot nur schlecht vermarkten.

Herauszufinden, wonach im Internet über Suchmaschinen gesucht wird, ist eine der wesentlichen Aufgaben bei der Suchmaschinenoptimierung. Die große Kunst ist es, dabei die Suchanfragen gezielt zu bedienen. Wer zum Beispiel ein Hotel in Bonn betreibt, sollte berücksichtigen, dass Reisende höchstwahrscheinlich bereits im Vorfeld geklärt haben, wo es hingehen soll. Die Optimierung auf das Keyword „Hotel“ wäre nicht nur mit enormem Aufwand verbunden, das Keyword würde auch nur bedingt passende Besucher auf die Webseite führen. Ganz anders wäre es bei den Suchphrasen „Hotel Bonn“, „Hotel in Bonn“ oder „Bonn Hotel“.

Es gibt unterschiedliche Wege herauszufinden, welches die richtigen Keywords sind. Einer davon ist die Nutzung von Keyword-Datenbanken. Hier gibt man sein Produkt oder seine Dienstleistung ein und erhält Textvorschläge. Auf jeden Fall sollte man seine Kunden, Kooperationspartner oder Kollegen nach Keywords fragen, ihnen fallen oft die besten ein.

Wer clever ist, versucht sich auch am Wettbewerb. Die Homepages von Konkurrenten geben oft gute Hinweise auf nützliche Keywords. Und: Man sollte mehrere Keywords finden und dann miteinander verbinden, denn Kombinationen von Keywords sind effektiver. Jede Website beziehungsweise Unterseite sollte auf eine bis maximal vier Keyword-Kombinationen hin optimiert werden. Mehr Suchphrasen auf einer Seite sind unwirksam. Auch sehr wichtig: Die Keywords sollten unterschiedlich geschrieben werden: In der Einzahl, in der Mehrzahl und auch die sinnverwandten Begriffe sollten nicht vergessen werden.

Fazit: SEO unverzichtbar

Suchmaschinenoptimierung ist für moderne Unternehmen ein absolutes „Muss“. Sie kann mit geringem Aufwand betrieben werden. Wer die Maßnahmen zur Suchmaschinenoptimierung dosiert und kontinuierlich einsetzt, wird bald die Früchte seiner Arbeit ernten können.

Unternehmen, die Probleme damit haben, an ausreichend Content für den eigenen Internetauftritt zu gelangen, können auf bereits bestehende PR- oder Werbetexte zurückgreifen und diese auf die wichtigen Keywords hin optimieren.

In diesem Artikel wurden nur einige wenige Möglichkeiten zur Suchmaschinenoptimierung vorgestellt: Es gibt noch unzählige andere Tipps und Tricks für die SEO. Wer seine Chancen im Internet deutlich verbessern möchte, sollte daher nicht zögern und sich rasch informieren. Denn bei intelligentem Einsatz der SEO-Instrumentarien können aus Google-Suchern schnell gute Kunden werden.

[Bild: Google]

Benutzerzentriertes Design: Die Anwender im Mittelpunkt des Internetauftritts

Stellen Sie sich vor, Sie sind Besitzer eines Supermarkts. Durch Ihre Investitionen in Werbung kommen von Tag zu Tag mehr Menschen. Von den täglich 300 Besuchern stöbern immerhin einige durch das Produktangebot, aber nur 5 Prozent kaufen auch tatsächlich etwas. Das ist definitiv zu wenig. Doch woran kann es liegen? Ihrer Meinung nach ist das Produktangebot reichhaltig, Sie haben ausreichend Personal und die Kassen sind auch alle besetzt.

Sie überlegen nun, mehr Geld in Werbung zu investieren. Würden täglich 600 Besucher kommen, wären es, bei einer Konversionsrate von 5 Prozent, immerhin 30 Kunden. Schon sind Sie kurz davor, eine beträchtliche Summe in zusätzliche Werbemaßnahmen zu investieren. Da rät Ihnen ein Geschäftsfreund, stattdessen die Besucher zu fragen, warum sie Ihren Laden so schnell wieder verlassen.

Die Eindrücke Ihrer Kundenbefragung sind eindeutig – und ernüchternd:

  • Produkte werden nur schlecht gefunden, da die Sortierung und Regal-Anordnung nicht verstanden wird.
  • Die eingeschränkten Zahlungsmöglichkeiten verärgern Kunden, die nicht ausreichend Bargeld dabei haben.
  • Die Angabe persönlicher Daten verwirrt viele Besucher.
  • Die großen Werbeplakate an der Tür schrecken ab.

Ihr Geschäftsfreund schlägt Ihnen vor, das für die Werbung geplante Geld doch in eine Überarbeitung Ihres Ladens zu investieren. Nach einigem Zögern engagieren Sie einen Innenarchitekten, der mit Ihnen die Raumaufteilung optimiert, die Produktkennzeichnung verbessert und den Besuchern so klare Einkaufswege anbietet. Auch rät er Ihnen, mehr Zahlungsmöglichkeiten anzubieten und die Erfassung von persönlichen Kundendaten an der Kasse zu unterlassen.

Die Investitionen fallen zwar ein wenig höher aus, als die geplanten Werbemaßnahmen. Aufgrund der geringeren Werbung bleibt nach der Überarbeitung des Ladens die Anzahl der Besucher etwa gleich. Dafür kaufen plötzlich 12 Prozent aller Kunden etwas ein. Das ist sogar etwas mehr, als Sie durch die geplanten Werbemaßnahmen erreichen wollten. Und von Woche zu Woche werden es mehr. Schnell spricht sich im Ort herum, dass Sie guten Service, ein freundliches Ambiente und ein gut sortiertes Produktangebot anbieten.

Nach einiger Zeit ist Ihr Umsatz signifikant gestiegen. Die zunächst höheren Investitionskosten in eine verbesserte Kundenfreundlichkeit Ihres Ladens haben sich bald rentiert. Anschließende Werbemaßnahmen führen aufgrund der höheren Konversionsrate zu einem exponentiellen Umsatzwachstum.

Investitionen in Kundenfreundlichkeit und eine optimierte Warenplatzierung sorgen also in der realen Einkaufswelt für messbare Umsatz- und Gewinnsteigerung. Viel wichtiger noch ist dieser Aspekt aber in der virtuellen Online-Welt. Hier treffen Nutzer oft auf eine unbekannte Umgebung und müssen innerhalb von Sekunden Navigationskonzept, Produktangebote, Kaufprozesse, Symbole, Metaphern und Inhalte von Webseiten verstehen. Dabei ist der Nutzer im Web immer nur einen Klick vom Konkurrenzangebot entfernt.

Von der Suchmaschine zum Warenkorb: Warum SEO nur der erste Schritt ist

Eine gute Suchmaschinenoptimierung (SEO) und der Einsatz von effizientem Suchmaschinenmarketing (SEM) sind ohne Frage wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Internetpräsenz. Denn nur, wer gefunden wird, kann Nutzer und Kunden akquirieren. Noch viel wichtiger ist es jedoch, die gewonnenen Besucher auf der Seite zu halten. Viele Betreiber vernachlässigen es allerdings, ihre Webseite auf Nutzerfreundlichkeit und intuitive Bedienbarkeit zu optimieren – und verlieren so täglich wertvolle potenzielle Kunden.

Eine an den Bedürfnissen und Erwartungen der Nutzer ausgerichtete Konzeption und Gestaltung ist deshalb ein wichtiger Erfolgsfaktor für E-Commerce-Lösungen, Online-Portale oder Intranet-Plattformen.

Den Warenkorb finden: Die Vorteile nutzerzentrierter Gestaltung

E-Commerce-Angebote leben davon, dass Besucher möglichst schnell die gewünschten Produkte finden und ihre Bestellung abschließen. Der Kunde soll möglichst unterbrechungsfrei durch den Kaufprozess geleitet werden. Die Benutzerführung und das Design sind darauf zu optimieren, den potenziellen Kunden durch das Produktangebot hin zum Warenkorb zu führen.

Doch Beispiele aus der Praxis zeigen oft das Gegenteil. Unklare Produktkategorien, erzwungene Registrierung oder Bestellprozesse, die durch fehlerhafte Navigation zu Abbrüchen führen, sind keine Seltenheit. Laut einer Studie von ibi research (2008) analysieren nur etwa drei Prozent der Online-Händler das Nutzerverhalten. Nur jeder Fünfte hat schon einmal seine Kunden befragt. Immer mehr Händler erkennen aber das Potenzial und planen solche Maßnahmen zur Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit einzusetzen.

Nutzerorientierte Gestaltung stellt den zukünftigen Anwender bereits bei der Planung und Konzeption in den Mittelpunkt. So wird sichergestellt, dass die E-Commerce-Lösung, das Community-Portal oder die Unternehmens-Webseite von Besuchern und potenziellen Kunden optimal genutzt werden kann. Dies führt dazu, dass die gesetzten Ziele wie

  • abgeschlossene Kaufprozesse,
  • Stärkung der Marke,
  • Verbesserung der internen Kommunikation,
  • Optimierung der Arbeitsabläufe oder
  • die Gewinnung neuer Kunden

besser erreicht werden. Neben erfolgreichen Suchmaschinen- und Marketingmaßnahmen ist es also die nutzerorientierte Konzeption und Gestaltung, die wesentlich zum Erfolg einer Internetlösung beiträgt.

Die Anwender im Mittelpunkt: So funktioniert nutzerorientierte Gestaltung

Nutzerorientierte Gestaltung (User Centered Design) ist eine Vorgehensweise, die den Nutzer und dessen Anforderungen, Ziele und Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Ziel ist es, interaktive Anwendungen zu konzipieren, die über eine hohe Nutzerfreundlichkeit (Usability) verfügen. Durch eine einfache Bedienbarkeit werden die Ziele der jeweiligen Anwendung besser und effektiver erreicht.

Die Integration nutzerzentrierter Methoden und Maßnahmen in den Entwicklungsprozess helfen dabei, Produkte zu entwickeln, die den Bedürfnissen und Erwartungen der Anwender entsprechen. So wird zum Beispiel der Support- und Schulungsaufwand bei einem nutzerfreundlichen Content-Management-System (CMS) durch eine einfache Bedienbarkeit verringert oder die Produktivität einer E-Government-Anwendung durch eine optimale Prozessabbildung signifikant erhöht. Gleichzeitig werden Entwicklungskosten eingespart, da potenzielle Schwachstellen und Fehlerquellen durch den Einsatz von Nutzertests und Prototypen schon frühzeitig erkannt und beseitigt werden können.

Benutzerorientierte Gestaltung in der Praxis: Vorgehensweise und Methoden

Ziel der nutzerzentrierten Gestaltung ist es, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt Nutzeranforderungen zu erheben und diese in den Entwicklungsprozess zu integrieren. Dabei kommen Methoden wie  Nutzerbefragungen oder Prototypen zum Einsatz.

Anhand der Prototypen können Entwürfe für Funktionen und Interaktionen dargestellt und in einer frühen Projektphase an Nutzern getestet werden. Ausgehend von diesen Prototypen werden dann visuelle Konzepte und technische Spezifikationen abgeleitet. Der Vorteil: Die frühe Einbindung der Nutzer verringert den meist teuren Aufwand für spätere Änderungen am bereits fertig entwickelten Produkt.

Der Prozess der benutzerzentrierten Gestaltung verläuft in der Regel in folgenden Phasen:

  1. Analyse des Nutzungskontexts: Wohin wollen wir? Und zu wem? Die Definition der Ausgangslage und die Beschreibung der Zielgruppen mit ihren Erwartungen und Bedürfnissen bilden die Grundlage einer benutzerzentrierten Konzeption. Dazu werden unter anderem Interviews oder Workshops mit Vertretern der Zielgruppen durchgeführt. Die Ergebnisse werden in Zielgruppenbeschreibungen oder sogenannten Nutzerprofilen (Personas) beschrieben.
  2. Definition der Anforderungen und Aufgaben: Was will der Nutzer erreichen? Die Beschreibung der Aufgaben, die Nutzer mit dem System erledigen möchten, ermöglicht es, Abläufe und Workflows zu optimieren und typische Anwendungsfälle zu beschreiben. Dazu werden wiederum die späteren Nutzer oder Anwender einbezogen. So wird deutlich, welche Funktionen und Inhalte wichtig sind – und auf welche Features verzichtet werden kann.
  3. Konzeption und Gestaltung: Wie wird navigiert? Wo steht was? In der Konzeptionsphase werden die Informationsarchitektur und das Interaktionskonzept entwickelt. Darin werden Funktionen, Informationsstrukturen und Inhalte beschrieben. Die Ergebnisse werden in Sitemaps und Prototypen festgehalten. Häufig wird in dieser Phase auch bereits ein erster Design-Entwurf entwickelt.
  4. Test und Analyse: Kommt der Nutzer zum Ziel? Ist die Anwendung verständlich? Liegen Prototypen oder Design-Entwürfe vor, ist wieder der Nutzer am Zug. Jetzt wird getestet, ob die Entwürfe auch den Bedürfnissen der Nutzer entsprechen. In Workshops, Interviews und Tests wird ermittelt, ob das Navigationskonzept sowie Aufbau und Funktionsweise des Prototyps vom Nutzer verstanden werden. Nach der Auswertung der Tests werden Funktionen, Design und Prozessabläufe bei Bedarf überarbeitet und erneut an den Nutzern getestet.

Die einzelnen Phasen des Modells werden in den verschiedenen Entwicklungsschritten eines Projekts in der Regel mehrmals wiederholt. Je nach Projektphase kommen dabei unterschiedliche Methoden zum Einsatz. Bei kleineren Projekten können mehrere Phasen auch zusammengefasst oder in die bereits laufende Projektabwicklung integriert werden. So wird eine kontinuierliche Integration der Nutzer in den Entwicklungsprozess gewährleistet.

SEO und Usability: Gemeinsam ein starkes Team

Das Beispiel des Supermarkts hat es verdeutlicht: Suchmaschinenoptimierung und eine nutzerzentrierte Webseitenentwicklung sind keine getrennt zu betrachtenden Bereiche. Wer erfolgreiche Internetauftritte konzipieren und betreiben möchte, sollte sowohl SEO- als auch Usability-Aspekte berücksichtigen und die Nutzer bereits zu Beginn in den Entwicklungsprozess einbinden.

Wer zusätzlich das Such- und Klickverhalten der Nutzer analysiert und seine Website entsprechend kontinuierlich optimiert, der kann ein positives Nutzererlebnis (User Experience) für Besucher, Kunden und Suchmaschinen realisieren – und damit die Geschäftsziele besser erreichen als die Konkurrenz.

Tipps für Webseiten-Betreiber: Optimieren Sie Ihre Webseite

Mit der Optimierung einer bereits bestehenden Webseite können Sie jederzeit beginnen, ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen. Schon mit einfachen Maßnahmen decken Sie Defizite auf und verbessern die Nutzerfreundlichkeit Ihrer Webseite:

Analysieren Sie das Verhalten der Nutzer:

  1. Einstiegsseiten / Ausstiegsseiten und Klickstrecken;
  2. Verhalten im Warenkorb und Bestellabbrüche.

Beziehen Sie bei der Überarbeitung Ihres Internetauftritts die Nutzer ein:

  1. Führen Sie Usability-Tests mit Zielgruppenvertretern durch.
  2. Setzen Sie Online-Fragebögen auf bestehenden Websites ein, um Verbesserungspotenziale zu ermitteln.
  3. Lassen Sie Ihre Webseite von Usability-Experten beurteilen.

So identifizieren Sie schnell mögliche Usability-Probleme und können im Anschluss Ihre Webseite entsprechend optimieren.

[Bild: Fotolia.com]

Qualitätssiegel: „Made in Germany“ kommt bei Verbrauchern gut an

Das sind die Ergebnisse des aktuellen TNS Infratest Trendletter zur aktuellen wirtschaftlichen Situation in Deutschland. Die Studie fand auch noch Folgendes heraus:

  • Für die Sicherung der bekannten deutschen Produktqualität hält die große Mehrzahl der Bundesbürger (85 Prozent) es für wichtig, dass sowohl die Entwicklung als auch die Herstellung von Produkten in Deutschland stattfindet.
  • Dass es für die Produktqualität ausreichend ist, allein die Entwicklung in Deutschland vorzunehmen, während die Produktion im Ausland erfolgt, glauben nur 44 Prozent.
  • Umgekehrt halten es nur 44 Prozent für ausreichend, wenn zwar die Entwicklung in Deutschland verbleibt, die Herstellung jedoch ins Ausland wandert.
  • Nur 40 Prozent der Deutschen halten es für die Produktqualität generell für unbedeutend, ob ein Produkt in Deutschland entwickelt bzw. produziert wurde oder nicht.
  • Gerade einmal jeder Zehnte (neun Prozent) sieht in einem Produkt, das außerhalb Deutschlands entwickelt und produziert wurde, einen besonderen Qualitätshinweis.

„Made in Germany“ – besonders gefragt bei Lebensmitteln, Spielzeug und Küchengeräten

So positiv die Deutschen „Made in Germany“, das kein geschütztes Qualitätssiegel ist, grundsätzlich bewerten, so ist die deutsche Herkunft von Produkten für sie persönlich nicht bei all ihren Käufen bedeutsam. Dass das Produkt aus der Bundesrepublik stammt, ist ihnen nach eigenen Angaben besonders wichtig beim Erwerb von

  • Spielzeug (80 Prozent),
  • Lebensmitteln (70 Prozent) und
  • Küchengeräten (63 Prozent).

Auch beim Autokauf ist für mehr als jeden Zweiten (56 Prozent) die deutsche Herkunft ein bedeutsames Entscheidungskriterium.

Beim Kauf von Kleidung oder dem Erwerb von Unterhaltungselektronik achten dagegen nur jeweils 41 Prozent darauf, ob es sich um Produkte deutscher Hersteller handelt. Henning Rossa, Director Brand & Communications bei TNS Infratest, sagt:

„Konsumentenvertrauen ist schon immer der entscheidende Erfolgsfaktor für Marken gewesen. Dass „Made in Germany“ als Vertrauensgeber auf das alles überdauernde Bedürfnis nach Sicherheit in der Produktwahl einzahlt, ist Chance und Herausforderung für alle deutschen Markenartikelhersteller.“

Zur Studie

Für die Studie befragte TNS Infratest im Juni 2009 insgesamt 1.000 Bürger in Deutschland telefonisch.

Der vollständige TNS Infratest Trendletter „Made in Germany“ steht auf der Website von TNS Infratest [174] zum Herunterladen bereit.

[po; Quelle: TNS Infratest; Bild: Deminos - Fotolia.com]

Publizieren: So entwickeln Berater interessante Artikelthemen

Mit gewöhnlichen Themen wie „Mitarbeiter führen“ oder „Erfolgreich verkaufen“ kommen Sie, wenn Sie einem Redakteur einen Artikel schmackhaft machen möchten, meist nicht weit. Mit einer Ausnahme: Sie bieten Ihr Manuskript solchen Branchenmagazinen wie Chemietechnik und Stahlmarkt, Damenmode und DentalLabor an – also Zeitschriften, die ihre Leser primär über das Geschehen in einer Branche informieren.

Sie publizieren zuweilen Artikel zu Standardthemen in den Bereichen Personal- und Unternehmensführung sowie Marketing und Verkauf – unter folgender Voraussetzung: Die Artikel sind praxisnah geschrieben und auf die jeweilige Branche bezogen.

Gefordert: Konkretion und Branchenbezug

Um besagte Anforderungen erfüllen zu können, muss der Autor entweder die Branche kennen oder sich zumindest Folgendes überlegen, bevor er mit dem Schreiben des Artikels beginnt:

  • Wie ist die Branche strukturiert?
  • Welche Struktur und Kultur haben die meisten Betriebe in ihr? Und:
  • Vor welchen speziellen Herausforderungen stehen diese Unternehmen?

Solche Überlegungen sind wichtig, weil Führen nicht gleich Führen und Verkaufen nicht gleich Verkaufen ist – auch wenn dies manch Berater noch glaubt. So gelten zum Beispiel für den Verkauf von Industrieanlagen andere Regeln, als für den Verkauf von Dienstleistungen wie „Haare schneiden“ und „Fingernägel maniküren“. Und wer im Verkaufen von Schuhen spitze ist, ist noch lange kein guter Verkäufer von Industrieversicherungen.

Das Zuspitzen von Themen auf bestimmte Branchen sowie Unternehmen fällt vielen Trainern und Beratern schwer. Entsprechend oberflächlich sind häufig die Manuskripte, die sie den Branchenzeitschriften offerieren. Deshalb werden diese oft nicht publiziert.

Noch geringer ist die Chance von Beratern mit allgemeinen Artikeln einen Treffer zu landen, bei den Zeitschriften, die sich auf bestimme branchenübergreifende Themenkomplexe spezialisiert haben – zum Beispiel auf Verkaufsthemen wie die Zeitschriften acquisa und salesBusiness. Oder auf Personalentwicklungsthemen wie managerSeminare und wirtschaft + weiterbildung.

Hierfür ein Beispiel. Nehmen wir an, Sie würden der Zeitschrift acquisa einen Artikel zum Thema „Erfolgreich verkaufen“ offerieren. Dann würde der Redakteur denken: „Kennt der unser Magazin nicht? Seit fast 20 Jahren befasst sich unser Magazin Monat für Monat von der ersten bis zur letzten Seite mit dem Thema Verkaufen. Dann kann ich unseren Lesern, die zumeist erfahrene Verkäufer sind, doch nicht plötzlich einen Artikel präsentieren, der das kleine 1x1 des Verkaufens wiederkäut.“

Ähnlich verhält es sich mit allen Zeitschriften, die auf bestimmte Themenkomplexe spezialisiert sind. Wenn Sie in ihnen einen Artikel platzieren möchten, müssen Sie zunächst ein neues Thema genieren. Das ist recht einfach. Das sei an zwei Beispielen illustriert.

Durch Fokusverschiebung neue Themen generieren

Nehmen wir an, Sie wären ein Führungskräftetrainer und würden gerne Artikel zum Thema „Mitarbeiter führen“ in Zeitschriften platzieren. Dann könnten Sie Ihr Thema auf einzelne Mitarbeitergruppen zuspitzen. Das Ergebnis wären solche Artikelthemen wie „Produktionsmitarbeiter führen“. Oder „Projektmitarbeiter führen“. Oder „Außendienstmitarbeiter führen“. Sie könnten aber aus Ihrem Kernthema „Mitarbeiter führen“ auch Themen ableiten wie „Freelancer führen“ oder „Selbstständige Handelsvertreter führen“, denn es macht einen Unterschied beim Führen, ob die Mitarbeiter Angestellte des Unternehmens sind oder nicht.

Sie könnten den Zeitschriften aber auch Artikel zum Thema „Führungskräfte führen“ offerieren. Denn auch die mittleren und oberen Führungskräfte müssen geführt werden – wenn auch etwas anders als das „Fußvolk“. Oder wie gefällt Ihnen das Thema „Beamte und sonstige unkündbare Mitarbeiter führen“? In allen vorgenannten Fällen hätten Sie ein neues Thema generiert, das Sie den relevanten Zeitschriften offerieren könnten.

Mit neuen Artikelthemen Expertentum beweisen

Aus dem Thema „Mitarbeiter führen“ können Sie eine schier unendliche Zahl von Subthemen ableiten, die interessante Artikelthemen sind. Das Bearbeiten dieser Themen setzt aber mehr Fachwissen sowie Praxiserfahrung voraus als das Verfassen von allgemeinen Artikeln zum Thema Führung, da sie auf konkrete Führungssituationen oder -konstellationen eingehen. Deshalb können Sie als Autor mit solchen Artikeln auch mehr Kompetenz zeigen. Alle vorgenannten Artikelthemen könnten übrigens auch Seminartitel oder Beratungsangebote sein. Auch deshalb sollten Sie auf das Formulieren von Artikelthemen Zeit verwenden.

Einfach gelingt Ihnen das Entwickeln neuer Artikelthemen mit der Mind-Map-Methode – zum Beispiel indem Sie in die Mitte eines Blatts Papier „Erfolgreich verkaufen“ schreiben. An einen Hauptarm, der von „Erfolgsreich verkaufen“ ausgeht, können Sie dann zum Beispiel schreiben „Produktarten“. Und hiervon können dann wiederum Seitenarme abzweigen, an denen zum Beispiel solche Begriffe stehen wie „Konsumgüter“, „Investitionsgüter“ und „Serviceleistungen“, die Sie dann erneut differenzieren. So gelangen Sie schnell zu Artikelthemen wie „Industriedienstleistungen verkaufen“ oder „Serviceleistungen verkaufen“.

An einem weiteren Hauptarm, der von „Erfolgreich verkaufen“ ausgeht, kann stehen „Vertriebswege“. Und an den damit verbundenen Seitenarmen können Sie dann solche Begriffe notieren wie „Fachhandel,“ „Direktvertrieb“ und „Außendienst“, um diese anschließend erneut zu differenzieren. Und an einem dritten Hauptarm könnte stehen „Vertriebsaufgaben“ und an den Seitenarmen „Zielkunden identifizieren“, „Kontakt-/Beziehungsaufbau“ sowie „Bedarfsermittlung“.

An einen vierten Hauptarm könnten Sie zudem schreiben „Vertriebsziele“, um anschließend an den Seitenarmen solche Ziele wie „Neukunden gewinnen“, „Umsatz erhöhen und „Ertrag steigern“ zu notieren, bevor Sie schließlich an weiteren Abzweigungen die Wege auflisten, wie dies geht – zum Beispiel durch das Forcieren von Zusatzverkäufen. Oder durch das Erzielen höherer Preise. Oder durch das Erhöhen der Abschlussrate.

So gelangen Sie schnell zu einer Vielzahl möglicher Artikelthemen – insbesondere wenn Sie die Begriffe beziehungsweise Aussagen miteinander kombinieren. Dann gelangen Sie zu solchen Artikelthemen wie „Neue Kunden für Industrieleistungen identifizieren“ oder „Mit Serviceleistungen den Umsatz steigern“. Oder „Kunden Leasing- und Wartungsverträge schmackhaft machen“.

Beispiel für eine Mind Map zum Entwickeln eines interessanten Artikelthemas. [Quelle: Bernhard Kuntz]

Je schärfer ein Artikel auf bestimmte Problemstellungen in Unternehmen (oder im privaten Bereich) bezogen ist, umso größer ist seine Chance, publiziert zu werden – zumindest wenn er den Lesern auch Wege zum Lösen des Problems aufzeigt. Nur mit solchen Artikeln können Sie zudem Ihren Noch-nicht-Kunden zeigen, dass Sie bezogen auf das jeweilige Thema mehr Praxiswissen und Erfahrung als die meisten Ihrer Beraterkollegen haben – was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass diese sie kontaktieren, wenn sie ein entsprechendes Problem haben.

Hinweis

Hier finden Sie einen weiteren Artikel zum Thema Artikelmarketing: Mit Fachartikeln neue Kunden gewinnen [175]

Sie haben auch auf www.business-wissen.de [176] die Möglichkeit, Gastbeiträge zu veröffentlichen. Näheres erfahren Sie in der Rubrik Gastautor werden. [177]

[Bild: Fotolia.com]

Retail Brands: Amazon ist die stärkste Marke im Einzelhandel

Amazon, Aldi und Ikea sind die stärksten Retail Brands in Deutschland. Dies sind die Ergebnisse einer Studie der internationalen Managementberatung BBDO Consulting. In dem branchenübergreifenden Ranking von 60 Handelsunternehmen rangiert Amazon mit einem Markenstärke-Wert von 8,32 (auf einer Skala von 0 bis 10) vor dem Discounter Aldi (8,18) und der schwedischen Möbelhauskette Ikea (7,93) auf dem ersten Platz.

BBDO Consulting führt das Markenstärke-Ranking alle zwei Jahre durch. Trotz Verbesserung der absoluten Markenstärke um 0,29 Punkte gegenüber 2007 konnte Tchibo (Platz 4; 7,91) seine Top-Platzierung nicht verteidigen. Unter den Top 10 finden sich darüber hinaus der Drogerist dm (Platz 5; 7,67), die Elektronikfachmärkte Saturn (Platz 6; 7,42) und Media Markt (Platz 7; 7,39), das Bekleidungshaus C&A (Platz 8; 7,38), die Parfümerie-Kette Douglas (Platz 9; 7,36) und der Optiker Fielmann (Platz 10; 7,36).

Top 25 Retail Brands in Deutschland: Ranking Markenstärke

Was die Gewinner auszeichnet

Das positive Gesamtresultat ist insbesondere auf die aus Kundenperspektive sehr hohe Nutzenstiftung des Online-Pioniers zurückzuführen. Einst als Buchhändler gestartet, wurde das Sortimentsangebot kontinuierlich und konsequent entlang der Kundenbedürfnisse ausgebaut. Jüngste Beispiele hierfür sind etwa das vor Kurzem gestartete mp3-Angebot und das elektronische Buch Kindle.

Das Produktportfolio überzeugt nicht nur durch seine Breite und Qualität sondern auch durch ein attraktives Preisniveau, das durch die hohe Preistransparenz im Internet ein zentraler Kaufentscheidungstreiber ist. Die Spitzenbewertungen der Kunden bei den Leistungsdimensionen Sortimentsbreite, Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis resultieren daher auch in dem höchsten rationalen Markennutzen aller untersuchten Unternehmen. Die starke Performance auf der Leistungsebene führt auch auf emotionaler Ebene zu sehr hohen Vertrauens- und Sympathiewerten.

Als Konzeptpionier hat Amazon jahrelang besondere Aufmerksamkeit erfahren, so ist es dem Unternehmen trotz fehlender Markenkommunikation gelungen, eine hohe Markenpräsenz aufzubauen.

Der zweitplatzierte Aldi konnte seine Spitzenposition im Lebensmitteleinzelhandel deutlich ausbauen. Bei der Markenpräsenz erzielt Aldi mit 9,26 den Spitzenwert aller Handelsunternehmen. Insgesamt verfügt der Discount-Pionier über die höchste Präsenz und stiftet den höchsten Nutzen für den Konsumenten. Das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis wird scheinbar insbesondere in Zeiten der Wirtschaftskrise von den Kunden als stark an ihren Bedürfnissen orientiert wahrgenommen. Die sehr gute Platzierung beim emotionalen Kundennutzen zeigt, dass mit Discountern aber nicht mehr allein "Preisvorteile" assoziiert werden. Die konstant hohe Produktqualität schafft darüber hinaus Vertrauen in die Marke.

Der schwedische Möbelhändler Ikea belegt wie in 2007 Rang drei des Markenstärke-Rankings. Getrieben durch seine Expansion konnte Ikea vor allem bei der Markenpräsenz punkten. Die Nutzenstiftung liegt auf nahezu unverändert hohem Niveau. Die Kunden honorieren damit die Einzigartigkeit der Geschäftsidee, formschöne Einrichtungsgegenstände zu günstigen Preisen anzubieten, mit Top-Bewertungen.

Saturn und Real mit der größten Steigerung

Die beiden größten Gewinner im Vergleich zu 2007 sind der Elektronikfachhändler Saturn (Steigerung der Markenstärke um 1,12 Punkte) und das SB-Warenhaus Real (Steigerung der Markenstärke um 0,94 Punkte). Saturn ist es gelungen, durch hohen Werbedruck, verbunden mit einem kommunikativ klar und langfristig umgesetzten Markenversprechen, eine deutliche Verbesserung in der Kundenwahrnehmung zu erreichen. Die klare Preisfokussierung mit dem Claim "Wir hassen teuer" scheint, insbesondere in Zeiten der Wirtschaftskrise, die Konsumenten anzusprechen. Darüber hinaus profitiert die Retail Brand von ihrem langfristig konsistenten Leistungsversprechen, das, gepaart mit hohem Werbedruck, ein klares Image schafft.

Auch Real ist es in den letzten beiden Jahren gelungen, seine Markenstärke signifikant zu steigern, dies ist vor allem auf deutliche Verbesserungen beim rationalen Markennutzen zurückzuführen. Das Unternehmen profitiert vom erfolgreichen Markenrelaunch und dessen intensiver kommunikativer Begleitung. Sowohl die neue Eigenmarkenstrategie als auch das auf Angebotsvielfalt gerichtete Leistungsversprechen werden vom Konsumenten positiv wahrgenommen.

Weitere Ergebnisse der Studie

  • Online etabliert sich zunehmend als universelle Alternative zum stationären Handel.
  • Erfolgreiches Zusammenspiel von Markenversprechen und Kundenerlebnis am PoS bestimmt die Position im Markt.
  • Verfehlte Unternehmenspolitik belastet Marken nachhaltig
  • Kommunikationskonzepte, die ein emotionales Nutzenversprechen transportieren, sind erfolgreich.
  • Emotionale Nutzenversprechen können der Realität vorausgehen, dürfen sich aber nicht zu weit von ihr entfernen.
  • Das Markenversprechen ist wesentlicher Motor eines aktiven Veränderungsprozesses.
  • Erfolgreiche Wettbewerbsdifferenzierung erfordert konsequentes Eigenmarkenmanagement.

Udo Klein-Bölting, CEO von BBDO Consulting, kommentiert die Studienergebnisse folgendermaßen:

"Zur Erzielung und Sicherung nachhaltiger Wettbewerbsvorteile gilt es, Markenklarheit zu erzeugen, die durch rationale und emotionale Markenerlebnisse eingelöst wird."

Zur Studie

Ermittelt wurde das Markenstärke-Ranking der 60 Retail Brands im Rahmen einer Online-Befragung von über 2.200 Einzelpersonen über 16 Jahre (Bundesgebiet). Inhalte der Befragung waren Indikatoren der Markenstärke (unter anderem Bekanntheit, Klarheit, Bedürfnisorientierung, Sympathie, Vertrauen und Einzigartigkeit) und Image-Batterien (unter anderem zu Sortiment, Preis, Personal und Einkaufsatmosphäre). Die Erhebung erfolgte im April 2009.

[po; Quelle und Grafik: BBDO Consulting]

Media-Mix: Cross-Media steigert Abverkauf deutlich

Ausgangspunkt der Studie von GfK, Google und Coca-Cola war die Coca-Cola Weihnachtskampagne, für die im November und Dezember letzten Jahres TV-, Kino- und Radiospots, Plakate, Print-Anzeigen sowie im Internet Banner, Video-Anzeigen und Werbung auf Google geschaltet wurden.

Cross-Media steigert Abverkaufswirkung signifikant

Die Ergebnisse der Studie belegen eindeutig, dass im Zusammenspiel der verschiedenen Medien eine deutliche Verstärkung der Werbewirkung erfolgt. Am effektivsten erwies sich für Abverkäufe im Rahmen der Coca-Cola Weihnachtskampagne das Zusammenspiel von TV-Werbung und den auf YouTube geschalteten Video-Anzeigen: Konsumenten, die die Werbebotschaft innerhalb einer Woche im TV und auf YouTube zu sehen bekamen, wiesen eine um 97 Prozent höhere Kaufrate auf.

In der Einzelanalyse erwiesen sich die Video-Anzeigen auf YouTube als ähnlich abverkaufsfördernd wie klassische TV-Spots. Ein weiterer Effekt der Internetwerbung: Sie generiert Exklusivreichweiten, die durch Fernsehwerbung nicht erreichbar sind. Fokussiert auf die Zielgruppe der 14- bis 39-Jährigen erwiesen sich die Effekte der einzelnen Medienkanäle als noch stärker.

Speziell für die werbeintensive Konsumgüter-Industrie bietet das Web Efficiency Panel (WEP) der GfK erhebliche Möglichkeiten, die Mediaplanung, die inhaltliche Ansprache von Zielgruppen und damit die Budgetallokation zu optimieren. Laut Coca-Cola Deutschland zeigen die Ergebnisse, dass Online-Marketing eine effiziente Rolle im Media-Mix spielen kann. Das Besondere an der Studie sei zudem, dass erstmals eine Cross-Media Messung vorgenommen werden konnte, die aufzeigt, wie die einzelnen Mediengattungen ineinander greifen und sich auf den kurzfristigen Abverkauf auswirken. Hierdurch ergeben sich neue Möglichkeiten, Kampagnen ganzheitlich zu steuern und zu planen.

Zur Studie

Die Rezeption der Werbebotschaften und das tatsächliche Einkaufsverhalten der Konsumenten erfasst das neue GfK Web Efficiency Panel. Die Besonderheit: Die komplette Internetnutzung von 15.000 Personen, sämtliche Einkäufe des täglichen Bedarfs sowie die Nutzung klassischer Medien wie TV, Radio und Print dieser Haushalte werden integriert, in einer Quelle erhoben und analysiert.

[po; Quelle: GfK; Bild: Fotolia.com]

Rechtstipp: Vermeiden Sie Abmahnungen bei Ihren Google-AdWords

Was passiert bei Google AdWords?

Google kennt zwei Arten von Suchergebnissen: Zum einen die „normalen“ Treffer, die jeder Internet-Nutzer vom sogenannten Googeln gewöhnt ist, zum anderen die bezahlten Suchergebnisse, die auf der rechten Seite des Bildschirms oder vor den Suchergebnissen oben hervorgehoben erscheinen. Durch die Hervorhebung fallen sie dem Besucher besser ins Auge und erregen somit mehr Aufmerksamkeit.

Unternehmen nutzen das Instrument „Google AdWords“, um auf Ihre Produkte beziehungsweise Dienstleistungen aufmerksam zu machen und gefunden zu werden. Die Logik: Wer zuerst gefunden wird, hat bessere Chancen, seine Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen. Dafür müssen bei der Registrierung für diesen Dienst bestimmte Schlüsselwörter (Keywords) eingegeben werden. Google-AdWords-Anzeigen sind nicht kostenlos. Wer eine Anzeige schalten möchte, teilt dem Dienst einen Maximalpreis mit, den er bereit ist zu bezahlen, wenn ein Interessent auf seine Anzeige klickt.   

Gefahr: geschützte Begriffe als Keyword bei den Anzeigen

Die Problematik hierbei: Immer wieder kommt es vor, dass Unternehmen fremde Bezeichnungen oder Markennamen sowie Produkt- oder Geschäftsbezeichnungen von Wettbewerbern als Schlüsselwörter für ihre eigene Google-AdWords-Anzeige definieren. Diese Schlüsselwörter sind für den Internet-Nutzer nicht sichtbar, sie führen nur durch die Eingabe ins Google-Suchfeld zum gewünschten Suchergebnis.

Klar, dass hier markenrechtliche Streitigkeiten vorprogrammiert sind. Viele Unternehmen sehen in dieser Praxis nämlich eine Verletzung ihrer Markenrechte und mahnen den Keyword-Verwender ab. Da Markenangelegenheiten in der Regel mit einem hohen Streitwert verhandelt werden, drohen hierbei oft enorme Abmahnsummen. Und Beträge im vierstelligen Bereich sind keine Seltenheit.  

Hinweis

Im Beispielfall (LG Braunschweig, AZ 9 O 2382/06, Entscheidung vom 7. März 2007) ging es um zwei Wettbewerber, die Erotikartikel vertrieben. Die Klägerin monierte, dass die Beklagte die eingetragene Wortmarke „bananabay“ als sogenanntes Adword bei der Schaltung ihrer Google-AdWord-Anzeige verwendete. Hierin sah die Klägerin eine Verletzung ihrer eigenen Marke und verlangte Unterlassung sowie Schadensersatz.   

Das Gericht bejahte die Verletzung mit der Begründung, dass die Beklagte mit diesem Vorgehen Interessenten auf ihre eigene Webseite und damit auf ihr Angebot locke. Zudem bestünde die Gefahr der Angebotsverwechslung mit dem der Klägerin.

Vorsicht bei „weitgehend passende Keywords“!

Wer sich bei Google AdWords registriert, kommt früher oder später zur Rubrik „weitgehend passende Keywords“. Hier ist besondere Vorsicht geboten, denn Google gibt hier teilweise geschützte Begriffe selbst vor. Aufgrund etwaiger Abmahnrisiken beziehungsweise Haftungsrisiken sollten Sie bei diesem Punkt der Registrierung also genau aufpassen, welche Suchbegriffe oder Vorschläge von Google Sie auch tatsächlich übernehmen. Sicher fahren Sie, wenn Sie die Funktion „genau passend“ wählen. Hierbei erscheint Ihre Anzeige nur dann, wenn genau das von Ihnen gewählte Suchwort oder die Wortgruppe vom Interessenten ins Suchfeld eingegeben wurde. 

Rechtsprechung: Nichts Genaues weiß man nicht

In der Vergangenheit haben unterschiedliche obere Gerichte die Fälle etwaiger Markenrechtsverletzungen beziehungsweise Wettbewerbsrechtsverletzungen unterschiedlich beurteilt. Mal stellen sie eine solche Verletzung fest, mal wurde diese verneint. Anfang des Jahres hat sich der BGH als oberstes Zivilgericht zu der Problematik geäußert. Leider kam auch er nicht zu einer verbindlichen Klärung. Nur soweit: Zulässig ist die Google-Werbung dann, wenn das verwendete Schlüsselwort einen rein beschreibenden Begriff darstellt und die angeblich verletzte Marke als einen Bestandteil dieses lediglich beschreibenden Begriffs enthält. In dem oben erwähnten Beispielfall „bananababy“ hat der BGH die Sache an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) verwiesen. Wann es hier zu einem verbindlichen Urteil kommt, ist ungewiss.

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie also bei der Schaltung einer Google-AdWords-Anzeige von der Verwendung fremder Marken-, Produkt- oder Geschäftsbezeichnungen Abstand nehmen oder sich im Vorfeld rechtlich beraten lassen.

Tipp

Hier finden Sie eine Checkliste für die Verwendung von Google AdWords [178] .

[dw; Bild: Creativeapril - Fotolia.com]

Service als Erfolgsfaktor: Den Kunden überraschen und ihm ein Erlebnis bieten

Auf der Gewinnerseite kann stehen, wer Service neu definiert und neu gestaltet, Service immer mehr in den Fokus rückt und mit einer entsprechenden Strategie konsequent umsetzt. Stattdessen konzentrieren sich jetzt viele Unternehmen einseitig auf interne Kostensenkung.

Kundenorientierte Maßnahmen unterbleiben, weil sie vermeintlich Geld kosten. Ein Trugschluss. Denn guter Service muss nicht teuer sein. Er bringt sogar Geld, wenn der Kunde einen Mehrwert verspürt.

Dies bestätigt die aktuelle Untersuchung. Demnach sind 58 Prozent von 2.000 befragten Verbrauchern auch bei angespannter Wirtschaftslage bereit, für ein besseres Kundenerlebnis mehr zu zahlen. Das Kundenerlebnis stellt den entscheidenden Differenzierungsfaktor für kundenorientierte Unternehmen dar, heißt es in der Studie. Dessen Verbesserung sei nach Angabe der Befragten die wichtigste Maßnahme, mit der Unternehmen ihre Kunden zu einem großzügigeren Ausgabeverhalten bewegen können.

Erfolg durch Erlebnisse

Mit anderen Worten: Das Geheimnis des Verkaufserfolgs liegt darin, Mehrwert und Erlebnisse zu schaffen. Ein besonderes Erlebnis erhöht nicht nur die Treue eines Kunden gegenüber einem Unternehmen, sondern der Kunde spricht auch darüber (Mundpropaganda). Er macht Verwandte, Freunde, Kollegen und Bekannte auf das Unternehmen aufmerksam oder schwärmt online in einer Community. Deshalb heißt es heute auch so häufig Erlebnisgastronomie, Erlebnisurlaub, Erlebniswelt oder Erlebniskauf.

Die Zeiten, in denen Unternehmen nach Empfehlungen bettelten, sind vorbei. Ziel muss es sein, Empfehlungen zu bekommen, weil die Erlebniswelt unseres Unternehmens, unserer Produkte und unseres Service so stark ist, dass der Kunde gerne davon berichten will.

Dabei ist Service nicht gleich Service. Das freundliche Lächeln des Verkäufers, der Cappuccino beim Friseur, die 24-Stunden-Hotline des Software-Unternehmens – das ist zwar schön, doch das alleine reicht schon lange nicht mehr aus. Denn guter Service ist mehr als angemessene Bedienung.

Ideen und Überraschungen

Den entscheidenden Unterschied im Wettbewerb macht eine ungewöhnliche Serviceidee, die den Kunden überrascht und verblüfft. Sie sorgt für Erlebnisse, Geschichten und Gesprächsstoff. Ein Beispiel: Sie gehen zum Friseur, um sich verwöhnen und verschönern zu lassen. Eine neue Frisur, dazu ein Getränk, Zeitschriften und angenehme Hintergrundmusik – das kennen Sie schon. Zusätzlich bietet man Ihnen an, während Ihres Friseurtermins kleinere Einkäufe oder Besorgungen in der Stadt für Sie zu erledigen. Wäre das nicht ein Service, der Sie verblüfft?

Für solche Erlebnisse und Überraschungen habe ich das Wort „Supriservice®“ geschaffen. Ein Service, der die Kunden überrascht und als Sahnehäubchen zusätzlich zum Basisservice serviert wird. Ziel ist es, Aufmerksamkeit zu erreichen, einen Zusatznutzen zu schaffen und im Kundenkopf präsent zu sein und präsent zu bleiben. Dazu gehört auch, die Dinge konsequent anders zu machen als andere und so ein Aha-Erlebnis zu bewirken.

Produkt-Plus für den Kunden

Sinnvoller Service unterstützt gestresste Kunden im Alltag und nimmt ihnen einen Teil unangenehmer Aufgaben ab. Ein kundenfreundliches Autohaus zum Beispiel bietet einen Hol- und Bringservice für Fahrzeuge an und hat eigene Mietwagen. Das Sahnehäubchen aber ist ein 24-Stunden-Notdienst, der auch um Mitternacht zur Stelle ist, wenn das Auto streikt.

Während früher das Produkt entscheidend war, sind es heute oft die Dienstleistungen und Services rund um das Produkt. Denn die Produkte werden immer ähnlicher. Sie sind vergleichbar, wenn nicht austauschbar.

Angenommen, Sie sind ein begeisterter Wanderer und brauchen eine neue Ausrüstung. In Ihrer Stadt gibt es verschiedene Qutdoor-Geschäfte. Im ersten Laden hängen Jacken und Hosen dicht an dicht. Im zweiten wird das Angebot auf einer riesigen Fläche präsentiert. Zudem dürfen die Kunden in einer Kühlkammer Thermojacken und Schlafsäcke ausprobieren. In einer Regenkammer können Sie prüfen, ob Jacke und Schuhe tatsächlich wasserdicht sind. Wer, glauben Sie, macht den größeren Umsatz? Die Antwort liegt auf der Hand. Tatsache ist: Viele Branchen und Unternehmen erwirtschaften schon mehr als 50 Prozent ihres Ertrages mit Services.

Begeistert statt zufrieden

Wer also seine Kunden mit Sahnehäubchen überrascht, kann sich ungeheure Wettbewerbsvorteile verschaffen. Der Schlüssel dabei: Der Kunde darf nicht nur zufriedengestellt werden, er muss begeistert und überzeugt sein. Um das zu erreichen, müssen Sie seine verborgenen Wünsche erkennen und erfüllen. Der amerikanische Unternehmer und Gründer von Toys ’R’ Us, Charles Lazarus, hat einmal gesagt:

"Die besten Ideen kommen mir, wenn ich mir vorstelle, ich bin mein eigener Kunde."

In Umfragen fallen Kundenwünsche in Sachen Service relativ bescheiden aus. Schon Mitte der 90er Jahre wurden folgende Erwartungshaltungen deutscher Kunden ermittelt: Freundlichkeit, Beratungskompetenz und eine schnelle Reaktion. Es sollte nicht allzu schwer fallen, diese Erwartungen zu übertreffen. Und genau das ist das Gebot der Stunde: sich die Kundenbrille aufzusetzen, den Alltag des Kunden wirklich zu verstehen und nachzuvollziehen.

Die Wirtschaft folgt seit jeher natürlichen Zyklen, in denen sich Aufschwung und Abschwung abwechseln. Auch wenn uns täglich neue Horrormeldungen über Konjunktureinbrüche erreichen, gelten nach wie vor die Gesetze von Angebot und Nachfrage. Das bedeutet: So anspruchsvoll die Zeiten auch sind, es gibt immer Unternehmen, die ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten, und es wird immer Kunden geben, die Produkte oder Dienstleistungen benötigen. Das Entscheidende ist, wem die Kunden ihr Vertrauen schenken.

Service im ganzen Unternehmen

Gerade die Krise bietet die Chance, sich auf das Wesentliche zurück zu besinnen, sich durch exzellenten Service von seinen Mitbewerbern abzuheben und als Unternehmen zu wachsen. Denn: Nicht jeder kann langfristig immer den günstigsten Preis bieten. Vor allem für mittelständische Unternehmen ist das schwierig.

Das Erfolgsgeheimnis ist stattdessen eine Servicekultur, bei der die Kunden Dreh- und Angelpunkt aller Prozesse, Systeme und Entscheidungen sind. Dabei muss jeder Mitarbeiter - vom Top-Manager bis hin zum Pförtner - dem Kunden oberste Priorität einräumen. Nur wenn das gesamte Unternehmen die individuellen Wünsche seiner Kunden respektiert und entsprechend handelt, fühlen sich diese verstanden.

Und was bekommt das Unternehmen? - Eine hohe Wertschätzung, im Idealfall Begeisterung, vor allem aber Loyalität. Und treue Kunden kommen nicht nur immer wieder, sie sprechen auch Empfehlungen aus und werben auf diese Weise neue Kunden.

Mit anderen Worten: Exzellenter Service wird in der Rezession zur entscheidenden Marketingmaßnahme. Wer ihn gezielt zur Kundenbindung einsetzt, sichert sich dadurch Wettbewerbsvorteile und langfristigen Unternehmenserfolg. Und das unterscheidet die künftigen Gewinner von den Verlierern der Wirtschaftskrise.

[Bild: Bernd_Leitner - Fotolia.com]

Erfolg durch Kundennutzen: Wissen Sie, was Ihre Kunden wirklich wollen?

„Oberstes Prinzip jedes marktorientierten Handelns ist es, Kun­dennutzen zu schaffen.“

Prägnanter als mit diesem Zitat des ja­panischen Ökonomen Kenichi Ohmae, der mit insgesamt 140 Veröffentlichungen unser heutiges Marketingwissen enorm be­reichert hat, lässt es sich nicht ausdrücken, welche außerge­wöhnlich wichtige Rolle der Kundennutzen für den Markterfolg spielt.

Der Kundennutzen hat sich in den vergangenen Jahren ganz eindeutig zur zentralen Orientierungsgröße des Marketings ent­wickelt. Diese Erkenntnis ist sehr wichtig, allerdings besteht bei den Unternehmen noch weitgehend Unklarheit über das kom­plexe Geflecht von Einflüssen auf den Kundennutzen. Grund­sätzlich gilt: Ein Kunde entscheidet sich stets für den Anbieter, der ihm den höchsten – von ihm wahrgenommenen – Nutzen bietet und verhilft damit dem Unternehmen zu wachsen. Dass dies keine neue Erkenntnis ist, belegt ein Zitat des römischen Kaisers Marc Aurel, das fast 2000 Jahre alt ist:

„Werde also nicht müde, deinen Nutzen zu suchen, indem du anderen Nutzen gewährst!“

Dennoch klafft oft eine große Lücke zwischen dem Anspruch vieler Unternehmen, kundenorientiert zu sein, und der Wirklich­keit. Der amerikanische Chefredakteur der ‚Business Week’, Lew Young, spitzte es verärgert folgendermaßen zu:

„Der wichtigste, heute vernachlässigte Managementgrundsatz ist die Nähe zum Kunden. Seine Bedürfnisse zu erfüllen und seinen Wünschen zu­vorzukommen: Darum geht es! Für allzu viele Unternehmen ist der Kunde zum lästigen Störenfried geworden. Sein unbere­chenbares Verhalten wirft wohldurchdachte strategische Pläne über den Haufen, seine Handlungen bringen die EDV durch­einander, und obendrein besteht er auch noch hartnäckig darauf, gekaufte Produkte müssten funktionieren!“

Informationsdefizite in Unternehmen

Viele Unternehmen haben aus Gründen der Kostensenkung und Gewinnmaximierung Maßnahmen eingeleitet, die ihre Kunden alles andere als wertschätzen. Die Klagen über schlechten Service und mangelnde Produktqualität häufen sich, und der Kunde wechselt den Anbieter dementsprechend häufiger als früher.

Bei immer mehr Unternehmen setzt sich aber auch die Erkennt­nis durch, dass sie den größten Kundennutzen bieten müssen, um die Nase vorn zu haben. Und sie wollen das auch! Sie wis­sen, dass die persönliche Beurteilung des Kunden über Produkt­qualität, Preis oder Service über Erfolg oder Misserfolg ihres Un­ternehmens entscheidet.

Kunden wissen genau, was sie wollen. Die Frage ist nur: Wissen das auch die Anbieter? Dann, und nur dann, können Unternehmen auch langfristig erfolgreich im Markt bestehen. Genau an diesem Punkt bestehen jedoch oft enorme Informationsdefizite oder zumindest große Unterschiede zwischen der Selbsteinschätzung des Unternehmens und der Wahrnehmung des Kunden. Wenn Unternehmen hier nicht klar sehen, können sie ihr Marketingbudget auch gleich verschen­ken.

In vier Schritten zu mehr Kundennutzen

Mit der Methodik der Kundennutzenanalyse (KNA) lässt sich der Kundennutzen in einer bisher nicht gekannten Genauigkeit bestimmen. Sie sorgt mit ihren methodischen Vorgaben dafür, dass im weitesten Sinne alle Einflussgrößen auf eine Kaufent­scheidung sicher erfasst werden.

Von besonderem Interesse ist hierbei die Marktposition eines Anbieters, deren Bedeutung für Markterfolge bislang grob unterschätzt wird. Nur allzu oft ent­scheidet sich ein Kunde für ein schlechteres Produkt, wenn es von einer starken Marktposition des Anbieters getragen wird. Die Kundennutzenanalyse hilft Unternehmen, dafür einen klaren Blick zu bekommen. Je genauer man den Kundennutzen kennt, umso besser kann man seine eigenen Markterfolgspotentiale aktivieren. Folgende Bereiche geben Aufschluss darüber, wie hoch der Kundennutzen tatsächlich ist bzw. wie er vom Kunden eingeschätzt und anerkannt wird:

1. Money makes the world go round - aber der Preis ist nicht alles

Kunden achten natürlich auf die Preisgestaltung eines Produktes oder einer Dienstleistung. Für Qualität sind die meisten Kunden jedoch bereit, deutlich mehr Geld auszugeben. Trotzdem wer­den in den meisten Fällen, und je nach Höhe der Ausgaben, Angebote von Mitbewerbern verglichen. Alleinig ausschlagge­bend ist der Preis nicht. Gerade über Leistungspakete, beispielsweise bestehend aus Finanzierung, Beratungsleistungen, einem überragenden Service, Entwicklungszusammenarbeit können sich Unternehmen gegenüber ihrem Wettbewerb profilieren. Genau diese Gestaltungsmöglichkeiten legt eine Kundennut­zenanalyse offen und bietet dadurch die Möglichkeit, sich zu differenzieren.

2. Kunden müssen gehegt und gepflegt werden - Leistungspa­kete generieren Differenzierung

Sehr viel Wert legen Kunden auf den Service. Wenn ein Unter­nehmen hervorragenden Service bieten kann (am besten per­sönlich und zeitlich nah am Problem), dann sieht der Kunde ei­nen höheren Anschaffungspreis als gerechtfertigt an, weil er weiß, dass er bei einem Problem nicht alleine gelassen wird.

Ein ganz wichtiger Punkt für Kunden ist zum Beispiel die Kulanz. Es kann schon einmal vorkommen, dass ein Produkt fehlerhaft ausge­liefert wird oder kurz nach der Garantiezeit den Geist aufgibt. Entscheidend ist bei einer solchen Reklamation aber die Reak­tion des Unternehmens. Wer einmal die Erfahrung gemacht hat, dass er abgewimmelt wird und kein Entgegenkommen bezüg­lich Reparaturen oder Schadensersatz erfährt, der ist für das Un­ternehmen meist nicht nur verloren, sondern kann sich zum „Negativum“ entwickeln: Er gibt seine schlechten Erfahrungen weiter und kann so für einen dauerhaften Imageschaden sor­gen.

Kundennutzen zu bieten, bedeutet in diesem Zusammen­hang, ein spezielles Leistungspaket aus einer Erlebnisberatung, einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis sowie einem persönli­chen After-Sales-Service zu schnüren.

3. Sex sells: Achten Sie auf Ihre Marktposition!  

Mit der Marktposition verbinden sich Dinge, wie Marke, Refe­renzen, Kundenbeziehungen, Vertrieb, Kommunikation und so weiter. Auch wenn vielen Kunden das nicht bewusst ist, so spielt der Point of Sale eine größere Rolle, als sie denken. Das Sprichwort „Das Auge isst mit!“ können Unternehmer wörtlich nehmen.

  • Sind die Produkte optimal platziert?
  • Wie attraktiv ist der Verkaufsraum gestaltet, wie funktionell ist er für Kunden?
  • Wie informativ sind Homepage und Flyer?
  • Steht ein Ansprechpartner zur Verfügung?

Lange Wartezeiten nehmen nur noch wenige Kun­den in Kauf und sie legen Wert auf hervorragende Beratung. Das Auftreten des Verkäufers ist dabei nicht zu unterschätzen. Bei der Marktposition spielt gerade der Aufbau einer persönli­chen Kundenbeziehung durch einen ebenso begeisterten wie begeisternden Verkäufer eine entscheidende Rolle. Wichtig für Kunden ist, ob sie den Verkäufer als kompetent einschätzen und ob er ihre Bedürfnisse erkennt oder zumindest versucht, diese durch Fragen herauszufinden. Kunden machen sich nicht die Mühe, wirklich alle Details eines Produktes oder einer Dienstleistung (= Produktnutzen) zu betrachten. Sie schauen sich vielleicht zwei bis drei Aspekte an und entscheiden dann über die Marktposition, die im Augenblick des Kaufs deutlich von der Person des Verkäufers beeinflusst wird.  

4. Vom positiven Image zur Marke

Kaufkriterien sind nach wie vor die Marke, das Image, der Be­kanntheitsgrad eines Produktes oder die Referenzen eines Un­ternehmens. In diesem Feld unterscheidet sich die Selbstein­schätzung von Firmen oft von der Fremdeinschätzung der Kun­den. Zudem sind diese Größen variabel und müssen deshalb ständig gepflegt werden. Und zu guter Letzt: Manche Unter­nehmen bieten einen Nutzen, der für den Kunden völlig unin­teressant ist. Denken Sie zum Beispiel an die Finanzierung eines Haushaltsgerätes oder Autos bei einem solventen Kunden, der sofort bezahlt. Diesen Blindnutzen würdigt der Kunde nicht. Der Kunde wählt das Unternehmen, das ihm den größten, vom ihm tatsächlich wahrgenommenen, Vorteil bietet.

Blick auf das Wesentliche schärfen: Vom Preis- zum Nutzenkampf

Unternehmer sollten ihren Blick für das Wesentliche schärfen. Wenn sie die Bedürfnisse ihrer Kunden besser erkennen, können sie ihre Marketingziele präziser formulieren. Sie laufen dann nicht ins Leere oder genauer gesagt, am Kunden vorbei. Aktio­nen am Markt lassen sich effizienter umsetzen, wenn ein Unter­nehmen seine Stärken und Schwächen kennt. Die Kundennut­zenanalyse (KNA) erlaubt die Erarbeitung eines maßgeschnei­derten Paketes von systematisch ermittelten und kostenopti­mierten Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der eige­nen Wettbewerbsstärke.

Stellt sich heraus, dass die Preisgestaltung aus der Sicht des Kunden zu hoch ist, kann ein Unternehmen dies zum Beispiel durch bessere Leistungen an anderen Stellen ausgleichen. Ver­gleichbar mit einem System kommunizierender Röhren, steigt mit einem besseren Service (sprich Kundennutzen, wie ihn der Kunde positiv wahrnimmt) auch der Preis, das heißt, Kunden sind bereit, für ein durchaus vergleichbares Produkt oder eine Leis­tung mehr zu bezahlen.

Unternehmen machen sich durch eine systematische und aufgrund der Analyse auch strategisch gesi­cherte Ausrichtung auf den Kundennutzen deutlich unabhän­giger vom üblichen Preiskampf. Unternehmen erfahren nicht nur, wo etwas getan werden muss, sondern auch, in welchem Umfang. Sie können ihre Produkte kundengerechter entwickeln oder ihre Vertriebssteuerung effizienter gestalten. Sie erfahren mehr über ihre Kunden und damit über ihre Chancen und Risi­ken.

Der Kundennutzen ist ein sehr komplexes Gebilde, das nicht einfach zu erfassen ist. Die Bedürfnisse des Kunden und die Leistungen eines Unternehmens müssen zueinander passen, wie ein Schlüssel zum Schloss. Wer die Wünsche der Kunden aus den Augen verliert, wird über kurz oder lang auch die Kunden verlieren. Menschen spüren es, wenn es das ehrliche Anliegen eines Unternehmens ist, ihnen das Leben leichter oder ange­nehmer zu machen und zu bereichern. Sie danken es durch Treue und die Bereitschaft, den Preis zu zahlen, den die Leistung oder das Produkt wert ist. Markterfolge werden durch einen überragenden Kundennutzen gemacht. Darum ist der Kunden­nutzen auch die entscheidende Größe für die Gestaltung zu­künftiger Markterfolge.

[Bild: Fotolia.com]

Artikelmarketing: Mit Fachartikeln neue Kunden gewinnen

Artikelmarketing eignet sich für jedes Unternehmen und jede Branche. Allerdings sind nur jene Autoren erfolgreich, die etwas zu sagen haben und über einen langen Atem verfügen. Hier einige Empfehlungen für erfolgreiches Artikelmarketing:

Wählen Sie einen aussagekräftigen Titel

Der Titel ist ein sehr wichtiges Element beim Artikelmarketing. Warum? Wer sich heutzutage über ein Thema informieren will, gibt ein oder mehrere Keywords in eine Suchmaschine ein. Diese liefert dann die passendsten Ergebnisse. Ihr Ziel als Autor sollte deshalb sein, mit Ihrem Artikel ganz oben in der Linkliste zu erscheinen und entsprechend viele Zugriffe zu erhalten. Wie erreichen Sie das? Indem Sie die wichtigsten Schlüsselwörter zu Ihrem Thema in den Titel einbauen, und zwar am besten gleich am Anfang der Überschrift. Um passende Begriffe zu finden, können Sie auch ein Research Tool nutzen.

Aber der Titel sollte nicht nur die Suchmaschinen, sondern auch den Nutzer ansprechen. Das heißt: Der Leser soll schnell erkennen, was ihm der Artikel bietet und er soll sich zur Lektüre eingeladen fühlen. Dazu eignen sich Formulierungen wie „Die besten Tipps für …“ oder „Fünf Empfehlungen für …“ besonders gut – sie versprechen wertvolle Informationen, verständlich aufbereitet.

Einige Beispiele:

  • Milchproduktion: Wie Ihre Kühe doppelt so viel Milch geben
  • Zehn Tipps für Bewerbungsgespräche
  • Zukunftsvorsorge: Warum Sie noch heute damit beginnen sollten
  • Stock Picking – die fünf erfolgreichsten Strategien

Liefern Sie überzeugenden Inhalt

Das Motto lautet: „Content is key“. Bringen Sie nur solche Inhalte, die wirklich nützlich für die Leser sind. Geben Sie Praxistipps, plaudern Sie aus der Schule. Bieten Sie eine neue Sicht auf ein altes Problem, beschreiben Sie ungewöhnliche Lösungen. Der Leser muss immer das Gefühl haben, dass er etwas Neues lernt.  

Finden Sie heraus, welche Themen Ihre Kunden besonders interessieren. Welche Antworten suchen sie, welche Begriffe googeln sie? Versuchen Sie, die Fragen der Leser zu erahnen und eingehend zu beantworten. Schreiben Sie so, als ob Sie sich mit einem Interessenten unterhalten würden.

Und was ist mit den Keywords? Selbstverständlich sollten Sie auch Schlüsselwörter einbauen – Sie wollen ja schließlich auch den Suchmaschinen Futter geben. Im Idealfall stoßen die Nutzer beim Suchen nach bestimmten Begriffen gleich auf Ihren Artikel. Doch bei aller Relevanz der Keywords – der Inhalt ist wichtiger. Denn was nützt ein Text, der mit Schlüsselwörtern gespickt ist, aber dem Leser nichts Neues bietet?

Machen Sie keine Werbung

Denken Sie daran: Es geht um den Leser und seine Bedürfnisse, nicht um Ihr Unternehmen und Ihr Produkt. Wenn Sie den Leser nicht vergraulen wollen, dann bieten Sie ihm praktische Hilfestellung und vermeiden Sie plumpe Werbung.

Sprechen Sie den Leser direkt mit „Sie“ an. Damit zeigen Sie, dass Sie seine Unsicherheiten und Nöte verstehen. Sie signalisieren, dass Sie auf seiner Seite sind – der Leser vertraut Ihnen.

Ziel des Artikelmarketings ist nicht, Ihr Angebot zu bewerben, sondern Ihr Wissen weiterzugeben. Indem Sie Ihr Wissen vermitteln, steigern Sie Ihre Expertise und werden glaubwürdiger. Und in der Folge erhalten Sie mehr Aufträge.

Schreiben Sie einfach und verständlich

Wie für alle guten Texte gilt: Schreiben Sie verständlich und vermeiden Sie – so weit wie möglich – Fremdwörter und Fachsprache. Drücken Sie sich so aus, dass Sie der Durchschnittsleser versteht. Denn Sie schreiben weder für eine wissenschaftliche Vereinigung noch für einen literarischen Zirkel. Bringen Sie Beispiele aus dem Berufsalltag und berichten Sie über persönliche Erfahrungen – das macht Ihren Text lebendig.

Vergessen Sie nicht auf die Autoreninfo

Sie ist unverzichtbar und wird dennoch oft vergessen: die Autorenbox am Ende des Artikels. Diese kleine Autorenbiografie zeigt dem Leser, wer Sie sind, was Sie machen und wie man Sie erreichen kann. Gestalten Sie den Text kurz, griffig und ohne Selbstbeweihräucherung.

Ein Tipp: Betrachten Sie die Autoreninfo als „Elevator Pitch“ [179] . Beschreiben Sie in ein bis drei Sätzen, was Sie einzigartig macht. Und noch ein Tipp: Bringen Sie den Leser durch kostenlose Angebote dazu, gleich Ihre Website zu besuchen: „Auf meiner Website finden Sie noch mehr Infos über chinesische Verhandlungstaktiken.“

Veröffentlichen Sie regelmäßig

Einmal ist keinmal: Erwarten Sie nicht gleich dutzende Anfragen nach der ersten Artikel-Veröffentlichung. Auch nicht nach der zweiten. Artikelmarketing ist eine mittel- bis langfristige Investition. Nur, wenn Sie regelmäßig interessante Beiträge veröffentlichen, bleiben Sie bei Ihrer Zielgruppe im Gedächtnis und werden dann kontaktiert, wenn Ihre Leistungen gebraucht werden. Pflegen Sie deshalb diese Aufmerksamkeit sorgfältig.

Verwerten Sie Ihre Artikel mehrfach

Stellen Sie Ihre Beiträge nicht nur in Experten-Plattformen und ähnlichen Artikelverzeichnissen ein. Verwenden Sie Ihre Texte auch für Blogposts, White Papers, eBooks und vielleicht sogar als Grundlage für Podcasts. Nutzen Sie auch Foren und Newsgroups. Und natürlich die guten, alten Printmedien: Branchenmagazine, Kammerzeitschriften, Verbandsnachrichten usw.

Vergessen Sie auch nicht, auf neu veröffentlichte Artikel hinzuweisen. Bewerben Sie neue Texte auf Ihrem Blog, Ihrer Website oder in Ihrer Email-Signatur.

Und: Erlauben Sie auch anderen Autoren, Ihre Artikel zu verwenden – etwa in deren eBooks oder Newsletter. Geben Sie dazu Ihre Texte zur kostenlosen Nutzung unter Nennung Ihres Namens und Weblinks frei: „Sie können diesen Artikel honorarfrei auf Ihrer Website, in Ihrem Newsletter oder anderen Online-Medien verwenden. Bitte geben Sie mich als Autorin an und verlinken Sie auf meine Website.“

Sie werden sehen: Gut geschriebene Artikel mit nützlichen Tipps verbreiten sich auch von selbst. Sie werden von anderen Experten-Plattformen aufgegriffen, von Bloggern und Business-Netzwerken – ganz ohne Ihr Zutun und zeitlich unbegrenzt.

Hinweis

Sie haben auch auf www.business-wissen.de die Möglichkeit, Gastbeiträge zu veröffentlichen. Näheres erfahren Sie in der Rubrik Gastautor werden [180] .

[Bild: Fotolia.com]

Online-PR: Neue Wege für Public Relations im Internet

Mit Online-PR bezeichnet man sämtliche Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die im oder über das Internet unternommen werden, um Zielgruppen zu erreichen. Dazu zählen Einträge in den Suchmaschinen und Web-Verzeichnissen genauso, wie Presseveröffentlichungen auf Portalen oder Fachbeiträge in Newsletter und Online-Publikationen.

Obwohl sich die grundsätzlichen Maßnahmen der Online-PR weitgehend mit denen der klassischen PR decken, zum Beispiel Themenauswahl, Recherche, Produktion von Inhalten und Redaktion, erfordert die Umsetzung andere Wege und Methoden. Insbesondere die neuen Kommunikationswege und Medien wie Weblogs, Wikis oder Podcasts stellen andere Anforderungen an die Inhalte und die Gestaltung von Veröffentlichungen.

Die wichtigsten Online-PR Maßnahmen:

  • Eintrag in Web-Kataloge, Link- und Bookmark-Verzeichnisse sowie Suchmaschinen.
  • Regelmäßige Veröffentlichung der Pressemitteilungen auf der eigenen Website.
  • Einrichtung eines Online-Pressecenters zur Bereitstellung von Pressetexten,  weiter-führenden Presseinformationen sowie reprofähigen Bildern zum Download.
  • Veröffentlichung von Pressemitteilungen über Online Presseportale: direkte (und teil-weise sogar kostenlose) Verbreitung von Pressemitteilungen auf Nachrichten-Portalen und in News-Streams.
  • Veröffentlichung von redaktionellen Fachbeiträgen in themenrelevanten Newsletter und Online-Magazinen.
  • Bereitstellung und Veröffentlichung von Pressemitteilungen als RSS-Feed.
  • Erstellung oder Teilnahme an Newsgroups, Mailinglisten, Foren oder Social Communities zu relevanten Fachthemen.
  • Entwicklung eines Corporate Weblogs bzw. Beteiligung an anderen themenrelevanten Blogs in Form von Presseinformationen, Fachbeiträgen, Kommentaren oder Stellung-nahmen.
  • Entwicklung von themenspezifischen Twitter-Threads (Tweets)
  • Bereitstellung von Informationen und Inhalten als Podcasts.
  • Teilnahme an themenrelevanten Wikis beziehungsweise Erstellung von Fachbeiträgen zu relevanten Themen in Wikipedia und anderen Artikel- und Fachverzeichnissen.

Mit Online-PR zur Direkt- und Dialog-PR

In der klassischen Pressearbeit werden Pressemitteilungen über eigene Presseverteiler oder Nachrichtendienste verschickt. Eine tatsächliche Veröffentlichung ist damit jedoch nicht garantiert. Vielmehr entscheiden Journalisten und Redakteure, welche Nachrichten in welcher Form in welchem Medium erscheinen.

Das Internet bietet zahlreiche neue Medien, über die Pressemitteilungen, Nachrichten und Informationen direkt und unmittelbar veröffentlicht werden können. Dabei richten sich die veröffentlichten Texte jedoch auch an eine veränderte Zielgruppe. Während die klassische Pressemitteilung bisher in erster Linie für Journalisten und Redakteure als Mittler gedacht war, adressieren die veröffentlichten Texte im Internet auch die angesprochenen Kunden-Zielgruppen direkt.

Suchmaschinen-PR

Der wichtigste Weg, Online-Zielgruppen zu erreichen, ist die Suchmaschine. Über 87 Prozent der Internet-Nutzer nutzen regelmäßig Suchmaschinendienste, um an relevante Informationen im Internet zu gelangen. Wer in den Suchmaschinen nicht gefunden wird, ist im Internet quasi nicht existent. Etwa zwei Drittel des Rankings einer Website in den Suchmaschinen werden dabei durch Online-Maßnahmen außerhalb der eigenen Website beeinflusst (Offpage-Optimierung). Dazu zählen insbesondere Marketing und PR-Maßnahmen im Internet. Dabei spielen die Methoden der Online-PR besonders deshalb eine entscheidende Rolle, weil sie für eine dauerhafte und nachhaltige Reichweite und somit für langfristige Erfolge im Internet sorgen können.

Online-PR Medien sind ideale Instrumente, um mehr Reichweite in den Suchmaschinen zu erzielen, denn sie erfüllen, richtig eingesetzt, die beiden wichtigsten Kriterien für die Suchmaschinen:

  1. Qualifizierte Inhalte (Content) und Relevanz der Inhalte zu bestimmten Suchworten (Keywords) sowie
  2. Anzahl und Qualität der Verlinkung von anderen Websites auf die eigene Website.

Qualifizierte Inhalte sind die klassische Domäne von PR-Profis. Verlinkung entsteht durch Veröffentlichung auf möglichst vielen Websites.  Aus diesem Grund ist Suchmaschinenoptimierung (SEO) ein wesentliches Thema für die PR und die Online-PR ein wesentliches Erfolgkriterium, um Reichweite in den Suchmaschinen zu erzielen.

Wie kommt man mit PR in die Suchmaschinen?

Suchmaschinen arbeiten für Menschen. Menschen suchen Inhalte und Suchmaschinen suchen Inhalte für Menschen. Die Suchmaschinen-Robots durchforsten das Internet kontinuierlich nach neuen Inhalten und aktuellen Informationen zu bestimmten Themen und nehmen die gefundenen Websites mit bestimmten Suchbegriffen (Keywords) in ihren Index auf. Dabei bewerten die Suchmaschinen die Inhalte nach Relevanz und vergeben ein entsprechendes Ranking für die Suchergebnisse.

Suchmaschinen lieben Text

Pressemitteilungen und Veröffentlichungen sind ideale PR-Instrumente, um zur richtigen Zeit von der richtigen Zielgruppe in den Suchmaschinen gefunden zu werden, denn Suchmaschinen lieben Text.

Pressemitteilungen und Veröffentlichungen sind aktuell und enthalten viel redaktionellen Text. Sie sind damit per se schon ein ‚gutes Futter’ für die Suchmaschinen. Gut geschriebene Texte, mit relevanten Inhalten und Schlüsselbegriffen zu bestimmten Themen, bieten daher eine gute Grundlage für die Suchmaschinenoptimierung mittels Online-PR.

Keywords are King

Die Verwendung suchmaschinenrelevanter Schlüsselbegriffe ist im Online-Marketing längst kein Geheimnis mehr, in der Online-PR wird davon jedoch noch wenig Gebrauch gemacht. Doch nur was gesucht wird, kann auch gefunden werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, in den eigenen Veröffentlichungen vor allem Schlagworte zu verwenden, mit denen sich die potenziellen Zielgruppen auch identifizieren können. Dabei können sogenannte Schlagwortgeneratoren (Keyword Generatoren), die auch von Suchmaschinenoptimierern eingesetzt werden, eine gute Unterstützung bieten.

Sind die themen- und zielgruppenrelevanten Schlagworte gefunden, gilt es, sie in der gesamten Online-PR Strategie durchgängig und wiederholt einzusetzen. Dazu zählen Web-Texte auf der Homepage, Presseveröffentlichungen, redaktionelle Beiträge auf Themenportalen und auch Beiträge in Blogs und Foren.

Gut verlinkt ist halb gefunden

Wenn viele Webseiten eine thematische Verlinkung zur eigenen Website aufgebaut haben, ist dies ein Indiz für die Suchmaschinen, dass die verlinkte Seite eine gewisse Relevanz zu dem gesuchten Thema aufweist. Je mehr fremde Websites auf die eigene Website verlinken, desto höher gewichtet sich die Relevanz. Dabei zählt nicht nur die Anzahl der Links, sondern auch deren Qualität. Je höher der Page Rank (Ranking einer Website durch Google, entsprechend einer Skala von 1-10) der Website ist, von der ein Link kommt, desto besser ist diese Verlinkung für das Ranking der eigenen Website. Neben Einträgen in Suchmaschinen, Web-Katalogen, Social Networks und Bookmark-Verzeichnisse, erzielt man die besten Verlinkung in Form von Veröffentlichungen über Pressemitteilungen und Fachbeiträgen im Internet. 

Publizieren im Internet: Online-Presseportale

Die beste thematische Verlinkung entsteht durch Veröffentlichung von interessanten Informationen auf möglichst vielen relevanten Websites. Online-Presseportale bieten eine gute Möglichkeit für eine einfache Verbreitung von Pressemitteilungen. Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Presseportalen, die Pressemitteilungen im Internet veröffentlichen, viele davon sogar kostenlos. Mit einer direkten Selbstveröffentlichung lassen sich Informationen gezielt steuern und langfristig ein aktives Reputation Management in den Online-Medien aufbauen.

Presseportale stehen bei den Suchmaschinen hoch im Kurs, da sie kontinuierlich aktuelle und qualifizierte Contents generieren und somit von den Suchmaschinen-Robots häufig besucht und neu indiziert werden. Die Web-Adressen aus den Kontaktinformationen liefern qualifizierte Backlinks und die Pressearchive machen die Presseinformationen dauerhaft verfügbar.

Pressetexte enthalten aktuelle Informationen und werden daher gerne von den Suchmaschinen-Robots aufgenommen. Die Kontaktinformationen in den Pressemitteilungen beinhalten einen direkten Link auf die Unternehmens-Website (Backlink). Die Veröffentlichung von Pressemitteilungen auf einer Vielzahl von Presseportalen erhöht die Reichweite und optimiert nachhaltig das Ranking in den Suchmaschinen. Presseportale sind daher ein wesentlicher Baustein in der Online-PR.

Vorteile von Presseportalen im Internet:

  • Pressemitteilungen auf News-Portalen lösen zunehmend klassische Tageszeitungen als wichtigste Nachrichtenquelle ab.
  • Presseportale erreichen traditionelle und neue Medien: Sie sind Informationsquellen für Journalisten und Konsumenten gleichermaßen.
  • News-Portale genießen hohe Anerkennung bei den Suchmaschinen (Content-Faktor:  aktuelle und qualitativ hochwertige Informationen).
  • Veröffentlichungen auf News-Portalen erzeugen gute Backlinks – je mehr Portale, desto mehr Backlinks.
  • Höhere Reichweite, bessere Suchmaschinenergebnisse, besseres Ranking.
  • Archivierung der Meldungen über lange Zeit: nachhaltige Suchmaschinen-Effekte.
  • Umgehen des Redaktionsfilters: Direkte und unmittelbare Veröffentlichung = Direkte Einflussnahme auf Inhalt und Art der Veröffentlichung.
  • Direkt-PR: Direkte Ansprache von Medienkontakten und Kunden.

Egal wie klein oder groß das Marketing-Budget ist, die Veröffentlichung von Pressemitteilungen auf den kostenlosen Portalen sollte für jedes Unternehmen Pflicht sein. Wer ein größeres Budget zur Verfügung hat, kann zusätzlich auch noch gezielt kostenpflichtige Verteiler nutzen, da diese in der Regel noch über weitere Verteiler und Medienkontakte verfügen.

Die große Anzahl an kostenlosen Portalen bietet auch kleineren Unternehmen die Möglichkeit, von einer sehr günstigen Medienpräsenz zu profitieren. Wer diese Art der kostenlosen PR nutzen möchte, sollte seine Pressemitteilungen auf möglichst vielen Presseportalen veröffentlichen. Das erfordert durchaus einiges an Zeit und Aufwand, denn die meisten Portale erfordern zunächst eine Registrierung und auch die Eingabemasken sind meist sehr unterschiedlich aufgebaut. Der Software-Dienst PR-Gateway [181] beispielsweise übernimmt die Mehrfacherfassung und ermöglicht eine Veröffentlichung per Klick auf beliebigen Portalen.

[Bild: Fotolia.com]

Werbeträger: Das Werben in Verzeichnismedien lohnt sich

Wie die Studie des [vdav] – Verband Deutscher Auskunfts- und Verzeichnismedien e.V. zeigt, sind Auskunfts- und Verzeichnismedien - also Telefon- und Adressbücher, B2B-Informationen (Business-Suchmaschinen / Wirtschaftnachschlagewerke) sowie Lokale Suchportale - unverzichtbar für die Kommunikation zwischen Menschen und Firmen. Die Ende 2008 nun zum achten Mal durchgeführte Erhebung des Marktforschungsinstituts Ipsos fand heraus, dass knapp 60 Millionen Deutsche (91 Prozent der über 14-Jährigen) Verzeichnismedien zur Suche nach Personen- und Firmenadressen nutzen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist damit die Nutzung konstant geblieben.

Vor allem die Werbung in gedruckten Verzeichnismedien ist Erfolg versprechend. Immerhin drei von vier Bundesbürgern (74 Prozent) nutzen sie zur Recherche. [vdav]-Geschäftsführer Rhett-Christian Grammatik berichtet:

„Damit sind die gedruckten Verzeichnisse vieler Unkenrufe zum Trotz lebendig wie eh und je und konnten bisher auch nicht von Suchmaschinen wie Google & Co. verdrängt werden.“

Neben Büchern spielen elektronische Verzeichnismedien zunehmend eine große Rolle. 37 Prozent der Befragten rufen die Telefonauskunft an, und mehr als ein Viertel geht ins Internet, wenn Firmen, Dienstleister und Personen gesucht werden. Und auch neueste technische Entwicklungen machen vor dieser Mediengattung nicht halt. Verzeichnismedien werden von 16 Prozent der Befragten auch mit dem Handy, PDA oder Navigationsgerät aufgerufen.

Nutzung von Verzeichnismedien 2008 gesamt; Netto-Werte stationäre und/oder mobile Nutzung, bei der gedruckten Form nur stationäre Nutzung. Ipsos November 2008. Grafik [vdav]

Werberelevante Zielgruppe mit hohem Potenzial

Wer welche der verschiedenen Mediengattungen nutzt, hängt stark von Alter, Einkommen und Schulbildung der Befragten ab. Internetnutzer von Verzeichnismedien sind zumeist jünger, besser gebildet und verfügen über ein hohes Einkommen.

In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen nutzen 37 Prozent Verzeichnismedien im Internet (alle Befragten: 26 Prozent); bei den Jüngeren (bis 34 Jahre) sind es sogar 43 Prozent. In der jüngeren Altersgruppe sind auch die sogenannten Exklusiv-Nutzer online überdurchschnittlich vertreten:
52 Prozent sind unter 30 Jahre alt. Außerdem haben sie ein markantes Bildungsprofil: 75 Prozent haben eine weiterführende Schule besucht (alle Befragten: 54 Prozent). Online-Nutzer beschränken sich bei der Suche nach Adress- und Brancheninformationen jedoch nicht nur auf ein Medium. 62 Prozent schauen auch regelmäßig ins gedruckte Verzeichnis, 27 Prozent nutzen mobile Endgeräte.

Attraktive Werbeträger

Verzeichnismedien werden in erheblichem Umfang für die Recherche nach gewerblichen Adressen genutzt. Mehr als drei von vier Bundesbürgern tun dies (77 Prozent). In ähnlicher Größenordnung wird nach Privatpersonen recherchiert (73 Prozent). Dabei unterscheidet sich die genutzte Medienform. Bei der geschäftlichen Recherche überwiegen Telefonauskunft, CD-ROM und mobile Endgeräte; bei privaten Suchanlässen wird am häufigsten das Buch genutzt. Beim Internet sind die Nutzungswerte fast identisch.

„Die Ipsos-Erhebung beweist erneut, dass Auskunfts- und Verzeichnismedien fest im Alltag der Deutschen verankert sind“,

konstatiert Rhett-Christian Grammatik. Diese Medien genießen hohes Ansehen und zeichnen sich aus Sicht der Mehrheit der Nutzer durch einfache, praktische Handhabung aus (82 Prozent). Der [vdav]-Geschäftsführer weiß:

„Wer darin wirbt, hat gute Chancen, dass sich die Werbekosten mehrfach amortisieren."

Hier können Sie die vollständige Studie kostenfrei herunterladen:

Studie zur Nutzung von Auskunfts- und Verzeichnismedien 2008 [182]

[po; Quelle: Verband Deutscher Auskunfts- und Verzeichnismedien e.V.; Bild: Claudia-Hautumm - pixelio.de]

Namensgebung: Den besten Namen für das Unternehmen und die Produkte finden

Nach neuesten Erkenntnissen einer Studie der University of Michigan, die in der Zeitschrift „Psychological Science“ veröffentlicht wurde, werden Produktnamen, die schwierig auszusprechen sind, von den Kunden als riskanter eingeschätzt. Leichte Aussprache schaffe hingegen schneller Vertrauen. Sie sind leichter verständlich, bleiben in Erinnerung, passen zur Erfahrung und wirken weniger gefährlich.

Namen haben immer etwas Assoziatives, deshalb sollten sie für Produkte und Dienstleistungen stets gut überlegt sein. Joachim Schaffer schreibt in seinem Buch Werbewirksame Namen leicht gemacht [183] dazu folgendes:

„Oft wissen wir allerdings gar nicht, welche Assoziationen, Emotionen und schließlich auch (Kauf-) Handlungen bestimmte Namen bei uns auslösen. [...] Doch wenn wir genau hinschauen, können wir uns das Reich des Unbewussten zugänglich machen und mit großer Spannung erforschen – vorausgesetzt, wir stellen uns unserem eigenen Unbewussten.“

Erste Schritte zur Namensfindung

Eine Name, der so bedeutungsvoll ist und für den Erfolg eines Produktes oder eines Unternehmens verantwortlich ist, sollte mit Ruhe und Gewissenhaftigkeit gewählt werden. Nehmen Sie sich Zeit dafür und entscheiden Sie nichts nebenbei oder zwischendurch. Namen haben die gleiche Berechtigung und Wichtigkeit wie beispielsweise Umsatzziele und Kostenoptimierung.

Eine positive Stimmung sowie genügend Energie helfen dabei, auf den richtigen Namen zu kommen. Am besten Sie nutzen noch die kollektive Schöpfungskraft des Teams. Denn je mehr Ideen und Input, desto mehr Auswahl. Die Chance, den passenden Namen zu finden, steigt mit der Anzahl an guten Namensideen.

Damit die Ideen so richtig fließen können, müssen Sie den Kopf freibekommen. Dies können Sie zum Beispiel mit einem Spaziergang erreichen. Ein Brainstorming kann dazu beitragen, alle Ideen zu sammeln. Nach der Ideensammlung wählen Sie am besten die drei Favoriten aus. Diese nehmen Sie dann genauer unter die Lupe.

Hinweis

Weitere Tipps zur Ideenentwicklung finden Sie hier:

Kreativität: Rahmenbedingungen und Methoden für erfolgreiche Ideenentwicklung [184]

Abmahnung: So reagieren Sie professionell auf Abmahnungen des Wettbewerbs

Es gibt eine Vielzahl möglicher Gründe, warum Sie eine Abmahnung erhalten können. Die gängigsten:

  • Hinweis auf eine fehlende Datenschutzerklärung
  • AGBs, die verbraucherunfreundlich sind oder den Verbraucher benachteiligen
  • Fehlerhaftes Impressum auf der Webseite
  • Fehlende oder mangelhafte Widerrufsbelehrung
  • Fehlende Hinweise nach der Verpackungsverordnung

Hinweis

Seit 1. Januar 2009 regelt die neue Verpackungsverordnung (VerpackV), dass ein Internethändler, der Verpackungen an seine Kunden versendet, diese bei einem Entsorger registrieren lassen muss. Werden Verpackungen versendet, die nicht registriert sind, ist mit wettbewerbsrechtlichen Abmahnungen zu rechnen.

Mehr dazu: Neue Verpackungsverordnung - Was Sie als Internethändler beachten müssen [185]

Warum überhaupt Abmahnungen?

Abmahnungen haben den Zweck, im Vorfeld gerichtliche Streitigkeiten zu vermeiden. Verstöße gegen zum Beispiel wettbewerbsrechtliche oder urheberrechtliche Vorschriften sollen außergerichtlich beigelegt werden. Ein Unternehmen, das seine Rechte im Wettbewerb oder als Urheber durch das Verhalten eines anderen Unternehmens verletzt sieht, kann abmahnen. Es fordert den Widersacher dazu auf, ein bestimmtes, Recht verletzendes Verhalten zu unterlassen, weil es sich dadurch geschädigt sieht. Kommt das abgemahnte Unternehmen dem nicht nach, wird mit der Abmahnung angedroht, vor Gericht zu ziehen. Meistens wird vom Abgemahnten gefordert, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, mit der sich dieser verpflichtet, den Tatbestand zu beseitigen oder seine Handlungen einzustellen.

Oberstes Gebot: Bleiben Sie zunächst gelassen!

Das abmahnende Unternehmen beauftragt einen Rechtsanwalt damit, die Abmahnung zu schreiben und gegen das andere Unternehmen vorzugehen. Der Anwalt stellt seine Kosten dem abgemahnten Unternehmen in Rechnung; das bedeutet, dass bereits mit dem ersten Abmahnschreiben Kosten entstehen.

Von sogenannten „Serienabmahnern“ hat bestimmt schon jeder etwas gehört. Das sind in den meisten Fällen Anwälte, die beispielsweise Internet-Händler wegen angeblicher Fehler beziehungsweise fehlender Hinweise auf deren Webseite abmahnen. Da nur Wettbewerber abmahnen können, brauchen diese Anwälte ein „Strohmann-Unternehmen“, in dessen Namen sie auftreten. Tatsächlich geht es nur darum, saftige Abmahngebühren zu kassieren.

Der eine oder andere mag aufgrund dieser Vorfälle vielleicht absichtlich nicht auf eine ins Haus flatternde Abmahnung reagieren, doch das wäre falsch und mitunter sogar fatal. Abmahnungen sollten – auch wenn sie sich im Nachhinein vielleicht als haltlos erweisen – immer ernst genommen werden. Trotzdem sollten Sie zunächst einmal gelassen bleiben und nicht sofort die Gegenseite, also den Abmahner, kontaktieren. Der ist sich seiner Sache nämlich sicher, sonst hätte er sich erst gar keine Arbeit gemacht. Hinzu kommt: Abmahnungen bedürfen keiner besonderen Form. Selbst formale Fehler führen nicht automatisch zu einer Unwirksamkeit der Abmahnung. Logisch dürfte aber sein, dass Abmahnungen aus Beweislastgründen immer schriftlich erfolgen.

Formalien: So erkennen Sie eine Abmahnung

Ein Abmahnschreiben, egal ob per Brief, Fax oder E-Mail, sollte gewöhnlich aus folgenden formellen Bestandteilen bestehen:

  • Anschrift und Name der abmahnberechtigten Person; in den meisten Fällen bekommen Sie Post vom Anwalt, der für den Betroffenen handelt.
  • Abmahnberechtigt sind in den meisten Fällen direkte Wettbewerber (Wettbewerbsrecht) oder Urheber, die eine unrechtmäßige Verwendung ihres Werkes (Urheberrecht) beklagen.
  • Verständliche Beschreibung der konkreten rechtswidrigen Handlung, die abgemahnt wird.
  • Hinweis auf das Abgeben einer sogenannten strafbewehrten Unterlassungserklärung durch den Abgemahnten (liegt meist als Musterschreiben der Abmahnung bei).
  • Reaktionszeit für den Abgemahnten, um sich Rechtsberatung einholen zu können.
  • Androhung eines eventuellen nachfolgenden gerichtlichen Verfahrens.

Abmahnung erhalten: Was tun?

Grundsätzlich haben Sie verschiedene Möglichkeiten, auf eine Abmahnung zu reagieren.

Möglichkeit eins: Sie reagieren gar nicht

Dies sollten Sie nur dann tun, wenn Sie sich absolut sicher sind, dass die Abmahnung ungerechtfertigt ist. Trotzdem sollten Sie sich in diesem Fall mit einem qualifizierten Rechtsanwalt, der auf Online-Recht oder gewerblichen Rechtsschutz spezialisiert ist, absprechen. Doch Vorsicht: Eine Nichtreaktion Ihrerseits oder eine Verstreichung der Reaktionsfrist führt in der Regel immer automatisch zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung.

Möglichkeit zwei: Sie gehen aktiv gegen die Abmahnung vor

Zunächst können Sie prüfen, ob es sich lohnt, eine Gegenabmahnung anzubringen, indem Sie Ihrerseits nach rechtlichen Verstößen auf der Webseite des Abmahnenden suchen. Vorteil: Es stärkt Ihre Verhandlungsposition. Kommen Sie mit anwaltlicher Hilfe zu dem Schluss, dass die Abmahnung ohne rechtlichen Anspruch erfolgt ist, können Sie die so genannte negative Feststellungsklage erheben. Hierin halten Sie fest, dass dem Abmahnenden kein Anspruch auf die Abgabe der in der Abmahnung enthaltenen Unterlassungserklärung zusteht. Der Vorteil dabei: Die Beweislast wird umgedreht und ist vom Abmahnenden zu tragen.

Möglichkeit drei: Sie unterzeichnen die Unterlassungserklärung

Egal, ob die Abmahnung gerechtfertigt ist oder nicht: Sobald Sie die strafbewehrte Unterlassungserklärung unterzeichnen, verpflichten Sie sich, die beanstandete Rechtsverletzung künftig nicht mehr zu begehen. Gleichzeitig verpflichten Sie sich, als eine Art Vertragsstrafe eine Geldsumme (bestimmt oder unbestimmt) zu entrichten, falls Sie die Rechtsverletzung erneut begehen.

Möglichkeit vier: Hinterlegung einer Schutzschrift

Möchten Sie die Unterlassungserklärung nicht unterzeichnen, parallel dazu aber in einer mündlichen Verhandlung ihre Argumente darlegen, können Sie eine sogenannte Schutzschrift hinterlegen. Dabei erklären Sie dem Gericht die Gründe, die gegen eine einstweilige Verfügung sprechen, die ansonsten bei einer Nichtunterzeichnung der Unterlassungserklärung erlassen worden wäre.

Die IHK Frankfurt/Main hat auf ihrer Webseite folgendes Muster einer Unterlassungserklärung aufgeführt:

Fa. XXX verpflichtet sich - ohne Anerkennung einer Rechtspflicht, aber rechtsverbindlich - gegenüber ...

(hier Abmahner eintragen)

1. es ab sofort zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr und zu Zwecken des Wettbewerbs ...

(Wettbewerbsverstoß eintragen)

beispielsweise wie folgt zu werben:

(konkreten Text der Werbung - soweit wettbewerbswidrig - hier eintragen)

2. für den Fall einer zukünftigen schuldhaften Zuwiderhandlung eine vom Unterlassungsgläubiger nach billigem Ermessen festzusetzende, im Streitfall von der zuständigen Gerichtsbarkeit zu überprüfende Vertragsstrafe

an den/die ... (Abmahner eintragen) zu zahlen.

3. Die Unterlassungserklärung wird unter der auflösenden Bedingung einer allgemein verbindlichen, d. h. auf Gesetz oder höchstrichterlichen Rechtsprechung beruhenden Klärungen des zu unterlassenden Verhaltens abgegeben.

(Ort, Datum, Unterschrift)

[dw; Bild: gradt - Fotolia.com]

Marketingstrategie: Das Herkunftsland als Verkaufsargument einsetzen

Die Studie „Swissness Worldwide“ der Universität St.Gallen mit der htp St.Gallen und McCann Erickson analysiert die Wahrnehmung schweizerischer und deutscher Produkte im weltweiten Vergleich und zeigt auf Basis einer weltweiten Befragung die Chancen und Risiken für Unternehmen auf.

Relevanz des Country-of-Origin-Effekts

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Verbraucher in der heutigen Situation der übermäßigen Angebotsvielfalt Vereinfachungsstrategien anwenden. Beispielsweise wird das Herkunftsland der Produkte als Entscheidungshilfe herangezogen. Dieses auch als Country-of-Origin-Effekt bezeichnete Phänomen, wonach das Herkunftsland von Produkten und Leistungen die Produktbewertung und das Kaufverhalten beeinflussen, konnte bereits Schooler 1965 empirisch belegen. Ähnlich wie der Preis eines Produktes, dient dabei das Land als Qualitätsindikator und wichtiges Kaufkriterium.

Aus Sicht der Unternehmen und insbesondere des Marketingmanagements stellt sich folglich die Frage, ob und unter welchen Bedingungen die Verwendung des Herkunftslandes von Produkten und Leistungen erfolgversprechend ist. Ziel dieses Artikels ist es, die aus der internationalen Studie "Swissness Worldwide" gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich der weltweiten Wahrnehmung schweizerischer und deutscher Produkte und Dienstleistungen vorzustellen, sowie konkrete Handlungsempfehlungen für eine wirksame Verwendung von "Swissness" beziehungsweise "Germanness" zu geben.

Starke Marken Schweiz und Deutschland

Die «Nation Brands» Schweiz und Deutschland sind wertvoll - nicht nur im Land selbst, sondern auch im Ausland. Produkte und Dienstleistungen aus der Schweiz wie aus Deutschland werden weltweit äusserst positiv wahrgenommen. Während in Deutschland das „Made in Germany“ im Zuge der Internationalisierung von Produktionsstrategien in den letzten beiden Dekaden immer weniger eingesetzt wird, setzen Unternehmen aus der Schweiz vermehrt auf ihre Herkunft und profitieren von dem positiven
«Image-spill-over» auf die eigenen Leistungen.

Die Frage nach dem Gesamteindruck von Produkten und Dienstleistungen aus zwölf ausgewählten Benchmark-Ländern zeigt, dass offensichtlich eine Dreiklassengesellschaft existiert (siehe Abbildung 1). Während Produkte und Dienstleistungen aus der Schweiz, Deutschland und Japan als hervorragend eingestuft werden, ist die Beurteilung von Produkten und Dienstleistungen aus den USA, Grossbritannien, Österreich, Frankreich und Italien bereits erheblich schlechter. Deutlich abgeschlagen sind die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China).

Abbildung 2 zeigt, dass Produkte und Dienstleistungen aus der Schweiz sowie auch aus Deutschland internationale Spitzenqualität attestiert wird. Auch genießen Güter beider Länder höchsten internationalen Respekt. Sie werden darüber hinaus als sympathisch wahrgenommen und stehen für Zuverlässigkeit, Vertrauenswürdigkeit sowie Tradition.

Unterschiede liegen zum Beispiel bei der Beurteilung der technologischen Hochwertigkeit und der Innovativität. Im Vergleich zu deutschen Produkten und Dienstleistungen werden Erzeugnisse aus der Schweiz in der Welt diesbezüglich etwas schlechter wahrgenommen.

Schweizer Produkte und Dienstleistungen werden andererseits als besonders luxuriös und exklusiv wahrgenommen und rangieren in dieser Kategorie deutlich vor ihren deutschen Konkurrenten. Analog hierzu werden Schweizer Produkte und Dienstleistungen als wenig preisgünstig angesehen. Dieses Ergebnis legt nahe, dass eine auf Swissness basierende Marketingstrategie sich insbesondere für Premiumhersteller eignet.

Abb. 1: Länderimages im Vergleich

Während ökologische Aspekte infolge eines gesteigerten Umweltbewusstseins eine zunehmend größere Rolle spielen, zeigen die Studienergebnisse, dass sowohl schweizerische wie auch deutsche Produkte und Dienstleistungen auf diesem Gebiet gut wahrgenommen werden aber gleichzeitig noch Verbesserungspotenzial existiert.

Bezieht man andere Länder in die Betrachtung mit ein, sieht man, dass japanische Produkte als technologisch besonders hochwertig, innovativ und im Trend liegend gesehen werden. Chinesische Produkte sind in erster Linie preiswert, amerikanische Produkte liegen relativ unprofiliert in der Mitte.

Abb. 2: Imageprofile von Produkten und Dienstleistungen aus der Schweiz, Deutschland, China, Japan und den USA.

Nutzung der Herkunft im Marketing in verschiedenen Branchen

Die Nutzung der Herkunft ist für Unternehmen grundsätzlich attraktiv, wenn sie Produkte oder Dienstleistungen anbieten, die mit dem Image des Landes kompatibel sind. Das heißt, dass ein Anbieter von Qualitätsprodukten im Premiumbereich von seiner Schweizer oder deutschen Herkunft profitieren kann und diese in der Kommunikation erwähnen sollte. Hingegen sollte ein Discounter, der Massenware über den Preis verkauft, speziell nicht auf diese Karte setzen.

Um bei der Vermarktung von Produkten vom Herkunftsland zu profitieren, reicht ein positives Länderimage allein aber nicht aus. Soll die Herkunft als Differenzierungsfaktor besonders glaubhaft sein, muss das entsprechende Produkt auch als landestypisch wahrgenommen werden. Es ist daher wichtig, dass die Branche, aus der eine Leistung kommt, vom Kunden gedanklich mit dem eigenen Land in Verbindung gebracht wird. Dies trifft für die Schweiz besonders stark für Uhren / Schmuck, Schokolade und Banken zu. In diesen Bereichen wird der Schweiz eine hohe Produktkompetenz beigemessen. Branchen wie die IT- und die Modeindustrie sowie der Maschinen- und Anlagenbau werden hingegen bislang nur wenig mit der Schweiz in Verbindung gebracht (siehe Abbildung 3).

Deutschland hingegen steht vor allem für seinen Maschinen- und Anlagenbau sowie für Konsumgüter, weniger für Banken oder die Hotellerie. Insbesondere für deutsche Unternehmen aus den erstgenannten Branchen empfiehlt sich daher eine Verwendung der Germanness in der Marketingstrategie. Dass dies teilweise bereits betrieben wird, zeigt die in den USA von Volkswagen laufende Werbekampagne mit dem Claim "Golf GTI – Pre-tuned by German Engineers" [186] .

Noch konsequenter in der Verwendung von Germanness ist der Druckmaschinenhersteller Heidelberg, welcher eine, vor allem in den USA, der bekanntesten und als Tourismusziel beliebtesten deutschen Städte als Firmenname verwendet, um dadurch hochwertige Qualität "Made in Germany" zu signalisieren.

Bei dieser Betrachtung ist zu berücksichtigen, dass die Wahrnehmung im eigenen Land und die weltweite Wahrnehmung in der Regel auseinanderfallen. Während die Schweizer den heimischen Maschinen- und Anlagenbau mit Unternehmen wie ABB, Bühler, Rieter, Sulzer oder Schindler als relevant wahrnehmen, ist dies im Ausland nicht der Fall. Gleiches gilt beispielsweise für die deutsche Uhrenindustrie.

Abb. 3: Assoziationen der Schweiz mit verschiedenen Branchen.

Generell muss festgestellt werden, dass die Herkunft an sich keine eigenständige Markenstrategie ist. Die Markenstrategie kann mithilfe einer Positionierungspyramide definiert werden (siehe Abbildung 4). Aufbauend auf den Motiven des Kunden beim Kauf einer Leistung werden in ihr der emotionale und rationale Nutzen („Benefits“) sowie die Markenpersönlichkeit („Brand Personality“) des Angebots definiert. Anschliessend gilt es, den Glaubwürdigkeitsbeweis („Reason to Believe“) herauszuarbeiten, also den Grund, weshalb der Kunde das Versprechen einer Marke tatsächlich glauben soll. Der USP („Unique Selling Proposition“) beschreibt, worin sich die Marke von ihrem Wettbewerb unterscheidet. Der Markenclaim („Brand Core“) fasst die Positionierung schliesslich in einem kurzen, prägnanten und für den Kunden verständlichen Satz zusammen.

Die Herkunft eines Angebots kann im Rahmen einer solchen Markenstrategie als Reason to believe eingesetzt werden. Sie unterstützt damit ein inhaltliches Versprechen wie Spitzenqualität und Zuverlässigkeit.

Abb. 4: Rolle des Country of Origin bei der Marken- und Produktpositionierung.

Markenmanagement einer Ländermarke

Kann und soll eine Ländermarke wie die Schweiz oder Deutschland gemanaged werden? Welche Aspekte wären dabei zu berücksichtigen? Ein professionelles Markenmanagement erfordert zunächst, dass eine Marke aktiv genutzt wird, weil sie andernfalls an Aktualität und somit Wert verliert. Ferner sollte die Basis der Positionierung möglichst langfristig und konsistent beibehalten werden. Gleichzeitig muss die Marke jedoch aktuell gehalten werden, um nicht zu verstauben. Am Beispiel der Markenikone Nivea kann man beispielsweise beobachten, dass die Markenbotschaft „Milde Pflege“ bereits seit den siebziger Jahren verfolgt wird, die Marke aber gleichzeitig ständig durch neue Produkte und zeitgemässe Kommunikation aktuell gehalten wird.

Die Nutzung der Herkunftsmarke Schweiz ist ein Geben und Nehmen: Unternehmen, die mit ihrer Schweizer Herkunft – sprich der Marke Schweiz – arbeiten, nutzen das Markenguthaben, das in der Vergangenheit durch die präzise Arbeit von Unternehmern wie François-Louis Cailler, Henri Nestlé, François-Louis Geigy, A.-L. Breguet oder Hans Caspar Escher aufgebaut wurde. Gleichzeitig stärken Unternehmen die Marke "Schweiz", wenn sie diese mit den beschriebenen Markenwerten konsistent verwenden. Aktuell leistet beispielsweise Ricola mit der Kampagne „Wer hat es erfunden? [187] “ einen wichtigen Beitrag.

Gleichzeitig ist es im Sinne einer langfristigen Markenentwicklung erforderlich, die klassischen Werteigenschaften der Schweiz zukunftsorientiert zu erweitern und immer neu zu beweisen. Die moderne Schweiz benötigt Spitzenleistungen im Weltmaßstab, sonst droht ein „Märchenland-Status“ [188] . Märchenwelten sind für die Tourismusbranche zwar positiv, doch für die Gesamtwirtschaft definitiv zu wenig. Sie müssen vielmehr in die moderne Industriegesellschaft übertragen und als internationale "Wertigkeit" erfahrbar werden. Schweizerische Unternehmen, die diese innovationsintensiven und zukunftsträchtigen Werte verkörpern, sollten stärker mit ihrer Herkunft auftreten, um die Schweiz als Marke zu stärken. Beispielsweise ist Logitech international für seine hohe Innovationskraft bekannt, weniger bekannt ist jedoch, dass das Unternehmen seine Wurzeln in der Schweiz hat. Von einer Verbindung der beiden Absender könnten sowohl die Konsumgütermarke Logitech als auch die Herkunftsmarke Schweiz profitieren.

Fazit

Zusammenfassend sind die Schweiz und Deutschland nach wie vor äusserst attraktive Herkunftsländer, deren Produkte ein hohes Ansehen geniessen. Allerdings zeigt die Studie auch, dass der Einsatz von Ländermarken nicht in allen Branchen und für alle Markenbotschaften gleich sinnvoll ist. In der Uhrenindustrie ist die Schweizer Herkunft so etwas wie eine Eintrittskarte und sichert das „right to play“. Auch bei Konsumgütern bietet sich der Einsatz von Swissness generell an, da das Herkunftsland beim Kauf von Konsumgütern wichtig ist und solche aus der Schweiz ein positives Image geniessen. Im Maschinen- und Anlagenbau gilt Gleiches für die deutsche Herkunftsbezeichnung.

Die Herkunft ist in allen Branchen kein Selbstzweck, sondern ein „Reason to believe“, womit gegenüber dem Kunden die Glaubhaftigkeit einer Premium-Positionierung vermittelt werden kann.

Zur Studie

Die Studie «Swissness Worldwide» wurde durchgeführt von der htp St.Gallen Managementberatung, McCann Erickson und dem Institut für Marketing und Handel der Universität St.Gallen. Die Befragung erfolgte per Internet in neun verschiedenen Sprachen (u.a. Japanisch, Mandarin, Russisch) im Frühjahr 2008. An der Umfrage nahmen über 8.000 Personen aus 66 Ländern teil. Weitere Informationen und Bestellung der Studie unter: http://www.htp-sg.ch/bestellung-swissness/ [189]

[Bild: Deminos - Fotolia.com]

Web-Design: Regeln der Gastfreundschaft gelten auch beim Internetauftritt

1. Home Sweet Home: Herzlich Willkommen

Als Gastgeber findet man Sie unter einer bestimmten Adresse. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Web-Adresse prägnant und unverwechselbar ist. Ihr Besucher merkt sich eine URL leichter, wenn sie aus den wesentlichen Elementen „Wer-bietet-was.de“ zusammengesetzt ist. Eine Adresse, die vielleicht originell erscheinen mag ist meistens schlechter zu merken.

Jeder Besucher freut sich über einen hübsch hergerichteten Vorgarten und eine Fußmatte mit der Aufschrift „Herzlich Willkommen“. Die Homepage (Einstiegsseite) Ihres Web-Auftritts ist das Aushängeschild für alle folgenden Unterseiten. Wenn der erste Eindruck eher abschreckend als einladend wirkt, wird Ihr Besucher schnell das Weite suchen. Achten Sie auf eine eindrucksvolle aber dezente und vor allem logische Präsentation Ihrer Homepage. Öffnen Sie die Haustür und zeigen Sie dem Nutzer bestimmte Schlüsselwörter, die ihm sofort anzeigen, was Sie ihm zu bieten haben.

2. Mit Rat und Tat: Suchfunktionen

Ihr Besucher hat zu Ihnen gefunden und möchte gerne mehr erfahren. Als Gastgeber bitten Sie ihn herein, stellen sich vor und halten ein wenig Small Talk. Dasselbe unternehmen Sie auf Ihrer Website.

Bieten Sie dem Online-Nutzer jegliche Hilfestellungen und Suchmöglichkeiten an, die Ihnen zur Verfügung stehen. Zeichnen Sie alle Inhalte mithilfe von aussagekräftigen Überschriften aus, formulieren Sie kurze und informative Teaser, bieten Sie Suchmasken oder Tag-Clouds an. Doch vergessen Sie nicht, Ihren Besuch gepflegt zu unterhalten. Wie wäre es mit der Integration eines Online-Videos, in dem Sie sich vorstellen? Oder bieten Sie Ihrem Gast einen RSS-Feed an, den er abonnieren kann. Teilen Sie sich mit, Ihr Besucher wird es Ihnen danken.

3. Sorgen Sie für Ordnung: Strukturierter Aufbau

Nichts ist unangenehmer als eine unaufgeräumte Wohnung, wenn sich Besuch ankündigt. Also: Putzen Sie die Fenster, bringen Sie den Müll hinaus und wischen Sie Staub. Ihre Website benötigt vor allem eine klare, strukturierte und übersichtliche Navigation. Die systematische Präsentation Ihrer Inhalte ist genauso wichtig, wie eine stringente Nutzerführung. Es irritiert Ihren Online-Besucher, wenn er immer wieder über Informationsschnipsel oder Unterseiten stolpert, die wenig mit seinem konkreten Ziel in Verbindung stehen. Alle Rubriken und Unterseiten sollten eine stringente Informationsarchitektur und eine klare Nutzerführung vorweisen.

Jeder Web-Auftritt profitiert von einer logischen und natürlichen Organisation der Informationen. Der durchschnittliche Online-Nutzer hat gelernt, wo er Informationen auf welche Weise am schnellsten finden kann. Durchbricht eine Web-Präsenz dieses gewohnte Surf-Muster, führt dies zur Irritation und im schlimmsten Fall zur Aggression.

4. Kreieren Sie eine dezente Atmosphäre: Klares Design

Ihr Besuch schaut sich nun etwas genauer bei Ihnen um. Sorgen Sie für Gemütlichkeit! Saubere und helle Räume, gemütliche Sitzecken, ein dezentes Licht, Bilder an den Wänden sowie liebevolle Einrichtungsdetails lassen jeden Gast gerne länger verweilen.

Ein klares Web-Design ist die Voraussetzung für einen gelungenen Web-Auftritt. Kreative Ansätze, die mit sorgfältig durchdachten Entwürfen kombiniert werden, legen die Grundsteine für eine ausdrucksvolle Online-Präsenz. Dabei gilt es, jedem einzelnen Seitenelement Bedeutung zukommen zu lassen. Doch bleiben Sie auch bei der Web-Gestaltung prägnant und kompakt. Content is still the king!

Natürlich können auch äußerst kreative Web-Auftritte den Besucher überzeugen. Manchmal ist das Abweichen von der Norm genau die richtige Strategie, um Aufmerksamkeit zu erzielen und den Online-Surfer aus seiner Web-Routine zu reißen. Generell gilt es, das Besondere informativ zu kommunizieren.

5. Kümmern Sie sich um Ihren Besuch: Orientierungshilfen

Ihr Besuch fühlt sich wohl, nun sucht er tiefgreifende Informationen. Leiten Sie ihn behutsam durch Ihre Räumlichkeiten. Zeigen Sie ihm, wo er Gesuchtes finden kann und wie er am schnellsten an diese Informationen kommen kann.

Moderne Web-Auftritte basieren zumeist auf XHTML und CSS und integrieren Lösungen mit AJAX. So wird nicht nur das Einpflegen der Inhalte einfacher, sondern auch das Navigieren durch den Informationspool. Mit Hilfe von AJAX lassen sich einzelne Seitenelemente im Hintergrund laden, ohne die umliegenden Inhalte zu beeinträchtigen. Dies ist vor allem für Info-Boxen, Drop-Downs oder Formulare sehr attraktiv. Zudem ist die Integration unterschiedlicher Web-Dienste, wie RSS-Feeds oder News-Ticker, problemlos möglich. Ein Web-Auftritt überzeugt durch Dynamik und Modernität. Sie sollten Bewegung in Ihre Seiten bekommen, ohne den Nutzer zu überfordern.

6. Halten Sie stets etwas Selbstgemachtes bereit: Emotionales Involvement

Wie gestalten Sie den Aufenthalt Ihres Gastes angenehm und unvergesslich? Indem Sie ein unverwechselbares Angebot präsentieren und nicht nur informativ, sondern auch emotional überzeugen.

Der USP (unique selling proposition) Ihres Online-Auftritts muss absolut zur Geltung kommen. Hier ein paar Beispiele:

  • Bieten Sie besonders exotische Artikel in Ihrem Online-Shop an, darf auch das Design der Websites etwas ausgefallener sein.
  • Sind Sie Geschäftsführer eines erfolgreichen Logistik-Unternehmens? Stellen Sie Videos über Ihren Fuhrpark oder Interviews mit Mitarbeitern „on the road“ online.
  • Verkaufen Sie eine Limonade, die besonders zur heißen Jahreszeit eine kühle Erfrischung bietet? Nutzen Sie Flash-Animationen und stellen Sie Bestellformulare für kostenlose Produktproben zur Verfügung.

Involvieren Sie Ihren Besuch sowohl intellektuell als auch emotional. So sichern Sie sich einen treuen Gast.

7. Sprechen Sie deutlich: Text- und Bild-Design

Sie unterhalten sich gerne mit Ihren Gästen und freuen sich über ein Feedback. Doch damit der Besuch sich intensiv mit Ihren Informationen und Inhalten auseinandersetzt, müssen Sie ihm klar zu verstehen geben, was Sie anzubieten haben und welche Vorteile sich daraus für ihn ergeben.

Deshalb empfiehlt es sich, Online-Texte stets aktuell, hochwertig und kompakt zu halten. Ihre Leser werden sich über die Aufteilung von sehr langen Texten auf mehrere Seiten genauso freuen, wie über die eindeutige Auszeichnung von weiterführenden Links. Eine gezielt eingesetzte Bildsprache unterstützt die inhaltliche Aussage zusätzlich. Ein Download-Angebot über die interessantesten Artikel, Bilder oder weiterführende Themen erfreut jeden Besucher zusätzlich. Erzählen Sie Ihrem Besuch niemals zu viele oder unverständliche Details. Präsentieren Sie ihm ausgesuchte Schlagworte, markieren Sie die wichtigen Informationen farbig oder in anderer auffälliger Weise. Seien Sie hilfsbereit, aber nicht aufdringlich.

8. Leisten Sie Gesellschaft: Community-Funktionen

Geben Sie Ihrem Besuch die Chance, sich nicht nur mit Ihnen, sondern auch mit anderen in Verbindung zu setzen. Stellen Sie ihm Ihre Nachbarn vor, die ähnliche Informationen für ihn bereithalten. Unternehmens- und Kooperationspartner bieten wertvolle Gelegenheiten, Ihr Netzwerk und Ihr Online-Angebot zu stärken.

Community-Bildung findet nicht nur auf Social Media-Plattformen statt, sondern bereits bei dem lokalen Fachanbieter für Elektroartikel. Wenn sich die Nutzer einer Website untereinander unterhalten, Produktempfehlungen abgeben oder eine Bewertung des Informationsangebots vornehmen, fühlen sie sich ernst genommen. Stellen Sie hier genügend Raum zur Verfügung.

Denken Sie daran, auch das Design anzupassen. Web 2.0-Funktionalitäten werden meist mit Hilfe von Buttons oder Icons angekündigt. Farbliche Verläufe, Schattenspiele, Spiegelungen oder 3D-Effekte sind erlaubt und erwünscht – solange sie im Rahmen eines klaren Design-Konzepts auftreten.

9. Freuen Sie sich über anspruchsvolle Besucher: Usability und Barrierefreiheit

Nicht jeder Besucher ist wie der andere. Unterschiedliche Ansprüche und Nutzungsgewohnheiten gestalten einen für alle gleichwertigen Web-Auftritt schwierig. Barrierefreiheit, Accessibility und Usability sind Begriffe, die Sie aktiv umsetzen müssen. Bei der Benutzung einer Internetseite soll der Besucher so wenig Fehler wie möglich machen, um einer Enttäuschung und somit einem vorzeitigen Verlassen der Seite vorzubeugen.

Bieten Sie Zugangsmöglichkeiten zu Ihren Inhalten. Online-Texte sollen statisch und ohne Serifen verfasst sein. Ein Kontrast zwischen Text und Hintergrund sowie ein einfarbiger Hintergrund, der nicht ablenkt, steigern die Lesbarkeit genauso wie sparsame Hervorhebungen im Text.

Zudem sollten die Besucher die Möglichkeit haben, die Schriftgröße nach ihren Vorstellungen zu vergrößern oder zu verkleinern. Halten Sie die Navigation einfach, kurz und bündig. Auch das Design halten Sie lieber minimalistisch. Nutzen Sie ruhig Eyecatcher, zum Beispiel Bilder oder große Flächen, aber setzen Sie die Effekte sparsam ein. Der Online-Besucher ist schnell überfordert und freut sich über optische Anker, denen er folgen kann.

10. Hinterlassen Sie Eindruck: Ihr Kontakt

War Ihr Gast zufrieden bei Ihnen? Verlässt er Sie glücklich, satt und kommt gerne wieder? Fragen Sie ihn! Damit er weiß, wen er für Rückfragen und Mitteilungen kontaktieren kann, stellen Sie ihm Kontaktformulare und eine Online-Umfrage zur Verfügung. Eine Bookmarking-Funktion sowie Sent-to-a-friend und ein Impressum sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Vielleicht halten Sie ihn mit einem Newsletter regelmäßig über Neuigkeiten auf dem Laufenden? Berichten ihm per Kurznachricht oder Pressemitteilung, was es Neues über Sie gibt?

Wenn Sie alle Regeln der Online-Gastfreundschaft einhalten und regelmäßig an Ihrem äußeren Erscheinungsbild arbeiten, werden es Ihnen Ihre Gäste danken und belohnen.

Dies ist ein Auszug eines komplett erschienen Artikels auf www.kernpunkt.de [190]

[Bild: ©Martin Cerny - Fotolia.com]

Virales Marketing: Die Werbebotschaft verbreitet sich wie ein Virus

Die klassischen Werbeformen verlieren kontinuierlich an Effektivität. Und Konsumenten fühlen sich durch die klassischen Werbemedien zunehmend überfordert. Drei Viertel der Online-User geben an, durch die wachsende Informationsflut den Überblick zu verlieren. 25 Prozent plädieren sogar für die generelle Abschaffung von Werbung. Dies bestätigt eine Studie der defacto.gruppe.

Zudem ist Werbung in Print, Hörfunk oder TV teuer und aufgrund der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage nicht mehr von jedem Unternehmen zu finanzieren. Auch Startups haben zu Beginn oft nicht genügend Mittel dazu.

Da bietet es sich mehr denn je an, seine Produkte und Dienstleistungen auf anderen nicht klassischen Wegen zu bewerben. Empfehlungen durch Kunden könnten eine kostengünstige Alternative sein. Wie effektiv Empfehlungen sind, weiß Marc Zuckerberg, der Gründer von Facebook:

„Nichts interessiert eine Person mehr als Empfehlungen von einem vertrauten Freund.“

Unternehmen können aktiv Kunden-Empfehlungen ankurbeln, indem sie virales Marketing als Marketing-Instrument einsetzen. Damit verbreiten sich Empfehlungen über Produkte und Dienstleistungen virusartig.

Stichwort

Beim viralen Marketing werden Informationen, die einen unternehmensspezifischen Bezug haben, nicht wie bei klassischer Werbung über Medien (TV, Hörfunk, Print) verbreitet (Top-Down), sondern von Konsument zu Konsument auf freiwilliger Basis (Empfehlung).

Viral bedeutet, dass sich die Botschaft wie ein Virus verbreitet. In dramatischer Schnelligkeit und mit exponentieller Wirkung. Beliebte Träger der Markenkommunikation sind Online-Videos, Blogs, Podcasts und Spiele. Die persönlichen oder digitalen Gespräche über die Botschaft werden auch als Mundpropaganda bezeichnet.

Corporate Publishing: Marketing mit der Firmenzeitung

Mit Ruhm bekleckert sich die Deutsche Bahn AG (DB) in diesen Tagen nicht unbedingt. Ganz im Gegenteil: Der Konzern steht wegen angeblicher Spitzelaktivitäten gegen seine Mitarbeiter im Kreuzfeuer der Kritik. Die jüngsten Meldungen über einen Abschlussbericht des Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix kolportieren, dass sogar gezielt und bewusst gegen Gesetze verstoßen wurde, ohne die das Unternehmen gar nicht an die Mitarbeiterdaten gekommen wäre. Rechtliche Prüfungen vonseiten der Konzernrevision hätten nicht stattgefunden, heißt es in dem Bericht. Der Zweck, Korruption in der Belegschaft zu verhindern, heiligte anscheinend diese Mittel.

Doch wenigstens bei der Mitarbeiterkommunikation scheint der Konzern seine Hausaufgaben zu machen. Und zwar so gut, dass die firmeneigene Mitarbeiterzeitung namens „DB Welt“ im letzten Jahr beim begehrten und Europas größten Wettbewerb für Unternehmenskommunikation, dem Best-of-Corporate-Publishing-Award (BCP Award), im Bereich „Mitarbeitermedien“ Gold gewann. Weil dies nach 2005, 2006 und 2007 bereits zum vierten Mal in Folge geschah, findet sich die Publikation in der vom Beirat des Wettbewerbs 2007 ins Leben gerufenen „Hall of Fame“ wieder. Hier wird sie nun dauerhaft „als herausragendes Beispiel für kontinuierliche Qualität im Corporate Publishing präsentiert“, wie es auf der Webseite des Wettbewerbs heißt.        

Corporate Publishing (CP) im Aufwind

Die „DB Welt“ spiegelt nach Angaben der Deutschen Bahn den gewachsenen und international tätigen Konzern umfassend wider. Sie bietet Hintergrundinformationen zu aktuellen Themen, einen eigenen Personalteil, berichtet über technische Entwicklungen und die internationalen Aktivitäten des Konzerns. Zahlreiche großflächige Infografiken sowie Links für Intranet und Internet sollen zusätzliche Leseanreize bilden, ein Preisrätsel sowie eine Leserbriefseite für die Leserbindung sorgen. Ergänzt werden die Inhalte durch Reportagen. Der Umfang beträgt 20 Mantelseiten. Hinzu kommen sieben jeweils vierseitige Regionalausgaben. Produziert wird „DB Welt“ von der Berliner Medienagentur Kircher-Burkhardt.

Corporate Publishing trotzt der allgemeinen Wirtschaftskrise und befindet sich weiter im Aufwind. Zu diesem Ergebnis kommt die Jahresumfrage 2008 des Branchenverbands Forum Corporate Publishing (FCP) unter seinen Mitgliedern. Danach ist der Umsatz der befragten Unternehmen durchschnittlich um fast 14 Prozent gewachsen. Daraus ergibt sich seit Beginn der Umfrage 2003 ein durchschnittliches Umsatzwachstum in der CP-Branche von 15 Prozent. Michael Höflich, Geschäftsführer des FCP, sagt:

„Keine andere Mediengattung und keine andere Marketingdisziplin konnte in den vergangenen Jahren kontinuierlich zweistellige Zuwachsraten erzielen.“

Weitere Ergebnisse: Die Anzahl von Inhouse-Medien hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. 17 Prozent des Umsatzwachstums im vergangenen Jahr entfielen auf digitale Medien. Die Anzahl der elektronischen Objekte wie

E-Journals, Online-Newsletter, Podcast oder Corporate Weblogs hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt: So wurden nach Angaben des FCP pro Mitglied zehn neue E-Publishing-Projekte realisiert. 2007 waren es noch vier. Manfred Hasenbeck, Vorsitzender des FCP, erklärt:

„Neben Printmedien ermöglichen elektronische Medien einen besonders intensiven Dialog mit Kunden oder Mitarbeitern. Gerade die Verknüpfung von Print und Online ist beim Corporate Publishing besonders wichtig. Denn nur so können Unternehmen mit zielgruppenspezifischeren Themen auch neue Communities ansprechen.“

Stichwort

Das FCP definiert Corporate Publishing wie folgt:

„Corporate Publishing bezeichnet die einheitliche interne und externe, journalistisch aufbereitete Informationsübermittlung eines Unternehmens über alle erdenklichen Kommunikationskanäle (offline, online, mobile), durch welche ein Unternehmen mit seinen verschiedenen Zielgruppen permanent/periodisch kommuniziert. Neben Endkunden sind auch Mitarbeiter, Händler, Zulieferer oder Aktionäre relevante Zielgruppen, die mit den für sie interessanten Unternehmensinformationen versorgt werden.“

Mass Customization: Mit individualisierten Standardprodukten zum Erfolg

Produkte nach Maß von der Stange

Mass Customization bezeichnet eine Fertigungsmethode, bei der ein Produkt vom Kunden mittels Modulbauweise individualisiert und dennoch zum Preis eines vergleichbaren Standardprodukts angeboten werden kann. Universitätsprofessor Dr. Frank Huber von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz untersuchte den Wert dieser Art von Produktindividualisierung für den Konsumenten in einer aktuellen Studie. Er stellt fest:

"Der Spagat zwischen niedrigen Herstellungskosten und Einzelfertigung erschien früher unmöglich. Heute sorgen Informations- und Kommunikationstechnologien wie Produktkonfiguratoren dafür, dass das für den Käufer optimale Produkt mit den Fähigkeiten des Unternehmens zusammengebracht werden kann."

Das Ziel der Studie war es zu prüfen, welchen Wertzuwachs ein Konsument aus individualisierten Produkten zieht und ob die Verbraucher bereit sind, einen höheren Preis dafür zu zahlen.

Empfundener Nutzen steht im Vordergrund

Befriedigt ein individualisiertes Produkt verschiedene Nutzendimensionen für den Konsumenten, so misst er ihm einen hohen Wert zu. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass insbesondere der hedonistisch-sinnliche Nutzen Hauptgrund für einen hohen wahrgenommenen Wert ist.

"Die Freude an einem individuellen Produkt und der Spaß, den der Kunde bei einer Konfiguration erlebt, sind maßgeblich für den zugemessenen Wert."

Aber auch die über die Individualisierung entstehende Funktionalität und die Möglichkeit zur Selbstdarstellung tragen zum wahrgenommenen Wert des Produkts bei. Weiterhin konnte nachgewiesen werden, dass ein hoher wahrgenommener Produktwert zu einer erhöhten Preisbereitschaft und gesteigerten Kaufabsicht führt. Laut Huber sollten Unternehmen dieses Konsumpotenzial bei den Kunden freisetzen.

Hohes Involvement und niedriger Aufwand führen zum Erfolg

Es konnte außerdem nachgewiesen werden, dass die Stärke des Individualisierungswunsches zu einem hohen wahrgenommenen Wert des Produkts führt, aber nicht, wie zunächst angenommen, den subjektiv empfundenen Aufwand reduziert. Der Aufwand wirkt allerdings auf den wahrgenommenen Wert des Produkts ein:

"Dies heißt für die Praxis, dass ein Konfigurationsprozess implementiert werden muss, der den Aufwand für den Nutzer so niedrig wie möglich hält, um den Erfolg des Konzepts zu gewährleisten",

sagt Huber. In diesem Zusammenhang steht auch das Involvement des Kunden, der den Individualisierungsaufwand umso geringer empfindet, je mehr er in die entsprechende Produktklasse involviert ist.

Individualität – aber nicht um jeden Preis

Eine weitere wichtige Erkenntnis der Studie liegt darin, dass für den Konsumenten der Produktnutzen und nicht der Individualisierungsnutzen im Vordergrund steht. Huber verdeutlicht:

"Kunden suchen in verstärktem Maße Leistungen, die genau auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet sind. Sie bezahlen aber nicht für eine Individualität per se, sondern letztlich nur für eine Leistung, die auch unmittelbaren Nutzen stiftet."

Auch das wahrgenommene Risiko beim Kauf eines individualisierten Produkts wurde in der Studie untersucht. Die Überprüfung erfolgte mittels Untersuchung von zwei Produktkategorien, wobei beim Kauf eines Autos das wahrgenommene Risiko deutlich höher ist, als beim Kauf von Sportschuhen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Konsumenten bei Autos dem wahrgenommenen Aufwand einer Individualisierung eine große Bedeutung für den wahrgenommenen Wert des Produkts beimessen, während dies bei Sportschuhen keine Rolle spielt.

Der Bedeutung des Nutzens aus der Individualisierung für den wahrgenommenen Wert eines Produkts beschränkt sich in der Produktkategorie Autos auf den hedonistischen, während die Konsumenten hinsichtlich der Funktionalität und Außenwirkung unsicher zu sein scheinen. Bei Sportschuhen sind sämtliche Nutzenarten von Bedeutung.

Aufbau der Studie

In der durchgeführten Online-Befragung wurde den Teilnehmern einer von zwei verschiedenen Fragebögen, zum Thema Autos oder zum Thema Sportschuhe, präsentiert. Insgesamt nahmen 369 Probanden im Alter zwischen 20 und 30 Jahren an der Befragung teil.

[po; Quelle: Center of Market-Oriented Product and Production Management]

Internet-Werbung: Online-Werbemarkt spürt erste Folgen der Wirtschaftskrise

So die aktuellen Auswertungen von The Nielsen Company. Ludger Wibbelt, Geschäftsführer der Nielsen Media Research GmbH, erklärt:

"Die Entwicklung des Onlinemarktes ist sehr stabil und immer noch deutlich stärker als die Entwicklung der anderen Medien. Das Wachstum hat sich allerdings gegenüber den Vorjahren deutlich abgeschwächt, sodass auch das Internet vermehrt um die Gunst der Werbungtreibenden kämpfen muss."

Im ersten Quartal 2009 sind 350 Millionen Brutto-Werbe-Euros ins Internet geflossen, was einem Plus von 15,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresvergleich entspricht. Im Monatsverlauf schloss der Januar mit plus 15,8 Prozent ab, die beiden anderen Monate des ersten Quartals mit jeweils 14,8 Prozent.

Wofür wird im Internet geworben?

Online-Dienstleistungen (58 Millionen Euro), Unternehmens-Werbung (35 Millionen Euro) und E-Commerce (22 Millionen Euro) haben im ersten Quartal 2009 die höchsten Werbeinvestitionen im Internet getätigt. Die höchsten absoluten Steigerungsraten verzeichnete dabei ebenfalls die Unternehmens-Werbung (plus neun Millionen Euro), gefolgt von der Branche E-Commerce (plus sechs Millionen Euro) und überraschenderweise Bier mit einem Bruttowerbezuwachs von plus fünf Millionen Euro. Dieses Wachstum ist dabei vor allem auf die Bitburger Brauerei zurückzuführen, die ihr Werbeengagement im Internet alleine um 4 Millionen Euro ausbaute.

Wer am meisten für Internet-Werbung ausgibt

Die Top-Werbungtreibenden im Internet sind von Januar bis März 2009 die Unternehmen Esprit mit insgesamt 24 Millionen Euro, gefolgt von T-Home Deutschland mit zehn Millionen Euro sowie Friendscout24 mit neun Millionen Euro. Esprit, dessen Online-Werbeengagement im Vorjahresvergleich quasi nicht existent gewesen ist, baute dabei am stärksten seinen Werbeetat im Internet aus und erhöhte sein Engagement nahezu vollständig um das zuvor genannte Budget.

Die Bruttowerbeinvestitionen der Werbungtreibenden in die Verkehrsmittelwerbung entwickelten sich im ersten Quartal 2009 mit einem leichten Plus von 1,3 Prozent auf 13,6 Millionen Euro ebenfalls erfreulich. Stärkste Werbung treibende Branche in diesem Medium mit Bruttowerbeaufwendungen in Höhe von 0,9 Millionen Euro - jedoch mit reduzierten Werbeinvestitionen von minus 19,8 Prozent - waren die Finanzdienstleister, während die Süßwarenhersteller ihr Werbeengagement in diesem Medium mit plus 140,7 Prozent auf 0,8 Millionen Euro überdurchschnittlich ausbauten, gefolgt von den Möbel- und Einrichtungshäusern mit 0,7 Millionen Euro (plus 11,9 Prozent).

Die Bruttoumsätze für das Medium At-Retail-Media (Werbemaßnahmen am Point of Sale) verzeichneten einen Rückgang: Mit einem Minus von 0,3 Millionen Euro / minus 2,4 Prozent setzte das Medium ein Werbevolumen in Höhe von 10,6 Millionen Euro um. Die werbestärksten Branchen waren hier die Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen (1,2 Millionen Euro), Arzneimittel (1,1 Millionen Euro) und die Imagewerbung der Ernährungsunternehmen (1,0 Millionen Euro), die ihre Werbeinvestitionen in diesem Medium gegenüber dem Vorjahresvergleich auch steigerten.

The Nielsen Company

Die Nielsen Transport Media Werbestatistik ist eine Kooperation von Nielsen Media und dem Fachverband Außenwerbung e. V. Die Erhebung der Daten erfolgt auf Basis der monatlichen Meldungen der FAW-Mitglieder, die die jeweiligen Bruttowerbeumsätze der von ihnen vermarkteten Verkehrsmittelwerbeflächen direkt an das Medienforschungsunternehmen melden.

[po; Quelle: The Nielsen Company; Bild: Fotolia.com]

Verbraucher sparen: Verändertes Konsumverhalten erfordert neue Wege im Marketing

Eine so ausgeprägt negative Kombination hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben. Jesko Perrey, Leiter der deutschen Marketing & Sales Practice von McKinsey & Company, sagt:

"Diejenigen Unternehmen, die Auswirkungen der Krise auf den Konsum am schnellsten und präzisesten vorwegnehmen, haben die besten Aussichten, eine Flaute unbeschadet zu überstehen."

Dies gelte auch für Deutschland. Hier entwickeln bislang vergleichsweise wenige Unternehmen zielgerichtet Produkte oder Dienstleistungen für die Kundenansprüche in der Krise

Restaurantbesuche werden zuerst gestrichen

Die Konsumenten sparen nicht quer über alle Bereiche hinweg, sondern sie setzen eindeutig Prioritäten. Restaurantbesuche belegen stets den ersten Platz auf der Streichliste der Europäer, gefolgt von weiteren Freizeitangeboten und Annehmlichkeiten wie Bekleidung, Spielzeug oder Alkohol. Investitionsgüter wie Möbel oder Unterhaltungselektronik liegen im Mittelfeld, und Güter des täglichen Bedarfs, wie beispielsweise Lebensmittel, verzeichnen immer die geringsten Einbußen.

Die fünf Sparstrategien der Konsumenten

Je nach Produktkategorie wenden Verbraucher fünf ganz unterschiedliche Sparstrategien an. Hiervon beziehen sich drei auf das Konsumvolumen und zwei auf den Preis.

  1. Am häufigsten setzen die europäischen Konsumenten auf Budgetkontrolle. 69 Prozent erklären, dass sie ihre Ausgaben in den vergangenen Monaten stärker gesteuert haben. Im Extremfall bedeutet das, dem Konsum in einer Kategorie völlig zu entsagen, zum Beispiel durch den Verzicht auf Urlaubsreisen oder Kinobesuche.
  2. Die zweite Strategie ist, Ersatz für ein schon im Haushalt vorhandenes Produkt nur im Bedarfsfall zu schaffen. Sie betrifft vor allem Investitionsgüter.
  3. Drittens können Konsumenten das Heimwerkerprinzip "Do it yourself" anwenden: Dies kann bedeuten, zu Hause zu kochen, statt essen zu gehen, oder selbst sauber zu machen, statt eine Putzhilfe zu beschäftigen.
  4. In manchen Kategorien, wie etwa bei Lebensmitteln, achten die Konsumenten besonders stark auf den Gegenwert, den sie für ihr Geld erhalten. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass sie zu einfacher ausgestatteten Produktversionen oder zu günstigeren Handelsmarken wechseln.
  5. Die fünfte Strategie, die Konsumenten anwenden, ist, gezielt nach Sonderangeboten für ein bestimmtes Produkt zu suchen. Diese Schnäppchenjagd ist besonders bei Bekleidung beliebt und wird vor allem durch das Internet gefördert.

Bereiche mit hoher Kaufbereitschaft

Gefragt seien aus Sicht der Unternehmen nun fokussierte Marketingmaßnahmen für die Segmente, bei denen die Kaufbereitschaft am stabilsten bleibe.

Beispiele:

  • Dem Sicherheitsbedürfnis der "Ausgabensteuerer" könnten etwa Telekommunikationsunternehmen begegnen, indem sie Preise klarer kommunizieren und vermehrt feste Gebührensätze anbieten.
  • Für Hersteller langlebiger Güter könnte der Zeitpunkt günstig sein, neues Zubehör zu entwickeln, das den Lebenszyklus eines Produkts verlängert. Dies entspräche der Strategie, Ersatz nur im Bedarfsfall zu schaffen.

Zur Studie

Es wurden mehr als 4.000 Verbraucher in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Polen im Dezember 2008 nach ihren Prioritäten und Strategien bei Einkommenseinbußen befragt. Erarbeitet wurde die Studie vom McKinsey Global Institute (MGI) und der globalen Marketing & Sales Practice der Unternehmensberatung.

[po; Quelle: McKinsey; Bild: Fotolia.com]

Kundenorientierung: Gutes Service-Personal lässt Unternehmen kundenorientiert wirken

Nach einer übergreifenden Analyseder Kölner ServiceRating GmbH haben die Zuverlässigkeit und Fehlerfreiheit der angebotenen Dienstleistungen und Produkte sowie das individuelle Eingehen auf die Kundenbedürfnisse branchenübergreifend den stärksten Einfluss auf die wahrgenommene Kundenorientierung der Unternehmen.

Weitere herausragende Aspekte sind die Eigeninitiative sowie die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit des Service-Personals. Das Preis-Leistungsverhältnis spielt für die Kundenorientierung eine vergleichsweise untergeordnete Rolle, insbesondere in der Modebranche und im Schuhhandel. Speziell im Einzelhandel spielt darüber hinaus die Beratungsqualität eine zentrale Rolle, während in der Gastronomie der Qualität der Speisen und Getränke eine besondere Bedeutung zukommt.

Insgesamt wurde der Einfluss von über 30 Leistungsmerkmalen auf die Kundenorientierung analysiert. Übergreifend zeigt sich dabei, dass personale Aspekte eine höhere Relevanz haben als Produktmerkmale, Merkmale der Geschäftsausstattung oder der Preis. Die höchste Kundenorientierung in den untersuchten Branchen erreichen die Coffee-Shops, die geringste zeigt sich bei den Baumärkten. Dr. Claus Dethloff, Geschäftsführer der ServiceRating GmbH, kritisiert:

"Die Fähigkeit der Erfüllung von Kundenerwartungen ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Trotz seiner strategischen Bedeutung bleibt das Paradigma vom König Kunde allerdings nicht selten noch ein Lippenbekenntnis."

Erfolgreich entwickeln lässt sich die Kundenorientierung durch eine fundierte Überprüfung und Optimierung der relevanten Strukturen und Prozesse im Unternehmen sowie der übergreifenden Unternehmenskultur.

Zur Analyse

Die übergreifende Analyse der Kölner ServiceRating GmbH in fünf verschiedenen Branchen mit häufigem Kundenkontakt zeigt, worauf es den Verbrauchern in puncto Kundenorientierung ankommt. Jeweils 2.000 Kunden von Baumärkten, Modegeschäften, Schuhgeschäften, Fastfood-Restaurants und Coffee-Shops wurden repräsentativ zu ihren Erwartungen befragt.

[po; Quelle: ServiceRating; Bild: ©JENS SCHMIDT - Fotolia.com]

Kundenbeirat: Die Meinung und Ideen der Kunden aktiv einbeziehen

Ende Oktober 2008 fand sich im Wirtschaftsteil des Kölner-Stadt-Anzeigers eine kleine Notiz über einen geplanten Kundenbeirat bei der Commerzbank: „Als Reaktion auf die Verunsicherung vieler Anleger wegen der Finanzkrise holt sich die Commerzbank Kunden als Berater ins Haus.” Bei dem von Privatkunden-Vorstand Achim Kassow verantworteten Projekt sollen Kunden zwei Mal im Jahr „kundenrelevante Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten ... sowie Ideen und Anregungen entwickeln, die der Verbesserung der Leistungen und des Angebots des Unternehmens für den Kunden” dienen.

Das klingt auf den ersten Blick gut. Doch auch wenn man den geplanten Beirat nicht direkt als „PR-Gag” abtut, weckt die weitere Recherche Zweifel an der Haltung der Banker. Die Informationen auf der eigens eingerichteten Website sind dürr, das längste dort zu findende Dokument ist eine in bestem Juristendeutsch verfasste Satzung. Sie erweckt den Eindruck, als wäre den Verantwortlichen der Commerzbank die mögliche Dynamik ihres Vorhabens nicht ganz geheuer. Die Satzung räumt der Bank eine umfassende Kontrolle über den Beirat ein.

Dabei kommt dem Moderator eine zentrale Rolle zu. Er wird aus den Reihen der Commerzbank gestellt. Der Moderator kann nach freiem Ermessen entscheiden, welche der von den Beiräten vorgeschlagenen Themen auf die Tagesordnung gelangen. Auch über die etwaige Veröffentlichung von Arbeitsergebnissen hat die Bank durch ihren Moderator die volle Kontrolle. Obendrein kann er einzelne Beiräte ohne Angabe von Gründen vom Beirat ausschließen. Da versteht es sich von selbst, dass sich die Bank in ihrer Satzung das Recht einräumt, den Kundenbeirat wieder aufzulösen. 

Unterstellen wir beste Absichten, so ist dies doch ein äußerst vorsichtiger Schritt hin zu mehr Kundennähe. Die Satzung weckt in mir den Eindruck von Angst. Angst vor den Kunden und Angst davor, die Kontrolle zu verlieren. Dazu passt, dass es zwar in der Satzung heißt: „Die Mitglieder des Kundenbeirats ... sind das Bindeglied zwischen den Kunden und der Commerzbank AG und bringen Anregungen, Wünsche und Kritik in den Kundenbeirat ein.” Aber weder wurde der Auswahlprozess der 40 Beiräte für andere Kunden transparent gestaltet (es hatten sich laut Website 5.400 Menschen dafür gemeldet), noch werden irgendwelche Mittel und Kanäle für die Bindeglied-Funktion bereitgestellt.

Auch der geplante zeitliche Rahmen wird schon ganz praktisch für Limitierungen sorgen: Zwei Mal im Jahr werden die 40 Beiräte zu einer zwei- bis dreistündigen Diskussion zusammenkommen. Das wird wahrscheinlich noch nicht einmal dazu reichen, dass jeder Teilnehmer zu Wort kommt.

Genug der Kritik. Den Kunden und der Commerzbank seien Ergebnisse gewünscht, die den Mut und die Bereitschaft zu einer ergebnisoffeneren Stakeholder-Beteiligung stärken. Denn der vorbehaltslose Dialog mit den Kunden kann zu einem höchst effizienten Treiber der Unternehmensentwicklung werden. Welche Bedingungen sind dazu erforderlich? Ich möchte hier sieben Punkte skizzieren, die einen erfolgreichen Kundenbeirat fördern. 

1. Klarheit über die Aufgaben des Beirats

Wer aktiv die Meinungen und Ideen der Kunden in die eigene Entwicklung einbeziehen will, kann dies auf drei Ebenen tun.

  1. Kunden können den Ist-Zustand reflektieren,
  2. sie können geplante Maßnahmen und Produkte bewerten und
  3. sie können als Ideengeber neue Produkte und Leistungen mit entwickeln (Co-Kreation).

Auf den ersten beiden Ebenen erhält das Unternehmen ein Feedback zum jetzigen und zum geplanten Handeln. Um nicht nur ein Bündel von Einzelmeinungen zu erhalten, sind hier Methoden kollektiver Intelligenz, wie beispielsweise Entscheidermärkte, hilfreich. Die dritte Ebene, die Co-Kreation, benötigt ein anderes Setting, das Kreativität fördert und den Raum für Neues bereitet. Hier können Methoden wie beispielsweise Strategic Play oder Syntegration zum Einsatz kommen.

2. Diversität und Unabhängigkeit

Je vielfältiger und bunter gemischt ein Kundenbeirat ist, desto reichhaltiger werden seine Arbeitsergebnisse sein. Je mehr Perspektiven eingebracht werden, umso vollständiger wird das gemeinsame Bild. Die Freiheit, die eigene Sicht einzubringen, setzt strikte Unabhängigkeit vom Unternehmen voraus. Sanktionsmöglichkeiten wie der Ausschluss durch einen Moderator sind hier kontraproduktiv. 

3. Dezentralisierung und Rotation

Menschen in Gruppen neigen zu Anpassung und Polarisierung. In herkömmlichen Diskussionsformen richten sich die Meinungen sehr schnell an den Wortführern aus. Dominanz und rhetorische Begabung können dann leicht dazu führen, dass wichtige Aspekte nicht mehr gesehen werden. Dem können dezentrale Methoden wie das Verfassen persönlicher Erfahrungsberichte entgegenwirken. Da durch die Arbeit im Beirat automatisch bei den Beteiligten eine zunehmende Nähe entsteht, ist eine regelmäßige Rotation empfehlenswert. 

4. Ein gemeinsamer Moderationsauftrag 

Ein wirklich unabhängiger Kundenbeirat braucht eine externe, beiden Seiten verpflichtete Moderation. Der Auftrag des Unternehmens lautet: Ein offenes, ehrliches und umfassendes Feedback zu erhalten (oder auf Ebene 3: Möglichst vielfältige und kundenrelevante Ideen zu generieren). Der Auftrag des Beirats lautet: Eine konstruktive und ergebnisorientierte Rahmung herzustellen, die allen Beiräten ermöglicht, ihr Bestes beizutragen. Der gemeinsame Auftrag an die Moderation lautet: Den konstruktiven Dialog miteinander zu unterstützen – im Interesse des Unternehmens und im Interesse der Kunden. 

5. Dialogische Moderationsmethoden

Wenn 30 bis 40 Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen, treffen damit auch unterschiedlichste Gesprächskulturen aufeinander. Will man den engen Zeitrahmen optimal nutzen, den solche Treffen naturgemäß haben, verbieten sich klassische Meeting- und Diskussionsformen.

Wesentlich hilfreicher beim Bergen der verborgenen Kunden-Schätze sind Methoden wie beispielsweise "Open Space" und "World Cafe". Sie sind um ein Vielfaches produktiver und sie erzeugen zudem in allen Beteiligten das befriedigende Gefühl, wirklich beigetragen zu haben. Welche Methoden im Einzelfall empfehlenswert sind, hängt dabei auch von der Aufgabenstellung ab (Punkt 1). 

6. Kommunikation: Kunden und Kundenbeirat

Schon bei der Auswahl der Beiräte ist eine transparente Kommunikation förderlich. Wie das Beispiel Commerzbank mit 5.400 Bewerbern zeigt, scheinen der Gesprächsbedarf und die Bereitschaft sich zu engagieren, groß zu sein. Ebenfalls 5.400 Bewerberinnen und Bewerber meldete die Deutsche Bahn für ihren Kundenbeirat.

Was geschieht mit den verbleibenden 5.360 nicht genommenen Bewerbern? Werden ihnen statt der persönlichen Teilnahme andere Kanäle geboten, das einzubringen, was sie einbringen wollen? Werden sie besonders auf dem Laufenden gehalten? Über 5.000 Kunden sind ein enormer Resonanzkreis. Positiv wie negativ.

Sollen Kundenbeiräte tatsächlich als Bindeglied zwischen Unternehmen und Kunden wirken, sind dazu entsprechende Kanäle einzurichten. Können Kunden den Beiräten beispielsweise Vorschläge zur Tagesordnung unterbreiten? Je durchlässiger der Ansatz der Kundenbeteiligung gehandhabt wird, umso reichhaltiger werden die Anregungen und umso authentischer werden Kunden und Öffentlichkeit die Schritte des Unternehmens wahrnehmen. 

7. Kommunikation: Ins Unternehmen und zurück

Die Einrichtung eines Kundenbeirats ist eine Führungsentscheidung. Auch die Entscheidungen, welche der Empfehlungen des Beirats umzusetzen sind, werden größtenteils von den involvierten Führungskräften getroffen. Doch die Umsetzung liegt bei einer anderen Stakeholder-Gruppe, den jeweils zuständigen Mitarbeitern. Um den Abwehrreflex zu minimieren, sollten Mitarbeiter so früh wie möglich über die Arbeit eines Kundenbeirats informiert werden.

Im Idealfall werden Mitarbeiter auch aktiv beteiligt: Beispielsweise in dem sie selbst Fragen an den Beirat stellen können. Schließlich sollten für die Umsetzung verantwortliche Mitarbeiter auch an den Präsentationen der Beirats-Ergebnisse teilnehmen können. So werden sie nicht nur mit den Ergebnissen konfrontiert, sondern können die Motive und Beweggründe der Kunden mit nachvollziehen.

Umgekehrt muss das Unternehmen seine Motive und Beweggründe, die zur Ablehnung von Empfehlungen führen, an den Beirat und die Kunden kommunizieren. Transparenz erhöht auch an dieser Stelle die Glaubwürdigkeit. Kein Kunde wird ernsthaft erwarten, dass alles umsetzbar ist. Eine klare und offene Begründung eines „Neins” zu bestimmten Vorschlägen ist glaubwürdiger als das Unterdrücken der Vorschläge. 

Fazit: Es gibt verschiedene Wege zu mehr Kundennähe. Ein möglicher Weg ist die Institutionalisierung in Form eines Kundenbeirats. Er kann zu einer Quelle von dauerhafter Inspiration für das Unternehmen und Mitarbeiter werden. Er kann das Bild, dass das Unternehmen und seine Angebote „draußen” erzeugen nachvollziehbar nach „innen” holen. Er kann eine Menge Marktforschung ersparen. Wie sehr das gelingt, hängt zentral von der Bereitschaft des Unternehmens ab, sich auf einen ergebnisoffenen Prozess einzulassen. Dann verkehrt sich der in Foren geäußerte Verdacht, der Kundenbeirat der Commerzbank sei nur ein „PR-Gag” in sein Gegenteil: In eine authentische und nachhaltig erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit.

Hinweis

Hier eine kleine Auswahl von Unternehmen, die bereits einen Kundenbeirat haben:

Postbank Kundenbeirat 60plus [191]

Der Kundenbeirat der Bahn [192]

Der Kundenbeirat der Fraport AG [193]

RWE Kundenbeirat [194]

Kundenbeirat Penny Markt [195]

[Bild: sgursozlu - Fotolia.com]

Einzelhandel: Kunden fordern bessere Vernetzung von Internet und Ladengeschäft

Der Online-Handel boomt, während das Ladengeschäft stagniert. Trotzdem verbinden viele Händler ihr stationäres Geschäft noch nicht im Sinne des Kunden mit dem Absatz- und Informationskanal Internet. Zu dieser Einschätzung kommt Christoph Schwarzl, Geschäftsführer im Bereich Handel & Konsumgüter bei Accenture:

"Bei Händlern, deren Ladengeschäft und Online-Auftritt gut miteinander vernetzt sind, kaufen Kunden häufiger und geben bis zu einem Drittel mehr aus. Es ist ein klarer Wettbewerbsvorteil, ein nahtloses Einkaufserlebnis bieten zu können."

Eine sinnvolle Verbindung beider Verkaufswege sieht der Fachmann zum Beispiel darin: Die Ware kann online bestellt und im Geschäft abgeholt werden. Dieser etwa in England und den USA bereits verbreitete Service fände auch hierzulande Freunde, so die Befragung - 37 Prozent der Konsumenten bekunden Interesse daran.

Die Vorteile: Ein Online-Besteller ist nicht an die Auslieferzeiten der Zusteller gebunden. Er kann die Ware dann abholen, wenn es in seinen Zeitplan passt. Der Händler wiederum kann Angebote vorbereiten, die das im Internet gekaufte Produkt ergänzen. Christoph Schwarzl sagt, dass vielen Kunden schon sehr damit geholfen wäre, wenn sie auf der Webseite eines Geschäfts erfahren könnten, ob ein bestimmter Artikel gerade im Laden vorrätig ist. Aber nur ganz wenige Handelsunternehmen bieten diesen Dienst in Deutschland an. Viele seien dazu etwa aufgrund alter IT-Systeme gar nicht in der Lage.

Außerdem zeigt die Studie: 32 Prozent der Befragten würden es begrüßen, online bestellte Waren in Geschäften zurückgeben oder umtauschen zu können. 31 Prozent interessieren sich dafür, ihre Einkäufe nach dem Kauf im Geschäft nach Hause geliefert zu bekommen.

Auch Informationen sollten kanalübergreifend vernetzt werden. 40 Prozent der Kunden wünschen sich im Internet zum Beispiel Empfehlungen von Verkäufern. Im Laden hätten sie gerne Zugriff auf Erfahrungsberichte und Bewertungen von Kunden, die ein Produkt bereits gekauft haben.

Verbraucher entwickelten sich mehr und mehr zu Wanderern zwischen den Kanälen, so Christoph Schwarzl. Der Studie zufolge machen sich auch mehr als 50 Prozent der Menschen zunächst im Geschäft über ein Produkt kundig und bestellen es dann online. Die Gefahr, einen interessierten Verbraucher beim Wechsel von einem Kanal zum anderen zu verlieren, sei sehr groß. Dem würden viele Händlern nicht genügend Bedeutung beimessen.

Was Kunden von welchem Vertriebsweg erwarten:

  • Die größte Produktauswahl erwarten 39 Prozent im Internet und acht Prozent im Laden. 50 Prozent fordern in allen Kanälen die gleiche Auswahl.
  • Den günstigsten Preis fordern 50 Prozent der Befragten von Online-Shops, vier Prozent im Geschäft und 46 Prozent in allen Kanälen.
  • Bei Lieferzeit und Warenverfügbarkeit sollten sich Internet und Ladengeschäft nicht unterscheiden - das fordern 72 und 79 Prozent.

Über die Studie

Im Rahmen der Studie "Die Nutzung von Multi-Channel-Strategien im deutschen Einzelhandel" wurden unter anderem mehr als 1.000 deutsche Verbraucher befragt. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) hat die Befragung im Auftrag von Accenture durchgeführt.

[po; Quelle: Accenture; Bild: Fotolia.com]

Mobiles Internet: Website fit machen

Das mobile Internet bahnt sich seinen Weg auf die deutschen Handys. Bereits 16 Prozent der Handy-Besitzer nutzen die mobilen Web-Möglichkeiten [1]. Dabei werden mobile Applikationen und Location Based Services immer mehr zu einer Selbstverständlichkeit und stärker in den Alltag einbezogen. Die meisten Unternehmen haben die Entwicklung des Mediums erkannt und erweitern ihre Vertriebs- und Marketingstrategien um entsprechende Maßnahmen im mobilen Internet. Doch bevor die Handy-Nutzer mit mobilen Coupons, Angeboten via Bluetooth und aktuellen Umgebungsinformationen eingeladen werden, sollte der eigene Unternehmensauftritt fit für das Handy sein.

Der mobile Web-Auftritt: Marketinginstrument oder Spielerei?

Viele Unternehmen, besonders im B2B-Breich, stellen sich die Sinnfrage eines mobilen Web-Auftritts. Sie gehen davon aus, dass der Unternehmensauftritt im stationären Internet ausreichend ist, um den individuellen Anforderungen ihrer Zielgruppe zu genügen. Doch dabei vergessen sie, dass sich im Zeitalter von Mobilität und Flexibilität vollkommen neue Ansprüche herausbilden. Zudem besitzen die meisten Handy-Nutzer ein Internet-fähiges Handy. Neue Endgeräte wie das iPhone von Apple, das G1 von Google oder der Palm pre sorgen zusätzlich für gesteigerte Neugier beim Endkunden. Denn die kleinen Alleskönner bieten einen einfachen und schnellen Zugang zum Internet an. Kombiniert mit den neuen Daten-Tarifen der Mobilfunkanbieter, wird das mobile Internet immer mehr zu einem massentauglichen Medium.

Deshalb sollte der mobile Zugriff zum einen für die Interessenten der eigenen Produkte und Dienstleistungen ermöglicht werden. Besonders unterwegs entstehen oft Situationen der Langeweile oder auch des Informationsbedürfnisses. So lassen sich während einer langen Bahnfahrt endlich einmal in Ruhe die Vorteile eines beabsichtigten Produktkaufs recherchieren oder neue Meldungen über ein Unternehmen lesen. Zum anderen können die Mitarbeiter und Partner eines Unternehmens eine relevante Zielgruppe sein. Denn besonders im Außendienst oder auf großen Firmen- und Betriebsgeländen ist es von Vorteil, sich über das Internet über Neuigkeiten auszutauschen. Die Informations- und Kommunikationsverteilung kann auf ein zentrales Medium beschränkt werden und für alle gleichwirkend abrufbar sein. Das spart Zeit – und Kosten.

Erste Schritte: Das mobile Web-Konzept

Zunächst einmal sollten Sie sich überlegen, ob Sie einen komplett eigenständigen Web-Auftritt mobil zur Verfügung stellen oder den bestehenden Internetauftritt unter Berücksichtigung der mobilen Anforderungen überarbeiten.

Websites, die intensiv mit Bildmaterial und langen redaktionellen Texten arbeiten, sind für einen mobilen Auftritt weniger geeignet. Die meisten Handy-Displays können nur einen kleinen Teil der Website abbilden oder verkleinern die Seite so stark, dass die Inhalte gar nicht mehr gelesen werden können. Somit fällt das Navigieren auf der Seite schwer und der Nutzer verliert schnell die Lust an dem Angebot. Weist der eigene Web-Auftritt eine prägnante Struktur, übersichtliche Inhaltsseiten und nur mäßig eingesetztes Bildmaterial auf, empfiehlt es sich, um zunächst kostengünstig zu arbeiten, diesen beizubehalten. Er kann gegebenenfalls für spezielle Aktionen auf das mobile Angebot abgestimmt werden.

In vielen Fällen ist die Konzeption eines separaten Web-Auftritts jedoch eine sinnvolle und moderne Maßnahme, um seine Zielgruppe effektiv anzusprechen. Denn so können Produkte, Angebote und Informationen kurz und knapp dargestellt werden und demonstrieren dem Leser Kompetenz und Innovation. Die Lust am Medium entsteht zu allererst durch die Präsenz attraktiver Inhalte. Fällt die Entscheidung für eine eigenständige mobile Präsenz, sind mehrere Schritte bei einer ersten Konzeption zu beachten.

Wer surft mich an: Definition der mobilen Zielgruppe

Die Nutzeranalyse des eigenen Internetauftritts ist in den meisten Unternehmen Routine. Wer die Website wann, auf welchen Seiten besucht, wie lange er sich dort aufhält und was er sucht, kann mit der gängigen Analyse-Software einfach untersucht werden. Doch die Zielgruppe des stationären Auftritts ist nicht unbedingt mit einer mobilen Zielgruppe gleichzusetzen. Handelt es sich bei den regelmäßigen Besuchern eines Internetmagazins zum Beispiel um Frauen, die zwischen 45 und 60 Jahre alt sind, kann nach den derzeitigen Studien davon ausgegangen werden, dass diese sich nicht für die mobile Nutzung interessieren. Meistens besitzen sie das Handy nur, um gelegentlich damit zu telefonieren.

Sind die Besucher eines Online-Shops für Motorräder jedoch Männer zwischen 30 und 50 Jahre, die sehr gut verdienen und mitten im Berufsleben stehen, kann davon ausgegangen werden, dass sie sich stark für den mobilen Zugriff auf die Seite interessieren werden. Eine breitere Zielgruppe würde beispielsweise mit dem Internetauftritt einer Stadt erreicht werden, die sich stark für den städtischen Tourismus einsetzt und Besuchern ein attraktives Angebot bieten möchte.

Bei der Definition der Zielgruppe müssen die soziodemografischen Daten, persönliche Interessen und, wenn vorhanden, die Nutzungsvorlieben analysiert und aufeinander abgestimmt werden. Anhand des dadurch entstehenden Nutzerprofils können desweiteren das Interesse an Handy-Modellen und die Innovationsfreude abgeleitet werden.

Was schicke ich auf die Reise: Definition der mobilen Inhalte

Was soll mobil zugänglich gemacht werden? Die gesamte Website auf das Display eines Handys anzupassen, macht in den wenigsten Fällen Sinn. Grundsätzlich lassen sich vier verschiedene Typen von Websites beschreiben:

Typ 1 – Die informative Website
Eine Organisation oder ein Unternehmen stellt sich und sein Tätigkeitsfeld vor und verweist ausreichend auf Kontaktmöglichkeiten. Neuigkeiten rund um das Unternehmen, wie zum Beispiel Pressemitteilungen, Studien oder Produktvorstellungen werden hier regelmäßig publiziert. Auch Privatpersonen nutzen die Form der Informations-Website für eine Vorstellung ihrer Person (zum Beispiel als Bewerbungs-Website).

Typ 2 – Die geschäftliche Website
Unternehmen, die ihre geschäftlichen Tätigkeiten hauptsächlich auf das Internet verlegt haben, betreiben eine geschäftliche Website. Dazu zählen Versandhäuser, Online-Auktionshäuser oder Online-Versicherungen.

Typ 3 – Die themenbezogene Website
Sie informieren über ein bestimmtes Thema innerhalb eines ausgesuchten Kontextes. Das können Lexika, Reisebeschreibungen oder Kulturthemen sein.

Typ 4 – Die Nachrichten-Website
Die neuesten Nachrichten, Berichte und Reportagen finden auf der Nachrichten-Website Platz.

Jede dieser vier Website-Typen kann inhaltlich auf ihre Grundaussage reduziert werden. Die informative Website eines Unternehmens muss nicht deckungsgleich für den mobilen Internetauftritt konzipiert werden. Hier genügt meist die Startseite mit den neuesten Informationen über das Unternehmen, eine Rubrik zu dem Dienstleistungs- oder Produktportfolio des Unternehmens und ein Bereich, der die Kontaktmöglichkeiten aufführt.

Die geschäftliche Website profitiert bei ihrem mobilen Auftritt von der Reduktion auf die Verkaufsschlager, auf die beliebtesten Oberrubriken und von dem reduzierten Gebrauch des Bild- und Textmaterials. Themenbezogene Websites sollten sich ebenfalls für die beliebtesten und aussagekräftigsten Rubriken entscheiden, allerdings darauf achten, die Informationen interessant zu halten. Hier kann der intensivere Einsatz von übersichtlich aufbereiteten Textpassagen durchaus Sinn machen. Nachrichten-Websites gewinnen mit der Darstellung top-aktueller Neuigkeiten bereits auf der Startseite und sollten die Möglichkeit bieten, die Themen vertieft in Unterrubriken zu recherchieren.

Wird zum Beispiel ein Wetterportal für den mobilen Web-Auftritt konzipiert, können alle Themenbereiche, die nicht über aktuelle Wetterdaten verfügen, einfach ausgeklammert werden. Meist handelt es sich um redaktionelle Erweiterungen, die das Thema Wetter aufgreifen, für den reisenden Nutzer jedoch äußerst uninteressant sind, da er in den meisten Fällen einfach nur das Wetter am Zielort abfragen möchte. Ein Autovermieter entscheidet sich gut, wenn lediglich das Mietwagenangebot abgebildet wird, Pressemitteilungen über das Unternehmen oder diverse Specials jedoch weniger berücksichtigt werden. Wer sich unterwegs schnell einen Mietwagen reservieren will, der interessiert sich in diesem Moment weniger für Rabattaktionen.

Generell muss immer aus dem Nutzungskontext der mobilen Zielgruppe heraus entschieden werden. Die Ansprüche an das mobile Internet können gravierende Unterschiede zum stationären Auftritt aufweisen. Eine Pauschalisierung von Zielgruppen ist hier ein großer Fehler.

Aller Anfang ist wichtig: Stringente Navigation

Der Aufbau der Navigation muss noch stringenter vorgenommen werden, als es ohnehin auch bei einem stationären Auftritt zu empfehlen ist. Vor allem die eindeutige Bezeichnung der Links sollte eingehalten werden, um dem Nutzer einen schnellen und eindeutigen Überblick über die Seiteninhalte zu gewähren. Nicht selten wird der Besuch mobiler Seiten aufgrund mangelnder Übersichtlichkeit abgebrochen. Auch sollte die Navigation nicht zu detailliert sein. Denn je nach Endgerät ist das Navigieren und Scrollen mit Aufwand verbunden.

Was Nutzer mögen: Übersichtlicher Seitenaufbau

Generell muss je nach Nutzeranforderung entschieden werden, wie die Inhalte dargestellt werden sollen. Die Mehrheit der mobilen Internetseiten weist jedoch immer den gleichen Seitenaufbau auf. Auch wenn dieser nicht vorgeschrieben ist, hat er sich in der Praxis jedoch bereits als nutzertrauglich erwiesen. Am Seitenanfang steht daher zumeist das Unternehmenslogo. Darauf folgen ein bis zwei Menüebenen, die entweder tiefer in die Navigation führen oder schlicht allgemeine Links enthalten. Anschließend folgt der eigentliche Content-Bereich, der Platz für Teaser mit weiterführenden Links gibt. Der Nutzer kann sich dann entscheiden, ob er den vollständigen Artikel wirklich lesen will, oder sich lieber anders orientiert. In der Fußzeile finden schließlich für den Nutzer weniger wichtige Informationen Platz, so zum Beispiel weiterführende Informationen oder rechtlich vorgeschriebene Angaben.

Mobiler Augenschmaus: Das Design

Reduktion ist eine Eigenschaft, die der grafischen Gestaltung eines mobilen Internetauftritts unbedingt zugeschrieben werden sollte. Weniger ist hier mehr, denn wie bereits beschrieben, erwartet der Nutzer komprimierte und schnelle Informationen. Auch sollte nicht mit exotischen Schrifttypen experimentiert werden oder ein exzessiver Einsatz von Farben stattfinden. Viele Handys verfügen nur über einen eingeschränkten Farbraum und geben die Inhalte nicht korrekt wieder. Lange Eingabeformulare sollten vermieden werden, da die meisten Handys nicht auf manuelle Eingaben ausgerichtet sind.

Hohe Datenvolumen sollten nicht zum Einsatz kommen, da aufgrund der unterschiedlichen Bandbreiten der Netztechnologien die Übertragungsgeschwindigkeiten noch nicht mit denen des stationären Internet vergleichbar sind. Auch ist die Nutzung des mobilen Internet teilweise noch sehr teuer, weswegen Download-Möglichkeiten nur selten einen Sinn ergeben. Sollen Inhalte optisch voneinander getrennt werden, bietet sich ein einfacher Trennstrich an. Das mobile Internet muss in seiner Gestaltung pragmatisch und weniger kreativ angegangen werden.

Den Nutzer perfekt erreichen: Technische Umsetzung

Viele werden sich an das Wireless Access Protocol (WAP) erinnern, das lange Zeit als technische Grundlage für mobile Internetseiten verwendet wurde. Mittlerweile hat sich XHTML-Mobile Profile als Auszeichnungssprache durchgesetzt. Zusätzlich zu XHTML-MP kann Cascading Style Sheets (CSS) für die Gestaltung der Inhalte verwendet werden.

Die große Anzahl an unterschiedlichen Endgeräten im Mobilfunkbereich, die mit unterschiedlichen Betriebssystemen und Browsern ausgestattet sind, macht eine Optimierung der mobilen Website für die unterschiedlichen Zugangsarten seitens des Website-Betreibers notwendig. Dies kann entweder über das User Agent Profile oder über die darauf aufbauende WURFL-Datenbank erfolgen. Bei beiden Varianten erfolgt ein automatischer Abgleich mit dem vom mobilen Browser des Nutzers gesendeten Daten an die aufgerufene Seite.

Das User Agent Profile ist eine XML-Datei, die beim Gerätehersteller gespeichert wird und Angaben zum Funktionsumfang des Geräts enthält. Bei der WURFL-Datenbank handelt es sich um ein XML-Dokument, welches Funktionsdaten von fast jedem mobilen Endgerät beinhaltet. Für die Erstellung der Datenbank wird auf die UAProfs der Endgerätehersteller zugegriffen. Zurzeit umfasst die WURFL-Datenbank fast 400 Geräte. Beide Varianten sorgen, bei entsprechender Programmierung der mobilen Website, in Sekundenschnelle für das Einordnen der verwendeten Hard- und Software und richten den mobilen Auftritt entsprechend aus. Um mit der Datenbank arbeiten zu können, gibt es Implementierungen für verschiedene Scriptsprachen wie PHP, Perl, Ruby, Python, .NET oder auch Java. [2]

Fazit: Ist Ihre Internetseite fit für den mobilen Auftritt?

Ist Ihre Internetseite fit für den mobilen Auftritt? Führen Sie sich folgende Checkliste vor Augen:

  1. Wie notwendig ist ein mobiler Auftritt für mein Unternehmen / meine Dienstleistung / mein Produkt?
  2. Welche mobile Zielgruppe spreche ich mit einem mobilen Auftritt an?
  3. Gestalte ich einen komplett neuen mobilen Internetauftritt oder passe ich den bereits bestehenden an die mobile Umgebung an?
  4. Was genau möchte ich dem mobilen Nutzer anbieten?
  5. Wie viel Aufwand ist mit der Erstellung und Pflege der mobilen Seiten verbunden und besitze ich das notwendige Zeit-, Kosten- und Personalbudget?

Sind diese Fragen geklärt, kann ein erstes Konzept der mobilen Seite erstellt werden. Grundsätzlich geht der Trend immer weiter hin zu einer mobilen Nutzung von Web-Inhalten. Besonders Auskunfts- und Service-Portale können ihre Aktivitäten gewinnbringend ausdehnen.

Für Unternehmen besteht die Chance, ihre Mitarbeiter auf innovativem Weg direkt und aktuell anzusprechen und aktiv in das Firmengeschehen mit einzubeziehen. Empfehlenswert ist ein mobiler Internetauftritt, wenn die betreffende Website bereits im Internet etabliert ist, eine hohe Nutzerzahl aufweist und immer am Puls der Zeit agiert. Mobil können die bereits vorhandenen Kunden und Interessenten stärker an die Marke gebunden werden und die mobile Zielgruppe aktiv angesprochen werden.

[1] Vergl. TNS Infratest: Studie mobiles Internet [196] .

[2] Vergl. J. Stockhausen: "Evaluierung technischer und wirtschaftlicher Entwicklungen des mobilen Internets zum Einsatz in mittelständischen Unternehmen und Organisationen".

[Bild: Fotolia.com]

Marken-Award: Beste Marken 2009 wurden ausgezeichnet

Über 1.000 Gäste aus Management, Marketing, Medien und Agenturen feierten am 17. März in Düsseldorf die Verleihung des Marken-Award 2009. Die Sieger wurden von einer hochkarätig besetzten Jury in einem aufwändigen, mehrstufigen Bewerbungsverfahren ermittelt. Christoph Berdi, Chefredakteur der absatzwirtschaft, berichtet:

"Die Früchte hängen hoch beim Marken-Award, denn die Jury prüft die Bewerbungen sorgfältig und gleicht sie auch mit externen Daten ab. Die Bewerbungen der diesjährigen Finalisten waren hochprofessionell, sodass der Jury die Wahl der Preisträger nicht leicht gefallen ist. Nicht nur die Gewinner Landlust, Nivea und DB konnten überzeugen, sondern auch die anderen Nominierten und viele andere, die es knapp nicht ins Finale geschafft haben."

Beste Neue Marke: "Landlust" trifft den Nerv der Zeit

Landleben als Lifestyle, Entschleunigung als Prinzip: Die Zeitschrift Landlust begeistert Leser und Medienexperten gleichermaßen und wusste auch die Jury des Marken-Award zu überzeugen: In Zeiten kriselnder Printmärkte ist es dem Münsteraner Landwirtschaftsverlag gelungen, die verkaufte Auflage seiner alle zwei Monate erscheinenden Zeitschrift fast linear zu steigern auf stolze 446.681 Exemplare (IVW, 4. Quartal 2008). Damit ist der im Herbst 2005 gestartete Titel heute unangefochtener Marktführer im Segment der Wohn- und Gartenzeitschriften.

Die Macher der Zeitschrift setzen auf Themenvielfalt und Qualitätsjournalismus mit hohem Nutzwert. Garten, Kochen, Wohnen, Natur - alles Bereiche, die sich in einer Ausgabe wiederfinden, dargeboten in einer liebevollen Bildsprache, die auf gestellte Fotos verzichtet. Das authentische Konzept eines ländlichen "Lifestyle-Magazins" begeistert dabei auch Städter – bezeichnenderweise ist das Wachstum der "Landlust" im urbanen Raum am stärksten.

"Landlust" setzte sich gegen "E wie Einfach" und  "Black Forest" durch: "E wie Einfach" punktet im Energiemarkt mit einem einfachen Wechselprozedere und einem klaren Preisvorteil. Im Neukundengeschäft schlägt die Marke so die gesamte Konkurrenz. Die Peterstaler Mineralquellen hingegen wagen mit dem hervorragend gebrandeten Wasser „Black Forest“ den Schritt in die bundesweite Distribution und nehmen es mit weitaus größeren Wettbewerbern auf.

Bester Marken-Relaunch: Schöne Pflege stärkt Nivea

Von der Pflege- zur Schönheitspflegemarke: Beiersdorf meistert den sanften Relaunch von Nivea, schafft eine neue Plattform für seine Markenlinien – und bleibt dabei unterscheidbar. Das überzeugte die Jury, denn Nivea zeige eindrucksvoll, dass nicht jeder gelungene Relaunch einer komplett neuen Optik bedarf. Beiersdorf hat die Marke vielmehr evolutionär einen großen Schritt machen lassen, weil sich der Markt und vor allem die Kundinnen geändert haben: Pflege war gestern, Schönheitspflege ist heute.

Die Kampagne mit dem Slogan "Schönheit ist ..." stärkte das Nivea-Markenprofil: In den Dimensionen Schönheit, Attraktivität, Lebensfreude und Sinnlichkeit konnte ein Zuwachs von 30 bis 80 Prozent erzielt werden. Der Relaunch bewirkte eine deutliche Steigerung des Markenwerts – seit 2007 plus 68 Prozent. Die positive Entwicklung von Nivea mit einem weltweiten Umsatzplus von 10 Prozent trug viel zu den guten Geschäftszahlen bei, die die Beiersdorf AG für 2008 präsentieren konnte.

Ganz anders der Relaunch von Rewe, das seine Vertriebsmarke und damit alle Outlets mit einem "big bang" auf eine neue Markenwelt umstellte. Durch den Relaunch verbesserte Rewe die wichtigsten Kennziffern und seine Wettbewerbsposition nachhaltig. Diverse Vertriebsschienen wie Minimal verschwanden unter dem neuen Markendach.

Der Wassertechnikhersteller Oase überzeugte ebenfalls mit seinem Relaunch, bei dem er die Faszination des Lebensraums Wasser in den Mittelpunkt rückte. Mit der Marke Oase Living Water, einem gestrafften Sortiment und einer verbesserten Distribution kehrte das Unternehmen in die Wachstumsspur zurück.

Beste Marken-Dehnung: DB ordnet Markenvielfalt

Mit einer Dachmarkenstrategie vereinheitlicht die Deutsche Bahn die Außenwahrnehmung des Konzerns und integriert über hundert eigenständige Markenauftritte. Um den Anspruch, das weltweit führende Mobilitäts- und Logistikunternehmen zu werden, auch nach außen sichtbar zu machen, entwickelt die DB eine neue Markenarchitektur: Zunächst wird das DB-Symbol mit den Schlagwörtern Mobility, Networks, Logistics ergänzt. Die Darstellung soll die drei Kernmärkte ins Blickfeld rücken:

  1. Personenverkehr,
  2. Infrastruktur sowie
  3. Transport und Logistik.

Seit Dezember 2007 wird die Konzernmarke getragen von den drei Ressortmarken DB Bahn, DB Netze und DB Schenker. Insbesondere die Entscheidung, den Transport- und Logistikbereich unter DB Schenker zur vereinen und damit die Kompetenz und das gute Image der Logistikmarke weiter zu nutzen, fand den Zuspruch der Jury. Erste Akquisitionserfolge zeigen, dass die neu aufgestellte Marke DB so die Voraussetzungen für nachhaltiges Geschäft auch im Ausland schafft.

Neben DB waren Henkel mit Taft von Schwarzkopf und Nivea Visage DNAge von Beiersdorf in dieser Kategorie nominiert: Henkel schaffte es, mit einer geschickten, mit den Methoden des Neuromarketing vorbereiteten Markendehnung neues Wachstum zu generieren und die Marktführerschaft von Taft kräftig auszubauen. Mit Nivea DNAge erweiterte Beiersdorf das Produktportfolio um ein innovatives Gesichtspflegeprodukt. DNAge brachte Nivea die Marktführerschaft im Anti-Aging-Markt zurück, und zwar ohne die bestehende Q10-Produktlinie zu kannibalisieren.

[po; Quelle: Marken-Award [197] ; Bild: Bernd M.Michael (Präsident des Deutschen Marketing Verbandes)]

Broschüren gestalten: Tipps für gelungene Werbebroschüren

Darüberhinaus geben Broschüren einer Firma eine visuelle Dimension: Gut gestaltet vermitteln sie eine gut geführte Organisation. Außerdem nimmt ein möglicher Kunde im Gegensatz zu Werbebriefen oder Anzeigen die Broschüre aus einem bestimmten Grund in die Hand. Sei es, weil er sie bestellt hat oder weil sie ihm am Messestand überreicht wurde. Dadurch ist er grundsätzlich bereit, sich mit der Broschüre zu beschäftigen – ein Umstand, den Sie durch eine ansprechende Gestaltung unbedingt nutzen sollten.

Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei:

  • Stellen Sie das wichtigste Verkaufsargument an den Anfang der Broschüre – am besten gleich aufs Cover. Denn: Die Leser haben es eilig. Sie entscheiden aufgrund des Titels, ob sie weiterlesen oder nicht.
  • Betonen Sie die Vorteile Ihres Produkts, nicht dessen Eigenschaften. Letztere beschreiben lediglich, wie ein Erzeugnis funktioniert und wie es aussieht. Was jedoch für den Kunden zählt, ist der Nutzen. Machen Sie also dem Leser klar, was Ihr Produkt für ihn tun kann. Halten Sie sich einfach an die Formel „FAB“: features, advantages, benefits. Ein Beispiel: Airbags sind in fast jedem Auto vorhanden (feature). Sie machen das Autofahren sicherer (advantage). Das wiederum schützt die Insassen und kann Leben retten (benefit). – Wenn Sie wirklich nicht wissen, warum die Menschen Ihr Erzeugnis kaufen – fragen Sie sie einfach. Entweder in informellen Gesprächen oder mittels Fragebogen. Sie finden damit jene Nutzenversprechen heraus, die Sie unbedingt in der Broschüre hervorheben sollten. Betonen Sie vor allem Produktvorteile, die Sie von den anderen Anbietern unterscheiden und in den Augen der Kunden einmalig machen.
  • Legen Sie Ihre Zielgruppe genau fest, ihre Sorgen und Bedürfnisse. Zeigen Sie dann, wie Sie diese Kundenwünsche befriedigen können. Das macht den Text interessant, der Leser bleibt aufmerksam und offen. Wenn Sie nicht sicher sind, was in eine Broschüre hineingehört: Schreiben Sie einfach die typischen Kundenanfragen auf. Beantworten Sie sie und schon haben Sie eine Grundlage für die inhaltliche Gestaltung. Wenn Sie möchten, können Sie den Text auch als Abfolge von Fragen und Antworten gliedern.
  • Vermeiden Sie die „wir“-Form, sprechen Sie den Leser immer direkt an. Schreiben Sie nicht: „Unser Produkt funktioniert vollautomatisch“, sondern „Sie sparen viel Zeit, wenn Sie unser Produkt verwenden“. Versuchen Sie, die Wörter „ich“ und „wir“ so weit wie möglich zu vermeiden.
  • Stellen Sie sich den typischen Vertreter Ihrer Zielgruppe bildlich vor und schreiben Sie für ihn. Das lässt den Stil persönlicher und lebendiger werden; Sie vermeiden trockene Technikersprache. Schreiben Sie einfach und anschaulich, erschlagen Sie den Leser nicht mit unwichtigen Einzelheiten. Gliedern Sie den Text in übersichtliche Absätze und arbeiten Sie mit leicht lesbaren Aufzählungen oder Infoboxen.
  • Formulieren Sie kurze Überschriften, die gleich auf den Punkt kommen und den Kundennutzen hervorheben. Auch das setzt voraus, dass Sie die Bedürfnisse und Probleme Ihrer Kunden genau kennen.
  • Verwenden Sie Testimonials – sie unterstreichen Ihre Glaubwürdigkeit. Wenn die Leser erfahren, wie Sie einen Kunden erfolgreicher machen konnten, sind sie für Ihre Verkaufsbotschaften offener. Greifen Sie aber nur auf reale Testimonials zurück, Fälschungen sind tabu.
  • Show, don’t tell. Das heißt: Sagen Sie dem Leser nicht, was er von Ihrem Unternehmen zu denken hat – beweisen Sie es ihm. Zum Beispiel durch Fallstudien. Diese veranschaulichen, wie Sie die Probleme von Kunden lösen. Zeigen Sie, was sich hinter Ihrem „herausragenden Service“, den „effektiven Lösungen“ oder der „fachlichen Kompetenz“ verbirgt. Erzählen Sie lehrreiche Geschichten und vermeiden Sie langweilige Worthülsen.
  • Verwenden Sie keine kurzlebigen Informationen, sonst müssen Sie bald wieder eine neue Broschüre drucken. Das gilt für die Namen von Ansprechpartnern, aber auch für Bilder von Mitarbeitern.
  • Gestalten Sie die Broschüre informativ. Denn der Leser soll sie auch zukünftig zum Nachschlagen nutzen und sie nicht gleich wegwerfen. Dazu können Sie beispielsweise aktuelle Marktstudien zitieren und einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung Ihrer Branche geben. Und: Eine Broschüre muss alle Informationen enthalten, die für den Verkauf entscheidend sind – sie sollte ein vollständiges Verkaufstool sein. Gehen Sie nicht davon aus, dass Sie fehlende Inhalte in einem späteren Verkaufsgespräch unterbringen können.

Diese Empfehlungen machen Ihre Produktbroschüre oder Unternehmensbroschüre zu einem starken Marketinginstrument. Zeigen Sie, dass Sie die Bedürfnisse und Probleme Ihrer Kunden verstehen und lösen. Denn das ist das beste Verkaufsargument.

[Bild: Fotolia.com]

So wird Ihre Broschüre zum mächtigen Verkaufstool ...

Wie erstellen Sie eine überzeugende Broschüre? Worauf müssen Sie beim Texten achten? Wie machen Sie aus Lesern zahlende Kunden?

Die Antworten liefert die Autorin in Starke Broschüren [198] , dem praxisorientierten eBook.

Internationaler Internetauftritt: Die Übersetzung der Website allein reicht nicht

Die virtuelle Internationalisierung beginnt bei der Konzeption

Um mehrsprachige und länderübergreifende Internetprojekte erfolgreich zu realisieren, muss das Thema Internationalisierung bereits bei der Konzeption des Auftritts diskutiert werden. Entwickeln Sie einen Plan, in welchen Sprachen das Internetangebot kurz-, mittel- und langfristig realisiert werden soll und welche Niederlassungen über einen eigenen Internetauftritt verfügen werden.

Berücksichtigen Sie hierbei, dass Länder und Sprachen nicht ohne Weiteres gleichgesetzt werden können. So gibt es durchaus mehrere Länder in denen Englisch gesprochen wird, allerdings bestehen sprachliche Unterschiede zwischen amerikanischem und britischem Englisch. Auch ist zu beachten, dass manche Länder mehrere offizielle Landessprachen haben und der fremdsprachige Auftritt der Hauptpräsenz somit in zwei oder mehrere Sprachen verfügbar sein muss. So solle beispielsweise ein belgischer Internetauftritt auf Englisch, Französisch und Deutsch umgesetzt werden, um alle Sprachgemeinschaften zu berücksichtigen.

Bereits bei der Konzeption muss daher definiert werden, welche Inhalte wo bereitgestellt und durch wen übersetzt werden. Da moderne Internetauftritte in der Regel auf Basis eines CMS realisiert werden, sollten hier die technischen Rahmenbedingungen geprüft und eine passende Lösung ausgewählt werden.

Länder, Sprachen und Maßeinheiten

Der Einbezug unterschiedlicher Länder bedeutet zudem, dass Sie Informationen auch in verschiedenen Maßeinheiten bereitstellen müssen. Ob Kilogramm, Pfund, Inch oder

Zentimeter: Die Größen- und Gewichtsangaben Ihrer Produkte werden in Frankreich anders bemessen als in England. Gleiches gilt natürlich auch für Preise, Steuerangaben und vieles mehr.

Bei der Ansprache von Kunden in verschiedenen Ländern gilt es aber auch bei der Auswahl von Bild- oder Videomaterial einige Aspekte zu berücksichtigen: Die charmante blonde Dame auf der Startseite macht sich im europäischen Raum vielleicht ganz gut; für arabische oder asiatische Nutzergruppen sollte aber ein anderes Bildmotiv gewählt werden.

Auch bei der inhaltlichen Ansprache der Kunden gibt es Landesunterschiede: Die Vaillant Gruppe, Hersteller von Klima- und Heiztechnikgeräten, legt beispielsweise auf der deutschen Webseite den Schwerpunkt auf Heizgeräte und Wärmepumpen. Die spanische Version hingegen stellt Solaranlagen und Klimageräte in den Vordergrund.

Content Management im internationalen Kontext

Die Auswahl der richtigen technischen Basis ist für internationale, mehrsprachige Internet-Projekte von großer Bedeutung. Nur ein leistungsfähiges Content-Management-System (CMS) ist in der Lage, die mehrsprachigen Vorgaben sinnvoll und effektiv zu realisieren. Wichtigste Anforderung ist zunächst die Möglichkeit, mehrere Zeichensätze über das CMS verwalten zu können. Hierbei setzen moderne Produkte auf den Standard UTF-8 (8-bit Unicode Transformation Format). Über dieses Format lassen sich alle Unicode-Zeichensätze abbilden und somit auch nicht-lateinische Sprachen wie Kyrillisch, Arabisch oder Chinesisch, darstellen.

Unterstützt das CMS UTF-8, so gilt es, eine Entscheidung über das Konzept der Mehrsprachigkeit zu treffen. Hier gibt es verschiedene Lösungsansätze: Viele Content-Management-Systeme ermöglichen das Spiegeln von Inhalten und so die einfache Übersetzung in verschiedene Sprachen. So kann eine Seite, die zunächst in deutscher Sprache angelegt wurde, übersetzt werden und steht als zusätzliche Sprachvariante zur Verfügung. Die jeweilige Seite wird automatisch dem Navigationspunkt zugewiesen und kann über einen Parameter in der URL (zum Beispiel www.domain.de/neue-seite.html?lang=2) oder über eine eigene URL (zum Beispiel www.domain.de/en/new-website.html) abgerufen werden. Diese Art der Sprachverwaltung eignet sich insbesondere dann, wenn eine vollständige Übersetzung aller Inhalte geplant wird. Es entsteht eine Eins-zu-eins-Kopie der Webseite in einer zusätzlichen Sprache.

Unterscheiden sich die Inhalte der Sprachversionen und verfügen diese jeweils über eine eigene Seitenstruktur oder werden gar auf einer eigenen Domain betrieben, so ist ein anderes Konzept für die Sprachverwaltung sinnvoll. Hierbei wird im CMS für jede Sprache eine eigene Seitenstruktur angelegt. Diese kann dann mit Seiten und Inhalten in der jeweiligen Sprache befüllt werden. Besonders bei Sprachversionen, die nur eine Teilmenge der Inhalte darstellen, ist dieser Ansatz sinnvoll. Meist ist er aber mit erhöhtem Pflegeaufwand verbunden, da beispielsweise die Seitenstruktur mehrfach angelegt werden muss.

Bei der Verwaltung strukturierter Daten, zum Beispiel von Produktinformationen oder Terminen in einem Veranstaltungskalender, ist ein variantenbasiertes Sprachmanagement sinnvoll. Die jeweiligen Daten werden hierbei in einer Datenbank abgelegt, die entsprechend für eine mehrsprachige Pflege konzipiert sein muss. So kann auch eine Kombination der beiden Konzepte sinnvoll sein, beispielsweise wenn eine Produktdatenbank vollständig übersetzt wird, die restlichen Inhalte der Webseite sich aber pro Sprach- oder Landesversion unterschieden.

Die komplexeste Variante ist das Mandanten-Konzept: Soll jede Niederlassung über einen eigenen Internetauftritt verfügen, so muss das CMS in der Lage sein, verschiedene Mandanten zu verwalten. Diese können jeweils mit einer eigenen Benutzerverwaltung ausgestattet sein, sodass jedes Land oder jede Niederlassung das eigene Internet-Angebot koordinieren kann. Kommen zusätzlich zentral verwaltete Informationen, wie Pressemitteilungen oder Produktdaten hinzu, so muss das CMS in der Lage sein, Inhalte mandantenübergreifend bereitzustellen.

Internationale Suchmaschinenoptimierung

Bei der Optimierung internationaler Seiten für Suchmaschinen ist es enorm wichtig, bereits bei der Entwicklung der ersten Sprachversion dieses Thema zu berücksichtigen. Ist die Grundlage für die internationalen Webseiten nicht vollständig auf eine erfolgreiche Erfassung der Basis-Seite durch Suchmaschinen ausgerichtet, so multipliziert sich der Aufwand zu einem späteren Zeitpunkt mit der Anzahl der Sprachversionen. Vor allem die Templates sollten frühzeitig auf die Anforderungen der Suchmaschinenoptimierung abgestimmt werden.

Auch die Gestaltung der URL ist beim Thema Suchmaschinenoptimierung essenziell: So sollte das CMS in der Lage sein, für jede Sprachversion eigene Adressen zu definieren. Das Anhängen von Parametern oder einsprachige URL sind für die Optimierung von Länder-Webseiten nicht förderlich. So spielt beim Ranking der Suchmaschinen eine Rolle, ob der entsprechende Suchbegriff in der Adresse vorkommt. Ist diese in allen Sprachversionen nur auf Englisch vorhanden (zum Beispiel www.domain.com/de/product-info.html statt www.domain.com/de/produkt-information.html), so wird ein wichtiger Faktor der Suchmaschinenoptimierung außer Acht gelassen.

Sind dann die verschiedenen Länder-Webseiten realisiert, beginnt die eigentliche Arbeit. Es gilt, jede Seite mit eigenen Meta-Daten (Keywords, Beschreibungstexten usw.) auszustatten. Die Übernahme der Meta-Daten aus der Ursprungsversion ist hierbei nicht förderlich. Daher ist es wichtig, die lokalen Redakteure ebenfalls in der Verwaltung von Meta-Daten zu schulen und die Wichtigkeit dieses Aspektes zu verdeutlichen.

