
Martin Glania, Chefredakteur von "Berufsausbildung konkret" und Experte auf Praxisportal-Personal.de hat uns in einem Kurz-Interview gesagt, was Ausbilder beim Umgang mit Problemazubis beachten sollten.
Herr Glania, was sollten Ausbilder als Erstes tun, wenn ein Azubi Probleme macht?
Das Erste sollte immer das persönliche Gespräch sein. Auf der einen Seite, um dem Azubi klar zu machen: So nicht! Möglicherweise könnte der Ausbilder auch auf Konsequenzen hinweisen, die irgendwann einmal auf ihn zukommen könnten; bei ständiger Unpünktlichkeit ist beispielsweise eine Abmahnung möglich. Auf der anderen Seite muss von einem solchen Gespräch aber auch eine Portion Motivation ausgehen. Das ist durchaus möglich, wenn dem Azubi klar gemacht wird, wie viel leichter der Ausbildungsalltag empfunden wird, wenn sich das Verhalten oder die Einstellung ändert.
Wie finden Ausbilder die Ursachen heraus, um dann an einer Lösung zu arbeiten?
Auch hier stehen wieder Gespräche an erster Stelle: Nicht nur mit dem Azubi selbst, sondern auch mit den Kollegen, den Fachausbildern in den Abteilungen und den Vorgesetzten. Möglicherweise erfahren Ausbilder so von Konflikten, die ihnen bisher verborgen waren. Oder von privaten Problemen, die auch eine Ursache sein könnten. Sind die Probleme schulischer Art, dann sind natürlich die Berufsschullehrer die wichtigsten Ansprechpartner. Und wenn der Azubi minderjährig ist, dann sind dringend die Eltern gefragt – aber nur dann!
Wie sollten sich Ausbilder verhalten, wenn Drogen oder Gewalt mit im Spiel sind?
Klarer Fall: Hier kann nicht mehr mit Samthandschuhen angefasst werden. Weder sind Drogen noch ist Gewalt im Betrieb akzeptabel. Bei einem gravierenden Vergehen ist auch schon mal eine fristlose Kündigung drin beziehungsweise sogar unumgänglich. Anders stellt sich der Fall dar, wenn Dritte von angeblichen Drogenproblemen (außerhalb des Betriebes) berichten. Sind die Hinweise konkret und offensichtlich wahr, dann kann – ein sehr gutes Ausbilder-Azubi-Verhältnis vorausgesetzt – sogar ein persönliches Gespräch weiterhelfen. Und liegen die Karten offen auf dem Tisch, dann sollte der Ausbilder persönlich helfen: zum Beispiel den Kontakt zu einer Beratungsstelle knüpfen. Aber noch einmal: Kein Pardon bei Gewalt und Drogen im Betrieb! Schließlich müssen sie auch die (Azubi-) Kollegen schützen.
Ist die fristlose Kündigung eine Lösung? Wenn ja, in welchen Fällen?
Eine fristlose Kündigung sollte immer die Ausnahme bleiben und nur die letztmögliche Lösung sein. Aber manchmal geht es nicht anders. Wer (fast) immer zu spät kommt und Abmahnungen ignoriert, wer Gewalt ausübt oder sein Arbeitszeitkonto manipuliert, der muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Ist der Fall dagegen nicht so eindeutig, dann sollte zunächst eine Abmahnung genügen.
Quellen und weiterführende Links
Rechte und Pflichten während der Berufsausbildung
Webiste der Ausbilderförderung
Praxispoertal-Personal.de - Auszubildende
Ralf Hoffman - Mediator bei Problemen mit Azubis
Links für Auszubildende
Online-Beratung für Auszubildende
Azubi & Azubine - Das Portal für Auszubildende
Bundesagentur für Arbeit: Förderung der Berufsausbildung
AusbildungPlus bietet einen Überblick über Ausbildungsangebote
Vorstellung verschiedener Berufe auf BR-online
[po; Bild: Marina Bichevina - Fotolia.com]
Arbeitsvorlage
Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken
- Teil 1: Problemazubis: Mit schwierigen Auszubildenden richtig umgehen
- Teil 2: Ursachen für die Probleme mit Auszubildenden herausfinden
- Teil 3: Eine Lösung zusammen mit dem Azubi finden
- Teil 4: Interview mit Martin Glania, Ausbildungsexperte und Chefredakteur von „Berufsausbildung konkret“
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