„Da kommt er, der neue Chef“, flüstert ein Mitarbeiter dem anderen zu. Die Gerüchteküche brodelt. Keiner kennt ihn, keiner weiß, was er vorhat. Nur eines ist klar: Das ist der neue Vorgesetzte, mit dem alle jetzt irgendwie zurechtkommen müssen. Ob das klappt? Da haben viele im Kollegenkreis ihre Bedenken und manche haben schon über ihre großen Befürchtungen gesprochen.
Und der Chef? Ist er zum ersten Mal in der Rolle, dass er eine Führungsaufgabe mit Personalverantwortung übernimmt, dann ist er sehr aufgeregt. Im Kopf schwirren viele Fragen herum: „Wie werden mich die Mitarbeiter aufnehmen? Welchen Eindruck hinterlasse ich? Werden sie mich unterstützen?“ Erfahrene Führungskräfte sind da schon viel gelassener. Selbstbewusst denken manche: „Ich werde das schon in Griff kriegen. Wäre doch gelacht. Die Geschäftsleitung erwartet von mir, dass ich den Laden mal richtig aufmische. Das mache ich. Und wenn es nicht klappt, ich bin eh bald wieder weg.“
So unterschiedlich die Einstellungen und die Verhaltensweisen der Mitarbeiter und des neuen Chefs sind, so entscheidend sind die ersten Arbeitstage der Führungskraft. Sie bestimmen nicht nur über Wohl und Wehe der Menschen, die da zusammenarbeiten sollen, über die Leistungen und die Stimmung im ganzen Team, sondern auch über den Erfolg des Unternehmens. Denn wenn es am Anfang nicht klappt, dann wird das Team dauerhaft darunter leiden und viel schlechtere Leistungen zeigen, als es eigentlich kann. Schwelende und offene Konfliktherde zwischen Mitarbeitern und ihrem Vorgesetzten können das ganze Unternehmen in Atem halten.
Stimmen Sie sich auf Ihre neue Rolle ein
Wer eine neue Führungsrolle übernehmen will, muss sich darauf gründlich vorbereiten. Die Bedingungen und Möglichkeiten, seine neue Rolle auszufüllen, sind sehr unterschiedlich. Eine erste wichtige Frage ist: Woher kommt der neue Vorgesetzte? Unterscheiden lassen sich: Der neue Chef
- war früher Kollege, wurde nun von der Geschäftsleitung aus dem Team ausgewählt und soll jetzt seine alten Kollegen führen und managen;
- kommt aus dem eigenen Unternehmen, aber aus einem anderen Bereich, die Mitarbeiter kennen ihn vielleicht, wissen aber nicht, wie die Zusammenarbeit sein wird;
- kommt aus einem anderen Unternehmen, niemand kennt ihn, niemand weiß, was er mitbringt, niemand weiß, was er will.
In jedem Fall eine angespannte Situation. Jeder bringt Erwartungen, Hoffnungen, Befürchtungen oder Ängste mit. Manches verdichtet sich zu Vorurteilen, hin und wieder auch zu Vorverurteilungen. Die meisten Menschen fürchten sich vor Veränderungen – und genau das verbinden sie mit einem neuen Vorgesetzten. Auch wenn er nicht gleich Jobs streichen wird (auch das kann seine Aufgabe sein), so wird er doch vieles anders sehen und anders tun als sein Vorgänger. Zumindest müssen sich die Mitarbeiter auf einen anderen Arbeitsstil einstellen. Andere verbinden mit dem neuen Chef Hoffnungen – darauf dass jetzt alles anders gemacht wird (nämlich in ihrem Sinne), dass sie endlich die Gehaltserhöhung bekommen, dass sie mehr Einfluss gewinnen und der Neue sie bei ihren Karriereplänen unterstützt. Kann ein neuer Chef es jedem Recht machen?
Immer kommt es darauf an, was in der Vergangenheit passiert ist und welche Kräfte die Gegenwart bestimmen. Das ist die Basis für alles, was in der Zukunft möglich ist. Als neuer Chef sollten Sie sich also zunächst mit der Vergangenheit und der Gegenwart ihres Teams beziehungsweise des Bereichs befassen, für den Sie nun die Verantwortung tragen. Überlegen Sie, in welcher Rolle die Mitarbeiter Sie sehen und welches Verhalten sie von Ihnen erwarten. Klären Sie für sich selbst, welche Einstellung Sie mitbringen und welches Rollenverständnis Sie haben. Was passt zusammen? Wo zeichnen sich Differenzen ab?
Stichwort
Team: Hier geht es zunächst um die Zusammenarbeit einer Führungskraft mit den Mitarbeitern, mit denen sie regelmäßig direkt und unmittelbar zu tun hat, denen sie direkt Anweisungen erteilt, Aufgaben delegiert oder von denen sie Informationen und Berichte erhält.
Bereich: Damit sind alle Mitarbeiter gemeint, die der Führungskraft organisatorisch unterstellt sind, auch wenn sie nicht unmittelbar mit ihr zusammenarbeiten. Die Mitarbeiter eines Bereichs sind im Allgemeinen von den Entscheidungen und den Maßnahmen der Führungskraft betroffen.
- Teil 1: Neu als Vorgesetzter: Der erste Auftritt vor den Mitarbeitern
- Teil 2: Vom Kollegen zum Vorgesetzten
- Teil 3: Der unbekannte Neue
- Teil 4: Die richtige Antrittsrede
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