Sprach- und Übersetzungsmanagement

Sind die Inhalte für die zentrale Sprachversion erstellt, beginnt die Übersetzung. Hierbei gibt es zwei Ansätze für das Übersetzungsmanagement:

  • Die dezentrale Übersetzung der Inhalte durch Mitarbeiter vor Ort und
  • die zentralisierte Übersetzung durch das Marketing oder
  • Übersetzer in der Hauptniederlassung.

Für die erste Variante ist es entscheidend, dass die Übersetzungs-Workflows klar definiert sind. Wird beispielsweise eine Pressemitteilung auf Deutsch verfasst, so muss diese den Ländern bereitgestellt werden. Diese können die Übersetzung direkt im CMS vornehmen und stellen die Inhalte auf den Länderseiten ein.

Ab diesem Zeitpunkt ist allerdings kaum noch eine Qualitätssicherung möglich: Ist die Meldung erst einmal ins Finnische, Arabische oder Chinesische übersetzt, so kann nur noch schwer nachvollzogen werden, ob die Inhalte stimmig sind. Dieses Problem tritt insbesondere dann auf, wenn nachträgliche Änderungen durchgeführt werden sollen. Hier sind ein klares Reporting sowie eine Aufgabensteuerung über das CMS hilfreich.

Die zentrale Übersetzung der Inhalte ist meist effektiver, allerdings auch mit höheren Kosten verbunden. Durch die zentrale Steuerung von Übersetzern und die Pflege der Inhalte durch eine interne Redaktion, werden die Arbeitsprozesse meist vereinfacht und Inhalte können schneller aktualisiert werden.

Zur Automatisierung der Übersetzungsprozesse bieten zudem immer mehr Content-Management-Systeme Schnittstellen zu Lösungen, so zum Beispiel Trados oder across. Über ein XML-Format können Inhalte aus dem CMS exportiert, anschließend in den Übersetzungsprogrammen durch einen Übersetzer bearbeitet und wieder in das System eingespielt werden. Ist der Einsatz einer solchen Lösung geplant, ist es wichtig, dies bereits bei der Konzeption des Projektes und der Auswahl des CMS zu berücksichtigen.

Weltweiter Service, weltweiter Support

Ist ein Projekt einmal international angelegt, so müssen im laufenden Betrieb auch der weltweite Support und die Schulung der Redakteure gewährleistet werden. Die Arbeit in verschiedenen Zeitzonen erschwert dies. Viele Kunden setzen hier auf internetbasierte Werkzeuge: Schulungen per Web-Konferenz oder Online-Ticketsysteme für Support-Anfragen sind bei hohen Nutzerzahlen unerlässlich. Auch ist eine erhöhte Kooperationsbereitschaft nötig, um Fehlermeldungen oder Arbeitsanweisungen eindeutig zu kommunizieren.

Internationale Präsenz bedeutet aber auch, dass Service-Angebote wie ein Kontaktformular oder die Bestellung von Informationen über die Webseite auch mit entsprechenden Prozessen hinterlegt sein müssen. Die einzelnen Anfragen müssen effizient und zeitnah an die zuständigen Personen vor Ort weitergeleitet werden.

Analyse und Auswertung

Um den Erfolg internationaler Web-Projekte messen und analysieren zu können, ist der Einsatz einer umfassenden Analyse-Software entscheidend. Lösungen, als Beispiel dienen hier Google Analytics oder etracker, erfassen Zugriffszahlen, Interessen der Besucher und deren Verweildauer. Diese sollten je Sprach- oder Landes-Webseite getrennt erfasst und ausgewertet werden können. So ist es beispielsweise möglich, die Besucher nach Ländern oder Sprachen zu gruppieren und festzustellen, welche Interessen oder Vorlieben die jeweiligen Nutzer haben.

Die entsprechenden Zahlen können dann nach Ländern oder Sprachen gefiltert den lokalen Redakteuren oder Mitarbeitern bereitgestellt werden. Über automatisierbare Berichte, die beispielsweise Google Analytics bereitstellt, können zudem Mitarbeiter oder die verantwortlichen Personen vor Ort monatlich über die neusten Entwicklungen informiert werden.

Technischer Roll-Out und Betrieb

Auch auf der technischen Seite gibt es einige Aspekte, die mit einbezogen werden müssen: Webseiten, die beispielsweise im asiatischen Raum bereitgestellt, aber auf einem deutschen Server betrieben werden, können in den jeweiligen Ländern durchaus sehr langsam dargestellt werden. So macht es bei komplexen Projekten und einer entsprechend hohen Relevanz der Zielgruppe durchaus Sinn, lokale Versionen der Webseiten auch auf Servern in den jeweiligen Regionen abzulegen.

Der Standort des Servers wirkt sich nämlich nicht nur auf die Performance der jeweiligen Seiten aus, sondern ist ebenfalls in Sachen Suchmaschinenoptimierung ein wichtiger Faktor. So haben Tests ergeben, dass Google beispielsweise neben der Domain-Endung auch den Server-Standort in das Ranking einfließen lässt.

Zusammenfassung

Internetprojekte im internationalen Kontext sind eine anspruchsvolle Herausforderung. Neben einer komplexen Planung sind es vor allem konzeptionelle Themen und organisatorische Fragen, die es zu klären gilt.

Mittelständische Unternehmen mit weltweiten Niederlassungen und Standorten sollten für den Roll-Out eines internationalen Internetprojektes durchaus einige Monate, wenn nicht sogar mehr als ein Jahr Zeit einplanen. Jede weitere Internetseite, die neben der Hauptseite in Erscheinung tritt, benötigt ein separates Konzept und muss detailliert gepflegt werden. Besondere Vorsicht gilt bei länderspezifischen Vorgaben und doppeldeutigen Übersetzungen oder Bilddarstellungen. Und auch hier gilt wie bei jedem Internetprojekt: Nach dem Launch ist vor dem Launch.

[Bild: ©Albachiaraa - Fotolia.com]

Starke Marken: Einfachheit als Erfolgsfaktor

„Wenn ich viel Zeit habe, schreibe ich dir einen kurzen Brief“. Bereits Johann Wolfgang von Goethe erkannte, dass es eine hohe Kunst ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Starke Marken verfügen über diese Fähigkeit. So sind junge Marken wie Google, Bionade oder Fressnapf streng auf Einfachheit getrimmt. Eingeführte Marken wie Aldi, Geox oder Apple achten dogmatisch darauf, nicht zu breit oder kompliziert zu werden.

Darüber hinaus zeigt die aktuell aufgesetzte Markenstrategie der Telekom, dass sich Einfachheit auch exzellent für eine Neuausrichtung von Marken eignet. Die Leistungsversprechen „Innovation, Kompetenz“ und „Einfachheit“ sprechen für sich. Offensichtlich ist es lohnenswert, sich Gedanken über Einfachheit in der Markenführung zu machen. Dies wollen wir mit zwei Fragestellungen tun: Wie stehen Kunden zum Konzept der Einfachheit? Wie lässt sich Einfachheit als Erfolgsfaktor starker Marken umsetzten?

Sehnsucht nach Einfachheit und Transparenz

„Ich kaufe nur Produkte, deren Anwendung ich sofort verstehe“. Dieses qualitative Kundenstatement eines Befragten unserer repräsentativen Marktforschungsstudie bei 1.200 Personen in Deutschland bringt die rationale Seite der Einfachheit auf den Punkt.

Darüber hinaus haben wir in unserer Studie auch eine emotionale Sehnsucht nach Orientierung, Transparenz, Vertrauen und Komplexitätsreduktion festgestellt. Die Ergebnis-Highlights dieser Marktforschungsstudie zeigen, dass Einfachheit eine außergewöhnliche Positionierungschance mit nachhaltiger Wirkung für starke Marken ist.

Wie viel Prozent der vorhandenen Funktionen werden tatsächlich genutzt?
Welche Produkte erleichtern das Leben?
  • Es gibt kaum Produkte oder Dienstleistungen, die das Leben einfacher machen: Mit (lediglich) 31 Prozent liegen Internetshopping und Onlinebestellung auf Platz 1 bei den Antworten auf diese offene Frage. Es folgen Autos mit 21 Prozent und Computer mit 18 Prozent. Ernüchternd ist die Tatsache, dass Mobiltelefone erst mit 11 Prozent an 4. Stelle folgen. Mit anderen Worten: Nur einer von 10 Befragten ist der Meinung, dass Handys das Leben erleichtern.
  • Bei der Frage nach der Einfachheit ausgewählter Produkte beziehungsweise Aktivitäten liegen Bankgeschäfte und der Wechsel des Telefon- beziehungsweise Stromanbieters ganz hinten: Lediglich 19 Prozent halten den Wechsel des Telefon- beziehungsweise Stromanbieters für einfach, bei Bankgeschäften sind dies (immerhin oder nur) 26,5 Prozent.
  • Der Nutzungsgrad der Funktionen ausgewählter Geräte ist ernüchternd: Bei Haushaltsgeräten werden immerhin 64 Prozent der Funktionen genutzt. Damit liegt „Weiße Ware“ hinsichtlich des Nutzungsgrades nicht etwa hinten, sondern ganz vorne. Das (traurige) Ende der Fahnenstange bilden Handys mit einem angegebenen Nutzungsgrad von 42 Prozent der Funktionen. Mit anderen Worten: Im Durchschnitt sind 40-60 Prozent der Funktionen ausgewählter Geräte überflüssig.

Die Ergebnisse zeigen, dass es sich in Zukunft für starke Marken mehr denn je lohnt, den Kunden das Leben einfacher zu machen.

Aus diesen Ergebnissen und den Referentenstatements unseres 4. Unternehmertags „Einfacher = Erfolgreicher“ lassen sich sieben Erfolgsfaktoren zur Schärfung von Markenprofilen durch mehr Einfachheit ableiten.

1. Konzentration auf das, was der Kunde wirklich will

Laut Prof. Detlef Zühlke vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz leben wir zunehmend in einer Bedienkrise. In seinem Buch „Der Intelligente Versager“ beschreibt er, wie die „dummen Kunden“ im Krieg der Knöpfe zunehmend frustriert werden. Die Paradoxie des „weniger ist mehr“ kommt im aktuell auf dem Markt eingeführten Handy „Handleeasy 330 GSM“ in skurriler Weise zum Ausdruck: Der Spiegel widmet diesem „Traumprodukt vieler Technikverweigerer“ einen Artikel mit dem Titel „Einfach telefonieren – was will man mehr?“. Dieses, konsequent auf nützliche Funktionen reduzierte Gerät ist zu einem Preis von 130 Euro angesichts seines Funktionsumfangs nicht gerade ein Schnäppchen.

„Gerade deshalb“, so der Spiegel „werden Kunden tatsächlich einmal etwas tiefer in die Tasche greifen, um im Gegenzug etwas weniger zu bekommen“. Die Paradoxie „Weniger Funktionen für mehr Geld“ sollten wir künftig beispielsweise in der Marktforschung aufgreifen. Anstatt permanent zu fragen was Kunden noch zusätzlich wollen sollten wir uns auf andere Fragen konzentrieren:

  • Welche Funktionen sind überflüssig?
  • Ist die Bedienung einfach und selbsterklärend?
  • Welches sind die signifikanten Werttreiber von Marken?

Die Beantwortung dieser Fragen hilft ungemein, sich in seiner Markenstrategie auf das Wesentliche zu konzentrieren.

2. Fokussierung der Markenkommunikation auf ein Thema

Barack Obama hat mit der Besetzung des Begriffs „Change“gezeigt, welche Durchschlagskraft die Besetzung eines Themas („One Word Equity“) hat. Wer sich bei dieser anspruchsvollen Aufgabe schwer tut, sollte zumindest seine Werbebotschaften in eine Hierarchie bringen.

3. Lassen Sie Ihre Produkte wirken

In unserer Marktforschungsstudie haben wir einen wichtigen Wirkungszusammenhang aufgedeckt: Einfache Produkte erzeugen Ehrlichkeit und Ehrlichkeit erzeugt Vertrauen. Dieser Zusammenhang wurde insbesondere von den Banken verkannt, die besonders negativ von der aktuellen Finanzkrise betroffen sind. Die eigentliche Ursache der Finanzkrise lag im Angebot komplexer Finanzprodukte, die oftmals die eigenen Berater nicht verstanden haben. Verlorenes Vertrauen kann hier nur mit konsequenter Vereinfachung der Produkte zurückgewonnen werden. Ein weiteres Erfolgsbeispiel für einfache und transparente Produkte ist Bionade. Bereits die Verpackung signalisiert Transparenz, Ehrlichkeit und Vertrauen.

4. Bereinigen und strukturieren Sie Ihr Angebotsprogramm

Ausufernde Produktvarianten und Angebotsprogramme sind der sicherste Weg zu Verwirrung und Kaufzurückhaltung. Hier können wir viel von Discountkonzepten wie Aldi oder Fressnapf, aber auch von Marken wie adidas oder Audi lernen: So bringt adidas durch die Bereiche Sport Performance (Sport), Sport Heritage (Revival) und Sport Style (Mode) Übersichtlichkeit, Bedarfsorientierung und Einfachheit in sein Angebotsprogramm. Auch die Marke Audi zeichnet sich durch eine klar nachvollziehbare Modellstrukturierung (A3-A8) in der ausufernden Modellvielfalt vieler Automobilhersteller aus.

5. Übersichtlichkeit und einfache Handhabung als Dogmen von Marken-Websites

Google macht es vor: Die Website der Aufsteiger Marke Nr. 1 ist nicht nur seit Jahren konstant geblieben, sondern glänzt auch durch konsequente Einfachheit. Variationen beschränken sich auf „zeitgeistige“ Anpassungen des Google Logos. Die Durchführung von UseabilityTests möglichst live in Studios sollte Standard sein. Dabei stehen zwei Fragen im Vordergrund:

  1. Finden Kunden schnell und einfach das, was sie auf der jeweiligen Website suchen?
  2. 2. Vermittelt die Website die Werte der jeweiligen Marke?

6. Bieten Sie einfache Zugänge zu Ihren Produkten

Wer sich in letzter Zeit mit dem Kauf von Laufschuhen beschäftigt hat, kennt das Dilemma: Unzählige Varianten für unzählige Läufertypen. Sportscheck bietet dafür auf seiner Website mit dem „SolutionFinder“ Abhilfe: Kunden haben mithilfe eines einfachen Menüs die Möglichkeit, sich selbstbestimmt schlau zu machen, welches Produkt für sie geeignet ist.

7. Einfaches Pricing

Die aktuelle Finanzkrise ist eine Komplexitätskrise. Dies liegt nicht nur an komplexen Produkten, sondern auch an einer intransparenten Preisstruktur. Mittlerweile bringen die Medien mehr und mehr ans Licht, dass Bankberater Finanzprodukte auch deshalb wärmstens empfehlen, weil sie selbst von den Verkaufsprovisionen entsprechend profitieren. Abhilfe schaffen transparente und einfach verständliche Preismodelle. So sorgt die quirin-bank mit einer Beratungs-Flatrate von 75 Euro pro Monat derzeit für Furore. Dafür wandern die ansonsten fälligen Verkaufsprovisionen für alle Kunden transparent auf ein Kickback-Konto. Weitere Beispiele für einfache Tarife sind die Mobilfunkmarke Simyo mit dem „besten Einheitstarif, den es je gab“ (Slogan: „Weil einfach einfach einfach ist“) sowie die Marke Ford mit der „Flatrate Relax“ (Mobilität ab 175 Euro pro Monat).

Fazit: Steigern Sie die Durchschlagskraft Ihrer Marke durch Vereinfachung. Möglichkeiten dafür gibt es genug.

Ausblick: Vergessen Sie dabei Emotionen nicht. Gefühle sind nach wie vor für viele Kunden der Weg, um sich im Dickicht der Angebote zu orientieren. Paul Potts und die Telekom machen uns dies vor.

Zur Marktforschungsstudie

Die Puls Marktforschung hat zwischen dem 7. und 14. Juli 2008 in Deutschland insgesamt 1.135 repräsentative Online-Interviews geführt. Gefragt wurde unter anderem, welche Handy-Funktionen überflüssig, und welche Produkte und Dienstleistungen zu kompliziert sind. Außerdem wurde gefragt, was man vereinfachen würde, wenn man für einen Tag Bundeskanzler wäre.

[Bild: Fotolia.com]

Nischenstrategie: Der Kluge wählt die Nische

Gerade in hart umkämpften und gesättigten Märkten und für Startups haben Nischenstrategien eine ganze Reihe von Vorteilen – und erst recht solche, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. In Nischen aktive Unternehmen haben oft die Chance zu einer klaren Positionierung, die ihnen ein ebenso klares und gut erkennbares Profil verleiht.

Wesentlich ist dabei, dass der Nischenanbieter nicht nur eine klar definierte oder definierbare Zielgruppe anspricht, sondern auch deren Bedürfnisse sehr gut kennt. Und wer die Bedürfnisse seiner Zielgruppe detailliert verfolgt, ist auch besser und schneller über neue Trends und Veränderungen im Kaufverhalten informiert und kann so schneller reagieren als breit konkurrierende Mitbewerber, die in der Regel schwerfälliger agieren.

Entscheidend ist aber auch die Werbung und Kommunikation, sowohl mit den aktiven wie auch mit den potenziellen Kunden. Da es sich oft um wesentlich kleinere und überschaubarere Kundensegmente handelt, ist einerseits - mit dem Bedarfs-Know-how verbunden - eine wesentlich präzisere Ansprache möglich, die exakt auf aktuelle Bedürfnisse eingehen kann.

Andererseits entstehen wesentlich geringe Kosten, wenn eine klar definierte und beispielsweise mit Fachmedien äusserst gezielt erreichbare Zielgruppe fokussiert werden kann. Ein Beispiel: Sich ein im Business-to-Business-Bereich auf die Grafiksoftware für Vermögensverwaltung spezialisiertes Unternehmen kann in einigen wenigen Fachmedien, Fachveranstaltungen und Fachverbänden mit einem Bruchteil der Werbekosten breiter agierender Konkurrenten Kunden generieren. Dies wiederum ermöglicht – ein ebenfalls wesentlicher Aspekt – höhere Investitionen in die Kundenbindung und in Serviceleistungen. Doch auch der Bekanntheitsgrad ist als Nischenanbieter schneller und mit klarerem Profil erreicht und etabliert sich in der Regel auch nachhaltiger.

Und ebenfalls wesentlich: Der Nischenanbieter, der es versteht, eine maßgeschneiderte Leistung in sehr guter Qualität und mit überzeugenden Serviceleistungen anzubieten, gewinnt schnell das Vertrauen der Kunden in seine Kompetenz – denn der Nischenanbieter ist, wenn er seine Kernstärken zu nutzen versteht, der Zielgruppenkenner par excellence.

Es zeichnet sich ab, dass E-Commerce und Onlinehandel weiterhin an Bedeutung gewinnen werden. Und auch hier ist der Nischenanbieter der Gewinner und kann die Vorzüge und Stärken des Onlinehandels voll ausschöpfen.

Ein amerikanischer Internetexperte stellte einmal zu Recht fest, dass das Internet kein Massenmarkt sei, sondern, im Gegenteil, eine Masse von Märkten zulasse und ermögliche. Interessant ist, dass schon heute eine solche Masse von Märkten, sprich Nischenanbieter, besteht und entsteht. Sie reichen von auf Sciene Fiction spezialisierten Antiquariaten bis zu auf einzelne Länder spezialisierte Reiseführer – und sie haben oft einen Weltmarkt mit Kunden aus allen Kontinenten, weil ihnen eine gute Plazierung bei Google oft schon reicht, um permanent neue Kunden zu gewinnen. Das Onlinemarketing ist der eine Grund, die in die Tiefe gehende und differenzierte Informationsmöglichkeit, die tiefen Marketing- und Fixkosten und die Chance zur Alleinstellung, welche das Internet für Nischenanbieter dermassen interessant macht.

Auch im so wichtigen Bereich von Innovationen ergeben sich Vorteile: Herausragende Zielgruppenkenntnisse, Möglichkeiten von Testangeboten und schnelle und differenzierte Bedarfsanalysen, das Kundenvertrauen in die Kompetenz und der oft auch technologisch hohe Spezialisierungsgrad, um nur einige Beispiele zu nennen, erhöhen die Innovationskraft und reduzieren für gewöhnlich die Floprate.

Darüber hinaus kann die Nischenstrategie einen weitgehenden Schutz vor übermächtigen Wettbewerbern oder Konkurrenten bieten, wenn es sich um Geschäfts- und Umsatzvolumina handelt, die für größere Unternehmen uninteressant sind und die Leistungserbringung dafür zu hohe Kosten verursachen würde. Doch sich deshalb auf den „Nischen-Lorbeeren“ auszuruhen und sich im Windschatten des Konkurrenzschutzes sicher aufgehoben zu fühlen, kann gefährlich sein. Das permanente Bemühen des Nischenanbieters sollte darin bestehen, seine Zielgruppe immer besser kennenzulernen, die Innovationskraft zu nutzen, Trends früher als andere zu erkennen und sich das Vertrauen in die Kompetenz immer wieder von Neuem zu erarbeiten.

[Bild: Fotolia.com]

Rekordumsatz mit Internetzugängen

Der Markt für Internetzugänge im Festnetz wird im Jahr 2009 in Deutschland voraussichtlich um 4,2 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro wachsen und damit einen neuen Spitzenwert erreichen. Das teilte der Hightech-Verband BITKOM auf Basis aktueller Prognosen des Marktforschungsinstituts EITO in Berlin mit.

„Das Geschäft mit Internetanschlüssen boomt“, sagte BITKOM-Präsident Professor August-Wilhelm Scheer. Daran werde die wirtschaftliche Flaute nichts ändern. Der Umsatz mit privaten Internetzugängen wird der Prognose zufolge dabei im laufenden Jahr um 7,5 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro zulegen. Scheer weiter:

„Immer mehr Menschen nutzen das Internet und immer mehr Haushalte steigen auf schnelle Anschlüsse per DSL oder Kabel um.“

Breitbandinternet ermöglicht bequeme Downloads von Fotos, Musik oder Videos und die Nutzung von Telearbeit. Derzeit verfügen fast 60 Prozent aller Haushalte über einen Breitbandzugang. Die Kunden profitieren von sinkenden Preisen bei gleichzeitig höherer Geschwindigkeit der Zugänge. Im vergangenen Jahr sind die Tarife für Telefon- und Internetdienste im Festnetz durchschnittlich um 3,4 Prozent gesunken. Kombipakte mit Pauschaltarifen für Telefon und schnelles Internet sind schon für 30 bis 40 Euro monatlich zu haben.

Günstigere Internetzugänge kommen auch den Geschäftskunden zugute, führen in diesem Markt aber zu einem leicht rückläufigen Umsatz. 95 Prozent aller Unternehmen in Deutschland verfügen bereits über einen Internetanschluss. Entsprechend gering ist das Mengenwachstum. Außerdem wechseln Kleinbetriebe oftmals von Mietleitungen zu den preiswerteren DSL-Angeboten. Daher sinkt der Umsatz mit Datendiensten für Geschäftskunden im Jahr 2009 voraussichtlich um 1,2 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro.

Nach Berechnungen des BITKOM wächst der gesamte Datenverkehr im Internet jährlich um 50 bis 60 Prozent. Insbesondere das Datenvolumen von privaten Internetnutzern steigt rapide an, da immer mehr Fotos, Videos und Filme in hoch auflösender Qualität im Internet übertragen werden. Scheer stellt fest:

„Mit der wachsenden Verbreitung von Video- und Filmangeboten wächst das Bedürfnis der Nutzer nach schnelleren Internetzugängen.“

Daher sei neben der Versorgung noch nicht angeschlossener Gebiete ein Ausbau der Breitbandnetze für höhere Geschwindigkeiten notwendig. Allein in Deutschland sind für den Anschluss der Haushalte an ein modernes Glasfasernetz Investitionen in Höhe von bis zu 50 Milliarden Euro notwendig.

Hinweis

Zur Datenquelle: Das European Information Technology Observatory (www.eito.com [199] ) liefert aktuelle Marktdaten zu den weltweiten Märkten der Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik. Gemanagt wird EITO von der Bitkom Research GmbH. Das EITO arbeitet u.a. mit den Marktforschungsinstituten PAC, IDATE und GfK zusammen.

[jf; Quelle: BITKOM; Bild: Fotolia.com]

Preisgestaltung: Faszinieren statt rabattieren

Einer im Dezember 2008 durchgeführten Untersuchung des österreichischen Meinungsforschungsinstituts Marketagent zufolge bereiten nicht etwa Finanzierungsschwierigkeiten oder Marktsättigung und Wettbewerbsdruck den Managern die größten Probleme, sondern das Thema Preise. Es landete auf Platz eins einer vierzehn Themen umfassenden ‚Sorgenskala‘. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie haben aber nicht immer nur mit einer höheren Preistransparenz und gestiegener Preissensibilität zu tun. In vielen Fällen sind sie hausgemacht.

Die meisten Firmen beherrschen nämlich weder Kosten noch Preise, sondern werden von den Preisen beherrscht, die der Markt oder die Konkurrenz vorgeben. "Wir müssen noch mal mit den Preisen runter, sonst verkaufen wir am Ende gar nichts mehr“, heißt dann die Devise. So liefern sich ganze Branchen Preisschlachten mit verheerendem Ausgang. Bei Preisgesprächen geht es aber nicht immer nur um leere Portemonnaies. 'Geiz ist geil' ist in Wahrheit ein Spiel für (Schnäppchen-) Jäger und (Sonderangebots-) Sammler. Seien Sie auf solche Spiele gut vorbereitet! Werden Sie preis-kreativ!

Eine kleine Bestandsaufnahme

„Bioprodukte gehen bei uns gar nicht“, sagte mir kürzlich eine Bäckereiverkäuferin. Ich konnte es kaum glauben und schaute mir das persönlich an. Schon bald kam die erste Kundin und fragt: “Also, Sie haben Bio-Brötchen und ganz normale Brötchen. Was ist denn da der Unterschied?“ Daraufhin die Verkäuferin: „Die Bio-Brötchen sind teurer.“ Hier mag man perplex den Kopf schütteln, denn ganz offensichtlich sollte die Argumentation in eine ganz andere Richtung gehen.

Doch wer genauer hinsieht, wird feststellen: Viele Verkäufer sind reine Preisverkäufer, auch in ihren Verkaufsgesprächen dreht sich alles um den Preis. Wer allerdings immer nur über seine Preise spricht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die Kunden nur noch nach den Preisen fragen.

Nicht jeder Kunde will billig kaufen! Der Billig-Preis spielt oft eine viel geringere Rolle, als uns Medien und Verkäufer glauben machen. Und es gibt Geld in Massen. Auf Sparkonten zum Beispiel. Wie attraktiv sind Sie und Ihr Angebot, um es von dort loszueisen? Ein Verkäufer muss Wünsche wecken können, von denen der Kunde gestern noch nicht wusste, dass er sie heute haben wird. Der Kunde muss Ihr Produkt unbedingt haben wollen. Ihr Angebot muss ihn wie magisch anziehen. Ein Bäcker muss demnach seine Kunden nicht satt sondern hungrig machen.

'Billig-Billig' ist mit einem Verrohen der Sitten, mit einem Verfall von Dienstleistungsqualität (Service ist teuer) und mit Vertrauensschwund ("Hätte ich das nicht irgendwo, nächste Woche noch billiger bekommen können?") verbunden. Preisdumping ist nicht selten sogar lebensbedrohlich: für das Unternehmen – und den Verbraucher. Gerade jetzt sollte es nicht kurzsichtig um das Aufpolieren von Quartalsergebnissen gehen – sondern um unternehmerische Zukunftssicherung. Und dazu kann der Vertrieb eine Menge beitragen. In vielen Branchen ist der Preis ja schließlich der Ertragstreiber Nummer eins.

Die Achillesferse des Verkäufers

Der Preis ist die Achillesferse des Verkäufers – beim Preis ist er am besten zu packen. Das Argument ‚zu teuer’ ist oft nur ein Testballon, um mal zu sehen, wie der Verkäufer reagiert. ‚Zu teuer’ ist auch ein praktischer Vorwand – eine Vorwand im wahrsten Sinne des Wortes – um seine wahren Motive zu verschleiern. ‚Zu teuer’ sagt vielleicht der Kunde, dem Sie im Verkaufsgespräch nicht genug Achtung, Aufmerksamkeit und Anerkennung gezollt haben, weil Sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. ‚Zu teuer’ wird es heißen, wenn Sie an Kundenbedürfnissen vorbeiargumentiert haben, weil Ihre Antennen nicht ausgefahren waren. Was für den Kunden nicht relevant ist, was er nicht wirklich will und braucht, ist immer zu teuer.

‚Zu teuer’ ist vielleicht die Strafe des Einkäufers, den Sie nicht mögen, den Sie für einen Abzocker oder Nullchecker halten, den Sie verschlagen finden und auf internen Meetings gern als Horrorkunden präsentieren. Denn Ihre Gestik und Mimik wird Ihre Einstellung verraten. Und der Einkäufer wird sich dafür an Ihrer schwächsten Stelle rächen: beim Preis!

‚Zu teuer’ ist also nicht selten die Strafe des Kunden für eine unprofessionelle verkäuferische Leistung. Oder er will mit ‚zu teuer’ ganz einfach sagen: Beweisen Sie mir, dass sich die Investition für mich wirklich lohnt! Wer öfter im Preisgespräch scheitert, sollte sich auch fragen, was das möglicherweise mit ihm selbst zu tun hat. Dies ist zweifellos der schwierigere Weg, denn es ist ja so leicht, ständig die Außenwelt, also die eigenen Kollegen, die schwierigen Kunden oder den unfairen Wettbewerb zum Sündenbock zu erklären.

Verkäufer, die glauben, dass Kunden nur wegen günstiger Preise kaufen, blockieren sich im Kopf für alle anderen kreativen Lösungsmöglichkeiten, denn sie signalisieren dem Hirn: Kein Grund, sich anzustrengen, spar dir die Energie! Leichtfertig vergebene Rabatte sind oft nur ein Ausdruck von Ideenlosigkeit und mangelhafter Beschäftigung mit dem, was den Kunden wirklich bewegt – in rationaler und in emotionaler Hinsicht. Und: „Das war dem Kunden mal wieder zu teuer!“ ist eine von vielen Verkäufern gern gewählte Schutzbehauptung, um den eigenen Misserfolg zu kaschieren.

Bei Vergleichbarkeit entscheidet der Preis

Anbieter müssen vor allem aus der Vergleichbarkeit heraus, denn bei Vergleichbarkeit entscheidet immer der Preis. Was man zum Beispiel tun kann: einzigartige Preis-Leistungs-Kreationen schaffen, um mit innovativen, schwer kopierbaren Wahlmöglichkeiten Kunden zu faszinieren. Oder: Dienstleistungspakete neu erfinden, um Waren knapp und begehrlich zu machen. Hierzu braucht es das Ohr am Markt. Wer seinen Kunden wirklich nahe ist, kann sehr, sehr viel über sie wissen.

Und wer hat dieses Wissen? Natürlich die Mitarbeiter, die am nächsten dran sind am Kunden! Kundennähe ist ein strategischer Erfolgsfaktor. "Wer ein Duschgel macht und seine Kunden wirklich verstehen will, der muss zu ihnen unter die Dusche gehen", sagte mir kürzlich der Produktmanager eines Markenartikel-Konzerns. Tauchen Sie ein in die Welt des Kunden, befragen Sie ihn, beobachten Sie ihn, sammeln Sie alle seine Anregungen, ergänzt um eigene Ideen, in einer Ideenbank. Organisieren Sie Zukunftsworkshops, machen Sie Kreativsitzungen, entwickeln Sie ein Ideenmanagement – mithilfe des Kunden.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Innovationen erfolgreicher sind, wenn die Kunden eingebunden wurden. Dies senkt nicht nur das unternehmerische Risiko, sondern baut zusätzlich Eintrittsbarrieren für den Wettbewerb auf. Denn jedes Involvieren schafft Verbundenheit. Kunden lieben und loben Produkte umso mehr, je intensiver sie beim Entwicklungsprozess mitreden dürfen. Hierdurch entsteht Vertrauen – und ein Stück weit auch ein ‚Mein Baby‘-Gefühl. Und wer lässt schon gerne sein Baby im Stich?

Was die Hirnforschung zum Preisthema sagt

Die Aussicht, Geld zu erhalten oder durch ein Schnäppchen Geld einzusparen, stimuliert unser celebrales Belohnungssystem. Rabattaktionen rufen demnach die Aussicht auf ein positives Ereignis hervor. Und mehr noch: Bei Erwartung einer Vergünstigung werden hirninterne Kontrollmechanismen zurückgeschaltet.

Der Verlust von Geld hingegen aktiviert ein Hirnareal, das auch für die Schmerzverarbeitung zuständig ist: die Insula. Allein auf einen Preis zu schauen tut also weh.

Ein Rabattsymbol oder ein an das Produkt gekoppelte gute Gefühl neutralisiert diesen Effekt. Die Verrechnung führt dann zum Kauf – oder auch nicht. Wie neurowissenschaftliche Untersuchungen festgestellt haben, zeigen insbesondere die Hirnaktivitäten Kaufsüchtiger ein verstärktes Verlangen nach einem begehrenswerten Produkt verbunden mit einem gleichzeitig geringeren Verlustempfinden für Geld. Das Habenwollen besiegt die Vernunft.

Und so fasst dies Bernd Weber vom Neuroeconomics Lab an der Universität Bonn zusammen:

  • Es existiert ein ‚Kaufnetzwerk‘ im Gehirn.
  • Hierbei werden Abwägungen zwischen dem Verlangen nach einem Produkt sowie dem Verlustempfinden für das Geld getroffen.
  • Dieses System ist nicht statisch, sondern wird durch verschiedene Faktoren moduliert (zum Beispiel Rabatte, zeitlich versetzte Bezahlung und so weiter).

Hirnforscher können inzwischen allein aufgrund der Aktivierung entsprechender Hirnareale feststellen, ob die Probanden ein Produkt kaufen würden oder nicht. So stellt sich jedem Unternehmen die Frage: Wodurch verschaffen wir unseren Kunden Belohnungen in Form von guten Gefühlen?

Dabei gilt: Je stärker die subjektiv empfundene Belohnung im Zuge eines Kaufs ist, desto mehr Geld-Schmerz sind wir bereit, dafür zu zahlen. Gute Gefühle dürfen kosten. Wer hingegen kein gutes Gefühl erhält, der tröstet sich (Trostpreis!) höchstens mit Billigpreisen oder Rabatten darüber hinweg. Das erkläre auch die geringe Kundenloyalität in Märkten, die sich im Preiskampf befinden, so Christian Scheier in seinem Buch Was Marken erfolgreich macht [200] : Die celebralen Belohnungen fehlen. Belohnungen machen süchtig – und damit auch loyal.

Was Menschen wirklich kaufen

Wer den Preiswettbewerb der Zukunft gewinnen will, muss sich also mehr einfallen lassen, als wahllos die Preise zu senken. Eine positive Preiswahrnehmung wird nicht durch einzelne Billigpreise geprägt, sondern durch eine konsistente, nachvollziehbare und kundennahe Preisstrategie. Der Preis ist das Opfer für einen erhaltenen Nutzen und ein gutes Gefühl. Kunden müssen also den Preis im Vergleich zur erhaltenen rationalen und emotionalen Leistung als günstig erleben. Wer nach subjektivem Empfinden mehr Nutzen bekommt, als er dafür zahlen muss, ist zum Kaufen bereit.

Letztlich kaufen Menschen keine Produkte, sondern Problemlösungen und gute Gefühle, respektive die Erfüllung ihrer Wünsche und Träume. Und das betrifft nicht nur das Consumer-Geschäft. Auch die scheinbar so sachlichen, in den männerdominierten Führungsetagen getroffenen strategischen Entscheidungen haben meist mit Emotionen zu tun: mit Prestige, mit Macht, mit Reviergehabe, mit Positionskämpfen, mit der Angst, den Anschluss zu verlieren oder der Sorge um das berufliche Überleben. Verkäufer müssen also Menschenversteher und nicht Preisbrecher sein.

Wer sich dauerhaft aus dem Preiskampf verabschieden will, zerlege einmal alle kundenrelevanten Prozesse in ihre einzelnen Schritte. Bei jedem Kundenkontaktpunkt (Customer Touchpoint) wird dann überlegt, wie man die Interaktion mit seinen Kunden besser gestalten, ihr Leben vereinfachen und ihren Nutzen vergrößern kann. Oder wie man sie emotional berühren, ihr Dasein versüßen, ihnen Zeit schenken und sie immer wieder aufs Neue überraschen kann. Nicht Geld ist für viele Kunden die knappste Ressource, sondern Zeit. Und für manche ist Raum, Ruhe und Freiheit der größte Luxus. Wer sich solche Dinge kaufen will und kann, der schaut nicht aufs Preisschild.

[Bild: ©Martina Berg - Fotolia.com]

Buchtipp

Erfolgreich verhandeln – erfolgreich verkaufen: Wie Sie Menschen und Märkte gewinnen [201]

Konsumentenwahrnehmung: Marken werden zunehmend austauschbar

Dies bestätigen die Ergebnisse der neuesten Auflage der Brand-Parity-Studie von BBDO Consulting. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die von Verunsicherung und Rezessionsangst geprägt sind, steigt eigentlich der Stellenwert starker Marken mit hoher Glaubwürdigkeit, denn die Verbraucher suchen nach Orientierung. Umso alarmierender ist das Kernergebnis der Studie: Zwei Drittel der deutschen Konsumenten (64 Prozent) nehmen Marken als austauschbar wahr.

Die höchste Austauschbarkeit weisen Benzin, Vollwaschmittel und Molkereiprodukte auf. Automobile, Bekleidung und Parfüm verfügen zwar über die geringste Austauschbarkeit, doch auch hier ist eine Steigerung zu verzeichnen. Die repräsentative Studie zeigt, dass das Wertschöpfungspotenzial in vielen Branchen nicht ausreichend erschlossen ist. Statt auf konsequente, eigenständige und ganzheitliche Markenführung wird auf generische Nachahmerkonzepte und Preiskämpfe gesetz

Die Ergebnisse im Detail

Die durchschnittliche Markengleichheit beträgt 64 Prozent, eine Steigerung von zwei Prozentpunkten seit der letzten Erhebung 2004. Konkret bedeutet dies, dass zwei Drittel der Konsumenten keine wesentlichen Unterschiede zwischen Marken erkennen können. Die höchste wahrgenommene Markengleichheit der 29 untersuchten Branchen beziehungsweise Produktkategorien weisen die Verbrauchsgütermarken mit 67,5 Prozent auf. In dieser Kategorie ist die wahrgenommene Markengleichheit bei Benzin (84 Prozent), Vollwaschmitteln (81 Prozent) und Molkereiprodukten (76 Prozent) am stärksten ausgeprägt. Bei den Dienstleistern liegt die Austauschbarkeit bei 62,5 Prozent, bei den Gebrauchsgütern bei 55,3 Prozent.

Pharma und Personal Computer

Für den Bereich Pharma ist mit einer Steigerung um zehn Prozentpunkte, von 55 Prozent auf 65 Prozent, die größte Zunahme der Austauschbarkeit zu verzeichnen. Mögliche Ursache hierfür ist die steigende Verbreitung von Generika, deren Hersteller offensiv auf Nachahmerprodukte setzen und die Markenmedikamente zunehmend verdrängen; Wirkung und Preis rücken als Entscheidungskriterien in den Vordergrund. Offensichtlich haben die Anbieter von Markenprodukten hier noch keine effektive Strategie entwickelt, um sich differenzierend zu positionieren. Die sogenannte Aut-idem-Regelung, die es dem Apotheker erlaubt, ein anderes, preiswerteres Medikament als das verschriebene abzugeben, begünstigt diese Entwicklung zusätzlich.

Auch im Bereich der Personal Computer hat die Austauschbarkeit um neun Prozentpunkte zugelegt, von 51 Prozent auf 60 Prozent. Der aggressive Marktauftritt der großen Elektrohandelsketten, die sich mit Rabatten und Sonderangeboten überbieten, lässt die einzelnen PC-Anbieter in den Hintergrund treten. Doch anstatt sich konsequent und eigenständig zu positionieren, wurden deren Werbespendings sogar noch gesenkt. Betrugen die Ausgaben für PCs 2004 noch 24 Millionen Euro, waren es 2008 lediglich noch fünf Millionen Euro Darüber hinaus kann das schlechte Abschneiden auch mit einer sichtbarer gewordenen Angleichung der Produkte, unter anderem durch sogenanntes Ingredient Branding, erklärt werden.

Bier, Online-Anbieter und Telefongesellschaften

Demgegenüber ist seit der letzten Erhebung die Austauschbarkeit bei Bier (minus sieben Punkte auf 54 Prozent), Online-Anbietern (minus sieben Punkte auf 48 Prozent) und Telefongesellschaften (minus drei Punkte auf 67 Prozent) gesunken. Die Verbesserung im Biersegment deutet darauf hin, dass es den Herstellern beispielsweise durch eine hohe Innovationsrate und steigende Produktvielfalt gelungen ist, ihre Marken aufzuladen und so eine Differenzierung zu erzielen.

Bei den Online-Anbietern kann die verbesserte Unterscheidbarkeit der Marken auf die gestiegene Nutzung von Breitbandverbindungen, hohe Werbespendings und individualisierte Angebote zurückgeführt werden. Für Präferenzbildungen und abnehmende Austauschbarkeit bei den Telefongesellschaften sorgt eine Bündelung zusätzlicher Services und Produktbestandteile. Auch die Investitionen in die Emotionalisierung der Marken wie zum Beispiel die Alice-Kampagne mit Brad Pitt oder der Telekom-Auftritt mit Paul Potts scheinen sich auszuzahlen.

Automobil

Über die geringste Austauschbarkeit im Vergleich zu den anderen Branchen verfügen die Bereiche Automobil, Bekleidung und Parfum. Aber selbst hier ist eine Zunahme zu verzeichnen. Dabei weisen im Automobilbereich Marken des großen Segments der Volumen-Anbieter eine deutlich höhere Austauschbarkeit als Premium-Marken und fokussierte Lifestyle-Anbieter auf. Rabatte und Preiskämpfe sind offensichtliche Treiber der Austauschbarkeit und mindern die wahrgenommene Wertigkeit einer Marke.

Statt dieser Preiskämpfe wünschen sich die Konsumenten die Auslobung faktischer Leistungsvorteile. Wesentlicher Differenzierungstreiber ist hierbei das individuelle Eingehen auf die Kunden und ihre Bedürfnisse bei Angebot und Betreuung. So wünschen sich 78 Prozent der Befragten individuell zugeschnittene Service-Leistungen. Selbst technische Features werden nicht so wichtig angesehen wie der Betreuungsaspekt. Auch Design spielt mit 35 Prozent eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Fazit

Gerade in Krisenzeiten spielen starke Marken eine große Rolle und haben eine hohe Orientierungsfunktion für Verbraucher. Es besteht ein Mangel an eigenständigen, differenzierenden Markenkonzepten zur nachhaltigen Generierung von Markenwert. Statt auf ein klares Leistungsversprechen wird häufig auf stereotype Klischees und Rabattschlachten gesetzt und Markenwerte somit nachhaltig vernichtet. Björn Sander, Managing Partner BBDO Consulting, kommentiert die Studienergebniss so:

"Den Problemen liegen oftmals gravierende Managementfehler zugrunde. Wer das Potenzial seiner Marke nicht ausschöpft, sondern mit austauschbaren Kategoriekonzepten den einfachen Weg geht oder den Preis zum alleinigen Kaufentscheidungskriterium macht, darf sich nicht wundern, wenn er für den Verbraucher profillos bleibt. Gerade vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise und verringerter Zahlungsbereitschaft gilt es, mit einem differenzierenden Markenversprechen, das konsequent und einheitlich umgesetzt wird, eine nachhaltige Markenpräferenz zu schaffen."

Zur Studie

Mithilfe einer repräsentativen Online-Befragung untersuchte BBDO Consulting die wahrgenommene Markengleichheit aus Sicht der Konsumenten in 29 verschiedenen Branchen bzw. Produktkategorien. Im Dezember 2008 wurden über 1.000 Personen befragt. Die Untersuchung wurde bereits zum fünften Mal durchgeführt, die vorherige Erhebung fand im Oktober 2004 statt.

[po; Quelle: BBDO; Bild: Fotolia.com]

SEO: Die Suchmaschinenoptimierung ändert sich grundlegend

Zugegeben: Der klassische Begriff SEO und seine Bedeutung haben sich bereits in den Köpfen der Marketingfachleute etabliert. Muss er auch, denn wer eine Website betreibt oder betreut, weiß, dass sie in den Weiten des Netzes unbedingt auffindbar gemacht werden sollte, um erfolgreich zu bleiben.

Dazu gehören On-Page und Off-Page-Optimierung, also die strukturierte und inhaltlich optimierte Gestaltung von Websites sowie die geschickte Platzierung und Verlinkung der eigenen Internetseite auf anderen Plattformen. Das Problem: Diese Maßnahmen sind bekannt und werden mittlerweile von jedem eingesetzt. Eine wirkliche Distanz zur Konkurrenz aufzubauen wird damit immer
schwieriger. Die Lösung: Spezialisierung.

Suchmaschinen werden persönlich

Die Möglichkeit, personalisiert Informationen im Internet abzurufen, bietet das noch recht junge Google-Tool „SearchWiki [202] “. Die Suche im Internet nach bestimmten Produkten oder Dienstleistungen ergibt in Zukunft, auf Wunsch des Nutzers, fertig zugeschnittene Angebote. Die Rede ist also von einer maßgeschneiderten Ergebnispräsentation. SearchWiki merkt sich die Vorlieben des Nutzers und kombiniert dieses Wissen mit den aufgefundenen Ergebnissen über die relevanten Informationsangebote. Die Treffer können in ihrer Reihenfolge verschoben, gelöscht, hinzugefügt oder kommentiert werden.

Dieser Dienst ist bislang nur auf der englischen Seite google.com [203] abrufbar und befindet sich noch in der Testphase. Es wird aber wie immer eine Frage der Zeit sein, bis sich die neue Google-Erfindung auch in Deutschland ihren Weg gebahnt haben wird. Da Google sich die Vorlieben des Suchenden merkt, kann bei jeder neuen Suchanfrage ein individuelleres Ergebnis angezeigt werden. Heißt der Suchbegriff zum Beispiel „Fahrrad“ und der Nutzer klickt verstärkt Angebote von Fahrradhändlern mit Elektro Bikes in seiner direkten Umgebung an, wird er bei seiner nächsten Suche eine große Auswahl entsprechender Fahrradhändler erhalten.

Doch es muss nicht immer Google sein. Wer sich über ein ganz bestimmtes Thema im Netz informieren will, der wird Spezialsuchmaschinen zu schätzen und einzusetzen wissen. Für die Personensuche im Internet ist zum Beispiel yasni.de [204] die richtige Adresse. Neue berufliche Herausforderungen können bei jobrobot.de [205] gefunden werden, schnelle Hilfe zum Thema Internetrecht bietet linksandlaw.de [206] . Videos lassen sich auf trueveo.com [207] finden, spezielle Blogs auf technorati.com [208] und Bilder auf picsearch.de [209] . Oder wird vielleicht ein Hotel für die nächste Geschäftsreise gesucht? Dann ist trustyou.com [210] eine hervorragende Web-Adresse, um ein geeignetes Hotel zu finden, das alle gewünschten Kriterien berücksichtigt. Auch komplexere Suchanfragen in vollständigen Sätzen sind dank semantisch orientierter Suchmaschinen kein Problem mehr, wie das Beispiel powerset.com [211] zeigt.

Die Suchmaschinen und ihre Ergebnisse werden persönlicher und individualisierter. Die Konsequenz daraus ist eine höhere Wahrscheinlichkeit für Nischenangebote, künftig im Ranking höher zu rutschen. Das setzt natürlich eine adäquate Betreuung der eigenen Keywords sowie eine gut gestaltete Website voraus.

Doch wenn diese Maßstäbe vorhanden sind, werden größere Anbieter künftig das Nachsehen haben. Jeder Suchende ist in der Lage, sein individualisiertes und selbst bewertetes Ranking zu erstellen. Der Long Tail des Internets gewinnt hier die Oberhand. Große Websites und Anbieter mit einem umfangreichen Waren- oder Dienstleistungsangebot müssen darauf achten, künftig eine noch dezidiertere Seitenoptimierung vorzunehmen. Kleinere Angebote erhalten die Chance, auf sich aufmerksam zu machen und einen höheren Stellenwert bei den Nutzern zu gewinnen. Die erste neue Herausforderung für die Suchmaschinenoptimierung heißt: Individualisierung.

Das Ranking verliert an Bedeutung

Jeder weiß: Je höher eine Website im Ranking einer Suchmaschine eingeordnet wird, desto eher wird sie gefunden und desto größer ist ihre Beliebtheit. Das setzt ein koordiniertes Einsetzen von Keywords sowie die schon erwähnten klassischen SEO-Maßnahmen voraus. Doch künftig wird es gar nicht mehr so sehr von Bedeutung sein, ob eine Website an Platz 2 oder an Platz 53 steht. Denn zum einen sorgt die personalisierte Suche für eine Verunreinigung des Rankings. Zum anderen interessiert es weniger, wie oft eine Seite aufgrund ihrer Einstufung angeklickt wurde, sondern vielmehr was effektiv damit erreicht wurde.

Deshalb werden die Unternehmen zunehmend auf eine hohe Conversion-Rate achten, denn eine starke Lead-Generierung führt noch lange nicht zu Sales-Aktivitäten. Das bedeutet also, dass es nicht mehr allein ausreicht, eine Website in einem Ranking möglichst weit oben zu präsentieren, sondern dass vor allem darauf geachtet werden muss, dass das eigene Angebot sowohl in der Ergebnisliste, als auch auf der eigenen Website verkaufsorientiert präsentiert wird. Die zweite neue Herausforderung für die Suchmaschinenoptimierung heißt: Abverkauf.

Suchen wird mobil und lokal

Das erstarkende Interesse am mobilen Internet wird sich auch auf die Suchmaschinenoptimierung auswirken. Denn die Nutzer von mobilen Endgeräten drängen darauf, unterwegs allgemeine Informationen über das Wetter, Neuigkeiten oder die Sportergebnisse abzufragen. Auch Shopping per Handy wird keine Seltenheit mehr sein. Denn die Anbieter haben bemerkt, dass die Nachfrage von Produkten und Dienstleistungen auch mobil steigt.

Viele Website-Betreiber haben dementsprechend bereits ihren Online-Shop für die Darstellung auf mobilen Endgeräten optimiert. Der Versandhändler OTTO wirbt zum Beispiel mit dem kleinsten Katalog der Welt für sein mobiles Shopping-Angebot. Bei der Deutschen Bahn wird das Handy-Display zur Fahrkarte und in ausgewählten Real-Märkten können die Kunden ihre Einkaufswaren mit dem Handy scannen und bezahlen.

Was bedeutet das für die Suchmaschinenoptimierung? Vor allem Weitsichtigkeit. Denn die Nutzer suchen schon in absehbarer Zeit verstärkt über Ihren Handy-Browser, besonders dann, wenn sie in ihrer unmittelbaren Umgebung die besten Angebote herausfiltern wollen.

Viele Websites sind noch nicht auf die mobile Suche ausgerichtet. Hier müssen die Betreiber darauf achten, das eigene Angebot entweder für den mobilen Auftritt neu zu gestalten, oder eine Technologie einzusetzen, die Website-Inhalte mobil übersetzt. Eine gezielte Suchanfrage will umgehend beantwortet werden. Der User hat wenig Lust, etliche Klicks bis zu seinem Ergebnis vergehen zu lassen. Er möchte übersichtlich, kompakt und schnell das beste Angebot auf seinem Display sehen.

Hier werden Unternehmen umdenken und den eigenen Online-Auftritt auf die individuellen Ansprüche des potenziellen Kunden anpassen müssen. Die dritte Herausforderung für die Suchmaschinenoptimierung heißt: Mobilität.

Neues, Altes und das Wunder der Optimierung

Insgesamt betrachtet sollten Marketingfachleute und Online-Experten weiterhin für konservativ gepflegte Inhalte sorgen. Denn je penibler der Website-Auftritt gepflegt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich dauerhaft im Ranking hält, Angebote gefunden werden und den rasanten technologischen Wandel dauerhaft übersteht. Individualisierung, Abverkauf und Mobilität sind keine Zauberwörter. Die Begriffe sollten viel mehr in die Alltagssprache eines Suchmaschinenoptimierers Einzug halten.

[Bild: ©Marco Rullkötter - Fotolia.com]

Altersgerechte Kundenansprache: Wie Unternehmen vom demografischen Wandel profitieren

Die „Alten“ sind „ver-rückt“ geworden. Sie gehen zu Rockkonzerten und zur Kosmetikerin, feilschen um Prozente bei der Geldanlage und fliegen nach Venedig zum Kaffee trinken. Ihre erste Firma gründen Sie nach der Pensionierung. Mit 54 machen sie den ersten Marathonlauf. Ihren ersten PC kaufen sie mit 65 bei Aldi und bei eBay ersteigern sie ihren iPod.

Verstaubte Marketingkonzepte beeindrucken diese Menschen nicht mehr. Wer nur ihr Geld will, verliert. Sie sind Kaufexperten und tolerieren keine Missachtung ihrer Wünsche. Austauschbare Alten-Produkte lehnen sie ab. Seniorenteller mögen sie nicht. Der Besuch bei der Bank ist langweilig und mit Kaffee-Nachmittagen lassen sie sich nicht ködern. Sie verlangen Respekt und wollen ernst genommen werden. Wer ehrlich und zuverlässig ist, dem vertrauen sie. Wer ihre Bedürfnisse berücksichtigt und ihre Probleme löst, wird ihre unangefochtene Nummer eins.

Die Alten sind heimtückisch

Die Bedeutung älterer Menschen für Unternehmen ist überragend: 50plus verfügt über 175 Milliarden Euro jährliche Kaufkraft, 50 Prozent des verfügbaren Einkommens und 75 Prozent der Vermögenswerte. Bei vielen Unternehmen ist die Hälfte der Kunden über 50. Ihnen gehören 80 Prozent der Bankeinlagen. Sie kaufen 80 Prozent der teuren Autos und 50 Prozent aller Kosmetika.

Vor diesem Hintergrund sind viele Beispiele unsensiblen Verkaufsverhaltens unverständlich:

Eine 72-jährige Dame kommt zur Bank. Seit wenigen Wochen ist sie Witwe. Sie legt ein Sparbuch mit 250.000 Euro Guthaben vor. Es ist auf ihren und den Namen des verstorbenen Mannes ausgestellt. Sie will es umgeschrieben haben. Der Bank-Mitarbeiter nimmt einen dicken schwarzen Filzstift. Er streicht den Namen des Mannes durch. Die ältere Dame ist tief in ihren Gefühlen verletzt. Sie kündigt die über 40-jährige Geschäftsverbindung.

Ein 62-Jähriger geht um 11.50 Uhr zum Optiker. Er will eine neue Brille kaufen. Vorher sollen die Augen überprüft werden. Der Geschäftsinhaber blickt auf die Uhr. Um 12.00 Uhr ist Mittagspause. Die Zeit reicht nicht für Augentest und Verkaufsgespräch. Er bittet den Kunden, um 14.30 Uhr wieder zu kommen. Der Mann ist verärgert. Er geht in ein anderes Geschäft und kauft für 1.200 Euro eine neue Brille.

In einem Gourmet-Restaurant wird einem 69-Jährigen Rotwein ins benutzte Weißweinglas nachgefüllt. Im 4-Sterne-Hotel muss der 72-jährige Gast seine Koffer selbst ins Zimmer tragen. Am Flughafen wird dem 59-Jährigen der Kaffee für 4,00 Euro im Pappbecher abgefüllt. Die schriftliche Beschwerde des 57-Jährigen über das Seminarhotel wird erst nach 3 Monaten beantwortet. Das alles sind für ältere Menschen K.O.-Kriterien. So lassen sie sich nicht behandeln. Sie sind gnadenlos und brutal, selten laut, eher heimtückisch. Werden ihre Bedürfnisse nicht befriedigt, kommen sie einfach nicht mehr.

Wertschöpfung durch Wertschätzung

Unternehmen, die bei älteren Menschen punkten wollen, brauchen eine altersgerechte Geschäftspolitik. Sie müssen Kaufgründe liefern und Antworten: „Warum sollten ältere Kunden ausgerechnet bei uns kaufen und nicht bei unserer Konkurrenz?“ Das können „Kleinigkeiten“ sein, zum Beispiel:

  • Toiletten im Erdgeschoss des Restaurants,
  • die Taschenablage beim Bäcker,
  • die Verkürzung von Wartezeiten beim Arzt,
  • Sitzgelegenheiten im Kaufhaus,
  • leicht rollende Einkaufswagen im Supermarkt,
  • eine verständliche Sprache beim Kauf eines Handys,
  • Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit des Handwerkers,
  • lesbare Formulare beim Versicherungsabschluss,
  • die Bereitstellung von Brillen im Café,
  • das gebührenfreie Ausfüllen von Belegen bei der Bank.

Firmen sollten ihre Geschäftsräume von älteren Menschen kritisch begutachten lassen. Sie sollten Stolperstellen, Drehtüren, störende Lichtreflexe und Geräuscheffekte oder klein geschriebene Orientierungshilfen beseitigen. Geschäftsräume sollten Begegnungsstätten sein.

Viele Firmen schieben ihre älteren Mitarbeiter vorzeitig in den Ruhestand ab, während die Konkurrenz Ältere aktiv umwirbt und einstellt. Ältere Kunden entscheiden mehr auf der Beziehungs-, als auf der Sachebene. Deshalb sollten ältere Mitarbeiter deren Beratung und Betreuung übernehmen. Ein Verkaufsgespräch, das den älteren Menschen ernst nimmt, ihn respekt- und würdevoll behandelt, fällt unter Gleichaltrigen leichter. Im Marketing oder im Verkauf an Jugendliche wird selten ein 63-Jähriger eingesetzt.

Viele Unternehmer glauben aber, dass ein 28-jähriger Mitarbeiter fähig ist, sich in die Lage eines 69-jährigen Kunden zu versetzen. Ein folgenschwerer Irrtum, denn die heutigen Alten, die informiert, mündig, streit- und wechselbereit sind, wollen alters- und menschengerecht behandelt werden. Ein permanentes Sensibilisierungsprogramm für das Verhalten jüngerer Menschen gegenüber Älteren ist hilfreich, kann aber die Vorteile der Gleichaltrigkeit nicht ersetzen.

Mehr-Wert für Menschen

Zukunftsforscher Professor Dr. Horst Opaschowski:

„Wer am 175-Milliarden-Euro-Markt teilhaben will, muss sich den Bedürfnissen der älteren Menschen anpassen und eine doppelte Dienstleistung erbringen: 1. den erworbenen Lebensstandard sichern (zum Beispiel durch Alltagsprodukte, Versicherungen, Aktien, Immobilien usw.) und zugleich 2. die ganz persönliche Lebensqualität (zum Beispiel durch Kulturangebote, Gesundheitsdienste, Reiseservice usw.) verbessern helfen.“

Um dem gerecht zu werden, sind neue Leistungen erforderlich. Wer ältere Menschen in ihren Lebensinteressen problemlösend unterstützt, hat die Nase vorn. Firmen, die ihre Kunden nur nach Alter und Einkommen segmentieren, übersehen deren wirkliche Probleme und Bedürfnisse.

Es ist ein Unterschied, ob es sich um reiselustige Ehepaare Mitte 50, 68-jährige alleinstehende Witwen oder einen 83-Jährigen handelt, der ins Seniorenstift umzieht. Für das Ehepaar kann der Wechsel des Mannes in den Vorruhestand die größte Herausforderung sein. Die alleinstehende Witwe strebt vielleicht Ordnung in ihren Finanzen an. Der größte Wunsch des 83-Jährigen ist eventuell die Regelung der Hinterlassenschaft und der Verkauf seiner Villa.

Wer sich auf konkrete Probleme konzentriert, findet Lösungen, die für Menschen richtig sind. Seniorenbegleitung für Reisen, Kultur und Alltag ist ein Ansatz, ebenso wie das Leben weiterhin selbst gestalten oder solange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben, Beratung zu Wohnen, Ernährung oder Gesundheit, Fahrten mit dem Auto, gemeinsame Aktivitäten oder Vermittlung von Helfern.

Die 50plus-Supermärkte von ADEG in Österreich sind auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt. Das Konzept:

  • Alle Mitarbeiter sind älter als 50.
  • Sie haben Erfahrung und Verständnis für die Wünsche der Kunden.
  • Rutschfeste Böden sorgen für Sicherheit.
  • Ein spezielles Lichtkonzept erzeugt eine helle und freundliche Atmosphäre.
  • Die eigens entwickelte Regalordnung ist übersichtlich und erspart langes Suchen.
  • Die besten Sonderangebote sind gut gekennzeichnet und an fixen Plätzen positioniert.
  • Alle Waren sind in leicht erreichbarer Höhe angeordnet.
  • Die Preise sind auf größeren Etiketten auch aus größerer Entfernung gut zu erkennen.
  • Die Lupe an den Regalen ist für das "Kleingedruckte".
  • Laufende Verkostungen ermöglichen das Testen der Produktqualität.
  • Ein Blutdruckmessgerät steht gratis zur Verfügung.
  • Die leicht rollenden Einkaufswägen sind mit Bremsen ausgestattet, verfügen über Sitzgelegenheiten und eine Ablage für den Einkaufszettel.
  • Zum Ausruhen stehen Sitzbänke bereit.
  • Die breiten Parkplätze in der hell beleuchteten Garage erleichtern das Ein- und Ausladen.

Eine Chance für Finanzdienstleister, die sich profilieren wollen: 70 Prozent der Deutschen haben kein Testament. Dabei ist für ältere Menschen die Regelung ihrer Erbangelegenheiten wichtiger Teil ihrer Lebensplanung. Viele sind daran interessiert, zu Lebzeiten für eine geordnete, rechtlich und steuerlich einwandfreie Vermögensübergabe zu sorgen, um Streitigkeiten zwischen den Erben auszuschließen.

Wenn sich Notare, Steuerberater, Anwälte, Immobilienmakler, Banken, Unternehmensnachfolge- und Mietrechtsexperten zu einem Netzwerk zusammenschließen und eine umfassende Problemlösung anbieten, entsteht ein neues Geschäftsfeld. Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sind Ergänzungen. An Bedeutung gewinnt auch, dass immer mehr Erblasser ohne Erben sind. Dabei kann die Suche nach „erbwürdigen“ Organisationen ebenso eine Rolle spielen wie die Hilfe zur Lebensgestaltung, zum Beispiel durch Freizeit-Management, Einkaufsberatung oder die Vermittlung von in- und ausländischem Betreuungspersonal für pflegebedürftige Menschen.

1998 wurde der erste Senioren-Umzugs-Service in Deutschland gegründet - speziell für Menschen ab 60. Beim Seniorenumzug werden nicht nur Möbelstücke, sondern ganze Lebensgeschichten bewegt. Die Mitarbeiter beraten mit Einfühlungsvermögen und stellen ein umfassendes Servicepaket für den Umzug zusammen: Ausmessen, Packen, Elektroarbeiten, Tischlerarbeiten, Ab- und Aufbau, Anschluss von Elektro- und EDV-Geräten, Unterstützung bei der seniorengerechten Einrichtung usw.

Speziell geschulte Teams führen die Arbeiten fachgerecht aus. Sicherheit steht an vorderster Stelle. Auf Wunsch werden die Gegebenheiten in der neuen Wohnung überprüft und rutschfeste Unterlagen und andere Hilfsmittel angebracht. Beim Umzug sind sorgfältige Verpackung, behutsamer Transport und ein ausreichender Versicherungsschutz selbstverständlich. Renovierungsarbeiten, Verkauf von Antiquariaten, Erledigung von Formalitäten bis hin zur Wohnungsauflösung gehören zum Leistungsangebot.

Viele Firmen stecken in der Preis- und Austauschbarkeitsfalle. Mit allen negativen Konsequenzen für das Ergebnis und die Wettbewerbsfähigkeit. Nutzen Sie die Demografie. Die verrückten „Alten“ bieten hervorragende Chancen. Gestalten Sie Leistungserlebnisse für die einzige wachsende Zielgruppe.

[Bild: ©robert lerich - Fotolia.com]

Buchtipps

Muthers, Helmut: 30 Minuten für „ver-rückte“ Unternehmer, GABAL, 2008 [212]

Muthers, Helmut; Ronzal, Wolfgang: Wettlauf um die Alten, Gabler, 2007 [213]

Kundenwert: Wie Sie Kundenbeziehungen stabilisieren

Anbahnungsphase

Sie haben vielleicht schon erste Probeaufträge für den Kunden durchgeführt, sind aber noch nicht als Lieferant oder Dienstleister etabliert. Diese Phase ist sehr sensibel: Die Beziehung kann schnell abbrechen, weil der Kunde parallel andere Anbieter testet und sich für diese entscheiden könnte oder weil er Ihrer Bearbeitung der ersten Aufträge nicht optimal fand.

Der enge und gleichzeitig sensible Kontakt mit dem Einkäufer ist für den Erfolg in dieser Phase sehr wichtig. Häufige, kurze Anrufe zeigen ihm, dass Sie bereit sind, sich für Abschlüsse zu engagieren. E-Mails, Briefe und Faxe mit nützlichen Inhalten, zum Beispiel vertiefende Daten über Ihre Produkte oder Dienstleistungen, sind ebenfalls hilfreich. Da Sie in dieser Anfangsphase meist nur einen Ansprechpartner haben, sollten Sie versuchen, auch mit anderen Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Ansonsten müssen Sie bei einem plötzlichen Verlust Ihrer Kontaktperson durch Krankheit oder Kündigung völlig von vorn beginnen.

Wachstumsphase

Ihr Kunde ist mit Ihrem Unternehmen zufrieden und honoriert dies mit einer steigenden Zahl von Aufträgen. In fast jeder Kundenbeziehung tritt nun ein gefährliches Ereignis ein: So sehr Sie sich auch anstrengen, irgendwann einmal werden Sie den Kunden enttäuschen. Sei es dadurch, dass Sie oder Ihre Kollegen einen Fehler machen, sei es, weil der Kunde sich von Ihrem Unternehmen mehr erwartet hatte.

Dieser Vorfall entzaubert Ihre bisherigen Leistungen und kann den Kunden dazu bewegen, sich zurückzuziehen. Zunächst gilt natürlich: Je später Sie Ihren Kunden enttäuschen, desto besser. Denn je mehr positive Ereignisse dieser mit Ihrem Unternehmen in Verbindung bringt, desto geringer sind die Auswirkungen einer einzelnen schlechten Erfahrung auf die Beziehung. Sie können das Ausmaß der nicht erfüllten Erwartungen auch vorbeugend minimieren, in dem Sie die Grenzen Ihrer Möglichkeiten nicht verschweigen und nichts versprechen, was Sie eventuell zu einem späteren Zeitpunkt nicht einhalten können.

Reifephase

Der Kunde hat sich den reibungslosen Ablauf der Geschäftsbeziehung gewöhnt, er fühlt sich bei Ihnen gut aufgehoben. Das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag ist für Sie besonders günstig: Der Einkäufer hat nur selten Sonderwünsche, sondern bestellt stets in ähnlicher Form. Die Betreuung ist für Sie eine angenehme und lohnenswerte Routine. Doch Vorsicht: Gerade Ihre Gewissheit kann dem Kunden den Eindruck vermitteln, dass Sie sich nicht mehr richtig anstrengen.

Nehmen Sie deshalb immer wieder außergewöhnliche Ereignisse zum Anlass, Ihr Engagement zu zeigen. So können Sie zum Beispiel bei technischen oder anderen Problemen persönlich zum Kunden fahren und zur Lösung beitragen. Beschwerden sollten kulant behandelt werden - hier schadet es auch nicht, wenn der Verkaufsleiter einmal persönlich anruft und sich entschuldigt. In der Reifephase haben Sie auch die größten Chancen, den Kunden vertraglich oder organisatorisch enger an sich zu binden. Prüfen Sie deshalb, ob Sie ihm entsprechende Vorschläge unterbreiten können.

Degenerationsphase

Beim Kunden herrscht Aufbruchsstimmung - er bestellt zwar noch bei Ihnen, will aber auch neue Lieferanten und Dienstleister ausprobieren und stellt kritische Fragen zu Preis und Qualität Ihrer Angebote. Häufig wird dies von Umstrukturierungen im Kundenunternehmen oder einem Wechsel der Ansprechpartner eingeleitet. Wenn Sie jetzt nicht schnellstmöglich aktiv werden, geht der Kunde verloren. Wie in der Anbahnungsphase gilt es nun, den Kontakt zu intensivieren und die neuen Ansprüche des Kunden zu analysieren. Sprechen Sie offen darüber, ob die bisherige Betreuungsintensität ausreichend war und mit welchen Maßnahmen diese verbessert werden kann. Der Verdacht, zu bequem geworden zu sein, unter dem man als langjähriger Dienstleister oder Lieferant stets steht, lässt sich nur durch innovative Angebote widerlegen.

5 Tipps zur Pflege Ihrer Kundenbeziehungen

  1. Halten Sie die Balance zwischen Kümmerung und Zurückhaltung: Ihre Ansprechpartner sollen sich von Ihnen betreut, aber nicht gestresst fühlen.
  2. Suchen Sie nach natürlichen Verbündeten im Kunden-Unternehmen. Das können zum Beispiel Mitarbeiter sein, die sich mit der technischen und organisatorischen Seite Ihres Angebots gut auskennen und sich nicht neu orientieren möchten.
  3. Krisen jeder Art sind eine Chance, sich einmal mehr als wichtiger Partner für den Kunden zu beweisen. Nutzen Sie diese Chancen und verblüffen Sie nach Möglichkeit Ihre Ansprechpartner mit hoher Leistungsbereitschaft.
  4. Manchmal sind Kunden im Unrecht. Auch wenn es kurzfristig für Unbehagen sorgt: Es nützt nur selten, Ihrem Gegenüber nach dem Mund zu reden. Mittelfristig wird er Ihnen dankbar sein, wenn Sie ihn vor Fehlern bewahren.
  5. Halten Sie die Kommunikation aufrecht. Erfolgreiche Kundenbetreuer haben einen Kontaktplan mit konkreten Anlässen, zu denen Sie sich melden und die Kundenbeziehung durch Gespräche festigen können.

Altersgruppen-Marketing: Gezieltes Marketing für Jung und Alt

Das Statistische Bundesamt belegt: Die Geburtenrate ist seit mehr als drei Jahrzehnten rückläufig, was zur Folge hat, dass der Anteil der unter 20-Jährigen in der Bevölkerung immer mehr schrumpft. Gleichzeitig steigt der Anteil der über 50-Jährigen. Angesichts dieser Prognosen bleibt es sicherlich nicht aus, dass einige Unternehmen ihr Zielgruppen-Marketing anders gewichten und ihre Budgets neu verteilen.

Trotz der schrumpfenden Zahl der Kinder und Jugendlichen sind sie eine hochattraktive Zielgruppe. Immerhin beginnen die Markenerfahrungen bereits im frühen Alter und sie bilden das Fundament für die späteren Markenentscheidungen.

Und genauso wichtig: Das verfügbare Einkommen der Kinder und Jugendlichen steigt. Wie eine Studie des Münchner Meinungsforschungsinstituts iconkids & youth [214] bestätigt, haben Kinder und Jugendlichen 2008 in Deutschland 23,1 Milliarden Euro eingenommen, zwei Milliarden mehr als 2006, eine Steigerung um neun Prozent. Damit steht der jungen Generation so viel Geld wie noch nie zur Verfügung.

Weitere Gründe, warum Kinder und Jugendliche als Zielgruppe interessant sind:

  • Sie beeinflussen stark das Ausgabeverhalten ihrer Eltern.
  • Sie lernen in ihrer Jugend Verhaltens- und Konsumweisen, die sie als Erwachsene teilweise beibehalten.

Und auch die über 50-Jährigen gewinnen an Bedeutung, wenn es darum geht, neue Märkte zu erschließen. Diese Gruppe ist als Zielgruppe deshalb so interessant, weil sie stetig wächst und noch viel Potenzial vorhanden ist, sowohl im Produkt-Marketing als auch im Service-Marketing. Gründe:

  • Sie verfügen über ein hohes Einkommen.
  • Sie sind lange fit mit differenzierten Interessen und Hobbys.

Kinder und Jugendliche als Zielgruppe

Kinder und Jugendliche sind wichtige Kaufentscheider, wenn es um den Konsum in Familien geht. Sogar beim Kauf des Familienautos haben sie Mitspracherecht. Damit sich die Kinder bei ihren Freunden für das Aussehen der "Familienkutsche" nicht schämen müssen, werden sie insbesondere bei Farbwahl und Inneneinrichtung in die Kaufentscheidung einbezogen. Das fand das Kompetenzzentrum „Frau und Auto“ der Hochschule Niederrhein in einer qualitativen Studie heraus.

Aber auch die eigenen Bedürfnisse der 6- bis 19-Jährigen kommen nicht zu kurz. Das meiste Geld gaben sie 2008 für Bekleidung und Mode aus. An zweiter Stelle steht das Weggehen und an dritter Stelle das Handy.

Quelle: iconkids & youth international research GmbH

Laut der „Metropolitan Youth“-Studie beschäftigen sich die Jugendlichen in ihrer Freizeit am liebsten mit Medien oder treffen Freunde.

Das Lieblingsmedium ist, trotz der steigenden Bedeutung des Internets, nach wie vor das Fernsehen. 94 Prozent der Jugendlichen schalten täglich das TV-Gerät ein.

Wobei junge Menschen immer häufiger Fernsehen und Internet gleichzeitig nutzen. Experten gehen davon aus, dass fast drei Viertel der Jugendlichen in Europa bei laufendem Fernseher im Netz surfen. Sie prophezeien, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Internet und Fernsehen vollkommen verschmelzen.

Musik steht im Mittelpunkt: Musikhören ist die beliebteste Freizeitbeschäftigung der europäischen Metropolenjugend. 89 Prozent der befragten 14- bis 20-Jährigen hören täglich Musik. 61 Prozent schalten jeden Tag das Radio ein. MP3-Player verdrängen das Radio nicht: Jugendliche, die einen MP3-Player besitzen, nutzen das Radio intensiver und länger. So orientieren sie sich über die neuesten Trends im Musikgeschehen.

Preispolitik: So setzen Sie höhere Preise durch

Mit äußeren Umständen begründen

 

Grundsätzlich können Preiserhöhungen gut durchgesetzt werden, wenn die Preise aus äußeren Umständen, die der Anbieter nicht vertreten muss, steigen. Schlechte Ernten, steigende Rohstoffpreise oder kostentreibende Vereinbarungen der Tarifpartner: Das alles können Argumente sein, die Preiserhöhungen rechtfertigen.

Wichtig dabei ist, dass die Kunden auch von anderer Seite, vor allem von den Medien, schon davon gehört haben. Ähnlich können Anbieter argumentieren, wenn es neue Steuern gibt. So ist jedem klar, dass sich früher oder später die Mehrwertsteuererhöhung auch in höheren Preisen niederschlagen muss, auch wenn einzelne Anbieter die Preise zunächst stabil halten konnten.

Die Begründung sollte möglichst konkret, nachvollziehbar und natürlich sachlich korrekt sein: "Die Preise für (...) sind in den letzten drei Jahren um 12 Prozent gestiegen. Da wir einen großen Teil der Kosten durch Rationalisierungsmaßnahmen auffangen konnten, müssen wir die Preise nur um 5,5 Prozent erhöhen. Wir bitten um Ihr Verständnis.“

Innovationen starten

 

Eine weitere Möglichkeit, Preiserhöhungen zu begründen, sind Innovationen. Eine verbesserte Technologie wird als Begründung dann akzeptiert, wenn der Kunde einen erkennbar höheren Nutzwert hat. Andere Innovationen können im Servicebereich liegen: Der Bäcker mit einem neuen Frühstücksservice, der Autohändler mit einem Zulassungsservice oder Möbelhändler, die Möbel nicht nur liefern und montieren, sondern Altmöbel kostenlos mitnehmen, sind Beispiele dafür.

Preise selektiv erhöhen

Die meisten Unternehmen haben Kunden oder Kundengruppen, bei denen sich Preise besser durchsetzen lassen als bei anderen. Vor einer Preiserhöhung „auf breiter Front“ sollte man deshalb prüfen, ob eine selektive Preiserhöhung nicht besser ist. In vielen Fällen ist es sinnvoll, eine ABC-Analyse [215] durchzuführen und im Markt umkämpfte A-Kunden von der Preiserhöhung auszunehmen. Häufig ist die Erfahrung, dass höhere Preise bei B-Kunden am meisten Zusatzumsatz bringen, weil die Kundenbindung relativ stark ist und deshalb nur wenige abspringen. Preiserhöhungen helfen auch, sich von aussichtslos unrentablen C-Kunden zu trennen: Dass viele von ihnen abspringen werden, lässt sich aufgrund der geringen Umsätze und der schlechten Rentabilität verschmerzen. Die frei werdenden Kapazitäten kann der Vertrieb nutzen, wirklich rentable Kunden zu gewinnen.

Tipp: Prüfen Sie Alternativen zu Preiserhöhungen

In den letzten Jahren ist die Rentabilität in vielen Unternehmen deutlich gesunken, weil neben niedrigen Preisen auch zahlreiche Konzessionen gemacht wurden, um die Kunden zu halten. Wer die Preise aus Wettbewerbs-Gründen nicht erhöhen möchte, kann alternativ Nachlässe und andere Sonderkonditionen streichen und dadurch den Gewinn steigern. Denkbar sind folgende Maßnahmen:

  • Alle Rabatte werden reduziert, es gelten grundsätzlich die Katalogpreise.
  • Alle Nachlässe sind Ausnahmen und müssen vom Chef persönlich genehmigt werden.
  • Ein effizientes Forderungsmanagement [216] reduziert die Außenstände und damit die Kosten für unnötig hohe Kapitalbindung.
  • Die Kulanzregelungen bei Wartung und Service werden verschärft.
  • Alle Garantien werden, wenn dies gesetzlich möglich ist, verkürzt.

Tiere in der Werbung: Bärenmarke-Bär ist das populärste Werbetier

Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Nürnberger Marktforschungsunternehmens Konzept & Analyse gemeinsam mit dem Online-Panel-Betreiber Respondi AG. Offenbar stehen Bären ohnehin ganz oben in der Gunst der Fernsehzuschauer: An zweiter Stelle der Top Ten rangiert der Bär aus der Charmin-Werbung. Bemerkenswert: Während der Bärenmarke-Bär nun bereits weit mehr als fünf Jahrzehnte durch die Werbelandschaft tappst, wurde der heutige Charmin-Bär erst im Jahr 2000 vorgestellt – die Popularität von Meister Petz scheint also keine bloße Zeitgeist-Erscheinung zu sein.

Ebenfalls immer noch beliebt: die lila Kuh von Milka. Wiewohl ihre Hoch-Zeit im Fernsehen längst vorbei ist, hat sie als Werbetestimonial ihren Platz in den Herzen der Zuschauer behauptet und landete auf dem dritten Platz. Ganz im Gegensatz zum früheren Kult-Werbetier Lurchi, dem Feuersalamander, der einst die Schuhmarke Salamander erfolgreich vertrat – und heute nur noch im Mittelfeld rangiert.

Allein der Einsatz von Tieren in der Werbung bringt freilich beim Konsumenten noch keine Sympathiepunkte – auf die richtige Wahl kommt es an. Das zeigt ganz deutlich die Auswertung der Schlusslichter in der Werbetiere-Hitliste.

Am meisten genervt fühlen sich Deutschlands Verbraucher vom Trigema-Schimpansen: Platz Eins des Negativ-Rankings, außer bei den Älteren. Auch die beiden lustigen Jägermeister-Hirsche Rudi und Ralph haben sich bei den Konsumenten nicht besonders beliebt gemacht: Gefragt nach den Werbetieren, die sie gar nicht mögen, nennt die Mehrzahl der Panel-Teilnehmer sie an zweiter Stelle. Mögliche Erklärung: Der sehr spezielle Humor von Rudi und Ralph trifft nicht den Geschmack des Massenpublikums, sondern lediglich einer sehr spitzen Zielgruppe, in der die Marke auch erfolgreich ist.

Quelle: Konzept & Analyse AG

360° Touchpoint-Management: Mehr Effizienz sowohl im Markenmanagement als auch im Marktmanagement

Marken werden an unterschiedlichen Kontakt- und Interaktionspunkten über die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens erlebt, über

  • klassische Werbung,
  • die Website,
  • ein Callcenter oder
  • das Verkaufspersonal.

Schon aufgrund eines einzigen Kontakts mit der Marke entsteht ein positives oder negatives Image. Eine negative Interaktion – zum Beispiel eine endlose Warteschleife beim Telefonanruf im Service Center – kann eine Beziehung beeinträchtigen. Das Gegenteil geschieht, wenn Marken ihre Kunden positiv überraschen. Ein Anruf des Vertriebsmitarbeiters wenige Tage nach der Lieferung macht oft schon den großen Unterschied.

Moments of Truth: Jeder Markenkontakt zählt

Die Beispiele verdeutlichen, wie wichtig die verschiedenen Berührungspunkte der Marke mit Kunden, Nichtkunden und anderen Stakeholdern sind – vor, während und nach dem Kauf. Ob im Business-to-Consumer- oder im Business-to-Business-Bereich: Alle Berührungspunkte mit der Marke sind wichtig. Denn die Kunden betrachten eine Marke immer als Gesamtleistung und erwarten von jedem Kontakt eine maximale Leistung. Dabei wird in den meisten Fällen nicht zwischen Außen- und Innendienst oder zwischen Chef und Mitarbeitern unterschieden. Ein Markenkontakt beeinflusst das Kundenerlebnis und hat somit einen direkten Einfluss auf die unternehmerischen Ziele wie Kundenzufriedenheit, Kundenbindung und Markenwahrnehmung.

Gewöhnlich managen Unternehmen ihre Marken-Touchpoints in verschiedenen Ressorts oder Abteilungen wie Marketing, Kommunikation, Public Relations, Vertrieb oder Service – oft wenig koordiniert und mit unterschiedlichen Auffassungen bezüglich Produkt- und Servicequalität. Im hochempfindlichen Kontakt-Universum zählt heute im «Augenblick der Wahrheit» jedes Detail der Marke. Auch für Marken gilt daher: Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Ziele eines ganzheitlichen Touchpoint-Managements

Um die relevanten Touchpoints so zu gestalten, dass die Marke über alle Schnittstellen hinweg als konsistent erlebt wird, ergibt sich die Notwendigkeit einer ganzheitlichen, abteilungsübergreifenden Betrachtungsweise. Das Touchpoint-Management ist daher als multidisziplinärer strategischer Ansatz zu verstehen, der in allen marktorientierten Managementbereichen eine Optimierung der Performance verfolgt. Ziele und Nutzen eines wirkungsorientierten Touchpoint-Managements sind:

  • Gesamtheitliche Beurteilung der Wirkung aller Medien- und Marketingmaßnahmen zur Optimierung der Investitionen in der Marken- und Marktkommunikation.
  • Steigerung der Kontaktqualität bei potenziellen Neukunden und Sicherung dauerhafter Kundenbeziehungen.
  • Ausgestaltung eines einzigartigen, konsistenten Markenerlebnisses.
  • Optimierung und Steuerung der Prozesse für die Marken- und Marktkommunikation.
  • Realisierung von höheren Erträgen durch Zeit- und Kosteneinsparungen.

Individuelle 360° Touchpoint-Analyse

Um die Gesamtwirkung und die Effizienz integrierter Kommunikationsmaßnahmen zu messen und zu steuern, bedarf es  einer 360° Perspektive zur Wirkungsanalyse. Angepasst auf die spezifischen Bedürfnisse des Unternehmens, ermöglicht die 360° Touchpoint-Analyse eine Verzahnung von Unternehmensstrategie sowie Marken- und Marktstrategie.

Eine professionelle Touchpoint-Analyse liefert ein ganzheitliches und in sich abgestimmtes Kennzahlensystem, das auf mehreren Wirkungsebenen Transparenz schafft: Markt, Mitbewerber und Kunden. Wie ein Navigationssystem unterstützt sie die Steuerung der arbeitsteiligen Prozesse im Marken- und Marktmanagement.

Zunächst werden alle Kontaktpunkte systematisch erfasst, die ein Kunde im Rahmen eines Kaufprozesses bzw. im Verlauf des gesamten Kundenlebenszyklus mit einer Marke haben kann. Häufig identifizieren wir bei Kundenprojekten bereits in dieser Phase über hundert Marken-Touchpoints. Umso zentraler ist die Frage: Welche sind relevant für den Erfolg? Aufschluss darüber gibt die 360° Touchpoint-Analyse. Sie liefert die Faktenbasis für das Bewerten und Steuern der Marken- und Marktkommunikation.

Abbildung eines interaktiven BrandConnex-Cockpits: Beispiel eines kundenindividuellen Touchpoint-Universums mit medien- und bereichsübergreifender Messung aus Marktsicht. Die Wirksamkeit der Marken-Touchpoints wird gemessen, miteinander verglichen und bewertet.

Wie funktioniert das Touchpoint-Management in der Praxis

Ein systematisches Vorgehen verhilft zu raschen Erfolgen:

  1. Erfassen der Marken-Touchpoints im Unternehmen und im Markt.
  2. Erfolgsmessung mit der 360° Touchpoint-Analyse.
  3. Beurteilung der Stärken und Schwächen einzelner Touchpoints und des Touchpoint-Mix auf den Ebenen Markt, Mitbewerber und Kundengruppen.
  4. Setzen und Realisieren der Optimierungsziele für unterschiedliche Touchpoints im Bereich Massenmedien, Point of Sale oder Vertrieb, One-to-One und indirekte Kommunikation.
  5. Wiederholungsmessung (Tracking) für die Beurteilung der Strategie- und Maßnahmen-Performance.

Von außen nach innen: Markt- und Kundenorientierung

Die Vorstellung, dass das Touchpoint-Management mit dem Schnittstellenmanagement zu bestehenden Kunden – dem Customer Relationship Management (CRM) – gleichzusetzen ist, greift zu kurz. Denn für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg reicht der alleinige Fokus auf bestehende Kunden nicht aus. Unsere BrandConnex-Untersuchungen zeigen, dass sich Kunden und Nichtkunden in ihrem Kommunikationsverhalten stark unterscheiden. Große Unterschiede sind auch bei den verschiedenen Kundenkategorien auszumachen. Wichtige Fragen sind zum Beispiel:

  • Wie beurteilt der (potenzielle) Kunde die Erfahrungen mit der Marke? Womit ist er zufrieden? Womit weniger?
  • Wie sollten aus Kundensicht insbesondere die Schlüsselkontaktpunkte optimiert werden?
  • Soll die Anzahl Kontaktpunkte vergrößert werden? Oder verkleinert?
  • Wie sieht der optimale Multikanal-Mix für die unterschiedlichen Zielgruppen aus?

Vergleichbarkeit macht Optimierung erst möglich

Herkömmliche Messgrößen beschreiben oft nur, was den Zielgruppen gesendet wird (Fokus auf Sender), nicht aber, was tatsächlich ankommt. Eine Touchpoint-Analyse misst mittels Befragung, was die Zielgruppen wahrnehmen, was sie nutzen und wie sie sich verhalten (Fokus auf Empfänger).

Um adäquate Handlungsempfehlungen ableiten zu können, müssen die einzelnen Beiträge der Marken-Touchpoints im Vergleich zur Gesamtwirkung gemessen werden. Zentral in der Evaluationsmethode ist die Messung von Bedeutung und Wirkung der Touchpoints. Die Vergleichbarkeit wird mit einer einheitlichen Währung – dem Touchpoint Value – ermöglicht. Dieser Wert berücksichtigt die drei Wirkungsebenen der Kommunikation. Er ist ein qualitatives und ein quantitatives Maß und ergibt sich aus der statistischen Verrechnung folgender Werte:

  • Informationswert: Bewertet, wie gut ein Touchpoint relevante Informationen zu Produkt oder Dienstleistungen transportieren kann.
  • Attraktivitätswert: Misst die emotionale Komponente und zeigt, wie attraktiv die Informationsübermittlung über den ausgewählten Kontaktpunkt empfunden wird.
  • Transaktionswert: Zeigt auf, wie stark ein Kontaktpunkt das Kaufverhalten beeinflusst.

Neben dem Touchpoint Value wird auch die Touchpoint-Assoziation erhoben. Mit diesem Wert lässt sich im Benchmarking beurteilen, welcher Touchpoint von welcher Marke besetzt wird und in welchem Ausmaß sich die untersuchten Marken über die Touchpoints differenzieren. Praktiker sind so in der Lage, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und den Fokus auf die relevanten Kontaktpunkte zu legen.

Fokus auf Zielgruppen, Touchpoints und Prozesse

Nur wenn sich ein Marken-Touchpoint beim (potenziellen) Kunden durchsetzt, kann er etwas bewirken: Er kann den Abverkauf steigern oder die Einstellungen zur Marke verändern und so entsprechend auf die Markenstärke einzahlen.

Auf der Grundlage der Touchpoint-Analyse sprechen alle Mitarbeiter – vom Vorstand bis zum CRM-Manager – eine gemeinsame Sprache, was die Definition und die Beschreibung der Zielgruppen, Touchpoints und Prozesse angeht. Das verbessert das Verständnis, erleichtert die interne Kommunikation und erhöht Effektivität (die richtigen Dinge tun) sowie Effizienz (die Dinge richtig tun) im Marken- und Marktmanagement.

Mit dem Wissen über die relevanten Marken-Touchpoints und die Zielgruppen lässt sich der Maßnahmen-Mix gezielt optimieren. So wird es für Unternehmen möglich, Prozesse und Maßnahmen zu evaluieren, Mittel und Budgets optimal zu allozieren und einen Beitrag zum langfristigen Geschäftserfolg zu leisten.

Erfolgsentscheidend in der unternehmensspezifischen Strategie und Umsetzung ist daher die Verknüpfung von Zielgruppen, Touchpoints/Kanälen und Vermarktungsprozessen.

Effizientes Marken- und Marktmanagement durch Verknüpfung von Zielgruppen, Touchpoints und Prozessen.

Bedeutung und Wirkung von Marken-Touchpoints

Eine Reihe von Untersuchungen mit BrandConnex in verschiedenen Branchen und Ländern haben zu folgenden Erkenntnissen geführt:

  • Die Touchpoints am Verkaufspunkt respektive im Vertrieb generieren rund die Hälfte des Markenerlebnisses.
  • Im Einzelhandel ist neben dem Store Merchandising die persönliche Beratung im Geschäft am wichtigsten.
  • Empfehlungen von Freunden, aus Testberichten oder redaktionellen Beiträgen bestimmen rund ein Drittel des Markenerlebnisses.
  • Redaktionelle Beiträge in Printmedien genießen bei vielen Konsumenten große Glaubwürdigkeit.

Zu über zehn Prozent entscheiden sich Konsumenten aufgrund von Informationen aus dem Internet (Corporate Websites, Blogs, Beiträge in Foren usw.).

[Bild: Fotolia.com]

Markenbildung: Warum nur Menschen eine wirksame Marke schaffen können

Das Wort „Marke“ kommt von Markierung. Die Frage ist also, wie setze ich eine Markierung in dem Leistungsfeld, in dem ich mich bewege? Wie schaffe ich es als Unternehmen, eindeutig erkennbar zu sein? Wie können mich (potenzielle) Kunden zuordnen? Geschäftsräume, Internetauftritt, Farben, Logo sind ein wichtiger Teil und dienen sowohl den Mitarbeitern als auch den Kunden als Orientierung.

Doch zur Markenbildung zählt eines noch viel mehr: Leistungsbeschreibungen und schon realisierte Projekte zeugen von Qualität, auf die man sich verlassen kann und die beständig geboten wird... einzig und allein von den Menschen, die in einem Unternehmen tätig sind.

„Eine Marke wird nicht virtuell gebildet, sondern Markenbildung ge­schieht im Leben!“

Das sagte Manfred Schmidt, Vorsitzender des In­stituts für Markentechnik mit Sitz in Genf, im Rahmen eines Vortrages über Markenpolitik. Menschen machen Marken. Eine Marke kann nicht reduziert werden auf ein Warenzeichen im jurstischen Ver­ständnis. Sie ist auch weit mehr als das Image im kommunikativen Verständnis. Eine starke Marke kann man nicht über Nacht aus dem Bo­den stampfen oder wie ein Fertighaus hinstellen, sie muss wach­sen und mit dem Verhalten der Mitar­beiter sowie mit dem Ver­trauen der Kundschaft verbunden sein. Dann hat sie einen un­schätzbaren Wert. Doch wie entsteht eine Marke?

Häufige Änderungen ruinieren eine Marke

Die bekannteste und wertvollste Marke der Welt ist Coca Cola. Als das Getränk im Mai 1886 in Atlanta für 5 Cent pro Glas ver­kauft wurde, gingen durchschnittlich 13 Gläser pro Tag über den Tresen. Auch da fing es klein an. Der Schriftzug von Coca Cola ist nicht um­sonst seit Ende des 19. Jahrhunderts unverän­dert geblieben. Er ist das unverwechselbare Markenlogo. Be­kannt ist die Marke durch die Qualität des Produktes und inten­sive Werbung geworden.

Gesteigert wird die Entstehung einer Marke nur noch dadurch, dass ein Markenname plötzlich auch für andere No-Name-Produkte verwendet wird, zum Beispiel  „Gib mir doch bitte einmal ein Tempo!“ Die Marke Tempo steht für alle Papiertaschentücher. Auch wenn es bei diesen namhaften Marken so scheint, eine Marke ist weit mehr als nur ein Name und ein Logo. Da in vie­len Unternehmen heute nicht mehr ge­sehen wird, dass die Au­ßenwirkung einer Marke mit Leistungs­struktu­ren gekoppelt ist, werden Marken oft leichtfertig beschä­digt.

Umgang im Tagesgeschäft definiert Marke

Ohne die Menschen im Unternehmen – von den Azubis bis hin zur Chefetage – entsteht keine Marke und bleibt auch keine eingeführte Marke stark. Denn welche Marketingmaßnahmen auch immer aus­gedacht und realisiert wurden, sie fußen auf den Produkten oder Dienstleistungen – den tatsächlichen Un­ternehmensleistungen. Und dies alles wiederum basiert auf den Menschen, die in allen Bereichen eines Unternehmens arbeiten.

Der Verlauf der Markenbildung ist also nur zu einem Teil vom Marketing abhängig, sondern vielmehr vom Tagesgeschäft ei­ner Firma. Das heißt, die Qualität der Produkte und erbrachten Leistungen und der Umgang mit Kunden beeinflusst den Ruf auf Dauer weit mehr als jede Werbung. Unternehmer, Marketing­verantwortliche und Kreative haben sich nicht nur darüber Ge­dan­ken zu machen, was das Unternehmen kann, welche Pro­dukte oder Dienstleistungen an­geboten werden, sondern für welche Werte es steht.

Der Markt, also die Kundschaft, ist der „Brötchengeber“ der Marke. Er bezahlt die gesamte Wertschöpfungskette. Wenn die erbrachten Leistungen eines Unternehmens begeistern, stimmen Image und Leis­tung / Preis überein. Nur dann entstehen immer wiederkehrende Pro­zesse aus Anfragen, Angeboten, Bestellung und Kauf vom Kunden, Nutzung und Wei­terempfehlung. Der Kunde behält sein positives (Vor) Urteil nur, wenn das Unterneh­men seine charakteristische Leis­tungsgeschichte weiterführt. Das erhält den Vertrauensvorschuss. Genau dazu braucht ein Unternehmen motivierte Mitarbeiter und ein verbindli­ches Leit­bild.

Verbindliches Leitbild als interne Basis

Möchte ein Unternehmen ein Leitbild erstellen, sollte sich das Denken in verschiedenen Aspekten bewegen. Nicht nur der op­tische Auftritt und die Qualität der Produkte und erbrachten Leistun­gen sollte da­bei eine Rolle spielen, sondern vor allem auch die inneren Werte ei­nes Unternehmens: Wie ist die Kultur im Um­gang miteinander und nach draußen? Die Leitlinien sind die Richtschnur des Handelns und sollten für alle Mitarbeiter ver­bindlich sein.

So wie früher Werte, wie Wertschätzung gegen­über den Älteren in der Familie, selbstverständ­lich waren und sich darin ausdrückten, dass das Familienoberhaupt am Tisch­ende saß und die erste Scheibe Fleisch bekam, so sollten auch wertvolle Grundsätze in Firmen vorhanden sein. Die Verinnerli­chung der unverrückbaren Regeln erfolgt durch Rituale. Wie man sich anderen Menschen gegenüber verhält oder mit Geld umgeht, vermittelt jede Familie ihren Mitgliedern. In Firmen kön­nen solche Werte in den Berufsalltag transferiert werden und da­mit die interne Basis für eine nach außen hin starke Marke bilden.

Die Kultur eines Unternehmens ist dabei vergleichbar mit einem Mo­saik, das sich aus lauter kleinen Bausteinen zusammensetzt. Auch im Unternehmen setzt sich die Kultur aus vielen solcher Bausteine in Form des Denkens jedes einzelnen Mitarbeiters zu­sammen. Will ein Unter­nehmen also eine Marke platzieren, ist es entscheidend, die Stärke der gemeinsamen Kultur zu nutzen.

Um diese in einem Unternehmen aufzubauen, ist es wichtig, frak­tal anzufangen, das heißt erst einmal die Bewusstheit des einzel­nen Mitarbeiters herauszufinden. In einem Un­ternehmensleit­bild, die niedergeschriebene Kultur sozusagen, macht man sich den Auftritt nach außen bewusst. Eines aber sollte Unterneh­mern in diesem Zusammenhang klar sein: Jeder Mitarbeiter ist in erster Linie ein Mensch mit all seinen individuellen Interessen und Vor­lieben. Je bewusster sich also jeder einzelne Mitarbeiter mit der Kultur auseinandersetzt, umso intensiver wird er sie danach auch mit Leben erfüllen. Dann wird die Kultur zur einmaligen Marke und nicht zum Plagiat.

Zwischen Leistungsangebot und Leitbild

Ein kundengerechtes Leistungsangebot ist eine wichtige Richtli­nie. Darunter sind maßgeschneiderte und umfassende Leistun­gen ent­lang der Wertschöpfungskette zu verstehen. Dazu ge­hört, aktiv auf Kunden zuzugehen, ihre Bedürfnisse zu erkennen und im persönlichen Gespräch Lösungen zu finden.

Die Mitar­beiter erhalten Verantwor­tung für komplexe Aufgaben und die notwendigen Freiräume, um die vereinbarten Ziele zu erreichen. Zu den Leitlinien in Bezug auf das Handeln unter­einander und nach außen sollte auch der offene und konstruk­tive Umgang mit Fehlern gehören. Um die Ergebnisse zu verbes­sern, ist ein offenes Ohr für neue Ideen der Mitarbeiter nötig. Wichtig ist eine Unternehmenskultur, in der sich Mitarbeiter kon­tinuier­lich weiter­bilden und in der jeder gefordert und gefördert wird. Die Mitar­beiter sollten in der Öffentlichkeit ein einheitliches, positives Bild des Unternehmens vermitteln.

Leitbilder sind kein Luxus, auf den man verzichten kann. Sie le­gen fest, welche Werte und das daraus resultierende Verhalten in der Firma für alle wichtig sind. Um als Marke erkannt zu wer­den, sollten Unternehmen bewusst definieren, wie man mit an­deren umgeht, mit Mitarbeitern, mit Lieferanten, mit Bewerbern, mit der Welt… Solides Material, Fairness, anständige Preise und vereinbarte Terminvorga­ben einzuhalten – oder eben nicht – spricht sich herum und legt fest, welchen Ruf ein Unternehmen hat. Anders gesagt: Der Umgang im Geschäftlichen bestimmt den Wert einer Marke – zumindest zum gro­ßen Teil.

Leitbild – Kultur – Marke

Neben der Steuerung des Auftritts (CI, CD u. a.) zählt also vor allem eine lebendige Kultur. In kleineren Unternehmen ist das meist auch der Fall, weil sich hier von Natur aus Menschen zu­sammenfinden, die ähnlich „ticken“. In größeren Unternehmen ist es dagegen oft nicht mehr so, weil es hier eben viele unter­schiedliche Menschen und In­teressensgruppen gibt, die sich vielleicht nicht immer in der Unter­nehmenskultur wieder finden. Manche haben zwar noch ein Leitbild auf Papier, das ist aber „von oben“ vorgeschrieben und wird im täg­lichen Umgang mit Mitarbeitern und Kunden nicht verwirklicht. Eine theoretische Verordnung einer Firmenkultur von oben funktioniert aber nicht. Sie führt zum Verlust einer einheitlichen Kultur.

Kultur wird im Tagesgeschäft verwirklicht. Diese eignen sich die Mitarbeiter leicht an, wenn sie in den Entstehungsprozess einbezo­gen werden. Besonders neuen Mitarbeitern sollte die Kultur von Kol­legen und Führungskräften vorgelebt werden. Denken und Be­wusstheit werden sich dann automatisch angleichen.

Werte werden auf Kunden über­tragen und so entsteht eine positive Marke. Kultur heißt natürlich auch, dass jeder Mitarbeiter mög­lichst nach seinen derzeitigen Talen­ten eingesetzt wird. Eine zeitgemäße Unternehmenskultur sollte im­mer auch eine Be­wusstheit der eigenen Kultur einschließen. Beim ein­zelnen Men­schen umfasst das die beiden Bereiche Körper und Geist, sonst geht es zunächst dem Menschen nicht mehr gut und dann auch dem Unternehmen schlecht.

Fazit

Im Mittelpunkt der Marke steht immer der ein­zelne Mensch. Wenn Menschen ihr Berufsleben so gestalten können, dass sie sich wohlfühlen, können sie die beste Leistung für das Unterneh­men bringen. Und zur Leistung gehören nicht nur die sichtbaren Pro­dukte, sondern auch der Umgang unter­einander und nach außen. Er ist ein unsichtbarer Teil des Mar­ketings. Eine der berühmtesten und weltweit bekannten Zigar­renmarken ist Davidoff. Zino Davidoff, schweizerischer Zigarren­hersteller sowjetischer Herkunft (1906 – 1994), formulierte in sei­ner bescheidenen Art sein Leitbild so:

„Ich habe kein Marketing gemacht. Ich habe immer nur meine Kunden geliebt.“

[Bild: Fotolia.com]

Unternehmenskommunikation: Corporate Language zahlt sich für Unternehmen aus

Unternehmen unterscheiden sich nicht nur durch Logo, Farben und Design. Sie sprechen auch unterschiedlich. Hören Sie mal genau hin: BMW klingt anders als Mercedes. Da, wo BMW von der „Freude am Fahren“ spricht, ist bei Mercedes-Benz von der „neuen Form, Größe zu zeigen“ die Rede. Damit transportieren die beiden Autohersteller verschiedene Inhalte und wenden sich an unterschiedliche Zielgruppen. Sie nutzen die Unternehmenssprache, um sich unverwechselbar zu machen.

Die Corporate Language zeigt sich aber nicht nur in Slogans, Anzeigen und Broschüren. Sie prägt ebenso – und das wird gern vergessen – ganz alltägliche Angebotsschreiben oder Antworten auf Beschwerdebriefe. Hier reißt der rote Faden der Unternehmenssprache oft abrupt ab: Die Firma, die sich mit flott getexteten Werbesprüchen präsentiert, versendet gleichzeitig hölzern formulierte Kundenbriefe.

Die Folge: Der Kunde nimmt diesen Bruch in der Kommunikation wahr und ist verwirrt. Wieso spricht ein und dasselbe Unternehmen plötzlich verschiedene Sprachen? Der Firmenauftritt ist nicht mehr wie aus einem Guss, die Glaubwürdigkeit leidet.

Eine durchdachte Corporate Language kann helfen

Die Corporate Language sorgt für charakteristische Kommunikation, die ein Unternehmen überzeugend und unverwechselbar macht. Doch Vorsicht: Die Sprache ist etwas sehr individuelles. Jeder Mitarbeiter spricht anders und schreibt anders. Deshalb ist die Unternehmenssprache auch kein Korsett, sondern ein Leitbild.

Wie entwickelt man nun eine Corporate Language? Hier lässt sich zwischen „Pflicht“ und „Kür“ unterscheiden.

Zur Pflicht gehört es, klar und einfach zu schreiben. Denn solche Texte versteht der Leser schneller und speichert sie besser ab. Nichts ärgert den Kunden mehr als unverständliche Technikersprache und sperriges Bürokratendeutsch. Und das gilt für alle Schriftstücke, die das Unternehmen verlassen – von der Bedienungsanleitung bis zum Mahnbrief.

Einige Regeln für gute Texte

  • Verwenden Sie Zeitwörter statt Hauptwörter. Das macht den Text lebendiger. Also statt: Wir werden die Lieferung termingemäß ausführen. Besser: Wir liefern pünktlich.
  • Schreiben Sie in der aktiven Form und vermeiden Sie das Passiv. Das wirkt sympathischer und selbstsicherer. Statt: Die Lieferung wurde am 25. Mai veranlasst. Besser: Wir haben am 25. Mai geliefert.
  • Ersetzen Sie Fremdwörter durch den deutschen Ausdruck. Das macht den Text verständlicher und lässt Bilder im Kopf des Lesers entstehen. Statt: Prinzip. Besser: Grundsatz
  • Verwenden Sie kurze Wörter. Das macht den Text leichter lesbar. Statt: Versandabwicklung. Besser: Versand
  • Schreiben Sie bildhaft und bringen Sie Beispiele. So wird der Text ansprechend und anschaulich. Statt: Das Ablagerungsverhalten in den Leitungsrohren verbessert sich. Besser: Es lagert sich weniger Kalk in den Leitungsrohren ab.

Nach der Pflicht kommt die Kür. Es wird ein Sprachstil entwickelt, der das Wesen des Unternehmens widerspiegelt und die Emotionen und Erfahrungen der Zielgruppen anspricht. Die Frage ist: Wie können wir die Marke und die Unternehmensphilosophie in Sprache umsetzen? Wie treffen wir den sprachlichen Nerv unserer Kunden? Sollen wir einen gefühlsbetonten oder einen nüchternen Sprachstil anwenden?

Ein Hotel wird sich eher für einen gefühls- und sinnesbetonten Stil entscheiden, der die Leser dazu bewegt, einen Aufenthalt zu buchen. Die Website wird warm und bildhaft getextet, ebenso wie Emailings und Buchungsbestätigungen.

Ein technisches Büro hingegen wird eine eher vernunftbetonte und lösungsorientierte Sprache wählen. Es werden klare Wörter verwendet, die eindeutig und leistungsbeschreibend sind. Hier geht es um Informationen und Nutzen.

Ein praktisches Werkzeug zur Umsetzung des erarbeiteten Sprachraumes ist eine Liste mit „Love Words“. Das sind Wörter, die das Unternehmen oder die Marke treffend abbilden und die daher immer wieder in der Kommunikation eingesetzt werden. Diese Wörter verstärken – ähnlich wie ein Logo – die Marke, sie zahlen auf den Markenkern oder auf die Unternehmensstrategie ein.

Ein Beispiel: Ein Hersteller von Mineralwasser möchte Werte wie Reinheit und Ursprünglichkeit verkörpern. Also nimmt er die entsprechenden Wörter in seine „Love Words“-Liste auf, wie „natürlich“, „kostbar“, „rein“, „frisch“, „pur“, „echt“, „kräftig“ und „belebend“. Diese Wörter setzt er immer wieder gezielt ein, in PR-Artikeln ebenso wie in Werbebriefen und anderen Verkaufsunterlagen.

Umgekehrt können Sie auch eine Liste mit Wörtern erstellen, die Sie nicht verwenden möchten, so genannte „No Words“. Beispielsweise, weil diese Bezeichnungen nicht Ihrem Image entsprechen oder falsche Inhalte transportieren.

Beispiel: Ein Unternehmen, das sich mit der Belebung von Wasser beschäftigt, will seine Methode nicht mehr als „Technologie“ bezeichnen – das klingt zu technisch und entspricht nicht dem Markenkern. Stattdessen wird nur noch das Wort „Verfahren“ verwendet, auf der Website ebenso wie bei der Beantwortung von Kundenanfragen.

All diese unternehmensspezifischen Erkenntnisse zur Corporate Language werden in Workshops erarbeitet und vermittelt. Außerdem werden sie in einem Sprach-Handbuch festgehalten, ergänzt durch Formulierungsbeispiele und Textbausteine für die tägliche Korrespondenz. So entsteht ein Leitfaden, der den Mitarbeitern – ähnlich wie ein Design Manual – eindeutige Regeln an die Hand gibt. Damit können sie die Unternehmenssprache richtig anwenden und machen den sprachlichen Auftritt unverwechselbar. Die Unterscheidung zu den Wettbewerbern gelingt dann auch auf dieser Ebene.

Ein Tipp zum Schluss

Überprüfen Sie doch mal, wie sich Ihr Unternehmen verabschiedet. Verwenden Sie in Ihren Briefen immer noch ein steifes „Mit freundlichen Grüßen“? Oder wagen Sie sich schon an eine individuelle Grußformel, wie etwa der Solaranlagen-Hersteller, der seine Briefe mit „sonnigen Grüßen“ abschließt?

Spielen Sie ein wenig mit der Sprache. Sie sorgt für die feinen Unterschiede, die sich der Kunde merkt.

[Bild: Fotolia.com]

Hinweis

Von der Autorin sind folgende eBooks im business-wissen-Shop erhältlich:

  • Starke Broschüren [217]
  • Starke Flyer [218]
  • Starke Mailings [219]
  • Starke Webtexte [220]

Krisenpolitik: Vorsicht mit Preisnachlässen

„Diese Krise ist zu gravierend, um sie nur mit Kostensenkung bekämpfen zu können. Diese Krise ist eine Erlöskrise, keine Kostenkrise.“

Das erklärt Georg Wübker, Partner der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners, und zeigt Finanzdienstleistern, welche Preispolitik sie derzeit am besten verfolgen sollten. Wenn der Umsatz um 30 Prozent einbreche, rette auch eine Kostensenkung um 15 Prozent nichts. Laut Wübker müsse das Hauptziel sein, weitere Verschlechterungen zu verhindern und nicht unbedingt, direkt Verbesserungen zu erreichen. Es geht also um Schadensbegrenzung, die sich nur durch Einsatz aller drei Gewinntreiber – Preis, Menge und Kosten – realisieren lässt. Der Experte rät Finanzinstituten, folgende acht Aktionen umzusetzen, um wieder Oberwasser zu gewinnen:

  1. Lieber Mengen- als Preisrückgang hinnehmen: Eine Mengenreduzierung ist weniger Gewinn schädigend. In der Krise gilt es, die Menge aktiv zurückzufahren und die Preise zu halten – keinesfalls umgekehrt.
  2. Preiskriege vermeiden: Lieber Angebote beschränken und so den Druck aus dem Markt nehmen, um die Preise zu stabilisieren. Ein Preiskrieg führt nur zu weiterem Margenverfall.
  3. Gegen Preisverfall ankämpfen: In der Krise sind Preiserhöhungen in vielen Fällen illusorisch. Einen deutlich geringeren Preisrückgang als der Wettbewerber zu erreichen ist schon ein Erfolg.
  4. Beratungsqualität vorantreiben: Die Qualität der Beratung hilft, das Vertrauen der Kunden wieder herzustellen. Insbesondere vermögende Kunden wären sogar bereit, für Beratungsleistungen zu bezahlen. Große Finanzhäuser bieten bereits in Teilen ihres Geschäftes Honorarberatung an.
  5. Finanzkraft für Vertrieb ausspielen: Wer trotz der Kreditklemme noch Kredit geben und finanzieren kann, hat einen enormen Wettbewerbsvorteil, der im Vertrieb Anwendung findet. Voraussetzung: Risiken sorgfältig prüfen.
  6. Wenig beachtete Preisparameter erhöhen: Einige Preisparameter sind von den Kunden gänzlich unbeachtet. Hier schlummert enormes Erhöhungspotenzial. Im Private Banking beispielsweise sind mit 250 Preisparametern die Handlungsspielräume groß, um intelligente Preiserhöhungen zu realisieren. Doch nur wer die Preiswahrnehmung der Kunden versteht, kann gezielt Preise erhöhen bzw. bei sehr sensiblen Komponenten auch senken (intelligente Preisdifferenzierung).
  7. Bundling und Cross Selling verstärken: Bundling und Cross Selling erlauben Preiszugeständnisse, die für Einzelprodukte nicht möglich sind. Hierdurch kann der Finanzdienstleister bestehende Kundenbeziehungen besser ausschöpfen.
  8. Kunden der angeschlagenen Konkurrenz abwerben: Märkte werden in schlechten, nicht in guten Zeiten neu verteilt. Die Chancen zur aktiven Abwerbung stehen in der Krise besonders gut.

[jf; Quelle: Simon-Kucher & Partners; Bild: Fotolia.com]

Marketing-Ideen: Erfolgreiches Marketing für Coachs

Coaching ist einer der faszinierendsten Bereiche der persönlichen Weiterbildung, der zurecht mehr und mehr Anhänger findet. Damit verbunden steigt auch die Zahl der Anbieter, die die ungeschützte Berufsbezeichnung für sich in Anspruch nehmen. Gleichwohl dürften schätzungsweise etwa 80 Prozent der Coaches kaum nennenswerte Honorareinnahmen erzielen.

Oft fehlt es an einer wesentlichen Voraussetzung erfolgreicher Coaches, die in nahezu allen Ausbildungen unberücksichtigt bleibt: Der Klientengewinnung. Häufig wird der fachlichen und methodischen Qualifikation ein so hoher Stellenwert eingeräumt, dass eine andere, existenzielle Frage gänzlich unbeantwortet bleibt: Wie gewinnen ich Klienten?

Doch wann und wodurch wird ein Coach erst zu einem guten Coach? Allein durch die Anzahl der Klienten, mit denen er erfolgreich arbeitet.

Um zur Spitze zu gelangen, hängt es demnach - nicht nur als Coach - entscheidend davon ab, wie gut Sie sich selbst vermarkten. Nachfolgend erfahren Sie einige der besten Möglichkeiten aus der Praxis meiner Life Coaching-Lizenzpartner, um Ihre Tätigkeit als Coach noch erfolgreicher zu gestalten. Wählen Sie zunächst nur eine der Strategien aus und konzentrieren Sie sich voll und ganz auf deren Umsetzung. Beobachten Sie, wie sie funktioniert und welche Ergebnisse Sie damit erzielen. Erst dann integrieren Sie die nächste Strategie.

Stellen Sie sicher, dass Sie selbst ein großartiger Coach auf Ihrem Weg begleitet, ein großartiger Coach zu werden. Denn Sie wissen: Dies wird Ihre Aussicht auf Erfolg erheblich steigern. Er kann Ihnen dabei helfen, den nächsten Schritt zu sehen, Ihre Konzentration beizubehalten, Sie falls nötig auf den richtigen Weg zurückbringen und den Erfolg mit Ihnen zu feiern. Genau wie Sie dies in Zukunft mit einer wachsenden Zahl an Klienten tun werden!

Wenn Sie eigene Ideen haben, die Ihnen auf Ihrem Weg zum Erfolg als Coach geholfen haben, teilen Sie sie mir bitte mit: Sie erreichen mich unter lifecoaching@martingeiger.com [221] . So ist auch die Aufstellung entstanden, aus der Sie jetzt diese Auszüge lesen können.

Hier sind einige der besten Life Coaching Marketing-Ideen für Ihren Erfolg.

1. Kreieren Sie eine einzigartige Marketing-Aussage

Ihre einzigartige Marketing-Aussage sollte kurz und innerhalb von 30 Sekunden vorzutragen sein und den Menschen mitteilen, was Sie tun und was Sie darin einzigartig macht. Ihre einzigartige Marketing-Aussage sollte immer einen Nutzen offerieren.

2. Benutzen Sie Ihr Photo ... überall

Leute erinnern sich an Gesichter, nicht an Namen. Wenn Sie Ihr Photo auf Ihrer Visitenkarte, Ihrem Briefkopf und in Ihrer Werbung einsetzen, haben Sie eine größere Chance, wieder erkannt zu werden und die Menschen werden das Gefühl haben, Sie besser zu kennen. Denn die Namen und Köpfe erfolgreicher Menschen erscheinen häufig in der Öffentlichkeit!

3. Schreiben Sie Artikel

Wenn Ihre Arbeit in einem Magazin, einer Zeitung oder einem Newsletter veröffentlicht wird, ernten Sie Kompetenz und Anerkennung. Versuchen Sie immer, eine Kontaktinformation am Ende Ihres Artikels unterzubringen. Sie können Kopien Ihrer Artikel später per E-Mail an Interessenten versenden.

4. Bitten Sie Ihre Klienten um Empfehlungen

Dies haben Sie bereits vorher gehört, aber tun Sie es auch? Die Frage „Wen kennen Sie, der von meiner Dienstleistung ebenfalls profitieren könnte?“ ist ein einfacher, aber sehr erfolgreicher Weg, um neue Klienten zu gewinnen. Informieren Sie Ihre Klienten darüber, dass Sie Ihre Arbeitszeit ausweiten wollen und fragen Sie, ob sie jemanden kennen, dem Sie eine Probesession anbieten können.

5. Bilden Sie Interessengruppen

Treffen Sie sich regelmäßig mit 3 - 5 Freunden oder Kollegen zum Brainstorming. Ideen, Pläne und Ziele, die in einer solchen Gruppe entwickelt werden, schafft man nicht alleine, wie wir als Coach wissen. Gemeinsam  mit der Gruppe finden Sie neue Wege, sich zu vermarkten, die gewinnbringend für alle Teilnehmer sein werden. Meine Lizenznehmer geben mir regelmäßig das Feedback, dass der Erfahrungsaustausch mit Kollegen auf unseren jährlichen Marketing-Workshops für sie besonders wertvoll ist.

6. Kontaktieren Sie ehemalige Klienten

Viele Coaches vergessen, dass ehemalige Klienten, etwa durch eine veränderte Lebenssituation, wieder an einer Zusammenarbeit interessiert sein könnten. In jedem Fall aber sind sie eine schier unerschöpfliche Quelle an Empfehlungen. Zeigen Sie Ihren Klienten, dass sie Ihnen wichtig sind, und lauschen Sie ihren Vorschlägen. Machen Sie es sich zur festen Aufgabe, Ihre Altklienten alle 2 – 3 Monate zu kontaktieren - das ist effiziente Kundenpflege.

7. Benutzen Sie Postkarten

Postkarten sind eine günstige und effektive Möglichkeit, in Kontakt mit potenziellen Klienten, Interessenten oder Empfehlungsgebern zu treten oder zu bleiben. Entwickeln Sie ein Design, das wieder erkannt wird. Versenden Sie Postkarten mit Zitaten, Testimonials, Erinnerungen, Tipps, Ankündigungen, Empfehlungen, Anzeigen, einem Dankeschön oder einfach nur, um Hallo zu sagen. Wenn Sie ein Buch veröffentlicht haben, kopieren Sie das Cover auf eine Postkarte - so wird sie zu einem Werbeträger. Kreieren Sie eine Postkarte, die zu einem einseitigen Flyer für Sie wird, den Sie überall an Interessierte verteilen können. Oder senden Sie einfach eine Postkarte aus Ihrem Urlaub – eine besonders nette Idee, sich ohne triftigen Grund einmal wieder in Erinnerung zu bringen.

Denken Sie daran: Marketing ist, den Leuten zu vermitteln, was Sie tun – immer und immer wieder!

[Bild: Fotolia.com]

Rezessionsgewinner: Einzelhändler können Rezession zur Stärkung ihrer Marktposition nutzen

Dies ist das Ergebnis der aktuellen Analyse „Stürmische Zeiten – Nutzung der Schlechtwetterfront zur Stärkung der Marktposition“ von Branchen-Experten der international tätigen Strategieberatung OC&C Strategy Consultants. Obwohl die deutsche Handelslandschaft den wohl schwierigsten Wirtschaftsbedingungen seit zehn Jahren gegenübersteht und die Rezession den Handel destabilisiert, können solide Unternehmen ihre Marktposition jetzt sogar festigen. Schwächere Handelsketten und kleine Fachhändler reagieren dagegen empfindlicher und geraten unter Druck.

„In wirtschaftlich schwierigen Zeiten achten die Verbraucher mehr auf ihr Geld, konzentrieren sich auf Produkte des Grundbedarfs und kaufen clever“,

kommentieren Kerstin Lehmann und Christian Ziegfeld, die für die Studie verantwortlichen Partner bei OC&C, die Ergebnisse. Zugleich warnen die Berater vor Preisaktionismus:

„Unternehmen, die im Abschwung ausschließlich auf Tiefpreise setzen, gefährden ihre Positionierung im Markt. Ein nachhaltiges und verlässliches Leistungsversprechen ist gerade in schwierigen Zeiten oft die strategisch bessere Wahl.“

Unterhaltungselektronik, Bekleidung und Möbel brechen am stärksten ein

Die Analyse von OC&C basiert einerseits auf der Entwicklung der Konsumausgaben und andererseits auf der Leistung der Handelsunternehmen gemessen an Finanzkennzahlen während und seit der letzten Wirtschaftskrise zu Beginn dieses Jahrzehnts andererseits. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere die Branchen Unterhaltungselektronik, Möbel und Bekleidung in Abschwungphasen überproportional stark zurückgehen.

Während des vergangenen Abschwungs verzeichneten diese Sektoren starke Einbrüche zwischen 6,1 bis 8,1 Prozent während alle untersuchten Branchen durchschnittlich nur 3,5 Prozent verloren. Sektoren wie der Lebensmitteleinzelhandel, Bücher/ Zeitschriften oder Do-It-Yourself (DIY) haben die damalige Wirtschaftskrise dagegen deutlich besser verkraftet.

Die jeweiligen Branchenbesonderheiten treten noch klarer zutage, wenn die Entwicklung um mittel- und längerfristige Trends bereinigt wird. Um dies zu verdeutlichen, wurde im Rahmen der Studie die relative Entwicklung einzelner Branchen im Vergleich von schwachen und starken Jahren analysiert.

Während sich der Gesamtmarkt im Krisenjahr um 5,8 Prozent schlechter entwickelte als in einem guten Jahr, gingen die Ausgaben in den sehr zyklischen Branchen, wie bei Möbeln und Unterhaltungselektronik, sogar um 9,6 bzw. 11,7 Prozent zurück.

Branchen wie der Lebensmitteleinzelhandel und Bücher/ Zeitschriften waren dagegen stabiler und verzeichneten mit 3,5 bzw. 2,9 Prozent einen nur unterproportionalen Rückgang.

Der DIY-Sektor reagiert sogar antizyklisch, das heißt, er ist in wirtschaftlich schwachen Jahren oft vergleichsweise stärker als in guten Jahren. Das Umsatzwachstum in Krisenzeiten erklärt sich durch einen typischen antizyklischen Verhaltensreflex auf Konsumentenseite. Dass die DIY-Branche ausgerechnet während einer gesamtwirtschaftlichen Flaute aufblüht, hängt vor allem mit zwei Gründen zusammen:

  1. kalkulieren die Verbraucher in diesen Phasen sehr hart und versuchen, weniger Geld für Handwerksdienstleistungen auszugeben und einen größeren Teil anstehender Arbeiten selbst (DIY) auszuführen.
  2. geben Verbraucher während eines anhaltenden Konjunkturrückgangs weniger Geld für Urlaub, Fernreisen und Wochenendtrips aus, sodass das eigene Heim eine deutlich höhere Aufmerksamkeit erfährt.

Allgemein sind jedoch Investitions- und Gebrauchsgüter von Abschwungphasen deutlich stärker betroffen als Konsumgüter des täglichen Bedarfs.

Die Gewinner in den einzelnen Branchen

Im Bekleidungssektor gehören vor allem vertikale Anbieter wie Zara, H&M, Esprit, S.Oliver oder Street One zu den Gewinnern, da sie über ihr Geschäftsmodell in der Lage sind, ein überlegenes Wertversprechen zu liefern. Im Vergleich mit nicht-vertikalen Handelsformen sind die Kollektionen dieser Anbieter deutlich besser auf Konsumentenbedürfnisse ausgerichtet. Zudem machen sie neueste Trends schneller verfügbar und dies nicht nur zu günstigeren Preisen, sondern auch in einer Qualität, die der jeweiligen Preislage angemessen ist.

Im Bereich der Unterhaltungselektronik haben Media Markt (durchschnittliches Wachstum zwischen 2002 und 2006: 4,4 Prozent) und Saturn ihre Stellung als unangefochtene „Category Killer“ gestärkt und systematisch ausgebaut.

Der Umsatz von Expert ging im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 0,6 Prozent zurück. Auch andere Wettbewerber hatten der Kombination aus Preisangeboten, Auswahl und Preis-Leitungsverhältnis des Marktführers nichts entgegenzusetzen.   

Bei den Drogerien haben insbesondere Rossmann mit 19,1 Prozent und dm mit 10,2 Prozent in den Jahren zwischen 2002 und 2007 ein rasantes Wachstum hingelegt. Schlecker hinkt mit seinem deutlich stärker auf das Thema „Preis“ fokussierten Geschäftsmodell und einem Wachstum von nur 1,4 Prozent schon klar hinterher. Die Stärke von Rossmann zeigt sich auch bei der Quadratmeterproduktivität, welche mit gut 4.600 Euro fast doppelt so hoch liegt wie bei Schlecker.

Im Lebensmitteleinzelhandel haben vor allem die großen Selbstbedienungswarenhäuser Marktanteile in zahlreichen Non-Food-Bereichen verloren. Dies liegt an einem oft unattraktiveren Produkt- und Preisangebot. Zudem ist das Einkaufserlebnis für die Kunden in sehr vielen Häusern nicht eben verlockend. Die Warenhäuser und Verbrauchermärkte verlieren gerade in Kategorien, in denen sie in punkto Auswahl und Aktualität mit vertikalen Konzepten und „Category Killern“ nicht gleichziehen können – etwa bei

  • Bekleidung,
  • Schuhen,
  • Unterhaltungselektronik,
  • Spielzeug
  • oder Heimwerkerbedarf.

„Unsere Studie zeigt, dass während einer Wirtschaftsflaute insbesondere Handelsunternehmen, gewinnen, die ein solides und klar definiertes Leistungsversprechen anbieten, schnell auf Markttrends reagieren können und über die nötigen finanziellen Ressourcen verfügen, um auch in einer Krise in das Filialnetz, den Markenauftritt oder die Professionalisierung des Geschäftssystems investieren zu können. Insofern ist auch wenig überraschend, dass insbesondere Branchenführer von stagnierender oder rückläufiger Konjunktur profitieren“,

fasst Christian Ziegfeld einige der wichtigsten Erfolgsfaktoren zusammen.

Wie der Handel vom Abschwung profitieren kann

Aus einer Wirtschaftskrise gehen vor allem Unternehmen gestärkt hervor, die in stürmischen Zeiten konsequent und für den Verbraucher verlässlich an ihrem Leistungsversprechen festhalten. Zu den Gewinnern zählen auch jene Unternehmen, die das Wachstum in ihrem Kerngeschäft forcieren und in die Expansion vorantreiben.

Im Textilhandel legten insbesondere die vertikalen Anbieter in den vergangenen Jahren ein sehr zügiges Expansionstempo vor. Die Vertikalen wachsen nicht nur schnell, sondern gleichmäßig und dies sowohl in starken wie auch in schwierigen Jahren.

Zu den Verlierern zählen im Gegensatz dazu Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell nicht rechtzeitig an neue Marktanforderungen und Wettbewerber angepasst haben (zum Beispiel durch Vertikalisierung). Vor allem Händler, deren Leistungsversprechen ohnehin wenig differenziert ist und die dieses durch aktionistische Überbetonung von Einstiegs- und Niedrigpreislagen weiter untergraben, müssen Einbrüche befürchten. Dies gilt vor allem, wenn die betreffenden Anbieter mit den marktbeherrschenden „Category Killern“ (Media Markt etc.) konkurrieren.

Kleinere Preise – Weniger Kunden?

Die Ergebnisse der aktuellen Studie widerlegen die weitverbreitete Vorstellung, eine Positionierung im Niedrigpreissegment garantiere auch in Phasen einer wirtschaftlichen Flaute gute Erträge.

Der DIY-Anbieter Hornbach beispielsweise hat sich mit einem klaren und sehr konsequent gelebten Leistungsversprechen als Preis-Leistungsanbieter von Qualitätsprodukten überproportional entwickelt. Mit einem Wachstum von durchschnittlich 6,6 Prozent von 2000 bis 2006 liegt Hornbach weit vor seinem für „Preis“ stehenden Wettbewerber Praktiker, der im gleichen Zeitraum mit nur durchschnittlich 0,8 Prozent wuchs. Der starke Fokus von Praktiker auf das Thema Preis resultierte hierbei nicht nur in einem schwächeren Umsatzwachstum, sondern hat über die rückläufige „Sogwirkung“ seiner „20 Prozent auf alles“-Aktionen auch nachhaltig negativen Einfluss auf die EBIT-Marge gehabt. Kerstin Lehmann schließt mit einem Rat an die Handelsunternehmen:

„Unsere Analyse macht deutlich, dass aktionistische Preisaktionen, ungesteuertes Trading-down sowie eine zentrale Fokussierung auf das Thema Preis die Händler nachhaltig beschädigen können. Dies sind die wesentlichen Erkenntnisse aus dem letzten Abschwung in den Jahren 2001 und 2002. Die Verantwortlichen in den Unternehmen sollten diese Fakten in der aktuellen Krise unbedingt berücksichtigen.“

[po; Quelle: OC&C Strategy Consultants; Bild: Fotolia.com]

Migrationshintergrund: Kulturelle Merkmale beim Ethno-Marketing beachten und Kunden gewinnen

Laut Statistischem Bundesamt leben in Deutschland mehr als 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, das sind mehr als achtzehn Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung. Allein 14,2 Prozent aller Zugewanderten haben ihre familiären Wurzeln in der Türkei. Die Kaufkraft dieser Kunden im konsumfreundlichen Durchschnittsalter von knapp 35 Jahren berechnen Experten mit knapp 20 Mrd. Euro.

Noch größer ist die Gruppe der Konsumenten aus der früheren Sowjetunion: 3,3 Millionen Russischsprachige leben in Deutschland, sie kaufen jedes Jahr für rund 37 Mrd. Euro ein. Aus Polen kommen offiziellen Zahlen zufolge 1,8 Millionen Menschen, aus dem früheren Jugoslawien 1,4 Millionen. Gleichzeitig sinken die Kosten für die individuelle Ansprache dieser Kunden dank des Internets seit Jahren rapide.

Erst in den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Marketing und Kommunikation auch auf die unterschiedlichen ethnischen Hintergründe der Adressaten Rücksicht nehmen müssen. Damit vermeiden Unternehmen nicht nur das Risiko, durch mangelnde Sensibilität Sympathien zu verspielen, sie erhöhen auch ihre Chancen, mit zielgruppenspezifischer Werbung neue, umsatzträchtige Kundenkreise zu erreichen.

Unternehmen, die auf die Wünsche und kulturellen Prägungen dieser Bevölkerungsgruppen eingehen, können sich mit Ethno-Marketing entscheidende Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Stichwort

Ethno-Marketing richtet sich an Zielgruppen, die als ethnisch andersartig im Vergleich zur Mehrheitsbevölkerung eines Staates betrachtet werden. Als Ursprungsland des Ethno-Marketings (englisch: ethnic marketing) gilt die USA, wo es seit dem Ende des 20. Jahrhunderts in größerem Ausmaße betrieben wird.

Marken- und Qualitätsbewusstsein ist bei Türken sehr ausgeprägt

Marktstudien haben längst ermittelt, dass die verschiedenen ethnischen Gruppen ein sehr spezifisches Kaufverhalten haben, das sich von denen der Deutschen zum Teil sehr unterscheidet. So sind beispielsweise deutsche Automarken bei den in Deutschland lebenden Türken viel beliebter als bei den Deutschen selbst. Jeder fünfte Türke entscheidet sich für einen Mercedes, aber nur jeder achtzehnte Deutsche. Weitere Unterschiede:

  • Verglichen mit den Deutschen haben Türken ein ausgeprägteres Marken- und Qualitätsbewusstsein und reagieren schneller auf neue Konsumtrends.
  • Einwanderer aus Russland wiederum sind nach einer Insider-Analyse überdurchschnittlich stark am Bau eines eigenen Heims interessiert und damit eine wichtige Zielgruppe für das Baugewerbe.
  • Familien arabischer Herkunft gehören zu den besten Kunden der Stromzulieferer, weil in ihren Haushalten mehr Personen leben als in deutschen und folglich mehr Strom verbraucht wird.
  • Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft halten meist sehr intensiven Kontakt zu den Verwandten in der Heimat. Für deutsche Telefondienstleister, die ihre Produkte richtig zu vermarkten wissen, besteht hier ein enormes Umsatzpotenzial.

Ethno-Marketing entwickelt Werbestrategien und Kommunikationsstrategien, um gezielt ethnische Minderheiten anzusprechen. Dazu gehören die Werbung in fremdsprachlichen Tageszeitungen und TV-Programmen, eine angepasste Werbeästhetik sowie eine Verkaufskultur, die den Erwartungen der jeweiligen Zielgruppe entspricht. Einige deutsche Unternehmen haben Ethno-Marketing bereits mit Erfolg praktiziert.

Beispiele

Volkswagen macht seinem Namen mit türkischen Werbespots alle Ehre. Die Verbraucherfilmchen laufen auf typisch türkischen (Parallelgesellschafts-) Sendern, die über Satellit und Kabel in Deutschland ausgestrahlt werden. “Volkswagen spricht türkisch” lautet der Slogan und hier ist er zu sehen: TV Spot auf Türkisch [222]

Der Telefonanbieter E-Plus richtete erfolgreich einen speziellen Tarif für türkische Kunden ein, der unter dem Namen Ay Yildiz [223] (Halbmond und Stern) vermarktet wird.

Bei der Deutschen Bank [224] ist Türkisch die Sprache, wenn es darum geht, Kunden zu gewinnen.

Wettbewerbsvorteil: Segmentierung unterstützt die Kundenbindung

Das sind wichtige Ergebnisse der Studie "Segmentierung: Kunden besser kennen und bedienen", für die Deloitte 50 Unternehmen aus verschiedenen Branchen (Investitionsgüter, Automobil, Energie, Chemie und Finanzdienstleister) befragte. Um die Vorteile der Segmentierung zu nutzen, ist es für Unternehmen der Studie zufolge angezeigt, organisatorische und technische Hürden mit einem ganzheitlichen Ansatz zu überwinden.

"Zwei Drittel der Befragten messen der Kundensegmentierung eine hohe bis sehr hohe Bedeutung zu. Sie wollen damit die Profitabilität ihrer Kundensegmente erfassen sowie deren Potenziale identifizieren. Weitere zentrale Punkte sind die Transformation vom Produkt- zum Lösungsdenken sowie die Entwicklung eines zielgruppenspezifischen Marketing- und Vertriebsmanagements",

erklärt Helmut Burckhardt, Partner Customer Relationship Management bei Deloitte.

Kombination aus qualitativen und quantitativen Kriterien

Für die Kundensegmentierung verwenden über 80 Prozent der Unternehmen eine Kombination quantitativer und qualitativer Kriterien. Zu ersteren gehören beispielsweise

  • Kundenumsatz,
  • Deckungsbeitrag oder
  • Dauer der Kundenbeziehung.

Qualitative Kriterien sind unter anderem

  • die strategische Bedeutung der Kundenbeziehung,
  • die Kundenbedürfnisse und
  • das jeweilige Kaufverhalten.

Sechs von zehn Befragten ordnen ihre Kunden innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten den verschiedenen Segmenten neu zu. Das Modell selbst aktualisieren allerdings nur knapp 40 Prozent der Befragten im gleichen Zeitraum.

Datenerhebung intern und extern

Entscheidend für den Erfolg einer Segmentierung sind die Kundendaten. Hier kommt es sowohl auf Aktualität als auch auf deren optimale Verwaltung an. Knapp drei Viertel der Befragten bringen die Daten mindestens jedes halbe Jahr auf den neuesten Stand. Ganze 25 Prozent sorgen sogar für Tagesaktualität. Dennoch ist der Umgang mit dem Datenmaterial nicht völlig problemlos. So sind Stamm-, Kontakt- und Dialogdaten der Kunden zwar laut Mehrheit der Befragten von hoher Qualität, jedoch weisen auch diese noch deutliches Optimierungspotenzial auf.

Bei den Bestandskundendaten setzen rund drei Viertel der Unternehmen auf den Zukauf externer Daten. Für Potenzialkunden spielt die Datenbeschaffungsart eine geringere Rolle, obwohl die Daten nach sehr spezifischen Kriterien verfügbar sind und ihre Nutzung es dem Vertrieb erleichtern kann, sich auf die Zielkunden des Unternehmens zu fokussieren. Die Firmen lagern ihre Kundendaten zumeist in dezentralen Systemen - viele davon sind noch Eigenlösungen - zukünftig wollen Firmen jedoch verstärkt zentrale Data-Warehouse-Lösungen einsetzen, um eine Kundensegmentierung zu erleichtern.

Segmentierung sollte stärker von Händlern genutzt werden

Meist konzipiert die Geschäftsleitung Kundensegmentierungsmodelle, während die Marketing- und Vertriebsabteilungen für deren Betreuung zuständig sind. Geschäftsleitung sowie Marketing und Vertrieb sind auch deren Hauptnutzer. Händler und Vertriebspartner auf der anderen Seite sind am wenigsten mit der Materie vertraut - was sich als nachteilig erweist, wenn Value-Added Reseller differenzierte Leistungen für Kunden erbringen sollen.

Am Austausch von Kunden- bzw. Potenzialdaten zwischen Unternehmen und Vertriebspartnern mangelt es noch. Letztere übermitteln ihre Daten oft nicht, weil der Nutzen einer Weitergabe an den Hersteller nicht klar aufgezeigt wird. Kaum weniger problematisch ist der geringe Nutzungsgrad der Kundensegmentierung durch die Bereiche Service und After Sales, vor allem im Lösungsgeschäft. Die Unternehmen verpassen hier die Chance, ihre Leistungen je nach Bedeutung und Profitabilität der Kunden abzustufen.

Bessere Kundenkommunikation, aber noch Potenziale beim Pricing

Erkenntnisse, die aus der Kundensegmentierung resultieren, führen zum einen zu organisatorischen Maßnahmen: Bei der Mehrzahl der Umfrageteilnehmer wirken sie sich auf das Produktportfolio aus. Zudem sind sie Anlass für Schulungsmaßnahmen, insbesondere für den Vertrieb.

Zum anderen nutzen die Unternehmen die aus der Segmentierung gewonnenen Einsichten, um ihre Kunden segmentspezifisch zu bearbeiten. Das resultiert in einer entsprechenden Kommunikation, einem bedarfsorientierten Produktangebot sowie segmentspezifischem Pricing.

Während nahezu alle Unternehmen auf den ersten beiden Feldern aktiv werden, gestalten lediglich drei von vier ihr Pricing nach segmentspezifischen Kriterien - obwohl sie gerade diesen Punkt für am wichtigsten halten. Dank der Segmentierung schöpfen fast alle Befragten Kundenbeziehungen besser aus, senken ihre Kosten, erschließen neue Absatzpotenziale und steigern den Marketing-ROI. Über 90 Prozent geben an, sie würden Kunden effektiver binden, steigerten die Effizienz ihres Vertriebs und schöpften Zahlungsbereitschaften besser ab.

"Die Kundensegmentierung hat sich zu einem wichtigen Instrument entwickelt. Allerdings gibt es noch viele Optimierungspotenziale. Insbesondere ist es für die Unternehmen wichtig, innerhalb der Organisation den Weg für die effektive Nutzung der Kundensegmentierung zu bereiten",

so Burckhardt. Dazu müssen die Verantwortlichen vor allem Transparenz schaffen, um Informationsmonopole abzubauen, Mitarbeitern die Vorteile der Kundensegmentierung darzulegen und die Kommunikation zu verbessern. Auch schlüssige Business Cases für die Erstellung und Pflege der Kundensegmentierungsmethodik sowie der unterstützenden IT-Systeme sind eine wichtige Voraussetzung. Burckhardt weiter:

"Was überrascht, ist, dass viele Befragte den bislang erzielten Nutzen der Segmentierung trotz aller offensichtlichen Vorteile eher verhalten einschätzen. Um alle Potenziale auszuschöpfen, bedarf es bereits in der Konzeptions- und Implementierungsphase eines ganzheitlichen Ansatzes".

Hinweis

Die komplette Deloitte Studie zu Praxis und Optimierungspotenzial der Kundensegmentierung finden Sie hier zum Herunterladen:

Segmentierung: Kunden besser kennen und bedienen [225]

[po; Quelle: Deloitte; Bild: Fotolia.com]

Vertriebsmaßnahme: Online-Shops können das Weihnachtsgeschäft aktiv ankurbeln

Überfüllte Geschäfte, lange Warteschlangen und genervte Verkäufer: Die Suche nach dem passenden Weihnachtsgeschenk kann zum Albtraum werden. Nach einer aktuellen Untersuchung des Meinungsforschungsinstitutes Integral mit rund 3.000 Teilnehmern ziehen es daher bereits 78 Prozent der Befragten vor, online auf Geschenksuche zu gehen.

Denn trotz Finanzkrise sitzt das Portemonnaie locker, wenn es um Präsente für die Lieben geht: Die Meinungsumfrage des Versandhändlers Quelle belegt, dass die Finanzkrise das Weihnachtsgeschäft nicht beeinträchtigen wird. Im Gegenteil: Zwei Drittel der Befragten wollen ihr Weihnachtsbudget sogar noch erhöhen. Pontus Kristiansson, CEO bei Avail Intelligence, kommentiert:

„Für Online-Händler hat die wichtigste Zeit des Jahres begonnen. Deshalb sollten sich die Shops nicht nur auf Prognosen verlassen, sondern gezielt Maßnahmen ergreifen, um Besucher gezielt anzusprechen und in Stammkunden zu verwandeln."

Avail Intelligence hat sechs Last-Minute-Tipps entwickelt, mit denen Webshops ihr Weihnachtsgeschäft ankurbeln können:

Spezielle Angebote für Top-Weihnachtsgeschenke

Digitalkameras stehen auch in diesem Jahr auf dem Wunschzettel ans Christkind ganz oben, gefolgt von Sportartikeln und Bekleidung. Dies ergab eine aktuelle Meinungsumfrage der Preisvergleichsplattform Geizhals.at. Empfehlen Online-Shops diese Artikel zur Weihnachtszeit und schnüren spezielle Angebotspakete, erhöhen sie die Kaufchancen.

1. Weihnachtliches Layout

Genauso liebevoll wie die Geschäfte und Straßenzüge in der Innenstadt zur Weihnachtszeit dekoriert sind, sollte auch der Online-Shop sein Angebot in einem weihnachtlichen Layout präsentieren. Kleine grafische Details auf der Website lassen weihnachtliche Stimmung und Shopping-Laune aufkommen.

2. Virtuelle Adventskalender

Großer Beliebtheit erfreuen sich auch virtuelle Adventskalender. Jeden Tag ein Türchen zu öffnen, erhöht die Vorweihnachtsfreude und bindet potenzielle Kunden. Dieses Prinzip können Online-Händler auch auf ihren Shop übertragen und hinter jedem Türchen des Kalenders ein spezielles Kaufangebot für einen bestimmten Tag bereithalten.

3. Liefergarantie

Die größte Sorge vieler Last-Minute-Käufer ist es, an Weihnachten ohne Geschenk dazustehen. Wenn Online-Händler ihren Kunden eine Liefergarantie bis zum Fest bieten, können diese beruhigter shoppen.

4. Einblick auf persönliche Wunschzettel

Wenn Freunde und Verwandte die im Online-Shop hinterlegten persönlichen Wunschzettel einsehen können, lässt sich der Wunsch ihrer Liebsten schnell und einfach erfüllen. Und vielleicht erstellen sie sogar einen eigenen Wunschzettel.

5. Einfaches Rückgabesystem

Nicht immer passt oder gefällt das Weihnachtsgeschenk. Wenn der Online-Händler seinen Kunden auf einfaches Umtauschsystem anbietet, kauft dieser mit weniger Bedenken und mehr Vorfreude.

[po; Quelle: Avail Intelligence; Bild: Fotolia.com]

Messeplanung: Mehr verkaufen statt Image bilden

Die Zahlen stimmen positiv: Auch in den ersten Monaten des Jahres 2008 lag die deutsche Messewirtschaft auf Wachstumskurs. Über drei Prozent mehr Besucher wurden auf den 88 internationalen Messen des ersten Halbjahres registriert als im Vergleich zu den jeweiligen Vorveranstaltungen. Auch die vermietete Fläche stieg mit 2,5 Prozent noch einmal kräftig an. Einziger Wehrmutstropfen: Das Wachstum der Ausstellerzahlen auf den internationalen Messen blieb mit 1,8 Prozent Wachstum hinter dem Gesamtergebnis von 2007 zurück.

Soweit der Rückblick. Doch Messen werden auch in Zukunft als eine der Präsentationsmöglichkeiten für Unternehmen und ihre Produkte beziehungsweise Lösungen eine wesentliche Rolle spielen. Nach Angaben des Ausstellungs- und Messeausschusses der Deutschen Wirtschaft, kurz AUMA, der jedes Jahr einen sogenannten Messe-Trend veröffentlicht, will im Zweijahreszeitraum 2008/2009 jedes befragte Unternehmen im Durchschnitt auf 5,9 Fachmessen in Deutschland ausstellen. Im Zeitraum 2005/2006 waren es noch 5,3.

Auch die Messebudgets lagen bei der aktuellen Befragung so hoch wie nie zuvor. Die Unternehmen wollen in den kommenden beiden Jahren für Standmiete, Standbau, Personal inklusive Reisekosten, Transport und Kommunikation sechs Prozent mehr ausgeben – durchschnittlich 399.200 Euro. Im Zeitraum 2006/2007 waren es 376.500 Euro.  

Investition in Messebeteiligung

Messen sind Absatzchancen, nicht bloß Events

Soweit die Fakten. Doch Angaben zu Investitionen geben noch lange keinen Aufschluss darüber, ob Unternehmen einen Messeauftritt auch tatsächlich effektiv nutzen. Die Unternehmensberaterin und Messe-Expertin Elke Clausen ist überzeugt, dass viele Firmen Messen als Absatzinstrument immer noch nicht intelligent genug nutzen. Messen würden nicht strategisch geplant, sondern meist von einer operativen Abteilung innerhalb des Marketings organisiert. Clausen sagt:

„Der Blick auf das Ganze ist verloren gegangen. Die Komplexität der Messe bedingt eine mehrdimensionale Nutzung, will ein Aussteller das Potenzial seiner Beteiligung ausschöpfen.“

Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Bedeutung von Messen im B2B-Markt für das Beschaffungsmarketing sowie die Absatz- und Kommunikationspolitik nach wie vor sehr hoch ist. Doch in den letzten Jahren habe sich eine Meinung manifestiert, die die Messe als reines Kommunikationsinstrument und als Event sehe. Clausen formuliert die Folgen dieser Sichtweise:

„Die absatzpolitischen Aufgaben treten völlig in den Hintergrund. Der Vertrieb fühlt sich für die Messe nicht zuständig und hat sich auf eine Statistenrolle zurückgezogen. Die Fokussierung auf das Event hat außerdem dazu geführt, dass die Messe nicht als Prozess wahrgenommen wird. Die Folge: Die für den Erfolg wichtigsten Phasen Pre-Marketing und Follow-up werden sträflich vernachlässigt.“

Ein Trugschluss, der nicht nur zulasten eines effektiven Vertriebs auf Messen geht, sondern der es auch an einem übergeordneten Marketingkonzept und an nachprüfbaren strategischen und operativen Zielen für die Beteiligung mangeln lässt. Diese sind aber unabdingbare Voraussetzungen für eine strategische Ausrichtung eines Messekonzepts. Die Folge: Es werden lediglich Events geplant und „unwichtige“ Fragen wie die Farbe des Messestandes treten in den Vordergrund. Dabei ist der Weg das Ziel, denn eine Messe kann nur eines von zahlreichen anderen Instrumenten zur Erreichung der Unternehmensziele sein. Ob ein Unternehmen überhaupt an einer Messe teilnimmt, hängt laut Clausen von folgenden Faktoren ab:

  • Einzugsgebiet der Messe (regional, nationale, international)
  • Besucherstruktur (Branche, Entscheidungskompetenz)
  • Ausstellerstruktur (Branchen, Produkte, Themen)
  • Rahmenprogramm
  • Zeitpunkt und Dauer

Konsumverhalten: Chinas Mittelstand entdeckt westliche Labels

Mit der Kaufkraft wächst auch das Markenbewusstsein - westlichen Labels bieten sich attraktive Absatzchancen. Dabei stehen Nischenanbieter und -marken beim städtischen Mittelstand hoch im Kurs. Vor allem junge Chinesen sind bereit, neue Marken auszuprobieren - jedoch stets mit Blick auf die Qualität, die als Differenzierungsmerkmal eine wichtige Rolle spielt.

In China verfügen auch Berufseinsteiger über ein Einkommen, das ihnen einen gewissen Luxus erlaubt: Zum einen, weil die Gehälter bereits nach wenigen Jahren deutlich wachsen. Zum anderen übersteigen die tatsächlich verfügbaren Einkommen die nominellen erheblich, da sie zum großen Teil aus "inoffiziellen" Anteilen bestehen. Auch ist die Sparrate in China hoch, sodass erhebliche Mittel für den Konsum vorhanden sind. Wei Wang, Senior Manager Chinese Services Deloitte, erklärt:

"Auch in weltwirtschaftlich schwierigen Zeiten wächst der Wohlstand in China weiter. Das betrifft nicht nur die Dollar-Milliardäre, sondern auch die Mittelschicht. Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll die Zahl der wohlhabenden Haushalte auf knapp 40 Millionen ansteigen - eine enorme Kaufkraft. Die Wirkung des aktuellen Konjunkturpakets der chinesischen Regierung auf sämtliche asiatischen Märkte zeigt die Bedeutung Chinas als Wirtschaftsmotor. Westliche Marken haben weiterhin starke Expansions- und Wachstumschancen in China - wenn sie sich richtig auf fortlaufende Entwicklungen im Konsumentenverhalten einstellen."

Neugier auf neue Marken

Das besondere Potenzial der wachsenden Nachfrage junger Chinesen besteht unter anderem darin, dass sie sich für Nischenmarken, die bislang in China noch nicht so präsent waren, interessieren. Die Kunden mit stetig steigenden Shoppingbudgets wollen neue Marken entdecken und Prestige mit Exotik verbinden - es entsteht eine neue Markenkultur. Vor allem die jüngeren Chinesen zeigen sich offen für Experimente: Mehr als 60 Prozent der Altersgruppe zwischen 20 und 44 Jahren sind bereit, neue Marken auszuprobieren.

Dabei genießen westliche Marken hohes Ansehen, denn Qualität spielt eine herausragende Rolle - und westliche Marken gelten als qualitativ hochwertig. Die Ansprüche der Käufergruppen sind groß, insbesondere im Hochpreissegment: In den oberen Preisklassen ist es für 70 Prozent der Käufer ausschlaggebend, dass die Ware im Heimatland der Marke gefertigt wurde.

Zahl der Gutverdienenden wächst

Das Wachstum hat in China längst zum Aufbau einer breiten, stabilen Mittelschicht in den Städten und Boomregionen des Landes geführt. Davon profitieren die jungen, gut ausgebildeten Chinesen (ähnlich den "Young Urban Professionals" der 80er-Jahre in den USA) im Dienstleistungssektor, die "White Collars".

In den Städten nimmt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung kontinuierlich zu - in Schanghai wird ihre Zahl von heute drei Millionen auf etwa 7,8 Millionen im Jahr 2015 steigen. Ausschlaggebend für ihre hohe Kaufkraft ist, dass die Gehaltskurve in vielen chinesischen Unternehmen mit der Berufserfahrung mit einer Geschwindigkeit steigt, die die westlichen Vergleichsstandards übertrifft: Schon nach sieben Jahren kann Einstiegsgehalt auf das Sieben- bis Achtfache angewachsen sein. Zudem wird das offizielle Gehalt häufig durch sogenannte inoffizielle Bestandteile aufgewertet. Laut offizieller Erhebungen in Schanghai macht dies bis zu 50 Prozent der Gesamtsumme aus.

Sowohl steigende Gehälter als auch die wachsende Anzahl qualifizierter White Collars bedeuten eine erhebliche Konsumnachfrage, die befriedigt werden will. Laut Studie geht die Mehrheit der markenbewussten Zielgruppe - etwa 85 Prozent - mindestens einmal im Vierteljahr bzw. einmal monatlich zum Shoppen, knapp fünf Prozent sogar einmal pro Woche. Dabei bevorzugen sie Malls, Kaufhäuser und Multi-Brand Stores, also Orte, wo ein breites Spektrum an Markenware und Fashion Labels aller Art zu finden ist.

Am liebsten geben die chinesischen Aufsteiger ihr Geld während der Ferien anlässlich verschiedener Feiertage wie der "Golden Weeks" zum Frühlingsfest, dem Nationalfeiertag, aber auch in der Weihnachtssaison aus. Es zeigt sich, dass die Zielgruppe mehr auf den Zeitpunkt als auf das Geld achtet: Der "Zahltag" spielt hier eine ebenso untergeordnete Rolle wie das "Weihnachtsgeld", also Sondervergütungen. Dennoch sind die Chinesen ausgesprochen aufgeschlossen für Promotionsaktionen und Sonderverkäufe. Wei Wang kommentiert:

"Im Rahmen der Studie haben wir auch nach den jährlichen Durchschnittsausgaben für Kleidung gefragt. Etwa 30 Prozent der Befragten geben zwischen 250 und 550 Euro aus, für weitere 30 Prozent dürfen es schon zwischen 550 und 1.150 Euro sein. Bei diesem Budget bleibt genug für Markenkleidung - gerade westliche Nischenanbieter haben hier gute Chancen, sich einen neuen Markt von enormer Größe zu erschließen. Voraussetzung ist, dass die Produkte einen hohen Qualitätsgrad vorweisen und beispielsweise über die beliebten Multi-Brand Stores angeboten werden."

Hinweis

Die komplette Deloitte-Studie zum Konsumverhalten der chinesischen Mittelschicht finden Sie hier zum Herunterladen:

Outfitting the New White Collars [226]

[po; Quelle: Deloitte; Bild: Fotolia.com]

Weihnachtsgeschäft: Deutsche wollen Weihnachtsausgaben verringern

Das diesjährige Weihnachtsgeschäft könnte laut Deloitte-"Xmas survey 2008" schlechter ausfallen als in den Vorjahren. Aufgrund der unsicheren Weltwirtschaft sowie steigender Lebensmittel- und Energiepreise wollen über 60 Prozent der Deutschen ihre Weihnachtsausgaben verringern. Für Geschenke bleiben 209 und für weitere Festlichkeiten 193 Euro, wobei an Essen und Trinken nicht gespart werden soll. Das Internet dient den Deutschen dabei vorwiegend als Ressource für Preis- und Qualitätsrecherchen, weniger als Einkaufsmedium.

Dies sind die Ergebnisse der europaweiten, repräsentativen Deloitte-Befragung von rund 18.000 Konsumenten in 17 Ländern (Deutschland: rd. 2000) zu ihren geplanten Weihnachtsausgaben. Dr. Peter Thormann, Partner im Bereich Consumer Business bei Deloitte, erklärt:

"Die Deutschen sind beunruhigt und gehen mehrheitlich von einer bevorstehenden Rezession aus. Das wirkt sich dämpfend auf das weihnachtliche Konsum- und Kaufverhalten aus. Über 60 Prozent wollen ihre Ausgaben für Geschenke reduzieren, nur noch 209 Euro aufwenden und vor allem preisbewusst entscheiden. Als Folge könnte auch der Absatz von Luxusgütern einbrechen."

Einschätzung der Wirtschaftslage: Ost- vs. Westeuropa

Allgemein fürchten die Europäer eine Abschwächung der Konjunktur in 2009. Dabei unterscheiden sich Ost- und Westeuropa jedoch gravierend: Frankreich (32 Prozent), Italien (42 Prozent), Spanien (57 Prozent) und Portugal (40 Prozent) blicken besonders pessimistisch in die Zukunft, während in Osteuropa 66 Prozent die Wirtschaftslage optimistischer einschätzen. Die Deutschen gehören vergleichsweise noch zu denjenigen, die ihre persönliche Situation am wenigsten von der Finanzkrise bedroht sehen: Nur 23 Prozent fühlen sich direkt betroffen. Zu berücksichtigen ist dabei, dass sich die Finanzkrise in Deutschland erst jetzt auswirkt, die Studiendaten jedoch bereits Ende September/Angang Oktober erhoben wurden.

Sonderangebote & nützliche Geschenke für die Lieben

Die Verbraucher sind in diesem Jahr gezwungen, ihre finanziellen Mittel zur Weihnachtszeit einzuteilen und die Ausgaben zu priorisieren: Dabei würden 22 Prozent eher bei Geschenken kürzer treten als bei festlichem Essen und Trinken. Um beim Geschenkekauf zu sparen, schränken sie den Kreis der zu Beschenkenden ein, recherchieren mehr nach Sonderangeboten und suchen verstärkt nützliche Geschenke mit praktischem Mehrwert. Auch deshalb wird im gesamten Westeuropa ein Absatzeinbruch bei Luxusgütern erwartet. Insgesamt wollen die Deutschen 6,3 Prozent weniger Geld für Geschenke und 1,6 Prozent weniger für Nahrungsmittel ausgeben.

Top-Ten-Geschenke

Europaweit rangieren Musik/CD/Bekleidung nach Kosmetik/Parfüm und Büchern oben auf den Wunschlisten. Die beliebtesten Geschenke in Deutschland sind nach wie vor Bargeld, Bücher, Geschenkgutscheine und Tonträger wie CDs. Bei Kindern unter zwölf Jahren stehen Spielekonsolen und Computerspiele am höchsten im Kurs. Jugendliche (zwölf bis 18 Jahre) präferieren Bargeld und Computerspiele.

Preisbewusstsein ersetzt Nachhaltigkeitsbewusstsein

Für 48 Prozent der Befragten ist ausschließlich der Preis entscheidend - unabhängig von Nachhaltigkeitsüberlegungen oder davon wie der Preis zustande kommt. Das Internet gilt als Einkaufsmedium der Zukunft. Die Deutschen schätzen dabei vor allem die Bequemlichkeit und die vielfältigen Recherchemöglichkeiten vor dem Kauf. Hier ist ein nach Einkommen gestaffeltes Verhalten zu beobachten: Während die unteren Einkommensgruppen das Netz eher für Preisrecherchen nutzen, kaufen die oberen hier verstärkt ein. Alles in allem sind die Deutschen aber noch vergleichsweise zurückhaltend beim Online-Shopping. Thormann resümiert:

"Für die meisten Deutschen ist der Preis das entscheidende Kriterium. Der Handel sollte das unbedingt berücksichtigen und attraktive Weihnachtsaktionen anbieten. Auf Impulskäufe sollte er nicht so stark setzen. Einzelne deutsche Geschäfte und Handelsketten haben noch Potenzial beim Ausbau ihrer Onlinepräsenz, obwohl die Deutschen insgesamt doch lieber im Kaufhaus oder Supermarkt einkaufen. Letzten Endes kann auch ein umfassender Service die Präferenz aufgrund eines niedrigen Preises kaum kompensieren."

Details zur Weihnachtsumfrage

Die Weihnachtsumfrage von Deloitte ermittelt die geplanten Weihnachtsausgaben von Konsumenten und wird seit 1998 jährlich durchgeführt. Die diesjährige Umfrage richtete sich an 16- bis 65-Jährige. Die Slowakei, Rumänien und die Ukraine wurden erstmals aufgenommen. Die Umfrageergebnisse aus den USA wurden zu Vergleichszwecken herangezogen, da diese erfahrungsgemäß eine direkte Auswirkung auf Europa haben.

Die komplette Studie finden Sie hier: "Christmas Survey 2008 - Deutscher Weihnachtsmann auf Schnäppchenjagd" [227]

[po; Quelle: Deloitte; Bild: Fotolia.com]

Web-Usability: Die Nutzerfreundlichkeit der Website steigern

Viele Besucher und eine hohe Klickrate auf Ihrer Website sind erst dann als Erfolg zu bewerten, wenn sie letztlich auch zum Geschäftsabschluss führen. Über Erfolg und Misserfolg bei der Kundenansprache entscheiden Aufbau, Gestaltung, Inhalte und die Nutzerfreundlichkeit (engl. Usability) Ihrer Unternehmenswebsite. Usability ist eine Wortzusammensetzung von use (dt. benutzen) und ability (dt. Fähigkeit). Sie drückt aus, wie effektiv und effizient ein Produkt ist oder wie bedienerfreundlich Websites, Software oder interaktive Systeme sind. Bei der Nutzerfreundlichkeit von Websites spricht man von Web-Usability. Ziel ist es hierbei, die Nutzung für die Besucher so einfach wie möglich zu machen und für eine intuitive Nutzung mit guter Web-Usability zu sorgen.

Aktuelle Studien zeigen, dass die Nutzerfreundlichkeit einer Website maßgeblich zum unternehmerischen Erfolg beiträgt. Jeder zweite Internetnutzer entscheidet demnach nach maximal acht Sekunden, ob er eine aufgerufene Internetseite verlässt oder sich weiter informiert. Sie sollten Vorteile und Mehrwerte Ihres Unternehmens, Ihrer Produkte oder Dienstleistungen klar kommunizieren und fortlaufend prüfen, ob die enthaltenen Informationen ausreichen, um den Besucher aus Ihrer Zielgruppe direkt von Ihrem Angebot zu überzeugen. Die Website müssen Sie dafür an die Erwartungen und Bedürfnisse des Besuchers anpassen und ihm möglichst direkte Handlungsanweisungen geben. Ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor ist die transparente Navigation auf Ihrer Website. Nur auf übersichtlich gestalteten und strukturierten Websites findet der Besucher schnell und ohne Umwege die entsprechenden Informationen und Angebote – und bricht nicht vor der von Ihnen gewünschten Angebotsanfrage, der Teilnahme an einem Gewinnspiel oder der Bestellung in einem Online-Shop ab.

Die wichtigsten Regeln für Web-Usability

Wie sollte Ihre Website gestaltet sein, damit Interessenten zu Kunden werden? Zentrale Elemente sind Design, Navigation und Inhalt. Führen Sie Ihre Besucher erfolgreich ans Ziel.

Design, Navigation und Inhalt nehmen Einfluss darauf, ob ein Besucher sein Ziel erreicht. Beachten Sie beim Umgang mit diesen Elementen wichtige Regeln. So führen Sie Ihre Besucher erfolgreich ans Ziel.

Schrift und Design

  • Jede Seite sollte einen eindeutigen Titel haben.
  • Nutzen Sie informative Überschriften bei längeren Texten. Viele Internetnutzer überfliegen eine Webseite nur und orientieren sich an den Überschriften oder Verlinkungen, um relevante Inhalte zu finden.
  • Verwenden Sie eine ausreichende Schriftgröße und einen entsprechenden Zeilenabstand, um die Leserlichkeit zu gewährleisten.
  • Achten Sie auf einen angemessenen Kontrast zwischen Text, Vorder- und Hintergrund.
  • Das Seitenlayout sollte sich der Größe des Browserfensters anpassen.
  • Nutzen Sie nur dann Flash, wenn Sie zusätzliche Mittel und Funktionen anbieten wollen, die über klassische Programmierumgebungen (HTML, PHP etc.) nicht erstellt werden können.
  • Vermeiden Sie das Überformatieren von wichtigem Inhalt, wie zum Beispiel den Navigationsbereichen. Auf übersichtlichen Seiten ist das nicht nötig und spart Platz.
  • Fotos und Grafiken sollten zum Thema der jeweiligen Webseite passen.

Navigation und Verlinkungen

  • Die Navigation sollte einfach und verständlich sein.
  • Die Hauptnavigation erfolgt mit zentralen Begriffen. Finden Sie prägnante und aussagekräftige Schlagworte, um Ihr Informationsangebot zu präsentieren.
  • Ein Link-Pfad (engl. breadcrumb navigation) informiert den Besucher jederzeit, in welchem Bereich der Website er sich befindet und erleichtert ihm die Navigation. Beispiel: Startseite > Produkte > Beispielprodukt > Beispielproduktdetails.
  • Fassen Sie alle Informationen zu Ihrer Firma in einem Bereich (zum Beispiel "Über uns" oder "Das Unternehmen") zusammen. In diesem Bereich erwarten die Besucher eine Unternehmensbeschreibung, Ansprechpartner mit Kontaktinformationen, Jobangeboten, Presseinformationen etc.
  • Arbeiten Sie mit Untermenüs, die sich erst zeigen, wenn der gewünschte Hauptbereich aufgerufen wird.
  • Verlinkungen sollten eindeutig als solche erkennbar sein. Unterstrichene Texte erkennen Internetnutzer sofort als Verlinkung.
  • Nutzen Sie einen beschreibenden Text, bestehend aus einem Begriff oder wenigen Worten, zum Verlinken.
  • Testen Sie regelmäßig, ob alle Verlinkungen funktionieren.
  • Kennzeichnen Sie bereits besuchte Links, zum Beispiel mit einer anderen Farbe.
  • Kennzeichnen Sie Links auf externe Seiten sowie Downloadlinks.
  • Legen Sie fest, in welchen Fällen ein neues Browserfenster geöffnet wird.
  • Verlinkungen, die zu einer Webseite innerhalb Ihrer Website führen, sollten immer im selben Browserfenster geöffnet werden.
  • Verlinkungen, die von Ihrer Website wegführen, sollten immer in einem neuen Browserfenster geöffnet werden.

Ihre Startseite, die Homepage: 

  • Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen macht und erklären Sie es so, dass es jeder versteht.
  • Ihre Homepage liefert die zentrale Orientierung und sollte mit einem Klick von jeder Unterseite aus erreichbar sein. Dazu eignet sich Ihr Firmenlogo. Internetnutzer haben gelernt, dass sich hinter dem Firmenlogo häufig eine Verlinkung zur Startseite verbirgt. Ein kleiner unterstrichener Text mit "Home" unter dem Logo macht die Verlinkung zur Homepage noch deutlicher.

Dialogmöglichkeiten

  • Erstellen Sie eine Kontaktseite und verstecken Sie Ihre Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Anschrift nicht im Impressum.
  • Platzieren Sie einen Link zur Kontaktseite auf jeder Unterseite Ihres Internetauftritts.
  • Veröffentlichen Sie Ihre Geschäftszeiten, damit Interessenten nicht auf Ihren Anrufbeantworter sprechen müssen.
  • Animieren Sie Besucher zu einer Anfrage, indem Sie die Unverbindlichkeit und den Nutzen für den Interessenten hervorheben.
  • Wenn Interessenten oder Kunden persönlich zu Ihnen kommen, bieten Sie ihnen Anfahrtsskizzen und eine Wegbeschreibung auf Ihrer Website an.
  • Je weniger Felder Sie in Online-Formularen verwenden, umso mehr Interessenten werden das Formular ausfüllen.
  • Stellen Sie sicher, dass das erste Eingabefeld leicht auffindbar ist. Der Besucher sollte sofort mit dem Ausfüllen beginnen können.
  • Stellen Sie sicher, dass Nutzer mit der Tabulatortaste ein Formular in der korrekten und logischen Reihenfolge ausfüllen können.

Servicefunktionen

  • Manchmal kann eine Übersicht neu eingestellter Inhalte sehr sinnvoll sein.
  • Bieten Sie bei komplexen und großen Websites eine Suchfunktion an.
  • Eine Seitenübersicht (Sitemap) zeigt dem Besucher auf einen Blick die Struktur und die Inhalte Ihrer Website.
  • Ein Glossar (A-Z) ist sinnvoll, wenn Sie auf Ihrer Website viele Fremdwörter oder Fachbegriffe nutzen.
  • Ein Hilfebereich ist notwendig, wenn Sie auf Ihrer Website erklärungsbedürftige Services und Funktionen anbieten.
  • In diesem Fall kann eine Liste von häufig gestellten Fragen (FAQ – frequently asked questions) ebenfalls sehr nützlich sein.

Die häufigsten Web-Usability-Fehler
Ist der Internetauftritt übersichtlich, können Besucher über ein fehlendes Inhaltsverzeichnis hinwegsehen. Aber wenn Ihre Website unübersichtlich ist, verlassen die meisten Besucher Ihre Website wieder. Der Usability-Experte Jakob Nielsen hat die häufigsten Fehler veröffentlicht.

Die 10 häufigsten Fehler sind:

  • Schriftart, -größe und -farbe sind nicht optimal;
  • Gestalterische Fehler bei Verlinkungen;
  • Falscher Einsatz von Flash;
  • Inhalte, die nicht speziell fürs Web geschrieben wurden;
  • Schwächen in der Suchfunktionen;
  • Inkompatible Browser;
  • Fehler in der Gestaltung von Formularen;
  • Kontaktdaten und Informationen zum Unternehmen sind unvollständig;
  • Das Seitenlayout passt sich nicht an die Größe des Browserfensters an;
  • Unpassende Vergrößerung von Fotos und Grafiken.

Detaillierte Informationen zu den häufigsten Usability-Fehlern und Verbesserungsvorschläge [228] finden Sie auf der Seite vom Institut für Software-Ergonomie und Usability.

Usability-Testmethoden

Es gibt verschiedene Wege, um die Nutzerfreundlichkeit Ihres Internetauftritts zu überprüfen. Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über Usability-Testmethoden – vom einfachen Test bis zur professionellen Expertise eines Spezialisten.

Die Web-Usability können Sie über verschiedene Wege überprüfen. Die einfachste Methode ist die persönliche Beobachtung von Testpersonen. Hierbei stellen Sie Testpersonen Aufgaben, die auch Ihre Zielgruppe auf Ihrer Website bewältigen muss. Das kann zum Beispiel die Suche nach bestimmten Produktinformationen sein oder aber der Versand einer Angebotsanfrage. Dabei beobachten Sie, wie gut die Person mit der Aufgabe zurechtkommt und an welcher Stelle Probleme auftreten. Gute und schnelle Ergebnisse erzielen Sie, wenn Sie Testpersonen beobachten, die Ihre Website gar nicht und Ihr Unternehmen nur wenig kennen. Scheuen Sie sich beispielsweise nicht, Ihre Putzfrau oder Ihren Briefträger zu bitten, an einem Test teilzunehmen.

Als Außenstehende werden sie über die bestehenden Hürden stolpern und tragen so zum Erfolg Ihrer Website bei. Nach dem Test sprechen Sie offen über die gesammelten Eindrücke und erhalten ein Feedback zur Anwendbarkeit Ihrer Website. Gehen Sie dabei offen mit konstruktiver Kritik um, denn das ist das Ziel bei der Überprüfung. Um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, sollten Sie den Test mit weiteren Personen wiederholen. Untersuchungen haben gezeigt, dass bereits 3 Testpersonen 80 Prozent der Schwachstellen einer Website erkennen.

Aufwändiger sind professionelle Analysen wie das sogenannte Eyetracking. Am Bildschirm angebrachte Kameras sowie eine spezielle Software registrieren die Blickbewegung von Testpersonen. Diese Methode liefert Antworten darauf, welche Bereiche ein Nutzer genau betrachtet und wie intensiv er sich diese anschaut. Gängiger ist das Clicktracking. Diese Methode ist in vielen Webcontrolling-Tools wie zum Beispiel etracker integriert. Sie liefert Informationen darüber, auf welche Links die Besucher geklickt haben. Welche Bewegungen die Nutzer mit der Computer-Maus machen, zeigt das Mousetracking. Eine Kombination von Click- und Mousetracking bietet das Web-Usability-Tracking. Hier werden alle Mausbewegungen, Klicks und Tastatureingaben auswertbar gemacht.

Neben diesen sehr technischen Methoden gibt es auch expertenbasierte Analysen und Bewertungen von Websites. Sie können zudem Befragungen zur Nutzerfreundlichkeit Ihrer Website durchführen. Diese Befragungsmethode nennt man On-Site-Befragung. So erhalten Sie Informationen zur Web-Usability Ihrer Website vom Experten oder von Ihren Besuchern.

Je nach Problemstellung sind diese Methoden für die unterschiedlichsten Anforderungen geeigneter oder eher ungeeignet und weisen damit auch unterschiedliche Stärken und Schwächen auf.

Dienstleister für Usability

Möchten Sie sich dabei professionell beraten lassen? Kein Problem, denn diese Dienste werden auch von Unternehmen angeboten. Usability-Dienstleister finden Sie beispielsweise bei „Wer liefert was?“ unter Software-Usability-Tests [229] .

Webcontrolling zur Messung der Web-Usability

Sie haben 1.000 Besucher auf Ihrer Website, erhalten aber keine Anfragen? Dann überprüfen Sie die Wege, die ein Besucher auf Ihrer Website gehen muss.

So genannte Funnels (auch bekannt unter den Bezeichnungen Konversionspfade oder Trichteranalysen) sind von Ihnen festgelegte Seitenpfade, die ein Besucher durchlaufen soll, bis er eine von Ihnen gewünschte Aktion durchführen kann. Wo Besucher Ihre Website verlassen, zeigt das Webcontrolling. Die nachfolgende Grafik veranschaulicht anhand eines Beispiel-Funnels, an welcher Stelle Besucher Ihre Website verlassen könnten.

Weg 1: Ziellose Kommunikation – falsche Zielgruppe oder schlechtes Werbemittel

  • Die Basis jeglicher Überlegungen ist die richtige Ansprache Ihrer Zielgruppe. Überlegen Sie, wo Sie Interessenten für Ihr Angebot erreichen können. Werben Sie nicht in den richtigen Medien, gelangen kaum interessierte Besucher auf Ihre Website.

Weg 2: Zielgerichtete Kommunikation – schlechte Überzeugung oder schlechte Usability

  • An dieser Stelle kommt bereits die Usability ins Spiel: Durch zielgerichtete Werbemaßnahmen gelangen qualifizierte Kontakte auf Ihre Website. Ist die Navigation dort umständlich, lädt das nicht zu einem längeren Aufenthalt ein. Der Interessent findet die gewünschten Informationen nicht umgehend und verlässt Ihre Website.

Weg 3: Gute Überzeugung – schlechte Konversion oder schlechte Usability

  • Interessierte Besucher finden sich zurecht und gelangen auch zu den Informationen. Nur leider gehen die Besucher nicht weiter, um eine Anfrage zu starten. Entweder entspricht Ihr Angebot nicht den Anforderungen oder die Besucher finden nötige Detailinformationen bzw. das Anfrageformular nicht.

Weg 4: Der richtige Weg – einfach und direkt zum Ziel

  • Viele qualifizierte Anfragen erreichen Sie, wenn Sie durch zielgerichtete Werbung ausreichend Besucher auf Ihre Website ziehen. Diese ist so informativ und nutzerfreundlich gestaltet, dass die relevanten Informationen genauso schnell gefunden werden wie das Anfrageformular.

Wenn Sie nun noch die Anzahl der Besucher auswerten, die das Anfrageformular ausgefüllt und versendet haben, dann können Sie feststellen, ob Ihr Online-Formular nutzerfreundlich ist. Werten Sie dazu die Anzahl der erhaltenen Online-Anfragen aus oder die Anzahl der Seitenaufrufe Ihrer "Danke-Seite", die nach dem Versand des Online-Formulars erscheint.

Suchmaschinenoptimierung

Bei der regelmäßigen Pflege Ihres Internetauftritts sollten Sie auch die Suchmaschinenoptimierung niemals aus den Augen verlieren. Denn die Pflege Ihrer Website und die Suchmaschinenoptimierung gehören zusammen – und lassen sich oftmals sogar in den gleichen Arbeitsschritten erledigen.

Mit einer nutzerfreundlichen Seite helfen Sie nicht nur Ihren Besuchern, Inhalte leichter und schneller zu finden. Auch Suchmaschinen können Ihre Website besser bewerten. Ein Beispiel macht dies deutlich: Für Suchmaschinen ist der Inhalt Ihrer Seite wichtig. Einen vorderen Platz bei einer Suchanfrage erreichen Sie, wenn der Suchbegriff im Seitentitel, in Überschriften sowie in Texten gefunden wird.

Nach diesen Informationen und Kriterien sucht auch ein Besucher, um sich auf Ihrer Seite orientieren zu können. Findet er die relevanten Signalworte nicht umgehend oder sind die Informationen veraltet, ist die Seite für seine Anfrage auch nicht interessant. Indem Sie den Inhalt Ihrer Seite auf bestimmte Suchbegriffe abstimmen und aktuell halten, liefern Sie dem Besucher ebenso wie einer Suchmaschine die zentralen Informationen.

[Bild: Fotolia.com]

Schamlos: Tabuisierte Leistungen und Produkte richtig präsentieren

Der Erotikhandel über das Internet boomt: Shops, in denen sich Kunden ihre geheimen Wünsche diskret erfüllen können, schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Hemmschwelle, direkt in einen Sex-Shop zu gehen und sich dort mit Erotik-Artikeln oder Filmen einzudecken, ist bei vielen Menschen immer noch hoch.

Auch wenn sich in unserer Gesellschaft in Hinsicht auf Toleranz und Aufgeschlossenheit schon viel getan hat, gibt es über derartige Angebote hinaus noch eine Reihe von anderen Produkten, deren sichtbarer oder öffentlicher Konsum mit einem Tabu behaftet ist. Sie sind verpönt oder werden ausschließlich heimlich in Anspruch genommen, da sich der Konsument des dahinter stehenden Bedürfnisses schämt. In diesem Beitrag soll es entsprechend um die werbliche Darstellung von Produkten gehen, die

  • entweder gegen unangenehme Schwächen wirken, die man lieber verheimlicht (Potenzschwäche, Inkontinenz bei älteren Menschen, Damen-Hygieneartikel ...)
  • oder auf die Erfüllung menschlicher Bedürfnisse gerichtet sind, deren offene Befriedigung bei vielen Menschen verpönt ist (zum Beispiel erfüllte Sexualität)

Für Kommunikationsfachleute, die für Imagebildung und Produkt-PR entsprechender Anbieter zuständig sind, besteht die Herausforderung darin, an der Relativierung bestehender gesellschaftlicher Tabus mitzuwirken und Berührungsängste mit ihrem Angebot abzubauen. Dies ist in vielen Fällen nur langfristig und mit viel Geduld möglich.

Die strategische Ausrichtung der Unternehmenskommunikation

Von zentraler Bedeutung bei tabuisierten Produkten ist die Kommunikationspolitik. Die gesamte Kommunikationsstrategie muss an die Gefühlslage der Zielgruppe und an die gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst werden. Manche Produkte wie Mittel zur Potenzsteigerung erinnern an "peinliche" Schwächen – andere erzeugen darüber hinaus sogar Angst: So erwecken Inkontinenzprodukte für Senioren auch bei jungen Menschen unangenehme Assoziationen an Alterung, Hilflosigkeit und eine geringe Lebensqualität.

Eine weitere Produktkategorie erinnert viele Menschen an eigene, gegebenenfalls verdrängte Triebe und Sehnsüchte, die sie sich nicht trauen, auszuleben. Darüber hinaus ist insbesondere die vom Zeugungsvorgang losgelöste, auf reine Lusterfüllung gerichtete Sexualität wegen des Einflusses überkommener christlicher Wertvorstellungen immer noch mit einem Tabu behaftet.

Um die werbliche Kommunikation speziell an die besonderen Gegebenheiten anzupassen, sollte die Beantwortung der folgenden Fragen mit in das Kommunikationskonzept einfließen:

  1. Welche Vorurteile bestehen allgemein gegen die Produkte?
  2. Gibt es gesellschaftliche Gruppierungen, die besonders starke Vorbehalte gegen das Produkt haben? Welche sind das und wie groß sind ihr Ansehen und ihr Einfluss?
  3. Mit welchen Sanktionen muss die Zielgruppe gegebenenfalls rechnen, wenn sie das Produkt öffentlich oder deutlich erkennbar in Anspruch nimmt?
  4. Sollen Ängste, Vorbehalte und/oder mögliche gesellschaftliche Konsequenzen direkt in der werblichen Kommunikation angesprochen werden oder ist es besser, sie stillschweigend zu übergehen und den Konsum beziehungsweise die Inanspruchnahme des Angebots als "normal" darzustellen?
  5. Wie direkt soll das Produkt oder der Gebrauch bildlich dargestellt werden?
  6. Wie kann man beim Vertrieb des Produktes dem Bedürfnis der Anwender nach Diskretion nachkommen?
  7. Was sind die zentralen werblichen Botschaften, die nach außen übermittelt werden sollen?

Je nach Sachlage, ob sich der Anbieter auf tabuisierte Produkte spezialisiert hat oder ob er daneben noch eine Reihe "unverfänglicher" Angebote in seinem Programm aufgenommen hat, wird die Kommunikationsstrategie angelegt.

Produktpräsentation: Einen glaubwürdigen, überzeugenden und seriösen Kommunikator wählen

Da sich die Zielgruppe tabubehafteter Produkte in den meisten Fällen schämt, "so etwas nötig zu haben", wählen manche Anbieter einen sympathischen Kommunikator für die werbliche Inszenierung ihres Angebots. Das Ziel ist, entweder ein Vorbild oder eine Identifikationsfigur aus der Zielgruppe zu präsentieren, um die Inanspruchnahme des Produktes als verbreitet und allgemein akzeptiert darzustellen. Die Botschaft lautet: "Dieser nette Mensch nimmt völlig selbstverständlich das gleiche Produkt wie Sie in Anspruch und schämt sich dessen nicht."

Bei der Auswahl des Kommunikators (oder der Kommunikatoren) ist Folgendes zu beachten:

  1. Er muss einerseits selbst zur Zielgruppe gehören beziehungsweise Werte repräsentieren, die sowohl in der Zielgruppe als auch in der Öffentlichkeit anerkannt sind.
  2. Zum anderen darf er aber auf keinen Fall einem negativen Klischee entsprechen.

Es geht hier um einen goldenen Mittelweg: Der Abstand zur Realität der Zielpersonen darf auf der anderen Seite nicht zu groß sein. In vielen Anzeigen für Mittel zur Gewichtsreduktion wird mit gertenschlanken und attraktiven jungen Frauen geworben. Ein möglicher Effekt kann dabei sein, dass bei der Zielperson ein Gefühl der Frustration entsteht ("Das schaffe ich doch nie!").

Das Tabu behaftete Produkt in Zusammenhang mit nicht tabuisierten Angeboten zeigen

Wird das tabuisierte Produkt gemeinsam mit anderen, akzeptierten und/oder alltäglichen Artikeln beworben oder auch in Verkaufsräumen ausgestellt, erfolgt dadurch seine Anhebung auf die gleiche Ebene. Die Hemmschwelle, das Produkt zu ordern oder es zusammen mit anderen Waren in den Einkaufswagen zu legen, sinkt.

Ein passendes Beispiel sind Kondome: Früher war der Erwerb von Verhütungsmitteln ein gesellschaftliches Tabu – inzwischen gibt es sie in fast jedem Supermarkt zu kaufen. Sie hängen entweder direkt am Zigarettenregal, stehen in unauffälligen Schachteln zwischen anderen Drogerieprodukten oder man kann sie diskret im Automaten ziehen.

Eine spielerische und ungefährliche Annäherung ans Thema

Auf das Thema Erektionsstörungen reagieren viele Männer verständlicherweise sehr empfindlich. Gerade in unserer auf Leistung in jeder Lebenslage ausgerichteten Gesellschaft ist es ein schwerwiegendes Problem, nicht mehr "seinen Mann stehen" zu können. Laut eines Fernsehberichtes gibt es deutschlandweit nur eine offizielle Selbsthilfegruppe, in der sich Betroffene und Partner über das Problem austauschen. Aus diesem Grund ist eine besonders behutsame Vorgehensweise gefragt, wenn es um die werbliche Kommunikation für Mittel zur Potenzsteigerung geht.

Eine Möglichkeit besteht darin, das schwierige Thema mit einem positiv besetzten zu verknüpfen und den Konsumenten damit einen spielerischen Zugang zum Produkt zu ermöglichen. Auf der Website www.mann-info.de [230] des Viagra-Herstellers Pfizer finden sich neben harten Fakten zum Thema Erektionsstörungen eine Reihe von unterhaltsamen und spielerischen Online-Aktionen, mit denen sich der Pharmakonzern an das Thema Impotenz annähert, ohne das Kind zunächst direkt beim Namen zu nennen. Unter dem Aufhänger "Fußball" beispielsweise fanden Männer vor einiger Zeit Informationen zu verschiedenen Fußballstadien. Im Text hieß es:

"Die schönste Nebensache der Welt ist ... Fußball natürlich. Wie bei jedem Genuss ist auch beim Fußballspiel der Rahmen wichtig. … Gemeinsam ins Stadion ziehen und 90 Minuten seinen Favoriten anfeuern, das ist ein Gefühl, mit dem nur wenig konkurrieren kann. Es sei denn, Sie kennen noch eine schönste Nebensache der Welt."

Über das Fußballthema, das nicht nur durch die Weltmeisterschaft sehr populär und angesehen ist, wurde durch die Anspielung "Die schönste Nebensache der Welt" eine Analogie zu einem beglückenden Sexualerlebnis aufgebaut. Aktuell befindet sich unter dem Titel "Kniffelige Kopfbälle" ein Fußballquiz, bei dem man(n) so schnell wie möglich Fragen rund um das Leder beantworten muss.

In die gleiche Richtung ging auch eine Pfizer-Biergartenaktion "Echte Kerle gesucht": An vier Wochenenden führte der Konzern eine Umfrage in den Biergärten von Großstädten durch: Männer sollten den Satz "Ich bin mit Leib und Seele Mann, weil …" mit einem originellen Spruch ergänzen. Die so entstandenen lustigen Statements der Biergartenbesucher wurden mit Schnappschüssen ergänzt und konnten auf der Website www.mann-info.de eingesehen werden.

Darstellung der Funktion von Always-Damenbinden mit blauer Flüssigkeit.

Eine betont sachlich-wissenschaftliche Darstellungsform wählen

Stehen tabuisierte Produkte in Zusammenhang mit Körperflüssigkeiten, werden diese grundsätzlich nie in ihrer eigentlichen Farbe gezeigt. Die Verwendung der Originalfarben von Blut und anderen menschlichen Ausscheidungen könnte etwa bei der Lektüre bebilderter Produktbeschreibungen oder Bedienungsanleitungen Ekelgefühle hervorrufen und abschreckend wirken. Aus diesem Grund stellen viele Hersteller – so auch Procter & Gamble die Funktion von Always-Damenbinden mit blauer Flüssigkeit dar.

In Verbindung mit sachlichen Erläuterungstexten bekommt der mit dem Produkt verbundene, für viele Frauen unangenehme Körpervorgang einen sehr neutralen Bezug. Die Darstellung in Form von Grafiken weckt Assoziationen an eine Forschungsabteilung, die wissenschaftlich-fundiert eine Lösung gegen die bei der Periode entstehende Nässe entwickelt.

Sich einen Namen als anerkannter Experte für die Probleme der Zielgruppe machen

Unter der Domain www.beinggirl.de [231] unterhält Procter & Gamble eine sehr ansprechend gestaltete Spezial-Website für junge Mädchen, die als Online-Magazin aufgebaut ist. Dort geht es nicht nur um die körperlichen Veränderungen, die die Pubertät mit sich bringt (und die entsprechenden Hygieneartikel), sondern es werden Geschichten rund um Liebe und Freundschaft präsentiert, Schönheitstipps und Ratschläge in Bezug auf Sexualität (zum Beispiel Saver Sex und Verhütung) gegeben und aktuelle Musiktipps gegeben.

Alles, was sich um das für weibliche Jugendliche neue Thema "Menstruation" und "Erwachsen werden" dreht, wird auf dieser Website thematisiert. Hinzu kommen weitere interaktive Angebote wie ein Quiz und Gewinnspiele. Die Zielgruppe wird also genau wie bei der Pfizer-Website nicht nur bei ihrem eigentlichen Bedarf abgeholt, sondern durch weitere Zusatzangebote und Expertentipps an die Marke "Always" und ihre Produkte gebunden.

[Bild: Fotolia.com]

Bedrückend: Marketingmanager stehen zunehmend unter Erfolgsdruck

In der Studie des Beratungshauses Altran CIS geben 27 Prozent der Befragten an, dass sie sich aktuell mit leicht gestiegenen Erfolgserwartungen auseinandersetzen müssen, 38 Prozent sehen sich sogar mit “deutlich gestiegenen“ Ansprüchen bezüglich der Ergebnisse ihrer Maßnahmen konfrontiert. Eine weitestgehend unveränderte Situation stellen hingegen nur 29 Prozent der Marketingmanager fest. Lediglich sechs Prozent sprechen davon, dass die Erfolgserwartungen in jüngster Zeit geringer geworden sind.

Dieser mehrheitlich kritischen Bewertung der Erfolgserwartungen steht jedoch gegenüber, dass die Verantwortlichen die Ergebniseffizienz der vertriebsfördernden Aktionen im Marketing noch lange nicht als ausgereizt bewerten. Ein Drittel ist überzeugt, dass sich prinzipiell Steigerungen der umsatzbezogenen Ergebnisse in einer Größenordnung von über 30 Prozent erreichen lassen.

Jeder siebte Marketingverantwortliche schätzt sogar, der Wertbeitrag lasse sich um über 50 Prozent steigern. Die größte Gruppe der Befragten – 42 Prozent – sieht Verbesserungsmöglichkeiten zwischen 10 und 30 Prozent, während ein Viertel die Chancen auf günstigere Ergebnisse skeptischer beurteilt.

„Das Marketing in den Unternehmen befindet sich in einem deutlichen Wandel von quantitativen hin zu qualitativen Leistungsbewertungen“,

urteilt Dr. Jörg Reinnarth, Business Manager bei Altran CIS. Sei bisher vornehmlich der Umfang an Maßnahmen gemessen worden, würden inzwischen Profitabilitätskriterien deutlich im Vordergrund stehen. Dr. Reinnarth weiter:

„Diese veränderten Bedingungen stellen die Marketingabteilungen vielfach vor erhebliche Herausforderungen, da sie mit den klassischen Methoden die Wertschöpfung ihrer Kampagnen weder prognostizieren noch ausreichend darstellen können.“

Steigerung des Wertbeitrags mit Kampagnenmanagement

Bestätigung kommt von den befragten Marketingleitern. In ihren Augen besteht der wirksamste Hebel zur Ergebnissteigerung beim Kampagnenmanagement als Kernelement des modernen Marketings insbesondere in der Möglichkeit, den rentabelsten Kanalmix ermitteln zu können. Über zwei Drittel glauben hier einen wichtigen Optimierungsansatz zu erkennen. Ähnlich viele messen zudem der stärkeren Vernetzung aller Kampagnenprozesse eine große Wirkung bei.

Auch von einer stärkeren Automatisierung des Kampagnenmanagements und der höheren Reaktionsfähigkeit auf die Ergebnisse der Marketingaktionen verspricht sich ein Großteil der Befragten positive Effekte. Denn damit könnte nach Meinung von 59 bzw. 57 Prozent der vertriebliche Nutzen deutlich gesteigert werden.

Von etwas geringerer Bedeutung sind für die Befragten weitere Faktoren, die dennoch auf erhebliche Möglichkeiten einer substanziellen Optimierung hinweisen. Dazu gehören etwa die Optimierung von Kampagnenstrategien sowie die Erweiterung des Kampagnenportfolios. Eine solche Maßnahme wird von 46 Prozent als Chance für potenzielle Verbesserungen gesehen.

Real Time Decision Management, bei dem etwa im Callcenter für den Kunden quasi auf Knopfdruck das richtige Angebot erstellt und der jeweilige Kundenwunsch somit in Echtzeit bestmöglich befriedigt werden kann, wird von 44 Prozent der Marketingmanager als Instrument zur Steigerung der Marketingergebnisse erachtet.

Handlungsbedarf im Kampagnenmanagement

Hinsichtlich des konkreten Handlungsbedarfs in den Prozessen des Kampagnenmanagements liegt den Marketingmanagern vor allem eine bessere Datenqualität am Herzen. Sie wird von 77 Prozent der Befragten als notwendig erachtet. Sieben von zehn sehen gleichzeitig deutliche Schwächen beim koordinierten Management zahlreicher Kampagnen sowie der Verbesserung der Kundenanalyse (Data Mining).

