Schwierige Beziehung: Chef und Mitarbeiter
Ja, die Beziehung zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten ist nicht immer einfach. Vorurteile, wo man nur hinschaut. Die Mitarbeiter denken: „Die da oben haben doch gar keine Ahnung von unserer Arbeit und schlecht bezahlt werden wir noch dazu. Ein Lob wäre so langsam ´mal angebracht!“ Der Chef hingegen meint: „Das Engagement der Mitarbeiter lässt zu wünschen übrig. Bei jeder Überstunde gehen sie gleich auf die Barrikaden. Dabei muss manches Projekt eben unter Zeitdruck fertig werden. Und dann wollen sie dafür auch noch mehr Geld!“
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Beziehungskonflikt: Warum Mitarbeiter Vorurteile pflegen und es ihren Vorgesetzten schwer machen
Jeder hat seinen Standpunkt und sieht (nur) seine eigene Situation. Damit sich Chef und Mitarbeiter im wahrsten Sinne des Wortes besser verstehen, müssen sich beide einmal in die Situation des anderen versetzen und „Verständnis“ zeigen.
Die Lösung: Geben und Nehmen im richtigen Verhältnis
Jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland beurteilt seinen Job als schlecht. Nur eine Minderheit ist zufrieden. So das Ergebnis einer Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes vom Juni 2009. Warum sind so viele so unzufrieden?
Ein Grund dafür sind zu hohe Erwartungen an die Arbeitsstelle. Wer viel erwartet, wird schnell enttäuscht. Denn ein Job ist ein Job und nur in den seltensten Fällen eine Erfüllung. Arbeit ist Mittel zum Zweck, um sich sein Leben mehr oder weniger gut zu finanzieren. Wenn Mitarbeiter dieses Grundprinzip einmal verinnerlicht haben, gehen die hohen Erwartungen zurück und sie sehen den Job als das, was er ist: Arbeitszeit und keine Freizeit.
Aber auch Vorgesetzte sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie keine Wunderleistungen von ihren Mitarbeitern erwarten dürfen. Es heißt zwar „Human Resources“, aber Menschen sind nicht immer gleich leistungsfähig und können auch einmal Fehler machen. Wenn Arbeitgeber Mitarbeiterpflege betreiben und ihre Mitarbeiter fair behandeln, bekommen sie auch eine bessere Leistung zurück.
Die berühmte Work-Life-Balance kann dabei helfen. Sorgen Sie als Chef für eine gute Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Mitarbeiter können so wieder frischer an die Arbeit gehen und die Krankheitstage nehmen automatisch ab, weil Erholungsphasen der Gesundheit sehr förderlich sind.
Die Entlohnung ist auch so ein Thema. Mit der Höhe des Gehalts sind die Mitarbeiter prinzipiell unzufrieden. Das wichtigste für Arbeitgeber ist, dass sie auf Gerechtigkeit achten sollten. Die Vollzeit-Mitarbeiter widmen fast ihre ganze Lebenszeit ihrer Arbeit und müssen mit dem Gehalt dieses Leben auch finanzieren können.
Mitarbeiter hingegen sollten auch fair bleiben und sich nicht eigenmächtig ihr Gehalt aufbessern, indem sie sich im Büro oder im Laden selbst bedienen oder stundenlang privat im Internet surfen.
Ein weiterer Fehler ist es, sich und seine Leistung mit der von Kollegen zu vergleichen. Das führt nur zu Unzufriedenheit. Manche Menschen möchten sich einfach nicht eingestehen, dass der Kollege beispielsweise eine bessere Ausbildung oder Qualifizierung hat oder einfach in einem anderen Bereich arbeitet, wo gute Mitarbeiter rar sind. Machen Sie sich das Arbeitsleben selbst nicht schwerer als es ist: Finden Sie sich mit Gehaltsunterschieden ab!
Mitarbeiterbeteiligung bei dm
Der Drogeriemarkt dm hat schon früh erkannt, dass es sich auszahlt, wenn sich Kunden wohlfühlen beim Einkaufen. Und das erreicht man nicht alleine mit günstigen Preisen, sondern es sind vor allem zufriedene Mitarbeiter nötig, die freundlich auf Kunden eingehen.
Und so ist, was die Bezahlung betrifft, bei dm der Einzelhandelstariflohn die Untergrenze. Darüber hinaus legt das Unternehmen im Verlauf und am Ende des Jahres jeweils noch etwas drauf. Die Höhe der Sonderzahlungen – in Form von Einkaufsgutscheinen – richtet sich nach dem Geschäftserfolg. Unterschiede nach Hierarchie gibt es dabei nicht, jeder bekommt den gleichen Betrag. Lediglich zwischen Voll- und Teilzeitkräften wird unterschieden.
