Problemazubis Mit schwierigen Auszubildenden richtig umgehen

Teil 3: Eine Lösung zusammen mit dem Azubi finden

Gerade bei der Führung junger Menschen ist viel Sensibilität nötig. Im Gespräch mit dem Azubi sollten Sie Ihre Position offen darlegen. Sagen Sie, was Sie stört und welche Veränderung Sie sich wünschen, so konkret wie möglich. Drücken Sie auch Ihre Gefühle aus. Sagen Sie in Ich-Botschaften, was Sie bewegt, warum Sie das Verhalten des Azubis stört und was es für Sie bedeutet.

Lassen Sie sich durch die Antworten oder die Reaktion des Azubis nicht provozieren, sondern nehmen Sie eine Bedenkzeit und reagieren Sie sachlich. Beobachten Sie sich selbst, wie Sie reagieren. Oft fällt es sehr schwer, eine solche Konfliktsituation auszuhalten; das Unterbewusstsein reagiert, ohne dass Sie dies direkt steuern können. Versuchen Sie, dieses soweit es geht zu kontrollieren. Erklären Sie, dass Sie bereit sind, eine konstruktive Lösung zu finden.

Verhandeln Sie dann mit dem Azubi eine Lösung. Identifizieren Sie, worauf Sie sich einigen können und behandeln Sie die strittigen Punkte danach Schritt für Schritt. Beide Seiten müssen dabei abwechselnd aufeinander zukommen.

Halten Sie alle Vereinbarungen schriftlich und möglichst genau fest, sodass es später nicht zu unterschiedlichen Deutungen kommt. Bleiben Sie dabei realistisch und vereinbaren Sie nichts, worauf Sie sich nicht selbst einlassen können oder wollen.

Ob und mit welchem Aufwand und Einsatz Konflikte bearbeitet, bewältigt oder gelöst werden können, hängt von vielen Faktoren ab. Besonders wichtig ist zu erkennen, in welcher Phase sich ein Konflikt befindet. Ist er noch in einer frühen Phase und noch nicht eskaliert, dürfte es einfacher fallen – und auch weniger dramatisch zugehen. Deshalb: So früh wie möglich handeln!

Sprechen Sie auch mit den Verantwortlichen in der Berufsschule über die Probleme. Die können eventuell parallel noch positiv auf den Auszubildenden einwirken.

Wenn Sie einen Betriebsrat haben, kann dieser die Rolle des Vermittlers übernehmen, falls Sie selbst nicht mehr an den Azubi heran kommen. Etwas seltener gibt es im Betrieb auch eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV). Diese vertritt die Interessen der Jugendlichen unter 18 Jahren sowie von Auszubildenden, Praktikanten und Werkstudenten unter 25 Jahren.

Hinweis

Weitere Informationen zur Bewältigung von Konflikten:

Konfliktmanagement: Konflikte erkennen und konstruktiv bewältigen

Azubis fühlen sich häufig nicht verstanden.

Bei jungen Erwachsenen ist es wichtig, zuzuhören und sich im Gespräch auf Augenhöhe zu begeben. Sie gewinnen das Vertrauen Ihrer Azubis aber nicht dadurch, dass Sie bewusst locker sind und sich an den Sprachschatz der Jugendlichen anpassen. Das ist unglaubwürdig.

Die frischen Auszubildenden schätzen Menschen, an denen sie sich orientieren können und die ihnen ein Vorbild sind. Ausbilder, die klare Standpunkte vertreten und offen kommunizieren sowie sich Zeit für die Azubis nehmen, werden besser akzeptiert und geachtet. Das stärkt das gegenseitige Vertrauen. Dieser Vertrauensaufbau schafft die Grundlage, um auch mit möglicherweise auftretenden Problemen umgehen zu können. Er beginnt bereits am ersten Tag. Nehmen Sie sich also schon zu Beginn des Ausbildungsverhältnisses ausreichend Zeit für Ihren neuen jungen Mitarbeiter.

Tipp

Begeistern Sie die Azubis, indem Sie ihnen die Erfolgsgeschichte von Ihrem Unternehmen erzählen. Berichten Sie auch über die Strategie, die Produkte, die Führungsleitlinien, die Marktstellung, die Größe, die Betriebsstätten sowie das gesellschaftliche Engagement. Übertragen Sie Ihre eigene Begeisterung auf die jungen Menschen. Dadurch können sie sich viel besser mit dem Betrieb identifizieren. Erläutern Sie den Auszubildenden auch, welche Bedeutung ihre Stellen in der Abteilung, für den Betrieb und für das Unternehmen haben.