Viele beurteilen die Zielgruppenauswahl, die Realisierungszeiten der Kampagnen sowie die Effizienz der Budget- und Ertragsplanung als verbesserungsbedürftig. Zudem werden Handlungserfordernisse bei der Integration der verschiedenen Kanäle festgestellt. Von etwas geringerer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang für die Marketingverantwortlichen eine Erweiterung der Ansprachekanäle (46 Prozent) und eine Verbesserung des Reportings (48 Prozent). Jeder Zweite misst darüber hinaus dem Aufbau eines Closed Loop-Ansatzes eine hohe Dringlichkeit bei.

„Offenbar besteht der Zugang zu den Optimierungspotenzialen nicht darin, sich auf ein oder zwei Faktoren zu konzentrieren“,

beurteilt der Altran CIS-Consultant Tobias Junge die Einschätzungen der Marketingleiter. Notwendig seien vielmehr Lösungen, die den Einsatz der Marketingressourcen über die verschiedenen Kanäle, Unternehmensbedingungen oder Marketingszenarien hinweg optimal steuern, um die richtigen Kunden mit dem richtigen Produkt über den richtigen Kanal zur richtigen Zeit zu adressieren. Junge empfiehlt:

„Um diesem Anspruch ausreichend gerecht zu werden, sind integrierte Lösungen mit einem ganzheitlichen Ansatz notwendig.“

Zur Studie

Befragt wurden branchenübergreifend fast 250 Marketingmanager aus Mittelstands- und Großunternehmen mit einem Umsatzvolumen von mehr als 100 Millionen Euro.

[po; Quelle: Altran CIS¸Bild: Fotolia.com]

Mobile Internet: Die Zukunft des mobilen Internets

Erobert Mobile Internet auch in Deutschland den Massenmarkt? Die Deloitte-Studie zur Zukunft des mobilen Internets zeigt Potenziale auf. Klaus Böhm, Director im Bereich Media bei Deloitte, erklärt:

"Transparentere Tarifmodelle und eine gute UMTS-Netzabdeckung haben bereits die Nutzungshemmnisse reduziert. Bis Ende 2012 wird sich die Nutzerzahl in Deutschland verdoppeln, wenn UMTS zu HSPA als Endgerätetechnologie ausgebaut und dieser Standard bei Mobiltelefonen etabliert ist."

Waren es Ende 2007 noch 8,7 Millionen Mobile-Web-Nutzer, gingen im August 2008 sogar schon 10,4 Millionen Menschen mobil online. Angesichts dieser enormen Marktdynamik versuchen Endgerätehersteller, Mobilfunk- sowie Inhalteanbieter ihre Wettbewerbsposition zu optimieren und auszubauen.

Neue Positionierungsmöglichkeiten

Ein Merkmal der Mobile-Internet-Branche ist die erweiterte Wertschöpfungstiefe im Vergleich zum klassischen Mobilfunk- oder Inhaltegeschäft: Endgerätehersteller wie Nokia entwickeln nicht nur breitbandfähige Mobiltelefone und Betriebssysteme, sondern bieten ihren Kunden auch Inhalte und Dienste über eigene Online-Portale an.

Mobilfunkanbieter sind mit ihren Mobile-Internet-Portalen ebenfalls zunehmend in diesem Bereich aktiv. Sie treten damit in unmittelbare Konkurrenz zu den etablierten Online-Playern wie Google, Microsoft oder Yahoo! – die ihre erfolgreichen stationären Internetangebote auf das mobile Internet übertragen. Für viele Marktteilnehmer sind daher Partnerschaften mit renommierten oder auch kleinen, innovativen Inhalteanbietern von großem Interesse.

Mit Mobile Advertising entsteht für die Werbewirtschaft ein neuer lukrativer Markt, für den spezielle Formate und Kampagnen entwickelt werden müssen. Viele Experten sehen in der mobilen Werbung das wirkliche Erlöspotenzial dieses Segments. Voraussetzung ist hier vor allem, dass der Nutzer die neuen Werbeformen annimmt.

Auch in der virtuellen Welt zählen Dienste und Tarife

Für den endgültigen Durchbruch des mobilen Internets ist die Nutzerperspektive entscheidend: Auch wenn Verbraucher ein hohes Bedürfnis nach Kommunikation und Erreichbarkeit haben, stellt sich die Frage, ob mobiles Internet dafür tatsächlich nötig ist.

Eng damit verknüpft ist der Kostenfaktor. Bis heute werden häufig intransparente volumen- und zeitbasierte Tarife anstelle günstigerer Flatrates angeboten. Preise von bis zu 40 Euro liegen weit über dem, was Nutzer monatlich ausgeben möchten – Experten schätzen hier einen Betrag von 10 Euro als Massenmarkt-fähig ein. Mobilfunkkunden, die nur hin und wieder ihre E-Mails checken, sind nicht bereit, dafür zusätzliche Gebühren zu entrichten.

Mobile Internet – So sieht die Zukunft aus

Die Zukunft des mobilen Internets liegt aufgrund ihrer Schlüsselfunktion weitgehend in den Händen der Mobilfunkanbieter. Durch benutzerfreundliche Geräte, Location-based-Services, schnelle und einfache Navigation, kurze Ladezeiten, Flatrates und den Schutz persönlicher Daten gewinnt das Medium an Attraktivität. Klaus Böhm von Deloitte erklärt:

"Damit mobile Internet-Dienste wahrgenommen werden, muss der Mehrwert aber deutlich sein. ‚Made for mobile’ bedeutet auch die personalisierte Anpassung aller relevanten Dienste: Nur wenn die Dienste einen wirklichen Mehrwert bieten und zu akzeptablen, transparenten Preisen angeboten werden, wird sich Mobile Internet im Massenmarkt etablieren."

Hinweis

Die Studie zur Zukunft des mobilen Internets in Deutschland können Sie hier als PDF herunterladen:

Web-to-go. Wachstumsmarkt Mobile Internet – auch für Deutschland? [232]

[po; Quelle: Deloitte; Bild: Fotolia.com]

Finanzkrise: Banker können das Vertrauen ihrer Kunden wiedergewinnen

"Ist unser Geld auf der Bank noch sicher? Oder müssen wir Angst haben, dass das Geld, das wir zum Rückzahlen unserer Kredite oder für unser Alter angespart haben, morgen verloren ist?" Über diese Frage wird in den Medien ohne Unterlass diskutiert, spätestens seit auch die Politiker und Währungshüter offen verkünden: Wir müssen aufpassen, dass das Finanzsystem nicht kollabiert und wir in eine weltweite Rezession geraten.

Entsprechend verunsichert sind die Kapitalanleger, also die Kunden der Banken und Vermögensberatungen. Viele fragen sich zurecht: Warum soll ich den Banken noch trauen, wenn diese sich selbst nicht trauen? Und: Warum soll ich den Banken Geld leihen, sprich dieses bei ihnen anlegen, wenn sich die Banken untereinander selbst kein Geld mehr leihen? Und mancher denkt darüber nach: Soll ich mein Geld nicht lieber zuhause unter die Matratze legen? Wäre es dort nicht sicherer?

Aktiv das Gespräch mit den Kunden suchen

Gerade weil zurzeit die Geldanleger total verunsichert sind, wäre es wichtig, dass die Banken aktiv auf ihre Kunden zugehen und ihnen versuchen zu vermitteln: "Lieber Kunde, du kannst uns vertrauen, auch wenn ..." Nicht um ihnen anschließend sofort wieder etwas zu verkaufen. Dafür ist jetzt nicht die Zeit! Vielmehr gilt es dafür zu sorgen, dass das angeknackste Vertrauen in die Banken nicht restlos in die Brüche geht und die Kunden nicht abwandern, weil sie das Gefühl haben: Meine Bank ist nur für mich da, wenn es etwas zu verdienen gibt! In schwierigen Zeiten lässt sie mich allein!

In der aktuellen Situation müsste eigentlich jeder Kundenbetreuer und Anlageberater 24 Stunden pro Tag am Telefon sitzen und eigeninitiativ Kunden anrufen. Das tun sie aber nicht! Stattdessen verschanzen sie sich vielfach in ihren Büros und sind für niemandem zu sprechen. Und die Kunden? Sie werden mit ihrer Angst allein gelassen. Und in ihren Briefkästen finden sie weiterhin Werbeschreiben ihrer Bank für Konsumentenkredite und zum Thema Abgeltungssteuer, so als sei nichts geschehen und hätten sie im Moment keine anderen Sorgen. Als Folge davon, fühlen sich viele Kunden von den Banken schlichtweg "verarscht".

Für Berater brach eine (Gedanken-)Welt zusammen

Dass die Kundenbetreuer und Anlageberater so reagieren, ist verständlich. Denn auch sie sind verunsichert. Wer von ihnen hätte noch vor wenigen Wochen gedacht, dass solche Flaggschiffe wie Lehmann Brothers und Bear Stearns sozusagen über Nacht vom Markt verschwinden können? Ein scheinbar absurder Gedanke!

Und wer hätte gedacht, dass gerade die scheinbar intelligenten modernen Finanzprodukte, auf die viele Geldinstitute so stolz waren, sich als tödliche Viren für so manches Bankhaus entpuppen würden? Und welch Banker hätte geglaubt, dass das viel geschmähte Universalbankkonzept eine solche Renaissance erlebt, dass selbst so stolze Investmentbanken wie die Deutsche Bank plötzlich hierin ihre Zukunft sehen?

Nicht nur für viele Bankkunden, sondern auch für viele Bankmitarbeiter ist eine (Gedanken-)Welt wenn nicht zusammengebrochen, so doch aus den Fugen geraten. Also bräuchten sie im Moment vielfach selbst eine mentale Unterstützung und Antworten auf ihre häufig existenziellen Fragen. Doch diese wird ihnen von ihren obersten Chefs zumeist nicht gegeben. Sie sind in einer Zeit, in der neben einem aktiven Krisenmanagement, auch Leadership gefragt wäre, weitgehend abgetaucht. Sie werden weder in Talkshows gesichtet, um den Kunden über das Medium Fernsehen Rede und Antwort zu stehen, noch suchen sie den Kontakt zu den Mitarbeitern ihres Hauses.

Führungskräfte müssen Mitarbeiter wieder aufrichten

Folglich bleibt die Aufgabe, den Mitarbeitern Orientierung und Halt zu geben, am mittleren Management hängen. Also weitestgehend an den Team- und Abteilungsleitern. Sie sind in der aktuellen Situation als Führungskräfte gefragt. Ihr Job ist es, ihre Mitarbeiter soweit zu stabilisieren, dass diese sich wieder mit den Kunden befassen können statt sich allein oder im Kollektiv die Wunden zu lecken.

Dies ist eine Mammutaufgabe, bei der jede Führungskraft zeigen kann, inwieweit sie Mitarbeiter auch führen kann, wenn der Boden schwankt. Denn selbstverständlich stehen auch die Team- und Filialleiter, die Gruppen- und Abteilungsleiter vor vielen unbeantworteten Fragen. Sie können ihren Mitarbeitern nicht sagen: Wie viele faule Papiere sind noch in unseren Büchern? Wie entwickelt sich die Finanzkrise weiter? Welche Auswirkungen hat sie auf unser Institut? Wie wirkt sie sich auf die Beschäftigungssituation aus?

All diese Mitarbeiterfragen können die Führungskräfte nicht beantworten. Sie können bestenfalls persönliche Vermutungen oder Einschätzungen abgeben. Das sollten sie ihren Mitarbeitern auch offen sagen – sonst verspielen sie das wichtigste Kapital, das sie in der Beziehung zu ihren Mitarbeitern haben: Vertrauen.

Eines können die Führungskräfte ihren Mitarbeitern aber mit Sicherheit sagen: "Wenn wir jetzt die Hände in den Schoß legen und nur unsere Wunden lecken, dann laufen uns die Kunden davon und alles wird noch schlimmer. Lasst uns also die Sache anpacken und aktiv auf die Kunden zugehen, damit ...".

Mit den Mitarbeitern Gesprächsstrategien entwerfen

Doch mit diesem Appell dürfen sich die Führungskräfte nicht begnügen. Sie müssen vielmehr mit ihren Mitarbeitern Strategien entwerfen, zum Beispiel wie sie auf wütende Kunden reagieren, die einen Teil ihres Kapitals verloren haben und dem Berater vorwerfen "Aufgrund Ihrer Empfehlungen hat sich ein Drittel meines Vermögens in Luft aufgelöst".

Hier kann die Strategie nur lauten: Verständnis für die Verärgerung des Kunden zeigen und auf eine solche Aussage zum Beispiel erwidern: "Sie sind zurecht darüber verärgert, dass wir in den letzten Monaten ähnlichen Fehleinschätzungen unterlagen wie die meisten Banken. Auch wir dachten wie fast alle Experten nicht, dass die Finanzkrise solche Ausmaße annehmen könnte."

Das heißt, der Berater sollte zunächst eine gewisse Mitschuld eingestehen und diese dann in einen größeren Kontext stellen, und somit relativieren. Danach kann er zum Beispiel sagen: "Gerade deshalb rufe ich Sie an, um mit Ihnen darüber zu sprechen, wie wir weiteren Schaden vermeiden können. Die 60 Prozent Ihres Vermögens, die Sie bei uns in festverzinslichen Wertpapieren angelegt haben, sind sicher. Reden sollten wir über Ihre Fondsanteile, da hier noch einige Risiken schlummern."

Sicherheit geht zurzeit vor Rendite

Wenn der Kunde hiermit einverstanden ist, kann der Berater ihm die verschiedenen Möglichkeiten aufzeigen: "Eine Möglichkeit wäre, dass Sie Ihre Anteile verkaufen und das Geld auf ein Tagesgeldkonto legen oder hierfür festverzinsliche Wertpapiere kaufen. Dann wäre Ihr Geld sicher. Sie würden aber auch die aktuellen Verluste realisieren.

Die Alternative wäre, sofern Sie davon ausgehen, dass die Talsohle weitgehend erreicht ist: Sie behalten Ihre Anteile, in der Hoffnung, dass ihr Wert wieder steigt. Schließlich ist der Fonds nach wie vor ein Spitzenprodukt, auch wenn er zurzeit, wie alle Fonds unter der Finanzkrise leidet."

Wichtig ist in dieser Phase, dass der Berater dem Kunden Anlagealternativen aufzeigt, und zwar solche, die ihm Sicherheit garantieren. Des Weiteren, dass er ihm – sofern dies zutrifft – vermittelt: Von dem Produkt, das ich Ihnen vor einiger Zeit empfahl, bin ich grundsätzlich weiterhin überzeugt, auch wenn die Wertentwicklung in den letzten Monaten anders als vermutet war.

Auf keinen Fall darf der Berater dem Kunden aber stark risikobehaftete neue Produkte offerieren ... selbst wenn aus seiner Sicht die Renditeaussichten verlockend sind. Denn dies würde das angeknackste Vertrauen des Kunden in einer Phase, in der Sicherheit auf seiner Prioritätenliste ganz oben steht, restlos zerstören.

Fragt der Kunde danach, darf der Berater durchaus Empfehlungen geben. Zum Beispiel "Ich würde Ihnen empfehlen, die Anteile zu behalten, weil ich von dem Fonds weiterhin überzeugt bin und davon ausgehe, dass ...". Hinweisen muss der Berater den Kunden aber darauf, dass er sich dessen nicht sicher ist: "Auch ich weiß nicht, wie sich der Markt entwickelt. Die Kurse können in den nächsten Wochen und Monaten auch erst noch einmal um 20 oder 30 Prozent fallen, bevor sie wieder steigen. Ob Sie dieses Risiko eingehen möchten, das müssen letztlich Sie entscheiden."

Der Berater darf sich also nicht als allwissend präsentieren. Er muss den Kunden zudem explizit auf die Risiken hinweisen und darauf, dass er letztlich die Anlageentscheidung trifft. Wenn Sie als Berater so vorgehen, dann können Sie auch zurecht verärgerte Kunden wieder besänftigen und verlorenes Vertrauen wiedergewinnen.

Sich mental auf die Kundengespräche einstimmen

Dass solche Kundengespräche nicht leicht zu führen sind, ist klar. Entsprechend wichtig ist es, dass Sie sich als Berater eine Gesprächsstrategie haben – und zwar eine Strategie hinter der Sie auch inhaltlich voll stehen. Denn sonst wirken sie nicht authentisch und somit auch nicht glaubwürdig und erreichen mit Ihrem Anruf das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung.

Doch selbst wenn Sie voll hinter Ihren Botschaften stehen, werden Sie immer mal wieder ein Magengrummeln verspüren, wenn Sie zum Telefonhörer greifen, um einen Problemkunden anzurufen. Dann sollten Sie zunächst ein, zwei Kunden anrufen, bei denen alles im grünen Bereich ist. Denn auch sie sind verunsichert.

Hier kann der Gesprächseinstieg zum Beispiel lauten: "Herr Müller, ich vermute, dass Sie die aktuelle Finanzkrise auch verunsichert. Deshalb rufe ich Sie an, um Ihnen zu sagen, dass Sie sich keine Sorgen machen müssen. Ihr Geld ...".

Auch dies festigt die Kundenbeziehung. Und vielleicht sagt der Kunde im Gespräch ja: "Bei meinen Anlagen bei Ihnen ist alles in Butter, aber ich habe noch ein Depot bei ... Das bereitet mir Sorgen." Dann können Sie dem Kunden das Angebot unterbreiten. "Herr Müller, sollen wir uns mal zusammensetzen und überlegen, wie wir dieses Problem lösen?"

In der aktuellen Marktsituation sollten Sie als Berater auch Mentaltechniken beherrschen, um sich selbst in eine gute Stimmung zu versetzen, wenn Sie mal schlecht drauf oder unsicher sind. Denn dies spürt der Kunde. Also schenkt er Ihnen auch kein Vertrauen.

Oft helfen bei mentalen Durchhängern ganz kleine Übungen. Zum Beispiel ein, zwei Minuten Grimassen schneiden, bevor man zum Telefonhörer greift. Oder an etwas Schönes denken, das man in den letzten Monaten erlebt hat, und dieses gedanklich nochmals durchleben. Sie werden sehen: Wenn Sie dies tun, verbessern sich Ihre Stimmung und somit Ihre Ausstrahlung fast automatisch.

[Bild: Fotolia.com]

Marketing-Kennzahlen: Systematisch den Marketingerfolg messen

Über 70 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2007 für Werbung ausgegeben. Und sie sind dabei zu sparen. Die großen gehen voran und kürzen ihre Marketing-Budgets: So will die Telekom ihre Werbeausgaben im zweistelligen Prozentbereich kürzen, sagt ihr Markenchef Hans-Christian Schwingen der Zeitschrift Horizont (27/2008). Der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) befürchtet einen Rückgang der Werbeausgaben in 2008 um 0,5 Prozent. Der Sprecher Volker Nickel sagt gegenüber Pressetext:

„Das erste Halbjahr war von Stagnation bei den Werbeetats geprägt. … Speziell mittelständige Unternehmen scheuen die Investition in Werbung, wenn sie sich wirtschaftlich schwierigeren Zeiten gegenübersehen.“

Das Marketing kommt auf den Prüfstand

Dabei lautet eine alte Marketingregel, dass man gerade dann Werbung treiben solle, wenn die Geschäfte nicht so richtig laufen. Doch unabhängig davon schauen viele Unternehmen genauer hin und prüfen, wofür sie ihre Werbebudgets investieren. Die Marketing-Verantwortlichen müssen belegen, dass ihre Aktionen wirksam sind.

„Die Unternehmensfunktion Marketing muss in die Lage versetzt werden zu beweisen, was sie kann, leistet und wert ist. Dazu muss sie allerdings auch bereit sein, sich messen zu lassen.“

Das schreibt der Marketing-Chef von SAP Ralf E. Strauß in seinem Buch „Marketingplanung mit Plan [233] “ [2008]. Dafür hat er in einem langwierigen Prozess den Wildwuchs bei Agenturen und Dienstleistern gelichtet, sich mit seinen Mitarbeitern intensiv mit den unterschiedlichen Kundenzielgruppen auseinandergesetzt und alle Marketing-Aktionen auf deren Bedürfnisse und Anforderungen ausgerichtet.

Was dahinter steckt, ist ein Thema, das im Marketing in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen hat: Marketing-Controlling. Experten sprechen auch von „Marketing Accountability“, „Marketing Performance“ oder vom „Return on Marketing“. Bei SAP spiegelt sich das in einer Marketing-Balanced-Scorecard wieder. Dort werden wichtige Messgrößen zusammengefasst, etwa:

  • Anzahl generierter Kontaktadressen (Leads),
  • Kosten pro Kontaktadresse,
  • Kundenzufriedenheit,
  • Zufriedenheit mit den Inhalten bei Veranstaltungen,
  • Umsatz, aber auch
  • Mitarbeiterzufriedenheit.

Stichwort

Das Marketing-Controlling umfasst die Controlling-Maßnahmen, die den Effekt von Marketing-Aktivitäten abbilden. Insbesondere soll quantitativ gemessen werden, inwiefern Maßnahmen zur Markenbildung, Werbung oder Public Relations erfolgswirksam sind.

Modelle des Marketing-Controllings

Beim Marketing-Controlling geht es aber nicht einfach darum, Kosten zu sparen. An erster Stelle steht, dass die Wirkungen der Marketing-Aktionen auf den Unternehmenserfolg verbessert werden. Die Effektivität der Maßnahmen muss besser werden. Wer Werbung treibt, will seine Marke stärken, die Bekanntheit fördern, den Absatz ankurbeln oder die Kunden binden. Am Ende soll das Marketing dazu beitragen, dass Umsatz und Wert des Unternehmens gesteigert werden. Das hat nach Manfred Schwaiger, Professor für Marketing an der Ludwig-Maximilians-Universität in München drei Dimensionen:

  • Effektivität: Wirkungen des Marketings auf den Unternehmenserfolg;
  • Effizienz: Verhältnis zwischen Wirkung und Aufwand;
  • Anpassungsfähigkeit: Reaktionsfähigkeit des Marketings auf Veränderungen bei Kunden, im Markt und bei Wettbewerbern.

Der Wissenschaftler und seine Mitarbeiter plädieren dafür, dass der Erfolg des Marketings nicht nur aus der Kundenperspektive bewertet werden sollte. Vielmehr spielen unterschiedliche Stakeholder [234] eine Rolle. Neben den Kunden sind das Händler, Marktpartner, Investoren, Lieferanten und die eigenen Mitarbeiter. Denn Werbung, Public Relation oder Customer Relation Management helfen nicht nur beim Absatz, sondern stärken auch die Beziehung zu Kapitalgebern und fördern des Image eines Unternehmens, wenn es darum geht, qualifizierte Mitarbeiter zu finden (Employer Branding). So sind die Wirkungsketten von Marketing-Maßnahmen vielfältig:

  1. Der Einsatz von Marketing-Instrumenten im Bereich Produktplanung, Preisgestaltung, Distribution und Kommunikation …
  2. wirkt sich aus auf Marketing-Werte wie Kundenzufriedenheit, Kundenbindung, Qualität, Markenwert, Kundenwert, Image und Mitarbeiterloyalität, die …
  3. maßgeblich sind für den Unternehmenserfolg und den Unternehmenswert.

Analyse der Verkaufsförderung bei Migros

Der größte Schweizer Einzelhändler, die Migros, hat im Jahr 2007 rund 22 Milliarden Schweizer Franken Umsatz erzielt und hält rund ein Viertel des Marktes in ihren Händen. Direkt verkaufsfördernde Maßnahmen (Promotionen) haben im Einzelhandel einen hohen Stellenwert. Sie kosten oft viel Geld und sollen natürlich auch die gewünschten Effekte bringen. Doch wie messen?

Migros sammelt alle Transaktionsdaten, die beim Kauf und Bezahlen entstehen, in seinem Data Warehouse. Mit der Kundenkarte M-CUMULUS lassen sich Einkäufe sogar einzelnen Kunden zuordnen. Wenn diese Daten ausgewertet werden, lassen sich direkt Effekte feststellen wie etwa:

  • Markenwechsel,
  • Kategorienwechsel,
  • Mehrkonsum,
  • Kaufanreiz oder
  • Geschäftstreue.

Die Migros-Marketer messen beispielsweise, wie sich die Kunden verhalten, wenn der Produktpreis für einen Aktionszeitraum reduziert wird (Preis-Promotion). Sie können mit ihrem Analysewerkzeug PROMET erkennen, wie sich die Stammkunden verhalten, die das Produkt schon vorher gekauft haben. Sie nehmen den Preisabschlag als „Belohnung“ mit. Anders verhält es sich mit den

  • Neukunden, die bislang weder das Produkt noch im dazugehörenden Produktsegment gekauft haben, bringen einen zusätzlichen Absatz und Umsatz;
  • Wechselkunden, die vorher ein Produkt im gleichen Segment kauften und dann auf das Aktionsprodukt wechseln, bringen nicht unbedingt zusätzlichen Absatz und Umsatz; doch in einigen Fällen führt dies auch zu einem Wechsel zu einem hochwertigeren Produkt.

Solche systematischen Auswertungen von Promotionen zeigen deren Effekte sehr gut auf. Es lassen sich Aktionen identifizieren, die zu einer deutlichen Umsatzsteigerung führen. Bei anderen Aktionen kommt es eher zu einer Kannibalisierung innerhalb des Produktsortiments. Hier muss im Einzelfall geprüft werden, ob sich die Einkaufspräferenzen, etwa für ein hochwertiges Produkt, nachhaltig verändern. Zudem kann es Effekte auf den Warenkorb geben: Kunden kaufen Produkte, die sie sonst nicht gekauft hätten.

Das sind bei Migros die sogenannten Wirkungshebel, zu denen die über 25 Kennzahlen zur Bewertung einer Promotion zusammengefasst werden. Der Abgleich mit soziodemografischen Merkmalen und dem Kundenwert macht sichtbar, ob die Promotionen auch zur Kundenbindung oder Neukundengewinnung beitragen.

Im Ergebnis können die Marketing-Aktionen verbessert und auf spezifische Kundensegmente und deren Anforderungen angepasst werden. So wird die Promotionsfläche im Ladengeschäft besser genutzt. Die Relevanz der Angebote für die einzelnen Kundensegmente steigt. Das wichtige Ziel für Migros dabei ist: Kunden sollen mehr Geld in ihren Geschäften ausgeben als bein Wettbewerber. Die relevante Kennzahl im Marketing-Deutsch: Share of Wallet.

Dialog-Marketing: Messungen in der Wertschöpfungskette

Im Marketing-Mix spielt das Dialog-Marketing mit fast 40 Prozent aller Werbeausgaben die wichtigste Rolle. Wer in seinen Briefkasten schaut und die täglichen Werbebriefe herausfischt, kann abschätzen, was Unternehmen hier investieren. Damit wollen sie natürlich auch erfolgreich sein. Um das zu prüfen, messen Unternehmen nach einer Studie von Andreas Mann, Professor an der Universität Kassel, und vom Siegfried Vögele Institut folgende Kennzahlen:

  • Response-Rate,
  • Kosten pro Response,
  • Kosten pro Anfrage,
  • Kosten pro Auftrag,
  • Gewinne und Deckungsbeiträge,
  • Break-Even.

Die meisten Unternehmen beschränken sich dabei auf eine Auswertung der Response-Raten und der Kosten einer Dialog-Marketing-Aktion. Oft bleiben die Effekte auf Umsatz und Gewinn im Dunkeln. Deshalb haben die Wissenschaftler um Andreas Mann ein Kennzahlen-Modell entwickelt, das die Wertschöpfungskette im Dialog-Marketing abbilden soll.

Wertschöpfung im Dialog-Marketing: Kampagnen-ROI
[Quelle: Andreas Mann, Patrick Rath, Wertorientiertes Dialogmarketing. In: Marketing Review, 2-2008]

Wertschöpfung im Dialog-Marketing: Customer-Equity
[Quelle: Andreas Mann, Patrick Rath, Wertorientiertes Dialogmarketing. In: Marketing Review, 2-2008]

Die eigenen Kennzahlen bestimmen

Das Beispiel Migros zeigt, dass operative Kennzahlen für das Marketing-Controlling sehr spezifisch sind. So gilt: Jedes Unternehmen muss sein eigenes Marketing-Controlling entwickeln, das sich aus der Unternehmensstrategie und der Marketingplanung [235] ableitet. Die Kennzahlen, die im Rahmen des Controllings erfasst und genutzt werden, müssen zu den Marketingzielen passen. Zu beachten ist dabei:

  • Kennzahlen müssen das messen, was wirklich wichtig ist; also Bezug herstellen zu Unternehmenszielen und Marketingzielen und nicht zu viele Kennzahlen erheben.
  • Es muss klar sein, welchen Nutzen diese Kennzahlen haben, welche Aussagen und welche Erkenntnisse sich daraus ableiten lassen, mit denen sich konkrete Maßnahmen oder Strategiepläne verbessern oder entwickeln lassen.
  • Kennzahlen müssen nachvollziehbar definiert und gemessen werden; es muss klar sein, welche Daten dafür gebraucht werden und woher diese kommen; ggf. müssen die entsprechenden Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Prozesse festgelegt werden.
  • Kennzahlen müssen richtig interpretiert werden. Was sind die Vergleichsmaßstäbe? Was ist „gut“ und was ist „schlecht“? Einfache Zeitreihenvergleiche helfen nicht immer weiter.
  • Die Kennzahlen müssen genutzt werden; sie sind Thema bei Besprechungen, Strategie- oder Maßnahmenplanungen. Die relevanten Mitarbeiter wissen Bescheid. Es werden Aktionen abgeleitet, um Verbesserungen zu erzielen.

Beispiele für strategische Kennzahlen im Rahmen des Marketing-Controllings, regelmäßig erhoben und bewertet werden, können sein:

  • Absatz von Produkten,
  • Umsatz oder Deckungsbeiträge mit Produkten,
  • Gesamtanzahl der Kunden, Neukunden, verlorene Kunden,
  • Qualität der Produkte aus Sicht des Kunden,
  • Image und Reputation,
  • Bekanntheit des Unternehmens, seiner Marken oder seiner Produkte,
  • Loyalität der Kunden,
  • Kundenzufriedenheit,
  • Relativer Preis im Vergleich mit anderen Angeboten,
  • Marktanteile,
  • Anzahl der Kundenbeschwerden,
  • Distribution und Verfügbarkeit.

Vorsicht bei der Interpretation

Vorstände und Betriebswirte wollen es möglichst genau. Der Effekt von Marketing-Aktionen soll sich in Euro und Cent (bzw. Franken und Rappen) ausdrücken lassen. Doch viele Beispiele zeigen, dass es sehr schwierig ist, die Wirkungsketten eindeutig zu beschreiben. Wenn Absatz oder Umsatz steigen, lässt sich das oft nur sehr schwer einzelnen Maßnahmen zurechnen. Man braucht schon ein ausgeklügeltes System des Data Mining wie Migros, um verlässliche Auswertungen zu bekommen.

Ansonsten wird schnell falsch gemessen oder schlecht geschätzt. Und sicherlich wird an den Ergebnissen gedreht, wenn diese nicht ins gewünschte Bild passen. Wo immer die Wirtschaftlichkeit bestimmt werden soll, ist das Einfallstor für Manipulation offen.

Immerhin gibt es neben den hier vorgestellten Modellen und Verfahren, um den Wert von Marketing-Aktionen zu bestimmen, eine Fülle weiterer Instrumente. Dem Anwender und Marketing-Verantwortlichen fällt dann zwar die Auswahl schwer, aber er kann damit Transparenz herstellen und Ursache-Wirkungs-Ketten besser beleuchten. Ob man soweit gehen will wie Ralf E. Strauß von SAP, sei dahin gestellt. Er ist sich im Interview mit Vera Hermes [Absatzwirtschaft 6/2008] in Bezug auf seine Marketing-Aktivitäten jedenfalls sicher und zuversichtlich:

„Es ist alles durchgetestet. Nichts wird aus dem hohlen Bauch heraus entschieden. Die Geschäftsführung kann viel besser verstehen, was wir hier eigentlich machen – und sie weiß jetzt, wo die Marketingbudgets bleiben.“

Quellen:

Fachzeitschrift Marketing Review St. Gallen mit dem Schwerpunkt und zahlreichen Beiträgen zum Marketing-Controlling in der Ausgabe 2-2008 [236] .

Das Beispiel Marketingplanung und Marketing-Controlling bei SAP in der Zeitschrift Absatzwirtschaft, Ausgabe 6-2008 [237] .

Zum Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft e.V.:

http://www.zaw.de/ [238]

Markenbewusst: Marken haben immer noch eine enorme Bedeutung

Der Gesamtumsatz der Markenartikelindustrie wuchs im Jahr 2007 gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Prozent auf rund 400 Milliarden Euro. Haupttreiber des Wachstums war der Export: Die Exporte der Markenartikler erhöhten sich im gleichen Zeitraum um 10,4 Prozent. Im Inland stagnierten die Markenumsätze zuletzt. Zwar geht der Trend aus Sicht von Markenartiklern und Verbrauchern wieder hin zur Marke, die „Geiz-ist-geil“-Ära ebbt weiter ab. Die unerwartete, vor allem von hohen Energie- und Rohstoffkosten geprägte Teuerungswelle beeinträchtigt jedoch ebenso wie die allgemeine konjunkturelle Abkühlung erheblich die Konsumlaune. Dies stellt die Markenindustrie vor neue Herausforderungen.

Dies sind Ergebnisse einer aktuellen Studie, die der Markenverband mit McKinsey & Company durchgeführt hat. Die Untersuchung beleuchtet im Zweijahresrhythmus die volkswirtschaftliche Bedeutung der Markenartikelindustrie in Deutschland anhand gesamtwirtschaftlicher Kennziffern und einer Umfrage unter den Mitgliedern des Markenverbandes. Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Markenverbandes, forderte:

"Starke Marken bedeuten eine starke Wirtschaft. Sie stehen für Kreativität und Innovationen und damit für Wachstum und Wohlstand. Markenunternehmen leben aber nicht allein von einer exportgetriebenen Konjunktur. Sie leben auch davon, dass die Menschen hier bei uns gerne und qualitätsorientiert konsumieren. Marken und Konsumenten brauchen gleichermaßen verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen mit positiven Beschäftigungsperspektiven und einer nachhaltigen Entlastung der Einkommen von Steuern und Abgaben."

Chancen für starke Marken

"Die Unternehmen der Markenwirtschaft stellen sich immer neuen Herausforderungen: das sich schnell und mit zunehmender Geschwindigkeit ändernde wirtschaftliche Umfeld, die gestiegene Nachfragemacht aufseiten des Marktpartners Handel, der effektive Schutz des geistigen Eigentums, aber auch die wachsenden Ansprüche der Verbraucher erfordern kreative Antworten. Die Pflege und Stärkung der Marke muss vor diesem Hintergrund immer wieder in den Fokus genommen werden. Es ist erfreulich, dass sich die Markenunternehmen hier in der Befragung sehr zuversichtlich zeigen: 85 Prozent geben an, die Stärke ihrer eigenen Marken habe sich in den letzten zwei bis drei Jahren verbessert; bei rund einem Viertel sogar nach eigenen Angaben 'sehr stark'. Im Vergleich zur Studie von 2006 hat sich damit der Anteil der Unternehmen, die eine Zunahme der Markenstärke angeben, um etwa 10 Prozentpunkte erhöht",

so Kannengießer weiter. Jesko Perrey, Leiter der deutschen Marketing & Sales Practice von McKinsey, meint:

"Hier bietet sich ein großes Potenzial für die Unternehmen. Die Verbraucher achten auf Qualität und sind bereit für Marken mit einem überzeugenden Wertversprechen ein Premium zu bezahlen. Starke Marken werden weiterhin punkten. Hersteller schwächerer Marken laufen aber Gefahr, den Anschluss zu verlieren."

Eine Herausforderung für die Unternehmen ist die Bedeutung des Preises als Kaufkriterium. 54 Prozent der Markenartikler beobachten, dass diese gestiegen ist. 2006 hatten dies nur 48 Prozent erwartet. Der derzeitige Trend zur Sparsamkeit in Deutschland sei ein anderer als 2004, so Jesko Perrey:

"Seinerzeit war durchaus Geld da, viele Verbraucher fragten sich aber, warum sie mehr bezahlen sollten. Heute führen reale Kaufkraftverluste durch eine hohe Inflation und Abgabenlast bei vielen zur Kaufzurückhaltung."

Für Markenhersteller sei es wichtiger denn je, sich auf ihre Kerntugenden zu besinnen. Perrey erklärt:

"Dazu gehören erstens Innovation und Produktentwicklung. Sie müssen auf einem tiefen Kundenverständnis aufbauen. Zweitens ist Exzellenz in der Markenführung entscheidend und drittens professionelles Pricing."

Drei Kerntugenden als Hebel

Innovationskraft steht für den Großteil der befragten Unternehmen im Fokus. 43 Prozent sagen, dass ihre Bedeutung als Kauffaktor bei den Verbrauchern stark, weitere 49 Prozent sagen, dass sie leicht zugenommen hat. Gleichzeitig ist mehr als jedes dritte Unternehmen unzufrieden mit seiner Innovationsleistung. Derzeit erwirtschaftet nur jedes vierte Unternehmen mehr als 20 Prozent seines Umsatzes mit Produkten, die weniger als zwei Jahre alt sind.

Mit ihren eigenen Werbe- und Kommunikationsmaßnahmen sind neun von zehn Markenartiklern zufrieden. Allerdings haben nur vier von zehn Unternehmen ein umfassendes Marketing-Controlling. Mehr als jedes fünfte Unternehmen überprüft seine Werbe- und Kommunikationsmaßnahmen gar nicht.

Für den dritten Hebel, professionelles Pricing, gelte es, zielgruppengerechte Konsumentenpreise zu ermitteln, so Perrey. Zudem sollten unternehmen Preise und Strategien zur Verkaufsförderung aufeinander abstimmen und das Preismanagement tief in den Unternehmen verankern. Auf diese Weise könnten Markenartikler auch in einem Umfeld mit steigenden Preisen punkten.

[po; Quelle: McKinsey; Bild: Fotolia.com]

Mundpropaganda-Marketing: Kunden werben für Unternehmen und fördern den Absatz

Die in Deutschland wohl bekannteste Studierenden-Community StudiVZ hat es von gerade mal 50.000 Mitgliedern im Juni 2006 auf mittlerweile über 5 Millionen geschafft. Das war für die Kommunikationswissenschaftler an der Universität Münster ein Grund, diesem Community-Boom auf den Grund zu gehen. Sie fanden heraus, dass die meisten durch persönliche Gespräche von StudiVZ erfahren haben. Die 598 Teilnehmer in Professor Gehraus repräsentativer Befragung wurden zu 80 Prozent über Mundpropaganda auf das Netzwerk aufmerksam.

Stichwort

Mundpropaganda ist jegliche Kommunikation zwischen Individuen über Produkte, Dienstleistungen, Marken, die ohne kommerzielles Interesse geschieht. Sie ist nicht notwendigerweise an mündliche oder schriftliche Äußerungen gebunden. Die Teilnehmer an der Mundpropaganda können Informationen auch mit Bildern, Videos oder über jeden anderen Kommunikationskanal übertragen.

Mundpropaganda-Marketing: Der Einsatz bestehender Marketinginstrumente mit dem Ziel, positive Gespräche über das Unternehmen (Produkt, Marke, etc.) zu maximieren und negative Gespräche zu minimieren. Mundpropaganda-Marketing beschäftigt sich mit allen Aspekten der Kommunikation zwischen den Verbrauchern.

Beim Empfehlungsmarketing hingegen wird davon ausgegangen, dass vor allem zufriedene Kunden als Empfehler aktiv werden. Das Empfehlungsmarketing ist auf bereits bestehende Kunden beschränkt.

[Quelle: Röthlingshöfer, Mundpropaganda-Marketing, dtv, München, 2008 [239] ]

Mundpropaganda ist maßgeschneidert

Ein Problem der Werbung ist es, die Botschaften möglichst individuell, zum richtigen Zeitpunkt und an den richtigen Konsumenten zu übermitteln. Bei Mundpropaganda besteht dieses Problem nicht, denn

  1. die Botschaften werden individuell auf den Empfänger in Inhalt und Wortwahl zugeschnitten,
  2. die Botschaft wird genau dann übermittelt, wenn der richtige Zeitpunkt dafür ist, nämlich dann, wenn die Kaufentscheidung ansteht,
  3. der Sender weiß genau, welche Nachricht für welchen Empfänger interessant sein könnte und
  4. übermittelt diese bei der passenden Gelegenheit.

Mundpropaganda ist wichtiger geworden durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten (Internet, E-Mail, SMS-Messages, Chatten oder elektronische Postkarte). Diese schaffen viel mehr Möglichkeiten für Empfehlungen. Beim Online-Händler Amazon beispielsweise wird die Mundpropaganda durch die Leserrezension für alle sichtbar und nicht nur für Freunde und Bekannte.

Der Unterschied zwischen analoger und digitaler Mundpropaganda äußert sich dadurch, dass digitale Mundpropaganda

  • sich schneller und weiter verbreitet sowie
  • sich leichter entdecken und bewerten lässt.

Geringe Kosten und zusätzlicher Nutzen

Mundpropaganda ist zwar kostenlos, aber sie selbst zu beobachten, zu initiieren oder zu verstärken ist aufwendig. Doch die hohen Werbeausgaben, die zur Übermittlung der Botschaft anfallen würden, können gespart werden, da dies die Konsumenten übernehmen.

Bei der Beobachtung der Mundpropaganda erhalten Unternehmer nützliche Informationen über ihre Produkte oder Dienstleistungen und ihr Unternehmen. Diese Informationen sind hilfreich bei der Produktplanung und für Innovationen. Mit anderen Worten: Beobachtung der Mundpropaganda ist kostenlose Marktforschung, die unverfälschte Meinungen liefert. Sogar über den Wettbewerb kann so einiges erfahren werden.

Wie bei der Planung jeder Marketing-Maßnahme sollte zu Beginn das Ziel definiert werden. Es gibt ganz unterschiedliche Zielsetzungen; hier ein paar Beispiele:

  • Informationen über Verbesserungspotenziale und Innovationsmöglichkeiten gewinnen;
  • Positive Gespräche über das Unternehmen, die Marke, Produkte und Dienstleistungen fördern;
  • Negative Mundpropaganda eindämmen;
  • Informationen über den Markt und die Konkurrenten beschaffen.

Wie wird Mundpropaganda ausgelöst?

Beim Zuhören von Gesprächen ist eines festzustellen: Über normale Ereignisse wird nicht geredet. Deshalb ist die Grundvoraussetzung für Mundpropaganda, dass das Unternehmen und die Produkte oder Dienstleistungen nicht normal sind. Das bedeutet, die Erwartungen des Kunden dürfen nicht einfach nur erfüllt werden, denn das wäre ja dann nicht bemerkenswert, sondern eben ganz normal.

Bemerkenswerte Produkte zu schaffen, über die geredet wird, ist sehr schwer. Laut einer Studie des Instituts für angewandte Innovationsforschung an der Ruhr-Universtität Bochum werden nur sechs Prozent der neuen Produktideen erfolgreich kommuniziert. Über originelle Produkte wird viel geredet. Und die Nützlichkeit des Produktes bestimmt, ob gut oder schlecht darüber geredet wird. Durchsetzungskraft haben demnach die Produkte, die originell und nützlich zugleich sind. Weist ein Produkt nur Originalität auf und bringt keinen Nutzen, wird dies auch per Mundpropaganda verbreitet und ist für den Absatz nicht sehr dienlich.

Weitere Möglichkeiten, damit der Kunde positiv überrascht ist und er mit anderen über sein Kauferlebnis spricht, sind:

  • hervorragende Serviceleistungen,
  • ein ganz spezielles Angebot,
  • kreative Ideen und
  • bemerkenswerte Kundenfreundlichkeit.

Ein spezielles Angebot für Unternehmen bietet beispielsweise www.trnd.com [240] . Damit bleibt Mundpropaganda kein bloßes Zufallsprodukt. Auf der Website können Unternehmen bewusst Mundpropaganda initiieren, denn die rund 65.000 Mitglieder der Community sollen gezielt neue Produkte testen und sich mit Marken auseinandersetzen. Statt auf virales Marketing zu setzen, hat trnd daher die Mundpropaganda zu einem richtigen Media-Modell weiterentwickelt.

Der Clou von trnd ist, dass die Teilnehmer an einer Kampagne nicht nur eine Kiste mit neuen Produkten nach Hause geschickt bekommen, sondern auch stimuliert werden, ihr Insiderwissen - zum Beispiel über eine neue Zahnpasta - an Freunde weiterzugeben oder darüber zu bloggen. Anschließend dokumentieren sie mit einem Berichtstool auf der trnd-Website ihre Erfahrungen und bekommen dafür Bonuspunkte - und trnd kann daraus Reportings für seine Kunden erstellen.

Quelle: www.turi2.de [241]

Mundpropaganda verbreitet sich netzwerkartig

Wie Computer mit anderen verbunden sind, so stehen auch Menschen mit anderen in Kontakt. Manche sind mit Freunden, Kollegen, Bekannten oder übers Internet in ein umfangreiches "Menschen-Netzwerk" eingebunden. Die einzelnen Individuen sind für das Mundpropaganda-Marketing aber nicht wegen ihrer persönlichen Eigenschaften interessant, sondern ihre Funktion innerhalb des Netzwerkes ist wichtig, um Informationen schnell zu verbreiten.

Netzwerke sind keine Zielgruppen, da Zielgruppen aus Individuen mit gemeinsamen Merkmalen bestehen, zum Beispiel Alter, Geschlecht, Familienstand und so weiter. Eine Familie jedoch, in der jedes Mitglied andere Merkmale aufweist, kann schon als Netzwerk bezeichnet werden.

Die eigene Kundschaft anhand der Zielgruppentheorie treffend zu charakterisieren und anzusprechen, ist oft unmöglich. Nehmen wir zum Beispiel den Verkauf von Schokolade. Wie sollte hier eine passende Zielgruppe definiert werden? Jeder kommt als potenzieller Käufer infrage, von jung bis alt und von ledig bis verheiratet.

Mit Mundpropaganda-Marketing stellt sich das Problem der Zielgruppen nicht, denn die Informationen gelangen automatisch an den richtigen Empfänger, indem sie sich auf der Basis bestehender Netzwerke verbreiten. Deshalb ist es wichtig, die Netzwerke zu erkennen, zu analysieren und zu nutzen.

Netzwerke sind nicht selten unsichtbar. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, sie zu identifizieren und die Mitglieder und die Verknüpfungen untereinander zu erkennen. In einem Internetforum beispielsweise sollte zunächst beobachtet werden, wer die Mitglieder sind und wie sie sich verhalten. Die wichtigsten Personen eines Netzwerkes sind die sogenannten "Hubs" (Knotenpunkte). Denn von ihnen gehen sehr viele Kontakte aus. Wenn Unternehmen mit ihren Produkten viele dieser Hubs für sich gewinnen können, ist eine schnelle Verbreitung sehr wahrscheinlich.

Netzwerke können auf verschiedene Weise gefördert werden. Die am weitesten verbreitete Form ist das Sponsoring. Ziel der Förderung soll sein:

  • Das reibungslose Funktionieren der Verbindungen sowie
  • ein stetiges Wachstum.

Im Mundpropaganda-Marketing werden sowohl "starke" als auch "schwache" Netzwerke benötigt. In starken verbreiten sich die Informationen schneller und in schwachen über größere Entfernungen. Beides ist wichtig. Hier eine Unterscheidung:

Starke Netzwerke:

  • Interaktion zwischen den Teilnehmern hoch;
  • Häufige Treffen;
  • Ständige Kommunikation;
  • Hohe Ritualisierung;
  • Zugang für Außenstehende schwierig;
  • Beispiele: Zeugen Jehovas, Fußball-Fanklubs.

Schwache Netzwerke:

  • Interaktion sporadisch;
  • Keine oder seltene Treffen;
  • Sporadische Kommunikation;
  • Geringe Ritualisierung;
  • Zugang für jedermann;
  • Beispiele: Abi-Jahrgänge, Berufsverbände.

Das naheliegendste Netzwerk ist die bereits bestehende Kundschaft und mit der sollten Unternehmen ihr Mundpropaganda-Marketing beginnen. Dabei ist zwischen normalen Kunden, Stammkunden und Fans zu unterscheiden. Besonderes Augenmerk ist auf die Fans zu richten, denn diese sprechen eine Empfehlung mit Vergnügen aus. Daher sollten diese als Erstes über Neuigkeiten informiert werden und die Beziehung zu ihnen am besten gepflegt werden.

Effizient und rasant: Blogging im Internet

Blogging ist zum Beispiel aus der IT-Branche nicht mehr wegzudenken: In der Studie "Blog and RSS Study Report 2007" wurden 4.500 Mitarbeiter in der IT-Branche befragt. Das Ergebnis: 80 Prozent der IT-Manager lesen Weblogs, um sich über Business- und Technikthemen zu informieren. Die Blogs beeinflussen dabei auch die Kaufentscheidung von 53 Prozent der Befragten und 70 Prozent leiten Informationen aus Blogs mindestens einmal pro Monat weiter.

Stichwort

Weblogs (abgekürzt Blogs) sind so etwas wie Logbücher mit täglichen Einträgen, in denen die Blogger (Logbuchschreiber) Wissenswertes festhalten, persönliche Eindrücke schildern und mit anderen darüber diskutieren. Durch Blogs kann jeder Publizist in eigener Sache werden und seine Meinung der Öffentlichkeit kundtun.

Für die Mundpropaganda bedeutet der rasante Anstieg von Weblogeinträgen, dass sie ein noch mächtigeres Werkzeug wird. Blogs geben jedem die Chance, seine Ansichten nicht nur seinem Freundes- und Bekanntenkreis zu vermitteln, sondern einem Millionenpublikum. Wenn es einen optimalen Platz gibt, Online-Mundpropaganda zu starten, dann in Blogs.

Unternehmen, die bloggen, bekommen direkten Anschluss an die sogenannte Blogosphäre. Das sind mehrere Hunderttausend aktive Blogger in Deutschland, die hochgradig untereinander vernetzt sind. Sie berichten wechselseitig, wenn sie bei einem anderen Blogger etwas Interessantes entdecken. So verbreiten sich die Nachrichten der bloggenden Unternehmen blitzartig als digitale Mundpropaganda, vorausgesetzt die Nachrichten stoßen auf Interesse. So lange die Blogs ehrlich und authentisch geschrieben werden, sind sie glaubwürdiger als Werbung und ermöglichen einen Dialog mit den Kunden.

Gute Gründe für das Blogging:

  • Das Medium ist bei Kunden beliebt.
  • Mehr Kontakte können geknüpft werden.
  • Eine konstante Beziehung zu der Kundschaft wird aufgebaut.
  • Das Ranking in Suchmaschinen verbessert sich durch die starke Vernetzung und Verlinkung.
  • Weblogs sind nahezu kostenlos.
  • Blogging ist nicht ortsgebunden.
  • Jeder Mitarbeiter im Unternehmen kann bloggen, da die Bedienung einfach ist und keine besonderen Kenntnisse erforderlich sind.
  • Die schnellste Art des Publizierens.

Negative Mundpropaganda - eine Herausforderung

Es kommt auch immer wieder vor, dass nicht nur positive Aussagen in Weblogs gemacht werden. Das größte Risiko ist es, die Blogeinträge nicht zu lesen. Unternehmen, die bloggen, müssen sich kritischen Aussagen stellen und zuhören. Wer auf Kritik nicht schnell reagiert, riskiert, dass sich negative Mundpropaganda ausbreitet. Außerdem helfen kritische Äußerungen dem Unternehmen, sein Angebot zu verbessern und die Wünsche der Verbraucher zu berücksichtigen.

Bei der Reaktion auf Kritik ist es am wichtigsten, diese nicht zu verstärken. Keine Stellungnahme abzugeben oder Dinge abzustreiten, sind untaugliche Methoden, die dazu führen können, dass die Kritiker noch mehr verärgert und wütend werden. Die Stellungnahme sollte dort erfolgen, wo auch die Kritik geäußert worden ist. Der Kritiker selbst kann auch kontaktiert werden, um ihn zufriedenzustellen. Souverän und angemessen sollte die Reaktion sein, indem auf sachlicher Ebene das Problem und seine Lösung erläutert werden. Wenn die Kritik berechtigt ist, sollte der Fehler eingestanden und klar definiert werden, wie er behoben wird.

Trotz des Risikos negativer Mundpropaganda ist es immer von Vorteil, wenn über die Produkte und Dienstleistungen geredet wird. Denn je mehr Gerede, desto höher der Bekanntheitsgrad und somit steigende Wahrscheinlichkeit von Absatz und Neukunden.

Quellen und weiterführende Informationen

Eine Blogger-Plattform, die Unternehmen bei Blogg-Kampagnen unterstützt:

  • http://www.trigami.com/ [242]

Ein Weblog über Marketing 2.0 und Mundpropaganda:

  • http://www.mundpropaganda-blog.de [243]

Buchtipp:

  • "Mundpropaganda-Marketing – Was Unternehmen wirklich erfolgreich macht" [244]

[po; Bild: Fotolia.com]

Gestaltungsqualität: Mit der richtigen Kataloggestaltung trumpfen

Papierkataloge stehen vermehrt vor der Überlebensfrage. Dabei ist nicht, wie vielfach vermutet, allein das Internet als konkurrierender Vertriebskanal Ursache der Bedrohung. Konkurrenz kommt auch aus den eigenen Reihen. Konsumenten fühlen sich von einer Angebotsflut an nahezu produktgleichen Katalogen häufig erschlagen. Dennoch möchte kaum ein Verbraucher gänzlich auf Kataloge verzichten. Optimierung lautet daher das Gebot der Stunde.

Stöbern im Katalog – Bestellen im Internet

„Bestellen Sie doch einfach bequem per Mausklick!“ Von diesem Angebot machen immer mehr Konsumenten Gebrauch. Einkäufe werden in zunehmendem Maße online getätigt. Dagegen nutzen immer weniger Verbraucher den Bestellschein aus dem Katalog, um dem Versender ihre Einkaufswünsche zu übermitteln. Dennoch geben gemäß verschiedener Studien des Instituts für Handelsforschung zahlreiche Kunden auch heute noch dem Papierkatalog den Vorzug, wenn es darum geht, ungezielt zu stöbern. Die Bestellung von Produkten erfolgt also mit zunehmender Häufigkeit online – nicht aber die Auswahl.

Konkurrenz aus den eigenen Reihen

Während Kataloge durch das Internet nicht gänzlich infrage gestellt werden, droht Gefahr aus den eigenen Reihen. So konkurrieren jeweils unzählige branchenspezifische Produktkataloge um die Gunst des Kunden. In der Büromaterialbranche beispielsweise werden Endkundenkataloge von jeder Distributionsstufe vertrieben. Der Kunde wird von einer Angebotsflut an Katalogen geradezu erschlagen. Eine Differenzierung zwischen den verschiedenen Katalogen einer Branche gestaltet sich schwierig. Nahezu gleiche Sortimente und Produkte lassen Kataloge in einer Masse der Gleichförmigkeit untergehen.

Optimierung der optischen und strukturellen Kataloggestaltung       

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Nachfrage und der gleichzeitig verschärften Konkurrenzsituation lautet das Gebot der Stunde nicht Abschaffung, sondern Optimierung der Kataloge. Der Katalog der Gegenwart und Zukunft kann und muss zum effektiven Kommunikations- und Wettbewerbsinstrument avancieren. Da sich der einzelne Katalog kaum mehr über Inhalt und Angebot hervortun kann, bieten sich Ansatzpunkte insbesondere im Hinblick auf die optische und strukturelle Gestaltungsqualität.

Das Institut für Handelsforschung hat mehrere Kataloge im Hinblick auf diese Merkmale untersucht. Mängel bestehen in vielerlei Hinsicht. Unübersichtlich wirkende Seiten und schlechte Papierqualität vermitteln Ramschcharakter und mindern die wahrgenommene Produktqualität. Eine wenig durchdachte Struktur und Gliederung sowie nicht trennscharf abgrenzbare Kapitel erschweren das Zurechtfinden im Katalog und die Auffindbarkeit von Produkten. Lächerlich wirkende Kontextabbildungen erzeugen eher Reaktanz als Kauflust.

Durch die Verwendung origineller Gestaltungsmerkmale und innovativer Funktionalitäten kann auch ein an sich guter Katalog noch besser werden und damit zusätzliche Aufmerksamkeit und sogar Begeisterung auslösen. Pionieren bietet sich die Chance, ihren Katalog durch entsprechende Optimierungsmaßnahmen nicht nur frühzeitig für die Zukunft zu rüsten, sondern sich darüber hinaus von der Konkurrenz abzusetzen und sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.

Hintergrundinformationen zu den Untersuchungen des Instituts für Handelsforschung

In verschiedenen Studien untersuchte das Institut für Handelsforschung (IfH) das konkrete Optimierungspotenzial mehrerer Kataloge. Der im Rahmen dessen konzipierte Kriterienkatalog beinhaltet zahlreiche Merkmale, die für die Gestaltung eines Papierkatalogs relevant sind. Er unterteilt sich in die vier Kriterienkategorien

  • Struktur und Inhalt,
  • Gestaltung und Design,
  • Haptik und Handhabung sowie
  • Bestellmodalitäten.

Für jedes Merkmal wurden Ausgestaltungsvarianten definiert. Die Mehrheit der untersuchten Kataloge wies auf den ersten Blick nur wenige Mängel auf. Dennoch wurden im Rahmen der Analyse zahlreiche Ansätze zur Optimierung gefunden und konkrete Handlungsempfehlungen ausgesprochen.

[po; Quelle: Institut für Handelsforschung; Bild: Fotolia.com]

Standort: Brasilien und Serbien unter der Lupe

Anfang Juni machte eine Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young die Runde in der Presselandschaft. Die Schlagzeile: Deutschland sei für Investoren als Standort nicht mehr so reizvoll und Länder wie Polen oder Russland hätten ihm dahin gehend den Rang abgelaufen. Mangelnder Unternehmergeist, zu hohe Arbeitskosten und zu wenig Flexibilität lautete das vernichtende Urteil. Im Trend liegen danach die Schwellenländer. China auf Platz eins, gefolgt von Indien und Russland. Von insgesamt 834 befragten internationalen Unternehmen bezeichneten nur noch zehn Prozent Deutschland als einen der drei Top-Standorte weltweit. Im Vorjahr waren es noch 18 Prozent.

Die Autoren der Studie kommen zum Ergebnis, dass die etablierten großen Industrienationen wie die USA und eben auch Deutschland schlichtweg nicht mithalten könnten. Studienleiter Peter Englisch bringt die Stärken der aufstrebenden Schwellenländer gegenüber „Spiegel-Online“ auf den Punkt:

„Diese Länder bieten das, was Investoren suchen: große, unerschlossene Märkte und damit erhebliche Wachstumspotenziale.“

Hauptsache billig: Die Investoren-Karawane zieht weiter

Zwar spiele Deutschland angesichts gut ausgebildeter Beschäftigter, gut ausgebauter Infrastruktur und seiner Eigenschaft als bester Innovationsstandort Europas nach wie vor im Konzert der Großen mit, doch eine Heimat für die „Microsofts“ beziehungsweise „Googles“ zu sein, trauten die in der Studie Befragten dem Standort nicht zu. Will heißen: Es wird bezweifelt, dass es deutsche Unternehmen sein werden, die sich in relativ kurzer Zeit als Weltmarktführer im Bereich Software und Hochtechnologie durchsetzen können. Englisch ergänzt:

„Man traut den Deutschen den nötigen Unternehmergeist nicht zu.“

In Zeiten globalisierter Märkte spielt für die meisten Unternehmen das Argument der geringen Arbeitskosten bei gleich bleibender Qualität eine entscheidende Rolle für die Wahl eines geeigneten Standorts. China galt da lange als Paradebeispiel: Ein Produktionsstandort, an dem es sich billig herstellen lässt. Schon allein deshalb beschritten viele Hersteller den Weg nach Asien. Doch so langsam scheint die Karawane weiter zu ziehen. Der Grund: China wird vielen zu teuer und der anhaltende Wirtschaftsboom zeigt erste Schwächeerscheinungen. Steigende Energiepreise, schärfere Umweltauflagen und eine Aufwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar machen ausländischen Investoren mehr und mehr zu schaffen.

Plötzlich sind andere Staaten opportun wie beispielsweise das von Armut geplagte Bangladesch, Laos, Vietnam oder Kasachstan. Jüngst kündigte Adidas-Geschäftsführer Herbert Hainer an, ihm werde die Produktion von Sportschuhen in China zu teuer. Momentan werden 50 Prozent seiner Produkte im Land des Lächelns gefertigt, doch die Löhne steigen. Jetzt will er auf alternative Standorte, unter anderem auch europäische Schwellenländer, die GUS-Staaten oder Osteuropa ausweichen. Nur an Deutschland denkt er dabei nicht, denn nach seinen Berechnungen müsste er hierzulande aufgrund der hohen Arbeitskosten 500 Euro für einen Schuh verlangen.     

Viele Branchen kehren China bereits wieder den Rücken. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) rechnet sogar damit, dass dies bei etwa jeder fünften deutschen Firma, die derzeit mit rund 1.600 Produktionsstätten dort vertreten sind, der Fall sein könnte. Gerade die Konsumgüterindustrie und die Textilbranche seien betroffen, aber auch Unternehmen, die auf geringe Stückzahlen setzen und bei denen es um hohe Qualität geht.

Blick gen Westen: Top-Bedingungen am Zuckerhut

Bei der Suche nach optimalen Standorten haben viele Firmen in den vergangenen Jahren einseitig nach Osten geblickt. Asien, Asien und nochmals Asien, lautete die Parole. Dabei hätten sie den Kopf vielleicht einfach um 180 Grad drehen sollen, um in die andere Richtung zu schauen. Über dem Großen Teich wartet mit Lateinamerika eine Region, die enormes Potenzial besitzt. Zwar wächst der Subkontinent nicht in dem rasanten Tempo wie die Volkswirtschaften Asiens, doch eben kontinuierlich und beständig: Im Zeitraum 2002 bis 2007 gibt der Internationale Währungsfonds (IWF) für Lateinamerika ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr an.

Noch ist Deutschland einer der größten Handelspartner Lateinamerikas, doch laut einem Bericht der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) kam es hierbei in den letzten Jahren zu einem Rückgang. Es wird spekuliert, ob das Geschäftspotenzial der Region verkannt wird. Dabei verschaffen etwa reiche Rohstoffvorkommen der Bergbaubranche einen Schub. Nach bfai-Angaben darf sich Chile bis 2012 über 22 Milliarden US-Dollar Direktinvestitionen im Bereich Bergbau freuen. Peru in den kommenden drei Jahren über rund elf Milliarden und Brasilien sogar über 28 Milliarden US-Dollar. Im bevölkerungsreichsten Land Südamerikas herrscht Aufbruchstimmung. Spätestens seit die Rating-Agentur Standard & Poor’s im Frühjahr das Siegel „Investment Grade“ aus der Tasche zog, tanzte nicht nur die brasilianische Börse Samba.

Auch ausländische Investoren haben gute Chancen, am Zuckerhut ihr Glück zu finden. Die Zahlen der größten Wirtschaftsmacht Südamerikas beeindrucken. Die aktuellen Schätzungen und Prognosen sagen laut Bundesamt für Außenwirtschaft:

  • BIP 2008: 1.621 Milliarden US-Dollar
  • BIP pro Kopf 2008: 8.450 US-Dollar
  • BIP-Wachstum 2008: 4,8 Prozent
  • Export-Wachstum 2007: Rund 17 Prozent
  • Handelsbilanzüberschuss 2007: 40 Milliarden US-Dollar
  • Ausländische Direktinvestitionen 2007: 35 Milliarden US-Dollar

Hinzu kommt ein Wirtschaftswachstum, das zwar nicht die Turboraten à la China oder Indien erreicht, aber nachhaltig und stabil ist. Zudem ist die Nachfrage auf dem Binnenmarkt gefestigt, da die Realeinkommen angezogen haben. 6,5 Prozent gaben die brasilianischen Konsumenten 2007 deshalb mehr aus als im Vorjahreszeitraum und auch die privaten Investitionen stiegen um satte 13,4 Prozent.

Interview

Beatrice Kühne ist Leiterin der Abteilung „Außenwirtschaft und Internationale Beziehungen“ beim Bundesverband der Deutschen Industrie. Im business-wissen.de-Interview mit David Wolf erklärt sie, warum Brasilien für deutsche Unternehmen ein lohnenswerter Standort sein kann und worauf diese bei einem Engagement achten müssen.

business-wissen.de:
Frau Kühne, Deutschland ist einer der zehn größten Handelspartner Lateinamerikas, hat aber in den letzten Jahren sein Augenmerk mehr auf Asien gelegt. Liegt das daran, dass wir das Potenzial Lateinamerikas unterschätzen?

Kühne:
Die deutsche Wirtschaft ist nach wie vor stark in Lateinamerika aktiv. Deutsche Unternehmen erwirtschaften etwa gegenwärtig mehr als acht Prozent des brasilianischen Bruttoinlandsprodukts. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern hat sich in den vergangenen zehn Jahren etwa verdoppelt. Die Investitionen deutscher Unternehmen in Brasilien sind auf Rekordhöhe, von Rückschritten kann keine Rede sein, auch wenn sie die absoluten Zahlen angesichts unserer Engagements in Asien relativieren können.

business-wissen.de:
Für deutsche Unternehmen welcher Branche lohnt jetzt und mittelfristig eine Investition in Brasilien?

Kühne:
Der Investitionsbedarf in Brasilien ist vor allem in den Bereichen Verkehrs- und Energieinfrastruktur groß. Dies gilt besonders hinsichtlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Hier können deutsche Unternehmen Erfahrung und hochmoderne Technik anbieten.

business-wissen.de:
Auf welche Schwierigkeiten müssen sich deutsche Unternehmen bei einem Engagement in Brasilien einstellen?

Kühne:
Die brasilianische Bürokratie stellt ausländische Unternehmen durchaus vor gewisse Herausforderungen. Aber gerade die langjährige Erfahrung deutscher Unternehmen in Lateinamerika hilft, bestehende Hürden zu überwinden.

business-wissen.de:
Es wird gesagt, die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Lateinamerika seien nicht so groß wie etwa die zwischen Deutschland und Asien. Würden Sie dem zustimmen und ist das ein Plus für Geschäftsbeziehungen?

Kühne:
In Brasilien gibt es es mittlerweile rund 1.200 deutsche Unternehmen. Viele davon sind schon seit über 50 Jahren im Land. Natürlich verschafft diese lange Einbettung Vorteile bei neuen Geschäftsbeziehungen. Wichtig für investierende Unternehmen sind aber auch ein funktionierender Rechtsstaat und wirtschaftliche Freiheit. Vor diesem Hintergrund können deutsche Unternehmen in Brasilien in eine vielversprechende Zukunft blicken.

business-wissen.de:
Wie sieht es konkret mit der brasilianischen Mentalität aus? Auf welche Besonderheiten müssen deutsche Unternehmen hierbei achten?

Kühne:
In Brasilien spielt der persönliche Kontakt eine wichtige Rolle. Offenheit im persönlichen Umgang mit Geschäftspartnern ist manchmal entscheidender als ökonomische Einzelheiten.

Wie die deutschen Unternehmen ihre Zukunftsperspektiven in Brasilien beziehungsweise Lateinamerika sehen, wird die kommende Lateinamerika-Konferenz in Santiago de Chile im September 2008 zeigen. Dann wird man sehen, ob sie die Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel teilen, die noch im Mai kurz vor ihrer Reise zum EU-Lateinamerika-Gipfel in Peru meinte:

„Wir müssen uns sputen, nicht zu spät zu kommen.“

Serbien: Steuerdumping und EU-Beitritt

Ganz andere „Sorgen“ hat derzeit ein Land, das noch vor rund neun Jahren mitten im Kosovo-Konflikt steckte. Serbien hat enormen Bedarf beim Aufbau seiner Infrastruktur – eine Tatsache, die auch für potenzielle Investoren aus dem Ausland interessant ist. Ernst Bode, Geschäftsführer bei Messer Technogas, einer serbischen Tochter des Gaskonzerns Messer aus Sulzbach und Präsident der Deutschen Wirtschaftsvereinigung in Belgrad, bringt es auf den Punkt:

 „Allein um auf den Stand von vor 20 Jahren zu kommen, gibt es ein Wachstumspotenzial von 100 Prozent.“

Das Land auf dem Balkan tut momentan einiges, um ausländische Investoren anzulocken. So leistet es sich beispielsweise die niedrigste Körperschaftssteuer Europas mit einem Steuersatz von gerade mal zehn Prozent. Zudem befreit es Unternehmen, die mindestens acht Millionen Euro im Land investieren und 100 Arbeitsplätze schaffen, für zehn Jahre von der Besteuerung. Für manchen Investor ein Traum, doch Bode, dessen Unternehmen im letzten Jahr rund 46 Millionen Euro erwirtschaftete, warnt:

„Sollte Serbien der EU beitreten, wird es wahrscheinlich einige Steueranreize streichen müssen.“

Hintergrund: Die im Frühjahr 2008 neu gewählte Regierung unter dem liberalen Präsidenten Boris Tadić fährt einen pro-europäischen Kurs und strebt einen Beitritt zur EU an. Wirtschaftsminister Mladja Dinkic hingegen bekräftigte laut der Financial Times Deutschland:

„Dass wir kein EU-Mitglied sind, wird unser Vorteil sein.“

Was ein EU-Beitritt alles bewirken kann, zeigt sich bei Serbiens Nachbarn Rumänien. Seit dem Beitritt zu Beginn des Jahres 2007 haben die Löhne im Land angezogen. Der durchschnittliche Brutto-Monatslohn lag laut Angaben der bfai im vergangenen Jahr bei 1340 Lei, das entspricht rund 380 Euro. 2005 lag er noch bei rund 274 Euro. Ein Grund, warum zahlreiche Unternehmen mittlerweile nach Serbien schielen. Hier locken nicht nur relativ niedrige Einstiegsgehälter von etwa 250 Euro, sondern auch Freihandelsabkommen mit anderen Westbalkanstaaten oder mit Russland.

Nicht umsonst zählt Serbien nach dem von Pricewaterhouse Coopers (PwC) herausgegebenen „Emerging Markets Index“ neben Polen, Bulgarien und den BRIC-Staaten zu den aussichtsreichsten Investitionszielen. In der Rangliste der 20 aussichtsreichsten Industriestandorte liegt das Land hinter Ägypten und Bulgarien auf Platz drei. Ein Sprung um 22 Plätze nach vorne im Vergleich zu 2004. Und auch die mittlerweile ansässigen deutschen Unternehmen sind nach der aktuellen Umfrage der Deutschen Wirtschaftsvereinigung in Belgrad und des Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft (AHK) mit ihrer Geschäftssituation zufrieden. 97 Prozent waren der Meinung, Serbien erneut als Investitionsstandort wählen zu würden.

Heckenschützen-Image und Klientelpolitik

Bei aller Euphorie: Die Initiatoren der Umfrage bemängeln, dass immer noch zu wenig deutsche Unternehmen den Weg nach Serbien einschlagen würden. Grund dafür ist laut einer Studie von Ernst & Young die immer noch zu geringe Wahrnehmung des Landes als attraktiver Investitionsstandort. Für Ernst Bode ist das vor allem ein Imageproblem, das vorwiegend in Deutschland gepflegt wird:

„Leider gibt es ein Imageproblem in Deutschland – dies liegt meiner Ansicht nach eher an der wenig reflektierten oder tatsachenorientierten Berichterstattung vieler deutscher Medien als an den harten Fakten.“

Doch was sind die Fakten? In der Pressemeldung zur Umfrage des AHK ist zu lesen, dass es die nicht immer optimalen Rahmenbedingungen gerade zu Beginn eines Engagements in Serbien seien, die ausländische Unternehmen abschrecken. Die teilnehmenden Unternehmen verteilen vor allem bei den Faktoren „politische Stabilität“, „Effizienz der öffentlichen Verwaltung“, „Bekämpfung von Korruption und Kriminalität“, „Rechtssicherheit“ sowie „Transparenz bei öffentlichen Ausschreibungen“ schlechte Noten.

Zudem tut sich das Land bei der Regelung der Besitzverhältnisse von Grund und Boden schwer. Diese sind oft ungeklärt und Grundstücke können oft nur verpachtet anstatt gekauft werden. Laut einem Bericht der Financial Times Deutschland sind Liegenschaften für die serbischen Parteien ein Instrument der Macht, ein Instrument, um Klientelpolitik zu betreiben. Dazu noch einmal Ernst Bode von Messer Technogas:

„Das kann im Einzelfall vorkommen, ist aber kein generelles Problem. Grundsätzlich kann hier jeder Grundstücke kaufen, pachten beziehungsweise Nutzungsrechte erwerben. Belgrad ist ein Spezialfall, in dem direkter Erwerb an Grundbesitz oftmals noch nicht möglich ist.“

Wie es weitergeht auf dem Balkan, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Ehrgeiziges Ziel jedenfalls ist der EU-Beitritt bis zum Ende der Legislaturperiode 2012. 

Links: 

  • Info-Portal Serbien-Montenegro [245]
  • Delegation der Deutschen Wirtschaft für Serbien und Montenegro [246]
  • Standortumfrage Serbien 2008 [247]
  • Wirtschaftsdaten Serbien kompakt [248]
  • Wirtschaftsdaten Brasilien kompakt [249]
  • Außenwirtschaftsportal ixpos – Länderdossier Brasilien [250]

[David Wolf; Bild: Fotolia.com]

Öko-Image: Werden „Grüne Kreditkarten“ zum neuen Statussymbol in China?

Die von TNS unter chinesischen Erwachsenen in den Großstädten des Landes durchgeführten Online-Befragungen zeigen eine deutliche Bereitschaft der städtischen Bevölkerung, mehr für den Umweltschutz ausgeben zu wollen. Insgesamt 76 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu: „Ich wäre bereit für häufig genutzte Produkte, die ich als umweltfreundlich ansehe, zehn Prozent mehr zu bezahlen.“

Die Frage, ob sie auch bereit wären, zehn Prozent mehr für umweltfreundlichen Kraftstoff für ihr Auto auszugeben, bejahten 68 Prozent. Insgesamt 71 Prozent der Teilnehmer meinten, dass sie für ein umweltfreundliches Auto zehn Prozent mehr bezahlen würden.

Weiteres Ergebnis der Befragung: chinesische Verbraucher wären bereit, persönlichen Komfort gegen Vorteile für die Umwelt aufzugeben. So gaben insgesamt 69 Prozent der chinesischen Verbraucher an, sie würden Nutzungseinschränkungen für Autos, Klimaanlagen und andere Energie verbrauchende Produkte akzeptieren, auch wenn dies mit persönlichen Unannehmlichkeiten verbunden wäre.

Inhaber „Grüner Kreditkarten“ könnten ihr rücksichtsvolles und sozial verantwortliches Handeln durch ein derartiges Zahlungsmittel dokumentieren. „Grüne Kreditkarten“ - so ein weiteres Ergebnis der Studie - könnten in China als Statussymbole bekannter werden als Gold- und Platin-Karten. Die TNS-Finanzmarktforscher meinen, chinesische Banken könnten das Potenzial sogenannter „Grüner Kreditkarten“ wesentlicher stärker nutzen.

Kreditkarten boomen in China

Schätzungsweise 40 Millionen Kreditkarten sind derzeit in China im Umlauf. Im Jahr 2003 waren es Schätzungen zufolge noch weniger als drei Millionen. Wirtschaftswachstum, steigende Einkommen und die Entwicklung eines organisierten Außenhandels haben zu dieser Steigerung beigetragen. Während sich die Verbraucher bei der Wahl ihrer Kreditkarte nicht dauerhaft festlegen, hat Chinas Markt Kreditkarten bereits als Produkt akzeptiert. Durch eine Identifikation der Verbraucher mit der Bedeutung der „Grünen Kreditkarte“ könnten Banken eine stärkere Markenbindung erreichen.

Zhang Hong, Leiter der Finanzmarktforschung bei TNS China, erläutert:

„Kreditkartenunternehmen müssen ihr Angebot vom Wettbewerber differenzieren. Doch zuerst müssen sie die Segmentierung des Marktes verstehen und für jedes Segment gezielt Produkte anbieten. Dies kann durch Ausnutzung des wachsenden Umweltbewusstseins erfolgen. Wir glauben, dass ‚grün' ein neues Marktsegment ist, das der Schlüssel zur Markentreue sein kann.“

Unter den städtischen Verbrauchern im Land der Mitte bestehe ein starker Trend zum Umweltbewusstsein und zum Kauf von Produkten, die der Umwelt nicht schaden. Hier existiere das Potenzial zu einem neuen Statussymbol: Genau wie die Verbraucher bereit seien, mehr zu bezahlen, um ihren Erfolg zu zeigen, seien sie auch bereit Geld auszugeben, um ihr Umweltbewusstsein zu betonen, so Zhang Hong.

Die Agricultural Bank of China, die mit der China Environmental Protection Union zusammen arbeitet, und die HSBC in Hongkong haben Initiativen in Zusammenhang mit grünen Kreditkarten gestartet. So gibt es die „Gold Spike Environmental Credit Card“ als erste Kreditkarte, die sich mit dem Umweltschutz auf dem chinesischen Festland befasst. HSBC hat die die erste Umwelt-Kreditkarte von Hongkong, die "Green Credit Card", ausgegeben. Die Karteninhaber erhalten ihre Abrechnungen in elektronischer anstatt in Papierform. Zudem spendet die Bank 0,1 Prozent des Rechnungsbetrages an eine Umweltinitiative einer Hongkonger Schule.

Sam Thayer, Global Head von TNS Finance, führt dazu aus:

„Image und sozialer Status sind schon immer ein Schlüsselkriterium für die Markentreue von Kreditkartennutzern gewesen. Die Kreditkartennutzer Chinas sind jetzt bereit, Geld für ein Nutzenversprechen auszugeben, das voll auf das Umweltbewusstsein ausgerichtet ist. Für Banken ist es jetzt an der Zeit innovativ zu sein und die simplen Vorstellungen von Status und Klasse sowie das dazugehörige Angebot von Gold- und Platin-Kreditkarten zu erweitern. Unsere eigene Forschung weist einen hervorragenden Markt für ‚grüne' Kreditkarten aus. In China ist das neue Gold grün.“

Offen bleibt, wie sehr durch den Verzicht auf den gedruckten Kontoauszug und Spenden an regionale Projekte der Umwelt tatsächlich geholfen wird – wenn auf der anderen Seite doch der Zweck jeder Kreditkarte ist, mehr zu konsumieren. Entscheidend dürfte also sein, was und wie viel die chinesischen Verbraucher jetzt und in Zukunft kaufen. Immerhin ein Hoffnungsschimmer, dass sie dabei auch an „umweltfreundliche Produkte“ denken.

Die TNS-Marktforscher Ashok Sethi und Zhang Hong haben mit ihrem TNS China Source Book eine Publikation über Chinas aufstrebende Kreditkartenbranche sowie andere Verbrauchertrends verfasst. Die Publikation vermittelt vielfältige Einblicke in die chinesischen Verbraucher. Die Themen sind: Automobil, Verbraucher, Sport, Technologie, Finanzen, Werbung und Medien.

Das „TNS China Source Book“ können Sie hier herunterladen [251] .

[jf; Quelle: TNS; Bild: Business-Illustrationen [252] ]

Verkaufsinstrument: Tipps für einschlagende Öffentlichkeitsarbeit

Viele Unternehmen betrachten die Pressearbeit als billigen Anzeigenersatz – außerdem als Verkaufsinstrument. Doch PR verkauft nichts. Sie kann den Verkäufern aber das Verkaufen erleichtern, zum Beispiel, indem Sie den (potenziellen) Kunden Ihres Unternehmen, unter anderem durch Presseveröffentlichungen vermitteln, dass

  • Ihr Unternehmen existiert,
  • welche Produkte sowie Leistungen es seinen Kunden offeriert und
  • von welchen Qualitätsmaßstäben es sich bei seiner Arbeit leiten lässt.

Damit die Pressearbeit ein voller Erfolg wird, hier einige Tipps zur Umsetzung:

  1. Betrachten Sie die Redakteure der Zeitungen als Kunden. Schließlich wollen Sie ihnen etwas „verkaufen“ – Ihren Text, Ihre Neuigkeit. Gehen Sie entsprechend mit ihnen um.

  2. Liefern Sie ihnen das, was sie benötigen: zum Beispiel Neuigkeiten, Einblick in die Firmenpraxis, „knackige“ Zitate.

  3. Kommunizieren Sie mit der Presse „mäßig, aber regelmäßig“, damit Sie sich außer in den Köpfen ihrer potenziellen Kunden, auch in denen der Redakteure allmählich verankern „Der Anbieter xy existiert. Er ist Spezialist für ...“

  4. Überschütten Sie die Presse nicht mit allem möglichen Nonsens – zum Beispiel der Nachricht, dass Sie oder Ihre Firma Geburtstag hatten. Schicken Sie ihnen nur Infos, die Ihre Kompetenz oder die Ihres Unternehmens als „Spezialist für ...“ unterstreichen.

  5. Achten Sie darauf: Fast alle Fachzeitschriften haben lange Vorlaufzeiten. Wenn Ihre Meldung in einer bestimmten Ausgabe einer Fachzeitschrift erscheinen soll, muss diese in der Regel sechs Wochen vor deren Erscheinen auf dem Schreibtisch der Redakteure liegen.

  6. Überschätzen Sie nicht die Wirkung des publizierten Worts. Seien Sie deshalb „großzügig“ beim „Korrekturlesen“ von Texten, in denen Sie zitiert sind.

  7. Denken Sie stets daran: Der Redakteur ist Ihr Kunde. Er bezahlt Sie zwar nicht mit Geld, aber mit Seiten (-anteilen) in seinem Magazin. Deshalb darf er mit dem „gekauften“ Artikel machen, was er möchte. Seien Sie also nicht sauer, wenn er Ihr Manuskript kürzt oder – aus Ihrer Sicht – „stümperhaft“ bearbeitet.

  8. Haben Sie keine Angst vor der Fach- oder Wirtschaftspresse. Eine wirklich kritische „Wirtschaftsfachpresse“ gibt es in Deutschland nicht mehr, seit, wie Ferdinand Lasalle bereits im 19. Jahrhundert schrieb, „das Anzeigenwesen erfunden wurde“.

  9. Seien Sie aber vorsichtig im Umgang mit allen Medien, die sich an die sogenannten Endkonsumenten wenden, die zuhause auf dem Sofa sitzen und Chips essen. Ihre Berichterstattung bekommt schnell den Touch „Schaut’ wie blöd, skrupellos und so weiter die Wirtschafts- und Unternehmensvertreter und ihre Lakaien sind“, und komplexe Themen werden in ihren Kurzberichten nur selten „angemessen“ dargestellt.

  10. Pressearbeit ist kein „billiger“ Anzeigenersatz. Sie ist ein Marketinginstrument unter vielen – mit eigenen Vorzügen und Schwächen.

  11. Geben Sie sich zum Beispiel nie der Illusion hin, Sie könnten Ihre Produkte und Leistungen, sofern sie teurer (und erklärungsbedürftiger) als „goldfarbene Gedenkmünzen – in limitierter Auflage – für 9,99 Euro“ sind, rein mit PR-Maßnahmen vermarkten. Mit ihnen können Sie bestenfalls erreichen, dass Kunden bei Ihnen anrufen und sagen: „Schicken Sie mir nähere Informationen“. Danach sind Sie als Verkäufer gefragt.

  12. Ein zentraler Vorzug der Pressearbeit gegenüber anderen Marketinginstrumenten ist: Sie können die Früchte dieser Arbeit, also die erschienenen Artikel aktiv im Marketing- und Vertriebsprozess nutzen – zum Beispiel, indem Sie diese an (potenziellen) Kunden mailen, auf Ihre Webseite stellen oder Kunden bei Präsentationen als Kompetenznachweise überreichen.

  13. Bedenken Sie bei Ihrer Kosten-Nutzen-Abwägung, dass inzwischen die meisten Zeitschriften die in ihnen erschienenen Artikel auch auf ihre Webseite stellen. Deshalb sorgen Sie durch eine regelmäßige Pressearbeit dafür, dass Sie leichter im World Wide Web gefunden werden.

  14. Ein weiteres Plus hiervon ist: Wenn man Ihren Namen als Suchbegriff bei Suchmaschinen wie Google eingibt, erscheinen mehr (inhaltliche) Treffer, sodass der Eindruck entsteht „Das ist ein Spezialist für ...“. Solche Abfragen machen inzwischen sehr viele Kunden, bevor sie sich für einen Dienstleister entscheiden.

Das Buch zum Thema von Bernhard Kuntz:

"Warum kennt den jeder? Wie Sie als Berater durch Pressearbeit Ihre Bekanntheit steigern und lukrative Aufträge an Land ziehen" [253]

[Bild: Fotolia.com]

Videospielemarkt: Weiteres Wachstum durch onlinefähige Spielkonsolen

Der Videospielemarkt in Deutschland wird in den kommenden fünf Jahren mit durchschnittlich 10,5 Prozent pro Jahr wachsen. Spiele für Konsolen, PCs, Mobiltelefone und andere portable Geräte werden in Deutschland im Jahr 2012 einen Umsatz von 4,1 Milliarden US-Dollar erzielen. Das prognostiziert die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers in ihrem aktuellen "Global Entertainment and Media Outlook 2008 - 2012".

Treiber für dieses Wachstum sind die steigende Zahl von Breitbandzugängen sowie die Online-Fähigkeit der neuen Konsolengeneration. Diese Entwicklungen werden auch die Videospielmesse Games Convention prägen, die am 21. August in Leipzig beginnt. Frank Mackenroth, Leiter der Branchengruppe Entertainment and Media von PwC in Deutschland, sagt:

"Die neuen Konsolen sind durchgehend für Online-Spiele ausgerüstet und fast jedes neue Videospiel hat Online-Features. Insofern ist das Internet eine der wichtigsten Triebkräfte für den weltweiten Videospielemarkt. Die hohe Abdeckung mit Breitbandinternet und die schnelle Mobilfunktechnik sorgen in Deutschland weiter für beständiges Wachstum."

Spielemärkte in Europa und Asien wachsen am schnellsten

Bis 2012 wird der weltweite Markt für Videospiele mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 10,3 Prozent auf 68,3 Milliarden US-Dollar zulegen. Besonders spielbegeistert sind die Bewohner in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) sowie Asien. Mit einer durchschnittlichen Steigerung von 11,3 Prozent pro Jahr wächst in diesen Regionen die Videospieleindustrie am schnellsten. Asien bleibt mit einem prognostizierten Umsatz von 25,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 die führende Spieleregion der Welt. Die Region EMEA folgt mit 21,6 Milliarden US-Dollar vor den USA (17,7 Milliarden US-Dollar). Der US-Spielemarkt wächst bis 2012 um durchschnittlich 7,9 Prozent pro Jahr.

Deutsche schalten nach der WM einen Gang zurück

In der Region EMEA legt der Videospielemarkt in Deutschland in den kommenden fünf Jahren mit 10,5 Prozent ein vergleichsweise moderates Wachstumstempo vor. Das liegt unter anderem an der Fußballweltmeisterschaft, in deren Folge sich die Videospieler kräftig eingedeckt und der Industrie im Jahr 2007 ein Plus von 22,1 Prozent beschert haben. Bis 2012 sind die wachstumsstärksten Länder in der EMEA-Region Russland (11,8 Prozent), das Vereinigte Königreich (11,6 Prozent), Frankreich (11,4 Prozent) und die Niederlande (10,9 Prozent). Mit einem Umsatz von 2,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007 ist Deutschland der zweitgrößte Videospielemarkt in Europa. Den Spitzenplatz belegt das Vereinigte Königreich (4,0 Milliarden US-Dollar). Auf Rang drei und vier folgen Frankreich (2,1 Milliarden US-Dollar) und Spanien (1,0 Milliarden US-Dollar).

PC-Spiele auf dem Rückzug

Bis zum Jahr 2012 wird der Markt für Konsolenspiele von 24,9 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007 auf 34,7 Milliarden US-Dollar um durchschnittlich 6,9 Prozent pro Jahr zulegen. Online- und Wireless-Spiele werden sogar mit einer Wachstumsrate von 16,9 bis 19 Prozent zulegen. PC-Spiele dagegen verlieren weiter an Bedeutung. Der Umsatz in dieser Sparte fällt durchschnittlich um 1,2 Prozent auf 3,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012. Zum Vergleich: Konsolenspiele erwirtschaften bis dahin fast das Zehnfache an Umsatz (34,7 Milliarden US-Dollar), Online-Spiele schon fast das Vierfache (14,4 Milliarden US-Dollar) und Mobilfunkspiele weit mehr als das Dreifache (13,5 Milliarden US-Dollar).

Breitbandzugänge werden Standard

Treiber der gesamten Entwicklung ist die zunehmende Verbreitung breitbandiger Online-Zugänge sowie schnellerer Mobilfunkstandards. 2007 ist der Markt für Breitbandzugänge weltweit um 21 Prozent auf 114,9 Milliarden US-Dollar gewachsen. Bis 2012 wird er jährlich im Schnitt um 12,7 Prozent auf 208,5 Milliarden US-Dollar zulegen. Deutschland hat bereits jetzt eine Breitbandabdeckung von 44,5 Prozent (2007). Bis 2012 sollen 82,9 Prozent der Haushalte mit Breitband-Internet ausgestattet sein. Frank Mackenroth dazu:

"Mobilfunkspiele hatten bisher nur einen kleinen Anteil am Videospielemarkt. Mit der schnellen Mobilfunktechnik gewinnt auch diese Sparte angesichts komplexerer Spiele und aufwendigerer Grafiken an Attraktivität."

Neues Erlösmodell: In-Game-Advertising

Immer mehr breitbandige Online-Zugänge und die damit verbundenen Features werden in Zukunft ein neues Geschäftsmodell fördern: In-Game-Advertising. Weltweit wird für den noch vergleichsweise kleinen Markt bis zum Jahr 2012 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 16,7 Prozent auf knapp 2,3 Milliarden US-Dollar erwartet. Dann werden 3,3 Prozent der Umsätze auf dem Videospielemarkt mit Werbung erzielt. Noch sind es 2,5 Prozent. In der Region EMEA wird bis 2012 ein durchschnittliches Wachstum um 18,5 Prozent auf 700 Millionen US-Dollar prognostiziert, in Asien ein Plus von 16,5 Prozent auf 300 Millionen US-Dollar und in den USA wird dieser Markt bis 2012 voraussichtlich um jährlich 15,4 Prozent auf gut eine Milliarde US-Dollar wachsen.

[po; Quelle: PwC; Bild: Fotolia.com]

Kaufkriterium: Verbraucher achten immer mehr auf den Preis

Verbraucher verändern ihr Kaufverhalten drastisch durch eine extrem erhöhte Preissensibilität. Gleichzeitig wird "Marke" als dominierendes Kaufkriterium immer seltener genannt. Markenanbietern drohen deutliche Kundenverluste, wenn sie ihre Marken- und Preiskommunikation nicht zügig überarbeiten. Das sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie der Strategieberatung Roland Berger Strategy Consultants.

"Wie nie zuvor sind wir für eine Vielzahl von Unternehmen gerade damit befasst, einerseits das Pricing zu optimieren, andererseits aber auch die Markenstärke auszubauen. Auf der Marktseite der Unternehmen sind dies gerade absolute Kernthemen",

sagt Kai Howaldt, Leiter des Kompetenzzentrums Marketing & Sales bei Roland Berger Strategy Consultants.

"Marke als dominierendes, bewusstes Entscheidungskriterium hat in nur fünf Jahren quer durch alle Branchen dramatisch abgenommen",

sagt Ingmar Brunken, Studienautor und Principal bei Roland Berger. Am stärksten machte sich dieser Trend einer aktuellen Roland Berger Studie zufolge bei Schuhen (-11,6 Prozent), Wein (-7,4 Prozent) und dem für die deutsche Wirtschaft so wichtigen Automobil (-9,1 Prozent) bemerkbar. Gleichzeitig steigt die Preisempfindlichkeit der Verbraucher teils drastisch. Dies betrifft etwa Computer (+8,8 Prozent), Softgetränke (+7,6 Prozent) und erneut das Auto (+9,0 Prozent).

Es überrascht, dass die Verbraucher selbst bei den eher emotional gekauften Modeartikeln immer stärker auf den Preis achten. Der Anteil der preisorientierten Kunden wuchs hier mit 13,1 Prozent sogar am stärksten. In besonders hart umkämpften Branchen zeigt sich, wohin die Reise nun auch in anderen Märkten geht: Beim Flugverkehr, bei Kaffee, Banken oder Telekommunikation - überall verlieren diejenigen Markenanbieter an Boden, die sowohl das eigentliche Pricing als auch ihre Preiskommunikation nicht im Griff haben.

Inflation und Einkommensverluste beschleunigen Entwicklung

Die hohe Inflationsrate und das damit zunehmende Teuerungsbewusstsein der Kunden verschärfen den Trend zusätzlich. Die Ergebnisse deuten auf einen dauerhaften Verhaltensumschwung hin, keinen kurzfristigen "Hype". In einigen traditionell markenbewussten Branchen wie beispielsweise Automobil, Damenkosmetik oder Limonade haben sich die Verbraucherpräferenzen sogar umgedreht. Rainer Balensiefer, Co-Autor und Markenexperte bei Roland Berger, sagt:

"Wurde früher überwiegend der Markenname als dominierendes Kaufkriterium genannt, so ist heute immer öfter der Preis der wichtigste Faktor im Bewusstsein der Menschen."

Das bedeutet der Studie zufolge allerdings nicht, dass Marken überflüssig werden und Produkte in Zukunft nur noch über den Preis verkauft werden können. Einige Beispiele zeigen, dass erfolgreiches Markenmanagement auch in hoch preissensiblen Märkten möglich ist. So konnte zum Beispiel T-Mobile im vergangenen Jahr Marktanteile zurückerobern. Auch die Lufthansa zeigt, dass Erfolg auch im Wettbewerb mit Billiganbietern möglich ist. Verbraucher honorieren es sofort, wenn die richtigen Tasten auf der Marketing-Klaviatur gegriffen werden und die zielgruppenbezogene Preiskommunikation stimmt.

Kernthesen für den Markterfolg

Die Autoren der Studie haben drei Kernaussagen für den Markterfolg der Zukunft zusammengefasst.

  1. Die Markenanbieter sind damit konfrontiert, dass sich neue Zielgruppen stärker über Werte- und Bedürfniswelten bilden und nicht mehr nur über demografische Faktoren wie die Höhe des Einkommens oder das Alter.
  2. Heute kann die Preissetzung nicht mehr ausschließlich auf der bisherigen Markterfahrung aufbauen; stattdessen gilt es, die Preiswahrnehmung der Verbraucher aufgeschlüsselt nach Zielgruppen zu verstehen.
  3. Neue Preismodelle müssen die Werte und Einstellungen dieser neuen Zielgruppen wesentlich intelligenter ansprechen als bisher. Markenhersteller, die ihre Preiskommunikation und ihr Markenmanagement schlau verbinden, werden sich in diesem Trend behaupten können.

Insgesamt ist diese Entwicklung eine große Herausforderung für die deutsche Wirtschaft. Weil deutsche Hersteller überwiegend hochpreisige Markenanbieter sind, wird der Kampf um Marktanteile gegen die traditionell auf Niedrigpreise ausgerichteten Anbieter aus Schwellenländern und gegen die von diesem Trend begünstigten Handelsmarken noch härter.

Zur Studie:

Es wurden knapp 10.000 Teilnehmer ab 14 Jahre in Deutschland im Rahmen der Marktforschungsstudie "Typologie der Wünsche" befragt.

[po; Quelle: Roland Berger Strategy Consultants; Bild: Fotolia.com]

Internetwerbung: Bewegte Bilder erzielen die meiste Aufmerksamkeit

Den Erfolg von Online-Werbung zweifelt mittlerweile niemand mehr an. Doch welche Art von Werbemittel bringt den größten Werbeerfolg im Internet? Wirken eher einfache Bilder oder aufwendig animierte Video Streams? Diese Fragen vieler Werbetreibender und Agenturen beantwortet jetzt die aktuelle Studie "Yahoo! Rich Media - flash-basierte Werbeformate" von Yahoo! Deutschland.

Am Beispiel der Online-Werbung eines der führenden Online-Reiseanbieters sowie eines Versandhandelsunternehmens wurden Wirkung und Nachhaltigkeit verschiedener Rich Media-Formate und klassischer Online-Werbeformate untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Video Stream erzielt mit Abstand die höchste Aufmerksamkeit sowie eine nachhaltigere Erinnerungsleistung bei den Internetnutzern.

Ziel der neuen Studie war es, herauszufinden, wie sich verschiedene Rich Media-Formate im Werbeumfeld durchsetzen. Untersucht wurde, wie die vier getesteten Rich Media Ads - Expandable Ad, Reverse Expandable, Video Rectangle und Video Stream - mit Blick auf Überzeugungsleistung und Differenzierung gegenüber klassischer Online-Werbung (Rectangle) kommunizieren und welche Akzeptanz die einzelnen Werbeformate bei den Nutzern erfahren.

Je animierter das Werbemittel, desto größer die Wirkung

Die Kombination von Audio und Video erreicht hohe Aufmerksamkeit: Durch den Einsatz von bewegten Bildern und Ton haben Rich Media-Formate das Potenzial, die Aufmerksamkeit von bis zu 100 Prozent der Nutzer auf sich zu ziehen - bei Rectangles liegt die Wahrnehmung nach 60 Sekunden bei 65 Prozent, bei Video Streams nehmen dagegen alle User das Werbemittel wahr. Ferner steigert sich die Verweildauer durch Animation in einem Werbemittel auch entscheidend. Das bewirkt, dass die Aufmerksamkeit stärker auf das beworbene Produkt gelenkt wird: Verharrt der Nutzer auf einem Rectangle gerade einmal zwei Sekunden, so verfolgt er das Video durchschnittlich mehr als zwölf Sekunden.

Dies hat zur Folge, dass deutlich mehr Zeit zur Verfügung steht, detaillierte Produktinformationen und die Imagebotschaft zu transportieren. Ebenso steigen die Erinnerungswerte mit zunehmendem Animierungsgrad: Während sich an eine Werbung im Rectangle-Format ungestützt 13 Prozent erinnern, rangiert der Prozentsatz bei Video Streams und Video Retangle zwischen 40 und 44 Prozent. Darüber hinaus können die animierten Werbemittel den Konsumenten in eine Produktwelt "hineinziehen" und diese mit positiven Emotionen besetzen.

Im Vergleich aller getesteten Werbemittel hat sich der Video Stream durchgesetzt, da er ein hohes Aufmerksamkeits- und Faszinationspotenzial besitzt. Unabhängig vom Inhalt wirken die Video-Werbemittel durch die Einbindung von Bewegtbild bei den Befragten nicht nur dynamisch, sondern auch modern, originell und innovativ. Die Werbemittel werden dadurch mit einem vergleichsweise hohen Interesse wahrgenommen, sodass sich Werbeformen mit integriertem Video tiefer im Gedächtnis verankern. Im Vergleich zu klassischen oder wenig animierten Werbemitteln wirken Rich Media Ads besonders nachhaltig, was sich nicht nur positiv auf die Erinnerungsleistung auswirkt, sondern auch einen positiven Effekt auf die Image-Beurteilung der Marken hat.

Video Streams - effektiv und per Mausklick aktiviert

Erhöhen lässt sich die initiale Aufmerksamkeit für die Video Ads noch durch Formate, die automatisch beim Öffnen der Seite auch Ton abspielen, beziehungsweise die durch ein "Mouse Over" - also bei einer Bewegung der Maus über das Werbemittel - akustisch aktiviert werden. Besonders gut funktioniert dies bei dezenter Musik oder Jingles mit hohem Wiedererkennungswert.

Heiko Genzlinger, Commercial Director von Yahoo! Deutschland, erläutert die Vorteile von flash-basierten Werbeformaten:

"Die Werbewirkung im Internet lässt sich durch den Einsatz von Bewegtbildern eindeutig erhöhen. Wichtig ist in jedem Fall, dass Video- und Audio-Werbemittel harmonisch miteinander kombiniert werden, um die User emotional abzuholen und sie in die jeweilige Markenwelt eintauchen zu lassen. Aber nicht nur das hohe emotionale Involvement spricht für den Einsatz von Rich Media Ads, sondern auch die Fähigkeit, komplexere Botschaften zu transportieren, da die Betrachtungsdauer bei Video Ads deutlich höher ist und via Ton und Bewegtbild mehr Informationen vermittelt werden können."

Neben den Vorteilen des Formats stellt Genzlinger das wachsende Interesse von allen Seiten heraus:

"In den letzten Monaten haben wir bei Yahoo! eine kontinuierlich steigende große Nachfrage an Bewegtbildern quer durch alle Produkte feststellen können. Allein in Deutschland wurden mehr als 14 Millionen Videos gestreamt. Wir sehen dabei natürlich auch gleichzeitig eine entsprechende Nachfrage seitens der Werbetreibenden, die den Konsumenten hier direkt folgen und ihre Werbebotschaften in Form des eher neuen Werbeformats in einem attraktiven Umfeld kommunizieren wollen."

[po; Quelle: Yahoo! Deutschland; Bild: Fotolia.com]

China-Spezial: China im Olympia-Fieber, Wirtschaft kühlt sich ab

In Chongqing, der neuen „Mega-City“ Chinas, wachsen Hochhäuser so schnell in den Himmel wie Bambusrohre im Frühlingsregen. Doch das Auf und Ab der Wirtschaft bekommt auch China wieder zu spüren. „Massenentlassungen“ – ein Wort, das die Chinesen schon lange nicht mehr gehört haben. Doch nun ist es wieder einmal so weit: Chinas größter Öl- und Gaskonzern, die China National Petroleum Corporation, will 84.000 Stellen einsparen. Und nicht nur dort, sondern im ganzen Land erarbeiten die Konzerne Sparprogramme und bereiten sich auf eine Abschwächung des Wachstums vor. Denn der große Boom wird irgendwann mit Sicherheit vorbei sein.

Einfluss auf deutsche Unternehmen

Adidas wird, aufgrund der von der Regierung festgelegten Löhne, die Produktion von Sportschuhen in China zu teuer und plant deshalb eine Verringerung der Kapazitäten. Das Wachstum in China wird zurückgehen. Laut deutschen Wirtschaftsforschern wirkt sich ein geringeres Wachstum jedoch nicht auf Deutschland aus. Zum einen seien die Verflechtungen zwischen den beiden Ländern nicht so stark und zum anderen sei der Rückgang des chinesischen Wachstums nicht so gravierend, dass er sich in Deutschland auswirken würde.

Trotz des rasanten Aufschwung Chinas, ist der Abstand zu den entwickelten Industrieländern wie Deutschland und den USA noch riesig. Das Bruttoinlandsprodukt ist pro Kopf in Deutschland fast 17-mal so groß.

Das Rentenproblem

Bald werden große soziale Probleme auf das Land zukommen. Der Grund ist das Rentensystem. In 20 Jahren wird China 300 Millionen Rentner versorgen müssen. Die Folgen der Ein-Kind-Politik werden langsam sichtbar. Seit Ende der 1970er Jahre darf jede Familie nur ein Kind haben, um das dramatische Bevölkerungswachstum abzubremsen. Dadurch soll die Zahl der Arbeitskräfte bereits 2016 zurückgehen.

Hier finden Sie unsere Beiträge über China:

Einsicht: China ist ein großes Land der Gegensätze [254]

Ein ganzes Jahr studiert, reist und arbeitet der Student Ulf Kramer in China und berichtet exklusiv für business-wissen von seinen Erkenntnissen. Er erzählt vom Studieren in der deutschen Koloniestadt Qingdao, von seiner Rucksacktour durch Südchina und schließlich dem Praktikum in der Wirtschaftsmetropole Shanghai.

Verhandlungsführung: Mit List zum Geschäftsabschluss [255]

Westliche Manager haben in Vertragsverhandlungen mit ihren chinesischen Partnern oft das Nachsehen. Der Grund: Führungskräfte im Reich der Mitte bedienen sich Listen, um ihr Ziel zu erreichen. Was auf routinemäßigem Weg nicht zu schaffen ist, wird durch einen Trick bewältigt. Lesen Sie, welche Listen Chinas Manager anwenden und worauf Sie beim geschäftlichen Engagement in Fernost achten sollten.

Übernahmen: China immer öfter an M&A-Aktivitäten beteiligt [256]

Der Anteil Chinas an weltweiten Fusionen und Übernahmen ist seit der Jahrtausendwende deutlich gestiegen. Sowohl der Transaktionswert als auch die Anzahl der Transaktionen, an denen chinesische Unternehmen als Käufer- oder als Zielunternehmen beteiligt sind, haben sich erhöht. Selbst aktiv ist das Reich der Mitte vor allem im Rohstoffbereich.

Expansion: So haben Chinas Firmen Erfolg im Ausland [257]

Chinesische Firmen müssen sich auf ihrem Weg nach Europa und Nordamerika großen Herausforderungen stellen. Dabei ist die mangelnde internationale Erfahrung die größte Hürde. Die Chancen: Erhöhung des Bekanntheitsgrades, mehr Forschung und Entwicklung und Verbesserung der Qualität.

Personalbedarf: China zieht Arbeitskräfte aus dem Ausland an [258]

Mit der chinesischen Wirtschaft wächst dort auch der Bedarf an Fach- und Führungskräften. Unternehmen füllen Personallücken zunehmend durch Mitarbeiter aus dem Ausland. Jedoch nimmt die Zahl dieser sogenannten Expatriaten aus dem Westen ab. Obwohl die Gehälter steigen.

Wettbewerb: Deutsche Marken geraten in China unter Druck [259]

Deutsche Marken sind in China zwar bekannt und beliebt, geraten aber durch wachsende internationale Konkurrenz zunehmend unter Druck und haben Nachholbedarf in puncto "Innovation". Das zeigt eine Studie der BBDO Consulting Shanghai.

Chancen: China für Einsteiger und Fortgeschrittene [260]

“Chinesischer Öl-Hunger treibt Barrel-Preis über 60 Dollar!” – “Steigende Stahlnachfrage aus der Volksrepublik China poliert die Bilanzen deutscher Hersteller.” – CNOOC bietet 20 Mrd. US-Dollar für texanische Ölfirma, HAIER bietet 1,2 Mrd. für US-Hersteller.” So oder ähnlich lauten die Schlagzeilen, die uns in der Presse aufmerksam werden lassen. Sicher haben Sie sich bereits die Frage gestellt: Wie kann mein Unternehmen profitieren?

Urteilsfindung: Ist bei Chinas Automobilindustrie alles nur geklaut? [261]

Seit Anfang Mai stehen die ersten chinesischen Pkw-Modelle in deutschen Autohäusern. Preiswerte Alternative oder billige Plagiate? Vielen Vorurteilen zum Trotz arbeiten namhafte deutsche Autokonzerne mit den Herstellern aus Fernost zusammen.

Interessante Bücher zum Thema:

China-Handbuch für Manager – Kultur, Verhalten und Arbeiten im Reich der Mitte [262]

Wer in China oder mit chinesischen Geschäftspartnern zu tun hat, sollte sich gut vorbereiten. Denn die kulturellen Unterschiede sind groß. Allzu leicht wird das Verhältnis durch Fehlverhalten gestört. Birgit Zinzius erläutert in diesem Buch die Hintergründe der chinesischen Gesellschaft und gibt eine Fülle von praktischen Hinweisen für das richtige Verhalten.

Inside Chinese Business [263]

Wer in China Geschäfte machen will, muss sich mit der spezifischen Landeskultur auseinandersetzen. Das Buch gibt wertvolle Hinweise.

Weiterführende Links:

Länderinformationen und Publikationen gibt es über die China-Vertretung der deutschen Auslandshandelskammer.

  • www.china.ahk.de [264]

Die deutsche Botschaft in Peking liefert Wirtschaftsinformationen, Service für deutsche Firmen und Daten zur deutsch-chinesischen Wirtschaftszusammenarbeit.

  • http://www.peking.diplo.de/... [265]

Das Institut für internationales Management bietet Informationen für Fach- und Führungskräfte vor der Ausreise sowie Workshops zur interkulturellen Vorbereitung auf den China-Aufenthalt.

  • http://www.countries.ifim.de/asia/china/ [266]

Die Internetseite von Radio China International berichtet täglich über das aktuelle Geschehen im Inland und in der Welt, über die Bereiche Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik, Erziehungswesen, Gesundheitswesen, Kultur, Tourismus und Sport sowie über freundschaftliche Kontakte zwischen China und dem Ausland.

  • http://german.cri.cn/ [267]

Das Hong Kong Trade Development Council (TDC) fördert Hong Kongs Waren- und Dienstleistungsexporte.

  • www.tdctrade.com [268]

Marktchancen: Gute Chancen für Unternehmen in südostasiatischen Ländern

15 Prozent der befragten Unternehmen erwarten aus ihrem operativen Geschäft in Südostasien trotz des globalen Wirtschaftsabschwungs in den kommenden drei Jahren einen Anstieg des Umsatzes von jährlich über 25 Prozent - doppelt so viele wie in den letzten drei Jahren. Ein Fünftel der befragten Unternehmen rechnet für den gleichen Zeitraum mit einem Zuwachs des Gewinns von 16 bis 25 Prozent pro Jahr.

In den vergangenen drei Jahren verzeichnete nur jedes zehnte Unternehmen eine solche Wachstumsrate. Das sind Ergebnisse der neuen Studie "Reiche Ernte - Chancen in Südostasiens Schwellenländern", die der Kreditversicherer Atradius in Kooperation mit der Economist Intelligence Unit, der Forschungsabteilung des britischen Wochenmagazins The Economist, durchgeführt hat.

Stichwort

Der Verband Südostasiatischer Nationen, kurz ASEAN (von engl. Association of Southeast Asian Nations) wurde 1967 von Thailand, Indonesien, Malaysia, den Philippinen und Singapur gegründet. Er hat das Ziel, dass seine Mitglieder durch wirtschaftlichen Aufschwung, sozialen Fortschritt und politische Stabilität zusammenarbeiten und so näher an die führenden Wirtschaftsnationen herangeführt werden. Die heutigen Mitglieder sind die Schwellen- und Entwicklungsländer Indonesien, Malaysia, Thailand, Vietnam, die Philippinen, Kambodscha, Laos, Brunei und Myanmar sowie das Industrieland Singapur. In diesen Ländern leben insgesamt mehr als 500 Millionen Menschen.

Schon jetzt ist die Rentabilität in Ländern der ASEAN-Region besser als in China. Die meisten Unternehmen gehen zwar davon aus, dass der aktuelle Konjunkturrückgang in den USA auch in den ASEAN-Märkten im Jahr 2009 ankommt und spürbar wird, sie prognostizieren unmittelbar danach aber einen starken Aufschwung.

Neben den Wachstumschancen, die 56 Prozent der Befragten als wichtig bis sehr wichtig für ihre Entscheidung pro ASEAN-Mitgliedsstaaten angaben, sind es auch die negativen Entwicklungen in den westlichen Wirtschaftsnationen, die die Unternehmen aktiv werden lassen. Aufgrund des kontinuierlichen Rückgangs der heimischen Märkte und der demografischen Entwicklungen in den Industrieländern werde diese Region immer attraktiver. Durch diese Umstände - gute Perspektiven in der ASEAN-Region und weniger gute auf dem Heimatmarkt - verändert sich das Risiko-Chance-Profil der Unternehmen erheblich.

"Abgesehen von Herausforderungen wie zum Beispiel in der Infrastruktur, bietet der südostasiatische Markt enorme wirtschaftliche Möglichkeiten sowohl für Investoren als auch für Exporteure aus dem Westen. Da die herkömmlichen Märkte aufgrund der weltweiten Konjunkturschwäche schrumpfen oder bestenfalls stagnieren, wenden sich die Unternehmen den Märkten in Südostasien zu - oftmals sogar, weil sie keine anderen Chancen erkennen.",

sagt Tommie Sjödahl, Atradius' Chief Market Officer für Asien. Hinzu kommt: Für viele in Asien operierende Unternehmen ist China zwar noch immer die Basis. Aufgrund steigender Lohn- und Rohstoffkosten überdenken Unternehmen jedoch ihre Wachstumspläne und bauen auf die "China plus eins"-Strategie: Zuzüglich ihres Standbeins im Reich der Mitte weiten sie ihre geschäftlichen Tätigkeiten in Asien aus, um unter anderem Kosten in der Produktion zu sparen.

Auch Vietnam, aktuell mit starker Inflation und Problemen im Bankensektor behaftet, bietet den meisten Branchen in den kommenden drei Jahren gute Perspektiven - allen voran im Bereich Konsumgüter, Gesundheitspflege und Informationstechnologie. Laut Studie sehen die Befragten zwar kurzfristige Herausforderungen für die Marktteilnehmer, die mittelfristigen Chancen sind aber höher als beispielsweise in Singapur, Thailand oder Malaysia.

"Wir erwarten aufgrund der verschärften makroökonomischen Entwicklungen in Vietnam vermehrte Zahlungsausfälle lokaler Abnehmer. Trotz des gestiegenen Risikos schränken wir unsere Zeichnungspolitik in Vietnam jedoch nicht ein",

so Michael Karrenberg, Risk Director bei Atradius in Köln. Deutschen Exporteuren, die auf dem vietnamesischen Markt aktiv sind, rät der Kreditversicherer, ihre Forderungen abzusichern, um Wachstumschancen nicht durch säumige Zahler zu verspielen.

Zur Studie:

Die internationale Studie "Reiche Ernte - Chancen in Südostasiens Schwellenländern" ist Teil der Studienreihe zu Chancen und Risiken in Schwellenländern, die Atradius in Kooperation mit der Economist Intelligence Unit (EIU), der Forschungsabteilung des britischen Wochenmagazins The Economist, durchführt. Die Studie basiert auf der Befragung von 364 Führungskräften aus Unternehmen, die ihren Hauptsitz grösstenteils in Europa und den USA haben.

Kostenlos herunterladen:
"Reiche Ernte - Chancen in Südostasiens Schwellenländern" [269]

[po; Quelle: Atradius; Bild: Fotolia.com]

Dubai: Wirtschaftswunder in der Wüste

Die VAE boomen wie nie zuvor und bauen ihre Stellung in der Weltwirtschaft mit einer ungeheuren Geschwindigkeit aus. Doch die Entwicklung der einzelnen Emirate vollzieht sich keineswegs einheitlich.

Der Schmierstoff des wirtschaftlichen Aufschwungs der VAE ist zweifelsohne Öl. Jedoch wurden – entgegen vielfach vorherrschenden Glaubens in Europa – nicht alle, sondern nur drei der insgesamt sieben Scheichtümer mit dem schwarzen Gold bedacht. Nicht dazu gehören Ajman, Fujayrah, Umm al-Qaiwain und Ras al-Khaimah, die daher noch immer traditionell Landwirtschaft betreiben (müssen). Sharjah hingegen verfügt über geringe Ölreserven. Diese sind zur Bestreitung des Staatshaushaltes aber nicht ausreichend, weshalb verstärkt auf die Industrie gesetzt wird. Die prominentesten der sieben Wüstenstaaten sind Abu Dhabi, das größte und ölreichste
Emirat, und Dubai, die kosmopolitische Metropole der arabischen Welt. So sind es denn auch in erster Linie die Ölreserven dieser beiden Länder, welche das rasante Wirtschaftswachstum der VAE in den vergangenen Jahren ermöglicht haben.

Wenn die Ölvorkommen schwinden

Doch die Ölvorkommen sind begrenzt – besonders in Dubai. Während die enormen Reserven Abu Dhabis, die 10 Prozent der OPEC–Produktion ausmachen, voraussichtlich noch weitere 40 Jahre gefördert werden können, schätzt man, dass Dubais Ölquellen bereits in etwa 20 Jahren versiegen könnten. Daher versucht das regierende Scheichtum um den Herrscher Mohammed Bin Rashid Al Maktoum Al Maktoum bereits seit längerem vom Erdöl unabhängiger zu werden. Stattdessen sollen die Bereiche Handel, Logistik, Finanzen und Tourismus die tragenden Säulen der Wirtschaft werden. Diese Diversifikation hat bislang gut funktioniert: Nur noch etwa 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes stammen aus der Erdölindustrie. Ende 2006 kürte die New York Times seine Hoheit Scheich Mohammed sogar zum „Unternehmer des Jahres“. Der Emir von Dubai und Premierminister der VAE habe das Ende des Erdölzeitalters rechtzeitig erkannt und vorausschauend in andere Bereiche wie beispielsweise den Tourismus investiert, begründete die Zeitung ihre Auszeichnung. Dadurch habe er das Bruttoinlandsprodukt seines Landes innerhalb von zehn Jahren um 400 Prozent steigern können.

Boomtown Dubai

Mit einem BIP von ungefähr 70 Mrd. US-Dollar bilden die VAE heute nach Saudi-Arabien und Ägypten die stärkste Volkswirtschaft des arabischen Raums. Auf Dubai entfallen davon allein etwa 40 Prozent, die insbesondere in den Bereichen Logistik und Tourismus erwirtschaftet werden.

Im Logistikbereich arbeitet Dubai konsequent an seiner Rolle als Drehkreuz für die arabische Welt. Mit einer Umschlagkapazität von 70 Mio. Tonnen im Jahr gehört der Seehafen Dubais bereits zu den zehn größten der Welt. Der Flughafen soll bis 2025 sogar der größte weltweit werden. Wegen solch massiver Infrastrukturinvestitionen und seiner bevorzugten Lage am persischen Golf, führt der Weg nach Süden schon heute sehr viele Investoren über Dubai.

Abgesehen von der Logistik hat der Tourismus eine führende Rolle in der Wirtschaft Dubais eingenommen. So sollen bis 2010 jährlich 15 Mio. Ferien- und Geschäftsreisende aus aller Welt gewonnen werden. Aus diesem Grund stecken die Scheichs Milliardensummen in den Aufbau touristischer Infrastruktur. Dabei scheint Geld nicht die geringste Rolle zu spielen. Denn nur so lässt sich mit einer solch atemberaubenden Geschwindigkeit ein Megaprojekt nach dem anderen realisieren. Und eines sind die Bauprojekte in Dubai ganz sicher nicht: gewöhnlich.

Stadt der Superlative

Angefangen hat alles mit dem Luxushotel Burj al Arab. Seit dessen Fertigstellung wurden fast jeden Monat neue Projekte vorgestellt oder abgeschlossen. Zu den ehrgeizigsten und prestigeträchtigsten darunter gehören die künstlich angelegten Inselwelten The Palm Jumeirah (Baubeginn 2001), The Palm Jebel Ali (Baubeginn 2002), The Palm Deira (Baubeginn 2004) und The World (Baubeginn 2003). Zudem befinden sich zwei weitere in Planung: The Universe [270] sowie die Dubai Waterfront. Doch damit nicht genug: Auf einer der drei Palmeninseln soll ab 2009 das erste Unterwasserhotel namens „Hydropolis“ in über 200 Zimmern solvente Gäste beherbergen.

Das aktuell prominenteste Bauvorhaben ist wahrscheinlich der Burj Dubai – das höchste Gebäude der Welt. Bereits über ein Jahr vor seiner geplanten Fertigstellung in 2009 überragt der Wolkenkratzer mit einer Höhe von etwa 650 Metern das bisher höchste Gebäude der Welt, den Taipeh 101 in Taiwan, um fast 150 Meter.

Mit etwas weniger medialer Aufmerksamkeit bedacht, aber deswegen nicht minder spektakulär, sind einige weitere geplante Bauwerke. Dazu gehören beispielsweise die höchste Bogenbrücke der Welt, der erste vollständig drehbare Wolkenkratzer sowie Dubailand – der weltgrößte Themen- und Freizeitpark. Die Liste der Attraktionen ist schier unendlich und wird laufend fortgeschrieben.

Positives Investitionsklima

Solche vom Staat initiierten Megaprojekte  multiplizieren sich mittlerweile vielfach auf privatwirtschaftlicher Ebene. So fließen jährlich gewaltige Ströme ausländischer Investorengelder in die Metropole. Allein im vergangenen Jahr beliefen sich die ausländischen Direktinvestitionen in Dubai auf knapp 18 Mrd. US-Dollar. Pro Einwohner gerechnet ist das ein deutlich höheres Investitionsvolumen als beispielsweise in der Volksrepublik China.

Neben enormen Mittelzuflüssen vor allem im Immobilien- und Infrastrukturbereich, versuchen viele Investoren durch Gründungen lokaler Unternehmen beziehungsweise Tochterunternehmen am enormen Wachstum der Region mitzuverdienen. Begünstigt werden solche Direktinvestitionen durch eine liberale Wirtschaftspolitik, die kaum in den privaten Sektor eingreift, eine sehr geringe Kriminalität und stabile politische Rahmenbedingungen, wie sie sich in kaum einem anderen islamischen Land finden. Auch werden in Dubai grundsätzlich keine Umsatz-, Einkommens- Grunderwerb-, Grund-, Vermögen- oder Erbschaftsteuer erhoben. Lediglich Banken und Erdölfirmen unterliegen der Unternehmenssteuer. Darüber hinaus entstehen laufend neue so genannte Free Zones. Dabei handelt es sich um Gewerbegebiete für ausländische Firmen, die sich dort mit wenig bürokratischem Aufwand als 100-prozentiger Eigentümer ihrer Firma registrieren lassen können. Die wichtigsten Free Zones sind momentan die Dubai Airport Free Zone, Dubai Internet City, Dubai Media City sowie Dubai Knowledge Village.

Nicht alles Gold was glänzt

Das rasante Wirtschaftswachstum gepaart mit solch attraktiven Anreizen für ausländische Investoren, ruft auch in Deutschland eine gewisse Dubai-Euphorie hervor. So sind mittlerweile 90 Prozent aller DAX-notierten Unternehmen mit einer eigenen Niederlassung in Dubai vertreten. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung erwägen nun nach und nach auch immer mehr Mittelständler den Schritt in die arabische Welt.

Doch dieser will wohl überlegt sein. Im Gegensatz zur Inneneinrichtung der zahllosen Luxushotels vor Ort, ist aus unternehmerischer Sicht in Dubai nicht immer alles Gold was glänzt. In blinder Euphorie eine Niederlassung vor Ort zu gründen und auf schnelle Millionengeschäfte zu spekulieren, könnte sich für manchen als fataler Fehler erweisen. Es gilt insbesondere sein Geschäftsmodell vorher sorgfältig auf dessen Tragfähigkeit in der arabischen Welt hin zu prüfen. Kommt man zu dem Schluss, dass in Dubai grundsätzlich ein Markt für sein Produkt vorhanden ist, stellt sich die Frage nach der Umsetzung. Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen Deutschland und Dubai insbesondere in den Bereichen Vertrieb und Marketing. So ist es in Dubai beispielsweise fast unmöglich ohne die richtigen Kontakte Erfolg zu haben. Networking nimmt hier einen wesentlich höheren Stellenwert ein als in Deutschland.

Es wird deutlich, dass eine genaue Kenntnis des Landes, seiner Kultur, seiner Menschen und insbesondere auch der geschäftlichen Gepflogenheiten unabdingbar sind. Und sei es nur, um im geschäftlichen Alltag vor allzu großen Peinlichkeiten bewahrt zu bleiben. Ein Terminvorschlag beispielsweise, der  30 Minuten vor oder nach den fünf täglichen Gebetszeiten liegt, wird eine angehende Geschäftspartnerschaft auf wenig solide Füße stellen. Dies gilt nämlich als Respektlosigkeit gegenüber der Religion des Landes.

Fazit

Die VAE und insbesondere Dubai erleben momentan ein Wachstum, das bereits viel mehr von Investitionen in der Region als vom Öl gespeist wird. Entgegen einiger Expertenmeinungen, die behaupten, der Boom müsste langsam abebben, ist ein Ende nicht in Sicht. In den kommenden zehn Jahren sind in Dubai Projekte im Gesamtwert von 310 Milliarden US-Dollar geplant oder befinden sich bereits im Bau – so der kürzlich veröffentlichte Dubai Real Estate Report 2007 des Middle East Economic Digest (MEED). Knapp 230 Milliarden US-Dollar werden allein im Immobilienbereich investiert.

Chancen sind demnach zweifellos vorhanden. Jedoch sollte man auch die Risiken nicht aus den Augen verlieren. Ein verlässlicher Partner mit langjähriger internationaler Erfahrung speziell im arabischen Raum ist dabei unersetzlich. Denn ohne gründliche Analysen und genaue Prüfung der sich bietenden Optionen wird den meisten Investoren auch in Dubai der schnelle Reichtum verwehrt bleiben. 

Retro-Marken: Traditionsmarken erleben ein Comeback

Nachdem die Marke Elefanten zwischenzeitlich vom deutschen Markt verschwunden war, bestätigt die repräsentative Bevölkerungsumfrage von TNS Infratest, dass fast 60 Prozent der deutschen Bevölkerung die Marke Elefanten kennen. Unter den Eltern liegt das Niveau sogar bei 73 Prozent.

Außerdem werden der Marke bereits kurz nach der Wiedereinführung sehr positive Imageeigenschaften zugeschrieben. Elefanten steht vor allem für

  • Vertrauen,
  • Hochwertigkeit und
  • gesunde Kinderfüße.

Die Marke wird als sympathisch angesehen: 79 Prozent der Kenner von Elefanten schreiben der Marke hohe Qualität zu und 77 Prozent halten sie für vertrauenswürdig. Darüber hinaus meinen 72 Prozent der Kenner, dass Elefanten die Gesundheit von Kinderfüßen fördert. Besonders positiv ist das Bild von Elefanten bei den Eltern von Kindern bis zu 12 Jahren. Hier liegt die Zustimmung zu diesen Punkten bei jeweils über 80 Prozent. Die Marke kann damit nach der Neubelebung direkt an das bekannte Markenbild anknüpfen - und dieses positive Imagebild im Vergleich zu einer identischen Befragung im letzten Jahr sogar weiter verbessern.

Der rote Elefant wird 80 Jahre

Die Schuhmarke Elefanten wurde 1928 – also vor genau 80 Jahren – gegründet und galt als Pionier für Kinderfüße. Die Marke stand frühzeitig für beste Qualität und Innovation, zum Beispiel durch die Etablierung eines Weiten-Maß-Systems (WMS) für Kinderschuhe. Aber auch dieses Unternehmen musste den Gesetzen des Marktes nachgeben, 2005 schloss der damalige Besitzer Clarks aus England die Fabriktore. Die Markenrechte gingen an Europas führendes Schuhhandelshaus Deichmann, das bereits 2006 wieder eine Elefanten-Kollektion auf den Markt brachte. Durch den Einsatz von Deichmann sind Schuhe von Elefanten nun wieder flächendeckend in Deutschland und in siebzehn europäischen Ländern erhältlich. Deichmann setzt mit Elefanten auf das Motto: ‚hohe Qualität zu günstigen Preisen’ und weist damit laut eigener Auskunft steigende Absatzzahlen auf.

Ein weiteres erfolgreiches Comeback ist die Geschichte von Creme 21, der jungen, lebendigen Körperpflegemarke der 70er Jahre. Der Henkel-Konzern entwickelte 1967 mit Creme 21 ein völlig neues Pflegeprodukt, das auf den Verkauf in Selbstbedienung ausgerichtet war. Creme 21 stand für Lebensfreude und Modernität, die Zahl 21 stellte eine direkte Verbindung zur Volljährigkeit her. Und die in der Werbung wurde erstmals nackte Haut gezeigt – das war damals revolutionär und traf den Nerv der Zeit. Nach Höhen und Tiefen kam 1986 das Aus auf dem deutschen Markt. Henkel wollte sich strategisch stärker auf andere Marken ausrichten und Creme 21 versank in einer Art Dornröschenschlaf.

Die Unternehmerin Antje Willems-Stickel kaufte die weltweiten Markenrechte 2003 von Henkel und gründete die Creme 21 GmbH. Mit einem kleinen Team schaffte sie es, die Marke mit großem Erfolg wieder im Markt zu positionieren. Heute gibt es unter der Marke nicht nur Hautpflegeprodukte, sondern auch Sonnencreme- und Duschpflegeprodukte.

Professor Dr. Henrik Sattler von der Universität Hamburg kennt den Grund, warum Unternehmen auf Retro-Marken setzen:

„Es ist erheblich teurer, eine neue Marke aufzubauen als eine Marke zu revitalisieren. Hinzu kommt: Obwohl Marken schon verschwunden sind, haben sie selbst Jahre danach noch eine große Fan-Gemeinde, die sich schnell wieder aktivieren lässt.“

Sattler weist darüber hinaus auf das große Risiko hin, eine neue Marke zu positionieren.

„Neun von zehn Produkteinführungen werden zu Flops, nur wenige neue Produkte können sich gegen die renommierten Markenprodukte behaupten.“

Auch hier kann eine Retro-Marke das Risiko beschränken – vor allem, wenn es um Marken geht, die zu ihrer Zeit besonders positioniert waren.

Zahlreiche Marken - wie Bluna, Carrera, Ahoi-Brause oder Tri Top - tragen dieses imaginäre Label „Retro“ und ihre Erfolgsgeschichten weisen einige Gemeinsamkeiten auf: Sie alle waren einst starke Marken, sind dann aber irgendwann verschwunden. Doch die Kraft dieser Marken war so ausgeprägt, dass die Verbraucher sie in Erinnerung behalten, auch wenn das Produkt schon länger nicht mehr am Markt ist.

Franz Kilzer, Director im Bereich Consumer & Retail bei TNS Infratest, unterstreicht diesen Vorteil:

„Im Idealfall erzielt eine Retro-Marke bei Ihrer Wiedereinführung aus dem Stand eine hohe Bekanntheit. Gleichzeitig bringt man ihr aufgrund ihrer ‚goldenen’ Vergangenheit großes Vertrauen entgegen. Beides sind wertvolle Dimensionen, die bei neuen Marken in der Regel erst einmal mit hohem Zeit- und Geldaufwand geschaffen werden müssen.“

[po; Quelle: TNS Infratest; Bild: Fotolia.com]

Sonderangebot: Nicht alle Preisreduzierungen kurbeln den Umsatz an

Preispromotionen gehören bei allen Vertriebslinien des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) zum preispolitischen Alltag. Das gleiche Produkt für weniger Geld – es sollte logisch sein, dass Sonderangebote im Handel auch entsprechenden Umsatz bringen. Doch Tobias Maria Günter, Consultant bei der internationalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners und Autor der Studie zur Promotioneffizienz im Handel warnt:

„Eine Milchmädchenrechnung, denn Preispromotionen sind nicht immer und nicht für alle Artikel ratsam. Nicht alle Produktkategorien eignen sich gleichermaßen für Angebote. Das muss ganz gezielt ausgewählt werden.“

Ob ein Discounter wie Penny, ein Supermarkt wie Rewe oder ein Verbrauchermarkt wie Real Sonderpreise anbietet, macht ebenfalls einen Unterschied aus, so ein zentrales Ergebnis der Handelsstudie, die Günter in Zusammenarbeit mit Daniel Klapper, Professor für Konsumgütermarketing an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, durchgeführt hat. Laut Studie können Promotionen für den Handel vor allem dann erfolgreich sein, wenn der Handel die eigenen Märkte zuvor analysiert und geeignete Produktkategorien identifiziert hat.

Sonderangebote im Handel

Bevor der Händler den Rotstift zur Hand nimmt, muss er den Typ seines LEH-Betriebs berücksichtigen. Die Vertriebslinien Discounter, Supermarkt und Verbrauchermarkt unterscheiden sich in Sortiment, Größe, Standort und Bedienungsprinzip. Bekanntermaßen schauen die Kunden zuerst auf den Preis – entsprechend orientieren sich die Preis- und Promotionenstrategien der LEH-Vertriebslinien.

Die Wirksamkeit von Preispromotionen ist zudem stark von den Produktkategorien abhängig. Das zeigt sich beim Vergleich von Kaffepads, deren Markt noch wächst, und Ketchup, der auf einem konstanten Absatzniveau verharrt. So passiert es auch, dass Promotionen nicht den gewünschten Erfolg erzielen. Im Gegenteil: Preispromotionen verleiten Kunden oft dazu, mehr zu kaufen, die Marke zu wechseln oder einen Vorrat anzulegen. Günter erklärt:

„Die Angebote wirken somit nicht nur auf die betreffenden Artikel, sondern auch auf andere Marken in der gleichen Kategorie. Deshalb ist der Handel eher am Erfolg der gesamten Kategorie interessiert als am Absatz eines Artikels mit reduzierter Marge.“

Die Effizienz von Preispromotionen hängt von verschiedenen Einflussgrößen ab. Neben der Promotionfrequenz und Höhe der Preisreduktion beeinflussen typische Marktmerkmale wie Sortimentstiefe, Sortimentsbreite, Bedeutung von Handelsmarken und Produktart (Food oder Non-Food) das Promotionergebnis.

Kernergebnisse der Studie und Empfehlungen für den Handel

Bisher war unklar, ob verkaufsfördernde Maßnahmen in verschiedenen Vertriebslinien auch unterschiedlich wirken können – dieser Frage ist Günter von Simon-Kucher nachgegangen und zu folgenden Kernergebnissen gelangt:

Der Discounter hat das größte Erfolgspotenzial, dauerhafte Kategorieexpansionen durch Sonderpreise zu erreichen. Dieses Ergebnis spiegelt sich im andauernden Markterfolg der Discounter im deutschen Lebensmittehandel innerhalb der letzten Dekade wider. Aus diesem Grund führen die Discounter trotz der Dauerniedrigpreis-Strategie regelmäßig Preispromotionen durch. Aber die Experten warnen: Was in der Vergangenheit funktioniert hat, muss noch lange nicht in der Zukunft funktionieren – der Markt lernt.

Nachfrageeffekte sind in Verbrauchermärkten volumenmäßig am höchsten, gefolgt von Discountern und Supermärkten. Das liegt an der Kundenstruktur: In den Verbrauchermärkten kaufen oft die 'Schnäppchenjäger', die aktiv nach Sonderpreisen suchen, um Markenprodukte günstig zu erwerben.

Preispromotionen führen in allen Vertriebslinien unerwartet häufig zu einem Umsatzrückgang - trotz eines Absatzplus. Zwar steigt die Nachfrage und somit der Absatz in über 80 Prozent der Kategorien – doch gleichzeitig kann auch der Umsatz in einem Segment zurückgehen. Günter erklärt:

„In diesem Fall reicht die Steigerung des Absatzes nicht aus, um die Preisreduktion volumenmäßig zu kompensieren.“

Diese umsatzschädlichen Promotionen sind bei 70 Prozent der Warengruppen im Supermarkt zu finden. Aber auch im Discounter und im Verbrauchermarkt führen Sonderangebote in über der Hälfte der Produktkategorien lediglich zu einer Absatzsteigerung, nicht aber zu einer Erhöhung des Umsatzes.

Sonderangebote wirken bei regelmäßiger Anwendung in Warengruppen mit breitem aber nicht zu tiefem Sortiment. Kunden lieben die Markenvielfalt, aber nicht unbedingt zu viele Artikelvarianten je Marke. Bei zu vielen Alternativen sind die Kunden leicht überfordert. Die Folge ist, dass Promotionen schlicht nicht auffallen. Der Handel vermeidet das, indem er die Kategorien um die Artikel reduziert, die eine geringe Umschlagsgeschwindigkeit haben und von geringer Bedeutung sind.

Letztlich brauchen Sonderpreise gar nicht so stark vom regulären Preis abzuweichen, um im Markt zu funktionieren. Günter schlussfolgert:

„Das ist eine gute Nachricht für den Handel. Dem Konsumenten scheinen regelmäßige Sonderangebote wichtiger, als die tatsächliche Höhe der Preisreduktion zu sein. Sonderpreisaktionen gewinnen so an Profitabilität.“

[jf; Simon-Kucher; Foto: Fotolia.com]

Selbstständige: Durch erfolgreiche Pressearbeit reich und berühmt werden

Pressearbeit ist ein Marketinginstrument unter vielen. Und sie kostet wie das Schalten von Anzeigen, das Versenden von Werbebriefen und das Durchführen von Telefonmarketingaktionen Zeit und/oder Geld. Deshalb sollten Sie sich als Selbstständiger, bevor Sie im Bereich Pressearbeit aktiv werden, fragen:

  • Welche Ziele möchte ich erreichen?
  • Ist das Erreichen dieser Ziele mittels Pressearbeit realistisch? Und:
  • Stehen Einsatz (an Geld und Zeit) und voraussichtlicher Ertrag einem angemessenen Verhältnis?

Meist soll durch die Pressearbeit die Bekanntheit einer Person oder eines Unternehmens gesteigert werden; des Weiteren der Ruf „Spezialist für...“ aufgebaut werden. Das (unternehmerische) Ziel hierbei lautet: Die potenziellen Kunden sollen wissen, dass es den betreffenden Anbieter gibt und welche Leistungen er ihnen bietet, damit sie ihn, wenn sie ein entsprechendes „Problem“ haben, entweder kontaktieren oder ihn zumindest in die Vorauswahl der möglichen Partner einbeziehen.

Hieraus ergeben sich für Sie als Selbstständigen zwei Folgefragen:

  • Bei welchen Personen oder Organisationen möchten Sie Ihre Bekanntheit steigern? Und:
  • Bezogen auf welche Themen möchten Sie den Ruf „Spezialist für...“ erwerben?

Sind meine Ziele mittels Pressearbeit erreichbar?

Dass Sie auf diese Fragen Antworten haben, ist für den Erfolg Ihrer Pressearbeit sehr wichtig. Denn hieraus ergibt sich,

  • inwieweit Ihr Ziel mittels Pressearbeit überhaupt erreichbar ist und
  • auf welche Medien Sie Ihre Pressearbeit fokussieren sollten.

Hierfür ein Beispiel. Nehmen wir an, Sie wären ein Architekt und auf Dachausbauten spezialisiert und ihre Kunden kämen, weil ihr Büro in Frankfurt ist, weitgehend aus dem Rhein-Main-Gebiet. Dann wäre es relativ schwierig, Ihre Zielgruppe mittels Pressearbeit anzusprechen, denn für das Thema Dachausbau interessieren sich die regionalen Medien nicht allzu sehr. Zwar könnte es Ihnen dann durchaus gelingen, ein oder zwei Mal pro Jahr in einer regionalen Tageszeitung (oder einem Anzeigenblatt) einen Artikel zum Thema Dachausbau zu platzieren, jedoch nicht so häufig und regelmäßig, dass es sich in den Köpfen Ihrer Zielgruppe verankert: „Der Herr Mayer (oder die Frau Müller) ist der Spezialist für ...“ Also könnte die Pressearbeit in Ihrem Marketingkonzept nur eine unterstützende Funktion spielen.

Welche Strategie verfolge ich?

Obiges Beispiel soll zeigen, wie wichtig es ist, dass Sie genau analysieren,

  • wer Ihre Kernzielgruppen sind und
  • welche Leistungen Sie vermarkten möchten.

Denn hieraus können Sie ableiten, welche (Teil-) Funktion die Pressearbeit in Ihrem Marketingsystem übernehmen kann. Beim Anbieter A kann das Ziel lauten: „Ich möchte, dass sich in den Köpfen meiner Zielgruppe allmählich verankert, dass ich der ‚Spezialist für...’ bin, so dass sie mich anrufen, wenn ein entsprechendes Problem auftritt.“ Beim Anbieter B hingegen kann die Zieldefinition lauten: „Ich möchte mir durch das Veröffentlichen von Artikeln Marketinginstrumente schaffen, die ich im Vertriebsprozess einsetzen kann – zum Beispiel, indem ich sie auf meine Webseite stelle, an Interessenten schicke und, und, und...“

Auch folgende Zieldefinition ist möglich: „Ich möchte, dass mich die Leser nach der Lektüre der Artikel unmittelbar kontaktieren und mein Produkt kaufen.“ Eine solche Zielsetzung ist aber nur bei (aus Kundensicht) niedrigpreisigen Produkten realistisch, bei deren Kauf die Zielkunden ein geringes Kaufrisiko empfinden. Bei komplexeren Produkten und Dienstleistungen hingegen kann ein realistisches Ziel der Pressearbeit sein: „Die Leser sollen nach der Lektüre der Artikel meine Webseite aufsuchen und sich ausführlich über mein Unternehmen und seine Leistungen informieren, um mich anschließend zu kontaktieren, wenn...“

Wofür will ich „der Spezialist“ sein?

Eine genaue Zieldefinition sowie Definition der Personen und Organisationen, bei denen Sie sich eine hohe Bekanntheit aufbauen möchten, ist auch nötig, weil Sie in der Regel nur bezogen auf ein Thema beziehungsweise in einem Aufgabengebiet den Ruf „Spezialist für...“ erwerben können. Sie können zum Beispiel als Wirtschaftsprüfer nicht zugleich „der Spezialist für eigentümergeführte Familienunternehmen“ sowie „... für multinationale Konzerne“ sein. Und als Rechtsanwalt können Sie nicht „der Spezialist für Wirtschaftsdelikte“ und „... für Scheidungsangelegenheiten“ sein. Alle Versuche, sich mittels Pressearbeit als „Fast-alles-Könner“ zu profilieren, scheitern – weil diese Botschaft unglaubwürdig ist. Also müssen Sie sich entscheiden.

Das Bemühen, eine hohe Bekanntheit aufzubauen und den Ruf als „Spezialist für...“ zu erwerben, ist jedoch in der Regel kein Selbstzweck. Damit sind vielmehr Erwartungen Ihrerseits verknüpft – zum Beispiel, dass Sie

  • schneller und leichter an Aufträge kommen,
  • höhere Preise erzielen können,
  • häufiger von potenziellen Kunden kontaktiert werden,
  • weniger Überzeugungsarbeit beim Akquirieren von Aufträgen leisten müssen und
  • ausreichend Aufträge bekommen, um ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitern aufzubauen.

Welche Medien spreche ich mit welchen Themen an?

Hinter diesen Erwartungen verbergen sich in der Regel Ihre wahren Motive, Pressearbeit zu betreiben. Auch diese sollten Sie ermitteln. Denn hieraus ergeben sich Konsequenzen für den Umfang, indem Sie Pressearbeit betreiben sollten, sowie für deren thematische Ausrichtung.

Das sei an einem Beispiel illustriert: Nehmen wir an, Sie wären ein Weiterbildungsanbieter und als solcher auf das Thema Work-Life-Balance spezialisiert. Und das Ziel Ihrer Pressearbeit wäre primär, Teilnehmer für Ihre offenen Seminare zu gewinnen. Dann könnte Ihre PR-Strategie wie folgt aussehen: Sie verfassen regelmäßig Artikel zu Themen wie „Spaß am Leben, Spaß an der Arbeit“ oder „Ein erfülltes Leben führen“ und versuchen diese in Zeitschriften zu platzieren – möglichst mit einem Hinweis auf Ihr nächstes Seminar. Und welche Medien würden Sie dann bevorzugt ansprechen? Primär Endverbrauchermedien wie Tageszeitungen und Illustrierte, da diese sich an Einzel- und Privatpersonen wenden und oft Artikel über solche „weichen“ Themen publizieren.

Anders sollte jedoch Ihre (PR-)Strategie aussehen, wenn Ihr Ziel wäre: Ich möchte ein Trainings- und Beratungsunternehmen aufbauen, das 20 oder vielleicht sogar 50 Mitarbeiter beschäftigt. Dann kämen Sie mit so wachsweichen Themen wie „Ein erfülltes Leben führen“ nicht weit. Denn mit ihnen könnten Sie nicht ausreichend (große) Aufträge akquirieren, um mehrere Dutzend Mitarbeiter zu beschäftigen. Also sollte Ihre Pressearbeit inhaltlich einen anderen Fokus haben – selbst wenn Ihr Unternehmen im Bereich Gesundheitsförderung aktiv ist. Dann könnte eines Ihrer Kernthemen lauten „Moderne Gesundheitsfördersysteme in Unternehmen implementieren“. Oder: „Herausforderung demografischer Wandel – So halten Sie die ‚alten Hasen’ in Ihrem Unternehmen fit.“

Auch die Medien, auf die sich Ihre Pressearbeit konzentrieren sollte, wären andere. Denn solche Endverbrauchermedien wie Rundfunk und Fernsehen sowie Tageszeitungen und Illustrierte interessieren sich für die genannten Themen kaum. Also läge der Fokus Ihrer Pressearbeit weitgehend auf den so genannten B-to-B-Medien, die sich an die Entscheider in den Unternehmen wenden – das heißt, vor allem auf Fachzeitschriften.

Welche persönlichen Ziel will ich erreichen?

Häufig sind auch persönliche Entwicklungsziele der Anlass, aktiv Pressearbeit zu betreiben. Hierfür ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie wären ein Rechtanwalt und hätten bisher Unternehmen primär bei Arbeitsrechtsprozessen unterstützt. Nun haben Sie sich aber weitergebildet, so dass Sie Unternehmen zum Beispiel auch beim Gestalten von Verträgen mit Großkunden oder Lieferanten beraten könnten. Also möchten Sie auch in diesem Gebiet aktiv werden. Doch woher die erforderlichen Kunden nehmen? Ihre Bestandskunden trauen Ihnen das (noch nicht) zu, weil diese Sie bisher nur als Arbeitsrechtsexperte kennen gelernt haben. Und bei Neukunden? Dort fehlen Ihnen die nötigen Referenzkunden, um sich gegen Mitbewerber durchzusetzen. Also beschließen Sie irgendwann: Ich schreibe Fachartikel zum Thema „...“, um Neukunden auf mich aufmerksam zu machen und die erschienenen Artikel auf meine Webseite zu stellen, um meine Kompetenz zu unterstreichen. Im Zentrum Ihrer Pressearbeit stünde dann ein anderes Thema als das, mit dem Sie heute Ihr Geld verdienen.

Ein häufiges Motiv, Pressearbeit zu betreiben, ist auch der Wunsch, den (Verkaufs-) Wert der eigenen Unternehmung zu steigern – insbesondere bei Freiberuflern, die im Verlauf von zehn oder 20 Jahren mühsam eine Unternehmung mit mehreren Mitarbeitern aufgebaut haben. Irgendwann stellt sich ihnen die Frage: Was passiert mit meinem Betrieb, meiner Kanzlei, meiner Agentur usw. wenn ich mich zur Ruhe setze? Löst sich mein Unternehmen dann in Luft auf oder kann ich es lukrativ verkaufen?

In solchen Momenten fällt vielen Unternehmensberatern zum Beispiel der „Zeitmanagement-Papst“ Lothar Seiwert, ein, der Anfang 2008 sein Beratungsunternehmen gewinnbringend verkaufte. Dies gelang ihm nur, weil sein Unternehmen sozusagen eine Marke war – mit einer hohen Bekanntheit in den relevanten Fachkreisen und einem guten Renommee.

Deshalb beschließen Inhaber von Agenturen, Kanzleien, Beratungsunternehmen usw., die ähnliches erwägen, oft irgendwann: Ich investiere in den kommenden Jahren nochmals richtig Geld, um mein Unternehmen vom unbekannten Nischenplayer zu einer relativ bekannten Marke auszubauen – auch wenn das kurzfristig keine Rendite bringt. Denn dann kann ich meine Unternehmung in einigen Jahren einfacher (und teurer) verkaufen und vom Erlös meinen Lebensabend finanzieren.

Sagen Sie „Ja“ zur persönlichen Eitelkeit

Doch häufig ist die Triebfeder, Pressearbeit zu betreiben, gerade bei etablierten Freiberuflern, viel profaner, als das die bisher genannten wirtschaftlichen Gründe suggerieren: Die Berater haben es schlicht satt, No-names zu sein. Es nervt sie zunehmend, dass ihre Kollegen x und y fast jeder kennt, während sie bei Neukunden (und im Bekanntenkreis) regelmäßig erklären müssen, was sie tun. Sie wollen, dass endlich auch mal zu ihnen jemand sagt „Neulich habe ich einen Artikel von Ihnen in der Zeitung gesehen“, um dann ganz bescheiden zu erwidern: „Stimmt, da hat mich mal wieder ein Journalist angerufen und...“ Von solchen Eitelkeiten ist kein Mensch frei – auch der Autor dieses Artikels nicht.

Kein Dienstleister – ganz gleich, ob Unternehmensberater Wirtschaftsprüfer oder Rechtsanwalt – tickt so rational, wie er sich im Businessleben gern präsentiert. Jeder genießt es, Anerkennung und Bewunderung zu erfahren. Warum sollten Sie sich diesen Wunsch also nicht eingestehen? Kein PR-Berater schaut Sie schräg an, wenn Sie zu ihm zum Beispiel sagen „Ich möchte, dass mein Name so oft wie der meines Kollegen xy in der Zeitung steht, denn es nervt mich, wenn ich dort regelmäßig sein Konterfei sehe .... und meines nicht.“ Im Gegenteil, der Berater denkt „Endlich mal eine klare Ansage“ und wird seine Arbeit an Ihrer Erwartung orientieren.

Das Buch zum Thema von Bernhard Kuntz:

"Warum kennt den jeder? Wie Sie als Berater durch Pressearbeit Ihre Bekanntheit steigern und lukrative Aufträge an Land ziehen" [271]

[Bild: Fotolia.com]

Outsourcing: Hilfreiche Geister für die Pressearbeit engagieren

„Make or buy?“ „Machen wir das selbst oder übertragen wir diese Aufgabe einem externen Dienstleister?“ Vor dieser Frage stehen Unternehmen immer wieder – zum Beispiel beim Qualifizieren ihrer Mitarbeiter. Und häufig entscheiden sie sich dann nach einer Kosten-Nutzen-Abwägung für das Outsourcen gewisser Jobs. Beispielsweise, weil ihnen die nötige Zeit oder die Kompetenz fehlt. Ebenso ist dies, wenn Unternehmen eine aktive Pressearbeit betreiben möchten. Auch dann stehen sie vor der Frage „Make or buy?“. Denn Pressearbeit ist zeitaufwändig – unter anderem, weil sie sich nicht so stark wie das Schalten von Anzeigen oder Versenden von Mailings standardisieren lässt. Außerdem ist der Zeitbedarf bei Pressearbeit nur bedingt planbar. Denn wenn Unternehmen den Medien Artikel (-themen) anbieten, wissen sie vorab nie,

  • wann die Redaktionen und wie viele Redaktionen anbeißen und
  • welche Sonderwünsche diese haben.

Deshalb übertragen insbesondere viele Unternehmen, die keine fulltime PR-Spezialisten engagieren können die Pressearbeit an externe Dienstleister. Weitere Motive sind: Den Unternehmen fehlen häufig, selbst wenn sie im journalistischen Schreiben erfahrene Mitarbeiter haben, häufig die erforderlichen Kontakte zu den Redaktionen. Und in den Kontaktaufbau möchten sie auch keine Zeit investieren, weil sie sich lieber auf ihr Kerngeschäft konzentrieren möchten.

Auf den weißen und den schwarzen Tasten spielen

Aus einem weiteren Grund entscheiden selbst PR-erfahrene Unternehmen oft irgendwann: Wir übertragen diesen Job künftig (teilweise) an einen externen Dienstleister. Unternehmen können ohne externe Unterstützung nicht die gesamte Klaviatur der Pressearbeit nutzen. Sie können, sozusagen nur auf den weißen und nicht auch auf den schwarzen Tasten des Klaviers spielen.

Unternehmen können beispielsweise Pressemitteilungen schreiben und versenden. Ihre firmeninternen Experten können auch Fachartikel verfassen, unter denen ihr Name und der des Unternehmens steht, und diese den Redaktionen anbieten. Sie können aber keine Manuskripte den Zeitungen anbieten, in denen sie sich das Unternehmen beziehungsweise Mitarbeiter von ihm sozusagen selbst zitieren. Hiermit würden sie sich bei den Redaktionen lächerlich machen.

Genau solche Manuskripte sind aber oft nötig, speziell um in Publikumszeitschriften wie Tageszeitungen und Illustrierten veröffentlicht zu werden. Denn diese Medien publizieren zumeist keine Fachartikel, unter denen der Name eines Firmenexperten steht. Sie veröffentlichen aber durchaus „breit recherchierte“ Artikel, in denen zum Beispiel ein, zwei (professorale) Berater und Firmenvertreter zu Wort kommen, wenn das Thema für ihre Leser interessant ist. Solche Artikel kann Ihr Unternehmen zwar erstellen und unter eigenem Namen Zeitungen anbieten, doch keine Redaktion würde sie publizieren.

Ähnlich verhält es sich bei Projektberichten. Auch solche Berichte darüber, wie Sie ein Problem für einen Kunden lösen, können Sie natürlich selbst verfassen. Doch die Werbewirksamkeit eines solchen Artikels wäre gering. Warum? Dadurch, dass Sie selbst der Autor des Berichtes sind, wäre der Artikel just nicht mehr das, was ein guter Projektbericht ist – eine glaubhafte Schilderung Ihrer Arbeit durch eine „neutrale“ Person.

Ob es sinnvoll ist als Selbstständiger oder Unternehmer die Pressearbeit einem externen Dienstleister zu übertragen, müssen Sie selbst entscheiden – zum Beispiel anhand Ihrer Ziele sowie der Zeit und den finanziellen Mitteln, die Ihnen für das Marketing zur Verfügung stehen.

Kann ich mir den Support leisten?

Existenzgründern sowie Start-up-Unternehmen fehlen oft die erforderlichen finanziellen Mittel, um sich zumindest eine kontinuierliche Unterstützung im PR-Bereich zu leisten. Denn diese hat ihren Preis. Nehmen Sie einen Handwerker. Der verlangt heute mindestens 50 Euro Stundenlohn – außer er arbeitet schwarz. Sein Tageshonorar beträgt also 400 Euro.

Unter diesem Honorar arbeitet auch kein PR-Journalist. Bei erfahrenen PR-Journalisten sind vielmehr Tagessätze von 600 bis 800 Euro üblich. Und Spitzenkräfte mit einer hohen fachlichen Expertise? Sie verlangen, wenn sie stellvertretend für Sie zur Feder greifen, schon mal 1000 Euro und mehr – insbesondere wenn Sie zum Beispiel viel Gehirnschmalz darauf verwenden müssen: Wie kann ich ein Thema, das eigentlich keine Redaktion mehr interessiert, inhaltlich so verpacken, dass es trotzdem auf Interesse stößt?

Wie hoch Ihr PR-Budget ungefähr sein sollte, wenn ein Berater zwei, drei oder fünf Arbeitstage pro Monat für Sie arbeitet, können Sie sich selbst ausrechnen. Zwei Arbeitstage pro Monat sollten Sie, wenn Ihr Name regelmäßig in der Presse erscheinen soll, aber als Minimum veranschlagen. Denn unter einem solchen Budget an Zeit ist eine kontinuierliche Pressearbeit kaum möglich.

Wie finde ich den richtigen Unterstützer?

Weil Sie Unterstützung im PR-Bereich nicht zum Nulltarif bekommen, sollten Sie Ihre möglichen Unterstützer vorab prüfen. Hier einige Prüfkriterien:

Kriterium 1: Gelingt es der PR-Agentur oder dem PR-Journalisten, Artikel oder Beiträge in Medien zu platzieren?

Dies ist das wichtigste Prüfkriterium. Denn schließlich möchten Sie keine Texte für die Schublade haben, sondern Veröffentlichungen, die Sie für Ihr Marketing nutzen können. Deshalb nutzt Ihnen der beste Schreiber wenig, wenn er seine Manuskripte nicht in den Medien platzieren kann. Also sollten Sie sich, bevor Sie sich für einen PR-Berater entscheiden, von diesem zeigen lassen, welche Veröffentlichungen er in den letzten Jahren für ein, zwei Musterkunden erzielte – außer Sie möchten aus Kostengründen bewusst einem Newcomer im PR-Bereich eine Chance geben.

Zeigt sich dann zum Beispiel, dass es sich bei den Publikationen weitgehend um Veröffentlichungen auf solchen Webportalen wie www.openpr.de, www.perspektive-mittelstand.de und www.firmenpresse.de handelt, auf denen man kostenlos Pressemitteilungen publizieren kann, dann sollten Sie dem Kandidaten den Laufpass geben. Denn auf diesen Portalen können Sie selbst auch Pressemitteilungen veröffentlichen. Hierfür brauchen Sie keinen PR-Dienstleister.

Kriterium 2: Zu welchen Medien hat der PR-Unterstützer Zugang?

Abhängig von Ihren Zielen (und Ihrem Geschäftsfeld) kann es zum Beispiel besonders wichtig sein, dass Ihr PR-Unterstützer einen guten Draht zu den Fachzeitschriften hat. Oder zu den Rundfunk- und Fernsehsendern. Und zu den regionalen Medien. Keine PR-Agentur ist bezogen auf alle Medien gleich stark. So haben manche Agenturen einen engen Draht zu den Printmedien, ihnen fehlt aber der Zugang zu Rundfunk- und Fernsehsendern – oder umgekehrt. Andere wiederum haben gute Kontakte zu den überregionalen (Print-)Medien. Es fällt ihnen aber schwer, Beiträge in den regionalen Medien zu platzieren. Auf Letzteres sollten Sie zum Beispiel achten, wenn Ihr Geschäft vor allem ein regionales ist.

Kriterium 3: Ist die PR-Agentur/der PR-Journalist auf bestimmte Themen oder Branchen spezialisiert?

Sie sind ein Spezialist und möchten Ihren Ruf als „Spezialist für...“ ausbauen. Also sollte auch Ihr PR-Unterstützer spezialisiert sein – zum Beispiel auf die IT-Branche oder auf Management- und Vertriebsthemen. Und zwar nicht erst seit gestern! Denn (fachliche) Kompetenz resultiert auch aus Erfahrung.

Manche PR-Berater behaupten, sie könnten zu allen gewünschten Themen gute Artikel verfassen und diese in den relevanten Medien platzieren. Diese Aussage sollten Sie nicht glauben. Und fragen sollten Sie sich: Wie effektiv kann ein PR-Journalist ohne inhaltliche Spezialisierung bei seiner Arbeit sein?

Aus folgendem Grund: Wenn ein PR-Journalist mal über Düngemittel, mal über Computersoftware, mal über Urlaubsziele und mal über Personalthemen schreibt, kann er nie so enge Kontakte zum Beispiel zu den Unternehmensführungsthemen zuständigen Redakteuren aufbauen, wie ein Journalist, der ständig über solche Themen schreibt. Er kann zudem selbst bei den Redaktionen nicht den Ruf „Spezialist für...“ aufbauen, so dass die Redakteure seinen Manuskripten etwas mehr Aufmerksamkeit schenken als denen anderer PR-Journalisten.

Hinzu kommt: Wenn ein PR-Journalist mal über dieses und mal über jenes Themengebiet schreibt, verfügt er in den einzelnen Themengebieten über kein Tiefenwissen. Er kennt also den Stand der Diskussion über das betreffende Thema in der jeweiligen Branche nicht. Entsprechend schwer fällt es ihm, die Themen so zuzuspitzen und zu verpacken, dass Manuskripte zum Beispiel für die Fachzeitschriften, in denen Sie gerne präsent wären, interessant sind. Seine Texte bewegen sich an der Oberfläche. Sie sind zu allgemein, so dass sie kaum Chancen auf eine Veröffentlichung haben.

Kriterium 4: Wie rechnet der Unterstützer seine Arbeit/seine Leistungen ab? Wie ist die Vertragsgestaltung?

Manche PR-Journalisten und -Agenturen rechnen ihre Arbeit rein nach der investierten Zeit ab. Ein solches Abrechnungsmodell ist für Sie als Unternehmer mit erheblichen Risiken verbunden. Warum? Nehmen wir an, Sie erteilen dem PR-Dienstleister den Auftrag, für Sie einen Bericht über ein Projekt zu erstellen, das Sie in einem Unternehmen durchgeführt haben. Er benötigt fünf Arbeitstage dafür, das Manuskript zu verfassen sowie dieses mit Ihnen und Ihrem Kunden abzustimmen und das Endprodukt den Medien anzubieten.

Doch kann es immer wieder passieren, dass der Artikel nie erscheint – selbst wenn eine Redaktion vorab versprach: Wir veröffentlichen das Manuskript. Denn auch Redaktionen ändern ab und zu ihre Meinung. In diesem Fall würden Sie bei einer rein zeitabhängigen Abrechnung von der Agentur zum Beispiel eine Rechnung über fünf Tagessätze à 600 Euro, also über 3.000 Euro erhalten. Obwohl das Manuskript nie erschienen ist. Erfreut wären Sie hierüber nicht. Deshalb offerieren viele PR-Berater ihren Kunden auch Abrechnungsmodelle, die teilweise erfolgsabhängig sind.

Üblich ist, dass PR-Journalisten und Agenturen mit Neukunden einen Vertrag über ein Halbjahr abschließen. Auch aus folgendem Grund: In Presseangelegenheiten sind unerfahrene Unternehmen oft sehr ungeduldig. Wenn nach vier, fünf Wochen nicht die ersten Artikel vorliegen, denken sie: Der PR-Berater taugt nichts – vor allem, weil sie die Länge der Vorlaufzeit beim Veröffentlichen von Artikeln unterschätzen. Entsprechend mürrisch reagieren sie, wenn sie die erste Rechnung des PR-Unterstützers erhalten. Und zuweilen sagen sie sogar: Die bezahle ich nicht. Hiergegen möchten sich die PR-Journalisten absichern. Zurecht! Denn faktisch können ihre Kunden die Qualität ihrer Arbeit erst nach einem halben Jahr einschätzen, weil die ersten Artikelveröffentlichungen zumeist erst nach circa drei Monaten erfolgen (sieht man von Online-Veröffentlichungen ab). Vorsichtig sollten Sie aber bei einer Vertragsdauer von länger als einem halben Jahr sein.

Das Buch zum Thema von Bernhard Kuntz:

"Warum kennt den jeder? Wie Sie als Berater durch Pressearbeit Ihre Bekanntheit steigern und lukrative Aufträge an Land ziehen" [272]

[Bild: Fotolia.com]

Dialog Marketing: Zielgruppen effizient in der ganzen Welt erreichen

Für viele Unternehmen werden die nationalen Märkte zu klein und der Wettbewerb zu groß. Doch seitdem Konsumenten global einkaufen und die Welt immer mehr zusammenrückt, gibt es grenzenlose Absatzmöglichkeiten. Dies sollte als Chance genutzt werden. Um unbekanntes Terrain zu erobern und Zielgruppenpotenziale in anderen Ländern zu erschließen, ist Dialog Marketing die richtige und effiziente Lösung. Märkte können getestet, Streuverluste minimiert und messbare Erfolge erzielt werden.

Stichwort

Dialog Marketing stellt den Dialog (Kommunikation) mit Kunden, Interessenten (potentiellen Kunden) und dem Unternehmen in den Mittelpunkt. Der Begriff umschreibt die Tatsache, dass im Direktmarketing der Empfänger eines Mailings nicht nur direkt angesprochen, sondern zur unmittelbaren Antwort, das heißt zum Dialog mit dem Absender veranlasst wird. Bei dieser Form des Direktmarketings wird der gesamte Marketing Mix auf die individuellen Anforderungen der Kunden ausgerichtet.

Doch wo sind die potenziellen Kunden? In Europa, in Asien oder in Amerika? Interessieren sich eher die Mexikaner oder die Schweizer für Ihre Angebote? Wie entwickeln sich aufstrebende Nationen wie beispielsweise Russland, Südafrika oder die Vereinigten Arabischen Emirate? Und wie werden Zielgruppen im jeweiligen Land optimal angesprochen? Antworten liefert der „Direkt Marketing Monitor International 2008“, eine einzigartige Studie mit aktuellen Fakten über das Dialog Marketing-Klima und die Verbraucher-Trends in 30 Ländern.

Die Marktforschungsergebnisse liefern:

  • die jeweilige wirtschaftliche Situation,
  • ein exaktes Zielgruppenprofil,
  • einen Überblick über Absatz-Chancen,
  • Daten über Kaufkraft,
  • Mailing-Dichte und
  • Verbraucher-Trends für die erfolgreiche Zielgruppenansprache.

Ein Überblick über die rechtlichen Anforderungen, was im Dialog Marketing zulässig ist und was nicht, schafft Klarheit. Und zwar bei folgenden Maßnahmen:

  1. Schriftliche Werbung (Mailings);
  2. Elektronisches Direktmarketing;
  3. Verkaufsförderungs-Maßnahmen.

Auch Datenschutzrechtliche Anforderungen und die Rechtsgrundlagen werden für jedes der 30 Länder erörtert.

Umfassende Informationen zu ausländischen Märkten

Für Unternehmen, die neue Potenziale entdecken wollen und international nach neuen Absatzchancen suchen, sind solche Angaben eine ganz entscheidende Information. Das Fundament der Studie bildet eine umfassende Marktforschung, in der Verbraucher zu ihren Konsumgewohnheiten und ihrer Einstellung gegenüber Dialog Marketing befragt werden.

Die Studie vermittelt Basiswissen und gibt Antworten auf alle wichtigen Fragen rund um das Dialog Marketing in ausländischen Märkten. Die Länderreports sind ein nützliches Arbeitsinstrument zur effektiven Planung internationaler Dialog-Marketing-Kampagnen und ermöglichen einen direkten Ländervergleich. Die Untersuchung liefert aktuelle Wirtschaftsdaten, Informationen über die Akzeptanz und Nutzung von Dialog Marketing sowie wissenswerte Konsum-, Branchen- und Versandhandelstrends.

Die Globalisierung erfolgreich für Dialog-Marketing-Kampagnen nutzen

Besonders interessant ist der Blick auf die sozio-demografischen Daten, aus denen sich exakte Zielgruppenprofile ableiten lassen. Zusätzlich erläutert die neue Auflage die juristischen Rahmenbedingungen für Dialog Marketing, die in den jeweiligen Ländern unbedingt zu beachten sind.

Parallel zur Neuauflage der gedruckten Ausgabe wird außerdem eine interaktive CD veröffentlicht. Sie bietet Marketing-Entscheidern von Unternehmen beispielsweise zusätzliche Analyse-Kriterien, um für eine Dialog-Marketing-Kampagne Kundenprofile im Zielmarkt zu erstellen. Jürgen Höfling, CEO DHL Global Mail, Deutsche Post World Net, sagt:

"Mit dem 'Direkt Marketing Monitor International' möchte die Deutsche Post Global Mail ihren Kunden den Eintritt in neue Märkte erleichtern. Als nützliches Werkzeug bietet er Unternehmen die Chance, die Globalisierung erfolgreich für weltweite Dialog-Marketing-Kampagnen zu nutzen."

Jedes Land hat andere Vorlieben und Gesetze

Bei 46 Prozent der südafrikanischen Konsumenten kommt Werbung per Mailing besonders gut an. Dieser Spitzenwert ist nur eines von vielen spannenden Marktforschungsergebnissen der Studie der Deutschen Post Global Mail, die beweisen, wie lukrativ es ist, internationale Märkte via Dialog Marketing zu erobern.

Das Reaktionsverhalten auf Mailings ist in Japan auffällig positiv. 63 Prozent haben mindestens einmal im Jahr auf Werbebriefe reagiert.

Ein anderes Beispiel ist Japan: Die Reaktionsquoten sind ausgezeichnet - vor allem wenn Inhalt und Ansprache der Mailings den richtigen Ton treffen. Im Vergleich zu den übrigen asiatischen Ländern spielt für die Japaner eine kreative oder auch edle Aufmachung von Mailings eine nicht so entscheidende Rolle. 40 Prozent von ihnen schätzen es jedoch, wenn Warenproben beiliegen und 39 Prozent freuen sich über Coupons.

Zu jedem Land gibt es in der Studie einen Zusatz "Gut zu wissen". Es ist zum Beispiel gut zu wissen, dass es in der Slowakei eine gesetzliche Regelung zum Schutz der slowakischen Sprache gibt. Daher muss Werbung grundsätzlich in Slowakisch erfolgen und sollte auf den Einsatz von Fremdwörtern verzichten.

Interessant ist auch, dass in den USA ein einziger unzulässiger werblicher Telefonanruf an Nummern aus der nationalen „Do not Call“- Liste von der Federal Trade Commission mit einem Bußgeld bis zu 11.000 US-Dollar geahndet werden kann.

Nützliche Zugabe zur Studie ist eine Checkliste zur Planung, Durchführung und Messung der Erfolgskontrolle internationaler Dialog Marketing-Kampagnen. In dem Leitfaden ist unter anderem enthalten:

  • Ziele festlegen;
  • Zielgruppe im Inland und Ausland definieren und identifizieren;
  • Budget bestimmen;
  • Timing festlegen;
  • Werbemittel/-kanäle aussuchen;
  • Angebote festlegen;
  • Ausländische Anforderungen an das Werbemittel;
  • Learnings für künftige Kampagnen.

Zur Studie

Die Deutsche Post hat rund 18.500 Konsumenten nach ihrer Einstellung zum Dialog Marketing und ihren Konsumgewohnheiten befragt. Im Rahmen einer standardisierten, computergestützten Mehrthemen-Umfrage von TNS Infratest in Zusammenarbeit mit dem Market Research Service Center (MRSC) von Deutsche Post World Net wurden mindestens 500 private Verbraucher pro Land telefonisch interviewt.

Der "Direkt Marketing Monitor International 2008" ist in Deutsch und Englisch erhältlich und kann unter http://www.deutschepost.de [273] bestellt werden.

[po; Quelle: Deutsche Post; Bild: Fotolia.com]

Lebensmittel-Discounter: Aldi, Lidl & Co. sehen Ende ihres Wachstums entgegen

Discounter in Deutschland gewinnen kaum noch Kunden hinzu – das zeigt eine Studie von Accenture und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Im vergangenen Jahr stieg der Marktanteil der Discounter nur noch um 0,7 Prozentpunkte, von 42,5 Prozent auf 43,2 Prozent. Zwischen 2000 und 2006 hatten sie sich um durchschnittlich 1,7 Prozentpunkte pro Jahr gesteigert. Weiteres zentrales Ergebnis der Studie: Je älter die Gesellschaft wird, desto höher der Anteil der Kunden, die sich wieder den klassischen Supermärkten zuwenden.

„Die Lebensmittel-Discounter stehen am Scheideweg. Discount ist heute kein Selbstläufer mehr",

sagt Gerhard Hausruckinger, Geschäftsführer im Bereich Handel & Konsumgüter bei Accenture. Mittlerweile kaufen 98 Prozent der Verbraucher mehr oder weniger regelmäßig beim Discounter, und nahezu jeder erreicht heute drei bis vier dieser Läden innerhalb von höchstens zehn Minuten.

Die demografische und gesellschaftliche Entwicklung verläuft zugunsten der klassischen Supermärkte, so die Studie: 2007 gehörten noch 31 Prozent der Verbraucher zu Gruppen der Bevölkerung, die 40 Prozent oder mehr ihrer Einkäufe beim Discounter erledigen. Dazu zählen unter anderem junge Familien. Berechnungen zufolge wird der Anteil der Discount-Stammkunden sukzessive schrumpfen, auf 28 Prozent im Jahr 2020. Umgekehrt wächst der Anteil der Supermarkt-Käufer – Rentner-Familien, alleinstehende Ältere, „Empty Nest"-Familien – von 40 Prozent im Jahr 2007 auf 45 Prozent im Jahr 2020.

„Diese scheinbar kleinen prozentualen Veränderungen sind ein Erdbeben im Lebensmittel-Einzelhandel, wo es um reine Verdrängung geht. An der Generation Silber kommt künftig kein Lebensmittelhändler vorbei",

meint Gerhard Hausruckinger. Viele Verbraucher würden wieder stärker auf Qualität und weniger auf den Preis als in den Jahren unmittelbar nach Einführung des Euro achten. Kurzfristig könne sich das ändern, zum Beispiel angesichts steigender Lebensmittelpreise und unsicherer Konjunkturaussichten.

Hebel für mehr Wachstum

Der Handelsexperte sieht mehrere Hebel für Lebensmittel-Einzelhändler, um das Wachstum anzukurbeln:

  • Verbraucher individueller anzusprechen über Internet-Angebote und mobile Endgeräte – nicht mehr nur über den einen Prospekt für alle;
  • den Bedürfnissen älterer Kunden nach Bequemlichkeit und Sicherheit entgegenzukommen;
  • Ethno-Marketing zu betreiben – gezielter mit der Zielgruppe Migranten zu sprechen;
  • entweder: Rückkehr zum Hard-Discount, also Konzentration des Angebots auf weniger Artikel und damit Verbilligung,
  • oder: Erweiterung des Sortiments um Wellness- und Öko-Produkte.

Gerhard Hausruckinger:

„Richten sich die Discounter künftig mehr auf Bequemlichkeit und Service aus, könnte am unteren Ende des Marktes Platz für einen neuen Ultra-Discounter entstehen."

Belege für Wandel des Discounter-Markts

Weitere Belege dafür, dass der Markt vor großen Veränderungen steht, gibt es zur Genüge:

  • Lag der durchschnittliche Discounter-Umsatz pro Quadratmeter Ladenfläche 2003 noch bei 3.971 Euro, waren es 2007 nur noch 3.648 Euro – ein Rückgang um 8,1 Prozent.
  • Der Umsatz mit so genannten Non-Food-Artikeln wie Elektrogeräten, Kleidung und Werkzeug geht zurück. 2005 betrug der Anteil aller Discounter an diesem Markt fünf, 2007 nur noch 4,5 Prozent.
  • Nach Berechnungen von Accenture verbuchte der Discount-Marktführer Aldi 2007 erstmals in seiner Geschichte einen Umsatzrückgang – um 1,5 Prozent auf 27 Milliarden Euro; der Marktanteil sank um 0,6 Prozentpunkte auf 18,9 Prozent.

Über die Studie

Die Studie „Discounter am Scheideweg" beruht auf repräsentativem Datenmaterial über das Verhalten von Konsumenten im Jahr 2007, das die GfK Accenture exklusiv für Analysen zur Verfügung gestellt hat.

Die vollständige Studie zum herunterladen, finden Sie hier:

"Discounter am Scheideweg - Wie kaufen Kunden künftig ein?" [274]

Quelle: Accenture

Informationsquellen: Web 2.0 Quellen dominieren Kaufentscheidung

Die Bedeutung usergenerierter Informationsquellen zeigt sich in der Consline-Studie "Der Einfluss von Online-Quellen auf Kaufentscheidungen" auch an der Nutzungshäufigkeit: Die Hälfte der befragten Konsumenten recherchiert vor größeren Anschaffungen mindestens zweimal pro Monat in Bewertungsportalen, Foren und Weblogs, um sich über die Qualität von Produkten zu informieren. Nur 5 Prozent verzichten auf diese Quellen zur Vorbereitung ihrer Kaufentscheidung.

Dennoch sind nicht alle Web 2.0 Quellen gleich bedeutend: Die mit Abstand größte Bedeutung unter den Web 2.0 Quellen haben institutionalisierte Produktbewertungsportale wie zum Beispiel Ciao, Qype oder auch die Käuferkommentare bei Amazon: 40 Prozent der befragten Konsumenten stufen die auf diesen Plattformen veröffentlichten Bewertungen und Kommentare anderer Käufer als sehr wichtig ein - nur 1,5 Prozent können auf sie verzichten. Die Attraktivität von Amazon als Handelsplattform wird somit durch die Käuferbewertungen massiv gesteigert.

Wichtig sind aber auch insbesondere themenspezifische Diskussionsforen wie beispielsweise Chip.de Heise.de, Eltern.de oder Chefkoch.de. Abgeschlagen rangieren die vielzitierten Weblogs (private Mini-Websites), die nur von knapp 10 Prozent der Konsumenten als sehr wichtig bezeichnet werden.

Interessant sind die Produktbereiche, über die sich Konsumenten in Web 2.0 Quellen informieren: Neben Produkten, die oft in Online-Shops bestellt werden, wie unter anderem Unterhaltungselektronik, informieren sich Konsumenten vorab im Internet auch über Produkte, die dann überwiegend im stationären Handel gekauft werden wie zum Beispiel Haushaltsgeräte und Autos. Auch die Produktauswahl bei Strom, Gas und Versicherungen wird stark durch Web 2.0 Informationen beeinflusst.

Die in den Web 2.0 Quellen veröffentlichten Erfahrungsberichte und Bewertungen anderer Konsumenten haben direkten Einfluss auf Kaufentscheidungen: Die Hälfte der befragten Konsumenten trifft ihre Entscheidung für ein bestimmtes Produkt häufig aufgrund von Empfehlungen in Web 2.0 Quellen. Negative Bewertungen und Kritik führen im Gegenzug regelmäßig dazu, ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Marke nicht zu kaufen: Bei über drei Viertel der Befragten ist dies zumindest gelegentlich der Fall.

Insgesamt zeigt die Untersuchung der Consline AG, dass Unternehmen von Internetnutzern veröffentliche Informationen nicht mehr ignorieren können: Das regelmäßige Monitoring von Produktbewertungsportalen, Online-Foren und Weblogs ist eine notwendige Ergänzung der traditionellen Marktforschung und liefert ungefilterte, spontan geäußerte Konsumentenmeinungen, die zudem eine hohe Multiplikationswirkung entfalten können: Manche Beiträge werden von Hunderttausenden von Nutzern gelesen. Diese Informationen können durch ein regelmäßiges Web-Monitoring dazu genutzt werden, Produktprogramme, Serviceangebote beziehungsweise den Vertrieb weiter zu verbessern. Dies betrifft sowohl stationäre Vertriebsformen als auch Online-Angebote.

Zur Studie

Das Münchener Research- und Consulting-Unternehmen Consline AG führte die Studie "Der Einfluss von Online-Quellen auf Kaufentscheidungen" unter 1.004 in Deutschland lebenden Verbrauchern durch. Aufgrund der repräsentativ zusammengesetzten Stichprobe beschränken sich die Studienergebnisse nicht nur auf die Meinungen junger Trendsetter: Etwa ein Drittel der Befragungsteilnehmer ist älter als 54 Jahre.

Die vollständige Studie kann hier [275] bezogen werden.

[po; Quelle: Consline AG; Bild: Fotolia.com]

Werbeerfolg: Unternehmen können bei der Fußball-EM kaum punkten

Einsamer Spitzenreiter in Sachen Bekanntheit mit 28 Prozent der Nennungen ist Adidas vor Coca Cola und McDonald's. Die weiteren Platzierten sind: Nike,Puma, MasterCard,Continental Reifen, Mercedes, Hyundai und Nutella. 

Aktuelle und tatsächliche Werbeschaltungen scheinen keine große Rolle zu spielen. Jutta Menninger, Markenexpertin und Partnerin bei PwC zu den Gründen:

"Kontinuierliche Maßnahmen zahlen sich für Marken spürbar aus. Selbst bei intensiv beworbenen Großveranstaltungen können sie ihre führende Position behaupten. Wir erwarten, dass sich diese Wahrnehmung auch bis zum Ende der EM nicht verändern wird."

Podolski: Der neue Werbestar?

Lukas Podolski, Matchwinner dieser Begegnung, schoss sich mit seinen beiden Toren in die Herzen der Deutschen. Für 18 Prozent der Deutschen ist "Poldi" der beliebteste deutsche Kicker. Damit nimmt er Platz zwei ein. In der Gruppe der 14- bis 29-jährigen ist er sogar beliebter als sein Kapitän. Insgesamt hält Podolski aber einen gebührenden Abstand zu Michael Ballack, dessen grösste Fans in Berlin und Sachsen zu finden sind. Mit 35 Prozent der Nennungen überstrahlt sein Image die Beliebtheit aller deutschen aktiven und ehemaligen Nationalspieler. Dritter ist Philipp Lahm mit vier Prozent. Die ehemaligen Aktiven Franz Beckenbauer und Uwe Seeler landen auf der Beliebtheitstabelle der Deutschen immerhin noch unter den besten Zehn und damit vor vielen aktiven Nationalspielern.

Auf die Frage, für welche Produkte die Spieler am besten Werbung machen könnten, wurden am häufigsten Sportprodukte genannt. Bei einzelnen Stars unterscheiden die Deutschen jedoch sehr fein: Den zurückgetretenen Oliver Kahn bringen die Deutschen zum Beispiel am häufigsten mit Milchprodukten und Bier in Verbindung, Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger mit Kosmetik und Pflegeprodukten. Phillip Lahms Einsatz gegen Autobahn-Raser bescherten ihm als Werbeträger für soziale Werte Bestnoten, Lukas Podolski hingegen würde als Werbeträger für Autos gern gesehen. Gute Nachricht für unsere Nationalspieler: Nur zehn Prozent der Befragten sehen sie generell nicht als glaubwürdige Werbe-Ikonen.

Zur Umfrage

Die Umfrage wurde an den ersten beiden Tagen nach Deutschlands Auftaktsieg gegen Polen erhoben. Im Auftrag von TNS Emnid vom Prüfungs- und Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) wurde die Umfrage unter 1.000 Befragten durchgeführt.

[po; Quelle: PricewaterhouseCoopers; Bild: Fotolia.com]

 

Gefunden: Das „Finder-Net“ für Neukunden

Google und Google AdWords

Der Unterschied ist einfach: Google AdWords zeigt bezahlte Textanzeigen, so genannte „sponsored links“, die über oder neben den normalen, unbezahlten Google-Suchergebnissen platziert werden. Sie zahlen nur einen vorher vereinbarten Preis pro Klick. Also wenn jemand auf Ihre Textanzeige klickt und so auf die gewünschte Seite Ihres Unternehmensauftrittes gelangt.

Da kleine und mittlere Unternehmen es kaum schaffen, unter den ersten unbezahlten Suchbegriffen im Bildschirmbereich zu landen, empfiehlt sich AdWords für regionale, nationale oder internationale Eintragungen. Alles weitere hierzu ist Schritt für Schritt erklärt unter www.google.de/adwords [276] .

Ihre Internetseiten sollten Sie dennoch von Profis für Suchmaschinen optimieren lassen. Damit Sie beispielsweise als Gerüstbauer aus Dortmund bei der Eingabe von „Gerüstbau Dortmund“ oder „Gerüste Ruhrgebiet“ auch bei nicht bezahlten Suchbegriffen stehen. Vorsicht ist bei Blendern geboten, die Ihnen versprechen, Sie bei den wichtigsten Suchbegriffen auf die ersten Plätze zu bringen. Schauen Sie mal nach, wo diejenigen selbst bei Suchmaschinen-Marketing oder –Optimierung stehen. Außerdem: Lassen Sie sich Referenzseiten nennen, die Sie dann mit entsprechenden Schlagworten bei Google suchen. Und vereinbaren Sie erfolgsabhängige Honorare (zum Beispiel Platz 1-3 x Euro, Platz 4-6 y Euro und so weiter).

Affiliate Marketing...

… auch Partner-Marketing genannt, ist die erfolgsabhängige Schaltung von Textanzeigen oder Bannern auf Partner-Seiten. Website-Betreiber schalten Ihre Werbung und Sie zahlen nur, wenn sich ein Interessent bei Ihnen gemeldet hat oder wenn ein Kauf zustande gekommen ist. Einen ausführlichen Artikel dazu finden Sie hier Artikel über Affiliate-Marketing [277] .

Knüpfen Sie Netzwerke in Portalen

Zeigen Sie Präsenz in Portalen wie mittelstandscoach.de und Xing. Stellen Sie Ihr Unternehmensporträt oder/und Ihr persönliches Profil ein. Zeigen Sie, was Sie bieten und verlinken immer und überall auf Ihre Homepage. Beteiligen Sie sich an Foren, wie dem Ratgeberforum auf mittelstandscoach.de und profilieren sich dabei mit Ihrer Kernkompetenz.

Oder stellen Sie dort Fragen, die Sie selbst für Ihren Unternehmenserfolg beantwortet haben möchten. So hinterlassen Sie Spuren, die potenzielle Auftraggeber finden können. Sei es eher zufällig, oder weil in den jeweiligen Portal-Suchmaschinen nach Angeboten und Dienstleistungen gesucht wurde, die Sie dort auch so eingetragen haben.

Banner-Kampagnen selbst gestalten und regional schalten

United Internet Media, der Betreiber von web.de, gmx und 1&1, bietet günstig Banner und Textanzeigen auf seinen stark frequentierten Portalen an. Der Clou ist, dass man die Banner ohne Vorkenntnisse selbst gestalten kann. Textanzeigen für ungefähr 50 Cent pro Klick können genauso regional geschaltet werden wie Banner, die bei 89 Euro für 5.800 Einblendungen starten. Alle Infos hierzu finden Sie auf www.telemedia.united-internet-media.de [278]

Lassen Sie andere im Netz für sich werben

Anbieter wie ormigo.com haben auch einen neuen interessanten Weg gefunden. Sie tragen dort in ein Formular ein, zu welchen Dienstleistungen Sie neue Kunden gewinnen wollen. Ormigo bewirbt dies dann gebündelt auf stark frequentierten Internetportalen. Sie müssen nur festlegen, wie viel Ihnen eine Kundenanfrage wert ist und in welchem Aktionsradius Sie tätig sein wollen. Mehr dazu auf www.ormigo.com [279] .

Vorsicht bei kostenpflichtigen Online-Branchenbüchern!

Hunderte dieser Anbieter mit oft vorsintflutlichem Design buhlen um die Gunst der Unternehmer. Tragen Sie sich nur dort ein, wo der Auftritt und Ihr Eintrag optisch hochwertig erscheinen. Und möglichst kostenlos oder für geringes Entgelt. Denn hier wird einfach zu wenig Nutzwert für Ihr gutes Geld geboten. Und es resultieren hieraus viel zu wenige Besuche, Anfragen und Aufträge.

Testen können Sie katalogähnliche Angebote wie auf allesklar.de, web.de und yahoo.de. Bei Branchenbüchern können wir höchstens gelbeseiten.de, meinestadt.de und goyellow.de zum Test empfehlen. Lassen Sie sich von Ihrem Website-Programmierer auswerten, wie viele Besucher von den jeweiligen Einträgen zu Ihnen kommen, damit Sie unnötige Kosten vermeiden.

Diesen Artikel veröffentlichen wir mit der freundlichen Unterstützung von www.mittelstandscoach.de [280]

[Bild: Fotolia.com]

Milchpreiserhöhung: Es rechnet sich für Aldi, die Kosten nur teilweise weiterzugeben

Heute kündigt Aldi Süd in ganzseitigen Anzeigen an, den Milchpreis nur um 7 Cent zu erhöhen, obwohl der Einkaufspreis um 10 Cent steigt. Wird Aldi damit zum Wohltäter, der die Kostenerhöhung teilweise schluckt? Jedenfalls stellt sich das für den Verbraucher so dar. Er braucht nur 7 Cent mehr zu zahlen, obwohl der Bauer 10 Cent mehr pro Liter erhält.

Doch Aldi verhält sich ökonomisch rational. Das jedenfalls sagen die Preisexperten der internationalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners in Bonn. Was Professor Hermann Simon, Chairman des Beratungsunternehmens, erklärt, ist wirklich überraschend.

„Es ist keineswegs optimal, Kostenerhöhungen voll an den Kunden weiter zu geben. Der Gewinn wird vielmehr maximiert, wenn man etwa die Hälfte der Kostensteigerung weiterreicht. Und genau das tut Aldi. Das Verhalten ist also kein ökonomisches Rätsel, sondern sehr intelligent.“

Aldi teilt also die Kostensteigerung mit dem Verbraucher und fährt damit besser, als wenn es die vollen Kosten weitergäbe. Und sogar der Verbraucher ist besser dran. Laut Simon ist das Marktwirtschaft. Die Kommunikation von Aldi hält er für außerordentlich geschickt.

„Die verkaufen eine Preiserhöhung als Vorteil, und in gewisser Weise haben sie ja auch Recht, denn 10 Cent Preiserhöhung wären für den Verbraucher schlechter als 7 Cent. Einfach genial!“

[po; Quelle: SIMON - KUCHER & PARTNERS; Bild: Fotolia.com]

Auszeichnung: Deutschlands kundenorientierteste Dienstleister

Der Wettbewerb macht Unvergleichliches vergleichbar, prüft das Servicemanagement von Dienstleistern unterschiedlicher Größen, Zielgruppenausrichtung und Branchen. Darüber hinaus wird eine Kundenzufriedenheitsbefragung durchgeführt. Am Ende erhalten die 50 Besten das begehrte Logo.

Top 20 des Wettbewerbs „Deutschlands kundenorientierteste Dienstleister 2008“

  1. Quelle
  2. Conrad Hinrich Donner Bank
  3. Deutscher Ring Krankenversicherungsverein
  4. Bausparkasse Schwäbisch Hall
  5. Strato
  6. SBK
  7. Carglass
  8. Techniker Krankenkasse
  9. Gmünder ErsatzKasse GEK
  10. ALK-SCHERAX Arzneimittel
  11. BARMER Ersatzkasse
  12. Lufthansa AirPlus
  13. Direct Line Versicherung
  14. AOK Schleswig-Holstein
  15. Barmenia Versicherungen
  16. Plansecur Finanzdienstleistungs GmbH
  17. Staples
  18. Amadeus FiRe
  19. Deutsche Internet Apotheke
  20. EUROPCAR Autovermietung

Sieger in der Gesamtwertung und damit Deutschlands kundenorientiertester Dienstleister 2008 ist die Quelle GmbH. Den zweiten Platz eroberte die Hamburger Privatbank Conrad Hinrich Donner, Dritter wurde der Deutsche Ring Krankenversicherungsverein. Diese Dienstleister können durch gelebte Kundenorientierung des Managements überzeugen und werden auch aus Kundensicht mit Bestnoten bewertet. Sonderpreise für die Sieger in den einzelnen Untersuchungsdimensionen - in Anlehnung an das 7-K-Modell aus der Customer Value Forschung der Universität St. Gallen - sowie für die jeweils Besten einer Branche wurden verliehen. Erstmals wurde auch ein Fairness-Preis ausgelobt. 99 Prozent der Kunden fühlen sich vom Finanzprodukt-Vermittler Plansecur aus Kassel stets fair behandelt. Im B2B-Bereich erhielt diesen Sonderpreis der Personaldienstleister Arbeit und Mehr aus Hamburg. Das breite Programm der Preisverleihung rund um die Themen Kundenorientierung und Servicequalität wurde von den Entscheidern der teilnehmenden Unternehmen begeistert aufgenommen.

Die Gewinner des ersten Platzes Quelle vertreten von Dr. Wolfgang Kerscher, Leiter Direktmarketing, Christian Holtmann, Vorsitzender der Geschäftsführung, Henning Koopmann, Geschäftsführer, Gerd Koslowski, Leiter Unternehmenskommunikation

In den festlichen Räumen der Hamburger Handelskammer war im Rahmen der Bekanntgabe und Prämierung der besten Dienstleister viel Gelegenheit, sich mit anderen Teilnehmern über Branchengrenzen hinaus intensiv über Servicequalität, Kundenorientierung und zukünftige Servicetrends auszutauschen. Mit großem Interesse wurden die Best-Practice-Workshops der Vorjahressieger QVC Teleshopping und AVIS Autovermietung aufgenommen. Sie lieferten Diskussionsstoff und Grundlage für die fachkundig moderierten Diskussionen in den anschließenden Learning Circles. Bereits im dritten Jahr in Folge konnten sich die Dienstleister Deutschlands in sportlichem Wettkampf hinsichtlich ihrer Kundenorientierung miteinander messen.

Die Datenmenge für Serviceanalysen ist beeindruckend: Mittlerweile haben über 300 Unternehmen teilgenommen und sind über 20.000 Kunden befragt worden. Die Bewertung der Unternehmen erfolgt stets über die wahrgenommene Servicequalität der Kunden sowie über die tatsächlichen Managementaktivitäten. Die 20 Besten werden dann in einer .Play-Off-Runde. einem persönlichen Audit vor Ort unterzogen. Der ganzheitlichen Beurteilung der Kundenorientierung liegt das wissenschaftliche 7-K-Modell der Universit ät St. Gallen zugrunde sowie die Kompetenz und empirische Erfahrung der ServiceRating GmbH.

Auch im nächsten Jahr wird Deutschlands Dienstleistern wieder die Gelegenheit gegeben, ihre Dienstleistungsqualität auf den Prüfstand zu stellen. Jeder Teilnehmer profitiert nicht nur von der professionellen Beurteilung, Berichtlegung und dem Vergleich mit den Besten. Die Ausgezeichneten erhalten mit dem Logo "Deutschlands kundenorientierteste Dienstleister" zudem ein begehrtes Marketinginstrument, um ihre Kundenorientierung nach außen sichtbar zu kommunizieren.