[Quelle: faz.net]
Weitere Maßnahmen, damit Chef und Mitarbeiter besser miteinander klarkommen:
Mitarbeiter involvieren: Mitarbeiter beklagen sich oft über mangelnde Möglichkeiten zur Mitbestimmung.
Bitte bedenken Sie als Mitarbeiter: Versetzen Sie sich in die Lage des Vorgesetzten. Er hat mehrere Mitarbeiter und kann nicht alle Ideen und Meinungen berücksichtigen. Er bekommt auch Begrenzung von oben und muss sich an gewisse Dinge halten. Außerdem ist er für das Ergebnis verantwortlich und muss deshalb die Entscheidungen danach treffen.
Bedenken Sie als Chef: Sie sollten eingenverantwortliches Handeln zulassen, sonst sind Ihre Mitarbeiter irgendwann demotiviert und machen am Ende gar nichts mehr (innere Kündigung). Teilen Sie Verantwortung und versuchen Sie die Ideen der Mitarbeiter ab und zu einmal einfließen zu lassen. Dies steigert die Motivation und dadurch die Produktivität.
Mehr zum Thema Mitarbeiter involvieren:
Partizipation: Mitarbeiter im richtigen Maß bei Entscheidungen beteiligen
Richtig Kommunizieren: Chef und Mitarbeiter reden des Öfteren aneinander vorbei. Verständigungsprobleme und Missverständnisse bestimmen den Arbeitsalltag. Wenn der Mitarbeiter nicht weiß, was er, wie machen soll, weiß er auch nicht, wie die Reaktion des Chefs auf sein Verhalten sein wird. Die Reaktion wird er dann immer als willkürlich empfinden. Deshalb sollten Vorgesetzte mehr und besser kommunizieren, das heißt nicht im „Manager-Jargon“ sprechen, sondern so, dass es die Mitarbeiter verstehen.
Was Mitarbeiter bedenken sollten: Auch Chefs haben nicht immer alle Informationen von Anfang an parat. Das gibt Ihnen wiederum die Chance, die Prozesse selbst mitzugestalten. Wichtig: Stellen Sie Fragen, falls etwas unklar ist. Nicht einfach darauf los arbeiten, wenn gar nicht klar ist, worum es geht.
Mehr zum Thema Kommunikation:
Strategiekommunikation: Mittleres Management muss Strategien verständlich machen
Loben und Anerkennung zeigen: Viele Vorgesetzte wissen zwar, dass Loben wichtig ist. Doch viel zu wenige wenden es an, um ihre Mitarbeiter zufriedenzustellen. Bei ihnen gilt eher das Motto: „Nicht geschimpft, ist Lob genug!“
Und auch Mitarbeiter sollten hin und wieder einmal würdigen, dass sie regelmäßig ihr Gehalt bekommen und den Chef dafür loben. Denn die Entlohnung ist ebenso eine Art der Anerkennung der Leistung. Oft sind auch die Vorgesetzten in der Situation, dass sie wiederum gerne mehr Anerkennung von ihren Vorgesetzten hätten. Haben Sie als Mitarbeiter also auch dafür Verständnis, dass Chefs auch nur Menschen sind. Jeder möchte ein Feedback haben, weil er nur so merkt, dass seine Leistung überhaupt bemerkt wird. Natürlich ist Lob besser als Tadel, aber nie eine Rückmeldung zu bekommen ist die demotivierendste Situation. Wenn Chef und Mitarbeiter im richtigen Maße Rückmeldungen geben, können sie zusammen eine Anerkennungskultur schaffen, die zu guten Arbeitsergebnissen führt.
Mehr zum Thema Loben:
Feedback: Regeln und Methoden für die motivierende Rückmeldung an Mitarbeiter
Fazit: Beide Seiten müssen etwas tun, damit ein harmonisches Arbeiten möglich ist. Und dann fühlen sich auch beide Seiten wohl. Sogar, wenn es um die Arbeit und nicht die Freizeit oder das Hobby geht.
Buchtipp
Noch mehr interessante Tipps, wie eine gute Beziehung zwischen Chef und Mitarbeiter funktionieren kann, bekommen Sie im Buch von Volker Kitz und Manuel Tusch "Ohne Chef ist auch keine Lösung"
Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken
[po; Titelbild: yulka - Fotolia.com; Foto Intierviewpartner: Mareike Foecking]
- Teil 1: Bagatell-Kündigungen: Warum Arbeitnehmer zu Straftätern werden und wie man es vermeidet
- Teil 2: Experten-Interview: Ursachen für Bagatelldelikte im Job
- Teil 3: Wie Mitarbeiter und Chefs besser miteinander klarkommen
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