Damit erst gar keine Konflikte ausbrechen, können Vorgesetzte und das Unternehmen präventive Rahmenbedingungen schaffen. Eine gute Grundlage dafür ist eine gelebte Gerechtigkeitskultur. Beispiele dafür sind:

  • klare Regeln vorgeben, an die sich alle halten müssen;
  • offen miteinander sprechen, angemessen kritisieren und loben;
  • fair miteinander umgehen, Entscheidungen erklären und begründen;
  • Sachinteressen über Eigennutz stellen;
  • Lernbereitschaft zeigen;
  • angemessenes Ambiente, humorvoller Umgang, Freundlichkeit als vorgelebte Grundstimmung pflegen;
  • Freiräume schaffen, damit mögliche Konfliktparteien das Konfliktfeld ohne Gesichtsverlust verlassen können;
  • Ein ganz wichtiges Element ist auch das Lob. Wenn der Vorgesetzte die Arbeit des Auszubildenden wertschätzt und er ihm diesbezüglich eine Rückmeldung gibt, motiviert das den Azubi ungemein.

Früher wurden die Azubis ausschließlich nach der klassischen Methode "vormachen, erklären, nachmachen, üben" ausgebildet und eingearbeitet. Diese Methode ist zwar immer noch richtig, wenn es darum geht, die Grundbegriffe des jeweiligen Berufes einzuüben.

Aber wenn Selbstverantwortung gefördert werden soll, bietet sich die Methode der "Handlungsorientierung" an. Dabei geht es darum, dass der Auszubildende sich selbst einen Weg ausdenkt. Diesen dann ausprobiert und aus seinen Fehlern oder Erfolgen lernt. Die Eigeninitiative wird dadurch gefördert und das Urteilsvermögen entwickelt. Das ist auch der Kerngedanke der sogenannten Leittextmethode, nach der Azubis am besten lernen. Folgende sieben Schritten helfen bei der Umsetzung:

  1. Erklären Sie den Azubis die Aufgabenstellung.
  2. Geben Sie ihnen ausreichend Infomaterial, damit sie sich über die Aufgabe informieren können.
  3. Sie sollen einen Plan entwickeln, wie sie die Aufgabe erledigen wollen.
  4. Besprechen Sie diesen Plan mit dem jeweiligen Auszubildenden. Stellen Sie Fragen zum Plan, geben Sie Tipps und Hinweise, aber lassen Sie die Entscheidung zur Durchführung beim Azubi (es sei denn, das wäre mit Gefahren verbunden).
  5. Die Azubis führen nun die Aufgabe nach ihrer Planung durch.
  6. Sie besprechen mit dem Betreffenden die jeweiligen Ergebnisse und legen gemeinsam Optimierungsmöglichkeiten fest.
  7. Daraus entwickeln Sie dann eine neue Aufgabe für den Azubi.

Durch diese Vorgehensweise beziehen Sie den jungen Mitarbeiter mit in den Arbeitsprozess ein und entwickeln wichtige Schlüsselqualifikationen. Zum Beispiel die Fähigkeit zur Planung, zur selbstständigen Informationsbeschaffung und zur kritischen Analyse der Ergebnisse.

Mitarbeitergespräch auch für Auszubildende

Gerade junge Menschen brauchen Orientierung. Daher sollten Führungsverantwortliche beziehungsweise die Ausbilder mindestens zweimal im Jahr Gespräche zur beruflichen Situation und Orientierung mit den Auszubildenden führen. Ein solches Gespräch können Sie am besten führen, wenn Sie ein gutes Vertrauensverhältnis haben. Vertrauen aufbauen können Sie auch, wenn Sie von sich selbst erzählen, auch davon, wie es Ihnen am Anfang Ihrer beruflichen Laufbahn ging. Inhalte dieser Gespräche sind zum Beispiel:

  • Fragen Sie die jungen Menschen nach ihren Zielen. Was sind deren Wünsche und Träume (auch außerhalb des beruflichen Bereichs)? Die Azubis sollten sich diese Ziele aufschreiben und hin und wieder prüfen, ob sie auf dem richtigen Weg zur Erreichung sind.
  • Lob und Kritik: Die Auszubildenden können in diesem Gespräch mitteilen, was sie bedrückt oder wobei es Probleme in der Vergangenheit gab. Aber sie können auch sagen, was ihnen gut gefällt und woran sie die meiste Freude haben.
  • Die schulischen Leistungen können Sie in diesem Rahmen ebenfalls ansprechen.

Um Auszubildende richtig und gut auszubilden, dazu gehört mehr als eine Lizenz. Solange alles reibungslos funktioniert und die Azubis „folgsam“ sind, entstehen auch keine Probleme. Aber im Umgang mit Menschen, gerade auch jungen Menschen, kann es nun einmal zu Schwierigkeiten kommen. Das sollten alle Unternehmen bedenken, bevor sie Jugendliche auf das Berufsleben vorbereiten möchten.

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