Warum ist es auch für gestandene Führungskräfte und Leistungsträger im Unternehmen manchmal so schwer, Aufgaben zu delegieren? Die Antwort auf diese Frage ist fast immer die gleiche: Chefs zweifeln daran, dass ein Mitarbeiter diese Aufgabe pünktlich oder in der erforderlichen Qualität lösen kann.
Deswegen ein Tipp vorab: Vereinbaren Sie mit Ihrem Mitarbeiter während eines solchen Prozesses regelmäßige Gespräche, durchaus auch mit dem Ziel, ihn zu kontrollieren – im Sinne von Orientierung geben. So kann der Mitarbeiter lernen, stufenweise Verantwortung zu übernehmen und leistungsfähiger zu werden. Häufig hört man allerdings auch die Meinung: Wenn delegieren, dann komplett. Wie die Praxis zeigt, lohnt es sich hier aber, differenziert vorzugehen. Erfolgreich delegieren bedeutet nämlich vor allem eines: Vertrauen aufbauen.
Als Analogie kann es hier hilfreich sein, einen Blick auf systemische Zusammenhänge und Lösungsmuster in der Natur zu werfen. Denken wir etwa an die Selbstregulierungskraft eines natürlichen Systems wie eines Flusses. Ein natürlicher Fluss hat eine seiner Geografie und Geologie entsprechende Fließgeschwindigkeit. Die Richtung ist klar: zum Meer. Es gibt also ein klares Ziel für alle Beteiligten des Systems. Der Fluss ist in sein natürliches System eingebettet und lebt mit seinen Umwelteinflüssen im Gleichgewicht.
Er reguliert sich von selbst. Gibt es eine Störung, etwa, weil eine Fabrik Abwasser einleitet, besteht eine erstaunliche Selbstheilungskraft – wie von Zauberhand verschwinden die Schadstoffe wieder. Tatsächlich ist dies das Werk zahlreicher hoch spezialisierter Kleinstlebewesen und Stoffwechselprozesse, die hier ihren Beitrag leisten, um den Fluss wieder zu reinigen. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren führt dazu, dass das Wasser gesäubert und das Problem gelöst wird, um so den Organismus als Ganzen nicht zu gefährden. Das funktioniert so gut, weil alle Beteiligten wissen, dass sie ein gemeinsames Ziel verfolgen: die Gesundheit des Flusses. Alle ordnen sich diesem Ziel unter und können sich darauf verlassen, dass jeder seine Teilaufgabe erfüllt. Dieses implizite Vertrauen macht das System verlässlich und stark.
Auch ein Unternehmen kann ein System sein, das über die Fähigkeit der Selbstregulation verfügt und in der Lage ist, Störungen eigenständig und effektiv abzufangen. Wie beim Fluss setzt das jedoch voraus, dass die Beteiligten auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet sind und die Möglichkeit haben, ihre Stärken mit Blick auf dieses Ziel einzusetzen. Konkret heißt das: Ist das gemeinsame Ziel bekannt und können sich alle darin wiederfinden? Hat die Führungskraft Vertrauen in die Fähigkeiten, die Ressourcen und das Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter, werden die Mitarbeiter sich an diesem Ziel ausrichten und sich – ihren Stärken entsprechend – für dieses Ziel engagieren.
Es entsteht eine stabile und leistungsfähige Mannschaft, bei der die Mitarbeiter mitdenken, auf unerwartete Ereignisse reagieren – und sich dafür einsetzen, immer das Beste zu erreichen. Folgen Sie dem Beispiel des Flusses: Machen Sie Ihre Mitarbeiter lieber entscheidungskompetent und groß, anstatt sie durch Kontrolle klein und abhängig zu halten. Übertragen Sie ihnen Verantwortung und sorgen Sie dafür, dass jeder das tun kann, was seinen Fähigkeiten am besten entspricht.
Erfolgreiches Delegieren erfordert allerdings einen klaren Delegationsauftrag. Um diesen deutlich herauszuarbeiten, sollten Sie versuchen, die folgenden sechs „W-Fragen“ zu beantworten:

