Beziehungskonflikt Warum Mitarbeiter Vorurteile pflegen und es ihren Vorgesetzten schwer machen

Teil 2: Schlechte Erfahrungen prägen nachhaltig

Warum pflegen die Mitarbeiter ihre Vorbehalte und Vorurteile? Ein wichtiger Grund dafür ist, dass sie mit anderen Vorgesetzten aus ihrem bisherigen Berufsleben schlechte Erfahrungen gemacht haben. So haben sie ihre kritische, negative und oft auch zynische Haltung gegenüber neuen Chefs über Jahre hinweg gepflegt.

Eine solche Grundstimmung kann dem neuen Chef auch dann entgegenschlagen, wenn sich einer der Mitarbeiter selbst für die Führungsposition beworben hat – und nun mit ansehen muss, wie ihm ein anderer vor die Nase gesetzt wird. Er fördert auch im Kollegenkreis, dass diese ihre Vorbehalte deutlich machen. Alle wollen, dass der neue Chef scheitert.

Der tut sich auch dann sehr schwer, wenn er sich gegen einen erfolgreichen und beliebten Vorgänger durchsetzen muss. Seine Mitarbeiter stellen Vergleiche mit ihrem alten, geschätzten Chef an und sind fest davon überzeugt, dass der neue schlechter ist.

Das zeigen auch Studien: Die Mitarbeiter machen sich ein negatives Bild von ihrem neuen Chef – und das passt gar nicht zu dem, wie sie sich ihren Chef eigentlich vorstellen. Die Folgen sind: Unzufriedenheit und eine schlechte Zusammenarbeit.

Mitarbeiter beäugen ihre Chefs sehr genau

Alles, was der Chef sagt und tut, legen seine Mitarbeiter aus. Und zunächst beziehen sie das auf sich selbst. Sie prüfen: Hat der Chef mich kritisiert? Passt ihm etwas nicht an meiner Person? Geht er über meine Vorschläge hinweg? Bevorzugt er andere? Hat er für sie mehr Zeit? Je mehr ihre eigene, stille Antwort auf solche Fragen „Ja“ lautet, desto schlechter wird ihr Bild von ihrem Vorgesetzten.

Verstärkt wird das, wenn Veränderungen anstehen. Befindet sich das Unternehmen in einer Krise, müssen neue Projekte angeschoben werden oder Prozesse reorganisiert werden – die Vorgesetzten müssen den Wandel anstoßen und vorantreiben. Dabei ecken sie bei ihren Mitarbeitern oft an. Diese verlieren ihren Glauben an ihren Chef, fühlen sich übergangen oder ungerecht behandelt – und wenden sich von ihm ab. Auch hier sind die Folgen: Unzufriedenheit, Missmut, Ablehnung, Widerstand.

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