Der Startschuss für die nächste Runde, "Deutschlands kundenorientierteste Dienstleister 2009", ist gefallen und bietet Frühbuchern attraktive Vorteile! Unter www.bestedienstleister.de [281] können Sie weitere Informationen zum Wettbewerb und zur Anmeldung finden. Der Wettbewerb wird ausgerichtet vom Handelsblatt, dem IVW der Universität St. Gallen, der ServiceRating GmbH und Steria Mummert Consulting.

[po; Quelle: ServiceRating GmbH; Bilder: bestedienstleister.de und Fotolia.com]

Freiberufler: Nischen-Marketing statt Massen-Marketing

Wie werden Sie heute von Ihrer Wunschzielgruppe wahrgenommen? Wie kommen Ihre Mandanten oder Kunden auf Sie? Außer durch Empfehlungen, die heute meist nicht mehr für einen befriedigenden Auslastungsgrad ausreichen. Was machen Sie wirklich gerne? Worin sind Sie richtig gut? Und wie viele Mitbewerber gibt es schon in den Bereichen, die Sie gut und gerne machen?

Schreiben Sie alles in einer persönlichen Situationsanalyse auf. Überlegen Sie, welches spezielle Feld Sie beackern könnten, in dem nicht schon viele Mitbewerber graben. Sieht man sich zum Beispiel an, wie viele Fachanwälte für Arbeitsrecht in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen sind und wie wenige Anwälte im Medienrecht mit zukunftsträchtigen Internetthemen oder als Fachanwalt für IT-Recht ihre Schwerpunkte setzen, verwundert das schon.

Oder wie könnte es sich auf das Auftragsvolumen eines Steuerberaters auswirken, wenn sich in einer Region herumspräche, dass er nicht nur mit besonderer Kompetenz, sondern auch mit großem Erfolg für eine ganz bestimmte Zielgruppe agiert. Weil spezialisiert! beispielsweise auf Einzelhandel, größere Handwerksbetriebe oder Freiberufler.

Recherchieren Sie im Rahmen Ihrer Ist-Analyse intensiv. Was macht der Wettbewerb? Was will die Zielgruppe in Zukunft? In welchen Segmenten Ihres „Gesamtmarktes“ sind Sie Experte? Oder wollen es werden. Versuchen Sie dabei, Angebot und Nachfrage mit Wissen und Interessen in Einklang zu bringen. Versuchen Sie nicht, es allen recht zu machen und hinterher doch wieder das Rundum-Sorglos-Paket anzubieten. Das macht fast jeder. Damit können Sie sich nicht differenzieren und profilieren.

Experten-Status erlangen

Auf dem Gebiet, auf dem Sie den Ruf eines ausgewiesenen Spezialisten erlangen möchten, müssen Sie mehr „Gas“ geben als bisher. Lesen Sie die aktuelle Literatur und schreiben Sie sich interessante Details mit Quellenangabe heraus. Oder kopieren Sie Seiten oder markieren sie mit Haftnotizen.

Recherchieren Sie in allen denkbaren Suchwortkombinationen im Internet. Steigen Sie dabei auch tief in die Folgeseiten ein. Drucken Sie alles aus, das Ihnen für künftige Fachartikel oder Vorträge wichtig erscheint.

Bauen Sie damit ein gut geordnetes Ideen-Archiv auf! Mit diversen Rubriken in einer schnellen Hängeregistratur-Ablage. Und nicht zuletzt: Beteiligen Sie sich zu Ihrem Spezialgebiet an Internet-Foren und sammeln auch dort Impulse. Und Pluspunkte bei potenziellen Auftraggebern.

Entwerfen Sie Artikel und Vorträge

Der beste Weg, im Bewusstsein Ihrer Wunsch-Zielgruppe verankert zu werden, sind Publikationen. Es muss nicht gleich ein Buch sein. Obwohl dies natürlich einen besonderen Eindruck hinterlässt. Doch auch Artikel in Fachzeitschriften, in der regionalen Presse oder in Internet-Portalen zeugen von Ihrem Know-how.

Wichtig dabei ist, dass Sie sich mit einem freien Journalisten oder PR-Berater kurzschließen. Denn diese haben es gelernt, sich beim Schreiben in eine Zielgruppe zu versetzen und den Nutzen für diese verständlich zu kommunizieren. Ohne unnötiges Fach-Chinesisch oder Bandwurmsätze.

Schreiben Sie den Rohtext und lassen den Feinschliff von einem Fachmann erledigen. Nur dann haben Sie die Chance, dass Ihre mühsam zusammengetragenen Beiträge nicht nach wenigen Zeilen abgebrochen werden.

Und wenn Ihr PR-Fachmann Ihnen nicht sagt, dass der Hauptnutzen schon in der Überschrift formuliert werden muss, dann suchen Sie sich jemand anderen. Denn ob Zeitung oder Internet – das heutige Mediennutzungsverhalten ist durch Reizüberflutung und extrem flüchtiges Lesen gekennzeichnet. Deshalb muss die Headline die Frage beantworten, weshalb sich der Leser in diesen Artikel vertiefen soll.

Kontakte knüpfen – Veröffentlichungen realisieren

Überlegen Sie, welche Medien Ihre Zielgruppe nutzt, analysieren Sie diese und nehmen dann Kontakt zu den verantwortlichen Redakteuren auf. Schlagen Sie Ihnen zum Beispiel als Anwalt einen Artikel oder Serie vor. Immer mit hohem Nutzwert für die Leserschaft des Mediums. Dann ist es auch für die Redakteure interessant.

Bei einer Serie könnten auch Anwälte mit anderen Schwerpunkten zu Wort kommen. In einigen Zeitungen gibt es auch Sonderseiten mit Rechts-Tipps von Anwälten, die auf der gleichen Seite Anzeigen schalten. Ähnlich bei Steuerberatern. Wägen Sie ab, ob Sie mit einer kleinen, aber aufmerksamkeitsstarken Anzeige das Recht „erkaufen“, sich als Experte auch redaktionell darzustellen.

Knüpfen Sie auch Kontakte zu Vereinen, Verbänden und Institutionen, die für Sie interessant sein könnten. Dies kann von Bürgervereinen über die IHK bis hin zu Service-Clubs wie Rotary und Lions gehen. Vorträge zu den Themen Erbrecht oder Unternehmens-Nachfolge sind dort ebenso gern gesehen, wie bei den Firmenkunden von Banken und Sparkassen.

Bauen Sie sich auch im Internet ein Kontakt-Netzwerk auf. Hinterlegen Sie Ihr Porträt mit Ihren Stärken in Ratgeber-Portalen für Unternehmer und Freiberufler wie mittelstandscoach.de oder in Portalen für Sozial-, Business- und Karriere-Kontakte wie Xing.

Auch hier ist es wichtig, genau wie bei Anwalts- und Steuerberater-Suchdiensten, an möglichst vielen Stellen gefunden zu werden. Denn in den unendlichen Weiten des World Wide Web wissen Sie nie genau, wo gerade ein potenzieller Auftraggeber genau nach Ihren Beratungsschwerpunkten sucht. Google Adwords ist dabei Pflicht. Sorgen Sie selbst dafür, dass Sie bei Eingabe Ihres Spezialgebietes gefunden werden! (Mehr dazu: So schalten Sie Anzeigen auf Google [282] .)

Artikel schreiben - Vorträge halten

Wenn Sie erste Artikel veröffentlicht haben, schreiben Sie weitere. Bleiben Sie im Gespräch. Nutzen Sie neue Gesetze, Steuerrichtlinien, wirtschaftspolitische Gegebenheiten und so weiter, um Themen neu zu beleuchten. Und verwerten Sie Ihre Artikel immer mehrfach (zum Beispiel Tageszeitung, Anzeigenzeitung, diverse Internetportale).

Für Vorträge gilt: Lassen Sie von einem Grafiker oder einem PowerPoint-Profi Masterfolien erstellen, zu Ihrem Corporate Design passend (Ihr individuelles Erscheinungsbild, dazu gleich mehr). Denn nichts ist schlechter für Ihren Expertenruf, als eine semiprofessionelle Präsentation.

Design dient der Differenzierung

Wenn Sie Ihre neue Positionierungsstrategie gefunden haben, sollten Sie Zeit und Geld auf ein exzellentes visuelles Erscheinungsbild verwenden. Corporate Design ist im Wettbewerb ein extrem wichtiger Differenzierungsfaktor. Denn bei welchem Freiberufler fassen Sie eher Vertrauen, wenn mehrere Anzeigen auf einer Sonderseite nebeneinander stehen. Bei dem mit selbst geschnitztem Logo in Kartoffeldruck-Qualität oder bei einem Signet mit hohem Wiedererkennungswert und in ausgesucht schöner Typographie?

Wichtig ist ein durchdachtes und durchgängiges Erscheinungsbild für alles, das von Ihnen nach „draußen“ dringt: Newsletter, Mandantenbrief, Imagebroschüre, Schreibblock, Telefonbucheintrag, Tür- und Etagenschilder und vieles mehr. Alles muss aus einem Design-Guss sein.

Ganz besonders gilt dies für Ihren Internet-Auftritt. Lassen Sie diesen von freien Grafik-Designern oder Werbeagenturen gestalten und nicht von reinen Programmierern. Homepage und Folgeseiten sind die am schnellsten zu erreichenden Informationen über Sie und weit mehr als die viel zitierte „Visitenkarte im Internet“. Hier entscheidet künftig eine Art nonverbaler Erstberatung darüber, ob es zu einem realen Gespräch kommt.

Auf Ihrer Homepage können Sie in wenigen Sekunden Ihre Zielgruppe begeistern – oder für immer verlieren. Arbeiten Sie Ihre Stärken schon auf der Homepage exakt heraus! Zeigen Sie Ihr Profil! Gestalten Sie einen Markenauftritt, damit Sie zur Markenpersönlichkeit werden!

Und nehmen Sie eine Rubrik „Veröffentlichungen“ auf – mit allen Artikeln, die online oder gedruckt von Ihnen erschienen sind. Das untermauert Ihren Experten-Status ganz erheblich. „Spezialist“ und „Experte“ sind übrigens als Bezeichnung durch ein Presseorgan laut Bayerischem Anwaltverband zulässig. Lassen Sie sich also ruhig, im Vorspann der Veröffentlichungen, bei Bildunterschriften oder an sonstigen geeigneten Stellen so nennen.

Hier einige fiktive Beispiele für Positionierungsansätze, die gemeinsam mit Profi-Fotos und Profi-Texten in Top-Gestaltung auf eine Homepage gehören:

  • Hans Handelsmann
    Unternehmerberater für Einzelhändler in 1A-Lagen
  • Alter & Schwede
    Anwalts- und Steuerkanzlei
    Alles für Unternehmer. Alles aus einer Hand.
  • Michael Maier
    Steuer- und Unternehmensberatung für das Handwerk
  • Max & Moritz
    Marketing-Strategien für Großbäckereien
  • Fachkanzlei Kramer
    Alles, was Arbeitsrecht ist.
  • Lutz Lehmann
    Der Handwerker-Coach.
    Für mehr Plus unterm Strich.
  • Kurz & Lang
    Rechtsanwälte & Notare
    Wir geben Unternehmern Recht.

Wie gesagt: Alles nur fiktive Beispiele um zu zeigen, wie man eine in Nischen angesiedelte Positionierung herausarbeiten kann. Und was soll hinter Ihrem Namen stehen?

Diesen Artikel veröffentlichen wir mit der freundlichen Unterstützung von www.mittelstandscoach.de [283]

[Bild: Fotolia.com]

Einzelhandel: Vietnam ist attraktivstes Investitionsziel

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse des Global Retail Development Index (GRDI) 2008 der Top-Managementberatung A.T. Kearney, der jährlich die Attraktivität von 30 Wachstumsmärkten für Handelsunternehmen untersucht. Den Sprung von seinem vierten Platz im letzt jährigen GRDI auf den ersten Rang im Jahr 2008 verdankt Vietnam vor allem

  • dem starken Wachstum seines Bruttoinlandsproduktes (BIP),
  • den verbesserten politischen Rahmenbedingungen sowie
  • der zunehmenden Nachfrage der Verbraucher nach modernen Handelsformaten.

Dr. Peter Pfeiffer, Vice President bei A.T. Kearney und Leiter des Bereichs Konsumgüterindustrie und Handel verdeutlicht:

„Trotz der sich abschwächenden Konjunktur in den Industrienationen sind die Chancen für den Einzelhandel in den Wachstumsmärkten insgesamt verlockender denn je, da in diesen Ländern der relevante Einzelhandelsmarkt deutlich weniger organisiert ist. Diese Märkte sind der Motor für anhaltendes Wachstum und Gewinne für die globalen Einzelhändler, die mit einbrechenden Umsätzen in ihren Heimatmärkten konfrontiert sind.“

Auch wenn Vietnams Einzelhandelsmarkt mit einem Umsatz von rund 20 Milliarden US-Dollar nicht an das Volumen von Indien oder China herankommt, ist das Land vor allem aufgrund des geringen Wettbewerbs und eines BIP-Wachstums von 8 Prozent ein attraktives Investitionsziel für internationale Handelsunternehmen. Mit 79 Millionen Einwohnern unter 65 Jahren zählen die vietnamesischen Verbraucher zu den jüngsten in Asien, die Ausgaben für Konsumgüter stiegen zwischen 2000 und 2007 um mehr als 75 Prozent.

Darüber hinaus verstärken sich die Urbanisierung und Bevölkerungskonzentration in großen Städten weiter. So zieht es beispielsweise jährlich rund eine Million Menschen in die beiden größten Metropolen Ho-Chi-Minh und Hanoi. Vietnam hat insbesondere auch durch seinen WTO-Beitritt im vergangenen Jahr und dem damit verbundenen Abbau von Handelsbarrieren für internationale Handelsunternehmen an Attraktivität gewonnen.

Die Regierung Vietnams plant zudem, die Kontrollen für ausländische Einzelhandelsunternehmen zu 100 Prozent abzubauen und wird bis 2010 ein neues Regierungsprogramm zur Entwicklung von Groß- und Einzelhandelsimmobilien aufsetzen. Erste Erfahrungen mit neuen, modernen Einzelhandelsformaten konnten in den benachbarten Ländern wie Thailand, den Philippinen und Malaysia gesammelt werden. Dr. Mirko Warschun, Vice President bei A.T. Kearney und verantwortlich für den Handelssektor in Mittel- und Zentraleuropa kommentiert:

„Das rasante Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens und die verbesserten wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in Vietnam erleichtern den Markteintritt neuer Wettbewerber. Für Handelsunternehmen ist jetzt der optimale Zeitpunkt gekommen, sich in Vietnam zu engagieren, da derzeit die führenden fünf organisierten Einzelhändler des Landes einschließlich der Metro Group, Saigon Co-op und Casino einen Marktanteil von weniger als 3 Prozent aufweisen.“

Mittlerer Osten und Nordafrika gewinnen an Bedeutung

Der Mittlere Osten und Nordafrika sind mit sieben Ländern unter den Top 20 des diesjährigen GRDI vertreten und zählen damit zu den begehrtesten Zielregionen des Einzelhandels. Insbesondere ein starker, investitionsfördernder Euro, eine größere Bekanntheit moderner Einzelhandelsformate unter den Verbrauchern und Wohlstand durch den Öldollar stärken die Attraktivität dieser Region für internationale Handelsunternehmen. A.T. Kearney erwartet bis zum Jahr 2020 einen Kapitalzufluss von mehr als 9 Billionen US-Dollar in diese Region. Infrastrukturinvestitionen werden das Verbraucher- und Einzelhandelswachstum im nächsten Jahrzehnt weiter ankurbeln.

Unter den Golfstaaten führt Saudi-Arabien mit einer stabilen Wachstumsrate von 9 Prozent und einer geringen Einzelhandelskonsolidierung die Liste der attraktivsten globalen Ziele an. Weniger als 7 Prozent des Marktes werden von den fünf führenden Einzelhändlern gehalten.

Nordafrika ist im diesjährigen Ranking mit Marokko, Algerien und Tunesien vertreten. Für diese Länder wird ein Wachstum von über 6 Prozent prognostiziert. Nicht zuletzt profitieren sie vom Tourismus, ihren Handelsbeziehungen zu Europa und den Phasen politischer und wirtschaftlicher Stabilität. Warschun sagt dazu:

„Der Mittlere Osten und Nordafrika sind insbesondere aufgrund der geografischen Nähe zu Europa ein bevorzugtes Expansionsziel für europäische Einzelhändler. So plant beispielsweise die Metro Group nach Marokko auch den Markteintritt in Ägypten. Zum Tragen kommt außerdem, dass in dieser Region bereits viele der europäischen Marken sehr gut etabliert sind. Allerdings erschwert die Gesetzgebung in manchen Ländern den Markteintritt und führt zu einer niedrigen Markendiversifizierung und begrenzten Auswahlmöglichkeiten für die Verbraucher.“

Erstarken Lateinamerikas

Die Aussichten für eine Expansion des Einzelhandels in Lateinamerika, allen voran Brasilien, sind vielversprechend, auch wenn sich die politische und wirtschaftliche Situation noch nicht wieder stabilisiert hat. Das Wachstum des BIP und Einzelhandelsumsatzes nimmt weiter zu, höhere Rohstoffpreise sichern die Einkaufsmacht der Region. Mit Chile, Brasilien, Mexiko, Peru und Kolumbien rangieren fünf lateinamerikanische Länder unter den Top 20 des diesjährigen GRDI gegenüber einem Land im Jahr 2005.

Neue Strategien für Indien, Russland und China notwendig

Indien, Russland und China, die drei Top-Länder des letzt jährigen GRDI, fielen auf die Plätze zwei, drei und vier zurück. Gleichwohl bleiben diese Länder wichtige Investitionsziele für Handelsunternehmen. So ist das Potenzial im indischen Einzelhandelsmarkt mit 510 Milliarden US-Dollar höher als je zuvor und auch die Ausgaben der Verbraucher und die Bereitschaft, moderne Einzelhandelsformate anzunehmen, wachsen schneller als es die meisten globalen Einzelhändler erwartet hatten. Dennoch sind neue ausländische Marktteilnehmer mit Herausforderungen wie zum Beispiel explodierenden Immobilienpreisen, unklaren politischen Verhältnissen und mit einem verschärften Wettbewerb durch lokale Einzelhandelskonzerne konfrontiert, die möglicherweise ihr Wachstum schwächen könnten.

Die chinesische Provinz entwickelt sich zum nächsten heiß umkämpften Terrain für den Einzelhandel, auch wenn China im diesjährigen GRDI um einen Platz auf Rang vier gesunken ist. China ist nach wie vor eine der Volkswirtschaften mit dem stärksten Wachstum weltweit. Obgleich das Pro-Kopf-Einkommen Chinas nicht zuletzt durch die hohe Bevölkerungszahl relativ niedrig ist, haben sich die Verbraucherausgaben seit Mitte der 1990er Jahre mehr als verdoppelt. Vor allem in den Großstädten im Süden und Osten des Landes unterliegen sie einem anhaltend starken Wachstum.

Während Moskau und St. Petersburg die beliebtesten Investitionsziele in Russland bleiben, verschiebt sich der Fokus zunehmend auch auf mittelgroße Städte und boomende Industrieregionen. Eine Sättigung des Marktes, steigender Konsum sowie steigende verfügbare Einkommen haben dazu geführt, dass sich führende Handelsunternehmen in den Industrieregionen Ural, West-Sibirien und der Wolga-Region niederlassen. Warschun sagt:

„Indien, Russland und China bleiben als Investitionsziel für Handelsunternehmen weiterhin interessant, auch wenn ihre Attraktivität durch hohe Immobilienkosten in den Metropolen und verschärften Wettbewerb im Vergleich zu den Vorjahren nachgelassen hat. Einzelhandelsunternehmen sind daher gezwungen, weniger in den Metropolen, sondern auch in mittelgroßen und kleineren Städten nach Investitionsmöglichkeiten zu suchen.“

Märkte in Ost- und Mitteleuropa teilweise gesättigt

Auch wenn Ost- und Mitteleuropa weiterhin für Einzelhandelsinvestitionen attraktiv bleiben, wird sich hier das Potenzial für große Supermärkte und Convenience Stores in den nächsten ein bis zwei Jahren verringern. Mit der Etablierung von mehrstöckigen Fashion-Malls und Einkaufszentren in der Region können sich vor allem Do-it-Yourself- und Unterhaltungselektronikmärkte sowie Textileinzelhändler Chancen für einen Markteintritt in Osteuropa ausrechnen. Neun der zwölf osteuropäischen Länder des letzt jährigen GRDI ist es gelungen, in diesem Jahr ihren Platz unter den Top 30 Ländern zu behaupten. Warschun stellt abschließend fest:

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass sich Märkte von der Entstehung bis zur Reife über einen Zeitraum von rund zehn Jahren in vier Stufen entwickeln. Mithilfe der Erkenntnisse aus dem GRDI können Einzelhändler diese Märkte sorgfältig bewerten, um ihre individuellen Fokusbereiche zu ermitteln.“

Hinweis

Die komplette Studie finden Sie hier:

The A.T. Kearney 2008 Global Retail Development Index [284]

[po; Quelle: A.T. Kearney; Bild: Fotolia.com]

Newsletter: Wie die elektronische Nachricht erfolgreich beim Kunden ankommt

Wem darf ich einen E-Mail-Newsletter schicken?

Einen Newsletter dürfen Sie nur an Empfänger versenden, die ausdrücklich eingewilligt haben. Ausnahmen sind bestehende Kundenbeziehungen, da hier ein Interesse an Ihren Informationen und Angeboten vorausgesetzt werden kann. Bei Noch-Nicht-Kunden sollte die zweifache Einwilligung (Fachausdruck Double-opt-in) vorliegen, damit nicht Dritte Newsletter an beliebige E-Mail-Adressen anfordern können.

Wenn ein Interessent sich meldet…

…ist dies seine erste Einwilligung, einen Newsletter zu erhalten. Danach senden Sie ihm eine Mail mit einem Link, auf den er zur Bestätigung klickt. Das ist dann die zweite Bestätigung. Diese sollte eine automatische Mail auslösen, dass er nunmehr für den Newsletter angemeldet ist. Alles sehr sympathisch formuliert, versteht sich. Doch leider sind die meisten dieser Texte extrem kühl und nüchtern.

Wie komme ich an E-Mails von potenziellen Kunden?

Bieten Sie auf Ihrer Homepage gut sichtbar einen Newsletter an. Machen Sie es schnell und einfach – es sollten nur E-Mail, Anrede und Name einzugeben sein. Und lassen Sie Ihren Newsletter von Kunden an deren befreundete Unternehmen empfehlen. Dazu die Funktion „Diesen Newsletter weiterempfehlen“ einbauen.

Setzen Sie Textbausteine mit Vorteilen Ihres Newsletters unter alle E-Mails Ihres Hauses (mit Link zur Registrierung). Oder als „PS“ unter normalen Schriftverkehr. Z.B: „Kennen Sie schon die monatlichen Rabatt-Angebote exklusiv für unsere Newsletter-Empfänger? Alle Vorteile auf einen Klick unter www…“

Bieten Sie eine Vorschau auf Ihren Newsletter an

Mit einem besonders schön und interessant gestalteten Newsletter machen Sie dem Interessenten Appetit auf mehr. Bringen Sie hier deutlich den Nutzen für den Empfänger zum Ausdruck. Geben Sie sich bei Gestaltung und Inhalt dieser Vorschau besonders viel Mühe.

Muss ein Newsletter immer Newsletter heißen?

Das Wort „Newsletter“ ist durch seinen inflationären Gebrauch und die Vielzahl der versendeten Exemplare bei vielen Entscheidern heute oft negativ besetzt. Überlegen Sie deshalb, wie Sie schon im Namen einen Nutzen transportieren können. Je nach Zielgruppe zum Beispiel Erfolgs-Tipps (oder bei einer Zielgruppe, die auf Anglizismen steht „Success-Letter“, Handwerks-Tipps oder Meyers-Monats-Tipps.

Darunter kann als Erklärung immer noch stehen: „Melden Sie sich jetzt kostenlos für den monatlichen Newsletter aus dem Hause Meyer an. Und profitieren Sie von vielen Praxis-Tipps und Sonderangeboten!“

Zielgruppengerechte Konzeption

Versetzen Sie sich in Ihre Kunden! Und in Ihre Interessenten! Können Sie beide Zielgruppen mit einem Newsletter erreichen? Oder sind zwei maßgeschneiderte sinnvoller? Welche Themen sind interessant? Neben Saison- und Preisaktionen könnte man wichtige Ansprechpartner mit Bild und Kontaktdaten kommunizieren. Welche Tipps/welchen Nutzen können Sie über Ihre Leistungspalette hinaus vermitteln? Vielleicht Erfolgsgeschichten Ihrer Kunden? Oder Erfahrungen mit Ihren Produkten oder Dienstleistungen? Bilden Sie eine kleine Projektgruppe und sammeln Ideen, die für mindestens vier Newsletter reichen.

Anrede und Absender

Die Anrede sollte aus der Datenbank so generiert werden, dass der Vorname entfällt. Also nicht „Guten Tag lieber Herr Michael Meyer“. Das wird leider oft falsch gemacht. Und hört sich nicht gut an.

Der Absender sollte deutlich zu erkennen sein. Sonst werden viele Mails gar nicht geöffnet. Oder mit Spam verwechselt. Denkbar sind Newsletter@Ihre-Firma.de oder noch besser Geschäftsführung@Ihre-Firma.de oder m.mustermann@Ihre-Firma.de.

Die Betreff-Zeile ist alles entscheidend

Wie bei der Headline einer Anzeige oder der Betreffzeile eines Werbebriefes entscheidet sich auch hier in Sekundenbruchteilen, ob weiter gelesen wird. Testen Sie an Teilmengen durch entsprechende Lesebestätigungen, wie viele Ihrer Newsletter ungelesen gelöscht werden. Dann verändern Sie den Text und testen erneut mit anderen Test-Adressen.

Bringen Sie direkt einen Vorteil für den Empfänger in den Betreff. Es muss eine Antwort auf die unausgesprochene Frage jedes Empfängers sein „Welchen Nutzen habe ich davon, diese Mail zu lesen?“. Bieten Sie beispielsweise prozentuale Nachlässe auf bestimmte Artikel nur für Top-Kunden. Oder ein neues Produkt mit dem Vorteil X und dem Zusatznutzen Y. Oder einen Gutschein zum Ausdrucken mit X Prozent Nachlass.

Technik, die nicht immer begeistert

Testen Sie Ihren Newsletter vor Versand auch mit einigen Test-Adressen von befreundeten Unternehmen und Bekannten. So finden Sie heraus, ob Sie in Spam-Filtern hängen bleiben. Damit dies nicht passiert, sollten Sie auf gängige Reizworte (Gewinn, super, Wahnsinn, Sex, heiß etc.) genauso verzichten, wie auf Betreff-Zeilen, die nur aus Großbuchstaben bestehen oder mehr als ein Ausrufzeichen beziehungsweise andere Sonderzeichen (auch €!) haben.

Und ziehen Sie einen EDV-Fachmann hinzu, damit Sie einen einfachen HTML-Code verwenden, der überall problemlos ankommt. Fotos und Tabellen sollten sehr sparsam eingesetzt werden. Besser ist eine Verlinkung aus dem Newsletter auf Ihre Homepage.

Aufbau und Gestaltung

Schreiben Sie eine kurze, sympathische Einleitung mit direktem Bezug auf den Beitrag mit dem größten Nutzen. Dann bringen Sie drei bis fünf kurze Textbeiträge. Jeweils mit Headlines, die neugierig machen, oder einen Vorteil verdeutlichen. Am Ende jedes Textes steht ein Link, der direkt zu der jeweiligen Seite in Ihrem Internet-Auftritt führen sollte. Also direkt zu einer Produktbestellung oder zu einer weiterführenden Beschreibung. Danach sollten höchstens noch einige Themen mit aussagefähigen Headlines und einem Link, aber ohne weitere Textpassagen folgen. Solche Buchstabenwüsten schrecken ab.

Auf keinen Fall sollten Sie nur auf die Homepage verlinken und den Kunden dann das Thema suchen lassen. Außerdem wichtig: Kurze klare Sätze, kurze Absätze mit maximal vier bis fünf Zeilen und dunkle Schrift, möglichst auf weißem Grund (für gute Lesbarkeit maximal helle Hintergrundfarben). Und keine Grafiken und Bilder, da diese in vielen Unternehmen von der Firewall geblockt werden, was den Newsletter nicht gerade schöner macht.

Was ist rechtlich noch wichtig?

Sie müssen am Ende Ihres Newsletters ein Impressum haben. Am kundenfreundlichsten ist es mit allen Kontaktmöglichkeiten, also Adresse mit Telefon und Fax, sowie Mail- und Internet-Adresse, die auch richtig anklickbar sind. Außerdem muss ein Abmelde-Hinweis vorhanden sein. Also sinngemäß: „Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr erhalten wollen, klicken Sie bitte auf folgenden Abmelde-Link: (Link)“. Komfortabel ist es, wenn das System die E-Mail-Adresse sofort erkennt und eine automatische E-Mail zurück sendet, die eine Bestätigung der Abmeldung enthält.

Am richtigen Tag versenden

Nie montags! Da quillt das E-Mail-Konto vom Wochenende über. Die „Lösch-Schwelle“ ist dann sehr niedrig. Außerdem sind am Montagmorgen oft Besprechungen, die viel Zeit beanspruchen. Und nie freitags. Da will man nur noch schnell ins Wochenende und löscht auch „lockerer“ als sonst.

An den anderen Tagen sollten Sie auch die Zeit testen: Wann ist die Klickrate am besten? Wann der Rücklauf? Und wann die Bestellquote? Analysieren Sie für die erste Aussendung zum Beispiel, zu welcher Zeit Ihre Internetseite die meisten Besucher hat. Und versenden Sie dann Ihren Newsletter kurz vor diesem Zeitpunkt.

Diesen Artikel veröffentlichen wir mit der freundlichen Unterstützung von www.mittelstandscoach.de [285]

[Bild: Fotolia.com]

Digitales Marketing: Massive Kluft zwischen Theorie und Praxis

Weniger als jeder vierte Marketer beurteilt aktuell sein Unternehmen für die digitale Medienwelt als gut gerüstet. Rund 60 Prozent geben sogar offen zu, keine ausreichende Erfahrung mit digitalen Medien zu haben. Über 90 Prozent der Marketer planen daher, ihre Ausgaben für digitale Medien zu erhöhen. Dies sind zentrale Erkenntnisse einer US-Studie der globalen Strategieberatung Booz Allen Hamilton. Über 250 internationale Marketingverantwortliche wurden dazu befragt. Die Ergebnisse liefern auch für europäische Marketer entscheidende Handlungsweisungen, um angesichts der digitalen Revolution erfolgreich zu sein. Gegor Harter, Marketing- und Vertriebsexperte und Geschäftsführer bei Booz Allen Hamilton meint:

"Kunden nutzen digitale Medien heute virtuos. In Communities bewerten sie Produkte und Firmen. Das Machtverhältnis zwischen Marketing und Konsumenten verlagert sich so klar zugunsten der Verbraucher.“

In der Praxis ziehen Marketer daraus jedoch noch nicht die nötigen Konsequenzen. Sie müssen Bedürfnisse und Verhaltensmuster von Kunden durch direkten Dialog erfassen und in harte, belastbare Daten umwandeln. Ziel sei ein Marketing, das seinen Medienmix dem Verhalten der Verbraucher in Echtzeit anpasst, so Harter.

Mediennutzung als Schlüssel für Zielgruppen

Orientierte sich Marketing früher an demografischen oder psychologischen Merkmalen, liefern künftig Nutzungsprofile von Medien die entscheidenden Informationen. 90 Prozent der Befragten halten es für grundlegend zu wissen, wie ihre Kunden Online-Medien nutzen. Herausragende Bedeutung kommt dabei dem Verständnis von Online-Communities zu: Zwei Drittel aller Marketer unterstreichen deren hohen Stellenwert. Noch stärker heben Marketingverantwortliche, die bereits intensiv digitale Medien einsetzen, den Wert sozialer Netzwerke im Internet hervor: 90 Prozent von ihnen integrieren diese Plattformen in ihre Strategie. So spricht etwa die E-Plus-Tochter Simyo ihre Kunden vorwiegend über digitale Kanäle an. So schaffte sie es in nur drei Jahren, den Mobilfunkmarkt mit Discountangeboten umzukrempeln und sich als Vorreiter und Marktführer im Segment der Mobilfunkdiscounter zu etablieren. Dieser Erfolg basiert maßgeblich auf dem Einsatz digitaler Plattformen - vom gezielten Einsatz von Bloggern als Produkttester bis hin zu viralen Kampagnen im Internet.

Mediaplanung läuft Kreativleistung den Rang ab

Angesichts digitaler Kundendialoge in Echtzeit gewinnt Mediaplanung einen neuen Wert. So meint jeder zweite Befragte: Schon in fünf Jahren funktioniert der Mediaeinkauf ähnlich wie der Aktienhandel an der Börse. "Der Medienmix sollte alle 36 Stunden angepasst werden", fordert gar ein Studienteilnehmer. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, hat jeder Fünfte in den letzten Jahren massiv in den Aufbau von Spezialistenteams investiert; größtenteils durch gezieltes externes Recruiting.

Eine zentrale Hürde: fehlende Kennzahlen. 62 Prozent der Befragten sagen: Eine Evaluierung von Nutzen und Wirkung digitaler Medien ist derzeit nur unzureichend möglich. Knapp über die Hälfte klagt, für die Erarbeitung und den Einsatz solcher Messgrößen keine ausreichende Unterstützung im Unternehmen oder auf Agenturseite zu haben.

Die Wertschöpfungskette ordnet sich neu

Digitales Marketing stellt die klassische Arbeitsteilung zwischen Marketingverantwortlichen, Medien, Media- und Kreativagenturen zur Disposition. Auf die Frage, welche Partner künftig eine wichtige Rolle spielen, nennen Marketer doppelt so häufig Medien und Mediaagenturen (je 52 Prozent) wie klassische Werbeagenturen (26 Prozent). Gleichzeitig erodiert das Geschäftsmodell der Mediaagenturen durch die Digitalisierung.

Anstatt 15 Prozent des Mediavolumens als Fee an Dienstleister zu bezahlen, buchen immer mehr Werbetreibende ihre Onlinewerbung einfach und zielgruppengenau bei Online-Vermarktern wie Doubleclick, United Internet Media oder direkt bei Google und Yahoo. Ehemals erfolgsverwöhnte Agenturen für Mediaplanung oder -einkauf gehen damit leer aus. Entsprechend konkurrieren alle Player darum, zusätzliche Kompetenzen aufzubauen. So geben 78 Prozent an, ihr Unternehmen müsse künftig besser verstehen, was Werbekunden messen wollen. Harter dazu:

"Die Fähigkeit, genau jene Daten und Services zu liefern, die es dem Marketer ermöglichen, seinen Mediamix punktgenau auf das Konsumentenverhalten auszurichten, entscheidet, wer künftig die Wertschöpfungskette beherrscht."

Die Studie identifiziert auch Merkmale einer neuen "Elite" im Marketing: Rund ein Drittel dieser "Digital Leader" verfügt bereits heute über Prozesse, die Erkenntnisse über Konsumentenverhalten in die Produktentwicklung integrieren. Bei der Erhebung und Vernetzung kundenbezogener Daten setzen 45 Prozent der "Digital Leader" die Methode der vorausschauenden Prozessmodellierung ein (internationaler Schnitt 22 Prozent). Dieses Verfahren erlaubt es, Änderungen im Kundenverhalten in Form von Szenarien durchzuspielen und Auswirkungen auf den Mediamix zu betrachten - ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

[po; Quelle: Director Marketing & Communications Europe; Bild: Fotolia.com]

Wettbewerb: Deutschlands Kundenchampions 2008

Neben diesen drei Firmen zählen die Fachklinik Heiligenfeld (861 Punkte), die Obi Bau- und Heimwerkermärkte (860 Punkte), die E+S Rückversicherung (836 Punkte), Webasto (830 Punkte), TNT Express (818 Punkte) und der Maschinen- und Anlagenbauer Festool (816 Punkte) zu den zehn führenden Unternehmen. Roman Becker, forum!-Geschäftsführer erklärt dazu:

"Bei den Top Ten fällt auf, dass Kundenorientierung nicht auf Marketing und Vertrieb beschränkt ist. Vielmehr entwickeln die Unternehmen ihr gesamtes Geschäftskonzept von der Kundenseite her."

Der von der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ), der forum! Marktforschung GmbH und dem Wirtschaftsmagazin 'impulse' gemeinsam initiierte Wettbewerb hat sich zum Ziel gesetzt, ein Benchmarking für die Qualität von Customer Relationship Management (CRM) zu etablieren und vorbildliches Kundenbeziehungsmanagement in Deutschland auszuzeichnen. Dafür werden von jedem teilnehmenden Unternehmen jeweils 100 Kunden ausführlich befragt und eine detaillierte Selbsteinschätzung der Qualität des Kundenbeziehungsmanagements erwartet. Hinzu kommt eine eingehende Prüfung der sich danach ergebenden zehn führenden Firmen durch DGQ-Experten. Mit 38 der 50 besten Unternehmen erzielte die große Mehrheit mindestens zwei Drittel der maximal 1.000 möglichen Punkte. Kein Unternehmen hatte weniger als die Hälfte der erreichbaren Punktzahl.

"Deutschlands Kundenchampion 2008" unter den Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern und gleichzeitig Sieger des Gesamtrankings ist QVC Deutschland mit 949 Punkten. Benedikt Sommerhoff, DGQ-Seniorberater, bewertet die Leistung des überraschenden Siegers so:

"365 Tage, 24 Stunden live auf Sendung wie bei QVC, einen direkteren Draht zu den Kunden gibt es nicht."

Neben einer sorgfältigen Produktauswahl und ständigen Prüfung von Gütesiegeln gewährleistet eines der modernsten Distributionssysteme den hohen Qualitätsstandard des QVC-Kundenmanagements. Auf Rang zwei des Gesamtrankings und "Kundenchampion" in der Kategorie von 50 bis 499 Mitarbeitern steht die Domino e.V. Gesundheits- und soziale Dienste mit 906 Punkten. Für die Geschäftsführerin Dr. Petra Thees liegt das Erfolgsgeheimnis unter anderem in einem andersartigen Betreuungskonzept mit zahlreichen begleitenden Therapieformen, um die Eigenständigkeit der rund 1.200 betreuten Patienten zu erhöhen bzw. zu bewahren. Damit hat sich das vor 26 Jahren aus der Nachbarschaftshilfe heraus gegründete Unternehmen zu einem der innovativsten deutschen Anbieter im Pflegebereich entwickelt.

Das Unternehmen mit den besten Kundenbeziehungen in der Betriebsgröße unter 50 Mitarbeiter ist mit 823 Punkten der regionale Filialist Optiker Schlemmer unter der Leitung von Frank Schlemmer. Damit liegt das Unternehmen im Gesamtranking auf Platz acht. Das Familienunternehmen in dritter Generation befragt beispielsweise die Kunden der neun Filialen regelmäßig zur Qualität des Kundenservices, um so bei Kritik schnell Abhilfe schaffen zu können. Das beste Geschäftskunden-Konzept und gleichzeitig Drittplatzierter im Gesamtranking mit 864 Punkten ist der Anbieter von elektrotechnischen Produkten Jäger Direkt GmbH & Co. KG aus dem Odenwald. Alle 50 Teilnehmer hätten bewiesen, was heute Unternehmen leisten müssen, wenn sie den Begriff Kundenorientierung wirklich ernst meinen, fasst Gerd Kühlhorn, der stellvertretende 'impulse'-Chefredakteur zusammen. Und das Geschäftsführende Vorstandsmitglied der DGQ, Dr. Wolfgang M. Kaerkes, ergänzt:

"Das Bild von der Servicewüste Deutschland hat sich über viele Jahre fest ins kollektive Gedächtnis der Nation gebrannt. Mit unseren 'Kundenchampions' können alle sehen, die Wüste lebt."

Die Preisträger 2008

1. Platz: QVC Deutschland Inc. & Co. KG [286]

2. Platz: domino e.V. Gesundheits- und soziale Dienste [287]

3. Platz: Jäger Direkt GmbH & Co. KG [288]
 

„Bestes großes Unternehmen“

QVC Deutschland Inc. & Co. KG

„Bestes mittleres Unternehmen“

domino e.v. Gesundheits- und soziale Dienste

„Bestes kleines Unternehmen“

Optik Schlemmer e.K [289]

„Bestes B2B-Unternehmen“

Jäger Direkt GmbH & Co. KG

„Bestes B2C-Unternehmen“

QVC Deutschland Inc. & Co. KG

Der Wettbewerb:

Alle Informationen zum Wettbewerb finden Sie hier:

http://www.deutschlands-kundenchampions.de/ [290]

[po; Quelle: impulse; Bild: Fotolia.com]

Agenturscoring: Sparen beim Marketingbudget - aber richtig

Leider wird in den meisten Fällen mit der Gießkanne in allen Bereichen eine einheitliche prozentuale Kürzung der einzelnen Budgetteile vorgenommen.  Dabei liegen die Nachteile bei dieser Vorgehensweise auf der Hand: Die dem Etat zu Grunde liegenden Marketingziele können damit nicht mehr erreicht werden, Ausgaben für die Markenführung werden ineffizient. Ist es denn daher nicht sinnvoller, die bestehenden Maßnahmen beziehungsweise deren Dienstleistungen auf Effizienz zu überprüfen? Ein wesentlicher Beitrag hierzu leistet beispielsweise ein Scoring des Services eines Lieferanten.

Gerade historisch gewachsene Beziehungen zu externen Dienstleistern unterliegen keinem echten Kosten- oder Qualitätscontrolling, da eine langjährige Zusammenarbeit nur selten hinsichtlich der Qualität der erbrachten Leistung oder auch dem Preis-Leistungs-Verhältnis hinterfragt wird. Dabei ließen sich oftmals große Teile des Marketingbudgets ohne Qualitätsverlust einsparen. Allerdings setzen derartige Budgetoptimierungen fundierte Marken- und Marketingkenntnisse voraus. Die Liste von Dienstleistern reicht von vielerlei Kommunikationsagenturen (Klassik, Dialog, Online, Presse und so weiter) bis hin zu Datenerfassungsunternehmen. Ziel einer Optimierung des Marketingbudgets muss es deshalb sein: Erhöhung der Dienstleistungsqualität bei gleichzeitig sinkenden Kosten. 

Kundenindividuelles Bewertungsmodell zur Steigerung der Marketingeffizienz

Grundlage für das Bewertungsmodell bildet ein Agentur-Scoringmodell. Dabei sind folgende acht Schritte anzugehen:

  • Anpassung an das vorhandene Bewertungsmodell durch kundenindividuelle Erfordernisse.
  • Identifikation und Bewertung von Einsparungshebeln im gesamten Prozess des Dienstleistungsmanagements.
  • Bewertung der Agenturen oder Dienstleister bei der Zusammenarbeit mit den internen Agenturverantwortlichen und beteiligten Schnittstellen.
  • Identifikation überteuerter beziehungsweise qualitativ schwachen Lieferanten.
  • Anonymisierung der angebotenen Leistungen beziehungsweise deren Neuausschreibung.
  • Bewertung der im Rahmen der Ausschreibung eingegangen Angebote.
  • Planung und Umsetzung von Angebot-Pitches.
  • Unterstützung bei der Auswahl im Rahmen des Contracting der neuen Agenturen, Dienstleistern.

Realisierung eines Einsparpotenzials

Im ersten Schritt werden Workshops und Einzelgespräche mit allen Mitarbeitern der Fachabteilungen durchgeführt. Diese dienen dazu, die Mitarbeiter für ein höheres Qualitätsempfinden zu sensibilisieren. Auf dieser Basis erfolgt im nächsten Schritt die Anpassung des bewährten Agentur-Scoringmodells an die individuellen Bedürfnisse des beteiligten Unternehmens. Dabei werden die externen Dienstleister in einem umfassenden Agenturprofil erfasst. Dieser Agentursteckbrief umfasst alle relevanten Informationen über den Dienstleister, wie beispielsweise das Leistungsportfolio, Preisklassifikationen oder nachweisbare Branchenkompetenzen.

Je nach Größe der Unternehmensbereiche werden die Agenturen durch die Projektmanager anhand des Scoringmodells im Rahmen von individuellen Einzelgesprächen oder durch ein automatisiertes Online-Erfassungstool bewertet. Die Ergebnisse fließen in ein Agentursteckbrief ein, der alle relevanten Informationen über den Dienstleister enthält.

Die Erkenntnisse werden durch agenturerfahrene Berater an einer eigenen Benchmark-Datenbank abgeglichen. Diese enthält Informationen zu mehr als 2.000 Agenturen, zu marktüblichen, aber differenzierten Agenturpreisen und Produktionskosten sowie bewährte Musterverträge für Neuagenturen und einem eigenen Preis- und Qualitätsindex.

Im Anschluss daran wird mit dem Auftraggeber überlegt, welche Leistungen in eine Neuausschreibung gehen. Hierzu werden die bestehenden Dienstleistungsverträge analysiert, die angebotene Leistung standardisiert und neue potenzielle Dienstleister identifiziert. Letztendlich werden die realen Einsparungseffekte bei gleicher oder gesteigerter Qualität monetär hinterlegt.

Steigerung der Marketingeffizienz und reduzierte Kosten

Eine nachhaltige Steigerung der Marketingeffizienz wird bei den durchzuführenden Agentur-Scorings zum einen durch eine Qualitätssteigerung der extern bezogenen Leistungen und zum anderen durch deutliche Kostenreduktion für einige Kommunikationsmaßnahmen sowie Hebelwirkungen in der Produktion erreicht.

Ohne Nachverhandlungen mit den Agenturen, die bestehen bleiben sollen, lassen sich ohne weiteres 10 bis 15 Prozent des Kommunikationsbudgets einsparen. Zusätzlich wird eine Reduktion der Betreuungskomplexität durch Stärkung der Markenkompetenz von Agenturen erreicht.

Standardisierung im Einkaufsprozess durch Bündelung von Agenturleistungen, Aufsetzen von Rahmenverträgen, Prozessvorgabe zur Agenturbewertung und gegebenenfalls Etablierung von Lead-Agenturen sind zusätzliche Effizienzgewinne für die Organisation. Die darüber hinaus gewonnene Transparenz in der Agenturlandschaft führt zu einer Sensibilisierung der eigenen Mitarbeiter hinsichtlich Bedeutung der Markenführung, der Qualität von Agenturen aber auch der damit verbundenen Kosten.

Beschilderung: Die Vorteile von Digital Signage: flexibel, relevant und modern

Dies belegt die Studie "Digital Signage. Die globale Studie". Sie erfasst nicht nur statistische Daten, sondern beleuchtet das Themenfeld Digital Signage auch qualitativ - basierend auf Befragungen von Marktteilnehmern, Experten und Vordenkern aus Industrie, Handel, Wissenschaft und den Dienstleistungsbranchen. Thematisiert werden die relevanten Marktteilnehmer mit ihren Geschäftskonzepten sowie die Chancen und Barriere des Marktes. Der Fokus liegt sowohl auf den aktuellen Entwicklungen von Digital Signage als auch auf zukünftigen Potentialen. Die Ergebnisse beschreiben die Märkte in Nordamerika, Europa und Asien, gehen aber auch auf weitere Regionen ein.

Stichwort

Mit dem Begriff Digital Signage, digitale Beschilderung, werden alle Formen digitaler Werbe- und Informationssysteme zusammengefasst wie elektronische Plakate, elektronische Verkehrsschilder, Informations-Terminals in Geschäften, digitale Türbeschilderung oder Großbildprojektionen.

Die entscheidenden Vorteile von Digital Signage sehen die Befragten im schnellen Anpassen von Inhalten, der gezielten Ansprache von Zielgruppen und der ortsabhängigen Aussteuerung von Botschaften. Für Händler spielt zusätzlich auch das Argument "Modernität" eine entscheidende Rolle. Kostenersparnisse werden jedoch kaum als Nutzen gesehen - im Gegenteil: Digital Signage gilt sowohl bei Händlern als auch bei Agenturen noch immer als teuer.

Die Kommunikationsstrategie verpasst den Anschluss: Konzepte für Digital Signage fehlen noch

Als Barriere für den Einsatz von Digital Signage gelten fehlende Kommunikations- und Inhaltskonzepte. Dieser Aspekt wird nur durch Finanzierungsprobleme übertroffen: 57 Prozent aller Befragten glauben, dass Finanzierungsprobleme für das Scheitern relevant sind.

Marktwachstum über den POS hinaus

Bis 2010 wird ein jährliches Wachstum des Digital-Signage-Marktes um 32 Prozent erwartet. Als stark wachsende Märkte in Europa gelten dabei vor allem die osteuropäischen und südeuropäischen Märkte. Relativ verhalten wird das Marktwachstum in vielen mitteleuropäischen Märkten eingeschätzt: In Großbritannien und den Niederlanden ist der Markt bereits weit fortentwickelt. Dagegen gilt Deutschland als extrem schwierig. Auch wenn es schon heute Digital Signage in einer Vielzahl von Retail-Kontexten gibt, so wird zukünftig Bewegung vor allem in Bars und Restaurants, Convenience-Stores, Kaufhäusern, im Lebensmittelhandel und im Outdoor-Bereich erwartet.

Mehr Investitionen in Digital Signage

Mehr als 80 Prozent der weltweit befragten Agenturen und Markenartikler planen ihre Mediaspendings vor allem im Bereich Digital Signage und Online zu stärken. Dem stehen nur etwa 15 Prozent der Befragten entgegen, die above the line stärker investieren wollen. Zu berücksichtigen ist, dass Digital Signage jedoch von einer relativ marginalen Marktposition startet. Folgerichtig schätzen die Experten den bis 2010 erreichbaren Anteil von Digital Signage am Gesamtwerbemarkt auch auf nicht höher als 5 Prozent.

Zur Studie

Im Auftrag des globalen Marketing-at-Retail Verbandes POPAI hat die Gesellschaft für innovative Marktforschung (GIM) mit Unterstützung von Publicis Frankfurt im Herbst 2007 über 1.000 Marketingentscheider und Branchenexperten aus 60 Ländern befragt. Die Studie "Digital Signage. Die globale Studie" ist ab Mitte Mai in zwölf Sprachen erhältlich und kann bereits jetzt bei POPAI bestellt werden: http://www.popaiDS.org [291] . Die Ausgabe in Deutsch kostet 1.750 Euro zzgl. MwSt. Sonderpreise gibt es für POPAI-Mitglieder sowie für Wissenschaftler und Marktforscher. Weitere Sponsoren neben Publicis sind Goldbach Media, Hughes, Mood Media, NEC, TripleDoubleU und Samsung.

[po; Quelle: Publicis Consultants Deutschland; Bild: Fotolia.com]

Einzelgänger: Unternehmenskommunikation und Marketing finden noch nicht zusammen

Das ist das Ergebnis der Studie "Ganzheitliche Wirtschaftskommunikation" der Kuhn, Kammann & Kuhn AG, die anlässlich der Verleihung des diesjährigen Deutschen Preises für Wirtschaftskommunikation durchgeführt wurde.

Fast zwei Drittel der befragten Fach- und Führungskräfte sind davon überzeugt, dass die eigene Unternehmenskommunikation von den Methoden und Erfahrungen in Werbung und Marketing profitieren kann. Insbesondere Geschäftsführer sind dieser Ansicht (70 Prozent). Carsten Rossi, Sprecher des Vorstandes von der Agentur Kuhn, Kammann & Kuhn AG fordert:

"Es wird Zeit, dass die verschiedenen Kommunikationsorgane in den Unternehmen häufiger den Blick über den Nachbarzaun riskieren. Erst wenn ich weiß, woran meine Kollegen in den anderen Abteilungen arbeiten, kann effektive Wirtschaftskommunikation entstehen."

Doch der Weg zu einer ganzheitlichen Wirtschaftskommunikation ist noch lang. Fast die Hälfte der Befragten kann nicht sicher sagen, ob es im eigenen Unternehmen eine Abteilung gibt, in der alle Kommunikationsfäden zusammenlaufen. Unabhängig davon wird ein gegenseitiges Lernen der Abteilungen von den Befragten mehrheitlich begrüßt. So bezeichnen mehr als 60 Prozent das Kampagnendenken in Marketing und Werbung als vorbildhaft für die Unternehmenskommunikation. Rossi stellt fest:

"Methoden und Erfahrungen aus anderen Unternehmensbereichen für die Unternehmenskommunikation einzusetzen, dient in hohem Maße der Dialogqualität, sowohl nach Außen als auch nach Innen. So können beispielsweise neueste Erkenntnisse aus Reputationsanalysen oder Zielgruppenbefragungen in die Kommunikationsstrategie integriert werden. Unternehmen, die eine zielorientierte, wirksame und innovative Kommunikation verfolgen, sind erfolgreicher als andere. Dies wird sich bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Preis für Wirtschaftskommunikation (DPWK) erneut bestätigen. Alle Preisträger der letzten Jahre haben eine ganzheitliche Kommunikationsstruktur aufgebaut und sind dadurch überdurchschnittlich erfolgreich."

Nach Meinung von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien hat sich der DPWK inzwischen zu der renommiertesten Auszeichnung in der Kommunikations- und Medienbranche entwickelt.

Zur Studie

Für die Studie "Ganzheitliche Wirtschaftskommunikation" wurden im März 2008 von Kuhn, Kammann & Kuhn in Zusammenarbeit mit horizont.net 316 Geschäftsführer und Fachkräfte aus Marketing/Kommunikation sowie Vertrieb/Verkauf befragt.

[po; Quelle: Kammann & Kuhn AG; Bild: Fotolia.com]

Zukunftsvision: Bezahlen per Fingerabdruck?

Laut der von TNS vorgestellten Studie "New Future In Store" glauben 60 Prozent der befragten Verbraucher weltweit, dass sie bis zum Jahr 2015 mit ihrem Fingerabdruck ihre Einkäufe werden bezahlen können. Die größten Befürworter dieser Innovation für den persönlichen Einkauf finden sich in Großbritannien. 31 Prozent der Briten favorisieren diese Technologie. In Deutschland wollen lediglich elf Prozent auf den biometrischen Fingerabdruck beim Einkauf setzen. 

Ferner erwarten 73 Prozent der Verbraucher, dass sie bis 2015 in Umkleidekabinen über interaktive Touchscreens mit dem Verkaufspersonal kommunizieren können. Mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass der Stress bei der Kleideranprobe zukünftig durch 3D-Körperscan und interaktive Spiegel in den Umkleidekabinen endgültig der Vergangenheit angehören wird.

Von Land zu Land unterscheiden sich die für den Einkauf der Zukunft gesetzten Prioritäten. Während chinesische Verbraucher das Konzept eines holografischen Verkäufers im Geschäft weitaus höher als andere Länder schätzen - hier führten 59 Prozent der Befragten diese Innovation als erste Wahl an, verglichen mit durchschnittlich 23 Prozent in anderen Ländern -, sind deutsche Käufer weitaus stärker an einem Körperscan interessiert, der sie bei der Auswahl richtig sitzender Kleidung unterstützt. Franz Kilzer, Director Consumer & Retail bei TNS Infratest sagt:

"Verbraucher in Europa, Asien, Kanada und in den USA bewerteten Entwicklungen aus einer Reihe von futuristischen Produktinnovationen, die unser Einkaufsverhalten im kommenden Jahrzehnt revolutionieren und die Art und Weise wie wir einkaufen grundlegend verändern könnten. Web-Dienste der nächsten Generation, neue Technologien und der Bedarf an mehr Sicherheit und schnelleren Einkäufen wird zu einer steigenden Nachfrage führen. Derart utopische Konzepte, bei denen beispielsweise vernetzte Kühlschränke automatisch verbrauchte Lebensmittel bestellen, werden die Entwicklung weiterer neuer Produkte fördern helfen."

Weitere Ergebnisse der TNS Studie "New Future In Store":

  • Zwar gehen 73 Prozent der befragten Verbraucher davon aus, dass der interaktive Service in der Umkleidekabine bis 2015 Realität sein wird, allerdings wollen diesen Service voraussichtlich nur 23 Prozent auch nutzen.
  • US-Verbraucher sind am stärksten an "intelligenten" Einkaufswagen interessiert. 28 Prozent setzten ihn an die Spitze der 12 abgefragten Innovationen, verglichen mit nur neun Prozent in Frankreich und Deutschland.
  • Die Popularität eines 3D-Körperscan liegt bei einem Durchschnittswert von zwölf Prozent.
  • Unter den Europäern haben die Spanier das größte Interesse am Konzept eines Kühlschranks, der mit anderen Geräten vernetzt ist, um Lebensmittel zu bestellen und anliefern zu lassen (45 Prozent verglichen mit 27 Prozent in Deutschland und 25 Prozent in Großbritannien).
  • 59 Prozent der chinesischen Verbraucher führen holografische Verkäufer als die wichtigste Innovation an - während diese bei Japanern und Briten mit nur 15 Prozent auf den letzten Platz gesetzt wurde.

Zur Studie:

TNS befragte die Haupteinkäufer von insgesamt 4.500 Haushalten nach ihrer Meinung zu zwölf innovativen und futuristischen, den Einkauf der Zukunft verändernden Technologien. Die Befragung wurde im Februar online in China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada, Spanien und in den USA durchgeführt.

Die Studie "New Future In Store" von TNS kann als PDF-Datei kostenfrei heruntergeladen werden. [292]

 

[po; Quelle: TNS Infratest; Bild: Fotolia.com]

Kaufverhalten: Wenn der Käufer nicht der Nutzer ist

Ausgangspunkt der Untersuchung waren Vermutungen, dass ein nicht unerheblicher Anteil von Kunden in den Einzelhandelsgeschäften nicht für sich selbst einkauft, sondern im Auftrag einer anderen Person handelt. Die fortschreitende Alterung der Gesellschaft und ein damit einhergehender wachsender Anteil körperlich eingeschränkter Personen sowie die Zunahme von Ein- und Zwei-Personen-Haushalten, in denen vornehmlich Berufstätige leben, führen zu der Frage, wann die Menschen Einkäufe tätigen können und wollen und vor allem, ob sie es selbst tun.

In den Innenstädten dreier deutscher Großstädte (Hamburg, Berlin, München) wurden Passanten zu den Rahmenbedingungen ihrer Kaufsituation befragt. Ergänzt wurden die aus der Befragung gewonnenen Erkenntnisse durch Fokusgruppendiskussionen, die eine tiefer gehende Analyse des Kaufverhaltens erlauben. Ermittelt wurde das Kaufverhalten aus beiden Perspektiven: Der Befragte als Käufer für andere Nutzer und der Befragte als Nutzer der von anderen eingekauften Produkte. Die Ergebnisse zeigen, dass ein erheblicher Teil der Kunden nicht ausschließlich für den eigenen Bedarf einkauft. Rund 53 Prozent der Passanten übernehmen für Familie, Nachbarn, Freunde und so weiter gelegentlich Einkäufe. Der Grund ist in den meisten Fällen reiner Pragmatismus: „Der Ort der Besorgung liegt auf meinem Weg" sagten 40 Prozent aus.

Räumliche und persönliche Nähe

Familiäre Verfechtungen ersten Grades und der Umstand nachbarschaftlicher Wohnsituationen wurden als begünstigende Faktoren für die Vergabe von Kauf-Aufträgen identifiziert. So kaufen fast 75 Prozent der befragten Personen, die zumindest gelegentlich Einkäufe für andere Personen übernehmen, für Partner, Eltern oder eigene Kinder ein. Dass familiäre Verbundenheit nicht zwingend zur gegenseitigen Übernahme von Einkäufen führt, zeigt der Umstand, dass lediglich 6,3 Prozent dieser Gruppe für die Großeltern einkaufen. Die Bereitschaft, Einkäufe für den eigenen Bedarf abzugeben, ist mit gut 38 Prozent deutlich geringer als die Neigung, Einkäufe zu übernehmen. Aus den qualitativen Fokusgruppengesprächen konnte hier ergänzend ermittelt werden, welche Gründe dies hat: die Wahrung der persönlichen Unabhängigkeit und gleichzeitig die Sorge, mit dem Ergebnis der Beauftragung unzufrieden zu sein.

Aufräumen von Klischees

Hätte man im Vorfeld erwartet, dass ältere Menschen sowohl als Bekaufte als auch als Käufer in diesem Zusammenhang eine prominente Rolle einnehmen, belegen die Ergebnisse etwas anderes. Ab dem 50sten Lebensjahr nimmt der Anteil derer, die Einkäufe für andere Personen übernehmen, mit zunehmendem Alter stetig ab. Ebenso widerlegen die Daten, dass alte Menschen grundsätzlich auf die Dienste der Jüngeren zurückgreifen. Einem anderen Klischee kann jedoch durch die Erhebung Nahrung gegeben werden. So übernehmen Männer weniger häufig die Einkäufe für andere Personen als Frauen, nehmen aber häufiger die Dienste anderer Personen in Anspruch als das andere Geschlecht. Alexandra Knob, Leiterin des Competence Center Demographie am IfH, kommentiert dieses Ergebnis so:

„Diese Zahlen sind in hohem Maße dem Umstand der erhöhten Erwerbsquote von Männern geschuldet und werden sich vermutlich in Zukunft immer mehr angleichen.“

Potenzial und Gefahr

Wen muss das Marketing nun an welcher Stelle ansprechen? Die Ergebnisse dokumentieren - je nach Branche - einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an Kaufsituationen, bei denen die Kaufentscheidung bereits vor Betreten des Ladenlokales gefallen ist. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Vorgaben für den Kaufenden recht genau sind, lassen sich daraus positive Konsequenzen für die klassische Werbung, jedoch ernüchternde Konsequenzen für den Einsatz von Point of Sale-Medien ableiten. Darüber hinaus bietet die Kenntnis und quantitative Einschätzung des Umfangs der Fremdvergabe von Käufen dem Händler die Möglichkeit, die veränderten gesellschaftlichen Strukturen für die Installation neuer Geschäftsmodelle zu nutzen. Beispielsweise könnte somit der Weg für mobile Dienste - die entgegen allen Trendbeschreibungen noch nicht in dem Ausmaß angenommen werden, wie vermutet - geebnet werden. das Fazit von Knob:

„Händler und Hersteller sollten vor dem Hintergrund der Ergebnisse die Ausrichtung ihrer kommunikationspolitischen Maßnahmen überdenken.“

Zur Studie

In der empirischen Erhebung des Kölner Instituts für Handelsforschung (IfH) wurden 1004 Konsumenten dazu befragt, wem sie einen Kauf-Gefallen tun oder selbst ihre Einkäufe anvertrauen. Die Ergebnisse der Studie sind wesentlicher Bestandteil der aktuellen Ausgabe Handel im Fokus [293] , die zum Preis von 80,- Euro beim Institut für Handelsforschung zu beziehen ist.

[po; Quelle: Institut für Handelsforschung; Bild: Fotolia.com]

Best Practice: TA Triumph-Adler hat beste Marketingstrategie

Nicht nur in Sachen Beratung und Realisierung eines effizienten Document Business hat die TA Triumph-Adler AG die Nase vorn: Der Marketingbereich des Nürnberger Traditionsunternehmens gehört zu den besten zwanzig aller börsennotierten Unternehmen Deutschlands. Dies ergab eine empirische Studie des Lehrstuhls für innovatives Markenmanagement der Universität Bremen und der BBDO-Consulting GmbH, die bundesweit die marktorientiertesten Unternehmen ermittelten. Die Document Business-Spezialisten befinden sich damit in guter Gesellschaft: Ebenfalls im Ranking der Top 20 landeten so bekannte deutsche Marken wie Audi, Solarworld, Henkel, Daimler, Volkswagen oder Allianz.

Im Rahmen der Studie wurden 282 börsennotierte Unternehmen hinsichtlich ihrer Marktorientierung untersucht und ihre Ertrags- und Wachstumskraft sowie die Börsenperformance der letzten fünf Jahre bewertet. Neben der grundsätzlichen Marktorientierung der teilnehmenden Unternehmen wurden dabei auch Kriterien wie das Managementverhalten, die Markenführung, die interne Koordination von Marketingmaßnahmen und die Ausprägung der Unternehmensstrategien geprüft. Bewertet wurde dabei der gesamte Marketing-Mix, also das Zusammenspiel von Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik. Die Ergebnisse beweisen: Marktorientierung ist messbar und wirkt sich wertschaffend auf alle Unternehmensbereiche aus. Robert Feldmeier, Sprecher des Vorstands der TA Triumph-Adler AG, sagt:

Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung. Sie zeigt, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Ein Unternehmen kann nur erfolgreich sein, wenn alle an einem Strang ziehen. Deshalb betrachten wir zum Beispiel die Markenstrategie auch als Ausdruck der Unternehmensstrategie und haben sie dieser direkt zugeordnet. Beides arbeitet bei TA Triumph-Adler Hand in Hand. Wir vermeiden Abteilungsdenken und wollen, dass sich jeder für das Ganze verantwortlich fühlt und auch danach handelt."

Kundenfeedbacks werden übers Intranet kommuniziert

Um stets über die aktuellen Marktanforderungen im Bilde zu sein, setzen die Nürnberger konzernweit verschiedene Tools ein: Beispielsweise werden stichprobenartig immer wieder Kunden zu den Leistungen und umgesetzten Projekten befragt. Die Ergebnisse werden über das Intranet auch an die Mitarbeiter kommuniziert - so bekommen sie ein direktes Feedback zu ihrer Arbeit und TA Triumph-Adler gewinnt einen detaillierten Überblick über die Anforderungen des Marktes. Auf diese Weise kann das Unternehmen flexibel auf Kundenwünsche reagieren. Auch ihren Service lassen die Nürnberger regelmäßig jeden Monat von einem unabhängigen Institut untersuchen.

Der Erfolg gibt den Spezialisten für Effizienz im Document Business Recht: Vor sieben Jahren beschloss die TA Triumph-Adler AG die Rückbesinnung des Konzerns auf seine Kernkompetenz Bürokommunikation. Seitdem analysiert und berät das Unternehmen Geschäftskunden individuell und realisiert den effizienten Document-Workflow. Heute bringen es die fränkischen Experten auf konzernweit mehr als 178.000 vertraglich gebundene Druck- und Kopiersysteme bei mehr als 34.000 gewerblichen Endkunden. Damit nimmt TA Triumph-Adler mit deutlichem Abstand die Position des Marktführers in Deutschland ein. Keinem anderen Unternehmen ist es jemals zuvor in so kurzer Zeit gelungen, sich in diesem Markt gegen die starke Konkurrenz durchzusetzen.

[dw; Quelle: TA Triumph-Adler; Bild: fotolia]

Werbesprache: Grüne Versprechen haben Konjunktur

Trend Orientierung

Die heutige Konsumwelt bietet ein Maximum an Entscheidungs- und Wahlfreiheiten. Um den überforderten Kunden zu entlasten, werden Markenslogans immer kompakter und für den Konsumenten greifbarer dargestellt. In der Werbelandschaft finden sich zunehmend Slogans, die sich durch ihre appellhafte Form von anderen Slogans abheben. Sie sprechen ihr Zielpublikum ganz direkt an und motivieren es, konkrete Handlungen durchzuführen. War die Präsenz aktivierender Slogans bis zum Jahr 2004 noch rückläufig, nehmen motivierende Botschaften seither wieder deutlich zu und erreichen 2007 einen Höchstwert. 

Trend Nachhaltigkeit

Die globale Gesellschaft erkennt, dass alles mit allem zusammenhängt. Aufgrund von Berichten über Umweltverschmutzung, Klimakatastrophen, Lebensmittelskandale und der spürbaren Zunahme persönlicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen findet allmählich ein Umdenken statt. Es entsteht der Wunsch nach ethischem Konsum und Lösungen, die nicht nur individuelle Bedürfnisse befriedigen, sondern helfen, die Probleme der Welt zu lösen. So bahnt sich denn auch unaufhaltsam ein neuer Gesellschaftstrend seinen Weg in die Werbung. Das neu entdeckte "Grüne Bewusstsein" und der Wunsch der Menschen nach mehr Nachhaltigkeit drücken sich in der Werbesprache aus. Adjektive wie "bio", "grün", "bewusst", "besser", "wertvoll", "nachhaltig" oder "umweltbewusst" sind häufige Repräsentanten einer bewussteren Konsumkultur. 

In den Jahren 2000 bis 2006 spielte die Nachhaltigkeit noch keine große Rolle in der Werbesprache. Erst jetzt reagieren die Unternehmen mit konkreten Maßnahmen und stellen diese auch in ihrer werblichen Kommunikation heraus. Dementsprechend wurde im Jahr 2007 mit einem Wert von 4,6 Prozent ein rasanter Anstieg von Werbeslogans, die Nachhaltigkeit kommunizieren, verzeichnet (2004: 1,3 Prozent). 

Trend Exklusiver Genuss 

Upgrade bezeichnet heute nicht mehr nur eine rein quantitative, sondern vielmehr auch eine qualitative Verbesserung des Lebensstandards. Erstklassige, exklusive und verlässliche Güter stehen hoch im Kurs und heben ihre Eigentümer von der Masse ab. 

Nach dem Billigtrend der letzten Jahre findet nun der Wunsch nach hochwertigen Produkten auch wieder Einzug in die Werbung. Werbeslogans greifen bei der Auswahl von Wörtern auf die ganze "Exklusiv-Palette" zu. Worte wie beispielsweise "Qualität", "Erfolg", "Service", "Kompetenz", "Tradition", "Erfahrung", "mehr", "gut", "spezialisiert" und "excellence" drücken ein hochwertiges Angebot aus. Die neue Anspruchshaltung zeigt sich auch im häufig genutzten Wort "besser". Marken signalisieren hiermit auch eine selbstkritische Sicht und zeigen, dass sie danach streben, einen besseren Standard zu erreichen. Im Hinblick auf die Häufigkeit von Slogans mit diesen Qualitätsaspekten lag der Anteil 2004 noch bei einem Tiefstwert von 9,5 Prozent. 2005 und 2006 stieg dieser Wert bereits deutlich an und erreicht 2007 18,3 Prozent. 

Trend Gemeinschaft 

Identitätsmanagement schlägt heute die Brücke zwischen Individualität und Zugehörigkeit. Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit werden angesichts schwindender verbindlicher sozialer Strukturen in Familie und Staat wieder wichtiger. Ein Beispiel aus der Sozialwerbung zeigt diesen Paradigmenwechsel weg von einzelkämpferischen Individualisten hin zum sozialeingebetteten Individuum ganz deutlich. Der Slogan der Aktion Mensch "Es lebe der Unterschied" wurde 2007 neu eingeführt und erst kürzlich wieder durch den vorherigen, heute aber zeitgemäßeren Slogan "Das Wir gewinnt" (Aktion Mensch 2003) ersetzt. 

Immer häufiger wird in neu veröffentlichen Werbebotschaften das Thema "Gemeinschaft" angesprochen. Durch Worte wie "wir", "zusammen", "Team" oder "für uns" wird dem Konsumenten ein neues Wir-Gefühl vermittelt, das ihm durch Identifikation mit der Marke Sicherheit durch Zugehörigkeit bietet. Nutzten 2004 nur 1,8 Prozent der Slogan-Neueinführungen das Gemeinschaftsgefühl, stieg ihr Anteil in den letzten Jahren kontinuierlich auf 6,2 Prozent an. 

Während in der letzten Studie die wichtigsten Trends "einfach, natürlich und direkt" lauteten, stellt sich die Werbesprache in der aktuellen Analyse deutlich vielschichtiger und kreativer dar. Spielerischer Einsatz von inhaltlichen Gegensätzen und Doppeldeutigkeit steigern das Involvement der Zielgruppe, da sich ihr die Werbebotschaft nicht sofort erschließt. Der Einsatz von Sprachcodes in Form von Anglizismen oder englischsprachigen Slogans, die insgesamt zwar leicht abnehmen, jedoch nach wie vor 20 Prozent aller Slogans ausmachen, bedarf Entschlüsselungskompetenz, die vorrangig die Zugehörigkeit zu einer Gruppe unterstreichen soll. Auch der verstärkte Einzug von Sprache im SMS-Stil drückt klar die selbstgewählte Zugehörigkeit und mediale Kompetenz aus.

Zur Studie:

Für "Werbetrends 2008" wurden 5.732 neu eingeführte Werbeslogans der Jahre 2000 - 2007 aus 35 Branchen einer eingehenden soziolinguistischen Analyse und einem gesellschaftlichen Diskurs unterzogen. 

Die Studie ist zu beziehen unter www.slogans.de [294] oder
www.trendbuero.com [295]

[po; Quelle: Slogans.de; Bild: Fotolia.com]

Marken-Reserven: Lieferanten nutzen die Potenziale ihrer Marken nicht aus

Mehr als 6.000 kleine und mittelständische Produzenten der Lebensmittelbranche buhlen um die Gunst der Verbraucher beziehungsweise einen Regalplatz im Handel. Dort präsentiert sich den Konsumenten ein Sortiment von mehr als 200.000 Artikeln. In kaum einer anderen Branche ist der Verdrängungswettbewerb derart intensiv.

Angesichts dieser immensen Angebotsvielfalt verwundert es kaum, dass die Produkte immer austauschbarer werden. Für das einzelne Leistungsangebot wird es also immer schwieriger, beim Konsumenten in das sog. „relevant-set“ zu gelangen. Differenzierung wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Dies gilt in besonderem Maße für die kleineren, überwiegend mittelständisch strukturierten Lieferanten im LEH. Denn sie arbeiten - im Gegensatz zu den „Fast Moving Consumer Goods –Multis“ und Familienkonzernen - in der Regel mit erheblich geringeren personellen und finanziellen Ressourcen und oftmals ganz ohne Werbung. Gerade deshalb sollte die strategische Positionierungsarbeit hier die Kernaufgabe des Managements sein. Doch die Realität ist ernüchternd. Es ist wenig zu spüren von:

  • „big idea“,
  • innovativem Branding,
  • einer klaren Markenstrategie,
  • einem attraktiven und konsistenten Erscheinungsbild der Marke und
  • einer integrierten Verzahnung von Unternehmens- und Produktmarke

Entsprechend hoch sind die Optimierungspotenziale.

Unternehmensmarke

Häufig sind Produktmarke und Unternehmensmarke identisch - Resultat einer langen Tradition, die auf den Namen des Gründers zurückzuführen ist. Doch die wenigsten Unternehmen präsentieren sich auch als Unternehmensmarke. Denn schon an diesem Punkt beginnt die Markendifferenzierung. Was fehlt, ist ein strategisch entwickeltes Markenfundament (Vision, Mission, Werte), welches die Einzigartigkeit des Unternehmens reflektiert (Beispiele: Grafschafter Krautfabrik [296] ;  Kochs Merrettich [297] ). Zudem dient ein strukturiertes und gelebtes Unternehmensleitbild dem Image - intern wie extern.

Markendifferenzierung

In der Eigendarstellung der kleinen und mittelständigen Unternehmen (KMU) fehlt es vielfach an einer differenzierten Beschreibung der Marke. Die Chance, sich durch Emotionen oder eine bewusste Andersartigkeit zu positionieren, bleibt ungenutzt. Stattdessen begegnet man einer Begrifflichkeit, die ohnehin schon arg strapaziert ist: der Qualität. (Beispiele: Develey Senf [298] ; Popp Feinkost [299] ). Beim Markenversprechen gipfelt das bei diesen beiden Marken in demselben Claim „Qualität, die man schmeckt.“ Qualität aber ist generisch und derartige Plattitüden können sich nicht nachhaltig im Konsumenten-Bewusstsein verankern.

Branding

Komposition, Orchestrierung und Choreografie der Markenelemente sind entscheidende Erfolgsfaktoren. Es sollten alle gestalterischen Maßnahmen, die eine Differenzierung ermöglichen, genutzt werden. Insbesondere kann die Positionierungsaussage, auch Claim oder Slogan genannt, empfohlen werden. Denn hier lässt sich in wenigen Worten sagen, wofür das Unternehmen steht, welche Leistung das Produktangebot einzigartig macht beziehungsweise warum der Konsument das Produkt kaufen soll. Damit ist der Claim ein wirksames Wertschöpfungsinstrument der Markenführung. Eine Reihe von Herstellern nutzen diese Möglichkeit nicht (Beispiele: Pfanner Fruchsäfte [300] ; Omira [301] ). Auch der Einsatz von Hörzeichen (Acoustic Branding), Sujets oder Werbefiguren (Vorbilder: Meister Proper, Michelin-Mann) ist leider selten anzutreffen.

Markenerlebnis

Konsistenz und Konsequenz in der Markenführung ist in erster Linie eine Frage der Haltung. Markenverantwortliche sollten daher akribisch darüber wachen, dass das Markenerlebnis für den Kunden an möglichst allen relevanten „consumer touch points“ durchgängig ist. Ob beispielsweise auf Produktbroschüren, im Regal oder auf der Messe - die Marke muss sich dem Kunden immer mit demselben Gesicht präsentieren. In vielen Fällen gibt es noch Optimierungsbedarf (Beispiele: Paulus Tiefkühl-Spezialitäten und Feinkost [302] ; Dreyer Honig [303] ). Oft wird unterschätzt, dass Konsumenten ein feines Gespür dafür haben, wann etwas stimmig ist und wann nicht.

Internetauftritt

Die Website ist die Visitenkarte des Unternehmens. Sie spiegelt den Umgang mit der Marke wider – Grund genug, sich von der besten Seite zu zeigen und Stilbrüche zu vermeiden. Doch häufig wirken Websites „wie selbstgestrickt“ und zwischen dem Anspruch und der handwerklichen Umsetzung gibt es erhebliche Diskrepanzen (Beispiele: Fürsten-Reform/Biophar Honig [304] ; Seitenbacher Müsli [305] ). Von der Qualität des Logos und der Texte, der grafischen Gestaltung und der Menüführung bis hin zu den Bildwelten - auch der Internetauftritt sollte sich an einer verbindlich festgelegten und sorgfältig gepflegten Brand Identity ausrichten.

Markensystem

Weil Markenaufbau und -kommunikation in der Regel zeit- und budgetintensiv sind, agieren viele kleinere Hersteller mit nur einer Marke. Diese Monomarkenstrategie hat sich vielfach bewährt. Jedoch ist nicht immer klar erkennbar, welche Rolle eine Angebotsmarke innerhalb des Markensystems übernimmt beziehungsweise wie sie sich im Gesamtsortiment abgrenzt (Beispiel: Dölling Hareico [306] ). Im Einzelfall kann es sinnvoller sein, kleinere Angebotsmarken aufzugeben und der Masterbrand unterzuordnen (Beispiel: Vicelli Kuchenriegel [307] ). Denn das stärkt die Dachmarke und erhöht die Synergieeffekte.

Fazit

Die Möglichkeiten einer professionellen Markenführung sind sehr vielfältig. Gerade die Markenverantwortlichen im Segment der KMU sollten sich deshalb stärker bewusst machen, dass Sie mittels strategisch fundierter Positionierung, ganzheitlichem Branding und konsequenter Markenpflege insbesondere auch die Markensympathie und Markenloyalität steigern können. Bei Bedarf sollte der Rat externer Markenexperten hinzugezogen werden. Dass sich die Mühe lohnt, zeigt sich nicht nur bei vorbildlich geführten Marken, die regelmäßig ausgezeichnet werden, sondern lässt sich auch am monetären Markenwert ablesen. Auch hier gibt es häufig Nachholbedarf, weil der finanzielle Markenwert nicht ermittelt wurde. Dabei kann sich die monetäre Bewertung einer Marke in dreifacher Hinsicht lohnen:

  • im Hinblick auf einen Markentransfer,
  • im Vorfeld eines Unternehmensverkaufes und
  • als Instrument zur Unternehmensfinanzierung.

Denn in Zukunft ist damit zu rechnen, dass auch organisch gewachsene Marken in der Bilanz aktiviert werden dürfen.

Kundenbindung: Richtige Kommunikation mit der Zielgruppe 50plus

Über folgende Aussage besteht kein Dissens: Die „Best Agers“ sind eine Zielgruppe, die für die Wirtschaft immer wichtiger wird. Das lässt sich an zahlreichen Symptomen der letzten Jahre ablesen: Die überregionale Presse und Wirtschaftszeitungen haben mehrfach Artikelserien zur „Wirtschaftsmacht der Generation 50plus“ veröffentlicht. Marktforschungsunternehmen wie die GfK veranstalten Tagungen mit dem Titel „Generation Silber“. Und auf dem Buchmarkt erscheinen Titel wie „Die Altersrevolution“ und  „Seniorenmarketing“. Vereinigungen wie „Das Reifenetzwerk“, „Die Alten Hasen“ und die „Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO)“ vertreten die Interessen der Älteren und beraten die Unternehmen über einen optimalen Umgang mit dieser Klientel.

In einem Gutachten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend charakterisiert Roland Berger die Funktion der Älteren Generation als „Wirtschaftsmotor“. Der Anteil der über 50-Jährigen lag 2005 schon bei über 37 Prozent. Bis 2035 wird er auf knapp 50 Prozent steigen. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) verfügen die über 60-Jährigen schon heute über eine Kaufkraft von 320 Milliarden Euro. Der Anteil an ihren Konsumausgaben von heute 32 Prozent wird bis zum Jahr 2050 auf bis zu 42 Prozent wachsen. Sie werden damit zur wichtigsten Konsumentengruppe. Hier geht es um nicht mehr und nicht weniger als um den Markt der Zukunft.

Ältere Kunden wollen gezielt angesprochen werden

Angesicht dieser Fakten verwundert es, dass sich bisher wenige Unternehmen auf den demografischen Wandel eingestellt haben. 23 Prozent der Firmen wissen noch nicht, wie sie Produkte und Dienstleistungen für die Zielgruppe 50plus anbieten wollen. 81 Prozent der in einer IFAK-Studie von 1999 Befragten gaben zu Protokoll, dass sie sich noch nicht intensiv mit dieser Zielgruppe beschäftigt hätten. So werden denn auch nur drei bis fünf Prozent der deutschen Medienausgaben für die Zielgruppe 50plus aufgewendet. Offensichtlich wirkt noch nach, dass sich in den 80er Jahren Radioanstalten, Vermarkter, Agenturen und Werbekunden auf die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen festgelegt haben.

Zu dieser Diagnose gehört, dass sich - nach einer Erhebung der Bauer Media Akademie - viele Ältere von den Werbebotschaften der Firmen nicht richtig angesprochen fühlen. Präzisere Daten liefert eine repräsentative Untersuchung der GfK im Auftrag des Teleshopping-Senders QVC zum Textverständnis der über 60-Jährigen. Danach können nur 6,5 Prozent mit Hilfe einer Betriebsanleitung ein neues elektronisches Gerät in Betrieb nehmen. Knapp die Hälfte der Befragten kommt mit  Bedienungsanleitungen überhaupt nicht zurecht und muss technikversierte Bekannte um Hilfe bitten.

Die Auswirkungen für die Firmen sind bedenklich: Über ein Drittel der Befragten hat mindestens einmal ein Unterhaltungselektronikgerät nicht gekauft, weil sie Angst hatten, damit nicht umgehen zu können. 13,9 Prozent haben sogar deswegen mehrfach vom Kauf eines neuen Produkts Abstand genommen. Deshalb wohl die Diagnose der Unternehmensberatung Roland Berger in einem Gutachten für die Bundesregierung:

„Nur wenn es den Unternehmen in Deutschland gelingt, die Kaufkraft der Senioren durch neue Produkt- und Leistungsangebote und eine zielgruppengerechte Kundenansprache auf sich zu ziehen, können die entstehenden Nachfragepotenziale erschlossen werden“.

Und Andreas Reidl prophezeit in seinem Buch „Seniorenmarketing“:

„Das Konsumverhalten der Generation 50plus entscheidet über die Zukunft vieler Unternehmen.“

Wie lassen sich die Kommunikationsprobleme zwischen der Wirtschaft und den älteren Menschen charakterisieren? Euphemismen wie „Silver Surfer“, „Best Agers“ und „PEGGIs“ dokumentieren die Unsicherheit über eine geeignete Adressierung. Fest steht: Die meisten Älteren schätzen die Bezeichnung „Senioren“ wenig. Sie möchten in einer Sprache angesprochen werden, die sie auch verstehen. Da das auch für die 14- bis 49-Jährigen gilt, sollten zunächst einmal die Regeln einer von den Generationen unabhängigen gut verständlichen Sprache beachtet werden. Also ein sprachliches „Universal-Design“.

Dennoch ist zu berücksichtigen, dass bestimmte sprachliche Eigenschaften Älteren größere Schwierigkeiten bereiten. Das betrifft den aktuellen Wortschatz, zum Beispiel in den Bereichen Medien, Informatik und Mode. Das betrifft aber auch Eigenschaften des Satzbaus und der Textstruktur und nicht zuletzt die emotionale Dimension. Einige Grundprobleme wurden schon vor Jahren erkannt. So forderte die damalige Familienministerin Renate Schmidt in einem Interview von 2002: „Nehmt ältere Menschen endlich ernster!“ Und als sie gefragt wurde, was sie denn vorschlage, antwortete sie: „Das fängt bei normal verständlichen Betriebsanleitungen an und endet bei ausreichend großer Schrift.“

Bedienungsanleitungen: So bitte nicht!

Wir alle kennen die unsäglichen Bedienungsanleitungen, die den Mangel an Bedienerfreundlichkeit der Geräte beheben sollen, aber ihrerseits unverständlich sind. Das betrifft darüber hinaus viele Textsorten des täglichen Gebrauchs, was sich an den ständig erscheinenden Schlagzeilen der Medien ablesen lässt:

  • „In der Sackgasse des Verständnisses“ (Die Zeit)
  • „Kauderwelsch statt Anleitung“ (Computerbild)
  • „Alptraum im Alltag“ (Der Spiegel)
  • „Klarheit unerwünscht“ (Finanztest)
  • „Anleitungen zum Unglücklichsein“ (BZ)
  • „Beipackzettel sind tickende Zeitbomben!“ (Focus)
  • „Senioren bleiben unberücksichtigt“ (Usability-Monitor)

Bevor ich die einzelnen Facetten der Sprache näher erläutere, hier ein Beispiel aus meiner persönlichen Erfahrung. In einer Bedienungsanleitung heißt es:

Nun könnte man argumentieren, das sei fernöstlicher Charme. Schon möglich. Trotzdem erfüllt diese Anleitung ihren Zweck nicht. Sie ist nur mit einer Lupe gut lesbar und unverständlich. Damit ist das Produkt – auch juristisch – mangelhaft. So hat das Oberverwaltungsgericht München bereits vor einigen Jahren geurteilt, dass Schriftgrößen unterhalb von sieben Point unzulässig sind. Noch interessanter als das Faktum selbst ist die Frage: Wie gehen Firmen mit solchen offensichtlichen Mängeln um?

Auf meine freundliche Bitte, sich doch im eigenen Interesse um eine verbesserte Anleitung zu bemühen, antwortet der Hersteller, sie seien selbstverständlich daran interessiert, ihren Service stetig zu optimieren; allerdings seien ihnen bis auf wenige Ausnahmen keine größeren Schwierigkeiten bezüglich ihrer Bedienungsanleitungen bekannt geworden. Bei Rückfragen zur Bedienung einer Uhr stünden jedenfalls kompetente Mitarbeiter zur Verfügung. Falls ich die Kosten für einen Anruf in ihrer Support-Abteilung scheute, könne man auch zurückrufen.

Offensichtlich ist die Firma nicht daran interessiert, ihren Service stetig zu optimieren. Sie will offenbar aus den „Ausnahmen“ und den bestehenden Schwierigkeiten keine Konsequenzen ziehen. Trotz eines verbindlichen Tons wird dem Kunden unterstellt, er scheue die Kosten eines Anrufs. Natürlich tut er das, denn er hat für das Produkt bezahlt und möchte nicht noch für Call-Center-Telefonate aufkommen.

Ein solches Verhalten bleibt für die Unternehmen nicht folgenlos. Allein zu geringe Schriftgrößen können unangenehme wirtschaftliche Folgen haben. Vor kurzem hat die österreichische Regulierungsbehörde den Dialer einer Firma für nicht gesetzeskonform erklärt. Offizieller Grund: Die Schriftgröße für den Preis der Einwahl sei auf der Webseite zu gering gewesen. Das hat zur Folge, dass alle Rechnungen dieses Dialers auch rückwirkend nicht bezahlt werden müssen. Und eine große deutsche Krankenversicherung hat wegen mangelhafter Verständlichkeit von Dokumenten einen Prozess verloren.   Das sind zunächst einmal Beispiele für eine Tendenz, die in weiten Teilen der Wirtschaft anzutreffen ist:

  • eine unzureichende Kompetenz, sich auf die sprachlichen Bedarfe ihrer Kunden einzustellen
  • eine ebenso unzureichende Veränderungsbereitschaft in der Vermarktung der eigenen Produkte und Dienstleistungen
  • eine geringe Sensibilität für die Reaktionen von Verbraucherschützern, Regulierungsbehörden und Gerichten, deren Urteile immer kundenfreundlicher ausfallen, und vor allem von Kunden, für die der Mitbewerber nur einen Klick weit entfernt ist

Um unser Problem „Senioren und Sprache“ zu konkretisieren, werde ich ein paar charakteristische Beispiele anführen: zum Wortschatz, zum Satzbau und zum Textaufbau.

Wortschatz: Anglizismen suggerieren ein modernes Image

Beim Wortschatz sind in letzter Zeit die Anglizismen und das berüchtigte "Denglisch" massiv kritisiert worden. Von Verbraucherschützern, Sprachexperten, aber auch von Parteien und sogar der Bundesregierung. Bekannt ist die Endmark-Untersuchung mit dem Beispiel des Douglas-Slogans „Come in and find out“, das von den meisten der 1.100 Probanden übersetzt wurde mit „Komm ’rein und finde wieder ’raus“. Darum wirbt die Firma jetzt mit „Douglas macht das Leben schöner“.   Mit Anglizismen wollen sich Firmen häufig ein modernes Image verschaffen; dabei entfremden sie sich aber von ihren Kunden. Das Hamburger Abendblatt titelt:

„Anglizismen im Alltag grenzen viele Menschen aus.“

Das trifft zu, wenn wir wissen, dass nach einer Erhebung der Europäischen Kommission etwa ein Drittel der Deutschen keine Fremdsprache spricht. Und das betrifft besonders die Hochbetagten, die in der Schule noch kein Englisch lernen konnten. Laut presstext-deutschland gehen über 80 Prozent der Internet-Sicherheitsempfehlungen an der Mehrheit der Nutzer vorbei, weil ein enormes Grundwissen vorausgesetzt werde, das gerade älteren Menschen fehle. Beispiele: Dialer, Provider, Hoax oder Phishing.

Bekanntlich reisen Senioren gern. Dieser Umstand führt nicht selten auch sprachlich zu Problemen. Bei der Deutschen Bahn finden Sie einen Counter (früher: Schalter). Sie finden sich konfrontiert mit „Carsharing“, „Call a Bike“ und „Rail & Fly“. Hoffentlich endet die Reise nicht in einem „Body bag“ – so heißt im Gegenwartsdeutsch der Rucksack. Englischsprachige verstehen darunter allerdings einen Leichensack! Wenn sie am Reiseziel angekommen sind, werden Sie im Hotel mit einem „Voucher“ empfangen, auf  neudeutsch einem Gutschein. Auf dem finden sie beispielsweise die Aufforderung: „Check in and Chill out“ - auf Deutsch: „Melden Sie sich an und erholen Sie sich erst einmal“. Angesichts solcher Beispiele fordert die Senioren-Union, Deutsch als Landessprache in die Verfassung aufzunehmen. Anglizismen gaukelten eine Weltläufigkeit vor, die nur die provinzielle Unfähigkeit ihrer Verfasser kaschieren solle.

 

Doch es geht nicht nur um die Printmedien. Seit etwa zehn Jahren ist eine weitere Kategorie von Texten hinzugekommen: die Internetauftritte im World Wide Web. Hier gibt es einen ganzen Berufszweig, der sich mit dem Thema „Usability“, der Nutzerfreundlichkeit von Webseiten, beschäftigt. Dabei geht es hauptsächlich um die technische Nutzerfreundlichkeit. Die so genannte Content Usability, die gute Verständlichkeit der Icons und Buttons und der eingestellten Texte, findet kaum Beachtung. Das ist fatal, weil die geringe sprachliche Nutzerfreundlichkeit der Webseiten unsere Bevölkerung spaltet: in Eingeweihte und Ausgeschlossene. Das benachteiligt besonders ärmere Bevölkerungsschichten, aber eben auch die Älteren.

Beispiel Online-Banking: Schon heute sind fast ein Viertel aller Online-Banking-Nutzer über 50 Jahre alt. Sie werden nach einer Studie von netaspect bei der Planung und Erstellung der Webauftritte kaum berücksichtigt. Und das, obwohl sie über 46 Prozent der deutschen Kaufkraft verfügt. Der Rat von netaspect:

„Finanzdienstleister sollten ihr Web-Angebot inhaltlich, technisch und sprachlich gezielt auf die Bedürfnisse der Silver Surfer abstimmen.“

Satzbau: Mit klaren Formulierungen Missverständnisse vermeiden

Viel gesündigt wird beim Satzbau. Ich habe vor kurzem von meiner Krankenversicherung ein Schreiben erhalten. Darin hieß es:

„Eine Nachleistung für die Heilmittelanwendungen in Höhe von 121,50 Euro erhalten Sie in den nächsten Tagen auf Ihr Konto.“

Das war ein Grund zur Freude. Als ich nach 14 Tagen den Betrag noch nicht erhalten hatte, rief ich an. Man versprach, man werde der Sache nachgehen. Nach acht Tagen erhielt ich eine Überweisung in Höhe von 38,50 Euro. Eine telefonische Nachfrage ergab, dass der Satz in dem Brief folgendermaßen zu verstehen war:

„Eine Nachleistung für die Heilmittelanwendungen (die wir bereits abgerechnet haben - die 121,50 Euro haben Sie bereits erhalten), überweisen wir Ihnen in den nächsten Tagen auf Ihr Konto.“

Besser verständlich könnte das so ausgedrückt werden:

„Sie haben bereits eine Leistung für Heilmittelanwendungen in Höhe von 121,50 Euro erhalten. Eine Nachleistung in Höhe von 38,50 Euro erhalten Sie in den nächsten Tagen auf Ihr Konto.“

Dieser Fall hat kommunikationstheoretisch und finanziell zwei Aspekte:

  1. Die Versicherung konnte sich nach eigenem Bekunden nicht vorstellen, dass ein Kunde mit ihren Formulierungen Schwierigkeiten haben könnte. Die Voraussetzung für eine kritische Sprachreflexion war also nicht vorhanden.
  2. Zwischen der Versicherung und mir sind drei Telefonate geführt worden, die insgesamt zwölf Minuten dauerten. Die versicherungsinternen Recherchen dürften viel länger gedauert haben. Mit eindeutigen und klaren Formulierungen hätte die Krankenversicherung sich und dem Kunden viel Zeit, Geld und Ärger erspart.

In einem weiteren Beispiel aus einem speziell für Senioren konzipierten Internetauftritt heißt es:

„Keine Ansprüche auf Tarifleistungen bestehen für Behandlungen durch Ärzte und Heilpraktiker, deren Rechnungen wir aus wichtigen Gründen von der Erstattung ausgeschlossen haben, wenn der Versicherungsfall nach Ihrer Benachrichtigung über den Leistungsausschluss eintritt. Sofern zum Zeitpunkt der Benachrichtigung ein Versicherungsfall bereits eingetreten ist, besteht kein Leistungsanspruch für die nach Ablauf von drei Monaten seit der Benachrichtigung entstandenen Aufwendungen.“

Ein schönes Beispiel für die moderne Verrätselung der Welt. Dabei wird vom Bundesverband der Versicherungen behauptet, bei dieser Textsorte sei besonderer Wert gelegt worden auf die „Transparenz der Formulierungen im Sinne der bestmöglichen Allgemeinverständlichkeit“. Und das unter Verweis auf die Verbraucherschutzbestimmungen und den Regelungsrahmen des Maastrichter Vertrags.

Textaufbau: Überschriften erwecken Erwartungen

Das Beispiel:  

 

„Bequemes Bezahlen weltweit“ ist keine Methode, sich die MasterCard-Jahresgebühr zu sparen. Das gilt auch für die anderen drei Punkte. Überschriften sind Zusammenfassungstexte. Sie sollen den Inhalt des folgenden Textes zusammenfassen. Außerdem wissen wir aus der Psycholinguistik: Wenn wir eine Überschrift lesen, wird in unserem Gedächtnis ein Schema aktiviert, das Erwartungen weckt. Im konkreten Fall also die Erwartung, wie sich die Jahresgebühr einsparen lässt. Durch die Formulierung „bequemes Bezahlen weltweit“ allerdings wird diese Erwartung nicht erfüllt. Die Sinnabfolge ist unterbrochen. Einige unserer Versuchspersonen reagierten emotional. Sie fanden das ärgerlich und fügten hinzu, dass solche Formulierungen auch das Vertrauen in die Bank berührten und von einer geringen Wertschätzung zeugten. Insofern sei das alles andere als eine gute Werbung.

Wie die Beispiele gezeigt haben, ist die Kommunikation der Unternehmen mit der Älteren Generation verbesserungsfähig. Angesichts des demografischen Wandels sollten Wirtschaft, Behörden und Bildungsanbieter eine besondere Sorgfalt auf die Ansprache der älteren Menschen verwenden. Dies kann geschehen durch

ausreichende Inhalte, die das Informationsbedürfnis einer „erfahrenen Generation“ zufrieden stellen
„geläufige“ Wörter, also keine Anglizismen oder Fachchinesisch wie den „stichtagsbezogenen, steuereinnahmenschätzungsabhängigen, gedeckelten Sonderzuwendungsaufstockungsbetrag“, wenn in Wahrheit ein Teil des Weihnachtsgeldes gemeint ist
den Verzicht auf Abkürzungen wie „FAQ“ (frequently asked questions) und „ESP“ (Elektronisches Stabilitätsprogramm)
den Verzicht auf bei Älteren verpönte Formulierungen wie „Seniorenreisen“ und „Seniorenteller“
einfache Sätze, das heißt relativ kurze und nicht verschachtelte Sätze. Forschungsergebnisse aus der Sprachwissenschaft belegen, dass Satzstrukturen älteren Menschen Schwierigkeiten bereiten können, besonders wenn sie hohe Anforderungen an das Gedächtnis stellen
einen „roten Faden“ im Text, der eine Sinnabfolge aufweist: Ein Satz oder Absatz folgt „logisch“ aus dem vorhergehenden
ein übersichtliches Layout, das den Inhalt des Textes deutlich macht, und eine ausreichend große Schrift, in den Printmedien zum Beispiel 12 Point, digital mindestens 14 Point.

Gründe für eine sorgfältige Ansprache der Zielgruppe 50plus

Wenn Menschen die Wahl haben, kaufen sie da, wo sie ihre Interessen berücksichtigt sehen und wo sie verständlich in „ihrer Sprache“ angesprochen werden. Die ältere Generation informiert sich in Internetforen, Blogs und Podcasts über Produkte und Firmen und Verbraucherverbände oder Verbraucherinitiativen reagieren mit immer mehr Aktionen auf schwer verständliche Texte und Mängel in der Gebrauchstauglichkeit von Geräten und Internetauftritten. Zudem gibt es mittlerweile zahlreiche gesetzliche Bestimmungen, die alle einfache und transparente Bestimmungen und eine leicht verständliche Sprache einfordern:

  • DIN- und ISO-Normen
  • Markets in Financial Instruments Directive (MIFID): Richtlinie der EU zur Harmonisierung der Finanzmärkte im europäischen Binnenmarkt
  • Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz (FRUG): setzt die Richtlinie in deutsches Recht um
  • Web Content Accessibility Guidelines 2.0: verlangen nicht nur eine einfache und klar strukturierte Navigation und Bedienführung, sondern auch eine verständliche Sprache

Gerichte entscheiden heute immer verbraucherfreundlicher:

„Bei unklaren oder mehrdeutigen Klauseln gilt im Zweifel das Prinzip der der Verbraucherinnen und Verbrauchern günstigen Auslegung, da der Aufstellende solcher Bedingungen sich klarer hätte ausdrücken können und müssen. (…) Sind Klauseln unklar oder unverständlich, dann sind diese Geschäftsbedingungen unwirksam.“

Klare und eindeutige Formulierungen sparen Zeit und Geld, denn sie reduzieren die Kosten für Hotmails, Rückrufe, Antwortmails und –briefe und machen die Werbung erfolgreicher. Der Kostenfaktor ist erheblich: Allein schlechte Gebrauchsanweisungen verursachen laut Der Spiegel einen Gesamtschaden von rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Es spricht also viel dafür, dem „weichen Faktor“ Sprache in der unternehmensinternen Kommunikation, aber auch im Gespräch mit den Kunden – und hier besonders den älteren - viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

[Bild: fotolia]

Kundenbegeisterung: Einfühlsame Mitarbeiter machen Kunden zu Fans

Geiz ist geil, 20 Prozent auf alles, Flaterate im Sonnenstudio – Die Konsumenten werden bombardiert mit Werbung, in der es nur auf den Preis ankommt. Der Experte in Sachen Kundenbegeisterung, Ralf R. Strupat,  kennt die Ursache dafür:

„Der Preiskampf – verbunden mit einer wachsenden Austauschbarkeit der Anbieter wie auch der Produkte – beruht vielfach darauf, dass die wahren Bedürfnisse der Kunden im Service- und Dienstleistungsbereich völlig ignoriert werden.“

Der Konsument in der heutigen Zeit möchte mehr! Die Zeiten, in denen man bestimmte Artikel benötigte, sind vorbei, die Märkte sind gesättigt. Der Kunde sucht nicht länger nur nach einem Gegenstand zur Problemlösung – er möchte ein Erlebnis, das ihn begeistert. Die Anbieter müssen sich etwas einfallen lassen, um die Kunden zu begeistern und sich dadurch Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Das angestrebte Ziel sollte sein, dass die Menschen Ihr Unternehmen gerne haben und ein gutes Gefühl bekommen, wenn Sie Ihr Logo irgendwo sehen. Das Verhältnis sollte ähnlich sein, wie zwischen einem Fan und einem Star. Denn Fans halten die Treue, schenken Bewunderung, verzeihen Missgeschicke und kommen von alleine. Wie Kunden zu Fans werden ist nicht einfach, aber ein Versuch lohnt sich.

Stichwort

Der Begriff Kundenbegeisterung darf nicht mit Kundenzufriedenheit gleichgesetzt werden. Kundenzufriedenheit bedeutet lediglich, dass der Kunde die Leistung, die er erwartet auch bekommt. Zumindest hat die Wahrnehmung der erbrachten Leistung seine Erwartung erfüllt. Unzufriedenheit entsteht, wenn die Erwartungen höher sind als die wahrgenommene Leistung. Kundenbegeisterung hingegen bedeutet, dass die Erwartung sogar übertroffen wird. Wenigstens muss der Kunde glauben, dass er mehr erhalten hat und ist deshalb überrascht. Die Überraschung ist ein wesentlicher Bestandteil der Kundenbegeisterung, sie ist spannend und vermittelt einem das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu erleben. Getreu dem Motto: „Was der Kunde noch nicht weiß, macht ihn heiß!“

Nichts ist wie es einmal war

Um dem potenziellen Käufer mehr bieten zu können als er erwartet, muss man zunächst wissen, welche Erwartungen er überhaupt hat. Das Kaufverhalten hat sich in den letzten Jahren drastisch geändert. Ein und der selbe Kunde nutzt Discounter und Billiganbieter, um an anderer Stelle etwas mehr auszugeben und sich Luxus zu leisten. Zum Beispiel mit dem Porsche zu Aldi und mit dem Billigflieger nach Mallorca zum Golfen. Experten bezeichnen dies als hybrides Kaufverhalten. Die klassischen Zielgruppenmodelle sind nicht länger gültig. Senioren genießen ihre plötzlich gewonnene Freiheit und sind erlebnishungrig wohingegen sich Jugendliche nach traditionellen Werten richten. Darum ist es sehr wichtig, dass ein Unternehmen seinen Kunden kennenlernt.

Was jeden Kunden beim Kauf beeinflusst, sind Emotionen. Kaufentscheidungen finden nicht im Kopf statt, sondern im Bauch. Dabei punkten Produkte und Dienstleistungen, die gute Gefühle vermitteln anstatt nur harte Fakten zu bieten. Gute Gefühle werden unter anderem geschaffen durch:

  • Ästhetik,
  • sinnliche Erlebnisse,
  • Spaß,
  • Einzigartigkeit,
  • Ambiente,
  • Vertrautheit und
  • Prestige.

Es wird nicht nur das Produkt gekauft, das zu einer Problemlösung führt sondern die Werte und ein Gefühl, dass eine Phantasie oder Traum in Erfüllung geht. Mit den richtigen Bildern schaffen Sie Kino im Kopf, was beim Verkauf oder Anbieten förderlich ist. Hier einige Beispiele:

  • Im Restaurant: Essen ist nicht gleich essen. Es ist ein Unterschied, ob man nur satt werden will, oder ob man ein exklusives Restaurant auswählt, das einen besonderen Ruf genießt. Wenn man dann Champagner statt Sekt bestellt, vermittelt das noch stärker das Gefühl etwas Besonderes „zur Feier des Tages“ zu genießen.
  • Beim Friseur: Geht man zum Friseur kann man sich entweder nur die Haare schneiden lassen oder aber der Friseur vollzieht bei einer Person eine Typveränderung, die sie zehn Jahre jünger aussehen lässt und dazu noch ein neues Lebensgefühl spüren lässt.
  • Beim Autohändler: Hier werden nicht nur einfach Personenkraftwagen verkauft, sondern Lebensphilosophien. Warum sonst hat Porsche so viel Erfolg wenn man auch mit jedem beliebigen anderen Auto von A nach B kommt?

Kundenservice mit Herz

Um den Kunden glücklich zu machen, muss er sich geborgen, verstanden, akzeptiert und umsorgt fühlen, einfach ausgedrückt, er möchte geliebt werden. Mit einem guten Kundenservice können Sie dieses Gefühl dem Kunden vermitteln.

Meistens reichen Kleinigkeiten aus, die den Service effektiv verbessern. Das können freundliche Gesten, wie ein Lächeln sein oder kleine Geschenke. Wichtig dabei sind Authentizität und Verständnis für das Anliegen des Kunden. Wenn beispielsweise die Frau in der Bäckerei sich die Vorlieben ihrer Stammkunden merkt und gleich das richtige einpackt, bevor der Kunde bestellt hat, wird dies sehr positiv aufgenommen. Immaterielle Serviceleistungen sind sehr wichtig, um sich als Unternehmen von anderen abzuheben. Bietet man schlechten oder gar keinen Service, wendet sich der Kunde schnell ab.

Reklamationen kommen jedoch immer vor, egal wie viel Mühe man sich beim Service gibt. Anstatt diese zu vermeiden oder unter den Teppich zu kehren, sollte man diese als Chance nutzen, um noch besser zu werden. Reklamationen sind:

  • kostenlose Unternehmensberatung,
  • Frühwarnsystem sowie
  • Chancen- und Ideengebung.

Es ist wichtig, dass der Kunde keine Hemmungen hat, seinen Frust zu äußern und ihm dabei keine Steine in den Weg gelegt werden. Eine Stelle, an der Reklamationen freundlich aufgenommen und zügig bearbeitet werden, gibt dem Kunden das Gefühl, dass er ernst genommen wird und das verhindert, dass er negative Gefühle behält. Wenn dem Kunden sogar überraschend gut geholfen wird, kann aus Unzufriedenheit Begeisterung werden. Im Gegensatz dazu ist emotionale Kälte der zerstörende Faktor in der Beziehung zum Kunden.

Die Gründe, warum Kunden ihre Beziehungen zu Unternehmen endgültig beenden, sind nach einer Umfrage des dpm-Teams:

  • Unfreundlichkeit und mangelnde Höflichkeit;
  • Inkompetenz, Unwissenheit oder Unkenntnis des Personals;
  • Lange Wartezeiten am Telefon oder im Geschäft;
  • Allgemeine Ignoranz und Desinteresse am Kunden;
  • Schlechte Laune und Lustlosigkeit des Personals;
  • Arrogante Behandlung.

Mehr zum Thema Reklamationen finden Sie hier:

 [308]

Beschwerdemanagement: Bei Reklamationen die Kundenbeziehungen verbessern [309]

Aus Sachbearbeitern werden Menschenbearbeiter

Aus der Perspektive des Kunden wird ein Unternehmen als Ganzes wahrgenommen. Alle Mitarbeiter, ob nun Geschäftsführer, Verkäufer, Sachbearbeiter oder Mitarbeiter im Call-Center repräsentieren ein und dasselbe. Sofern sich einer einen Patzer erlaubt, ist dies schädigend für das Image des ganzen Unternehmens. Es müssen alle an einem Strang ziehen und jeder sollte als höchstes Ziel den begeisterten Kunden haben.

Begeisterte Kunden erreicht man aber erst durch begeisterte Mitarbeiter. Dies rückt oft in den Hintergrund, ist aber eine zwingende Voraussetzung. Viele Angestellte sind unzufrieden in ihrem Job und unzufriedene Mitarbeiter können schwer begeistert werden. Vorgesetzten ist oft nicht klar, was die Gründe für die Unzufriedenheit ist. Dabei sind es grundlegende menschliche Bedürfnisse, die auch im Job befriedigt werden wollen. Mitarbeiter wollen:

  • sich mit dem Unternehmen und ihrer Arbeit identifizieren,
  • eigenen Input einbringen und Mitspracherecht bei Entscheidungen haben,
  • sinnvolle Arbeit tun,
  • persönlichen und beruflichen Respekt erfahren,
  • das Gefühl haben, in einer Gemeinschaft integriert zu sein,
  • Wertschätzung erfahren für das, was sie sind, und das, was sie tun,
  • ihr Know-how in die Arbeit einbringen,
  • Perspektiven für berufliche und menschliche Weiterentwicklung erkennen und
  • das Gefühl vermittelt bekommen, dass das Leben nicht nur aus Arbeit besteht.

Nicht jeder Vorgesetzte kann, dem Mitarbeiter geben, was er braucht, um gute Leistungen zu erbringen. Die Kernkompetenz, die eine Führungskraft besonders braucht sind vor allem, dass sie ein Vorbild ist. Denn wenn der Chef den Kunden falsch behandelt, ist der Mitarbeiter keineswegs motiviert, es anders zu machen. Fähigkeiten, wie positives Denken, zielorientiertes Handeln und eine motivationsschaffende Ausstrahlung tragen auch dazu bei, Mitarbeiter auf den richtigen Weg zu bringen und kundenorientiert zu handeln.

Begeisterung ist ein Kreislauf, der zwischen Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden stattfindet und nicht unterbrochen werden darf. Es stellt sich natürlich die Frage: Wodurch sind Vorgesetzte begeistert, wie können Sie die Begeisterung weitergeben und wie gelangt sie zum Kunden? Dazu ein Schaubild:

Begeisterungskreislauf

„Lob und Anerkennung, das ist einfach mal ein ‚Danke’ oder ein ‚Gut gemacht’. Das erfordert keinerlei Budget und auch keinerlei großen Zeitaufwand.“ [Marco Nink, Gallup-Verantwortlicher]

Schon bei der Auswahl der Mitarbeiter ist darauf zu achten, dass sie für den Umgang mit Kunden ein Händchen haben. Sie sollten sich in Menschen hineinversetzten können und ein Gespür für die Bedürfnisse anderer haben. Im Umgang mit Menschen hilft keine Anleitung sondern Einfühlungsvermögen und Feinfühligkeit. Nicht jeder kann je nach Situation richtig agieren. Diese Werte sollte ein Mitarbeiter schon besitzen, bevor er angestellt wird, denn die fachliche Kompetenz ist einfacher zu erlernen und kann geübt werden.

Bei der Einarbeitung der Mitarbeiter sollte das Training nicht fehlen. Um auf den richtigen Umgang mit Kunden vorbereitet zu sein, sollten die Angestellten in folgenden Bereichen trainiert werden:

  • Wortwahl,
  • Verhalten bei Querulanten,
  • Reklamationsbearbeitung,
  • Wiedergutmachung,
  • Inszenierung einer kleinen Überraschung.

Das schafft Sicherheit und führt zu Selbstwertgefühl beim Mitarbeiter. Gelingt es dem Mitarbeiter darüber hinaus, dem Kunden durch kleine Gesten eine Freude zu bereiten, beginnt eine positive Motivationsspirale: Die Mitarbeiter sehen den Erfolg und möchten noch mehr Begeisterung beim Kunden wecken. Im besten Fall beginnt der Mitarbeiter die Eigeninitiative zu ergreifen und sich selbst neue Ideen einfallen zu lassen.

Übermaß tut selten gut

Aber Vorsicht: Wie überall können auch beim Versuch Kunden zu begeistern Fehler passieren!

Man sollte darauf achten, bei scheinbar „neuen“ Ideen, nicht etwas zu kopieren, das schon andere anbieten. Vielleicht ist dem Kunden diese Idee schon bekannt und so wird aus einer gewollten Überraschung ein gelangweilter Kunde, der die Idee abgedroschen findet. Oder es kann passieren, dass eine kopierte Idee gar nicht zum jeweiligen Unternehmen passt, sei es vom Thema her oder von der vorhandenen Kapazität.

Ein weiterer Fehler ist es, die Sache zu übertreiben. Man kann es auch zu gut meinen! Die Kunden gewöhnen sich an die Serviceleistung und schrauben die Erwartungen nach oben, so kann es passieren, mehr Kunden zu verlieren als zu gewinnen.

Eine Geschichte:

Der Besitzer, F. Gutgemeint, eines Cafés wollte die Kunden begeistern mit der Beigabe eines kleinen Gebäcks zu jedem Cappuccino. Nach ein paar Wochen war dies für die Kunden zum Standard geworden. Als sie einmal kein Gebäck dazu bekamen, fragten sie verwundert: „Warum gibt es heute kein Gebäck dazu?“ Also dachte sich Herr Gutgemeint, er muss noch mehr für die Kundenbegeisterung tun und servierte zu jedem Cappuccino ein ganzes Frühstück. Sehr schnell gewöhnten sich die Kunden auch an dieses Angebot und als sie einmal kein Frühstück bekamen, fragten sie warum es das nicht mehr gibt und wechselten das Café. Sie gingen dorthin, wo es neben dem Frühstück auch noch die Tageszeitung gratis dazu gab.

[Quelle: www.kundenbegeisterung.net]

Neben guten Ideen, zählt ein außergewöhnlicher Kundenservice mit Herz. Den Fehler, den Sie hier machen können, ist übertriebene Freundlichkeit, die nicht authentisch ist. Und zu viel Aufmerksamkeit kann den Kunden nerven, zum Beispiel wenn Sie im Restaurant alle fünf Minuten nach Ihrem Befinden gefragt werden. Es ist zwar gut gemeint, kann aber Gästen als Belästigung vorkommen.

Um nicht in die Fehlerfalle zu tappen, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Entwickeln Sie innovative und einzigartige Ideen mit Pfiff!
  • Übertreiben Sie nicht beim Angebot und Service!

Und wenn Sie dann noch mit einer guten Mannschaft ausgestattet sind, kann die Kundenbegeisterung beginnen und ganz normale Kunden werden zu begeisterten Fans!

Weiterführende Bücher zum Thema:

Ralf R. Strupat, Das bunte Ei — Mit Kundenbegeisterung gewinnen, 2008 [310]

Claudia Hilker, WOW-Marketing — Kleines Budget und große Wirkung, 2008 [311]

Anne M. Schüller, Zukunftstrend Kundenloyalität — Endlich erfolgreich durch loyale Kunden, 2004 [312]

Werbeerfolgskontrolle: Nur qualifizierte Kontakte zählen

Henry Ford sagte einmal: „Die Hälfte meiner Werbegelder schmeiße ich zum Fenster hinaus, ich weiß nur nicht welche.“ Ein Großteil aller Werbeentscheider steht vor der gleichen Misere, obwohl das nicht sein muss. Viele Unternehmen investieren jeden Monat eine Menge Zeit und Geld für Werbemaßnahmen, ohne deren Wirkung auch nur ansatzweise zu messen. Im Internet wird der Marketingerfolg oft nur nach der Anzahl der generierten Klicks bewertet. Ob sich die Klicks aber auch positiv auf die Umsatzzahlen auswirken, bleibt offen. Stellt man Aufwand und Erfolg gegenüber, muss die alles entscheidende Frage für effiziente Werbemaßnahmen daher lauten:

Über welche Maßnahmen gewinnt mein Unternehmen vor allem diejenigen Kontakte, die letztlich auch zum Geschäftsabschluss führen?

Nur wer weiß, wie erfolgreich seine Marketingmaßnahmen wirklich sind, kann sein Werbebudget gezielt einsetzen. Der Weg dorthin führt über eine effektive Erfolgsmessung.

Qualifizierte Kontakte: A und O einer effizienten Erfolgsmessung

Für den Betreiber eines Onlineshops ist die Erfolgsmessung denkbar einfach, wenn er seinen Shop nur im Internet bewirbt. Ihm reicht ein Tool für die Trafficanalyse, also die Messung der Nutzung seiner Website, um die Herkunft der Internetbestellungen festzustellen. Wer aber seine Aufträge nicht direkt über die Unternehmenswebseite generiert, kann mit Hilfe der Trafficanalyse nur einen kleinen Teil des unternehmerischen Erfolgs abbilden. Anbieter, denen es um mehr als reine Klicks geht, müssen daher auch alle anderen Kontaktkanäle erfassen und auswerten. Gerade im Dienstleistungsgewerbe und im Business-to-Business-Bereich (B-to-B) spielen eingehende Kundenanfragen via Telefon, Fax, E-Mail, Brief oder Onlinekontaktformular eine bedeutende Rolle.

Die Herkunft eines Kontakts lässt sich über die einzelnen Kontaktkanäle bereits bei der ersten Kundenanfrage ganz einfach feststellen. Nehmen Interessenten über das Telefon Kontakt zu einem Anbieter auf, kann im direkten Gespräch erfragt werden, wie der Anrufer auf das Unternehmen aufmerksam geworden ist. Bei allen Onlineanfragen können die Anbieter mit Hilfe der Trafficanalyse messen, wie viele Interessenten auf diesem Wege Kontakt zu ihnen aufgenommen haben.

Da die Trafficanalyse jedoch keinerlei personenbezogene Daten erfasst, sagen die Reports nichts über die Qualität einzelner Onlineanfragen aus. Oft werden Anfragen über Formulare per E-Mail an das Unternehmen gesendet. Hier muss der Anbieter noch einmal nachfragen, über wen diese Anfrage zustande gekommen ist. Unternehmen haben zudem die Möglichkeit, extra eingerichtete E-Mail-Adressen, Telefon- oder Telefaxnummern bei den Werbemaßnahmen anzugeben.

Werkzeuge zur Erstellung einer Kontakthistorie dienen der strukturierten Erfassung und Bereitstellung von Kontakten per Telefon, E-Mail, Fax, Brief und Onlineanfragen. Von einer einfachen Strichliste über Excel-Tabellen bis zur professionellen Software für Customer Relationship Management (CRM) – die Kontakthistorie bietet einem Unternehmen vielfältige Möglichkeiten, alle Kontakte auszuwerten und zu analysieren. Unabhängig von der Komplexität der eingesetzten Mittel tragen vor allem eine klare Ausrichtung auf das Marketingziel und laufende Ergebniskontrollen zu einer effizienten Erfolgsmessung bei.

Am Beginn der Kontaktdatenerfassung stehen in aller Regel einfache Werkzeuge. Dies können beispielsweise Strich- oder Anfragelisten sein. Mit Hilfe dieser Tools können alle relevanten Informationen manuell vermerkt und zusammengeführt werden. So lassen sich bereits mit relativ einfachen Auswertungen wichtige Kennzahlen für die Erfolgsmessung gewinnen, wie zum Beispiel die Anzahl der erfolgten Kontakte über eine Werbemaßnahme und die daraus generierten Aufträge.

Alternativ zur Strich- und Anfrageliste lassen sich alle Kontaktinformationen auch digital mit gängiger Software wie zum Beispiel Excel oder StarOffice erfassen. Der Vorteil: Sind die Unternehmensrechner in einem Netzwerk miteinander verbunden, können die Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Abteilungen jederzeit auf die Kontaktinformationen zugreifen. Darüber hinaus lassen sich mit Hilfe dieser Programme Ergebnisse, Übersichten und Entwicklungen in Charts und Grafiken sichtbar machen.

Professionelle Kontakterfassung mit CRM

Professionelle CRM-Software bietet den Unternehmen ein komplett automatisiertes Kundenmanagement. Von Telefonanfragen über Messegespräche bis zu Testdownloads auf der Website – mit dieser Software können alle relevanten Kontaktinformationen des Unternehmens zentral erfasst, automatisch zusammengeführt und effizient analysiert werden. Hierzu werden sämtliche Anwendungen und Funktionen aus Callcenter, Vertrieb, Marketing und Service in einem System integriert.

Die Kontaktinformationen stehen somit in Echtzeit für alle Mitarbeiter des Unternehmens bereit und können in der Kontaktpflege sowie dem persönlichen Verkaufsgespräch effektiv eingesetzt werden. Darüber hinaus werden im CRM-System die Kosten und Erlöse aller durchgeführten Aktionen ermittelt, um spätere Auswertungen über Erfolg und Misserfolg von Werbemaßnahmen zu treffen. Unabhängig davon, welches Werkzeug Sie für die Erfassung von Kontakten nutzen, sollten Sie folgende Informationen erfassen:

  • Datum und Anfragenummer – damit schaffen Sie Ordnung
  • Kundennummer – so erkennen Sie, ob es sich um einen neuen Kontakt handelt oder um einen bestehenden Kunden
  • Firma
  • Ansprechpartner und Kommunikationsdaten wie Telefonnummer oder E-Mail-Adresse
  • Position – zeigt, welche Kompetenzen die Kontaktperson hat
  • Beschreibung der Anfrage
  • Anfragekanal – Telefon, E-Mail, Fax, Brief oder Onlineanfragen
  • Anfrageherkunft – zum Beispiel E-Mailing, Gelbe Seiten oder Messebesuch
  • Geschätzter Auftragswert – setzen Sie Prioritäten

Kontaktinformationen zusammenführen und richtig auswerten

Durch die Erfassung der Kontaktherkunft wissen Sie nun genau, von wo die Interessenten zu Ihnen gelangen. Doch die Anzahl der Kontakte allein lässt noch keine hinreichende Aussage über den tatsächlichen Erfolg der Maßnahme zu. Denn letztendlich zählen nicht die Interessenten als Werbeerfolg, sondern die aus den Werbemaßnahmen generierten Geschäftsabschlüsse. Sie sollten daher immer im Blick behalten, welche unternehmerischen Erfolge aus dem Kontakt resultieren. Für die Erfolgsmessung spielt somit neben der Kontaktherkunft die Bewertung der Kontaktqualität eine wichtige Rolle. Dafür müssen die Anfragen ausgewertet werden, zum Beispiel nach solchen Kriterien wie der angefragten Menge, den Spezifikationen zur Produktion oder zur Dienstleistung oder der Entscheidungskompetenz des Anfragers.

Neben der Kontaktherkunft sollten alle relevanten Kontaktinformationen übersichtlich und gut strukturiert in einer Kontakthistorie erfasst werden und für alle Verantwortlichen des Unternehmens zugänglich sein. Denn Ziel ist es, die gesamten Marketing-, Vertriebs-, Controlling- und Produktionsentscheidungen eines Unternehmens durch die Auswertung der Kunden- und Transaktionsdaten zu unterstützen. Business-Intelligence-Lösungen stellen den Bestfall dar, um alle Informationen für das gesamte Unternehmen nutzbar zu machen.

Nach der Erfassung der Kontakte und Sammlung der Kontaktinformationen ist die Prozesskette von der Werbemaßnahme über die Anfrage zum Auftrag geschlossen. Nutzen Sie die Informationen, um die Kosten für eine Anfrage (Cost per Lead), die Anfrage-Auftrags-Konversionsrate und die Deckungsbeiträge zu ermitteln. Da sich nicht jede Werbemaßnahme vom ersten Moment an als Umsatz bemerkbar macht, berechnen Sie die Kennzahlen erst, nachdem die Maßnahme abgelaufen ist.

Cost per Lead (CpL)

Cost per Lead (CpL) = Kosten der Werbemaßnahme : Zahl der Anfragen
Beispiel: 500 €: 15 Angebotsanfragen = Eine Anfrage hat im Durchschnitt 33,33 € gekostet.

Konversionsraten

Anfrage-Auftrags-Konversionsrate = Zahl der Aufträge : Zahl der Anfragen
Beispiel: 2 Aufträge: 15 Angebotsanfragen = Die Anfrage-Auftrags-Konversionsrate beträgt 13 Prozent.

Deckungsbeiträge

Deckungsbeitrag = Umsatz – Produktionskosten – Kosten der Werbemaßnahme
Beispiel: 50.000 € – 40.000 € - 500 € = Es wurde ein positiver Deckungsbeitrag von 9.500 € erzielt.

Langfristiger Deckungsbeitrag = Umsatz + Folgeumsatz – Produktionskosten – Kosten der Werbemaßnahme
Beispiel: 50.000 € + 21.500 € – 57.200 € - 500 € = Langfristig wurde ein positiver Deckungsbeitrag von 13.800 € erzielt.

Wenn Sie hochpreisige Produkte oder Dienstleistungen anbieten, die nicht häufig beschafft werden, kann der Erfolg manchmal auf sich warten lassen. Achten Sie bei Ihrer Werbeplanung dann noch stärker auf die Zielgruppe, die Sie mit der Werbemaßnahme erreichen. Ein einziger qualifizierter Kontakt, der zu einem Großauftrag oder gar einem Rahmenvertrag führt, kann die Werbeinvestitionen mehrerer Jahre bezahlt machen.

[Bild: fotolia]

Kommunikationspolitik: Pressearbeit im Spannungsfeld zwischen Redaktionen und Unternehmen

Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung an der Universität Neuchâtel, Schweiz, am "Institut de l'entreprise", unter Leitung von Prof. Dr. Sam Blili von Dr. Volker Schulz eine wissenschaftliche Studie zum Thema: "Pressearbeit im Spannungsfeld zwischen Lesern, Redaktionen und Unternehmen" durchgeführt.

In der Lehre vermag die relativ geringe Beachtung der PR daran liegen, dass PR wenig konkret fassbar ist und der Erfolg nicht nur von den Inhalten der Botschaft, sondern wesentlich durch die Zeitungsredaktionen bestimmt wird; PR ist somit nur bedingt steuerbar und der Erfolg der Unternehmenskommunikation in diesem Bereich durch Variablen bestimmt, die seitens des Unternehmens nicht beziehungsweise nur schwer beeinflussbar sind.

Dieses spiegelt sich auch in der Wirtschaft wider: So verfügen die Unternehmen in der Regel über eine Marketing- oder Werbeabteilung - eine eigenständige Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit jedoch ist nur in größeren Unternehmen zu finden.

Durch differente Berufsbilder, Arbeitsweisen und Einstellungen der Unternehmen und Redaktionen kann es daher zwischen den jeweiligen Kommunikationspartnern zu Spannungen kommen: Während Unternehmen - wie bei der Werbung - das Ziel verfolgen, ihre Informationen relativ unverändert dem Zeitungsleser zu übermitteln, möchte der Redakteur objektiv, umfassend und aufklärend informieren.

Aufgabe der zweistufigen Untersuchung ist es, die Erwartungen und Arbeitsweisen der jeweiligen Kommunikationspartner zu analysieren und das Ausmaß der Defizite im Bereich des Informationsaustauschs herauszuarbeiten. Auf dieser Informationsbasis wird das bestehende Delta, durch konkrete Maßnahmen und Handlungsanweisungen für Unternehmen, geschlossen.

Die Ergebnisse der Studie sollen zum einen das gegenseitige Verständnis von Unternehmen und Journalisten durch die Transparenz erhöhen und zum anderen durch die Ableitung von Kommunikationsstrategien und Kommunikationsmaßnahmen die Zusammenarbeit von Geschäftsführern, Marketingleitern bzw. Mitarbeitern der Pressestellen und Redaktionen verbessern.

Journalisten, Redakteure und Kommunikationsfachleute aus Unternehmen, die an der Studie teilnehmen möchten, können den für sie relevanten Fragebogen unter www.pr-wissenschaft.org [313] online ausfüllen.

[po; Quelle: presseportal]

Teuerung: Unternehmen sehen noch Raum für Preiserhöhungen

Nach der "Potenzialanalyse Ertragssteuerung" von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung sehen 54 Prozent der Fach- und Führungskräfte der deutschen Wirtschaft in der simplen Preiserhöhung grundsätzlich noch Potenzial für Preissteigerungen. Im Vergleich zu anderen Möglichkeiten der Ertragssteuerung wird dieses Instrument allerdings am wenigsten befürwortet.
63 Prozent der Unternehmen halten eine generelle Anhebung der Verkaufspreise für ihre Preisstrategie nur für mäßig wichtig bis unwichtig.

Deutlich anders fällt dagegen die Einschätzung in der Kundensegmentierung aus. Mehr als die Hälfte der Befragten bewertet eine differenzierte Preisgestaltung für unterschiedliche Kundengruppen als wichtig. Eine große Mehrheit der Fach- und Führungskräfte geht davon aus, dass mit diesem Modell großes Potenzial für Preissteigerungen erschlossen werden kann. Mehr als 80 Prozent halten Maßnahmen in diesem Bereich noch nicht für voll ausgeschöpft.

Neben der Kundensegmentierung werden der bewussten Aufwertung des Qualitätsniveaus (Upgrading) und der Produktbündelungeine etwa gleich große Bedeutung zugeschrieben. Das Potenzial dieser drei erfolgversprechenden Bereiche für die Ertragssteuerung wird in allen betrachteten Branchen gegenwärtig nicht voll ausgeschöpft. Auf Grundlage einer Schulnotenbewertung kommen die Unternehmen auf eine bescheidene 3,0.

Dieses Ergebnis dürfte alle Verantwortlichen für die Preisgestaltung aufhorchen lassen, deren Marktumfeld von schweren Preiskämpfen geprägt ist. Mit Maßnahmen bei der Kundensegmentierung, Produktbündelung und beim Upgrading lassen sich neue Margenpotenziale erschließen. Anders als bei einer einfachen Anhebung der Preise können Unternehmen mit diesen Instrumenten ihr Angebot besser differenzieren.

Die "Potenzialanalyse Ertragssteuerung" stellt die Ergebnisse einer Online-Befragung vom Februar 2008 unter 366 Fach- und Führungskräften aus allen Branchen der deutschen Wirtschaft dar. Ziel der Studie war es herauszufinden, welchen Stellenwert das Thema Ertragssteuerung hat und inwieweit die Potenziale im Bereich Ertragssteuerung bereits ausgeschöpft sind.

[dw; Quelle: Steria Mummert Consulting; Bild: fotolia]

Image: Unternehmensgeschichte als Marketinginstrument

Im Zuge der Globalisierung wird es für Unternehmen immer wichtiger, Profil zu zeigen und sich von Wettbewerbern abzugrenzen. Und was prägt das Profil und Image stärker als die Geschichte eines Unternehmens? Deswegen sind die eigene Firmengeschichte und Traditionslinien wirkungsvolle Mittel, glaubwürdiges Image zu kommunizieren. Geschichtsmarketing bereitet die Unternehmenshistorie mit unterschiedlichen Instrumenten und für verschiedene Maßnahmen und Anlässe auf. Und geht dabei weit über punktuelle Anlässe wie beispielsweise Jubiläen hinaus.

Viele große Unternehmen nutzen bereits ihre Historie als Marketinginstrument. Sie unterhalten mit großem Erfolg eigene Abteilungen, Ausstellungen und Archive. Und kommunizieren ihre Traditionen und Erfolge mit Werbe- beziehungsweise PR-Strategien, die sich in markigen Slogans, wie „Zukunft braucht Herkunft“ (Lufthansa) bündeln. Traditionsreiche mittelständische und kleine Unternehmen blicken häufig auf eine ebenso lange, nicht minder erfolgreiche Vergangenheit, zurück. Nur nutzen sie dieses Potenzial zur optimierenden Marktpräsenz noch viel zu wenig. Kunden und Geschäftspartner wissen oft gar nicht, dass sie Kontakt zu einem Unternehmen haben, das über eine einzigartige Identität und Historie verfügt. Dabei könnte es sie darin bestärken, auch zukünftig auf dieses Unternehmen zu bauen.

Historisches Firmenimage ist unverwechselbar und einzigartig

Hier knüpft Geschichtsmarketing an: Die eigene Geschichte mit ihren vielfältigen Anknüpfungspunkten und Ressourcen wird genutzt, um Erfolge zu demonstrieren und sich als verlässliches, krisengestärktes Unternehmen von Wettbewerbern abzugrenzen. Hier gilt: Wer seine Ursprünge und den zurückgelegten Weg nicht kennt, weiß nicht, wo seine Stärken liegen und wohin er gehen soll.

Jedes Unternehmen weist ganz spezifische Merkmale auf, die nur aus dessen eigener Vergangenheit erklärbar sind. Beispielsweise stand zu Beginn des Unternehmens eine neue, hochinnovative Idee oder der Gründer hat trotz vieler Widerstände wie zum Beispiel Krieg oder Wirtschaftskrisen das Unternehmen aufgebaut. Oder es wurden kontinuierlich neue Patente angemeldet und es bestehen seit Jahrzehnten Geschäftskontakte zu Stammkunden und Zulieferern.

Im Vergleich zu vollmundigen Werbeversprechen beweisen solche historischen Traditionen solide Produkte, innovativen Anpassungswillen, ausgezeichnetes Krisenmanagement, besonderes Know-how und einzigartige Kompetenzen. Das historisch gewachsene Firmenimage - womit Sie sich unverwechselbar von Ihren Wettbewerbern unterscheiden - lässt sich nur aus diesen ureigenen Wurzeln herleiten und verfestigen. Dieses Fundament sollte nicht ungenutzt bleiben.

Auf Verlässlichkeit, Langlebigkeit, Beständigkeit und einen bewährten Erfahrungshintergrund zurückzublicken, ist wertvolles Kapital. Einzigartiges Kapital, denn die Abfolge von entscheidenden Weichenstellungen und das Zusammenspiel von Ideen, Arbeitsleistungen, Innovationen und Kompetenzen ist unverwechselbar. Unternehmensgeschichte kann ganz unterschiedliche Erfolgsgeschichten erzählen

  • vom Zusammenhalt der Mitarbeiter in konjunkturell schwierigen Zeiten,
  • von bewältigten Krisen, aus denen das Unternehmen gestärkt hervorging,
  • von großer Kreativität bei der Lösung anstehender Aufgaben und Herausforderungen sowie
  • von vielfältigen Ideen, erfindungsreichen Menschen und innovativen Produkten.

So funktioniert Geschichtsmarketing

Geschichtsmarketing, auch History Marketing genannt, erforscht die Ursprünge eines Unternehmens, seine Traditionen, Innovationen und treibenden Kräfte. Dadurch wird die Unternehmensgeschichte greifbar und kann für werbliche, öffentlichkeitswirksame, kundenbindende und andere Zwecke eingesetzt werden. An diesem Punkt verbindet Geschichtsmarketing die erfolgreiche Vergangenheit des Unternehmens mit dessen Zukunft. Firmenhistorie wird zum Aktivposten! Oder, um mit den Worten Thomas Morus’ zu sprechen:

„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“

Zum wirksamen Einsatz können die Bereiche, die mit Geschichtsmarketing aufbereitet und kommuniziert werden, schwerpunktmäßig eingesetzt werden:

  • als Institutions- beziehungsweise Geschäftsführungsgeschichte, wenn beispielsweise eine mythenreiche Gründungsgeschichte, geschickte Übernahmen und Zukäufe, die die Marktposition gestärkt haben, kommuniziert werden sollen.
  • als Produkt- oder Innovationsgeschichte unter leitenden Fragestellungen wie: Was waren für den Erfolg wegbereitende Produkte? Wie wurde die Produktion verbessert? Welche Patente und Erfindungen prägten den Unternehmensweg?
  • als biografische Humanhistorie, wenn charismatische Gründer- oder Führungspersonen sowie herausragende Entwickler und Erfinder gewürdigt und mit ihnen geworben werden soll.

Ebenso einzigartig wie die Tradition und Vergangenheit eines Unternehmens sind die Instrumente des Geschichtsmarketing – es gibt keine Patentlösungen!

Es lohnt sich, die Hintergründe und die Geschichte(n) Ihres Unternehmens zu entdecken, denn sie sind ebenso Spiegel unternehmerischer Aktivität und unternehmerischen Erfolgs wie Zeichen von Solidität und marktbezogener Kompetenz. Sie bezeugen die grundlegenden Potenziale und den vorhandenen Erfahrungshintergrund. Daneben liefern sie den Begründungszusammenhang für die regionale Einbindung und die produktbezogenen Marktaktivitäten. Die Unternehmensgeschichte bildet auch den Rahmen der Lebenswege von Unternehmern und Beschäftigten. Darauf nicht nur stolz zu sein, sondern diese Kräfte zu kommunizieren sowie gestaltend zu nutzen, erzeugt zukunftsorientierte Perspektiven.

Die Fortschreibung der unverwechselbaren einzigartigen Vergangenheit ist die grundlegende Basis für die Zukunft. Es ist eine dauerhafte Aufgabe, das Image nach Außen fundiert zu fördern und die Identität nach Innen langfristig zu erhalten. Allein Jubiläen als Anlass dafür zu nehmen, greift zu kurz. Tradition und Historie eines Unternehmens sind wertvolle Zeugnisse. Als Alleinstellungsmerkmale tragen sie viel weiter als simple Werbeversprechen. Genau das hat zum Beispiel die Porsche AG erkannt, die ihren Kunden mit auf den Weg gibt:

„Unsere Geschichte wird weiter geschrieben. Das ist ein Versprechen.“

[Bild: fotolia]

Einzelhandel: Kundenfrust stärkt Online-Käufe

Gestresste Verkäufer, beschränkte Auswahl und einseitige Produktinformationen - 36 Prozent aller Online-Shopper ärgern sich über das traditionelle Filialgeschäft und kaufen Waren und Dienstleistungen lieber im Internet. In Einkaufszentren und Ladenmeilen fühlen sich die Käufer zudem vergleichsweise hilflos dem Verhandlungsgeschick der Händler ausgesetzt. Fast 30 Prozent wollen dem Stress der Innenstädte entgehen und wechseln in virtuelle Shops. Dort genießen die Konsumenten das Gefühl, anonym und ohne Einflussnahme durch das Filialpersonal stöbern und bestellen zu können. Zwei von drei Kunden ordern deshalb lieber online. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie "Käufertypologien im Internet - Umsatzstimulation durch erfüllte Kaufmotive" der novomind AG in Kooperation mit wiwo.de und handelsblatt.com.

In der größten Gruppe der Käufertypologien im Internet ist das Revanchemotiv besonders ausgeprägt. Fast 30 Prozent der Online-Shopper lassen sich als so genannte "beherrschte E-Commerce-Laien" einstufen. Ihr Kaufverhalten ist vor allem durch das Bedürfnis nach Autonomie, Sicherheit und Einfluss geleitet. 37 Prozent spüren beim Shopping per Mausklick eine stärkere Handlungsfreiheit und Verhandlungsposition als im Ladengeschäft. Eine untergeordnete Rolle spielt für sie hingegen die pure Lust am Online-Shopping.

Den beherrschten E-Commerce-Laien reizt nur in Ausnahmefällen das Risiko, das beispielsweise mit der Preisdynamik von Online-Auktionen verbunden ist. Er tätigt auch nur gelegentlich spontane Belohnungskäufe. Für ihn ist der Gang ins Internet schlicht die bessere Alternative. Dabei nutzt er das Online-Angebot besonders intensiv aus: Durchschnittlich surft dieser Typ 3,6 Stunden am Tag im Netz - länger als jede andere Käufergruppe.

Der "beherrschte E-Commerce-Laie" ist im Vergleich zu anderen Käufergruppen besonders stark darauf aus, seine Kaufentscheidungen abzusichern. Dazu orientiert sich jeder zweite Online-Käufer an Bestsellerlisten und an den Produktbewertungen anderer Surfer. Wie im Filialgeschäft, so wollen sie auch im Internet-Handel keine aufdringliche Form der Beratung. Um sich im virtuellen Produktsortiment schnell zurechtzufinden, legt jeder zweite Internetuser jedoch besonderen Wert auf eine klare Struktur der Online-Shops. Speziell die vom Einzelhandel verschreckten Konsumenten legen folglich mehr Wert auf Benutzerfreundlichkeit und technisch ausgereifte Servicefunktionen, als auf offensive Vertriebsangebote der Händler.

[dw; Quelle: Fakenkontor; Bild: fotolia]

Kreativwirtschaft: Die neuen Selbstständigen sind kreativ, innovativ und erfolgreich

Irgendwo im Haus liegt sie noch herum: die Ausgabe des Magazins Spiegel mit dem Kölner Dom auf dem Titelblatt, der klimabedingt von einer Wasserflut verschlungen wird. Die visionäre Titelstory stammt aus dem Jahr 1986. Wenn man Birgit Abrecht, Chefin des Büros für Solararchitektur in der Schwarzwald-Gemeinde Keltern, fragt, woher um alles in der Welt sie vor fast 20 Jahren den Mut nahm, sogar Aufträge abzulehnen, nur weil sie die Bauherren nicht von einer energiesparenden Bauweise überzeugen konnte, dann fällt ihr nur dieser apokalyptische Spiegel-Titel ein. „Ich konnte nicht anders“ sagt Birgit Abrecht dann. Damals hätte sie selbst nicht geahnt, dass sie mit traumwandlerischer Sicherheit in eine Nische steuerte, die sich heute als Zukunftsbranche mit riesigem Wachstumspotenzial entpuppt. Heute ist die 46-Jährige im Niedrigenergiebau ein bekannter Name. Sie ist Preisträgerin des Europäischen Solarpreises, und wegen ihrer langjährigen Erfahrung ist sie ein begehrtes Mitglied in Fachgremien und Umweltverbänden.

Solararchitektin Birgit Abrecht führt eines von rund 218.000 steuerpflichtigen deutschen Unternehmen der Kreativwirtschaft. Eine wachsende Branche, die sich zusammensetzt aus Architektur, bildender und darstellender Kunst, Musikwirtschaft, Buch und Pressemarkt, Design, Werbung, Filmwirtschaft, Games- und Softwareentwicklung. Mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von etwa vier Prozent ist die Kreativwirtschaft für die deutsche Wirtschaft inzwischen fast so wichtig wie die Automobilindustrie.

Rückenwind von der Bundesregierung

Auch der EU-Kulturministerrat sieht in der Kultur- und Kreativwirtschaft eines der wichtigsten Zugpferde für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze. In Deutschland kommt jetzt auch von politischer Ebene Rückenwind: Bundesministerien und Bundesämter eröffnen Referate für Kulturwirtschaft, neun von 16 Bundesländern legen Kulturwirtschaftsberichte vor. Und die Bundesregierung will sich ab diesem Frühjahr mit der „Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft“ als aktive Förderin der Kreativen profilieren, Licht in das weitgehend unerforschte Marktgeschehen bringen und branchenspezifische Förderprogramme und Beratungsprogramme auflegen. Dies scheint auch angebracht, denn ein Jahreseinkommen von gerade mal 11.094 Euro gaben die Versicherten der Künstlersozialkasse im Jahr 2007 an – wobei die Durchschnittseinkommen der Frauen noch etwa ein Viertel unter denen der Männer lagen.

Den nicht selten prekären Lebensverhältnisse zum Trotz: Die Arbeitszufriedenheit ist auffallend hoch. Das bestätigen Umfragen immer wieder. Denn den Kreativen zählt die Selbstentfaltung häufig mehr als der kommerzielle Erfolg und Werte mehr als Wirtschaftlichkeit. Die Berliner Unternehmensberaterin Angela Pritzkow meint dazu:

„Gerade Frauen eröffnen sich durch Selbstständigkeit in der Kreativwirtschaft viele Chancen. In vielen Branchen bieten sich hervorragende Möglichkeiten, Familie und Beruf zu verbinden. Hinzu kommt, dass die meist niedrigen Investitionen, die eine Existenzgründung erfordert, dem eher vorsichtigen Umgang von Frauen mit Geld entspricht.“

Pritzkow ist Inhaberin der F3 Marketingagentur und Initiatorin eines Forschungs- und Fortbildungs-Projektes für Gründerinnen in der Kreativwirtschaft, das vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie dem Europäischen Sozialfonds (EU) gefördert wird. Die Workshopreihe „Ich allein? Mehr als ich! Zukunft für Frauen – Selbstständig in der Kreativwirtschaft“ bietet eintägige Workshops für Gründungsinteressierte, Selbstständige und Unternehmerinnen, die zwischen April und Juni in den Kreativmetropolen Köln, Hamburg, Berlin und München stattfinden. Das scheint überfällig, denn die bestehenden Beratungs- und Förderprogramme werden von Kreativen kaum in Anspruch genommen. Sie sind bislang auf deren Märkte zu wenig zugeschnitten. Dabei sind die Kreativen in betriebswirtschaftlichen Belangen oft zu unbedarft: Wer Ideengeberin und Entwicklerin, Organisatorin und Strategin, Handwerkerin und Buchhalterin in einer Person ist, benötigt zusätzliche Ressourcen für Risikomanagement und Wachstumsstrategien.

Neue Märkte, neue Möglichkeiten

„Idealismus und wirtschaftlicher Erfolg passen zusammen, wenn die Unternehmerin den Produktionsfaktor Kreativität mit Managementfähigkeiten und Marktorientierung verbindet und strategische Allianzen eingeht.“

Das weiß Expertin Angela Pritzkow aus langjähriger Beratungserfahrung. Die Chancen für eine existenzsichernde Selbstständigkeit in der Kreativwirtschaft, da ist sie sicher, waren nie größer als heute: Der Strukturwandel eröffnet neue Absatzmärkte, moderne Technologien bieten kostengünstige Produktionsmöglichkeiten und Vertriebsmöglichkeiten und das Internet ist eine optimale Plattform für arbeitsteilige Netzwerkstrukturen. In der projektbegleitenden Analyse, bei der erstmals bundesweit Daten über Frauenunternehmen und selbstständige Frauen in der Kreativwirtschaft erhoben werden, stehen diese betriebswirtschaftlichen Potenziale und Zusammenhänge im Mittelpunkt.

Erfolgreiche Kreative machen es vor. Mit innovativen Marketingstrategien und arbeitsteiligen Netzwerkmodellen erobern sie Märkte und bilden unternehmensähnliche Strukturen, die bei überschaubarem Geschäftsrisiko existenzsichernd funktionieren und auf Wachstum ausgelegt sind.

Bestes Beispiel ist die Zentrale Intelligenz Agentur (ZIA), ein Netzwerk aus Schriftstellern, Journalisten, Grafikern, Softwareentwickler und Web-Designern. Mit seiner Mitgliederstruktur aus „Agenten“, „Informellen Mitarbeitern“ und „Schläfern“ parodiert es den US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA (Central Intelligence Agency). Sitz der ZIA ist Berlin, doch die Mitglieder kooperieren zwischen Peking und New Jersey. Die Schriftstellerin Kathrin Passig, die die ZIA mit begründet hat, bringt die Vision auf den Punkt:

„Wir haben uns bemüht, eine Firma naturgetreu nachzubilden und dabei alles wegzulassen, was an Firmen nervt.“

Öffentlichkeitswirksamkeit für alle Mitglieder entfaltete die ZIA, als Passig im Jahr 2006 den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt, und das ZIA-Weblog „Riesenmaschine“ kurz darauf mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus erlaubt die auftragsbezogene Teambildung eine effektive Arbeitsteilung, ohne die einzelnen Mitglieder langfristig zu binden, branchenübergreifende Fachkenntnisse und Beziehungen sind nützlich für die Neukundenakquisition, der gemeinsame Auftritt unter dem Markennamen ZIA hilft bei Honorarverhandlungen. Und das alles, ohne nennenswerte Kosten zu produzieren: Da es sich fast ausschließlich um Online-Zusammenarbeit handelt, braucht die Agentur nicht einmal Geschäftsräume.

Von der Rapperin zur Unternehmerin

Ebenfalls ohne eigene Geschäftsräume, dafür aber recht erfolgreich ist Pyranja – die Bekannteste in der unbekannten Szene deutschsprachiger Rapperinnen. Die 29-jährige Rostockerin, die sich im Hip-Hop einen Namen gemacht hat, vertreibt ihre Songs unter einem eigenen Independent-Label. Der Kern von Pyranja Records ist ein Netzwerk aus Geschäftskontakten und Kooperationspartnern, daher kommt das Label ohne fixen Kostenapparat und Personalunterbau aus. Während der Produktionsphasen beschäftigt Pyranja für Promotion, Konzertmanagement, Verwaltung und Vertrieb bis zu vier Mitarbeiter – auf Honorarbasis oder mit Gewinnbeteiligung. So bleiben die Investitionen überschaubar und lassen sich aus Sponsorengeldern finanzieren.

Neuartige Unternehmensformen, strategische Marketing-Allianzen, Netzwerke von Selbstständigen, gemeinschaftliche Vertriebsmodelle – dort liegt die Zukunft der Kreativwirtschaft, dies will Kreativ-Expertin Angela Pritzkow den Workshop-Teilnehmerinnen mit auf den Weg geben und mit der begleitenden Ausstellung erfolgreicher Unternehmerinnen belegen. Doch die Entwicklung steht erst am Anfang, und die Kreativ-Unternehmerinnen brauchen branchenspezifische Beratung und Förderung, um den Weg zu ihrem persönlichen Geschäftsmodell zu finden - erst dann kann sich ihr Wachstumspotenzial entfalten.

Hinweis

Mehr Informationen zur bundesweiten Workshopreihe „Ich allein? Mehr als ich?! Zukunft für Frauen – Selbständig in der Kreativwirtschaft“ finden Sie unter: www.f3-kreativwirtschaft.de [314]


Kreativwirtschaft in Zahlen und Fakten

Die Kreativwirtschaft ist bis heute in vielen Teilen ein weißer Fleck im deutschen Marktgeschehen: Wirtschaftsdaten werden nur vereinzelt und mit kaum vergleichbaren Parametern erhoben, über die steuerlich nicht erfassten Kleinstunternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 17.500 Euro ist so gut wie nichts bekannt - obwohl sie nach Schätzungen etwa 50 Prozent der Selbstständigen ausmachen, die Wertschöpfungskette innerhalb der einzelnen Branchen ist nur wenig erforscht. Wo es aber Zahlen gibt, da offenbaren sie einen facettenreichen, personalintensiven und quicklebendigen Markt.

Die Begriffe “Kreativwirtschaft“, „Kulturwirtschaft“ und „Creative Industries“ sind nicht einheitlich. Im Allgemeinen versteht man unter Kreativwirtschaft die Branchen Architektur, bildende und darstellende Kunst, Musikwirtschaft, Buch und Pressemarkt, Design, Werbung, Filmwirtschaft sowie die Games- und Softwareentwicklung.

Der EU-Kulturministerrat hat die Kultur- und Kreativwirtschaft im vergangenen Jahr als Zukunftsmarkt und Motor für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze ausgemacht. Mit einem Anteil von 2,6 Prozent am deutschen Bruttoinlandsprodukt (2004) liegt die wirtschaftliche Bedeutung Kreativwirtschaft zwischen der Automobil- und der Chemieindustrie. Die Zahl der Arbeitsplätze, die hier geschaffen werden, ist im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre um beachtliche drei Prozent gestiegen. Und die Zahl der Unternehmen wächst dreimal schneller als die der Gesamtwirtschaft.

Rund 218.000 steuerpflichtige Unternehmen waren im Jahr 2006 in der deutschen Kreativwirtschaft aktiv. Vom Major über GmbHs bis zum Mikrounternehmen wurde insgesamt ein Umsatzvolumen von knapp 121 Milliarden Euro erwirtschaftet. Mikrounternehmen stellen drei Viertel in der Kreativwirtschaft: Mehr als 150.000 freiberufliche Büros und gewerbliche Kleinstunternehmen erzielten im Jahr 2005 ein Umsatzvolumen von rund 17 Milliarden Euro.

In allen Teilbereichen, außer dem Einzelhandel mit Büchern und Zeitschriften, nimmt die Anzahl der Selbstständigen beziehungsweise Unternehmen zu. In einigen Bereichen (zum Beispiel Architektur-, Journalisten-/ Nachrichtenbüros, Filmwirtschaft, Werbung) werden jedoch rückläufige Umsätze (weniger als 5 Prozent) durch die Jahre der Rezession verzeichnet. Im Bereich Filmwirtschaft wurde bereits bundespolitisch reagiert und ein Zuschussprogramm zur Unterstützung dieses Bereiches im Jahr 2007 gestartet. Die derzeit erfolgreichste Branche innerhalb der Kreativwirtschaft ist die Designbranche: Sie wuchs zwischen 2004 und 2005 um 15,2 Prozent. Sie wird gefolgt von Journalisten- und Nachrichtenbüros (10,5 Prozent) und Software/ Games (7,2 Prozent). Alle Wirtschaftszweige zusammen wuchsen im gleichen Zeitraum um 5,1 Prozent.

Eine der wenigen geschlechterdifferenzierten Erhebungen bietet der Berliner Kulturwirtschaftsbericht 2005: Von den über 90.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigen im Jahr 2002, lag der Frauenanteil bei rund 50 Prozent. Hohe Anteile weiblicher Beschäftigung wurden insbesondere im Kunstmarkt (77 Prozent), der Werbung (52 Prozent) sowie dem Buch- und Pressemarkt (52 Prozent) erreicht.

Untersuchungen, die bundesweit sowohl einen Überblick über Gründerinnen in der Kreativwirtschaft, in den einzelnen Branchen beziehungsweise Teilmärkten und Auskünfte über die betriebswirtschaftliche Verfasstheit dieser Unternehmen geben, fehlen. So wurden bisher die Teilmärkte auf ihre existenzsichernde Unterschiedlichkeit wenig analysiert. Die Unterschiedlichkeit besteht zum einen in der Regulierung sowie in den Zugangsmöglichkeiten und Zugangsbarrieren, wie zum Beispiel beim Kapital oder Kundschaft. Die Schnelllebigkeit und Veränderlichkeit der Märkte unter Berücksichtigung des Faktors Kreativität erfordert hier unter anderem eine Analyse der Unternehmen und ihrer Absatzmöglichkeiten, um das Potenzial für Frauenunternehmen herauszukristallisieren.

[Quellen: Destatis, Arbeitskreis Kulturstatistik, Künstersozialkasse, Bündnis 90/Die Grünen - Kulturwirtschaft und Creative Industries 2007, Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 31/2007, Kulturwirtschaftbericht Berlin 2005.]


[Andrea Rehmsmeier; Bild: Fotolia.com]

Image: Bundesbürger vertrauen deutschen Automarken

Auch Volkswagen kann sich unter den Top Ten von über dreißig untersuchten Automobilmarken platzieren. Schlusslichter beim Qualitätsimage sind derzeit Fiat, Daihatsu und Kia. Die Luxus-Traditionsmarke Ferrari trägt bei den Normalbürgern hier die ungewohnte "rote Laterne". Ähnlich negativ beurteilen die Bundesbürger das Preis-Leistungs-Verhältnis des Smart. Die großen deutschen Marken liegen hier überwiegend nur im Mittelfeld. In punkto Weiterempfehlungsbereitschaft führt derzeit Audi klar vor BMW und Volvo, am unteren Ende des Rankings liegen Lancia, Fiat, Kia und Daihatsu.

Dies zeigt eine Auswertung des "BrandIndex" des Marktforschungs- und Beratungsinstituts psychonomics AG für das erste Quartal 2008. Über 550 Verbrauchermarken aus 18 zentralen Branchen werden täglich mit dem Markenmonitor untersucht. Die Ergebnisse beruhen auf der täglichen Befragung von 1.000 Bundesbürgern über einen Zeitraum von drei Monaten und über 60.000 Einzelurteilen.

Fiat-Gesamtimage kommt aus der Talsohle - Toyota lässt Federn

Den relativ stärksten Imagegewinn im ersten Quartal 2008 konnte auf Ebene der Gesamtwahrnehmung der Marke in der deutschen Bevölkerung der italienische Hersteller Fiat verzeichnen. Als "Auto des Jahres 2008" scheint der "Fiat 500" das im Branchenvergleich deutlich unterdurchschnittliche Markenimage der Italiener etwas aufzupolieren.

Den relativ stärksten Imageverlust im ersten Quartal 2008 musste hingegen Toyota hinnehmen. Hierzu hat nicht zuletzt das schlechte Abschneiden in der aktuellen ADAC-Pannenstatistik beigetragen. Gleichwohl liegt die Marke in punkto Gesamtimage in der deutschen Bevölkerung noch recht weit vorne auf Platz fünf; lediglich Porsche, Audi, BMW und Volvo können sich hier besser platzieren. Das Ranking des Gesamtimage wurde anhand folgender Einzeldimensionen ermittelt:

  • allgemeiner Markeneindruck
  • Qualität
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Kundenzufriedenheit
  • Weiterempfehlungsbereitschaft
  • Arbeitgeberimage

Image der Automobilbranche insgesamt nur im Mittelfeld

Boris Hedde, Studienleiter bei der psychonomics AG, kommentiert:

"Die deutschen Automarken zeigen aus Sicht der Bundesbürger derzeit eine recht starke Performance. Zahlreiche Konkurrenten zeigen sich aber ebenfalls hellwach."

Das durchschnittliche Image aller untersuchten in- und ausländischen Automobilmarken liegt in der deutschen Bevölkerung im Vergleich zu anderen zentralen Branchen nur im unteren, gleichwohl noch positiven Mittelfeld. Das negativste Markenimage weisen aktuell vor allem die Energiebranche, Fondsgesellschaften und Banken auf, das beste Image haben derzeit insbesondere die Branchen Lebensmittel, Körperpflege und Süßwaren/Snacks.

[dw; Quelle: psychonomics; Bild: fotolia]

E-Commerce: Einkaufsbummel im Internet ist out

Jeder Zehnte kauft im Netz ein, weil dies entspannend ist. Für rund drei Viertel der Internetznutzer ist es viel wichtiger, dass sie möglichst schnell finden, was sie suchen und den Kaufvorgang ohne viel Aufwand abwickeln können. Dies ergibt die Studie "Käufertypologien im Internet - Umsatzstimulation durch erfüllte Kaufmotive" von der novomind AG in Zusammenarbeit mit wiwo.de und handlesblatt.com.

Mit dem schnellen Zugriff auf die Produkte und der großen Verfügbarkeit der Waren im Internet belohnen sich die Online-Shopper. Sie müssen sich nicht durch enge Kaufhausgänge drängeln und an endlos langen Käuferschlangen warten. Vor allem der Käufertyp der so genannten "Jungen Lustkäufer" begründet so sein Ausweichen auf das Internet. Er nennt den schnellen und stressfreien Einkauf im Netz als Hauptmotiv für Online-Shopping. Gleichzeitig setzen neun von zehn Befragten dieses Käufertyps auf die Unabhängigkeit des Interneteinkaufs. Sie ziehen die virtuellen Marktplätze den realen vor, weil sie beispielsweise unabhängig von Ladenöffnungszeiten sein wollen. Keinen Wert legt dieser Internet-Käufer dagegen auf experimentelle Einkaufserlebnisse oder innovative Produkte.

Weniger Entspannung, sondern Belohnung und Autonomie, sind auch für den Käufertyp "Beherrschter E-Commerce-Laie" die wichtigsten Antreiber für den Einkauf im Netz. Jeder der Befragten gibt an, das gewünschte Produkt im Netz schneller finden zu können. Daneben schätzt dieser Internet-Einkäufer die große Vergleichbarkeit der Online-Angebote. Er muss beispielsweise nicht von Geschäft zu Geschäft laufen, denn im Internet ist dieser nur wenige Mausklicke entfernt. Die Neugier nach Trends treibt diesen Käufertyp dagegen nicht in die Online-Shops.

Darüber hinaus identifiziert die Studie noch vier weitere typische Käuferprofile. Die "Skeptischen Gelegenheits-Shopper" legen besonderen Wert auf die Anonymität des Online-Einkaufs. Zugleich schätzen sie die Bequemlichkeit und sieben von zehn Befragten legen Wert auf Foren und Bewertungen. Als besonders kritisch erweist sich der "Bedächtige Vergleicher". Er hält sich selbst für entscheidungsfreudig, den Weg zur virtuellen Kasse findet er allerdings nur selten: Jeder Zweite kauft weniger als einmal monatlich im Internet, und spontan geschieht das schon gar nicht.

Der "Gelegentliche Marktplatz-Fan" streift am liebsten unerkannt durch die Ladenpassagen im Netz und vergleicht gerne Preise und Produktqualität, bevor er sich entscheidet. Die Anonymität des Internet schätzt auch die sechste Käufergruppe, die "Ausgeglichenen E-Shopping-Profis". Sie mögen den reibungslosen Einkauf, ohne lange vom Verkäufer angesprochen oder aus anderen Gründen aufgehalten zu werden.

Was Online-Einkäufer am Shoppen im Web reizt:

  • Schneller Zugriff: 74,7 Prozent
  • Verfügbarkeit: 57,8 Prozent
  • Exklusivität: 44,0 Prozent
  • Vorfreude: 42,2 Prozent
  • Vielfalt: 36,1 Prozent
  • Inspiration: 15,7 Prozent
  • Entspannung: 10,2 Prozent
  • Hedonismus: 7,8 Prozent

Die Studie "Käufertypologien im Internet - Umsatzstimulation durch erfüllte Kaufmotive" stellt die Ergebnisse einer Online-Befragung dar, die im Auftrag der novomind AG in Kooperation mit wiwo.de und handelsblatt.com durchgeführt wurde. Ziel der Untersuchung war es, die Beweggründe von Internet-Shoppern zu analysieren und spezielle Käufergruppen zu typologisieren. An der Studie nahmen insgesamt 186 Fach- und Führungskräfte der Internetwirtschaft teil. Die Online-Befragung wurde im September und Oktober 2007 durchgeführt.

[dw; Quelle: Faktenkontor; Bild: fotolia]

Kundenzufriedenheit: Mit Begeisterung zum Erfolg

Ach du dickes Ei!

Der verkaufsoffene Sonntag sollte für das Lederwarengeschäft etwas ganz Besonderes werden. Denn das Unternehmen feierte in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. In lokalen Tageszei­tungen schaltete der Inhaber Anzeigen mit folgendem Wort­laut: „Wir feiern Jubiläum! Wer am Sonntag zu uns ins Geschäft kommt, in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert und dies durch Vorlage seines Personalausweises belegt, erhält von uns eine Blume geschenkt.“ Der Erfolg der Aktion blieb aus. Nur ganz wenige Geburtstagskinder kamen, um „ihre“ Blume abzu­holen.

Bei näherer Betrachtung überrascht es nicht, dass die Aktion ein Flop wurde. Der Geschäftsinhaber hatte so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte: Er hatte zu hohe Hürden aufgebaut. Und der Kreis der Empfänger war im Hinblick auf geplante Zusatzverkäufe oder die langfristige Gewinnung neuer Interessenten viel zu klein. Die Aktion entsprang wohl dem verzweifelten Versuch, die Marterberge mit einem halbherzigen Fallschirmabsprung zu verlassen, wobei sich der Fallschirm aber leider in einer Glet­scherspalte verfing.

Wie hätte es der Lederwarenhändler besser machen können? Ganz sicher geht es nicht darum, am Jubiläumstag hochwer­tige Verkaufsware im Wert eines zwei- oder dreistelligen Euro-Betrages zu verschenken. Eine Blume als Geschenk war schon in Ordnung. Aber geschickter wäre es gewesen, in der Anzeige nicht schon im Voraus zu verraten, was die Besucher im Ge­schäft am verkaufsoffenen Tag bekommen werden. Menschen sind von Natur aus neugierig. Mit einer toll aufge­machten und geschickt angekündigten „Überraschung“ kann man beinahe jeden ködern. Dabei kommt es gar nicht darauf an, dass es sich um ein teures Geschenk handelt. Es kann auch eine Kleinigkeit sein – Hauptsache, sie wird richtig inszeniert und dem Kunden mit der entsprechenden Aufmerksamkeit und Herzlichkeit übergeben, so dass er sich persönlich angespro­chen fühlt.

Begeisterung wecken – zum bunten Ei werden

Nicht nur im Falle des Ledergeschäftes zwingen Unternehmen ihre Kunden ständig, sich mit Unannehmlichkeiten zu arrangieren. Nein, es macht wirklich keinen Spaß, Kunde in Deutschland zu sein:

  • Kunden werden oft gar nicht wahrgenommen, manchmal nicht einmal angeschaut oder nur angemuffelt.
  • Freundlichkeit ist ein Wort, dessen Bedeutung man am besten im Fremdwörterlexikon nachschlägt.
  • In allen Verbraucher- und Supermärkten muss man sich als zahlender Kunde in lange Kassenschlangen einreihen und froh sein, wenn man nach 20 Minuten Wartezeit endlich bezahlen „darf“.
  • Das Personal im Handel wie auch im Dienstleistungsbereich, in der Industrie wie auch im Handwerk ist oft inkompetent und schlecht informiert.
  • Die meisten technischen Geräte und deren Bedienungsanleitungen sind Bücher mit sieben Siegeln.

Jeder arbeitet so vor sich hin, und das Einzige, was dabei immer wieder hartnäckig stört, ist der Kunde. Der Dienst am Kunden ist mittlerweile so unter aller Kritik, dass der Einzelne schon gar nichts mehr erwartet. Das gilt für Konzerne genauso wie für mittelständische und kleine Unternehmen.

Als Kunden sind wir heute alle satt. Wir duschen mit lauwarmem Trinkwasser, nahezu jeder 18-Jährige hat ein eigenes Auto, jedes 12-jährige Kind ein eigenes Handy, und unsere Schränke und Wohnungen sind vollgestopft mit 50 Jahren Wohlstandsprodukten. Experten behaupten sogar, gesättigte Konsumenten knauserten und sparten bewusst bei Waren, um sich mehr Dienstleistungen gönnen zu können, weil sie denen einen größeren Wert bei der Erhöhung ihrer Lebensqualität beimessen. Das ist leicht nachzuvollziehen: Service und Dienstleistungen haben im Gegensatz zu Waren einen Erlebnischarakter – und genau dieser ist es, nach dem gesättigte Konsumenten gieren! Es reicht heute nicht mehr aus, dass der Kunde das gewünschte Produkt erhält; entscheidend ist vielmehr, wie er es erhält. Ein Unternehmen, das es schafft, Begeisterung zu wecken, erscheint den Kunden angenehm auffallend anders als alle anderen – mit anderen Worten: Es wird zum bunten Ei, das aus der Masse der einheitlich norm-weißen Eier herausragt.

Auf dem Weg zu Kundenzufriedenheit: Energiefresser beseitigen

Viele Unternehmen haben heute zu viele Baustellen gleichzei­tig: Da werden Dutzende von Projekten initiiert, aber oft zu kei­nem befriedigenden Abschluss gebracht. Nach anfänglicher Euphorie versanden die Projekte oder verlieren sich in Mei­nungsverschiedenheiten und gegenseitigen Schuldzuweisun­gen. Außerdem gibt es Verfahrensanweisungen, Handbücher, Prozessbeschreibungen und einen ganzen Haufen weiterer  überflüssiger Bürokratie in den Unternehmen, der Arbeitszeit und Aufmerksamkeit frisst und den Blick gefangen hält. Zusätzlich zu den beruflichen Baustellen kommen noch all die privaten Baustellen hinzu, mit denen jeder beschäftigt ist: Wer privat oder im Unternehmen zig unerledigte Dinge mit sich herumträgt, hat keinen Antrieb und keine Energie mehr, sich für Kundenbegeisterung zu engagieren!

Hinweis

Mein Tipp: Schreiben Sie alle unerledigten Dinge auf, die Sie gegenwärtig mit sich herumtragen – wirklich alle! Private ge­nauso wie berufliche. Das Reinigende ist das Aufschreiben: Es entlastet die Seele, weil man nun nichts mehr zu verdrängen  braucht. Dann gehen Sie die Liste Punkt für Punkt durch: Was können Sie einfach ersatzlos strei­chen, weil es ohnehin nicht wichtig ist? Schließen Sie zugleich mit dem Streichen des Punktes diesen auch innerlich ab: Was können Sie an andere delegieren, um sich zu entlasten? Zuletzt sind die dicken Brocken dran – diejenigen Aufgaben, die Sie nicht delegieren und nicht einfach unter den Teppich keh­ren können. Entscheidend ist das TUN – Trägheit Unentwegt Ne­gieren und dabei nicht Unnötig Trödeln.

Im Lebensfluss sein

Wenn Sie alle Begeisterungsbremsen gelöst haben, sind Sie „im Fluss“, genauer gesagt: im Lebensfluss. Denken Sie darüber nach, wann Sie das letzte Mal in Ihrem Leben wirklich begeistert waren. War es z.B. bei Ihrer Hochzeit, bei der Geburt ei­nes Kindes oder als Sie einen großen Auftrag von einem re­nommierten Kunden bekommen haben? Schreiben Sie die fünf schönsten Begeisterungsmomente Ihres Lebens auf, damit Sie dieses Gefühl in Zukunft immer wieder in sich wachrufen kön­nen. Wenn Sie auf den Lebensfluss schauen, dann sehen Sie: Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht!

Grundelemente der Begeisterung sind: der feste Wille, ein Ziel zu erreichen, und die richtige innere Einstellung. Es ist wichtig, je­den Morgen von neuem die eigene Einstellung zu wählen: Wie will ich diesen Tag erleben? Mit Freude und Spaß – oder miss­mutig und gelangweilt? Man kann immer aus zwei verschiede­nen Richtungen an einen neuen Tag herangehen, von der Sorge oder von der Begeisterung her – wir haben immer die Wahl. Wenn wir die Begeisterung wählen, dann sind wir erfüllt von ihr.

Die eigene Begeisterung auf Kunden übertragen

Das Gelbe vom Ei

Beim Einchecken wurden neu ankommende Single-Gäste eines Hotels gefragt: „Dürfen wir Sie zu einem Seitensprung einla­den?“ Die erstaunten Blicke der Gäste kommentierte die Re­zeptionistin mit der freundlichen Überreichung eines alkohol­freien Begrüßungscocktails mit dem Namen „Seitensprung“. Ehepaare wurden statt zu einem Seitensprung zu einer „heißen Nacht“ eingeladen. Bei der Abreise fanden die Gäste unter der frisch gereinigten Windschutzscheibe eine rote Karte mit den Worten vor: „Wir, das Team vom Hotel, haben uns erlaubt, für Ihre klare Sicht zu sorgen.“

Kleine wirkungsvolle Aktionen, die Kunden überraschen und verblüffen – und die das Prädikat der 6 A’s verdienen: Ange­nehm Auffallend Anders Als Alle Anderen.

Zufriedenheit auf beiden Seiten – Was Kunden am meisten schätzen

Kunden sind dann glücklich und zufrieden, wenn sie als Käufer jeden Tag das bekommen, was sie sich am meisten wünschen. Was genau ist das? Wenn man sich bei vorbildlichen Unternehmen umschaut, wird einem schon bald klar, was sie für Kunden so angenehm macht:

  • Die Konsumenten werden freundlich bedient.
  • Sie werden individuell betreut.
  • Sie haben immer persönliche Ansprechpartner bei allen Anliegen.
  • Die Geschäftsräume sind sauber und ordentlich.
  • Die Aufträge werden richtig und vollständig ausgeführt.
  • Über Terminzusagen, die nicht eingehalten werden kön­nen, werden die Käufer rechtzeitig informiert.
  • Rechnungen sind verständlich formuliert.
  • Zugesagte Rückrufe werden eingehalten.
  • Die Mitarbeiter im Kundenkontakt zeigen umfassende Ser­vicebereitschaft.
  • Die Öffnungszeiten richten sich nach den Wünschen der Kunden. Stammkunden werden namentlich angespro­chen.
  • Die Bedienung an der Kasse erfolgt zügig.

 

Fast glauben wir, nach all den schlechten Erlebnissen zuvor jetzt im Märchenland angekommen zu sein: überall strahlende Ge­sichter und leuchtende Augen, und das sowohl bei den Kun­den als auch bei den Mitarbeitern der Unternehmen! Dieses Geheimnis wollen wir genauer erkunden. Woran liegt es, dass Kunden wie Unternehmen gleichermaßen be­geistert sind? Gibt es einen gemeinsamen Nenner, der sich hin­ter all den funktionierenden Serviceleistungen verbirgt? Es gibt ihn! Schon bald erfahren wir, dass das Erfolgsgeheimnis, das die Menschen beflügelt, auf drei Dingen beruht: Aufmerksamkeit, Anerkennung und Wertschätzung. Und diese, erhalten nicht nur die Kunden, sondern auch die Mitarbeiter in den Unternehmen für ihre Arbeit, wes­halb sie ihre gute Stimmung gerne weitergeben. So entsteht ein positiver Kreis­lauf.

Kunden kaufen vor allem gute Gefühle. Wenn sie wie Men­schen anstatt wie Geldzahlmaschinen behandelt werden, kommen sie gerne wieder. Daher stimmen bei Unternehmen, die diesen Grundsätzen folgen, auch die Um­sätze. Denn hier wird den Kunden Glaubwürdigkeit, Vertrauen, Verbindlichkeit und Freude geschenkt. Viele andere Betriebe sind schon so pleite, dass sie ihren Kunden noch nicht einmal mehr ein Lächeln schenken können.

Aufbruch zum Erfolg

Wir haben auf unserer Reise bisher Neuland erkundet, um die Kunden zu studieren, haben uns angeschaut, wie die Käufer gerne verwöhnt und begeistert werden, und zuletzt haben wir gesehen, wie Unternehmen verschiedener Wirt­schaftszweige ihre Berge der Herausforderung erfolgreich meis­tern. Schrittweise nähern wir uns dem Aufbruch in Richtung Erfolg. Dabei müssen wir Verantwortung und Mut aufbringen, unsere Vorhaben umsetzen und vielleicht auch unsere Angst besiegen.

Den meisten Unternehmen fehlt es heute an einer Strategie. Sie leiden unter der typischen Krankheit unserer Zeit: Verzettelung. Das heißt, sie bieten ein viel zu breites, diversifiziertes Angebot an Produkten oder Dienstleistungen an und verzetteln sich damit in einer Hyperkomplexität, die sie zeitlich und personell kaum noch beherrschen können. Sie verwirren dadurch außerdem die Käufer, die an Consumer Confusion leiden, sich in der Produktvielfalt nicht mehr zurechtfinden und mit Kaufabstinenz reagieren. Wer verzettelt ist, muss seine Energien über viel zu viele Aktivitäten gleichzeitig streuen und verliert dennoch das Wichtigste aus den Augen: nämlich das, was die Kunden wirklich wollen.

Strategisches Vorgehen ist der endgültige Abschied von solchen Hindernissen hin zum Erfolg. Wer strategisch vorgeht, hat es leichter: Statt al­len alles zu bieten und damit seine Energien zu verzetteln, ist man erfolgreicher, wenn man nur wenigen ausgesuchten Zielgruppen etwas Herausragendes bietet. Durch die Konzentration der Kräfte auf das Wesentliche – die wirklichen Kundenbedürfnisse – wird mit weniger Aufwand erheblich mehr erreicht. In der Folge sin­ken die Kosten und steigen die Umsätze wie auch die Gewinne.

[Bild: fotolia.com]

Online-Markenführung: Ohne klares Profil keine Glaubwürdigkeit

Kaufen wir bei Aldi, denken wir an günstig einkaufen. Sehen wir einen Rolls Royce, denken wir an Luxus. Schauen wir uns einen Film von Walt Disney an, denken wir an Familie. Dass Marken funktionieren und ihre Orientierungsfunktion in übersättigten Märkten der realen Güterströme erfüllen, ist allgemein anerkannt. Um dies zu erreichen, brauchen die erfolgreichen Marken vor allem Zeit und Konsistenz.

Im Internet schien zunächst alles anders. Anfang 2000 galt dort das Dogma: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Die „First Mover“ sahen sich auf der Siegerstrasse. „Time to Market“, die kürzestmögliche Zeit zwischen Idee und Auftritt im Internet, war das entscheidende Erfolgskriterium. Nicht nur kaufmännisches, sondern auch markenrelevantes Wissen aus der „vorelektronischen Zeit“ wurde schlichtweg über Bord geworfen. Das oft gehörte Argument: „Die Schnellen fressen die Langsamen“ - Markenführung braucht Zeit, die haben wir nicht, also gelten auch andere Gesetze für die Online Markenführung. Zur Freude der Medien wurden enorme Budgets in Kampagnen gesteckt – mit einem einzigen Ziel: Markenbekanntheit aufzubauen. Vom Prinzip Markendreiklang, das neben Markenbekanntheit auch Sympathie und vor allem Verwendung zu seinen Erfolgskriterien zählt, keine Spur.

Heute, acht Jahre nach der Dot.com-Euphorie, ist bei den Online-Marken die Realität eingezogen. Viele der reinen Dot.coms sind ebenso schnell wieder verschwunden, wie sie auf den Markt kamen. Das Internet hat sich mit täglich sieben Millionen neuer Websites als Medium fest etabliert. Und es sind die traditionellen, allen Konsumenten bekannten Unternehmen mit ihren Marken, Markterfahrungen, ihrem Kundenwissen, ihren Geschäften und Vertriebsstrukturen, die den reinen Internetfirmen den Rang ablaufen. Dieser Wettbewerb zwischen den sogenannten „brick and click“- und „pure click“-Unternehmen wird nicht zuletzt im Bereich Markenführung entschieden.

Die Marke als Ausdruck eigener Identität

Es reicht heute nicht, eine Marke zu haben; nur wer eine Marke ist – also lebt – wird Erfolg haben. Starke Marken werden durch eine starke Identität bestimmt, und die entsteht bekanntlich von innen nach außen, nicht von außen nach innen. Doch die Erkenntnis, dass die Marke genau diese kommunikative Orientierung leisten kann, setzt sich bei den Marken- und Marketingverantwortlichen nur langsam durch. Grundlage jeder Orientierung ist ein klares Profil, Grundlage jedes Profils eine koordinierte Identität. Die Natur kennt die Identität als einzigartige Orientierungsgrundlage. Alles, was uns umgibt, seien es Tiere, Pflanzen, Planeten, besitzt seine eigenständige und bei genauerem Hinsehen auch völlig unverwechselbare Identität als dauerhafte Orientierungsgrundlage. Grundlage jeglicher Orientierung ist also auch die Identität.

Die Wiederholung identitätsrelevanter Merkmale schafft Sicherheit, Wiedererkennbarkeit und somit Vertrauen. Der Cowboy und das Pferd – Marlboro; die Luftblasen auf blauem Hintergrund – O2; die einzigartige Form des Autos – typisch für fünf Jahrzehnte Autobau im Hause Porsche. Jede erfolgreiche Marke hat spezifische Stilelemente, die seiner Kommunikationsarbeit eine individuelle, unverwechselbare Prägung geben. Typische Stilelemente eines Unternehmens sind immer Spiegelbild der eigenen Leistungen und präzise definierter Kundenbedürfnisse.

Im Zeichen des Kunden

Stilelemente – den Begriff kennen wir aus der Kunstgeschichte. Dorische und ionische Säulen unterscheiden sich. Die Stilelemente des Barock sind andere als die der Gotik. Van Gogh malte anders als Gauguin. In der Kunst sind Stilelemente Spiegel einer jeweils anderen Vorstellungswelt oder Lebensauffassung. Stilelemente eines Unternehmens sollten dagegen immer Spiegelbild präzise definierter Kundenbedürfnisse sein.

Viele Unternehmen mit ihren Marken wissen nicht oder nur sehr vage, wer sie sind und meist noch weniger, wie sie sich darstellen sollen – ganz gleich ob in den traditionellen oder in den digitalen Medien. Obwohl oder gerade weil Unternehmen aus Menschen eigener Identität bestehen, überträgt jeder einzelne Mitarbeiter sehr persönliche Vorstellungen auf sein Arbeitsumfeld. Der Internet-/Intranet-Auftritt vieler Unternehmen spiegelt daher häufig nichts anderes wider als einen Wirrwarr unterschiedlichster Vorstellungen. Hier wird deutlich: Markenführung im Internet ist eine unternehmerische Aufgabe.

Das Internet als Marketingbaustein bei „brick and click“-Unternehmen

Anfangs führte die Online-Marke gerade bei den „brick and click“-Unternehmen eine Art „Ghettoexistenz“. Die Regel, dass die Marke in allen Medien exakt den gleichen Auftritt, die gleiche Tonalität haben sollte, führte zu 1:1-Darstellungen der offline-Publikationen im Internet. Interaktivität und die Einbindung multimedialer Inhalte wurden kaum wahrgenommen. Das hat sich heute geändert: So wichtig natürlich die einheitliche Vermittlung einer Markenidentität quer durch alle Medien sein muss, so ineffizient wäre es, den jeweils besonderen Charakter der verschiedenen Medien zu missachten und über alles einen emotionalen Werbebrei zu gießen. Das wird bereits heute beim Einsatz der Kino-Werbung von allen begriffen. Im Kino treffe ich ein besonders junges Publikum in einer besonderen "Konsumentensituation". Diese Erwartungshaltung an Unterhaltung und Vergnügen bedient die Werbewirtschaft in ihren Spots mit emotionalen Mitteln des Films und entsprechenden Ideen und Geschichten, die sich zumeist von den klassischen Kampagnen unterscheiden. Gerade die Sparkasse zeigt hier immer wieder erfolgreiche Umsetzungen.

Das Beispiel VW

Die Integrität der Marke leidet also nicht durch die medientypischen Unterschiede. Sie erhält im Gegenteil Leben und Identität durch den intelligenten Einsatz der Medien-Charakteristika für die Ansprache und den Austausch mit der Marke des jeweiligen Publikums. Ein gutes Beispiel ist die VW-Kampagne „Horst Schlämmer hat jetzt Golf.“ Mit Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling wurde eine Figur geschaffen, die Menschen in jedem sozialen Milieu und in jeder Altersklasse anspricht. Das macht sie für VW attraktiv, eine Marke, deren breite Produktpalette diese unterschiedlichten Zielgruppen adressiert. 1,5 Millionen Menschen haben die Videos von Horst Schlämmer und VW auf der Website von VW, Youtube, myvideo und anderen angesehen.

Um den VW-Kunden an das Unternehmen zu binden, präsentiert sich VW zudem mit neuen Aktivitäten als „Mobilitätsdienstleister“. Mit den Mobile Services unter www.volkswagen.de intensiviert Volkswagen die Kundenbindung. VW bietet den Nutzern kostenlosen Service zu einer individuellen Reiseplanung. In dieser sind Routendaten, Übernachtungsmöglichkeiten und Infos zu den günstigsten Tankstellen miteinander verknüpft. Weitere Portale wie zoon.com und volkswagen-kinderleicht.de dienen der frühzeitigen Bindung von Kindern und Jugendlichen an die Marke Volkswagen.

Markenführung bei „pure click“-Unternehmen

Das Konzept der Markenführung im Internet heißt E-Branding. Markenführung im Internet bedeutet, die Marke aktiv zu erleben und nicht nur passiv wahrzunehmen. Dabei ist eines wichtig: Nur die Marke lässt sich bestimmen und aktiv führen. Als Steuerungsinstrument steht sie im Zentrum der Kommunikationsstrategie und lässt sich wie ein Kompass für eine Vielzahl von Medien nutzen. Die Konsequenz heißt, die Marke über die Zielgruppen zu führen und zu integrieren.

Vision und Strategie

E-Branding-Konzepte müssen einer unternehmerischen Vision Ausdruck geben. Deshalb sollen Planung, Betreuung und Pflege der Online-Marke strategisch ausgerichtet sein. Markenführung darf keine Aufgabe der Marketingabteilung alleine sein. Vielmehr sitzen Unternehmensleitung, Techniker und Designer zusammen mit Marketing, PR und externen Fachleuten an einem Tisch, um gemeinsam das Markenkonzept zu entwickeln. So spielen zum Beispiel bei Fachverlagen Kriterien wie Datenbanken, Ladegeschwindigkeiten, Usability, Downloadbereiche, Experten-Chats und Responsiveness oder Informationsforen eine Rolle. Überhaupt zeichnen sich viele erfolgreiche dot.com-Unternehmen durch flache Hierarchien aus. Die klassische Aufteilung in Abteilungen wie Marketing, Vertrieb, PR, etc. ist überholt. Denn gerade dort, wo das Erlebnis der Marke mit einem physischen Produkt oder einem bestimmten Verkaufsort fehlt, ist jeder Mitarbeiter Markenbotschafter im Unternehmen.

Das Beispiel TecChannel

Die IT-Website TecChannel.de positioniert sich heute als Expertenplattform. Das Fachmagazin für IT-Entscheider hatte sich über die Jahre von einer rein technischen Informationsplattform zu einem webbasierten Experten für alle Anfragen und Probleme von IT-Entscheidern und Anwendern weiterentwickelt. TecChannel steht heute für Wissensaustausch statt reiner Information.

TecChannel ist eine interaktive Expertenplattform – von Experten für und mit Experten. Die neue Kompetenzaussage „TecChannel – IT Experts inside“ macht diese Positionierung deutlich.

Die visuelle Überarbeitung der Website geht einher mit einer deutlich optimierten Nutzerführung. Eine klar gestaltete, horizontale Navigation ermöglicht den raschen Zugriff auf das erweiterte Themenangebot von TecChannel.

Die Medienmarke TecChannel mit der Webseite TecChannel.de als interaktive Plattform, die Buchreihe TecChannel-Compact sowie Fach- und Videokonferenzen bieten den IT-Experten fundiertes und optimal aufbereitetes Experten-Wissen mit einzigartiger Tiefe in verschiedenen Formaten – alle unter einem Markendach. Der Vorteil dieser Dachmarkenstrategie: Verschiedene Submarken können auf einmal geschaffene Inhalte für sehr unterschiedliche Zwecke dynamisch zugreifen. So können unterschiedliche Zielgruppen bedient werden, die dennoch immer wieder auf das Markenkonto von TecChannel einzahlen.

Das Beispiel Tiscover.com

Tiscover ist eine Online-Tourismus-Plattform mit Länderportalen in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien, Südafrika und Schottland und blickt in der jungen Branche der Online-Reiseplattformen bereits auf eine lange Erfahrung zurück. Globalisierung, der Aufbau neuer Märkte sowie die zunehmende Nachfrage der Endverbraucher nach buchbaren Leistungen führten zu einem dynamischen Wachstum. Standorte in verschiedenen Ländern wurden gegründet. Hinzu kam eine neue Aufgabe: Neben Marktpartner der Hoteliers und Tourismusverbände wurde Tiscover Anbieter für buchbare Leistungen für den Urlauber.

Diese auf beide Bereiche übergreifende Kompetenz wurde allerdings bisher im Markt nicht deutlich genug wahrgenommen.

Mit einem klaren Profil zu einer unverwechselbaren Online-Marke, die sämtliche Unternehmensziele integriert – das war das Ziel des Vorstandes. Kommunikation und Design sollten das Tiscover-Profil vermitteln und die Marke Tiscover als Leistungsmarke mit einer Kernkompetenz und einem weltweiten Bekanntheitsgrad profilieren.

Nach einer intensiven Analysephase, einer Art Standortbestimmung, in der Kunden, Mitarbeiter, Stakeholder und Vertreter der Öffentlichkeit integriert wurden, entstand die Soll-Position. Sie beschreibt das Ziel, auf das Tiscover zusteuert und zeigt die Vision auf, die die Qualitäten von Tiscover verbindet.

Tiscover ist heute führender Anbieter von Vermarktungs- und Technologielösungen für die Tourismuswirtschaft und Internet-Informations- und Buchungsportal für Urlaubsgäste. Diese Auswahl ist einzigartig. Daraus wurde die international verständliche Kompetenzaussage „Tiscover – more than travel“ entwickelt. Die Aussage integriert sämtliche Markenwerte in ein Konzept. Dieses Konzept beinhaltet die Zielsetzung, mehr Erlebnis, mehr Innovationen, mehr Kompetenz zu bieten, und die Vision von einer „Einkaufsstraße im Internet“.

Denn bei Tiscover sollen die Endverbraucher ein einzigartiges Netzwerk im Tourismus finden mit einer Auswahl an Angeboten und Informationen, die in dieser Tiefe bei anderen Reiseportalen nicht zu finden ist. „Tiscover – more than travel“ ist den Kunden gegenüber ein Versprechen und intern als Verpflichtung anzusehen. Der Aufforderungscharakter verlangt jedem Einzelnen ein entsprechendes Engagement ab. Kunden, Mitarbeiter oder Geschäftspartner zu begeistern - für Tiscover ist das heute und morgen ohne „more than“ im Sinne von Einsatz, Kreativität und Vertrauen nicht mehr denkbar.

10 Punkte für die Markenführung im Internet

Wie die vergangenen Jahre gezeigt haben, sind die Regeln für Markenführung im Internet nicht neu erfunden worden. Aber bestimmte Punkte haben eine andere Gewichtung bekommen. Die folgenden 10 Punkte fassen dies zusammen:

  1. Markenführung schafft das Vertrauen im Web, das reine Online-Marken auch ohne physische Präsenz brauchen.
  2. Marken entwickeln sich im Internet durch konsistentes Verhalten und nicht nur durch Werbung.
  3. Markenführung im Web ist Aufgabe aller Personen im Unternehmen, nicht nur der Marketingabteilung.
  4. Marken im Web brauchen Konsistenz und Relevanz, aber medienadäquaten Einsatz.
  5. Markenführung bedeutet, zu wissen wer, man ist und wo man hin will.
  6. Marken im Internet konzentrieren sich auf Stakeholders und nicht nur Shareholders.
  7. Markenführung im Web ist ein strategischer Prozess und keine kreative Aufgabenstellung.
  8. Marken im Internet konzentrieren sich ebenso auf Kundenbindung wie auf Kundengewinnung.
  9. Markenführung entsteht von innen nach außen, nicht von außen nach innen.
  10. Marken im Netz fokussieren auf Kunden und nicht auf Produkte.

Messeauftritt: Was muss ein strategisches Messekonzept leisten?

Die Messe als Bestandteil der Marketing- und Vertriebsstrategie

  • Die Messeinvestitionen müssen kommunikativ optimal genutzt werden — und zwar im Dialog.
  • Die Voraussetzungen für einen messbaren Erfolg – und zwar in quantitativer und qualitativer Weise – müssen geschaffen werden.
  • Die entscheidende Phase ist die Messenachbearbeitung.

Strategische Vorüberlegungen

Demzufolge ist ein strategisches Konzept ein umfassender Plan, zu dem im Übrigen die Kenntnisse des Umfeldes gehören. Denn das sind ebenfalls wesentliche Einflussfaktoren. Sehr oft werden Messen nur als operative, singuläre Maßnahme betrachtet: Der beauftragte Messebauer weiß kaum etwas über den Gesamt-Messeauftritt, den Stand der Wettbewerber oder der unmittelbaren Nachbarn.

Die Entscheidung über den Einsatz von Messen als dem richtigen Marketinginstrument setzt voraus, dass eine Abwägung, das heißt, ein Kosten-/ Nutzenvergleich alternativer Marketinginstrumente erfolgt. Hierzu fehlen jedoch regelmäßig die Voraussetzungen, da insbesondere bei Messen im Vergleich zur klassischen Werbung Daten, die einen objektiven Vergleich ermöglichen könnten, nicht vorhanden sind.

Abgesehen von diesen Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, muss die Botschaft des Messeauftritts immer ein Teil der Corporate Identity und der Kernaussagen zu den Produkten sein. Sie muss genauso ins Kommunikationskonzept eingebettet sein.

Richtige Kommunikation

Um eine Messeinvestition optimal zu nutzen, müssen die Maßnahmen in zwei Richtungen gehen:

  • Kommunikation nach außen
  • Kommunikation nach innen

Kommunikation nach außen heißt insbesondere, die richtige Zielgruppe auf den Stand zu bekommen und so möglichst viele Multiplikatoren einzubeziehen. Und zwar vor, während und nach der Messe. Hierüber wurde schon viel geschrieben, jedoch die konsequente Umsetzung erfolgt in der Praxis nicht.

