Für Vorgesetzte und Führungskräfte gibt es eine Flut von Ratgebern. Sie wollen vermitteln, wie sie sich verbessern können und Leadership aneignen. Der Tenor: Vorgesetzte müssen motivieren, empathisch und authentisch sein. Sie sollen als Vorbild vorangehen und eine positive Beziehung zu ihren Mitarbeitern pflegen.
Die Autoren dieser Ratgeber nehmen meistens an, dass die Mitarbeiter vernünftige und leistungsbereite Menschen sind, die sich dann engagieren und für das Unternehmen einsetzen, wenn sich ihre Vorgesetzten richtig verhalten. Sie warten nur darauf, dass ihr Chef ihre intrinsische Motivation erkennt und in die richtigen Bahnen lenkt. Dann läuft alles bestens.
Wird da von den Führungskräften nicht zu viel verlangt? Sind es nicht viel öfter die Mitarbeiter, die es ihren Vorgesetzten schwer machen, gute Vorgesetzte zu sein? Das fragten sich die beiden Wissenschaftler Jean-François Manzoni und Jean-Louis Barsoux vom IMD in Lausanne. Sie haben in vielen Interviews mit Mitarbeitern und ihren Vorgesetzten und in zahlreichen Gruppengesprächen versucht, das Beziehungsgeflecht zu entwirren und die Probleme bei der gemeinsamen Arbeit zu erkennen. Im Vordergrund stand dabei, wie Mitarbeiter ihre Chefs einschätzen und wie sie deren Verhalten steuern.
Viele problematischen Beziehungen und Konflikte entstehen dadurch, dass
- Mitarbeiter gegenüber Vorgesetzten Vorurteile mitbringen und
- sie ihre Wahrnehmung einseitig so ausrichten, dass Vorurteile bestätigt und ihre negative Einstellung verstärkt wird.
Furcht, Vorbehalte, Vorurteile, Ablehnung – wenn ein neuer Chef kommt
Jeder neue Vorgesetzte erzeugt bei seinen Mitarbeitern erst einmal Furcht und Vorbehalte. Diese resultieren meist aus früheren Erfahrungen. Die Mitarbeiter fragen sich:
- Wie lange wird der neue Chef wohl bleiben?
- Ist er zugänglich?
- Hört er zu?
- Ist er in seinem Verhalten konsistent?
- Gibt er ein klares Bild von seinen Ansprüchen und Anforderungen?
Die ersten Eindrücke sind prägend. Sie legen das Bild fest, das die Mitarbeiter von ihrem Chef haben – und das ihre Einstellung und ihr Verhalten ihm gegenüber für eine lange Zeit ausmachen. Studien zeigen, dass sich in den ersten fünf Tagen entscheidet, was Mitarbeiter von ihren Chefs halten. Und das wirkt sich viele Monate auf die beiderseitige Beziehung aus.
Das Problem, das sich daraus ergibt: Die Mitarbeiter verhalten sich gegenüber ihrem Chef so, wie sie es aufgrund des ersten Eindrucks für angemessen halten. Mit der Folge: Der Chef wird immer mehr zu dem Chef, den die Mitarbeiter sich vorgestellt haben. Ein Teufelskreis.
Für Premium-Mitglieder: Prüfen Sie Ihre Beziehung als Vorgesetzter oder als Mitarbeiter mit der folgenden Arbeitsvorlage:
- Aufgabendelegierung
- Change Management
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- Kommunikationskompetenz
- Kommunikationsmanagement
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