Was sind die häufigsten Fehler, die Managern in Ihrer Kommunikation unterlaufen? Wie entstehen diese Fehler? Und was kann man dagegen tun?
Daniel F. Pinow: Einer der häufigsten Fehler, den Führungskräfte begehen, ist leider auch der schwer wiegendste: der Fehler, die Bedeutung der Kommunikation zu unterschätzen. Viele Vorgesetzte meinen, Kommunikation passiere „nebenbei“ und von selbst. Dabei ist Kommunikation die Kerndisziplin der Führung und des Managements. Kommunikation heißt im Wortsinne ja „Verbindung” und „Zusammenhang”. Genau das würde wohl jede Führungskraft ohne zu zögern als Kernaufgabe ansehen: Menschen zusammenbringen, einen, gemeinsam zum Erfolg führen …
Um so erstaunlicher, wie wenig Aufmerksamkeit viele Führungskräfte ihrer Kommunikationskompetenz widmen: der Art und Weise, wie sie Botschaften übermitteln, wie sie Signale deuten, wie sie ihren Mitarbeitern zuhören und mit ihnen in Dialog, in ein wirkliches Gespräch treten. Diejenigen, die die Bedeutung erkannt haben, wissen, dass nur ganz wenige als „Kommunikator“ geboren werden, und arbeiten an sich selbst: im Training, im Coaching und vor allem durch ständige Rückmeldung über ihr Verhalten, die sie sich selbst von ihren Mitarbeitern holen.
Was ist bei den unterschiedlichen Kommunikationswegen, beispielsweise bei E-Mails, zu beachten?
Daniel F. Pinow: Ich möchte hier nur ein Beispiel herausgreifen und auf die Unsitte, zu viele Personen auf den E-Mail-Verteiler zu setzen, eingehen. Diese berühmt-berüchtigte „CC-Kultur“ kann mehrere Ursachen haben. Entweder sind die Mitarbeiter nicht bereit oder nicht fähig, selbst zu entscheiden, und versuchen sich bei jedem Vorgang von möglichst vielen Personen absichern zu lassen. Oder die Mitarbeiter erwarten gar nicht, dass der eigentliche Adressat adäquat reagiert, und versuchen ihr Ziel zu erreichen, indem sie möglichst viele informieren – und auf diese Weise viele Personen beschäftigen, im schlimmsten Fall von anderen Aufgaben abhalten.
So oder so: Eine ausgeprägte „CC-Manie“ ist immer Symptom einer ungesunden Kommunikationskultur. Das ist keine Lappalie, wenn man bedenkt, wie viel Arbeitskraft auf diese Weise unsinnig gebunden wird.
Wie ändern sich die Kommunikationsgewohnheiten im Laufe eines Berufslebens?
Daniel F. Pinow: Mit jedem Karriereschritt nimmt die Bedeutung der Kommunikationskompetenz zu. Im Idealfall eignet sich eine Führungskraft Schritt für Schritt neue Fähigkeiten an und arbeitet parallel an der Persönlichkeitsentwicklung.
Techniken für Gesprächsführung und aktives Zuhören benötigt man schon früh im Managementleben, sukzessive kommt der Bedarf an vertieften Kenntnissen zum Beispiel in Präsentationstechniken, Verhandlungstechniken, Umgang mit den Medien hinzu.
Kommunizieren Führungskräfte anders als normale Angestellte?
Daniel F. Pinow: Auf alle Fälle tragen sie mehr Verantwortung. Deshalb haben sie mehr zu sagen – und sollten dies auch tun.
Daniel F. Pinnow ist Geschäftsführer der Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft GmbH in Überlingen und Bad Harzburg.
Antworten auf die Frage: Wenn Sie eine Kommunikationssünde Ihres Chefs abstellen könnten, welche wäre das?
- Dumme Sprüche
- Ungeduld – Abwürgen von Themen
- In Meetings Monologe halten und die Meinung der Mitarbeiter nur alibimäßig abfragen
- Ausschweifen bei Gesprächen
- Nicht zuhören
- Zu persönliche, zu ausdauernde, immer wieder von vorn aufgerollte Gespräche
- Maßlose Übertreibungen
- Nachts E-Mails schreiben und morgens Feedback erwarten
- Unbedingt besseres Schriftbild erforderlich
- Immer der Wortführer (bei Gesprächen in Gruppen) sein zu müssen
- Unsachlicher Umgangston, respektlose Kommentare
- „Ich hab’ da noch was – reden wir beim nächsten Mal drüber.“ Und dann beim nächsten Treffen nicht mehr wissen, was er sagen wollte …“
- E-Mails wahllos weiterleiten
- Dazwischenreden und Unterbrechen
- Schönreden von negativen Abläufen in der Organisation
- Endlos monologisieren am Telefon ohne Pause für Zwischenfragen
- Schwafelnde Monologe
- Zu beschäftigt zu sein, um sich die entscheidenden fünf Minuten „Small Talk“ zu nehmen
- Die Worte im Mund herumzudrehen
- Verwendung englischer Begriffe, für die es durchaus auch deutsche Wörter gibt
Quelle: Studie „Führung beim Wort nehmen. Wie kommunizieren deutsche Manager?“ Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft 2008.
[C. Gregor Landwehr]
- Teil 1: Führungskompetenz: Wer das Sagen hat, sollte reden können
- Teil 2: Führungskräfte machen sich unverständlich
- Teil 3: Zwölf Regeln für unmissverständliche Kommunikation
- Teil 4: Interview mit Daniel F. Pinow von der Akademie für Führungskräfte, Überlingen und Bad Harzburg
- Aufgabendelegierung
- Beziehungsmanagement
- Change Management
- Coaching
- Führungsethik
- Führungspsychologie
- Führungsstil
- Gesprächsführung
- Konfliktmanagement
- Leistungsbeurteilung
- Mitarbeiterorientierung
- Mitarbeiterzufriedenheit
- Motivation
- Personalbewertung
- Persönlichkeitsentwicklung
- Rückmeldung
- Teamarbeit
- Vertrauen
- Zielplanung
- Zusammenarbeit