Auch die Kommunikation nach innen, das heißt das Feedback zum Unternehmen, findet in der Regel in erforderlichem Umfang nicht statt: Es ist eine absolute Ausnahme, wenn während des Messeverlaufes in der Zentralkantine beispielsweise die Ergebnisse der Messeaktivitäten regelmäßig und spektakulär bekannt gegeben wurden.

Wir müssen es lernen – zumindest bei großen Messeauftritten – die Messe als Investition zu begreifen und dementsprechend zu handeln. Investition impliziert immer den ROl-Gedanken.

Erfolge messen

Es müssen Voraussetzungen für ein messbares Messeergebnis geschaffen werden. Grundlage hierfür ist, dass Messeziele so formuliert werden, dass sie in wesentlichen Teilen quantifizierbar und qualifizierbar sind. Sie müssen gleichzeitig herausfordernd aber machbar sein. Diese Botschaft ist nicht neu als Einzelbetrag, aber erst die Zusammenführung zu einem geschlossenen Ganzen, zu einem Regelkreis mit Feedback, zu einem vernetzten System sichert den Erfolg.

Um den Erfolg sicherzustellen, braucht es einen Projektleiter und ein Controlling.

Auf die Nachmessearbeit kommt es an

Die Nachmessearbeit ist eine Schwachstelle. Sie erscheint nicht einmal im Budget – im Klartext: Lausige Kontrolle des Messeerfolgs bei den meisten Unternehmen.

Prof. Dr. Dieter S. ter Weiler

Olaf-Gulbransson-Str. 25
83684 Tegernsee

Telefon ++49 (0) 8022-93030
Telefaxax ++49 (0) 8022-93031
Weiler_ter_Marketing-Tegernsee@t-online.de [315]

Mehr Informationen in: Messen Messbar Machen® - Mehr Intelligenz pro qm [316] , 4. Auflage, mit CD – auch in Chinesisch und Englisch.

[Bild: Fotolia]

Preispolitik: Nachfrage nach Billigflügen stagniert

Abgesehen von Italien, wo die Nachfrage nach Flügen mit Billigfluganbietern weiterhin ansteigt, ist der erste Höhepunkt in den bedeutendsten europäischen Märkten erreicht und teilweise schon überschritten. Insbesondere in Deutschland und Spanien ist die Bereitschaft zurückgegangen, zukünftige Reisen mit einem Billigflieger zu unternehmen. Im Vorjahr war sie noch deutlich höher. Während 62 Prozent der Italiener für ihre Flüge Billiganbieter in Betracht ziehen und damit erstmals das Potenzial für diese Fluggesellschaften dort höher ist als in Großbritannien (59 Prozent), sind dies in Deutschland nur noch 48 Prozent. Das ist ein Rückgang um fünf Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung ist eine der zentralen Erkenntnisse des Low Cost Carrier Monitors (LCCM), einer repräsentativen Konsumentenbefragung zu den entscheidenden Entwicklungen im Billigflugmarkt in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Durchgeführt wurde die Studie vom Marktforschungsunternehmen TNS Infratest.

Ferner gibt die Studie Auskunft über die Potenziale zukünftiger Billigflugreisen und die Wahrnehmung und Beurteilung der wichtigsten, im Niedrigpreissegment operierenden Fluggesellschaften. Das Fazit von Michael Ehlting, Senior Consultant in der TNS Infratest Verkehrs- und Tourismusforschung:

„Insgesamt betrachtet ist es den Billigfluganbietern im letzten Jahr nicht gelungen, den Markt weiter für sich zu gewinnen.“

Nur in Italien, wo No-frills-Angebote bei den Konsumenten weiterhin hoch im Kurs stehen und sich nach wie vor mit Alitalia der Flagcarrier in unruhigen Fahrwassern bewegt, können Low Cost Carrier weiter punkten. In Italien entspricht Ryanair weiterhin den aktuellen Bedürfnissen der Konsumenten am besten und treibt den Billigmarkt damit weiter voran. In den anderen Ländern hingegen erfüllen neben easyJet vor allem nationale Carrier die Erwartungen der Flugreisenden am besten.

Der Preis ist nicht alles

Zudem sinkt die Bereitschaft deutlich, für einen günstigen Flugpreis weitgehende Kompromisse einzugehen. Über 60 Prozent der potenziellen Billigflugreisenden sind der Ansicht, dass günstige Flugpreise auch bei den etablierten Fluggesellschaften zu bekommen sind. Daher tolerieren sie lange An- und Abfahrtswege zu entlegenen Flughäfen immer weniger.

Bereits in früheren Befragungen wurde deutlich, dass Billigflugangebote sich weniger dazu eignen, Personen, die bislang nicht oder nur sehr selten Flugreisen unternommen haben, stärker an das Fliegen heranzuführen. Dies bestätigt auch die aktuelle Untersuchung. Ehlting stellt fest:

„Das Geschäft der Low Cost Carrier wird immer noch vorwiegend mit den Personen gemacht, für die das Flugzeug ein ohnehin gewohntes Verkehrsmittel ist, wobei die Ansprüche der Konsumenten an die Airlines mittlerweile wieder über das möglichst günstige Fliegen alleine hinaus gehen.“

[mg; Quelle: TNS Infratest; Bild: Fotolia]

Chefsache: Und wer denkt an die Kunden?

Manager, die neu in ein Unternehmen kommen, beschäftigen sich zuerst mit den Kosten, den Finanzen, der Organisation und den Mitarbeitern. Die Kunden werden kaum beachtet. Das ergab eine im Jahr 2007 online durchgeführte Studie des IFAM Instituts in Düsseldorf. An der Befragung nahmen 211 Manager aus Konzernen sowie Unternehmen des Mittelstandes teil. Die Studie bestand nur aus einer offenen Frage: „Wenn Sie ein Unternehmen nicht kennen – welche fünf Aufgaben würden Sie unabhängig von einer Detailanalyse auf jeden Fall anfassen?“ Weniger als fünf Prozent der Befragten nannten spontan die Wertschöpfung, die man durch eine intensivere Beschäftigung mit den Kunden verbessern könne. Der Kunde, so das Fazit, steht nicht an erster, sondern an letzter Stelle.

Kundennähe? Nein danke!

Wer sich mit Führungskräften unterhält, hört viel über die neuesten Managementmoden, über Forecasts, Prozessoptimierung, Dauermeetings und die Tücken der Konkurrenz. Über eines hört man viel zu wenig: über die Kunden. Selbst Marketer kennen ihre Kunden oft nur noch aus Budgetbesprechungen und Marktforschungs-Berichten. Doch Hörensagen reicht nicht. Wer wissen will, was Kunden wirklich brauchen, wie sie ticken, was sie tatsächlich mögen und wie man sie zum Kaufen-wollen bringen kann, der gehe öfter mal raus und rede mit ihnen! Von Kunden kann man eine Menge lernen.

Unternehmenserfolg erfordert nicht nur berechnende Strategen, sondern vor allem Kundenversteher, ausgestattet mit einem guten Bauchgefühl und der Gabe der Empathie. Jedoch ist unserer versachlichten Führungselite auf dem Weg nach oben nicht selten der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen. Ihr Fetisch heißt Quartalsbericht. Kurzfristige Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen bestimmen die Denkmuster. Seelenlose Taschenrechner haben das Sagen. Und der Kunde spielt nur eine Nebenrolle.

Selbst die, die sich Kraft ihres Amtes um die Kunden kümmern sollten, sind meistens mit sich selbst beschäftigt. Vertriebsmitarbeiter verbringen im Schnitt nur 20 Prozent ihrer Arbeitszeit im aktiven Verkauf. Zu diesem Ergebnis kommen internationale Effizienzstudien von Proudfoot jedes Jahr aufs Neue. Das Marketing hat vor allem Controlling zu betreiben und Return on Investment zu beweisen, um seine Existenz zu rechtfertigen. Die Zahlenhörigkeit in vielen Führungsgremien ist geradezu absurd. Der Bekanntheitsgrad der Marke sinkt? Eine mittlere Katastrophe! Wie man das Empfehlungsgeschäft steuert? Oder verlorene Kunden zurück gewinnt? Keine Ahnung!

Advokat des Kunden gesucht

Kunden lassen sich nicht länger an Sales & Marketing wegdelegieren. Sie gehen jeden im Unternehmen an. Ihre Interessen müssen in eine Hand - und das an oberster Stelle. Analog dem CFO (Chief Financial Officer) brauchen Unternehmen einen CCO (Chief Customer Officer) in der Geschäftsleitung beziehungsweise am Vorstandstisch. Er ist der 'Advokat der Kunden', der deren Interessen mit Leidenschaft vertritt. Er ist bei jeder strategischen Entscheidung zwingend zu hören.

Seine Hinweise klingen in etwa so: „Hilft das, was wir da vorhaben, unsere Kundenziele zu erreichen?“ „Werden unsere Kunden uns dafür lieben oder hassen – denn sie entscheiden ja emotional.“ „Ermöglicht dies, dauerhafte Kundentreue und positive Mundpropaganda zu generieren?“ Die erste Amtshandlung des CCO: Der Kunde hält Einzug ins Organigramm und bekommt den besten Platz im Meeting: TOP 1 auf der Tagesordnung.

Der Kunde im Fokus

Gibt es einen CCO, dann lässt sich endlich auch der Machtkampf um die Vorherrschaft zwischen Sales und Marketing beilegen. Bei dieser Gelegenheit können dann ebenfalls gleich die Vertriebschefs, Werbeleiter und Produktmanager abgeschafft werden – zumindest dem Namen nach. Nomen est Omen! Sprache prägt nicht nur Denkweisen, sondern auch Verhalten. Werber kümmern sich demzufolge um Werbung und nicht um Kunden. Produktmanager sind in ihre Produkte, nicht aber zwingend in die Kunden ‚verliebt‘. Vertriebsleiter sorgen sich um Absatzkanäle und Vertriebssteuerung anstatt darum, Kunden zu faszinieren.

Von nun an wird alles aus dem Blickwinkel des Kunden betrachtet. Ein solch kundenfokussierter Ansatz tritt (hoffentlich) dann auch die richtigen Fragen los: Was bedeutet das jetzt für uns? Was wollen und müssen wir konsequent ändern? Wie holen wir die Kunden in jedem Unternehmensbereich und in jeder Abteilung ins Boot? Und wie können wir die Arbeit der MitarbeiterInnen noch wirkungsvoller auf die Wünsche und Ziele der Kunden ausrichten? Denn es sind die Kunden, die über das Leben oder Sterben eines Unternehmens entscheiden.

Mehr zum Thema von Anne M. Schüller:
Kundennähe in der Chefetage - Wie Sie Mitarbeiter kundenfokussiert führen [317] . Orell Füssli Verlag, Zürich 2008.

[Bild: Fotolia.com]

Marken: Verbraucher schätzen sie als Anker im Leben

Die Deutschen schätzen Sicherheit und Tradition - auch bei den Marken der Produkte, die sie einkaufen. 84 Prozent bleiben ihren Lieblingsmarken über Jahre hinweg treu. Dagegen probiert nur jeder vierte oft ganz neue Marken aus. Dies geht aus der aktuellen Studie "European Trusted Brands 2008" hervor, die Reader's Digest jetzt vorgelegt hat. Ein weiteres wichtiges Ergebnis: 83 Prozent meinen, es lohne sich, für Qualitätsprodukte mehr zu bezahlen. Allerdings sagen 77 Prozent, sie würden stets nach den günstigsten Preisen suchen.

Zum achten Mal hat das Magazin in 16 europäischen Ländern ermittelt, welche Marken in den Augen der Verbraucher besonders vertrauenswürdig sind.  24.000 Menschen, davon rund 6.000 in Deutschland, haben an der Befragung der Studie "Reader's Digest European Trusted Brands 2008" teilgenommen. In den 31 erhobenen Produktkategorien von A wie Automobile bis Z wie Zahnpasta setzten sich in Deutschland vor allem Markenklassiker an die Spitze, darunter Persil, Schwarzkopf, Aspirin, Wick, Frosch, Rotkäppchen Sekt, Asbach, Miele, AOL, TUI, Sparkasse, Allianz, Aral sowie Nivea und Haribo.

Dabei macht die Studie deutlich: Die Konkurrenz unter den Marken ist sehr groß. Allein in Deutschland nannten die Befragten über 3.100 Marken über alle Produktkategorien hinweg. Werner Neunzig, Managing Director und Geschäftsführer von Reader's Digest Deutschland, Schweiz und Österreich, sagt:

"Wenn es einer Marke gelingt, die Aufmerksamkeit und das Vertrauen des Verbrauchers trotz großen Wettbewerbs zu erlangen und zu halten, ist dies eine großartige Leistung. Nur wer als Verbraucher immer wieder gute Erfahrungen mit einer Marke macht, bleibt ihr treu."

Reader's Digest zeichnet die vertrauenswürdigsten Marken Deutschlands, die in Europas größter Verbraucherstudie ermittelt wurden, mit dem Pegasus Award für höchstes Konsumentenvertrauen aus.

Hohes Ansehen deutscher Marken auch in den Nachbarländern

Unter Deutschlands vertrauenswürdigsten Marken ragt Nivea besonders heraus. Zum vierten Mal in Folge erlangte der Markenklassiker von Beiersdorf in allen 16 europäischen Ländern Platz eins in der Kategorie "Hautpflege". Die Kreditkarte Visa kam in 14 Ländern auf Platz eins. Canon schaffte diesen Rang in der Produktkategorie "Fotogeräte" in 13 Ländern. Kellogg's eroberte in zehn Ländern in der Kategorie "Frühstückscerealien" und Hewlett Packard in sieben Ländern in der Kategorie "Computer" den ersten Platz. Miele und Ariel setzten sich in sechs Ländern an die Spitze.

Internationalisierung und Globalisierung sind damit längst auch in der Welt der Marken Alltag für den Verbraucher. Nur in einigen Kategorien wie beispielsweise "Automobile" haben starke Marken aus dem Heimatland wie Renault in Frankreich, Skoda in Tschechien oder Volvo in Schweden die Nase vorn. Volkswagen steht neben Deutschland auch in Österreich, Belgien und Polen an der Spitze.

Deutsche Marken schaffen es, sich sowohl in ihrem Heimatland als auch in den Nachbarländern an die Spitze zu setzen. So ist Miele nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, in der Schweiz, in Belgien und in den Niederlanden von den Verbrauchern zur vertrauenswürdigsten Marke ihrer Kategorie gekürt worden. Ähnliches gilt für Nivea in der Kategorie "Kosmetik": In Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz sowie in Portugal steht die Pflegemarke auf Platz eins. Werner Neunzig kommentiert:

"Wenn sich Marken gegen den heftigen Wettbewerb immer wieder an die Spitze der Vertrauensskala setzen, ist dies ohne jede Einschränkung der Beweis, dass sich Investitionen in die Markenführung und die an den Verbraucherbedürfnissen orientierte Qualität auszahlen. Allerdings verlangt der Konsument auch bei seinen Lieblingsmarken nach stetiger Erneuerung, wobei der Auftritt der Marken stets authentisch bleiben soll."

Weitere Infos unter: www.rdtrustedbrands.com [318]

[dw; Quelle: Reader's Digest; Bild: Reader's Digest]

Kongressbericht: Neuromarketing macht aus kryptischen Kunden willige Käufer

Kürzlich veranstalteten die Haufe Mediengruppe und die Gruppe Nymphenburg AG in München einen Neuromarketingkongress. Die Vortragenden zählen allesamt zur ersten Garde der Neuromarketingspezialisten. Sie lieferten sowohl den wissenschaftlichen state-of-the-art der Neuroökonomie als auch Antworten auf Fragen, die Marketing-Praktiker umtreiben:

  • Können Kundenbedürfnisse neurophysiologisch ausgespäht werden?
  • Gibt es den ultimativen Zugang zu den Kaufentscheidungsinstanzen?
  • Wie sollte Werbung und Produktdesign gestaltet werden, damit Kunden kaufen?
  • Was genau führt zur Kaufentscheidung?
  • Gibt es den berühmten Buy-Button?

Den Anfang machte Psychologieprofessor Ernst Pöppel. Der Hirnpionier an der Ludwig-Maximilians-Universität in München gewährte in seinem Eröffnungsvortrag BrainBranding - Alles Marketing beginnt im Gehirn“ Einblicke in die aktuelle Forschung. Beispielsweise zeigte er anhand von Hirnscans, dass starke Marken unabhängig vom Produkt jeweils in ähnlicher Weise im Gehirn repräsentiert sind und identische Aktivierungsmuster aufweisen. Der Vergleich einer schwachen Marke mit einer starken Marke aus der gleichen Produktkategorie weist hingegen deutliche Unterschiede auf. Demnach scheint es im Gehirn eine Art Benchmark zu geben, die eine Marke erreichen muss, um in der Präferenz des Konsumenten ganz oben zu stehen. Wenn sie dort angekommen sind, erfordern starke Marken vom Gehirn weniger kortikale Aktivität als schwache Marken. Sie

  • zeichnen sich durch intuitive Erfassung aus,
  • vermitteln Vertrauen und Sicherheit,
  • werden emotional positiv bewertet
  • und lösen bildliche und begriffliche Assoziationen aus.

Mit anderen Worten: Um erfolgreich und stark zu sein, muss eine Marke zu einem Teil der personalen Identität des Menschen werden.

Nach Ansicht des nächsten Referenten, Dr. Martin Reimann von der Stanford University, ermöglichen neuroökonomische Forschungserkenntnisse zum Beispiel ein „Fine Tuning“ von Produkt, Preis und Kommunikation. Denn mithilfe der bildgebenden Methoden ließen sich affektive und kognitive Zustände sowie Prozesse untersuchen und validieren. Mit klassischen Erhebungsmethoden blieben diese im Unklaren oder sogar im Verborgenen. Außerdem sei es ein Vorzug neurowissenschaftlicher Verfahren, dass Vorgänge gemessen werden könnten, während sie stattfänden – dass also die Zeitverzögerung zwischen dem Vorgang im menschlichen Gehirn und der Messung minimiert und auf diese Weise die Messgenauigkeit erhöht werden könne.

Ein konkretes Beispiel lieferte Dr. Bernd Weber, Forscher am Bonner Life & Brain-Institut. Er zeigte, wie das Schnäppchen-Jäger-Gehirn funktioniert. Rabattsymbole beeinflussen demnach die Wahrnehmung von Preisen und Kaufentscheidungsprozesse, weil sie im limbischen System sofort Teile des Belohnungssystems aktivieren, die das menschliche Handeln stark beeinflussen. Offenbar lernt das Gehirn, kulturelle Symbole auf neurophysiologischer Ebene mit bestimmten Erwartungen zu verknüpfen. Dies sorgt laut Weber dafür, dass Konsumenten zu günstigen Produkten greifen. Der Hirnforscher erklärt:

„Die Kennzeichnung als Schnäppchenpreis signalisiert dem Konsumenten ein verbessertes Preis-Leistungs-Verhältnis, wird zum Schlüsselreiz und entlastet ihn so von einer aufwändigen Differenzierung zwischen häufig kaum unterscheidbaren Marken.“

Allerdings kann dieser Effekt wieder verlernt werden, wenn das Kundenhirn merkt, dass das Instrument permanent überstrapaziert wird und kein besonders günstiges Angebot mehr darstellt. Dann bleibt die Ware liegen.

Nach einer Podiumsdiskussion zeigten die Experten die Chancen, aber auch die Grenzen der Hirnforschung auf, zum Beispiel, dass es schlichtweg naiv sei, einen neuronalen „Buy Button“ zu erwarten.

Anschließend kam Dr. Hans-Georg Häusel ans Rednerpult. Der promovierte Psychologe stellte mit „Limbic“ ein Instrument vor, mit dem sich

  • die unbewussten Emotionssysteme im Kundengehirn erfolgreich treffen,
  • Marken positionieren,
  • Kaufmotive analysieren,
  • Zielgruppen segmentieren
  • und Produkte optimieren lassen.

Stichwort

Limbic

Das limbische System ist eine Sammelbezeichnung. Es umfasst unterschiedliche Gehirnbereiche. Das limbische System ist das Machtzentrum im Kopf. Hier haben alle Motiv- und Emotionssysteme ihren Ursprung. Auch Kaufwünsche entstehen hier, und im limbischen System fallen ebenso alle Kaufentscheidungen.

Limbic ist ein Motiv- und Entscheidungsmodell, das Marketingprozesse erklärt und erleichtern soll. Der Ansatz kombiniert Erkenntnisse aus Gehirnforschung, Psychologie, Evolutionsbiologie und empirischer Konsumforschung. Genutzt wird das Modell unter anderem zu Markenpositionierung, Produktoptimierung, Marktsegmentierung.

Diese unbewussten Emotionssysteme seien ein zentraler Schlüssel zum Marken- und Verkaufserfolg, berichtete Häusel, da Emotionen Wert und Ziel jeglicher Entscheidung vorgäben. Erfolgreiche Marken nutzen dies, indem sie einen festen Platz im menschlichen Emotions- und Werteraum einnehmen und sich vom Wettbewerb in einem von ihnen markentypisch besetzten Emotionsraum unterscheiden.

Weshalb das Wie und das Warum der Markenführung besondere Bedeutung haben, wenn es um die faszinierende Anziehungskraft starker Marken geht, stellte Dr. Christian Scheier dar. Für das Signal „Haben wollen“ ist demnach ein Autopilot im Gehirn verantwortlich, der, wie bereits Häusel betont hatte, unbewusst entscheidet, welche Produkte in den Einkaufskorb fallen. Aktiv werde dieser Autopilot jedoch nur aufgrund früher Lernerfahrungen und wenn die Marke eine Belohnung verspreche, zum Beispiel Genuss, Sicherheit oder Erregung. So sei Starbucks etwa nicht im Kaffee-Business, sondern verkaufe den Kunden einen "Kurzurlaub".

Auch der Framing-Effekt ist wichtig für das vorgestellte „Brand Code Management“. Frames bewirken, dass die Marke als Bedeutungsrahmen für das Produkt dient. Durch ein Re-Framing kann es zum Beispiel gelingen, aus Wasser für einen Euro Tischschmuck für sechs Euro werden zu lassen. Dies machte Scheier anhand der Marke "Voss" deutlich.

Die Hirnforschung bringt auch das Medienmarketing weiter. Das zeigte Michael Pusler, mitverantwortlich für die Markt-Medien-Forschung bei Burda Media. So hat man herausgefunden, wie Marken die Werbewirkung beeinflussen, warum Werbung auf Männer anders wirkt als auf Frauen und welche Wirkungsunterschiede es zwischen den Medienkategorien TV, Print und Online sowie zwischen einzelnen Printmedientiteln gibt. Pusler empfahl, „crossmediale Medienmarken“ zu etablieren, die Print, TV und Online verknüpfen, um über die Markenkonvergenz einen Mehrwert zu erreichen.

Welchen konkreten Nutzen Neuromarketing für einen Markenartikler bietet, skizzierte Dr. Hans-Willi Schroiff von der Henkel KGaA. Der „Marktforscher des Jahres“ dämpfte zwar die Hoffnung, dass es ausreiche, „20 Personen in einen Hirnscanner zu schieben und zwei Tage später den Input für eine neue Marketingstrategie zu bekommen.“ Diese Erwartung werde sicher nicht erfüllt. Aber als Unternehmen könne man das neue Wissen nutzen, um besser zu verstehen, wie Kunden tickten, wie sie Informationen und Emotionen verarbeiteten. Schroiff erklärte:

„Marktforschung ist wie ein IKEA-Schrank: Selbst wenn man alle Teile hat, kann man ihn nicht ohne Anleitung so aufbauen, dass er funktioniert.“

Das Neuromarketing sei diese Bauanleitung, es liefere empirisch begründetes Wissen, das verstehen helfe, wie die Teile zueinander passten. Sache der Unternehmen sei es, diese Erkenntnisse als „Bauanleitung“ zu verstehen und sie im Marketingalltag anzuwenden.

Ähnlich lautete das Fazit von Dr. Harald Henzler, Geschäftsführer des Haufe Verlags:

„Das Neuromarketing hat für ein völlig neues Verständnis vom Kunden und Konsumenten gesorgt.“

Indem es die Kausalitäten der Kaufentscheidung und die geheimen Konsumentenverlangen weiter entschlüsselt, weist Neuromarketing einen völlig neuen Weg, um Kunden künftig noch besser zu verstehen und effizienter anzusprechen.


Interessierte Leser können sich sämtliche Kongressvorträge im Internet downloaden unter: www.haufe.de/neuromarketing [319]

Literaturtipps:

  • Dr. Hans-Georg Häusel (Hrsg.)
    Neuromarketing: Erkenntnisse der Hirnforschung für Markenführung, Werbung und Verkauf [320]
  • Dr. Hans-Georg Häusel
    Brain Script: Warum Kunden kaufen [321]
  • Dr. Christian Scheier, Dirk Held
    Was Marken erfolgreich macht: Neuropsychologie in der Markenführung [322]
  • Dr. Christian Scheier, Dirk Held
    Wie Werbung wirkt: Erkenntnisse des Neuromarketings [323]

[Michael Gestmann; Bild: Fotolia]

Business Development: Neue Marktchancen identifizieren und nutzen

Business Development ist die systematische Weiterentwicklung bestehender sowie die Erschließung neuer Geschäftsfelder. Dabei geht es im Kern um die Identifikation von Markt- und Marketing-Chancen, die Analyse von Kunden und Wettbewerbern sowie das Entwerfen konkreter Geschäftsmodelle und Umsetzungsstrategien. Warum sollten sich Unternehmen mit Business Development, der Weiterentwicklung ihres Geschäfts, – womöglich gar auf Auslandsmärkten – befassen? 

In der Tat sind Kaltakquisition und Neukundengewinnung undankbare und teure Wege, den Umsatz zu steigern. Sie stellen auch ein gewisses Risiko dar, weil sie Zeit, Personal und finanzielle Mittel binden, aber zumindest kurzfristig und meist nur in geringem Maße zum Unternehmenserfolg beitragen. Mit einer rein ressourcenorientierten Sicht werden hier jedoch wichtige Potenziale verschenkt. Wenn man die Aufgabe eines Unternehmers als das Verfolgen einer günstigen Gelegenheit – unabhängig von den aktuell verfügbaren Ressourcen - versteht, so ist dies kein Aufruf, betriebswirtschaftliche Überle­gungen einfach über Bord zu werfen.

Vielmehr geht es um eine möglichst breite, realistische Einschätzung von Geschäfts­chancen und Wegen zu deren Erschließung. Wird diese ureigenste Aufgabe zu lange vernachlässigt, droht das Unter­nehmen von aktuellen Entwicklungen überrollt zu werden. Dann heißt es oft: „The winner takes it all.“ Dem „Verlierer“ bleibt nur die Aufgabe seines Geschäfts.

Konzepte und Instrumente zur Identifikation neuer Geschäftsfelder

Wie können Unternehmen neue Marktchancen systematisch identifizieren und entwickeln? Eines der bekanntesten Werkzeuge des strategischen Managements zu diesem Zweck ist die so genannte Ansoff-Matrix. Die folgenden Handlungsoptionen lassen sich abhängig von der Konzentration auf Produkte und/oder Märkte unterscheiden:

Eine alternative Darstellung dieser Handlungsoptionen liefert Hagen Lindstädt, Leiter des Instituts für Angewandte Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung der Universität Karlsruhe:

Wie Sie neue Marktchancen und vorhandene Kompetenzen erfolgreich verbinden

Grundlage für die Entscheidung, ob die Erschließung neuer Märkte und/oder die Entwicklung neuer Produkte forciert werden sollen, ist eine eingehende Informationssammlung und -analyse zu den jeweiligen Marktgegebenheiten und den eigenen Stärken. Neben den Basisinformationen zum Potenzial des Zielmarktes wie Größe, Margen oder Marktwachstum und dem Zugang zu Vertriebswegen und -partnern, haben sich dafür insbesondere die folgenden Instrumente bewährt:

Allgemeine Umfeld-Analyse (STEP-Analyse)
Sie wird meist mit der spezifischeren Wettbewerbsanalyse nach Michael Porter kombiniert. Diese bewertet die Attraktivität einer Branche und der eigenen Marktposition, zum Beispiel erzielbare Marktanteile, anhand von fünf qualitativen Dimensionen:

Quelle: Michael Risch

SWOT-Analyse (Stärken-Schwächen-Profil)
Stärken und Schwächen können Ressourcen, Fähigkeiten oder andere Vorteile beziehungsweise Nachteile sein, die ein Unternehmen von den Wettbewerbern unterscheidet. Als Leitfragen können dienen:

Strengths: Was sind Ihre Stärken?

  • Wie lassen sich diese nutzen, um die Chancen des Umfeldes wahrzunehmen und/oder eine ungünstige Situation bestmöglich zu überleben?
  • Wie lassen sich Stärken für den Aufbau eines nachhaltigen Wettbewerbsvorteils nutzen?

Weaknesses: Was sind Ihre Schwächen?

  • Wo oder wann können diese zur Gefahr werden?
  • Wie lässt sich das Gefährdungsrisiko kompensieren beziehungsweise minimieren?
  • Welche Defizite müssen unabhängig vom Umfeld überwunden werden – intern oder durch Outsourcing?

Opportunities: Welche Chancen bietet Ihnen das Umfeld?

  • Welche Kompetenzen, Fähigkeiten und Ressourcen werden benötigt, um diese zu nutzen?
  • Sind diese vorhanden? Definieren Sie Ihre vorhandenen und erforderlichen Kernkompetenzen!

Threats: Welche Risiken ergeben sich aufgrund der Entwicklung des Umfeldes?

  • Wie wahr­schein­lich ist das Eintreten negativer Ereignisse?
  • Wie können diese im Vorfeld verhindert werden?
  • In welchen Bereichen müssen Sie beim Eintreten welcher Ereignisse welche Maßnahmen ergreifen (Notfallplanung)?

Outgrowing: Neue Geschäftsgelegenheiten gemeinsam nutzen

Damit attraktive Märkte und Chancen sowie die eigenen Stärken erfolgreich genutzt werden können, sind Partnerschaften ein geeigneter Ansatz, um Risiko und Kosten zu minimieren und den Umsatz zu steigern. Dietmar Fink, Professor im Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg, hat dafür den Begriff „Outgrowing“, wachsen mit starken Partnern, geprägt. Die vier Hebel dieser Strategie:

1. Umsatz
Neue Umsatzpotenziale erschließen sich, wenn es Geschäftspartnern gelingt, ihre Stärken in gemeinsamen Projekten zu überlegenen Produkten und Leistungen zu bündeln und damit deren Attraktivität für die Kunden zu steigern. Im Ergebnis werden diese bei gleichem Preis mehr nachfragen und/oder bereit sein, dafür einen höheren Preis zu bezahlen.

2. Kosteneffizienz
Gemeinsame Ressourcennutzung ist häufig bei Back-Office-Aufgaben wie Lohnbuch­haltung oder Raumpflege anzutreffen. Aber auch für den Kunden wahrnehmbare Ressourcen wie beispielsweise Besprechungsräume in einem Bürogebäude werden zunehmend gemeinschaftlich ge­nutzt. Wenn eine Firma dadurch bei gleichen Umsätzen weniger Kosten produziert als ein Wettbewer­ber, steigen damit Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit.

3. Marktrisiko:
Muss ein Unternehmen eine eigene (Vertriebs-)Infrastruktur aufbauen, bleiben die Kosten auch dann bestehen, wenn die Geschäftsidee scheitert. Nutzt das Unternehmen hingegen den vorhandenen Marktzugang eines Kooperationspartners oder baut mit diesem gemeinsam einen neuen Vertriebskanal auf, so minimiert sich für alle Beteiligten nicht nur das individuelle Risiko. Idealer­weise entsteht auch ein Mehrwert für den Kunden durch „Leistungen aus einer Hand“ beziehungsweise „One-Stop-Shopping“, was wieder­um die Gefahr des Scheiterns senkt.

4. Organisationsrisiko:
Fink nennt drei Bereiche, in denen unternehmensinterne Risiken durch Partner­schaften reduziert werden, weil sich Partner auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können:

  • Innovation: Je komplexer ein Geschäft, desto weniger Aufmerksamkeit wird Detaillösungen zuteil. Viele Branchen – allen voran die Automobilindustrie – delegieren deshalb nicht nur die Herstellung, sondern auch die Entwicklung von Baugruppen an spezialisierte Zulieferer.
  • Motivation: Je spezialisierter ein Unternehmen, desto leichter wird für den einzelnen Mitarbeiter sein individueller Beitrag zum Endprodukt erkennbar – und sein Engagement wird steigen.
  • Kontrolle: Durch die professionelle Gestaltung von Partnerschaften auf der Basis von klar definier­ten Schnittstellen und Leistungskennziffern steigt die Transparenz, Kontrolle wird damit sekundär.

Fink fasst zusammen:

"Unternehmen wachsen immer dann erfolgreich, wenn sie durch die Einbindung starker Partner ihr Marktangebot verbessern, ihre Kosten senken und ihr Markt- und Organisationsrisiko verringern können.“

Der Kerngedanke dabei: In Outgrowing-Strukturen trägt ein Unternehmen zum gemeinschaftlichen Erfolg bei, ohne dass seine individuellen Grenzen die Grenzen seines Potenzials bestimmen. Ganz im Sinne der unternehmerischen Leitidee verfolgen diese Unternehmen unternehmerische Gelegenheiten unabhängig von ihren eigenen Ressourcen.

Internationalisierung und regionale Ausdehnung der Geschäftsfelder

In einer empirischen Studie zu den „Erfolgsfaktoren mittelständischer Weltmarktführer“ führte Dirk Holtbrügge, Professor am Lehrstuhl für Internationales Management der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, strukturierte, qualitative Interviews mit den Geschäftsführern von 44 Unternehmen, die über mehrere Jahre kontinuierlich und profitabel gewachsen sind. Deren Internationalisierungsstrategien sowie die Erfolgsfaktoren, Herausforderungen und Risiken lassen sich wie folgt charakterisieren:

Die Übersicht macht deutlich, dass die Outgrowing-Strategien der „Begleiter“ bei der Erschließung neuer geographischer Märkte helfen, Risiken zu begrenzen und Umsatzchancen zu maximieren, indem sie auf Kundennähe setzen und mit bestehenden Geschäftsbeziehungen auch international wachsen.

Andererseits kann es sinnvoll sein, mit einer konsequenten Nischen- beziehungsweise Marktführer-Strategie Märkte selbst zu erobern, wenn man – wie die „Visionäre“ – auf eine starke Technologie- und F&E-Orientierung bauen kann. Funktioniert diese Strategie auf Märkten, die an den Heimatmarkt angrenzen, noch recht gut, steigt bei den „Eroberern“ mit zunehmender Distanz von der Heimatbasis die Gefahr, den Kontakt zu den Ziel­märkten zu verlieren. Die in wettbewerbsstarken Märkten gesuchten Impulse sind aus der Ferne weniger gut wahrnehmbar, ein Messen mit den Besten nur bedingt möglich.

Die dafür notwendige Präsenz vor Ort ist jedoch teilweise mit erheblichen Investitionen in Mitarbeiter und Infrastruktur verbunden. Gelingt dieser Schritt, kann sich das Unternehmen jedoch erfolgreich zum „Globalisierer“ mit international verteiltem Management entwickeln. Die so erweiterte Produkt-Markt-Sicht liefert wiederum positive Impulse für den Heimatmarkt. Mit etwas Abstraktionsvermögen lassen sich diese Überlegungen zur Internationalisierung auch auf lokale, regionale und nationale Markteintrittsstrategien oder die Eröffnung neuer Niederlassungen übertragen.

Business Development: Dauernde Suche nach neuen Produkt- und Marktchancen

Das Nachdenken über und die (Weiter-)Entwicklung des Geschäfts, mit dem morgen Geld verdient werden soll, ist die zentrale strategische Aufgabe eines jeden Unternehmers. Ob als angestellter „Unternehmer im Unternehmen“ oder als Selbständiger. Dabei geht es nicht nur um systema­tische Markt- und Wettbewerbsbeobachtung, sondern auch um die kontinuierliche Suche nach neuen Chancen und Produkt-Markt-Kombinationen. Partnerschaften helfen gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen, die so identifizierten Chancen am Markt in Erfolge umzusetzen.

Im nächsten Teil der Serie lesen Sie, wie neue Produkt- und Dienstleistungsideen generiert und erfolgversprechende Partnerschaften nicht nur identifiziert, sondern auch erfolgreich geführt werden können.

[Bild: fotolia]

Firmengründungen: Goldgräberstimmung und Gründerboom im Internet

2007 war das Gründer-Boomjahr in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Datenerhebung des Online-Gründermagazins www.deutsche-startups.de [324] . 2007 wurden demnach 323 neue Internetfirmen in Deutschland gegründet. Dieser Gründerboom hatte sich in den Jahren zuvor immer stärker entwickelt. Während 2005 noch 50 neue Internetfirmen in Deutschland entstanden, waren es 2006 schon 97 Neugründungen.

Die Erhebung bezieht sich auf knapp 700 Einträge aus der Datenbank von deutsche-startups.de. Internetprojekte, die zu keiner eingetragenen Unternehmensform führten, wurden für die Auswertung nicht berücksichtigt.

Für jeden das Passende dabei: Social Communities und Shoppingplattformen

Den Schwerpunkt der Neugründungen im vergangenen Jahr bildeten Social Communities. Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche.startups.de, erklärt:

„Für fast jede Zielgruppe gibt es mittlerweile eigene soziale Netzwerke: Sportler, Reisefans, Senioren, Tierfreunde, Hundebesitzer, Katzenliebhaber, Feuerwehrleute, Computerspieler, Weintrinker, Familien, Mütter, Väter und Buchliebhaber. Extrem umkämpft sind dabei die Segmente Sport und Reise.“

Als weiteren großen Trend ermittelte die Datenerhebung den Bereich E-Commerce. Für reichlich Gesprächsstoff sorgten Live-Shoppingplattformen, auf denen ein Produkt pro Tag verkauft wird, und geschlossene Shopping-Gemeinschaften, zu denen nur ausgewählte Nutzer Zugang erhalten.

Fortsetzung des Trends im Jahr 2008

Auch für 2008 ist eine große Welle an Neugründungen von Internetfirmen zu erwarten. Allerdings sei der Zenit der Gründerzeit überschritten, meint Alexander Hüsing zur Entwicklung im laufenden Jahr.

„Das Boomjahr 2007 wird nicht zu toppen sein. Die Zahl der Gründungen wird sich vermutlich aber deutlich über der Zahl von 2006 bewegen.“

[mg; Quelle: deutsche startups.de; Bild: Fotolia]

UMTS: Schon mehr als zehn Millionen Nutzer

Jeder zweite Mobilfunkanschluss, der im Jahr 2008 zusätzlich geschaltet wird, nutzt den breitbandigen UMTS-Standard. Das teilte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) anlässlich der Mobilfunkmesse "Mobile World" mit. Grundlage der Daten ist eine BITKOM-Umfrage bei den Mobilfunkbetreibern. BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer sagt:

„Mit der zunehmenden Verbreitung von UMTS-fähigen Handys steigt auch die Nutzung mobiler Datendienste. Hier liegen die größten Wachstumspotenziale im derzeit schwierigen Telekommunikationsmarkt.“

Die mobilen Datendienste (ohne SMS und MMS) sind in Deutschland zu einem Milliardenmarkt geworden. Mit mobilem Internet-Surfen oder E-Mails machen die Netzbetreiber derzeit nach BITKOM-Berechnungen über elf Prozent des Umsatzes. Im Jahresverlauf soll der Anteil auf 14 Prozent steigen, 2006 lag er noch bei acht Prozent. Der Umsatzanteil von SMS und MMS ist hingegen leicht gesunken: von 14,5 Prozent Ende 2006 auf 14,2 Prozent im vierten Quartal 2007. Ende 2008 wird er nach BITKOM-Schätzungen noch rund 13 Prozent betragen.

UMTS wird damit zum Treiber in der gesamten Mobilkommunikation. Insgesamt gab es 2006 erstmals mehr Handyanschlüsse als Einwohner in Deutschland. Ende 2007 stieg die Zahl nach BITKOM-Schätzungen auf gut 97 Millionen. Ende 2008 soll sie bei rund 107 Millionen liegen.

[dw; Quelle: BITKOM; Bild: fotolia]

Schelte: Top-Manager werden kritisiert wie nie zuvor

Die aktuelle Diskussion über Managergehälter stelle nur einen neuen Höhepunkt der Personalisierung der Unternehmensberichterstattung dar. So fasst der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider, Professor an der Universität Hohenheim, die Ergebnisse der ersten Langzeitstudie zu Top-Managern und Managementthemen in den Medien zusammen. In den letzten fünf Jahren habe der Anteil der Geschäftsführer, Vorstandsvorsitzenden und anderer Vorstandsmitglieder an der Berichterstattung über DAX-30-Unternehmen deutlich zugenommen.

Insgesamt dominierten nach wie vor Sachthemen - noch vor Rauswürfen und Neuanwerbungen von Managern sowie vor deren Gehältern. Doch Brettschneider stellt fest:

"Die Kritik an den Managern war noch nie so stark wie im Jahr 2007."

Unternehmen, die ihre Top-Manager in den Mittelpunkt ihrer Kommunikation stellen, liefen Gefahr, dass ihre Reputation Kratzer abbekommt. Aber: Vorstandsvorsitzende können ihrem Unternehmen auch eine Image-Dividende verschaffen, stellen die Macher der Studie fest.

Manager sind immer häufiger in den Medien präsent

Anders als die Berichterstattung über Politik hätten Personen in der Wirtschaftsberichterstattung lange Zeit eine deutlich geringere Rolle gespielt. Unternehmerpersönlichkeiten standen auch früher immer wieder mal im Fokus der Berichterstattung - meist ging es aber um die ökonomische Leistung der Unternehmen insgesamt.

Dies habe sich geändert: Inzwischen seien sogenannte Chief Executive Officers (CEOs) - häufig in der Selbstdarstellung verklärt als "Helden", "Retter", "Sanierer", "Master of the Universe" - fester Bestandteil der Wirtschaftsberichterstattung geworden. Der Trend: Vor fünf Jahren betrug der Anteil der CEOs an der DAX-30-Berichterstattung knapp zehn Prozent. In diesem Jahr liegt er bei 14 Prozent.

Noch deutlicher wachse der Anteil der anderen Vorstandsmitglieder: 2002 entfielen 8,4 Prozent der Berichterstattung auf die Personal-, Entwicklungs- und Finanzvorstände, 2007 sind es bereits 18,7 Prozent. Auf Vorstandsmitglieder entfällt zusammengenommen ein Drittel der gesamten Berichterstattung über DAX-30-Unternehmen.

Manager werden immer negativer bewertet

Dabei werde aber nicht nur häufiger über Spitzenmanager berichtet, CEOs würden immer häufiger negativ bewertet. 2002 sei das Saldo der CEO-Bewertung - also der Anteil positiver minus dem Anteil negativer Bewertungen - bei -1,95 Prozentpunkten gelegen. 2007 hingegen sei die Bewertung auf den Tiefstand von -9,37 Prozentpunkten gesunken. Dazu Brettschneider:

"Der Absturz, der auch früher schon mal als 'Nieten in Nadelstreifen' bezeichneten Spitzenmanagern ist teilweise hausgemacht."

Ein Grund: Kräftige Gehaltserhöhungen für den Vorstand in Zeiten von Stellenabbau und Umstrukturierungen - wie beispielsweise bei Siemens 2006 - führten zwangsläufig zu Negativ-Schlagzeilen. Auch das selbstgewisse Victory-Zeichen von Deutsche-Bank Chef Josef Ackermann im Verlauf des Mannesmann-Prozesses oder die "Peanuts" seines Vor-Vorgängers Hilmar Kopper schafften nach Ansicht des Kommunikationswissenschaftlers keine Sympathiepunkte.

"Hinzu kommt, dass sowohl Politiker sowohl der SPD als auch der Union immer häufiger vermeintliche moralische Verfehlungen in der Wirtschaft kritisieren."

Die Forderung, Abfindungen für aus Unternehmen ausscheidende Vorstände gesetzlich zu deckeln, stellt dabei nur einen neuen Höhepunkt dieser Diskussion dar.

Die Reputation von Managern und ihrer Unternehmen hängen eng miteinander zusammen

Die Analysen zeigen, dass sich die Bewertungen der CEOs direkt in der Reputation der von ihnen geführten Unternehmen niederschlägt - und das sowohl positiv als auch negativ. So habe das Beispiel Daimler bzw. DaimlerChrysler in der Ära Schrempp gezeigt, dass die ausschließliche Fokussierung auf Strategiethemen ("Welt-AG") ein kräftiges Rückschlagpotenzial in sich berge. Der Rücktritt Schrempps habe 2005 ein Kursfeuerwerk für DaimlerChrysler-Aktien ausgelöst: Über Nacht sei der Aktienwert um zehn Prozent gestiegen.

Der Nachfolger Schrempps, Dieter Zetsche, sei mit einem Image-Plus in seine Aufgabe gestartet und habe die verschiedenen Stakeholder fortan mit einem Themenmix adressiert, der neben Strategiethemen auch wieder stärker die Themenfelder "Produkte" und "Mitarbeiter" berücksichtigte. Die Image-Einbuße seit Ende 2006 zeige aber auch, dass die Gefahr besteht, den Personalisierungs-Bogen zu überspannen.

Bei Siemens sei der Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer lange Zeit ein Zugpferd auch für das Image des Unternehmens gewesen. Von Pierer zeigte, dass ein CEO als "oberster Verkäufer" und Diplomat in eigener Sache und in Fragen der Volkswirtschaft platziert werden kann und dass er dann Image-Defizite des eigenen Hauses zu kompensieren vermag.

Sein Nachfolger Klaus Kleinfeld habe erleben müssen, wie innerhalb kurzer Zeit aus einem "Hoffnungsträger" ein "Prügelknabe" werden kann. Fokussierte sich die Berichterstattung über einen CEO auf Statussymbole und Manager-Gehälter, wie im Fall Klaus Kleinfeld, dann schade dies auch dem Unternehmen und seiner Glaubwürdigkeit.

Auch die Deutsche Telekom erlebte mit ihren letzten drei CEOs ein deutliches Auf und Ab. Ron Sommers Zukunft war eng mit dem von ihm propagierten Shareholder-Value verbunden. Der Kurseinbruch der Telekom-Aktien führte zu seiner Ablösung. 

Kai-Uwe Ricke habe mit einem Vertrauensvorschuss gestartet und dem Unternehmen eine Image-Dividende eingebracht, die sich erst im gnadenlosen Wettbewerb nach und nach aufgezehrt habe. Doch: Auch das Image muss den Fakten folgen. So habe sich, sein ohne einen Antrittsbonus ausgestatteter Nachfolger, René Obermann wieder stärker auf die Themen "Kunden" und "Produkte" konzentriert. Dem Image-Verlust des Unternehmens konnte er jedoch nur kurzfristig entgegen wirken.

Die Studie zeigt laut Brettschneider:

"Unternehmen müssen ihre CEOs klug positionieren. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das Negativ-Image der Spitzenmanager in Deutschland auf das Vertrauen in die Unternehmen und ihre Produkte abfärbt. Ohne Reputation Performance Management bleibt die Personalisierung der Unternehmenskommunikation oft nur eine Eintagsfliege."

Für seine aktuelle Untersuchung wertete der Medienwissenschaftler gemeinsam mit dem Inhaltsanalyseinstitut Media Tenor, für die Zeit vom 1.1.2002 bis zum 15.5.2007, Tag für Tag insgesamt 286.180 Passagen über DAX-30-Unternehmen aus. Dabei konzentrierte sich die Analyse auf die 21 meinungsführenden Medien, darunter Magazine, überregionale Tageszeitungen, Wirtschaftspresse und Hauptnachrichtensendungen im Fernsehen.

[jf; Quelle: Universität Hohenheim]

Mangelhaft: Gefährliche Produkte in der EU

Vier Jahre nach der EU-weiten Umsetzung der Europäischen Produktsicherheitsrichtlinie (European Product Safety Directive) hat die Zahl der bei der Europäischen Kommission gemeldeten gefährlichen und zurückgerufenen Produkte Rekordhöhe erreicht - dies ergab eine Analyse der neuesten Daten der Kommission durch die Anwaltssozietät Lovells. Die Veröffentlichung dieser Zahlen erfolgt im Zuge der spektakulären Produktrückrufe und Sicherheitswarnungen im letzten Sommer, die insbesondere Produkte chinesischer Herkunft betrafen.

Die Richtlinie wurde in Deutschland im Januar 2004 umgesetzt. Neben schärferen Maßnahmen gegen gefährliche Produkte auf dem Markt, sieht sie auch die Einführung von Sanktionen gegen die für das Inverkehrbringen solcher Produkte Verantwortlichen vor. Die Richtlinie betrifft Hersteller, Vertriebshändler und Einzelhändler aller Arten von Verbraucherprodukten wie zum Beispiel Kraftfahrzeuge oder Boote, aber auch Kosmetika, Spielzeug und Elektroartikel. Die neuen Produktsicherheitsvorschriften für einen stärkeren Verbraucherschutz haben sich maßgeblich auf die Anzahl der veröffentlichten Produktrückrufe ausgewirkt.

Die aktuellen Daten zeigen Folgendes:

  • die Zahl der gefährlichen und zurückgerufenen Produkte, die seit dem Inkrafttreten der Richtlinie wöchentlich gemeldet werden, steigt in der EU auch weiterhin rasch an. In 2007 wurden mehr gefährliche Produkte gemeldet als im Durchschnitt des Vorjahres.
  • die mit Abstand meisten Produktsicherheitsmeldungen beziehen sich auf Produkte aus China. Fast die Hälfte aller Meldungen der letzten zwei Jahre betreffen Produkte aus China. Angesichts des großen Exportvolumens von China, insbesondere im Spielwarensektor, ist das wenig überraschend.
  • mit 22 Prozent des Gesamtanteils betrafen die meisten Produktsicherheitsmeldungen in den letzten zwei Jahren Spielwaren und Kinderausstattungsartikel. Es folgten Elektrogeräteartikel mit einem Anteil von 15 Prozent und Kraftfahrzeuge mit einem Anteil von zehn Prozent.
  • die Zahl der bei den europäischen Behörden im Jahr 2007 als gefährlich gemeldeten Verbraucherprodukte war fast zweieinhalbmal so hoch wie die Zahl, die den Behörden in den Vereinigten Staaten für vergleichbare Produktkategorien gemeldet wurde. Dies macht deutlich und ist bei internationalen Herstellern zunehmend auch anerkannt, dass in Europa in puncto Produktsicherheit inzwischen deutlich höhere gesetzliche Anforderungen bestehen als in den Vereinigten Staaten.

Die neuen Vorschriften für Produktrückrufe sind insbesondere für Hersteller, die ihre Produkte im gesamten EU-Raum vertreiben, eine erhebliche Belastung. In der Praxis wird jedes auf seine Reputation bedachte Unternehmen bei möglichen Produktrisiken mit den nationalen Behörden der Mitgliedsstaaten, in denen das Produkt vertrieben wird, direkt Kontakt aufnehmen. Werden die geltenden Meldepflichten nicht eingehalten, drohen empfindliche Geldbußen und Imageverluste. Produkthaftungsexpertin Ina Brock von Lovells sagt:

"Der Trend zu mehr Produktrückrufen setzt sich fort, und zwar mit deutlich steigender Tendenz. Ein Rückgang ist bislang nicht in Sicht. Seit einigen Jahren müssen in Europa in puncto Produktsicherheit deutlich höhere gesetzliche Anforderungen erfüllt werden als in den Vereinigten Staaten. Die Hersteller erkennen allmählich - oftmals durch negative Erfahrungen -, dass Verstöße gegen die neuen Gesetze sie teuer zu stehen kommen können."

Dieser Trend werde anhalten, so Brock weiter. Soweit man Erfahrungen aus anderen Regulierungsbereichen in der EU für Voraussagen heranziehen könne, werde der nächste unausweichliche Schritt darin bestehen, dass die Meldebehörden Unternehmen, die ihren Verpflichtungen nach dem neuen Produktsicherheitsrecht nicht in gebührendem Maße nachkämen, zukünftig verstärkt mit Sanktionen belegt würden. Dies werde die Relevanz der neuen Vorschriften weiter erhöhen. In den USA sei dies bereits in der Vergangenheit zu beobachten gewesen.

Bei der Europäischen Kommission steht das Thema Produktsicherheit auf der Tagesordnung ganz oben. Am 22. November 2007 gab die EU-Kommissarin für Verbraucherschutz, Meglena Kuneva, die Ergebnisse ihrer Bestandsaufnahme zu Sicherheitskontrollen bei Verbraucherprodukten bekannt. Diese Initiative wurde im September gestartet, nachdem es in Europa zu einer Serie von Spielzeugrückrufen gekommen war, unter denen die der Mattel-Produkte wohl das meiste Aufsehen erregten.

Die Rückrufe kamen zeitgleich mit dem Entschluss der Kommission, entschieden gegen den hohen Anteil der in China hergestellten Verbraucherprodukte vorzugehen, die der Kommission über das RAPEX-Systems als mit erheblichen Risiken behaftet gemeldet worden waren. Das Ziel dieser Bestandsaufnahme war es, die Stärken und Schwächen der derzeit bestehenden Kontrollmechanismen für die Sicherheit von Verbraucherprodukten zu überprüfen, um mögliche Schwachstellen im System zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen festzulegen.

Zwar wurde bestätigt, dass in einigen wichtigen Bereichen Fortschritte erzielt worden waren. Für die Zukunft wurden auch eine Reihe weiterer Maßnahmen angestrebt, darunter eine Überprüfung von betrieblichen Sicherheitsmaßnahmen in der Lieferkette bei Spielwaren. Ina Brock weiter:

"Die praktischen Auswirkungen dieser von der Europäischen Kommission angestoßenen Entwicklungen sind nicht zu unterschätzen. Einige sehr bekannte Unternehmen haben die finanziellen Konsequenzen, die mit Verstößen gegen die gesetzlichen Bestimmungen verbunden sein können, bereits deutlich zu spüren bekommen. In Europa hat es einen grundlegenden Wandel im Umgang mit dem Thema Produktsicherheit gegeben. Zudem hat die Kommission deutlich gemacht, dass es noch vieler Schritte bedarf, bis die Umsetzung der Produktsicherheitsbestimmungen in der EU als ausreichend erachtet werden kann." 

[dw; Quelle: Lovells; Bild: pixelio]

 

Corporate Design Management: So bauen Sie eine starke Marke auf

Corporate Design (CD) ist ein zentraler Erfolgsfaktor und ein wesentlicher Bestandteil der strategischen Ausrichtung von Unternehmen und Institutionen – darüber sind sich Marketingexperten einig und dies wird durch unsere aktuelle Studie bestätigt. Zu Beginn ein Überblick über den Stellenwert von CD und die wesentlichen Studienergebnisse:

Ergebnisse der Studie zur Bedeutung von Corporate Design

Quelle: Corporate Design Management, CD-Studie 2006/2007

<--contentad-->Als ständig sichtbarer Ausdruck der Unternehmensidentität und der Unternehmensleistung ist das CD permanent präsent und unterliegt unternehmerischen Veränderungen, die eine ständige Überprüfung und Anpassung notwendig machen. Umso mehr verwundert es, dass die Entwicklung und Implementierung des visuellen Erscheinungsbildes so selten als kontinuierlicher Veränderungsprozess gesehen wird und nicht dauerhaft in die unternehmerischen Planungen integriert wird.

Die ganzheitliche und integrative Steuerung des Verknüpfungsprozesses von Design und Management und dessen Moderation ist eine der wichtigsten Aufgaben des Corporate Design Managements. Das Erkennen der Wechselwirkungen und Abhängigkeiten zwischen Markenmanagement, Design, Marketing, Human Ressources, Vertrieb und Produktentwicklung ist bei der Entwicklung des Corporate Design Systems die Grundlage zur erfolgreichen Implementierung in die Unternehmensstrategie.

Wenn diese Erkenntnisse nicht schon in der Recherchephase einbezogen werden, ist dies ein Indiz dafür, dass das Design als eine reine „geschmackliche“ Veränderung ohne strategisches Fundament verstanden wird. Nicht selten kommt es in der Praxis zudem vor, dass die Entwicklung des CD nach wie vor auf eine reine Logoentwicklung reduziert wird. Doch tatsächlich ist die Corporate Design Entwicklung ein umfassendes, gut geplantes Designsystem, welches sich aus vielen Einzelteilen einer aufeinander abgestimmten visuellen und verbalen Kommunikation zusammensetzt. 

Einsparungspotential und Corporate Design System

Um ein möglichst widerspruchfreies und glaubwürdiges Bild zu erzeugen, ist es notwendig, die unterschiedlichen unternehmerischen Aspekte zu analysieren und diese in die Designentwicklung zu integrieren. Die Grundlage zur Entwicklung eines Corporate Design Systems bilden die eigentlichen Kernaussagen, die jedes Unternehmen als Basis der Markenidentitätsentwicklung beantworten muss. Gerade die Einbindung von Informationen aus dem Markenmanagement ist für eine Designentwicklung von hoher Relevanz. Diese müssen vor Beginn eines Designprozesses geklärt sein.

Die Markenpositionierung, Markenarchitektur und markenstrategische Ausrichtung sind zentrale Faktoren, die einen unmittelbaren Einfluss auf die Designentwicklung nehmen. Einen immer wichtiger werdenden Aspekt, der nicht nur bei der Entwicklung eines Corporate Design Systems zu berücksichtigen ist, nimmt die effektive und effiziente Implementierung des Design Systems zur Erreichung der Kernziele ein. Die Kernziele des Corporate Design Systems zeigt folgende Grafik:

Ziele eines Corporate Design Systems

Quelle: Corporate Design Management

Die Aufgaben des Marketings sind meist auf mehrere Mitarbeiter oder Abteilungen verteilt, an unterschiedliche externe Agenturen und Berater verlagert. Die Kontinuität und die Qualität des Corporate Designs wird dadurch beeinträchtigt. Dies geht langfristig nicht nur zu Lasten von Identität und Image des Unternehmens, sondern beeinträchtigt die Effektivität des Marketings und verschleiert die tatsächlichen Kosten.

Bei einer derzeit durchgeführten Befragung bestätigen die Ergebnisse diese Ansicht: 47 Prozent der Marketingleiter beziehungsweise Corporate-Design-Verantwortlichen sind der Meinung, dass durch ein strategische ausgearbeitetes Corporate Design System 10 bis 30 Prozent des Marketingbudgets bei der Umsetzung von Marketingmassnahmen eingespart werden können.

Neben den möglichen Einsparungspotentialen, die durch die Integration eines Corporate Design Systems erreicht werden, bietet das professionelle Corporate Design Management zugleich die Möglichkeit ungeahnte Schwachstellen innerhalb des Unternehmens zu erkennen und zu beheben. Generell werden die vielfältigen externen und internen Einflussfaktoren, die auf das CD beziehungsweise auf den Corporate Design Prozess einwirken, unterschätzt. Das frühzeitige Bewusstmachen der eigenen unternehmensspezifischen Einflussfaktoren hilft bereits im Vorfeld, die notwendigen Maßnahmen zu spezifizieren, beziehungsweise entsprechend mit zu berücksichtigen.

Die häufig anzutreffende Komplexität der internen Einflussfaktoren verlangt von einem Corporate Design Manager neben der notwendigen Fachkompetenz in Design, Betriebswirtschaft, Technik und Projektmanagement auch Change-Management- Qualitäten. Denn gerade bei den internen Einflussfaktoren ist sorgfältig darauf zu achten, bereits im Vorfeld die optimalen Voraussetzungen für den Veränderungsprozess zu schaffen und mit großer Weitsicht an diese anspruchsvolle Aufgabe heranzugehen.

Einflussfaktoren auf das Corporate Design

Quelle: Corporate Design Management, abgeleitet aus "Change Management"/Klaus Doppler

Das muss ein CD-Manager können

Das Management des CD erfolgreicher Unternehmen ist zu einem „Fulltime-Job“ geworden. Der Corporate Design Manager besitzt eine Integrations- und Schnittstellenfunktion über alle Bereiche des Unternehmens. Er verantwortet die Planung, Umsetzung und Koordination aller relevanten Faktoren, die während des Designprozesses und darüber hinaus zum Tragen kommen. Neben der inhaltlichen und formalen Abstimmung, Weiterentwicklung und Integration der strategischen Ausrichtung ist der Corporate Design Manager für die effektive und effiziente Umsetzung als auch die sensible Implementierung des Corporate Design Systems verantwortlich.

Das Aufgabenspektrum ist so vielseitig und anspruchsvoll, dass eine personifizierte Zuständigkeit mit entsprechenden Entscheidungsbefugnissen im Unternehmen unverzichtbar geworden ist. Mit der Unterstützung von externen Design Managern können fachliche und organisatorische Engpässe professionell überbrückt werden. Ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl eines Corporate Design Managers ist, dass dieser die Designlösungen nicht selbst gestaltet, sondern ausschließlich für die komplexen Aufgabengebiete des Corporate Design Prozesses verantwortlich sein muss.

Gerade in dieser verantwortungsvollen Position ist es wichtig, objektiv und loyal gegenüber allen Beteiligten des Prozesses zu sein und die persönlichen kreativen Empfindungen in den Hintergrund zu stellen. Ein externer Design Manager, der als Vertreter einer Designagentur eingesetzt wird, läuft Gefahr, die Agenturinteressen mit den Unternehmensinteressen nicht in Einklang bringen zu können. Unabhängige Design Manager haben deshalb die Möglichkeiten, ohne Vorbehalt und im Sinne des Unternehmens als Interimsmanager agieren zu können.

Aufgrund des unübersichtlichen Projektvolumens und des fehlenden Fachwissens ist der Aufwand des Projektmanagements für die Entwicklung und Steuerung des CD eine zentrale Größe. Er muss in der Budgetierung und Planung, sei es beim Unternehmen oder bei Agenturen, mehr Beachtung erhalten. Nicht selten werden CD-Budgets und Timings genau aus diesem Grund nicht eingehalten und führen zu Diskussionen.

Ein CD muss effizient umgesetzt werden

In Zeiten angespannter Marketingbudgets ist es deshalb unerlässlich, Kosten zu beherrschen und das Budget effizient einzusetzen. Ein Corporate Design Manager mit der notwendigen Erfahrung hilft, das Projekt zügig umzusetzen und mit den entsprechenden Budgetmitteln mit Leben zu füllen. Das Kriterium der „Effizienz“ ist ein Maßstab für Erfolg- oder Nicht-Erfolg. Effizienz steht für leistungsfähig, besonders wirtschaftlich und ist das Stichwort dafür, ohne Zeitverluste zum Ergebnis zu gelangen.

Wie das Ergebnis unserer Umfrage bestätigt, schätzen 49 Prozent der Befragten die reinen Projektmanagementzeiten auf 20 bis 40 Prozent ihres Arbeitsvolumens ein. Besteht Unwissenheit darüber, wie ein solches Projektmanagement zu gestalten ist, besteht die Gefahr, dass die Umsetzung des CD noch in der Planungsphase scheitert. Reibungsverluste sind während des Designprozess keine Seltenheit und können, unabhängig vom Umfang des Corporate Design Projektes, verheerende Auswirkungen haben. Aufgeführt sind hier einige Tatsachen aus der täglichen Praxis, die für enorme zeitliche und kostenintensive Verluste im Design-Prozess sorgen:

  • Reibungsverluste zwischen Marketing, Technik und Design
  • mangelnder Informationsfluss zwischen den am Prozess beteiligten Unternehmensfunktionen
  • Reibungsverluste durch Akzeptanzprobleme zwischen internen und externen Designabteilungen oder Personen, die mit dem Corporate Design beauftragt sind
  • Design-Entscheidung ohne geregelte Zuständigkeiten
  • Design-Entscheidung ohne sachliche Kriterien, dafür nach „Bauchgefühl“ und persönlichem Geschmack
  • ineffiziente Koordination der Entwicklungsteams
  • unpräzise Zielsetzung und Planung
  • veraltete Arbeitstechniken

Je mehr Personen unterschiedlicher Abteilungen und Agenturen an diesem Prozess beteiligt sind, desto größer wird auch der Aktionsradius des Corporate Design Managers. Er trägt unter anderem die Verantwortung dafür, dass

  • alle am Prozess Beteiligten informiert und motiviert bleiben
  • Interessens-Konflikte zwischen Abteilungen oder Unternehmensbereichen sachlich moderiert und gelöst werden
  • Hindernissen weitsichtig begegnet wird
  • die Durchführung des Corporate Design Prozesses zügig vorangeht
  • der Corporate Design Prozess im Sinne des Unternehmens effizient gemanagt wird

Maß aller Dinge für eine effiziente Umsetzung ist die einhundertprozentige Unterstützung der Geschäftsleitung. Ohne diese Rückendeckung verliert ein Corporate Design Prozess seine Zugkraft und Glaubwürdigkeit.  

Kontakt:
Corporate Design Management
Frankfurter Str. 81
61118 Bad Vilbel
Tel.: 06101-8033040
E-Mail: info@cd-management.de [325]
Web: www.cd-management.de [326]

[Bild: fotolia]

Skepsis: Vermögende misstrauen Banken

Jeder dritte Vermögende hat wegen der Subprime-Krise das Vertrauen in die Banken verloren. Zudem ist die Angst vor einem schlechten wirtschaftspolitischen Klima gestiegen: Innerhalb der vergangenen neun Monate hat sich bei der Zielgruppe des Private-Banking die Zahl derer fast verdoppelt, die eine negative Klimaentwicklung fürchten; im Wealth-Management-Bereich hat sich die Zahl knapp verdreifacht. Dies ergab  das Trendbarometer Financial Market Tracker (FMT) des Instituts für Markencontrolling BrandControl.

Für die Studie befragt das Frankfurter Institut zweimal jährlich 1.000 Gutverdiener, die zur Private-Banking- oder Wealth-Management-Zielgruppe zählen. Auf die privaten Großbanken und besonders auf die Landesbanken kämen schwere Zeiten zu, erklärt BrandControl-Geschäftsführer Harald Jossé. Sie müssten sich jetzt anstrengen, um das Vertrauen ihrer Zielgruppen zurückzugewinnen.

70 Prozent der Befragten sind die US-Hypothekenkrise und ihre Auswirkung auf den Finanzmarkt nicht entgangen. Dass diese dem Image der privaten in- und ausländischen Banken sowie der Landesbanken zusetzt, zeigt der wachsende Argwohn der Privatanleger: 44 Prozent der Private-Banking- und 38 Prozent der Wealth-Management-Zielgruppenbefragten haben das Vertrauen in die Banken verloren. Dies gilt vor allem für die Sachsen LB, der rund 20 Prozent der Private-Banking- und knapp ein Drittel der Wealth-Management-Zielgruppe misstrauen.

Zwei weitere der insgesamt 40 analysierten Banken schneiden ebenfalls schlecht ab: In Deutsche Bank und West LB haben jeweils rund 20 Prozent der beiden Zielgruppen das Vertrauen verloren. Die Entwicklung des wirtschaftspolitischen Klimas schätzen weit mehr Anleger als zuvor negativ ein: Waren es im März vergangenen Jahres 20 Prozent der Private-Banking-Zielgruppe, die eine Verschlechterung fürchteten, so waren es zumJ ahresende rund 30 Prozent.

Noch schneller wuchs die Sorge bei der Wealth-Management-Zielgruppe. Dort sprang der Wert von elf auf 27 Prozent. Zum Misstrauen gesellt sich ein weiteres Problem: Viele Vermögende kennen die Anlageangebote der Banken überhaupt nicht. Dies trifft auf rund 20 Prozent der Private-Banking- und auf mehr als die Hälfte der Wealth-Management-Zielgruppenbefragten zu. Die Banken müssten gerade jetzt ihre Werbemaßnahmen ausbauen, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen und potenzielle Kunden anzusprechen, sagt Jossé. Er führt weiter aus:

„Vertrauen kann nur durch offene und aufrichtige Kommunikation geschaffen werden und durch das Angebot vertrauenswürdiger Produkte. Hier müssen Unternehmens- und Marketingkommunikation bestmöglich zusammenspielen."

Für den FMT erhebt BrandControl zweimal jährlich Markenbekanntheit, Image und Markenvertrauen von Finanzdienstleistern, die Private Banking- und Wealth-Management-Units betreiben. Gemessen werden ebenfalls Werbeerinnerung, Presseberichterstattung und relevante Finanzanlagethemen. Die Studie umfasst Privatbanken und ausländische Bankinstitute, deutsche Banken, Sparkassen sowie Landesbanken. Für die Studie befragt das Institut Vermögende mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 4.000 Euro, die zudem Immobilien, Wertpapiere oder Edelmetalle besitzen.

[dw; Quelle: BrandControl; Bild: fotolia]

Wechselwillig: Kundenwünsche auf dem deutschen Briefmarkt

Seit dem 1. Januar ist der deutsche Briefmarkt vollständig liberalisiert. Dies ermöglicht es Mitbewerbern der Deutschen Post AG, Briefe für Privat- und Geschäftskunden unter den gleichen Rahmenbedingungen zu befördern. Dabei dürften neue Anbieter von der potenziell vorhandenen Wechselbereitschaft der Deutschen profitieren. Denn immerhin 67 Prozent der Privat- und 69 Prozent der Geschäftskunden können sich einen Wechsel des Briefdienstleisters vorstellen. 

Dies gilt insbesondere dann, wenn niedrigere Preiselocken. Besonders profitieren könnten hiervon die TNT Post und PIN Mail, die bei der Markenbekanntheit mit 46 beziehungsweise 25 Prozent die Plätze zwei und drei hinter der Deutschen Post AG einnehmen. Die Zahlen stammen aus der Studie „Erfolgsfaktoren im liberalisierten Briefmarkt“, die das Marktforschungsinstitut Smart-Research im Zuge der Liberalisierung durchgeführt hat. Renee Willms, Geschäftsführer der Smart-Research GmbH, erläutert den Anlass der Studie:

„Der Wettbewerbsdruck auf dem deutschen Briefmarkt nimmt durch die Vielzahl an Anbietern, den eingeführten Post-Mindestlohn und die zunehmende Marktsättigung spürbar zu. Für den Erfolg eines Postdienstleisters ist deshalb ein Geschäftsmodell wichtig, dass sich verstärkt an den Kundenbedürfnissen orientiert.“

Kunden sind offen für einen Anbieterwechsel

67 Prozent der Privat- und 69 Prozent der Geschäftskunden können sich vorstellen, ihre Briefpost in Zukunft über einen anderen als den bisherigen Postdienstleister zu verschicken. Dabei ist die Wechselbereitschaft der Privatkunden in der Altersklasse der 30 bis 49-jährigen mit 74 Prozent besonders hoch ausgeprägt. Etwas zurückhaltender zeigen sich dagegen Personen über 50 Jahre. Hier sind lediglich 59 Prozent der Befragten dazu bereit, einem Mitbewerber der Deutschen Post eine Chance zu geben.

Bei den Geschäftskunden sehen vor allem Kunden mit hohem Sendungsaufkommen Vorteile durch einen Anbieterwechsel. In der Kategorie „über 500 Briefsendungen pro Monat“ wollen 73 Prozent einen neuen Anbieter testen. Unternehmen mit geringeren Sendungsmengen planen nur zu 66 Prozent einen Wechsel.

Die Wahrnehmung der meisten Mitbewerber der Deutschen Post AG ist in der Bevölkerung bisher nicht besonders hoch ausgeprägt. Dies ergab eine Untersuchung der Markenbekanntheit 13 ausgewählter Postdienstleister. Während die Deutsche Post AG mit 98 Prozent Markenbekanntheit fast jedem Bundesbürger bekannt ist, folgen die beiden größten Herausforderer, die TNT Post und PIN Mail mit 46 beziehungsweise 25 Prozent abgeschlagen auf den Plätzen zwei und drei. Etwas positiver fallen die Ergebnisse bei der Befragung von Geschäftskunden aus. Hier kommen die TNT Post und PIN Mail immerhin auf 63 beziehungsweise 33 Prozent.

Briefmarken mit Wunschmotiv fallen bei den Kunden durch

Welche zusätzlichen Serviceleistungen eines Postanbieters werden von den Kunden honoriert und welche fallen durch? Bei der Beurteilung des Zusatznutzens von zehn ausgewählten Serviceleistungen sind sich Privat- und Geschäftskunden überwiegend einig: Wichtig sind vor allem Dienstleistungen, die direkt mit dem Kerngeschäft eines Postdienstleisters – also dem Versand von Briefsendungen – in Verbindung stehen.

Als erstes wird in diesem Zusammenhang die „termingenaue Zustellung“ einer Postsendung mit über 90 Prozent Zustimmung hervorgehoben, um beispielsweise den Weichnachts- oder Geburtstagsgruß möglichst passend versenden zu können. Ebenfalls wichtig ist den Kunden die „garantierte Zustellung am nächsten Tag“ (90 Prozent).

Immerhin noch 80 Prozent der Kunden wünschen sich die Möglichkeit, Briefsendungen „ohne Beschränkung des Formates oder der Farbe“ versenden zu können. Weniger wichtig wird hingegen der Service einiger Postanbieter beurteilt, Briefmarken mit einem eigenen Wunschmotiv versehen zu können. Nur 30 Prozent der Privatkunden halten diesen Service für wünschenswert.

Die vollständige Studie kann unter www.smart-research.de [327] bezogen werden.

[dw; Quelle: smart research; Bild: fotolia]

Werbung: Onlinebereich verschlingt fast eine Milliarde Euro

Im Ergebnis legte Online-Werbung im Vergleich zu 2006 um 103 Prozent zu. Damals betrugen die Umsätze erst 480 Millionen Euro. Das gab der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) in Berlin bekannt. Grundlage ist eine exklusive Untersuchung des Marktforschungsinstituts Thomson Media Control. August-Wilhelm Scheer, Präsident des BITKOM, sagt:

„2007 war ein echter Meilenstein für die grafische Online-Werbung in Deutschland.“

Vor allem die Telekommunikationsanbieter und Internetplattformen haben den Markt im vergangenen Jahr getrieben. Sie gaben rund 223 Millionen Euro für grafische Online-Werbung aus. Auf dem zweiten Platz folgten Handels- und Versandhäuser, die 189 Millionen Euro investierten. Medien und Entertainmentanbieter (119 Millionen Euro), Banken und Finanzdienstleister (116 Millionen Euro) sowie Kfz-Firmen (89 Millionen Euro) vervollständigten die Top-5.

Eine untergeordnete Rolle spielte die Online-Werbung hingegen für die Pharmaunternehmen. Ihre Ausgaben beliefen sich 2007 auf gerade einmal 6,5 Millionen Euro. Diese Branche setzte stattdessen vor allem auf Werbespots im Fernsehen sowie Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften. Scheer weiter:

„Bemerkenswert ist, dass die Ausgaben für grafische Online-Werbung von Quartal zu Quartal ohne Unterbrechung zugenommen haben. Besonders stark waren die letzten drei Monate des vergangenen Jahres. Hier betrugen die Gesamtumsätze bereits 348 Millionen Euro.“

Im ersten Quartal 2007 waren es erst 174 Millionen Euro, im zweiten 207 Millionen Euro und im dritten Quartal 246 Millionen Euro.

Sämtliche Angaben basieren auf einer Erhebung von Thomson Media Control und umfassen alle Formen klassischer Online-Werbung. Dazu zählen grafische Werbemittel wie Banner, Pop-Ups und Streaming Ads. Suchwort-Marketing und Affiliate-Marketing sind nicht eingeschlossen. Ausgewiesen ist der hochgerechnete Nettoumsatz. Im Gegensatz zum Bruttoumsatz gibt er nicht die Summe der Listenpreise wieder, sondern berücksichtigt unter anderem geschätzte Rabatte und Agenturprovisionen. Der Unterschied zwischen Brutto- und Nettoumsatz stellt also den Unterschied zwischen formell ausgewiesenen und tatsächlich bezahlten Anzeigenpreisen dar.

[dw; Quelle: BITKOM; Bild: fotolia]

Weihnachtsumfrage: Deutsche wollen am liebsten Bargeld

Die Weihnachtszeit ist optimal, um das europaweite und nationale Konsumverhalten zu untersuchen. Die Deloitte-Weihnachtsumfrage 2007 fokussiert sich dabei sowohl auf die Analyse kultureller Unterschiede als auch auf die Darstellung eines entstehenden europäischen oder gar globalisierten Konsumenten. Befragt wurden hierzulande über 2.000 Deutsche ab 18 Jahre, insgesamt in 15 Ländern der EMEA-Region mehr als 15.000 Konsumenten.

Das Ergebnis: Reduzierte Geschenkausgaben kompensieren die steigenden Nahrungsmittelkosten für die Festtage, Qualitätsmängel von Gütern beeinflussen das Kaufverhalten nachhaltig und das Internet wird unverzichtbarer Vertriebskanal. Michael Busch, Partner im Bereich Consumer Business bei Deloitte, unterstreicht:

"Zwar blicken die Deutschen Ende 2007 erstmals wieder optimistischer in die Zukunft und sehen einen gesamtwirtschaftlichen Aufschwung, doch wird keine Zunahme der privaten Kaufkraft erwartet, was sich auch dieses Jahr wieder auf die Weihnachtseinkäufe auswirken wird. Die Deutschen planen beispielsweise, nur noch 420 Euro nach 435 Euro im Vorjahr für die Festlichkeiten auszugeben."

Allgemein fürchten die Europäer eine Abschwächung der Konjunktur in 2008: Nur 28 Prozent glauben, dass die Wirtschaft weiter anziehen wird. 41 Prozent prognostizieren eine Verschlechterung, was sich im gedämpften Ausgabeverhalten widerspiegeln wird. Über die Hälfte geht sogar von einem sinkenden Haushaltsnettoeinkommen im kommenden Jahr aus. In Deutschland rechnen nur 21 Prozent von einer Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds.

Auswirkungen weltweiter Preissteigerungen

Aufstrebende Volkswirtschaften zeigen ein gesteigertes Ausgabeverhalten zu den Festtagen. Konsumenten aus zehn der 20 befragten Länder werden im Vergleich zum Vorjahr mehr zu Weihnachten konsumieren. Die Zuwachsrate liegt dabei zwischen 2,6 bis 8,4 Prozent. Aufgrund aktueller ökonomischer Turbulenzen rechnen die Befragten der restlichen Länder mit Festtagsausgaben von minus 3,6 bis plus 1,4 Prozent.  

Die Festtage im Dezember und Januar sind weiterhin tief in der europäischen Kultur verankert, denn über 80 Prozent der Befragten planen diese im Kreis der Familie zu verbringen. Fernreisen erwarten somit nur einen leichten Zuwachs von drei Prozent. Iren (1.431 Euro), Briten (1.007 Euro), Spanier (951 Euro) und Griechen (716 Euro) geben dabei traditionell mehr für die Festlichkeiten aus als Schweizer (542 Euro), Niederländer (411 Euro) oder Deutsche (420 Euro), die hier zurückhaltender sind. 

Einige globale Faktoren wie der Energiepreisanstieg, Rohstoffverknappung und wachsende Nahrungsmittelpreise wirken sich sichtlich auf das Kaufverhalten aus. Europaweit gaben 54 Prozent der Befragten an, dass sie wegen der zunehmenden Lebensmittelkosten ihre Ausgaben drosseln werden - 34 Prozent nannten hier Energiekosten und 44 Prozent ein sinkendes Haushaltsnettoeinkommen als Grund. Michael Busch ergänzt:

"In Deutschland liegen die Werte deutlich höher. 71 Prozent müssen ihre Ausgaben aufgrund der Lebensmittelpreise, 52 Prozent wegen der Energiekosten und 52 Prozent wegen sinkender Einkommen reduzieren. Der Handel sollte hier die Konsumenten über die realen Steigerungsraten besser informieren, damit sich diese Faktoren nicht überproportional negativ auf die Handelsumsätze zu Weihnachten auswirken." 

Veränderung bei den Top-Ten-Geschenken

Europaweit rangiert auf den Wunschlisten Bargeld nach Bekleidung und Büchern - in Deutschland jedoch ist Bargeld der Hauptwunsch, gefolgt von Büchern und Gutscheinen. Geschenkt werden aber meist Bücher, Gutscheine und Parfümprodukte. Busch konstatiert:

"Wie auch im letzten Jahr zeigen sich vor allem großen Differenzen bei der Wunschliste der Frauen. Diese träumen meist von Reisen und Schmuck, erhalten aber von ihren Partnern Bücher, CDs sowie Geschenkgutscheine."

Bei den Jugendlichen setzt sich der Trend nach Unterhaltungselektronik fort - MP3-Player, Handys und Videospiele führen dabei die europäischen Hitlisten an. Zwar präferieren deutsche Teenager ebenfalls Bargeld, doch auch hier dicht gefolgt von CDs, MP3-Playern sowie Computerspielen. 

Internet gewinnt weiter an Bedeutung

In Deutschland sind nur 52 Prozent bereit, mehr für "ethisch korrekte" Produkte auszugeben, wohingegen sich durchschnittlich 63 Prozent der Europäer dafür aussprechen. Insgesamt betrachten 52 Prozent importiertes Spielzeug kritisch - nur 20 Prozent halten diese Bedenken für irrelevant. Michael Busch rät:

"Der Handel sollte hier seine Qualitätskontrollen transparenter kommunizieren, um starke Einbrüche bei bestimmten Produktkategorien im Vorfeld zu vermeiden. Dennoch bleiben die Deutschen die preissensitivsten Käufer in Europa."

Die Deutschen sind europäische Spitzenreiter bei der Internetnutzung - über 88 Prozent werden es für die Weihnachtseinkäufe einsetzen. Insbesondere Bücher, CDs und DVDs werden auf diesem Weg besorgt. Europaweit belegt das Internet noch Rang vier, doch auch hier nimmt dessen Relevanz weiter zu. Nach Meinung der Befragten eignet sich das Internet-Shopping vor allem für Preisrecherchen, zur Umgehung beschränkter Ladenöffnungszeiten und um lange Wartezeiten zu vermeiden. 

Die Weihnachtsumfrage von Deloitte ermittelt die geplanten Weihnachstausgaben der Konsumenten und wird seit 1998 jährlich durchgeführt. Die diesjährige Umfrage richtete sich mit einem strukturierten Fragebogen per Internet, Telefon und persönlichem Interview an Konsumenten ab 18 Jahre.

Neben Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande, Portugal, Skandinavien, Spanien, Südafrika, Russland, Türkei, UK und Zypern beteiligten sich erstmals die Schweiz und die Tschechien. Insgesamt wurden über 15.000 Konsumenten aus 158 Ländern der EMEA-Region befragt, was einem Teilnehmeranstieg von 53 Prozent zum Vorjahr entspricht.

Die komplette Studie finden Sie unter www.deloitte.com [328] zum Download.

[dw; Quelle: Deloitte; Bild: fotolia]

Nachholbedarf: Billigflieger mit mäßigem Kundenservice

Die Nase vorn bei der Servicequalität haben die Deutsche Lufthansa und der Ferienflieger LTU. Dies zeigt eine aktuelle Studie der ServiceRating GmbH aus Köln zur Servicequalität von neun großen Fluggesellschaften. Unter die Lupe genommen wurde der Kundenservice von Air Berlin, British Airways, Condor, Deutsche Lufthansa, Easyjet, Germanwings, LTU, Ryan Air und TUIfly. Rund 1000 Fluggäste wurden zu ihren Erfahrungen mit 33 Service- und Leistungsmerkmalen und ihrer Gesamtzufriedenheit mit den Airlines befragt.

Lufthansa und LTU sind Testsieger

Service-Testsieger mit jeweils 85 von 100 möglichen Service-Index-Punkten und dem Gesamturteil "sehr gut" sind die Deutsche Lufthansa und die LTU. Ebenfalls ein "sehr gut" erreicht Condor mit 83 Punkten. Im "guten" Mittelfeld landen Air Berlin (74), TUIfly (74) und British Airways (72). Die Discount-Flieger Germanwings (45; Gesamturteil: "voll zufrieden stellend"), Easyjet (36; "zufrieden stellend") und Ryan Air (29; "zufrieden stellend") fallen beim Kundenservice hingegen deutlich ab.

Der Service-Index umfasst die Beurteilung der Leistungsmerkmale "Zuverlässigkeit und Fehlerfreiheit", "Beratungsqualität" und "angebotene Zusatzleistungen". Bei der Gesamtzufriedenheit der Passagiere - in die neben der Servicequalität auch das Preis-Leistungs-Verhältnis und weitere Faktoren einfließen - bleiben die genannten Low-Cost-Flieger ebenfalls deutlich hinter der Konkurrenz. Aber auch British Airways hinkt in der Gesamtzufriedenheit einer Reihe von Wettbewerbern hinterher.

Stärker als durch reine Preisargumente wird die Gesamtzufriedenheit der Flugpassagiere durch die Beratungsqualität der Airlines und deren Umgang mit Beschwerden und Reklamationen beeinflusst. Aber auch die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Initiative der Mitarbeiter tragen positiv zur Differenzierung von den Wettbewerbern und zur Kundenbindung bei. Mit dem Engagement der Fluggesellschaften für die Umwelt und den Klimaschutz zeigt sich jeder dritte Passagier unzufrieden, die Gesamtzufriedenheit der Kunden wird davon allerdings wenig beeinflusst. Eine deutlich größere Rolle spielt die Kinderfreundlichkeit. Claus Dethloff, Geschäftsführer der ServiceRating GmbH, sagt:

"Was die Fluggesellschaften im Service bieten und was die Passagiere erwarten, passt nicht immer zusammen. Freundlichkeit beim Check-In kann beispielsweise die Beinfreiheit im Flugzeug nicht ersetzen. Unser ServiceIndex zeigt, wer seine Hausaufgaben ordentlich macht und sich wirksam als Servicegesellschaft profiliert."

Die Studie "Servicequalität von Fluggesellschaften" ist über die ServiceRating GmbH beziehbar. Weitere Info: www.servicerating.de [329]

[dw; Quelle: ServiceRating, Bild: tuifly]

Beratung: Bankkunden wollen qualifiziert betreut werden

Banken müssen stärker auf die Qualitäts- und Servicewünsche unterschiedlichster Kundengruppen eingehen, wenn sich ihr teures Filialnetz dauerhaft rechnen soll. Denn die Bedürfnisse und Verhaltensmuster der Bankkunden haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag von KPMG unter mehr als 1.000 Bundesbürgern ergeben.

So erklärt sich der verbreitete Wunsch nach einem "flächendeckenden" Filialnetz damit, dass "die Bankfiliale" für 87 Prozent in erster Linie der Geldautomatenstandort ist. Dagegen geben mittlerweile 44 Prozent der Bankkunden an, dass sie ihre Bank seltener als einmal pro Jahr für ein "richtiges" Beratungsgespräch aufsuchen. Drei von vier Bankkunden regeln den Großteil ihrer alltäglichen Geldangelegenheiten an Bankautomaten oder über das Internet. Und bei wichtigen Bankgeschäften würden Kunden bereitwillig längere Wege in Kauf nehmen. Doch die teilweise alarmierend niedrigen qualifizierten Kundenkontakte weisen auf Schwachstellen gängiger Filial- und Betreuungskonzepte hin.

Kunden suchen qualifizierte Beratung

Die Umfrage zeigt, dass Kunden eine qualifizierte Beratung zu schätzen wissen. Knapp 90 Prozent definieren ihre Beziehung zur Filialbank inhaltlich über die "Möglichkeit" der Kontaktaufnahme zu einem Bankberater, der sie "in wichtigen und komplexen Geldangelegenheiten gut beraten" kann. Auch der gut informierte Kunde und selbst der Online-Banker legen Wert auf einen Ansprechpartner in verschiedenen Rollenfunktionen: Einen Abschluss tätigen 80 Prozent der Bankkunden definitiv "nur im persönlichen Gespräch".

Zwar sehen die Kunden den Berater beziehungsweise das Beratungsgespräch als Kernleistung einer Bankfiliale an. Doch viele äußern Unzufriedenheit, wenn man sie nach ihren konkreten Erfahrungen befragt - nicht wenige nehmen ihr Gegenüber nicht als "Berater", sondern als "Verkäufer" wahr. Klaus Ott, Partner im Bereich Financial Services bei KPMG, sagt:

"Kunden sind heutzutage wesentlich besser informiert als früher. Nicht zuletzt wegen des Internets haben sich auch neue Formen des Kundenbedarfs entwickelt. Nicht jeder wünscht sich eine Beratung oder Betreuung, auf der anderen Seite messen selbst viele Onlinenutzer weiterhin dem persönlichen Kontakt zu einem Berater einen hohen Wert bei. Da sich die Kundenbedürfnisstrukturen so unterschiedlich entwickeln, sollte die Bank es am besten dem Kunden selbst überlassen, für welchen Bedarf er welche Beratung braucht und welchen Kontaktweg er dafür wählt."

Bankgeschäfte: Hauptsache Diskretion

Gut vorstellen können Kunden sich Alternativen zum Filialgespräch. So sind über 40 Prozent prinzipiell bereit, Gespräche nach vorheriger Terminvereinbarung auch zu Hause wahrzunehmen. Bei ihren Geldgeschäften bestehen Kunden vor allem auf "Diskretion und Vertraulichkeit" - die Filialeigenschaft mit den höchsten Zustimmungswerten überhaupt (95 Prozent). Das drückt sich aus im mehrheitlich geäußerten Wunsch nach separaten Besprechungsräumen und der deutlichen Abneigung gegen "offene" Filialkonzepte. Einen Ausbau der Filiale zum Shopping- oder Erlebnis-Center lehnt die Mehrheit der Kunden in Bezug auf "wichtige" Bankgeschäfte ab.

Die Umfrageergebnisse zeigen teils eklatante Unterschiede in den Kundenbedürfnissen je nach Alter, Region, Einkommen oder auch in Bezug auf den jeweiligen Erfahrungshorizont mit Finanzgeschäften. Bernhard Sauer, Partner im Bereich Financial Services bei KPMG, kommentiert:

"Deshalb und weil relevante Finanzgeschäfte für die Mehrzahl der Kunden weit mehr berater- als filialgebunden sind, besitzt ein Betreuungskonzept mit individualisierten Beziehungsstrukturen erhebliches Potenzial. Die 'Beziehungsbank', die Kundenbeziehungen betriebswirtschaftlich differenziert, muss ihre Mitarbeiter dafür dezentral in die Verantwortung nehmen. Dabei wird nach unserer Einschätzung die Bankfiliale vor Ort im integrierten Zusammenspiel der Vertriebswege weiterhin eine wichtige Rolle spielen."

[dw; Quelle: KPMG; Bild: fotolia]

Expansion: Lebensmittelbranche vernachlässigt Chancen in Asien

Die deutsche Ernährungsindustrie nimmt die schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften kaum als Absatzmärkte wahr. Über 90 Prozent der Unternehmen halten Europa auf absehbare Zeit für die wichtigste Exportregion, während kaum eines der befragten Unternehmen ein Land in Asien zu seinen präferierten Zukunftsmärkten zählt. Dies geht aus der Studie "Deutsche Lebensmittel: Exportschlager mit sicherem Navigationssystem?" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) und der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) hervor.

Gerd Bovensiepen, PwC-Partner und Leiter des Competence Centers Retail & Consumer Deutschland, äußert sich zu den Gründen:

"In Boomländern wie China und Indien machen Zölle, Einfuhrbeschränkungen und spezifische Konsumgewohnheiten den Markteintritt für deutsche Lebensmittelproduzenten sehr schwer. Davon dürfen sich die Unternehmen aber nicht abschrecken lassen. Wer in Zukunft in Asien erfolgreich sein will, muss dort schon heute Präsenz zeigen."

Die staatliche Außenwirtschaftsförderung könnte einen wichtigen Beitrag zur Erschließung der neuen Märkte leisten, die Umfrage zeigt allerdings Defizite der bestehenden Instrumente auf. Das Förderangebot des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) beispielsweise hat bislang nur knapp jedes fünfte Unternehmen genutzt. Die Dienstleistungen des Ministeriums sind nur einem geringen Anteil der Befragten bekannt. Allerdings dürfte dies auch mit Tatsache zusammenhängen, dass das Ministerium erst seit rund einem Jahr in der Exportförderung einen Schwerpunkt setzt.

Einen höheren Bekanntheitsgrad zeigen in der Umfrage die Angebote des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) und der nichtstaatlichen Centralen Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaftwirtschaft mbH (CMA). Für die Studie wurden Antworten von 93 Unternehmen (Geschäftsführer und Exportleiter) ausgewertet, wobei die Schwerpunkte in den Branchen Fleisch, alkoholische Getränke und Gewürze liegen sowie bei mittelständischen Unternehmen.

Osteuropa wird wichtiger

Der Export ist für die deutsche Ernährungsindustrie von existenzieller Bedeutung. So stieg der Auslandsabsatz von 1998 bis 2006 um sechs Prozent pro Jahr, während der Zuwachs im Inland lediglich 1,2 Prozent erreichte. Diese Entwicklung schlägt sich auch in der Befragung nieder: Knapp 80 Prozent der Unternehmen haben ihren Exportanteil in den vergangenen fünf Jahren gesteigert, und ein ebenso großer Teil rechnet mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung. Für rund drei Viertel der Befragten (74 Prozent) liegen die derzeit wichtigsten Ausfuhrländer in West- beziehungsweise Mittel- und Südeuropa, weitere 20 Prozent exportieren vor allem nach Osteuropa.

Eine weitaus geringere Rolle spielen die Ausfuhrregionen Amerika und Afrika, kein Unternehmen zählt ein asiatisches Land zu seinen wichtigsten Exportmärkten. Diese Rangfolge wird sich in den kommenden Jahren kaum ändern. In mittelfristiger Perspektive halten 67 Prozent der befragten Unternehmen Westeuropa für ihre wichtigste Exportregion, 24 Prozent nennen ein osteuropäisches Land.

Insbesondere Polen und Russland dürften der Umfrage zufolge an Bedeutung gewinnen. Die große Mehrheit (72 Prozent) der im Ausland aktiven Unternehmen organisiert den Export in Eigenregie. Tochtergesellschaften im Ausland haben nur 12 Prozent der Befragten. Bovensiepen kommentiert:

"Wegen der mittelständischen Struktur der deutschen Ernährungsindustrie ist davon auszugehen, dass auch künftig die meisten Unternehmen ihre Produkte vom Stammsitz aus ins Ausland verkaufen. Daher muss die Außenwirtschaftsförderung primär mit Angeboten in Deutschland ansetzen."

Staatliche Förderung wenig zielgenau

Zwar gibt es in Deutschland zahlreiche staatliche Instrumente zur Exportförderung, jedoch sind nur wenige auf den Bedarf der Lebensmittelindustrie zugeschnitten. Das gilt insbesondere für die Leistungen des BMELV. Lediglich 17 Prozent der Befragten haben das Angebot schon einmal genutzt, die Mehrheit der Befragten (56 Prozent) kennt die Dienstleistungen des Ministeriums zur Exportförderung gar nicht. Die Dienstleistungen der Auslandshandelskammern kennen über 80 Prozent der Befragten und knapp 60 Prozent haben sie mindestens einmal in Anspruch genommen.

Demgegenüber wissen nur 41 Prozent vom Angebot der Bundesagentur für Außenhandelsinformationen (bfai), und das von ihr betreute Internetportal iXPOS kennen sogar nur 13 Prozent. Die Möglichkeit der Unterstützung zur Auslandsmarkterschließung durch die Deutschen Botschaften kennen 55 Prozent, jedoch nur 26 Prozent haben diesen Weg bereits genutzt. Die mit finanziellen Mitteln der Agrarwirtschaft finanzierte Absatzförderorganisation CMA ist für die exportierenden Unternehmen der Ernährungsindustrie die bedeutendste Anlaufstelle.

Gut jeder dritte Befragte hat eines der CMA-Angebote schon einmal genutzt. Die meisten Befragten (87 Prozent) kennen die Exportberatung der CMA im Inland, und über 50 Prozent haben die Dienstleistung mindestens einmal in Anspruch genommen. Die Markt- und Länderinformationen der CMA haben sogar fast 70 Prozent der im Ausland aktiven Unternehmen schon einmal genutzt. Das Angebot ist damit das meistverwendete aller in der Studie untersuchten Förderinstrumente.

Auslandsmessen sind ihr Geld wert

Auslandsmessen sind nach Einschätzung der befragten Unternehmen besonders wichtig für den Exporterfolg und bekommen im Rahmen der Befragung eine hohe Zustimmung. Die hohen Kosten lassen aber viele, vermutlich insbesondere kleine Unternehmen, vor einer Teilnahme zurückschrecken. Sabine Eichner Lisboa, Geschäftsführerin der BVE, sagt:

"Es liegt daher nahe, die Beteiligung an Auslandsmessen durch die Außenwirtschaftsförderung zu unterstützen. Die Erfolgsbilanz der bestehenden Programme ist allerdings sehr unterschiedlich. Zentrales Anliegen der BVE ist die Schaffung eines 'Exportnetzwerkes Lebensmittel', in dem die an der Außenwirtschaftsförderung beteiligten Institutionen ihre Leistungsangebote auf die Anforderung der Branche hin abstimmen und anpassen."

[dw; Quelle: PwC; Bild: fotolia]

Zielgruppen differenzieren: Das Einkaufsverhalten von Frauen und Männern

Das Einkaufsverhalten von Frauen und Männern ist sehr unterschiedlich. Auch wenn manchen die Differenzierung nach Geschlechtern nicht lieb ist – beim Einkaufen scheint sie zu gelten. Und für alle Anbieter und Händler ist das maßgeblich, wenn sie ihren Kunden den passenden Service und das bevorzugte Einkaufserlebnis vermitteln wollen.

Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Wharton School der University of Pennsylvania in den USA. Sie haben herausgefunden – was viele schon immer zu wissen glaubten: Men buy – women shop. Für Frauen ist das Einkaufen als solches ein Erlebnis. Für Männer ist es eine Aufgabe, die möglichst schnell erledigt werden muss, damit Zeit bleibt, sich den wirklich interessanten Dingen zuzuwenden. Die Forscher vermuten, dass bei Männern das erlebnisorientierte Shoppen verkümmert ist, weil der Einkauf über viele Generationen hinweg eine Aufgabe der Frauen war.

Frauen legen Wert auf Beratung, Männer schätzen Schnelligkeit

Frauen nehmen beispielsweise Fehler und Defizite viel mehr wahr als Männer. Frauen schätzen vor allem:

Frauen erwarten qualifizierte Beratung und Einfühlungsvermögen.
  • Hilfestellung oder Beratung, wenn sie notwendig ist.
  • Das Verkaufspersonal kennt sich mit den Produkten aus und kann qualifiziert beraten.
  • Es erkennt, was die Kundin wirklich sucht und was zu ihr passt.
  • Es schätzt die Frau als Kundin.

Männer haben ganz andere Problemzonen:

  • Die Entfernung zwischen Geschäft und Parkplatz ist zu weit.
  • Es ist schwierig, den Artikel zu finden, den man sucht.
  • Das Produkt ist nicht vorrätig.
  • Die Warteschlange an der Kasse ist zu lang.

Als die Forscher ihre Probanden danach fragten, was ein Grund wäre, niemals wieder in ein Geschäft zu gehen, erklärten Frauen: Wenn das Verkaufspersonal zu erkennen gibt, dass man als Kundin störe, etwa bei einer privaten Unterhaltung. Der „Worst Case“ für Männer ist: Das Verkaufspersonal ist zu faul, danach zu schauen, ob es das gewünschte Produkt nicht doch noch auf Lager gebe.

Männer wollen den Job erfolgreich erledigen und schnell wieder raus.

Ob das alles tatsächlich so trennscharf zutrifft, mag mancher bezweifeln. So können viele Männer ein ähnliches Einkaufs- und Shopping-Erlebnis im Baumarkt haben, wie Frauen im Schuhladen. Wie auch immer: Händler sollten bei der Auswahl ihres Verkaufspersonals genau darauf achten, wie diese mit den beiden Zielgruppen umgehen und wie sie sich auf die Kundenwünsche situativ einstellen. Hier gibt es sicherlich erhebliche Verbesserungspotenziale.

Übrigens: Was für den Supermarkt, das Einkaufs-Center oder den Laden um die Ecke gilt, trifft auch im Internet zu, wie die Marktforscher von TNS Infratest vor wenigen Tagen herausgefunden haben: Online-Shopping entspricht den Geschlechter-Klischees.

Obwohl dem Internet immer wieder eine revolutionäre Kraft nachgesagt wird, scheinen die geschlechtsspezifischen Shopping-Präferenzen so immanent zu sein, dass diese sich auch im Internet getreu den typischen Klischees präsentieren und jeder Veränderung trotzen. So kaufen Frauen ganz rollenkonform deutlich häufiger Kleidung, Kosmetikartikel, Schmuck und Schuhe im Internet, während Männer sich auf Telekommunikation, Unterhaltungselektronik, elektrische Haushaltsgeräte, Heimwerkerbedarf und Computer-Software oder Computer-Spiele konzentrieren.

In der von TNS Infratest durchgeführten Studie zum Online-Shopping wurden 1.326 Personen befragt, die privat Produkte und Services über das Internet kaufen oder an Online-Auktionen teilnehmen. Mehr dazu unter:

http://www.tns-infratest.com [330]

Für die Studie „Men Buy, Women Shop“ wurden im Oktober und November 2007 1.250 Personen zu ihrem Einkaufsverhalten befragt. Die Mehrzahl (zwei Drittel) waren Frauen. Mehr dazu unter:

http://knowledge.wharton.upenn.edu/... [331]

Quellen: Knowledge at Wharton, TNS Infratest

Kundenpflege: Optimaler Service für mehr Loyalität

Stört der Kunde? Ist er König? Ein scheues Reh? Oder einfach nur ein guter Freund, bei dem es gilt mit viel Engagement, Zuneigung, Selbstbewusstsein und Souveränität die Freundschaft zu pflegen?

Eigentlich müsste jedes Unternehmen sehr genau wissen, wie es mit seinen Kunden umgeht, denn schließlich sorgen sie für Umsatz, Ergebnis und Erfolg. Gleichwohl gibt es Defizite:

  • Außer Liefer- und Rechnungsadresse hat das Unternehmen kaum Informationen über den Kunden, kennt also keine Anforderungen, Vorlieben oder Beschwerden.
  • Die Mitarbeiter sind nicht kompetent, behandeln den Kunden herablassend oder ignorieren diese.
  • Das Controlling kann nicht sagen, welcher Kunde welche Umsätze, Deckungsbeiträge oder Gewinne generiert oder welcher Kunde sogar mehr Kosten verursacht als Gewinne.

Das sind sicher Extremfälle, denn jeder gute Unternehmer und Vertriebsmitarbeiter spricht regelmäßig mit seinen Kunden und weiß mehr über sie. Dazu sollte er diese Informationen systematisch erheben und im Dialog mit dem Kunden nutzen. Letztlich geht es darum, den Kunden als Partner zu sehen, der für den eigenen Geschäftsbetrieb essenziell ist. Es werden in dieser Partnerschaft Werte ausgetauscht: Produkt und Dienstleistungen gegen ein Entgelt.

Nicht alle Kunden sind gleich

Es ist für ein Unternehmen besonders wichtig zu erkennen, dass nicht alle Kunden gleich sind. Deshalb wurden Instrumente und Methoden entwickelt, um Kunden zu differenzieren und zu typisieren. Mögliche Unterscheidungskriterien sind beispielsweise:

  • Kundenbeziehung: Erstkunde, Mehrfachkunde, Stammkunde, Empfehler (Referenzkunde).
  • Kundenrentabilität: (prognostiziertes) Umsatzwachstum, Deckungsbeitrag, Gewinn oder oder andere Finanzkennzahlen zum jeweiligen Kunden.
  • Kundenanforderungen: Hier können die unterschiedlichsten Kriterien berücksichtigt werden; eine wichtige Unterscheidung erfolgt nach Privatkunden (Konsumenten, Verbraucher) oder gewerbliche Kunden; weitere Merkmale, die Kundengruppen unterscheiden ergeben sich aus der jeweiligen Fragestellung oder den Marketing- und Vertriebszielen.
Kunden werden kategorisiert. Aber Vorsicht: Bedenken Sie die Merkmale zur Unterscheidung und die Konsequenzen für das Unternehmen.

Wer seine Kunden genau kennt und unterscheidet, kann sie differenziert – und damit besser und gezielter pflegen. Das betrifft vor allem:

  • die Produkte und Dienstleistungen, die den entsprechenden Kunden angeboten werden;
  • die Preise oder Preisvergünstigungen, die gemacht werden;
  • die Service-Qualität, die dem Kunden entgegengebracht wird; das können kostenlose Zusatzleistungen sein oder einfach die Freundlichkeit und Beratungsqualität durch die eigenen Mitarbeiter.

Im Einzelfall kann „individuelle Kundenpflege“ auch bedeuten, einen Kunden nicht mehr zu bedienen. Dies sollte sich ein Unternehmen immer dann überlegen, wenn ein Kunde dauerhaft zu mehr Verlust als Gewinn führt. Es kann durchaus sein, dass solche Kunden am Unternehmen hängen, regelmäßig kaufen und doch unterm Strich mehr Kosten oder Ärger machen, als sie einbringen. Dabei ist es nicht immer leicht, solche „Kletten“ loszuwerden – aber dennoch notwendig.

Stichwort

Die Kundenpflege [332] meint die Interaktion eines Unternehmens mit neuen oder bestehenden Kunden. Dabei geht es nicht um den Leistungsaustausch im engeren Sinn, sondern um begleitende Aktivitäten. Beispiele sind Kommunikation, Beratung, persönliches Auftreten, Erbringung zusätzlicher Dienstleistungen, Kulanz oder der Umgang mit Beschwerden.

Ziel der Kundenpflege ist es, Kunden zu binden, zu Stamm- und Empfehlungskunden zu machen oder zurückzugewinnen. Außerdem sollen Umsatz und Gewinn mit einem Kunden optimiert werden.

Im Zusammenhang mit der Kundenpflege steht auch das sogenannte Customer Relationship Management (CRM). Hier geht es vor allem darum, Daten und Informationen über Kunden zu sammeln, systematisch abzulegen und im Prozess der Kundenpflege bzw. Kundenbeziehung zu nutzen.

„Ich habe kein Marketing gemacht, ich habe immer nur meine Kunden geliebt.“ (Zino Davidoff, Zigarrenhersteller)

[jf; Bild: Business-Illustrationen]

Shopping 2020: Wie die Städte der Zukunft Konsumenten anziehen

Keine Frage: Die Zukunft liegt in der Stadt, Urbanität wird als positiver Wert neu entdeckt. Schon heute lebt fast die Hälfte aller Menschen in Städten – rund 3,3 Milliarden. Bald werden es noch viel mehr: Drei Viertel der Menschheit sollen es im Jahr 2050 sein. Die Metropolen werden dereinst nicht nur grösser sein, sie werden auch anders aussehen und in allen Lebensbereichen – Verkehr, Wohnen, Arbeit, Konsum – neue Konzepte aufweisen. Und das sicherlich auch beim Einkaufen, aber: Wie genau?

  • Wie wird unser Shoppingverhalten sein?
  • Wohin fliessen die Kaufkraftströme?
  • Welche Handelsformen setzen sich durch?
  • Wer sind die Konsumenten von morgen?

Eine Zeitreise ist angesagt. Und genau die hat das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) unternommen. In der neuen Studie "City Centre Retail 2020" untersucht der Schweizer Thinktank, wie sich die Städte entwickeln werden – wobei der Fokus auf dem urbanen Detailhandel liegt: Denn das Zentrum gibt einer Stadt ihr charakteristisches Gesicht – unter massgeblicher Beteiligung des Einzelhandels. Er prägt nicht nur das Shopping-Angebot, sondern gestaltet das öffentliche Leben, die Kultur, die Atmosphäre und das Design der Stadt.

Sechs Thesen dokumentieren, wohin die Entwicklung geht:

Der traditionelle Stadtkern ist Vergangenheit, in Zukunft stehen mehrere Zentren nebeneinander. Die Städte wachsen schnell. Und die wenigsten Zuzüger finden im traditionellen Zentrum Platz. In der Folge breiten sich die Städte aus und formieren sich zu eigentlichen Stadtregionen, an deren Peripherie laufend neue Subzentren entstehen.

Obwohl also mit der Expansion der Städte eine Zentralisierung einsetzt, sind die einzelnen Metropolen dezentral gestaltet. Dies schafft lebendige, moderne Quartiere. Die Stadt gewinnt insgesamt an Attraktivität, doch gleichzeitig erwächst der traditionellen Innenstadt eine starke Konkurrenz: Diverse Stadtteile werden in Zukunft um Konsumenten, Mieter, Besucher oder Investoren buhlen.

"Unstoring" ergänzt "Store Concepts". Um sich gegen die harte Konkurrenz zu behaupten, muss sich die Innenstadt erneuern. Sie muss sich inszenieren und den Besuchern vielfältige Erlebnisse bieten. Für den Detailhandel heißt das: Entscheidend sind nicht mehr die Ladenräumlichkeit und der klassische Verkauf, sondern der Erlebnis- und Erfahrungsgewinn der Kunden – und zwar vor, während und nach dem Kauf.

Ladenlokale werden zu Orten, wo man lernen und experimentieren kann, wo man Menschen trifft, sich austauscht, wo man unterhalten wird und eine angenehme Zeit verbringt. Die Konsumenten erwarten überraschende Erlebnisse, Entertainment, neue Erfahrungen – letztlich also Authentizität.

Social Shopping wird wichtiger als Lonely Shopping. In den Städten der Zukunft lösen sich die traditionellen Gemeinschaften weiter auf, Individualisierung und Anonymisierung verstärken sich, es gibt mehr Singles. Gleichzeitig wächst die Sehnsucht nach Nähe, Zugehörigkeit und Verbindlichkeit. Die Stadtzentren werden zu Orten, wo sich Menschen treffen und gemeinsam etwas unternehmen – beispielsweise Einkaufen. Shopping wird zum Socializing.

Die Stadt wird zum Full-Service-Anbieter. Der Handel übernimmt Zusatzaufgaben. Einfach Produkte anzubieten, reicht nicht mehr. Es müssen außergewöhnliche Produkte sein, und sie müssen mit einem außergewöhnlichen Service in außergewöhnlicher Umgebung präsentiert werden. Die völlige Ausrichtung auf den Kunden kann so weit führen, dass die Händler alle öffentlichen Funktionen und Dienstleistungen übernehmen: Sie werden zu eigentlichen Stadtstaaten. Wo der Städter einkauft, erledigt er auch seine Verpflichtungen und verbringt seine Freizeit. Der Einzelhandel wird so zu einem "Convenience-Provider" – zum konsequenten Full-Service-Anbieter.

Die grauen Städte werden grüner. Die Städte von morgen verändern nicht nur ihre Größe und Struktur, sondern auch ihren Charakter. Entscheidend dafür ist der gesellschaftliche Wertewandel, der ökologische Kriterien stärker ins Bewusstsein rückt. Gefordert wird eine nachhaltige Entwicklung, die Verkehr und Umweltbelastung reduziert. Die Distanzen zwischen Wohnen, Arbeiten, Unterhaltung und Einkaufen werden kürzer.

Damit verschwindet das im Industriezeitalter propagierte Trennen der Lebensbereiche, und das Angebot wird verdichtet. Je höher die räumliche Dichte, desto geringer der Energieverbrauch pro Stadtbewohner. Denn nicht nur die Wege der Menschen sind in Zukunft kürzer, sondern auch die Wege der Produkte. Das ökologische Bewusstsein und technologische Innovationen ermöglichen eine erstaunliche Entwicklung: Die Landwirtschaft kommt zurück in die Stadt, Selbstversorgung wird zu einem zentralen Thema.

Zwei innovative Konzepte machen dies vor: Urban Farming bewirtschaftet ungenutztes Land in Stadtzentren auf ökologische Weise und verschönert zugleich das Stadtbild (www.urbanfarming.org [333] ). Und Wissenschaftler der Columbia University entwickeln vielstöckige Glashäuser, in denen Landwirtschaft betrieben wird, die nicht nur Energie spart, sondern auch vor Naturkatastrophen geschützt ist (www.verticalfarm.com [334] ). Ökologische und soziale Produkte haben in den kommenden Märkten gute Chancen und eine Strahlkraft, die über die Stadtgrenze hinaus wirkt: Grüne Städte mit ökologischen Unternehmen und verantwortungsvollen Bewohnern sind attraktive Standorte. Und denen blüht eine erfolgreiche Zukunft.

Reale Stadträume verschmelzen mit virtuellen – öffentliche mit privaten. Wer eine Stadt erkunden will, wer shoppen oder Leute treffen möchte, muss nicht aus dem Haus gehen: Längst haben Städte ausgebaute Online-Auftritte. Dieser Trend geht weiter; insbesondere der Einzelhandel wird dabei zu einer Spielwiese für technische Innovationen. In Zukunft werden wir durch virtuelle Städte schlendern, in Online-Shops Produkte aus dem Regal nehmen, sie begutachten und kaufen. Reale Räume verschmelzen mit virtuellen, der ortsgebundene Handel mit dem elektronischen.

Das eröffnet nicht nur neue Möglichkeiten im Verkauf, sondern auch beim Service und bei der Produktentwicklung: Die Retailer können ihre Kunden jederzeit erreichen und umgekehrt. Der Austausch von Informationen, Wünschen und Kritik ist schnell und unkompliziert. Öffentliche Räume verschmelzen mit privaten.

Diese Entwicklung wird durch zukünftige Handymodelle gestützt: Sie machen es alltäglich, auf dem Display Waren zu prüfen und einzukaufen, Restaurants zu reservieren, Karten zu studieren und Menüs vorzubestellen. Wer sich beim Kauf mit seinen Freunden beraten will, lässt sie per Konferenzschaltung am Shoppingerlebnis teilhaben. Standortbezogene Dienste mit individualisierten Informationen erleichtern die Orientierung in der Stadt: Sie navigieren uns zu einer Adresse, schlagen interessante Orte vor oder melden, wenn Freunde in der Nähe sind.

Der Handel profitiert

Wie gesagt, die Zukunft liegt in der Stadt. Der Detailhandel in den Stadtzentren profitiert von dieser Entwicklung. Doch er muss sich verändern: Er muss vielfältige Services und noch bessere Produkte anbieten und diese gekonnt an faszinierenden Orten präsentieren. Das bringt nicht nur die richtigen Kunden und steigert den Umsatz; es formt auch das Image der gesamten Stadt als "Social Hub". Schon heute wirken die Innenstädte wie große Shoppingcenter. Die Bedeutung der Einkaufsmöglichkeiten für die Identität der Stadt wird weiter zunehmen: Sie prägen maßgeblich Lebensstil und Design. Die Stadt wird somit mehr auf den Handel angewiesen sein als der Handel auf die Stadt.

Will eine City sich im zunehmend härteren Standortwettkampf profilieren, muss sie sich selbst als Produkt denken und sich inszenieren – Attraktivität ist nicht einfach da; Attraktivität wird gemacht.

Weitere Informationen zur Studie "Shopping and the City 2020" finden Sie beim Gottlieb Duttweiler Institut unter:

Gottlieb Duttweiler Institut: Shopping and the City 2020 [335]

[jf; Quelle: GDI; Bild: GDI]

Wettbewerb: Neue Wirtschaftsriesen machen Druck

In den wachstumsstarken Regionen Asiens, Mittel- und Lateinamerikas sowie Osteuropas reifen hunderte von künftigen Wirtschaftsriesen heran, die die heutigen Marktführer bedrohen. Die Aufsteiger wachsen stark und strotzen vor Wirtschaftskraft, dringen energisch in ausländische Märkte vor und verändern den Wettbewerb in vielen Branchen. In der in Delhi vorgestellten Studie "The BCG 2008 100 New Global Challengers" hat die Unternehmensberatung The Boston Consulting Group (BCG) zum zweiten Mal 100 besonders bemerkenswerte Vertreter dieser Angreifer identifiziert.

17 Neuzugänge schafften es auf die Liste. Darunter sind Suzlon Energy (Indien), ein Turbinenhersteller für Windkraftanlagen, Nine Dragons Paper Holdings (China), einer der größten Kartonagenproduzenten weltweit, das Lebensmittelunternehmen Grupo Bimbo (Mexiko), der Komponentenzulieferer Marcopolo (Brasilien) oder der Industrieausrüster Tenaris (Argentinien). Die "100 New Global Challengers" hat ein internationales BCG-Forscherteam aus über 3.000 Unternehmen aus 14 Ländern ausgewählt. Kriterien waren Herkunft und eine führende Position in einem Schwellenland, ein Umsatzvolumen von über einer Milliarde US-Dollar und Präsenz in Auslandsmärkten.

Mit Umsätzen von insgesamt 1,2 Billionen US-Dollar und einer jährlichen Einkaufsmacht von mehr als einer halben Billion US-Dollar haben sich die 100 Herausforderer bereits heute Respekt erworben. Noch beeindruckender sind jedoch ihre ehrgeizigen Wachstumsziele: Laut BCG-Schätzung werden sie bis 2010 ihre Umsätze auf 3,3 Billionen US-Dollar und bis 2015 sogar auf 11,8 Billionen US-Dollar steigern.

Hunderte Herausforderer in den Startlöchern

Bernd Waltermann, BCG Senior Partner in Singapur und einer der Autoren der Studie, erklärt:

"In den boomenden Schwellenländern stehen hunderte ehrgeiziger Firmen in den Startlöchern, um die Weltmärkte zu erobern. Viele Manager der westlichen Marktführer können heute nicht einmal die Namen ihrer neuen Rivalen aussprechen. Dabei sollten sie sich intensiv mit ihnen beschäftigen. Wer schnell reagiert, kann neue Kunden, Zulieferer oder strategische Partner gewinnen. Wer tatenlos abwartet, wird sich bald heftiger Konkurrenz oder gar feindlicher Übernahmen erwehren müssen."

Schon heute liegen die 100 Herausforderer vor den westlichen Marktführern: In den zurückliegenden fünf Jahren stiegen ihre Umsätze schneller als jene der im S&P-500-Index gelisteten US Blue Chips - seit 2004 sogar dreimal so stark -, sie erwirtschaften höhere Margen (17 Prozent gegenüber 14 Prozent der S&P-500-Unternehmen) und schufen mehr Wert für ihre Aktionäre. Um regional und global zu wachsen, verfolgen viele der aufstrebenden Firmen aus Schwellenländern eine aggressive Akquisitionsstrategie: Sie schultern nicht nur mehr, sondern auch immer größere Übernahmen.

Im Jahr 2006 kauften die Angreifer insgesamt 72 Unternehmen - 2000 wurden lediglich 21 Übernahmen registriert. Das durchschnittliche Volumen einer Akquisition stieg von 156 Millionen US-Dollar im Jahr 2001 auf 981 Millionen US-Dollar 2006. Besonders Unternehmen aus China und Indien nahmen häufig Wettbewerber aus westlichen Märkten ins Visier. So kaufte beispielsweise Suzlon Energy aus Indien den deutschen Windkraftanlagenhersteller REpower Systems.

Neue Art von Wettbewerbern

Christoph Nettesheim, BCG-Partner in Beijing und Globalisierungsexperte, sagt:

"Die neuen Herausforderer brechen die Regeln des Wettbewerbs. Sie ziehen ihre Stärke aus kostengünstiger Produktion, arbeiten sich aber zielstrebig mit höherwertigen Angeboten nach oben. Sie investieren stark in Forschung und Entwicklung und Markenaufbau. Viele westliche Industrieunternehmen sind auf diese neue Art von Wettbewerbern nicht vorbereitet. Dabei könnten sie mit den richtigen Strategien auch selbst enorm von dem Umsatzwachstum der Herausforderer profitieren."

Das Gros der aufstrebenden Industrie-Titanen kommt aus China (41) und Indien (20), gefolgt von Brasilien (13) und Mexiko (7). Aber auch Unternehmen aus Argentinien, Chile, Ungarn oder Polen entwickeln sich zu neuen Wirtschaftsriesen. Die meisten dieser Unternehmen stammen aus der Industriegüterbranche (Automobil, Stahl, Werkzeuge) oder sind Rohstoffproduzenten; daneben sind auch einige Hersteller von Elektrogeräten oder Lebensmitteln und Getränken auf der BCG-Liste vertreten.

Kriterien für Auswahl der "BCG 100 New Global Challengers":
Die BCG-Praxisgruppe "Globalisierung" untersuchte die Wirtschaftskraft und Internationalisierung von 3.000 Unternehmen aus Asien, Latein- und Mittelamerika sowie Osteuropa und Russland. In einer Vorselektion wurden die größten Firmen herausgefiltert und deren wirtschaftliche Kennzahlen für die zurückliegenden drei Jahre analysiert. Entscheidend für die Aufnahme in die Liste der 100 Herausforderer war ferner eine nachweisliche und fortgeschrittene Globalisierung des Geschäfts; hier wurden Kriterien wie internationale Standorte des Unternehmens, Auslandsinvestitionen in den letzten fünf Jahren, die Verfügbarkeit von finanziellem Kapital für die Expansion oder die Breite und Tiefe der technologischen Intellectual Property untersucht.

[dw; Quelle: BCG; Bild: fotolia]

Marketing-Trend: Wiederentdeckung des Kunden

Im Marketing soll wieder mehr Geld ausgegeben werden. Die Marketingmanager blicken optimistisch in die Zukunft. Fast die Hälfte der Unternehmen will die Ausgaben für Werbung und Verkaufsförderung im Jahr 2008 erhöhen, hat die Zeitschrift Absatzwirtschaft in ihrer jährlichen Befragung der rund 60 wichtigsten Marketingmanager herausgefunden. Dabei ist es nicht leicht, angesichts vieler Marketing-Trends und Modewellen zu wissen, wo und wie das Geld am meisten bringt.

Wieder mehr in den Fokus rückt: der Kunde. Der geriet in den letzten Jahren etwas ins Hintertreffen. Denn allzu sehr musste das Marketing sich selbst rechtfertigen, Controlling betreiben und einen positiven Return on Investment beweisen. Zudem war es bei der schieren Masse an Werbung besonders schwer, sich von anderen überhaupt noch abzuheben; die Suche nach der kreativsten Werbung und dem pfiffigsten Claim geriet manchen zum Selbstzweck. Zur selben Zeit macht sich der Kunde im Internet selbstständig. Im Web 2.0 betreibt er selbst ein Marketing, dass die betroffenen Unternehmen kaum steuern können.

Kundenorientierung wieder entdeckt

Für Jim Stengel, Global Marketing Officer von Procter & Gamble, ist die verstärkte Hinwendung zum Kunden, die tiefere Auseinandersetzung mit dem Menschen in der digitalisierten und vernetzten Welt deshalb die zentrale Herausforderung für die Zukunft. Er meint:

„Der Verbraucher will heute wissen, wer mit dem Herzen, mit der Seele, mit Integrität hinter einer Marke steht.“

Dabei ist der Verbraucher kritisch, mündig und manchmal auch vorlaut. Im World Wide Web bewertet er Produkte, empfiehlt seine Favoriten oder beschwert sich öffentlich über schlechte Qualität und unmoralisches Verhalten eines Unternehmens. Das macht Marketingmanagern zu schaffen. David Court von der Unternehmensberatung McKinsey spricht in seinem Beitrag „The  evolving role  of the CMO“ [336] von einem „Seismic Change“. Auch die American Association of Advertising Agencies (AAAA) postuliert: „Digital Changes Everything“.

Denn die Kunden und Nutzer im Internet können die Reputation eines Unternehmens mehr beeinflussen, als die eigenen Public Relations- und Marketing-Leute. Die suchen deshalb nach Möglichkeiten, Grenzen und Konsequenzen im Online-Marketing.

Unbestritten ist: Das Internet ist für Markenmanager und Werbetreibende eines der wichtigsten Medien. Doch mit einfacher Bannerwerbung lassen sich Kunden kaum noch gewinnen. Die wollen mitmachen und selbst aktiv sein. In Blogs, Wikis, auf Youtube oder Myspace, aber auch in Web-Communities, die von den Unternehmen selbst angeboten werden, betreiben sie eigenes Online-Marketing. Was die Unternehmen dort wieder lernen müssen: Zuhören!

Beispiel Lego Mindstorms

Der dänische Spielzeughersteller Lego hat als einer der ersten erkannt, wie wichtig es ist, die Kunden zu sogenannten „Prosumenten“ zu machen. Sie kaufen nicht nur, sondern bringen Ideen ein, entwickeln die Produkte weiter und werden zu wichtigen Produkt-Botschaftern. Auf mindstorms.lego.com [337] lädt das Unternehmen seine Kunden dazu ein, die Software zu hacken, weiter zu entwickeln, Sensoren, Motoren und Kontrollvorrichtungen auseinanderzunehmen und neu zu programmieren.

Diese tauschen sich auf der Webseite über ihre Ideen, Lösungen und neuen Produkte aus. Das Unternehmen gewinnt wertvolle Anregungen für die Weiterentwicklung. Die neuen Produkte werden mit den Kunden gemeinsam entwickelt. So hat Lego für die neue Version von Mindstorm vier Nutzer für die Entwicklung quasi angestellt. Auch die vielen anderen Produktreihen von Lego profitieren von diesem neuen Geschäftsmodell.

Erfolgsfaktor im Marketing: Interaktion zwischen den Kunden

Communities und die Interaktion zwischen den Kunden bestimmen das Marketing in den kommenden Jahren, hat das Brand Science Institute (BSI) in seiner Studie „Marketingtrends 2007+“ herausgefunden. Die Markenforscher aus Hamburg haben mehr als 1.100 Marketingspezialisten aus Theorie und Praxis zu zukünftigen Entwicklungen des Marketing befragt. Und die Experten sind sich einig: Ein Megatrend der Markenkommunikation ist die Interaktion mit und zwischen den Konsumenten. Sie sagen voraus, dass die aktive Beteiligung von Verbrauchern am Markenbildungsprozess in Zukunft die bewährten einseitigen Kommunikationswege wie Werbung und Anzeigen ablösen wird. Unternehmen werden zunehmend in den Dialog mit den Kunden treten: via Internet oder über mobile Endgeräte.

Doch die Studie zeigt auch: Der Einfluss von Web 2.0 wird auf lange Sicht schwinden. Dr. Nils Andres, Geschäftsführer des Brand Science Institute und Initiator der Studie meint:

„Die Erwartungen, die in Unternehmen derzeit an dieses Phänomen gestellt werden, führen aufgrund der Überpräsenz von Web 2.0 und der damit einhergehenden medialen Überreizung zu einem Minikollaps. Derzeit ist Web 2.0 in aller Munde. Unternehmen betreiben Blogs oder Podcasts, obwohl hierfür nicht in jedem Fall Bedarf besteht.“

Dies führe dazu, dass zwar die Technologien und Nutzungsmöglichkeiten, die hinter dem Schlagwort Web 2.0 stehen, weiterhin an Bedeutung gewinnen werden. Die Bedeutung des Begriffes „Web 2.0“ trete allerdings allmählich in den Hintergrund, meint Andres.

Zu den wichtigsten Marketingtrends 2007 zählen nach den Ergebnissen der Studie:

  • Crowdsourcing:Das Marketing wird sich das Phänomen des sogenannten „Crowdsourcings“ in Zukunft stärker zunutze machen. Es setzt auf die Intelligenz und die freiwillige Arbeitskraft von Internetnutzern. Eine Schar kostenloser oder gering bezahlter Amateure generiert Inhalte, löst Aufgaben und Probleme oder ist an Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt.
  • Mobile Communities: Das Potenzial von Mobile Communities wird bislang im Marketing unterschätzt und nicht ausgeschöpft. Die Einbindung mobiler Endgeräte kann Unternehmen wie Ebay, Coca-Cola oder 3M über Location-Based-Services neue Geschäftsfelder bescheren. Die gegenseitige Beeinflussung der Nutzer, die in solch mobilen Netzwerken stattfindet, wird zunehmend eingesetzt, um aus Konsumenten Co-Marketer zu machen.
  • Third Place: Das Marketing wird sich intensiver auf die geänderte Lebensweise der Bevölkerung einstellen. Viele alleinstehende junge Leute wohnen länger als noch vor einigen Jahren zu Hause bei ihren Eltern. Dadurch entsteht erheblicher Bedarf für einen „Third Place“, einem Ort jenseits von Elternhaus und Arbeitsstelle oder Universität, an dem man sich länger als eine halbe Stunde aufhalten kann und möchte. In den USA gilt Starbucks traditionell als Inbegriff des „Third Place“. In Europa stecken Marketingkonzepte wie diese bislang noch in den Kinderschuhen.
  • Geo-Gaming: GoogleEarth, eine Software, mit deren Hilfe man die Erde in Form von Satellitenbildern von oben betrachten kann, wird stärker in Marketingkampagnen eingebunden werden. Über GPS können handybasierte Geo-Gaming-Applikationen Individuen auf der Erde identifizieren und Gruppen an verschiedenen Orten gleichzeitig zu interaktiven Spielen veranlassen. Nike, Adidas oder Puma könnten beispielsweise Geo-Gaming-Komponenten anbieten, die in den Laufschuh integriert sind und mit dem Handy verbunden werden können. Das Geo-Gaming ist ein Ansatz, der darauf abzielt, den Community Bildungsprozess von Produkten und Marken in der realen Welt zu verstärken.

Marketing wird zur Kernfunktion erfolgreicher Unternehmen

Auch die Marketing-Experten der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton raten, wieder den Kunden zum Mittelpunkt des Marketings zu machen. Das gelte nicht nur für die Hersteller von Konsumgütern, sondern für alle, denen Marketing etwas bedeutet und die damit erfolgreich sein wollen.

Das bedeute vor allem, dass das Marketing eine Kernfunktion in diesen Unternehmen übernehmen müsse. Denn Forschung, Innovationsmanagement, Produktentwicklung, Produktion, Logistik, Vertrieb und Werbung müssen sich an den Vorgaben des kundenorientierten Marketings ausrichten – wenn sie mit der Zielgruppe des Unternehmens noch in Kontakt bleiben wollen.

Das heißt, die Unternehmen müssen an mehreren Fronten zugleich arbeiten. Vor allem müssen die Marketing-Manager raus zu den Menschen. Sie müssen besser verstehen, wie diese mit den eigenen Produkten umgehen, wo sie Probleme haben und welche Verbesserungen oder Innovationen sie erwarten. Das betrifft auch die Top-Manager in den Unternehmen: Sie müssen selbst zum Kunden, um ihm, aber auch den eigenen Mitarbeitern deutlich zu machen: Kundenfokus ist entscheidend!

Beispiel

Procter & Gamble musste dazu eine Kulturrevolution im eigenen Unternehmen einläuten; und es hat rund zehn Jahre gedauert, bis sie erfolgreich war. Die Forscher und Entwickler dürfen sich nicht mehr auf das „Not-invented here“-Syndrom rausreden, sondern müssen einen großen Teil der Ideen bei den Kunden einsammeln. Sie tun dies unter anderem auf Webseiten wie www.homemadesimple.com [338] und www.vocalpoint.com [339] .

Mehr zur Erfolgsstrategie von Procter & Gamble unter:

Change Management heißt sich durchzusetzen

Unternehmen wie Procter & Gamble, Google oder FedEx betreiben eigene „Kunden-Labore“, in denen sie neue Produkte oder Dienstleistungen gemeinsam mit den Kunden entwickeln und ausprobieren. Um zu verstehen, was der Kunde will – und oft selbst noch nicht genau formulieren kann –, müssen die Marketer vor allem empathisches Verhalten zeigen. Das heißt: Sie versetzen sich mit allen Sinnen in den Kunden hinein, beobachten genau und hören zu. Für Google bedeutet Marketing: Bring eine Vielzahl von Ideen an die Öffentlichkeit, lass die Kunden damit experimentieren und mach dann möglichst schnell ein Produkt daraus.

Evian in der Palace-Flasche vermittelt das Gefühl, ein Premium-Kunde zu sein.

Die Bedürfnisse des Kunden verstehen

Wer bei seinen Kunden genau hinschaut, wird Muster erkennen, die zeigen, welche Entwicklungen in Zukunft wichtig sind. Die Trendforscher von trendwatching.com haben die acht wichtigsten identifiziert, die aus ihrer Sicht für 2008 maßgeblich sind:

  1. Status: Der Kunde will mit dem Erwerb eines Produkts unterstreichen, welchen Status er erreicht hat oder sich wünscht.
  2. Premiumization: Der Kunde will Wertschätzung erfahren, indem er Premium-Produkte erhält und durch ihren Erwerb sich von anderen abgrenzen kann.
  3. Snack Culture: Produkte müssen schnell erwerbbar, austauschbar und anpassbar sein. Sie werden flüchtig.
  4. Online Oxygen: Das Internet und die Vernetzung mit anderen werden für den Kunden so wichtig und so selbstverständlich wie das Atmen.
  5. Eco-Iconic: Konsumenten wollen beim Konsum ein gutes Gewissen haben. Sie achten darauf, dass die Produkte nachhaltig sind, soziale Standards eingehalten werden und die Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen.
  6. Brand Butlers: Wer zu seinen Produkten mehr Service und Hilfe anbietet, verankert seine Marke stärker im Bewusstsein des Kunden.
  7. Make it Yourself: Kunden wollen selbst aktiv werden und ihre Produkte auseinandernehmen, ändern und nach eigenen Vorstellungen wieder zusammenbauen.
  8. Crowd Mining: Menschen schließen sich zusammen, entwickeln eigene Geschäftsmodelle, sammeln Geld und planen gemeinsam wirtschaftliche Aktivitäten.

Eine ausführliche Beschreibung dieser Konsumenten-Trends mit zahlreichen Beispielen für Unternehmen und ihre Produkte finden Sie unter: http://www.trendwatching.com/briefing/ [340]

Aktionsfelder für kundenorientiertes Marketing

Sicherlich sind nicht alle Trends für jedes Unternehmen von Bedeutung. Im ersten Schritt sollte jeder Marketing-Verantwortliche kritisch hinterfragen: Was bedeutet mehr Kundenorientierung für unser Unternehmen? An welche Trends lässt sich anknüpfen? Was bedeutet dies für das eigene Geschäftsmodell, für die neuen Produkte und Dienstleistungen, für die Art der Werbung und Kommunikation mit dem Kunden?

Im Ergebnis wird sich eine Fülle von Aktionsfeldern auftun. Ob es dabei immer um Web 2.0 geht, ob jedes Unternehmen seinen Kunden-Blog betreiben soll oder ob Communities zwingend notwendig sind – das alles sei dahingestellt. Oft vergessen wird, dass es auch klassische Aktionsfelder gibt.

Beispiel Verpackung: Innovative Produkte spielen sicherlich eine wichtige Rolle im Wettbewerb. Wer Funktionen mit einem echten Mehrwert für den Kunden anbietet, schlägt Konkurrenten aus dem Feld. Aber oft nehmen Kunden das alles gar nicht wahr. Für Sie zählt:

  • Was ist der Kernnutzen?
  • Kann ich den sofort erkennen?
  • Ist das Produkt leicht verständlich und anzuwenden?

Bei Investitionsgütern oder technischen Konsumgütern spielt die leichte Benutzung eine zentrale Rolle. Noch immer quält sich mancher Kunde mit komplizierten Verschlussmechanismen oder unleserlichen Bedienungsanleitungen herum. Gerade hier können Unternehmen mit „Innovationen für das Einfache“ punkten.

Andere Aktionsfelder basieren auf den neuen Möglichkeiten der Technologie. So kann die Kommunikation und Interaktion mit den Kunden ganz neue Formen annehmen, wie diese Beispiele zeigen [aus: Marketing und Trendinformationen [341] ]:

Fernsehen wird persönlich: ProSiebenSat.1 will im Laufe des Jahres eine neue Technologie einführen, die Werbespots je nach Zuschauer verändert. Beispiel: Lebt der Zuschauer in einem sozial schwachen Wohngebiet, läuft Werbung für Pauschalreisen. Zuschauer mit hohem Einkommen sehen zur gleichen Zeit Reklame für eine Luxuskreuzfahrt. Voraussetzung dafür ist: Der Zuschauer empfängt das Programm über eine digitale Settop-Box. In den USA setzt der Kabelsender Comcast die Technik bereits in 30 Millionen Haushalten ein.

Handy verschmilzt mit lokalem Einzelhandel: Die New Yorker Firma GPShopper bietet einen mobilen Preisvergleichsdienst. Das funktioniert so: Kunden fragen per Handy ein bestimmtes Produkt an. GPShopper ermittelt die Position des Mobiltelefons – und schickt eine Liste mit lokalen Einzelhändlern, die das gewünschte Produkt führen, samt Preisangabe. Geplant ist auch ein Alarm-Service: Sobald der Kunde ein Geschäft passiert, in dem das gewünschte Produkt im Sonderangebot ist, klingelt sein Handy. Der Sportschuhhändler Footlocker ist bereits an diesen Service angeschlossen.

Print verschmilzt mit Online-Community: Das Verlagshaus Burda (Bunte, Focus, Playboy) bietet seinen Kunden folgenden Dienst an: Die Werbetreibenden können in ihren Print-Anzeigen zusätzlich mit einem Link auf Internet-Foren, Internet-Tagebücher oder Mailinglisten verweisen. Diese Community-Seiten wiederum werden gesponsert oder mit Bannerwerbung belegt. Die Vermittlung übernimmt Burda.

Telefon-Marketing verschmilzt mit E-Mail-Marketing: Das Online-Reisebüro Hotels.com informiert seine Kunden regelmäßig per E-Mail über Sonderangebote und befragt sie nach einer Buchung zur Zufriedenheit. Der Clou: Jede Mail enthält eine individuelle Telefonnummer. Ruft der Kunde beim Unternehmen an, sieht der Callcenter-Mitarbeiter sofort, um welches Angebot es geht.

Die Kunst des Marketings wird darin bestehen, sich in die sozialen Netze der Kunden einzuklinken – ohne unangenehm aufzufallen. Die Marketing-Experten der Agentur diffferent wissen: Eine neue Form der „Word-of Mouth“-Kommunikation entsteht. Fast die Hälfte der Konsumenten vertraut auf den Rat von Freunden – und bereits 41 Prozent glaubt an Empfehlungen von Ihnen unbekannten Onlineusern. Schlussfolgerung: Das Vertrauen in den Wissensvorsprung der Masse steigt und mit ihm die Konsumentenmacht. Für die Unternehmen bedeutet das:

  • Wo das Angebot sich ändert, wächst die Sehnsucht nach persönlichen Ankerpunkten.
  • Fehlende Hierarchien und Flexibilität fordern ein hohes Maß an Authentizität.
  • Emanzipierte Nutzer und deren enges Netz stellen hohe Ansprüche an Angebote.
  • Wenn Strukturen und Inhalte gemixt werden, wird Wiedererkennung zur Notwendigkeit.

Die Berater von diffferent bringen es auf den Punkt: bei der Interaktion mit dem Kunden zählen immer noch Relevanz, Glaubwürdigkeit, Differenzierung und Konsistenz – ganz gleich, ob im Web 2.0 oder in anderen Medien.


Weitere Informationen unter

http://www.connectedmarketing.de/ http://www.epoq.de/... http://www.strategy-business.com/... http://www.manager-magazin.de/... http://www.diffferent.de/... [jf; Bild: Fotolia]

Exzellent: Chief Marketing Officer of the Year 2007

Der „CMO-of-the-Year-2007“-Award geht an zwei herausragende Marketing-Manager europäischer Unternehmen. Im Rahmen einer exklusiven Gala in Frankfurt erhielten Wolfgang Blum, Marketingchef des Kultgetränks Bionade, sowie Klaus O. Schmidt, Mitglied des Vorstands und CMO von Europas erfolgreichster und wachstumsstärkster Direktbank ING-DiBa, den Preis für ihre visionären Marketingleistungen. Bereits zum zweiten Mal vergibt die internationale Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton die wichtigste Auszeichnung für Marketers in Europa. Diese trägt der wachsenden Bedeutung von Marketing als essenzieller Unternehmensbereich und strategischer Erfolgsfaktor Rechnung.

Aus über hundert Nominierten wählte eine hochkarätige, international besetzte Jury die Preisträger in einem vierstufigen Verfahren aus. Mitglieder der Jury waren unter anderem Hugh Burkitt, CEO The Marketing Society, Olaf Göttgens, Vice President Brand Communications, Daimler AG, Karen Halpert, Vice President Marketing von MasterCard Europe und Laurent Maruani , Professor an der HEC Graduate School of Management. Neben Strategie und Organisation bewerteten sie auch die Kategorien Marken- und Marketingkommunikation, Produkt- und Preisgestaltung sowie Kundenbeziehungen. Weitere vier Kandidaten schafften es auf die Shortlist:

Jörgen Andersson, Marketing Director, H&M; Kent Hahne, CEO, Vapiano International; Rainer Hecker, CEO, Loewe; Astrid Schulte, CEO, bellybutton.

Marketingchefs müssen kontinuierlich die Veränderungen im Markt, beim Wettbewerb, den vielfältigen Informationskanälen und im sozialen Umfeld berücksichtigen sowie in ihrer Strategie antizipieren. Gregor Harter, Jury-Mitglied und Geschäftsführer von Booz Allen Hamilton, sagt:

„Lebenszyklen von neuen Produkten haben sich radikal verkürzt. Kunden bilden heute eine hervorragend informierte, kritische Klientel. Top-Marketers müssen daher ihr Wissen und Know-how auf allen strategischen Ebenen im Unternehmen einbringen und durchsetzen – von der Einbindung der Kunden in die Produktentwicklung bis hin zum hocheffizienten Database-Management. Mit dem ‚CMO of the Year’ zeichnen wir Marketing-Leader aus, die messbar einen herausragenden Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten.“

Exzellente Markenkommunikation bei den Preisträgern

Die Preisträger 2007 Wolfgang Blum findet 1999 zu Beginn seiner Beratertätigkeit für Bionade ein Produkt im regionalen Dornröschenschlaf vor – und schafft daraus eine Kultmarke. Heute ist Bionade die drittgrößte Herstellermarke bei den Fruchtlimonaden im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Seit diesem Jahr wird sie bereits in 18 Länder, einschließlich Australien, exportiert. Für 2008 ist der Sprung in die USA und nach Japan geplant.

Bei seinem Einstieg erkennt Blum das nicht einmal ansatzweise ausgeschöpfte Potenzial der Marke und positioniert diese völlig neu: weg vom rationalen Mineralgetränk, konsequent hin zum modernen Softdrink für die Generation LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability). Damit kreiert er ein komplett neues Marktsegment: In diesem ist Bionade mit großem Abstand  Marktführer. Und Blum beweist: Auch mit schmalem Marketingbudget lässt sich eine international erfolgreiche Marke aufbauen.

Ohne Werbung, ausschließlich mittels intelligentem, viralem Marketing. Durch gezieltes Eventsponsoring in den Segmenten Kultur, Kinder und Sport oder die massive Präsenz an Szeneorten erzeugte Blum enormen Nachfragedruck. Schließlich kommen Handel und Gastronomie nicht mehr an Bionade vorbei. Starke Distributionspartner wie die Deutsche Bahn, McDonald’s und Starbucks kommen an Bord. Der Absatz schnellt von einer Million Flaschen 2001 hoch auf 70 Millionen 2006. Ende 2007 werden es über 200 Millionen sein.
Diese stringente Markenpositionierung Hand in Hand mit intelligenter, innovativer Markenkommunikation hat die Jury beeindruckt und überzeugt.

Klaus O. Schmidt ist maßgeblich beteiligt, aus einem ehemals gewerkschaftseigenen Finanzinstitut die größte europäische Direktbank und drittgrößte deutsche Bank für Privatkunden zu schmieden: die ING-DiBa. Schmidt steigt 1993 bei der damaligen „Allgemeinen Deutschen Direktbank“ ein und übernimmt die Marketing-Verantwortung. Insgesamt dreimal änderte die Bank seitdem ihren Namen. Es gelingt ihm – über alle Veränderungen hinweg – die Marke ING-DiBa in den Köpfen der Verbraucher über Markenwerte klar zu positionieren: Eine Direktbank, die für Transparenz, Fairness und Zuverlässigkeit steht.

Schmidt verankert diese Werte auch intern. Sie bilden das Rückgrat des Markenmanagements. Parallel wird das Businessmodell konsequent auf Direktbanking fokussiert. Wenige, klar gegliederte und leicht verständliche Produkte bereiten den Boden für eine erfolgreiche Vermarktung an breite Zielgruppen. Als Direktbank ohne Filialnetz baut Schmidt in der Kommunikation auf zwei Säulen. Ein hochkarätiges Datenmanagement verknüpft alle Kundeninformationen, die im Rahmen des Direktmarketing entstehen – das Herzstück für perfekten Kundenservice.

Daneben transportiert das extrem sichtbare Sponsoring der deutschen Basketball Nationalmannschaft die Markenwerte. Mit diesem Mix erreicht Schmidt für die ING-DiBa nicht nur eine gestützte Markenbekanntheit von 70 Prozent. Das Marketing hat auch einen klaren Anteil daran, dass sich der Gewinn der ING-DiBa von 2003 bis 2006 nahezu verzehnfachte. Eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, die die Jury mit der Auszeichnung „CMO of the Year 2007“ würdigt.

Mehr Infos zum "CMO of the Year" finden Sie unter: www.cmo-award.com [342] .

[dw; Quelle: Booz Allen Hamilton; Bilder: Bionade, DiBa]

Nachholbedarf: Deutsche Banken betreiben schlechtes Marketing

Durch schwache Performance im Marketing verschenken deutsche Banken im europäischen Vergleich erhebliche Wachstumschancen und Kundenpotenziale. Den meisten deutschen Playern im Finanzsektor fehlt eine klare, mit der Produkt- und Marketingstrategie abgestimmte Positionierung - ein erheblicher Wettbewerbsnachteil im nationalen wie internationalen Wettbewerb.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der internationalen Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton. Diese untersucht und bewertet die Marketingaktivitäten verschiedener Branchen. Aus der europäischen Finanz- und Bankwirtschaft wurden über 1.200 Führungskräfte befragt. Laut Studie nutzen nur 38 Prozent der Finanzdienstleister in Europa Marketing als strategischen Hebel für Wachstum und Wettbewerbsdifferenzierung.

Damit liegen Banken im Vergleich zu anderen Industrien weit zurück. Der Durchschnittswert aller untersuchten Branchen liegt bei 49 Prozent. Noch deutlicher klafft die Lücke zu besonders marketing- und vertriebsorientierten Branchen wie beispielsweise Konsumgüterherstellern. Hier betreiben 64 Prozent strategisch überzeugendes Marketing.

Nur sieben Prozent der europäischen Banken schaffen es in die Spitzengruppe: Ihr Marketing ist als exzellent zu bewerten. Der Gesamtdurchschnitt aller Branchen in dieser Top-Kategorie liegt bei elf Prozent. Johannes Bussmann, Partner und Geschäftsführer Financial Services und IT bei Booz Allen Hamilton, erläutert:

"Unsere Studie belegt erheblichen Nachholbedarf der europäischen Finanzdienstleisterin Sachen Marketing. Aufgrund drastisch abnehmender Kundenloyalität und scharfem, internationalen Wettbewerbsdruck sind die Positionierung der eigenen Marke, die Zielgruppendefinition sowie Ausgestaltung und Marketing für einzelne Produkte des Portfolios existenziell. In vielen Bereichen, wie etwa dem Konsumentenkredit, gleichen sich Bankprodukte klassischen Konsumprodukten an und sollten auch als solche vermarktet werden."

Düsteres Bild bei deutschen Banken

Ein besonders alarmierendes Ergebnis: 60 Prozent der deutschen Bankinstitute setzen Marketing ausschließlich als operatives Instrument ein. Zum Vergleich: Der Durchschnitt aller untersuchten Branchen liegt deutschlandweit bei 33 Prozent - der europäische Branchenschnitt sogar bei nur 18 Prozent. Die Studie konnte keiner einzigen deutschen Bank Marketing mit strategischer Qualität attestieren. Bussmann erklärt:

"Hier wird an der Lebenswelt der Privatkunden und den speziellen Bedürfnissen der Unternehmenskunden vorbei agiert. Der Fokus liegt zustark auf Marken- und Imagebildung."

Mehrwert statt Seniorenteller

Gerade der Privatkundenbereich ist von immer heterogeneren Zielgruppen geprägt. Ein Beispiel für die so entstehenden Marketing-Herausforderungen ist die Ansprache der "Best Ager". Die über Fünfzigjährigen besitzen heute 48 Prozent des verfügbaren Einkommens, Tendenz steigend. Dennoch haben Banken bisher kaum spezielle Best-Ager-Produkte im Portfolio, obwohl 50+-Kunden attraktive Margen und echtes Differenzierungspotenzial bieten.

Senioren sind bereit, für eine ausführliche persönliche Beratung oder für auf sie zugeschnittene Leistungen auch einen höheren Preis zu zahlen. Dabei bevorzugen sie die traditionelle Filiale. Gregor Harter, Partner von Booz Allen Hamilton und Spezialist für Marketing & Sales, verdeutlicht:

"Voraussetzung für erfolgreiche Kundengewinnung und -bindung ist, dass Marketing ein überzeugendes Paket schnürt aus maßgeschneidertem Produkt und Service, geeignetem Kanal und adäquater Ansprache. Hier schlummern erhebliche, ungenutzte Wachstumspotenziale."

Gleiches gilt für die Erschließung weiterer attraktiver Zielgruppen wie etwa türkischer Mitbürger durch Ethno-Marketing. Vorbild könne die Mobilfunkbranche sein: Sie schaffe eigene, smarte Sub-Brands mit individueller Angebotsstruktur, so Harter weiter.

Bankenprodukte wie Konsumgüter bewerben

Experte Johannes Bussmann erläutert, dass erst wenige erfolgreiche Spezialisten  den Trend erkennen würden: Bankprodukte müssten viel stärker nach den Gesetzen der Konsumgüterindustrie vermarktet werden. So hat sich mittlerweile der Vertrieb von Bankprodukten über den Einzelhandel erfolgreich etabliert. Tchibo offeriert eine fast komplette Angebotspalette im Retailbanking; Lidl startet Aktionen mit dem Verkauf von Kreditkarten, und C&A bietet seinen Kunden sogar ein eigenes Konsumentenprodukt an.

Einzelne Banken haben diesen Paradigmenwechsel verstanden und erfolgreich umgesetzt. So etablierte die ING-DiBa durch Marketing- und Werbemaßnahmen, die durchgehend an den Bedürfnissen der Zielgruppe orientiert sind, eine starke Dachmarke. Sie hat sich konsequent als schlanke, preisgünstige Direktbank mit attraktiven Tagesgeldkonditionen im Markt positioniert.

Mit einer Vervierfachung des Marktanteils seit dem Einsteig des ING-Konzerns sind die Niederländer mittlerweile Wachstumschampion im deutschen Privatkundengeschäft. Auch aus diesem Grund wurde Klaus O. Schmidt, Mitglied des Vorstands und CMO, in der letzten Woche in einer Gala in Frankfurt mit dem "CMO of the Year 2007"-Award ausgezeichnet.

[dw; Quelle: Booz Allen Hamilton; Bild: fotolia]

Werbekampagnen: Kreativität zahlt sich aus

Was ist das Erfolgsrezept wirksamer Fernsehwerbung? Eine Studie der Marketing-Experten von McKinsey, Art Directors Club und der Berlin School zeigt: Originalität und Kreativität erhöhen die Erfolgschancen von Werbung signifikant. Je kreativer ein Werbespot, desto eher kaufen Zuschauer das beworbene Produkt. Unternehmen mit ausgefallener Werbung erzielen deutlich höhere Erinnerungswerte und erhöhen ihren Marktanteil schneller als Wettbewerber. Kreativität ist ein wichtiger Schlüssel für den Werbeerfolg – jedoch nicht der einzige.

Der zweite wesentliche Faktor ist die inhaltliche Stimmigkeit (Content Fit). Werbung, die auf die Bedürfnisse von Konsumenten zugeschnitten ist, zieht ebenfalls. Dabei zeigt sich, dass der Wirkungsbeitrag von Kreativität und inhaltlicher Stimmigkeit je nach Branche schwanken kann. Hervorragende Ergebnisse erzielen oftmals Kampagnen, die beides berücksichtigen.

In der Untersuchung „Kreativität + Content Fit = Markterfolg – Die zwei Gesichter effektiver Kampagnen“ hat McKinsey 100 TV-Spots aus unterschiedlichsten Branchen unter die Lupe genommen, die zum GWA Effie 2005 eingereicht worden waren. Dahinter verbirgt sich einer der bedeutendsten Kommunikationswettbewerbe in Deutschland. Das Resultat fasst Jesko Perrey, Leiter der deutschen Marketing Practice von McKinsey, zusammen:

„Bisherige Versuche, Kreativität in der Werbung zu messen, haben häufig einen Schönheitsfehler: Als pfiffig gilt allein, was mit Preisen und Auszeichnungen dekoriert wird.“

Die Beratung wählte einen anderen Ansatz. Zur Ermittlung des Erfolgsfaktors Kreativität definierten die Autoren in Anlehnung an die Kriterien des ADC fünf Kriterien, darunter Originalität, Überzeugungskraft und Machart. Dazu kommt die inhaltliche Stimmigkeit mit weiteren fünf Einzelfaktoren, etwa Relevanz, Konsistenz oder Glaubwürdigkeit. Die Resultate setzte McKinsey im Anschluss ins Verhältnis mit Werbeerinnerungswerten und Marktanteilsänderungen, die die Kampagnen erreicht hatten.

Erfolg von Kreativität ist abhängig von der Branche

Ausgefallene Kampagnen bieten sich laut Studie vor allem für Produkte mit langer Lebensdauer oder einem hohen Kaufwert an, etwa Autos, Uhren, Schmuck oder hochwertige Elektronik. Dazu Perrey:

„Kreativität lohnt sich ganz besonders für Automobilhersteller. Mehr denn je ist in dieser Branche Einfallsreichtum gefragt, um sich von den Wettbewerbern abzugrenzen.“

Umgekehrt verhält es sich bei Kampagnen für kurzlebige Konsumgüter wie Putz- oder Waschmittel. Sie punkten in erster Linie durch Sachinformationen und Hinweise auf den Produktnutzen. Dazu meint Sebastian Turner, Vorstand des ADC und Chef der Kommunikationsagentur Scholz & Friends:

„In diesen Kategorien sticht kreative Exzellenz besonders heraus und hat positive Wirkung auf das Konsumentenverhalten.“

Für Finanzprodukte sind nach der Untersuchung Kreativität und Inhalte gleich bedeutend, da Konsumenten sowohl nach emotionalen als auch nach rationalen Gesichtspunkten entscheiden. Banken und Versicherungen stehen deshalb vor einer besonderen Herausforderung: Ihre Inhalte sind meist abstrakt, schwer zu vermitteln und bedürfen einer Erklärung.

Aus der Analyse von McKinsey, ADC und Berlin School lassen sich folgende Grundsätze ableiten:

  • Kreativität und inhaltliche Stimmigkeit beeinflussen maßgeblich die Werbewirkung. Ein noch so hohes Werbebudget kann eine schwache Kampagne, der beides fehlt, nicht kompensieren.
  • Emotionale Produkte verkaufen sich mit Kreativität besonders gut.
  • Kurzlebige Konsumgüter bestechen mit Inhalten.
  • Die größten Erfolgschancen hat, wem es gelingt, beide Werbeformen in einer Kampagne zu realisieren.

"Kreativität und Content Fit sind der Zwei-Komponenten-Kleber, der Werbewirkung massiv steigert", so das Fazit von Sebastian Turner.

[jf; Quelle: McKinsey]

Produktqualität: Auch bei Lebensmitteln ist Geiz nicht mehr geil

Der Trend zu einem wieder ansteigenden Qualitäts- und Markenbewusstsein hat nach Jahren der "Geiz-ist-geil"-Mentalität jetzt auch den Lebensmittelmarkt erreicht. Dies geht aus der aktuellen repräsentativen Studie "stern MarkenProfile 12" hervor. Betrug der Anteil der Markenkäufer im Lebensmittelbereich vor zwei Jahren 29 Prozent, so hat er sich jetzt laut MarkenProfile 12 auf 35 Prozent erhöht. Markenkäufer definiert der stern dabei als Konsumenten, die aus einem relevanten Set von Lebensmittelmarken nach Lust und Laune wählen, aber nicht entsprechend den Preisschwankungen im Handel.

Der Anteil der reinen Preiskäufer - der Menschen die beim Lebensmitteleinkauf nur auf den Preis schauen und auf die Marke gar nicht achten - ist von 28 Prozent im Jahr 2005 auf heute 22 Prozent zurückgegangen. Die größte Gruppe stellen mit einem Anteil von 43 Prozent so genannte Smart Shopper. Das sind Konsumenten, die aus einem Set präferierter Lebensmittelmarken, jeweils diejenigen auswählen, die im Laden gerade besonders preisgünstig zu haben sind.

Bio und Convenience ganz oben

Mit dem steigenden Qualitätsbewusstsein korrespondiert auch die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln: "Beim Einkauf von Lebensmitteln erleichtern mir Bio-Gütesiegel die Auswahl", äußert sich ein Drittel aller 14-bis 64-Jährigen und 40 Prozent der Frauen. Bei acht Prozent der Frauen landen ausschließlich oder überwiegend Bio-Lebensmittel im Einkaufswagen. Bio-Lebensmittel werden im Supermarkt, aber auch beim Discounter gekauft. "Heavy-User" des Bio-Segments sind überwiegend weiblich und in den oberen gesellschaftlichen Schichten zu finden. Fast die Hälfte ist jünger als 40 Jahre, drei Viertel haben Kinder bis zu 13 Jahren im Haushalt.

44 Prozent der Frauen geben allerdings an, für die Essenszubereitung wenig Zeit zur Verfügung zu haben. Daher erfreue sich Convenience-Food weiter hoher Beliebtheit, sagt Ulrike Woltering, Branchenverkaufsleiterin beim stern:

"Offenbar greifen zwei unterschiedliche gesellschaftliche Entwicklungen ineinander, die das Ernährungsverhalten beeinflussen: Der Trend zu mehr Flexibilität und Mobilität begünstigt die schnelle Küche und die Snacks. Dem entgegen steht das weiter steigende Gesundheitsbewusstsein. Den Wunsch nach hochwertiger Ernährung gilt es mit der Verknappung der Zeit zu vereinbaren."

Die Diskussion über Gesundheit und Ernährung löst allerdings bei vielen auch Verunsicherung aus: Fast 70 Prozent haben den Eindruck, dass sich die Experten oft widersprechen. Ebenso viele fühlen sich nicht ausreichend informiert, was die Inhaltsstoffe der Lebensmittel angeht. Gentechnisch behandelte Produkte stoßen bei 72 Prozent der Konsumenten auf Ablehnung.

Die Studie MarkenProfile erscheint als Repräsentativ-Erhebung des stern alle zwei Jahre und untersucht das Konsumverhalten, die Marken-und Medienpräferenzen der Deutschen. MarkenProfile 12 wurde zusammen mit dem Heidelberger Institut Sinus Sociovision entwickelt und widmet sich besonders der Frage, welche Medienmentalitäten sich im digitalen Zeitalter herausbilden. Die Studie basiert auf gut 10.000 Interviews im Zeitraum März bis Mai 2007. Mehr Infos unter: www.markenprofile.de [343]

dw; Quelle:presseportal; Bild:pixelio

Jobmotor: Softwarebranche boomt bis 2011

Bis 2011 werden in Deutschland 193.000 neue Arbeitsplätze rund um die Erstellung, Installation, Wartung oder den Vertrieb von Software entstehen. Dies ermittelten die Analysten von IDC in einer von Microsoft beauftragten Studie. Darin wird die Bedeutung von IT und Software für die Volkswirtschaften in über achtzig Ländern untersucht.

2007 sind laut IDC in Deutschland insgesamt etwa 1,6 Millionen Menschen in der IT-Industrie beschäftigt. Über 60 Prozent dieser Arbeitsplätze haben einen Software-Bezug. In Deutschland wird die Zahl der Software-Jobs laut IDC bis 2011 um jährlich 5,2 Prozent steigen (IT-Branche insgesamt: 2,7 Prozent). Achim Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Microsoft Deutschland GmbH, kommentiert die Ergebnisse:

"Die IDC-Studie zeigt: Als Querschnittstechnologie ist Software ein echter Job-Motor."

Auch weltweit prognostizieren die IDC-Forscher der Softwarebranche den größten Jobzuwachs: Bei einem jährlichen Anstieg um 5,7 Prozent sollen bis 2011 weltweit insgesamt 4,6 Millionen Arbeitsplätze entstehen.

Software-Investitionen steigen

Für 2007 erwartet IDC in Deutschland IT-Investitionen von 60,8 Milliarden Euro (Software-Investitionen: 14 Milliarden Euro). Die Ausgaben für Software werden laut IDC bis 2011 mit 6,2 Prozent im Jahr stärker steigen als die Gesamt-Investitionen in IT (5,3 Prozent). Frank Naujoks, Research Manager Software bei der IDC Central Europe GmbH, ergänzt:

"Auch wenn Software-Investitionen nur ein Viertel der IT-Investitionen ausmachen, zeigt die Studie den enormen Beschäftigungseffekt des Produktes 'Software' - nicht nur bei den Softwareherstellern selbst, sondern auch bei Hardwareproduzenten, IT-Dienstleistern oder Anwendern."

Dem "Microsoft-Ecosystem" - vorrangig kleine und mittelständische IT-Unternehmen, die Produkte und Services auf Basis der Microsoft-Technologie anbieten - kommt dabei laut IDC eine Schlüsselrolle zu: Hier arbeiten in diesem Jahr 39 Prozent aller Beschäftigten der deutschen IT-Industrie. Pro Euro Umsatz, den Microsoft in diesem Jahr in Deutschland erzielt, erwirtschaften die Unternehmen des Ecosystems 6,82 Euro.

Dies sind Umsätze der Hersteller von Hardware, auf denen Microsoft-Software läuft, Umsätze mit Software-Paketen, die auf Microsoft-Plattformen aufsetzen, und aus Services für Software auf Basis der Microsoft-Technologie. Für 2008 rechnen die IDC-Experten damit, dass diese Unternehmen in Deutschland ihrerseits mehr als 4,7 Milliarden Euro in IT investieren werden. Markus Schrade, Vorstand des Microsoft-Partners Kumavision AG, sagt:

"Wir verzeichnen eine anhaltend hohe Nachfrage unserer Kunden nach Unternehmenslösungen. Als das Unternehmen vor exakt 10 Jahren gegründet wurde, starteten wir mit 10 Mitarbeitern. Heute beschäftigen wir 165 hochqualifizierte Software- und Projektspezialisten."

Das Wachstum werde derzeit allerdings dadurch gebremst, dass für die Realisierung von Kundenprojekten nicht genügend qualifizierte Fachkräfte am Arbeitsmarkt zu finden seien.

[dw; Quelle: Microsoft Deutschland; Bild: pixelio]

Rekord: Deutsche kaufen fast 37 Millionen Handys

2007 werden in Deutschland so viele Handys verkauft wie nie zuvor. Der Absatz klettert voraussichtlich auf 36,5 Millionen Geräte – ein Plus von 6 Prozent im Vergleich zu 2006 (34,4 Millionen). Mit einer positiven Entwicklung rechnet die Branche auch beim Umsatz mit Mobiltelefonen. Er wächst um 2 Prozent von 4,1 Milliarden Euro (2006) auf 4,2 Milliarden Euro (2007). Das gab der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) heute auf der Hightech-Messe Systems in München bekannt. Dazu Rudolf Gröger, Präsidiumsmitglied des BITKOM:

„Während die Umsätze bei den Geräten steigen, fallen sie bei den Diensten leicht. Allein in den vergangenen beiden Jahren sind Handy-Gespräche um satte 15 Prozent günstiger geworden. Für die Verbraucher sind das allerbeste Nachrichten. Für die Branche ist es eine echte Herausforderung.“

Mobiltelefone dienen allerdings längst nicht mehr nur zum Telefonieren oder zum Verschicken von SMS. Jeder vierte Deutsche (26,4 Prozent) macht inzwischen auch Fotos, jeder zehnte hört Musik (12,2 Prozent) mit dem Handy. Darüber hinaus entwickelt sich das Surfen im Internet zu einem zentralen Thema, wie eine aktuelle Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des BITKOM zeigt. 1000 Bundesbürger wurden repräsentativ befragt.

Demnach interessiert sich jeder dritte Deutsche (36 Prozent) dafür, über das Internet Wegbeschreibungen direkt aufs Handy-Display zu laden. Auf dem zweiten Platz folgen Stauhinweise mit 31 Prozent. Aktuelle Nachrichten und Fahrpläne (je 26 Prozent) sowie Wetterinformationen (24 Prozent) vervollständigen die Top 5. Bis zum Jahr 2010 wird voraussichtlich jeder fünfte Deutsche solche Handy-Internetdienste auch tatsächlich nutzen. 

Unabhängig davon gilt: Bei der Ausstattung mit Mobilfunkanschlüssen zählt Deutschland schon heute zu den internationalen Spitzenreitern. Auf 100 Einwohner kamen Ende 2006 etwa 104 Laufzeitverträge und Prepaid-Karten. In Westeuropa waren es durchschnittlich 98 Anschlüsse. Noch deutlicher ist ein Vergleich mit den USA. Hier lag die Quote bei 76. Die stärkere Regionalisierung der Anbieter, unterschiedliche Standards sowie fehlende Roaming-Abkommen hatten den amerikanischen Markt lange Zeit gehemmt. In Deutschland klettert die Zahl der Anschlüsse bis Ende 2007 nach einer BITKOM-Schätzung sogar auf 109 je 100 Einwohner.

Gestartet war der digitale Mobilfunk in Deutschland Mitte 1992. Bis Ende 1993 konnte er knapp eine Million Kunden gewinnen. Diese Zahl stieg bis Ende 1996 auf 5 Millionen. Der stärkste Boom setzte mit Einführung der Prepaid-Karten in den Jahren 1999 und 2000 ein. Allein 2006 telefonierten die Deutschen etwa 57 Milliarden Minuten in Mobilfunknetzen und verschickten 22,5 Milliarden SMS.

[Quelle: BITKOM]

Mitmach-Marketing: Schaffen Sie vertrauenswürdige Kundenbeziehungen

Kundenbindung war gestern, denn Kundenbindungsmaßnahmen gehen immer vom Unternehmen aus. Sie dokumentieren die selbstzentrierte, managementbezogene und meist immer noch arrogante Sicht der Unternehmen auf den Kunden. Bindung macht unfrei, fast möchte man an Fesseln denken. Kein Knebelvertrag, keine Wechselbarriere, kein noch so gut gemachtes Kundenbindungsinstrument kann Kundentreue erzwingen.

Also Loyalität! Aber kommt das nicht ein wenig verstaubt daher? Denkt man da nicht an blinden Gehorsam und ewige Treue? Passt Loyalität überhaupt noch in unsere heutige Zeit? Seitdem wir Menschen uns von den Bäumen herunter schwangen und aufrechten Gangs die Welt eroberten, dreht sich bei uns alles um das Leben in der Gemeinschaft.

Die Sippen und Stammesverbände von früher sind die Communities von heute und morgen. Auch Netzwerke sind nichts anderes als moderne Formen des Herdentriebs. Gerade die junge Generation, in der es erstmals so viele Schlüsselkinder gibt, sucht nach neuen Formen der Verbundenheit.

Die neue Kundenloyalität  

Die moderne Form der Kundenloyalität, nennen wir sie einmal ganz trendig Kundenloyalität 2.0, lässt sich wie folgt definieren:

  • freiwillige Treue
  • emotionale, andauernde Verbundenheit
  • leidenschaftliche Fürsprache

Solche Loyalität ist freiwilliger Natur. Sie ist emotionsbehaftet und geht vom Kunden aus. Den Beweis für seine Loyalität tritt der Kunde durch „Immer-wieder-Käufe“ und durch aktive positive Mundpropaganda an. Das klingt prima, nur leider ist Loyalität heute ein flüchtiges Gut.

Gerade erst hat der Kundenmonitor Deutschland [344] im Rahmen seiner diesjährigen Untersuchung vermeldet: die Kundentreue sinkt, die Wechselbereitschaft steigt. Dies trifft insbesondere auf Lebensmittelmärkte, Stromversorger und Banken zu. Nur noch 51 Prozent (im Vorjahr 57 Prozent) der Befragten würden ihre Bank bestimmt wieder wählen. Bei Mobilfunkkunden betrug diese Rate 41 Prozent, bei Internetanbietern 37 Prozent und bei Fondsgesellschaften nur 25 Prozent.  

Das ist nicht weiter verwunderlich. Die größten Loyalitätskiller heißen:

  • Austauschbarkeit
  • Preis-Aktionismus
  • emotionale Kälte
  • ständig wechselnde Ansprechpartner

Alle genannten Branchen haben bei mindestens einem dieser Punkte Defizite. Loyalität wird am ehesten dem geschenkt, der seine Kunden fasziniert, integriert, involviert und zu aktiven Mitgestaltern seines Marketings macht.

Der Kunde hat die Macht

Nicht länger die Unternehmen, sondern deren Kunden bestimmen inzwischen die Spielregeln, nach denen „Verkaufen“ gespielt wird. Der Kunde stellt die Anforderungen und die Unternehmen führen sie aus – und zwar bitte möglichst gleich! Wer nicht nach den Regeln der Kunden spielt, spielt morgen nicht mehr mit. Denn Geldscheine sind Stimmzettel. Damit wählen wir, oder wir wählen ab. Wenn dem Kunden etwas nicht passt, bleibt sein Portemonnaie eben zu. Und er erzählt allen warum.

Anstatt den bunten Werbewelten zu lauschen, beschaffen sich immer mehr die kaufrelevanten Informationen von Mitmenschen und nicht mehr direkt von den Anbietern. Unternehmen müssen sich daran gewöhnen, dass ihre Kunden die Pressearbeit, den Vertrieb und sogar Innovationsprozesse immer öfter selbst in die Hand nehmen.

Das Web 2.0 ist ihr Helfershelfer. Bewertungsportale und insbesondere die Business-Blogs – in ihren Anfangszeiten noch harmlos als Tagebücher im Internet bezeichnet – haben sich zu höchst einflussreichen Instrumenten von Kundenmacht entwickelt. Sie haben den Kunden zum aktiven Treiber eines neuen Marketings gemacht: dem kundenintegrierenden Mitmach-Marketing. Zunehmend taucht der Begriff „Marketing 2.0“ auf.

Das Mitmach-Marketing

Einseitige Information war gestern, als die Macht noch einseitig beim Anbieter lag. Werbung war ein Monolog: Marken sandten Botschaften, Kunden hörten zu und kauften.  Heute nennen wir solches Vorgehen Spam. Und das nicht nur im Internet:

  • Ungewollte Werbe-Anrufe: Telefon-Spam
  • Penetrante Funk- und Fernsehspots: Wohnzimmer-Spam
  • Grellbunte Massenmailings: Briefkasten-Spam

Was mit teuren Werbegeldern erkauft wurde, landet zumeist im Papierkorb oder wird einfach weggezappt. Progressive Firmen haben schon längst damit begonnen, ihren Kunden eine Bühne für deren Selbstdarstellung zu bieten, sie zu involvieren, zu integrieren und zu kostenfreien Promotern der Unternehmensleistungen zu machen.

Kunden produzieren Anzeigen, sie drehen Werbefilme und kreieren neue Produkte. Die Reaktion der Community ist umso positiver, je mehr die Unternehmen sie machen lassen und passende Plattformen bereitstellen. Der Output wandert als elektronische Mundpropaganda um die ganze Welt - und macht aus Marken Kult.

Das Outsourcing klassischer Unternehmensleistungen an den Kunden ist in zahlreichen Varianten möglich:

  • Umfragen und Abstimmungen
  • User-Ratings
  • Diskussionsforen im Internet
  • Kundenparlamente
  • Focus-Groups
  • Corporate Blogs
  • Mitmach-Brandlands

Der Kunde als Empfehler

Die modernen Kunden-Communities unterscheiden sich wohltuend von den Kundenclubs alten Schlags, die ihre Mitglieder zu passiven Leistungsempfängern, aber nicht zu aktiven Schöpfern machten. Anstatt sie einseitig zu berieseln, gehen progressive Unternehmen mit ihren Kunden heute eine Beziehung ein, in der diese das Sagen haben. So sorgen sie nicht nur für einen „Kick“ im Kopf, sondern vor allem für einen im Herzen. 

Ferner stehen die Chancen gut, dass emotional eingebundene Kunden sich begeistert als aktive Empfehler betätigen, kostenlos, aus eigenem Antrieb und gerne. Das ist Consumer-to-Consumer-Marketing (CtoC). Es findet ganz ohne die Unternehmen statt  und es boomt. Denn Empfehler geben dem Markt Orientierung und reduzieren auf diese Weise Komplexität, Unsicherheit und Fehlentscheidungen.

Das Vertrauen in Hersteller und Händler nimmt ab, das Vertrauen in die eigenen Netzwerke wächst. Wer konsumieren oder investieren will, glaubt eher dem subjektiven Erfahrungsbericht eines ihm völlig unbekannten Dritten als den aufwändigen Hochglanzbroschüren der Anbieter am Markt.

Heute bittet man seine Kunden nicht mehr um eine Empfehlungsadresse, sondern um eine gute Bewertung auf dem entsprechenden Bewertungsportal. Die Währung der Zukunft heißt: vertrauenswürdige Beziehungen. Die Kunden helfen den guten Unternehmen und schaden den schlechten. Und das geht im Netz virusartig rasend schnell.

Das Ende der Lügenbarone

Unternehmen behandeln ihre Kunden besser zufriedenstellend, denn in der Web-2.0-Welt bleibt nichts verborgen. Wer schlechte Leistungen erbringt, verheimlicht, verschleiert, lügt, betrügt und den Kunden über den Tisch ziehen will, hat ein echtes Problem. Untaugliche Produktdetails, unkorrekte Geschäftspraktiken und inkompetente Ansprechpartner können sich die Firmen immer weniger leisten.

Denn dies wird Sekunden später vor der ganzen Welt an den Pranger gestellt – und ist nie mehr zu löschen. Online geäußerte Mund-zu-Mund-Kommunikation ist ein imposantes Ausdrucksmittel von Verbrauchermacht – im positiven wie im negativen Sinne. Auch wenn subjektive gefärbt, so steht sie doch für Wahrhaftigkeit.

Unternehmen brauchen heutzutage also vor allem Menschen, die ihre Produkte, Services und Marken aktiv ins Gespräch bringen. Nicht mehr durch klassische Werbekampagnen, sondern vor allem durch sich selbst organisierende User-Schwärme werden Marken und neue Trends gemacht.

Nicht länger die Presseabteilungen, sondern meinungsstarke Expertenkunden, die sogenannten ‚Market Mavens‘, sichern in Zukunft als Referenzgeber die Reputation eines Unternehmens. Alles, was sie brauchen ist positiver Gesprächsstoff. Eine ausgesprochene Empfehlung ist letztlich der sichtbare und geldwerte Beweis für die Loyalität eines Kunden. Und: Das Neukunden-Gewinnen ist leicht, wenn man viele Empfehler hat.

Das Ziel: Loyalitätsführerschaft

Wer seine Kunden zum Akteur und Gestalter macht, sorgt für Identifikation und emotionale Verbundenheit. Damit werden schmerzhaft hohe Fluktuationsraten verhindert und das Wertpotenzial lukrativer Kunden bleibt erhalten. Das ultimative Ziel: die Vermeidung von Kundenverlusten und der Aufbau der Loyalitätsführerschaft.

Eines ist sicher: Wer als Kunde in die Produkt- und Serviceentwicklung aktiv eingebunden wird und Marketingprozesse maßgeblich mitgestalten kann, der hängt an diesem Unternehmen, der spricht beherzt über seinen Anbieter und wird sein Wohl und Wehe rührig begleiten. Er wird „seinem“ Unternehmen, „seinem“ Ansprechpartner und „seiner“ Marke die Treue halten. Das ist die beste Prävention. Denn wer lässt schon gerne sein „eigenes Baby“ im Stich?

Wachstum: Nachfrage nach deutschen Premium-Autos steigt

Die Automobilproduktion in Deutschland wächst in den kommenden Jahren stärker als in jedem anderen Land der Europäischen Union. In- und ausländische Hersteller werden 2014 rund 900.000 Pkw mehr am Standort Deutschland fertigen als 2006, wie die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in ihrem "Global Automotive Financial Review 2007" prognostiziert. Felix Kuhnert, Leiter der Automobilberatung bei PwC, erläutert:

"Steigende Einkommen in Schwellenländern wie China und Indien führen weltweit zu einer höheren Nachfrage im Premium-Segment. Von diesem Trend kann der Standort Deutschland überdurchschnittlich profitieren. Schon heute können deutsche Premiumhersteller bei manchen Modellen die Nachfrage in China nicht vollumfänglich erfüllen."

Für die globale Automobilindustrie erwartet PwC einen Anstieg der Produktion um 19,1 Prozent auf rund 77,6 Millionen Pkw im Jahr 2014. Auch wenn ein Großteil des erwarteten Zuwachses auf Boomstaaten wie China und Indien entfällt, tragen die etablierten Standorte der Industrieländer voraussichtlich gut ein Drittel zum Volumenanstieg bei.

2014 kommt jeder vierte Pkw aus BRIC-Region

Im Jahr 2014 wird fast jeder vierte weltweit produzierte Pkw in Fabriken der so genannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) vom Band rollen. Der Anteil der Region an der globalen Pkw-Produktion dürfte zwischen 2006 und 2014 von 16 Prozent auf 23 Prozent steigen. Auf Nordamerika und Mexiko werden künftig nur noch 21 Prozent (2006: 24 Prozent) entfallen, während der Anteil der EU ander weltweiten Fertigung mit 26 Prozent im Jahr 2014 annähernd stabilbleiben wird (2006: 27 Prozent).

Für die EU erwarten die PwC-Experten einen Produktionsanstieg um rund 2,4 Millionen auf 20,3 Millionen Pkw. Allein im Premium-Segment werden 2014 voraussichtlich rund 930.000 Pkw mehr gefertigt als 2006, davon ein Großteil in Deutschland. Den europaweit zweitgrößten Produktionszuwachs dürfte die Slowakei mit einem Plus von 500.000 Pkw verzeichnen.

Für Nordamerika und Mexiko prognostiziert die Studie bis 2014 einen Anstieg der Pkw-Produktion um rund eine Million auf 16,3 Millionen Pkw. Während die "Big Three" General Motors (GM), Ford und Chrysler etwa 900.000 Autos weniger als 2006 in ihrer Heimatregion fertigen werden, erweitern asiatische Hersteller wie Toyota, Hyundai und Honda ihre Kapazitäten. Liegt der Anteil nicht-amerikanischer Produzenten an der Fertigungskapazität derzeit bei 34 Prozent, dürftedieser Wert im Jahr 2014 etwa 43 Prozent erreichen.

In Japan hingegen produzieren die Automobilhersteller im Jahr 2014 voraussichtlich etwa zwei Prozent beziehungsweise 250.000 Pkw weniger als 2006. Das ist einerseits auf den weitgehend gesättigten Inlandsmarkt zurückzuführen, andererseits auf die ausgeprägte Verlagerungsstrategie der japanischen Massenhersteller.

Toyota wächst weiter

Der Toyota-Konzern wird seine Position als weltgrößter Pkw-Hersteller nicht nur verteidigen, sondern den Abstand zur Konkurrenz vergrößern. Während Toyota 2006 mit rund 9,7 Millionen produzierten Pkw nur vergleichsweise knapp vor General Motors (9,1 Millionen) lag, dürfte der japanische Hersteller im Jahr 2014 weltweit rund 11,5 Millionen Fahrzeuge fertigen und damit deutlich mehr als GM (9,8 Millionen) und Ford (8,2 Millionen).

Nach den Erwartungen der Analysten folgt den neuen "Big Three" in 2014 die Renault-Nissan-Allianz (8,0 Millionen Pkw), die insbesondere durch die "low- cost"-Marke Dacia zulegen kann. Als Fünfter kann sich die Volkswagen-Gruppe als größter deutscher Automobilhersteller behaupten. Für Daimler erwarten die Experten nach der Trennung von Chrysler ein Produktionswachstum um über 20 Prozent auf rund 1,8 Millionen Pkw. Damit wäre der Premium-Hersteller 2014 weltweit die Nummer elf.

Die Auslastung steigt

Die Restrukturierung der Automobilindustrie in Nordamerika und der EU führt in Verbindung mit dem Produktionszuwachs zu einem deutlichen Abbau von Überkapazitäten. Für Europa erwartet PwC einen Anstieg der Kapazitätsauslastung von 75,9 Prozent im Jahr 2001 auf 86,2 Prozent bis 2011.
Kuhnert betont:

"Die europäische Automobilindustrie wird insgesamt profitabler. Seit den 90er Jahren lag die durchschnittliche Auslastung der Automobilwerke kontinuierlich unter der Schwelle von 80 Prozent."

In Nordamerika dürfte die Auslastung der Automobilwerke von 2006 bis 2014 um knapp fünf Prozent auf durchschnittlich etwa 87 Prozent steigen. Der anhaltende Preisdruck seitens der Endabnehmer und steigende Kosten für Rohstoffe und Material bedrohen viele Zulieferer in ihrer Existenz. So lag die durchschnittliche Netto-Umsatzrendite der unabhängigen Zulieferer im Geschäftsjahr 2006 bei lediglich 0,77 Prozent, während die Automobilhersteller einen Durchschnittswert von 3,12 Prozent erreichten.

Die Studie "Global Automotive Financial Review 2007" kann als kostenloser Download unter: www.pwc.com/automotive [345] heruntergeladen werden.

[dw; Quelle: presseportal; Bild: Daimler AG

Konsum: Verbraucher setzen wieder auf Qualität

Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosenzahlen sinken und die Verbraucher sind wieder eher bereit, mehr Geld für Qualitäts- und Markenprodukte auszugeben. Die Preisorientierung der Verbraucher ist denn auch nach den Ergebnissen des aktuellen Semiometrie-Monatsthemas in der deutschen Bevölkerung vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stabilität um deutliche acht Prozentpunkte von 35 Prozent in 2003 auf aktuell 27 Prozent gesunken. Demgegenüber ist das Segment der loyalen Markenkäufer ebenso deutlich auf 37 Prozent und das Segment der prestigeorientierten Markenkäufer leicht auf 37 Prozent angestiegen.

Die Marktforscher von TNS Infratest und SevenOne Media haben auf Basis der erhobenen Statements zum Thema "Marken- und Preisorientierung" erneut eine Segmentierung der deutschen Bevölkerung älter 14 Jahre durchgeführt. Dabei wurden drei in sich homogene Bevölkerungssegmente identifiziert, die sich in Bezug auf Marke und Preis deutlich voneinander unterscheiden:

  • preisorientierte Käufer
  • prestigeorientierte Markenkäufer
  • loyale Markenkäufer

Preisorientierte Käufer zeichnen sich nahezu ausschließlich durch das Streben nach einem günstigen Einkauf aus. Überdurchschnittlich häufig greift diese Käufergruppe zu Handelsmarken und versucht bei größeren Anschaffungen den Preis herunter zu handeln. Marken finden bei diesen Verbrauchern nur eine geringe Beachtung. Marken- und Genussorientierung sind bei dieser Käufergruppe deutlich unterdurchschnittlich. Soziodemografisch ist diese Gruppe etwas älter als der Bevölkerungsdurchschnitt, hat eine geringere Bildung und ein geringeres Einkommen.

Schnäppchen sind nicht mehr alles

Nach der Semiometrie zeigt sich psychografisch bei dieser Gruppe eine leichte Überbewertung des Wertefeldes sozial, die im Vergleich zur 2003er-Auswertung allerdings geringer ausfällt. Im Trendvergleich zeigt sich, dass die hedonistische, lustorientierte Grundhaltung in dieser Gruppe nicht mehr anzutreffen ist. André Petras, Leiter des TNS Infratest Semiometrie Centres, sagt:

"Dieser Wegfall ist ein Anzeichen dafür, dass der Spaß und die Freude an der Schnäppchenjagd zurückgegangen ist und vor allem finanzielle Grenzen die deutliche Preisorientierung bestimmen. Geiz ist somit nicht mehr geil."

Prestigeorientierte Markenkäufer sind Personen, denen Image und Prestige genutzter Marken besonders wichtig sind. Sie nutzen ihre verwendeten Marken vor allem um aufzufallen, Erfolg zu symbolisieren und Anerkennung zu bekommen. Markenartikel stehen für diese Käufergruppe für Qualität, weshalb sie auch grundsätzlich eher bereit sind, mehr Geld für bestimmte Markenartikel zu zahlen. Dennoch sind auch sie auf der Suche nach Schnäppchen. Petras erläutert:

"Hier geht es aber, im Gegensatz zu den preisorientierten Käufern, um das sogenannte SmartShopping, also dem Kauf von reduzierter Markenware zum Beispiel in einem Outlet."

Vor diesem Hintergrund ist auch die höhere Bewertung des Slogans "Geiz ist geil" zu interpretieren. Diese Käufergruppe verfügt über ein höheres Haushalts-Nettoeinkommen und ist darüber hinaus überdurchschnittlich jünger und eher männlich. In ihrem Werteprofil zeigt sich eine deutlich dominante und kämpferische Grundhaltung, die Anzeichen für einen erfolgsorientierten Lebensstil sind. Durch den Konsum prestigeträchtiger Markenartikel (zum Beispiel trendige Modemarken, neueste technische Geräte) demonstrieren diese Personen über deren Symbolwirkung ihren Erfolg. Darüber hinaus zeigt sich in der Erlebnisorientierung ein deutliches Bedürfnis nach Aktivität.

Das Motto "Geiz ist geil" ist in der Gruppe der loyalen Markenkäufer überhaupt nicht anzutreffen. Für diese Personen strahlen Marken Qualität, Vertrauen und Sicherheit aus, wofür sie auch gerne bereit sind, mehr Geld auszugeben. Im Gegensatz zu den prestigeorientierten Markenkäufern ist Ihnen jedoch die soziale äußere Symbolwirkung der Marken nicht wichtig. Dieser Personenkreis ist eher älter, weist aber keine weiteren soziodemografischen Auffälligkeiten auf. Psychografisch zeigt sich vor allem eine deutlich kulturelle und religiöse Grundhaltung. Indizien für einen anspruchsvollen und reflektierenden Lebensstil.

Bei der religiösen Wertehaltung sind Glauben und Sicherheit wichtige Aspekte. Markenartikel erfüllen in diesem Zusammenhang Ansprüche wie zum Beispiel nach Qualität und Verlässlichkeit. Beliebt sind bei ihnen vor allem bekannte und bewährte Traditionsmarken. Bei diesen markenorientierten Personen handelt es sich um sehr anspruchsvolle Konsumenten, die zudem sehr auf gesunde Ernährung, umweltfreundliche Produkte und Bio-Lebensmittel achten. André Petras weiter:

"Interessant ist, dass trotz des deutlichen Zuwachses in diesem Segment, die psychografische Charakteristik dieser Gruppe sehr stabil geblieben ist. Es sind psychografisch gleichartige Personen hinzugekommen, die 2003 eventuell auch aufgrund der "Geiz-ist-geil"-Welle temporär eine geringere Markenbindung aufwiesen."

Semiometrie ist ein Verfahren zur qualitativen Beschreibung von Zielgruppen. Es basiert auf der Grundannahme, dass Wertevorstellungen von Menschen durch die Beurteilung von Begriffen abgebildet werden können. So lassen sich beispielsweise die Verwender einer Marke und die Seher einer Sendung im Hinblick auf die Übereinstimmung ihrer Wertevorstellungen vergleichen.
Das Semiometrie-Panel wurde von TNS Emnid 1998 in Deutschland eingeführt und nach der Zusammenführung von TNS Infratest weitergeführt. SevenOne Media stellt zusammen mit TNS Infratest Semiometrie-Daten exklusiv für die TV-Planung zur Verfügung. Die aktuellen Ergebnisse dieser Analyse sowie weitere Informationen zur Semiometrie sind unter www.tns-infratest.com [346] und www.sevenonemedia.de [347] abrufbar.

[dw; Quelle:TNS Infratest; Bild:fotolia]

Kundenmonitor 2007: Kundentreue sinkt auf breiter Front

Im vergangenen Jahr lag diese Quote bei 89 Prozent – ein Rückgang um 13 Prozentpunkte. Bei Stromversorgungsunternehmen geht der Anteil loyaler Kunden von 58 Prozent auf 50 Prozent zurück. Banken bzw. Sparkassen haben mit 51 Prozent über sechs Prozent weniger Kunden, die ihre Hauptbank aufgrund der gemachten Erfahrungen heute bestimmt wieder wählen würden.

Nur Mobilfunkanbieter und Fondsgesellschaften können die Kundenloyalität dieses Jahr steigern. Diese Branchen haben jedoch ebenso wie Internetanbieter immer noch eine vergleichsweise geringe Kundenbindung: Nur 41 Prozent der Mobilfunkkunden sagen, dass sie ihren Anbieter wieder wählen werden. Bei Internetanbietern liegt die Loyalitätsquote bei 37 Prozent und bei Fondsgesellschaften nur bei 25 Prozent. Dies sind die zentralen Ergebnisse des Kundenmonitor Deutschland 2007.

Hinweis

Die Langzeitstudie zur Kundenorientierung misst seit 1992 jährlich die Kundenzufriedenheit bei privaten Verbrauchern in Deutschland und wird von der ServiceBarometer AG in München herausgegeben. In diesem Jahr standen 21 Dienstleistungsbranchen auf dem Prüfstand der Zufriedenheitsforscher. Insgesamt 21.026 Kunden wurden vom 2. April bis zum 3. September 2007 repräsentativ für die deutsche Bevölkerung telefonisch befragt.

Wieder an der Spitze: die Optiker

Der diesjährige Branchenvergleich der Kundenzufriedenheit wird wie in den Vorjahren von den Optikern angeführt, die wieder eine Top-Note von 1,96 erreichen – gemessen auf einer Skala von „vollkommen zufrieden“ (=1) bis „unzufrieden“ (=5).

Besonders stark verbessern konnten sich die Briefpost (+14 Basispunkte), die Fondsgesellschaften (+14) und die Buchversender bzw. Buchclubs (+11).

Amazon, Bertelsmann, Weltbild und Co. rücken damit im Branchenvergleich in die absolute Spitzengruppe vor und erzielen einen Branchenwert von 1,99 in der Kundenzufriedenheit. Den Fondsgesellschaften ist es gelungen, die Kundenzufriedenheit zum vierten Mal in Folge zu steigern: Seit 2003 hat sich der Anteil an überzeugten Kunden („vollkommen“ oder „sehr zufriedene“ Kunden) insgesamt von 28 Prozent auf 41 Prozent gesteigert.

Auf Top-Niveau der Kundenzufriedenheit liegen neben den Reiseveranstaltern dieses Jahr zwei Branchen, die in dieser Form erstmals untersucht worden sind: Die Kfz-Prüfstellen und die Hörgeräteakustiker. Matthias Metje, Studienleiter Kundenmonitor Deutschland, kommentiert das Ergebnis:

„Der Kundenmonitor Deutschland zeigt damit wieder eindrucksvoll, dass gerade Branchen des Handwerks mit der Individualität ihrer Leistungserbringung eine hohe Kundenzufriedenheit erzeugen.“

Die Finanzämter sind ebenfalls neu auf der Branchenliste des Kundenmonitor Deutschland. Im Branchenvergleich schneiden sie mit einem Zufriedenheitswert von 2,71 zwar weniger gut ab, jedoch ist die große Mehrheit der Bevölkerung zumindest zufrieden mit den Leistungen ihres Finanzamtes (88 Prozent). Nur 12 Prozent äußern sich weniger zufrieden oder unzufrieden mit ihrem Finanzamt.

Diesjähriges Schlusslicht der 21 untersuchten Branchen sind die Stromversorgungsunternehmen. Mit 2,73 rutschen sie auf ihren niedrigsten Zufriedenheitswert der letzten zehn Jahre.

Die Top-Unternehmen 2007

Die Ergebnisse auf Unternehmensebene zeigen, dass es einzelnen Anbietern in besonderer Weise gelingt, die Kundenerwartungen zu erfüllen oder sogar zu übertreffen. Mit signifikant bestem Globalurteil ihrer Branche können im Kundenmonitor Deutschland 2007 glänzen:

  • Amazon (1,69) bei Buchversand und –clubs
  • Debeka (1,93) bei Krankenversicherungen
  • Sparda-Banken (1,97) bei Banken und Sparkassen
  • Fielmann (1,98) bei Optikern
  • TUI (2,05) bei Reiseveranstaltern
  • tegut (2,05) bei Super- und Verbrauchermärkten
  • Yello Strom (2,14) bei Stromversorgungsunternehmen
  • Aldi (2,23) bei Lebensmitteldiscountern
  • O2 Germany (2,40) bei Mobilfunkanbietern

Werttreiber der Kundenbindung

Die sinkende Kundentreue bei gleichzeitig stabiler Zufriedenheit zeigt, dass Kunden heute generell wechselbereiter und aufgeschlossener gegenüber Angeboten des Wettbewerbs sind. Es wird für Unternehmen zunehmend aufwendiger, ihre zufriedenen Kunden dauerhaft zu binden.

Entwicklung der Kundenbindung 2006 bis 2007
[Quelle: ServiceBarometer AG]

Die Zielgruppenanalyse lässt erkennen, dass Männer meist weniger treue Kunden sind. Darüber hinaus fällt der allgemeine Rückgang in der Kundenbindung bei Männern im Vergleich zu Frauen messbar stärker aus.

Die Daten des Kundenmonitor Deutschland liefern Ansatzpunkte zum Ausbau der Kundenbeziehung: So können Optiker ihre Kunden vor allem durch fachliche Beratung und eine den Kundenwünschen entsprechende Angebotsvielfalt binden. In diesen Merkmalen ist die Bedeutung für den Kunden gegenüber früheren Messungen deutlich gestiegen.

Für Kunden von Banken und Sparkassen hat die Zufriedenheit mit dem Leistungsumfang weiter an Gewicht gewonnen. Für die Entscheidung, ein Kreditinstitut erneut zu wählen, ist daneben die Schnelligkeit der Geschäftsabwicklung wichtiger geworden.

Bei Kunden eines Reiseveranstalters ist deren Buchungsverhalten derzeit sehr stark von Sicherheitsbedürfnissen und Vertrauenserwartungen geprägt: Stärker noch als von der Flexibilität hängt die erneute Wahl des Reiseveranstalters davon ab, ob es diesem gelungen ist, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen und diesen ein Gefühl der Sicherheit für die Urlaubsreise zu vermitteln.

Hinweis

Weitere Informationen sowie grafische Darstellungen zu den Ergebnissen des Kundenmonitor Deutschland 2007 stehen Ihnen unter folgender Adresse zum Download bereit: www.kundenmonitor.de [348]

[jf; ServiceBarometer AG]

Kundensegmentierung: Aufteilung fördert Kundenorientierung

Ein zentrales Ergebnis: Über zwei Drittel der Befragten erwarten, dass die Bedeutung der Segmentierung in Zukunft stark zunimmt. Helmut Burckhardt, Partner und Leiter der deutschen CRM-Practice bei Deloitte erklärt:

"Wenn Technologien immer schneller veralten, Produkte austauschbarer werden, Kundenbedürfnisse sich schnell ändern und die Globalisierung voranschreitet, ist es wichtiger denn je, den Kunden zu verstehen. Eine Kundensegmentierung stellt einen wichtigen Schritt in diese Richtung dar. Sie bildet ein zentrales Element bei der Transformation von einem produktzentrierten zu einem kundenzentrischen Unternehmen."

Die Gründe für Kundensegmentierung sind vielfältig. Die Ergebnisse der Studie machen sie deutlich:

  • Unternehmen segmentieren, um zielgruppenspezifisch zu vermarkten und zu verkaufen.
  • Sie wollen Kundenprofitabilitäten und Kundenpotenziale zu bestimmen,
  • Bedürfnisse erkennen und
  • entsprechende Angebote entwickeln.

Dabei benutzen sie heute hauptsächlich quantitative Kriterien wie Umsatz beziehungsweise Absatz pro Kunde oder Dauer der Kundenbeziehung. In Zukunft jedoch wird eine Kombination quantitativer und qualitativer Kriterien, wie die strategische Bedeutung der Kundenbeziehung oder das Kaufverhalten, an Bedeutung gewinnen.

Die Datenlage entscheidet

Eine erfolgreiche Segmentierung erfordert aussagekräftige Daten: Zurzeit dienen meist dezentrale Systeme zu deren Speicherung. Zukünftig wollen die Befragten aber weitaus stärker zentrale Data Warehouses einsetzen, die vollständige, aktuelle und regelmäßige Segmentierungen erleichtern. Auch sehen die Studienteilnehmer bei der Qualität der Kundenkontaktdaten und Kundenpotenzialdaten - im Unterschied zu den Stammdaten - erheblichen Verbesserungsbedarf.

Rund die Hälfte der Studienteilnehmer bezieht ihre Daten zu Bestandskunden heute aus internen Systemen sowie externen Quellen. Im Hinblick auf potenzielle Kunden spielt der Datenzukauf momentan noch eine deutlich geringere Rolle, obwohl gerade hier sehr spezifische Daten verfügbar sind.

Technische und organisatorische Aspekte

Wenn die Segmentierung bislang nicht den erhofften Erfolg gebracht hat, so kann das an organisatorischen oder technischen Problemen liegen. Die größten organisatorischen Hürden bestehen bislang in

  • der ungeklärten Wirtschaftlichkeit der Kundensegmentierung,
  • dem fehlenden Engagement der Mitarbeiter und
  • der unzureichenden Einbindung des Managements.

Umgekehrt nutzen die meisten Befragten die Einsichten aus der Segmentierung, um den Vertrieb bedarfsgerecht auszurichten und zu schulen sowie das Produktportfolio entsprechend anzupassen. Darüber hinaus erreichen sie eine segmentspezifische Markt- und Kundenbearbeitung, etwa über bedarfsorientiertere Produkte und Leistungen oder eine maßgeschneiderte Kommunikation.

In technischer Hinsicht bilden mangelnde Datenqualität, heterogene Systeme und fehlende Schnittstellen die größten Hürden für die Segmentierung. Denn nur knapp vier von zehn Studienteilnehmern nutzen ganz oder teilweise integrierte Systeme.

Bilanz bislang durchwachsen

Die meisten Befragten gaben an, dank der Kundensegmentierung Wettbewerbsfähigkeit und Kundenbindung verbessert sowie die Bedürfnisse ihrer Käufer besser befriedigt zu haben. Dennoch gibt es bei der Größe der erzielten Effekte noch Steigerungspotenzial. Auch erfüllten sich nicht immer alle Erwartungen, wie ein Viertel der Befragten - in einigen Teilbereichen sogar knapp die Hälfte - konstatierte. Aus finanzieller Sicht schöpfen mehr als zwei Drittel der Befragten durch die Segmentierung Kundenbeziehungen besser aus und senken ihre Kosten. Knapp zwei Drittel erschließen neue Absatzpotenziale und steigern den Marketing-ROI.

Ungeachtet dessen sind aber nahezu alle Unternehmen der Ansicht, an einer systematischen Kundensegmentierung führe kein Weg vorbei. Helmut Burckhardt fasst zusammen:

"Deren Nutzen liegt vor allem in den abgeleiteten Maßnahmen, wie zum Beispiel einem segmentspezifischen Pricing, das zwar einen erheblichen Umsetzungsaufwand verlangt, den die erzielbaren Ergebnisse aber rechtfertigen. Auch bei der Neukundengewinnung kann die Segmentierung eine entscheidende Rolle spielen. Umso wichtiger ist es, jetzt die organisatorischen und technischen Voraussetzungen zu schaffen."

Hinweis

Die komplette Studie finden Sie unter

http://www.deloitte.com/dtt/... [349]

[jf; Quelle: Deloitte; Bild: aboutpixel.de]

Branchenanalyse: Die Triebkräfte des Wettbewerbs für sich nutzen

Am 18. Januar 2005 hat Airbus [350] sein neuestes Produkt einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt und gefeiert: Das Riesenflugzeug A380. Die Experten und Kommentatoren sind begeistert, sie halten es für das „mutigste Projekt der Luftfahrtgeschichte“. Die Financial Times Deutschland schreibt: „Bye-bye, Boeing“. Hat Airbus seinen amerikanischen Konkurrenten damit aus dem Markt geworfen?

Nachdem Airbus vor dreißig Jahren angetreten ist, den führenden Anbieter für zivile Flugzeuge Boeing [351] herauszufordern und sich als Konkurrent zu etablieren, entbrannte ein langer Kampf um Kunden, Marktanteile und Marktführerschaft. Seit zwei Jahren verkauft Airbus mehr Flugzeuge als Boeing. Aber die Amerikaner konnten ihre letzte Bastion, die der Großraumflugzeuge mit der Boeing 747er-Reihe, verteidigen. Wenn der neue Airbus fliegt, ist auch sie gefallen.

Nicht alle Branchen sind so überschaubar wie die der Flugzeugbauer. Auch wenn sich einige kleinere Hersteller in den Nischen für Regionalflugzeuge halten, so gibt es mit Airbus und Boeing nur noch zwei Anbieter für Flugzeuge für Mittel- und Langstrecken, die das Geschehen in ihrer Branche bestimmen.

Für die meisten anderen Unternehmen sieht das ganz anders aus. Sie kämpfen mit anderen um dieselben Kunden, immer wieder kommen neue Konkurrenten dazu, andere steigen aus oder werden aufgekauft. Und es gibt weitere Kräfte, die das Marktgeschehen beeinflussen. Und nur die Unternehmen sind erfolgreich, die diese Kräfte kennen und für ihre Zwecke nutzen. Wer dies nicht tut, wird über kurz oder lang von neuen Spielregeln am Markt überrascht und ist in seiner Existenz bedroht.

Das Konzept der Branchen-Struktur-Analyse nach Porter

Die Triebkräfte einer Branche können analysiert werden. Schon Ende der siebziger Jahre entwickelte der Harvard-Professor Michael E. Porter sein Konzept der Branchen-Struktur-Analyse. Er wollte den Unternehmen damit helfen, ihre richtige Wettbewerbs-Strategie zu finden. Denn nur das Unternehmen ist erfolgreich, das seine Wettbewerber, aber auch die Spielregeln seiner Branche genau kennt.

Porter identifizierte fünf Triebkräfte des Branchenwettbewerbs:

  1. die etablierten Wettbewerber, die um die Gunst derselben Kunden buhlen;
  2. die Kunden bzw. Abnehmer selbst, die mit ihrer Verhandlungsmacht Einfluss nehmen oder Vertriebswege und Vertriebsmöglichkeiten bestimmen;
  3. die Lieferanten, die wichtige Ressourcen, Technologien oder Know-how besitzen und nur ausgewählten Unternehmen weitergeben;
  4. neue Wettbewerber, die in denselben Markt einsteigen;
  5. Ersatzprodukte oder Dienstleistungen, die die bisherigen ersetzen.

Die fünf Triebkräfte des Wettbewerbs

[Quelle: Michael E. Porter; Wettbewerbs-Strategie, 2002]

„Alle fünf Wettbewerbskräfte zusammengenommen bestimmen die Wettbewerbsintensität und Rentabilität einer Branche, wobei die stärksten dieser Kräfte ausschlaggebend sind“, schreibt Porter 1980 in seinem Grundlagenwerk „Competitive Strategy“.

Beispiel Ersatzprodukt „Telefonieren über das Internet (IP-Telefonie)“: Mit der technischen Weiterentwicklung des Internet und dem Ausbau der Infrastruktur für Anschlüsse (Breitband), aber auch mit Marktangeboten wie der Flatrate betreten neue Anbieter den Markt für das Festnetz-Telefonieren. Jahrzehntelang haben die Telekom und später wenige Wettbewerber diesen Markt beherrscht; nun tauchen neue Konkurrenten mit der Technologie des Internet-Telefonierens auf und können die Spielregeln der Branche neu schreiben.

Auch der Vorstand der Deutschen Post hat die größten Sorgen mit Ersatzprodukten: „Prinzipiell ist unser größter Feind nicht der Wettbewerb, sondern die Konkurrenz durch elektronische Medien“, sagt Klaus Zumwinkel im Interview mit der ZEIT [352] (20.1.2005).

Stichwort

Eine Branchenanalyse oder Branchen-Struktur-Analyse umfasst die Sammlung und Bewertung von Informationen über Kräfte, die den Wettbewerb innerhalb einer Branche bestimmen. Sie beschreibt damit wesentliche Faktoren für die Chancen, Risiken und den langfristigen Erfolg eines Unternehmens.

Gerade wenn Unternehmen neu in einen Markt eintreten, ergeben sich weit reichende Umbrüche; denn sie wollen vom Kuchen etwas abhaben oder die alten Wettbewerber ganz verdrängen. Deshalb versuchen die etablierten Anbieter die so genannten Markteintrittsbarrieren möglichst hoch zu halten. Wer neu in den Markt der Flugzeugbauer eintreten wollte, hätte einen immensen Start-Kapitalbedarf; auch Airbus konnte die notwendigen Investitionen nur mit staatlicher Hilfe tätigen.

In anderen Branchen sind es die limitierten Vertriebswege oder beschränkter Zugang zu Ressourcen, die es Unternehmen erschweren, in eine Branche einzusteigen. Wer ein neues Nahrungsmittel auf den Markt bringt, muss um den knappen Platz im Supermarkt-Regal kämpfen.

Die Barrieren wirken aber nicht nur beim Markteintritt, sondern auch beim Marktaustritt. Wenn beispielsweise Luftfahrtunternehmen versuchen, durch Kampfpreise bzw. drastische Preissenkungen Wettbewerber aus dem Markt zu drängen – so genanntes „Predatory Pricing“ –, kann das für alle Unternehmen einen ruinösen Streit um Kunden hervorrufen. Denn aufgrund der getätigten Investitionen, will keiner vorschnell das Feld räumen. Für viele bleibt dann nur die Flucht in die Kooperation oder unter die Fittiche eines Konkurrenten.

Beispiel UMTS: Sechs Unternehmen und Konsortien haben im Jahr 2000 in Deutschland sehr viel Geld ausgegeben, um in den Besitz einer der begehrten UMTS-Lizenzen zu gelangen. Als sich später herausstellte, dass der Aufbau von Infrastruktur und Diensten noch teurer würde, sind Mobilcom [353] und Quam wieder aus dem Markt ausgetreten – mit erheblichen Verlusten, die in einem Fall fast zum Konkurs geführt hätte, im anderen Fall mit der Auflösung des Unternehmens endete. Umgekehrt setzen die vier verbliebenen Unternehmen alles daran, um zu verhindern, dass die zwei freien Lizenzen an andere vergeben werden.

Was bedeutet das für den einzelnen Mitarbeiter? Sie kennen den Schlachtplan

Gerade dann, wenn ein Unternehmen im heftigen Kampf mit etablierten oder neuen Konkurrenten steht, spüren das die Mitarbeiter selbst am eigenen Leib – spätestens dann, wenn das Unternehmen nicht mehr mithalten kann und in die Krise gerät. Die Branchenkräfte können und sollten sich aber auch sonst innerhalb des Unternehmens spiegeln:

  • Change Management: Oft sind es die externen Veränderungen, die neue Wettbewerbs-Strategien erforderlich machen und damit auch Veränderungen innerhalb des Unternehmens. Wer seinen Mitarbeitern die Branchenentwicklung vermittelt, kann notwendige Veränderungen besser und glaubhafter begründen; die Mitarbeiter sind eher bereit mitzuziehen.
  • Marketing, Vertrieb und Kundenservice: Insbesondere die Mitarbeiter im direkten Kunden-Kontakt spüren, welche Kräfte am Markt wirken. Sie müssen Kunden richtig ansprechen, sie stehen mit Wettbewerbern im direkten Vergleich und sie müssen den Kunden verdeutlichen, was sie in der Branche einzigartig macht.

Einige Unternehmen vermitteln ihren Mitarbeitern aus diesem Grund Wissen zum Wettbewerb und zur Branche, in der sie tätig sind. Sie fördern damit, dass die Strategien, die das Unternehmen verfolgt, besser verstanden und von allen Mitarbeitern auch umgesetzt werden.

Elemente der systematischen Branchenanalyse

Wer eine Branchenanalyse durchführen möchte, sollte vor allem Informationen sammeln, strukturieren und bewerten. Dem Sammeln von Informationen sind im Prinzip keine Grenzen gesetzt. Eine Möglichkeit, sie zu strukturieren und zu organisieren, besteht darin, sich an Porters fünf Triebkräften zu orientieren.

Darüber hinaus hängt es von der Fragestellung des Unternehmens und von der Branche selbst ab, welche Aspekte genauer betrachtet werden sollen. Einige wichtige Elemente zur Beschreibung des Marktes und der etablierten Wettbewerber sind:

  • Marktvolumen (Summe aller Umsätze, Absatz in Stück) heute und in Zukunft (Wachstum);
  • wichtige Anbieter und Wettbewerber (namentliche Nennung möglich);
  • deren Marktanteile;
  • Erfolgsfaktoren und Treiber im Wettbewerb: Kosten, Qualität, Innovationen, Service etc.;
  • Wettbewerbs-Strategien: Preiskampf, Unternehmens-Übernahmen, Standortverlagerungen, neue Technologien, Innovationen etc.;
  • interne Strukturen der Unternehmen: Produktion, Logistik, Kosten, Arbeitsteilung, Kapitalbindung etc.
  • Rentabilitäten: Gewinnspannen einzelner Anbieter, im Durchschnitt bzw. als Streuung;
  • Aktionen und Reaktionen der wichtigen Anbieter am Markt (neue Produkte, neue Technologien, Marketing-Strategien etc.).

Hinweis

Wichtig ist, seine Branche möglichst klar abzugrenzen. Im allgemeinen umfasst sie eine Gruppe von Unternehmen, die Produkte herstellen, die sich nahezu ersetzen können. Das bedeutet, dass vor allem die Kunden bestimmen, wie sich Branchen voneinander unterscheiden. Beispiel: Ein Auto kann ein anderes ersetzen. Aber ist ein Sportwagen wirklich ein Ersatz für einen komfortablen Familien-Kombi oder einen Geländewagen?

Darüber hinaus sind Informationen zu den Abnehmern und Kunden sehr wichtig wie zum Beispiel:

  • Kundenstruktur: wenige – viele;
  • Vertriebswege: direkt – Zwischenhändler – Einzelhändler;
  • Kundensegmente und ihre Anforderungen an Leistungen;
  • Kräfte, denen die Kunden in ihrer Branche ausgesetzt sind.

Entsprechend können auch die Lieferanten analysiert werden. In beiden Fällen sollte das Unternehmen genau ermitteln, warum und in welcher Form es von seinen Abnehmern und Lieferanten abhängig ist.

Besonderes Augenmerk sollte möglichen zukünftigen Konkurrenten gelten. Wovon werden sie am Markt angelockt? Sind es zum Beispiel hohe Renditen? Oder wollen sie sich in ihre angrenzenden Märkte ausdehnen um zu wachsen? Was sind die wichtigen Markteintrittsbarrieren? Lassen sich diese zum eigenen Schutz nutzen?

Am schwierigsten ist es in den meisten Fällen, das Potenzial der Bedrohung durch neue Produkte zu erkennen. Oft sind es besondere technologische oder organisatorische Innovationen, die eine Branche radikal verändern können. Am bekanntesten ist die (fast) vollständige Zerstörung der Branche der Schreibmaschinenhersteller durch die Computer.

Hier – aber auch bei den anderen Triebkräften – müssen Unternehmen einen Blick in die Zukunft wagen. Sie lässt sich zwar nicht vorhersagen, aber durchaus vorherdenken. Wichtige Instrumente dafür sind:

  • Szenarien-Analyse
  • Delphi-Umfrage

Hinweis

Im Dossier Zukunftsmanagement lernen Sie die wichtigsten Methoden genauer kennen.

Wer Informationen zu seiner Branche braucht, kann sich an die folgenden Institutionen wenden:

  • Branchen-Verbände,
  • Industrie- und Handelskammern (IHK), Handwerkskammern,
  • Unternehmensberater,
  • Forschungsinstitute,
  • Statistische Ämter.

Airbus und Boeing haben es leichter. Sie kennen ihre Branche sehr genau. Wenn es darum geht, die Triebkräfte gezielt zu nutzen, könnte man sich absprechen. Das dachte sich auch Jürgen Schrempp Anfang der neunziger Jahre, als er als Chef des Luftfahrtkonzerns Dasa, eines Eigners von Airbus, Boeing besuchte. Er wollte die Amerikaner dazu überreden, den Riesenflieger gemeinsam zu bauen, um die Marktpotenziale auszuschöpfen und die gestiegenen Anforderungen der Luftfahrtgesellschaften zu erfüllen – ohne die enormen Kosten und Risiken allein tragen zu müssen. Aber Boeing winkte ab; sie hatten ihre Branche anders eingeschätzt.

Checkliste

Im Rahmen einer Branchenanalyse können Branchenprofile erstellt werden. Sie können zum Beispiel folgende Aspekte umfassen:

  • Nachfrage nach Produkten/Leistungen
  • Veränderungen durch Technologien
  • Kapitalintensität
  • Kostensintensität
  • Gewinnspanne
  • Einfluss der Kunden
  • Faktoren für Markterfolg (Preis, Qualität, Service, ...)
  • Einfluss der Lieferanten
  • Einfluss der Distributoren
  • Höhe der Markteintrittsbarrieren
  • Höhe der Marktaustrittsbarrieren
  • Innovationsrate
  • Angrenzende Branchen

[vgl. auch: Checkliste Branchenanalyse [354] ]

Kurze Branchenanalysen mit einem Ausblick auf die Entwicklung im Jahr 2005 [355] finden Sie bei der Financial Times zu den Themen:

  • Festnetz und Mobilfunk wachsen zusammen
  • Handelskonzerne erwarten ein weiteres schweres Jahr
  • Rivalen aus China zwingen die Chemie-Branche zu Umbau
  • Software: Größerer Umsatz mit kleineren Kunden
  • Pharmakonzerne kämpfen um Vertrauen
  • Drohende Trendwende fordert Stahlbranche heraus
  • Autohersteller: Der Modell-Mix macht’s</OPTION>
  • Billigflieger: Marktführer scheuen Wachstum um jeden Preis
  • Finanzinvestoren lauern auf vielfältige Chancen
  • Handy: Konkurrenz droht Siemens abzuhängen
  • In China lockt das Geschäft mit Luxus
  • Unterhaltungselektronik: Im Kampf gegen Preisverfall und Nachahmer

Hinweis

Weitere Informationen zur Branchen- und Wettbewerbsanalyse finden Sie im Wissensbaustein Wettbewerbsanalyse [356] [357] Die Anwendung und Lösungsentwicklung lernen Sie im Online-Kurs Konzepte entwickeln.

Links und weiterführende Quellen

Das ZEW veröffentlich regelmäßig einen Branchenreport für die Dienstleister in der Informationsgesellschaft:

http://www.zew.de/de/... [358]

Beispiel: Branchen-Struktur-Analyse für Coachs

http://www.coaching-magazin.de/artikel/... [359]

Planung: So haben Sie bei der Marketing-Kommunikation die Nase vorn

Gastbeitrag von Sebastian Voss, Geschäftsführer von Voss Communication, Berlin*

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie sitzen nach getaner Arbeit gemütlich Zuhause und schauen die Werbeunterbrechung. Ein aufwendig gestalteter und emotionsgeladener TV-Spot gewinnt Ihre Aufmerksamkeit. Eine Werbebotschaft mit klarem Nutzen für Sie. Hektisch greifen Sie nach dem Fernsehmagazin und einem Stift auf dem Tisch. In allerletzter Minute notieren Sie darauf die eingeblendete Internetadresse des Anbieters. Sie können Ihrer Neugier nicht widerstehen, setzen sich an Ihren PC und rufen interessiert die Homepage des Herstellers auf.

Durch das ladeintensive Intro bereits verärgert, erscheint dann die erste Seite des eher spartnanisch gestalten Web-Auftritts. Ihnen fällt sofort auf: Wo ist eigentlich das hübsche Testimonial aus dem TV-Spot, das mich dazu verleitet hat, diese Site anzuklicken? Mit langem Gesicht durchforsten Sie die Bezugsquellen nach Händlern in Ihrer Nähe und schreiben sich die Nummern auf. Nach einigen Telefonaten schwinden Ihre anfängliche Euphorie und Ihr Interesse für den Artikel. Das Produkt ist noch nirgendwo erhältlich. Kurzerhand beginnen Sie an der Kompetenz des Anbieters zu zweifeln – Sie verlieren das Vertrauen.

Verzahnter Marketing-Kommunikationsmix stärkt die Wettbewerbsfähigkeit

Leider ist folgendes Horrorszenario für den Vebraucher keine Seltenheit. Marketingmaßnahmen deutscher Unternehmen verlaufen vielfach noch unkoordiniert und unstet. Von einer integrierten Kommunikation sind die meisten häufig noch Meilenweit entfernt. Der Chefetage muss klar werden: Strategisches Planen des Marketing- beziehungsweise des Kommunikations-Mixes sichert und kontrolliert das angepeilte Umsatziel des Unternehmens.

Und viel wichtiger: Einheitliche und vernetzte Kommunikation verankert das Image und Bewusstsein für die Unternehmens- und Produktmarke nachhaltig. Nur dadurch kann auf Dauer das Vertrauen gestärkt und die Bekanntheit gesteigert werden. Jeder Geschäftsführer muss sich vergegenwärtigen: Auf den heutigen gesättigten Märkten ist nahezu jedes Produkt austauschbar geworden. Deshalb kann sich sein Unternehmen nur durch eine einzigartige Identität (Corporate Identity) gegenüber dem Mitbewerber hervorheben.

Effizienz im Marketingbudget: Planung statt blinder Aktionismus

Viele kleine und mittelständische Unternehmen sehen ihren Marketingmaßnahmen mit hoher Erwartung entgegen. Sie verfassen eine einzelne Pressemitteilung, schalten verstreut zwei Anzeigen in der Fachpresse oder in der örtlichen Tageszeitung. Mit ganzem Stolz präsentiert die Marketingtruppe den „Relaunch“ des Webauftritts, der mehr mit Flash-Spielerei ausgeschmückt wurde, als dass er einen tatsächlichen Nutzen für den Anwender stiftet.

Schlimmstenfalls hinkt die Site-Gestaltung auch noch den festgelegten Gestaltungskonstanten des Corporate Design hinterher. Die Bilanz der willkürlich eingesetzten Marketing-Kommunikationsinstrumente ist für den ungeduldigen Chef mehr als ernüchernd: Kein deutlicher Anstieg von Anfragen kann von der Vertriebsleitung verzeichnet werden. Spätestes hier beginnt der Firmenlenker daran zu zweifeln, ob das Marketingbudget nicht demnächst für andere Zwecke investiert werden sollte.

Dieses ein wenig von mir überspitzte Beispiel soll Ihnen verdeutlichen, dass gerade kleine und mittelständische Betriebe auf einen abgestimmten Marketing-Kommunikationsmix setzen sollten, um sich einen klaren Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Doch das ist nicht die einzige angenehme Nebenwirkung für ihren Geschäftserfolg. Durch das Aufstellen eines sauber abgestimten Kommunikations-Mix im Rahmen eines Marketing-Kommunikationskonzepts kann auch das verfügbare Marketingbudget effizienter verplant werden. Somit wird kein Geld für ineffektive Kampagnen aus dem Fenster geschmissen. Ein weiterer Vorteil: Durchgeführte Maßnahmen können besser gemessen und bewertet werden. Erzielen einzelne Aktionen keine Wirkung, so können sie leicht korrigiert und in eine andere Richtung gelenkt werden.

Marketing-Kommunikationskonzeption am Beispiel einer Produkteinführung

1. Ist-Analyse

Erstellen Sie eine Stärken/Schwächen-Chancen/Risiko-Analyse (SWOT) für Ihr Produkt! Hierbei stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Worin liegen die Stärken meines Produktes, wo sind seine Schwächen?
  • Was kann ich mit meinem Produkt in dem entsprechenden Marktsegement bewirken?
  • Mit welchen vorhersehbaren oder auch unvorhersehbaren Gefahren kann ich rechnen?

Ermitteln Sie Ihre Wettbewerbssituation! Hierbei sollten Sie folgendes beachten:

  • Finden Sie heraus, ob gleiche oder ähliche Produkte bereits auf dem Markt erhältlich sind.
  • Falls ja, fertigen Sie eine Liste der Wettbewerbsprodukte an und beschriften Sie die Spalten mit „Funktionsmerkmale“, „Vorteile“ und „Nutzen für den Anwender“.
  • Scannen Sie das Internet und die Fachpresse nach Kommentaren, Tests und Presseartikeln über die Wettbewerbsprodukte.

Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre Kommunikationsmaßnahmen! Beachten Sie dabei folgendes:

  • Welche Methoden der Markt- und Unternehmenskommunikation werden angewendet (Corporate Design, PR)?
  • Welche Mittel sind oder waren im Einsatz ( Internetauftritt, Events, Give Aways, Flyer, Broschüren)?
  • Sprechen Sie mit Ihren PR-Kollegen, dem Marketing und der Geschäftsleitung!

2. Soll-Bestimmung

Bestimmen Sie Ihre Zielgruppen! Dabei sollten Sie auf folgende Dinge achten:

  • Setzen Sie Prioritäten und definieren Sie eine Kern- und Randzielgruppe.
  • Um diese einzugrenzen, hat es sich für mich bewährt, so genannte Lifestyle-Typologien oder Sinus-Millieus zu Rate zu ziehen.

Ermitteln Sie Ihre Unternehmens-, Marketing- und Kommunikationszielsetzung wie folgt:

  • Features & Benefits: Listen Sie Fakten und Vorteile Ihres Produktes für den Konsumenten auf und stellen Sie diese am besten in einer Tabelle gegenüber.
  • Unique Selling Proposition (USP): Denken Sie scharf nach: Worin liegt der einzigartige Verkaufsvorteil meines Produktes? Was unterscheidet mein Produkt von denen meiner Mitbewerber?
  • Zentrale Kommunikationsaussage: Welche Botschaft soll meine Zielgruppe lernen? Formulieren Sie diese am besten aktiv.

Ein Beispiel:

„Mit dem Produkt X bin ich aufgrund der Vorzüge Y bestens gerüstet. Außerdem werden mich meine Bekannten aufgrund der futuristischen Optik fragen, wo ich es gekauft habe.“

3. Konzept

Konzeptidee

  • Wie wollen Sie Ihre Nutzer von Ihrem Produkt begeistern?
  • Welche Maßnahmen wollen Sie miteinander vernetzen um dies zu erreichen?
  • Schreiben Sie Ihre Vorgehensweise auf!

Tonalität der Botschaft

  • Mit welchem Tonfall möchten Sie Ihre Zielgruppe ansprechen?
  • Was passt zu Produkt, Unternehmen und Zielgruppe?

Kommunikationsstrategie

Ihre Entwürfe für Kommunikationsmaßnahmen können Sie hier in eine Dramaturgie einbetten. Stellen Sie sich finale Fragen:

  • Werden die Kernbotschaften einheitlich und widerspruchsfrei vermittelt?
  • Werden alle Elemente der Corporate Identity berücksichtigt?

Budget und Zeitplan

In Ihrem Budgetplan stellen Sie alle anfallenden Kosten nach Kommunikationsmaßnahmen zusammen. Ihr Zeitplan legt fest, zu welchem Zeitpunkt Sie welche Aktion in Gang setzen.

Erfolgskontrolle

Es gibt viele Möglichkeiten Ihre Kommunikationsmaßnahmen zu kontrollieren. Hier einige Beispiele:

Veröffentlichungen Ihrer Presseartikel können Sie am besten durch einen Medienbeobachtungsservice aufspüren lassen. Ihre Direkt-Mailings können Sie anhand der Rücklaufquote messen. Die Meinung Ihrer Zielgruppe zur durchgeführten Kampagne und den Bekanntheitsgrad können Sie durch eine Befragung gekoppelt mit einem Gewinnspiel ermitteln.

*Kontakt:
Voss Communication
Invalidenstr. 139
10115 Berlin
Tel.: 030-40523787
E-Mail: ihr@kommunikationsberater.eu [360]
Web: www.vosscommunication.de [361]

Hilfestellung: Der Kunde hilft bei der Markenverbreitung

Wir leben in bewegten Zeiten mit scheinbar widersprüchlichen Entwicklungen: Einerseits bröseln langjährige Bindungen zu etablierten Marken, andererseits bilden sich bei Produkten wie Apple`s iPod Fans heraus, die ihrer Marke regelrecht hörig sind. Einerseits sind Kunden mit Informationen so überladen, dass klassische Werbung signifikant an Wirkung verliert, andererseits lösen Produkte wie der BlackBerry trotz (oder wegen) minimalen Werbedrucks regelrechte Epidemien aus.

Solche Markterfolge überraschen nur auf den ersten Blick. Dahinter stehen Markenstrategien, die in Begriffen wie> oder Customer integrated Marketing ihren Ausdruck finden. Hinter diesen Konzepten des neuen Marketing steht die folgende Erfolgslogik: Kunden werden in die Produktentwicklung beziehungsweise Marketingprozesse aktiv eingebunden und empfehlen auf dieser Grundlage die dahinterstehenden Marken ohne weitere Anreize aus eigenem Antrieb weiter.

Im Unterschied zum klassischen Empfehlungsmarketing werden dabei oftmals regelrechte Epidemien ausgelöst. Erstmalig aufgegriffen wurde dieses Thema von Malcolm Gladwell in seinem Buch Tipping Point.

Der Kunde übernimmt das Kommando

Wenn wir die Relevanz solcher Entwicklungen für die Marktforschung prüfen wollen, müssen wir zwei Fragen stellen:

  1. Handelt es sich bei den Konzepten des „neuen Marketing“ um eine Modeerscheinung oder stecken langfristige Entwicklungen dahinter?
  2. Welche Konsequenzen resultieren daraus für die Marktforschung?

Die Frage, ob es sich bei Customer integrated beziehungsweise epidemischen Marketing um einen Modetrend handelt, muss aus jetziger Sicht schon deshalb verneint werden, weil dahinter fundamentale, vom Kunden ausgehende Entwicklungen stecken. Kunden stehen Angeboten, sich an Marketingaktivitäten von Unternehmen aktiv zu beteiligen, immer positiver gegenüber. Der Zukunftsweg im Marketing besteht offensichtlich mehr und mehr darin, dass nicht mehr Hersteller für Kunden Produkte und Marketingkonzepte entwickeln, sondern Kunden für Kunden.

Jüngstes Beispiel ist BMW Mini mit einem sehr erfolgreichen, über die Website veranstalteten Wettbewerb zur Entwicklung von TV-Werbespots durch Kunden. Ergebnis: Es wurden über 300 Werbespots entwickelt, von denen ebenfalls wieder über Internet zehn Spots von den Besuchern der Website ausgewählt wurden. Diese Spots gingen zum einen on air, zum anderen wurden und werden sie über das Netz intensiv weiter verbreitet. In die gleiche Richtung gehen auch Marken wie Kfee oder Jägermeister mit ihrem Angebot, TV-Werbespots, Spiele und weitere Commercials von der Website herunterladen und weiter versenden zu können.

Ein weiteres Phänomen des neuen Marketing ist die Tatsache, dass sich erfolgreiche Marken immer stärker, insbesondere bei jüngeren Kunden, durch Weiterempfehlungen verbreiten. Der Kunde glaubt, wem er vertraut. Und das sind immer seltener Marken oder Unternehmen, sondern zunehmend Freunde, Bekannte und die Familie. Beispielhaft zeigt sich dies beim Blick auf die Weiterempfehlungsbereitschaft der als First choice für den Kauf ins Auge gefassten Automobilmarke. Die Daten entstammen unserem Automotive Consumer Insights (ACI) Trendmonitor, bei dem wir Monat für Monat über 2.000 Autokäufer befragen.

Das Ergebnis ist eindeutig: Während von den bis 30-jährigen 77 Prozent ihre präferierte Automobilmarke sehr wahrscheinlich oder wahrscheinlich weiterempfehlen, sind dies bei den über 60-jährigen nur noch 57 Prozent. Offensichtlich haben insbesondere jüngere Konsumenten das Bedürfnis, positive Konsumerfahrungen auf direktem Wege weiterzugeben. An dieser Stelle ist es angebracht, sich bewusst zu machen, dass eine hohe Weiterempfehlungsquote direkt verbunden ist mit einem hochwirksamen und darüber hinaus kostenfreien Vertrieb. Es lohnt sich also in jedem Fall, dieses Thema weiterzuverfolgen.

Bevor wir zu den Folgen und Chancen kommen, die daraus für die Marktforschung resultieren, sollte an dieser Stelle noch auf zwei Kriterien hingewiesen werden. Ihnen müssen künftig nachhaltig erfolgreiche Markenstrategien genügen:

  1. Marken müssen künftig so stark sein, dass sie selbstständig und ohne Anreize weiterempfohlen werden. Dabei spielt die Anziehungskraft eine wesentliche Rolle.
  2. Markenstrategien und Vertriebsmaßnahmen müssen künftig so interessant, emotional und unterhaltsam sein, dass Elemente davon wie zum Beispiel Werbespots oder Spiele im Internet selbstständig und ohne Anreize weiter verbreitet werden.

Marktforschung zur Förderung epidemischer Markenstrategien

Die Verfolgung von Markenstrategien, bei denen Kunden aktiv einbezogen werden, hat nach unseren Erfahrungen Konsequenzen für die Ausrichtung der Marktforschung, die sich an den folgenden fünf Punkten festmachen lassen:

1. Testpersonen als Marketingleiter

Wenn Kunden immer stärker in die Entwicklung von Markenstrategien und -konzepten integriert werden, dann liegt es nahe, in der Marktforschung den gleichen Weg zu gehen. Wir haben bei puls in diesem Zusammenhang beste Erfahrungen mit der Durchführung von Focus groups beziehungsweise qualitativen Interviews gemacht, bei denen unsere Testpersonen gezielt die Rolle von Marketingverantwortlichen des jeweiligen Unternehmens eingenommen haben. In dieser Rolle geht es dann um die Beantwortung folgender Fragestellungen:

  • Welche technischen oder emotionalen Besonderheiten würden Sie bei der jeweiligen Marke als Alleinstellungsmerkmale besonders hervorheben?
  • Worin sollte die Hauptaussage in der Werbung bestehen?
  • Welche Themen könnten in Werbekampagnen aufgegriffen werden?
  • Wie könnten TV-Spots oder Radiospots aussehen?
  • Wie bewerten Sie mögliche Innovationen zur Stärkung der jeweiligen Marke?
  • Welche Downloadmöglichkeiten könnten angeboten werden?
  • Was könnten die Leistungen eines Kundenclubs sein?
  • Welche Events passen zur jeweiligen Marke?
  • Welche Testimonial-Persönlichkeiten sind am glaubwürdigsten?

Durch diese Art der Abfrage erreicht man schon deshalb bessere Erkenntnisse, weil sich die Befragten in der Rolle von Marketingverantwortlichen intensivere Gedanken über alle relevanten Fragestellungen rund um die Themen Markenstrategie, Marketing und Vertrieb machen.

2. Messung des epidemischen Potenzials von Marken

Wie oben ausgeführt, führt die intensive Integration von Kunden in die Entwicklung von Marketingkonzepten dazu, dass die epidemische Weiterverbreitung von Marken signifikant gefördert wird. Dies wiederum ist nach unserer Erfahrung ein wesentliches Performance- beziehungsweise Erfolgskriterium zur Messung der Zukunftskompetenz von Marken.

Um diesbezüglich valide Messungen sowie Benchmarkvergleiche vornehmen zu können, wurde bei puls ein Index zur Messung des epidemischen Potenzials von Marken entwickelt. Dabei geht es beispielsweise um die folgenden Fragestellungen:

  • Weiterempfehlungsbereitschaft im Freundes- und Bekanntenkreis
  • Bereitschaft, sich aktiv in das Marketing für die jeweilige Marke einzubringen
  • Bewertung der Zielgruppe der jeweiligen Marke: Wird die jeweilige Marke eher von Meinungsführern oder der breiten Masse bevorzugt?
  • Bewertung der Innovationen beziehungsweise Alleinstellungsmerkmale der jeweiligen Marke

Diese und weitere Kriterien werden zu einem Index verdichtet, der dann selbstverständlich auch im Vergleich zu Mitbewerbern erhoben wird. Zusätzlich können durch eine Regressionsanalyse auch die Stellhebel der Verbreitung von Marken aufgedeckt werden. Dabei hat sich deutlich gezeigt, dass das epidemische Potenzial von Marken direkt mit der Frage zusammenhängt, ob sich die jeweilige Marke funktional und/oder emotional von den Mitbewerbern unterscheidet.

3. Entwicklung und Tests von Werbespots

Grundlegender Bestandteil von Marketingstrategien mit Einbeziehung des Kunden ist die Entwicklung von Werbespots im Fernsehen oder Radio. Anschließend werden diese durch die Kunden bewertet. Wie oben am Beispiel des Mini ausgeführt, spielt dabei das Internet eine wesentliche Rolle. Obwohl solche Tests schon aufgrund der untypisch stark involvierten Testpersonen mit Vorsicht zu interpretieren sind, sollten deren Ergebnisse dennoch professionell ausgewertet und in den Kontext anderer Ergebnisse gestellt werden. Auch darin besteht eine Herausforderung der klassischen Marktforschung.

4. Weblog Monitoring

Das Ziel des Weblog Monitorings ist es, kurzfristiges Feedback zu neuen Kundenbedürfnissen, Markttrends, einzelnen Marken und Mitbewerbern zu erhalten. Ein Vorteil dieser Methodik besteht darin, dass epidemische Effekte nahezu realtime erfasst werden können. Als Plattformen können dazu Internet-Adressen wie www.blogger.com [362] herangezogen werden. Dort finden sich beispielsweise 36.000 Blog postings zur Marke Budweiser.

5. Community-Befragungen

Die ausgeprägten interaktiven Elemente epidemischer Markenstrategien bringen für die Marktforschung die Möglichkeit, die Community der hochinvolvierten Fans der jeweiligen Marke kontinuierlich zu befragen. Dazu wiederum sind Kombinationen aus Online-Befragungen, Telefoninterviews oder auch Focus groups sinnvoll. Bisherige Projekte haben gezeigt, dass Monitorings bei hoch involvierten Fans eine äußerst sensible Früherkennung der Positionierung und Potenziale von Marken ermöglichen.

Alles in allem bieten die aufgezeigten neuen Wege im Marketing neue Chancen und Möglichkeiten, die Bedeutung maßgeschneiderter Marktforschung zu stärken.

Online-Umfragen: Seinen Markt kennenlernen

Gastbeitrag von Peter Apel, Geschäftsführer der CC&C Customer Care & Consulting GmbH*

Nur wer seine Kunden kennt, kann auf ihre Wünsche und Bedürfnisse eingehen. Aber wie lernt man sie kennen? Der Bäcker an der Ecke hat es einfach. Er sieht seine Kunden täglich und kann sie persönlich fragen. Schwieriger wird es bei Neukunden. Doch auch hier wird das Verkaufsgespräch mit der Frage eröffnet: „Was darf es sein?“ Der Kunde nennt seinen Wunsch. Wenn er wiederkommt, ist er mit dem Produkt zufrieden oder äußert sein Missfallen. Kurz: Im direkten Verkauf gelingt es noch am besten, auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden einzugehen. Voraussetzung ist aber auch hier, sich dafür zu interessieren und nachzufragen.

Stellt sich nur die Frage: Wie lernen Sie als Großhändler oder Dienstleister Ihre Kunden kennen, wenn sie sie nicht täglich sehen oder überhaupt keinen persönlichen Kontakt zu ihnen haben? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Wünsche bestehender Kunden und möglicher Neukunden zu erfahren. Stellen Sie Ihre Fragen doch im Internet! Folgende Vorteile haben Online-Befragungen:

Schnelle Durchführung

Das Internet hat unsere Welt verändert. Heute kann jeder entscheiden, welche Informationen er wann und wo abruft. Nutzen Sie diese neue Möglichkeit, um Kunden nach ihren Wünschen zu fragen! Was wollten Sie schon immer einmal wissen und haben sich nicht getraut, zu fragen? Die Onliner werden Ihnen sehr schnell Antworten geben. Internetnutzer, die an Marktforschungen teilnehmen, sind im Umgang mit Fragebögen und deren Strukturen vertraut. Sie wissen, wie man Kästchen anklickt und wie man sich in Online-Dokumenten bewegt. In den letzten Jahren wurde das Internet immer komfortabler, was die Akzeptanz beim Nutzer deutlich erhöht hat und damit auch die Bereitschaft, an Umfragen teilzunehmen.

Onliner denken wie Offliner

39,2 Millionen Deutsche über 14 Jahren sind online. Das sind mehr als 60 Prozent der Bevölkerung. Und diese Menschen unterscheiden sich nicht von denen, die nicht im Internet surfen. Sie kaufen die gleichen Produkte, machen die gleichen Reisen und haben die gleichen Wünsche und Bedürfnisse. Das einzige Merkmal, worin sich Onliner von Offlinern unterscheiden, ist die Bereitschaft, an Online-Umfragen teilzunehmen und die Befragungsumgebung. Online- und Offline-Befragungen führen nicht zu komplett identischen Ergebnissen, zeigen aber die gleichen Trends auf.

Alle Fragen sind möglich

Online können Sie alle Fragen stellen. Das komplette Spektrum an Fragemöglichkeiten und -techniken ist möglich. Von offen gestellten Fragen über Filterfragen bis hin zum Einsatz von Skalenmatrizen, stehen Ihnen alle Möglichkeiten der modernen Marktforschung zur Verfügung. Sie können eine reine Abfrage von Themen durchführen oder auch eine Verpackung bewerten lassen. Online haben Sie viele Einsatzoptionen. Im Internet können Sie auch Bilder, Videos und Sounds bewerten lassen.

Onliner antworten ehrlich

Im Vergleich mit anderen Befragungen wurde festgestellt, dass Menschen online ehrlicher antworten als im direkten Gespräch. Dafür gibt es zwei Erklärungen: die Motivation des Befragten und die Umgebung, in der die Fragebögen ausgefüllt werden. An Offline-Befragungen wird oft spontan teilgenommen. In diesen direkten Gesprächen besteht immer die Möglichkeit, dass der Befragte vom Interviewer oder durch die sozialen Interaktionen beeinflusst wird. Onliner hingegen entscheiden sich bewusst für die Teilnahme an einer Befragung. Sie wählen auch den Zeitpunkt selbst. Sie geben ihre Meinung wieder, ohne von der Umgebung beeinflusst zu werden. Das Fehlen eines Interviewers beeinflusst nicht die Ergebnisse, ganz im Gegenteil, die Ergebnisse sind ehrlicher beziehungsweise realitätsnäher als bei konventioneller Marktforschung.

Zeitnahe Ergebnisse

Jeder ausgefüllte Fragebogen fließt sofort online in die Ergebnisse ein. Die Internetgemeinde liefert Ihnen ein schnelles Stimmungsbild. Keine andere Befragungsart bringt Ihnen so zeitnah so aussagekräftige Ergebnisse. Mit dem Versenden einer Serien-E-Mail werden beliebig viele Menschen zum gleichen Zeitpunkt erreicht. Nach unseren Erfahrungen werden 70 Prozent der Fragebögen innerhalb von 24 Stunden nach Versenden der Einladung ausgefüllt. So liegen schnell brauchbare Ergebnisse vor, die sofort zur weiteren Bearbeitung verfügbar sind.

Große Gruppen einfach befragen

Manchmal will oder muss man 1.000 oder mehr Menschen befragen, zum Beispiel im Rahmen einer politischen Umfrage. Dafür sind Online-Befragungen ideal. Der Aufwand der reinen Online-Befragung ist der gleiche, ob man nun zehn Menschen oder 1.000 befragt.

Online ist günstiger

Online-Befragungen sind günstiger als herkömmliche Befragungen. Sie können deutschlandweit oder sogar weltweit Menschen interviewen und das ohne Reisekosten, ohne Papieraufwand und ohne zusätzliches Personal. Online Befragungen sind unabhängig von Zeit und Raum.

Praxistipps für die richtige Online-Befragung

Planen Sie 80 Prozent Ihrer Zeit und Ihres Budgets für die Vorbereitung ein! Zur Vorbereitung und zur Durchführung gehören:

  1. Ein passender Partner, der Sie und Ihre Fragestellungen versteht und die technischen Vorraussetzungen für Online-Befragungen erfüllt
  2. Die Zieldefinition: Was wollen Sie wissen und wen möchten Sie erreichen?
  3. Ein qualifizierter Adresspool
  4. Fundiertes Methoden-Know-how bei der Auswertung

*Kontakt:
Customer Care & Consulting GmbH
Gartenstraße 25
61352 Bad Homburg v.d.H.
Tel.: 06172-91730
E-Mail: info@ccuc.de
Web: ccuc.de

[Bild: pixelio]

Aufwind: Europas Hotellerie und Gastronomie geht es wieder besser

Die wirtschaftliche Stimmung in Europas Hotellerie und Gastronomie ist nicht mehr gedrückt, Geiz ist nicht mehr "geil", die Sorge um ausbleibende Gäste und Insolvenz passé. Angesichts wachsender Gästezahlen und einer höheren Ausgabebereitschaft blickt die überwältigende Mehrheit der Hoteliers und Gastronomen in Deutschland und Europa optimistischer in die Zukunft als noch zwölf Monate zuvor. So das Ergebnis des aktuellen American Express Hospitality Monitor 2007, der die Stimmungen, Trends und Erwartungen internationaler Hotel- und Restaurantmanager der wichtigsten europäischen Touristenzentren abbildet. 

Der Wettbewerbsdruck in Hotellerie und Gastronomie hat keineswegs nachgelassen. Beinahe die Hälfte (47 Prozent) aller Hotel- und Restaurantmanager empfindet die direkte Konkurrenz als größte Herausforderung in ihrem Geschäft. 2006 waren dies nur 30 Prozent. Trotz zunehmenden Wettbewerbs ist die Branche aufgrund des stabilen wirtschaftlichen Aufschwungs positiv gestimmt: Allein in Deutschland blicken 76 Prozent aller Hoteliers und 70 Prozent aller Gastronomen optimistisch in die Zukunft. Ein Jahr zuvor waren das noch jeweils 43 und 37 Prozent. Ganz oben auf der Prioritätenskala europäischer Hotels  und Restaurants stehen heute

  • die Neukundengewinnung, gefolgt von dem Ziel,
  • Kosten zu reduzieren.

 

Klare Profilierung als Chance im Wettbewerb

"Es zeigt sich, dass Hotellerie und Gastronomie auf eine klare Differenzierung und Profilierung innerhalb eines übersättigten und schnelllebigen Marktes setzen. Galt im Jahr zuvor noch die Umsetzung immer neuer Trends und Innovationen als adäquates Mittel, um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden, besinnen sich immer mehr Manager auf die Kernkompetenzen ihres Gewerbes. Das heißt: Der Gast soll bekommen, was er will, wann er es will und zu einem dem Service angemessenen Preis."

Das sagt Carola Paschola, Vice President bei American Express. Was wie selbstverständlich klingt, ist die Reaktion auf eine gewandelte Wertementalität auf Seiten des Konsumenten. Die Erwartung eines unvergleichlichen Erlebnisses im Hotel oder Restaurants gehört nach wie vor zu den größten Herausforderungen an das Gastgewerbe. Davor aber steht aus Sicht der befragten Manager der Wunsch nach einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und einwandfreiem Service.

Aber: Was ist guter Service? Was ist ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis? Auf den ersten Blick liegen die Einschätzungen der befragten Manager in Hotellerie und Gastronomie weit auseinander: Während Hoteliers großen Wert legen auf zuvorkommenden (77 Prozent) und freundlichen (71 Prozent) Service, sehen sich hier nur 48 bzw. 55 Prozent der Restaurantmanager gefordert. Übereinstimmung besteht jedoch in der Erfüllung individueller Kundenwünsche: Sowohl Hotels als auch Restaurants sehen hierin eine der größten zukünftigen Herausforderungen für das Gastgewerbe.

Dies gilt auch in puncto Ausstattung. Insbesondere in der Hotellerie hat sich innerhalb der vergangenen 12 bis 18 Monate eine neue Investitionswelle in Bewegung gesetzt: Entsprechend der rasant gewachsenen Ansprüche einer multimedia-affinen Klientel bietet inzwischen mehr als die Hälfte aller Hotels in Europa einen WLAN-Zugang in öffentlichen Bereichen wie der Lobby an. In den Gastzimmern wurde nicht nur das Entertainmentangebot, beispielsweise die Ausstattung mit Flachbildschirmen, Spielekonsolen sowie das Spielfilmprogramm, erweitert. 43 Prozent der Manager nahmen auch das Herz des Hotels - das Bett - ins Visier und investierten in Matratzen, Bettdecken und Kissen.

Wirtschaftlicher Optimismus manifestiert sich in Preiserhöhungen

Die Erwartung steigender Umsätze ist inzwischen so gefestigt, dass die Branche Preiserhöhungen ins Auge fasst. Die Hälfte der befragten Hotels und Restaurants in Europa hat ihre Preise gegenüber dem Vorjahr erhöht. Parallel dazu entscheiden sich immer mehr dazu, ihre Preise künftig regelmäßig anzupassen. Als Preistreiber in Deutschland erwies sich insbesondere die um drei Prozentpunkte gestiegene Mehrwertsteuer: Immerhin jeder fünfte Manager hat seine Preise mit Einführung der Mehrwertsteuer im Januar 2007 erhöht; 55 Prozent reagierten im Laufe der folgenden Monate mit einer vorsichtigen Anpassung.

Mehr über die Studie:
Das American Express Trendbarometer 2007 ist die zweite internationale Befragung von Hotel- und Restaurantmanagern. Insgesamt wurden 300 verantwortliche Manager aus dem Hotel- und Restaurantgewerbe in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien zu den Trends und Entwicklungen befragt. In die Studie einbezogen wurden Hotels, deren Jahresumsatz mindestens 1 Million Euro beträgt und Restaurants, die 200.000 Euro und mehr pro Jahr umsetzen. Durchgeführt wurde die jährliche Studie von Loudhouse Research und International Communications Research (ICR) im Auftrag von American Express.

[jf; American Express]

 

Wettbewerb: Deutsche Marken geraten in China unter Druck

Die Mehrheit der städtischen Bevölkerung Chinas kennt eine Vielzahl deutscher Marken. Insbesondere deutsche Automobilmarken sind in China sehr beliebt. Besonders erfreulich: Deutsche Marken werden in vielen Aspekten positiver wahrgenommen als etwa Marken aus den USA oder Japan. Dabei schätzen Chinesen deutsche Marken speziell wegen ihrer Qualität, Zuverlässigkeit und Leistungsstärke. Auch in puncto sozialen Verantwortungsbewusstseins werden deutsche Marken als führend wahrgenommen.

Defizite im Bereich "Innovation" und "Hochtechnologie"

Dennoch treten auch einige empfindliche Schwächen deutlich hervor: Hinsichtlich "Innovation" und "Hochtechnologie" schneiden deutsche Marken zunehmend schlecht ab. Zudem werden sie kaum als "Trendsetter" gesehen. Darüber hinaus werden deutsche Marken trotz ihres guten Images noch zu selten gekauft, was vor allem an den vergleichsweise hohen Preisen und in vielen Fällen an einer starken Ausrichtung auf Premiumsegmente liegt.

Obwohl das positive Image deutscher Marken viele Chancen für eine effektive Differenzierung vom Wettbewerb bietet, ist vielen Chinesen der deutsche Ursprung mancher Marken nicht bekannt. Somit kommt ein wichtiger Hebel zur Steigerung der Markenpräferenz, das "Country-of-Origin-Image", erst gar nicht zum Tragen.

Dies sind die Kernergebnisse einer repräsentativen Studie, die BBDO Consulting Shanghai auf Basis von über 1.500 Einzelbefragungen chinesischer Stadtbewohner im Juli und August 2007 durchgeführt hat. Ziel der Studie ist es, deutsche Unternehmen bei einer erfolgreichen Positionierung im weltweit wichtigsten Wachstumsmarkt zu unterstützen.

Automobilhersteller führen bei Markenbekanntheit das Feld an

mercedes stern
Mercedes-Benz ist die bekannteste Marke

Unter den Befragten konnten 61 Prozent mindestens eine deutsche Marke aus dem Gedächtnis nennen. Im August 2005 waren es noch 75 Prozent. An dieser Schlüsselzahl zeigt sich, dass die Aggressivität des Wettbewerbs in China weiter zunimmt und deutsche Marken in steigendem Maße von Wettbewerbern aus anderen Ländern unter Druck gesetzt werden. Hinsichtlich ihrer Bekanntheit führen deutsche Automobilmarken klar das Feld an. Ungestützt ergibt sich folgende Rangliste:

  • Mercedes-Benz die bekannteste deutsche Marke (26 Prozent), gefolgt von
  • Volkswagen (20 Prozent) und
  • BMW (19 Prozent).

Bei der gestützten Bekanntheit zeigt sich dieselbe Reihenfolge: Mercedes-Benz und Volkswagen liegen hier gleich auf (beide 96 Prozent), Tuchfühlung halten BMW und Siemens (beide 95 Prozent) sowie Audi (92 Prozent). Außerhalb dieser Spitzengruppe zählen zu den bekanntesten Marken:

  • Adidas (84 Prozent),
  • Porsche (81 Prozent),
  • Puma (63 Prozent),
  • Metro (61 Prozent) und
  • Nivea (61 Prozent).

Demgegenüber fällt die Bekanntheit vieler weiterer deutscher Nicht-Automobilmarken stark ab und liegt meist unter 50 Prozent. Insgesamt sind die Bekanntheit und das Image deutscher Marken stark getrieben von den Bereichen Automobil (52 Prozent), Maschinen (40 Prozent) und Haushaltsgeräte (24 Prozent). In den Bereichen Pharma (14 Prozent), Dienstleistungen (7 Prozent) und Bekleidung (4 Prozent) werden deutsche Marken nicht als maßgeblich angesehen.

Adidas wird am häufigsten gekauft

Adidas Schuh Samba
Adidas wird am häufigsten gekauft.

Deutsche Marken genießen in China grundsätzlich ein hohes Ansehen: 63 Prozent der befragten Chinesen mögen sie. Und wieder führt ein Automobilhersteller das Ranking an: Diesmal ist es die Marke BMW, die mit einem Sympathiewert von 86 Prozent ganz vorn in der Gunst der Verbraucher liegt, gefolgt von Adidas (82 Prozent) und Mercedes-Benz (81 Prozent). Weitere Marken, die von über 50 Prozent der Befragten geschätzt werden, sind, in der Reihenfolge ihrer Beliebtheit: Porsche, Audi, Siemens, Puma, Volkswagen, Mini und Metro.

Hinsichtlich der Kaufentscheidung zu Gunsten deutscher Marken ist Adidas der Spitzenreiter im Ranking. So gaben 54 Prozent der Befragten an, schon einmal ein Produkt des Sportartikelherstellers gekauft zu haben. Die am zweithäufigsten gekaufte Marke ist Siemens mit einer Kaufrate von 52 Prozent, gefolgt von Puma (33 Prozent), Metro (33 Prozent) und Nivea (30 Prozent).

Dagegen gaben immerhin 27 Prozent aller Befragten an, noch nie eine deutsche Marke gekauft zu haben. Auch bei der Kauffrequenz schneiden deutsche Marken nicht so gut ab: Weit über die Hälfte der Befragten kaufte seltener als einmal im Jahr wissentlich eine deutsche Marke.

Im internationalen Vergleich liegen deutsche Marken vorn

Insgesamt werden deutsche Marken wesentlich positiver wahrgenommen als japanische, amerikanische, französische oder koreanische Marken. Das gilt vor allem für traditionelle Werte wie

  • Qualität,
  • Zuverlässigkeit,
  • Leistungsstärke und
  • Vertrauenswürdigkeit.

Auch der Prestigewert deutscher Marken liegt mit 72 Prozent über den japanischen oder amerikanischen Vergleichswerten. Dagegen werden deutsche Marken deutlich weniger als "innovativ" angesehen und liegen in dieser Dimension mittlerweile deutlich über 10 Prozent hinter den USA und Japan. Nur eine Minderheit (32 Prozent) sieht deutsche Marken als "modern" bzw. "modisch".

Ein weiteres Handicap ist der Faktor "Kundennähe". Weniger als die Hälfte der Befragten attestiert deutschen Marken eine Vertrautheit mit den Bedürfnissen der lokalen Kunden. Niklas Schaffmeister, Chief Representative von BBDO Consulting in Shanghai, meint dazu:

"Vielen deutschen Unternehmen fehlt noch immer ein tief greifendes Verständnis der Kauf- und Entscheidungstreiber von chinesischen Kunden. Wer hier nicht ein Stück weit auf die lokalen Bedürfnisse der Zielgruppen eingeht, läuft außerhalb der Luxus-Segmente Gefahr von Japanern, Koreanern und letztlich auch den Chinesen überrundet zu werden."

Auch die Preise werden insgesamt in zunehmendem Maße als zu hoch empfunden. So hielten 58 Prozent der Befragten deutsche Marken für "relativ teuer" oder "sehr teuer". Eine Wahrnehmung, die sich unter anderem darauf zurückführen lässt, dass deutsche Marken eher im Premium- und Luxusbereich als in den Produktkategorien des häufigen oder täglichen Bedarfs vertreten sind.

Die Mehrheit der monatlichen chinesischen Haushaltsnettoeinkommen bewegte sich zwischen 100 und 500 Euro, wobei bereits über 30 Prozent der Befragten angaben, mehr als 500 Euro im Monat zu verdienen. Der starke Fokus auf Premiumsegmente und die vergleichsweise hohe Preiswahrnehmung deutscher Marken geben insofern Anlass zur Besorgnis, da die derzeit noch wenig einkommensstarke "aufstrebende Mittelklasse" besonders stark wächst. Hier machen eher die chinesischen sowie japanischen und koreanischen Wettbewerber das Geschäft. Erfolgsbeispiele von Motorola und Pepsi haben jedoch gezeigt, dass auch westliche Marken in diesen stärker lokal geprägten Mittelschichts-Segmenten Marktanteile erobern können.

Viele deutsche Unternehmen verschenken ihr Potenzial

Während die Wahrnehmung Deutschlands insgesamt durchaus positiv ist, wird die tatsächliche Herkunft vieler deutscher Marken zunehmend schlechter erkannt. Nur knapp die Hälfte der befragten Chinesen wusste um den deutschen Ursprung vieler Marken. Zu den Marken, deren Herkunft nicht einmal von jedem Zweiten korrekt zugeordnet wurde, zählen auch so bedeutende deutsche Marken wie zum Beispiel Porsche, Nivea, Bertelsmann oder Allianz.

Damit bleiben mögliche Chancen ungenutzt, die in einem positiven Imagetransfer vom Ursprungsland auf die Marke liegen, da insbesondere die aufstrebende chinesische Mittelklasse ausländische und speziell deutsche Marken als Statussymbol ihres sozialen Aufstiegs bevorzugt. Zudem kann ein deutsches Image die Wahrnehmung einer hohen Produktqualität und Leistungsfähigkeit fördern. Andererseits ist das deutsche Image nicht automatisch für jedes Unternehmen nützlich: Unternehmen, die sich als sehr innovativ oder kostengünstig positionieren wollen, müssen sich entscheiden, ob und wie sie ihre deutsche Herkunft kommunizieren wollen.

Fazit

  • Das Image des Ursprungslandes ("Country-of-Origin-Image") ist ein wichtiges Marketinginstrument. Speziell in Emerging Markets wie China, Indien oder Russland kann es signifikant zur Steigerung der Wahrnehmung von Qualität und Prestige beitragen.
  • Deutsche Marken sind in China insgesamt sehr bekannt und beliebt - sogar beliebter als japanische, amerikanische oder französische Marken.
  • Im Vergleich zu 2005 können sich allerdings deutlich weniger Chinesen aktiv an deutsche Marken erinnern, was den hohen Werbedruck und die Notwendigkeit systematischer Markenkommunikation verdeutlicht.
  • Das Image deutscher Marken ist relativ eindimensional mit Premiumkraftfahrzeugen und Maschinen verbunden. In vielen anderen Branchen spielen deutsche Marken eine untergeordnete Rolle.
  • Besondere Stärken deutscher Marken sind traditionelle Werte wie "Qualität", "Zuverlässigkeit" und "Vertrauenswürdigkeit". Schwächen zeigen sich bei "Innovation", "Trendbewusstsein" und Vertrautheit mit den Bedürfnissen der chinesischen Konsumenten.
  • Der hohe Wettbewerbs- und Werbedruck macht den deutschen Marken insgesamt zu schaffen.
  • Die Mehrheit städtischer Chinesen zieht den Kauf deutscher Marken nur sehr selten in Erwägung, vor allem, weil sie ihnen zu teuer erscheinen.
  • Viele deutsche Marken werden zurzeit nur schwach mit ihrem deutschen Ursprung assoziiert und lassen so das Potenzial ungenutzt, ihr Markenimage mit den positiven Aspekten von "Made in Germany" aufzuladen.
  • Unternehmen, die das "Country-of-Origin-Image" für ihre Marke nutzen wollen, sollten in der Kommunikation parallel auf ein gutes Preisleistungsverhältnis achten.

Hinweis

Die repräsentative Studie untersucht zum zweiten Mal das Image deutscher Marken in China. Sie wurde vom Shanghaier Büro von BBDO Consulting erarbeitet. Ihre Ergebnisse basieren auf der Befragung von über 1.500 Konsumenten in Beijing, Shanghai, Guangzhou, Chengdu und Wuhan im Juli und August 2007. Dabei wurde die Markenleistung führender deutscher Marken in China ermittelt.

[jf; BBDO Consulting; Bilder: Pixelio.de]

Entwickeln: Versicherungen suchen händeringend nach neuen Produkten

Die Versicherungsunternehmen in Deutschland wollen sich verstärkt auf die Gewinnung neuer Marktanteile konzentrieren. 62 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte haben die Neuakquisition zur wichtigsten Herausforderung für die kommenden zwölf Monate erklärt. Das ist ein Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber der Novemberbefragung 2006.

Insbesondere von Produktinnovationen versprechen sich die Assekuranzen wichtige Impulse für den Wettbewerb. 26,3 Prozent sehen daher in neuen Marktleistungen eine der wichtigsten Herausforderungen der nahen Zukunft. Das ist das Ergebnis der Studie „Insurance Trend“ von Steria Mummert Consulting, die in Kooperation mit der Fachzeitschrift „Versicherungsmagazin“ durchgeführt wurde.

In den kommenden zwölf Monaten rechnen die Umfrageteilnehmer daher mit sehr hohen Kosten zur Erweiterung des Produktangebots. Insbesondere im Boommarkt Vorsorge werden neue Angebote entwickelt. 64,7 Prozent der Versicherer setzen dabei auf neue fondsgebundene Produkte. Der Grund: Banken verkaufen verstärkt Fondsprodukte mit Garantieverzinsung und treten so in direkte Konkurrenz zu den Versicherern. Dabei wird die Auswahl der Fondstitel für die Bankkunden sehr flexibel gestaltet.

Die Versicherer versuchen sich an diese Wettbewerbssituation anzupassen und ziehen nach. 60,8 Prozent wollen zudem mit neuen Seniorenprodukten für die Generation 50 plus punkten. Insbesondere der Vertrieb sieht in neuen Rentenprodukten einen wirksamen Ansatzpunkt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Dabei sprechen sich 41,3 Prozent für neue Rentenprodukte mit flexiblem Auszahlungszeitpunkt aus. 30,4 Prozent planen ein Angebot mit garantiertem Rentenfaktor.

Bei der Produkteinführung drückt der Vertrieb aufs Tempo: 38,8 Prozent der Befragten wollen den Entwicklungszeitraum bis zur Produktionsaufnahme in weniger als 80 Tagen realisieren. Mehr als ein Viertel der Vertriebsexperten planen sogar, innerhalb von 50 Tagen nach Beginn der Produktgestaltung mit den neuen Angeboten am Markt zu sein. In diesen ehrgeizigen Zielen spiegelt sich der Strategieschwerpunkt vieler Versicherer wider, die Time-to-Market-Prozesse zu beschleunigen.

Hintergrundinformationen

Der Berichtsband „Insurance Trend“ stellt die Ergebnisse einer Online-Befragung dar, die im Auftrag von Steria Mummert Consulting in Kooperation mit der Fachzeitschrift „Versicherungsmagazin“ und dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung durchgeführt wurde. Im Zeitraum vom 4. April bis zum 31. Mai 2007 wurden 146 Fach- und Führungskräfte zum Geschäftsklima befragt.

[Quelle: Steria Mummert Consulting]

Handel: Deutsche Verbraucher schätzen Preise oft falsch ein

Viele Einzelhändler versuchen, die Kunden durch besonders günstige Preise zu locken. Dabei entgehen ihnen durch unnötige Preisreduktionen Gewinne in Millionenhöhe. Denn die individuelle Wahrnehmung des Kunden hat viel mehr Einfluss auf eine Kaufentscheidung als die reale Preispositionierung. Daher ist die Investition in eine verbesserte Preiskommunikation die wirksamere und günstigere Alternative zu Preisreduktionen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie “Preispositionierung und Preiswahrnehmung: Die Erwartung des Kunden erfolgreich managen” von der internationalen Strategieberatung OC&C Strategy Consultants.

Kunden verschätzen sich leicht

Die Studie macht deutlich, dass sich der Kunde je nach Branche um bis zu 30 Prozent im Preis verschätzt. Gerade bei Verbrauchern in Deutschland gibt es im Hinblick auf die Preiswahrnehmung viel Nachholbedarf. Denn sie verschätzen sich im Schnitt um 12,5 Prozent und neigen vor allem dazu, die Preise niedriger zu schätzen, als sie tatsächlich sind. Christian Ziegfeld, Principal bei OC&C, hat festgestellt:

"Das ist eine Auswirkung der aggressiven Preiskämpfe und Rabattschlachten, die in Deutschland seit 2001 stattgefunden haben. Diese haben das Gefühl für den 'realen' Preis beim Verbraucher stark verzerrt.”

In Ländern wie Frankreich und Großbritannien, in denen der Schwerpunkt in der Preiskommunikation nicht auf möglichst günstigen Preisen liegt, funktioniert die Preiswahrnehmung deutlich besser als in Deutschland. Dort verschätzen sich die Kunden im Schnitt nur um 7,5, bzw. 8,4 Prozent.

Der Kunde ist dennoch „nicht blöd“

Trotz der angesprochenen Defizite hat der Kunde generell ein gutes Gespür für die Preispositionierung der Händler. Bei 68 Prozent aller Händler schätzt er die Preisposition richtig ein. In Branchen mit hohem Anteil an Marken und direkt vergleichbaren Artikeln ist die Treffgenauigkeit des Kunden besonders hoch. So ist der Kunde in der Lage das Preisniveau eines Händlers im Bereich der Unterhaltungselektronik mit 3,3 Prozent Abweichung zu schätzen (Parfümerie 1,8 Prozent, Lebensmitteleinzelhandel 4,2 Prozent und Do-It-Yourself mit 6,0 Prozent). In Branchen, in denen die Produkte aufgrund unterschiedlicher Qualitäten und Modegrade deutlich schwerer miteinander vergleichbar sind, ist die Schätzungenauigkeit deutlich höher. Zu nennen sind hier beispielsweise der Bereich Schuhe mit 28,5 Prozent, Textil mit 23,5 Prozent oder Sport mit 13,1 Prozent Abweichung.

Lidl und Plus: Die große Wirkung der „kleinen Preise“

Bei der Preispositionierung und Preiswahrnehmung im Bereich des Lebensmitteleinzelhandels fällt auf, dass Plus im Vergleich zu Lidl trotz eines höheren Preisniveaus als günstiger wahrgenommen wird. Dafür sind zwei wesentliche Gründe verantwortlich:

  1. Das erfolgreich umgesetzte, ganzheitliche Konzept der „kleinen Preise“ bei Plus sowie
  2. die Auswirkungen der Filialpolitik und Filialpräsentation auf den Kunden.

Die intensive Kommunikation einer einfachen und mit dem Handelsunternehmen untrennbar verknüpften Preisbotschaft hat eine positive Auswirkung auf die Kundenwahrnehmung. Beeindruckend an dem Beispiel Plus ist besonders, mit welcher Intensität und Ganzheitlichkeit das Konzept der „Kleinen Preise“ eingesetzt wird.

Media Markt und Expert – Was zählt mehr: Worte oder Taten?

Media Markt
Media Markt sticht mit einer konsequenten Preiskommunikation Wettbewerber aus.

Vergleicht man Media Markt und die Kooperation Expert, so lassen sich die unterschiedlichen Ansätze der Preiskommunikation und deren Auswirkungen klar erkennen. Während Expert mit seiner sehr sachlichen Werbekommunikation und seiner ebenso sachlich strukturierten Warenpräsentation als „Fachhändler“ auftritt, gelingt es Media Markt, sein „Saubillig“-Image ganzheitlich zu transformieren. Obwohl die erhobenen Preise um 3,7 Prozent über dem Marktdurchschnitt liegen, wird Media Markt vom Kunden als 1,0 Prozent günstiger als der Markt wahrgenommen. Im Gegenzug wird Expert trotz des im Vergleich günstigsten Preisniveaus (3,1 Prozent unter dem Marktdurchschnitt) vom Kunden als 3,7 Prozent teurer als der Markt wahrgenommen.

Saturn: Ist Geiz noch geil?

Saturn wird trotz der intensiven Kommunikation der Botschaft „Geiz ist geil!“ und eines günstigeren Preisniveaus als teurer wahrgenommen als Media Markt. Dies lässt sich insbesondere auf zwei Gründe zurückführen. Zum einen verkörpert die „Geiz ist geil!“-Kampagne neben der Preiswürdigkeit durch die futuristische Darstellung auch das Thema „Technologie“, während sich Media Markt mit der „Saubillig“-Kampagne rein auf die Preiskommunikation beschränkt. Zum anderen wird die Wahrnehmung von Saturn durch den im Vergleich höheren Anteil an Innenstadtlagen beeinflusst. Der Kunde schätzt Innenstadtlagen aufgrund des Handelsumfeldes typischerweise als teurer ein als beispielsweise Fachmarktlagen.

Was können Händler tun?

Aktives Steuern des Preisimages lohnt sich. Handelsunternehmen, die sich in ihrer Kommunikation intensiv und explizit mit dem Thema „Preis“ auseinandersetzen, beeinflussen die Preiswahrnehmung des Kunden positiv. Insbesondere einfache, dauerhaft genutzte, wiedererkennbare und eng mit dem Händler verknüpfte Preiskonzepte und Preisaktionen zeigen eine hohe Wirkung. Eine effiziente Preisstrategie und Preiskommunikation sind wirkungsvoller als der “richtige Preis”. Eine aktive und effiziente Steuerung der Preiswahrnehmung kann einen größeren Einfluss auf den Kunden haben als eine um mehrere Prozentpunkte günstigere Preispositionierung. Mit aktiver Steuerung der Preiswahrnehmung können so Marge und Ergebnis spürbar verbessert werden.

Hinweis

In der Untersuchung von OC&C Strategy Consultants wurde die Preiswahrnehmung von 132 Einzelhändlern in fünf Ländern gemessen: Deutschland, Frankreich, Niederlande, Großbritannien und den Vereinigten Staaten.

Folgende Branchen wurden untersucht: Unterhaltungselektronik, Lebensmitteleinzelhandel, Sport, Do-It-Yourself, Schuhe, Parfüm und Textileinzelhandel.

Die Bewertung der Preispositionierung basiert auf dem Preis eines branchenspezifischen Warenkorbs. Der Warenkorb enthält jeweils ein Mix aus konkreten Produkten, wie im Bereich Do-It-Yourself dem Bosch Akkuschrauber PSR 14,4V Li, als auch teilspezifizierten Produkten, wie dem günstigsten Buchenlaminat, enthält. Hierdurch fließen in die Preisposition nicht nur die Kalkulation des Händlers, sondern auch seine Sortimentsgestaltung und seine Sortimentsstruktur mit ein. Die Preiswahrnehmung der Kunden wurde anhand einer Online-Marktforschungsumfrage erhoben. Hierbei wurde die Preiseinschätzung für den jeweils relevanten Warenkorb abgefragt. Insgesamt flossen 65.000 Kundenbeurteilungen in die Analyse ein.

Erfolgsstrategien für Händler im Detail

Vergleicht man den „Category Killer“ Media Markt und die Kooperation Expert, so lassen sich die unterschiedlichen Ansätze der Preiskommunikation und deren Auswirkungen klar erkennen. Während Expert mit seiner sehr sachlichen Werbekommunikation und seiner ebenso sachlich strukturierten Warenpräsentation als „Fachhändler“ auftritt, gelingt es Media Markt, sein „Saubillig“-Image ganzheitlich zu transformieren.

Media Markt steuert die Preiswahrnehmung unter anderem mit folgenden Instrumenten:

  • intensive und „preisschreierische“ Kommunikation der Preiswürdigkeit mit wieder erkennbarem Konzept („Saubillig!“ und „Ich bin doch nicht blöd!“)
  • durchgängige Dominanz der Farbe Rot und plakativer Botschaften in der gesamten Kommunikation
  • intensive Nutzung von Visual Merchandising-Elementen in der Filiale
  • Herausstellung von wenigen, hart kalkulierten Eckartikeln in den Filialen (z.B. über Kopfendenpräsentation)

In der Summe gelingt es Media Markt hierdurch, dass sich das im Vergleich höchste Preisniveau nicht in der Preiswahrnehmung niederschlägt. Obwohl die erhobenen Preise um 3,7 Prozent über dem Marktdurchschnitt liegen, wird Media Markt vom Kunden als 1,0 Prozent günstiger als der Markt wahrgenommen. Im Gegenzug wird Expert trotz des im Vergleich günstigsten Preisniveaus (3,1 Prozent unter dem Marktdurchschnitt) vom Kunden als 3,7 Prozent teurer als der Markt wahrgenommen.

Do-It-Yourself: Praktiker steuert die Preiswahrnehmung besonders effektiv

Das Praxisbeispiel des Bereiches Do-It-Yourself in Deutschland zeigt, wie die Kundenwahrnehmung mithilfe der Preiskommunikation erfolgreich beeinflusst werden kann. Während Hornbach bei der Erhebung mit seinen Preisen um 8,1 Prozent unterhalb des Marktdurchschnittes liegt und hiermit der günstigste Anbieter ist, liegen Bauhaus und Max Bahr nur leicht unter dem Marktdurchschnitt, dagegen Obi um 4,3 Prozent und Praktiker um 5,3 Prozent oberhalb des Marktdurchschnittes.

Betrachtet man die Preiswahrnehmung, so zeigt sich, dass der Kunde alle Anbieter, mit Ausnahme von Praktiker, richtig einschätzt. Hornbach wird als eindeutig günstigster Anbieter wahrgenommen, Bauhaus und Max Bahr liegen etwa im Marktdurchschnitt, und Obi wird als höherpreisiger wahrgenommen. Die höhere Preispositionierung von Praktiker wird vom Kunden jedoch nicht wahrgenommen, dieser schätzt Praktiker exakt als „Marktdurchschnitt“ ein.

Der wesentliche Hebel für die positive Preiswahrnehmung von Praktiker scheint in der werblichen Preiskommunikation zu liegen. Diese unterscheidet sich deutlich von der Preiskommunikation von Obi, Max Bahr und Bauhaus. Die intensive und explizite Auseinandersetzung mit dem Thema „Preis“ und der Fokus der Außenkommunikation auf seine „20% auf alles“-Aktionen beeinflusst die Preiswahrnehmung positiv. Dieses einfache, erkennbare und unwiderruflich mit Praktiker verbundene Preisinstrument beeinflusst die Wahrnehmung des Kunden deutlich stärker, als die Herausstellung der Preise einzelner Werbeartikel oder die für den Kunden oft schwer differenzierbaren Preisgarantien, wie sie von den meisten anderen Baumärkten eingesetzt werden. Die einfache und sehr intensiv penetrierte Botschaft „20% auf alles“ hat sich bei den Kunden fest verankert und beeinflusst die Preiswahrnehmung spürbar.

Lebensmittel: Plus günstiger als Lidl? Die große Wirkung der “kleinen Preise”

Bei der Preispositionierung und Preiswahrnehmung im Bereich des Lebensmitteleinzelhandels fällt auf, dass Plus im Vergleich zu Lidl trotz eines höheren Preisniveaus als günstiger wahrgenommen wird. Dafür sind zwei wesentliche Gründe verantwortlich: Das erfolgreich umgesetzte, ganzheitliche Konzept der „kleinen Preise“ bei Plus sowie die Auswirkungen der Filialpolitik und Filialpräsentation auf den Kunden. Wie schon die Beispiele von Praktiker und Media Markt gezeigt haben, hat die intensive Kommunikation einer einfachen und mit dem Handelsunternehmen untrennbar verknüpften Preisbotschaft eine positive Auswirkung auf die Kundenwahrnehmung. Beeindruckend an dem Beispiel Plus ist jedoch, mit welcher Intensität und Ganzheitlichkeit das Konzept der „Kleinen Preise“ eingesetzt wird.

Verglichen mit der intensiven Penetration der „Kleinen Preise“ wirkt eine Lidl-Filiale nahezu steril und ruhig. Zugute kommt der Preiswahrnehmung von Plus auch die Eigenschaft, dass Kunden enge und tendenziell überfüllte Filialen typischerweise als günstiger wahrnehmen als helle, sortierte und aufgeräumte Filialen mit breiten Gängen. Neben der weniger intensiven und individuellen Kommunikation der Preisbotschaft führt die oft sehr aufgeräumte und klar strukturierte Atmosphäre vieler Lidl-Filialen dazu, dass Lidl von den Kunden nur als Marktdurchschnitt wahrgenommen wird. Und das, obwohl Lidl das mit Abstand günstigste Preisniveau bietet.

Textil- und Schuheinzelhandel: Der Kunde unterschätzt die real existierenden Preisunterschiede

Die Ergebnisse im Schuheinzelhandel zeigen die sehr unterschiedliche Positionierung der einzelnen Anbieter im Markt. Zudem zeigt sich, dass der Kunde die Konzept- und Preisunterschiede von der Tendenz her sehr treffgenau einschätzt. Die Eigenmarkenanbieter Deichmann und Reno haben das mit Abstand günstigste Preisniveau und werden vom Kunden auch als günstig wahrgenommen. Görtz 17 als auf das mittlere bis obere Preissegment fokussierter Händler mit hohem Markenanteil wird entsprechend vom Kunden als vergleichsweise teuer wahrgenommen. Und Hess als Markenanbieter ohne den Premiumanspruch von Görtz 17 wird vom Kunden passend als Marktdurchschnitt eingeschätzt.

Die Wahrnehmung des Kunden zeigt jedoch, dass dieser, obwohl er die Tendenz sehr richtig und treffgenau einschätzt, dazu neigt, den real existierenden Preisunterschied stark zu unterschätzen. Zwar ordnet er Görtz 17 im Vergleich zu Deichmann als deutlich teurer ein. Trotzdem erwartet er nicht, dass die günstigsten schwarzen Ballerina Pumps bei Görtz 17 den Deichmann-Preis um das Dreifache übersteigen. Die Tendenz des Kunden, die realen Preisunterschiede systematisch zu unterschätzen, zeigt sich insbesondere in den Branchen, in denen die Preise einzelner Produkte aufgrund sehr unterschiedlicher Qualitäten, Materialien oder Modegrade nur sehr bedingt miteinander vergleichbar sind. Hierzu zählt neben dem Schuheinzelhandel zum Beispiel auch der Textileinzelhandel.

Die starke Wechselwirkung von Filialstandard und Kundenwahrnehmung bzw. Kundenreaktion hat im deutschen Textileinzelhandel bereits dazu geführt, dass der Präsentationsstandard auch vieler günstiger Anbieter bereits sehr hoch ist. Betrachtet man die Filialen von Zara oder C&A, so ist die Ausstattung (Beleuchtung, Boden, Warenträger etc.) verglichen mit anderen Branchen trotz der niedrigen Preislage auf einem sehr hohen Niveau. Führenden Mono-Label-Anbietern wie Esprit gelingt es sogar, durch eine sehr hochwertige Präsentation und die Herausstellung einzelner Zielkundensegmente eine fast schon exklusive Wahrnehmung beim Kunden zu erlangen.

[jf; OC&C Strategy Consultants; Bild: Photocase.com]

Dabeisein: Chancen in der virtuellen Welt von Second Life

Aller Anfang ist schwer, damit hat auch Second Life zu kämpfen. Kritik an der Geschwindigkeit, Stabilität und an der Benutzeroberfläche ist berechtigt, das ist ein Ergebnis des ersten Euroforum-Second-Life-Kongresses Mitte vergangenen Monats in München. Zwar ist Second Life derzeit noch die nutzerstärkste virtuelle Welt, von Spielen einmal abgesehen, aber die Anzahl der aktiven Nutzer stagniert derzeit bei zirka 500.000 weltweit. Deutschland ist mit rund 50.000 aktiven Nutzern auf Platz zwei hinter den USA und damit stärkste Community in Europa.

Ein Anlass, Second Life einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Virtuelle Welten sind ein Beteiligungs- und kein Reichweitenmedium. Der Interaktionsgrad ist bei virtuellen Welten sehr viel höher als bei reichweitenorientierten Medien wie zum Beispiel Web 1.0 und nicht jeder Internetnutzer ist bereit sich hierauf einzulassen. Christian Bachem, Partner bei der unabhängigen Strategieberatungsfirma companion, empfiehlt Crossmedia-Kampagnen als intelligente Verbindung von Reichweiten- und Beteiligungsmedien. Mit virtuellen Welten werde eine Intensität in der Kundenbeziehung erreicht, die mit keinem anderen Internetansatz bislang erreicht wurde.

Digitale Welten sind kein Hype

Weltkugel
Zukunftsaussichten: Bald wird die Mehrheit der Internet-Nutzer ein "zweites Leben" führen

Doch Second Life bekommt Konkurrenz. Mächtige Anbieter wie beispielsweise Sony mit der auf Computerspieler fokussierten virtuellen Welt "Home" und die Kooperation aus Electronic Arts und Endemol zur Zweitvermarktung von Medienformaten in "Virtual Me" stehen in den Startlöchern und werden Second Life durch modernere Technik und bessere Grafik Paroli bieten. Große Fernsehgesellschaften bringen sich in Anbetracht schwindender Zuschauerzahlen in Position, um mittels digitaler Welten aus Zuschauern Teilnehmer zu machen und so stärker zu binden. Wie Thomas Schildhauer, Leitender Direktor des Institute of Electronic Business e.V., berichtete, sind auch die Big-Player Google und Microsoft sehr aktiv. Google erlaubt seit Anfang Juli Plakatwerbung in Google Earth und stellt mit "Google Street View" Fotomaterial ausgewählter Straßenszenen dar.

Offen blieb die Frage nach der Konvergenz dieser unterschiedlichen Ansätze. Sicher ist bislang nur, dass es viele unterschiedliche digitale Welten geben wird und es sich dabei nicht um einen flüchtigen Hype handelt. Im Gegenteil: Virtuelle Welten werden die Art und Weise des Umgangs mit dem Internet dauerhaft beeinflussen. Laut einer Gartner-Studie vom April 2007 werden 80 Prozent aller aktiven Internetnutzer im Jahr 2011 ein Second Life haben. Dazu sagt Thomas Schildhauer:

"Bislang handelt es sich bei den digitalen Welten zwar noch um ein Nischen-Phänomen, die Nutzerzahl verdoppelt sich aber alle zwei Jahre."

Die Experten beziffern derzeit das Potenzial auf 30 bis 80 Millionen Nutzer weltweit. Voraussetzung für den langfristigen Erfolg digitaler Welten sind aber Standards, die es ermöglichen, mit einem Browser unterschiedliche Angebote zu nutzen. Aber auch hier steht die Entwicklung noch am Anfang. Bis dann das so genannte Web 3.0, also digitale Welten oder beispielsweise semantische Netze zu unserem täglichen Leben gehören, wird noch einige Zeit vergehen.

Auf der Konferenz berichteten zahlreiche Unternehmen über ihre Erfahrungen mit Second Life und wie sie die virtuelle Welt heute bereits nutzen. Thomas Siegner, Marketingleiter der Softlab Group, stellte seine Second Life-Erlebnisse als Führungskraft eines IT-Unternehmens vor. Er habe sich vom Skeptiker zum Befürworter entwickelt, berichtet er. Dabei sind die Besucherzahlen des Firmenauftritts sehr überschaubar. Innerhalb von drei Monaten besuchten nur 1.400 Second Life-User das Angebot der Softlab Group. Bei einer von Studenten der FH München vollständig in Eigenleistung realisierten Recruiting-Veranstaltung nahmen gerade einmal 40 Bewerber teil. Wie bei vielen Second Life-Projekten ist die mediale Wirkung außerhalb des Second Life sehr viel größer. So wurde das Video der Recruiting-Veranstaltung bei You-Tube 284.000 Mal betrachtet.

Unternehmen sollten virtuell aktiv werden

Sven Dörrenbächer, Leiter Digitale Kommunikation bei Mercedes-Benz PKW, zog ebenfalls eine positive Bilanz des Second Life-Engagements seines Unternehmens. 100.000 Avatare besuchten über einen Zeitraum von drei Monaten die Ausstellung der neuen C-Klasse. Noch intensiver beschäftigten sich 24.000 Testfahrer mit dem Auto, sie nahmen im Second Life an einer 15-minütigen Testfahrt teil. Das Interesse an der neuen C-Klasse war zeitweilig so groß, dass Shopping-Mall- und Community-Betreiber bei Mercedes-Benz um die Ausstellung des Fahrzeugs auf ihrem Land im Second Life baten. Doch virtuelle Welten bergen auch Risiken. Auf Publicity ausgelegte Projekte, stagnierende Nutzerzahlen in Europa und Pressemeldungen über zuviel Sex, Gewalt und Pädophilie drängen die Frage auf, ob reale Firmen jetzt noch in Second Life einsteigen sollten. Matthias Schultze, Leiter CRM & Neue Medien der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, sagt:

"Den gleichen Effekt wie zum Anfang des Jahres wird man derzeit in Deutschland nicht mehr erreichen können."

Abwarten und Beobachten sei im Hinblick auf die Potenziale digitaler Welten aber nicht die richtige Entscheidung, so die Referenten. Vielmehr sollten jetzt Auftritte und Aktionen in virtuellen Welten durchgeführt und schnellstmöglich Wissen aufgebaut werden. Jedes Unternehmen sollte für sich klären, wie es sich optimal in digitalen Welten präsentiert, wie es mit Besuchern und Kunden interagiert und welche der digitalen Welten das größte Potenzial bietet. Digitale Welten würden unser Leben verändern, mit Anwendungen, die sich heute noch keiner vorstellen kann.

[dw/Quelle: presseportal, Bilder: pixelio]

Mitmachen: Wir sind Internet - im Web 2.0

Sie können laufen, klatschen, winken und Emotionen zeigen, und sie sehen fast aus wie echte Menschen. Die kleinen Figürchen heißen Avatare und sind das Herzstück der Software weblin des Hamburger Web 2.0-Start-ups Zweitgeist GmbH. Das Unternehmen setzt voll und ganz auf Web-Kommunikation. Chatten auf jeder Webseite lautet dabei die Idee, die Nutzer sollen sich auf jeder Webseite in Form eines „virtuellen Ichs“ sehen können.

Der Hintergedanke: Wer sich zur gleichen Zeit am gleichen Ort im Netz aufhält, hat höchstwahrscheinlich die gleichen Interessen und möchte sich darüber mit Gleichgesinnten austauschen. Die Avatare, künstliche Personen beziehungsweise grafische Stellvertreter realer Person im Netz, stellen den menschlichen Bezug her. Geschäftsführerin Christine Stumpf sagt:

„Die Menschen wollen sich im Internet sehen, das hat man ihnen bisher verwehrt. Es ist schon etwas anderes, wenn die eigene Persönlichkeit durch eine sichtbare Figur repräsentiert wird. Da ist auch das Schamgefühl gleich viel höher.“

Für mitteilungsbedürftige Internet-Nutzer klingt das verlockend. Sich bei ebay über die neuesten Angebote oder bei Spiegel online über die letzten Top-Nachrichten zu unterhalten, lässt Chatter-Herzen höher schlagen. Zweitgeist, ehemals in Karlsruhe gegründet, ist für sein Geschäftsmodell unter anderem mit dem Innovationspreis Web 2.0 der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg ausgezeichnet worden und scheint mit weblin den Zeitgeist nicht nur der jüngeren Generation zu treffen. Von 10 bis 60 Jahren sind alle Altersgruppen vertreten. Einen Monat nach der Gründung hatten sich bereits 1.000 Nutzer registriert, heute liegt die Zahl nach Angaben von Christine Stumpf im fünfstelligen Bereich.

Web 2.0 lebt vom Mitmachen der Nutzer

Lexikon
Vorgefertigtes Print-Lexikon: Wikipedia lebt von den Einträgen der Nutzer

Web 2.0, das ist der Begriff, der die Internet-Nutzer heutzutage umtreibt. Ob Unternehmen oder Verbraucher, jeder, der sich im Web aufhält, wird früher oder später mit zentralen Kommunikationsformen wie Weblogs, Podcasts oder Videoblogs konfrontiert. Der Unterschied dieser neuen Features zur Dotcom-Zeit: Aktivität statt passives Konsumieren. Wer blogt, trägt selbst etwas zur inhaltlichen Erweiterung des World Wide Web bei, gestaltet mit, als Autor oder Kommentator. Anwendungsbeispiele gibt es mehr als genug, vom Online-Lexikon Wikipedia angefangen über die Kontaktbörse MySpace, der Videoplattform YouTube bis hin zur Fotodatenbank Flickr.

Aber gehen wir zunächst rund 20 Jahre zurück. Auch das Web hat seine Geschichte und mit Web 2.0 kehrt es wieder zu seinen Grundgedanken Freiheit und Offenheit zurück. In der grauen Web-Vorzeit, also etwa die Zeitspanne von 1988 bis 1995, wurde das Internet hauptsächlich der E-Mail und Datenkommunikation wegen genutzt. Dann kam die Version 1.0 mit statischem HTML und klassischen Webseiten. Die Dotcom-Zeit von 1996 bis 2001 generierte das Web 1.5. Jetzt wurden die Webseiten dynamisch und interaktiv. Shops, Communities und Foren kämpften um ihre Nutzer. Die Mitwirkungsmöglichkeiten des Einzelnen waren dabei nur sehr eingeschränkt möglich. Heute wird geblogt, was das Zeug hält. Möglich machte das auch die so genannte Open Source-Bewegung.

Stichwort

Open Source ist Software, die unter einer von der Open Source Initiative (OSI) anerkannten Lizenz steht. Die OSI stützt sich bei der Bewertung auf die Kriterien der Open Source-Definition. Diese geht weit über die Verfügbarkeit des Quelltexts hinaus und ist fast deckungsgleich mit Freier Software, das heißt der Quelltext muss auch offen für Bearbeitung und Weiterverbreitung sein. Open Source-Software zeichnet sich durch folgende drei Merkmale aus:

  • Der Quelltext liegt in einer lesbaren und verständlichen Form vor.
  • Die Software darf beliebig kopiert, verbreitet und genutzt werden.
  • Die Software darf verändert und in der veränderten Form weitergegeben werden.

Der Begriff Freiheit in Bezug auf Web 2.0 mag etwas hochgestochen klingen, meint jedoch die Fähigkeit des Nutzers, mit seinen Daten so zu verfahren wie er es gerne möchte. In Form des sogenannten „Personal Publishing“ kann er eigene Inhalte veröffentlichen. Hinzu kommen „Social Networks“, also die Abbildung sozialer Beziehungen zwischen den Nutzern im Netz. Sie erzeugen eine virtuelle Präsenz der Nutzer auf der entsprechenden Webseite. Bei Zweitgeists Software wird diese Präsenz beispielsweise durch die Avatare „vermenschlicht“.

Das World Wide Web und seine Ausprägung „2.0“ stellt folglich die Nutzer in den Mittelpunkt. Aktivität statt Passivität lautet die Devise. Es ist nicht mehr wichtig, welche Programme auf einem Rechner laufen, sondern das Internet wird selbst zur Anwendung. Lokale Datenhaltung geht zunehmend verloren, stattdessen liegen die Inhalte mehr und mehr im Netz. Mit "Social Bookmarking", "Social Web" und "Social Software" werden Inhalte und Menschen vernetzt nach dem Motto: Zusammen sind wir stark. Heraus kommt dann beispielsweise ein „lebendiges“ Online-Lexikon wie Wikipedia, bei dem viele Menschen Inhalte einstellen und diese sich durch entsprechende Verlinkungen quasi selbst vernetzen.

Ende letzten Jahres kam eine Analyse der Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton zu dem Ergebnis, dass die technologische und inhaltliche Weiterentwicklung des Internets hin zum Web 2.0 das Leben und das Einkaufsverhalten breiter Bevölkerungsschichten dramatisch und unaufhaltsam verändern wird. Die Studie untersuchte zum ersten Mal umfassend das Nutzerverhalten von Web 2.0. Heraus kam, dass rund 12,4 Millionen Deutsche aller Altersgruppen, unabhängig von Geschlecht oder Ausbildung, interaktive und partizipative Anwendungen wie Communities, Blogs oder virtuelle Kontaktbörsen nutzen. Bereits 50 Prozent davon verlassen sich bei ihren Kaufentscheidungen auf Empfehlungen in Web 2.0-Foren.

Fakten, die Folgen für die Internetökonomie haben. Will heißen: Die weiter steigende Akzeptanz und Nutzung von Web 2.0-Diensten ist ein wichtiger Treiber der kontinuierlichen Verschiebung von Offline- zu Onlineaktivitäten. Beliefen sich im Jahr 2005 die Gesamtumsätze für E-Commerce, Werbung und kostenpflichtige Dienste noch auf 17,1 Milliarden Euro, geht das Beratungsunternehmen bereits für 2008 von einem Gesamtvolumen von 39,5 Milliarden Euro für Internetservices in Deutschland aus. Stefan Eikelmann, Geschäftsführer bei Booz Allen Hamilton und Internetexperte, warnt:

„Das Web 2.0 führt im Wesentlichen zu einer Umsatzverschiebung innerhalb eines wachsenden Internet-Marktes und teilweise auch Kannibalisierung traditioneller Internet-Dienste und Umsätze.“

E-Mail aufs Handy
E-Mail aufs Handy: Die Nachfrage nach mobilen Web 2.0-Lösungen steigt

Auch Medien- und Telekommunikationsanbieter müssten auf diesen Trend reagieren, um langfristig zu überleben. Die Studie belegt eine konkrete Gefahr für die Branchengrößen durch Web 2.0-Anwendungen und IP-basierte Kommunikationskanäle wie Internet-Telefonie und Instant Messenger. Allein in Deutschland sei bei den traditionellen Telekommunikationsanbietern ein Umsatzvolumen von rund 1,7 Milliarden Euro in Gefahr.

Doch es gäbe auch Chancen für neue Geschäftsmodelle und Anwendungen. Die Umfrage zeige eine deutliche Nachfrage nach mobilen Web 2.0-Diensten. So gaben 58 Prozent der deutschen Nutzer der Kontaktbörse MySpace an, das Angebot auch von unterwegs zu nutzen. Der Wehrmutstropfen dabei: Mittelfristig würden nur einige der neuen Modelle und Anbieter überleben, wobei die großen und etablierten Unternehmen in der besten Ausgangsposition seien, um von Web 2.0 zu profitieren. Langfristig seien nur die Geschäftsmodelle erfolgreich, die durch eine konsequente Ausrichtung des Angebotsportfolios eine kritische Masse an Nutzern gewinnen, damit relevante Netzwerkeffekte erreichen und die Kunden langfristig an sich binden könnten.

„Social Commerce“: Chance für den Handel

Obwohl dem Web 2.0 keine grundlegenden technischen Neuerungen zugrunde liegen, haben Dinge wie Offenheit oder Mitwirkungsmöglichkeiten gravierende Auswirkungen für die künftige Nutzung des Internets als Werbe- und Kommunikationsmedium. Die nachfolgende Tabelle zeigt die verschiedenen Webgenerationen und deren Eigenschaften:

Quelle: PricewaterhouseCoopers, in Anlehnung an Jesko Arlt (2006)

Web-
Generation

0.5

1.0

2.0

Bezeichnung

Technisches Web

Werbliches Web

Soziales Web

Anwender

Experten

Handel/ Kunden

Menschen

Fokus

Know-how/ Organisation

Klick-Raten/ Produkte

Meinungsbildung/ Community

Beziehungen

B2B

B2C

C2C

Effekt

Rationalisierung

Infotainment

Sozialisation

Methode

Rationalisierung

Quantifizierung

Quantifizierung

Im Web 2.0 verändert sich neben der Mediennutzung auch das Konsumverhalten. Neu ist, dass sich Konsumenten bei ihrer Kaufentscheidung immer stärker an persönliche Empfehlungen anlehnen als sich durch klassische Werbebotschaften beeinflussen zu lassen. Nach Angaben der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) gewinnen Blogs als Informationsquelle bei Kaufentscheidungen eine immer wichtigere Rolle.

Auch Produktangebote würden sich auf viele verschiedene Webseiten und Blogs verteilen, der Handel werde dezentralisiert und Kunden würden selbst zu Händlern. eBay sei da nur der Anfang der Entwicklung gewesen. Künftig werde es beim E-Commerce nicht mehr nur um den reinen Verkauf über das Internet gehen, sondern um die Integration des Kunden in die Kommunikation mit dem Unternehmen. „Social Commerce“ heißt diese Strömung, die den klassischen Online-Vertrieb um Netzwerke und Communities erweitert. Online-Shops würden so immer öfter zu Orten sozialer Interaktion. Es gehe vor allem um die Vernetzung von Konsumentenmeinungen, Konsumentenbeteiligung und Online-Shopping. Kai Michael Beckmann, Handels- und Textilexperte bei PwC, erläutert:

„Unternehmen können diese zunehmende Vernetzung zu ihren Gunsten nutzen, um ihren Online-Vertrieb zu unterstützen.“

Wer also als Kunde beispielsweise über ein Forum die Möglichkeit erhält, in Dialog mit dem Unternehmen zu treten, ist nicht mehr bloß Konsument eines Produkts oder einer Dienstleistung. Laut PwC wird der Kunde dann gleichzeitig zur Informationsquelle, zum Vertriebsorgan und zum Verkäufer. Wichtig sei, dass die Unternehmen mit der Bereitstellung von Mitwirkungsmöglichkeiten keine Zeit verlieren, denn habe sich erst einmal ein Pionier etabliert, hätten Nachzügler aufgrund der Trägheit der Masse kaum noch eine Chance.

Auch in Bezug auf die Kundenbindung ist die direkte Kommunikation beziehungsweise Interaktion mit den Kunden von Bedeutung. Wer auf einer persönlichen Ebene agiert, fördert die Loyalität seiner Kunden. Und wer sich sicher sein möchte, dass sein Produkt später auch wirklich ankommt, der kann dessen Kunden- und Marktakzeptanz sicherstellen, indem er die Kunden bereits in den Entstehungsprozess beziehungsweise die Produktentwicklung mit einbezieht.

Droht eine neue Internet-Blase?

Sauerstoffblase, Hype
Web 2.0-Blase? Noch ist nicht abzusehen, ob der Hype scheitert

Bei allen Chancen und Potenzialen gibt es aber auch Risiken im neuen Web 2.0. Der Grund: Die Nutzer sind nicht berechenbar. So können Botschaften über Blogs oder Communities verbreitet werden, die ein Unternehmen schädigen oder zumindest vom Kauf bestimmter Produkte abraten – virales Marketing, wie es sich wohl die wenigsten Unternehmen wünschen.

Der größte Anlass zur Sorge bietet aber der Gedanke an einen zweiten Dotcom-Gau. Ein Indikator könnten die zahlreichen Übernahmen von Start-ups der Web 2.0-Branche sein: So zahlte Yahoo im Frühjahr 2005 für den Fotodienst Flickr rund 40 Millionen Euro. Im Sommer des gleichen Jahres erwarb Rupert Murdoch die Online-Kontaktbörse MySpace für 580 Millionen US- Dollar. Schließlich schlug Google im Herbst vergangenen Jahres zu und sicherte sich für 1,65 Milliarden US-Dollar die Videoplattform YouTube. Richard Parsons, CEO von Time Warner, äußerste sich besorgt über die verstärkten Venture Capital-Aktivitäten und über die Gefahren des Nachahmens von Geschäftsmodellen:

„Wir könnten uns durchaus in einer zweiten Internetblase befinden. Doch wer garantiert, dass nicht morgen ein anderes Unternehmen kommt, das eine neue Internetseite aus dem Boden stampft, wo jeder hinrennt?“

Eine Gegenüberstellung von Argumenten für oder gegen das Drohen einer neuen Internet-Blase bringt ein wenig Licht ins Dunkel der künftigen Entwicklung von Web 2.0: Der zweite Hype unterscheidet sich vom ersten dadurch, dass damals viele Start-ups zwar an der Börse sehr hoch bewertet waren, in der Realität jedoch verschwindend geringe Umsätze und Verluste machten. Das ist heute anders. Einige Unternehmen wählen den ganz „normalen“ Weg und betreten erst dann das Börsenparkett, wenn sie schwarze Zahlen schreiben.

So zum Beispiel Lars Hinrichs und seine Internet-Plattform XING. Nachdem die Dotcom-Blase geplatzt war, gründete er das Netzwerk für Beruf und Karriere, OpenBC, und setzte auf Mitgliedsbeiträge statt auf Werbung. Als er in die Gewinnzone kam, ging er unter dem Namen XING an die Börse.

Zudem haben viele große der Branche aus der Dotcom-Pleite ihre Lehren gezogen und sind bei Übernahmen vorsichtiger geworden. Nicht mehr jedes beliebige Start-up-Unternehmen findet einen Käufer, nur weil es im Internet-Geschäft agiert. Wichtig ist, dass das Konzept zum Portfolio des Übernahmeunternehmens passt und die Aussicht auf Gewinne besteht. Hinzu kommt: Im Gegensatz zum ersten Hype ist es heute um einiges preiswerter, ein Web-Projekt auf die Beine zu stellen. Der Grund: Die Kosten für Hardware fallen und vieles läuft über OpenSource-Software.

Für eine neue Internet-Blase könnte sprechen, dass oftmals kein vernünftiges Geschäftsmodell zu erkennen ist. Beispiel Google und YouTube: Die Video-Plattform macht, wenn überhaupt, nur sehr wenig Gewinn, und das über Werbung. Ob das auf Dauer ausreicht, scheint mehr als fraglich. Ein anderer Punkt sind die Zahlungsmodalitäten bei Übernahmen. Obwohl Kapazitäten wie beispielsweise Google ausreichend Kapital zur Verfügung haben, werden Übernahmen meist mit Aktien finanziert. Der Kauf von YouTube war so ein Fall. Ein solches Vorgehen ist jedoch relativ riskant, da Aktienkurse bekanntlich sehr schnell und unerwartet einbrechen können. Überdies tummeln sich auf dem Web 2.0-Markt viele Produkte, die sich ähneln und relativ problemlos zu kopieren sind. Für den rastlosen Internet-Nutzer, also letztlich den Kunden, ist es einfach, das nächste Mal flugs zu einem anderen Angebot zu wechseln. Sollte das besser sein, ist er ganz schnell weg – zum Schaden des ursprünglichen Anbieters.

Web 2.0 steigert die Effizienz in Unternehmen

Allen Unkenrufen zum Trotz sieht das Analysten- und Beratungshaus Berlecon ein enormes Potenzial von Web 2.0-Anwendungen im internen Unternehmenseinsatz. Das Ergebnis des aktuellen Reports „Web 2.0 in Unternehmen“ zeigt: Unternehmen profitieren vom Einsatz von Web 2.0-Technologien in der Kommunikation, im Wissensmanagement und in der internen Zusammenarbeit. Nicole Dufft, Geschäftsführerin von Berlecon Research, meint dazu:

"Web-2.0-Anwendungen können den internen Informationsfluss im Unternehmen effizienter machen. So wird ein Großteil der internen Kommunikation heute per E-Mail abgewickelt, und Informationen werden unter anderem über die beliebte CC-Funktion an große Gruppen verteilt, ohne dabei die tatsächliche Relevanz für die Empfänger zu berücksichtigen. Diese Praxis resultiert in überfüllten Posteingängen und weniger zeitkritischen E-Mails. Solche mit nachgelagerter Priorität werden oft gelöscht oder verschoben. Dabei können wichtige Informationen verloren gehen."

Hinweis

Was Web 2.0 speziell für kleine und mittelständische Unternehmen bringt, lesen Sie in unserem Gastbeitrag Web 2.0: Chancen für kleine und mittelständische Unternehmen [363] .

Bei der Nutzung von Web-2.0-Anwendungen hingegen werde die Informationsverteilung umgekehrt und der Empfänger entscheide gezielt darüber, wann er welche Informationen unter Nutzung von Feeds abruft.

Einen weiteren Vorteil sehen die Berliner Analysten in der Optimierung des Wissensmanagements. Informationen verbleiben nicht mehr bei einzelnen Mitarbeitern, sondern sind über Weblogs, Wikis und Social Bookmarks zentral verfügbar und können über Suchmaschinen abgefragt werden. Auch die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern über Abteilungen und Standorte hinweg wird durch Web-2.0-Anwendungen produktiver. So können Wikis beispielsweise als zentrale Projektplattform dienen: Projektplanung, Statusreports und Spezifikationen, sowie Links oder Dateien können im Wiki abgelegt werden. Die projektbezogenen Informationen sind für alle Beteiligten unabhängig von Ort und Zeit einsehbar und in Echtzeit aktualisierbar. Dokumente können gemeinsam erstellt und bearbeitet werden. Dufft ergänzt:

"Das Problem, dass verschiedene Versionen eines Dokumentes kursieren und womöglich die falsche Version bearbeitet wird, entfällt. Veränderungen sind umgehend sichtbar und alle Teilnehmer werden mit Feeds über Veränderungen informiert."

Die Herausforderungen bei der Umsetzung von Web 2.0 im Unternehmen seien weniger technologischer als vielmehr organisatorischer Natur, so die Schlussfolgerung der Analysten. So müssten Web-2.0-Anwendungen zielgerichtet und unter Berücksichtigung klarer Richtlinien und Standards eingeführt, von Anfang an in tägliche Arbeitsprozesse eingebunden und mit anderen Kommunikationskanälen integriert werden. Nicht zuletzt erforderten – und förderten – Web-2.0-Anwendungen eine offene, dialogfähige und kritische Unternehmenskultur. Ohne eine Kultur der Eigenverantwortung und der partnerschaftlichen Zusammenarbeit könnten sie ihr Nutzenpotenzial nicht entfalten. Folgende Grafik zeigt, worauf es bei der Umsetzung von Web 2.0-Konzepten ankommt:

Was mit Web 2.0 alles möglich ist, zeigt der Managementberatungsdienstleister Accenture. Das Unternehmen tritt mit potenziellen Bewerbern in persönlichen Kontakt und direkten Dialog. Das Ganze funktioniert so: Im Mittelpunkt der Initiative „Mit-Macher gesucht" stehen Accenture-Mitarbeiter, die als „Botschafter" des Unternehmens neue Kollegen suchen. Herzstück der Initiative ist das neue interaktive Bewerberportal accenture-mit-macher.com. Dort warten neun Accenture-Kollegen aus verschiedenen Unternehmensbereichen auf potenzielle Bewerber. Jede der vorgestellten Personen erzählt per Mausklick über ihren Job oder den bisherigen Lebenslauf.

Die integrierte Recruiting-Initiative wird flankiert von viralen Marketing-Elementen. So werden Videoclips über YouTube verbreitet, die auf accenture-mit-macher.com verweisen. Dabei spielt die interne Kommunikation eine zentrale Rolle: Accenture-Mitarbeiter helfen bei der viralen Verbreitung der Initiative, indem sie die Spots an ihr persönliches Netzwerk weiterleiten und das neue Bewerberportal weiterempfehlen.

http://www.web-zweinull.de [364]

http://www.oreilly.de [365]

http://www.web2.0-kongress.de [366]

"Leben im Netz" - Artikel von ZEIT-Redakteur Gero von Randow [367]

[David Wolf: Bilder: Business Illustrationen, pixelio]

Imageschaden: Kommunikations-Gau bei Vattenfall führt zum Kundenverlust

In letzter Zeit häufen sich die Kommunikations-Desaster von Unternehmen in Deutschland. Ob Airbus, Siemens oder nun Vattenfall – die Fehler in der Außen-Kommunikation sind immer dieselben. Die Unternehmen informierten Mitarbeiter, Partner und Öffentlichkeit zu ihren Problemen widersprüchlich, lückenhaft, scheibchenweise, zu spät oder gar nicht. Schnell sind sie, wenn es darum geht Dementis, Abwiegelungen und Entwarnungen zu verbreiten - ohne belastbare Untersuchungsergebnisse abzuwarten.

 

Doch manchen großen Unternehmen macht unangemessene Kommunikation mehr zu schaffen als anderen. Ob sich ein Kommunikations-GAU verhindern lässt, hängt stark von der Branche ab. Kann ein Konzern anderweitig schnell wieder Pluspunkte einheimsen? Sind seine Produkte einzigartig? Besonders gefährdet sind die Branchen:

  • Energie,
  • Chemie,
  • Öl, Kohle, Gas und
  • Pharma

Im Vergleich mit Technikkonzernen wie Airbus oder Siemens hat ein Kommunikations-Gau bei einem Energiekonzern wie Vattenfall langfristigere Auswirkungen auf das Konzern-Image. Und wenn das Image einmal nicht mehr stimmt, lassen sich verunsicherte Kunden nur mit deutlich niedrigeren Preisen gegenüber der Konkurrenz halten. Doch Vattenfall erhöhte Anfang Juni in Berlin und Hamburg die Preise um mehr als 6,5 Prozent, ähnlich wie die drei anderen großen Versorger EnBW, RWE und Eon. Sie erhöhten die Preise schon zum Jahreswechsel und wollen dies teils erneut zum September tun. Als Folge rufen das Bundeskartellamt und Verbraucherschützer immer wieder zum Anbieterwechsel auf.

Ökostrom-Anbieter melden seither einen starken Kundenzuwachs. Kunden, die seit Juni vor allem Vattenfall verloren gehen. Das bestätigten unter anderem Greenpeace Energy, die Naturstrom AG und Lichtblick. In den vergangenen Wochen hat allein Lichtblick dreimal mehr Neukunden registriert als sonst. Vattenfall hat nach eigenen Angaben binnen eines Jahres mehrere zehntausend Kunden an die Konkurrenz verloren. Der Marktanteil in Berlin sei von 90 auf 85 Prozent gesunken.

Über Vattenfall

 

Das schwedische Wort für Wasserfall ist der Name des staatlichen Energieversorgers. Die ehemals "königliche Wasserfallbehörde" gewann Strom ausschließlich aus Wasserkraft. Heute stammt ein großer Teil aus Atomkraft und Braunkohle. Seit 2002 gibt es Vattenfall auch in Deutschland. Die Konzerntochter Vattenfall Europe ist mittlerweile Nummer drei unter den vier Großen im deutschen Energiemarkt. Sie ist hervorgegangen aus Hamburger HEW, Berliner Bewag und ostdeutscher Veag und Laubag. Auch in Finnland, Polen und Dänemark betreibt Vattenfall Kraftwerke.

Was zählt: Image und Geld

Das Paradebeispiel für ein Kommunikations-Desaster lieferte hierzulande Shell. Bei der beabsichtigten Versenkung der Bohrinsel Brent Spar brachte Shell mit einer Mischung aus Arroganz und Ungeschick die Öffentlichkeit gegen sich auf. Die Folge: Umsatzeinbußen in Europa, vor allem in Großbritannien.

 

Denn qualitativ lassen sich Produkte wie Kraftstoffe, Strom und Wärme kaum verbessern. Und zuätzliche Serviceleistungen nehmen nur wenige Großkunden wahr. Der Masse der Kunden, dem Otto-Normal-Verbraucher, geht es bei Energie vor allem um den Preis oder um ein gutes Umweltgewissen durch Strom aus regenerativen Energien. Doch auf letzteren Zug kann Vattenfall kurzfristig nur schwer aufspringen; selbst wenn wahr würde, dass die Schweden ihre Betreiberlizenz für die Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel an Eon abtritt, wie das Magazin „Der Spiegel“ spekulierte. Image und Wirtschaftsgrundlagen eines großen Konzerns umzustellen, erfordert viel Zeit und das Lernen aus Fehlern.

Aus Kommunikationsfehlern lernen

vattenfall tower
Hauptquartier: Der Vattenfall-Tower

Doch von Shell und Co. hat Vattenfall bisher nicht gelernt. Auf der Pressekonferenz am 10. Juli 2007 zeigte sich: Die Konzernführung ahnte nichts von der Wirkung ihrer Kommunikationsstrategie, die vor allem auf Verschwiegenheit setzte. Auf der Konferenz kritisierte der (nun ehemalige) Vorstand Klaus Rauscher noch offensiv Kernkraftgegner: Sie würden nur Stimmung gegen Laufzeitverlängerungen machen wollen.

Den größeren Schaden fügte sich Vattenfall mit seiner Kommunikationsstrategie jedoch selbst zu. Und mit jedem Störfall wurde die Kommunikationsaufgabe für alle involvierten Manager schwieriger. Entsprechend mussten in nur drei Tagen die beiden Spitzenmanager sowie der Chef der Firmenkommunikation der deutschen Vattenfalltochter gehen. Nicht jedoch, wie im Falle Rauscher, ohne Gehalt für weitere dreieinhalb Jahre einzukassieren, wie die Berliner Zeitung berichtet. Rauscher hat von seinem Fünf-Jahres-Vertrag erst eineinhalb Jahre abgeleistet. Bei einem Jahresgehalt von einer Millionen Euro bekommt er nun noch 3,5 Millionen Euro ausgezahlt, obwohl er zurücktritt und sich anderen Tätigkeiten zuwenden kann. Ein weiteres Detail, das die Öffentlichkeit ebenso wenig erfreut, wie die vielen widersprüchlichen und scheibchenweisen Aufklärungshappen, die die Manager täglich in Begleitung neuer Problemmeldungen präsentierten: Bedienungsfehler an Ventilen, unplanmäßiger Ausfall einer Wasserpumpe, Reaktor zeitweise ohne Eigenstromversorgung, falsche Dübel, Löcher im Turbinenbereich, Probleme beim Wiederanfahren eines Reaktors. Das waren zwar alles meldepflichtige Ereignisse, doch davon werden jährlich mehr als einhundert an das Bundesamt für Strahlenschutz weitergegeben. Die „Vattenfall-Problemchen“ erreichten auf der Gefahrenskala von 0 bis 7 alle keinen Wert über 1.

Für Bevölkerung und Politik macht das die anfängliche Verschwiegenheit von Vattenfall um so unverständlicher. Sie fördert das Misstrauen gegenüber der Kernkraft insgesamt und dem Betreiber im Speziellen.

Das Spiel auf Zeit schafft Raum für schädliche Berichterstattung

Mehr als eine Woche zu spät entschloss sich Vattenfall - über die juristischen Pflichten hinaus - die Öffentlichkeit neben den Behörden zu informieren. So ließ sich der Konzern das Heft aus der Hand nehmen: Verbände und Politiker konnten die Öffentlichkeit nach eigenem Gutdünken informieren. Gegnern eines Unternehmens öffnet solches Stillschweigen Tür und Tor , der Imageschaden vervielfacht sich.

 

Selbst der Chef des schwedischen Mutterkonzerns, Lars Göran Josefsson, kritisierte die Kommunikationsstrategie seiner deutschen Tochter:

„[Aus dem Umgang mit den Pannen ist] eine Frage des Vertrauens zu Vattenfall entstanden. Wir waren unfähig, richtig zu kommunizieren.“

Als Vattenfall-Europa-Chef Klaus Rauscher am 10. Juli 2007 versprach, die Öffentlichkeit künftig schneller und umfassender zu informieren, war es zu spät. Der Kommunikations-GAU war Realität, das Vertrauen vieler Kunden dahin. Die Kunden fragen sich: Wenn Vattenfall schon kleine Vorfälle vertuscht, was passiert dann bei noch schwerwiegenderen?

 

Hinzu kommt, dass sich der Konkurrenz die Möglichkeit bietet, sich von Vattenfall abzugrenzen. Ein Sprecher von RWE Power erklärte laut „FAZ.net“, man beobachte die Entwicklung um das Atomkraftwerk Krümmel und dessen Betreiber Vattenfall mit großer Sorge:

„Wir haben die Befürchtung, dass der ein oder andere die gegenwärtige Entwicklung nutzt, um die Kernenergie in Gänze zu diskreditieren.“

Die „Berliner Zeitung“ berichtete am Samstag von „massiver Verärgerung“ bei RWE, aber auch bei der Eon AG, wegen des schlechten Krisenmanagements von Vattenfall. Eon ist Miteigentümer der Meiler Krümmel und Brunsbüttel und fühle sich von Vattenfall ebenso schlecht informiert wie Behörden und Öffentlichkeit. Vattenfall-Chef Josefsson erwiderte:

"Die kommenden Monate werden für Vattenfall in Deutschland im Zeichen eines Neuanfangs stehen. Viel Vertrauen wurde in den zurückliegenden Wochen verspielt."

Er verlangte eine neue Firmenkultur. Künftig würden alle Informationen über die Kernkraftwerke ins Internet gestellt. Er erkannte weiter

„[Vattenfall hat] seine gesellschaftliche Verantwortung nicht ausreichend wahrgenommen [...]. Wer hochtechnologische Anlagen wie Kernkraftwerke betreibt, muss sich [...] durch vertrauensbildenden Dialog immer wieder auch die Zustimmung der Öffentlichkeit erarbeiten. Wir stehen in einer ganz besonderen Verantwortung."

problemfall kernkraftwerk atomkraftwerk krümmel vattenfall
Problemfall: Vattenfalls Atomkraftwerk Krümmel in Schleswig-Holstein

Von der angestrebten Positionierung als akzeptiertes, kundenfreundliches Unternehmen sei die deutsche Tochter „zur Stunde weit entfernt“. Da erscheint es folgerichtig, dass Vattenfall erstmals zum kommenden Wintersemester Studierende des Masterstudiengangs „Leadership in Digitaler Kommunikation“ an der Universität der Künste in Berlin fördert. Vattenfall scheint einen Bedarf an Kommunikations-Fachkräften zu sehen.

Hinweis

Das lernen Sie

  • In Krisensituationen gilt es, das Heft in der Hand zu behalten. Wer schweigt, überlässt das Feld anderen.
  • Bei schlechter Kommunikation mit der Öffentlichkeit können selbst kleine Störungen zu erheblichen Imageproblemen führen.
  • In einigen Branchen wirkt sich das schlechte Image sehr schnell auf den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen aus. Der Vertrieb kann Imageprobleme nicht wett machen.

Links und Quellen

http://www.goingpublic.de/news/... [368]

http://www.welt.de/wirtschaft/... [369]

http://www.faz.net/s/... [370]

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/... [371]

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/... [372]

[TL | Bilder: PhotoCase.de]

Durchblick: Erkenntnisse der Gehirnforschung für das Management

Ob wir einen Menschen sympathisch oder unangenehm empfinden, ein Produkt attraktiv oder zu teuer, eine Aufgabe spannend oder langweilig – immer müssen wir Entscheidungen treffen. Dafür schalten wir unser Gehirn ein. Die zentrale Frage für alle Gehirnforscher lautet dabei: Welche Teile des Gehirns? Lange war die Wissenschaft davon überzeugt, dass der Mensch immer seinen freien Willen beweisen kann. Dagegen behauptet der renommierte Bremer Gehirnforscher Gerhard Roth:

„Das Gefühl, bei der Willensbildung und der Handlungsentscheidung frei zu sein, ist eine Illusion, wenngleich eine für unser komplexes Handeln notwendige Illusion.“ [Quelle: ChangeX]

Seit vielen Jahren versuchen Mediziner, Biologen und Philosophen dem Phänomen Denken und Gehirn auf den Grund zu gehen. Mit ausgeklügelten Experimenten und Messinstrumenten decken sie immer mehr Funktionsweisen des Gehirns auf und entwickeln viel versprechende Modelle. Unter anderem das von Gerhard Roth: Handlungen werden im Unbewussten ausgelöst, bevor das Bewusstsein dies zum eigenen Willen erklärt.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind auch für manche Managementaufgaben von großem Wert. Selbst wenn es manchmal schwer fällt, sie praxistauglich umzusetzen. Denn noch immer ist das Gehirn eine „Black Box“, die nicht nach einfachen Reiz-Reaktions-Mustern funktioniert, wie sich das manche Marketing-Manager bei ihren Kunden oder Vorgesetzte bei ihren Mitarbeitern vielleicht wünschen.

Marketing-Wissen: So funktioniert der Kunde

Gerade das Marketing ist an den Ergebnissen der Gehirnforschung brennend interessiert. Es verspricht sich Einsichten in die Entscheidungsprozesse beim Einkauf. Und will den Konsumenten und sein Gehirn natürlich so steuern, dass er die eigenen Produkte kauft. Das Thema ist ein Hype. Marketing-Experten stellen fest, dass die weitgehend unbewussten biologischen Abläufe im Gehirn einen weit höheren Einfluss auf Konsum- und Kaufverhalten haben, als bewusste Entscheidungen oder gar der freie Konsumentenwille.

Gehirnforschung beim Konsumenten
Das Marketing will wissen, wie das Gehirn des Konsumenten funktioniert.

Der Psychologe Hans-Georg Häusel hat sich auf dieses Thema spezialisiert. Er entwickelte eine so genannte Limbic Map, mit der er die Funktionsweisen des Gehirns beschreibt, die für den Kaufprozess entscheidend sind. Daraus leitet er konkrete Maßnahmen für das Marketing und die Kundenansprache ab. Seine Kernaussage lautet:

„Die wahren Entscheider sind Emotionen … Die aktuelle Diskussion dreht sich heute darum, wie der Einfluss von Emotionen im Kopf verarbeitet wird.“ [Hans-Georg Häusel Brain Script, 2005]

Mit seiner Limbic Map verbindet Häusel Erkenntnisse der Gehirnforschung und der Psychologie und ordnet die Emotionen und Motive der Kunden drei großen Bereichen zu:

  1. Balance: Der Wunsch des Konsumenten nach Sicherheit
  2. Stimulanz: Der Wunsch des Konsumenten nach Erlebnis, nach Neuem und nach Individualität, seine Abenteuerlust
  3. Dominanz: Der Wunsch des Konsumenten nach Macht, Status, Überlegenheit und Autonomie

Die Marketing-Sprache muss die richtigen Motive und Emotionen ansprechen

Wer seine Produkte oder Marken im Wettbewerb positionieren will, muss wissen, in welchem Bereich er das tut – und dann entsprechend klare Botschaften vermitteln. Becks-Bier spricht den Wunsch nach Stimulanz an, steht für Abenteuer und Individualität. Dagegen setzt Krombacher auf Balance und den Wunsch nach Sicherheit. Die Werbung unterstreicht diese Positionierung: Bilder, Geschichten, Farben, Formen und Musik sind aufeinander abgestimmt. Wenn die Werbung diese Sprache plötzlich ändert, ist der Kunde irritiert – und kauft nicht mehr.

Christian Scheier und Dirk Held zeigen in ihrem Buch „Wie Werbung wirkt“ auf, mit welchen Elementen Werbung die Erkenntnisse des Neuromarketing nutzen kann. Der Claim „Beck’s Experience“ und der Song „Sail Away“ in der Beck’s Bier Werbung sprechen direkt das Erregungsmotiv, den Stimulanz-Bereich an. Segeln über die Weltmeere weckt die Abenteuerlust. Scheier und Held stellen fest:

„Beck’s bedient das Erregungsmotiv. Das erklärt den Erfolg der Marke bei Jugendlichen. Die Marke ist anschlussfähig an genau das Motiv, das bei Jugendlichen gerade aktiv ist.“

Doch das zeigt auch die Grenzen des Modells. Wenn alle Werbetreibenden die Erkenntnisse der Gehirnforschung ideal umsetzen, wird der Raum zur Abgrenzung eng. Zudem verbrauchen sich die Bilder und Botschaften. Was heute für Abenteuer und Spannung steht, ist morgen schon gähnend langweilig. Kreative Agenturen erkennen das und wissen, welche Codes in welcher Zielgruppe für die entsprechenden Motive und Emotionen gerade stehen.

In welcher Gehirnhälfte sitzt die Kreativität?

Dass unser Gehirn in zwei Teile aufgeteilt ist, lässt sich leicht erkennen. Über viele Jahre hinweg hat man deshalb von einem linken und einem rechten Gehirnteil gesprochen – und beiden jeweils eigene Funktionen zugeordnet:

  • Der linken Hemisphäre werden Funktionen wie logisches, analytisches und rationales Denken sowie Sprache zugeschrieben; sie stehe für Struktur, Organisation, Planung und Kontrolle;
  • Der rechten Hemisphäre werden Intuition, Ganzheitlichkeit, Einfallsreichtum, Musikalität, Kreativität und räumliches Vorstellungsvermögen zugeordnet; sie wird allgemein als die emotionale Seite des Gehirns bezeichnet.

Dieses einfache Modell ist auch heute noch populär, weil sich damit verdeutlichen lässt, dass viele Menschen einseitig ausgerichtet sind. Insbesondere durch die Schule wird uns vermittelt, die linke Gehirnhälfte zu nutzen und zu trainieren. Die rechte verkümmert. Auf der Strecke bleiben Emotionen und Kreativität.

Gehirn und Management
Ob sich das Gehirn einfach managen lässt, ist fraglich.

Die Ergebnisse der Gehirnforschung indessen zeigen auf, dass diese Vorstellung zu einfach ist. Intuition und Ratio sind keineswegs getrennte Bereiche, sondern spielen immer zusammen. Die Erkenntnisse der Gehirnforschung legen sogar nahe, dass die Intuition bei weitem überwiegt.

Trotzdem bleibt die Frage. Wie sind wir kreativ und wie können wir das fördern? Kreativität ist das Produkt eines langen entwicklungsgeschichtlichen Prozesses. Sie umfasst die Fähigkeit, aus Chaos Ordnung zu schaffen. Im Laufe der Evolution hat es sich für den Menschen als vorteilhaft erwiesen, wenn er neue Informationen rasch verarbeitet, einschätzt und Verhaltensmuster entwickelt, um die unbekannte Situation zu meistern.

Wer also kreativ ist, kann Unsicherheit besser beherrschen und hat einen Selektionsvorteil. Der Erfolg führt dazu, dass der Mensch immer häufiger Situationen sucht, in denen er seine Kreativität entfalten kann. Cornelia Thomas fasst in der FAZ (5.7.2004) Erkenntnisse der Neurowissenschaftlerin Sarah-Jayne Blakemore zusammen:

„Auch wie Zuschauer Kunst erleben, ist teilweise auf evolutionär adaptierte Mechanismen zurückzuführen. So sind beispielsweise beim Tanz im Gehirn des Zuschauers genau die gleichen Areale aktiviert wie im Gehirn des Tänzers. Der Zuschauer lebt den Tanz mit, sein Gehirn spiegelt die Emotionen wider, die auf der Bühne dargestellt werden. Auf diese Weise versucht das Gehirn Bewegungen vorherzusehen, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und im Notfall schnell reagieren zu können.“

Regelmäßiges Training und geeignete Rahmenbedingungen fördern die Kreativität

Auch wenn die Vorstellung von einer Arbeitsteilung zwischen links und rechts überholt ist, bleibt eine Aussage richtig: Viele Menschen nutzen das kreative Potenzial ihres Gehirns zu wenig oder unterdrücken es sogar. Oft trägt dazu auch die Außenwelt bei, wenn etwa Unternehmen jede Form, Neues zu denken oder auszuprobieren, unterbinden. Häufig kommen die bekannten Killerargumente: Das haben wir noch nie so gemacht! Da könnte ja jeder kommen! Das bringt doch nichts!

Es ist fatal, Kreativität so zu unterdrücken. Vielmehr kommt es darauf an, geeignete Rahmenbedingungen und Anregungen zu schaffen, denn dann sind die Menschen von allein kreativ. Schließlich hat es unserer Spezies über Jahrtausende das Überleben gesichert. Deshalb auch der Rat, „mehr mit der rechten Gehirnhälfte zu denken“. Auch wenn diese Modellvorstellung inzwischen überholt ist, spricht sie eine wichtige Erkenntnis aus: Wir sollten darauf achten, das Ganze einer Situation zu sehen.

Den neuen Erkenntnissen der Forschung folgend, wäre richtig zu fordern: den Balken zu stärken, der linke und rechte Hälfte miteinander verbindet. Der Psychologe und Pädagoge Werner Stangl fasst das so zusammen:

„Integrierendes Denken ist weniger die Frage des Gebrauchs einer Gehirnhälfte, sondern das Zusammenspiel beider.“

Hinweis

Das Zusammenspiel unterschiedlicher Hirnareale soll mit so genannten Denksport-Aufgaben gefördert werden. Hier haben wir einige zusammengestellt.

http://www.business-wissen.de/de/... [373]

Während das Gehirn vor allem darauf bedacht ist, Muster, Strukturen und Regeln zu erkennen und alle Kreativitätspotenziale dafür nutzt, wollen die bekannten Kreativitätstechniken diese gerade immer wieder aufbrechen, verändern, neue Impulse geben. So wird das Gehirn herausgefordert, kreativ zu sein. Wichtig ist, dass dieser „kreative Fluss“ möglichst lange anhält.

Umstritten ist, welche Rolle der Körper dabei spielt. Vertreter der Edu-Kinestetik versprechen, mit einfachen Bewegungen und Berührungen, verborgene Potenziale im Gehirn freizusetzen. Viele sagen, dass sie beim Sport oder an der frischen Luft am kreativsten sind.

„Mit Hilfe von trainierten Muskeln können wir uns nicht nur besser bewegen, wir können auch besser denken.“

Das sagt der Experte für gesunde Lebensführung Michael Despeghel. Er weist darauf hin, dass bei einer muskulären Tätigkeit eine Vielzahl von Impulsen an das Gehirn gesendet wird. Dort lösen sie chemische Prozesse aus, die Einfluss auf die Psyche und das Denkvermögen haben. Weitgehend gesichert ist auch die Erkenntnis, dass positive Emotionen das Denken und die Kreativität fördern. Reize werden leichter miteinander verknüpft und so entstehen mehr kreative Ideen.

Hinweis

Anregungen und konkrete Arbeitsvorlagen zur Förderung und Nutzung der Kreativität finden Sie in unserem Themenschwerpunkt:

Und im Wissensbaustein:

Wie Sie Menschen überzeugen und begeistern

Die Erkenntnisse der Gehirnforschung lassen auch viele Manager und Vorgesetzte aufhorchen. Sie fragen sich: Lassen sich damit nicht auch Mitarbeiter effektiver steuern? Lässt sich so nicht jegliche Kommunikation, Gespräche, Vorträge oder Diskussionen, gehirngerecht führen?

Die Rhetorik- und Kommunikationsexpertin Anita Hermann-Ruess ist sich da sicher: Wirkung erzielt, wer um die Funktionsweise des Gehirns weiß. Deshalb hat sie ein limbisches Kommunikationsmodell entworfen, das auf dem Prinzip der vier Denkstile von Ned Hermann aufbaut. Auch Hermann war zunächst Verfechter von zwei Gehirnhälften, hat dann aber sein Modell weiter differenziert. Inzwischen unterscheidet er den:

  1. rationalen Denkstil: geht analytisch vor, beruft sich auf Zahlen und Fakten, löst Probleme linear, ist kritisch und realistisch;
  2. sicherheitsbedürftigen Denkstil: geht strukturiert vor, findet Regeln und Klassifikationen, bewahrt das Erprobte, löst Probleme praktisch, benutzt Modelle und schätzt sichere Abläufe;
  3. emotionalen Denkstil: nimmt Situationen und Menschen durch die eigenen Gefühle eher körperlich wahr, bezieht sich auf Erfahrungen, achtet auf gefühlsmäßige Signale der Stimme und der Körpersprache;
  4. experimentellen Denkstil: ist visuell und bildhaft, bevorzugt intuitive Entscheidungen, denkt vernetzt und global, vermeidet Strukturen und Details und ist risikofreudig.

Wer andere Menschen – Mitarbeiter oder Zuhörer – überzeugen oder begeistern will, muss wissen, welche Denkstile dort vorherrschen. Dem entsprechend muss seine Rede oder seine Präsentation aufgebaut sein. Redestil und Denkstil müssen zusammen passen.

Wer den rationalen Typ anspricht, muss knapp und präzise sein, sich auf Zahlen, Daten und Fakten stützen. Emotionale Zuhörer werden mit Geschichten begeistert, wollen wissen, wie es den Menschen dabei ergeht. Inhalt, Gestik und Mimik passen zueinander und sind authentisch. Anita Hermann-Ruess fasst es so zusammen:

„Es geht darum, sich situativ auf andere Denkstile einzulassen, um damit Relevanz, Klarheit und Überzeugungskraft der eigenen Rede für die Zuhörer zu erhöhen.“ [Anita Hermann-Ruess: Speak Limbic, 2006]

Wenn Gehirnforscher wie Roth sagen, der Mensch habe im Grunde genommen keinen freien Willen – ist er dann auf Gedeih und Verderb seinem limbischen System und denen, die es geschickt adressieren, ausgeliefert? Wohl kaum. Trotz aller Fortschritte der Wissenschaft, ist das Gehirn und alle Werte, Fähigkeiten, Handlungsmuster und Verhaltensweisen, die der Mensch hat, in weiten Teilen (noch) unbekannt. Letztlich ist es ein komplexes System, das von vielen Impulsen beeinflusst wird und nur selten genau berechenbar ist.

Quellen und weitere Informationen

Das Interview mit Gerhard Roth auf ChangeX:

http://www.changex.de/d_a01477.html [375]

Die Kernaussagen von Hans-Georg Häusel:

http://www.innovativ-in.de/c.3355.htm [376]

Weitere Informationen zum Thema:

http://www.faz.net/s/... [377]

http://www.stangl-taller.at/... [378]

http://www.laum.uni-hannover.de/ilr/... [379]

[jf; Bilder: Business Illustrationen; Stephen Coburn - FOTOLIA]

Mut: Unternehmen müssen Preiserhöhungen nicht fürchten

Mit vier Prozent vom Umsatz lag die Profitabilität der Investitionsgüterhersteller über die letzten zehn Jahre auf einem gefährlich niedrigen Niveau. Bisher versuchten die Unternehmen, ihre unbefriedigende Gewinnsituation vor allem über Kostensenkungen zu verbessern. Nach einer aktuellen Studie von Mercer Management Consulting nutzen heute 39 Prozent der europäischen Investitionsgüterhersteller Kostensenkungsprogramme. 36 Prozent versuchen, über höhere Absatzmengen günstigere Stückkosten zu erreichen. Ihre Preise optimieren 25 Prozent der Unternehmen, wobei aber lediglich sieben Prozent moderne Pricing-Instrumente einsetzen.

Noch immer werden in der Investitionsgüterindustrie Preise vor allem nach Gefühl und Erfahrung festgelegt statt auf Basis strukturierter Kundenanalysen. Immer mehr Unternehmen erkennen jedoch das Profitpotenzial des Pricings. In der Mercer-Studie gaben sie an, dem Pricing künftig mehr Bedeutung einräumen zu wollen.

Der Druck auf die Preise wächst

„Die meisten Investitionsgüterhersteller sehen Preise als eine vom Markt vorgegebene Größe an, auf die sie nur wenig Einfluss nehmen können. Doch bereits geringe Preiserhöhungen haben enorme Auswirkungen auf die Gewinnsituation."

Thomas Kautzsch Mercer Management Consulting
Mercer-Berater Thomas Kautzsch rechnet höhere Profite vor.

So umreißt Branchenexperte und Mercer-Berater Thomas Kautzsch die Situation. Er rechnet vor: Bei der durchschnittlichen Umsatzmarge der Branche bringe eine einprozentige Preiserhöhung ein EBIT-Plus von 25 Prozent, während Fixkostensenkungen von einem Prozent den Vorsteuergewinn nur um zehn Prozent steigern. Zudem seien die Kostensenkungspotenziale in der Branche bereits weitgehend ausgereizt und in vielen Fällen nur über schmerzhafte Einschnitte beim Personal zu realisieren. Preismanagement ist deshalb in vielen Branchen zur Chefsache mit Top-Priorität avanciert.

Die Mercer-Studie zeigt, dass die Preise für klassische Investitionsgüter wie etwa Maschinen heute stark unter Druck sind – und dass dieser Druck in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Die von den befragten Unternehmen am häufigsten genannten Faktoren für Preisdruck sind:

  • ausgereifte Technologien ohne Differenzierungsmöglichkeiten,
  • Branchenkonsolidierung,
  • Konkurrenz durch Niedrigpreisanbieter,
  • wachsende Preistransparenz,
  • der immer effizienter werdende Einkauf bei den Kunden,
  • die geringer werdende Zahl an Kunden und
  • schrumpfende Märkte.

Allein den 500 größten europäischen Investitionsgüterherstellern entgeht heute durch mangelhafte Preisgestaltung Mercer-Berechnungen zufolge in jedem Monat ein Profitpotenzial von einer Milliarde Euro. Mercer-Berater Kautzsch fasst zusammen:

„Durch zu geringe Nutzung des Preishebels verschenken Unternehmen bis zu 25 Prozent ihres Profitpotenzials.“

Vom traditionellen Pricing zum Value Pricing

Welche Pricing-Methode die richtige ist, hängt von der Situation des Unternehmens ab, sagen die Experten. Die Spanne der Pricing-Ansätze sei sehr breit. Bei manchen Unternehmen müssten lediglich die Möglichkeiten für Preiserhöhungen möglichst optimal genutzt werden. Gegenüber Billiganbietern gehe es für westliche Premiumanbieter aber auch oft darum, ihre Marktposition über Preise und Leistungsangebot grundsätzlich neu zu bestimmen.

Die Kernfrage sei: Welche Leistungen für welche Kunden zu welchem Preis? Pricing-Ansätze können hier die individuell richtigen Antworten liefern und das Überleben des Unternehmens sichern helfen.

Der klassische Pricing-Ansatz der Investitionsgüterindustrie lautet Kosten plus Gewinnspanne gleich Verkaufspreis, der gegebenenfalls an das Preisniveau der Konkurrenz angeglichen wird. Die nächste Stufe ist das „Competitive Pricing“. Diese Methode vergleicht durch intensive Marktforschung Konkurrenzangebote mit eigenen Angeboten. Erkannte Marktlücken werden systematisch mit kundenspezifischen Angeboten gefüllt und entsprechend der ermittelten Zahlungsbereitschaft der jeweiligen Kundengruppe bepreist. Das Competitive Pricing eignet sich vor allem für Märkte mit Standardprodukten und großen Volumina, in denen Kunden zu direkten Kostenvergleichen neigen, wie etwa bei Computern oder Standardwerkzeugen.

Erst neue Lösungen erlauben neue Preise

Wesentlich weiter geht der Value-Pricing-Ansatz, der sich vor allem für individuell angepasste Produkte und Leistungen eignet. Auch hier muss zunächst intensive Marktforschung betrieben werden. Value Pricing löst sich vom klassischen Listenpreis und versucht stattdessen, neue Gewinnmodelle zu finden – beispielsweise Zahlung nach Produktionsleistung oder Maschinenverfügbarkeit, Lizenzabgaben für neue Produktionsverfahren oder Gewinnbeteiligungen an vom Kunden erreichten Vorteilen. Beim Value Pricing zielt der Investitionsgüterhersteller also auf eine echte Lösungspartnerschaft mit seinem Kunden – und orientiert seine Preise an den für den Kunden erreichten ökonomischen Vorteilen.

Hat ein Unternehmen beispielsweise ein innovatives Fertigungsverfahren entwickelt, das sich klar von bestehenden Angeboten des Wettbewerbs differenziert, so kann dafür der Value-Pricing-Ansatz angewendet werden. Dies gilt umso mehr, je weniger transparent Personalkosten und Materialeinsatz sind.

„Viele Unternehmen vergeben Profitpotenzial dadurch, dass sie Preise klassisch am ‚Kosten plus Gewinn’-Ansatz orientieren. So ergeben sich teilweise Amortisationsdauern von weniger als sechs Monaten. Hier besteht eindeutig Preissteigerungspotenzial, da Pay-Back-Zeiten bis zu einem Jahr in der Regel problemlos durchsetzbar sind."

Zielkosten der Kunden erreichen
Viele Unternehmen rätseln, wo der angemessene Preis liegen könnte.

Das weiß Sebastian Frankenberger, Mercer-Experte und Co-Autor der Studie, aus Erfahrung. In Zahlen bedeutet dies, dass eine Maschine, die dem Kunden einen Wertbeitrag von 250.000 Euro liefert und die aktuell mit einem 25-prozentigen Aufschlagfaktor zu 125.000 Euro angeboten wird, ohne Probleme auch für 200.000 Euro angeboten werden kann. Dadurch läge der Gewinn pro Maschine nicht bei 25.000 Euro, sondern bei 100.000 Euro und für den Kunden wäre es immer noch ein gutes Geschäft.

Für das Funktionieren von Value Pricing muss auch der Vertrieb intensiv eingebunden werden. Um komplexe Lösungen verkaufen zu können, benötigt der Vertrieb detaillierte Argumentationshilfen, mit denen er die Kunden besser überzeugen kann. Aber auch die Incentive-Strukturen müssen an das neue Pricing-System angepasst werden. Ein Manko bisher ist: Die Vertriebsprovisionen in der Investitionsgüterindustrie hängen noch häufig vom Umsatz ab statt vom Ertrag. Das verhindere die Durchsetzung kreativer Pricing-Ansätze, so die Macher der Studie.

Ängste vor Preiserhöhungen sind weit verbreitet

Neben solchen weit reichenden Pricing-Ansätzen müssten aber auch die Möglichkeiten klassischer Preiserhöhungen künftig systematisch ausgelotet und genutzt werden, empfehlen die Berater. Sie haben in der Studie ermittelt, dass bei Investitionsgüterherstellern die Angst vor Umsatzrückgängen, die durch Preiserhöhungen noch immer weit verbreitet ist. Doch Daten über die Preisempfindlichkeit ihrer Kunden haben diese Unternehmen nur sehr selten.

Das Beispiel eines US-Maschinenbauers macht das deutlich: Er erhöhte den Preis seiner Servicestunden in mehreren Schritten innerhalb kurzer Zeit um 20 Prozent und verdoppelte damit den Ergebnisbeitrag des Services, ohne überhaupt Umsatzeinbußen zu erleiden – die Kunden waren deutlich weniger preissensibel als ursprünglich erwartet. Frankenberger zieht daraus den Schluss:

„Der Preis wird als Entscheidungskriterium häufig überschätzt. In der Realität bestimmen andere Kriterien wie Produkt-Performance, vorangegangene Erfahrungen, Image oder Servicequalität den Kauf.“

Selbst leichte Umsatzeinbußen können und sollten jedoch akzeptiert werden, wenn die Profitabilität des Unternehmens dadurch angehoben werden kann, wie ein Rechenbeispiel zeigt: Bei einem durchschnittlich profitablen Investitionsgüterhersteller kann eine Preissteigerung um fünf Prozent einen Absatzrückgang von 10,6 Prozent nach sich ziehen, ohne dass dies die Profitabilität beeinträchtigt. Liegt der Absatzrückgang nur bei wenigen Prozent, wäre die Preissteigerung vorteilhaft.

Zehn Schritte auf dem Weg zum wertorientierten Pricing

  1. Economics des Kunden verstehen: Basis jedes Pricings ist ein auf Fakten basierendes Kundenverständnis. Was treibt die Wirtschaftlichkeit des Kunden? Welche Rolle spielt das eigene Produkt in der Wertgenerierung des Kunden? Was macht dem Kunden Probleme?
  2. Erkenntnisse in der eigenen Organisation kommunizieren: Das gewonnene Kundenverständnis muss in Verkauf, Marketing, Entwicklung und Service verstanden und in tägliches Handeln umgesetzt werden.
  3. Preisgestaltung stärker differenzieren: Nicht alle Kunden sind gleich. Einige Kunden profitieren mehr von den eigenen Produkten, andere weniger. Deshalb können die einen mehr und die anderen weniger zahlen.
  4. Wertorientierte Leistungsangebote schaffen: Das Angebot an den Kunden soll dessen Wirtschaftlichkeit verbessern und die von ihm als Probleme oder Ärgernisse wahrgenommenen Aspekte aus der Welt schaffen.
  5. Preiselastizitäten analysieren: Pricing benötigt eine Faktenbasis. Die genaue Analyse der Kaufentscheidungskette und der Preiselastizität verschiedener Kundengruppen ist die Basis für jede fundierte Preisfindung.
  6. Wertargumentationen aufbauen: Gegenüber dem Kunden muss, wo immer möglich, mit dem Wert des eigenen Angebotes für den Kunden argumentiert werden. So entsteht eine neue, gemeinsame Perspektive.
  7. Alternative Gewinnmodelle schaffen: Der Verkauf von Maschinen und Anlagen ist nicht die einzige Art, Geld zu verdienen. Es gibt über 30 Gewinnmodelle, von denen sich viele auch für Investitionsgüterhersteller eignen.
  8. Vertriebs-Incentives umstellen: Die Vertriebsprovisionen müssen in Zukunft primär am Gewinn ausgerichtet werden – und nicht wie bisher ausschließlich am Umsatz.
  9. Profit-Controlling einführen: Detaillierte Profitabilitätsanalysen, etwa „Profit nach Kunde“ oder „Deckungsbeitrag nach Verkäufer“, ermöglichen eine zeitnahe, profitorientierte Absatzsteuerung.
  10. Das Pricing in die nächste Ebene heben: Wenn alle Schritte funktionieren, ist es an der Zeit, die gewonnenen Erkenntnisse für die weitere Produktentwicklung zu nutzen.

[jf; Mercer Management Consulting]

Tradition: Faber-Castell stemmt sich bei der Markenpflege gegen den Zeitgeist

Graf von Faber-Castell
Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell: "Uns gibt es nicht bei Aldi und Lidl"

Irgendwann hat jeder schon einmal einen in der Hand gehabt. Mit zirka 17 Zentimetern Länge, rund einem Zentimeter Breite und grüner Einfärbung ist der „Castell 9000“ der Klassiker unter den Bleistiften des weltweit größten Herstellers für holzgefasste Stifte, der Faber-Castell AG. Jährlich verlassen rund zwei Milliarden Holzschreibgeräte die global auf 16 Standorte und rund 6.500 Mitarbeiter verteilten Fabriken. Würden alle produzierten Stifte hintereinander aufgereiht, könnte man damit die Strecke von der Erde zum Mond überbrücken. Nicht nur der „Castell 9000“, auch die gesamte Marke Faber-Castell hat schon lange Kultstatus erreicht. Der ehemalige Investment-Banker, Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell, leitet das Stift-Imperium nun schon seit fast 30 Jahren in der achten Generation.

Die Firmenphilosophie des „Bleistift-Grafen“ ist eindeutig: Qualität, gepaart mit sozialer und ökologischer Verantwortung. Gerade Letzteres hat in der momentanen Diskussion um den Klimawandel eine große Konjunktur. Von Faber-Castell ist Mitglied im Unternehmensverband BAUM e.V., dem Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management. Gemeinsam mit den anderen Wirtschaftsschwergewichten Adidas, Bau-Fritz, Deutsche Post, Henkel, Hipp, Ikea, Obi, Otto und Weleda wirbt der Graf für den Klimaschutz und für Ressouceneffizienz, die, so heißt es im Verband, auch die Wettbewerbsposition Deutschlands stärke und die Abhängigkeit von Rohstoffimporten verringere.

Erfolgreiche Verbindung: Tradition und Innovation

„Die Markenführung ist für mich Chefsache, in dieser Hinsicht wurde ich auch schon als ‚wohlwollender Diktator’ bezeichnet“,

betont von Faber-Castell im Interview mit dem Online-Portal tirol.com. Im Geschäftsjahr 2005/2006 setzte er mit seinem aus rund 2.500 Produkten bestehendem Sortiment rund 354 Millionen Euro um. Ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Jahresergebnis vor Steuern konnte das Unternehmen um 18 Prozent steigern. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern ein Umsatzwachstum von acht Prozent und eine damit einhergehende Erhöhung der Umsatzrendite sowie weitere strukturelle Verbesserungen der Bilanzkennziffern. Auch die vorhandenen Potenziale in Schlüsselmärkten sollen erschlossen werden. Das seit 244 Jahren im fränkischen Stein bei Nürnberg beheimatete Unternehmen steht für Luxus, eine Strategie, die von ganz oben vorgegeben ist. Graf von Faber-Castell gegenüber tirol.com:

„Von 0815-Ware unterscheiden wir uns ganz klar, positionieren möchten wir uns als eine Premium-Marke, wobei wir selbstverständlich auch Brot-und-Butter-Produkte anbieten. Wir reiten hier auf zwei Gäulen.“

Hinweis

2007 erhielt Faber-Castell folgende Produktauszeichnungen:

  • International Stationery Press Association (ISPA)-Award für die Radierer-Neuheit "Sleeve"
  • PBS-Produkt des Jahres für den Kugelschreiber Porsche Design P'3140
Bleistifte Faber-Castell
Faber-Castell-Bleistifte: Luxus- und Kultobjekt

Aber eine Kultmarke zu besitzen kann in Zeiten einer globalen Wirtschaft auch Nachteile mit sich bringen. So hat Faber-Castell zum Beispiel mit billigen Produktimitaten aus China zu kämpfen. Eine Situation, die sich vor allem auf den Absatzmärkten im Mittleren und Fernen Osten negativ bemerkbar macht. Aus diesem Grund hatte das Traditionsunternehmen auf der diesjährigen Paperworld Fachmesse in Frankfurt erneut zahlreiche Produktimitationen chinesischer Herkunft vom Zoll beschlagnahmen lassen. Preisgekrönte Schreibgeräte wurden ebenso kopiert wie Kinderprodukte und Leuchtstifte. Am dreistesten agiert derzeit eine Agentur in Hongkong, die für mehrere Warenklassen den Faber-Castell Schriftzug samt Ritterlogo angemeldet hat. Der Stifteproduzent greift seit Jahren bei Verletzungen des Marken- und Geschmacksmusterschutzes rigoros durch. 2006 wurden beispielsweise 600.000 Radierer in China beschlagnahmt.

Strategie gegen den Zeitgeist

Trotz aller Querelen mit dem Reich der Mitte möchte Faber-Castell dort mit preiswerten Produkten Fuß fassen. Erst im Herbst 2005 wurde ein neues Werk mit rund 800 Beschäftigten eröffnet. In den weltweiten Fertigungsstätten entstehen Innovationen wie der silberfarbene Stift „Grip 2001“, der dreieckig designt ist und aus umweltfreundlichem Wasserlack besteht. Dafür gab es sogar einen internationalen Designpreis. Im brasilianischen Sao Carlos bei Sao Paulo steht die größte Fertigungsstätte. Rund 2.800 Mitarbeiter verarbeiten hier jährlich Millionen Tonnen Pinienholz. Faber-Castell setzt dabei auf Nachhaltigkeit: Um den Holzverbrauch auszugleichen, betreibt es ein groß angelegtes Wiederaufforstungsprojekt. Seit 1999 sind die Holzplantagen mit dem so genannten FSC-Gütesiegel für umweltschonende, sozial faire und nachhaltige Waldwirtschaft ausgezeichnet. Der verwendete Kautschuk ist PVC-frei und statt Aceton kommt der oben erwähnte selbst entwickelte Wasserlack zum Einsatz.

Trotz hoher Innovationstätigkeit mag sich Graf von Faber-Castell mit „hippen“ und zeitgeistigen Unternehmensstrategien nicht anfreunden. Er setzt auf einen dauerhaften und soliden wirtschaftlichen Erfolg anstatt auf kurzfristiges Profit-Denken. Für ihn hat die Markenpflege höchste Priorität:

„Bei Luxus ist der Preis sekundär. Wir schaffen Produkte, die sich qualitativ und funktional abheben und die idealerweise die Preisthematik gar nicht aufkommen lassen. (…) Sie werden uns nicht bei Aldi und Lidl finden.“

Hinweis

Das lernen Sie:

  1. Wirtschaftlicher Erfolg und nachhaltige Produktion schließen sich nicht aus.
  2. Es besteht kein Grund, eine langfristig erfolgreiche Strategie durch eine kurzfristige Modestrategie zu ersetzen.

http://www.faber-castell.de [380]

http://akademie.faber-castell.de [381]

[dw, Bilder: Faber-Castell AG]

Virtuell: Neue Geschäftsmodelle mit Second Life im Internet

Werden die virtuellen Welten nun auch für Wirtschaftsunternehmen interessant? Wie attraktiv sind die Geschäftspotenziale? Handelt es sich bei Second Life um einen Web 2.0-Hype oder einen Trend, der sich auch mittelfristig einen Platz bei den großen Internetangeboten sichern wird? Wie sieht der heutige Markt aus und was sind die Wirkungsmechanismen dieser Plattform? Diesen Fragen ist Markus Breuer von der Elephant Seven AG gemeinsam mit Sebastian Küpers, Berater bei Pixelpark Agentur, nachgegangen.

Ihre Ergebnisse haben sie in einem White Paper "Second Life und Business in Virtuellen Welten" zusammengestellt. Neben der Markt- und Wettbewerberanalyse und einer Vorstellung aktueller Projekte bietet das Dokument Analysen und Empfehlungen zur Integration von virtuellen 3D-Welten in die Marketing- und Kommunikationsstrategie von Unternehmen.

Hinweis

Second Life [382] ist eine virtuelle Welt, die vollständig von ihren Bewohnern, den registrierten Nutzern, erschaffen und weiterentwickelt wird. Sie hat 4,5 Millionen registrierte Mitglieder (März 2007). Jeder Nutzer schafft sich eine digitale Figur, den so genannten „Avatar“, mit dem er sich durch diese Welt bewegt, eigene Gegenstände schafft und mit anderen in Kontakt tritt.

Second Life ist attraktiv für das Marketing

Gründe für den großen Erfolg von Second Life sehen die Macher der Studie vor allem auf zwei Feldern:

  • höhere Effektivität in der Kommunikation und
  • Überwindung von Beschränkungen in klassischen Kommunikationsmedien.

Die klassische Werbung ist oft schnell an ihren Grenzen. Die Empfänger der Werbebotschaften sind bei vielen Tausend Werbeimpulsen, denen sie täglich ausgesetzt sind, nur noch schwer und mit hohem Aufwand erreichbar. Die virtuelle Welt verspricht demgegenüber ein besseres so genanntes „Targeting“, das heißt eine gezielte Ansprache einzelner Personen aufgrund ihrer vermutlichen Bedürfnisse. Außerdem wird das Empfehlungsmarketing gefördert; das erhöht die Glaubwürdigkeit des Produkt-Anbieters. Schließlich erfolgt die Ansprache des Kunden außerhalb des gewohnten Werbungskontexts.

Einkaufen in der virtuellen Welt von Second Life
Einkaufen in der virtuellen Welt von Second Life

Die Autoren der Studie leiten daraus unterschiedliche Geschäftsmodelle ab – soweit sie heute sichtbar sind. Sie vermuten, dass sich in der Zukunft noch eine Vielzahl von Möglichkeiten ergibt. Bereits heute können Unternehmen folgende Strategien verfolgen:

  • Prototyping für Produkte und Gebäude: Schaffung virtueller 3D-Produkte und Räume sowie Tests und Diskussionen mit potentiellen Anwendern während des Entwicklungsprozesses, lange bevor reale Prototypen möglich sind.
  • Mass-Customisation in neuer Realitätsnähe: Konfiguration von individualisierten Produkten wie beispielsweise Kleidung in großer Realitätsnähe. Präsentation der Produkte und bei Gefallen anschließende Auslieferung in physischer Form.
  • vShopping: Virtuelle Läden und ganze Einkaufszonen bieten neue Möglichkeiten für die Produktpräsentation und die Transponierung des echten Shopping-Gefühls ins Internet.
  • Virtuelle Meetings in der perfekten Nachbildungen realer Konferenzräume, die ein bislang ungekanntes Präzenz- und Wir-Gefühl in der Gruppe schaffen.
  • Branded Entertainment: Schaffung durchgehend gebrandeter Entertainment-Umgebungen mit extrem hohem Involvement auf Konsumentenseite. Möglich sind unter anderem Musik-, Sport- und Spielveranstaltungen sowie die perfekte Nachbildung beliebter Fernsehserien mit echter Interaktionsmöglichkeit.

Die Risiken in der virtuellen Welt

Wenn ein Unternehmen in die virtuelle Welt einsteigt und entsprechende Projekte in Second Life starten will, sollte es auch die Risiken kennen. Linden Lab ist das Unternehmen, das hinter Second Life steht. Alle, die in dieser virtuellen Welt aktiv sind, liefern sich damit diesem Unternehmen aus. Noch ist die Technik nicht ausgereift: Die Hardwareanforderungen an die Nutzer sind recht hoch und die Performance lässt noch zu wünschen übrig.

Besonders riskant: Das Unternehmen und die Marken, die in Second Life auftreten, sind vor den „Angriffen“ der anderen Nutzer kaum geschützt. Es lässt sich nur schwer kontrollieren oder gar bestimmen, welche Avatare, die Alter Egos der Nutzer, sich im virtuellen Online-Laden tummeln und was diese über ein Unternehmen weitererzählen.

Der Einstieg muss gut geplant sein

Wenn Unternehmen meinen, mit einer schnellen Aktion in Second Life von diesem Boom zu profitieren, dürften sie eine Bruchlandung erleiden. Denn sie müssen sich zunächst sehr genau mit den Regeln und Prinzipien vertraut machen, die dort gelten. Alle Aktivitäten sollten richtig vorbereitet und aufeinander abgestimmt sein. Die Experten empfehlen, Maßnahmen der virtuellen Welt immer mit solchen der realen zu verbinden. Der Auftritt in Second Life bedarf einer klaren Marketing-Strategie und der kontinuierlichen Pflege.

Hinweis

Die Studie von Elephant Seven und Pixelpark kann kostenlos heruntergeladen werden unter:

http://www.pixelpark.com/fileadmin/... [383]

Weitere Links:

http://lindenlab.com [384]

http://www.secondlife.com [385]

[jf]

Bestseller: Herausforderungen für das Produktmanagement

Nivea: Gestaltung 1925 und 2007
Longseller Nivea: Die Dose 1925 und 2007.

Einige Unternehmen haben es geschafft, ihren Produkten ein besonders langes Leben zu verleihen: Mit ihrem gezielten Produktmanagement verlängern sie den Lebenszyklus ihrer Produkte und Marken. Seit über 80 Jahren gibt es Nivea-Creme oder Tempotaschentücher. Und auch der VW-Golf fährt schon seit über 30 Jahren auf allen Straßen. Auch wenn sich die Produkte selbst verändert haben und Verpackung und Design an die veränderten Kundenwünsche angepasst wurden – im Vergleich zu vielen anderen sind sie zu Klassikern geworden, die vor allem von ihrer Markenbekanntheit profitieren.

In vielen Branchen verkürzt sich der Lebenszyklus eines Produkts aber immer mehr. Das bedeutet, die Zeitspanne von der ersten Markteinführung bis zur Einstellung des Angebots wird immer kürzer. Das hat in den meisten Fällen zwei Ursachen:

  • Die Kundenanforderungen ändern sich; Modewellen beherrschen den Markt.
  • Technologische Neuerungen und Verbesserungen machen neue und leistungsfähigere Produkte möglich, die ihre Vorgänger aus dem Markt drängen.

Computer und Mobiltelefone sind zwei Beispiele, die besonders deutlich machen, wie schnelllebig ein Produktlebenszyklus inzwischen sein kann. Aber auch für hochwertige Investitionsgüter wie Maschinen und Autos reduziert sich die Lebensdauer.

Modell des Produktlebenszyklus und Einflussfaktoren

Um das Leben eines Produkts zu erklären, haben die Experten schon vor vielen Jahren das Modell des Produktlebenszyklus entwickelt. Danach werden folgende Phasen unterschieden:

  1. In der Produktentwicklungsphase müssen die Kundenanforderungen richtig erkannt und in ein entsprechendes Produkt übersetzt werden. Entwicklungszeit und Entwicklungskosten sollten möglichst minimal sein.
  2. Mit der Einführung wird ein Produkt bekannt gemacht und am Markt etabliert. Ziel ist es, dass das Produkt schnell in die nächste Phase eintreten kann.
  3. In der Wachstumsphase gilt es, die gewünschten Gewinne zu realisieren und die Kundenbedarfe zu decken. Neue Käufergruppen müssen erschlossen werden. Der Ausbau der Kapazitäten und der Logistikservice müssen gewährleistet sein.
  4. In der Reife- und Sättigungsphase müssen oft Produktmerkmale und Preise angepasst werden, um Marktanteile und Gewinne möglichst lange zu sichern.
  5. In der Rückgangsphase gilt es, selektiv den Rückzug anzutreten, noch mögliche Gewinne mitzunehmen und den Zeitpunkt des Ausstiegs nicht zu verpassen.

Die folgende Grafik veranschaulicht, wie sich Umsatz und Gewinn für ein Produkt im Zeitverlauf ändern. Zum einen hängt es von der Branche und äußeren Einflüssen ab, wie die Lebenszykluskurve eines spezifischen Produkts genau verläuft. Zum anderen können Marketing und Produktmanagement Einfluss darauf nehmen, wann es in seine Wachstumsphase eintritt oder wie schnell es wieder vom Markt genommen werden muss.

Drei wichtige Stellhebel sind:

  1. Den Markteinstieg bewältigen: Ist der Markt bereit für das neue Produkt und kann das Marketing potenzielle Kunden überzeugen?
  2. Die Reifephase verlängern: Werden das Produkt und seine Marke so gepflegt, dass technische Neuerungen und Designänderungen möglich sind, ohne den Markenkern zu beschädigen und treue Kunden zu verlieren?
  3. Die Cash-Kurve im Blick behalten: Wird in der Marktpräsenzphase genug Geld verdient, um alle Entwicklungs- und Marketingaufwendungen abzudecken?

Im Kampf um Marktanteile, Umsatz und Gewinn müssen mehrere Hürden und Risiken gemeistert werden. Immer besteht die Gefahr einer Bruchlandung oder eines Flops. Manche Produkte verschwinden dann ganz schnell wieder vom Markt. Die Marketingagentur Serviceplan und die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) untersuchten für die Jahre 2004 und 2005 die Flops bei so genannten Fast Moving Consumer Goods. Das Ergebnis: Etwa 70 Prozent aller neu eingeführten Artikel werden nach zwölf Monaten vom Handel nicht mehr bestellt – ein jährliches Fehlinvestment von 10 Milliarden Euro schätzen die Experten.

Beispiel: Die Xelibri-Reihe von Siemens

Xelibri
Das Xelibri kann sich nicht am Markt durchsetzen.

Im Jahr 2003 brachte Siemens ein neues Mobiltelefon mit dem Namen „Xelibri“ auf den Markt. Es sollte Design und Technik besser miteinander verbinden und kehrte die bis dahin technikorientierte Sichtweise um. Das Unternehmen setzte ausschließlich auf eine ungewöhnliche Optik. Es verkaufte die Telefone zunächst nicht im Fachhandel, sondern in Kaufhäusern und Boutiquen. Doch der Erfolg blieb aus, das Projekt erwies sich als Millionen-Flop. Zum Schluss wurden die noch verbliebenen Xelibri-Handys in Real-Supermärkten zu Dumpingpreisen verkauft. [Quelle: golem.de]

Die erste Hürde: Der Markteinstieg

Konsumgüter müssen sich einen prominenten Regalplatz im Handel erobern. Der Außendienst kämpft deshalb um jeden Zentimeter Platz im Sichtfeld des Kunden. Bekannte und starke Hersteller fördern die Einführung eines neuen Produkts nicht nur mit einer aufwändigen Werbekampagne, sondern auch mit Sonderaktionen am Point-of-Sale. Da darf der Kunde dann auf die freundliche Ansprache eines Mitarbeiters im Laden die neue Margarine oder den gesunden Joghurt probieren.

Seit Jahren gestaltet sich die Markt- und Markeneinführung für den Smart als ein Prozess mit Hängen und Würgen. Schon Anfang der 70er Jahre legte der Mercedes-Benz-Ingenieur Johann Tomforde eine Studie für ein kleines und kompaktes Fahrzeug vor. 25 Jahre später ist ein völlig neuartiges Auto daraus geworden: Der Smart.

Doch seither hat der DaimlerChrysler Konzern nie die selbst gesteckten Absatz- und Umsatzziele erreicht. Von Anfang an stand die Markteinführung unter einem schlechten Stern:

  • Kurz nach dem Elch-Debakel der A-Klasse und PR-Fehlern des Managements wurde das Auto von der Fachpresse verrissen.
  • Die Einführung musste um ein halbes Jahr verschoben werden, weil an der Sicherheit nachgebessert werden musste.
  • Die Marketing-Agentur lag mit ihrem Claim völlig daneben: „Reduce to the max“ wurde nicht verstanden oder lag neben dem Zeitgeist; denn niemand wollte in Boomzeiten weniger Auto.

Um das Auto doch noch auf die Wachstumsschiene zu heben, versuchte sich das Management an einer bunten Produkt-Differenzierung: Viersitzer, Cabrio, Off-Roader … vieles wurde geplant, einiges auch produziert, alles bald wieder eingestellt. Denn diese Bemühungen verunsicherten die Zielgruppe und trieben die Kosten nach oben – aber nicht den Absatz.

Vielleicht lag es aber auch einfach nur am falschen Zeitpunkt: Ende der 90er Jahre und im Boom des Jahrtausendwechsels wollte kaum jemand ein Auto haben, das mit einem Öko-Image gestartet war. Heute haben die gestiegenen Benzinpreise und die anhaltenden Diskussionen um schädliche Klimagase dazu geführt, dass das Auto mit sehr niedrigen Verbrauchs- und Emissionswerten doch noch auferstehen könnte. Fängt jetzt erst das Leben des Smart an?

Anti Ageing für Produkte

Alle wollen möglichst alt werden. Aber wie beim Menschen so stellen sich auch für alle Produkte Verschleißerscheinungen ein. Sie sind technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand oder entsprechen in Design und Verpackung nicht mehr den Kundenwünschen und dem Zeitgeist.

Nivea Plakat von 1964
Manche Marke hat eine lange Tradition.

Trotzdem gelingt es manchen, sich als Marke zu etablieren und über Jahrzehnte am Markt zu bestehen. Die Zusammensetzung der Nivea-Creme von heute dürfte mit der von vor 80 Jahren nur noch wenig gemeinsam haben, aber die Marke hat überlebt.

Die Karosserie des bekannten Bobby-Cars stammt noch aus den 70er Jahren und soll erst jetzt behutsam an das moderne Automobildesign angepasst werden. Trotzdem ist der Hersteller, die fränkische BIG-Spielwarenfabrik, seit über 30 Jahren im Segment der Rutschfahrzeuge unangefochten Marktführer.

Gerade Traditionsmarken, die schon viele Jahre etabliert sind, scheinen in der Gunst der Käufer wieder Boden gut zu machen. Die These, dass sie im Innovationsboom der 80er und 90er Jahre den Anschluss verpasst haben und von den modernen, trendbewussten, spritzigen Marken der multimedialen Ära abgehängt wurden, gelte nicht mehr, sagt der Marken-Berater Michael Coenen (Absatzwirtschaft 2/2007). Er weiß:

„Marken, die ständig versuchen, dem Zeitgeist hinterherzuhecheln und sich nicht treu bleiben, werden immer härter von ihren treuen Kunden abgestraft.“

Was heute in den Augen vieler Kunden zählt, sind vertrauensbildende Informationen wie:

  • Tradition seit hundert Jahren,
  • Familienunternehmen,
  • Erfahrung in der dritten Generation,
  • Wir bürgen mit unserem Namen.

Unterscheide: Lebensdauer von Produkten und Marken

Die Lebensdauer von Produkten ist beschränkt, Marken können sich dauerhaft etablieren. Manager müssen unterscheiden, auf welcher Ebene sie mit ihren Maßnahmen ansetzen:

  • Die Lebensdauer einer Marke lässt sich fast beliebig lange ausdehnen – wenn das Unternehmen es versteht, die Markenwerte und das Markenimage richtig aufzubauen und zu pflegen.
  • Die Lebensdauer von Produkten ist fast immer beschränkt; zumindest müssen sie nach einer angemessenen Zeitspanne überarbeitet, technisch auf den neuesten Stand und dem Geschmack der Zielgruppe angepasst werden.

Dabei hängen beide Bereiche eng miteinander zusammen. Wer in der Phase, wenn Umsatz und Gewinn zurückgehen, mit Billigangeboten und Rabatten das Letzte aus seinem Produkt herausholen will, kann leicht seiner Marke schweren Schaden zufügen.

Deshalb müssen Marketing-Aktionen zur Pflege und Stärkung der Marke genau mit Marketing- und Verkaufsförderung für ein spezifisches Produkt abgestimmt werden.

Hinweis

Apple hat es hervorragend verstanden, seine Marke dafür zu nutzen, um seine Produktpalette aus dem Bereich der Personal-Computer auf den des Entertainments zu übertragen. Sinnbild dafür ist, dass es den Zusatz „Computer“ vor kurzem aus seinem Unternehmensnahmen strich.

Achten Sie auf den Payback-Faktor

Motorola hat vor zwanzig Jahren mit der Entwicklung eines Satellitengestützten Mobilfunksystems begonnen und dann über 5 Milliarden US-Dollar investiert. Nachdem sich nur wenige Zehntausend Nutzer dafür begeistern ließen, mussten die enormen Investitionen weitgehend abgeschrieben werden.

Geld
Ein neues Produkt muss sein Geld erst verdienen.

James P. Andrew und Harold L. Sirkin, Berater bei der Boston Consulting Group, haben zahlreiche Fallbeispiele zusammengetragen, die zeigen, wie Unternehmen viel in scheinbar attraktive Ideen investieren, ohne sich je darüber Gedanken zu machen, wie damit jemals Geld verdient werden soll. Doch genau das ist das zentrale Ziel der Lebenszyklus-Planung für ein Produkt. Die so genannte Cash Curve muss aktiv gemanagt werden.

Forschung und Entwicklung verschlingen oft viel Geld und auch beim Marketing darf in der Einführungsphase nicht gekleckert werden. Umso wichtiger ist es, dann möglichst rasch in die Wachstumsphase zu kommen, wo Gewinne erzielt werden. Diese müssen über die gesamte Produktlebenszeit hinweg die Investitionen deutlich übersteigen. Andrew und Sirkin arbeiten in ihrem Buch „Payback“ dazu folgende Erfolgsfaktoren heraus:

  • kurze Produktentwicklungszeiten und möglichst geringer Aufwand für die Produktentwicklung;
  • ausreichende Marketing-Investitionen, um möglichst schnell die Einführungsphase erfolgreich in eine Wachstumsphase zu überführen;
  • den richtigen Zeitpunkt erwischen, wenn die Kunden für das Produkt und seine Nutzenversprechen bereit sind; gerade bei erklärungsbedürftigen Produkten tun sich die Vorreiter-Unternehmen sehr schwer, während die Nachfolger weniger Aufwände für den Markteintritt haben.

Auch hier ist der iPod von Apple ein Paradebeispiel dafür, wie das Unternehmen gekonnt den Lebenszyklus des Produkts managt. Kurze Entwicklungszeit mit knappen Budgets; schnelle Markteinführung und rasche Durchdringung der Zielgruppe. Ob man für den iPod auch einmal das sagen wird, was das Image des VW Golf ausmacht? Er läuft und läuft und läuft …

Quellen

http://www.serviceplan.de/studien/... [387]

http://knowledge.wharton.upenn.edu/... [388]

[jf; Fotos: Beiersdorf, Siemens, business-illustrationen.de]

Kult: Creme 21 setzt bei Wiederbelebung der Marke auf Retro

gabriele_ellery creme 21
Was früher gut war, muss heute nicht schlecht sein.

Im Fahrwasser zahlloser 60er-, 70er- und 80er-Fernseh-Shows und -Filme eilen findige Unternehmer dem Nostalgie-Trend hinterher und lassen alte Marken wieder aufleben. Seit 2003 schlägt sich Creme 21 mit achtbarem Erfolg, und das obwohl der Markt für Körperpflegeprodukte in Deutschland seit 2001 stagniert. Das Motiv der Markenauferstehung ist eindeutig: Die alte Strahlkraft des Creme 21-Images soll eine neue starke Marke in den Köpfen der Konsumenten verankern. Die leuchtend orange Kunststoffdose tritt wie schon in den 70ern gegen die etablierte, kühlblaue Nivea im Metallmantel an. Anlässlich des Comebacks sagte die neue Marken-Besitzerin Antje Stickel:

“Creme 21 ist eine Marke mit starker Persönlichkeit, die es schon einmal geschafft hat, die Herzen der Verbraucher im Sturm zu erobern. Rein rational ist sie für die äußere Anwendung auf der Haut gedacht. Emotional hat sie aber das Zeug dazu, auch unter der Haut zu wirken.”

Auf der Retrowelle Marken wieder erwecken

Und laut einer UGW-Studie [389] entscheiden sich Käufer gerade bei Körperpflegeprodukten für Markenware. Trotz der immer stärkeren Handelsmarken von Aldi, Lidl und Co. gaben 45 Prozent der 704 Befragten an, bei der Körperpflege Markenware vorzuziehen. Damit belegen die Körperpflegeartikel den Spitzenplatz unter den zehn überprüften Warengruppen der Studie. Die Wiederbelebungs-Chancen einer Crememarke standen und stehen also vergleichsweise gut.

Die Creme 21 GmbH

Im Jahr 2003 erwirbt die Marketing-Expertin Antje Stickel die Rechte an der Marke „Creme 21“ von ihrem ehemaligen Eigentümer, dem Chemie-Riesen Henkel.

Die Entwicklung von Umsatz, Gewinn und Marktanteilen sind noch Betriebsgeheimnis, doch laut einer Markenanalyse der Zeitschrift Brigitte schlägt sich Creme 21 achtbar. Sechs Prozent der Leserinnen benutzen die Creme, Branchenprimus Nivea schafft 38 Prozent. Das Sortiment: Creme und Hautlotion standen zum Start in den Regalen, inzwischen ergänzt durch Seife, Duschprodukte, später durch Sonnenpflege, Flüssigseife und ein Schaumbad, die bereits in 21 verschiedenen Handelsketten wie dm, Rewe, Toom oder Edeka erhältlich sind.

Marketing-Historie: Viel Haut

Zu ihrem ehemaligen Marktstart 1969 symbolisierte die 21 Volljährigkeit, Jugend und Leben. Mit dem Slogan „Creme 21 – Hält die Haut jung“ startete Besitzer Henkel eine für die Zeit provokative Kampagne, die zum ersten Mal in der Werbung viel nackte Haut zeigte – damals wie heute – genau wie die „Creme-Klecks-Kampagne“ von 1974 und 2003. Verschiedene Körperregionen wie Hüfte, Bauchnabel oder Nase werden frech mit Creme bekleckst ins Bild gerückt.

Creme 21 wurde von Henkel als Gegenspieler zur biederen, blauen Nivea von Beiersdorf positioniert. 1972 und 1975 erreichte sie in ihrem im Zenit 20 Prozent Marktanteil. Mitte der 80er-Jahre sackt dieser aber auf unter zehn Prozent. Eine Revitalisierung ist Henkel zu teuer, andere Marken sind wichtiger. Nur in Ungarn und im Nahen Osten wurde die Marke weitergeführt.

Als Ein-Frau-Unternehmen im Großkonzern

Auch die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin Antje Stickel sprang mit Creme 21 auf den Retro-Zug auf. Die neue Marken-Besitzerin war früher Geschäftsführerin der Lebensmittel-Zeitung und der Marketing-Fachzeitschrift Horizont. Ständig hatte sie mit Marken anderer Unternehmen zu tun. Als sie ihre Jugenderinnerung in einem Dubaier Supermarktregal wiederentdeckt, tritt sie sofort in Verhandlungen mit Henkel.

"Ich war überzeugt, dass diese Marke einen sehr hohen Sympathiewert hat und auf bestimmte Art und Weise das Lebensgefühl der 70er Jahre widerspiegelt."

Dass die Creme in vielen Köpfen überlebt hat, zeigt sich vielerorts. Mitte der 90er-Jahre spielte eine deutsche Band namens "Creme 21" und als im Jahr 2000 die Creme 21-Disko in Heilbronn eröffnete, erschien eine Serie gleichnamiger Club-CDs mit elektronischer Musik. Seit 2002 gibt es eine Creme 21 Autorallye, dort fahren Teilnehmer ab 21 mit ihren Oldtimern vor. Im März 2003 dann sichert sich Stickel Produktions- und Markenrechte an der orangefarbenen Dose - samt dem Nahostgeschäft. Zuerst produziert Henkel die Creme als starker Partner und unterstützt Antje Stickel bei der weltweiten Markenpflege. Doch zum Jahreswechsel 2005 beendete sie die Zusammenarbeit mit Henkel, der Partner ist zu groß und zu langsam. Jetzt entwickeln und produzieren externe Kosmetik-Lohnproduzenten die Pflegeserie für weniger Geld. Stickel und ihr inzwischen 11-köpfiges Team kümmern sich um Marketing, Werbung und Vertrieb von Bad Homburg aus. Da der deutsche Markt seit Jahren nicht wächst, verstärkten sie besonders die Exportaktivitäten.

Gezieltes Marketing: Von retro nach modern und hochwertig

Eine Marke, die einmal lange überlebt hat und wieder aufgebaut werden soll, darf nicht strategisch gestrig ausgerichtet sein, sonst wirkt sie bald altbacken. Ein zeitgemäßes Marketing ist sehr wichtig, das hat Antje Stickel erkannt:

„Wir wollen nicht nur auf der Retrowelle reiten. Wir nutzen sie als Rückenwind, um Creme 21 wieder zu etablieren.“

Das Budget war klein, also wurde großer Wert auf den vergleichsweise kostengünstigen Online-Auftritt gelegt, der auch die jugendliche Zielgruppe erreicht: Eine Vorschau-Website ging zeitgleich zur ersten Pressekonferenz Mitte Oktober 2003 online, die vollständige Seite startete im Januar 2004, kombiniert mit einer Fotogalerie von Creme 21 Events.

Neu aufgelegte kurze TV-Spots mit dem altbekannten Klecks, Gewinnspiele, Online-Werbespiele und Newsletter vervollständigten das Marketing. Eine neue Rezeptur, leicht veränderter Duft und das behutsam veränderte Design sollen Modernität und Qualität als Markenkern etablieren. Die Retrowelle diente als Anschub für einen leichteren Aufbau der Marke. So sparte sich das Unternehmen einen Teil des Geldes, das sonst für den aufwendigen Aufbau eines Marken-Überfliegers investiert hätte werden müssen. Als Bonus erreichte der Retrotrend eine sonst schwer zu erreichende Zielgruppe: Die heute 30- bis 40-Jährigen. Sie verbinden positive Erinnerungen aus ihrer Kindheit mit der Marke. Starke Marken bleiben auch ohne Marktpräsenz lange in den Konsumentenköpfen verankert. Die Herausforderung liegt in der perfekten Nutzung ihrer Werte für heutige Bedürfnisse der Konsumenten.

Balanceakt zwischen Bewahrung und Revolution

stramme_haut_creme21
Das Marketing muss behutsam angepasst werden.

Die Gründe für die Retrowelle liegen in der Orientierungssuche der Kunden in sich schnell verändernden Zeiten. Viele Verbraucher halten nach stabilen Größen Ausschau, und Marken mit Tradition können Orientierungspunkte sein. Doch während echte Fans ihre Ware so wollen, wie sie schon immer war, fordert ein sich schnell drehender Markt behutsame Modifikationen. Schon damals wirkte das grelle Orange der Creme-Dose nur einen begrenzten Zeitraum. Bald wurde es als künstlich empfunden und kam damit gegen ökologisch und gesünder inszenierte Pflegeprodukte nicht mehr an. Als dann 1983 noch das Logo verändert wurde, konnten sich die Kunden endgültig nicht mehr mit dem Produkt identifizieren. Es bleibt die spannende Frage, wie lange Creme 21 dieses Mal durchhält.

Das Alphabet der Marken-Wiederbelegungen

  • Afri-Cola: 1998 kaufte Kay Maluche die Rechte der 60er-Jahre-Marke. Der Produktmanager bei der Mineralbrunnen AG lud die Marke mit einem neuen Image auf.
  • Ahoj-Brause: Der insolvente Hersteller Friedel-Figeo übergab dem Produzenten von Katjes die Brauseproduktion. Die Tütchen ziert der bekannte blaue Matrose. Sie begeistern Kinder und besonders Jugendliche, die den Inhalt mit Wodka oder Korn herunterspülen.
  • Atari: Der französische Spielehersteller Infogrames ersetzte 2003 seinen Namen durch die bekannte Computermarke. Retrodesign und die Neuauflage alter Videospieleklassiker brachten neue Erfolge.
  • Bluna: 1994 kaufte Mineralbrunnen die Limonadenmarke aus den 50ern und gab Ihr das Image einer verrückten Brause.
  • Nil: Die Zigarettenmarke fällt auf mit ihren großen blauen Plakatwänden.
  • Pardon: 1962 in Frankfurt gegründet, wurde das literarisch-satirische Magazin Anfang der 80er Jahre eingestellt. Seit kurzem lässt ein ostdeutscher Satiriker die westdeutsche "Pardon"-Tradition aufleben
  • Salamander: Die ehemals altbackene Marke schließt seit April 2005 mit ihrer Vergangenheit ab. Mit einer Verjüngungskur sollen die Schuhe wieder verkäuflich werden.
  • Schiesser: Das Synonym für unsexy Feinrippunterwäsche, verkauft mit Schiesser Revival Unterwäsche, die man früher von Oma zu Weihnachten geschenkt bekam.
  • Telefunken: Der türkische Hersteller Profilo-Telra will die Marke wieder in den deutschen Markt für Fernsehgeräte zurückbringen.
  • TriTop: Vor vier Jahren begann der Neustart des Fruchtsirup in grellbunten Flaschen im 70er-Jahre-Design.
  • VW Käfer und Mini Cooper: Als New Beetle und Mini schafften die Kleinwagen die rasante Fahrt in die Gegenwart.

3 Kultmarkenkategorien (http://www.medialogics.de/ [390] )

  • Die Klassiker: Kultmarken mit langer, gewachsener Historie, hoher Verlässlichkeit und starker emotionaler Bindung.
  • Die Retros: Kultmarken, die ihr Revival feiern und auf starke Kernwerte der Vergangenheit und den Wunsch zur Rückbesinnung bauen.
  • Die Freaks: Ungewöhnlich werbende, junge Kultmarken, die provokant und innovativ Bewegungen in der Zielgruppe interpretieren.

Hinweis

Das lernen Sie

  • Traditionelle Marken bieten in einer Konsumlandschaft mit immer mehr und vielfältigeren Produkten Orientierung. Sie sind eine stabile Größe für den Kunden, dem Kaufentscheidungen damit leichter fallen.
  • Wer eine Marke wiederbeleben will, sollten den bekannten Markenkern nutzen, muss diesen aber an die veränderten Anforderungen der Kunden behutsam anpassen. Schöne Erinnerungen können nur kurze Effekte erreichen. Zeitgemäßes Marketing und eine perfekte Inszenierung können auf Dauer Erfolge bringen.

Links und Quellen

http://www.Creme21.com [391]

http://www.bippesbrandao.de/case-studies/... [392]

http://www.marketing-boerse.de/... [393]

http://www.medialogics.de [394]

http://stern.de/wirtschaft/... [395]

http://nurtext.zeit.de/2006/... [396]

[TL | Bilder: Creme21.com]

Priorität: Suchmaschinen sind beim Onlinemarketing entscheidend

Beachtliche drei Viertel der Befragten greifen in erster Linie auf Google und nicht auf spezialisierte Online-Branchenverzeichnisse zurück, um lokale Informationen zu finden. Wird eine Suchmaschine von Usern für die Einkaufsrecherche genutzt, dann geschieht dies um

  • bestimmte Produkte zu finden (77,9 Prozent),
  • Preise zu vergleichen (65,5 Prozent),
  • bestimmte Hersteller zu finden (56,4 Prozent),
  • Online-Shops zu finden (43,9 Prozent) oder um
  • nach lokalen Geschäften/Händlern (offline) zu suchen (37,3 Prozent).

Der „Long Tail“ kommt nach Deutschland

Nutzung des Internet
Suchmaschinen spielen die zentrale Rolle bei der Suche nach lokalen Geschäften

Die Tatsache, dass immer mehr Nutzer mehr Online-Zeit auf kleinen, unbekannten Sites verbringen und sich damit jeder herkömmlichen Mediaplanung entziehen, haben die Amerikaner das „Long Tail“ Phänomen genannt. Mit dieser Umfrage haben wir jetzt zum ersten Mal Hinweise darauf, dass dieses Verhalten auch in Deutschland eine Rolle spielen könnte. Bereits ein Drittel der Internet-User verbringt zwischen 25 und 75 Prozent ihrer Online-Zeit nicht mehr auf den großen General Interest Websites sondern auf eher unbekannten Websites zu Spezial-Themen.

Christian Petersen, Gründer und Geschäftsführer von eprofessional, hat die Studie bei Fittkau & Maaß in Auftrag gegeben. Er sagt dazu:

„Wenn sich das „Long Tail“-Verhalten wirklich auch in Deutschland etablieren sollte, dann sollte sich jeder Werbetreibende fragen, wie er seine Kunden dort erreichen kann, wo sie zunehmend sind. Suchmaschinen-Marketing ist hier sicherlich ein guter Anfang und auch Affiliate-Marketing zielt auf die Spezialwebsites im Long Tail. Dazu kommen die mittlerweile riesigen Flächenvermarktungsnetzwerke von Google und Yahoo. Im Special-Interest-Bereich gibt es mehr und mehr Traffic. Wer jetzt bucht, bekommt noch ein paar Jahre richtig gute Werbewirkung für richtig wenig Geld.“

Hinweis

Online-Werbung wird auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen. Schon jetzt wächst sie zehn Mal schneller als die klassische Werbung. Fast eine Milliarde Euro wurde 2006 für klassische Online-Werbung ausgegeben. Dazu kommen noch einmal über eine Milliarde Euro für Suchmaschinenmarketing. Wer seine Online-Werbung verbessern will, findet Praxisbereichte im folgenden Leitfaden:

http://www.marketing-boerse.de/Info/... [397]

Spezielle Informationen werden zu 95 Prozent über Suchmaschinen gesucht

61,4 Prozent der deutschsprachigen Internet-User suchen sehr gezielt nach Websites, nur 38 Prozent finden neue Websites durch Zufall beim Herumsurfen. Suchmaschinen dienen einer großen Mehrheit von 86,1 Prozent der User als Recherche-Tool, gefolgt von Tipps von Freunden und Bekannten (56,7 Prozent). Auch Special Interest Websites werden von 94,7 Prozent der Befragten über Suchmaschinen gefunden.

Lokale Suche findet in herkömmlichen, nicht-lokalen Suchmaschinen statt

Begibt sich ein Internet-User auf die Suche nach lokalen Informationen, so nutzt er in erster Linie die Suchmaschine Google (75 Prozent), gefolgt von den beiden deutschen Anbietern DasOertliche.de (45,5 Prozent) und GelbeSeiten.de (45,4 Prozent). Wenn ein Internet-User anstelle des Telefonbuches eine Internet-Suchmaschine nutzt, dann tut er das in erster Linie, um nach (Privat-) Personen (54 Prozent), regionalen Anbietern (48,6 Prozent), Herstellern bzw. Unternehmen (37,1 Prozent) oder überregionalen Anbietern (33,7 Prozent) zu suchen. Für regionale Anbieter bedeutet das, dass sie nicht nur in den gängigen Branchenverzeichnissen zu finden sein müssen, sondern auch in Suchmaschinen wie Google. Andernfalls laufen sie Gefahr, potentielle Kunden nicht zu erreichen.

Der Long Tail ist kein Amerikanisches Phänomen

Bereits rund ein Drittel der Internet-User verbringt zwischen 25 und 75 Prozent ihrer Online-Zeit nicht mehr auf den großen General Interest Websites sondern auf eher unbekannten Websites zu Spezial-Themen. Auf die Frage, wie die User diese Special Interest Websites finden würden, gaben 94,7 Prozent der Befragten an, über Suchmaschinen fündig zu werden. 47,3 Prozent verlassen sich auf Tipps ihrer Freunde und immerhin 29,4 Prozent werden durch Berichte in (Fach-) Zeitschriften zu den Spezial-Themen fündig. Das bedeutet vor allem für Nischen-Online-Anbieter, dass sie in jedem Fall in Suchmaschinen gut gerankt sein müssen, um von ihrer Zielgruppe gefunden zu werden.

Bekanntheit hilft beim Suchmaschinen-Marketing

Auf die Frage welche Form der Suchergebnisse – nämlich bezahlte Werbeeinschaltungen in Form von Sponsored Links oder normale Suchmaschinen-Ergebnisse – die Befragten bevorzugen, gaben 44,1 Prozent der Internet-User an, dass sie abhängig von ihrer Suchanfrage sowohl Textanzeigen als auch Index-Ergebnisse nutzen. 40,3 Prozent bevorzugen die normalen Ergebnisse, wenn sie nach allgemeinen Informationen suchen. Interessanterweise klickt rund ein Viertel aller Internet-User meist auf Fundstellen mit ihnen bereits bekannten Websites. Immerhin ein Fünftel der befragten User ignoriert grundsätzlich Sponsored Links.

Warum steht wer in den Suchmaschinen-Ergebnissen oben?

Befragt nach den Gründen für die Trefferhierarchie in Suchmaschinen, glauben 42,8 Prozent der User, dass in den Suchergebnissen jene Anbieter ganz oben erscheinen, die viel Geld für Suchmaschinen-Marketing ausgeben. Ein Viertel der Befragten glaubt, dass jene Anbieter ganz oben erscheinen, der Websites am besten programmiert (Suchmaschinen-Optimierung) sind. Ein Fünftel der Internetuser (19,9 Prozent) ist davon überzeugt, dass der Anbieter mit den auf ihre Suchanfrage am besten zutreffenden Produkten ganz oben steht. Immerhin 15,5 Prozent glauben, dass der jeweilige Marktführer ganz oben in den Trefferlisten steht. Lediglich 13,2 Prozent gehen davon aus, dass der Anbieter mit den am besten passenden Produktinformationen oben erscheint. Nur eine kleine Minderheit von 3,8 Prozent glaubt, dass es für die Trefferhierarchie keinen bestimmten Grund gibt, und dass die Zusammenstellung der Suchergebnis-Liste zufällig erfolgt.

Hinweis

Im Rahmen der bekannten Internet-Studie „WWW-Benutzer-Analyse W3B“ untersuchte das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Fittkau & Maaß für eprofessional, Hamburger Full-Service-Agentur für Suchmaschinen-Marketing, exklusiv spezifische Fragen zum Thema „Suchen im Internet“. Dabei fanden die Marktforscher heraus, dass Suchmaschinen sowohl beim Online- als auch beim Offline-Kauf eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

Vom 4. April bis 11. Mai 2006 führte Fittkau & Maaß bereits zum 22. Mal die W3B-Umfrage durch. Über 80 beteiligte Internet-Anbieter mit mehr als 200 Web Sites führten den Klassiker unter den Internet-Studien zu einer Beteiligung von 103.726 WWW-Nutzern. In vier Bänden (Nutzerverhalten, Kommunikation & Werbung, Electronic Commerce, Content und Navigation) werden die Ergebnisse zusammengefasst. Weitere Informationen gibt es unter

http://www.fittkaumaass.de [398]

[jf; Quelle: eprofessional GmbH; Fotos: Pixelquelle.de]

Trend: IT-Dienstleister werden zum Business Partner

Für Führungskräfte des technischen Managements ist die Industrialisierung der IT ein Thema, das nicht nur ihre eigene Rolle verändert, sondern auch die Struktur ihrer Abteilung. Um den Wandel zu vollziehen, steuert die Mehrheit der Befragten die Veränderung der Fertigungstiefe aktiv. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie IT-Trends 2007 des Management- und IT-Beratungsunternehmens Capgemini. So wird den Prognosen zufolge in fünf Jahren nur noch knapp ein Fünftel der Software im eigenen Haus entwickelt. Heute liegt der Wert noch bei 28 Prozent.

Sicherheit ist und bleibt das Thema Nummer eins

Noch drastischer sieht es bei der IT-Infrastruktur aus: Hier sinkt die Eigenleistung weiter von derzeit knapp 50 auf rund 35 Prozent. Bei Pflege und Wartung der Anwendungen nimmt dieser Wert auf rund 41 Prozent ab. Investiert werde trotzdem nicht weniger. Viele Unternehmen würden ihre Budgets auf Vorjahresniveau halten oder sogar mehr ausgeben. In Sachen innovative Entwicklungen schränkt Martin Bettels, Vice President Alliances & Innovation bei Capgemini, allerdings ein:

"Durch die vielen Pflicht-Tätigkeiten ist der Spielraum für Innovationen seitens der IT-Abteilungen inzwischen auf ein recht niedriges Maß gefallen."

Bei den wichtigsten Themen steht wie vor zwölf Monaten die Sicherheit auf Platz eins. Die IT-Leiter sehen diese vor allem durch das mangelnde Bewusstsein der Mitarbeiter und des Managements sowie durch Angriffe von innen gefährdet. Die Themen "Enterprise Resource Planning (ERP) und Harmonisierung der IT-Systeme" sowie "IT-Infrastruktur und IT-Service-Management" folgen auf den Positionen zwei und drei. Zwei Plätze rückte das Thema Business Intelligence auf, bei dem die Datenqualität im Mittelpunkt steht. Hohe Bedeutung hat auch der Komplex "Integration und Service-orientierte Architekturen", der zum ersten Mal gemeinsam abgefragt wurde.

"Die Industrialisierung der IT zieht weit reichende Veränderungen nach sich. Die IT-Landschaft eines Unternehmens wird immer flexibler und dient mehr und mehr als Drehscheibe für die Kopplung von Services“,

sagt Bettels. Das wirkt sich auf die Rolle des IT-Leiters aus. Nach Angaben der Befragten sehen die meisten (79 Prozent) derzeit ihre Aufgabe darin, als Dienstleister des Unternehmens für die reibungslose Lieferung der IT zu sorgen. Die Rolle als Business Partner, der geschäftliche Anforderungen in technische Lösungen übersetzt, nehmen heute lediglich 53 Prozent wahr. In Zukunft werden es 92 Prozent sein! Die Folge: Diese Tätigkeit wird sich zur Hauptaufgabe entwickeln.

Business Case: Bei vielen Projekten Mangelware

Neben dem Wandel der Rolle der IT-Verantwortlichen verändert sich auch die Erbringung der Services. Um diese Veränderungen vorzubereiten, konzentrieren sich die meisten auf die Implementierung von Standards und die Definition der Prozesse. Der Einführung neuer Methoden wird derzeit noch zu wenig Beachtung geschenkt. Zum ersten Mal wurden die Teilnehmer gefragt, wie zufrieden sie mit der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Anwendungen sind. Auf einer Skala von eins bis sechs erhielten die meisten Applikationen eine Note im Bereich drei.

Am besten schnitten Mobillösungen ab, die scheinbar halten, was sie versprechen: Sie erhöhen die Effizienz und sparen Zeit. Allerdings zeigte sich, dass viele Projekte nicht mit einer Wirtschaftlichkeitsberechnung unterlegt werden und dass die Ergebnisse deshalb in den meisten Fällen eher auf Schätzungen denn auf Zahlen beruhen. Obwohl der Druck Kosten zu senken nach wie vor Thema ist, scheuen viele IT-Verantwortliche die Mühe, einen Business Case zu erstellen.

Die Einhaltung von Zeitplänen und Budgets hat sich nicht nennenswert verbessert. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich der Mangel an internen Ressourcen im Vergleich zum vergangenen Jahr verschärft hat und die Anzahl der Projekte gestiegen ist. Trotzdem verzichten 47 Prozent der Befragten darauf, spezifische Governance-Prozesse zu nutzen, um geschäftskritische Vorhaben zu steuern und zu überwachen. Dazu Martin Bettels:

"In dieser Situation scheint es kaum Freiräume für die IT-Leiter zu geben, um sich Gedanken über ihre neue Rolle und die Umstrukturierung der Abteilung und der Prozesse zu machen. Nicht nur an dieser Stelle lassen die Ergebnisse der Studie darauf schließen, dass der Weg vom Dienstleister zum Business Partner für viele Führungskräfte steinig wird."

 

Hinweis

An der Umfrage IT Trends 2007 von Capgemini nahmen IT-Verantwortliche aus 67 deutschen Unternehmen sowie 24 Führungskräfte aus Österreich und 16 aus der Schweiz teil, deren Unternehmen jeweils einen Jahresumsatz von mehr als 250 Millionen Euro erwirtschaften.

 

 

 

 

[dw/ps, Bilder: Pixelquelle]

Druck: Kunden erwarten immer mehr Preisnachlässe

Gastbeitrag von Ulf Pleissner, Geschäftsführender Gesellschafter der Technologie Management Gruppe (TMG), Karlsruhe*

Wachstum definiert sich nicht mehr aus den gewohnten Steigerungsraten der Nachkriegszeit, in welcher ein Mangel die Bedürfnissen und ein regionaler, bekannter Wettbewerb den Markt bestimmten. Das Wachstum in den westlichen Ländern stößt an seine Sättigungsgrenze. Der Markt selbst wächst nicht mehr wie gewohnt. Die Unternehmen haben dies erkannt und versuchen, über Variantenbildung und evolutionäre Innovationen ihr Wachstum in der technologischen Segmentierung der Märkte zu finden. Dies führt zunehmend zur Komplexität der Produkte und zum Verlust von Skaleneffekten mit der Konsequenz steigender Kosten. Damit wird die Wettbewerbsfähigkeit in einem sich globalisierenden Markt zunehmend in Frage gestellt.

Ein Markt der Konditionen gefährdet die Gewinne

Andere Unternehmen versuchen durch Verdrängen oder Aufkaufen der Wettbewerber im gesättigten Markt Marktanteile zu gewinnen. Dadurch entsteht eine wachsende Einkaufsmacht gegenüber den Zulieferern. Die Preisbildung am Markt erreicht gleichzeitig die vollkommene Konkurrenz im „Global Sourcing“. Das Internet ermöglicht erstmals nicht nur eine globale Transparenz der Preise und damit eine gnadenlose Vergleichbarkeit, sondern bildet auch die Basis für Kundenkartelle. Durch das Ausüben der vollkommenen Käufermacht entsteht der Markt der Konditionen. Er ist gekennzeichnet durch:

  • sinkende Preise mit harten Zielpreisvorgaben,
  • Diktat der Konditionen, unter denen das Geschäft zustande kommt,
  • kurze Entscheidungsfristen für Annahme oder Ablehnung.

Dies hat folgende Auswirkungen:

  • fehlende Planungssicherheit bezüglich Stückzahl, Umsatz und Rendite,
  • zunehmende Komplexitätskosten,
  • permanent gefährdeter Gewinn,
  • fehlende Transparenz über das Verhalten des Wettbewerbs.

Zunehmende Komplexitätskosten bei sinkenden Preisen im Konditionenmarkt sind die Herausforderungen der nächsten Jahre und werden die Gewinne der Unternehmen nachhaltig beeinflussen. Aus den vielen gemeinsamen Projekten der Technologie Management Gruppe mit der produzierenden Industrie haben sich die folgenden vier Erfolgshebel herauskristallisiert:

  1. Gemeinsame Zielverpflichtung
  2. Effektivität der Innovation
  3. Individualität zum Standardpreis
  4. Selbstlernende Regelkreise

Visionen müssen für alle Bereiche des Unternehmens gelten

Ziel
Um im Konditionenmarkt zu bestehen, braucht es eine unternehmensweite Zielverpflichtung.

Unternehmen sind keine homogenen Einheiten, sondern der Zusammenschluss von einzelnen Wissens- und Entscheidungsträgern, die in definierten Prozessen die Unternehmung erst ausmachen. Gerade aber bei den einzelnen Wissens- und Entscheidungsträgern wirken sich die veränderten Marktbedingungen und -konditionen unterschiedlich aus: Ihr Entscheidungsverhalten richtet sich nach ihrem Wissensstand, ihrer eigenen Einschätzung zur Situation, ihren selbstentwickelten Lösungsideen, ihrem persönlichen sozialen Status und ihren eigenen individuellen Zielsetzungen. Je größer der Stress aufgrund der sich verändernden Märkte auf die einzelnen Wissens- und Entscheidungsträger wirkt, umso geringer wird die kognitive Leistungsfähigkeit und umso mehr treten Meinungskonflikte offen zutage.

Das Unternehmen ist damit in der Reaktionskraft nachhaltig geschwächt. Hier findet der Konditionenmarkt einen schier unbegrenzten Spielraum zur Ausübung seiner Macht. Ungerichtete Meinungen, fehlende Leitplanken und unterschiedliche Geschwindigkeiten im Denken begrenzen die eigene Verteidigungsmacht und schmälern damit die Überlebensfähigkeit der Unternehmen im Konditionenmarkt nachhaltig.

Die gemeinsame kognitive Zielverpflichtung aller Funktionsbereiche ist die Überlebensvoraussetzung im Konditionenmarkt. Gerade hier zeigen die Unternehmen heute elementare Schwächen. Alle haben zwar eine Unternehmensvision erarbeitet, doch diese ist meist nicht in strategische Leitplanken für die einzelnen Wissens- und Entscheidungsträger übergeführt worden. Mit der zunehmenden Dynamisierung lässt sich beobachten, dass die einzelnen Unternehmensbereiche und -funktionen ihre eigene Strategie formulieren, um selbst überleben zu können. Dies führt zu Disharmonien zwischen den einzelnen Sichtweisen der Entscheidungsträger, was in den meisten Fällen zur Fehlallokation der wertvollen Ressourcen führt.

Hinweis

Profitabel Wachsen in gesättigten Märkten heißt, eine gemeinsame Zielverpflichtung zwischen allen Wissens- und Entscheidungsträgern zu erreichen und diese permanent sicherzustellen.

Auf die “richtigen” Innovationen setzen

Innovation ist die Gratwanderung zwischen Erfolg und Pleite. Wenn der Kunde nicht mehr bereit ist, die Innovation wertig zu bezahlen und der Markt selbst nicht mehr wächst, wie kann man dann noch selbst profitabel wachsen? Die meisten Unternehmen versuchen über eine Technologiedifferenzierung zu wachsen. Damit segmentieren sie den vorhandenen nicht wachsenden Gesamtmarkt in Teilmärkte, von denen niemand weiß, ob diese Märkte auch wirklich die Zukunftsmärkte sind. Die Konsequenz: Gesättigte Märkte weisen eine hohe Volatilität auf.

Unter diesen Rahmenbedingungen werden zukünftig konkurrierende Innovationen extern um die gleichen Märkte und intern um dieselben Ressourcen kämpfen. Da aber im Konditionenmarkt die verfügbaren Ressourcen über den Ertragsdruck limitiert sind, müssen die richtigen Innovationsvorhaben frühzeitig herausgefiltert und priorisiert werden. Aber was sind die richtigen Innovationsvorhaben?

Produktstudie
Flexibles Innovationsmanagement: Auch Neinsagen gehört dazu.

Die frühe Entscheidung zu den richtigen Innovationsvorhaben ist wie eine absolute Richtungsweisung im vollkommenen Nebel. Daher müssen die Innovationsvorhaben sich zukünftig an dem Effekt, welchen sie im Zielmarkt erreichen können, messen lassen. Die endgültige Entscheidung zu einer Innovation muss sich an möglichen Alternativen orientieren. Dies verlangt von den Unternehmen, unterschiedliche Innovationen zu verfolgen und diese ständig auf ihre Effektivität zu bewerten. Dazu gehört auch die Fähigkeit, Innovationen abzubrechen. Dieser Prozess verlangt eine sehr hohe Interaktion zwischen den einzelnen Wissens- und Entscheidungsträgern. Die Grundlage hierfür ist neben der gemeinsamen Zielverpflichtung eine strukturierte Meinungsbildung auf der Basis eines filterbasierten Entscheidungsprozesses.

Hinweis

Profitabel Wachsen in gesättigten Märkten heißt, mit Alternativen umgehen zu können und faktenorientierte Entscheidungsprozesse zu besitzen.

Ein Baukasten für individuelle Kundenlösungen

Individualität erzeugt ein additives Geschäft. Manche Unternehmen haben ihr eigentliches Produktgeschäft mit individuellen Dienstleistungen angereichert. Allerdings mit dem Resultat, heute nicht bezahlte Leistungen im Kaufentscheidungsprozess erbringen zu müssen und die Kundenindividualität ungefiltert in das Produktgeschäft übergeführt zu haben. Damit haben sie zur Wettbewerbsdifferenzierung den Gesamtmarkt in Nischenmärkte zergliedert und ihre Komplexitätskosten nachhaltig erhöht. Die Praxis zeigt aber, dass überkomplexe Unternehmen langfristig am Markt nicht erfolgreich sein können.

Unternehmen werden zukünftig gezwungen sein, die interne und externe Komplexität eigenständig zu managen und das additive Geschäft der Individualität in ein multiplikatives Geschäft der Standards überzuführen. Die Weiche zur Massenproduktion wird in der Zukunft in den Unternehmen selbst liegen. Das Produktmanagement bekommt damit eine neue Dimension. Es muss die kundenindividuellen Anforderungen bewerten und gewichten, die Anforderungen in Standard oder individuelle Option segmentieren, die Module samt Schnittstellen definieren, die wirtschaftliche Kombinatorik festlegen, die Fixkosten durch eine Make-or-buy-Strategie beherrschbar gestalten und eine modulare Denkstruktur im Unternehmen integrieren.

Diese Anforderung verlangt von den Unternehmen ein proaktives Verhalten. Sie müssen mit diesem Schritt in Vorleistung zu treten, um dann aus dem definierten Baukasten kundenindividuelle Lösungen schnell applizieren zu können. Unter einem Baukasten sollte hier jedoch nicht nur ein Teilebaukasten verstanden werden. Ein Baukasten in einem innovativen und erfolgreichen Unternehmen umfasst auch die Denkweisen, die Verfahren, das Know-how und die Prozesse.

Hinweis

Profitabel Wachsen in gesättigten Märkten heißt, kundenindividuelle Lösungen aus einem multiplikativen Baukasten bedienen zu können.

Controlling in kleinen Einheiten

Leider ist unsere angewandte Betriebswirtschaftslehre nicht ausreichend in der Lage, den zukünftigen dynamischen Prozessen gerecht zu werden. Wir haben aus dem Erfolgscontrolling einen Fachbereich gemacht. Wie im Qualitätsmanagement haben wir eine Abteilung gebildet, in der Hoffnung, dass diese eine ausreichende Transparenz zur Entscheidungsfindung erzeugen kann. Wie im Qualitätsmanagement kann aber Wirtschaftlichkeit nicht durch eine Abteilung erzeugt werden, sondern muss in den Köpfen stattfinden. Eigentlich darf Controlling im Sinne der Zukunftssteuerung keine Aufgabe einer Abteilung sein, sondern muss zur Denkweise aller am Innovations- und Wachstumsprozess beteiligter Personen gemacht werden.

Gehirn
Wirtschaftliches Denken passiert im Kopf, nicht durch das Schaffen einer Abteilung.

Controlling und damit Wirtschaftlichkeit ist eine Grundvoraussetzung für das zukünftige Denken und Handeln. Diese Tatsache wurde schon früh durch die Etablierung der Ausbildung zum Wirtschaftsingenieur erkannt. Diese Denkweise muss aber in gesättigten Märkten in allen Köpfen vorhanden sein. Wichtig dabei ist: Es ist leichter, einem Techniker Betriebswirtschaftslehre beizubringen, als einem Betriebswirt Technik. Ziel muss es zukünftig sein, dass Innvoationsverantwortliche wie „Produktmanager“ und „Projektmanager“ über einen kleinen und schnellen Regelkreis zur wirtschaftlichen Beurteilung der Innovationsvorhaben verfügen. Sie legen noch immer den Großteil der späteren Kosten fest und steuern damit das zukünftige Unternehmensergebnis.

Innovationsprojekte sind die Quelle des zukünftigen Erfolges. Ertragsgetriebene Innovationen verlangen keine Controllingabteilung, sondern ein Denken der Projektverantwortlichen in wirtschaftlichen Zusammenhängen mit schneller Simulation und Entscheidungsfindung sowie einer selbstregelnden Innovationssteuerung.

Hinweis

Profitabel Wachsen in gesättigten Märkten verlangt ein unternehmensweites Ingangsetzen von kleinen Regelkreisen.

In gesättigten Märkten ändern sich die Marktmechanismen grundlegend. Aufgrund des vorherrschenden Überangebots wird die Nachfragemacht zum dominierenden Faktor. Strategien, die früher erfolgreich waren, führen nun schnell ins wirtschaftliche Abseits. Nur wer diese Änderungen in seinem Marktsegment erkennt und den erforderlichen Paradigmenwechsel im Unternehmen durchsetzt sowie seine Innovationssteuerung auf die geänderten Anforderungen anpasst, kann profitables Wachstum generieren.

*Kontakt:
TMG Technologie Management Gruppe Markt und Innovation GmbH
Pfinztalstraße 90
D-76227 Karlsruhe
Tel.: 0721-828060
E-Mail: info@tmg-karlsruhe.de [399]
Web: www.tmg-karlsruhe.de [400]

[Bilder: pixelquelle]

Verzettelt: Rentabilität vieler Marken im Portfolio ist oft fraglich

Fast die Hälfte aller Unternehmen, die eine Mehr-Marken-Strategie verfolgen, erzielen 80 Prozent des Gesamtumsatzes mit lediglich drei Marken. Dabei werden durchschnittlich acht Marken innerhalb eines Mehrmarkenportfolios geführt. Dieses Verhältnis spiegelt die problematische Situation schwacher Marken wieder. Das ist das Ergebnis einer Studie der Beratungs- und Agenturgruppe Marketing Partner aus Wiesbaden. Dazu sagt Hans Meier-Kortwig, Marken-Experte bei Marketing Partner:

„Unternehmen sollten ihre Multibrand-Strategie verstärkt unter dem Gesichtspunkt der Rentabilität betrachten und jede einzelne Marke auf den Prüfstand stellen. Nicht jedes Angebot verdient eine eigene Marke"

Beitrag einzelner Marken zum Unternehmenserfolg

Die einzelnen Marken eines Portfolios tragen in höchst unterschiedlichem Maß zum wirtschaftlichen Erfolg von Mehrmarkenunternehmen bei. In fast 30 Prozent der von Marketing Partner befragten Unternehmen generiert allein die stärkste Marke über 60 Prozent des Umsatzes.

Dagegen verbucht bei 93 Prozent der Unternehmen die drittstärkste Marke maximal 20 Prozent des Umsatzes. Der Beitrag der jeweils viertstärksten Marke ist noch geringer: In über 90 Prozent der Unternehmen bringt die viertstärkste Marke nicht einmal 10 Prozent des Umsatzes.

Top-3-Marken erwirtschaften 80 Prozent des Umsatzes

Durchschnittlich führen die Unternehmen acht Marken. Dabei erzielen in fast der Hälfte der analysierten Unternehmen die drei stärksten Marken zusammen 80 Prozent des Gesamtumsatzes. Die restlichen verursachen Kosten ohne dabei neue Märkte abzuschöpfen.

Marken-Qualität
Viele Marken stehen zum Ausverkauf.

Die Daseinsberechtigung dieser scheinbar überflüssigen Marken ergibt sich oftmals aus der Wettbewerbsstrategie. So ermöglicht die Mehrmarkenstrategie, durch eine breite Marktabdeckung auch Nischenbedürfnissen mit entsprechenden Leistungen zu begegnen und den Markt über Eintrittsbarrieren zu sichern. Beispielsweise schützt die Einführung von „Kampfmarken" die Referenzmarke vor Preiskämpfen.

Trotzdem sollten die Unternehmen die Rentabilität ihrer Mehrmarkenstrategie überprüfen, insbesondere wenn die weniger umsatzstarken Marken lediglich die Kosten abdecken oder sogar Verluste bringen.

Handlungsempfehlungen für Portfoliorestrukturierungen

Vor jeder Portfoliorestrukturierung gilt es zu bedenken, dass es sich bei allen im Zusammenhang mit der Mehrmarkenstrategie möglichen Optionen um Grundsatzentscheidungen handelt, die maßgeblich den Unternehmenserfolg beeinflussen können. Daher muss jede Portfolioveränderung markenstrategisch überprüft werden. Bei der Frage nach der optimalen Markenanzahl eines Portfolios müssen folgende Aspekte beachtet werden:

  • Marktmacht: Können durch zusätzliche Marken neue Märkte und Absatzpotenziale erschlossen werden oder wird nur mit mehreren Marken der gleiche Markt bearbeitet?
  • Übersegmentierung: Befriedigen die einzelnen Marken unterschiedliche Kundenbedürfnisse?
  • Effizienz: Übertreffen die durch die verschieden Marken erzielten Zusatzerlöse die Kosten der Mehrmarkenstrategie?
  • Budget: Steht ausreichend Budget zur Verfügung, um alle Marken nachhaltig zu entwickeln?
  • Synergieeffekte: Werden mögliche Synergien zwischen den Marken ausgeschöpft?

Markenbewertung zur systematischen Portfolio-Restrukturierung

Der Optimierung des Markenportfolios muss ein systematisch hergeleiteter und klar nachvollziehbarer Markenbewertungsprozess vorausgehen. Dabei ist es egal, ob nach Akquisitionen Umstrukturierungen notwendig geworden sind oder ein zu umfangreich gewordenes Portfolio bereinigt werden muss. Zur Bewertung der fraglichen Marken ist eine zweifache Evaluation empfehlenswert:

  1. Bewertung nach Erfolgskriterien: Im Rahmen der Bewertung nach Markenkriterien werden die Wirtschaftlichkeit und das Potenzial der Marken analysiert. Dazu müssen zunächst Auswahlkriterien gefunden und Mindestanforderungen festgelegt werden. Auch ökonomische Key Performance Indicators (KPIs) sind zu berücksichtigen. Voraussetzung dafür ist die Transparenz der Kosten- und Ertragsstrukturen aller im Portfolio enthaltener Marken. Diese Transparenz fehlt in vielen Unternehmen. Auch den Konsumenten betreffende Kriterien sind mit einzubeziehen - beispielsweise die Markenbekanntheit, die Markenpräferenz und die Markendifferenzierung. Nicht nur die aktuelle Marktposition ist zu betrachten, sondern auch Wachstumspotenziale und zukünftige Entwicklung müssen vorhergesehen werden, damit sie in den Entscheidungsprozess einfließen können. Selbstverständlich gibt es keine allgemeingültigen Erfolgskriterien bei der Markenbewertung. Jede Branche besitzt besondere Parameter. In dynamischen, sich schnell entwickelnden Branchen misst man etwa dem Wachstumspotenzial einer Marke einen hohen Stellenwert bei. Schon in dieser Phase der Bewertung des Markenportfolios zeigt sich häufig, dass nur die wenigsten Marken prägnante, individuelle Positionen einnehmen.
  2. Bewertung nach Segmenten: Zusätzlich müssen Mehrmarkenunternehmen Kundensegmente definieren und mit einer einzigen Marke abdecken. Auch hier sind Parameter festzusetzen, nach denen bestimmt werden kann, welche Marke des Portfolios welches Segment bearbeitet.

Hinweis

Für die Studie „Mehrmarkenmanagement 2006" wurden 88 Markenexperten führender Unternehmen befragt, die in einem Geschäftsfeld mehrere Marken führen oder für einzelne Marken innerhalb eines Portfolios verantwortlich sind.

Weitere Informationen finden Sie unter

http://www.marketingpartner.de/presse/... [401]

http://www.marketingpartner.de/wissen/... [402]

[Quelle: Marketing Partners; Foto: PixelQuelle.de]

Risiko: Loyalität und Empfehlungen wirken direkt auf Image und Umsatz

Durch Kundenloyalität zu mehr Umsatz

Ohrmuschel
Unternehmen, die positiv von sich reden machen, gewinnen an Kunden und Umsatz dazu.

Kundenloyalität steigert die Wertschöpfung, denn loyale Kunden kaufen öfter, sie kaufen mehr, sie sind meist weniger preissensibel. Und sie helfen, Werbekosten zu sparen. Aber das ist noch nicht alles. Ein durch und durch loyaler Kunde kommt nicht nur immer wieder, er erzählt seine positiven Erfahrungen auch weiter („Mund-zu-Mund-Geschäft“). Nicht als Stammkunde, sondern als aktiver Empfehler ist der Konsument am profitabelsten. So wird das meiste Geld verdient. Wer die Loyalität seiner Käufer gewinnt und dauerhaft bewahren kann, sichert sich mehr Umsatz und reduziert gleichzeitig seine Kosten. Das Ersparte kann wiederum loyalitätsfördernd investiert werden: in umsatzträchtige Innovationen, in auf Kunden fokussierte Mitarbeiter, in guten Service und in ein sich an Loyalität orientierendes Marketing. So erzeugen Sie eine Loyalitätsspirale, die sich immer weiter nach oben dreht.

Untersuchungen und Beobachtungen bestätigen – abgesehen von wenigen Ausnahmen – bei loyalen Kunden immer wieder folgendes:

  • höhere Wiederkauf-Raten: Loyale Kunden kaufen öfter und konzentrieren ihre Kaufkraft auf wenige Anbieter. Dies fördert auch die Planbarkeit und Budgetierung von Umsatzverläufen.
  • Zusatzverkäufe: Loyale Kunden kaufen mehr, denn sie sind mit dem kompletten Angebot besser vertraut. Zudem kaufen sie auch hochwertiger.
  • geringere Preis-Sensibilität: Loyale Käufer sind großzügiger. Die Rolle des Preises relativiert sich, sie vergleichen seltener.
  • längere Verweildauer: Loyale Kunden sind immun gegenüber anderen Anbietern oder vergleichbaren Leistungen und resistent gegenüber Abwerbe-Versuchen.
  • kostenlose Verkäufer: Empfehlungen bringen einen Vertrauensvorschuss und damit schnellere Kaufbereitschaft bei dem, der die Empfehlung erhält. Als glühende Verehrer verteidigen Empfehler ihre Lieblingsmarke auch gegen jede Art von Angriffen.
  • homogenerer Kundenmix: Gleich und Gleich gesellt sich gern. Dies fördert die Spezialisierung auf erwünschte Kundengruppen.
  • Umsatzplus durch Innovationsanstöße loyaler Käufer: Der Kunde wird zum Ideengeber und kostenlosen Unternehmensberater.

Durch Kundenloyalität Kosten sparen

Untersuchungen und Beobachtungen bestätigen zudem:

  • niedrigere Akquisitionskosten: Loyalisieren ist günstiger als Neukunden gewinnen. Stammkunden brauchen weniger klassische Werbung.
  • optimierter Werbemitteleinsatz: Durch Konzentration aller Aktivitäten auf die loyalsten Zielgruppen und gezieltere Ansprache entstehen geringere Streuverluste.
  • Reduktion von Geschäftsrisiken: Geringere Debitorenprobleme, denn loyale Kunden zahlen besser.
  • verringerte Prozesskosten: Planbares Wiederkaufverhalten kommt Einkauf, Logistik und Lagerhaltung zugute und führt zu optimierten Prozesszeiten. Es entstehen geld- und/oder zeitsparende Ablauf-Routinen, da Käufer und Mitarbeiter gut miteinander vertraut sind.
  • weniger Mitarbeiterfluktuation: Die Mitarbeiterloyalität steigt. Es entsteht eine Mitarbeiter-Käuferbindung. Der eigene Arbeitgeber wird zunehmend attraktiv.
  • sinkende Kosten für die Gewinnung neuer Mitarbeiter: Loyale Mitarbeiter werben neue, passende Mitarbeiter durch positive Mundpropaganda.
  • geringere Reklamationskosten: Treue Kunden sind toleranter gegenüber Fehlern und großzügiger bei der Fehlerbereinigung.
  • honorarfreies Mitarbeiter- und Management-Coaching durch engagierte Käufer: Dies reduziert die Kosten für externe Berater und führt zu kontinuierlichen Verbesserungsprozessen.

Wie hoch die Kostenvorteile durch loyale Kunden sind erkennen Unternehmen erst dann, wenn sie beginnen, diese je nach Verursacher auf Neukunden und Bestandskunden aufzuteilen. Das Rechnungswesen muss demnach sein Mess-Instrumentarium nebst Kennzahlensystem stärker auf Loyalitätsaspekte ausrichten.

Loyalitätsbasierte Kennzahlen entwickeln

Die Neukunden-Gewinnung ist in vielen Branchen völlig ausgereizt. Die Märkte sind gesättigt. Erstnutzer werden immer seltener. Das Wachsen geht nur noch zu Lasten des Wettbewerbs. Doch lauscht man dem Rabattgeschrei der Unternehmen, scheint das Abjagen von Kunden nur noch über den Preis zu funktionieren. Dies führt zu einer Margen-Situation, die ein kurzfristiges Neugeschäft kaum noch rentabel macht. Loyale Bestandskunden hingegen bieten ein oft immer noch unterschätztes, sehr ergiebiges und kostengünstig zu bearbeitetes Potenzial. Gerade dort, wo die Anlaufkosten der Neukunden-Gewinnung hoch sind, ist der Ausbau eines profitablen Stammkundengeschäfts - gekoppelt mit einem systematischen Empfehlungsmarketing - höchst erstrebenswert.

Bilden Sie doch statt Ihrer klassischen Zielgruppen-Segmentierung einmal die folgenden drei Kategorien:

  1. Illoyale Kunden
  2. Bedingt loyale Kunden
  3. Ausnahmslos loyale Kunden
Centmünzen
Eine wichtige Frage im Marketing: Wie hoch sind die Verluste durch abwandernde Kunden?

Definieren Sie die Kriterien, die etwa einen ausnahmslos loyalen Kunden kennzeichnen. Dann analysieren Sie genau, wie sie an diese gekommen sind, was sie auszeichnet und wie sie sich verhalten. Mit diesem Wissen lassen sich Profile und Prozesse erstellen, mit deren Hilfe man systematisch auf die Suche nach neuen loyalen Kunden gehen kann. So lernen Sie auch, die Art von Kunden zu meiden, bei denen alle Loyalisierungsbemühungen zwecklos sind. Denn Loyalität lässt sich nicht bei Allen und Jedem erreichen. Der Fokus auf Kundenloyalität zahlt sich in jedem Fall aus. Hier eine Auswahl von Fragen, die zu einem loyalitätsbasierten Kennzahlensystem führen können:

  • Wie viele Kunden gewinnen wir pro Jahr und welche davon sind profitabel und loyal?
  • Ab wann ist ein Kunde loyal und an welchen Faktoren messen wir dies?
  • Kennen unsere Kunden unsere komplette Leistungspalette?
  • Welche Kundenbeziehungen wollen wir aus- und welche abbauen?
  • Wie viel kostet es, einen neuen Kunden zu gewinnen?
  • Wie viel kostet es, einen bestehenden Kunden zu halten?
  • Wie viele Kunden verlieren wir pro Jahr?
  • Wie hoch ist die Fluktuationsrate in den unterschiedlichen Bereichen, Regionen oder Filialen?
  • Wie viel Umsatz verlieren wir durch abwandernde Kunden?
  • Warum verlieren wir diese Kunden und wie erfahren wir davon?
  • Bei wem kaufen diese die Leistung jetzt ein und warum?
  • Welche negative Mund-zu-Mund-Werbung entsteht uns hierdurch?
  • Lässt sich ein Frühwarnsystem für abwanderungswillige Kunden installieren?

Hinweis

Worauf Sie achten müssen, um Kunden zu gewinnen, lesen Sie in unserem Dossier Kundengewinnung: Einbinden und begeistern.

Aufschlussreich ist auch die Untersuchung der Frage, zu wem die Loyalität am höchsten ist. Zum Unternehmen selbst, zu den Angeboten und Services beziehungsweise Marken des Unternehmens oder zu den Ansprechpartnern?

Ermittlung und Steigerung der Empfehlungsrate

Die Empfehlungsrate gehört zu den wichtigsten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Sie sollte im Geschäftsbericht ganz vorne stehen. Denn wer heute nicht mehr empfehlenswert ist, ist morgen nicht mehr kaufenswert. Hierbei interessiert vor allem, wie viele Kunden weiterempfehlen und warum sie das tun. Zudem gehört dazu die Frage, wie viele Kunden aufgrund einer Empfehlung angebissen haben. Der US-amerikanische Loyalitätsexperte Frederick F. Reichheld schrieb in einem Beitrag für den Harvard Business Manager vom März 2004:

„Zunehmende Kundenloyalität ist offensichtlich immer einer der wichtigsten Faktoren für Wachstum.“

Schweigen
Bei der Kundengewinnung ist Schweigen nicht Gold.

Auf der Basis ausgiebiger Analysen kommt er zu dem Schluss, dass Unternehmen, die die höchste Zahl an positiven Empfehlern hatten, im untersuchten Dreijahreszeitraum auch die höchsten Umsatzzuwächse erzielten. Dies traf beispielsweise bei Fluggesellschaften, Autovermietern und Internetanbietern zu. Eine der markantesten Erkenntnisse seiner Untersuchung lautet: Unternehmen brauchen keine komplexen Kundenstudien, sondern am Ende nur ein oder zwei Fragen, die kontinuierlich gestellt werden und auf deren Resultate hin schnelle Reaktionen möglich sind. Als mit Abstand effektivste Frage schlägt er die folgende vor:

„Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie das Unternehmen X an einen Freund oder Kollegen weiterempfehlen werden?“

In Zukunft können sich Unternehmen also in vielen Fällen kosten- und zeitintensive Kundenzufriedenheitserhebungen sparen. Regelmäßig gestellte Empfehlungsfragen reichen aus. Ein weiterer Formulierungsvorschlag:

  • Können Sie sich vorstellen uns weiter zu empfehlen?
  • Wenn ja: weshalb genau?
  • Wenn nein: weshalb nicht?

Die Frage nach dem „weshalb“ ist besonders wertvoll, denn sie eröffnet zusätzliche Lerngewinne und deckt konkreten Handlungsbedarf auf. Hier gleich noch zwei Beispiele:

  • Wenn es eine Sache gibt, für die Sie uns garantiert weiterempfehlen würden, welche wäre das für Sie?
  • Wenn es eine Sache gibt, für die Sie uns ganz sicher nicht weiterempfehlen können, welche wäre das für Sie?

Zudem lohnt sich zu analysieren, wie hoch ist die Abschlussquote bei einem empfohlenem und nicht empfohlenen Geschäft ist. Ein solches Vorgehen ist schnell und flexibel durchführbar. Auf Basis der Resultate lässt sich unverzüglich ein Sofort-Programm installieren, das Schwachstellen beseitigt und die Empfehlungsraten weiter steigert.

Gesinnungswandel: Discount-Strategie verliert an Bedeutung

Mit ALDI in den Urlaub. Geht nicht? Geht doch. Seit dem 5. Januar können sparwütige Verbraucher auch beim großen deutschen Discounter wahre Reise-Schnäppchen machen. ALDI ist dafür eine Kooperation mit der TUI-Beteiligung Berge & Meer eingegangen. Insgesamt fünf Destinationen stehen zur Auswahl. Das preiswerteste Angebot sind Familienferien im Salzburger Land, das teuerste eine einwöchige Luxus-Reise nach Mauritius, Halbpension und Linienflug inklusive. Das Ganze in einem Vier-Sterne-Hotel. Damit fährt ALDI jetzt die Strategie, die beispielsweise bei Tchibo schon seit längerem mit der Deutschen Bahn praktiziert: Reisen zum Discount-Preis.

Lebensmittel-Discounter vor der Expansionsgrenze

Logo Plus
Auch der Discounter Plus hat Billigreisen im Angebot.

Das ist aber lange noch nicht alles. Auch die Supermarkt-Discounter Lidl, Plus und Penny haben Pauschalreisen zu Niedrigpreisen im Angebot. Lidl kooperiert dazu mit der Thomas-Cook-Beteiligung Paneuropa, Plus und Penny über REWE mit Tjaereborg. Doch was hat die Discounter zu diesem Schritt bewegt? Das Angebot billiger Reisetarife ist nicht gerade gering, das Internet ist voll von einschlägigen Seiten, die mit unzähligen Schnäppchen um die reisefreudige Kundschaft werben. Eine Studie der Unternehmensberatung Mercer deckt auf: Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel befindet sich in einer neuen Wettbewerbsphase.

Im nach wie vor stagnierenden Markt stoßen die dominanten Discount-Ketten immer häufiger an ihre Expansiongrenzen, schreiben die Autoren der Studie. Zwar sei deren Dominanz nach wie vor ungebrochen, doch die Zeiten rasanten Wachstums seine vorbei: ALDI, Lidl und Co. nähern sich mit einem Marktanteil von 40,9 Prozent im Jahr 2005 bereits der Sättigungsgrenze.

Stichwort

Als Discounter beziehungsweise Diskonter bezeichnet man Unternehmen des Einzelhandels, die sich durch ein schmales Warensortiment, einfache Warenpräsentation, kleine Verkaufsflächen und geringe Preise auszeichnen. Beim Discounter wird ein Rabatt gleich in den Preis einberechnet.

Man unterscheidet den normalen Discounter von einem Harddiscounter. Letzterer zeichnet sich durch besonders starke Einschränkungen im Warensortiment und bei der Verkaufsfläche aus.

Bio-Sortiment Plus
Das Angebot vieler Lebensmittelmärkte deckt nicht mehr alle Bedürfnisse. Gefragt ist, was trendy ist.

Das Problem der Billig-Ketten: Durch ihre nahezu flächendeckende Präsenz ist die Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen, auf ein Minimum geschrumpft. Insbesondere das Format des Harddiscounts mit seiner strengen Fokussierung auf die grundlegenden Artikel des täglichen Bedarfs ist ausgeschöpft. Nicht umsonst haben viele Märkte reagiert und sind beispielsweise bei Bio-Lebensmitteln oder auch Health- und Beauty-Produkten mit dem Trend gegangen. Andere Strategien müssen her, da scheint der Eintritt in den Markt der Pauschalreisen die logische Konsequenz zu sein.

Produktqualität zählt wieder mehr

Seit Jahren schon stagnieren die Umsätze im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Mit 136,6 Milliarden Euro erreichte die wichtigste Einzelhandelsbranche 2005 genau das gleiche Niveau wie 2004. Auch die Flächenproduktivität der Branche geht weiter zurück. Vor allem ALDI hat in Deutschland kaum noch Expansionsspielraum und generiert im Gegensatz zu anderen Discountern kein Umsatzwachstum mehr. Mercer-Berater Siemssen dazu:

Das Modell des Harddiscounters wirkt ausgereizt. Sich allein auf den Preis zu verlassen wird in Zukunft nicht mehr ausreichen. Ähnlich wie Schlecker, der einst unumstrittene Marktführer im Drogeriesortiment, läuft vor allem Aldi Nord Gefahr, den Wechsel von rasanter Expansion hin zu systematischer Weiterentwicklung des Formats nicht zu schaffen."

Eine Schwachstelle, die für die so genannten Vollsortimenter die Chance bietet, zurückzukehren. Zurückzukehren mit einem Geschäftsmodell, dass mehr als zehn Jahre von dem auf Dauerniedrigpreise ausgerichteten Geschäftsmodell der Discounter überrollt wurde. Experte Siemssen:

„Die Supermärkte könnten jetzt eine Renaissance erleben, wenn sie ihren Kompetenzvorsprung beim Sortiment konsequent nutzen. Das Gebot der Stunde ist, Auswahl und Qualität des Sortimentsangebots gezielt zu verbessern, das Einkaufserlebnis für den Kunden weiter zu steigern und das Sortiment effizient auf lokale Nachfrageunterschiede auszurichten - und dabei das Preisimage nicht aus den Augen zu verlieren.“

Hinweis

Wie sich die Kundenzufriedenheit messen lässt, lesen Sie in unserem Dossier Servicequalität: Maßstab ist der Kunde [403] .

Die Mercer-Studie belegt: Zwar ist der Faktor Preis mit einem Anteil von 49 Prozent nach wie vor der wichtigste Treiber für die Kundenzufriedenheit. Qualität und Auswahl genießen mit 38 Prozent jedoch einen weitaus höheren Stellenwert als noch vor zwei Jahren. Die „Geiz-ist-geil“-Welle scheint also überwunden.

Der Verbraucher gewinnt an Profil

Ins gleiche Horn wie die Autoren der Mercer-Studie bläst auch die Trendstudie Discount 2006. Sie resümiert, dass der Trend, „Wo gibt es das beste Produkt zum kleinsten Preis“, von dem die Discounter lange profitiert haben, langsam abebbt. Stattdessen würden neue Verhaltensregeln, Einstellungen und Bedürfnisse die Oberhand gewinnen. Die Autoren nennen es den „Health-Style-Trend“: Gesundheit und Lebensqualität stehen dabei wieder im Vordergrund.

Der Preis ist danach nicht mehr das einzig entscheidende Kriterium. Vielmehr wird das Preis-Leistung-Verhältnis wichtiger. Mit der Folge, dass die Qualitätsmarken im Lebensmittelhandel profitieren. Die Studie definiert den Typ Kunde der Zukunft und beschreibt seine Verhaltensmuster beim Einkaufen:

  • Die Anzahl der Discountkäufer wird langfristig stagnieren. Eine Steigerung der Marktanteile ist nur schwer realisierbar.
  • Best Ager setzen auf Qualität und Vertrauen. Kurzfristig kommen noch die Discounter zum Tragen.
  • Preiskäufer mutieren zum Smart – Shopper und/ oder Markenkäufer.
  • Der Smart – Shopper sucht gezielt günstige Markenqualität.
  • Die Trust-Shopper kaufen wieder zufällig und spontan.
  • Der Success – Shopper geht lieber auf Siegeszug, anstatt aufwendige Preisvergleiche durchzuführen.
  • Der Käufer von morgen agiert als selbständiger Unternehmer.

Der Verbraucher gewinne mit zunehmendem Wissen, welche Waren in welchen Vertriebsformen am günstigsten zu erwerben seien, an Profil. Die bisherigen Elemente des AIDA-Schemas würden nicht mehr greifen.

Stichwort

AIDA ist ein Werbewirkungs-Prinzip. Das Stufenmodell enthält vier Phasen, die der Kunde durchlaufen soll und die letztlich zu dessen Kaufentscheidung führen sollen:

  1. Attention − Die Aufmerksamkeit des Kunden wird erregt.
  2. Interest − Er interessiert sich für das Produkt.
  3. Desire − Der Wunsch nach dem Produkt wird geweckt.
  4. Action − Der Kunde kauft das Produkt.

Die zentrale Aussage: Der Kunde ist mündig und kritisch geworden, besitzt mehr Selbstbewusstsein. So kehre sich die Wertschöpfungskette um in dem Sinn, dass in Zukunft der Verbraucher bestimme, wie sich die Artikel verkaufen lassen. Ein weiterer Entwicklungstrend: Der Konsument agiert zunehmend individualistisch. Er kauft dort ein, wo er neben dem eigentlichen Produkt Erlebnisse geboten bekommt.

dm_Produktlinie
Viele ähnliche Produkte: Wer blickt da noch durch?

Zukunftsforscher Matthias Horx glaubt, die Lösung für die „Aldisierung“ der Vergangenheit gefunden zu haben. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht er über das Ende des Konsumzeitalters. Weder der Kunde, der nur billig kauft, noch die Steuerpolitik seien schuld am jahrelangen Erfolg des Billigpreisdenkens. Verantwortlich sei vielmehr ein Überangebot an nahezu identischen Produkten, wie beispielweise Zahnpasten. Der Kunde könne die von den Herstellern angepriesenen Unterschiede nicht mehr nachvollziehen und greife automatisch zum billigsten Produkt. Letztlich weiche er nur auf das Argument Preis aus. Auch er sieht die Lösung, ähnlich wie die Autoren der Trendstudie Discount, in einem Neudenken der Wertschöpfungskette. Sein Vorschlag: Die Dienstleistung in das Produkt integrieren und eine neue Beziehung zwischen Service und Produkt schaffen.

Ein Beispiel aus dem Drogeriebereich: Discountanbieter Schlecker hatte sich in enormem Tempo zum Marktführer aufgeschwungen. Inzwischen stockt die Expansion und die Konkurrenten dm oder Rossmann gewinnen zunehmend Marktanteile. Der Grund: Beide bieten einen besseren Service, ein freundlicheres Ambiente und auch ein größeres Warenangebot. Eine Strategie, die viele Discounter auch in anderen Branchen derzeit noch nicht fahren.

FTD-Artikel über Textil-Discounter [404]

http://www.zukunftsinstitut.de [405]

[David Wolf, Bilder: Plus, dm-drogerie markt]

Fortpflanzung: Virales Marketing macht den Kunden zum Botschafter

Die schlechte Nachricht zuerst: In den heutigen Zeiten der Over-Communication verliert die passive Berieselung durch Massenmedien dramatisch an Wirkung. Die Herausforderung: Mit zunehmender Werbemüdigkeit gewinnen Weiterempfehlungen und Erfahrungen bestehender Kunden an Bedeutung. Der Kunde glaubt, wem er vertraut. Und das sind immer seltener Unternehmen, sondern Freunde, Bekannte und die Familie. Die Chance: Kunden investieren Zeit, um Marken aktiv und freiwillig weiterzuempfehlen. Diese Weiterempfehlungen lassen sich verstärken, wenn Sie die Prinzipien epidemischer Markenkommunikation berücksichtigen.

Stichwort

Virales Marketing ist eine Marketingform, die existierende soziale Netzwerke ausnutzt, um Aufmerksamkeit auf Marken, Produkte oder Kampagnen zu lenken. Die Nachrichten breiten sich dabei epidemisch, also wie ein Virus, aus. Eine ältere und volkstümlichere Bezeichnung ist die so genannte Mundpropaganda.

Um dies zu realisieren, sind neue Marketingansätze entstanden:

  • Customer generated Media
  • User generated Content
  • Kunden als Markenbotschafter
  • Virales Marketing

All diesen Ansätzen ist eines gemeinsam: Wenn die Ansprache von Kunden wirken soll, müssen diese aktiv in den Marketingprozess eingebunden werden. Mehr noch: Marken müssen ihren Kunden Möglichkeiten bieten, aktiv und freiwillig Weiterempfehlungen zu verbreiten. Je attraktiver und unterhaltsamer diese Angebote sind, desto selbständiger werden sich Marken verbreiten. Die folgenden Beispiele zeigen, welche Bedeutung dabei das Internet hat:

  1. Frei nach dem Motto „Mitspielen statt Marketing“ bietet Winterthur auf seiner Website die sogenannte „Ski Challenge 2006“. Es handelt sich dabei um ein PC-Spiel, mit dessen Hilfe die Ski Weltcupstrecken virtuell gefahren werden können. Mit Erfolg: Das Spiel wurde circa 400.000 Mal heruntergeladen.
  2. Die Marke Jägermeister bietet auf seiner Website ein Musterbeispiel für interaktive Elemente einerseits und Branding andererseits: „WildBoard, WildTools, WildCards, WildSounds“ und „WildGames“ werden dort als „epidemische Elemente“ zum Download und der Weiterversendung angeboten.

Diese Beispiele zeigen, wie wirkungsvoll epidemisches Marketing sein kann. Doch welche Systematik steckt dahinter? Welche Erfolgsfaktoren sind zu beachten, um virale Effekte zu initiieren beziehungsweise zu verstärken? Wir haben bei puls in Kooperation mit unserem amerikanischen Partner, John Parikhal aus New York, Marketing- und Consumer-Trends herausgearbeitet, die Rückenwind für virale Markenstrategien geben.

Sieben Marketing- und Consumer-Trends

1. Kunden wollen kontinuierliche Innovationen

Um einen Anlass für epidemische Verbreitung zu geben, müssen Sie etwas Neues bieten. Dabei sind drei Richtungen denkbar:

  • Neue Technologien: zum Beispiel der Hybridantrieb bei Automobilen,
  • Neue Produkte: zum Beispiel die atmende Sohle der Geox-Schuhe oder
  • Neue Zusatzleistungen: zum Beispiel der Krombacher Kundenclub mit klarem Mehrwert für die Mitglieder.

Jochen Zeitz, der Vorstandsvorsitzende von Puma, bringt es auf den Punkt:

„Wenn der Verbraucher im März immer noch dasselbe im Geschäft sieht wie im Januar, hat er keinen Grund, etwas zu kaufen.“

2. Kunden wollen Unterhaltung

„Jugendliche finden es heutzutage möglicherweise witzig, Werbebotschaften über ein Videospiel zu bekommen, reagieren aber wütend, wenn sie von einem Telemarketer angerufen werden“.

Diese Aussage stammt von Juli Roehm, Direktorin der Marketingkommunikation bei Chrysler. Damit liegt sie voll im Trend. Kunden sind es heutzutage gewohnt, sich unterhalten zu lassen. Von daher genießen aktive Unterhaltungsangebote eine hohe Wertschätzung. Die damit verbundene „Mitmachwelle“ erreicht mittlerweile auch die Finanzbranche. Unter www.bausparspiesser.de [406] bietet die Landesbausparkasse (LBS) potenziellen Kunden die Möglichkeit, sich mit eigenen Fotos im Internet selbst auf den Arm zu nehmen. Mit Erfolg: Über 700 potenzielle Kunden haben diese Möglichkeit bereits genutzt.

3. Kunden wollen emotionale Ansprache

Gefühle werden in der Welt der Massenmedien und der austauschbaren Produkte immer wichtiger. Aber Vorsicht! Gefühle werden nicht durch Gefühle, sondern durch starke Leistungen hervorgerufen. Beispiele dafür sind Marken wie BMW oder HILTI, die es schaffen, technologische Überlegenheit zu emotionalisieren. Ein exzellentes Beispiel für die Emotionalisierung einer Technologie liefert uns auch Toyota mit dem Hybridantrieb, der insbesondere in den USA zu einer „hippen Technologie“ geworden ist beziehungsweise gemacht wurde.

4. Kunden wollen persönliche Identifikation

Ein entscheidendes Prinzip epidemischer Kommunikation ist das aktive Angebot von Identifikationsmöglichkeiten mit Menschen, die überzeugte Nutzer der jeweiligen Marken sind. Dies können Prominente aber auch Meinungsführer sein. Wichtig ist dabei nur eines: Die „herangezogenen“ Menschen sollten glaubwürdige Statements abgeben, warum sie die jeweilige Marke weiterempfehlen. Dies schafft Identifikationsmöglichkeiten und forciert virale Effekte.

5. Kunden wollen den Austausch untereinander

Der Finanzdienstleister Cortal Consors verdankt seine Entwicklung maßgeblich einem der erfolgreichsten Internetforen, dem Brokerboard. Da Menschen grundsätzlich die Zugehörigkeit zu Bezugsgruppen suchen, genießen Angebote wie Kundenclubs oder die Einladung zum Markenbotschafter eine immer höhere Wertschätzung. Beispiele dafür sind der Krombacher Kundenclub, aber auch Marken wie BMW oder smart, die aktiv Markenbotschafter anwerben. Gefordert ist hier eine aktive Beitrittsentscheidung beziehungsweise Markenbekundung

6. Kunden wollen keine vordergründige Werbung

Alle Maßnahmen des viralen Marketings sind durch ein Grundprinzip gekennzeichnet: Weiterempfehlungen werden nur getätigt, wenn man sich seiner Sache sicher ist. Damit untrennbar verbunden ist die eigene und aktive Entscheidung für ein Produkt beziehungsweise eine Marke. Jeglicher Manipulationsversuch würde dies im Keim ersticken.

7. Kunden wollen Botschaften verbreiten

Im ersten Eindruck mutet es seltsam an, dass die passive Berieselung durch Massenmedien dramatisch an Wirkung verliert, Kunden andererseits aber freiwillig Zeit investieren, um Marken aktiv weiterzuempfehlen. Dabei liegt nichts näher, als im Freundes- und Bekanntenkreis damit zu „glänzen“, positive Produkterfahrungen weiterzugeben. Ein Beispiel dafür ist die Marke Logitech, bei der alte Kabelmäuse in Zahlung genommen werden. Diese können dann mit einem Abschiedsbrief in den „Mäusehimmel“ geschickt werden. Unter www.maeusehimmel.com [407] haben sich in den ersten drei Wochen der Aktion bereits 50.000 Kunden registrieren lassen.

Marktforschung für virales Marketing

Was bedeutet virales Marketing für die Marktforschung? Wie kann die Marktforschung virale Effekte messen oder fördern? Wir haben bei puls beste Erfahrungen mit den folgenden drei Modulen gemacht:

  1. Weblog Monitoring mit dem Ziel, kurzfristiges Feedback zu neuen Kundenbedürfnissen, Markttrends, einzelnen Marken oder Mitbewerbern zu erhalten. Ein Vorteil dieser Methodik besteht auch darin, dass virale Effekte (Weiterempfehlungen) nahezu realtime erfasst werden können.
  2. Focus groups/Innovationsworkshops beziehungsweise Experteninterviews zur Generierung und Bewertung potenzieller Innovationen einer Marke in den Bereichen Technologie, Produkte oder neue Zusatzleistungen. Dabei kommt es insbesondere darauf an, potenzielle Innovationen danach zu bewerten, welche Gefühlspotenziale dadurch geweckt werden können.
  3. Messung der Zukunftskompetenz einer Marke durch repräsentative Analyse ihres epidemischen Potenzials. Hierzu haben wir bei puls einen Index mit Benchmark-Datei entwickelt, durch den zum einen das epidemische Potenzial gemessen werden kann. Zum anderen können dadurch auch die Stellhebel beziehungsweise Erfolgsfaktoren zur Forcierung von Multiplikationsprozessen pro Marke herausgefunden werden.

Der Beitrag ist auch erschienen in der Zeitschrift "New Business".

Weiterführende Links:

http://www.abseits.de/viralmarketing [408]

http://www.connectedmarketing.de [409]

Vertrauen: In der Werbung gilt: Ehrlich währt am längsten

Gastbeitrag von Thomas Stricker, Kempten*

Hunderte Forscher sind auf den Spuren der Werbewirkung und am Puls der Rezipienten, um neue und effiziente Methoden für eine erfolgreiche Kommunikation zu erschließen. Millionenbeträge werden ausgegeben, um den nötigen Werbedruck zu erzeugen und um in der Masse noch eine Relevanz zu haben. Trotz Mahnungen von Marktforschen und Markenstrategen versuchen die Werbetreibenden großteils immer noch im Sinne der „Geiz-ist-Geiz”-Mentalität primär Aufmerksamkeit durch mediale Lautstärke zu generieren.

Wer allein auf Lautstärke und Provokation setzt, arbeitet mit Effekthascherei und kurzfristigen Erfolgsstrategien. Die wichtigste Aufgabe eines Unternehmens ist jedoch, mittel- und langfristige Konzepte zu entwickeln. Der Kunde durchschaut längst vollmundige Versprechungen und sehnt sich, geprägt durch eine jahrzehntelange Reizüberflutung, nach vertrauenswürdigen und verlässlichen Angeboten. Trotz dieser Erkenntnis wird weiter gebrüllt. Der Mut, den Lautstärkepegel wieder auf ein vernünftiges Maß zurück zu drehen, fehlt.

Der Erfolg der Dove-Kampagne (zum Beispiel 90-jähriges Model wirbt für Faltencreme) ist ein Indiz dafür, dass der Kunde sich nichts mehr vormachen lassen möchte. Ehrlich, authentisch und echt kommt auch bei ihm an. Das Produkt ist glaubhaft, weil glaubhaft kommuniziert wird. Und dies entspricht einer tiefen Sehnsucht der Verbraucher und Kunden. Sie sind der überzogenen Versprechungen leid und suchen händeringend nach Indikatoren für Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit.

Leitgedanken für die Kommunikation

Sieben wichtige Leitgedanken können Ihnen helfen, Ihre Kommunikationstrategie zu überprüfen und bei entsprechender Berücksichtigung Ihre Maßnahmen dauerhaft erfolgreicher zu gestalten. Reflektieren Sie diese Ansätze in Bezug auf Ihre Kommunikation und Ihre Werbeaktivitäten und widmen Sie sich den Punkten, bei denen Sie nicht uneingeschränkt einen Haken dahinter setzen können.

1. Versprechen Sie nicht, was Sie nicht halten können!

Natürlich soll Ihr Produkt ins rechte Licht gerückt werden. Die Vorteile herauszustellen und dennoch keine falschen Versprechungen zu machen, kann ihnen die Sympathie und das Vertrauen der Kunden über Jahre sichern.

2. Tragen Sie Ihre Überzeugungen und Werte nach außen!

Es geht oft um mehr, als „nur” um Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung. Die Übereinstimmung von Weltanschauung, Überzeugungen und Lebenseinstellungen bindet heute mehr Kunden an Marken und Unternehmen als das Produkt an sich.

3. Sagen Sie nur das, was Sie auch wirklich meinen!

Bauen Sie keine Gedankengebäude auf, die nicht zu Ihnen passen. Stehen Sie zu dem, was Sie denken und sprechen Sie nur über das, was Sie ehrlich meinen.

4. Machen Sie sich einzigartig und begehrlich!

Heben Sie selbstbewußt die Vorteile hervor, die für Ihre Kunden relevant sind. Verkaufen Sie sich so, als wären Sie der einzige Anbieter. Sie müssen sich weder verstecken, noch mit dem Wettbewerb vergleichen. Wichtig ist allein, dass Ihr Kunde weiß, was er an Ihnen hat.

5. Behandeln Sie Ihren Kunden wie einem guten Freund!

Ihr Kunde möchte mit Respekt behandelt werden und auf Sie zählen. Er ist nicht Mittel zum Zweck, sondern ein Freund, der Ihnen und Ihrem Produkt Vertrauen schenkt. Kommunizieren Sie entsprechend!

6. Agieren Sie verlässlich!

Vertrauen gründet auf Verlässlichkeit. Stellen Sie sich verlässlich und professionell dar. Achten Sie auf einen durchgängigen Stil, der, wenn überhaupt, nur moderat verändert werden sollte.

7. Bleiben Sie authentisch!

Ein Unternehmen ist eine Persönlichkeit. Man wechselt nicht einfach von heute auf morgen die Seiten. Wenn Sie Ihr Unternehmen oder Ihr Produkt als Marke führen, dann sollte dies glaubhaft und authentisch geschehen.

Dass Kommunikationsmaßnahmen auf dieser Basis Erfolg haben können, beweist das Beipiel der Dove-Kampagne sehr anschaulich. Dove hat sich nicht nur gewagt, „Durchschnittsfrauen” und Frauen mit Falten und Speckringen aufs Plakat zu bringen, sondern hat ein ehrliches Interesse an Frauen und deren Verständnis von Schönheit gezeigt. Das beweist eine eigens initiierte Studie, eine Online-Diskussionsplattform und die öffentlich geführte Diskussion über Schönheit ausserhalb gängiger Modeklischees. Zu einer überzeugenden Kommunikation zählen auch das Engagement von Dove bei weltweiten Beratungseinrichtungen für Frauen und Mädchen mit Essstörungen, Selbstachtungsworkshops in Schulen und eine weltweite Fotoausstellung von 67 Fotografinnen.

Das erklärte Ziel von Dove, bestehende Schönheitsideale zu erweitern und durch eine gesündere, demokratischere Sichtweise zu ersetzen macht deutlich: Die umgesetzte Kampagne ist kein Werbegag, sondern glaubhaft kommunizierte, authentische und überzeugende Meinungsbildung ist. Es gibt keinen Zweifel: Die Zielgruppe “Frauen” fühlt sich von Dove verstanden und wird Dove das Vertrauen schenken. Und Sympathien hat die Marke darüber hinaus auch bei den Männern gewonnen.

Werbung kann also durchaus ihr eigenes Image steigern und Vertrauenswürdigkeit gewinnen, wenn Sie sich an diese Regeln halten. Wenn Sie darüberhinaus auch persönlich davon profitieren möchten, wenden Sie diese Regeln auf Ihr Privataleben an. Nichts überzeugt mehr, als eine charakterstarke und unverfälschte Persönlichkeit.

Ein Gedanke zum Schluss:

„Verführer” wird es immer geben. Und offen gesagt: Es ist auch Aufgabe der Werbung, die Sinne anzuregen, Bilder und Traumwelten vor Augen zu malen, Wünsche und Bedürfnisse zu wecken. Doch wie in so vielen Dingen im Leben ist es auch eine Frage der Maßhaltigkeit. Jeder möchte gern begeistert werden, doch keiner will das Gefühl haben, dabei betrogen worden zu sein. Werbetreibende und Werbeagenturen tun gut daran, ihre Werbeversprechen daraufhin zu überprüfen. Ehrlich währt am längsten.

*Kontakt:

sons media gmbh
Illerstr. 17
87435 Kempten
Telefon: 0831-51236-0
E-Mail: info@sons-media.de [410]
Internet: sons-media.de [411]

Podcasting: Jeder macht sein Internet-Radio

Gastbeitrag von Gerd Huss, Grävenwiesbach *

Die Sinne spielen mit bei der schnellen Vermittlung von Informationen. Schnellere Datenströme, bessere Technologien und anwendungsfreundliche Dateiformate ermöglichen es, neben dem Bild auch das gesprochene Wort mehr zur Geltung kommen zu lassen. Podcasting steht für einen aktuellen Trend, der einfach funktioniert: praktisch jeder kann das gesprochene Wort aufnehmen und im Internet veröffentlichen.

Stichwort

Bei Podcasts handelt es sich um aus dem Internet herunterladbare Audiodateien. Der Begriff ist dem MP3-Player "iPod" von Apple sowie der englischen Bezeichnung für "Sendung" (Broadcast) entlehnt.

Podcasts enthalten in der Regel keine Musik, sondern gesprochene Kommentare oder Interviews. Möglich sind aber auch Reportagen oder Vorträge sowie Anleitungen zum Beispiel für PC-Anwender oder Servicetechniker. Kurzum: Grundsätzlich alles, was sich mit dem Mikrofon aufnehmen lässt. Die schnell produzierten Audiodateien, in der Regel sparsame MP3-Formate mit ausreichend guter Qualität, werden ins Firmennetz oder ins Internet gestellt, wo andere sie abhören oder auch herunter laden können.

Der Nutzen von Podcasts

Eine Nutzung ist auch für größere Unternehmen interessant, insbesondere dort, wo es um die Verbreitung von Informationen in dezentrale Einheiten oder Zielgruppen geht. Vertrieb und Service sind dabei als Nutznießer im Fokus, aber auch die Bereiche Schulung und interne Kommunikation. Warum aber sollte das gesprochene Wort genutzt werden, wenn die Verbreitung von Informationen auch auf schriftlichem Wege, per E-Mail, funktioniert?

Diese Frage sollte bei aller Liebe zur innovativen Technologie jedes Mal vor der Anwendung gestellt und beantwortet werden. Sie fokussiert im Einzelfall, ob es sinnvoll und ökonomisch vertretbar ist, eine vertonte Sprachsequenz zu produzieren. Immerhin benötigt man für einen Text von einer DIN-A4 Seite etwa eine Stunde, die Tondatei sauber und anhörbar zu realisieren. Ist die Zweckmäßigkeit geprüft und bestätigt, können die Vorteile genutzt werden, die in der Kommunikation physisch und psychisch angelegt sind.

Die Mehrzahl der Menschen bedienen sich zur Orientierung in erster Linie des visuellen, und erst dann des auditiven Sinneskanals. Eine auditive Ansprache wirkt persönlicher, ist weniger abstrakt und erfordert weniger Konzentration als Lesen. Zumal ein gut verständlicher Inhalt auch neben der Durchführung von Routinetätigkeiten wahrgenommen werden kann.

Das bedeutet: Ein gesprochenes Wort erzielt mehr Aufmerksamkeit und Wirkung als ein geschriebener Text. Details können besser erklärt, Nuancen und Zwischentöne vermittelt werden. Die Akzeptanz ist bei gleichem Inhalt potenziell höher.

Podcasts im Vergleich mit anderen Medien

Natürlich erzielt das Medium „Bild und Ton“ in Form von Videosequenzen noch bessere Ergebnisse, aber das beinhaltet auch einen erheblichen Mehraufwand. Bei einer Zweckmäßigkeitsprüfung reduziert dies die Anwendungsfelder deutlich. Eine in diesem Zusammenhang nennenswerte Form moderner Kommunikation stellt die Nutzung von „collaboration platforms“ dar. Diese Technologie schafft die Basis für dezentrale Meetings im Web. Hier sind die Teilnehmer an ihre zeitliche Verabredung gebunden, wann sie sich zur Webkonferenz treffen.

Mehr als in einer klassischen Telefonkonferenz können im virtuellen Meetingraum über Distanzen hinweg Bild und Ton zur Veranschaulichung genutzt werden, um dabei Fragen zu klären und um ein gemeinsames Verständnis zu schaffen. Es handelt sich also um eine Kommunikationsplattform, die einen unmittelbaren interaktiven Austausch ermöglicht. Immer mehr Vertriebsorganisationen verlegen einen Teil Ihrer Kommunikation in Webkonferenzen, um damit Zeit und Reisekosten einzusparen.

Podcasts bilden hierzu eine vorteilhafte Ergänzung, insofern kein interaktiver Austausch erforderlich ist. Die Audiodateien werden ins Netz gestellt und können zu einem beliebigen Zeitpunkt von Anwendern einer befugten Zielgruppe heruntergeladen werden. Die selbst bestimmte Zeiteinteilung, wann der Empfänger die Audiosequenz abhört, ist ein Vorteil dabei.

Mögliche Anwender in Unternehmen

Ein Außendienstler ruft zusätzlich zu seinen schriftlichen Unterlagen über ein neues Produkt die vertonten Instruktionen seines Vertriebsleiters ab. Dieser erklärt in wenigen Minuten, worauf es ihm jetzt besonders ankommt.

Ein SAP–Anwender lädt die vertonten Instruktionen von seinem Help – Desk herunter, die er für die Integration seiner Schnittstelle benötigt.

In Lernprogrammen auf e-Learning-Basis ist bereits häufig „das gesprochene Wort“ insbesondere in Anwenderführungen realisiert. Darüber hinaus sind Podcasts einsetzbar, um eine zielgruppenspezifische und kontinuierliche Begleitung von Lerngruppen im Sinne von Blended Learning zu unterstützen. Die Tutoren können so zum Beispiel Aufträge zur Vorbereitung auf das nächste Seminar oder für das nächste Web-Meeting erläutern und in das Forum der Lerngruppe stellen.

Technische Hürden sind letztlich mentale Hürden

Zum Abspielen von vertonten Instruktionen benötigt der Anwender einen „Player“. Standen diesen lange Zeit die IT-Administratoren mit ihrem vitalen Sicherheitsinteresse skeptisch gegenüber und verweigerten auf diesem Hintergrund die Installation im Firmennetz, setzen sich in letzter Zeit zunehmend die Flash-Player durch. Sie halten das Risiko eines Fremdeingriffs auf das Firmennetz überschaubar.

Allerdings scheuen sich noch so manche Unternehmen unter dem Vorwand eines Sicherheitsinteresses, die Kommunikationsmöglichkeiten für Ihre Mitarbeiter frei zu geben. Die Sorge, hier könnte das Internet und ein Multimedia-Player für nicht-geschäftliche Zwecke missbraucht und Arbeitszeit entfremdet werden, blockiert dort einen Schritt in die Zukunft der Kommunikation.

Als Führungstrainer kann man daraus ableiten, dass in diesen Unternehmen nicht hinreichend ergebnisorientiert kommuniziert und gearbeitet wird. Innerhalb eines funktionierenden Systems von Vertrauen und Zielvereinbarungen spielt es nämlich keine Rolle, ob ein Mitarbeiter eine halbe Stunde mit einem neuen Spiel verbringt – das einzig Relevante dabei ist, inwieweit er oder sie die vereinbarten Leistungsziele erreicht.

Einen ganz anderer Geist ist zu erkennen, wenn man nach einem „Gerät“ sucht, das die Tondateien produziert. Die Software zur Erstellung von vertonten Dateien kann als Freeware bezogen werden, die sich aus ihrem Selbstverständnis heraus für eine freie Kommunikation weltweit engagieren. Zahlungen werden für Nutzungen in Form von „free fees“ entgegengenommen, sind aber nicht obligatorisch. Diese Software ist absolut professionell und funktioniert einwandfrei auf allen Betriebssystemen. Linux inklusive.

Was wird noch für Podcasting benötigt?

Der Produzent benötigt ebenso wie der Anwender einen PC mit Soundkarte. Natürlich ist für den Produzenten auch ein Mikrofon notwendig. Ein gutes Headset für Internet-Telefonie reicht für normale Sprachaufnahmen aus und erzeugt eine sehr gute und rauscharme Tonqualität.

Wichtiger ist die Persona des Sprechers. Je nach Zielgruppe und Grad an Außenwirkung spielt die Auswahl eine Rolle. Grundsätzlich hört man sich eine gute Rhetorik und eine sympathische Stimme natürlich lieber an als ein unverständliches oder hektisches Gestammel. Denn es geht auch darum, Akzeptanz zu erzeugen. Und das gelingt besser, wenn die Person in der Sprecherfunktion flüssig und akzentuiert spricht. Für eine breite und zielgruppen- beziehungsweise firmeninterne Nutzung gilt jedoch: form follows function

Eine originale Ansprache der Belegschaft durch den Geschäftsführer erzielt trotz eines urigen Dialekts mehr Authentizität und Wirkung als die eines professionellen Radiosprechers. Das fertige Podcast kann einfach per E-Mailverteiler verschickt und muss zum Download auf einen Internet/Intranet-Server übertragen werden. Die Aufnahme kann dann auf Ihrer Homepage abgerufen – oder automatisch an bestimmte Verteiler gerichtet werden.

Will man mit Podcasts eine potenzielle Kundengruppe erreichen, also den vertonten Beitrag zu Informations- und Werbezwecken ins Internet stellen, werden diese über so genannte RSS-Feeds im üblichen XML-Format codiert und auf einen Podcast-Server übertragen. Interessenten abonnieren sich das ganze dann wie einen Newsletter und erhalten den Podcast automatisch frei Haus geliefert.

Gerd Huss ist Autor des online-Führungsinstruments „intraVox-Leadership“.

Kontakt:
Gerd Huss, Diplom Psychologe, Leadershiptraining/ Coaching
IntraVox-Consulting
Am Schlagbaum 22
D-61279 Grävenwiesbach/Hochtaunuskreis
Tel: 06086- 96 94 37
Fax 0721-151538127
Huss@intraVox-Consulting.de [412]
www.intraVox-Consulting.de [413]

[Bild: photocase]

Negativschlagzeile: Unternehmens-Kommunikation im Krisenfall

Gastbeitrag von Birgit Lutzer, Bielefeld *

Als Unternehmer Klaus M. beim Frühstück die Tageszeitung aufschlägt, bleibt ihm fast das Brötchen im Halse stecken: „Gebäudereinigung M. beschäftigt polnische Schwarzarbeiter zu Hungerlöhnen!“ blinkt es ihm in großen Lettern entgegen. Der Geschäftsführer einer renommierten Reinigungsfirma kann es nicht fassen: Er selbst wird im nachfolgenden Bericht gar als „Sklaventreiber“ bezeichnet. Er brüllt: „Das Blatt kriegt sofort eine Anzeige! Und ich setze mich jetzt hin und schreibe eine Gegendarstellung.“ Diese Reaktion ist zwar verständlich, doch es gibt vielleicht noch einen besseren Weg, mit dieser Krise umzugehen und sogar für den eigenen Vorteil zu nutzen.

Besonnene Reaktion auf negative Schlagzeilen

Wer sofort mit einer Verleumdungsklage reagiert, mag zwar im Recht sein, doch er wirkt in den Augen der Öffentlichkeit wenig dialogfähig. Sein Image kann dadurch sogar noch schlechter werden, weil er den diplomatischen Weg gar nicht erst beschritten hat. Was eine Gegendarstellung anbetrifft, hat diese einen entscheidenden Nachteil: Die meisten Menschen glauben kein einziges Wort davon.

Erstens gilt die Devise „Wer sich rechtfertigt, gibt den Sachverhalt zu!“ Zweitens sind die Redaktionen gezwungen, die Gegendarstellung im Wortlaut abzudrucken, ohne dass sie der Wahrheit entsprechen muss. Am glaubwürdigsten wirkt es, wenn die Zeitung selbst zugibt, eine Falschmeldung veröffentlicht zu haben und den Sachverhalt richtig stellt. Unter der Voraussetzung, dass es sich wirklich um die Darstellung unrichtiger Fakten handelt, wäre die folgende Vorgehensweise geschickter und zumindest einen Versuch wert.

Mit der Redaktion Kontakt aufnehmen

Oft erscheint eine skandalöse Meldung zunächst nur in einer oder zwei Zeitungen. Andere Medien greifen die Informationen auf und es gibt einen Schneeballeffekt. Ihre Chance besteht darin, die Schneelawine noch vor ihrem Entstehen zu stoppen:

  • Nehmen Sie zunächst telefonisch Kontakt mit dem Verfasser der Meldung auf. Auch wenn Sie ihn am liebsten anbrüllen oder mit einem gezielten Haken niederstrecken möchten: Bleiben Sie möglichst sachlich und auf jeden Fall freundlich.
  • Beginnen Sie das Telefonat mit Worten wie „Ich habe Ihren Bericht über unser Unternehmen gelesen und bin sehr beunruhigt.“ Beschreiben Sie nun kurz (!) die Folgen, die der Artikel für Sie hat: „Bei uns haben heute morgen schon drei Großkunden angerufen und die Zusammenarbeit beendet.“
  • Signalisieren Sie Bereitschaft, sich aktiv an der Klärung der Vorwürfe zu beteiligen: „Mir ist auch im Interesse der Öffentlichkeit sehr daran gelegen, die Vorwürfe schnell zu klären. Gerne möchte ich deshalb von Ihnen wissen, wie genau Sie zu den Fakten im Bericht gekommen sind.“
  • Wenn Sie Glück haben, erfahren Sie nun wichtige Hintergründe, wie die Meldung zustande gekommen ist.
  • Bieten Sie dem Medienvertreter ein Gespräch in Ihrem Unternehmen an, bei dem Sie ihm alle Informationen zum Fall aus Ihrer Sicht zukommen lassen.
  • Dann können Sie ihn etwa davon überzeugen, dass sein Informant ein gerade entlassener Mitarbeiter aus Ihrer Firma ist, der sich an Ihnen rächen wollte.

Regelmäßige Pressearbeit

Die beste Vorbeugung für den Krisenfall ist übrigens die regelmäßige Pressearbeit. Bemühen Sie sich auch im Normalfall um ein persönliches und vertrauensvolles Verhältnis zur Lokalpresse und zu Fachmedien, die von Ihren Kunden gelesen werden. Versorgen Sie diese regelmäßig mit Informationen, profitieren Sie davon auch bei einer Krise.

Erstellen Sie vorher eine Liste mit den Kontaktdaten der wichtigsten Journalisten und Medien, die für Sie im Krisenfall von Bedeutung sein könnten. Zu diesen bauen Sie ein persönliches Verhältnis auf. Rufen Sie bei Presseaktionen vorher in der Redaktion an und sprechen Sie (wenn er gerade Zeit und Interesse hat) ein paar persönliche Worte mit dem Journalisten, der für Ihr Thema zuständig ist. Wenn es sich ergibt, können Sie den Chefredakteur der wichtigsten Tageszeitung vor Ort auch ruhig einmal zu einem kleinen (!) Geschäftsessen einladen, bei dem Sie mit ihm über Pressethemen aus Ihrem Unternehmen sprechen. Doch achten Sie bitte darauf, dass die Einladung einen konkreten Anlass hat und nicht als „Bestechungsversuch“ ausgelegt werden kann.

Betrachten Sie kleine und verhältnismäßig unbedeutende Krisen als Chance, um sich und Ihr Team auf den Ernstfall vorzubereiten! Darüber hinaus gehören auch das Entwerfen von Krisen-Szenarien und die Planung einer geschickten Reaktion darauf mit zu den Präventiv-Maßnahmen.

Kontakt:
LUTZERTRAIN
Imagebildung | Krisen-PR
Birgit Lutzer

Auf dem Esch 4
33619 Bielefeld

Telefon (05 21) 9 11 77-240
Telefax (05 21) 9 11 77-241

www.lutzertrain-media.de [414]
info@lutzertrain-media.de [415]

Hinweis

Mehr von Birgit Lutzer auf business-wissen.de:

Bildung vermarkten: Portal für Trainer- und Bildungsmarketing [416]

[Bild: Photocase.com]

Auftritt: Effizient und erfolgreich an Messen teilnehmen

Das Ziel einer Teilnahme bei einer Olympiade oder einer Fußballweltmeisterschaft ist es, möglichst der Sieger zu werden oder zumindest einen Podestplatz zu erreichen. Nur dabei zu sein kann einem Teilnehmer nicht genügen. Das kann auch nicht das Ziel eines Ausstellers bei einer Messe sein. Im Wettbewerb mit konkurrierenden Ausstellern gilt es der Beste zu sein oder wenigstens einen Platz unter den ersten drei zu belegen.

Messen sind ein wesentlicher Baustein im Marketing-Mix der Kunden-Kommunikation. Neben den Kosten für den Messeveranstalter fallen weitere Aufwendungen für den Messestand, die Messebetreuung sowie sonstiger begleitender Maßnahmen an. Zahlen wirklich alle einzuberechnenden Kosten, externe wie interne, in meinen Unternehmenserfolg ein?

Der Messeauftritt bewegt sich in einem sich verschärfenden, insbesondere aus dem Ausland, Wettbewerbsumfeld. Kann dabei ein Wettbewerbsvorteil erreicht werden?

Was macht ein Erfolg der Marketingmaßnahme „Messe“ aus? An welcher Stelle besteht Optimierungsbedarf, um ein Messe-Engagement effizient und erfolgreich zu gestalten? Vor diesem Hintergrund ist es unbedingt ratsam, eine strategisch systematische Vorgehensweise für eine Messebeteiligung vorzunehmen.

Zielsetzung für eine Messebeteiligung

Aus der vorgenannten Ausgangslage gilt es die Ziele für das Messe-Engagement festzulegen. Aus den Unternehmenszielen ergeben sich drei Zielbereiche:

  • Marketing-Budget
  • Vertriebsstrategie
  • Marken- bzw. Kommunikationsstrategie

Die Art des Messeauftritts ist entscheidend, um die entsprechende Anzahl und Struktur der Besucher zu erhalten. Daneben ist die Wirkung und Funktionalität des Messestandes im Vergleich zum Wettbewerb ein Faktor, welcher die optimale Größe des Auftritts bestimmt.

Für den Vertrieb sind Kennzahlen über die Anzahl und Qualität der Kontakte mit bestehenden und neuen Kunden entscheidend. Schließlich ist die Messe ein wichtiger Baustein im Rahmen des Kundenbeziehungsmanagements. Der Messeauftritt ist für derzeitige und potenzielle Kunden ausgerichtet, deshalb sollte man wissen mit welchen Erwartungen die Besucher auf den Messestand gekommen sind.

Optimierungsbedarf

Aus unseren letzten Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass ein Optimierungsbedarf im Allgemeinen in folgender Weise besteht:

  • Ausrichtung der Produktpräsentation auf die jeweiligen Zielgruppen
  • Produkte stärker erlebbar machen
  • Interaktive Konzeption des Messeauftritts zur Differenzierung innerhalb der Branche

Letztlich spielen die Ziele im Rahmen der Marken- bzw. Kommunikationspolitik eine elementare Rolle. Von Bedeutung ist hier die Positionierung des Unternehmens als Marke sowie die Produktkompetenz, insbesondere wenn es darum geht neue Produkte in den Markt einzuführen. Alle Ziele für eine Messebeteiligung wirken auch auf die Zufriedenheit der Kunden: Sie erwarten für Ihren Besuch sowohl einen Nutzen, als auch eine Bestätigung für Ihre Zusammenarbeit mit ihrem Lieferanten.

Messe-Erfolgskontrolle von Anfang an

Effizienz für das Messe-Engagement erreicht man nicht zufällig, sondern durch eine gründliche Vorarbeit. Es sollte auch hier die Regel gelten: Nur was sich messen lässt, kann man auch managen. Sobald die Ziele festgelegt sind kann die Art der Vorgehensweise für das Messe-Controlling festgelegt werden. Je nach Zielsetzung und Aufgabenstellung wird jenes Verfahren gewählt, welches am effizienten zu Ergebnissen führt.

Um zu erfahren, welche Besucher (Zielgruppen, Struktur), welchen Nutzen und welchen Eindruck die Besucher vom Messeauftritt haben, ist es erforderlich diese zu befragen. Generell empfehlen wir dabei nicht nur die Besucher am Stand zu interviewen, sondern auch diese nach dem erfolgten Besuch. Die Befragung hinterher ergibt stabile Urteile und valide Wettbewerbsvergleiche (Viele Besucher des eigenen Standes besuchen die Wettbewerber später.) Sie kann idealer weise per Online durchgeführt werden, um internationale Besucher bequem erreichen zu können.

Messebeteiligung effizient und erfolgreich

Die Gestaltung des Messeauftritts darf kein Glückspiel bzw. abhängig von einzelnen subjektiven Meinungen sein, dazu ist der zeitliche und finanzielle Aufwand für das Unternehmen zu hoch. Vielmehr muss darauf geachtet werden, dass eine ständige objektive Optimierung der Messeaktivitäten vorgenommen wird. Der Erfolg einer Messebeteiligung bemisst sich auch im Vergleich zu den relevanten Wettbewerbern, da das Bild des Unternehmens- bzw. Markenauftritts nicht unwesentlich die Kundenbeziehungen bestimmt.

Messen Sie Ihren Messeauftritt. Kommen Sie als einer der besten Anbieter Ihrer Branche auf das Treppchen der Sieger!

Polarisierung: Was bleibt zwischen billig und teuer bei der Preisplanung?

Konsumenten kaufen billig ...

Die deutschen Verbraucher geben mehr als ein Drittel ihrer Ausgaben für Dinge des täglichen Bedarfs in Discountern aus. Das hat das Marktforschungsinstitut ACNielsen [417] in einer Studie herausgefunden. Danach kaufte jeder Haushalt im vergangenen Jahr rund 66 Mal bei Aldi, Lidl und anderen Discountern ein. Es ist scheinbar nur der Preis, der zählt.

... oder richtig teuer

In einer anderen Analyse von 25 Branchen weltweit haben McKinsey-Experten herausgefunden: Noch stärker wächst der Markt für die besonders teuren Produkte – so genannte Luxus- oder High-End-Produkte. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass

  • die Qualität herausragend ist,
  • einzigartige Leistungsmerkmale vorhanden sind,
  • zusätzlicher Service begeistert oder
  • der Markenname entscheidet.

Die Marktsegmente für besonders billige und die für besonders teure Produkte hatten in den Jahren zwischen 1999 und 2004 überdurchschnittliche Wachstumsraten zwischen 4,2 und 8,7 Prozent erzielt. Dagegen verlor das so genannte mittlere Marktsegment an Bedeutung; es schrumpfte in den untersuchten Branchen um 5,7 Prozent.

„Executives recognize that premium and no-frills offerings are squeezing middle-of-the-road products and services in many industries.“

Das sagen die McKinsey-Berater Trond Riiber Knudsen, Andreas Randel und Jørgen Rugholm in McKinseyQuarterly (4/2005) [418] . Diese Markt-Polarisierung, der die Forscher schon seit längerer Zeit auf der Spur sind, wird als das „Stuck in the Middle“-Phänomen bezeichnet.

Stichwort

Das mittlere Marktsegment definiert sich in diesem Fall über das Preisniveau. Vergleichbare Produkte (Kühlschränke, Autos, Mobiltelefone, Taschen etc.), die im Wettbewerb miteinander stehen, werden für sehr unterschiedliche Preise angeboten. Zwischen dem billigsten und dem teuersten Produkt gibt es eine Preisspanne. Das mittlere Marktsegment liegt dabei in etwa in der Mitte.

Diese Produkte zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie kein richtiges Profil haben. Im Vergleich zu den billigen sind sie zu teuer; im Vergleich zu den teuren fehlen ihnen Leistungsmerkmale oder ein bekannter Markenname.

Schon seit geraumer Zeit empfehlen die Experten deshalb, das mittlere Segment zu verlassen und sich zu fokussieren. Insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel wurden die Anbieter im mittleren Segment von ihren Billig-Konkurrenten Aldi und Lidl aufgerieben. SPAR hat diesen Kampf aufgegeben. Andere haben mit einer eigenen Billig-Marke gekontert: REWE mit Penny oder Edeka mit Netto.

Das Modell der Marktpolarisierung

Dahinter steht das Strategie-Modell von Michael Porter, der schon in den 80er Jahren herausgearbeitet hat, dass es nur drei erfolgversprechende Strategien gibt:

  • Kostenführerschaft: immer der günstigste zu sein;
  • Differenzierung: sich von allen Wettbewerbern durch einzigartige Produkt- und Leistungsmerkmale abzuheben;
  • Konzentration auf Schwerpunkte: sich auf einzelne Regionen oder Käuferschichten zu beschränken (Nischenanbieter).

Der Strategie-Guru Porter hat schon damals erkannt,

„dass ein Unternehmen, dem es nicht gelingt, seine Strategie zumindest in eine dieser drei Richtungen zu entwickeln – das also 'zwischen den Stühlen' sitzt – in einer äußerst schlechten strategischen Situation ist.“ [Quelle: Michael Porter: Wettbewerbsstrategie, 1983 [419] ]

Beispiel

Im Markt für Mobiltelefone hat Nokia über viele Jahre hinweg ein breites Portfolio insbesondere im mittleren Preissegment angeboten. Es sollte für jeden etwas dabei sein. Aber das Unternehmen konnte weder mit den billigsten Wettbewerbern konkurrieren, noch war das Unternehmen im High-End-Segment verankert.

Seit geraumer Zeit verfolgt Nokia eine neue Strategie. Das Unternehmen strebt mit einer Produktlinie die Kostenführerschaft an. Mit einer anderen will sich das Unternehmen als Technologieführer von allen Wettbewerbern abheben.

Das Phänomen der Markt-Polarisierung ist nicht nur in Konsumgütermärkten zu erkennen. Auch im Business-to-Business-Geschäft haben es die „Allerwelts-Anbieter“ zunehmend schwer. Denn es gibt Produkte, bei denen nur der Preis zählt. Wer nicht das günstigste Angebot hat, wird über kurz oder lang nicht mehr konkurrenzfähig sein.

Für andere Kunden spielt der Preis aber nicht die entscheidende Rolle. Für sie zählt die Leistung und sie legen vor allem Wert auf einen umfassenden Service und herausragende Qualitätsmerkmale: Kurzfristige Lieferfähigkeit, technologische Flexibilität, Beratung, Logistik-Service, Finanzierungsangebote und vieles mehr sind für diese Kunden entscheidend, wenn sie neue Lieferanten suchen.

In welchem Maße mittelmäßige Unternehmen aus dem Markt gedrängt werden, ist von Branche zu Branche und von Region zu Region sehr unterschiedlich. Denn das Verhalten der Konsumenten und gewerblichen Kunden ist nicht überall gleich. Deutschland ist bekannt dafür, dass die Verbraucher gerne bei Lebensmitteln sparen; deshalb geht hier der Trend zum Discounter. In anderen Branchen und Ländern wachsen die High-End-Produkte am stärksten. Beispiele sind Rasierer und Wein in Nordamerika oder Kühlschränke in Europa.

Beispiel

Die folgende Abbildung zeigt, in welchen Preis- bzw. Marktsegmenten der Absatz von Kühlschränken am stärksten steigt. Hier wird deutlich, dass vor allem die Billig-Angebote mit einem Preis unter 150 Euro und die hochpreisige Angebote mit einem Preis über 900 Euro am stärksten wachsen. Hier konnten sich neue Anbieter und Marken etablieren. Die traditionellen Anbieter haben das Nachsehen.

 

[Quelle: McKinseyQuarterly 4/2005]

Auf dem Weg zum richtigen Preis

Wer im Mittelmaß stecken geblieben ist und sich neu orientieren will, muss eine Vielzahl von Herausforderungen bewältigen. Der Weg in das gehobene Segment ist oft lang und beschwerlich. Denn

  • es muss eine Unique Selling Proposition gefunden werden (z.B. Funktionalität, Qualität, Design);
  • das Produkt-Sortiment muss entsprechend geändert und verbessert werden;
  • es muss eine passende Marke entwickelt und gefördert werden;
  • Distribution, Werbung und Service müssen ebenfalls auf das neue Markt- und Kundensegment ausgerichtet werden.

Bang & Olufsen ist ein gutes Beispiel dafür, wie dieser Weg ins Premium-Segment beschritten werden kann. Über die Alleinstellungsmerkmale Design und Bedienkonzept entstand im Laufe der Jahre ein guter Ruf, der B&O inzwischen vorauseilt und sich rentiert: 2002 konnte das Unternehmen die Preise für etliche Produkte erhöhen.

Auch Puma hat sich mit einer klaren Strategie über viele Jahre hinweg vom „Allerwelts- und Ramsch-Image“ befreit:

Die Alternative heißt Kostenführerschaft. Ein Unternehmen, das diesen Weg einschlägt, erhofft sich den schnelleren Erfolg. Dazu muss es aber erfolgreich auf die Kostenbremse drücken und seine Produkte und Prozesse so optimieren, dass es immer das günstigste Angebot am Markt hat. Ein harter Wettbewerb ist da meist vorprogrammiert, der in manchen Branchen auch schon ruinös war. Der weltgrößte Einzelhändler Wal Mart versucht seit Jahren, in Deutschland diesen Weg zu gehen, ist aber bislang an Aldi und Lidl gescheitert.

Möglichkeiten und Grenzen der strategischen Neuorientierung

Eine radikale Neuorientierung schlagen Anja Förster und Peter Kreuz [420] vor. Die beiden Marketing- und Innovationsberater aus Heidelberg sammeln seit vielen Jahren pfiffige Beispiele, die zeigen, wie Unternehmen die Regeln ihrer Branche brechen und damit auch aus ihrem Mittelmaß ausbrechen. Sie nennen es das Aufbrechen der Preis-DNA: Das radikale Infragestellen des branchenüblichen Preismodells macht den Raum frei für wirklich bahnbrechende neue Ideen.

Dabei spielen einfache und klare Preismodelle eine wichtige Rolle. Sie transportieren eine eindeutige Botschaft: Wir sind günstig und der Kunde weiß, was er bekommt. Das Beispiel der beiden Berater: e.l.f. Cosmetics. Das amerikanische Unternehmen verkauft alle seine Produkte zum Standardpreis von 1 US-Dollar. Mit einer klaren Werbe- und Markenbotschaft macht es außerdem deutlich, dass seine Produkte auch qualitativ mit der Konkurrenz mithalten können.

[Quelle: http://www.business-querdenken.com/qd_preis-dna.html [421] ]

Eine klare Botschaft – das ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für alle Unternehmen, die im mittleren Marktsegment agieren. Denn auch dort können Unternehmen erfolgreich sein, wenn sie folgende Prinzipien beherzigen:

  • Relevanz: Welcher Nutzen ist für Ihre Kunden in Ihrer Kategorie wirklich wesentlich?
  • Glaubwürdigkeit: Was können Sie mit Ihrer Produkt- und Unternehmenshistorie verkörpern?
  • Differenzierung: Mit welchem Ansatz grenzen Sie sich am nachhaltigsten von den Wettbewerbern ab?

Die Marketing-Agentur diffferent [422] nennt das die Vermittlung des „Best Buy-Gefühls“ an die Kunden. Es steht für die dauerhafte, emotionale Sicherheit des Kunden, das Richtige gekauft zu haben – auch über den Kaufakt hinaus. Die Marketingexperten meinen, dass damit auch „Die Mitte“ ihre Renaissance erleben kann. Denn nach drei Jahren „Geiz ist geil“ nehme das Qualitätsbewusstsein der Deutschen wieder zu.

„Wer weder auf Dumpingpreise noch auf Premium- oder Luxusprodukte setzen kann, muss vor allem emotionale Mehrwerte bieten,“

schreiben die Experten von diffferent [423] . Auch Klaus Burmeister, Zukunftsforscher und Geschäftsführer von Z_punkt [424] in Essen ist sich sicher, dass die Mitte Erfolgspotenziale hat:

"Der Erfolg von Marken wie Nivea und Esprit beweist, dass zwischen exklusivem Premium-Image und nacktem Discountprodukt noch Platz für jede Menge Mitte ist.“ [Quelle: Stern Online [425] ]

Voraussetzung dafür ist, dass die Unternehmen die Bedürfnisse ihrer Kunden möglichst genau kennen und verstehen. Sie dürfen diese nicht alle über einen Kamm scheren und sie müssen erkennen, dass diese Bedürfnisse häufig nicht mit dem Produkt selbst zu tun haben, sondern mit dem, was es außerdem transportiert: Wertschätzung, das Gefühl, ein Schnäppchen gemacht zu haben, umfassender Service, Abgrenzung von anderen Konsumenten, Sicherheit, Abenteuerlust und vieles mehr.

Das Preisspiel beherrschen

Um die Preise festzulegen, die genau zur Zielgruppe und zum Marktsegment passen, müssen Unternehmen auf drei Ebenen agieren:

  • Das Preisniveau in der Branche: Jede Branche oder Produktart hat ein spezifisches Preisniveau, das sich aus der Nachfrage, dem Angebot, den rechtlichen Rahmenbedingungen oder den Kostenstrukturen der Anbieter ableitet. Diese Faktoren legen das Niveau und die Bandbreite der Preise fest. Nur mit grundlegenden Innovationen, die vom Markt auch akzeptiert oder sogar begeistert aufgenommen werden, kann dieses Preisniveau durchbrochen werden.
  • Der Preis als Ausdruck der Unternehmensstrategie: Auf dieser Ebene entscheidet das Unternehmen, in welchem Preissegment es seine Produkte und Dienstleistungen anbieten möchte. Es analysiert dazu seine direkten Wettbewerber und die Anforderungen der Kunden, die es bedienen will.
  • Der Preis beim Kauf: Vor oder beim unmittelbaren Kauf kann der tatsächliche Preis noch einmal abweichen – wenn es zum Beispiel, Rabatte gibt, wenn Sonderaktionen durchgeführt werden oder wenn der Händler Einkaufsvorteile bietet. Es sind kurzfristige und taktische Entscheidungen, welcher Preis letztlich vom Kunden bezahlt wird.

Wer mit seinen Preisen polarisieren und fokussieren will, um seinen Kunden ein klares Profil zu zeigen, muss alle drei Ebenen im Blickfeld haben und das Geschehen dort beherrschen.

Check und weiterführende Informationen

  1. Analysieren Sie Ihre Branche bezüglich Anbieter, Zielgruppen, Preis-Bandbreite, Leistungs- und Qualitätsmerkmale der einzelnen Angebote.
  2. Bestimmen Sie die eigene Position in Ihrer Branche. Was sind Ihre Stärken? Und Ihre Schwächen?
  3. Welche Notwendigkeiten und welche Möglichkeiten gibt es, die bestehende Preisstrategie zu ändern?
  4. Welche Preis-Strategien scheinen Ihnen vor dem Hintergrund der Analysen sinnvoll und erstrebenswert. Begründen Sie Ihre Überlegungen gut!
  5. Entwickeln Sie strategische Bausteine als Elemente auf dem Weg zur neuen Preis-Strategie.
  6. Setzen Sie die strategischen Bausteine um. Entwickeln Sie dafür einen geeigneten Maßnahmenplan.
  7. Überprüfen Sie die Erfolge mit einem geeigneten Controlling-System. Definieren Sie dazu die Kennzahlen, die den Erfolg Ihrer Meinung nach am sichersten abbilden.

Mehr dazu in den Wissensbausteinen:

Links und weiterführende Informationen

Zum Thema „The vanishing middle market“ von McKinsey:

http://www.mckinseyquarterly.com/... [431]

Und einige Beispiele sowie Zahlenmaterial:

http://www.horx.com/Downloads/... [432]

http://www.beratungsletter.com/archiv/... [433]

http://www-x.nzz.ch/format/... [434]

http://www.ihk-saarland.de/ihk/... [435]

Viele Beispiele für eine polarisierende Preisgestaltung haben Anja Förster und Peter Kreuz zusammengestellt; Unternehmen entwickeln ihre eigene Preis-DNA:

http://www.business-querdenken.com/... [436]

Mehr Informationen zur Fokussierung auf Kundennutzen oder zur Strategie „niedriger Preis“ finden Sie in folgendem Beitrag der Berater von Simon, Kucher und Partners:

http://www.simon-kucher.com/... [437]

[jf]

Lesbar: Erfolgsfaktoren für professionelle Produktunterlagen

Gastbeitrag von Erwin Matys, Wien *

Eine wichtige Voraussetzung für einen zufrieden stellenden Produktabsatz ist eine ausreichend dichte Produktkommunikation. Kommunikation verlangt aber nach Inhalten, und Inhalte wollen aufbereitet werden. Rund um ein Produkt tritt diese Anforderung bei verschiedenen Gelegenheiten auf, zum Beispiel bei Verfassen von:

  • Flugblättern
  • Produktbeschreibungen
  • Produktdarstellungen auf Websites
  • Pressetexten zu Produktneuheiten
  • Produktdokumentationen
  • Anwendungsbeispielen
  • u.v.m.

Alle diese Dokumente sind im Grunde nichts anderes als Mittel zum Zweck, um den Absatz Ihres Produktes zu begünstigen. Das gilt auch für Dokumente, die man auf den ersten Blick nicht unbedingt als Marketingtexte einstufen würde – wie zum Beispiel Handbücher oder technische Beschreibungen. Auch diese Dokumente nehmen Einfluss auf den Absatz eines Produkts und sollten daher aus einer Marketingperspektive betrachtet werden.

Ihre verschiedenen Produktunterlagen werden nun höchstwahrscheinlich eines gemeinsam haben: Es wird Ihnen ein Anliegen sein, dass möglichst viele potenzielle Käufer das jeweilige Dokument nützen. Das erreichen Sie dann, wenn es Ihnen gelingt, mit Ihren Unterlagen eine Einladung auszusprechen und zum angenehmen Verweilen darin einzuladen. Ob sich nun jemand in Ihrem Dokument wohl fühlt oder nicht, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Auf den nächsten Seiten finden Sie daher eine Zusammenstellung der wichtigsten Grundsätze, denen marketingorientierte Produktunterlagen folgen sollten.

Verschaffen Sie sich Klarheit

Bevor Sie sich an die Umsetzung machen und Ihre Produktunterlage verfassen, nehmen Sie sich die Zeit, die grundlegenden Punkte zu klären. Wenn Sie die Antworten auf die folgenden Fragen kennen, wird es einfach viel leichter, die richtigen Informationen in der richtigen Art und Weise zusammenzustellen:

  • Was ist mein Produkt? Legen Sie fest, was genau Sie eigentlich anbieten. Vor allem bei Dienstleistungs-produkten ist die Antwort auf diese Frage nicht immer selbstverständlich.
  • Wer werden meine Leser sein? Klären Sie, für wen sie die Produktunterlage verfassen und welchen Informationsstand ihr Publikum schon hat. Damit wissen Sie, was sie voraussetzen können und wie viel Sie Ihren Lesern zumuten können.
  • Was ist der Zweck der Produktunterlage? Bestimmen Sie den Zweck Ihrer Produktunterlage. Soll sie Interessenten auf Ihr Produkt aufmerksam machen und eine erste Information bieten? Oder soll sie bereits eine detaillierte Auseinandersetzung mit Ihrem Produkt ermöglichen?
  • Bei welchen Gelegenheiten wird die Produktunterlage verwendet werden? Werden Sie sich darüber klar, bei welchen Gelegenheiten Ihre Produktunterlage eingesetzt wird. Wird sie bei Verkaufsgesprächen übergeben, wird sie verschickt, wird sie Angeboten beigelegt oder vielleicht ganz anders verwendet werden?
  • Welches Ziel werde ich bei meinen Lesern verfolgen? Definieren Sie ein Ziel, das Sie bei Ihren Lesern erreichen wollen. Es könnte zum Beispiel lauten: „Mit der VCX-30 Produktbeschreibung sollen Interessenten einen Überblick über Funktionsweise und Anwendungen des Geräts erhalten.“
  • Was wird die zentrale Aussage meines Textes sein? Formulieren Sie eine zentrale Aussage, also das, was Sie unter dem Strich mit Ihrem Dokument vermitteln möchten. Beispiel: „Mit dem Produkt VCX-30 lassen sich für die Bereiche Small Office und Home Office konkurrenzlose Lösungen schaffen.“
  • Welches Medium werde ich nützen (Print, PDF, HTML,...)? Wie Sie feststellen werden, nimmt das Medium in bestimmter Weise Einfluss auf die Inhalte und den Umfang Ihrer Produktunterlage. Legen Sie daher fest, welche Medien genützt werden sollen.
  • Welchen Umfang soll bzw. darf das Dokument haben? Klären Sie den ungefähren Umfang des Dokuments in Seiten, Zeichen oder Bildschirmseiten.
  • Welchen Informationsbedarf habe ich? Bestimmen Sie, welche Informationen Sie sich noch beschaffen müssen, um die Produktunterlage verfassen zu können.

Überzeugen Sie mit Ihrer Headline

Die Headline Ihres Dokuments ist einer der wichtigsten Gestaltungsfaktoren, denn bei ca. 80 Prozent aller Lesevorgänge werden nur die Überschriften gelesen. Die Headline Ihres Textes ist also in vielen Fällen Ihr zentrales Medium. Sie sollte daher unbedingt auf den Hauptvorteil Ihres Produktes hinweisen. Die Headline ist auch wichtig für die Annahme Ihres Dokuments, denn in den meisten Fällen entscheidet die Headline darüber, ob Ihr Text überhaupt gelesen wird. Überschriften können nun verschiedene Charakteristika haben, wie hier am Beispiel eines Archivsystems gezeigt wird:

  • Vorteile kommunizieren: „Das schnellste Archivsystem“
  • Spannung erzeugen: „Ab Mai: 1000 PS im Archivkammerl“
  • Neugierig machen: „Warum Anton nicht mehr wartet“
  • Denkanstöße geben: „Wieviele Dokumente werden Sie ab 2010 verwalten?“
  • Informieren: „Thinkbase gibt neues Archivsystem frei“
  • Image transportieren: „Das Archivsystem vom Branchenleader“

Die optimale Länge einer Überschrift gibt es nicht – sie muss also auch nicht unbedingt kurz sein. Es gibt kurze Überschriften, die völlig nichtssagend sind und lange Überschriften, die ansprechen. Viel wichtiger ist, dass Ihre Überschrift das Interesse Ihrer Leser weckt und sie in den Text hineinführt. Das gelingt zumeist am Besten mit einem zentralen Versprechen, das von der Headline ausgedrückt wird.

Visualisieren Sie mit Abbildungen

Vor allem längere Texte sollten unbedingt durch Abbildungen aufgelockert werden. Das können zum Beispiel passende Fotos sein aber auch grafische Illustrationen, die Zusammenhänge oder Abläufe zu Ihrem Produkt zeigen. Grundsätzlich wirken farbige Abbildungen stärker als s/w Darstellungen.

Abbildungen lockern jedes Dokument auf. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie Sie Illustrationen gezielt einsetzen.

Für Produktabbildungen gilt, dass sie eine höhere Anziehungskraft haben, wenn sie neben dem Produkt auch Menschen zeigen. Abbildungen haben aber nicht nur die Funktion, einen Text aufzulockern. Sie sind oft in der Lage, auf einen einzigen Blick eine Menge Information zu transportieren, die man schriftlich gar nicht so leicht vermitteln könnte. Als Faustregel für Produktunterlagen gilt: Wann immer ein Zusammenhang so kompliziert wird, dass Sie mehrere Sätze brauchen um ihn zu vermitteln, sehen Sie eine ergänzende Illustration vor.

Nutzen Sie Bildunterschriften

Die Bildunterschriften sind nach der Headline der Text Ihres Dokuments, der am zweithäufigsten gelesen wird. Die Bildunterschriften haben daher eine ähnliche Funktion wie die Headline. Sie können sie also ebenfalls nützen, um Ihre potenziellen Leser in das Dokument hineinzuführen. Denn noch bevor ein Leser in Ihr Dokument einsteigt, betrachtet er fast immer die Abbildungen – und liest den dazugehörigen Abbildungstext. Betrachten Sie also Ihre Bildunterschriften als zusätzliche Headlines, die ebenfalls in Ihren Text hineinführen.

Verwenden Sie ein ruhiges Schriftbild

Bezüglich Ihres Schriftbildes gilt, dass es Ihren Leser nicht vom Inhalt ablenken soll. Es soll ihn vielmehr dabei unterstützen, das für ihn wesentliche leicht zu erfassen. Das Schriftbild sollte daher ruhig sein und möglichst wenige (bis keine) Kombinationen unterschiedlicher Schriftarten aufweisen. Man kann also festhalten:

  • nur eine Schriftart verwenden
  • keine ganzen WÖRTER in Großbuchstaben setzen
  • entweder kursiv oder fett oder unterstrichen für Hervorhebungen

Geben Sie Ihren Lesern Orientierung

Wir alle hassen es, wenn wir uns mit unklaren Dingen beschäftigen müssen. Das gilt auch für die Interessenten an Ihrem Produkt. Ein wichtiges Element bei der Erstellung eines marketingorientierten Textes ist daher die Orientierung des Lesers. Jedes Dokument sollte es dem Leser ausgesprochen einfach machen, sich darin zurechtzufinden. Dazu gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, von denen einige hier erwähnt sind:

  • Gliederung: Die Gliederung eines Dokuments kann durch eine strenge Unterteilung in Abschnitte und Unterpunkte erfolgen, wie zum Beispiel in einem Handbuch. Eine andere Möglichkeit sind Zwischenüberschriften, wie sie zum Beispiel in Zeitungstexten verwendet werden. Die Ausprägung Ihrer Gliederung kann also – je nach Dokumenttyp – unterschiedliche Formen annehmen. Wichtig ist, dass sie vorhanden ist und Ihren Interessenten optimal ermöglicht, sich innerhalb der Lektüre zu orientieren.
  • Zusammenfassungen: Kurze inhaltliche Zusammenfassungen der wesentlichen Inhalte Ihres Dokuments (zum Beispiel am Beginn eines Abschnitts oder am Beginn einer Pressmitteilung) ermöglichen dem Leser, sich rasch einen Überblick zu verschaffen, was im eigentlichen Textteil geboten wird.
  • Inhaltsverzeichnis: Längere Dokumente brauchen unbedingt ein Inhaltsverzeichnis. Das Inhaltsverzeichnis ist die Landkarte, mit der sich der Leser orientiert.
  • Index: Größere Werke, wie zum Beispiel eine Produktdokumentation, sind ohne Stichwortverzeichnis in der Praxis einfach unbrauchbar.
  • Hervorhebungen: Verwenden Sie Hervorhebungen, um das Wichtigste in Ihrem Text herauszuarbeiten. Im Idealfall gelingt es Ihnen, dass eilige Leser den Inhalt schon alleine aus den Hervorhebungen erfassen können.

Bleiben Sie verständlich

Gerade Anfänger neigen zu dem Fehler, dass sie durch viele Fremdwörter und Fachbegriffe den Experten herauskehren möchten. Dabei besteht wahre Expertise auch darin, Expertenwissen leicht nutzbar zu machen. Halten Sie sich also einfach an KISS, die Kurzform für Keep It Simple and Stupid. Das bedeutet nicht, dass Sie Ihre Interessenten und Kunden abqualifizieren sollen. Aber sorgen Sie dafür, dass Sie in jedem Fall leicht verstanden werden. Dabei helfen Ihnen folgende Regeln:

  • Schreiben Sie in kurzen Sätzen.
  • Verwenden Sie möglichst wenige Fremdwörter.
  • Erklären Sie jeden Fachbegriff und jede Abk. (Abkürzung)
  • Verwenden Sie bildhafte Vergleiche und Formulierungen.
  • Verzichten Sie auf Allgemeinplätze (z.B. Es ist nicht gut, wenn...).
  • Verwenden Sie positive Formulierungen (z.B. VCX-30 erleichtert die Bedienung).
  • Vermeiden Sie es, zu viele abstrakte Hauptwörter zu verwenden (-ung Wörter).
  • Verwenden Sie viele Zeitwörter.
  • Meiden Sie den Konjuktiv (z.B. Hier könnten Sie das Datum eingeben).
  • Lassen Sie Füllwörter weg (z.B. gewissermaßen, sozusagen,...)

Übersetzen Sie in die Welt Ihrer Interessenten

Produktunterlagen haben immer die Funktion, Informationen zu transportieren. Damit Ihre Interessenten die angebotenen Informationen leicht verarbeiten können, müssen Sie mit Ihrem Text die Welt Ihrer Interessenten berücksichtigen. Hier zwei Möglichkeiten, wie Sie die Welt Ihrer Interessenten auf einfachem Weg ansprechen:

  • Den Leser „abholen“: Richten Sie es so ein, dass Sie am Anfang Ihres Dokuments Ihre Leser aus deren Realität, deren Leben abholen. Gestalten Sie den Text so, dass sich Ihre Interessenten im ersten Satz bzw. im ersten Absatz wieder finden. Zum Beispiel dadurch, dass Sie eines der Probleme oder eine der Interessen Ihrer Leser ansprechen, die mit Ihrem Produkt zu tun hat.
  • Bedeutungen erklären: Übersetzen Sie jede Aussage über Ihr Produkt in die Bedeutungswelt Ihrer Leser. Hier ein Beispiel: „VCX-30 ist die Firewall vom Branchenleader Thinkbase. Das bedeutet, dass Sie verlässlich gegen Sicherheitsrisiken geschützt sind.“ Diese Richtlinie, Bedeutungen zu erklären, gilt für alle Aussagen über Ihr Produkt. Das können zum Beispiel sein:
    - Produktmerkmale, z.B. Rot = gute Sichtbarkeit
    - Produkteigenschaften, z.B. leichte Bedienung = schnell zu erlernen
    - Produktnutzen, z.B. verringertes Sicherheitsrisiko = besser schlafen

Nutzen Sie Gestaltungshilfen

Rund um jedes produktbezogene Dokument sind natürlich auch eine Reihe von Gestaltungsfragen zu klären, wie zum Beispiel: Wie sieht die Fußzeile aus? Haben Abbildungen einen Rahmen? Wo steht die Firmenanschrift? Um diese und andere Fragen zu klären, können Sie eine Reihe von Hilfsmitteln nützen:

  • CD-Manual: In vielen Unternehmen gibt es ein so genanntes CD-Manual. In dessen Inhalt, dem „Corporate Design“ sind viele Vorgaben festgelegt, die Ihnen das Gestalten Ihres Dokuments erleichtern. Im CD-Manual ist zum Beispiel beschrieben, welche Schriftarten zulässig sind oder was bei der Verwendung des Firmenlogos zu beachten ist. In jedem Fall ist es günstig, wenn Sie sich an die Vorgaben des CD-Manuals halten. Erstens brauchen Sie sich dann über die Gestaltung Ihres Dokuments nicht allzu viele Gedanken machen. Und zweitens sorgen diese Vorgaben dafür, dass alle Dokumente Ihres Unternehmens einen einheitlichen Eindruck vermitteln.
  • Dokument-Standard: Im Idealfall gibt es für die Art von Dokument, die Sie erstellen wollen, bereits einen Standard. Wenn dem nicht so ist, und diese Art von Dokument öfter zu verfassen sein wird (z.B. eine Produktbeschreibung), dann sollten Sie bei dieser Gelegenheit so einen Standard festlegen.
  • Werbeabteilung: Es könnte auch sein, dass in Ihrem Unternehmen alle Dokumente, die für den externen Einsatz bestimmt sind, von der Werbeabteilung aufbereitet werden. Diese wird die grafische Gestaltung Ihres Dokuments entweder selbst übernehmen oder an externe Werbemittler (Agentur, Grafiker,...) delegieren.

In jedem Fall gilt: Je mehr professionelle Unterstützung Sie bei der Gestaltung Ihres Dokuments in Anspruch nehmen, umso professioneller wird Ihr Dokument wirken.

Grundregeln für professionelle Produktunterlagen

Abschließend finden Sie hier eine Zusammenstellung der in diesem Dokument vorgestellten Grundregeln. Egal, ob Sie ein Flugblatt, eine längere Produktbeschreibung oder produktbezogenen Content für Ihre Website verfassen – in jedem Fall verbessern Sie mit diesen Regeln die Wirksamkeit Ihrer Texte nachhaltig:

  1. Verschaffen Sie sich Klarheit. Legen Sie grundlegendes wie den Leserkreis, das Ziel des Dokuments, die zentrale Aussage und den geplanten Umfang des Dokuments fest, noch bevor Sie anfangen.
  2. Überzeugen Sie mit Ihrer Headline. Widmen Sie Ihrer Überschrift ausreichend Zeit, um zu einer wirklich ansprechenden Einladung zu kommen. Die Headline entscheidet darüber, ob Ihr Text gelesen wird.
  3. Visualisieren Sie mit Abbildungen. Lockern Sie Ihr Dokument mit Abbildungen auf und verdeutlichen Sie komplexe Zusammenhänge mit Illustrationen. Legen Sie die Abbildungen gleich zu Beginn fest.
  4. Nützen Sie Bildunterschriften. Sehen Sie zumindest auf der ersten Seite eine Abbildung vor und fassen Sie den Abbildungstext wie eine Headline auf, die Leser in den Text hineinführt.
  5. Verwenden Sie ein ruhiges Schriftbild. Verzichten Sie darauf, die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten digitaler Textverarbeitung untereinander zu mischen. Weniger ist mehr.
  6. Geben Sie Ihren Lesern Orientierung. Verwenden Sie Gliederungen, Hervorhebungen, Zusammenfassungen, ein
  7. Inhalts- oder Stichwortverzeichnis und andere Mittel zu leichten Orientierung.
  8. Bleiben Sie verständlich. Meiden Sie Fremdwörter und Fachbegriffe, formulieren Sie in kurzen Sätzen und orientieren Sie sich an dem Grundsatz „Keep-it-Simple-and-Stupid.“
  9. Übersetzen Sie in die Welt Ihrer Interessenten. Machen Sie es Ihren Lesern leicht, die angebotenen Informationen zu verarbeiten, indem sie deren Bedeutung aufzeigen.
  10. Nützen Sie Gestaltungshilfen. Beachten Sie das CD-Manual Ihres Unternehmens und nützen Sie einen Grafikprofi, um Ihrem Dokument ein ansprechendes Aussehen zu geben.

Erlernen Sie effiziente Produktkommunikation

Wenn Sie sich näher mit dem Verfassen von professionellen Produktunterlagen beschäftigen möchten, steht Ihnen das SUBCOM® Trainingsskript [438] zur Verfügung. SUBCOM wurde vom Autor des Praxishandbuch Produktmanagement entwickelt und vermittelt die effizientesten Kommunikationsmuster, die in der Produktvermarktung eingesetzt werden.

SUB steht für subjective und deutet an, dass Sie mit dem Trainingsskript mehr über die subjektive Realität Ihrer Abnehmer erfahren. COM steht für communication und für die entsprechenden Techniken, mit denen die subjektive Realität von Empfängern adressiert und genützt wird. SUBCOM ist speziell für das Selbststudium entworfen und stellt damit eine höchst kostengünstige Weiterbildungsmöglichkeit dar – eine Zertifizierung (Zeugnis) steht allen Beziehern des Trainingsskripts offen.

Dipl.Ing. Erwin Matys ist Geschäftsführer von Product Management Consulting.

Kontakt:
Wasnergasse 21 Top 5
1200 Wien
Telefon: 43-1-3748650
Telefax: 43-699-11369099
E-Mail: erwin@matys.at [439]
Internet: www.matys.at [440]

Einstieg: Wie sich Public Relation auch für den Mittelstand lohnt

Gastbeitrtag von Kirsten Nähle, Köln *

Manche Entscheidungen reifen über Monate. Schon länger dachte Firmenchef Matthias Keiner über den Einsatz von PR nach, wollte sich aber noch nicht auf eine Budgetierung festlegen. Der geeignete Zeitpunkt kam mit einer neuen Produktentwicklung, einem leistungsstarken Risiko-Controlling-System für Firmen.

„PR ist ein gutes Instrument, um innovative Produkte und Leistungen zu kommunizieren“, so Matthias Keiner, Geschäftsführer der Rating Advisory Agentur.

Mit Erfolg: Das mittelständische Unternehmen startete eine PR-Offensive und erzielte reichweitenstarke Veröffentlichungen in Fach- und Leitmedien.

Die Rating Advisory Agentur ist kein Einzelfall, sondern steht für einen starken Trend. Im Zuge einer zunehmend werbekritischeren Kundenhaltung interessieren sich viele Firmen für PR-Leistungen. Nach einer aktuellen Studie des „Bundesverbandes Deutscher Pressesprecher“ betrachten mittlerweile 57 Prozent der Kommunikationsverantwortlichen im Mittelstand PR als einen wichtigen Faktor für den Unternehmenserfolg. Schließlich profitieren Firmen von Presseveröffentlichungen gleich mehrfach. Sie erzielen eine wachsende Bekanntheit, ein positives Markenimage und schaffen ideale Anlässe für Marketing- und Vertriebsaktivitäten.

„Der Mittelstand ist sich der Profilierungsmöglichkeit und -notwendigkeit durch PR zunehmend bewusst“, bestätigt Professor Felix Osterheider von der Fachhochschule Osnabrück.

Rund die Hälfte der befragten Kommunikationsverantwortlichen will in Zukunft noch stärker auf PR setzen. Sie haben erkannt, dass Medienberichte bei potenziellen Kunden eine viel höhere Glaubwürdigkeit als Werbung genießen. Dabei stehen viele mittelständische Firmen noch am Anfang. Oft genug wird Pressearbeit durch die Geschäftsführung nebenher erledigt, nur knapp 5 Prozent nimmt professionelle Dienstleister in Anspruch.

Bereits eingeplante Marketingausgaben schränken den Handlungsspielraum vieler Unternehmen ein. Zudem gelingt es PR-Agenturen nicht immer, mittelständischen Firmen den Wert einer Partnerschaft vor Augen zu führen. Oft mangelt es an bedarfsgerechten Einsteigerangeboten, die einen schrittweisen PR-Einstieg ermöglichen.

„Der Mittelstand wünscht einen klaren und nachvollziehbaren Nutzen,“ weiß Markus Schneider, Geschäftsführer der Kölner PR-Agentur conovo media. „Deshalb setzen wir auf Pressetexte, die sich auch für die firmeneigene Website oder Broschüre eignen.“

Der richtige PR-Einstieg beginnt schon mit der sorgfältigen Partnerwahl. Um die Gunst von mittelständischen Firmen konkurrieren eine Vielzahl von Agenturen. Eine professionelle PR- und Medienarbeit erfordert indes hohes journalistisches Know-how. Nur so ist garantiert, dass Fachthemen verständlich und kurzweilig aufbereitet werden – und das Interesse von textverwöhnten Redakteuren wecken.

So finden Firmen die richtige PR-Agentur

Potenzielle Partner gibt es wie Sand am Meer, doch nicht jede Zusammenarbeit bringt den gewünschten Erfolg. Die Kommunikationsexperten von conovo media [441] wissen, worauf Firmenchefs schon im Vorfeld achten sollten.

  1. Journalistischer Background?
    Ein echter PR-Profi hat auch schon auf der anderen Seite des Schreibtisches gesessen. Nur so kann er selbst komplexe Zusammenhänge glaubwürdig und verständlich darstellen.
  2. Umfassende Branchenkenntnisse?
    Fundiertes Fach-Know-how ist unerlässlich, um ein Unternehmen richtig zu positionieren. PR-Maßnahmen fruchten nur, wenn Firmennachrichten im Wettbewerbsumfeld hervorstechen.
  3. Enge Verzahnung?
    Von Vorteil ist die Nutzung interner Kompetenzen in Form von Best Practices und Expertenzitaten. Je enger kooperiert wird, desto mehr Maßnahmen können in Eigenregie fortgeführt werden.
  4. Persönliche Betreuung?
    Ein direkter Ansprechpartner garantiert ein effizientes Projektmanagement. Auf diese Weise sichert sich das Unternehmen nicht nur eine hohe Qualität, sondern spart auch Zeit und Geld.
  5. Klare Erfolgsorientierung?
    Die Wirksamkeit aller Maßnahmen sollte sich an konkreten Zielen messen lassen. Idealerweise verfügt die Agentur über enge Redaktionskontakte, um Firmen optimal in den Medien zu platzieren.

Vorreiter in Sachen PR ist der Düsseldorfer Scan-Dienstleister Behrens & Schuleit. Das mittelständische Traditionsunternehmen startete im September 2005 eine PR-Offensive, um sich im Marktsegment Dokumenten-Management noch prominenter zu positionieren.

Dabei steht Geschäftsführer Thomas Rick dem Nutzen von PR eher kritischer gegenüber: „Ich bin nicht sicher, ob sich der Einsatz einer professionellen PR-Agentur für einen Mittelständler langfristig rechnet.“

Überzeugt hat Thomas Rick eine befristete Pilotphase mit einer systematischen Maßnahmenplanung, die auf den Aufbau von PR-Kompetenz inhouse setzt. So erhöht der Firmenchef den Leistungsanreiz der PR-Agentur und kann ausgewählte PR-Aktivitäten mittelfristig in Eigenregie fortführen.

Kontakt:
Kirsten Nähle
conovo media
Glockengasse 54-56
50667 Köln

Aufwachen: Kommunikation ist auch für den Mittelstand so wichtig wie nie

Gastbeitrag von Lutz Meyer, Düsseldorf *

Wer die Wirtschaftsmedien aufmerksam liest, kommt um das Thema „Mittelstand“ derzeit nicht mehr herum. Erstmals führte das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit in Zusammenarbeit mit dem Fachverband BITkom den Kongress„eBusiness-Standards im Mittelstand“ am 24. November 2005 in Berlin durch. IBM verkündete im Oktober 2005, dass 22 neue Produkte für KMUs (kleine- und mittelständische Unternehmen) vorgestellt werden. SAP gibt eine eigene Zeitschrift „Fokus Mittelstand“ heraus, die Volks und Raiffeisenbanken bezeichnen sich selbst als „Partner des Mittelstandes“, und die Deutsche Bank vermeldete kürzlich:„Deutsche Bank und IKB erleichtern dem Mittelstand die Eigenkapitalbasis“.

In Zeiten harten Wettbewerbs werden nun mittelständische Unternehmen als Abnehmer von Produkten und Dienstleistungen wirklich ernst genommen. Auch von denen, die sich bisher bevorzugt an den Großen der Wirtschaft orientiert haben. Der Mittelstand ist „in“. Aber auch die mittelständischen Unternehmen selbst werden aktiv. So lud zum Beispiel der Bundesverband der Pressesprecher zusammen mit dem Bundesverband Mittelständische Wirtschaft Anfang November 2005 zu einem Kongress nach Neuss. Thema: „Wie viel Kommunikation braucht der Mittelstand?“. Die mittelständischen Unternehmen haben erkannt, dass sie in ihrem Marktumfeld ohne nachhaltige und strategische Kommunikation deutliche Wettbewerbsnachteile erfahren. Woran liegt das?

Internationaler Wettbewerb

Immer stärker treffen deutsche Mittelständler in ihrem Markt auf internationale Wettbewerber, die oft durch angloamerikanische Prägung virtuos die Marketing und Kommunikationsklaviatur beherrschen. Die deutschen Unternehmen müssen kommunikativ mithalten, um nicht mit entscheidenden Image- oder Awareness-Verlusten kämpfen zu müssen. Die Alternative: Verzicht auf Kommunikation und Zugeständnisse bei der Preisgestaltung, Rabattierung oder bei Marktanteilen.

Preiswettbewerb

Um nicht von Anbietern aus Billiglohnländern unterpreist zu werden, setzen innovative Mittelständler, die in Forschung und Entwicklung investieren, verstärkt auf die Kommunikation ihrer Kernkompetenzen: Kundenorientierung, Entwicklung individueller Lösungen und nachhaltige Produktqualität. Nur so kann der reinen Preisdiskussion die Spitze genommen werden.

Budget-Optimierung Unternehmensreputation, Marketingkommunikation, Interactive, Public Relations, CRM und Dialogmarketing – die Kommunikationsnotwendigkeiten sind wesentlich komplexer geworden. Botschaften können heute nur noch im Rahmen einer fein austarierten Strategie unter Nutzung vernetzter Kommunikationsprojekte zu den Resonanzgruppen transportiert werden. Anderenfalls verpuffen die Maßnahmen oder der Euro-Einsatz pro Disziplin steigt ins Unverantwortbare.

Steigende Erwartungshaltung

Egal ob Endverbraucher oder Geschäftskunde – die Erwartungen an das Wie, Wo und Warum unternehmerischen Handelns und die Art und Weise, wie dies kommuniziert wird, sind gestiegen. Stichwort „Corporate Social Responsibility“: Damit die kommunikativen Aktivitäten nicht mit „Nice to have“ und dem überkommenen Grundsatz „Tue Gutes und rede darüber“ als Kosten ohne Nutzen abgehakt werden müssen, ist Corporate Social Responsibility als Teil der Unternehmensstrategie in Marketing und Kommunikation einzubetten.

Zunehmende Professionalisierung in Sachen Kommunikation

Auf den Geschäftsführersesseln im Mittelstand haben Persönlichkeiten Platz genommen, die qua Ausbildung und/ oder Erfahrung die Chancen und Möglichkeiten der Kommunikation kennen und schätzen gelernt haben. Auslands-MBAs – mit Marketing-Schwerpunkten – gehören zur Vita. Sie fordern von ihren Marketing-, Vertriebs- und Kommunikationsprofis im Unternehmen die optimale Nutzung der Budgets ein.

Deshalb stehen Disziplinen wie CRM, Interactive und/ oder Public Relations/ Public Affairs im Fokus, die mit der „klassischen“ Werbung immer stärker verknüpft werden. „One Voice to the Customer“ gilt es in der gesamten Kommunikation sicherzustellen. Diesem Trend müssen auch die Agenturen Rechnung tragen. Gerade mittelständische Unternehmen wollen und können sich keine Agenturparaden mit stundenlangen Briefings und De-Briefings leisten oder mit vielen unterschiedlichen Dienstleistern operieren. Es geht um effizientere Kommunikation, strategiestark und auf ein Ziel hin fokussiert: messbaren Mehrwert.

Was mittelständische Unternehmen von ihren Agenturen verlangen sollten:

  1. Marketing- und Kommunikationsberatung auf Augenhöhe, von Geschäftsführer zu Geschäftsführer oder von Inhaber zu Inhaber.
  2. Erfahrung und Verständnis für Strukturen und Budgetgrößen im Mittelstand, denn es zählt auch das Gefühl für das Machbare.
  3. Eine nachvollziehbare Methodik für Strategie-Entwicklung sowie Auswahl und Einsatz von Kommunikationsdisziplinen, damit auch der Auftraggeber zu hundert Prozent hinter der Strategie steht.
  4. Fokussierung unterschiedlichster Kommunikationsdisziplinen auf ein gemeinsam definiertes Ziel; denn nur die Vernetzung sichert die optimale Budgetnutzung.
  5. Kreative, die auch mit kleinen Budgets Großartiges leisten, um auch bei begrenzten Mitteln Kommunikationserfolge feiern zu können.
  6. Problemorientierung und Unabhängigkeit von Strukturen, also Beratung, die sich nach den Kundennotwendigkeiten richtet und nicht nach Budgetnotwendigkeiten der Agentur.
  7. Kundentreue und kein Kunden-Hopping, denn mit der Dauer der Zusammenarbeit wachsen Effizienz und Vertrauen.
  8. Teamkonsistenz, weil die permanente Einarbeitung neuer Berater Zeit und damit Kundengelder verschlingt.
  9. Zuverlässigkeit im Tagesgeschäft; nur zu oft werden Etats mit kreativen Konzepten gewonnen und gehen durch gravierende Versäumnisse in der täglichen Arbeit wieder verloren.

Lutz Meyer ist Geschäftsführer und Managing Director der Dörfer/ Partner Kommunikations-Gesellschaft mbH.

Kontakt:
Dörfer/Partner Kommunikations-Gesellschaft mbH
Willstätterstraße 6
40549 Düsseldorf
Telefon:+49 211 5230128
Fax:+49 211 5230130
Internet: http://www.doerferpartner.de [442]

Eingriff: Wie neuroduales Marketing Veränderungen bewirkt

Gastbeitrag von Dr. M.-Oliver Zomer, Detmold *

Die Marketing- und Markenwelt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Rolle der Emotionen. Der große Einfluss von Emotionen auf Kaufentscheidungen und Markenbildung ist mittlerweile erwiesen und akzeptiert. Man geht davon aus, dass 70 bis 80 Prozent aller Entscheidungen unbewusst und somit im Wesentlichen emotional gefällt werden. Zudem wissen wir, dass die enge Bindung von Marken und Konsumenten maßgeblich auf Emotionen beruht, die eine Marke auslösen kann. Wenn es aber um Veränderungen im Gehirn geht, sind nicht nur Emotionen allein ausschlaggebend in der Kommunikation.

Marketing zwischen Sicherheit und Provokation

Aus Sicht der Neurobiologie ist für Veränderungen im Gehirn eine optimale Mischung aus Bindung, Sicherheit und Vertrauen auf der einen Seite und Herausforderung, emotionaler Aktivierung und Provokation auf der anderen Seite notwendig. Erst die beiden gegensätzlichen Wirkungen von Bindung, Sicherheit und Vertrauen sowie von Emotion und Provokation schaffen die Voraussetzungen für nachhaltige Veränderungen im Gehirn. Das Zusammenspiel dieser beiden Variablen stellt genau den Cocktail an Neurotransmittern bereit, der dann tatsächlich strukturelle Umbauprozesse im Gehirn ermöglicht. Neurotransmitter sind biochemische Botenstoffe, welche in unserem Gehirn die Informationen von einer Nervenzelle zur anderen an den so genannten Synapsen weitergeben.

Diese Erkenntnis, die vor allem für den Kontext zwischenmenschlicher Kommunikation erste Anwendung findet (u.a. im Coaching), kann auch auf die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden übertragen werden. Und hat somit eine große Auswirkung auf die Gestaltung von Marketing- und Werbekampagnen. Vor allem dann, wenn es um angestrebte Veränderungen bei den Zielgruppen (im Verhalten oder bei Werten und Einstellungen) geht.

Erst durch die gleichzeitige Berücksichtigung beider Grundbedürfnisse werden im Gehirn die entsprechenden Prozesse in Gang gesetzt, die neue neuronale Verschaltungen ermöglichen und damit zu einer nachhaltigen Veränderung führen können.

Was bedeutet das für Ihre Marktkommunikation und Ihren Markenauftritt?

Sie wollen durch Ihre Kommunikation etwas bewirken. Veränderungen auslösen. Zu viel Vertrauen, Sicherheit und Kontrolle in der Kommunikation wird nicht zu langfristigen Veränderungen führen. Zu viel Provokation und emotionale Aktivierung der Zielgruppe wird ebenfalls nachhaltig nichts verändern. Erst eine ausgewogene Mischung – ein neuroduales Marketing – wird in den Köpfen Ihrer Zielgruppen zu Veränderungen führen.

Diese neue Erkenntnis, die als Bestandteil in das von zomer Persönlichkeits- & Markenpolitur entwickelte Konzept vom gehirngerechten Marketing einfließt, eröffnet eine Sichtweise auf Marketing-Kampagnen, die bisher so noch nicht in der Praxis eingesetzt wird.

Bei der Betrachtung der beiden notwendigen Einflussfaktoren des neurodualen Marketings und deren Wirkung auf angestrebte Veränderungen bei den Zielgruppen der Kommunikation lässt sich eine Reihe von typischen Marketing-Kampagnen ableiten. Je nachdem, ob in der Markt- und Markenkommunikation Bindung, Sicherheit und Vertrauen sowie emotionale Beteiligung und Provokation „zu niedrig“, „genau richtig“ oder „zu hoch“ ausfallen, können die folgenden Kampagnen-Typen unterschieden werden:

  • „No-Effect“-Kampagnen: Weder die emotionale Beteiligung noch die Bindung an das Unternehmen, die Marke oder das Produkt sind ausreichend in der Kommunikation berücksichtigt.
  • „Relation“-Kampagnen: Bindung, Sicherheit und Vertrauen werden in „richtigem“ Maß in der Kommunikation transportiert. Emotion und Provokation aber kommen zu kurz, so dass der Schwerpunkt der Kommunikationswirkung auf Beziehungspflege und Kundenbindung gelegt wird.
  • „Attention“-Kampagnen: Hier liegt der Schwerpunkt auf der „richtigen“ emotionalen Beteiligung und kommunikativen Herausforderung der Zielgruppe, allerdings bei sehr niedriger Bindung und wenig Sicherheit und Vertrauen. Deshalb wird gut zu verarbeitende Aufmerksamkeit generiert, aber ohne Nachhaltigkeit.
  • „Shock“-Kampagnen: Zu hohe emotionale Aktivierung in der Kommunikation führt zu einer einseitigen und übersteigerten Wirkung, selbst wenn Bindung, Sicherheit und Vertrauen im richtigen Ausmaß berücksichtigt werden. Solche Kampagnen „schocken“ zwar, wirken aber nicht in Richtung einer langfristigen Veränderung.
  • „Brown-Nose“-Kampagnen: Ein zu hohes Maß an Bindung, Sicherheit und Vertrauen führt zu einem gegenläufigen, einseitigen Effekt. Durch den übersteigerten Einsatz von bindender, Sicherheit und Vertrauen aufbauender Kommunikation können Marketing-Kampagnen einen – umgangssprachlich – „einschleimenden“ Anstrich erhalten, der (neurobiologisch) ebenfalls nicht zu nachhaltiger Veränderung führt.
  • „No-Belief“-Kampagnen: Wenn beide Variablen zu hoch ausgeprägt sind, also sowohl Bindung, Sicherheit und Vertrauen als auch Provokation und emotionale Aktivierung in der Kampagne ein zu hohes Niveau einnehmen, wird nicht nur keine Veränderung im Gehirn ermöglicht, es geht auch noch die Glaubwürdigkeit der Kampagne verloren.
  • Neuroduales Marketing über „Change“-Kampagnen: Die Voraussetzungen für nachhaltige Umbauprozesse in den Gehirnen Ihrer Kunden sind erfüllt. Mit dem „richtigen“ Niveau an Bindung, Sicherheit und Vertrauen sowie Herausforderung, Provokation und emotionaler Aktivierung werden Veränderungen möglich.

Wer Veränderung erreichen will, muss das richtige Maß für Sicherheit und emotionale Aktivierung finden

Wenn Ihre Marketing-Kampagnen und Ihre Markt- und Markenkommunikation das Ziel nachhaltiger Veränderungen in (Kauf-) Verhalten, Einstellungen und Werten haben, ist die im Rahmen von „Change“-Kampagnen notwendige ausgewogene Berücksichtigung von Bindung, Sicherheit und Vertrauen auf der einen Seite sowie Emotion und Provokation auf der anderen Seite nötig.

Die Veränderungswahrscheinlichkeit ist dann am größten, wenn die emotionale Aktivierung ein mittleres Niveau erreicht hat. Alle anderen Kampagnen-Typen ermöglichen zwar auch Kommunikationseffekte, die optimalen, neurobiologischen Voraussetzungen für eine nachhaltige Veränderung im Gehirn erfüllen sie jedoch nicht.

Sie kennen das Phänomen der emotionalen Beteiligung übrigens auch aus anderen Kontexten. Lampenfieber oder Prüfungsangst sind bekannte Beispiele, die den Effekt der „richtigen“ emotionalen Beteiligung unterstreichen. Wenn Sie völlig ohne emotionale Beteiligung einen öffentlichen Auftritt oder eine wichtige Prüfung zu absolvieren haben, werden Sie in der Regel weniger konzentriert und nicht im vollen Zugriff auf Ihre Ressourcen handeln können. Wenn Sie andererseits zu aufgeregt und emotional beteiligt sind, wird Ihre Leistungsfähigkeit ebenfalls beeinträchtigt, Sie fühlen sich möglicherweise blockiert.

Ähnlich verhält es sich mit der Kommunikation zwischen Marken und Menschen. Markt- und Markenkommunikation, die etwas verändern will, muss ein „optimales“ Niveau an Emotion und Provokation mit der Vermittlung eines ausreichenden Maßes an Bindung, Sicherheit und Vertrauen verbinden.

Überprüfen Sie Ihr Marketing! Welche Kampagnen-Typen haben Sie bisher umgesetzt? Welche Grundbedürfnisse des Gehirns bei Veränderungen spricht Ihre Markt- und Markenkommunikation an? Und wie passt das mit Ihren Kommunikations- und Marketing-Zielen zusammen? Machen Sie sich wieder bewusst, dass jegliche Art der Kommunikation, die Sie betreiben, und alle Medien, die Sie im Marketing nutzen und bedienen, dazu beitragen können, neurodual zu wirken und somit nachhaltige Veränderungen zu ermöglichen.

Um das Konzept des neurodualen Marketings zu verstehen und zu überprüfen, schauen Sie auf die Ihnen bekannten Kampagnen der vergangenen Monate und Jahre und ordnen Sie diese in die genannten Kampagnen-Typen ein. Beispiele sind die „Geiz ist geil“-Kampagne von Saturn, die sich derzeit an Emotionen regelmäßig übertreffenden Kampagnen der Baumärkte Hagebau, Hornbach, Praktiker und OBI, die „Leistung aus Leidenschaft“-Kampagne der Deutschen Bank oder die „Der Mini – is it love?“-Kampagne des vergangenen Jahres.

Hinweis

Lernen Sie mehr Marketingwissen mit dem Marketingexperten Dr. M.-Oliver Zomer in unserem Online-Kurs "Internationales Marketing: Ihr Unternehmen international ausrichten und neue Märkte erschließen".

„Lesen Sie auch den letzten Artikel von Dr. Zomer zum Thema „Sinnliche Markenführung – Der Weg in die Köpfe der Kunden führt über fünf Sinne“ [443] . Mit dem Konzept des gehirngerechten Marketings verbindet zomer Persönlichkeits- & Markenpolitur neue Erkenntnisse aus der Gehirnforschung und der Neurobiologie mit den ständig steigenden Anforderungen an Marketing und Markenkommunikation. Die Wirksamkeit herkömmlicher Kommunikationsmittel und -inhalte stößt an ihre Grenzen. Wir wissen, dass Marken im Gehirn entstehen. Wir stehen aber erst am Anfang zu verstehen, wie wir die geeigneten Voraussetzungen dafür in Marketing und Markenkommunikation schaffen können. Was wir bereits verstehen, ist jedoch schon erstaunlich genug.

Dr. M.-Oliver Zomer ist Berater, Trainer und Coach zum Thema Marketing.

Kontakt:
zomer Persönlichkeits- und Markenpolitur
Zur Werrehude 18
D - 32758 Detmold
Fon: +49 - (0)5231 - 96 10 66
Fax: +49 - (0)5231 - 96 10 67
Mobil: +49 - (0)172 - 289 42 44

eMail: moz@zomer.de [444]
Internet: www.zomer.de [445]

Rentabilität: Entwicklungsstand und Trends zur Messbarkeit im Marketing

Gastbeitrag von Andrew Greenyer, London *

In den letzten 15 Jahren gab es enorme Entwicklungssprünge in Bezug auf messbareres Marketing. Wird diese Entwicklung fortschreiten? Wie nah kommt das Investment in Marketing an wirklich messbare Verkaufsresultate? Ein zeitgemäßes Thema, da typische Erwartungen an die Kapitalrendite von Marketing-Investitionen sich neuerdings geändert haben.

 

Dieser Artikel überdenkt diese Änderungen insoweit sie auf Business-to-Business Organisationen zutreffen und identifiziert, wie sie Marketing, insbesondere Kundenbeziehungsmanagement, hier abgekürzt als CRM (Customer Relationship Management), günstiger und somit attraktiver für Firmenvorstände gemacht haben. Die meisten Statistiken, die hier besprochen sind, stammen aus Untersuchungen aus Europa, ihre allgemeine Richtung lässt sich jedoch auf die gesamte westliche Welt beziehen.

 

Vor wenigen Jahren wurde Datenbankanalyse fehlerhafterweise als Ersatz für Marktrecherchen gesehen, teilweise als Resultat der Sorge um die Konkurrenzfähigkeit von Marktforschungsunternehmen, teilweise durch übertriebene Ansprüche von Datenbesitzern. Inzwischen ist durch Erfahrung erwiesen, dass die zwei Vorgehensweisen vielmehr komplett komplementär sind (tatsächlich bietet nun ein Datenbesitzer bewertete Stichprobenkontakte und Einblickverifizierungsdienste in Tandem mit Marktforschungsunternehmen an).

  • Datenbankanalyse gibt uns Einsichten in das Kaufverhalten, das heißt, wer welche Produkte kauft, wann und wie oft.
  • Marktforschung hingegen befasst sich damit, weshalb Unternehmer bestimmte Käufe tätigen.

Besonders bei der Einführung von neuen Produktlinien sind beide Methoden gefordert um Verkaufserfolge zu erzielen. Marktforschung zeigt, welche Art von Kunden kaufen (in B2B gibt es die typische Unterteilung in frühe Käufer, Mainstreamer und ‘Spätzünder’). Datenbankanalyse hilft sie zu finden und die Marktforschungserkenntnisse zu testen. Die neuste Entwicklung hier ist die Möglichkeit, Reaktionen aus der Anfangsphase der Kampagne schnell zu analysieren, um die Aktionsparameter für die nächsten Phasen zu bestimmen. Dies schnell und automatisch tun zu können, hat in vielen Fällen geholfen, Antwort- und Konversionsquoten substantiell zu verbessern.

Die Balance zwischen Rentabilität und der Beibehaltung einer genügend großen Kundenbasis ist nun auch besser verstanden. Die Möglichkeit, lukrative Kunden zu identifizieren, bringt die Versuchung mit sich, die gesamte Aufmerksamkeit auf diese attraktive Subgruppe zu fokussieren, und dabei den Rest der weniger profitbringenden Kunden zu vernachlässigen. Aktieninhaber und Märkte haben diese plumpe Taktik durch ihren Ruf nach konstanten Verbesserungen der Rentabilität forciert.

Es ist jedoch oftmals die Masse der weniger rentablen Kunden, die absolut kritisch ist, wenn ein Unternehmen seine fixen Kosten etc. decken muss. Daher haben Geschäftsführer inzwischen anerkannt, dass die Beibehaltung der Masse der Kunden bzw. die Minimierung von Abtrünnigkeitsraten ein wichtiger Teil der Renditemodelle sein muss.

Datenmangel führt zu anderen Marketing-Schwerpunkten

Zwei weitere neue Entwicklungen haben Renditeerwartungen und –berechnungen ebenfalls radikal beeinflusst. Externes Wissen über Kunden, das Unternehmen in Form von Berichten auf dem freien Markt erwerben können, werden immer rarer. Neue Erkenntnisse der Lloyd James Gruppe zeigen, dass die Verfügbarkeit von Daten in den letzten zwölf Monaten um über acht Prozent gefallen ist. Dies hat eine kleine, aber signifikante Verlagerung von Marketinginvestment weg von der Neuanwerbung von Kunden hin zur Beibehaltung von existierenden Kunden bewirkt.

Forschungen von Pitney Bowes zeigen, dass bis Ende des Jahres 51 Prozent des Marketinginvestments in Kundenmarketing fließen wird und 49 Prozent in Marketing, das an potenzielle Kunden gerichtet ist. Marketer bekommen oft zu hören, dass die Kosten eines Verkaufs an existierende Kunden sehr viel geringer sind als die Neuanwerbung eines Kunden. Dies ist jedoch eine zu starke Vereinfachung der Dinge. Kunden erwarten spezifisch abgestimmte und intelligente Kommunikation von Unternehmen, dessen Produkte sie bereits kaufen, und das Mantra ‘Kundenbeziehungen’ hat die Erwartungen deutlich gesteigert. Dies bedeutet, dass Unternehmen nun Daten zu existierenden Kunden sammeln und Marketingkommunikationen zu diesen sehr gezielt und akkurat einsetzen müssen.

Existierende Kanäle zum Kunden

Glücklicherweise gibt es gute Nachrichten in Bezug auf Kosten zur Kommunikation mit Kunden. Obwohl die Gesetzgebung wie die EU Richtlinien zu Datenschutz und Elektronischer Kommunikation die Möglichkeit, Telefon und E-Mail im Marketing einzusetzen, erheblich eingeschränkt hat, haben Technologien neuerdings die bestehende Kundenkommunikation (Kundenservicemitteilungen, Rechnungen, Abrechnungen etc.) für Marketingmitteilungen eröffnet.

Unsere Nachforschungen bei 1000 der führenden Unternehmen ergaben eine durchschnittliche Antwortrate von solchem ‘Huckepack-Marketing’ von 5,9 Prozent – das ist vergleichbar mit den Resultaten von Direktmarketinginitiativen (6,9 Prozent) und das bei einem Bruchteil der Kosten. Dies hilft, die Enttäuschung über E-Marketing zu mildern, welches sich inzwischen als doch nicht so ‘freier’ Kanal, als zunächst erhofft, entpuppt hat. Missbrauch von E-Mail-Marketing hat leider dazu geführt, dass Antwortraten stark gefallen sind.

Jahres- und andere finanzielle Berichte

Im Bemühen, Nutzen aus bestehenden Kontaktpunkten mit dem Kunden zu ziehen, haben Unternehmen angefangen, ihre finanziellen Informationspflichten als Vehikel für Marketing zu sehen. Diese Doppelfunktion zwischen Investor- und Kundenbeziehungen ist besonders in entwickelten Ländern relevant, die seit den 1980ern stark wachsende Anteile von kleinen Aktienbesitzern erfahren haben, wobei ein hoher Anteil der Aktienbesitzer gleichzeitig Kunden des Unternehmens sind.

Beispielhaft hier ist unter anderem, wie sich die Zahl der Aktionäre beim Flotationsverfahren von Norwich Union und Friends Provident vergrößert hat. Dieses Phänomen ist noch bedeutsamer, wenn wir große Wiederverkaufskanäle wie zum Beispiel Banken in Betracht ziehen (insbesondere hier die riesige Gruppe von Kleinaktionären von Abbey National).

Die Umwandlung einer Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit in eine Eigentumsgesellschaft ist nicht der einzige treibende Faktor. Seit den 1980ern ist in Europa die Zahl der Kleinaktionäre, besonders derer, die Anteile an Mittelstandsunternehmen haben, immer weiter gestiegen.

Dies bedeutet, dass die Zahl der Unternehmen, die mit einer großen Aktieninhabergruppe kommunizieren muss, in den letzten Jahren dramatisch gestiegen ist. Und in welche Unternehmen investieren Kleinaktionäre am liebsten? Natürlich die, die sie als Kunden selbst kennen. Daher ist es eine wachsende Notwendigkeit für Manager, die Schlüsselkommunikation mit Aktionären - namentlich die jährlichen und Quartalsberichte - zu nutzen, um Managementtaktiken darzustellen und eventuelle Bedenken zu zerstreuen. Finanzielle Reporte müssen wieder die Rolle von Marketingdokumenten annehmen.

Wichtige Marketingmitteilungen in einen jährlichen Report einzubauen, erfordert sämtliche Disziplinen des datengetriebenen Marketing. Der Inhalt muss sich auf die Interessen verschiedener Aktionäre oder –gruppen beziehen. Beigelegte Briefe und andere Dokumente müssen ebenfalls persönlich abgestimmt und segmentiert werden, um Investoren und Investoren-Kunden Beziehungen zu steuern.

Nach Recherchen von Corporate Mailing Matters kann die Verbindung von kreativen Marketingtechniken mit den Formularen zur Stimmrechtsübertragung die Antwortrate von den durchschnittlich niedrigen 15 Prozent heben (eine absolute Notwendigkeit für manche der EGM Wahlanforderungen). Außerdem bieten Aktionär-Kunden Marketern eine gute Forschungsgrundlage und eine Gemeinde an der sie neue Initiativen testen können, welche alle mit Jahres- und Quartalsreporten verbunden werden können.

Weiterhin besagen die Ergebnisse von Corporate Mailing Matters, dass 27 Prozent der 1000 führenden Unternehmen ihre Jahresreporte effektiv als Marketingdokumente einsetzen. Die Branchen, die traditionell stark im Dirketmarketing sind, haben die finanzielle Berichterstattung und Marketing zuerst miteinander verknüpft, die Einzelhandelsbranche hat zu 32 Prozent diese Marketingstrategie aufgegriffen, die Telekombranche zu 30 Prozent, Automobil und Banken beide zu 28 Prozent.

Fakt ist, dass die Jahres- und Quartalsberichte von wichtigen Entscheidern als sehr viel mehr gesehen werden als einfache finanzielle Reporte. Die Presse, Stimmungslagen in der Finanzwelt, Wiederverkäufernetzwerke und die breite Öffentlichkeit nutzen bereits jetzt diese Reporte als Barometer für die Zukunft und das Schicksal von Unternehmen.

Zugänglichmachen von direkten Daten

Die Kapitalrendite des Marketing mit bestehenden Kunden ist davon abhängig, wie man Kundencharakteristiken mit Kaufmustern korrelieren kann. Zielgerichtetes Marketing ist schließlich ein Prozess, der mögliche Kunden identifiziert. In den letzten drei Jahren haben Marketer signifikante Fortschritte erzielt, wenn es darum geht, kostengünstig und schnell Kundeninformationen aus Altsystemen zu gewinnen (Rechnungen, Finanzen, Ordnungsmananagement, EPOS, Aktienmanagement, usw.).

Früher war der Zugriff auf diese Daten weitaus schwieriger und vor allem teuer. Spezielle Interfaces mussten installiert werden, um Daten zu extrahieren, ohne das System zum Kippen zu bringen. Dies war speziell für unberechenbare Branchen wie zum Beispiel IT und Telekommunikation schwierig, wo die Kundendaten, die analysiert und für Werbekampagnen verwendet werden sollten, sich in sehr kurzen Zeiträumen ändern können, so dass sogar innerhalb von sechs Monaten die Kundendatenbanken nicht mehr aktuell sein konnten. Firmen konnten es sich einfach nicht leisten, zweimal im Jahr neue Interfaces zu schreiben. Dieses Hindernis existiert nun nicht mehr, dank einer neuen Softwarekategorie mit Namen ‘extract, transform and load’ (ETL). Einfacher gesagt gibt diese Software auch Laien die Möglichkeit, neue Dateninputfilter schnell und günstig einzubauen.

Nachdem wir nun die Neuerungen besprochen haben, die Marketing messbarer machen, gilt es, spezifische Tätigkeitsbereiche in Bezug auf Messung zu besprechen, die in den Firmen mit optimalem Verfahren zur Norm geworden sind.

Kurzzeitumsatz und Kanalintegration

Zuerst wandeln Marketingexperten Daten in Information um, danach müssen die hierbei gewonnenen Einsichten genutzt werden, um für Kunden Cross-Selling Kampagnen zu kreieren, die kurzfristig gewinnbringend sind. Heutzutage wird kein Firmenvorstand mehr Kundenmarketinginvestment befürworten, das nicht auf irgendeine Weise Kurzzeitgewinne erbringt. Dieser Druck vom Management führt Marketer oftmals dazu, groß angelegte Initiativen in einzelne Phasen aufzuteilen, wobei jede Phase Resultate erbringen soll. Viele würden sagen, dass dies keine schlechte Business-Strategie ist, besonders seit der ‘Urknall’ Ansatz zum CRM tatsächlich zu erheblichen finanziellen Verlusten geführt hat (speziell in Firmen, die vor allem Mittelstandsunternehmen anpeilen). Daher sind in einzelne Phasen aufgeteilte Initiativen, die kurzfristig Kosten sparen oder Einnahmen erbringen, zur Norm geworden.

Tatsächlich wurde das Umsatzwachstum im letzten Jahrzehnt dadurch gewonnen, taktische Marketingkampagnen einsetzen zu können, um kurzzeitig Gewinne zu erwirtschaften.

Im wirtschaftspolitischen Umfeld, das von wachsenden Schuldenfinanzierung belastet ist, ist ein verlässlicher Kurzzeit-Cashflow kritisch, um Wachstum zu demonstrieren, Bankverpflichtungen nachzukommen, hocheingestufte Bonds herauszugeben und erfolgreiche Investorenbeziehungen aufrechtzuerhalten.

In einem parallelen Trend wird immer mehr Kundeninteraktion auf Callcenter verlagert. In Umfragen beauftragt von Group 1 im Februar 2004 waren Callcenter entweder der wichtigste oder zweitwichtigste Kontaktpunkt im Bankgeschäft, für Versicherungen, IT-Unternehmen, Versorgungsbetriebe und Telekom-Unternehmen. Dies bringt eine Menge wortgewandter Argumentationen über die Wichtigkeit, die ‘Kanäle zum Kunden zu integrieren’, mit sich; es ist aber eine Phrase, die Sesselakademikern leicht über die Lippen geht, in der Realität jedoch schwierig und teuer umzusetzen ist.

Natürlich ist ein unzusammenhängender Umgang mit Kunden nicht ideal und kann zu höheren Raten von Kundenverlusten führen. Trotzdem ist es selten, dass jemand (ein Marketingdirektor) die Unterstützung und Schlagkraft bekommt, die komplette Integration von Informationsfluss und Aktionsaufforderungen zwischen allen Kommunikationswegen zum Kunden zu erzielen.

Demzufolge überlegen Unternehmen wie und wie sehr sie die Kommunikationskanäle zum Kunden integrieren sollen. Daher müssen Firmen folgende drei Probleme bedenken:

  • Wie sehr ist das Unternehmen auf jeden Kommunikationsweg angewiesen –hauptsächlich auf Post, Telefon, E-Mail, Web oder persönliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht? Wo ist der Hauptteil der Kundenbewegung und ist es wahrscheinlich, dass dies sich in der nahen Zukunft ändert? Der beste Weg diese zukünftigen Trends herauszubekommen ist, einen repräsentativen Teil der Kundschaft zu befragen. Jedes datengetriebene Unternehmen wird dies ohnehin tun.
  • Wie sehr ist Service ein Unterscheidungsmerkmal? Bedarfsartikel (Iwiederverkauf von Informationstechnologie und Zubehör ist ein gutes Beispiel), die weder Preis- noch Produkteingenschaftsvorteile haben, sind hauptsächlich über Service verkauft. Patentierte Innovationen hingegen werden weniger besorgt um Service sein als konkurrenzbetonte Differenzierer (was übrigens keine Entschuldigung für schlechten Service ist.)
  • Was ist das Ziel der Integration dieser Kanäle: Soll die Kontrolle darüber, wie mit Kunden umgegangen wird, verstärkt werden; oder sollen die Entscheidungen von Filialassistentinnen, Verkäuferinnen oder Kundendienstberaterinnen besser unterstützt werden? In den meisten Fällen ist die Antwort eine Mischung aus beiden - eine Art von limitierter Ermächtigung, wenn man so will.

All diese Überlegungen beeinflussen den Grad, zu welchem die Integration implementiert wird. Gibt es zum Beispiel kommerziell bedingte Gründe, weshalb Informationen zu Kundentransaktionen (Rechnungen, Treueplandaten etc.) leicht über alle Kanäle zugänglich gemacht werden sollten? Und falls derartige Daten in Callcentern zur Verfügung stehen, macht es dann Sinn, dass der Bearbeiter es in der gleichen Form einsehen kann, um besser mit dem Kunden interagieren zu können? Mit anderen Worten, wie viel der Vorgeschichte, die ein Kunde mit der Firma hat, sollte im Callcenter verfügbar sein, und wie aktuell sollten die Daten sein, auf die der Bearbeiter sich beziehen kann?

Rückgewinnung verlorener Kunden

Zweitens müssen Firmen Kundeninformation messbar einsetzen, um Kunden zurückzugewinnen, die verloren gegangen sind. Es gibt kaum größere Anzeichen von intelligentem Kundenmarketing als ein Unternehmen, das mit inaktiven Kunden Kontakt hält und sie dazu bewegt zurückzukommen. In diesen Prozess zu investieren, hat vielen Versorgungs- und Telekomunternehmen substantiellen kommerziellen Erfolg gebracht. Besonders im Mobiltelefongeschäft, in der Geschäftsreisenanbieterbranche und der kommerziellen Versicherungsbranche ist die Härte der Konkurrenz und die Mobilität der Kunden so extrem, dass eine Kombination zwischen effektiver Kundenbindungsstrategie und erfolgreicher Rückgewinnung von verlorenen Kunden essentielle Unternehmensziele für Firmen sind, die die nächsten Jahre überleben wollen.

Loyalitätsprogramme für Mittelstandsunternehmen

Das dritte Ergebnis, das eine gut gepflegte Datenbank bewirken kann, ist eine Form von Unternehmens-Loyalitätprogrammen, die Klarheit darüber schaffen, ob diese Messbarkeit durch eine verbesserte Kundenbindung bedingt ist, durch verringerte Vetriebs-Kosten, zunehmendes Cross-Selling oder erhöhte Kundenrentabilität. Natürlich reicht es nicht aus, nur gute Daten zu haben, um diese Ziele zu erreichen. Das verlangt vielmehr die intelligente Nutzung des Wissens um den Kunden, um ansprechende Angebote oder Initiativen zu erbringen. Ebenso ist die Integration der verschiedenen Kommunikationswege zum Kunden wichtig, um jeden Kunden zu erkennen und persönlich anzusprechen, wie auch immer er mit dem Unternehmen Kontakt aufnimmt.

Der Vorwurf, dass ein signifikanter Anteil von Loyalitätsprogrammen und Kundenbeziehungsmanagement (CRM) Initiativen keine Kapitalerträge erzeugen (wie z.B. die berühmte Gardner Prognose von 2001, dass über 50 Prozent der CRM-Initiativen keinen messbaren Erfolg erbringen) sollte ernst genommen werden. Immerhin sind die Kosten zum Einstieg, besonders in Bezug auf technische Unterstützung und essentielle Software, seit dem Jahr 2000 stark gefallen, und Hindernisse zum Erfolg sind größtenteils verschwunden.

Kosten zum Einstieg

Kundendaten generell, und besonders modellierte Kundendaten (eine Notwendigkeit im B2B-Bereich, wo spezifische Attribute rarer sind als im B2C-Bereich) hatten bis jetzt eine relative niedrige Priorität bei mittelgroßen Unternehmen. Vielleicht war ein Grund, dass sie dachten, dass Datenbankmarketing und Kundenbeziehungsmanagement schlicht zu teuer für sie wäre. Die angenommenen Kosten von CRM-Investment waren bis jetzt der Hauptgrund, weshalb Firmen davor zurückschreckten, in datengetriebenes Marketing zu investieren.

Hier hat sich wiederum einiges getan. Nach einer massiven Flaute im Absatz in den Jahren 2002 und 2003 haben sich CRM-Software-Anbieter wieder gefangen und untersuchen nun alternative Verkaufsmodelle. Die Auslagerung von gesamten CRM-Betriebsprozessen ist ebenfalls gestiegen. Der traditionelle Bereich für Auslagerungen war hier meist das Callcenter. Neuerdings haben sich jedoch Datenbankfirmen in ausgelagerte Abteilungen für Kundenanalyse und Kampagnenmanagement verwandelt.

Nach Angaben von Datenmanagementspezialisten CDMS nutzen über ein Drittel der führenden europäischen Unternehmen das Outsourcing von Kampagnenmanagement.

Dadurch sind die Kosten gesunken, die das notwendige Kapitalinvestment zurück gegangen, und Liquidität ist gewährleistet durch die Option, monatlich Bearbeitungsgebühren an den Outsourcinganbieter zu zahlen.

Der modulare Ansatz

Als Ergänzung zum veränderten finanziellen Bild des CRM sollte hier ebenfalls vermerkt werden, dass Firmen CRM nun auch auf einer modularen Basis verwenden können. Obwohl Puristen argumentieren würden, dass nur ein ‘Urknall’ Ansatz zum Erfolg führen kann, reizt diese Option das Management vieler Unternehmen nicht. Ein gestaffelter Ansatz, mit messbaren Nachweispunkten, macht es hier sehr viel einfacher zu überzeugen.

Einige der Funktionen eines guten CRM sollten hier normalerweise messbare Erfolg bringen: Segmentierte Mitteilungen auf der Website zum verbesserten Durchklicken, verbesserte Prozesse für den Kundenservice, die Nutzung von digitalen Druck- und verschiedenen Postbeilagen zur Verbesserung von Kampagenantwortraten und auch die Erweiterung von Marketinginitiativen zu existierenden Kommunikationskanälen wie Abrechnungen, Rundbriefen und anderen Kundenkorrespondenzen ebenso wie in Filialen. Wenn messbare Erfolge in jeder Phase erreicht werden, ist es viel wahrscheinlicher, dass das CRM-Investment vom Management befürwortet wird, die Firmen können die Initiative mehr schätzen, und mögliche Engpässe können leichter identifiziert werden.

Trotzdem hat keiner dieser Fortschritte - in Software-Miete, Outsourcing oder dem modularen Ansatz zum CRM - eine Bedeutung, wenn die kritischen Volumen für die Marketingaktivität nicht erreicht werden können, wenn die Analyse nur an einem (wahrscheinlich nicht-repräsantiven) Bruchteil der Kunden durchgeführt werden kann oder wenn mit ihnen nicht in einer persönlich abgestimmten oder wenigsten allgemein relevanten Weise umgegangen wird. Ansprechende Werbung, sei es Direktwerbung oder Telemarketing, kann mit Datenlücken nicht richtig funktionieren und braucht Modellierung, um diese zu füllen.

Resümee

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Marketingrendite immer messbarer wird, doch die Balance der Erwartungen hat sich neuerdings geändert. Informationen zum Kunden oder möglichen Kunden, zusammen mit der Möglichkeit, auf mehreren Kanälen mit ihnen zu kommunizieren, sind eingeschränkt worden. Und Kunden erwarten vermehrt persönlich abgestimmte, relevante Kommunikation von Unternehmen, mit denen sie bereits zu tun haben. Daher müssen Marketer ins Sammeln von Daten und die Ausrichtung von Kampagnen investieren. Andererseits haben neue Entwicklungen Verbesserungen auf verschiedenen Gebieten gebracht: Die Antwortmodellierung ist differenzierter geworden und die bestehende Kommunikation zum Kunden wird für Marketingzwecke stärker genutzt.

Andrew Greenyer BSc, DipM, FIDM, C.Math. MIMA, ist Direktor für Kundenbeziehungs-Lösungen der Group 1 Software Europa LTD [446] . Er hat für Pinpoint Analysis als Kundenberater für Segmentierung, Zielrichtung und Erreichen von zukünftigen Kunden gearbeitet, für ICD als Kundenservice-Manager und als Leiter der Analytischen Service Abteilung der Database Gruppe. Er arbeitet seit 2000 für Group 1 und ist inzwischen Leiter der Abteilung Kundenbeziehungs-Lösungen.

Sinnlichkeit: Der Weg in die Köpfe der Kunden führt über fünf Sinne

Gastbeitrag von Dr. M.-Oliver Zomer, Detmold *

Gehirngerechtes Marketing baut auf einer Reihe von Erkenntnissen und Konzepten auf, die aus der zwischenmenschlichen Kommunikation übertragen wurden auf die Kommunikation zwischen Marken und Menschen, Unternehmen und Kunden.

Die meisten Menschen haben das Glück, fünf Sinne zur Verfügung zu haben. Mit diesen Sinnen (Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken, Riechen) erleben wir die Welt. Die gesamte Wahrnehmung jedes Menschen wird durch diese Sinnessysteme kanalisiert. Direkt in unser Gehirn. Und über die Sprache, unser Verhalten, unsere Werte und Einstellungen sowie unsere Gedanken wieder zurück.

Kunden nehmen mit allen Sinnen wahr

Alle Werte, Gefühle, Erlebnisse, Emotionen, Beziehungen und sogar die Produkte und Dienstleistungen, die wir konsumieren und nutzen, werden kontinuierlich – bildlich gesprochen – auf einem Sinnes-Recorder aufgenommen. Der herkömmliche Video-Recorder hatte zwei separate Aufnahmespuren. Eine für die Bilder und eine für den Ton. Der Mensch ist in diesem Sinne also ein Fünf-Spuren-Recorder, der ständig aufnimmt, bewusst und unbewusst.

Unternehmen vergessen drei Sinne

Die meisten Unternehmen gestalten ihre Marktkommunikation jedoch nur zwei-dimensional bzw. zweispurig. In der Regel werden zwei Sinne der Kunden angesprochen, das visuelle und das auditive Sinnessystem. Obwohl jedes Unternehmen und jede Marke auf Menschen (Kunden) treffen, die einen Fünf-Sinne-Recorder zur Verfügung haben und über fünf Sinnessysteme Botschaften, Emotionen, Erlebnisse und Eindrücke aufnehmen und verarbeiten können.

Hier wird ein großes, neurobiologisches Potenzial in Marketing und Werbung, nicht nur für die klassische Kommunikation, sondern vor allem auch für die Differenzierung im Markt, nicht genutzt. Denn je intensiver die Wahrnehmung z.B. von Werbebotschaften oder von Kunden bindenden Maßnahmen auf Kundenseite erlebt wird, desto größer ist der Effekt. Dies kann bewusst und vor allem auch unbewusst passieren. Das bedeutet, dass sich mit steigender Anzahl an Sinnen, die durch die Markt- und Markenkommunikation angesprochen werden, die Anzahl an Erinnerungen und Sinneswahrnehmungen beim Kunden/Konsumenten erhöht. Und je höher die Anzahl der erlebten Sinneswahrnehmungen und Erinnerungen auf verschiedenen Sinneskanälen ist, desto enger ist die Bindung zwischen Marke und Kunde.

Je mehr Sinne also durch die Markt- und Markenkommunikation angesprochen werden, desto höher ist die Kundenbindung sowie die emotionale Wirkung der Marke. Zu diesem Ergebnis kommt auch Lindstrom, der in einer breit angelegten Studie diese Fragestellung untersucht hat (vgl. Lindstrom (2005), Brand Sense).

Potenziale für sinnliche Markenführung

In jeder Marke steckt Potenzial für eine „sinnliche“ Markenführung, die auf Kundenseite möglichst viele Sinnessysteme anspricht und aktiviert. Wenn Signale und Reize einer Marke, eines Produktes oder einer Dienstleistung möglichst viele Sinne ansprechen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass beim Kunden unbewusst Kaufentscheidungen ausgelöst werden. Zudem sinkt die Preissensibilität.

Oft sind es die zunächst vernachlässigten und nicht offensichtlichen Sinnessysteme, die für ein Produkt typisch und besonders wirksam werden können. Genau diese Sinnessysteme bieten großes Potenzial, um Marketing gehirngerechter zu gestalten.

  • Nur vier Prozent der Fortune 500 Unternehmen nutzten im vergangenen Jahr Sound auf ihrer Website.
  • Weniger als drei Prozent der Fortune 1.000 Unternehmen haben sich in ihrer Marktkommunikation mit dem Sinnessystem Nase, also mit Geruch beschäftigt.

Bilder sind neben Text die dominierende Komponente in Marketing und Werbung. Nachvollziehbar, wenn man weiß, dass in der selben Zeit, in der ein Bild vom Gehirn verarbeitet werden kann, ca. 6 bis 8 Worte verarbeitet werden können. Die vielfältigen Inhalte, Botschaften und Assoziationen, die mit einem Bild in Verbindung gebracht werden, werden schnell transportiert.

Gehör erzeugt Stimmungen, Geruch schafft Erinnerungen

Und trotzdem haben die anderen Sinnessysteme einen eben so starken Einfluss auf die menschliche Wahrnehmung. Das Gehör zum Beispiel ist direkt verbunden mit Stimmungen. Die Nase hat über die Wahrnehmung von Gerüchen eine direkte Verbindung zum Gedächtnis und zu Erinnerungen. Dieses Phänomen hat jeder bei bestimmten Gerüchen erlebt, die einen sehr schnell an konkrete Situationen aus der Vergangenheit erinnern. Der Fühl- und Tastsinn ist zwar weit weniger empfindlich als der Geruchssinn, trägt aber dennoch dazu bei, eine Wiedererkennbarkeit und Einzigartigkeit bestimmter Produkte und Gegenstände in der Wahrnehmung zu erreichen.

Einige Beispiele, die belegen, dass auch und gerade in Sinnessystemen, die auf den ersten Blick nicht typisch für ein Produkt oder eine Dienstleistung sind, eine Differenzierung und wirksame Markenführung umgesetzt werden kann.

Beispiele

Intel hat über den „Intel Inside Tune“ (der kurze Erkennungs-Jingle) ein für den Verbraucher unsichtbares Produkt (Chips) auditiv wahrnehmbar gemacht. Der „Intel Inside Tune“ hat mittlerweile eine größere Wiedererkennung als das Intel Logo. Ein stummes und unsichtbares Produkt über Sound erlebbar zu machen hat sich hier ausgezahlt.

Kellogg’s Corn Flakes wurden in Sound-Laboren solange getestet und von der Konsistenz der Produkte angepasst, bis eine einzigartige „Crunchiness“ der Corn Flakes die Produkte allein durch den Sound - das Crunchen - unterscheidbar machen sollte. Auch hier wurde einem Sinnessystem, das jeder beim Konsum der Produkte - meist unbewusst - in der Wahrnehmung erlebt, besondere Aufmerksamkeit geschenkt und zur Differenzierung genutzt.

Welches Sinnessystem entscheidet, wie lange Sie ein Auto als „neu“ bezeichnen? Es ist Ihre Nase. Autos sehen oft noch sehr neu aus, werden aber nicht mehr als neu wahrgenommen, wenn der typische Geruch eines neuen Autos nach einigen Monaten verflogen ist.

Beispiele

Singapore Airlines hat als eine der erfolgreichsten Airlines der Welt in den 90er Jahren die Entscheidung getroffen, seine Marke weg von einer Airline hin zu einer „Entertainment Company in der Luft“ zu entwickeln. Angefangen vom berühmten Singapore Girl (Stewardessen mit sehr ähnlicher Statur, identischer Kleidung weltweit und identischem Make-up) über klare Verhaltensregeln zur Unterstützung des Markenkerns bis zu ausgefeilten Geruchs- und Aromaelementen (Parfum der Crew, Aroma der Hot Towels, Aroma der Luftspender in den Kabinen) hat Singapore Airlines fast alle Sinnessysteme der Kunden einheitlich und abgestimmt aufeinander aktiviert und angesprochen. Mit entsprechendem Erfolg.

Toblerone Schokolade kennt ebenfalls jeder. Warum? Aufgrund ihrer dreieckigen Form. Das Matterhorn diente Anfang des 19. Jahrhunderts als Vorlage für die Form eines Genussmittels, bei dem der visuelle und kinästhetische Sinneskanal für die Vermarktung vermeintlich eher im Hintergrund steht. Weil Toblerone das Schweizer Kreuz aufgrund rechtlicher Beschränkungen nicht auf der Verpackung benutzen durfte, hat man sich als Differenzierung für die Matterhorn-Form entschieden, den Produktionsprozess sehr früh patentieren lassen und in der Zwischenzeit ein weltweit bekanntes Markenzeichen geschaffen.

Die Liste der Beispiele von Sinneswahrnehmungen, die stark mit dem Konsum eines Produktes verbunden sind, aber nicht originär mit dem Grundnutzen zu tun haben, lässt sich fortführen. Denken Sie an das „Ploppen“ der Bierflaschen mit Plopp-Verschluss, den Sound von zufallenden Autotüren, die bei vielen Menschen mit einem Kinobesuch unmittelbar verbundenen Sinneswahrnehmungen über das Rascheln einer Pop-Corn-Tüte oder den Genuss eines Besitzers einer Bang & Olufsen Musikanlage beim Nutzen der designorientierten Bedienelemente.

Jedes Unternehmen in jeder Branche hat Menschen als Kunden. Und diese Kunden nehmen die Welt über fünf Sinne wahr. Überprüfen Sie Ihre Markt- und Markenkommunikation und stellen Sie ein „Sensogramm“ auf. Basierend auf der aktuellen Ausprägung können Sie Potenziale entdecken und Ideen entwickeln, um „sinnliche“ Markenführung und damit gehirngerechteres Marketing erfolgreich umzusetzen.

Hinweis

Lernen Sie mehr Marketingwissen mit dem Marketingexperten Dr. M.-Oliver Zomer in unserem Online-Kurs „Internationales Marketing: Ihr Unternehmen international ausrichten und neue Märkte erschließen“.

Dr. M.-Oliver Zomer ist Berater, Trainer und Coach zum Thema Marketing.

Kontakt:
zomer Persönlichkeits- und Markenpolitur
Zur Werrehude 18
D - 32758 Detmold
Fon: +49 - (0)5231 - 96 10 66
Fax: +49 - (0)5231 - 96 10 67
Mobil: +49 - (0)172 - 289 42 44

eMail: moz@zomer.de [447]
Internet: www.zomer.de [448]

Generationenfrage: Reife Kommunikation für die reife Zielgruppe 50plus

Gastbeitrag von Monika Prött und Gudrun Porath, Prött & Partner GbR, Hannover *

In diesem Kontext findet die Altersgruppe der 50-bis 65-jährigen langsam die Beachtung, die sie verdient. Handelt es sich doch um Menschen, die unter anderem aufgrund ihrer Kaufkraft und ständig wachsenden Anzahl einen wichtigen Beitrag zur Belebung der Wirtschaft leisten können.

Wer ist die Generation 50plus?

Die Generation 50plus heißt Iris Berben und Carmen Nebel, Bill Gates und Franz Beckenbauer, Angela Merkel und Gerhard Schröder. Geboren zwischen 1940 und 1955 hat sie die Nachkriegszeit und das Wirtschaftswunder miterlebt, mit gestaltet und sich als 68er gegen etablierte Strukturen aufgelehnt und die Gesellschaft verändert.

Sie hat die technische Entwicklung von der elektrischen Waschmaschine und den Anfängen des Fernsehens bis hin zum Computer und Mobiltelefon initiiert und mitgemacht. Mit Fern- und Flugreisen hat sie fremde Länder erobert und von der durch moderne Verkehrsmittel wachsenden Mobilität profitiert. Sie hat Besitz geschaffen, Sachwerte schätzen gelernt, Häuser gebaut und sich auf eine immer schneller verändernde Arbeitswelt eingestellt.

Rückblickend auf diese Erfahrungen hat sie ein Selbstbewusstsein und Anspruchsdenken entwickelt, das älteren Generationen vor ihr fremd war.

Warum ist die Generation 50plus als Zielgruppe so interessant?

Wenn man einen Blick darauf wirft, wie die heute 50-bis 65-jährigen leben, wird schnell deutlich, warum es sich eigentlich kein Unternehmen leisten kann, auf diese Menschen als Kunden zu verzichten. Die Generation 50plus hat das Wort vom „Unruhestand“ geprägt. Sie ist aktiv, nutzt den technischen Fortschritt, um sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen und tut etwas für die Gesundheit, um länger fit zu bleiben.

Reisen stehen genauso auf dem Programm wie Investitionen in Haus und Garten. Mit dem eigenen Geld wird ganz bewusst umgegangen. Kinder und Enkel werden unterstützt, Versicherungen abgeschlossen, Geldanlagen getätigt oder Anschaffungen geplant. Gleichzeitig werden moderne Medien und Kommunikationsmittel genutzt, um näher zusammenzurücken. Es werden neue Lebens- und Wohnformen für das kommende Alter geplant oder gemeinsam gegen Arbeitslosigkeit und Rentenkürzungen protestiert.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mehr als 29 Millionen Menschen sind heute in Deutschland älter als 50 Jahre. Im Jahr 2003 gaben allein die Haushalte der 55 bis 65jährigen laut Statistischem Bundesamt 2.357 Euro monatlich aus. Dabei ist das Wachstumspotenzial enorm, denn in den kommenden Jahren erreichen auch die Babyboomer aus den 60er Jahren diese Altersgruppe, die damit zahlenmäßig stärker als alle anderen Altersgruppen wächst. Betrachtet man Europa, gibt es laut Datamonitor im Jahr 2007 bereits 147 Millionen Menschen über 50, die im Schnitt 21.900 Euro im Jahr zur freien Verfügung haben werden.

Reife Kommunikation für eine reife Zielgruppe

Das Wort „reif“ lässt sich auch mit „unabhängig“ oder „mündig“ übersetzen. Und genau darum geht es: Kommunikation mit Menschen, die sich aufgrund ihres Alters und ihrer Erfahrungen kaum noch etwas vormachen lassen, die mündige Entscheidungen treffen und diese sehr genau vorbereiten. Als Verbraucher und Konsumenten wissen die Mitglieder dieser Altersgruppe sehr genau was sie wollen und was nicht.

Sie sind bereit und in der Lage sich medienübergreifend zu informieren und ein eigenes Urteil zu bilden. Ebenso sind sie bereit und in der Lage, eigene Erfahrungen weiter zu geben. Im Freundes- und Bekanntenkreis als Experten und Informanten gefragt, können sie zu generationsübergreifenden Multiplikatoren werden. Für die Kommunikation mit dieser Zielgruppe gilt deshalb: sie muss genau so „ausgereift“ sein, wie die Menschen selbst. Das gilt für sämtliche Kommunikationsmaßnahmen und -mittel, die Unternehmen für den Dialog mit der Zielgruppe nutzen.

Sieben Grundregeln für reife Kommunikation

  1. Qualifizierte Beratung: Die Zielgruppe 50plus erwartet eine kompetente, sachgerechte Beratung. Besonders wichtig: die Beratung muss einfach zugänglich sein. Das bedeutet zum Beispiel für den Handel gut ausgebildete und erfahrene Fachverkäufer zu beschäftigen, Servicenummern und Adressen nicht im Kleingedruckten zu verstecken und Beratung auch im Internet barrierefrei zur Verfügung zu stellen.
  2. Sach- und fachgerechte Informationen: Informationen zu einem Produkt oder einer Dienstleistung müssen einfach zu finden und gut zu lesen sein. Dazu gehören neben einer lesbaren Schriftgröße verständliche Sätze und eine klare Sprache. Die Informationen sollten dabei weder zu lang noch zu kurz sein und besonders wichtige Hinweise deutlich hervorgehoben werden.
  3. Transparenz: Reife Konsumenten lassen sich nicht für dumm verkaufen. Nicht jedes Produkt hält, was es auf den ersten Blick verspricht und auch Dienstleister sind selten vollkommen. Liegt die Verantwortung für den Fehler beim Unternehmen, ist es sinnvoll, offen auf den Kunden zuzugehen und um sein Verständnis zu bitten. In der Regel bringen Menschen, die viele Jahre Erfahrung im Arbeitsleben gesammelt haben, dafür Verständnis auf.
  4. Keine falschen oder übertriebenen Versprechungen: Übertriebene, plumpe Werbebotschaften sind in der reifen Kommunikation fehl am Platz. Die Zielgruppe zeigt zwar ein ausgesprochenes Interesse für Werbebotschaften. Im Gegensatz zu jüngeren Konsumenten hinterfragt sie diese jedoch gründlich und merkt sich Enttäuschungen sehr viel genauer. Wenig angebracht ist auch das Erscheinen von Models im reifen Alter, die in der Werbung nahezu olympiareife Leistungen vollbringen. Wirksam dagegen sind lebensnahe und realistische Beispiele von Altersgenossen.
  5. Unterschätzen Sie die Zielgruppe nicht: Menschen zwischen 50 und 65 sind in der Regel anspruchsvolle Konsumenten. Sie haben noch keine wesentlichen körperlichen oder geistigen Defizite und gehen mit ihrem Alter durchaus offen um. Das Geburtsdatum ist dabei der kleinste gemeinsame Nenner. Für den Konsum oft wichtiger: das gefühlte Alter, das in der Regel zehn Jahre unter dem biologischen Alter liegt.
  6. Arbeiten Sie genau: Bei Dienstleistungen und Produkten achtet die Zielgruppe sehr genau auf gute Qualität. Das gilt ebenso für gedrucktes Informationsmaterial, den angemessenen Auftritt von Mitarbeitern, die persönliche Ansprache oder den Internetauftritt. Nur wenige Mitglieder der Zielgruppe sind bereits von der Wegwerf-Mentalität infiziert.
  7. Sprechen Sie deutsch: Mit Sicherheit ist Englisch für die Mehrheit keine absolut unbekannte Sprache. Dennoch werden klar verständliche deutsche Ausdrücke bevorzugt. Für die besonders gern im technischen Bereich verwendeten Abkürzungen gilt: entweder vermeiden oder erklären.

Grundsätzliche Voraussetzungen

Dienstleistungen und die angebotenen Produkte müssen eine Wertigkeit haben, die die Aufwendungen für die Kommunikation mit der Zielgruppe 50plus lohnenswert machen. Sind die Leistungen des Unternehmens nicht geeignet, weil sie für eine viel jüngere Zielgruppe konzipiert und gestaltet wurden, nutzen alle Kommunikations-maßnahmen nichts. Das Produkt oder die Dienstleistung wird nicht angenommen.

Genau so gilt: Sind Produkte und Dienstleistungen für die Zielgruppe geeignet oder wurden sie eigens dafür entworfen, muss die Kommunikation und Werbung entsprechend gestaltet werden. Dann muss das Unternehmen auch bereit sein, in qualifizierte Mitarbeiter zu investieren, die Kunden kompetent beraten können und wollen und einen ordentlichen Service zur Verfügung stellen.

Beispiele aus der Werbung?!

Erst kürzlich hat die Deutsche Direktmarketing Akademie (DDA) in Berlin wieder die seit vier Jahren regelmäßig durchgeführte Studie zu „Die Generation 50plus in der Anzeigenwerbung“ vorgelegt. Von 5.500 ausgewerteten Anzeigen enthielten 833 (15 Prozent) durchaus positiv zu wertende 50plus-Elemente. Leider konzentriert sich die Werbung 50plus immer noch zu 53 Prozent auf das Thema „Gesundheit, Krankheit, Fitness“.

Mit neun Prozent folgt das Thema „Kosmetik, Körperhygiene“. Vorreiter hier: Nivea mit der Anzeigenkampagne für Nivea Vital. Für Nivea trat zum ersten Mal deutlich sichtbar ein Model mit grauen Haaren ins Rampenlicht. Mittlerweile ist man bei Beiersdorf, dem Hersteller von Nivea, noch einen Schritt weiter. In der aktuellen Kampagne wird das Produkt generationenübergreifend beworben. Frauen unterschiedlichen Alters und Typs erscheinen gemeinsam in einer Anzeige. Zu den ganz real wirkenden Frauenbildern gibt es klare Aussagen und das Unternehmen bietet mit einer Internetadresse und einer Telefonnummer gleich zwei Möglichkeiten an, sich weiter zu informieren.

Mit sechs Prozent Anzeigenanteil nehmen Finanzanzeigen den dritten Platz ein. Hier positive Beispiele zu nennen, ist kritisch, denn die Tücken zeigen sich im Kleingedruckten. So heißt es in den Erläuterungen zum Frühlingskredit einer Berliner Bank, beworben mit einem freundlich winkenden älteren Herrn: „Zum Abschluss Ihres Kredites bringen Sie bitte folgende Unterlagen mit zum Gespräch: Ihren Personalausweis im Original, Ihre letzten 3 Gehaltsabrechnungen. Sind Sie noch nicht Kundin / Kunde bei uns, benötigen wir zusätzlich eine Arbeitgebererklärung über Ihr Einkommen und ungekündigtes Arbeitsverhältnis.“

Weitere erfolgreiche Beispiele gibt es aus der Touristik. Der Reiseveranstalter TUI etwa vermarktet bereits seit einigen Jahren Reisen speziell für die Zielgruppe 50plus.

Beispiele aus der PR?!

PR-Kampagnen, die speziell die Generation 50plus als Zielgruppe haben, beschränken sich heute wie die Werbung hauptsächlich auf den Sektor Gesundheit und Kosmetik. Augenfälligstes – und bestes – Beispiel sind die Kundenmagazine der Apotheken. Neben den regulären Ausgaben gibt es Spezialhefte, die gezielt die ältere Generation ansprechen.

Im Bereich Kosmetik hat die Firma L´Oréal Paris die Kundin 50plus für die persönliche Stilberatung entdeckt. Diese Aktion, durchgeführt in Zusammenarbeit mit großen Modezeitschriften wie „burda Modemagazin“, stellt Frauen unterschiedlichsten Alters dar und zeigt, dass sich die Frau 50plus nicht vor den Jüngeren verstecken muss.

Reife Kommunikation – was tun?

Tatsächlich haben erst wenige Unternehmen die Generation 50plus in ihre Kommunikationsmaßnahmen einbezogen und erschließen sie systematisch. Ein Grund: Viele Marketingmanager sind unsicher, wie sie auf die Älteren zugehen sollen, da sie selbst erst 30 sind. Ein anderer Grund ist, dass viele Entscheider selbst in dem Alter sind und damit ein Problem haben. Im ersten Schritt ist daher eine Sensibilisierung für diese spezielle Zielgruppe notwendig. Erst dann können Unternehmen zielgerichtet mit der Generation 50plus kommunizieren. Als erster Einstieg kann der Reifetest dienen – siehe dazu: www.reifetest.de [449]

Kontakt:
Monika Prött und Gudrun Porath
PRÖTT & PARTNER GbR
Kommunikationsmanagement
Hannover

www.proett-pr.de [450]

Potenzial: Große Schlagzeilen mit kleinem Budget

Gastbeitrag von Christina Zerres, co:novo media, Köln *

Von Schlagzeilen in großen Gazetten träumen nicht nur Stars und Sternchen, sondern vermehrt auch Firmenchefs. Schließlich versprechen Presseveröffentlichungen über Unternehmensleistungen nicht nur eine breite Öffentlichkeit, sondern garantieren auch eine hohe Glaubwürdigkeit. Laut einer aktuellen Emnid-Umfrage stufen 45 Prozent der Bundesbürger Informationen in den Medien als wahr ein. Bei Werbung hingegen wächst das Misstrauen: Mittlerweile schenken nur noch 18 Prozent Werbeaussagen ihr Vertrauen.

Ein guter Grund, Pressearbeit auszuprobieren – fand Barbara Moll-Simons, Geschäftsführerin der Mönchengladbacher Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Simons & Moll-Simons.

„Es ist viel überzeugender, wenn Dritte über unsere Leistungen berichten“, so die Wirtschaftsprüferin.

Ihre Spezialisierung zur Rating-Analystin bot eine passende Gelegenheit, sich mit innovativem Expertenwissen zu positionieren und den neuen Geschäftszweig bekannt zu machen. Eine aussagekräftige Studie zum Thema „Rating im Mittelstand“ und exklusive Internet-Angebote erzielten breite Resonanz bei Medien und Kunden. Die vergleichsweise kleine Kanzlei mit sieben Mitarbeitern stand damit in der Presseberichterstattung auf Augenhöhe mit den ganz großen nationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

„Mit reiner Werbung hätten wir das nie erreicht“, so Moll-Simons.

So kommen mittelständische Unternehmen in die Presse

Wirkungsvolle PR-Arbeit hängt nicht allein vom Budget ab. Mit intelligenter Pressearbeit haben auch kleine Firmen die Chance, sich gegenüber großer Konkurrenz in Szene zu setzen. Die Kommunikationsexperten von der Kölner Agentur co:novo media (www.conovo.de [451] ) wissen, worauf es ankommt:

  1. Klarer Fokus: Kleine Unternehmen sollten sich zunächst in ihrem Kernmarkt einen Namen machen. Intensive Kontakte zu Regional- und Fachzeitungen sind erfolgsversprechender als bundesweite Presseaussendungen ohne Ansprechpartner.
  2. Das gewisse Etwas: Wer Journalisten einen Mehrwert bietet, erhöht die Chancen auf eine breite Veröffentlichung. Nach kompetenten Checklisten oder journalistisch aufbereiteten Erfolgsbeispielen lecken sich viele Journalisten die Finger.
  3. Zum Anfassen: Viele Manager in Vorstandsetagen wirken uniform und praxisfremd. Chefs von mittelständischen Firmen stehen für echtes Unternehmertum und sind willkommene Interviewpartner.
  4. Weniger ist mehr: Viele Mittelstandsthemen sind viel zu speziell für eine breite Berichterstattung. Nur wer die Komplexität bewusst reduziert und öffentlichkeitsstarke Themen-Aufhänger sucht, findet bei Journalisten Gehör.
  5. Einmal ist kein Mal: Eintagsfliegen finden bei Journalisten nur selten Beachtung. Gerade kleine Unternehmen müssen sich regelmäßig zu Wort melden, um in der Flut von Pressemitteilungen als seriös und nachhaltig wahrgenommen zu werden.

Das PR-Geschäft wächst

„Viele Zielgruppen sind werbeüberdrüssig“, bestätigt Olaf Hofmann, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Skopos. Im Zuge schrumpfender Etats hinterfragen viele Unternehmen ihre Marketingausgaben und schichten zugunsten von PR um. „PR-Ausgaben sind für viele Firmen das besser eingesetzte Geld“, analysiert Marktforscher Hofmann. Aktuelle Studien belegen diesen Trend und verzeichnen eine wachsende Nachfrage nach PR-Leistungen. Laut „Honorar- und Trendbarometer 2005“ der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) rechnen über zwei Drittel der PR-Agenturen mit einer Umsatzsteigerung.

Ein Erfolgsbeispiel

Wie wirkungsvoll PR zum Einsatz kommen kann, demonstriert die Bartec GmbH aus dem baden-württembergischen Bad Mergentheim. Der Anbieter von Sicherheitstechnik berichtet regelmäßig und gezielt über Unternehmensaktivitäten in aller Welt. Journalisten kommen über den Navigationspunkt "Presse-Center" auf der Firmen-Homepage schnell zu den Informationen ihrer Wahl.

Anlässlich des 30-jährigen Firmenjubiläums hat Bartec in 2005 alle PR-Aktivitäten verstärkt. Dabei setzt das Unternehmen gezielt auf medien- und publikumswirksame Veranstaltungen, wie zum Beispiel einen eigenen Fachkongress für Innovation und Sicherheitstechnik.

"Interessante Themen, professionell aufbereitet, sind die Basis für eine erfolgreiche Pressearbeit", erklärt Pressereferentin Daniela Deubel. "Produktinnovationen oder ein Firmenjubiläum geben der Presse triftige Gründe, über ein Unternehmen zu berichten."

Im Fall Bartec sogar mit doppeltem Nutzen: Während die Lokalpresse die Veranstaltung in den Fokus rückt, berichtet die Fachpresse gezielt über neue Themen und Produkte.

Ist der PR-Partner kompetent?

Professionelle Unterstützung auf dem Weg in die Presse bieten Kommunikations- und PR-Agenturen. Die Auswahl des richtigen Partners fällt vielen mittelständischen Unternehmen schwer. Nicht immer ist die langjährige Hausagentur auch in Sachen PR der optimale Partner. Über den Erfolg von PR-Maßnahmen entscheiden vor allem redaktionelle Erfahrungen.

„Nur wenige PR-Berater haben auf der anderen Seite des Schreibtisches gesessen“, weiß Agenturchef Markus Schneider von co:novo media in Köln, der auf eine langjährige Erfahrung als Wirtschaftsjournalist bei renommierten Titeln zurückblickt. „Redaktionelles Know-how und persönliche Kontakte zu Medienvertretern sind für wirkungsvolle PR-Kampagnen unverzichtbar."

PR als Baustein des Marketing

Richtig angewandt und umgesetzt ist PR eine ideale Ergänzung klassischer Marketing-Aktivitäten. Wer PR und Marketing intelligent kombiniert, profitiert zudem von attraktiven Synergie- und Multiplikatoreneffekten. So erzielen Infoveranstaltungen mit flankierenden Pressemeldungen eine optimale Vertriebswirkung. Bei Mailings mit beigelegten Presseveröffentlichungen steigt die Response-Rate deutlich an. Und kaum ein Bereich weckt bei Online-Besuchern größeres Interesse als die Rubrik „Pressespiegel“ auf der Homepage.

Die Bedeutung von PR-Arbeit wird in den Chefetagen des Mittelstands zunehmend erkannt. Immerhin 15 Prozent der Unternehmen verfügen bereits über eine eigene Pressestelle und acht Prozent beauftragen eine Agentur mit PR-Aufgaben, so das Marktforschungsinstitut Ipsos. Größte Einstiegshürde für PR-Neulinge: Viele Firmenchefs erkennen zwar die Vorzüge von PR-Aktvitäten, bleiben aber hinsichtlich ihrer vertriebsunterstützenden Wirksamkeit skeptisch.

Wie ist der Erfolg von PR-Arbeit messbar?

Vor dieser Frage stand auch die junge Berliner Optris GmbH, die Instrumente zur modernen Temperaturmessung entwickelt. Die Wirkung von Pressearbeit ist häufig nicht direkt nachzuvollziehen.

„Es gibt oft mehrere Gründe für eine erfolgreiche Kundenansprache und –bindung“, weiß Alix Jordanov, Leiterin des Bereichs PR und Marketing.

Dennoch registriert sie ein deutlich gesteigert Kundeninteresse nach der Veröffentlichung von eigenen Artikeln in ausgewählten Fachmedien. Viele Leser suchen im Internet nach weitergehenden Informationen oder erfragen telefonisch Produktkonditionen. Für Jordanov sind das eindeutige Belege für die Wirksamkeit von PR. Folgerichtig baut die Optris GmbH im zweiten Geschäftsjahr ihre PR-Aktivitäten weiter aus.

„Wir wollen als Qualitäts- und Meinungsführer wahrgenommen werden, und das geht am besten über Pressearbeit“, bestätigt Jordanov.

Kontakt:
Christina Zerres
co:novo media
Glockengasse 54-56
50667 Köln

Web: www.conovo.de [452]

Sorgfalt: Konzeption entscheidend bei Kundenbefragungen

Gastbeitrag von Dr. Stefan Fuchs, staffadvance GmbH, Leipzig *

Kundenbefragungen entwickeln sich immer mehr zum selbstverständlichen Instrument im Qualitätsmanagement. Darüber hinaus liefern sie wichtige Grundlagen für Unternehmensentscheidungen und senden zugleich ein starkes Signal nach außen, in dem sie die Aufmerksamkeit der Kunden auf jene Themen lenken, die der Unternehmer in den Mittelpunkt seiner Befragung stellt. Doch ob eine Kundenbefragung dieses Potential auch entfaltet, hängt von vielen Faktoren ab.

Bereits im Vorfeld einer Kundenbefragung lauern Fallstricke. So wird die Komplexität solcher Projekte oft unterschätzt. Hartnäckig halten sich Vorurteile und falsche Vorstellungen, die von Forschung und Praxis längst widerlegt sind. Das folgende Beispiel macht mögliche Fehler und Irrtümer deutlich. Die Höchstservice GmbH, ein fiktives Unternehmen, ist als Dienstleister für technische Geräte tätig und hat ausschließlich Geschäftskunden.

1. Irrtum: Bei zufriedenen Kunden sind Kundenbefragungen überflüssig.

Zufriedene Kunden sind treue Kunden. Diese Binsenweisheit im Marketing gilt leider nicht in Reinkultur. Eine Reihe von Untersuchungen hat gezeigt, dass Unternehmen auch hochzufriedene Kunden an Wettbewerber verlieren. Sei es, weil Kunden sich an attraktiven Angeboten anderer Anbieter orientieren oder einfach aus einer Stimmung wechseln. Auf die eine oder andere Weise waren diese zufriedenen Kunden also nicht wirklich gebunden. Kundenbindung ist weit mehr als Kundenzufriedenheit, denn Wechselbereitschaft und emotionale Bindung an die Marke/das Unternehmen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Die Höchstservice GmbH stellte fest, dass 11 Prozent der zufriedenen Kunden die Geschäftsbeziehung beendete. Die Ursachenanalyse zeigte, dass Sonderangebote von Wettbewerbern, die bestimmte Leistungen – offenbar von den Kunden unbemerkt - nicht enthielten, den Wechsel scheinbar attraktiv machten. Die Lösung lag nahe. Faire Preise kommunizieren: „Bei uns haben Sie keine versteckten Kosten.“

 

Abb. 1: Kundenfluktuation der Höchstservice GmbH

2. Irrtum: Die Kunden werden direkt danach befragt, ob sie zufrieden sind und wie wichtig ihnen ein Angebot, ein zusätzlicher Service ist.

Fragenpaare nach Zufriedenheit und Wichtigkeit eines bestimmten Kriteriums finden sich häufig in Kundenbefragungen. Ein Beispiel:

 

Bei bestimmten Fragekonstellationen führt das jedoch zu einer Inflation der Wichtigkeiten, weil die Befragten jedes Kriterium bzw. jeden Parameter als gleich wichtig einordnen.

 

Abb. 2: undifferenzierte Bewertung der Wichtigkeit verschiedener Leistungsparameter der Höchstservice GmbH

 

Die Auswertung der Kundenbefragung der Höchstservice GmbH ergab, dass aufgrund ungeeigneter Fragestellungen die Kunden bei der Bewertung der Wichtigkeit der Leistungsparameter nicht differenzierten. Es ließ sich nicht ableiten, welche Parameter für die Zufriedenheit der Kunden bedeutsam, weniger bedeutsam oder unbedeutsam waren. Die Änderung der Fragestrategie trug dazu bei, die tatsächlichen Leistungsparameter, die für die Kundenzufriedenheit von ausschlaggebender Bedeutung sind, zu erkennen. Im Ergebnis modifizierte die Höchstservice GmbH den Fokus ihres Angebotes und Services.

3. Irrtum: Befragt werden die aktuellen Kunden.

Gerade für Unternehmen mit einer (aus welchen Gründen auch immer) relativ hohen Kundenfluktuation ist es nutzbringend, auch Kündiger und Nichtkunden in Befragungen einzubeziehen. Zufriedene Kunden haben meist noch keine Negativerlebnisse in der Geschäftsbeziehung und geben deshalb keine Hinweise auf Unzufriedenheitstreiber. Spezifische Fragen, vor allem an ehemalige Kunden, filtern dagegen Ursachen von Unzufriedenheiten und Wechselgründe heraus. So lässt sich schlussfolgern, welche Negativerlebnisse und unerfüllten Erwartungen letztlich zur Beendigung der Geschäftsbeziehung führten.

Wer nach dem Grundsatz agiert: „gib deinen Kunden einen Grund, dein Produkt/deine Dienstleistung zu nutzen“, der ist auch gut beraten, die Nichtkunden seiner Zielgruppe nach dem Grund zu fragen, warum sie eben nicht (mehr) das angebotene Produkt/die angebotene Dienstleistung nutzen.

 

Abb. 3: Zufriedenheit von Kunden und ehemaligen Kunden der Höchstservice GmbH

 

In diesem Fall identifizierte die Höchstservice GmbH erst durch die Befragung der ehemaligen Kunden die Problembehandlung klar als Unzufriedenheitstreiber.

4. Irrtum: Ausführliche Befragungen bringen umfang- und aufschlussreiche Ergebnisse.

Zur Ermittlung der Kundenzufriedenheit ließ die Höchstservice GmbH einen Fragenkatalog mit 65 Fragen erstellen und sandte die Fragebögen per Post an die Geschäftsführer bzw. Einkaufsleiter ihrer Kundenunternehmen. Die Rücklaufquote war mehr als ernüchternd. Nur 5 Prozent der Fragebögen kamen zurück und diese waren auch noch recht lückenhaft beantwortet.

Vermutete Fehlerquellen: Einige Fragebögen gelangten nicht zu den gewünschten (schwer erreichbaren) Personen. Die Kundenbefragung wurde nicht kommunikativ begleitet. Der Fragebogen war zu lang. Die Methode ist nicht für die gewünschte Informationstiefe geeignet.

Folgende Methoden stehen für Befragungen zur Verfügung:

  • Persönliches Interview: Anhand eines Leitfadens spricht ein erfahrener Interviewer mit dem Kunden. Die besondere Chance liegt in der möglichen Tiefe des Interviews.
  • Kunden-Feedback: Der befragte Kunde gibt eine Rückmeldung auf einen sehr kurzen strukturierten Fragebogen. (1-7 Fragen)
  • Klassische Kundenzufriedenheitsbefragung: Der Kunde beantwortet einen längeren strukturierten Fragebogen. (20-40 Fragen)
  • Mystery Shopping: Ein speziell vorbereiteter Testkunde erlebt einen Kundenkontakt und bewertet diesen auf der Grundlage eines langen strukturierten Fragebogens. (80-100 Fragen)

Hinweis

Bleibt die Frage: Welche Methode ist für welche Zielstellung einsetzbar? Wichtig für eine Entscheidung ist, die Methode nach Zweck und konkreter Situation (wie Realisierbarkeit, Eignung, Erreichbarkeit der zu befragenden Personen) auszuwählen.

Eine ausführliche Darstellung dieser Thematik befindet sich unter der Adresse:

http://www.staffadvance.com/untern/downloads/ [453]

5. Irrtum: Die „geheimen“ Wünsche des Kunden werden durch eine raffinierte psychologische Standard-Fragetechnik ermittelt.

Das mit den Ergebnissen mancher Kundenbefragungen kaum etwas anzufangen ist, liegt an dem noch weit verbreiteten Irrtum, dass es ein bewährtes, auf jeden Bereich übertragbares Know-how der Fragetechnik gibt. Natürlich erfordert die Konzeption eines Fragebogens auch fachliches Wissen und Erfahrung sowie solide handwerkliche Arbeit bei der Ausführung. Aber mindestens genau so wichtig ist, dass die gestellten Fragen aus Sicht der befragten Kunden Sinn machen. Die „richtigen“ Fragen ergeben sich nicht aus einem Standard-Fragebogen, sondern aus der spezifischen Situation des jeweiligen Unternehmens, seinem Markt und seinen internen Konstellationen.

Fazit:

Was sollte ein Unternehmen tun?

  • Auf Kundenbindung orientieren statt einseitig nur auf Kundenzufriedenheit.
  • Den Kunden einen nachvollziehbaren Nutzen für die Beantwortung von Fragen anbieten.
  • Kundenbefragungen regelmäßig als Instrument des Qualitätsmanagements einsetzen und beständig weiterentwickeln.
  • Die Kunden über das Ergebnis der Befragung informieren, weil bei den Befragten eine Erwartungshaltung für Veränderungen entsteht.
  • Beschwerdevorgänge so leicht wie möglich machen.
  • Auch Nichtkunden und ehemalige Kunden befragen.

Was sollte ein Unternehmen vermeiden?

  • Der Versuchung erliegen, mit selbstgestrickten Lösungen nach dem Motto „ein Fragebogen ist schnell erstellt“ zu arbeiten.
  • Die Komplexität der Thematik unterschätzen.

Dr. Stefan Fuchs ist Geschäftsführer der staffadvance GmbH in Leipzig.

Kontakt:
staffadvance GmbH
Karl-Heine-Straße 99
D-04229 Leipzig
Telefon +49 (341) 9 26 13 52
Telefax +49 (341) 4 91 24 44

www.staffadvance.com [454]

Pressearbeit: Expertenstatus durch Fachpublikationen aufbauen

Gastbeitrag von Birgit Lutzer, Bielefeld *

NLP-Trainer Heiner Müller (Name geändert) hat die Erfahrung gemacht, dass er zwar eine viel fundiertere Ausbildung als eine regionale Mitbewerberin hat, dass diese ihm aber trotzdem mehrmals in Auswahlverfahren vorgezogen wurde: „Sie hat ein paar Mal Artikel über NLP in der Zeitung veröffentlicht – so etwas macht natürlich Eindruck!“ beklagt er sich. Und nennt damit einen wichtigen Effekt, den Fachveröffentlichungen haben: Wer unter seinem Namen Artikel in der Presse oder auch ein Buch zu seinem Fachgebiet bei einem renommierten Verlag veröffentlicht hat, gilt damit bei vielen Menschen automatisch als nachgewiesener Experte für sein Thema. Doch der Weg zu derartigem Ruhm ist steinig. Aus diesem Grund folgen hier die drei größten Irrtümer in Bezug auf Fachartikel und Buchprojekte:

Irrtum 1:

„Mein Thema ist so interessant, dass sich Redakteure und Buchverlage vor Begeisterung überschlagen werden.“

Medien und auch Verlage veröffentlichen am liebsten über Themen, die neu, einmalig oder brisant sind oder die von einem Prominenten an sie herangetragen werden. Wenn Sie also noch unbekannter Experte zu einem schon bekannten Thema sind, müssen Sie diesem eine noch nie da gewesene Besonderheit verleihen. Bereiten Sie Ihr Thema doch für eine ganz spezielle Zielgruppe auf („Verkaufsgespräche für Handwerker“) und wenden Sie sich dann an Medien bzw. Verlage, die sich auf genau diesen Personen- oder Unternehmenskreis spezialisiert haben. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Bezug auf ein aktuelles Thema wie z. B. „Wahlkampf“ zu nehmen. Beispiel: Sie sind Rhetorik-Trainer und äußern sich über den Redestil verschiedener Politiker.

Irrtum 2:

„Schon bei der ersten Presseaktion werde ich als No Name in der FAZ, im Focus-Magazin und natürlich im Spiegel erscheinen. Danach sind Fernsehauftritte geplant. Und für mein Buchprojekt kommt sowieso nur der beste und bekannteste Verlag in Frage.“

Richten Sie sich als wenig Prominenter besser zunächst auf das sprichwörtliche „Klinken putzen“ und eine geringe Resonanz ein. Fachveröffentlichungen gehorchen immer einem Schneeballeffekt: Haben Sie schon etwas publiziert, fällt die Überzeugungsarbeit leichter. Daher bietet sich gerade zu Beginn folgende Vorgehensweise an: Wenden Sie sich zunächst ein kleinere Medien (z. B. IHK-Zeitungen, Regionalpresse) oder an Online-Medien, die aus Gründen der Aktualität viele Texte benötigen. Dort ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Sie Ihr Thema platzieren können. Das gleiche gilt für Verlage: Um sich überhaupt einen Namen als ernst zu nehmender Autor zu machen, kann es sinnvoll sein, beim ersten Buchprojekt bei kleineren und unbekannteren Verlagen anzufragen. Dies kann dann Ihr Sprungbrett für weitere Veröffentlichungen bei größeren Verlagshäusern sein.

Irrtum 3:

„Ein Fachartikel oder ein Buch bringen mir sofort viele neue Kunden.“

Sicher können Sie durch einen Fachartikel oder ein gutes Buch neue Kunden gewinnen – das ist schließlich ein wichtiges Ziel dieses PR-Instruments! Doch die genaue Wirkung einer Veröffentlichung ist schwer im Voraus zu berechnen. Manche Menschen schneiden sich einen Beitrag aus und melden sich erst nach einem halben Jahr mit einer Anfrage. Wenn Sie regelmäßig in Medien veröffentlichen, die von Ihrer Zielgruppe gelesen werden, erhöhen Sie im Lauf der Zeit Ihren Bekanntheitsgrad. Je mehr Sie veröffentlichen, desto kürzer ist der Zeitraum bis zu folgender Reaktion: „Ach, von dieser Beraterin habe ich doch schon mal etwas gelesen. Sie scheint eine gefragte Expertin zu sein! Wir werden Sie für unsere Ausschreibung kontaktieren.“

Fazit:

Trotz der genannten Einschränkungen ist der Aufbau eines Expertenstatus zwingend mit Fachveröffentlichungen verknüpft. Jeder der zehn bekanntesten Trainer weist eine Reihe von Ratgebern und Fachartikeln in bekannten Medien auf. Gerade wenn Sie erst am Beginn Ihrer Pressearbeit stehen oder darüber nachdenken, Ihre Erkenntnisse aus dem Berufsalltag in einem Buch zu veröffentlichen, ist eine Politik der kleinen Schritte sinnvoll. Um eigene Medienkontakte zu generieren, führen Sie Ihre Pressearbeit zunächst so weit wie möglich in Eigenregie durch. Nichts spricht dagegen, für die Texte einen erfahrenen Journalisten oder Werbetexter in Anspruch zu nehmen. Doch die Telefonate mit den Redaktionen und den Vertrieb des Pressematerials sollten Sie in kleinem Rahmen in Eigenregie durchführen. Möchten Sie Ihre Pressearbeit wegen der guten Resonanz professioneller durchführen lassen, können Sie sich immer noch an eine PR-Agentur wenden.

Kontakt:

LUTZERTRAIN
Trainer- und Bildungsmarketing
Birgit Lutzer

Auf dem Esch 4
33619 Bielefeld

Telefon (05 21) 9 11 77-240
Telefax (05 21) 9 11 77-241

email info@lutzertrain.de [455]
web www.lutzertrain.de [456]

Zielgruppe: Spielefans sind eine spannende und potente Community

Gastbeitrag von Claudia Nimmesgern, Hamburg *

In den Tagesthemen hören wir vom Onlinegame World of Warcraft oder der Gamesmesse „E3“ in Los Angeles. Auf der Kinoleinwand flimmert Werbung für Videospiele. Und auf Ebay handeln Zocker mit virtuellen Gegenständen aus Onlinerollenspielen - für einige hundert Dollar wechseln virtuelle Dinge wie Charaktere oder Schwerter die Besitzer. All dies illustiert: Computer- und Videospiele sind mittlerweile vollständig in unsere Populärkultur integriert.

Aktuellen Studien zufolge macht die Spielebranche weltweit mehr Umsatz als die Filmindustrie. Insbesondere Online-Rollenspiele boomen: Tausende von Spielern treffen sich in detailgetreuen 3D-Welten, entwickeln ihr virtuelles Umfeld gemeinsam weiter und erleben im Team fantastische Abenteuer. Im letzten Jahr stiegen die Veröffentlichungen von Online-Rollenspielen sprunghaft an. Hintergrund für diesen boomenden Markt liegt sicherlich auch in der stetig wachsenden Zahl von Haushalten mit Breitband-Interntanschluss. Darüber hinaus steigen aufgrund der regen Kommunikation und den Anforderungen an strategisches Denken überdurchschnittlich viele Frauen und reifere Menschen bei Onlinegames ein, was dieser Art von Spiel eine ausgedehntere Käuferschar beschert als zum Beispiel Actiongames und Egoshooter.

Da mehr und mehr Menschen spielen, tritt diese Gruppe aus dem Nischendasein des „Hardcore-Zockers“ heraus und reiht sich ein in den Reigen einer konsumfreudigen, oft gadgetverliebten Zielgruppe. Werbetreibende entdecken Spieler als Zielgruppe für ihre Ansprache. Doch wie wollen Branchenferne die Zocker zum Kauf verlocken? Welche Kanäle sollten besonders bedacht werden, Fernsehen, Radio, Print oder Online?

Neben den Games zeichnet sich deutlich ein weiterer Markt-Gewinner ab: Internet- und Multimedia-Dienstleister. Sie steigerten im letzten Jahr ihre Umsätze um rund elf Prozent. Das geht aus einem Langzeitvergleich der Ergebnisse des New Media Service Rankings hervor. Nielsen Media Research zufolge wuchs der Online-Werbemarkt im ersten Quartal 2005 um 17,1 Prozent auf 78 Millionen Euro. Die positive Tendenz von 2004 wurde somit fortgesetzt.

Kommunikative Bedeutung des Internets nimmt weiter zu: Studie der Internetseite „Spieletipps.de“

Die Internetseite Spieletipps.de [457] führte jüngst eine Studie zum Userverhalten durch, was für Entscheider aus dem Bereich Marketing wichtige Hinweise liefern kann. Auf der Seite Spieletipps.de finden Surfer News über Games und veröffentlichte Tipps, Tricks und Cheats (also Lösungswege). Die Zugriffsraten belaufen sich auf knapp 1.800.000 Visits monatlich und katapultieren Spieletipps damit in die Riege der weitreichenstärksten Gamesseiten im Internet.

Lieblingsmedium Internet

In der Studie erklärten User der Seite Spieletipps.de fast alle das Internet zum einflussreichen Informationsmedium. In ihrer Umfrage fanden die Betreiber heraus, dass sich bereits ein Viertel der befragten Spieler ausschließlich im Internet über ihre Leidenschaft informiert. Das Fernsehen spielt als Informationsmedium in der Spielergemeinde keine bedeutende Rolle. Interessantestes Ergebnis: Der überwiegende Teil der Spieler hat sich schon entschieden, bevor er im Laden kauft. Nur 19 Prozent informieren sich noch am Point of Sale. Maßgeblichen Einfluss auf die Meinungsbildung üben immer häufiger die Plattformen im Internet aus.

Videospieler stammen aus allen gesellschaftlichen Schichten

Spieletipps versammelt nicht nur Hardcore-Zocker von Actionspielen, sondern auch einen hohen Anteil Abenteurer und Strategen. Fast alle befragten Nutzer

spielen mit Maus und Tastatur (97 Prozent). Daneben greift ein hoher Anteil zur Konsole oder auch mal zum mobilen Endgerät. Playstation 2 (50 Prozent) und Gameboy (37 Prozent) sind hier immer noch die Favoriten. Die Fangemeinde des Spieletipps-Portals setzt sich aus einem Drittel Gelegenheitsspieler und zwei Dritteln engagierter Gamer zusammen. Über 40 Prozent der Teilnehmer sehen sich als echte Computerfreaks; insgesamt 80 Prozent der User können als sehr computeraffin gelten. Je ein Drittel der Teilnehmer misst sich häufig oder zumindest gelegentlich in Multiplayergames mit realen Gegnern.

Auch 30jährige sind verspielt

Neben dem hohen Anteil jüngerer Spieler bevölkert mit einem Anteil von 16 Prozent auch eine beträchtliche Anzahl reiferer Spieler über 30 das Spieletipps-Portal, davon überschreiten 7 Prozent sogar die 40. Die Hälfte der Spieletipps-User geht noch zur Schule, ein Drittel steht als Angestellter oder Selbstständiger im Berufsleben, der Rest studiert. Die Frage nach der Schulbildung zeigt eine relativ gleichmäßige Verteilung der Gamer über alle Schichten. Bei 40 Prozent Abiturienten (bei Online-Rollenspielen liegt der Durchschnitt noch höher) kann man Videospieler nun wohl nicht mehr als stumpfe Abhänger bezeichnen.

Immer auf dem neuesten Stand

Spieletipps-Nutzer wirken in ihrem Freundeskreis als Meinungsbildner, wenn es um Games geht. So werden 87 Prozent von ihren Freunden zu ihrer Leidenschaft um Rat gefragt. Und die Onliner auf Spieletipps.de sind eine kauffreudige Gruppierung: Knapp 60 Prozent der Nutzer erwerben innerhalb zweier Monate ein oder mehrere Spiele. Viele kaufen mit Vorliebe auf Online-Marktplätzen wie amazon. Ein großer Anteil besucht für Technik und Entertainment weiterhin den Discounter um die Ecke (65 Prozent) oder den Fachmarkt des Vertrauens (52 Prozent). Zwei Drittel der Spieletipps-User sind mit ihren Kaufentscheidungen gerne trendy.

Zum Abschluss noch einige Fragen, die sich weniger gamesaffine Leser vielleicht stellen:

Wie bilden sich Communities?

Communities sind meist das Ergebnis eines Hypes um ein bereits erhältliches Vorgängerspiel. Einmal im Netz, intensivieren Communities wiederum just diesen Hype. Sie entwickeln sich zunächst auf der offiziellen Homepage eines Spiels. Im Forum tauschen sich Spieler über ihre Erfahrungen aus, berichten von Problemen und Lösungen, lesen Expertenmeinungen und Entwicklerinterview, freuen sich über reichhaltiges Bildmaterial oder Trailer und testen eine Demoversion an. Auch Lanparties mit einer für viele Teilnehmer spielbaren Demoversion schüren die Vorfreude. Bei großer Beachtung bauen User häufig aktiv eigene Foren und Fanseiten auf.

Wie finde ich ein Game im Netz?

Interessierte recherchieren einfach im Netz nach dem Game und stoßen dann automatisch sowohl auf Spieleportale im Internet, auf Fanseiten, offizielle Homepages zum Spiel als auch zu einzelnen Foren.

Wo stehen Zugriffsdaten der Gamesseiten?

Um sich über Zugriffsraten zu informieren, gibt die IVW, die „Informationsgesellschaft zur Feststellung von Verbreitung von Werbeträgern“ objektive Antwort: Ein Großteil der zugriffsstarken Seiten lässt sich, wie zum auch Spieletipps.de, von der IVW-Listung betrachten. Für den Entscheider eines Unternehmens beruhigend, denn ohne große Recherchen weiß er, dass die Zahlen unabhängig geprüft und nicht allzu großzügig angegeben wurden. Darüber hinaus beantworten die Seitenbetreiber selbst gerne Fragen, Kontaktadressen stehen entweder unter einem Extrapunkt oder im dem Impressum, zu dem jede Page verpflichtet ist.

Welche Onlinewerbung zieht?

Wie auch bei Printwerbung geht der Trend hin zu witziger, charmanter Werbung. Popups, die sich nur schwer wegklicken lassen oder den „Schließen“-Knopf im Verborgenen halten, rufen eher Zorn hervor als eine kauffördernde Wirkung auszuüben. Schöne Header-Desings, intelligente Platzierungen, Banner mit Mehrwert (zum Beispiel integriertem Gewinnspiel) hingegen kommen gut an.

Kontakt
Claudia Nimmesgern

Borgmeier Media Communication
Public Relations
Rothenbaumchaussee 5
20148 Hamburg

Marke: Markenbotschaft permanent kommunizieren

"Marken haben Logenplätze im Gehirn." Das schreibt der Experte für Neuromarketing, Hans-Georg Häusel, in seinem Buch Brainscript [458] . Ein Unternehmen, das es schafft, aus seinem Produkt oder aus seiner Dienstleistung eine Marke zu schaffen, hat es bei den Kunden sehr viel einfacher. Aus Experimenten wissen die Gehirnforscher, dass bei starken Marken viel weniger Signale ausreichen, um die Kaufentscheidung unbewusst zu beeinflussen.

Kein Wunder, dass jedes Unternehmen danach strebt, eine Marke zu werden oder zumindest Produkte im Portfolio zu haben, die eine Marke sind. Nivea, Coca Cola, McDonald's sind seit Jahrzehnten etablierte und starke Marken. Andere wie Creme 21, Rover oder Camel hatten eine Glanzzeit, sind inzwischen aber (fast) von ihren Märkten verschwunden. Um eine starke Marke zu werden, braucht es eine strategische und ausgeklügelte Markenplanung, viel Ausdauer und oft auch ein wenig Glück.

Stichwort

Eine Marke (im Englischen Brand) ist eine relevante Differenzierung am Markt. Nichts anderes als eine besondere Unique Selling Proposition (USP), ein Wettbewerbsvorteil, der ein Unternehmen und seine Identität oder ein Produkt oder eine Dienstleistung klar von allen Wettbewerbern unterscheidet – und zwar so, dass es am Markt wahrgenommen wird.

Eine Marke lässt sich auch rechtlich schützen, indem sie in staatlich regulierte Markenverzeichnisse eingetragen wird. Dann bezeichnet die Marke oder das Markenzeichen ein Rechtsgut (geistiges Eigentum).

Was eine Marke ausmacht

Für den Erfolg einer Marke müssen Produkte "gebrandmarkt" werden. Das bedeutet, man stellt die Marke öffentlichkeitswirksam vor. Bei der für den Markenaufbau relevanten Öffentlichkeit handelt es sich nicht nur um die potenziellen Kunden, sondern um alle Menschen, die die Marke wahrnehmen und über sie sprechen. Es sind auch die Menschen, die das Produkt nicht kaufen wollen. Sie bilden sich ebenso ein Urteil über die Marke und sie beeinflussen mit ihrer Meinung potenzielle Kunden oder Konsumenten. Die Öffentlichkeit wird mehr oder weniger über die Marke sprechen und sie sich so einprägen.

Die Marke gibt den Produkten durch diese Interaktion in und mit der Öffentlichkeit ein lebenslanges Brandzeichen, das sich nur mühsam ändern und schon gar nicht entfernen lässt. Sie wird repräsentiert und entsteht über

  • die Qualität und die Funktionen des jeweiligen Produkts oder der Dienstleistung
  • Sponsoring, Öffentlichkeits- und Pressearbeit der Firma
  • Marketing und Werbung (über alle Kanäle)

Diese drei Merkmale und die damit verbundenen Aktivitäten des Unternehmens werden vom Publikum beurteilt. Ihr Zusammenspiel entscheidet darüber, wo und wie die Menschen die Marke beurteilen und einstufen. Aus dieser Einstufung widerum ergibt sich für die Firma der Wert der eigenen Marke. Manche werden als Billig-Marke identifiziert, andere als Premium-Marken.

Was im Gehirn passiert

In Experimenten haben Forscher untersucht, was im Gehirn eines Kunden passiert, wenn er unterschiedliche Kaffee-Marken zu sehen bekommt. Die Probanden sollten sich spontan für eine Marke entscheiden. Und die Forscher beobachteten über den Tomographen, welche Gehirnbereiche dabei aktiv sind. Das erstaunliche Ergebnis: Während sich die Probanden für ihre Lieblingsmarke entschieden, schalteten sie ihr Gehirn ab.

Die Forscher nennen das "kortikale Entlastung". Wenn der Kunde eine bekannte Marke oder gar seine Lieblingsmarke erkennt, dann wird er in seinem unbewussten Denk- und Auswahlprozess entlastet:

  • Es entstehen keine Konflikte - "Was ist wohl das bessere Produkt?"
  • Es gibt kein Risiko - "Diese Marke ist bekannt und weit verbreitet."
  • Diese Markensymbole sind bekannt - "Das entspricht meinen Werten."

Dahinter stehen neuronale Marken-Netze, wie Häusel sie nennt. Im Gehirn sind bekannte, starke und beliebte Marken fest verdrahtet. Doch ein solches Netz entwickelt sich nur langsam. Dazu muss die Markenbotschaft immer wieder vermittelt und wiederholt werden. Lange Zeit. Wichtig dabei ist: Die Botschaft darf nicht wechseln. Sie muss in sich konsistent sein. Sie muss permanent die gleichen Emotionen beim potenziellen Kunden ansprechen und anregen. Immer und immer wieder: Das vertraute Symbol. Die vertraute Botschaft.

Nur hin und wieder darf es eine vorsichtige Anpassung an Veränderungen geben, um nicht altbacken oder verstaubt zu wirken. Diese Anpassungen sollten dezent sein und den Kunden nicht verwirren. Die Kernbotschaft muss die gleiche bleiben, sonst verliert die Marke ihre Strahlkraft und ihre Wirkung.

Vorausschauende Marken- und Produktplanung

Damit die Öffentlichkeit die Marke wahrnimmt, muss der enge Marktplatz differenziert, eigenständig und eigenwillig genutzt werden. Gerade in gesättigten Märkten kann eine neue Marke nur platziert werden, wenn sie durch eine Eigenschaft besonders auffällt (Preis, Design, Werbung) oder einzigartig ist, also eine echte und besondere Unique Selling Proposition besitzt.

Der Unterschied zu anderen Marken ist der Maßstab. Damit die Besonderheit oder Einzigartigkeit der Marke erreicht werden kann, muss sich das Unternehmen für eine entsprechende Marken- und Produktstrategie schon vor der Produkteinführung entscheiden. Ohne diese Entscheidungen verliert die Marke ihre Wirkung. Schon vor der Geburt der Marke muss geklärt werden :

  1. Richtet sich das Produkt an ein breites Publikum oder zielt es auf eine besondere Nische? Eine Marktnische zu besetzen, ist günstig für das schnelle Wachstum in der Anfangsphase.
  2. Die Zielgruppe muss klar definiert sein. Eventuell will man nur einen kurzfristigen Trend bedienen, den es zu erkennen gilt. Für eine langfriste Markenstrategie hingegen müssen dauerhaft vorhandene Bedürfnisse der Kunden bedient werden (zum Beispiel emotionale Bindung schaffen, unverzichtbare Güter des Alltags anbieten).
  3. Eine Marke braucht eine treffende Aussage und ein sehr fokussiertes Image (zum Beispiel im Sinne von hochwertig, günstig, zeitlos, modern, sicher oder abenteuerlustig), die mit der Marke transportiert und der Zielgruppe als Kernbotschaft vermittelt werden.

Auf alle Details kommt es an

Markenplanung und Markengestaltung verlangen viel Akribie und Ausdauer. Hans-Georg Häusel sagt:

"Erfolgreiche Markenmacher nehmen sich viel Zeit, Markenkern, Markentypik und Markenbotschaften zu formulieren und diesen genetischen Markencode bis ins kleinste Detail im Auftritt zu inszenieren."

Das beginnt bereits bei der Produktplanung, beim Design des Produkts und seiner Verpackung und bei seiner Herstellung. Im Mittelpunkt steht dann natürlich die Präsentation beim Kunden.

  • Wie wird das Produkt beworben?
  • Welche begleitenden Maßnahmen zur Public Relations gibt es?
  • Wie ist die Marke im Internet, in Foren und auf sozialen Plattformen präsent?
  • Wie ist der Verkaufsraum gestaltet?
  • Wie sprechen die Mitarbeiter am Telefon über ihre Marke?

Auf solche Fragen braucht es detaillierte Antworten, die stimmig sind und genau zueinander passen.

Die Mitarbeiter des Unternehmens spielen dabei eine besondere Rolle. Sie sind die Markenbotschafter. Das sind nicht nur die Mitarbeiter des Marketings und des Vertriebs, die direkten Kontakt zu potenziellen Kunden haben. Letztlich tragen alle Mitarbeiter eines Unternehmens zum Gelingen einer Marke bei.

Die weltweit wertvollsten Marken

Markenwerte gehören zu den attraktivsten Vermögen eines Unternehmens. Sie sind Grundlage für den zukünftigen Erfolg. Die 100 wertvollsten Marken weltweit veröffentlicht jährlich Interbrand, ein führendes Markenberatungsunternehmen.

Was macht die Siegermarken der Rangliste wertvoll? Sehr viele stammen aus dem Technologiesektor. Diesen Unternehmen gelingt es, mit ihren Produkten und Dienstleistungen enge Kundenbindungen aufzubauen und eine hohe Identifikation mit der Marke zu schaffen. Beispiele sind: IBM (2010: Platz 2), Microsoft (3), Google (4), General Electric (5), Intel (7).

Einige etablierte Marken wie General Electric, Nokia, Toyota oder Nescafe büßten Markenwert ein (im Vergleich von 2010 zu 2009). Die Unternehmen haben die Beziehung zum Kunden vernachlässigt, die Produkte haben Mängel oder die verantwortlichen Manager haben einen wichtigen Trend zu spät erkannt und ihre Produkte, ihr Portfolio und ihre Marke dafür nicht angepasst.

Die Markenexperten von MillwardBrown erstellen ein eigenes Ranking für den Markenwert, den BrandZ Barometer. Dort steht Apple mit großem Abstand vor Google, IBM und McDonald's. Apple hat es wie kaum ein anderes Unternehmen geschafft, um seine Produkte und seine Marke eine Community von treuen Kunden zu schaffen. Apple ist das Beispiel dafür, wie alle Details eines komplexen Systems perfekt aufeinander abgestimmt sind.

Die Rankings von Interbrand und MillwardBrown mit allen Zahlen und Veränderungen und den Messmethoden finden Sie hier:

www.interbrand.com/... [459]

www.millwardbrown.com/... [460]

Langfristiger Markenerhalt

Der Markenwert muss nachhaltig gesichert werden. Eine regelmäßige Überprüfung (Evaluation) der Markenstrategie muss dafür sorgen, dass die Marke nicht vom Kurs abkommt. Langfristig erfolgreiche Marken sind zeitgemäße Marken, welche die Ansprüche, die Bedürfnisse und die Wünsche der heutigen Konsumenten verstehen und Trends erahnen oder sogar mit gestalten.

Die Marke muss vermitteln, dass sie weiß, was der Kunde morgen will. Diese Botschaft zum Kunden transportiert, schafft die Grundlage für den Verkauf zukünftiger Produktgenerationen. Denn wenn der Kunde der Zukunftsfähigkeit der Marke vertraut, dann wird er auch weiterhin ihre Produkte kaufen und sogar auf zukünftige warten.

Mit der Marke zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu erscheinen, reicht also für den langfristigen Erfolg nicht aus. Der Kunde erwartet konstante, zukunftssichere Werte. Wenn er bei Hennes & Mauritz einkauft, erwartet er konstant Trend-Mode zu einem günstigen Preis, bei Ikea praktische Möbel zum Mitnehmen, bei BMW Spitzentechnologie, die mehr kosten darf. Langfristig erfolgreiche Marken bieten immer die gleichen Werte und schaffen dadurch Vertrauen.

Wenn eine Neupositionierung einer Marke unausweichlich erscheint, dann sollte sie konsequent umgesetzt werden. Die Marke muss sich dann unter Umständen ganz neu erfinden.

Erbacher: Eine fast perfekte Neupositionierung einer Marke

Die unterfränkische Lebensmittelfirma Erbacher plante vor einigen Jahren eine Neupositionierung ihrer Marke: "Wir wollen Dinkelspezialist werden" lautete die klar definierte Strategie. Seit 15 Jahren schon stellte Erbacher Dinkelprodukte her, ging aber mit seiner Marke auf diese Ausrichtung nicht ein und präsentierte sich als "ERBACHER Ernährung".

Nun sollte die Marktnische "Dinkel" konsequent besetzt werden. Alle Produkte, die nicht zu 100 Prozent aus Dinkel bestanden, wurden aus dem Programm genommen – ohne Rücksicht auf Verluste. Die Preise stiegen entsprechend auf Premium-Niveau an. Das Verpackungs-Logo erhielt den Zusatz "Ihr Dinkelspezialist". Der Handel wurde mit Flyern ausgestattet, die den Verbraucher am Regal informierten. Selbst die Presse erhielt eine Imagebroschüre samt Dinkelkörnern, über welche die Journalisten zur Pressekonferenz gelockt wurden. Eine Markeneinführungskampagne wie aus dem Lehrbuch – wäre nicht dieser dumme Fehler gewesen: Beim Mailing, das über die neue Marke informierte, wurde Briefpapier mit dem alten Logo verwendet.

Markentransfer auf neue Produkte

Hat sich eine Marke erst einmal etabliert, kann man sie unter Umständen auf andere Marktsegmente übertragen. Bei diesem sogenannten Markentransfer oder Markenspreizung nutzen Unternehmen die positiven Assoziationen, die mit der Marke verknüpft sind, um sie auf andere Produkte zu übertragen. Die Marke löst sich von einem spezifischen Produkt und wird zur Dachmarke. Der Markennamentransfer verspricht folgende Vorteile:

  • Das neue Produkt ist gleich bekannt, da es einen etablierten Markennamen nutzt.
  • Dadurch wächst die Wahrscheinlichkeit von Probekäufen, weil die Kunden die Merkmale und positiven Werte der Marke auch auf das neue Produkt übertragen.
  • Unter Umständen ergeben sich positive Rückwirkungen auf das Ausgangsprodukt.

Auch hier hat Apple vorgemacht, wie erfolgreicher Markentransfer aussehen kann. Das Unternehmen nutzte das Zeitgeist- und Design-Image seiner Marke für gänzlich neue Märkte und Produkte. Bekannt war Apple für seine Computer mit einfacher Benutzungsoberfläche und mit schickem Design. Dann kam mit dem iPod der Einstieg in die Musikindustrie - mit iTunes wurde eine ganze Branche revolutioniert. Das Unternehmen traute sich sogar in den hart umkämpften Markt für Mobilfunktelefone. Wieder ließ sich das Image der Marke Apple auf das iPhone übertragen und nutzen. Zuletzt kreierte Apple mit dem iPad einen neuen Markt für kleine Touchscreen-Computer. Und der Erfolg jedes dieser Produkte förderte auch den Absatz der jeweils anderen.

Dieser Erfolg war nicht garantiert. Mitte der 1990er Jahre ging es Apple schlecht. Der erste PDA Newton war ein Flop. Die Zeit dafür war wohl noch nicht reif. Erst viele Jahre später, als Steve Jobs einen neuen Anlauf wagte, war der Zeitgeist auf Apples Seite.

Checkliste

Wichtige Kriterien für erfolgreiches Branding

  • Einzigartigkeit dramatisieren und sich so unterscheiden.
  • Konstante Werte schaffen und daran konsequent festhalten.
  • Eindeutige Positionierung schaffen, die vom Konsumenten klar wahrgenommen werden kann.
  • Vertrauen schaffen und darüber Kunden binden.
  • Mit zielgerichteter Distribution maximale Präsenz in den Zielmärkten schaffen.
  • Das bediente Marktsegment nach Möglichkeit über Markentransfers vergrößern.

Einsicht: China ist ein großes Land der Gegensätze

Prolog: Express-Chinesisch

Alle Welt spricht von China. Alle Welt schwärmt von China. Alle Welt will nach China.

So kann man die augenblickliche Stimmung zu Hause zusammenfassen. Zu Hause heißt für mich in erster Linie Deutschland und der Unialltag. Seit sieben Semestern studiere ich, und es war Zeit raus zu kommen, die Welt zu sehen. Außerdem gibt es diese Vorschrift meiner Studienordnung: 3 Monate Auslandstudium, 6 Monate Praktikum.

Vor zwei Jahren hatte ich mich dazu entschlossen, China als Schwerpunkt in meinem betriebswirtschaftlichen Studium zu wählen. Damals eine recht pragmatische Entscheidung. Es forderte mich heraus, Chinesisch zu lernen, als Selbsttest meiner eigenen Fähigkeiten und wie sich herausstellte auch als Grenze derselben.

Ich kann schon vorweg nehmen: Chinesisch ist schwer, aber es ist nicht so schwer, wie immer behauptet wird. Mir haben die Chinesisch-Seminare Spaß gemacht auch wenn man sich Freitags früh aus dem Bett quälen musste. Ein eher unüblicher Vorgang für deutsche Studenten. Meinem Chinesisch hat es ganz gut getan und nach drei Semestern konnte ich die Grundlagen, neudeutsch Basics.

Vorbereitung: Bluttests, Röntgenbilder, Visa(card)

So gerüstet, habe ich mich vor einem Jahr beim DAAD für das so genannte Selbstzahlerprogramm beworben. Ein Programm, in welchem man alles selbst bezahlt, bis auf die Studiengebühr an der chinesischen Universität. Der Hauptvorteil der Bewerbung über den DAAD ist die Hilfestellung für Visa, Administratives und die allgemeinen Tipps zu Land und Leuten.

Bei den Vorbereitungen für das Visum gab es eigentlich nur ein Problem, die unzähligen ärztlichen Unterlagen wie Röntgenbild und Bluttests, obwohl ich, wie fast jeder in meinem Alter, lebhaft und gesund bin. In China wollte nie jemand ärztliche Unterlagen sehen. Die Röngtenbilder haben wir in die Fenster des Wohnheims gehängt - zu Dekorationszwecken.

Ansonsten liefen die Vorbereitungen wunderbar. Das Visum haben wir über einen Visadienst beantragt, was mit Versand der Reisepässe um die 20 Euro kostete.

Weitere Vorbereitungen habe ich nicht getroffen. Gut, man schließt eine Auslandskrankenversicherung ab, lässt sich impfen meldet eine Visacard an und kauft einen Reiseführer, aber mehr ist aus meiner Sicht eigentlich nicht notwendig. Viele meiner Freunde hier in China haben weder Impfungen, noch sprechen sie chinesisch. Vorbereitet hat sich eigentlich keiner. Ich persönlich glaube, dass eine umfassende Vorbereitung nicht existenziell ist. Die Webseiten das Auswärtigen Amts oder eine kurze Internetrecherche bieten sich an, doch eigentlich findet man sich sehr schnell zurecht, auch wenn man nichts lesen kann und niemanden versteht.

Startfreigabe: Aufbruch vom Flughafen Leipzig gen fernen Osten

Es ist ein eigenartiges Gefühl. Man sitzt in der Wartehalle und hat gerade die Familie verabschiedet, in der vollen Gewissheit, sie ein Jahr lang nicht zu sehen. Ein bisschen Wehmut kommt auf. Und nicht nur die Familie bleibt zurück, auch die Freunde und die Freundin. Man startet in ein großes Ungewisses und weiß ganz genau: „Wenn du zurück kommst, wird sich etwas verändert haben.“

Doch es ist auch ein Gefühl des Aufbruchs. Die Vorfreude auf einen neuen Lebensabschnitt, auf Abenteuer, auf Neues. In gewisser Weise ist es auch eine Flucht. Eine Flucht vor dem Alltag, vor den immer wiederkehrenden Tagesabläufen und vor sich selber. Man geht mit dem sicheren Gefühl, sich zu verändern und seinen eigenen Horizont zu erweitern.

Erste Eindrücke: Deutschland von Außen

In Qingdao, der alten deutschen Koloniestadt, angekommen, steige ich mit einer neuen Bekanntschaft, einer deutschen Studentin, aus dem Flieger und wir fahren in die Stadt. Zuerst gibt es nicht viel Besonderes. Ein Flughafen ist ein Flughafen, Autos gibt es auch und Werbeplakate drängen, wie bei uns von links und rechts auf mich ein. Das erste, was man in der Gepäckhalle des Pekinger Flughafen sieht, ist ein 5 mal 2 Meter großes Werbeplakat eines Audi A6. Hier relativiert sich die leidige Diskussion über mangelndes Wirtschaftswachstum in Deutschland. Sieht man Deutschland eine Zeit lang von außen, wird man sich schnell der Vorzüge und Stärken bewusst, und das sage ich ohne in nationale Sentiments zu verfallen.

Auf der Fahrt in die Stadt bemerke ich die ersten Unterschiede zu Deutschland. Wir fahren in einem VW Jetta, welcher seit Jahren nicht gesäubert wurde. Verkehrsregeln existieren nicht, trotz der Polizeipräsenz an jeder Kreuzung. Im Gegensatz dazu gibt es Autobahnen, wie gebaut für die Ewigkeit. Dreispurig, auf Stelzen, in riesige betonierte Formen gegossen. Das sind Straßen für ein neues China, die Vorbereitung auf eine Blechkolone deren Umweltschäden nicht abzuschätzen sind. Zurzeit dominieren noch alte Volkswagen und Kleinbusse das Bild, doch in den Innenstädten sieht das mittlerweile ganz anders aus. Diese sind, genau wie das ganze Land, von Gegensätzen geprägt.

Gegensätze: Wellnesstempel und Restaurants auf der Straße

Ich habe in China mehr Oberklasse BMWs oder Mercedes gesehen als in ganz Deutschland. Auf der anderen Seite sieht man tausende kleine Karren, die von Müllsammlern gezogen werden, die von früh bis spät durch die Strassen ziehen oder auch mal ein Nickerchen in dem Karren am Straßenrand einlegen. Man sieht reiche Geschäftsleute in feinen Anzügen und daneben alte Frauen mit kleinen Kindern auf dem Arm, die betteln. Ich war in Bars, wie man sie in New York, London oder Paris findet, und wir waren in Restaurants, deren Herd aus einem Backstein, glühender Kohle und einem rostigen Wok bestand. Ich habe Wellnesstempel besucht, in denen neben der Marmortherme eine Dame, im barocken Kostüm, den Flügel gespielt hat. Andererseits sieht man, wie Ladenbesitzer sich in einer Schüssel auf dem Gehweg waschen und sich die Zähne putzen. Ich habe ein Volk gesehen, das in der Lage ist, höchste Wolkenkratzer zu bauen, aber es nicht schafft, Gebäude mehr als zwei Jahre instand zu halten.


China, das heißt zu verstehen, dass es mehr Dollarmillionäre als in den USA gibt und gleichzeitig 300 Millionen Menschen, die unter der Armutsgrenze leben. China ist ein Land, in dem ein Student wie ich, sich fast alles leisten kann und die Fahrt mit dem Taxi oder das zweimalige tägliche Essen in einem Restaurant zu Gewohnheit wird.

Chinesische Mentalitäten: Nicht fragen, machen!

Ein Charakterzug vieler Chinesen ist, dass sie eine vorgefertigte Meinung haben. Oft werden Dinge einfach gemacht, weil sie immer so gemacht wurden oder es alle so machen. Ein ständiges Hinterfragen: Warum machen wir das so? Können wir das nicht anderes machen? - habe ich nie erlebt. Das soll nicht heißen, dass Chinesen nicht wissbegierig oder interessiert wären. Viele Fachbuchautoren schwärmen geradezu von der chinesischen Wissbegierigkeit und Lernbereitschaft. Zu Hause lernt man aus eigenem Antrieb. Zugegeben, so manche Vorlesung habe ich nicht aus eigenem Antrieb besucht, doch im Allgemeinen lerne ich, weil es mir Spaß macht. Weil mich ein Thema interessiert, weil es meine Passion, mein Steckenpferd ist.

In China ist das Lernen mehr pragmatischer Natur. Man steht im ständigen Wettbewerb mit Millionen anderen. Es gibt kein soziales Netz, das mich als Philosoph oder Romanistiker auffangen könnte. Außerdem gibt es einen erheblichen Erwartungsdruck der Familie. Ganze Generationen sparen oft, um einem Kind oder Enkelkind das Studium oder den Auslandsaufenthalt finanzieren zu können. Der Einsatz des Einzelnen ist dabei oft beeindruckend. So habe ich mich in Restaurants mit Kellnern unterhalten, die kostenlos zwei Monate arbeiten, nur um mit Ausländern ins Gespräch zu kommen und ihr Englisch zu verbessern.

Schwerfälliges Volk: kaum Innovationen

Ein Grundproblem der Chinesen ist eine mangelnde Innovationsfähigkeit - Flexibilität im Denken, wenn Sie so wollen. Das sage ich vollkommen wertungsfrei. Chinesen können wahnsinnig gut auswendig lernen, reproduzieren und wiedergeben. Eigene Ideen entwickeln, neue Wege gehen und auch ungewöhnliche Lösungsansätze finden, scheint dagegen schwer zu fallen. Dies beschäftigt mich seit langem. Wie kann ein Volk, das viele bahnbrechende Erfindungen hervorgebracht hat, nicht innovationsfreudig sein? Ich muss Ihnen die Antwort schuldig bleiben.

Sind Chinesen fleißig? Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Auf Baustellen sieht man dutzende Leute nur herum stehen und nichts tun. Ladenbesitzer liegen gähnend in ihren Läden und machen nichts. Meine Arbeitskollegen gehen pünktlich auf die Minute nach Hause und Verkäuferinnen schaffen trotz Scannerkassen nie mehr als zwei Kunden in fünf Minuten.

Auf der anderen Seite wird ständig überall gearbeitet: an Hochstraßen, an Staudämmen, an Fabriken. Die Fabriken laufen Tag und Nacht und Geschäfte haben oft bis tief in die Nacht geöffnet, obwohl es zum Beispiel sicher ist, dass in die Reinigung unseres Viertels nachts um halb zwei nicht ein Kunde mehr kommt.

Mein Chef meinte einmal: Die Chinesen arbeiten ohne Ziel. Ein Gärtner beeilt sich nicht, den Rasen fertig zu mähen; er braucht morgen noch Arbeit. Der Deutsche würde sagen: Ich mach den Rasen heute noch schnell fertig, dann habe ich morgen Ruhe.

Die Chinesen arbeiten weniger strukturiert. So kann es sein, dass unser Gärtner erst zwei Drittel des Rasens mäht, dann ein Drittel der Hecken scheidet und danach noch anfängt den Goldfischteich zu reinigen. Zwischen jedem Arbeitsgang wird er sich neues Werkzeug holen und eine kleine Pause machen. Dies erscheint für uns erst einmal befremdlich. Gerade für uns als Deutsche ist eine Tätigkeit ohne Plan oft unvorstellbar.

Eine chinesische Freundin hatte mich einmal gefragt, wieso ich mir aufschreibe, was ich einkaufen möchte? Ich sagte ihr: Damit ich nicht ewig im Supermarkt umherlaufe, sondern genau weiß, wie ich die Aufgaben hintereinander erledige. Für sie war das äußerst deutsch.

Das alte China: zwischen den Zeiten

Während der Zeit zwischen meinem Studium in Qingdao und dem Praktikum in Shanghai war ich drei Wochen mit dem Rucksack in Südchina unterwegs. Einem China, das so gar nicht in das Bild der reichen Chinesen passt. Hier in Yunan, einer Provinz im Südwesten, gibt es das ursprüngliche China. Das alte China, das es eigentlich überall gibt, sobald man die Zentren der Küstenstädte verlässt. Ein Land von bitterer Armut, mit Reisfeldern, Traktoren, mit rostigen, alten Bussen, in denen auch die Ernte zum Markt gefahren wird. Hier gibt es keine Spaßbäder, keine U-Bahnen, keine Scannerkassen. Ja oft gibt es nicht einmal fließend Wasser in den Häusern oder private Toiletten. Trotzdem gibt es in jedem noch so kleinen Dorf einen Laden der Handys verkauft. Auch die blau-weiße Werbung für chinesischen Mobilfunk habe ich noch in einsamsten Bergdörfern, auf 3000 Meter Höhe gesehen.

Beeindruckende Szene: zwischen Sichel und Aktentasche

Die Provinz Yunan ist bekannt für ihre Landschaften, ihre Ursprünglichkeit. Es gibt eine florierende Tourismusindustrie, welche die Gegensätze geradezu importiert. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sehen einen chinesischen Bauern. Er ist vielleicht 50 Jahre alt. Seine Haut ist von der Sonne gezeichnet, und tiefe Furchen durchziehen sein Gesicht. Er steht gekleidet mit einer schmutzigen Anzughose, welche von einem Strick gehalten wird, in mitten eines schlammigen Reisfeldes. Er bückt sich und schneidet mit einer rostigen Sichel Reispflanzen und legt sie in seinen Bambuskorb. Einige Fliegen umkreisen ihn, und er versinkt bis zu den Knien im schlammigen Morast. Er ist dünn und man kann durch das Hemd eine drahtige, knochige Figur erkennen. Die Sonne brennt auf seinen Rücken und trocknet die Schlammspritzer auf seinem Hemd.

Daneben eine neue Straße. Sie verbindet das Dorf mit der neuen Autobahn auf der täglich hunderte Reisebusse vorbeirollen. Ein Mann kommt geradelt. Er kommt aus dem kleinen Touristenstädtchen etwa 3 Kilometer von hier. Seine verspiegelte Sonnenbrille wirkt lässig und souverän. Er sitzt auf einem Giant-Mountainbike und trägt moderne Adidas-Turnschuhe. An seine kurze, weiße Sporthose schließt sich eine schwarze Bauchtasche an: mit Handy, Wasser und einer kleinen Box für Akkus oder Aspirin. Er wirkt sportlich, ist kräftig und man sieht einen kleinen Bauchansatz über der Bauchtasche. Um seinen Hals baumelt eine Spiegelreflexkamera mit einem riesigen Objektiv – aus Japan – Nikon. Er sieht den Bauern und steigt ab. Er wird ihn fotografieren und zu Hause Bilder eines Landes zeigen, das seine Freunde nicht mehr kennen wollen. Für mich war diese Begegnung sehr eindrucksvoll. Beide Chinesen, beide im gleichen Alter, beide in diesem Land aufgewachsen. Beide leben in einem quasi kommunistischen Arbeiter- und Bauernstaat und beide haben denselben Pass. Der eine ist dem anderen jedoch fremder als ich es bin.

Das Innere Chinas ist eine andere Welt. Zwar gibt es auch Metropolen wie Chengdu, Kunming oder Xian, aber meist konzentriert sich der Fortschritt einer Provinz in deren Hauptstadt. Kleinstädte und Dörfer mit verwahrlosten, gefliesten Häusern meist aus den 60er, 70er Jahren prägen das Bild. Tausende wilde Autowerkstätten ohne Ölabscheider und ohne Werkbänke findet man links und rechts der Landstraßen. Dazu ein endloses Meer von Plastikflaschen, alten Planen und sehr viel Staub.

In den Städten gibt es kaum Industrie. Wenn doch, dann sind es oft riesige Kombinate, denen man von außen ansieht, dass sie grundlegend marode sind. Man wundert sich in China, wie viele Menschen ständig überall herum sitzen. Sie spielen Karten, essen, dösen. Man hat oft das Gefühl, dass die Zeit still steht - nichts bewegt sich. Motorradfahrer warten an staubigen Kreuzungen auf Kunden für ihr Taxigeschäft. Man hat das Gefühl alles, aber wirklich alles, ist schmutzig.

Praktikum in Shanghai: 150 Bewerbungen, ganze 30 Rückmeldungen

Shanghai, eine Stadt der Superlative, die anders als Moskau, London oder Peking recht überschaubar bleibt. Hier in Shanghai hat der chinesische Wirtschaftsboom seinen Ursprung. Wolkenkratzer, Leuchtreklame und ständige Veränderungen prägen das Stadtbild. Es wird abgerissen und aufgebaut. Eine Stadt will der Welt zeigen: Seht her, wir sind wieder wer.

In dieser Stadt absolviere ich zurzeit ein viermonatiges Praktikum bei Shanghai Volkswagen, einem deutsch-chinesischen Joint Venture. Ein Praktikum in einem großen deutschen Unternehmen zu bekommen, ist für Studenten nie ganz leicht. Die globalen Bewerbungswebsites der Firmen sind umständlich, unpersönlich und äußerst unflexibel. Man bekommt kaum ein Feedback und irgendwie hat man das Gefühl sich in einer Art Niemandsland zu befinden, da man fast nie einen persönlichen Ansprechpartner hat.

Ich habe mich bei über 150 Unternehmen beworben – per E-Mail und eigener Bewerbungswebsite. Ein Feedback gab es bei gerade mal 30 Unternehmen, eine Absage fast immer. Aber ich möchte niemanden entmutigen, ein Praktikum in China ist nicht nur Lebenslaufkosmetik, sondern auch eine spannende persönliche Erfahrung. Fachlich sollte man sich nicht scheuen. Auch mit einem durchschnittlichen Vordiplom oder mangelnden Chinesischkenntnissen hat man durchaus Chancen. Erstaunlicherweise habe ich gehört, dass die Anfragen für Praktika nach China gar nicht so zahlreich sind.

Als ersten Kontakt schlage ich die Webseite der Außenhandelskammer vor und deren Mitgliederverzeichnis. Darüber hinaus, haben fast alle Bundesländer ein Kooperationsbüro. Das sind meist ein oder zwei Personen, die sich nur mit Kontakten nach oder aus China beschäftigen. Ich persönlich schlage Ihnen Messeverzeichnisse vor. Wir waren auf einigen Industriemessen, und es ist geradezu erstaunlich, wie stark deutsche Maschinenbauer und andere Mittelständler in China vertreten sind und in ihren Nischen den Markt dominieren. So haben wir uns auf der Industriemesse in Shanghai geradezu heimisch gefühlt und waren ein klein wenig stolz auf unsere deutsche Industrie.

Es lohnt: Ein Praktikum in China ist eine Herausforderung

Vieles ist anders, als erwartet, und es tun sich Probleme auf, die nicht nur sprachlicher Natur sind. Sie können fast alles vergessen, was Sie in Ihrem Vorbereitungskurs gehört haben. Ich hatte ungefähr vier Seminare über China, die Wirtschaftskultur und die Mentalität gehört. Dann in China, war alles ganz anders. Unterschiede, auf die man zu Hause hingewiesen wurde, gab es nicht und in scheinbar fremden Situationen verhält man sich ganz automatisch richtig.

Grundsätzlich kann man keine Fehler machen. Man hat als Ausländer eine gewisse Narrenfreiheit, das heißt, es wird nicht erwartet, dass man die Regeln des Landes beherrscht. Und wenn man sie beherrschen möchte, dann muss man sie alle beherrschen und das ist zumeist unmöglich. Das klassische Beispiel aus dem interkulturellen Seminar: Stecke nie deine Ess-Stäbchen in die Reisschale. In der Kantine hier macht das jeder zweite Chinese, da er sonst das Kompott nicht tragen kann.

Zweite Lehre aus dem interkulturellen Seminar: In der Öffentlichkeit möglichst kein Taschentuch verwenden und am Esstisch schnauben. Ich habe fast jeden Tag Chinesen gesehen die genau das gemacht haben. Auch der tiefsitzende Konfuzianismus in der Gesellschaft ist nicht so vorhanden, wie es in den Büchern propagiert wird. Sicher ehrt man seine Eltern, doch das macht man in Deutschland auch. Auch der tief greifende Respekt vor dem Alter, scheint mir nicht viel mehr ausgeprägt als in Deutschland.

Stur: Chinesischen Managern widerspricht man nicht

Wichtiger erscheint mir das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Angestellten. Ich habe oft erlebt, dass ich mit einem chinesischen Kollegen etwas erarbeitet habe und als wir es beim Chef vorgetragen haben, ist mein Kollege auf dessen Linie eingeschwenkt oder hat einfach gar nichts gesagt. Dem Chef widerspricht man nicht. Das ist ganz anders, wenn man in China mit seinen deutschen Vorgesetzten spricht. Man duzt sich und man ist offener. Vielleicht sogar offener als in Deutschland, da man als Ausländer in China zusammengehört.

Ein Punkt, der nicht nur in der Firma gilt. Auch im Studium ist man nicht mehr Deutscher, Engländer oder Pole, man ist „Westler“ und gehört irgendwie zusammen. Das isoliert zwar auf der einen Seite, auf der anderen Seite hat man aber einen Kulturkreis, in dem man sich jederzeit zurückziehen kann.

Das Hauptproblem: Man wird nicht so gern in das Tagesgeschäft integriert. Es wird einem zu wenig zugetraut und man hat sehr wenig zu tun. Es geht alles etwas langsamer in China. Und es bringt auch nichts zu drängen oder Kollegen unter Druck zu setzen. Damit erzeugt man nur Spannungen und erntet eine totale Blockade. Bei uns würde man es Mobbing nennen, hier ist es dann die höfliche Aussage, dass man „leider nicht helfen“ kann oder „nicht verantwortlich“ ist.

Verantwortlichkeiten: Einer oder Keiner

In China ist immer jemand für etwas verantwortlich. Aber nur dafür. Sobald sich Schnittmengen, Überlappungen oder undefinierte Grenzen ergeben, wird es schwierig. Dann hat man es schwer, Informationen zu bekommen oder jemanden zu finden, der einem hilft, seine Arbeit zu tun. Denn in China macht nur jeder seine Aufgaben; über den Rand wird nicht geschaut. Da Aufgaben wenig detailliert geplant werden und es keine klaren Zuteilungen gibt, erscheint das Tagesgeschäft konfus oder unorganisiert. Meist legt der Chef spontan fest, wer für welche Aufgabe verantwortlich ist. So wird am Morgen entschieden, wer am Mittag die Aufgabe übernimmt, die schon seit zwei Wochen bekannt ist. Es entsteht dann oft Hektik, aber die Aufgabe wird gelöst. Ob sie gut gelöst wird, entscheidet sich im Einzelfall. Manchmal ist es effizienter nicht zu planen, oft endet die Aufgabe aber auch mit der Erkenntnis, erst einmal planen zu müssen, was eine Terminverschiebung um zwei Wochen bedeutet.

All dies sind Erfahrungen, die man nicht lernen kann. Man kann sich in interkulturellen Seminaren und Vorträgen nicht so vorbereiten, dass man chinesisch denkt. Es ist wichtig, dass man sich und seine Kultur nicht verleugnet und versucht ein Chinese zu sein. Dabei macht man sich nur lächerlich. Jeder Chinese weiß, dass man Ausländer ist und verzeiht Fehler, wenn er sie überhaupt wahrnimmt.

Fazit: Man sollte Chinesen nicht unterschätzen

Auch wenn vieles idiotisch, lustig oder „drollig“ erscheint; Chinesen sind harte Verhandlungspartner und sehr viele, mit denen wir in der Geschäftswelt zu tun haben, sind gut ausgebildet und auf ihrem Gebiet Fachleute. Anders herum ist das Überschätzen der Chinesen und ihres derzeitigen Wirtschaftswachstums kritisch zu sehen. Manchmal wird einem richtig seltsam zu Mute, wenn man in China ist und die Wirtschaftswoche oder den Spiegel liest. Dort werden normale Beispiele als Superlative präsentiert. Es wird ein regelrechter Chinahype erzeugt. Meine Einschätzung nach einem Jahr China ist die folgende: China ist ein Entwicklungsland, und das sollte man nie vergessen.

Sicher gibt es den Drei-Schluchten-Staudamm als ingenieurtechnisches Meisterwerk, aber wussten sie, dass dafür drei Millionen Menschen zwangsenteignet wurden? Sicher kann man in China einen Porsche kaufen, allerdings kann sich ein Drittel der Bevölkerung kaum ein Moped leisten. Ein guter Ingenieur verdient in einem ausländischen Weltkonzern 700 Euro im Monat. Sie können sich ausrechnen, welche Kaufkraft von einem Angestellten in einer chinesischen Firma zu erwarten ist.

Die Qualität chinesischer Produkte ist mehr als unzureichend. Es wird gern mit Kompromissen gehandelt. Umweltschutz ist ein nahezu unbekannter Begriff. Nahezu sämtliche Innovationen sind importiert. Auch große Teile der Wirtschaft sind von ausländischen Krediten finanziert, wenn auch oft von Chinesen aus dem Ausland. Staatsbetriebe sind zum größten Teil marode und wirtschaftlich nicht haltbar.

China ist Chance und Risiko. Es ist ein Land voller Gegensätze, doch gerade das macht das Land so reizvoll. Ein Praktikum in China zu machen, war eine der besten Ideen meines Lebens und ich kann es jedem empfehlen, der nur einen Hauch Abenteuerlust verspürt. China wird die Welt nicht dominieren, aber China wird eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft spielen. Das Hauptproblem und die größte Chance Chinas bleiben die Menschen, auf deren Rücken das Land wächst. Wenn die Massen ihren Anteil am Erfolg fordern, steht China am Scheideweg: in eine moderne Industrienation oder in eine zweite (Kultur)Revolution.

[Ulf Kramer, Shanghai den 28. November 2004]

Aufschrecken: Neue Ausdrucksformen mit Below-the-Line-Werbung

Im Achtelfinale des DFB-Pokals zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart stürmte eine Frau im Hundekostüm den Platz und umarmte den Bayern-Torhüter Oliver Kahn freundlich und liebevoll, als das Spiel bereits einige Zeit im Gange war. Millionen Zuschauer am Fernseher waren verwundert und der Moderator für einige Sekunden sprachlos; dann stellte sich die Aktion als Werbung für den Hundepudding der Firma nordpet GmbH & Co. KG heraus.

Der Werbeeffekt wuchs beträchtlich, als am nächsten Morgen das Foto in der Presse die Runde machte. Die Bild-Zeitung und andere berichteten über die Werbe-Aktion mit der Flitzerin. Für das Unternehmen dürfte sie sich gelohnt haben, selbst wenn noch Schadensersatzforderungen wegen Hausfriedensbruch anstehen sollten.

Was für den einen Gesetzesbruch oder öffentliches Ärgernis darstellt, ist für den anderen gelungene Werbung, die sich aus der Masse abhebt und damit ein wichtiges Ziel mit einfachen Mitteln erreicht: Aufmerksamkeit erzielen! Im Fachjargon werden solche unkonventionellen Werbe-Maßnahmen als Below-the-Line-Marketing bezeichnet.

Stichwort

Below-the-Line-Marketing (Marketing unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle) bezeichnet besondere Marketing- beziehungsweise Werbe-Aktivitäten, die gezielt ohne klassische Werbemittel, wie Spots im Fernsehen oder Anzeigen in Zeitung oder Zeitschrift auskommen. Sie nutzen preiswerte bzw. besonders effiziente Werbemittel. Damit wollen die Werbetreibenden auch gezielter spezifische Zielgruppen ansprechen. Medienagenturen spielen eine untergeordnete Rolle; das Below-the-Line-Marketing umgeht sie häufig.

Oft werden mehrere Werbemittel des Below-the-Line-Marketings kombiniert – auch mit klassischer, Above-the-Line-Werbung.

Nur im Ausnahmefall nutzen die Marketing-Strategen solche Flitzer-Aktionen, die sich am Rande der Legalität bewegen. Aber der Kreativität sind prinzipiell keine Grenzen gesetzt.

Erlaubt sei, was Nutzen bringt

Dem entsprechend gibt es keine klare Abgrenzung, was zum Below-the-Line-Marketing gehört und was nicht. Mögliche Bestandteile sind:

  • Sponsoring
  • Point-of-Sale-Aktivitäten
  • Eventmarketing
  • Erlebniskommunikation
  • Public Relations (PR)
  • Product Placement
  • Online-Marketing
  • Viral Marketing
  • Kundenzeitschriften
  • Produktverpackung
  • Gestaltung von Gebrauchsanweisungen

Diese Formen der Werbung sollen dort wirken, wo Werbung bislang nicht warb. Sie sollen die Zielgruppe an Orten überraschen, an denen sie nicht mit Werbung rechnet. In einem solchen Umfeld nimmt sie die Werbebotschaft besser wahr, weil der Werbetreibende nicht gegen viele andere Werbeimpulse oder gegen das automatisierte Ignorieren der Werbung ankommen muss.

Ob das Sommerfest des örtlichen Gesangvereins gesponsert wird, ob Kostproben des neuen Frucht-Drinks im Supermarkt persönlich verteilt werden, ob die Presse über das Unternehmen berichtet – wichtig ist, dass man mit vergleichsweise einfachen Mitteln besonders viel Aufmerksamkeit bei der Zielgruppe hervorruft. Einige Vorreiter-Agenturen lassen sich dabei besonders aggressive Aktionen einfallen.

Stichwort

Guerilla-Marketing entstand schon in den 60er Jahren in den USA bei der Suche nach neuen, unkonventionellen Marketing-Maßnahmen. Man lehnte den Begriff an das Bild von Guerilla-Kriegern an, die mit geringem Personal- und Materialaufwand, aber Kreativität und unkonventionellen Aktionen Siege errangen. Im Vordergrund des Begriffs steht der Mut zum Unkonventionellen, Genialen und Einfachen.

guerilla-marketing-portal.de [461]

Wie man den Markt für Unterhosen mit Below-the-Line erregt

Die bruno banani Underware GmbH [462] in Chemnitz nutzte für die Etablierung ihrer Marke zahlreiche Instrumente des Below-the-Line-Marketings. Events und Sponsoring sollten die Marke erlebbar machen; sie standen von Anfang an im Vordergrund. Durch Public Relations war die Marke in aller Munde; über das Internet ließ sich die Zielgruppe direkt erreichen.

Im Jahr 1996 unterstützte bruno banani eine Abenteuer-Tour quer durch Afrika. Eine Gruppe ausgewählter Teilnehmer zog mit dem Extrem-Touristen Achill Moser 10.000 km von Jerusalem bis Simbabwe. Alle Teilnehmer waren natürlich mit bruno banani Unterwäsche ausgestattet. ARD, DSF und Fit for Fun berichteten exklusiv über die Tour.

Genauso wichtig war das Nachspiel: Pressekonferenzen auf Modemessen, Berichterstattung und Interviews trugen die „frohe Botschaft“ in die weite Welt und erregten den Markt für Unterhosen. Dann erschien ein Buch zur Expedition, das gezielt für Promotions-Aktivitäten am Point of Sale, beim Handel, eingesetzt wurde.

Seither macht bruno banani fastjedes Jahr mit einem besonderen Event [463] auf sich aufmerksam – und vermarktet es nach allen Regeln der PR-Kunst. Offiziell lautet das Motto: "Not for Everybody"Nach Außen ist der Eindruck ein anderer: Spektakuläre Aktionen die massivst kommuniziert werden. Jeder soll etwas über die Marke wissen, alle soll über sie reden.

Die Werbung am Point of Sale

„Bis zu siebzig Prozent der Kaufentscheidungen für schnelldrehende Konsumgüter fallen am Point of Sale“, werden also im Laden gefällt, weiß Henrik Sattler, Professor an der Universität Hamburg.

Deshalb sollten sich Unternehmen die Werbemöglichkeiten kurz vor der Kaufentscheidung nicht entgehen lassen.

„Werbeträger am Point of Sale wie Instore Radio, Floor Graphics (Bodenwerbegrafiken) und Plakate an Einkaufswagen sind wertvolle Werbekontakte. Sie geben den letzten Impuls vor oder in der Kaufentscheidungssituation“, schreibt Sattler in der Science Factory der Absatzwirtschaft (PDF). [464]

Noch direkter und eindringlicher funktioniert es mit gezielten Verkaufs- oder Ausprobier-Aktionen. Das Unternehmen glaskoch B. Koch jr. in Bad Driburg, bekannt durch seine Marke Leonardo für Gläser und Lampen, schickt mobile Kaffee-Bars in die Haushalts-Geschäfte, um die Kunden für die Produkte des Hauses zu begeistern.

„Below“ liegt im Trend

Außer bruno banani weiß auch die Unternehmensberatung Roland Berger um die Bedeutung und die Effekte, die solche unkonventionellen Marketing-Aktionen haben. Roland Berger hat 2003 in einer Studie bei deutschen Marketing-Verantwortlichen herausgefunden, dass die meisten Experten dem Marketing-Instrument Public Relations und anderen „Below-the-Line“-Aktivitäten eine große Bedeutung beimessen.

Die Werbe-Experten wissen schon lange, dass klassische Werbung immer weniger Menschen erreicht; trotzdem schottete sich die Werbeindustrie lange vor Below-the-Line-Maßnahmen ab. Branchenkenner sprechen längst von einer Zeitenwende: eine klassische Werbekampagne ist heute ohne ergänzende Below-the-Line-Aktivitäten kaum mehr denkbar.

Helmut Andreas Hartwig, ehemaliger Chairman von BBDO Germany, sprach schon 2001 von „The End of Advertising“ und vertrat die Ansicht, dass Marken ohne den professionellen Einsatz von emotionalen Below-the-Line-Komponenten keinen Zugang zu den Konsumenten mehr erhalten.

Der Fernsehspot oder die Printanzeige sind nur noch die Zugabe zu einer Werbekampagne. Im Vordergrund stehen Themen, Träume, Erlebniswelten und Ideen, mit denen man das Publikum emotional bewegt. Es werden Geschichten erzählt, die über das Sponsoring und Events vermittelt werden.

Beim Weltkongress für biologische Psychiatrie baute der US-Pharma-Konzern Eli Lilly für seine Psycho-Pharmaka-Marken Prozac und Zyprexa einen Präsentation in Form eines Tunnels auf. Dort sollte der Besucher etwas über die Symptome von Depression und Schizophrenie erfahren und lernen worunter die Opfer dieser Krankheiten leiden und wie die Medikamente helfen können.

Tabus: Grenze Gürtellinie

Below-the-Line darf nicht unter die Gürtellinie gehen. Nicht alles, was Aufmerksamkeit erregt, ist rechtlich zulässig, ethisch vertretbar oder bringt den erwarteten Marketing-Effekt. Nicht nur Gesetzeshüter oder Verbraucherschützer sind aufgebracht, wenn eine Werbekampagne diese Grenze überschreitet; auch die Kunden selbst empfinden manches Werbe-Gebaren als abstoßend.

Wenn eine Marketing-Agentur nackte Models mit Körperbemalung in Fußgängerzonen oder Stadien spazieren gehen lässt, ist für manchen die Grenze des guten Geschmacks erreicht. Schon lange wird darüber diskutiert, wo die ethischen Grenzen für Werbung liegen. Gerade neue Werbeformen spielen mit dem Tabu der Grenzüberschreitung.

„Der Verbraucher ist nicht nur in der Lage, mit der Überhöhung der Werbung umzugehen, er fordert sie quasi, weil er Werbung möchte, die fasziniert und ihn auch unterhält. Das findet sich doch sogar in der Bibel, wo gewisse Dinge überzeichnet dargestellt werden, damit die Moral verstanden wird. Entertainment ist immer Überzeichnung.“ Das sagt Holger Jung, Präsident des Gesamtverbandes der Kommunikationsagenturen in einem Interview in der österreichischen Zeitung profil am 5. Mai 2003.

Der Deutsche Werberat  [465] ist ein Gremium, das dafür sorgen soll, dass Werbung nicht nur Gesetze einhält, sondern auch die „aktuelle herrschende Auffassung über Sitte, Anstand und Moral in der Gesellschaft“ beachtet. Dazu stellt er Verhaltensregeln auf und wacht über deren Einhaltung. Zwei Bereiche sind dabei besonders kritisch:

  • Werbung vor und mit Kindern,
  • Herabwürdigung oder Diskriminierung von Personen oder Personen-Gruppen.

Worauf sie achten müssen

Nicht nur aus rechtlichen und ethischen Gründen sollten Below-the-Line-Aktionen gut überlegt sein. Manchmal geht der Schuss nach hinten los. Beachten Sie:

  • Die Aktionen sollten zur Marke beziehungsweise zum Produkt und zum Unternehmen passen.
  • Die Zielgruppe muss mit Mitteln angesprochen werden, für die sie empfänglich ist.
  • Aufmerksamkeit erregen hat nicht unbedingt etwas mit „Schockieren“ zu tun, sondern auch mit positiver Überraschung.
  • Kreativität steht im Mittelpunkt; die hat nicht jeder, also sollten Experten ran.
  • Knappe Budgets sind nicht nur eine hemmende Rahmenbedingung, sondern können auch Kreativität freisetzen.
  • Das richtige Timing und Schnelligkeit spielen eine wichtige Rolle.
  • Dafür ist umfassendes Wissen über Märkte, Zielgruppen, Wettbewerb und vieles mehr notwendig; Beobachtungsgabe hilft dabei.
  • Kreatives und unkonventionelles Vorgehen bedeuten nicht, ohne Plan zu agieren – im Gegenteil, die Planung wird noch wichtiger.
  • Nebenwirkungen berücksichtigen: Wo setzen das Gesetz und andere Verhaltensregeln Grenzen? Was passiert bei Überschreiten dieser Grenzen? Welche Personen und Interessen können verletzt werden? Warum kann dieses Risiko eingegangen werden?

Links zu Below-the-Line-Marketing

Das Marketing-Konzept der Region Weserland basiert zu einem großen Teil auf Below-the-Line-Aktivitäten. Zahlreiche Beispiele dafür finden sich in der Marketing-Studie zur Vermarktung der regionalen Produkte und Dienstleistungen: Nordlichter Marketing-Konzept (PDF) [466]

Der BlachReport  [467] liefert Information für Führungskräfte im Marketing, die sich mit der Live-Kommunikation mit dem Kunden befassen.

Buchrezension der bruno banani-Geschichte: Gerhard Fischbach, Wolfgang Jassner: Wachstumschancen einer Unterhose oder: Wie man einen Markt erregt, 2003.

[jf | Bilder: PhotoCase.de]

Ankommen: So landen Werbebriefe nicht im Mülleimer

Wieder ist der Briefkasten randvoll. Neben einigen Rechnungen und der einen oder anderen Korrespondenz sind es vor allem Werbebriefe, die der Postbote zustellt. „An alle Lotto-Interessierten im Hause Hauptstraße 23 ...“ heißt es dann beispielsweise. Aber Hand aufs Herz: Wer öffnet solche Briefe, wer liest sie, und wer reagiert auf die tollen Werbebotschaften?

Viele – denn sonst wäre es nur für die Deutsche Post ein lukratives Geschäft. Offensichtlich profitieren die Unternehmen von dieser Form der Werbung, wenn sie die treffende Form finden. Aber viele Unternehmen machen es leider falsch und wundern sich, wenn ein teures Brief-Mailing nicht die gewünschte Resonanz bei potenziellen Kunden zeigt.

Unternehmen setzen auf Direktmarketing

Die Unternehmen in Deutschland haben im Jahr 2003 immerhin 30,8 Mrd. Euro für Direktmarketing ausgegeben. Damit wurde das Budget nach 2002 noch einmal um 9 Prozent gesteigert. Den größten Anteil an dieser Werbeform nimmt die adressierte Werbesendung, das bekannte Brief-Mailing ein: Hierfür gaben die Unternehmen immerhin 10,7 Mrd. Euro aus.

Aufwendungen für die einzelnen Medien der Direktwerbung (= Direktmarketing ohne klassische Werbung mit Response-Element, in Mrd. Euro)

[Quelle: Deutsche Post, Studie 16, Direktmarketing Deutschland 2004]

Form der Direktwerbung

Aufwand 2002 in Mrd. Euro

Aufwand 2003 in Mrd. Euro

Adressierte Werbesendung

11,2

10,7

unadressierte Werbesendung

1,8

1,9

teiladressierte Werbesendung

0,3

0,3

Telefon-Marketing

4,5

4,9

e-Mail-Marketing

1,7

1,9

Internet

3,7

3,9

Bannerwerbung

0,3

0,5

Stichwort

Direktmarketing ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die Unternehmen einzelne Personen direkt, also persönlich, ansprechen, um über das Unternehmen, Produkte oder Leistungen zu informieren. Damit sollen Streuverluste verringert werden und ein Kommunikationsprozess mit dem potenziellen Kunden stattfinden. Das Direktmarketing umfasst die Direktwerbung und die klassische Werbung (Anzeige, Fernseh-, Radio-Spot) mit Response-Element.

Insbesondere Dienstleistungsunternehmen setzen auf Direktwerbung. Aber der Handel hat in 2003 in besonderer Weise diese Werbeform für sich entdeckt. Hier gab es die stärksten Zuwächse. Ein Grund dafür ist, dass der Handel erkannt hat, dass bei sinkender Kauflust der Kunden mehr Werbung betrieben werden muss.

Dabei werden noch immer viele Fehler gemacht. Wie die Deutsche Post in ihrer aktuellen Direktmarketing-Studie 2004 festgestellt hat, geben 25 Prozent der Unternehmen, die Direktmarketing nutzen, zu, dass sie über zuwenig Know-how verfügen. Sie setzen dieses Instrument zwar ein, sind von ihren Aktivitäten aber nicht überzeugt. Sind sie gescheitert?

Was kennzeichnet die erfolgreiche Werbesendung?

„Die wichtigste Regel für eine Werbesendung ist, sich von anderen abzuheben“, weiß Thomas Jung, Berater im Direktmarketing-Center der Deutschen Post in Mannheim. „Das gilt nicht nur für das Produkt, sondern auch für die Kommunikation, also die Werbesendung selbst. Auch sie muss eine Unique Selling Proposition haben. Hilfreich sind dabei Beobachtung der Wettbewerber und eine gehöriges Maß an Kreativität“, sagt der Experte weiter.

Gerade weil der potenzielle Kunden mit mehreren Tausend Werbeimpulsen täglich bombardiert wird, funktioniert auch Direktwerbung nur, wenn sie gut, das heißt professionell gemacht ist. Drei Faktoren sind für Werbesendungen erfolgsentscheidend:

  1. Das Angebot und der Inhalt der Werbesendung: Es zeigt, wofür Werbung gemacht wird, also Produkt oder Leistung eines Unternehmens.
  2. Die Empfänger-Adresse und der Zeitpunkt der Zustellung: Der Adress-Verteiler muss besonders gut ausgewählt sein, um interessierte Personen als Zielgruppe anzusprechen, wenn diese für das Angebot aufgeschlossen sind (Timing).
  3. Brieftext und Layout sind die Verpackung des Angebots: Wenn sie falsch gestaltet sind, geht man im Kampf um Aufmerksamkeit unter oder verärgert den potenziellen Interessenten – was noch schlimmer sein dürfte.

Im Mittelpunkt einer Werbesendung, steht immer das Angebot, das beschrieben wird und das dem Interessenten nahe gebracht werden soll. Zunächst sind das Produkte oder Dienstleistungen. Es kann aber auch über Sonderverkäufe, besondere Informationstage, Gewinnspiele, Rabatte, neue Funktionen etc. informiert werden. Wichtig ist, dass Angebot und Zielgruppe zusammen passen. So gibt es besondere Werbesendungen für

  • Interessenten, die angeregt werden sollen, Informationen über Unternehmen und Leistungen erstmalig anzufordern;
  • Neukunden, die mit einem attraktiven Angebot angesprochen werden um zu kaufen;
  • Kunden, die Stammkunden werden sollen und deshalb über besondere Vorteile oder eine Bevorzugung informiert werden;
  • Stammkunden, die regelmäßig informiert oder erinnert werden;
  • unzufriedene Kunden, die eine Entschuldigung und ggf. eine Kulanz erhalten;
  • verlorene Kunden, die über ein „Wiedereinstiegs-Angebot“ informiert werden.

Beispiel „Fundsache Geldbeutel“

Der Spezialist für Dialogmarketing akzent design [468] , Mühltal, hat für optovision [469] , einen Dienstleister für Brillengläser, eine Dialog-Marketingaktion bei Optikern [470] durchgeführt; Titel: „Fundsache“. Ziel war es, Neukunden und Interessenten für Marken-Brillengläser zu gewinnen. Das mehrstufige Mailing beinhaltete:

  • Mailing Stufe 1: Eine Original-Leder-Geldbörse wurde in einem Musterbeutel an zuvor qualifizierte Adressen der Zielgruppe versendet. Die Banderole und mehrere Inhaltsteile wurden personalisiert. In jedem Fach fand der Augenoptiker interessante Informationen. Selbst an die Briefmarke für die Antwortkarte und etwas Kleingeld in Landeswährung zum Telefonieren wurde gedacht.
  • Mailing Stufe 2: Brief mit Kunden- und Gewinnspielkarte. Alle Teile personalisiert.
  • Mailing Stufe 3: Brief mit angestecktem Foto und Gewinnspielkarte. Alle Teile personalisiert.
  • Alle Stufen: Personalisierte Website mit vielen nützlichen Informationen, Download- und Bestellmöglichkeiten. Eine Datenbank registrierte alle Zugriffe und leitete diese für das Follow-up weiter.

„Die optovision-Außendienstmitarbeiter bekamen viel zu tun: Mit 186 der 1.500 angeschriebenen Augenoptiker (12,4 Prozent der Zielgruppe) konnte im Aktionszeitraum ein persönlicher Gesprächstermin vereinbart werden. Gespräche, auf die optovision bestens vorbereitet war, hatte man doch im Vorfeld schon einiges über die speziellen Bedürfnisse der angeschriebenen Personen in Erfahrung bringen können“, freut sich Ralf Geselle, einer der Macher bei akzent design.

So war auch der Auftraggeber zufrieden: Er erreichte mit diesem Mailing eine Response-Rate von über 25 Prozent und konnte am Ende 98 neue Kunden gewinnen. Bei 1.500 angeschriebenen Optikern sind das immerhin 6,5 Prozent.

Für ihre Geschichte mit der Fundsache Geldbeutel hat akzent design Gold beim Schweizer Dialogmarketingpreis 2004 und Silber beim Mailing-Tage Award 2004 gewonnen. Das ist sicherlich ein gutes Zeichen für die Erfahrung, die eine Marketing-Agentur im Bereich Direkt-Marketing mitbringt.

„Wer eine Agentur für Direktmarketing anspricht, sollte sich zumindest Referenzen aus diesem Bereich zeigen lassen oder einmal nach möglichen Response-Mitteln fragen. Viele unerfahrene Unternehmen arbeiten blauäugig mit genauso unerfahrenen Agenturen zusammen,“ weiß Thomas Jung vom Direktmarketing-Center Mannheim.

Hinweis

Auf den jährlich stattfindenden Mailing-Tagen in Nürnberg dreht sich alles um den schriftlichen Kundendialog mit Print-, Fax- und E-Mailing. Die Veranstaltung umfasst Messe, Kongress und Workshops zum Thema Mailing. Nächster Termin: 22.-23. Juni 2005.

www.mailingtage.de [471]

Von der Zielgruppe zur richtigen Adresse

Im Idealfall trifft eine Werbesendung auf eine Person, die genau in diesem Moment einen dringenden Bedarf am beworbenen Produkt hat. Dieser Idealfall kommt selten vor. Gleichwohl kann der Werbetreibende durch eine möglichst genaue Definition der Zielgruppe, eine selektive Auswahl von Adressen und das richtige Timing dafür Sorge tragen, dass die Streuverluste gering sind.

Im ersten Schritt muss also die Zielgruppe möglichst genau definiert werden. Sie leitet sich aus den Werbezielen, dem beworbenen Angebot und Rahmenbedingungen ab. Soll der Umsatz mit Stammkunden erhöht werden, kann die Zielgruppe recht einfach aus der eigenen Kunden-Datenbank und mit Hilfe von Data-Mining zusammen gestellt werden. Ist der Besuch eines Außendienst-Mitarbeiters geplant, sollten die Kunden in seinem Einzugsbereich liegen. Geht es um spezielle Brillengläser, sind Optiker die beste Zielgruppe.

Ist klar, welche Zielgruppe angeschrieben werden soll, müssen die richtigen Adressen gefunden werden. Am einfachsten ist das, wenn diese bereits in der eigenen Kunden-Datenbank vorhanden sind – und richtig gepflegt wurden. Korrekte Angaben zu: Firmenbezeichnung, Ansprechpartner, Postadresse sind unbedingt notwendig. Nichts ist peinlicher, wenn aus Frau Mühlen ein Herr Müller wird.

Für das Anschreiben an Neukunden muss man auf externe Adress-Angebote zurückgreifen. Hier ist ebenfalls zu prüfen, ob die Adressangaben vollständig und korrekt sind – soweit es geht. Da professionelle Adressen-Vermittler viele Zehntausende Adressen vorhalten, muss auch hier geschickt selektiert werden. Sonst wird ein Mailing schnell unbezahlbar, und die Streuverluste sind hoch.

Um die Adress-Datenbank immer auf einem aktuellen Stand zu halten, helfen Response-Elemente. Das sind zum Beispiel Antwortkarten als Teil der Werbesendung, über die die angeschriebene Person ihre Adressdaten korrigieren oder ergänzen kann. Auch Außendienstmitarbeiter oder Verkaufspersonal können dafür eingebunden werden, dass ausgefüllte Response-Elemente ihren Weg zurück zum Unternehmen finden. Was gehört außerdem in die Werbesendung?

Der richtige Werbebrief

Ein Werbebrief setzt sich aus mindestens drei Elementen zusammen:

  1. der Versandhülle
  2. dem Anschreiben
  3. dem Response-Element

In manchen Fällen können zusätzlich Broschüren oder besondere Elemente beigelegt werden, die die Aufmerksamkeit des Empfängers auf sich ziehen sollen. Der verlorene Geldbeutel ist ein Beispiel dafür.

Die Versandhülle ist wie das Schaufenster eines Geschäfts. Es soll den Empfänger neugierig machen, den Laden zu betreten – oder eben den Brief zu öffnen. Viele Unternehmen setzen hier auf „Personalisierung“. Dazu gehören die persönliche Adresse und ggf. grafische Elemente auf der Versandhülle, die den Eindruck erwecken, als hätte man einen Brief von einem guten Freund erhalten. Selbst die Frankierung kann eine Rolle spielen. Manchmal macht aber gerade die schlichte Hülle neugierig, den Brief zu öffnen.

Das Anschreiben ersetzt das Verkaufsgespräch. Dort gehört also die Informationen rein, die auch der Außendienstmitarbeiter nutzen würde, um den potenziellen Kunden zu interessieren oder zu überzeugen. Vor allem ist das der Hauptnutzen, den der Leser des Anschreibens hat, wenn er der Aufforderung der Werbesendung nachkommt.

Das Response-Element zeigt, ob die Werbesendung erfolgreich war. Es kann eine einfache Antwortkarte sein, mit der der Empfänger sein Interesse an den Leistungen und Produkten des Unternehmens bekundet. Es kann aber auch die Nummer einer Hotline sein oder eine Web-Adresse, die besucht werden soll.

Um diese Response-Aktivität anzuregen, kann beispielsweise ein Teil eines Werbegeschenks beigelegt werden, das dann vervollständigt wird, wenn der Empfänger Kontakt mit dem Unternehmen aufnimmt.

Die Gestaltung des Anschreibens

Das Anschreiben ist das wichtigste Element der Werbesendung. Es soll aufmerksam machen, Interesse wecken und motivieren aktiv zu werden. Da ist Kreativität gefragt. Gleichzeitig müssen aber einige Regeln in jedem Fall eingehalten werden:

  • Die korrekte Adresse und Anrede des Empfängers zeigen, dass die Werbesendung für ihn persönlich bestimmt ist; er fühlt sich angesprochen.
  • Absender und Logo zeigen unmissverständlich, von wem der Brief stammt; wenn das Unternehmen beim Empfänger bekannt ist, ist er meistens aufgeschlossener.
  • Überschrift/Betreff müssen sofort sagen, worum es für den Empfänger geht.
  • Hervorhebungen und Signalwörter im Text sagen klar, was der Leser für Vorteile und Nutzen erwarten kann und was er tun soll.
  • Eine wichtige Botschaft steht immer im Post-Scriptum; denn das wird meistens als aller erstes gelesen.
  • Die persönliche Unterschrift unterstreicht die persönliche Ansprache; es schreibt nicht irgendwer, sondern der Chef selbst – eine Form der Wertschätzung.

In der Überschrift „erwartet der Leser einen Nutzen, den er davon hat, wenn er das Schreiben liest“, weiß Gerold Braun [472] Experte für Direktmarketing. Er meint außerdem: „Es gibt noch 2 weitere Möglichkeiten der Ansprache, die, wenn sie ankommen, umwerfend funktionieren: Humor und/oder Provokation. Dabei muss man allerdings sehr vorsichtig sein bzw. die Befindlichkeit in der Zielgruppe sehr gut kennen.“

Innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheidet der Empfänger aufgrund dieser Merkmale: Lesen oder Papierkorb?

Die Erfolgskontrolle ist der erste Schritt zur Verbesserung

Wo die Werbesendung letztlich landet, ist nur schwer messbar. Was sich aber leicht ermitteln lässt, ist die Antwort-Rate, also die Anzahl der Empfänger, die das Response-Element zurück senden. Viele Unternehmen meinen, sie kümmerten sich nicht genug um das Erfolgs-Controlling. Das hat die Deutsche Post in ihrer Direktmarketing-Studie 2004 herausgefunden. Ein wesentlicher Punkt der im Argen liegt.

Trotzdem planen viele Unternehmen, ihre Direktmarketing-Aktivitäten auszubauen. Die Werbesendung soll in Zukunft mit anderen Elementen verknüpft werden. Ganz vorne stehen dabei das Couponing und das Internet. Nicht zuletzt deshalb, weil hier hohe Antwort-Raten erzielt werden. Und diese sind ein zentraler Erfolgsmaßstab.

„Response-Raten können nur sehr schwer vorhergesagt werden, aber viele Interessenten fragen mich danach. Klar ist, dass sie bei der erstmaligen Ansprache von möglichen Interessenten niedriger ist, als bei einem Anschreiben an Stammkunden“, sagt Thomas Jung vom Direktmarketing Center Mannheim. „Besser planbar ist der Break Even, also der Umsatz, der aus einer Mailing-Aktion resultieren soll, damit sich die ganze Aktion zumindest selbst trägt.“

Und das ist letztlich das Ziel von Werbung: Mehr geschäftlichen Erfolg erzielen!

Linktipps:

http://www.direktportal.de [473]

Die Deutsche Post bietet auf Ihrer Webseite umfassende Informationen zum Thema „Direktmarketing“ [474] .

Direkte Hilfe erhalten Sie auch bei den zahlreichen Direktmarketing-Center der Deutschen Post. Sie beraten kostenlos und haben zahlreiche konkrete Angebote für kostengünstige Werbesendungen von der Konzeption über Gestaltung und Adressauswahl bis hin zum Versand.

Für die Analyse von Regionen und potenziellen Zielgruppen, ihrer Kaufkraft und möglichen Umsatzpotenzialen bieten sich spezielle Analyse-Werkzeuge als Geo-Informations-Systeme (GIS) an. Ein Beispiel finden Sie bei

http://www.macon.de/gis/... [475]

Buchtipp:

Praktische Formulierungshilfen für Werbebriefe erhält der Leser in: Michael Brückner, Werbebriefe in Textbausteinen, Frankfurt, 2002.

[jf; Fotos: akzent design]

Kaufkräftig: Erfolgreich verkaufen an die anspruchsvolle Zielgruppe Best-Ager

Wider den Trend erfolgreich verkaufen

Seit mehreren Jahren verzeichnet der Einzelhandel einen Absatzeinbruch. Mittlerweile wird selbst eine Stagnation von Verkaufszahlen schon als Erfolg gewertet. Zugleich ist die Werbebranche – die bisher stetige Zuwachszahlen verzeichnen konnte – damit beschäftigt, sich aus einer Krise zu befreien. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass eine entscheidende Veränderung der Konsumkultur stattfindet. Viele Händler beklagen insbesondere das kontinuierliche Schrumpfen der preislichen Mitte, wofür bereits der Begriff „tote Mitte“ eingeführt wurde. Währenddessen verlagert sich der Konsum auf die früheren Randgebiete, den Billig- und Hochpreisbereichen. Um aber im Hochpreisbereich weiterhin gute Verkaufserfolge zu erzielen, müssen sich Markt und Verkäufer stärker an den Kundenbedürfnissen der einzelnen Kundengruppen orientieren. Hierbei sind zum Teil erhebliche Defizite zu verzeichnen.

Diese Defizite zeigen sich, obwohl in den letzten Jahren immer breitere und tiefer gehende Kundentypologien erschaffen wurden. Mithilfe dieser soll sich der Händler auf seine Kundschaft ausrichten und so seine Zielgruppenansprache verbessern, um schließlich die Verkaufzahlen zu erhöhen. In letzter Konsequenz führt die permanente Begriffsneubildung oft eher zu Verwirrungen. Händler und ambitionierte Verkäufer werden mit einer rasend steigenden Anzahl von Begriffen bombardiert, mit denen die Zielgruppen und Kundentypen analysiert werden sollen. Fortwährend werden neue Begriffe für die Zielgruppen- und Kundentypologie erschaffen und verbreitet, bereits bestehende Begriffe werden weiter differenziert. Andere Begriffe sind äußerst kurzlebig und verschwinden wieder aus der Fachliteratur, ohne dass sich ein effektiver Nutzen der Definition nachweisen lässt. Auch werden ein und dieselben Begriffe häufig in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet.

Dadurch geht vielen Marktstrategen bald der Überblick verloren, zumindest aber sinkt das Interesse an der eingehenden Beschäftigung mit den aktuellen Forschungsergebnissen. Tatsächlich ist es oft so, dass sich interessierte Händler mit einer fast unüberschaubaren Anzahl von Begriffen und Definitionen herumschlagen müssen. Für große Konzerne ist dies noch zumutbar, da hier entsprechendes Fachpersonal zur Verfügung steht – viele Einzelhändler sind, mit gutem Grund, schlichtweg überfordert.

Verkaufen an Best Ager

Gerade im hochpreiseigen Bereich ist es entscheidend zu wissen, wer die potentiellen Kunden überhaupt sind, welche Ansprüche sie haben, was sie zum Kaufen bewegt, was sie zum Wettbewerb treiben kann und wie neue Kunden hinzugewonnen werden können.

Auch aufgrund der demographischen Entwicklung hat sich in den letzten Jahren eine neue Kundengruppe gebildet, die in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird: die „Best Ager“. Wie sich zeigen wird, sind die „Best Ager“ für die Verkäufer von hochpreisigen Waren von besonderer Bedeutung, da diese zugleich über eine hohe Kaufkraft und eine große Konsumbereitschaft verfügen. Ihr Potenzial für den Premiumverkauf kann kaum überschätzt werden. Weil es hier möglich ist, neue Kunden zu gewinnen und die Absätze an diese Kunden insgesamt stark zu erhöhen, verdienen die „Best Ager“ ausdrückliche Berücksichtigung. Denn es sind gleichzeitig auch Kunden mit speziellen Ansprüchen, die nur dann zum Kauf bereit sind, wenn ihre – nicht geringen – Ansprüche in den Verkaufsprozess miteinbezogen werden.

Guten Verkaufserfolgen im Premiumbereich stehen nicht etwa mangelnde Informationen im Wege, vielmehr gilt es die richtigen Informationen in übersichtlicher Form zu erhalten, um diese dann tatsächlich auch in die Praxis zu übertragen. – Unabhängig von jeder Zielgruppe steht noch immer der Mensch selbst. Wenn Sie hochpreisige Waren an Ihre Kunden verkaufen wollen, so ist es von Vorteil, den Menschen, der sich hinter dem Kunden verbirgt, zu erkennen. Sie als Verkäufer müssen sich auf jeden Kunden, insbesondere in langen Verkaufsgesprächen, immer wieder erneut einstellen können. Diese Einstellung auf den Kunden muss teilweise zudem sehr schnell erfolgen, spätestens nachdem Sie die ersten Sätze mit dem Kunden gewechselt haben, sollten Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben. Tatsächlich ist es möglich, schon in der Zeit vom Betreten der Geschäftsräume bis zum ersten direkten Kontakt mit dem Kunden (was oft nur wenige Sekunden dauert) Wesentliches über den Kunden zu erfahren. Einige Signale und Verhaltensweisen sind hier besonders aufschlussreich – wenn Sie in der Lage sind, diese zu interpretieren, können Sie manchmal schon bei der Begrüßung den richtigen Ton treffen.

Alle Möglichkeiten ausschöpfen

Jeder Verkäufer und jeder Händler will und muss seine Waren verkaufen. Aber nur selten wird das komplette Potenzial aller Möglichkeiten zum Verkauf ausgenutzt, was gerade im Premiumbereich ein teures Manko sein kann. Anhand einer Unterteilung des Verkaufprozesses in einzelne Verkaufsphasen kann man den Verkäufern zeigen, an welchen Stellen des Verkaufsgespräches Fehler gemacht und, vor allem, wie diese vermieden werden können. Die Bedeutung des Verkaufsgesprächs wird tatsächlich noch oft unterschätzt. Auch glauben viele Verkäufer, dass sie gute Verkäufer sind und daher nicht mehr hinzuzulernen brauchen. Dies ist gerade in Zeiten veränderter Konsumgewohnheiten ein fataler Irrtum, Stillstand und ein Beharren auf frühere Verkaufsmethoden sind sicher nicht geeignet, um sinkenden Absatzzahlen entgegenzutreten.

Das Ziel ist es, die Verkaufzahlen zu steigern und die Verkäufer zu sensibilisieren, dass ein verpatztes Verkaufsgespräch mehr als der Verlust eines einzigen Verkaufserfolges sein kann. – Häufig wird übersehen, dass ein Verkaufsgespräch nicht allein dem einmaligen Verkauf einer Ware dient. Das Verkaufsgespräch ist, wie jedes Gespräch mit einem Kunden, entscheidend für die Kundenbindung und auch für die Hinzugewinnung neuer Kunden. Noch immer ist es so, dass Werbe- oder andere Maßnahmen zur Neukundengewinnung entschieden kostspieliger sind, als die Mund-zu-Mund-Propaganda eines zufriedenen Kunden. Der Verkäufer ist also weitaus mehr als ein die Waren Anbietender, er ist ein wichtiges Element im gesamten Verkaufsprozess eines jeden Unternehmens.

Was erwarten Premium-Kunden und Best Ager?

Die hohen Ansprüche der Kunden im Premiumbereich – und gerade die der „Best Ager“, welche sich kompetentes Fachpersonal wünschen – lassen die Anforderungen an den Verkäufer weiter steigen. Nicht zuletzt ist der Verkäufer auch derjenige, der den hohen Preis der Waren dem Kunden gegenüber vertreten muss. Die Rolle des Verkäufers gewinnt demnach weiter an Bedeutung – eine systematische Methodik, die ihm einen Rückhalt im Verkaufsprozess gibt, wird damit geradezu zwingend erforderlich.

Viele Kunden, die hohe Preise für eine Ware zahlen, erwarten nicht alleine erstklassige Qualität vom Produkt selbst. Die Kundenerwartungen richten sich verstärkt auch immer mehr an den Service. An dieser Stelle gilt es anzusetzen, denn hier ist es möglich, der Konkurrenz den entscheidenden Schritt voraus zu sein. Maßnahmen dieser Art dürfen dabei von unternehmerischer Seite nicht als bloßer Service am Kunden oder gar als kostspielige Zusatzleistung verstanden werden. Dabei ist die Kundenzufriedenheit alles andere als ein netter Nebeneffekt, sie wird sich in den künftigen Umsätzen niederschlagen und neue Kunden auf Ihr Unternehmen aufmerksam machen. Wie wenige Händler die Kundenzufriedenheit als Mittel der Absatzsteigerung erkannt haben, lässt die schon fast sprichwörtlich gewordene Floskel von der Servicewüste Deutschland erkennen. Erstaunlich ist hier vor allem auch, dass jeder schon davon gehört hat, sich aber kaum jemand berufen sieht, die sich daraus ergebenden Chancen in die Tat umzusetzen. – Besonders negativ wird oft das (nur selten vorhandene) Beschwerdemanagement bewertet. Hier lassen sich mit einfachsten Mittel erstaunliche Verbesserungen erzielen, die wiederum nicht nur die Zufriedenheit des Kunden erhöhen, sondern auch die Verkaufszahlen des Unternehmens verbessern.

„Best Ager“, eigentlich alle Käufer hochpreisiger Waren, stellen Anforderungen an das Produkt, den Verkäufer und an das Unternehmen selbst. Wenn diesen Ansprüchen auf vernünftige Weise entsprochen wird, erhöht sich die Motivation des Kunden. Er wird gerne und wiederholt bei Ihnen einkaufen und Sie zudem weiterempfehlen. Die Maßnahmen, die für nachhaltig gute Verkauferfolge wichtig sind, verschlingen dabei nur selten große Summen an Investitionen. Eine Steigerung der Verkaufszahlen liegt letztendlich in Ihrer Hand, die Erfolgstreppe müssen sie Schritt für Schritt selbst besteigen. Der erste Schritt auf der Treppe zum Verkaufserfolg erfordert einen entschlossenen Willen, Energie und auch den Mut, sich von den Fehlern der Wettbewerber abzugrenzen.

Best Ager: Die neuen anspruchsvollen Kunden – Alles andere als langweilig!

Einige Produkte, wie z. B. das Mobiltelefon, sind über viele Altersschichten hinweg gleichermaßen verbreitet. Doch beim Kauf eines Mobiltelefons nebst Karte erhält man das neu Erworbene oftmals zusammen mit einigen Hochglanzbroschüren im gewollt pubertären Layout – zuweilen selbst dann, wenn es sich nicht um ein Billigprodukt handelt. Im Informationstext über den Mobilfunkanbieter steht direkt zu Beginn: „Wenn Du heute Deine Karte aktivierst, nennst Du uns Deinen Namen und Deine Adresse.“ Für den 16-jährigen Käufer mag das alles völlig in Ordnung sein. Aber schon der auch nur um einige Jahre ältere Kunde will sich womöglich nicht mehr dauergeduzt wissen und fühlt sich auch kaum von den smarten Boys auf der Verpackung repräsentiert. – Auch wenn ein allmählicher Wandel nicht zu leugnen ist, noch immer reduzieren die Marketingentscheider ihre Zielgruppenansprache auf die heftig umworbene Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Wenn hierbei nun – was nicht selten der Fall ist – davon ausgegangen wird, dass die Kommunikationsmittel, die den 20-Jährigen ansprechen, auch für den 40-Jährigen taugen, dann geraten schon diese in eine kommunikative Randzone. Der Fokus bleibt auf den jüngeren Teil dieser Zielgruppe gerichtet.

Die Zielgruppe mit der größten Kaufkraft

Zielgruppenanalysen haben letztendlich den Zweck, die Marketinginstrumente auf eine definierte Käufergruppe auszurichten und wollen damit den Umsatz erhöhen. Bei solchen Untersuchungen sind zwei Faktoren von besonderer Relevanz: die zahlenmäßige Größe und die Kaufkraft einer Zielgruppe. Und hier sprechen alle Untersuchungen eine deutliche Sprache, die so genannten „Best Ager“ vereinen Quantität und finanzielles Potential. Schon heute verfügen die über 44-Jährigen (mit ca. 12,3 Milliarden Euro) über deutlich mehr Kaufkraft als Jugendliche und junge Erwachsenen zusammen. Die Tendenz ist steigend. Laut Berechnungen des statistischen Bundesamtes sind (2004) mehr als die Hälfte der Bundesbürger über 40 Jahre alt, bereits 2030 wird die Hälfte aller Deutschen schließlich sogar über 50 Jahre alt sein.

„Best Ager“ – ein dehnbarer Begriff

Einige Dienstleister – insbesondere aus den Bereichen Tourismus, Versicherungen und dem Finanzsektor – haben sich als erstes auf die veränderte Anspruchslage der „neuen Alten“ eingestellt. Seitdem kursieren viele mehr oder weniger sinnvolle Begriffe („Midager“, „Silver Ager“, „Baby Boomer“, „Golden Oldies“, „50plus“ usw.), für die neu entdeckte Zielgruppe, die über das Alter der jungen Erwachsenen hinaus, aber noch nicht im herkömmlichem Sinne alt ist – den Best Agern.

Zugleich werden die unterschiedlichen Begriffe recht unsystematisch für verschiedene Altersschichten verwendet – gemeint sind einmal alle über 40, dann die über 50 oder auch diejenigen zwischen 50-69 oder 45-60. Letztendlich bleibt es wenig zweckmäßig, mithilfe von konkreten Altersangaben, hier eine einengende Begriffsdefinition vorzunehmen. Vielmehr sollte eine Sensibilisierung für eine bestimmte Konsumentengruppe mit spezifischen Ansprüchen erreicht werden. Die Gruppe der „Best Ager“ zeichnet sich nicht alleine durch die Zugehörigkeit zu einer festgesetzten Altersgruppe aus, sondern eben auch durch bestimmte Charakteristika – bei denen das Alter zwar eine Rolle spielt –, die dabei sowohl auf Menschen mit 40 als auch auf über 60-jährige zutreffen können.

Generell ist daher festzuhalten, dass – aufgrund der demographischen Entwicklung – eine immer größer werdende Gruppe von Menschen entsteht, die sich in der zweiten Lebenshälfte befindet. Zu dieser Zielgruppe zählen diejenigen Personen, die aufgrund ihrer Alters, nicht mehr zu den jungen Erwachsenen gezählt werden können, aber auch ältere Menschen, für die die herkömmliche Kategorie „Senioren“ eine völlig unzutreffende wäre. Die finanzielle Kaufkraft der „Best Ager“ ist heute schon enorm, innerhalb der nächsten Jahrzehnte wird das wirtschaftliche Potenzial dieser Zielgruppe weiter wachsen.

Wie eingangs beschrieben, haben sich einige Marktsegmente noch immer nicht auf die neue Zielgruppe eingestellt. Um hier ein Umdenken – und damit Verkaufserfolge – zu erreichen, ist es notwendig, die besonderen Eigenschaften dieser Kundengruppe näher zu betrachten.

Die vernachlässigte Zielgruppe

Um es direkt zu sagen: „Best Ager“ (auch nicht die über 60) sind keine alten Greise, die sich nur für Coregatabs interessieren oder sich auf Butterfahrten überteuerte Kochtöpfe und Heizdecken andrehen lassen. Gleichwohl fühlen sie sich von der lauten, hektischen und plakativen Werbesprache einer übertriebenen Jugendkultur abgestoßen. – Die „Best Ager“ haben nicht selten ein ansehnliches Vermögen angesammelt und verfügen damit über größere finanzielle Spielräume als jede andere Gruppe. Ihre gleichzeitige Konsumfreudigkeit müsste sie dazu prädestiniert machen, besonders geschickt umworben zu werben – nur genau dieser Aspekt wird nach wie vor vernachlässigt. Obwohl sie seit Jahren in Werbekreisen als „heißer Tipp“ gelten – passende Strategien wurden bisweilen nur selten entwickelt. Auch wenn die spezifischen Charakteristika der „Best Ager“ in gewisser Weise ambivalent sind, wird bei näherer Betrachtung rasch klar, was die Zielgruppe vom Markt erwartet.

„Best Ager“ fühlen sich jung, sind bei weitem keine Senioren, grenzen sich aber von den „jungen Erwachsenen“ ab. Mit dem Älterwerden werden persönliche Interessen, Vorstellungen und Eigenarten ausgeprägter. Die mittlere und auch ältere Generation fühlt sich dabei zumeist 10 bis 15 Jahre jünger als sie tatsächlich ist, sie sieht sogar jünger aus als die vorherige Generation. „Der Best Ager, der beispielsweise 55 ist, wie 48 aussieht, sich wie 42 fühlt und wie 39 verhält, wird keine Ausnahme sein.“ (Quelle: Elke Verheugen: Generation 40+ Marketing). Man ist versucht hinzuzufügen: Er ist schon heute keine Ausnahme mehr.

Der „Best Ager“ fühlt und sieht sich in der Mitte des Lebens und meint, dass es nun an der Zeit sei, das Leben zu genießen. Er will sich ein schönes Leben machen – anstatt zu sparen. Es gilt das Motto: „Ich habe es mir verdient, jetzt ist es an der Zeit, dass ich es mir gut gehen lasse.“ Die Weichen dafür sind gestellt: Die Kinder sind ausgezogen, man sitzt fest im beruflichem Sattel oder befindet sich manchmal auch schon in der Pensionierung. Der „Best Ager“ will die Früchte seiner Arbeit nun ernten und die gute finanzielle Ausstattung nutzen, um seinen Lebensstandard zu erhöhen. – Nebenbei bemerkt, gerade die „Best Ager“ sind diejenigen, bei denen oftmals auch größere frei werdende Mittel zur Verfügung stehen. Sie sind es, die beispielsweise einen Großteil der künftigen Hinterlassenschaften erben wird – und dies sind, einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge zufolge, immerhin 2 Billionen Euro.

Finanzstarke Konsumprofis mit hohen Ansprüchen

Ein ungetrübter Blick auf das Ausgabe- und Konsumverhalten der „Best Ager“ wird von einigen Vorurteilen verhindert. „Best Ager“ (auch nicht die Älteren) sind keineswegs krank, gebrechlich, konsumfeindlich, traditionell und passiv – nicht einmal die oft zitierte Markentreue trifft zu. Die Wahrheit ist: Sie sind aktiv, konsumfreudig, flexibel, experimentierfreudig und innovationsbereit, aber – sie haben höhere Ansprüche. Und ihre hohen Ansprüche richten sich zugleich an das Produkt, die Marketing- und Werbestrategie und an den Verkäufer.

Dass hier nun ein Kurswechsel zwingend erforderlich und längst überfällig ist, erkennen mittlerweile auch viele Werbetreibende. Mittels einer adäquaten Strategie und einer angemessenen Ansprache der „Best Ager“ können Vorteile bei dieser Zielgruppe gewonnen werden, die eine Umsatzsteigerung nach sich zieht. Wer jetzt schnell und richtig handelt, kann sich einen entscheidenden Vorsprung vor seinen Mitbewerbern sichern. Das gilt für viele Marktbereiche, insbesondere jedoch für Anbieter und Verkäufer von Produkten im Hochpreissegment. – Gerade in Zeiten einer allgemein angespannten Wirtschaftslage sind viele Konsumenten Sparzwängen unterworfen, wodurch der Absatz hochpreisiger Waren besonders schwierig wird. Auch wenn eine verschlechterte ökonomische Situation an den „Best Ager“ nicht völlig spurlos vorübergeht, sie sind es, die hiervon oft noch am wenigsten betroffen sind. Gleichzeitig ist die Bereitschaft bei ihnen grundsätzlich groß, höhere Preise zu bezahlen, wenn denn der Nutzen eines Produktes erkannt wird.

Der „Best Ager“ ist ein konsumfreudiger Kunde, er ist gut bei Kasse und durchaus bereit, auch einen höheren Preis zu bezahlen, nur der Gegenwert muss stimmen. Er ist in einem Alter, in dem er Qualität und Komfort zu schätzen weiß. Der „Best Ager“ ist bestrebt, seinen Lebensstil und seine Lebensqualität zu verbessern, will genießen und nun endlich seine lang gehegten Träume verwirklichen. Dass Qualität seinen Preis hat, ist ihm klar.

Aber so groß die Konsumbereitschaft und Finanzkraft auch ist, zielloses Geldausgeben entspricht nicht der Art dieser erfahrenen Kunden. Die Zielgruppe weiß genau, was sie will, ist selbstbewusst und kompetent. Sie ist gut informiert und will auch umfassend informiert werden. Vor jeder größeren Anschaffung benötigt der „Best Ager“ viel Informationsmaterial; im Verkaufsgespräch erwartet er eine eingehende persönliche Beratung. Er ist ein Konsumprofi und lässt sich nicht leicht hinters Licht führen und kennt die üblichen Verkaufstricks. Nur mit überzeugenden Argumenten, die die tatsächliche Qualität einer Ware untermauern, wird sein Interesse geweckt.

Priorität haben für ihn Wertmaßstäbe wie Haltbarkeit, Zeitlosigkeit und funktionaler Nutzen der Produkte. Vor dem Kauf werden diese und ähnliche Attribute einer sorgfältigen Prüfung unterzogen. Wenn die Qualität stimmt, fachliche Beratung und ein ansprechendes Ambiente im Geschäft gegeben ist, ist der Kunde bereit, auch einen entsprechenden Preis für das Produkt seiner Wahl zu zahlen. Dabei gilt der „Best Ager“ als markentreu – allerdings ist er es nur so lange, wie er nachhaltig mit einer Marke zufrieden ist. Ist er einmal verärgert, hindert ihn nichts, auf eine andere Marke zu wechseln. Dieses resolute Verhalten hängt auch damit zusammen, dass Marken für den „Best Ager“ – im Gegensatz zu den jüngeren Konsumenten – kaum noch als soziales Signal oder als Prestigeobjekte empfunden werden: Qualität und Haltbarkeit sind die entscheidenden Faktoren.

Entgegen der oft noch vorherrschenden Meinung sind die „Best Ager“ dabei sehr wohl an neuen Technologien und neuen Produkten interessiert. Sie wollen Neues ausprobieren und nicht den Anschluss an innovative Entwicklungen verpassen. – Gleiches gilt für moderne Vertriebswege: Der „Best Ager“ ist ein aktiver Internetnutzer, gerne wird das Medium für Produktinformation und Einkauf genutzt. Tatsächlich hat die Anzahl der Internetnutzer unter den „Best Agern“ innerhalb der letzten Jahre eine enorme Zuwachsrate erfahren. Das Home-Banking bspw. ist bei keiner anderen Altergruppe so ausgeprägt wie bei den reiferen Verbrauchern. Aber gerade auch das Beispiel Internet zeigt, dass – hinsichtlich der „Best Ager“ – eine bedarfsgerechte Vermarktung noch immer eine Ausnahme bleibt. Auch hier bleiben enorme Potentiale ungenutzt, denn eine gezielte Anwerbung und Bedienung der tatsächlichen Bedürfnisse der „Best Ager“ erfolgt oft noch nicht. (Hier sei nur auf die mangelnde Lesbarkeit vieler Websites bei Verwendung von zu kleinen Schriftgrößen und verwirrenden Layouts hingewiesen.)

„Best Ager“ und die Werbung

In der Zielgruppenansprache der „Best Ager“ haben bisher einige Anbieter von Kosmetik- und Wellness-Produkten durchaus geschickt gehandelt. Aber hier sind die Bedürfnisse der „Best Ager“ vielleicht auch am offensichtlichsten: Gesundheit in Verbindung mit gutem Aussehen gelten als Voraussetzungen für ein aktives Leben. Dabei geht es weniger um die Heilung konkreter Krankheiten, sondern vielmehr um die Vorbeugung und die Förderung des Wohlbefindens. Damit wird die Prioritätenliste der „Best Ager“ ganz oben getroffen, wodurch der Konsum kräftig angekurbelt wird – was den Herstellern und Anbietern einen wahren Boom beschert.

Die Werbung zeigt sich in der Ansprache dieser bedeutenden Zielgruppe allzu oft nur wenig kompetent und kaum kreativ. Nicht selten bleiben die „Best Ager“, zugunsten der jüngeren Generation, bei einer gezielten Ansprache sogar komplett ausgeklammert. Viele Versuche der Werbeindustrie, mit ihnen ins Geschäft zu kommen, werden als ungelenk und sogar abschreckend empfunden. Ein Grund dafür könnte in der Tatsache zu finden sein, dass viele Werbemacher selbst oft sehr jung, jedenfalls nur selten über 35 sind. Diesen fehlt der Zugang zur älteren Zielgruppe. Permanentes Duzen (wie im eingangs beschriebenen Beispiel), und die fast manisch anmutende Verwendung der englischen Sprache oder von aussagelosen Kunstwörtern sind Belege für absolut mangelhafte Berücksichtigung der Bedürfnisse der „Best Ager“.

Dabei wird Werbung im Prinzip als wichtiges Informationsmittel wahrgenommen, zugleich ist aber die große Mehrheit aller „Best Ager“ der Meinung, dass der Werbefokus ganz eindeutig auf der Jugendkultur liegt, dass die Werbung für Jüngere gemacht ist. Emotionale, oberflächliche und reizbetonte Werbebotschaften sind für den „Best Ager“ wenig verlockend, vielmehr wünschen sich diese einen höheren Informationsgehalt, bspw. hinsichtlich der Qualität und bezüglich der Serviceleistungen.

Die an den Bedürfnissen vorbeischießenden Werbebotschaften sind in doppelter Hinsicht unverständlich: Zum einen werden die Wünsche der quantitativ größten (und weiter wachsenden) Zielgruppe kontinuierlich missachtet, zum anderen trifft es dabei auch noch eine überaus konsumfreudige und zahlungskräftige Kundschaft, die tatsächlich umworben werden will.

Der Verkäufer als entscheidende Schnittstelle zwischen Kunde und Ware

Der Absatz hochpreisiger Produkte und Dienstleistungen ist oft schwieriger als der Verkauf von Billigprodukten. Dieses Problem verstärkt sich zudem während konjunkturschwacher Zeiten, von deren Auswirkungen die „Best Ager“ erfahrungsgemäß weniger betroffen sind als andere Zielgruppen. Und gerade die Bereitschaft der „Best Ager“, lieber einen hohen Preis für anerkannte Qualität und gute Serviceleistungen zu zahlen, als günstige – aber dafür unter Umständen minderwertige – Produkte zu erwerben, machen sie gerade für diesen Marktbereich so interessant. Dabei sind sie sich ihrer Bedeutung und ihrer Kaufkraft durchaus bewusst – selbstsicher sind sie der Meinung, dass sie ihre hohen Ansprüche mit vollem Recht stellen können. Sie zahlen schließlich auch einen hohen Preis für erstklassige Qualität, um ihr Leben komfortabel und aktiv zu gestalten.

Die hohen Erwartungen richten sich dabei nicht allein an das Produkt oder die Dienstleistung selbst – auch die Vermarktung soll den hohen Ansprüchen entsprechen. – Wo sich die Werbung nun währenddessen noch oft ignorant verhält, eine zufrieden stellende Kundenansprache bemängelt wird und sogar Verpackungen und Informationsmaterialien häufig eher auf jüngere Kundenschichten zugeschnitten sind, ist es die diffizile Aufgabe des Verkäufers, diese Versäumnisse aufzufangen. Der Verkäufer tritt dem Kunden im direkten Kontakt gegenüber, der selbstbewusste „Best Ager“ wird ihm dabei unmittelbar mit seinen Erwartungen konfrontieren und schließlich nur dort kaufen, wo er sich gut und kompetent beraten sieht. Wichtig ist, den individuellen Bedürfnissen und Erwartungen der Kunden zu entsprechen, den richtigen Ton zu treffen und die Kunden dabei richtig einzuschätzen.

Die Anforderungen an den Verkäufer sind insbesondere beim Verkauf von Premiumprodukten sehr hoch – zumal dann, wenn es sich um ohnehin kritische und äußerst konsumerfahrene Kunden handelt. Die Chance, hier nicht allein einen einmaligen Verkauf zu erzielen, sondern neue Stammkunden hinzuzugewinnen, ist bei Premiumkunden tatsächlich groß – ebenfalls jedoch die Möglichkeit, diese Kunden zu verärgern und den Mitbewerbern zuzutreiben. Die Basis für dauerhaft gute Verkaufserfolge ist eine richtige und individuelle Einschätzung des Kunden. Gerade der „Best Ager“ erwartet – wie fast jeder Käufer von hochpreisigen Waren – besondere Aufmerksamkeit (was gleichzeitig jedoch nicht heißt, dass andere Zielgruppen grundsätzlich geringere Ansprüche haben). Zudem ist zu beachten, dass dem „Best Ager“ zwar gewisse Charakteristika zugeschrieben werden, dass sich diese Zielgruppe – wie jede andere auch – nochmals in differenzierte Kundentypen untergliedert.

Im Verkauf und dem Verhalten des Verkäufers stecken große Potentiale, die zur Absatzsteigerung genutzt werden sollten. Um diese Potenziale auszuschöpfen, kann jeder Anbieter und Verkäufer seine Kunden niemals gut genug kennen, damit den spezifischen Kundenbedürfnissen entsprochen werden kann.

Emotionale Kaufentscheidungen

Viele Kaufentscheidungen und der Kauf selbst sind meistens emotionale Prozesse, das gilt vor allem für den Premiumbereich. Hier geht es oft nicht allein um die Deckung eines zwingend notwenigen Bedarfs, sondern – wie wir gesehen haben – gerade bei den „Best Agern“ vielmehr um die Erhöhung der Lebensqualität durch den Kauf von Qualitätsprodukten. Die Emotionen des Kunden spielen gerade dann eine entscheidende Rolle, wenn ein Produkt auf Komfort abzielt und hier einen Zugewinn verspricht.

Die Emotionen des Kunden können positiv beeinflusst werden, um so das Kaufinteresse zu erhöhen. Viele Ihrer Kunden besitzen quasi „alles“. Viele Premiumkunden – und hier gerade die „Best Ager“, die einen erheblichen Anteil Ihrer Kundschaft ausmachen – sind fast immer schon sehr gut und mit einer Vielzahl von Waren ausgestattet, weitere Kaufentscheidungen sind umso mehr emotional motiviert. Glücklicherweise handelt es sich bei Ihrer Hauptzielgruppe, den „Best Agern“, insgesamt um konsumfreudige und zahlungskräftige Kunden. Dass schon heute mehr als die Hälfte aller Bundesbürger über 40 Jahre alt sind und die Hälfte aller Deutschen bis 2030 sogar über 50 sein werden, das sind Fakten, die nicht oft genug wiederholt werden können. Diese Zahlen müssten für sich sprechen und alle am Handel Beteiligten unverzüglich dazu motivieren, ihre Angebote und Kundenansprache gezielt auf die Ansprüche dieser Kunden anzupassen. Doch große Teile des Marktes haben die Bedeutung der „Best Ager“ noch immer nicht ausreichend erkannt – das ist Ihre Chance, um sich entscheidende Marktvorteile zu sichern.

Was die „Best Ager“ vom Produkt und von Ihnen als Verkäufer erwarten, konnten Sie in diesem Artikel erfahren. Es handelt sich hier tatsächlich um Ihre bedeutendste Zielgruppe, von deren Konsumverhalten erhebliche Teile Ihrer Umsätze abhängen. Wenn Sie dauerhaft eine gute oder sogar führende Position auf dem Markt behaupten wollen, wird dies nicht möglich sein, ohne die Anforderungen Ihrer Zielgruppe zu berücksichtigen.

Diese Anforderungen sind bisweilen hoch, „Best Ager“ sind konsumerfahren und kritisch, aber sie sind auch dankbar für eine adäquate Kundenansprache und für angemessene Präsentation Ihrer Waren und Dienstleistungen. Dass sie beim Kauf einen bestimmten Nutzen und Zugewinn durch das Erworbene erwarten, vor und beim Kauf umfassend informiert werden wollen und insgesamt gewisse Ansprüche an den Service stellen, sollte in Anbetracht der Bereitschaft, für die erbrachten Leistungen einen hohen Preis zu bezahlen, selbstverständlich sein. Letztendlich verlangen die „Best Ager“ genau das, wovon Sie erhoffen, dass Ihr guter Name steht. Auch liegt es auf der Hand, dass ein Kunde von bspw. 45 Jahren nicht mit Jugendlichen oder jungen Erwachsenen in einen Topf geworfen werden will.

Gleichzeitig klingt uns die Erkenntnis vom demographischen Wandel und der längeren Lebenserwartung nahezu tagtäglich in den Ohren. Damit sollte es ebenso offensichtlich sein, dass 60-jährige und Ältere heute noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Vielmehr nehmen sie am Konsum, und eben nicht nur am Konsum der bisher als typisch altersspezifisch eingestuften Produkte, in völlig neuer Ausprägung und im ganz erheblichen Ausmaß teil. – Die „Best Ager“ insgesamt sind eine breite Zielgruppe, sie reicht – je nach Definition – vom 40 bis zum über 60-jährigen. Natürlich können innerhalb dieser Spannbreite weitere Differenzierungen vorgenommen werden – eines ist ihnen jedoch allen gemeinsam: Sie wollen als Zielgruppe entdeckt und ernst genommen werden! Und, man muss es so drastisch sagen, wer es – insbesondere im Premiumbereich – nicht tut, der ist selber schuld.

Auch wenn Sie wissen, wer Ihre Kunden sind und welche Erwartungen sie mitbringen, bieten sich noch zahlreiche Möglichkeiten zur Optimierung Ihrer Verkaufserfolge. Jeder Verkaufsprozess setzt sich aus mehreren Phasen zusammen. Jede dieser Phasen bietet vielfältige Ansatzpunkte zur Optimierung. Das Verkaufsgespräch wird häufig als zentrales Element des Verkaufsprozesses angesehen. Der gesamte Prozess reicht jedoch von der Vorverkaufsphase bis hin zur Nachverkaufsphase, dazwischen steht u. a. das eigentliche Verkaufsgespräch, das aber nicht losgelöst von den anderen Phasen des Verkaufsprozesses betrachtet werden kann.

Denn auch wenn das Verkaufsgespräch hier ein überaus bedeutendes Element ist, darf keines der Faktoren vernachlässigt werden, wenn das gesamte Potential zum erfolgreichen Verkauf ausgenutzt werden soll. Allein mit der Erkenntnis, dass sich der gesamte Verkaufsvorgang in mehrere – aufeinander abgestimmte – Schritte unterteilt, ist die erste Hürde auf dem Weg zum erfolgreichen Verkauf genommen. Nur sehr selten, und das gilt für alle Gebiete, wird die gesamt vorhandene Leistungsfähigkeit tatsächlich auch genutzt, fast überall schlummern ungenutzte Potenziale. Doch nur die wenigsten können es sich heute noch leisten, Potenziale brach liegen zu lassen.

Bestimmt werden sich auch für Sie neue Perspektiven ergeben, wenn Sie sich konsequent an Ihrer Zielgruppe ausrichten und im Verkaufsprozess durchdachte Methoden anwenden. Der Weg zum erfolgreichen Verkauf ist dadurch vorgezeichnet.

Buchtipp

Erfolgreich verkaufen an anspruchsvolle Kunden: Premiumkunden und Best Ager begeistern [476] von Stéphane Etrillard, BusinessVillage 2004, ISBN: 3934424732, Euro 21,80

[Bild: PhotoCase.de]

Auszeichnung: Mittelständische Unternehmen betreiben erfolgreiches Marketing

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen vernachlässigen ihr Marketing, weil es scheinbar viel kostet und wenig bringt. Für sie stehen Vertrieb und Verkauf im Vordergrund. Für das Marketing bleibt wenig Zeit und wenig Geld.

Dass es anders und besser geht, beweisen alle zwei Jahre mehrere Hundert Handwerksbetriebe, die sich um den Marketingpreis des deutschen Handwerks bewerben. Mit diesem Preis fördern die Veranstalter außergewöhnliche Leistungen von Handwerkern im Marketing. Die bisherigen Gewinner zeigen, wie man mit kreativen Ideen viel für die Kundengewinnung und Kundenbindung tun kann – ohne den schmalen Geldbeutel des Betriebs zu überfordern.

Drei Gewinner im Jahr 2003 zeigen, worauf es beim Marketing im Handwerk ankommt.

Pott’s Naturpark-Brauerei GmbH, Oelde

Trotz der starken Konkurrenz großer Bierbrauer und trotz rückläufigen Bierkonsums in der Bevölkerung, ist die regional orientierte Pott’s Naturpark-Brauerei [477] aus dem westfälischen Oelde erfolgreich. Die wichtigsten Marketing-Bausteine sind:

  • Regelmäßige Kundenbefragungen: Was schätzen die Kunden besonders? Was verbinden Sie mit der Brauerei? Was ist für Kunden attraktiv? Mit den Antworten auf diese Fragen erfährt das Unternehmen, wie es seine Marketing-Aktivitäten zielgerichtet auf die Kundenbedürfnisse ausrichtet.
  • Schaffung von Identifikations-Merkmalen: Mit dem eigenen Brauhaus im Markenbild und dem Namen der Familie Pott schaffte das Unternehmen einen engeren, persönlichen Bezug zu seinen Kunden. Dazu passt auch, dass sich jeder Interessierte die Brauerei anschauen kann.
  • Produkte an Kundenwünsche anpassen: Nicht das Produkt steht im Vordergrund, sondern das Lebensgefühl, das dem Kunden vermittelt wird: „Genuss und Lebensfreude!“ So kann die Marke Pott auf mehrere Produkte ausgedehnt werden – das klassische Pils passt genauso in das Portfolio wie moderne Bier-Mix-Getränke.
  • Sponsoring: Der wichtigste Baustein des Pott-Marketings sind umfangreiche Sponsoring-Programme. Dabei konzentriert man sich ausschließlich auf regionale Aktivitäten, bei denen die Zielgruppe und die Veranstaltung zur Marke passen. Man unterstützt Künstler und den Sport in der Region. Auch das unterstreicht die regionale Verankerung.

Schübel GmbH, Talheim

Der Automobilzulieferer Schübel GmbH aus Talheim [478] weiß sich auch im harten Wettbewerb der Autobranche zu behaupten. Das schafft das Unternehmen dadurch, dass es sich mit seinem Leistungsspektrum klar fokussiert hat: War man früher der klassische Modell- und Formenbauer, so ist man heute Partner zur Entwicklung von Prototypen. Hier deckt man die komplette Prozesskette von der ersten Idee bis zur Serienreife ab.

Das drückt sich auch im äußeren Erscheinungsbild und in der Kommunikation aus. Das Logo vermittelt den Entstehungsprozess des typischen Schübel-Produkts. Die Mission ist klar und eindeutig: „Einfälle begreifbar machen!“

Im Vordergrund steht der Kundenservice. Die Geschäftsführerin Christine Schübel besucht jedes Jahr ihre Kunden und klärt in Workshops, wo deren Erwartungen liegen und wie man diese noch besser erfüllen kann. Sie versucht auch immer hinter das eigentliche Problem ihrer Kunden zu kommen, um ihnen genau dort bei der Lösung zu helfen.

Dieser Service-Gedanke wird auch dadurch unterstrichen, dass der Kunde einen festen Ansprechpartner hat, der sich um ihn kümmert. Key Account Management und Projektleitung sind in einer Person zusammen gefasst.

Franz Schroll GmbH, Chieming

Auch für die Schreinerei Schroll aus dem Chiemgau [479] steht Kundenservice im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten. Das ist deshalb wichtig, weil man sich auf eine klar definierte Zielgruppe ausgerichtet hat: Die „jungen Alten“, die sich zum zweiten Mal einrichten und dafür auch 20.000 Euro investieren.

Dazu passt das Erscheinungsbild, das schlicht, edel und professionell wirkt. Es findet sich nicht nur im Logo der Schreinerei wieder, sondern auch auf allen Fahrzeugen und der Firmenkleidung.

Kundenservice endet nicht mit der Abwicklung eines Auftrags. Für jeden Kunden wird im Rahmen eines Customer Relationship Managements ein Datenblatt angelegt, in dem seine Wünsche und Erwartungen festgehalten werden. Mehrmals im Jahr wird er über Neuentwicklungen und spezielle Veranstaltungen in der Region informiert. Der Erfolg: 70 Prozent der Kunden empfehlen die Schreinerei weiter. Und gerade davon lebt ein erfolgreicher Handwerkerbetrieb.

Marketing-Bausteine zielgerichtet kombiniert

Alle drei Beispiele zeigen, wie man auch als kleines Unternehmen wichtige Marketing-Bausteine nutzen kann, um sich vom Wettbewerb abzuheben und eine einzigartige Leistung anzubieten, die die Kunden honorieren.

Stichwort

Zum Marketingpreis des deutschen Handwerks

Handwerksbetriebe, die ebenfalls auf innovative Marketing-Ideen setzen und diese konsequent umsetzen, können an der nächsten Ausschreibungsrunde teilnehmen. Weitere Informationen erhalten Sie unter

http://www.marketingpreis.de/ [480]

Vorausschau: Auf den globalen Märkten von Morgen gelten andere Regeln

Gastbeitrag von Alexander Christiani*, Christiani Unternehmer AG, Starnberg

Die Globalisierung bringt in jedem Fall gewisse Eigenheiten mit sich, die sich nicht leugnen oder negieren lassen: Jeder sucht den günstigsten Standort für seine Produktion, jeder kauft per Internet beim günstigsten Anbieter, jeder verfügt über alle Informationen zum Einkauf ebenso wie zur Vermarktung – innerhalb kürzester Zeit und das alles weltweit. Doch jede Veränderung birgt für den einzelnen Unternehmer eine enorme Chance – nämlich die, sich in einer globalisierten Welt mit neuen Spielregeln Wettbewerbsvorteile zu schaffen.

Um in einer globalen Wirtschaft erfolgreich zu bestehen, sind die Trends von morgen gefragt. Verbraucher können frohlocken, denn der Markt von morgen wird immer mehr zu einem transparenten Kundenparadies. Und die Unternehmer müssen sich auf diese neuen Anforderungen einstellen. Die sieben Trends des Kundenparadieses gelten für beide Seiten:

  1. Der Kunde hat heute in immer mehr Branchen immer öfter die Gelegenheit, seine Einkäufe 24 Stunden am Tag zu erledigen - und das an sieben Tagen in der Woche, Weihnachten und Ostern eingeschlossen.
  2. Kunden erwarten, dass wichtige Produkte und Dienstleistungen überall vorzufinden oder zumindest durch die neuen Medien von überall zu ordern sind.
  3. Unternehmen gewinnen mit der schnelleren oder sofortigen Lieferung ihrer Produkte und Dienstleistungen einen erheblichen Wettbewerbsvorsprung.
  4. Kunden erwarten individuelle und maßgeschneiderte Lösungen - vor allem auch im Dienstleistungssektor.
  5. Der Trend zu intelligenten Produkten und Angebotsfiltern (Selektion per Internet) wird sich ganz dramatisch verstärken.
  6. Viele Unternehmen bieten durch eine Produkt- und Dienstleistungs-Kombination einen erheblichen Mehrwert.
  7. Die Entwicklung des globalen Gesamtmarktes der Zukunft ist gekennzeichnet durch eine ständige Steigerung der Transparenz von Märkten und der Kundenerwartungen.

Der Markt bestimmt die Trends, daran können Sie als Unternehmer nicht viel ändern. Was Sie allerdings machen können und müssen, ist diesen Trend mit entsprechenden Ressourcen zu begegnen. Geht es also um die Wirtschaftsperspektiven von morgen, gilt einmal mehr: Die Wertschöpfung in der Welt von morgen hängt immer weniger von natürlichen Ressourcen ab. In der Welt von morgen erfolgt Wertschöpfung immer öfter mit den Ressourcen der “World of G.I.V.E.®”: Nämlich in den Dimensionen von

  • Geschwindigkeit
  • Information
  • Vernetzung
  • Emotion.

Ressource Nummer 1: Geschwindigkeit

Geschwindigkeit ist unsere Eintrittskarte in die hochfrequenz-getaktete globale Wirtschaft von morgen. Wer seinen Kunden durch prompte Lieferung den emotionalen Zusatznutzen des "I will Genuss sofort" bieten kann, hat einen entscheidenden Marktvorteil. Und wer die sich immer schneller auftuenden Marktlücken besetzt, verschafft sich einen kaum mehr aufholbaren strategischen Vorsprung. Doch höheres Tempo bringt uns nicht nur mehr, sondern es fordert uns auch stärker: Mehr Kompetenz, leistungsfähigere Systeme und eine geschwindigkeitsbejahende Einstellung sind der Schlüssel.

Das können Sie konkret umsetzen: Sagen Sie emotional „Ja“ zur Geschwindigkeit und schaffen Sie durch intelligente Änderungen im System die Basis, dass notwendige Informationen frei fließen und Entscheidungen somit rasch getroffen werden können. Automatisch ergibt sich dann auch eine effektive Beschleunigung von Innovationen und deren Umsetzung.

Ressource Nummer 2: Information

Wir alle wissen, dass die Regeln der Informationsökonomie deutlich anders sind als die der Güterökonomie. Wir haben gelernt, dass in der Güterökonomie der Verkäufer eines Gutes nicht Eigentümer bleibt, während eine Information dem Veräußerer nach wie vor gehört. Wir wissen, dass Güter nur zu Herstellkosten reproduzierbar sind (da kommt nicht nur bei Häusern und Autos so einiges zusammen), während Informationen fast kostenlos reproduziert werden können. Uns ist bekannt, dass sich Gegenstände abnutzen, Informationen dagegen nicht (sie können jedoch veralten). Güter sind an einem bestimmten Platz, Informationen sind jedoch überall und nirgends. All das wissen wir. Aber haben wir es wirklich verstanden? Arbeiten und leben wir nach diesen Erkenntnissen? Information ist die Ressource, die globale Märkte neu strukturiert. Immer mehr Menschen haben durch die neuen Medien Zugang zu hochwertigen Informationen.

Das können Sie konkret umsetzen: Nutzen Sie Ihr Know-how und bieten Sie dem Kunden - auch über das Internet – Informationen, werden Sie zum Wissensnavigator und sparen Sie dem Kunden damit Zeit und Geld.

Ressource-Nummer 3: Vernetzung

Heute bietet das Internet mit seinen Foren und Chat-Rooms eine kaum noch überschaubare Vielfalt, um diejenigen zu finden, die exakt auf einer Wellenlänge liegen. Das Prinzip der zunehmenden Vernetzung unserer Welt enthält eine entscheidende Botschaft für alle Experten, die Ihren Kunden echten Nutzen bringen: Je besser das Informations- und Kommunikationsnetzwerk, umso leichter und preiswerter verbreitet sich der Expertenstatus.

Das können Sie konkret umsetzen: Schaffen Sie Ihre Ab-Teilungen ab und betreiben Sie eine effektive Vernetzung nach innen genauso wie nach außen. Dann können Informationen und Emotionen fließen.

Ressource Nummer 4: Emotion

Im Informationszeitalter gilt, Informationen sind wichtiger als Kapital. Im Emotionszeitalter gilt, Emotionen - und die Storys, die sie transportieren - sind wichtiger als Informationen.

Das können Sie konkret umsetzen: Je perfekter (=der Erlebniswert sinkt ab) Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung ist, umso wichtiger ist eine Story, die Sie darum spinnen müssen. Ein Beispiel dazu: An einem Punkt, an dem Motorräder von der Entwicklung her keine Quantensprünge mehr zuließen, hat es Harley Davidson perfekt verstanden, aus einem Fortbewegungsmittel von A nach B (Information) ein Lifestyle-Konzept (Emotion) zu entwickeln. Lassen Sie uns deshalb festhalten: Die besten Marken sind diejenigen, die ihre Kunden emotional an sich binden. Die besten Verkäufer sind die, die ihre Kunden emotional an sich binden. Gleichgültig, was wir tun, um unsere Kunden zufrieden zu stellen, entscheidend ist das Gefühl, das wir ihnen vermitteln.

In den zugleich globalen und transparenten Märkten von morgen werden nur diejenigen Unternehmen erfolgreich sein, die es schaffen, einen Expertenstatus aufzubauen. Es gilt, einen Nachfrage-Sog für Produkte und Dienstleistungen zu schaffen. Sechs Magnetmarketing-Strategiegesetze weisen Unternehmen den Erfolgsweg.

  1. Kräftekonzentration: Viele Unternehmer machen von allem etwas, aber nichts richtig! Die physikalische Grunderkenntnis: Je kleiner das Feld, auf das ich meine Energie konzentriere, umso größer die Wirkung! ist für Unternehmer überlebenswichtig. Wir alle sind in unseren Kräften begrenzt. Wir alle verfügen nur über ein beschränktes Maß an Zeit, Energie, Finanzen, Manpower, Know-how und anderen Ressourcen. Und je größer die Bandbreite des Fach- und Geschäftsgebietes ist, das wir abdecken, umso weniger Durchschlagskraft können wir entwickeln. Deshalb: Konzentrieren Sie sich auf Ihre Talente und Begabungen! Schaffen Sie sich eine Marktnische, in der Sie sichtbar besser sind als alle anderen!
  2. Intelligente Spezialisierung: Unterschätzen wir nicht die Verteidigungsstrategien unseres Unterbewusstseins, das uns davor zurückschrecken lässt, einen Expertenstatus aufzubauen. Eine der bewährtesten Bremser-Strategien ist dabei die Angst. “Und was passiert, wenn ich mich auf das Falsche spezialisiere?” Gleichgültig, wie sehr ein Verfahren oder eine Technik heute “in” ist, es wird der Tag kommen, an dem diese Technik oder dieses Verfahren durch ein neues, leistungsfähigeres Verfahren abgelöst wird. Und bei der Dynamik des technischen Fortschritts werden die Lebenszyklen von Techniken und Verfahren immer kürzer: Die Strategieempfehlung heißt deshalb: Spezialisierung auf Grundbedürfnisse (ein wohlschmeckendes Frühstück), nicht auf Verfahren (die Herstellung von Brötchen).
  3. Zielgruppenbesitzer werden: Der letzte Machtfaktor in einer Welt, in der die Produkte immer gleicher, immer leistungsstärker und immer billiger werden, ist Zielgruppenbesitz: Die meisten Märkte von heute und morgen sind durch ein Überangebot auf der Anbieterseite gekennzeichnet. Wer in solchen Märkten Kontakt zu denjenigen hat, die überhaupt noch kaufen wollen, ist King oder Queen. Wenn Sie noch irgendeine Motivationsspritze brauchen sollten, warum es jetzt an der Zeit ist, im “Noch-immer-Schlaraffenland-Deutschland” damit anzufangen, zum Zielgruppenbesitzer zu werden, der sollte spaßeshalber seinen Vergleichsmarkt in den USA studieren. Dort werden Sie erkennen, dass die Zielgruppen bereits verteilt und zum Großteil „in festen (Unternehmer-)Händen“ sind. Deutschland bietet hier wesentlich größere Chancen, vorausgesetzt Sie nutzen den entscheidenden Vorteil, den ihnen der deutsche Markt zurzeit noch bietet. Suchen und konzentrieren Sie sich auf Ihre ganz spezielle Zielgruppe.
  4. Marktsegmentierung nach Kommunikationsgemeinschaften: Das vierte Magnet-Marketinggesetz bedeutet, dass wir unseren Markt und unsere Zielgruppe so bestimmen, dass sich aktive Mund zu Mund-Propaganda genau dort herumspricht, wo wir auch unsere neuen Kunden suchen. Die meisten Zielgruppen-Definitionen, auf die wir in unserer Consulting-Praxis stoßen, werden diesen Anforderungen nicht gerecht: “Unsere Zielgruppe sind Menschen, die als Verheiratete mindestens 75 000 Euro im Jahr verdienen und in den nächsten 10 Jahren weiterhin Einkünfte in gleicher Höhe erwarten” erläuterte mir einmal der Inhaber einer Firma, die sich auf Kapitalanlage-Immobilien spezialisiert hatte. So hilfreich das in der Theorie sein mag, so wenig hilft es Ihren Verkäufern. Kein Mensch lernt andere Menschen deswegen kennen, weil sie in der gleichen Einkommenskategorie sind. Nutzen Sie vielmehr Kommunikationsgemeinschaften. Denn genau dort, wo Menschen miteinander sprechen, ob in Vereinen oder Verbände, beruflich wie privat, werden auch Informationen ausgetauscht.
  5. Erster werden in einer neuen Kategorie: Wer Erster ist im Kundenkopf, genießt einen unschätzbaren Wettbewerbsvorteil. Fragen Sie sich also eindringlich: Bei welchen Zielgruppen kann ich einen prägenden Ersteindruck im Kundenkopf hinterlassen? Auch, wenn Sie nicht Erster bei der Produkteinführung sind oder waren, gibt es mindestens vier Erfolg versprechende Strategien, um im Kundenkopf Erster zu werden: 1. Überlegen Sie, welche neuen und interessanten Zielgruppen für Ihren Markt in Betracht kommen, die mit Ihrer Branche noch überhaupt nicht in Kontakt gekommen sind. 2. Suchen Sie systematisch nach Zielgruppen, die andere aufgegeben haben. 3. Steigen Sie aktiv in die Betreuung von Zielgruppen ein, die von Wettbewerbern seit Jahren sträflich vernachlässigt werden. 4. Überholen Sie die Konkurrenz bei der Markteinführung auf dem Weg in den Kundenkopf – entscheidend ist nicht, wer als erster das neue Produkt hat, sondern wem es gelingt, dieses Nutzenangebot in den Köpfen seiner Kunden zu verankern.
  6. Der Bekanntheitsgrad als Expertenvermutung: Die meisten Experten sind sehr bekannt. Unser Gehirn ist deswegen leicht geneigt, vom Bekanntheitsgrad eines Menschen vorschnell auf seinen Expertenstatus zu schließen - auch, wenn das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Es ist gut, ein wahrer Experte zu sein. Und es ist noch besser, einen Bekanntheitsgrad zu genießen, der in anderen den Glauben an unser Universalgenie weckt. Wem es gelingt, bei gleicher Leistung einen höheren Bekanntheitsgrad zu erzielen, der hat im Wettbewerb die Nase vorn.

Networking - Der Aufbruch zu neuen Kunden

Stammkunden bilden für Unternehmen eine solide Basis, die nicht vernachlässigt werden darf. Allerdings ist es, um in globalen Märkten erfolgreich bestehen zu können, ebenso entscheidend, effektiv Neukunden zu gewinnen. Eine der effektivsten Möglichkeiten, Neukunden zu gewinnen, ist das Networking. Sind Sie schon Profi-Netzwerker? Ist Ihnen Networking – wie die Amerikaner es nennen – schon in Fleisch und Blut übergegangen? Haben Sie es schon zu Ihrer Lebensphilosophie gemacht? Die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Networking zum Erfolg wird, ist sogar vielen selbsternannten Networking-Experten nicht bekannt. Sie lautet: Erfolgreiches Networking setzt einen Expertenstatus für eine bestimmte Zielgruppe voraus. Leistungsfähige Unternehmen, die selbst einen Expertenstatus haben, sind nur an der Kooperation mit anderen Experten interessiert. Deshalb noch einmal eindringlich die Frage: Verfügen Sie bei einer bestimmten Zielgruppe über einen Expertenstatus, der Sie für andere Unternehmen zu einem interessanten Networking-Partner macht?

Die gezielte Verbreitung Ihres Expertenstatus über Mund-zu-Mund-Propaganda, ‚Education of the customer‘ oder professionelles Eventmarkting ist Ihre Eintrittskarte zu neuen Kunden und zu interessanten Networkingpartnern. Machen Sie sich auf die Suche nach innovativen, gewinnbringenden Kooperationsmöglichkeiten. Und damit schließt sich der Kreis, weil gerade durch die Globalisierung auch die Möglichkeiten steigen, Kooperationen – weltweit ohne Grenzen – einzugehen und diese in einer globalen Wirtschaft mehr denn je zählen.

Wehren Sie sich nicht gegen die Trends der globalen Wirtschaft, denn Ihre Kunden genießen dieses Kundenparadies und wollen die Vielfalt der Informationsbeschaffung und Auswahl auf Anbieterseite sicherlich nicht mehr missen. Nutzen Sie vielmehr die Ressourcen und Strategiegesetze, um durch ein effektives Magnet-Marketing bestehende Kunden zu begeistern, neue Kunden zu generieren und so in den globalen Märkten der Zukunft nicht nur zu bestehen, sondern neue Erfolgsstandards zu setzen.

* Alexander Christiani zählt als Europas Top-Experte für Verkauf und Persönlichkeit zu den gefragtesten Beratern führender Spitzenkräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Sport. Sein eigener und der Erfolg seiner Kunden beweisen es: Berufliche Spitzenleistung ist untrennbar mit persönlichem Wachstum, Balance aller Lebensbereiche, Flexibilität und Offenheit verbunden.

Weitere Informationen erhalten Sie bei

Christiani Consulting KG
Zum Alten Gericht 14
53902 Bad Münstereifel
Tel:  02253-544071-0
Fax: 02253-544071-9

www.christiani-consulting.com [481]

Alexander Christiani vermittelt sein Wissen unter anderem in einer umfassenden Hörbuchreihe. Talentefokus, Selbstmanagement, Persönliche Überzeugungskraft, Vertrieb durch Mechanics & Humanics sowie Expertenpositionierung & Netzwerkarchitektur sind die sieben Schlüsselfaktoren zum persönlichen Erfolg. Hier erfahren Sie mehr [482] .

Druck: Mittelständler müssen auf internationalen Märkten expandieren

Virteo, Außenwirtschaftsdienstleister für den Mittelstand, begleitet Unternehmen beim Aufbau ihrer Auslandsaktivitäten. Die Beratungspraxis zeigt, dass auch kleine Unternehmen eine hohe Exportquote erzielen können, wenn sie einige wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Internationalisierung beachten.

Bei kleinen und mittleren Unternehmen besteht die existenzielle Notwendigkeit, dass die Auslandsaktivitäten von Anfang an profitabel sind. Daher müssen sie eine auf ihre finanziellen und personellen Ressourcen abgestimmte Expansionsstrategie verfolgen und können die Auslandsmärkte nicht wie ein Großunternehmen im Sturm erobern. Vorhandene Defizite bei Kapital, Personal, Kontakten und dem lokalen Bekanntheitsgrad lassen sich am besten durch Kooperationen mit lokalen Distributoren ausgleichen. Der Markteintritt wird beschleunigt, regionale Vertriebswege sind bereits erschlossen. Bei entsprechendem Erfolg kann dann eine eigene Auslandsniederlassung angestrebt werden, die später die Basis zur Erschließung benachbarter Märkte in der Region bildet.

Wichtigste Vorraussetzung für den Aufbau eines erfolgreichen Auslandsvertriebs ist die sorgfältige Analyse, ob das eigene Produkt tatsächlich für den Export geeignet und am Auslandsmarkt wettbewerbsfähig ist. Vor allem darf es nicht zu komplex oder teuer für den anvisierten Markt sein und muss den ausländischen Produktstandards und Vorschriften entsprechen. Hier ist die sorgfältige Länderauswahl entscheidend. Nur eine gründliche und umfassende Marktanalyse kann die Frage beantworten, ob ein Auslandsmarkt auch langfristig ausreichend hohe Absatzchancen bietet. Die relevanten Marktinformationen sollten von einem Experten recherchiert werden, der die politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Risiken abschätzen kann und auch die Kultur des Landes kennt. Aber nicht nur die Entwicklung einer Marktstrategie ist von großer Bedeutung, sie muss auch immer wieder überprüft werden, denn die Märkte sind dynamisch, das heißt, sie verändern sich!

Um in globalen Märkten mit international agierenden Großunternehmen und lokalen Herstellern konkurrieren zu können, benötigen kleine und mittlere Unternehmen vor allem eine marktbezogene Stärke durch spezialisierte Produkte. Denn nur durch diese Nischenstrategie können sie auch relativ geringe Mengen zu konkurrenzfähigen und dennoch ausreichend hohen Preisen absetzen. Meist ist es einem mittelständischen Betrieb zudem möglich, vorhandene Sonderwünsche des Kunden zu erfüllen, was einem multinationalen Konzern mit Fokus auf den Massenabsatz nicht gelingt. Flexibilität und ein hohes Serviceverständnis müssen daher unbedingt als Wettbewerbsvorteile verstanden und im Vorfeld eines Auslandsengagements genauestens analysiert werden. Zudem können die Servicevorstellungen der Kunden je nach Land stark variieren. Dieser Faktor muss in die Marktanalyse miteinbezogen werden.

Beim Aufbau eines Neugeschäfts über Kooperationen mit lokalen Vertriebspartnern ist natürlich die Suche und kritische Auswahl der Distributoren der wichtigste Faktor. Der Kooperationspartner sollte unbedingt die Opinionleader am Markt kennen und die Marke seines deutschen Auftraggebers überzeugend vertreten können. Von Seiten des deutschen Unternehmens müssen die lokalen Distributoren am Auslandsmarkt ständig auf dem Laufenden gehalten und geschult werden. Gleichzeitig sollte man stets aktiv an der Kommunikation arbeiten, denn die häufigste Ursache für schwindende Absatzzahlen ist der Kontrollverlust über den lokalen Partner. Nur wer eine persönliche Beziehung zum Distributionspartner aufbaut, erfährt, was er im Namen des Unternehmens alles tut – oder auch nicht tut. Durch den Aufbau persönlicher Kontakte und die Pflege des Netzwerkes können mittelständische Unternehmen ihren Auslandsvertrieb ohne großen Investitionsaufwand langsam, aber stetig aufbauen.

Die Auslandsstrategie eines mittelständischen Unternehmens darf aber nicht nur an den Märkten ausgerichtet werden, sondern muss gleichermaßen auch den betriebsspezifischen Charakteristika wie finanzielle Lage, Organisationsstrukturen und Produktionskapazitäten etc. entsprechen. Der neue Auslandsvertrieb sollte also auch in technischer, organisatorischer und informationstechnologischer Hinsicht in das Unternehmen integriert werden, was für die Unternehmensleitung ohne Zweifel eine besondere Herausforderung darstellt. Zu den notwendigen Veränderungen im Heimatunternehmen zählen beispielsweise:

  • die Erweiterung der Kapazitäten für die zusätzliche Produktion;
  • die Anpassung der Logistik;
  • die Aufrüstung der EDV, damit diese international kompatibel ist und auch während der Geschäftszeiten im Ausland zur Verfügung steht;
  • die Durchgängigkeit der Kommunikation, z.B. hinsichtlich Bestellungen, Produktionsplanung, Buchhaltung etc.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor für das Auslandsgeschäft sind die Mitarbeiter in Deutschland. Häufig stehen Führungskräfte und Belegschaft kleiner und mittlerer Unternehmen internationalen Aufgaben eher unvorbereitet gegenüber. Sprachliche und interkulturelle Kompetenzen müssen daher gefördert werden, insbesondere bei Mitarbeitern an den Schnittstellen zwischen Auslandsvertrieb und Heimatunternehmen. Zudem sollten sie die Bedürfnisse der Kunden im Ausland kennen und auf Anfragen angemessen reagieren können. Ein Auslandsvertrieb kann nicht „nebenbei mitlaufen“!

Neben der betrieblichen Organisation müssen auch das Marketingmaterial und die Homepage an die lokalen Bedürfnisse des Auslandsmarktes angepasst werden. Dazu gehört nicht nur die Übersetzung in die Landessprache, sondern auch die Überprüfung hinsichtlich interkulturell missverständlicher Komponenten. So werden beispielsweise in arabischen Ländern Bilderfolgen in einer Anzeige oder einer Gebrauchsanleitung von rechts nach links gelesen. Auch die Farbwahl, der Stil oder der Humor können in verschiedenen Kulturkreisen sehr unterschiedlich empfunden werden. Hier ist größte Vorsicht geboten.

Fazit: Der Erfolg der Internationalisierungsstrategie mittelständischer Unternehmen basiert auf guten persönlichen Kontakten zum lokalen Distributor, einem hohen Serviceverständnis sowie fundierten Marktkenntnissen und Informationen. Während Großunternehmen oft auf den Massenabsatz fokussiert sind und Auslandsmärkte eher im Sturm erobern wollen, sollten mittelständische Unternehmen ihre Aktivitäten Schritt für Schritt in Angriff nehmen. Während es bei Konzernen die Masse macht, steht und fällt ihr Erfolg eher durch die Feinheiten in der Geschäftspraxis.

[externer Beitrag von Katrin Koll, Virteo – Außenwirtschaftsdienstleister für den Mittelstand, Info & Kontakt:

Virteo, Tel.: 0851 / 95 63 115, info@virteo.com, www.virteo.com [483] .

Virteo unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen durch Informationen, Beratung und Technologie bei allen Schritten ihrer internationalen Einkaufs- und Vertriebstätigkeiten in Europa, Asien und Lateinamerika. Damit der Sprung ins Auslandsgeschäft nicht zu einem Hindernislauf wird, stellt Virteo seinen Kunden ein globales Netzwerk bestehend aus rund 100 Unternehmen, Verbänden, Institutionen und Einzelpersonen zur Verfügung, das über die gemeinsame Internet-Schnittstelle www.virteo.com zugänglich ist. Standorte: Passau, Linz, Singapur, Brasilia und Krakau.]

Kult: "Retro" als wirksames Instrument im Marketing

Der Retro-Trend

Nostalgie beherrscht im Moment unsere Gesellschaft. Die Zukunft erscheint uns ungewiss. Die Vergangenheit wird zu einer Zeit von Gewissheit und sicheren Erfolgen verklärt.

Das Ergebnis ist die Wiederholung von Altbewährtem. In der Musikbranche dominieren neuaufgelegte Lieder von Elvis, den Beatles, Madonna und Frank Sinatra die Charts. Die Kinoerfolge des Jahres sind Neuverfilmungen alter Stoffe. In der Buchbranche sind Lebenserinnerungen von Musikproduzenten und ein Literaturkanon (das jüngst Buch ist zehn Jahre alt) Bestseller. Lagerfeld und andere Designer haben Jeans wieder entdeckt. Das Fernsehen bringt Kultserien wie Dallas und Fernsehshows, die auf vergangene Jahrzehnte zurückblicken.

"Schon lange gibt es Anzeichen für eine Richtungsänderungen unseres Grundgefühls," meint Roland Gieske von der Iceberg Consulting GmbH [484] zu den Merkmalen der neuen Gesellschaft, "Selten zeigten das Design, die Talkthemen und die Produktwerbung eindeutig eine fundamentale Neuorientierung." Die Werbebranche geht mit dem Trend, indem sie alte Marketing-Ideen mit großem Erfolg kopiert.

Stephen Brown [485] begrüßt die Rückkehr zu den Anfängen des Marketing: "Retro ist ein Vorbote von Revolution, eine überfällige Rückkehr zu den Wurzeln der Disziplin, in eine Zeit bevor "moderne“ Marketingparadigmen hinterlistig und boshaft die Herrschaft erlangten.“

Bei Werbung geht es um Gefühl

Totale Kundenorientierung gilt heute im Marketing als besonders wichtig. Dennoch ist diese Strategie kein Garant für erfolgreiche Kampagnen. Die Geschichte beweist: Die erfolgreichsten Kampagnen waren alles andere als Kundenorientiert.

Beim Marketing geht es nicht immer darum, dem Kunden das Kaufen zu erleichtern. Marketing soll in ihm das Bedürfnis nach einem Produkt wecken, ob er es nun braucht oder nicht. Denn der Kunde trifft seine Kaufentscheidungen nicht rational.

Sicher ist der Gebrauchswert eines Produktes für den Kunden auch wichtig. Aber beim Kauf geht es ihm um Gefühle, wie Erlebnis und Magie, die das Produkt transportieren soll.

Clevere Werbestrategien am Anfang des 20. Jahrhunderts

„Die Geschichte des Marketing enthält Praktiken, Grundsätze und Hinweise, die uns helfen können, eine neue Richtung für das 21. Jahrhundert einzuschlagen,“ meint Stephen Brown. Er glaubt, in der Vergangenheit findet sich eine Lösung für die gegenwärtige Krise der Branche. Ganz sicher aber kann ein Blick in die Vergangenheit zu neuen Kampagnen inspirieren.

Das Kauferlebnis ist ein altes Marketingkonzept, um Kunden anzulocken.

Am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entstanden in den Metropolen London, Paris, Berlin und New York riesige Warenhäuser, wie Harrod’s und die Galerien LaFayette. Sie bieten bis heute Luxus, Service, Beratung kombiniert mit „Events“.

Das Kaufhaus Wertheim [486] in Berlin landete den größten Coup in der Geschichte des Eventmarketing. 1899 besuchte Kaiser Wilhelm II das Kaufhaus und mit ihm ganz Berlin. Welch ein Erlebnis: Der Kaiser kauft bei Wertheim!

Ein anderer alter Trick ist die Verwirrungstaktik. Werbebotschaften, die zunächst keinen Sinn ergeben, erwecken die Aufmerksamkeit des Kunden.

Beispiele finden sich in den Anfängen des Werbefilms. 1933 drehte Oskar Fischinger [487] die ersten Werbefilme in Farbe: „Tolirag erfasst alle Kreise“ und „Muratti greift ein“. Die Produkte, Reifen und Zigaretten, werden auf ihre Form reduziert und animiert. Die Filme erinnern damit an abstrakte Malerei, die Werbebotschaft bleibt im Hintergrund.

Der Erfolg gibt Fischinger recht. Während die Zigarette Muratti längst nicht mehr existiert, bleibt der Markenname wegen Fischingers Werbefilm in unserem Gedächtnis.

Das TEASE-Modell oder wie man in Kunden Bedürfnisse erweckt:

Stephen Brown fasst die Tricks der Werber in einem einfachen Modell zusammen. Die fünf Taktiken sollen Aufmerksamkeit erregen, neugierig machen und das Verlangen nach dem Produkt steigern.

  1. Tricksterism - Das Austricksen und Täuschen der Kunden
  2. Entertainment - Ein bisschen Spaß muss sein
  3. Amplification - Die Neugier anheizen
  4. Selective Secrecy - Nicht alles gleich verraten
  5. Exclusivity - Ein knappes Angebot steigert die Nachfrage

1) Tricksterism

Veranstalten Sie für Ihre Kunden eine große Show. Vermitteln Sie Größe und Aufwand. Seien Sie aufdringlich! Clevere Tricks sind dabei meistens überraschend einfach, enorm wirkungsvoll und nicht teuer. Damit erwecken Sie bei Ihren Kunden Unruhe und Neugier auf das Produkt.

Beispiel: Tango

Der Limonadenhersteller Tango [488] veröffentlichte eine Werbeannonce mit einem Warnhinweis vor Limonade ohne Kohlensäure, die unter falschem Namen in Supermärkten verkauft würde. Über 30.000 besorgte Kunden riefen die angegebene Servicenummer an und wurden mit einem Werbejingel für neue Tango-Limonade verbunden.

Auch in Fernsehwerbespots [489] nimmt Tango seine Kunden regelmäßig auf den Arm.
Mit großem Erfolg hat der Limonadenhersteller
eine Marke aufgebaut, die nichts ernst nimmt.

2) Entertainment

Ein bisschen Spaß gibt der Retro-Marketing Kampagne den richtigen Kick.
Machen Sie Ihr Produkt mitreißend, amüsant und unterhaltsam.

Beispiel: A.I. Künstliche Intelligenz

Zum Kinostart eines neuen Films [490] von Stephen Spielberg veranstaltete die Verleihfirma eine Schnitzeljagd im Internet. Sie erfand eine Wissenschaftlerin und konstruierte um sie herum einen Mordfall. Wie in Computerspielen mussten neugierige Fimbesucher Internetseiten finden, versteckte Buttons und Tastenkombinationen verwenden, um an Informationen zu gelangen. Mit Chats und eigenen Seiten zum Thema wurden Sie dabei selbt zu Teilnehmern an dieser Internetwelt.

3) Amplification

Halten Sie die Existenz eines Geheimnisses nicht verborgen. Damit Ihr Geheimnis in dem unaufhörlichen Werbegeschnatter auffällt, verstärken Sie seinen Reiz. Stellen Sie sicher, dass über Ihr Produkt geredet wird.

4) Selective Secrecy

Bringen Sie Ihre Kunden dazu, sich zu fragen:
"Wofür wird hier überhaupt geworben?"
"Warum diese Geheimnistuerei?"

Beispiel: Harry Potter und der Feuerkelch

Selten hat ein Buch einen solchen Ansturm auf die Buchhandlungen ausgelöst, wie der vierte Band der Harry Potter-Reihe [491] . Kunden übernachteten vor den Läden, die Bestelllisten bekamen Wartelisten und die erste Auflage galt schon vor dem Erscheinen als praktisch ausverkauft. Das clevere Marketing hatte prächtig funktioniert und das Verlangen der Kunden so richtig angeheizt.

Die Geheimniskrämerei war dabei ein wichtiges Element. Die Geschichte des Bandes wurde absolut geheim gehalten. Dementsprechend kursierten viele Gerüchte über den Inhalt des neuen Bandes. Die Autorin jedoch ließ in Interviews nur Andeutungen fallen und steigerte damit nur noch die Neugierde auf das Buch. Den letzten Schub erhielt die Nachfrage dann, als eine Woche vor dem offiziellen Erscheinungstermin schon einige Bücher in den Handel kamen. Die Buchhändler sprachen vor der Presse von einem "Versehen" und räumten die Bücher wieder aus den Regalen.

Aber die Kampagne geht weiter. In einem Interview im letzten Jahr zeigte Joanne K. Rowling eine Mappe und verkündete: "Hier ist das Schlusskapitel zum siebten und letzten Band. In diesem Kapitel wird alles aufgeklärt." Damit geht der Hype um Harry Potter wohl in die nächste Runde [492] .

5) Exclusivity

Verknappen Sie ihr Angebot. Denn damit verzögern Sie die Befriedigung der Wünsche Ihrer Kunden.
Zum einen vermeiden Sie Überschüsse im Warenbestand. Zum anderen werden sich Ihre Kunden glücklich fühlen, wenn Sie das letzte Paket aus dem Regal ergattern.

Die Zukunft als Kampf um die Aufmerksamkeit der Kunden

Schon heute nehmen wir nur noch fünf Prozent der Werbung, die uns umgibt, wahr. Das bedeutet, dass die meisten Werbekampagnen wirkungslos bleiben. In der Zukunft wird sich die Situation weiter verschärfen. Das Werbevolumen wird steigen zusammen mit unserer Fähigkeit, Werbung einfach auszublenden.

Die Aufmerksamkeit der Kunden zu erhalten wird also immer schwieriger. Strategien des Retro-Marketing bieten Lösungsansätze. Denn Sie schmeicheln nicht dem Kunden, sie fordern ihn heraus. Der Kunde muss sich anstrengen, um ein Produkt zu bekommen.

Beim Kauf wird dem Kunden das Gefühl vermittelt, etwas erreicht zu haben, der Sieger zu sein, weil er sich im Besitz des ersehnten Produktes befindet. Der Kauf wird zum Erlebnis. Warum also nicht Werbetricks verwenden aus einer Zeit, in der Einkaufen noch ein Erlebnis war? Manchmal ist es notwendig, zurückzuschauen, um nach vorn zu sehen.

Retro-Marketing ist ein vielversprechender Trend. Ob er aber sich erfolgreich durchsetzt ist nicht ganz sicher. Das Timing ist wie immer entscheidend. Denn jeder, der einer Mode vorangeht, oder ihr hinterher rennt, wirkt unfreiwillig komisch. Und wer weiß, welchen Trend sich die Marketing-Experten schon jetzt für das nächste Jahr ausdenken?

Checkliste:

  • Prüfen Sie Ihr Marketing im Bezug auf Kundenorientierung
    Löst Ihre Kampagne beim Kunden auch das Verlangen nach dem Produkt aus oder dient alles nur der möglichst raschen Befriedigung seiner Bedürfnisse?
  • Untersuchen Sie die Werbung des Produktes in seiner Vergangenheit
    Welche Kampagnen waren erfolgreich und warum?
  • Lassen Sie sich inspirieren
    Gehen Sie ins Museum oder schauen sie sich alte Werbefilme an.
  • Überlegen Sie, wie sich der Charme der Vergangenheit in die Gegenwart übertragen lässt
    Kann das Produktdesign dem Retro-Stil angepasst werden?
  • Bleiben Sie vorsichtig
    Versuchen Sie nicht, alte Kampagnen exakt zu kopieren. Der Retro-Stil verbessert die Vergangenheit: Er stellt neu zusammen, verwendet moderne Materialien und verklärt die gute alte Zeit.

Leseproben:

Einführungskapitel: Marketing The Retro-Revolution [493]

Bücher zum Thema:

Brown, Stephen: Marketing The Retro-Revolution. [494]

Mattenklott, Axel; Schimansky, Alexander(Hrsg.): Werbung. Konzepte und Strategien für die Zukunft. [495]

Links :

Verpackungsmuseum in Heidelberg [496]

Konsumgeschichte in Deutschland im Haus der Geschichte in Bonn [497]

[vw]

E-Business: Erstellung eines Internet-Konzepts

Die Erstellung eines Internet-Konzepts sollte in Verbindung mit einer PR-Strategie erfolgen. Welche Aspekte der "Internetökomomie" dabei wichtig sind und worauf Sie achten sollten, wenn Sie ihr Internet-Konzept entwickeln, erfahren Sie durch eine Zusammenstellung relevanter Folien, die Sie hier herunter laden können.

Verkaufen: Mit Partnerprogrammen neue Verkaufswege erschließen

Hinweis

Ein Praxisleitfaden (nicht nur) für Affiliate Partner.

Von Melanie Tamblé, Andreas Winkler, 2. überarbeitete und aktualisierte Ausgabe, März 2005, 122 Seiten.

Dieser Leitfaden beinhaltet eine leicht verständliche und praxisnahe Einführung in das Thema "Affiliate Marketing" mit Partnerprogrammen und richtet sich an Website-Betreiber, Webmaster und Portale, die nach neuen Ideen suchen, um mit Hilfe von Partnerprogrammen einen Mehrwert für ihre Homepage zu gestalten und die Erträge ihrer Website zu steigern.

Hier kostenlos downloaden [498] .

In einer Hinsicht ergeht es großen wie kleinen Unternehmen im Internet gleich. Um erfolgreich zu sein, braucht man vor allem eins: Traffic, d.h. viele möglichst qualifizierte Besucher und Kunden auf seiner Website.

Die gängigste Methode, um im Internet auf sich aufmerksam zu machen, war bislang die Online-Werbung mit Werbebannern.

Doch das Internet bringt neue Formen eines effizienten Online-Marketings an den Tag: Partnerprogramme/Affiliate Programme schaffen die Basis für eine völlig neuartige Form der Zusammenarbeit von Unternehmen im Internet. Anstatt einzelne Banner auf Werbeplattformen zu platzieren, bauen Unternehmen mit Hilfe des Affiliate Marketings „virtuelle Filial-Netzwerke“ mit vielen „Vertriebs“-Partnern auf, die ihre Produkte und Dienstleistungen unmittelbar auf ihren Websites anbieten und verkaufen. Die Partner werden somit viel direkter in den tatsächlichen Vermarktungs- und Verkaufsprozess einbezogen.

Affiliate Marketing ist mehr als eine neue Form der Online-Werbung - es verwandelt das Internet in eine organisierte Commerce-Gemeinschaft.

Nutzen der Partnerprogramme

Die Nutzung von bestehenden Vertriebskanälen anderer Websites schafft völlig neue Möglichkeiten für Co-Branding und Cross-Selling und somit neue Formen auf unkomplizierte Weise strategische Allianzen im Internet aufzubauen. Die Win-Win-Situation für beide Parteien macht Affiliate Marketing zur ultimativen Form eines elektronischen Joint Ventures.

Der Anbieter (Merchant) kann seine Produkte und Dienstleistungen über viele Partner-Websites im Internet vertreiben. Er zahlt nur erfolgsabhängig und hat daher nur resultatsorientierte Kosten.

Der Partner (Affiliate) wiederum kann neue Produkte und Dienstleistungen in seine Website integrieren. Er schafft dadurch einen Zusatznutzen für seine eigene Website. Ein Affiliate hat eine kosten- und risikolose Möglichkeit sein Online-Geschäft auf virtueller Basis auszubauen.

Die Vergütung ist immer an ein bestimmtes Resultat gekoppelt, die Kosten somit rein erfolgsorientiert.

Potentiale nicht verschenken

Doch Affiliate Marketing stellt auch andere Anforderungen an ein Unternehmen als die traditionellen Werbeformen. Unternehmen die ein Partnerprogramm als kostengünstige Alternative zur Bannerwerbung einsetzen, verschenken mindestens 80% des Potentials. Affiliate Marketing funktioniert nur im Zusammenhang mit einem sorgfältigen Konzept und einen guten Partner Relationship Management.

Grundlage für den Aufbau eines Partnerprogramms ist daher eine vorher geplante und entwickelte Affiliate Strategie.

  1. Was ist Affiliate Marketing?
  2. Welches sind die kritischen Erfolgsfaktoren für ein Partnerprogramm?
  3. Welches sind die wichtigsten Aspekte, die bei einer sorgfältigen Planung zu beachten sind?
  4. Welche Technologie eignet sich für welches Unternehmen?
  5. Wie findet man die richtigen Partner?

Die Kapitel enthalten folgende Werkzeuge:

Preisfindung, Preisakzeptanz für Services

Dabei wirft der Beitrag auch einen Blick auf die Bildung des Preises vor dem Hintergrund eingesetzter Mittel und einer Analyse möglicher Markt- und Wettbewerbschancen.   

Preisfindung

Für viele Unternehmen, auch im Servicebereich, sind klar definierte Preisfindungsprozesse der wesentliche Stellhebel zur Verbesserung der Ertragslage. Umso erfolgversprechender ist der Ansatz, einen bereits in den Entwicklungsprozess von Leistungssystemen integrierten Preisfindungsprozess zur Bestimmung und Durchsetzung der richtigen Preisforderungen für die richtige Leistung am Markt in den Unternehmen zu etablieren. 

Integriert bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Informationen über die am Markt erzielbaren Preise, die kundenseitigen Zahlungsbereitschaften, Wettbewerberpreise sowie geeignete Preispositionierungsstrategien durchgängig bei der Entwicklung und Ausgestaltung der Servicebestandteile Berücksichtigung finden.

Ein derartiger Preisfindungsprozess strukturiert die notwendigen Aktivitäten der Informationsbeschaffung und -bewertung sowie der Entscheidungsfindung. Er regelt die Verantwortlichkeiten einzelner Mitarbeiter und deren Befugnisse im Rahmen der Preisfindung und gibt darüber hinaus Hinweise zum notwendigen Einsatz von Methoden und Werkzeugen.

Ziele

Hierbei ist einerseits die Frage zu klären, mit welchen Komponenten von Serviceleistungen und möglichen Konfigurationen die Anforderungen von Kunden bestmöglich befriedigt werden können. Andererseits, wie durch die Ausgestaltung und Bepreisung der Leistungen für den Markt und deren Einbindung in das gesamte Leistungsprogramm der Ertrag als vordergründiges Ziel unternehmerischen Handelns maximiert werden kann.

Dies erfolgt nach dem Prinzip: Die richtige Serviceleistung in der richtigen Kombination für die richtigen Kunden. Bei der Bestimmung der ertragsoptimalen Leistungskonfiguration sind verlässliche Informationen über die Preis- und Kostenwirkungen unterschiedlicher Alternativen erforderlich.

Leistungen

Die Konzeption eines Service gliedert sich im Wesentlichen in die folgenden drei Bestandteile. Einerseits ist es erforderlich, dass das Ergebnis einer Serviceleistung, das heißt die konkrete Leistung dem Kunden gegenüber, bestimmt wird. Andererseits müssen der Prozess zur Leistungserbringung sowie das zugehörige Servicesystem – die strukturelle und organisatorische Verankerung der Leistungserbringung im Unternehmen – konzipiert werden. Ähnlich der Ermittlung technischer Lösungsprinzipien in der Sachleistungskonzeption werden potenzielle Serviceergebnisse nach Art und Umfang bestimmt. Daraufhin können Services in unterschiedliche Bestandteile strukturiert und hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit bewertet werden.

Optimierung

Durch die zunehmende Detaillierung der Leistungen in der Konzeptionsphase stehen für die weitere Planung des Angebots zunehmend mehr Informationen zu Verfügung. Ebenso können im Rahmen der Konkretisierung einer Serviceleistung zum Beispiel Einschränkungen (Inhalte, Erbringung, Nutzung) auftreten, die die Kombinierbarkeit von Teilleistungen weiter beschränken. Ebenfalls kann die weitere Konkretisierung von Kostenschätzungen ergeben, dass die Realisierung bestimmter Teilleistungen zu kostenintensiv und damit nicht wirtschaftlich ist.

Auf Basis der aus der Ausgestaltung der Leistungen gewonnenen Informationen über die Kombinierbarkeit und Wirtschaftlichkeit der einzelnen Teilleistungen lässt sich nun erstmals die Bündelung der Leistungen festlegen. Integriert in diesen Bündelungsprozess erfolgt eine Optimierung der Preise des Leistungsangebots auf Basis der nun vorliegenden Absatzprognosen und Kostenschätzungen für die realisierbaren Leistungen.

Preisakzeptanz

In der Analyse-Phase wird parallel zur Prüfung der Marktfähigkeit des Serviceangebotes die Akzeptanz der im Vorfeld ermittelten Preise überprüft. Hierfür können zum Beispiel eine repräsentative Gruppe ausgewählter Kunden aus der Zielgruppe, aber auch ehemalige Kunden und Kunden der Wettbewerber befragt werden. Neben der reinen Kaufneigung sollen auch Gründe für eine eventuelle Ablehnung näher untersucht werden. So lassen sich neben einer reinen Akzeptanzabfrage, Kaufwahrscheinlichkeits- oder Präferenzbewertung gegenüber Wettbewerbern die Gründe für eine Ablehnung des angebotenen Leistungssystems erheben und Hinweise für eine mögliche Verbesserung des Angebots ableiten.

Festlegung

Im Rahmen von Neuentwicklungen oder Modifikationen des bestehenden Leistungssystems kann es erforderlich werden, das gesamte Leistungsprogramm des Unternehmens neu festzulegen. So können Preisakzeptanzanalysen neue Informationen zu Kundenwunscherfüllung und Absatzpotenzialen der Unternehmensleistungen hervorbringen.

Ebenso kann im Rahmen des Leistungs- und Preismonitorings für bestehende Services festgestellt werden, dass beispielsweise aufgrund veränderter Wettbewerbsstrukturen eine Neuordnung des Leistungsangebots erforderlich ist. Bei der Durchführung der Leistungsangebotsneuordnung sollten verschiedene, alternative Leistungsprogramme gegenübergestellt und bewertet werden.

Kontrolle

Nach der Markteinführung wird das Leistungs- und Preismonitoring in enger Zusammenarbeit von Controlling und Marketing kontinuierlich begleitend zu dieser Phase des Lebenszyklus des Leistungssystems durchgeführt. Um frühzeitig auf Veränderungen, die sich direkt oder indirekt auf den Erfolg des angebotenen Leistungssystem auswirken können, zu reagieren, werden verschiedene Monitoringgrößen mit geeigneten Toleranzgrenzen definiert. Diese werden in regelmäßigen Abständen mit den im Markt und im Unternehmen erhobenen Daten abgeglichen.

Als Monitoringgrößen kommen neben quantitativen wie Absatzvolumina, erzielte Deckungsbeiträge oder erzielte Preise auch qualitative wie Veränderungen im Leistungsangebot von Wettbewerbern in Frage. Sollten während des Leistungs- und Preismonitorings Abweichungen in den Kenngrößen auftreten, können beispielsweise durch eine Neugestaltung des Leistungsangebots Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Preiswissen

In einer optimalen Preisgestaltung finden sich die Vorstellungen der Kunden wieder. Doch auf welche Elemente achten die Kunden? Was steht im Fokus der Preiswahrnehmung und Preisbeurteilung? Welche Preiskomponenten sollten rabattiert werden und welche nicht? Schließlich muss sich jedes Unternehmen mit den psychologischen Aspekten der Preisfestsetzung beschäftigen, denn die Absatzwirkung hängt wesentlich davon ab, wie der Preis vom Kunden wahrgenommen und beurteilt wird. Experten sind sich einig, dass bei richtiger Anwendung psychologischer Effekte Unternehmen ihre Erlöse signifikant steigern können.

Kenntnis

Die Preiskenntnis, also die Einschätzung von Preisen für angebotene Services am Markt, ist heute bei vielen Kunden immer noch erschreckend niedrig. Dies zeigen etwa Untersuchungen im Finanzdienstleistungsbereich. Viele Unternehmen überschätzen jedoch das Wissen ihrer Kunden und gehen davon aus, dass diese ähnlich gut informiert sind wie sie selbst. Ein Trugschluss, der häufig zu falschen Preis- und Marketingimplikationen führt.

Image

Die Bedeutung des Preisimages ist allerdings noch jedem Unternehmen klar. Aufgrund der mangelnden Preiskenntnis ist dies aber ein wichtiger Indikator für den Kunden. Das Preisimage der Kunden orientiert sich an Preisen, weniger an Produkten, insbesondere an Schlüsselprodukten und Sonderangeboten. Hier gilt es, positiv bei den Zielkunden abzuschneiden.

Manche Unternehmen haben ihr preisgünstiges Image erfolgreich durch attraktive Angebote geprägt. Andere Anbieter haben hingegen ein hohes Preisimage. Sie können nur mit Hilfe intelligenter Preisdifferenzierung ihr Preisimage verbessern, ohne Gewinneinbußen hinzunehmen. Gelingen könnte dies mit der Strategie selektiv günstiger „Schaufensterprodukte“. Übertragen auf den Service: Lösungen, die für den Kunden besonders attraktiv sind.

Wahrnehmung

Die Preisbildung zahlreicher Unternehmen ist heute durch viele Einzelpreiskomponenten gekennzeichnet. Geschickt kombiniert, können daraus jedoch Lösungen entwickelt werden, die attraktiv für den Kunden und profitabel für das Unternehmen sind. Insbesondere bei Paketlösungen mit zahlreichen Leistungen und Services steigt die Komplexität der Preiswahrnehmung und Preisbeurteilung, weil der Anbieter den Kunden die unterschiedlichen Einzelpreise, die verschiedenen Leistungen und Bündelpreise oder die ausgewiesene Ersparnis des Bündelpreises gegenüber der Summe der Einzelpreise präsentieren kann. Durch falsche Preissetzung verschenken Unternehmen Profitpotenziale.

Preiskommunikation

Nicht nur der tatsächliche Preis, sondern auch seine Wahrnehmung durch den Kunden – das Preisimage – beeinflusst die Kaufentscheidung. In einer Analyse zur Preiskommunikation hat das Beratungsunternehmen Mercer die Vorgehensweise von Handelsunternehmen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA verglichen. Im Vergleich der erzielten Umsatzrenditen bleibt Deutschland hinter diesen Ländern deutlich zurück. Um hier erfolgreicher zu sein, sollten die Einzelhändler vor allem folgende Erfolgsfaktoren der Preiskommunikation im Auge behalten:

1. Preiswahrnehmung

Eine positive Preiswahrnehmung wird nicht durch einzelne Billigwerbepreise geprägt, sondern durch eine dauerhafte und nachvollziehbare Preisstrategie.

2. Preisaktionen

Zeitlich begrenzte Lockangebote sind kurzfristig sinnvoll, um Umsätze zu sichern und die Kundenfrequenz zu erhöhen. Wird ihr Anteil zu groß, entsteht bei den Kunden keine positive Preiswahrnehmung, die Verbraucher werden zu Schnäppchenjägern erzogen und an den beworbenen Produkten selbst wird nichts verdient. Das führt zu immer geringeren Erträgen und schadet Image und Umsatz massiv.

3. Preisbotschaften

Auch Vollsortimentanbieter brauchen starke Preisbotschaften wie „Jedes Jahr günstiger“ oder auch den Nachweis des billigsten Preises. Gute Botschaften transportieren, dass das Unternehmen im Sinne des Kunden agiert.

4. Optische Preisgestaltung

Die Preisausschreibung sollte klar, groß und übersichtlich sein. Günstige Preise und Aktionspreise sollten deutlich hervorgehoben werden. Für den Kunden müssen Preisvorteile schnell sichtbar und eindeutig sein.

Preisbereitschaft

Die Bereitschaft des Kunden, Services zu einem bestimmten Preis zu erwerben, hängt nicht allein davon ab, ob Sie einen niedrigeren Preis als Ihre Mitbewerber anbieten. 

Nutzen

Es ist der wahrgenommene Nutzen oder der Wert, den der Service für den Kunden darstellt. Nicht die größere Anzahl an „Features“, sondern das, was der Kunde für sich als wichtigstes Kriterium wahrnimmt, entscheidet. Es ist eine rein emotionale Entscheidung, die über das einfache Muster von Mögen und Nicht-Mögen läuft.

Angebot

Eine „One-Klick-Bestellung“ bei Amazon kann ein Grund sein, eine CD oder eine DVD für einen höheren Preis einzukaufen. Ist die mögliche Ersparnis bei einem anderen Anbieter niedriger als die Suchzeit (subjektives Kostenelement), wird ein höherer Preis von vornherein akzeptiert. Dieses gilt insbesondere für den Beschaffungsprozess in Unternehmen. Im B2C-Handel können preissensitive Kunden allerdings auch jenseits des Rationalen viel Zeit bei der Suche nach vermeintlichen Schnäppchen verbringen.

Mehrwert

Kostenfreie Belieferung oder Abbuchung der Rechnung erst nach vier Wochen können ebenso einen subjektiv wahrgenommenen Mehrwert darstellen wie die persönlichen Profile bei einem Buchhändler. Da diese Präferenzen aufgrund der vorherigen Einkäufe ermittelt wurden und anhand derer Vorschläge für weitere Produkte entwickelt werden, entsteht eine Wechselhürde zu einem anderen Buchhändler.

Hinweis

Vom Autor ist auch das Buch Service erfolgreich machen [499] erschienen.